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Full text of "Deutsche mythologie"

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600070360V 


600079360V 


A 


DEÜTSCBDE  MYTHOLOGIE 


VON  JACOB  GRIMM. 


DBITTB  AUSGABE 


ZWEITER    BAND. 


GOTTmGEIN 

DIETERICHSCHE  BUCHHANDLUNG 

1854. 


jiys:  /?t..  y6t 


[ 


600070360V 


'T?  v^ 


jidUms  pii 


GAP.  XXI.     bXVBIE  und  THIERE. 

Da  nach  der  ansieht  des  heidenthums  die  ganze  na« 

tur  für. lebendig  galt*]^  den  thieren  spräche  und  verstfindnis 
menschlicher  rede,  den  pflanzon  empfindung  zugegeben, 
unter  allen  geschöpfen  abejr  vielfacher  Wechsel  und  Über- 
gang der  gestalten  geglaubt  wurde;  so  folgt  von  selbst, 
dafs  einzelnen  ein  höherer  werth  beigelegt,  ja  dieser  bis 
zur  göttlichen  Verehrung ,  gesteigert  werden  konnte,  götter 
und  menschen  wandelten  sich  in  bäume,  pflanzen  oder  thiere, 
geister  und  elemente  nahmen  thierformen  an;  es  lag  nahe 
den  cultus,  desfien  sie  tbeilhaft  waren,  der  abgeänderten 
besonderhdt  ihrer  erscheinung  nicht  zu  entziehen,  unter 
diesen  gesiobtspunct  gebracht  hat  eine  Verehrung  der.  bfipme 
oder  thiere  nichts  befremdliches,  roh  geworden  ist  sie  nur 
dann,  wenn  im  bewustsein .  der  menpch^n  das  höhere  We- 
sen hinter  der  fmgenpmmenen  form  schwand  und  diese  nun 
atteui  es  zu  vertreten  hatte. 

Von  göttlich  verehrten  gewachsen  und  geacfaöpfei  zu 
unt^scheiden  siad.  aber  solche,  die  heilig  und  hoch  ge- 
halten wurden,  weil  sie  in  n^b^em  {leziig  zu  göttern  oder 
geistern  stiinden.  dahin  ge^r^  zum  opfer  dienende  pflan- 
zen oder  thiere,  bäume,  i/(nt^r  denen  höhere  wesen  wob« 
nen,  thiere,  welche  sie  begbilteii. 


*)  am  b^zrafanogtiFollsteD  drdekt'  es  der  «Nidisohe  mylfaus  tod 
Baldr  aus:  dem  geliebten  g«lk  alle  drohende  gefahr  abzuwenden, 
nahm  Prigg  eide  ton  trasser»  feuer,  erde,  steinen,  gewfiehsen,  thieren, 
Tögeln^  gewürmen,  ja  .tob  4en  persönlich  gedaoht<$fei  seuehen,  dafs 
sie  seiner  schonen  wollten;  eiaem'  eintig^n  Strauch  erliefs  sie  den 
schwur,  weil  er  zu  jung  war.  Sn. 64.  Um  den  todten  Baldr  weinen 
hernach  alle  geschöple,  menschen,  thiere,  pflanzen,  steine.  6n.  68. 
Der  alts.  dichter  des  Hei.  nennt  die  stnmme  natar  das  *u§queHkan4i' 
nnd  er  dröckt  steh  168,  32  so  ans:  that  thar  waldandes  d6d  im«- 
^fueU^andcM  s6  fllo  antkenniaa  scolda,  that  is  endagon  erika  bir^da, 
hrisidan  thia  b6hnn  hergow,  harda  üinoi  clubon,  feKs6$  after  them 
felde.  zwar  sind  diese  naturereignisse  biblisch  (llattb.  27,  51.  52), 
doch  möglicherweise  schwebte  dem  Terfasser  (wie  s.  134.  264)  eine 
heidnische  torstellung  in  gedanken^  hier  die  kiMe  nm  Beider  der 
nm  den  heiland  ahnlieh.  Herbort  Ififst  alles  den  Hector  b<>jammern: 
bitten ,  sagt  .er  '68*,  steine ,  sinnen ,  kalk  und  send  wits  and  sinn, 
wnrden  sie  auch  geklagt  haben.  Ebenso  tief  in  der  menschlichen 
natur  gegrnnd^  ist,  dafs  der  onf^ckselige  sein  leid  den  felsen,  bXo- 
men  nnd  ir&ldem  kUge ; :  das  ist  schön  aaagespra^hin  in  dem  lied 
Ms«  ,t,  dP.  und  alle ,  <  denen-  hier  geklagt  worden  war,,  erbieteib  sieh 
.%u  hilile.  ....  .       .1     ,.'.'.-.' .' 


614  fiÄüMt; 

Beiderlei  arten  lassen  sicli  kaum  trennen ,  weil  unge- 
naue/vnvollilft«di^  Mqhrictil^  iiichl  zu  erkeanon  ge^n, 
welche  gemeint  sei.  * 

In  wie  hohem  ansehn  WÄLDER  und  BÄUME  bei  den 
heidnischen  Deutschen  standen  hat  schon  das  vieHe  cap. 
gezeigt,  einzelnen  gottheiten,  vielleicht  allen,  waren  baine, 
in  dem  hain  vermutlich  noch  besondere  bftume  geweiht, 
ein  solcher  hain  durfte  nicht  Von  profanen  betreten,  eifi 
solcher  bäum  nicht  seines  laubes,  seiner  zweige  beraubt 
und  nie  umgehauen  werden  *).  Auch  einzelnen  dämo- 
nen,  elben,  wald  und  hausgeistern  sind  bäume  geheiligt 
(s.  476). 

Ntthere  Schilderungen,  wenn  sie  auf  uns  gekommen 
wftren,  würden  manches  wissenswerthe  von  der  hegung 
ttiid  Unterhaltung  heiliger  Wälder,  Von  den  darin  begang- 
nen opfern  und  fefsten  mittheilen.  Im  indicolus  paganla- 
rum  heifst  es  ^de  sacris  silvaruM,  (}tiae  nlmidä$  vocant*. 
der  deutsche  ausdruck  scheint  mir  uttv^r^erbf,  darum  nicht 
leichter  verständlich:  es  ist  eitl  pluf.  mäsc.  vom  sg.  m- 
mid  **) ,  wir  müsten  von  sämtlichen  bedeutungen  utiter^ 
richtet  sein,  deren  das  einfache  verbum  neman  vor  alters 
fUhig  war,  um  den  sinn  des  Wortes  zu  treffen,  in  das 
deutsche  nimo,  wie  es  arllen  anschein  hat,  einerlei  mit  ^i/tto, 
so  mag  sich  auch  nimid  dem  gr.  pd/tios  und  tat.  nemus  ver- 
gleichen: weidetrift,  wftld  mark,  sacrum  silvae***).  Ur- 
kunden von  1086  und  1150  geben  einen  ortsnamen  Nimö^ 


*)  sacrum  umm»,  nemgu  caMüim  bei  Taeitus.  Qtid.  «mor.  III.  1,1: 
sUt  vetut  et  muUofl  ineaedum  iiha  p0r  aoooi» 
eredibile  est  Uli  numen  ioesse  loqo: 
*     Com  sacer  in  roedio «.  aotcüancaque  pmnioe  pendeoa, 
et  latere  ez  omni  duloe  ^oeruntor  avea. 
Lucan.  phara.  3,  399:    lucoa   erat  longa,  nunquam  n^kou»  ab  aevo. 
So  der  sennouische  wald,  daa  Demua  derNertbw,  daa  slaTiache  lo*- 
cus  Zutibure,   der  preuaajache  hain  Ronow^.     Bei  deu  Ehaten  gilt 
für  ruchloi,  im  heiligen  hain  auch  nur  ein  blatt  4bKobrechen:  so  loeU 
sein  schaUsn  reicht  ^ut  umbra  .pertingit«  .RA   57.  105)   nehmen   sie 
nicht  einmal  eine   erdbeere  weg;    manche  begraben'  heimlich  ihre 
todten  dahin  (Petri  Ebstland  2,  120).      solche  wälder  nennen  sie  hio 
und  davon  heifst  die  iosel  Dagdö  ehstn.  Hiomah^  weil  neben  dem  hof 
Biohof  nahe  ein  geweihter  wald  liegt.    (Thom.  Hiirn). 

"**)  wie  beKd  (heros)  gimeinid  (eommunio)  frumid  pl.  frumidas 
(affs.  frymdas,  primitiae],  barid  (clamor,  das  ich*  ans  Tac.  baritqs 
folgere). 

***)  könnte  mmtd  heidnischer  anadnick  sein  fär  opfer?  o^iieMUM 
heifst  im  13  jh.  mactare,  scUaohten  (rom  tieh  gebraucht)  BerCfacld 
p.  4€  wie  wir  noch  heute  «tAAini,  obsdmnAen  sagen,  Ulf.  nfsntir' 
pan;  Schmids  schwSb.  wb.  405  abnehmen^  geflugel  abschlachtet,  diese 


BÄUME  «IS 

ihm^  Nimetkn  (Mosers  osimlNr.  gaach.  iio.  34.  56),  dietfe  ana- 
logie  kann  weiter  leiten. 

Unter  einsEelnen  heiligten  binmen  hat  gewis  eine  sett<- 
lang  nach  der  bekehrung  das  voIk  fortgefahren  lichter  an* 
sustinden  und  kleine  opfer  darsubringen,  wie  ea  de  noch 
beute  bekrftnst,  nnd  reigen  darunter  ftthrt  (a.  51).  das 
hiefs  in  den  kiivriilichen  rerboten:  ^vota  ad  orboreM  facere 
aut  ibi  candelam  se«  qnodlibet  munus  deferre,  arborem 
colere,  votom  ad  arborem  persolvere,  arhares  daemam^ 
bu$  canaecraUu  coleroi  el  in  tanta  venera tione  habere, 
»1  valgus  nee  ranmi»  nee  surcuhim  amdeai  anqmiare\ 
das  ist  das  ags.  ire^99eorim$g  (onltus  arbomm),  das  altn. 
blöta  faniüfM.  Laiidn.  3,  17.  Die  aeta  Bened.  aec.  2. 
p.  841  berichten:  ^adeat  quoqua  ibi  (an  Lutosas,  heute 
Leuze)  non  ignoti  miraculi  fagus^  nAter  quam  lumkuh- 
ria  saepe  cum  aoeema  abaque  hominom  accessu  videmns,. 
divini  aiiquid  fore  suspicanHir'.  so  nutate  die  kirche  den 
aberglauben  ffir  ihre  wunder:  an  der  steile  des  banns 
wurde  ein  klMler  gestiftet  Von  den  heutigen  Bkaten 
wird  in  RosenpISnlers  beitr.  9,  12  erzählt:  noch  vor 
einigeo  jähren  opferten  sie  »  kirchspiel  Harjel  in  der 
Georgy  Johannis  und  Michaelisnacbt  fin^er  emigen  bäu^ 
menj  d.  b.  sie  eehlachteSen  ein  sekioar»e$  kuhn^).  Von 
der  heiligen  eiche  des  donnergottes  wurde  s.  63.  64.  156. 
168  bericMet,  und  gramm.  2,  997  der  ahd.  ausdruck 
eealdeih  (Uex)  den  ags.  pflanaenaamea  scaldhyfel,  aoald- 
j^yfel  and  dem  auch  oben  s.  83  angeführten  scaido  ver- 
glichen, das  ailea  ist  noch  unsicher  und  bedarf  nfiheren 
anfochlnsses. 

Bei  den  Langobarden  kommt  die  Verehrung  des  soge- 
nannten bhMaums  oder  heiligen  baums  vor  (oben  s«  90)* 
genaueres  davon  meldet  die  vita  sancti  Barbati  in  den 
actis  sanctor.  vom  19  fahr.   p.  139.    Der  heilige  (geb.  um 


bedeutuDg  wfrd  nicfat  io  der  partikel  liegen,  nur  im  worte  selbst  be- 
ruhen: niman'',  nenian  irfire  also  schneiden,  schlachten,  theilen.  m- 
miätu  wiren  im  heil,  baiir,  unter  bäumen  geschlachtete  opfer?  Tgl. 
was  im  tezt  aber  den  langobard.  opferbaum  gesagt  wird.  CeHitche 
etymologien  scheinen  für  diesren  offenbar  sächsischen  indiculos  we- 
niger gerecht  schon  Adelung  (Mithrid.  2,  65.  77)  Terglich  Nemetes 
und  nemet  (templum),  naomh  ist  ir.  sanctus,  neamh  (gen.  nfmhe) 
coelum ,  neimheadh  geweihtes ,  der  kirche  gehöriffes  laod. 

*)  nach  dem  aberglaoben  der  lausitsischen  wenden  gibt  es  wil- 
der, die  jähf^ek  ein  menschenopfer  fordern  (gleich  den  fltlssen, 
oben  s.  462):  e«  mufs  ein  mensch  darin  sein  leben  lassen,  hohla 
djrbi  koj^dtt  Ijeto  jeo«he  ca'lowek«  «Jen*.  (laasHt.  non^^achr.  1797 
p.  74^  ,'       I  o. 


«1«  BÄUME 

602 ,  f  tim  683  ]  lebte  :  za  Beftevent,  unter  den  kt)nigen 
Grimoald  und  Romuald,  das  langoberdiscke  volk  wfar  ge* 
Uiift,  hieng  aber  noch  an  aberglfiubiachen  gebrauchen: 
quin .  etiam  non  ,  longe  «  Beneventi  moenibus  df^votisahn^ 
sacnlegam  cokbcmt  arborem,  in  qua  su^pema  eario 
cuncti  qui  .aderant  terga  vertentes  arbori  celerius  equita^ 
banty  calcaribus  cruentantea  equoa,  ut  unus  altorum  posset 
praeire,  atque  in  eodem  cursu  reiroversis  marUbus  im 
corium  jaculabauiur,  sicque  particulam  modicam  ex  eo 
comedendam  superstittoae  accipiebant.  et  quia  stnlta  iUic 
penohebant  eota,  ab  actione  illa  nomen  ioco  iiii«  s\(M 
hactenus  dicHur,  eoium  impoauerunt  Barbatua  predigt 
vergebens  dawider:  iili  ferina  coecaiti  dementia  ifil  aUaid 
nisi  seseorum  meditantea  vsus,  Optimum  esse  fatebantu|r 
cuUum  legis  tnajorum  worum y  quos  nominatim  bellico«- 
sissimbs  asserebant.  Alsi  Romuald  naeh .  Neapel  zi^ht,  re^ 
pente  beatissimuö  Barbatus  securiflfi  aocipiens  et  ad  eotum 
pergens  auis  mBnüm»  nefandmm  arborem^  in  qua  per  ioi 
iemparis  spaüa  Langobardi  exitiale  sacriiegium  perfioie«^ 
bant,  defossä  humo  a  radicibus  ineidit  ap  deauper  terrae 
congeriem  fecit,  ut  nee  imlicium  etx  ea  quia  postea  -^va* 
luerit  reperire  *).  Diese  nachricfat  vom  niederhauen  '  des 
baums  klingt  prahlerisch  und  unwahrscheinlich)  die  be- 
Schreibung  des  heidnischen  gebrauchs  mag  aber  getreu 
sein,  ich  habe  s.  159  gewiesen,  dafa  von  Osseten  und 
Circassiern  Stangen  mit  thierhätUen  zu  ehren  g6ttUcher 
Wesen  aufgerichtet  wurden,  nach  Jemandes  bei  den  6o- 
then  dem  Mars  ^easuoiae  truncis  suspensae^  (oben  s.  67), 
dafs  überhaupt  thiere  an  opferbäumen  hiengen  (s.  65.  66); 
vermutlich  war  auch  dieser  baüm  einem  gotte  durch  opfer 
heilig  d.  h.  durch  votivopfer  einzelner^,   der  ganze  ort 


*)  eine  andere  titki  Barbati  (das.  p.  112}  eriSblk  folgenderge- 
ftalt:  nam  quid  deipicabiliuB  credendum  est,;  quam  ■ex.mortuis  ani- 
malihus  non  carnem  sed  corium  accipere  ad  esum  comestionis,  ut 
prayo  errori  subjecti  Loogobardi  feeerunt  ?  qui  suisirum  festa  solen- 
nitatum  eqois  praecurrentibus  unus  altero  praecedente ,  sicut  mos 
erat  ^enüliiim ,  arhori  ludilicae  procul  non  satis  Beneyento  eoto  sua 
Mohehant,  Suspensa  itaque  putredo  corii  in  hanc  arhorem  divam 
equorum  sessores  Versis  post  tergum  brachiis  ignomipiam*  corii  cer- 
tabant  lanceolis  yibrare.  cumque .  lanceolis  esse  tibrata  pellis  mortua 
eerneretur,  Veluti  pro  remedio  animae  ex,  hac  illusione  corii  partis 
mediae  factam  recisionem  ^ustabant.  ecee  quali  ridiculo  Tan^e  men- 
tis  homines  errori  subjacebänt  pestifero.        ...  i         .      . 

**j  oben  B.  334;  .Totüm  nickt  blofs  das  gelnbde,  auch  die  abla- 
tio rei  TotiTae.    yotare  puemna  bei  Pertz  2,  93  was  sonst  oipime»., 


ttilllfB  «19 

Uefii  davotii  'ad  YOtm'.  Welche  beiievlong  der-  jpeer* 
wurf  dmrok  die  hängendB  haui  hatle^  ist  noch  aicht  klar; 
auch  inn  Norden  pflegte  man  derci  mrfgehättgte  rohe 
ochieBhäu^  lu  sohieften  (fornm.  aög.  3,  18,  4^  61)  ^  es 
war  zeichen  Ton  kunst  und  stArice.  dafs  es  rttdiwSrtg  ge* 
schab,  erhöhte  die  scbwierigkeii,  und  ist  ganz  alterthüm- 
iich^).  warum  das  berapsgeworfne  stückoheii  haut  genos- 
sen wurde?  ist  schwer  aa  sagen}  s^te  dadurch  verstattete 
theilnabme  an  dem  opfer  (s.  41)  zu  erkennen  gegeben 
werden  ? 

Nicht  blofr  bfiwne  unter  walchen  geopfert,  an  wel* 
eben  faaupt  oder  baut  des  geschlachteten  tbiers  aurgehan« 
gen  wurde,  galten  fär  heilige ;  auch  stumme,  die  auf>  apfer^ 
thieren  erumchsem  die  satzweide  auf  dem  todten  füllen 
oder  kalb  soll  nicht  versehrt  werden  (abergl.  838);  sind 
4las  nicht  völlig  des  Adam  von  Ebremen  'ar6ars»  em  nmrto 
t>el  tabo  immobUarm^idiümme'?  (oben  a«  66). 

Unter  den  geheiligten  hiumen  (im  späteren  mittelalt  er 
sind  sie  gewöhnlich  frau  angeredet)  sieht  oben  an  die 
eiche  (s.  63.  64.  65.  67).  eine  eiche  oder  buche  ist  die 
arbor  frugifera  beim  loosen  (Tac.  Germ.  10).  Nächst  der 
eiche  war  die  eMehe  heilig ,  wie  schon  der  mythus  von 
erschaffung  d«s  menschen  lehrt;  von  dtar  esche  Yggdrasill 
wird  im  verfolg  zu  handeln  sein,  der  wolf,  dessen  be- 
gegnnng  sieg.  verheUkt,  steht  unter  eschfisten.  *lbe  com- 
mon people  believe,  tbat  tis  very  dangerous  to  break  a 
bough  from  the  adt,  to  this  very  dsy*.  Roh.  Plots  Staf«- 
fordabires.  207.  eine  abart  der  esdhe!  isl  retmlree,  ro«- 
wantree,  den  man  für  zauberhaft  hält.  (Brookett  p.  177)«*). 
Auch  mit  frau  Hotel  fähren  unsre  Volkslieder  geaprftche, 
nad  das  alte  gericht  wie  noch  beute  Saatfelder  zu  hegen 
dienten  häseln.  RA.  810.  nach  Östgötalag  (bygdab.  30) 
soll  ia  gemeiniem  wald  jeder  hauen  dürfen,  ohne  buDie, 
aufser  eichen  und  haseln,  die  haben  friede,  d.  b.  können 
nicht  gefällt  werden,  abergl.  972  wird  gesagt,  dafs  eiche 
und  hasel  Widerwillen  gegeneinander  haben  und  sich  nicht 
vertragen,  sowenig  als  hagen  ufid  schiebe  (weifsdorn  und 
schwarzdorn).  Auch  der  hoUunder  (sambucus)  abd.  Ao- 
kmtar  genofs  ausgezeichneter.  Verehrung ,  holen  für  sich 
bedeutet  schon  einen  bäum  oder  eine  Staude  (ags.  cneevho- 


*)   90  iBiiste  das  beste  haapt  MaiemSaJb  iaferährt  werden,  'RA. 

396;   ao  wird  absewandteB  haupta  geepfavt  (8.'46l),'  räcimirlB  ibar 

daa  haept  geworrob  (8.59S»).  •  • 

**)  eBcahia  Joti  lacra,     Pün.  16»  4.  i  .^    .  • 


61«  BAUME 

len,  ruscus),  in  Niedersaohsen  heMit  die  sambucus  nigirk 
eUom,  etthom^).  Arnkiel  erzfthlt  1,  179  unverdftcbligf: 
'also  haben  unsere  vorfahren  den  ellhorn  auch  heilig  f e- 
halten,  wo  sie  aber  denselben  unterhauen  (die  ftsle  stutcen) 
musten,  haben  sie  vorher  pflegen  dis  gebet  zu  thun:  ^frau 
Eühomf  gib  mir  was  von  deinem  holz,  dann  will  ich  dir 
von  meinem  auch  was  geben,  wann  es  wächst  im  walde". 
welches  theils  mit  gebeugten  knieen,  entblörstem  baupte 
und  gefaltenen  hftnden  zu  thun  gewohnt,  so  ich  in  meinen 
jungen  jähren  zum  öflern  beides  gehört  und  gesehen\ 
Dazu  halte  man,  was  von  den  holhmdersiangen  (abergl. 
866),  vom  pflanzen  des  hoUunders  vor  stallen  (das.  169) 
vom  giefsen  des  wassers  unter  den  hoUumder  (das.  864) 
und  der  hollundermmUer  (dSn.  abergl.  162)  geradeso  ge* 
meldet  wird  **).  Der  wachobhr  spielt  in  dem  märchen 
von  machandelboom  eine  grofse  roDe;  im  gedieht  von  des 
spiegeis  abenteuer  bl.  38  folgende  dunkle  ftuTservng: 

fraio  Weekolter  ich  sich, 

daz  du  ir***)  swester  bist, 

du  kund  euch  falsche  list, 

dö  du  daz  kind  verstait. 
in  Sttdermannland  war  ein  kn#cht  eben  im  begrif  einen 
schönen,  schattenreichen  wacholder  ai^zuhauen,  als  eine 
stimme  erscholl:  %au  den  wacholder  nicht T  er  kehrte 
sich  nicht  an  die  warnung  und  wollte  von  neuem  hauen, 
da  rief  es  noch  einmal:  'ich  sage  dir  hau  den  bäum  nicht 
ab!'  erschrocken  entfernte  sich  jetzt  der  knecfat  ****).  Et<- 
was  ähnliches  liegt  dem  kindermfirchen  no.  128  zum  grund, 
nur  dafs  er  eine  scherzhafte  wendung  empfangen  hat;  den 
hoizhauenden  ruft  eine  stimme  aus  dem  b«um  entgegen, 
'wer  haspelhoh  hüut,  der  stirbt'.  Unter  solch  einem  bäum, 
der  Klintfl  tall  (Klinta  flehte)  in  WestmaAland,  hauste  eine 
hafiifru  und  zwar  der  flehte  tSl  (s.  465);   men  sah  schnee«- 


•  ^ 

J  ags.  eilen,  die  canones  editi  sub  Eadgaro  rege  reden  cap. 
16  (Thorpe  p.  396)  Ton  der  Zauberei  die  getrieben  werde  *on  e/fo- 
num  and  ehe  on  oAruni  misllcum  IreÖTum*  (in  aambucis  et  in  alHa 
▼ariis  arboribM). 

**)  Pusohkait,  der  gott,  wohnt  «iter  den  Aotfumler,  die  I^tteo 
legt9ft  ihm  brod  a«d  hier  neben  den  bauili.    Thonw-  Uiirn  p.  4^^ 

***)  meiner  untreuen  geliebten. 

****)  Loccenius  antiq.  aueog.  1,  3  aoll  diea  erzählen;    in  der  ausg. 

ton  1647  sieht  es  nicht,  Tielleieht  in  einer  apiteren.    Afzeliua  2, 147 

«hat  die  aage   mit  dem   i»ati,    dafa  auf  den  zweiten  hieb  bletitoa 

der  Wurzel  flofa  und  nun  der  hauende  mann  beimkahiie  end  bald 

^^  aiecben  begann« 


BÄUMB  «!• 

wei&es  vieh  aas  dem   see  iber  die  wiesen  n  dem  bäum 

treiben,  niemand   wagte  seine  fiste  ansdtUhren.    Hinzeinen 

elben,    waldgeistern    und    hansgeistern    sind    dergleichen 

biume  heilig,    man  nennt  sie  scfawed.  hoträd^   dan.  b^tirä  \ 

(oben  s.  4T6).    Zumal  aber  werden  den  elben  nicht  t>lob 

einzelne  bäame  beigelegt,   sondern  ganze  bmmgärten  und 

haincy    an   deren   pflege  sie   flreude   beben,    wie  Laurins 

diireb   einen   seidenfaden    gehegter  r&senfforien   zeigt,     in 

Schweden  heifsen  diese  girten  elfirädgirdar. 

Das  leben  der  grlech.  dryaden^  und  hsmadryaden  ist 
an  bäume  gebunden  ^  mit  dem  verwelken  und  absterben 
der  bfiume  nehmen  sie  ab  and  bOren  sie  sell>st  auf;  jede 
Verletzung  der  Mste  und  zweige  empfinden  sie  als  wun^ 
den,  und  gewaltsames  umhauen  macht  ihnen  plötzlich  ein 
ende*^.  naht  sich  das  frevdnde  bell,  so  ertönt  ihr  weh» 
voller  ruf.  Bine  schöne, sage  erzfthlt  Ovid  (met.  8,  742  ff.) 
von  Erisichthon: 

ille  etiam  cereale  nemus  violasse  secnri 

dicitur  et  locos  ferro  temerasse  vetustos. 

stabat  in  bis  ingens  anmoso  fi^bore  guereut^ 

saepe  sub  hac  dryades  festes  duxere  choreas.  »^ 

contremuit,  gemitumque  dedit  deoia  ((uercus 

et  pariter  frondes  pariter  pallescere  glandes 

coepere,  ao  longi  pallorem  duoere  rami. 
Haut  einer  die  erfe,  so  blutet  und  weint  sie,  und  hebt 
za  reden  an  (Melnerts  Ituhlandoh.  122).  ein  östr.  mftr-- 
cheii  (Zisl^a  88 --42)  erzählt  von  der  stolzen  fähre, 
worin  eine  fee  sitzt,  welcher  zwerge  dienen,  die  tmschvl» 
dige  begabt,  schuldige  neckt  ein  serbiacfaea  lied  (Vuk 
no.  296)  vom  mädchen  in  der  fichtCj  deren  rinde  der 
knabe  mit  gddnem  und  silbernem  hörn  spaltet,  zaober"^ 
spriche  bannen  in  frau  Fichte  das  kalte  fieber. 

Dieser  glaube  an  geisterbewohtite  bftume  war  nioki 
weniger  unter  Gelten  einheimisch.  Sulpicias  Severus  (aus 
dem  beginn  des  5  jh.)  meldet  im  leben  des  h^.  Hartinus 
ed.  Amsterd.  1665  p.  457:  dum  in  vico  quoda«  templom 
antiquissimum  diraisset,  et  arbarem  pintnn,  quae  fano 
erat  proxima,  esset  aggressus  excidere,  tum  vero  antistes 
illius  luci  ceteraque  gentiUum  turba  coepit  obsistere.  et 
cum  iidem  Uli,  dum  templum  evertitur,  imperante  domino 
quievissent,  succidi  arborem  non  patiebaniur,  jUe  eos 
sedulo   commonere,  nihil   esse  religionis  in  stipite,   deupi 

*)  wird  »gs.  flloMieii;  t/udmlfenm^t  naldelbiiiDe«. 
**]  *aon  sine  benadrjradiB  fite  cadit  ailio^a  tiabs*/  hwäpn^-  \ 


$i»  BLDMW.    THIERE 

potius  cui  serviret  Ipse,  sequerentur.  arbor^m  illwi  ex* 
«cindi  oportere,  quia  esset  daemqni  dedicata  u.  a.  w. 

Von  der  heiligkeit  einzelner  pfkuuen  oder  bli^men 
wäre  viel  zu  schreiben;  entweder  sind  sie  bestiounten 
göttem  geweiht  und  nach  ihnen  benannt  (vgl.  Donners  hart 
B.  167.  Baldrs  brA  s.  203.  Forneotes  folme  s.  220.  Lok- 
kes  havre  s.  222.  Freyju  hftr,  Friggjar  gras  s.  280]  oder 
aus  der  Verwandlung  bedrängter ,  sterbender  menschen 
entsprungen,  fast  alle  solche  gewächse  haben  kraft  zu 
heilen  oder  zu  schaden,  sie  müssen  aber  freilich  gebro- 
chen und  gesammelt  w^den;  das  capitel  von  der  zaube^ 
rei  wird  belspiele  liefern,  gl^ich  schatzenden,  heiligen 
thieren  werden  sie  als  zeichen  in  das  wapen  der  länder, 
Städte  und  beiden  gesetzt.  So  scheint  den  nordwestlichen 
Deutschen,  pameDtlich  Friesen  und  Seeländern  von  uralter 
zeit  her  das  seeblait  (die  nymphaea,  nenuphar)  gegen- 
ständ der  Verehrung,  die  Holländer  nennen  es  plomp^^ 
die  Friesen  pompe^  genau  gesprochen  heifsen  die  breiten^ 
auf  der  see  schwimmenden  blätler  pampebledden ,  die 
weifsen,  inwendig  goldgelben,  duftenden  blomen  sioanne- 
bhmmen  (flores  cygnei],  was  an  den  s.  457  beigebrach- 
ten namen  nixblume,  näckblad,  midme  und  mummei 
(d.  i.  Schwanjungfrau)  erinnert.  Die  Friesen  setzen  sieben 
seeblätter  (zeven  plompenbladen )  in  ihren  schild  und  glaub- 
ten unter  diesem  zeichen  zu  siegten  *) ;  das  weiis  schon  un- 
ser Gudrnnlied  1373,  worin  dem  Herwlc  von  Sdwen  oder 
Standen  eine  wolkenblane  fahne  beigelegt  wird:  ^sibUter 
swebent  dar  inne'.  diese  seeblume  ist  der  heilige  lotus 
des  alten  Aegyptens,  der  auch  in  Indien  verehrt  wird  und 
vor  dem  sich  Tibetaner  und  Nepaleser  neigien,  er  wird 
in  €empeln  aufgestellt,  Brahma  und  Yischnu  schwimmen  auf 
seinem  blatt,  und  gerade  ein  mnl.  gedibht  erwähnt  noch 
des  auf  dem  blatt  schwimmenden  dänmlings  (oben  s.  420). 

Noch  reichlicher  wird  von  heiligen  THIERBN,  die  sich 
inniger  an  menschliche  Verhältnisse  schlieTsen^  als  die 
stumme  iiatur,  zu  melden  sein,  ihr  cultns  aber  auf  zwei 
oder  drei  hauptursachen  zurückgebracht  werden  dürfen, 
entweder  standen  sie  in  bezug  zu  einzelnen. göttem^  ge- 
wissermafsen  in  deren  dienst  y   und   so  gehört  der  eher  zu 


*)  J.  H*  Halbertsma  het  buddhisme  en   ziJD  sticbter.    DeTepler 

1843  I.  3.  10,  der  binzüfugt,    dafs   das  yolk  nocb  heute  im  brechen 

und    trasen   der   plompen   sehr   vorsichtig  ist:    wer  diese  blume  in 

der  hand  haltend  fällt,  bekommt  die  fallemle  sucht,    ploonben ,  nhd, 

plunpfttfu  sllo*  pomp»  hedeolel  hinfallen,  hinainrxen«     . 


MIR»«  a» 

Pro,  der  woIf  und  rabe  su  Wuotan ;  oder  es  liegen  eer- 
wandhmgen  göiiüchtr  toesen  in  thiergfestalt  zam  gninde, 
derentwegen  nun  die  ganze  gattang  in  höherer  ehre  bleibt, 
so  können  einigemal  bftr,  stier,  Icüh,  schlänge  zu  neh« 
men  und  uralte  inparnationen  vorauszusetzen  sein,  bis  zu 
deren  yollstindiger  künde  unsere  mythologie  Iftngst  niehl 
mehr  aufsteigt.  Nah  an  solche  niederlassung  des  gottes 
in  das  thier  grenzt  die  zur  strafe  erfolgende  Aeraftsetani^ 
des,  menschen  tn  ein  ihier^  die  alte  lehre  von  der  see« 
lenWandrung,  worin  man  eine  dritte  Ursache  der  thierhei** 
ligung  erblicken  kann,  obwol  sie  keinen  eigentlichen  cul-» 
tus  begründet,  diese  mythen,  z.  b.  von  dem  kukuk,  specht, 
der  nachtigall  u.  s.  w.  gewähren  eine  fttlle  von  schönen 
sagen,  die  oft  in  den  heldencultus  eingreift    . 

Unter  allen  thjereil  nenne  ich  zuerst  die  pferde,  das 
edelste,  klügste,  vertrauteste  hansthier,  mit  dem  der  held 
freundliche  gesprfiche  fahrt  (s.  365),  das  seinen  kummer  mif'- 
fahlt  und  sich  seiner  siege  miterfreut.  Wie  beiden  nach  dem 
pferd  heifsen  (Hengest,  Hors],  so  erhSR  auch  es  vielfache 
eigennamen;  in  der  nord.  mythologie  ist  beinahe  jedem  gott 
sein  besonderes,  mit  wunderkrfiften  ausgestattetes  pferd 
zog'efnesen.  Odins  ros  hiefs  Sleipnir  (s.  140],  es  war, 
gleich  riesen  und  beiden  achtfflfsig.  S©m.  44«  Sn.  18  wer- 
den die  übrigen  pf;erde  der  äsen  aufgezfihlt,  ohne  angäbe, 
welchen  sie  zustanden,  mehreire  benennungen  sind  mit 
fax!  (jubatus,  comatus,  ahd.  vahso)  gebildet,  z.  b.  Skinfaxi 
(SsBm.  32.  Sn.  11)  GuUfaxi  (Sn.  107.  110)  Ertmfaxi  (S»m. 
32.  91.  Sn.  II)  f^eyfaxi  (Vatnsd.  140.  141):  Gullfaxi  (das 
goldm'äbnige)  gehörte  dem  riesen  Brüngnir,  Skinfaxi  (das 
glanzmähnige)  war  das  ros  des  Tags,  Hrtmfaxi  (das  thau- 
mühnfge  vgl.  oben  s.  607)  der  Nacht.  Ftud  ist  aber  auch 
für  sich  schon  name  von  pferden ,  z.  b.  fornald.  sog.  % 
168.  508.  Arf>ahr  (der  frühwachel  und  Abeiär  (der  all- 
kTöge)  rosse  des  sonnenwagens  (Saem.  45.  Sn.  12);  auf 
Atvakrs  ohr,  aufAlsvinns  fttif  standen  runen  geschrieben*). 
8f>aäilfar%  Wh  '  A9iS  pferd  des  bauenden  riesen  (Sn.  46). 
Auch  die  held^nsage  überliefert  uns  viele  namen  berüfatn-« 
ter"  rosäfe  (fc.  ;3e9):  löajart  wird  ilüg  geschildei^t  (tiHe  Als- 
vidr)j  er  soll  noch  im  Ardennerwald  Idben,  wo  man  ihn 
alljährlich  auf  Johannistag  wiehern  hört  (qüatre  "fils  Ai^ 
mon,  180®).    die  spur  von    Schimmings  hufeisen  steht   im 

fels  eingedruckt.    Vilk.  saga  cap.  37. 

■    ■.  -..I  ■....  ,  11  . 

*)  erinnert  ap  die  deutsche  thierfabel  (Reinh.  cclxiii).    mit  un- 
recht, glaube  kib/ zieht  ftafn  fornald.  sog.  1,169  die  leaart  höfdi  for. 


Ol»  fvwm 

JwßB  Freyfaxi  der  YatQ^^lagag«  w|ir  im  (»asitac  ein^ 
mamiies  nawians  Brandr,  von  dem  man  lagtß,  i^(ß  er  0« 
göltlioh  verehrte  (at  haw  hefdi  fltrfinad  ft  Fa^fi)  wd  der 
darum  Faxa|>randr  hjefa.  Hrafnkdl,  ie^sw  ung^uckte 
sagi|y  inir  nur  aiia  IfiUlerß  t)ibl.  1,  103  bekannt  ist,  halte 
auch  ein  aolchea  pf^rd  Freyfaxi  (Freirfara  druckf»),  und 
es  zum  halben  theil  an  Freyr  geschenkt ,  zugleich  i^s  ge^ 
{9Me  geihan,  den  mann  umzubringen,  der  es  gfigen  sei- 
nen willen  ryeiten  würde,  ich  kann  die  «t^Ua  aua  Joh. 
Erici  de  philippia  apud  priscog  boreales,  Ups.  175^  p.  122 
mittheileii:  Hrafnkell  ätti  ^ann  grip  i  eigo  sinni,  er  h&noni 
t>6tti  betri  enn  annar,  {lat  var  hf^^tr  bleikalöttr  pt  lit,  er 
kann  kalladi-  Freyfaxß,  bann  g(rf  Frey  ein  ifinam  (oben 
s.  82.  192)  petinß  Aest  hälfasm*  ^  ^essom  he^M  hafdi 
hann  svÄ  mikia  elsko,  at  bann  strengdi  f)e$s  heil,  a:faann 
skyldi  f)eim  manni  at  bana  verda  y  er  {>eim  heati  riili  An 
hans  vilja.  Brands  dtrünadr  bezog  sich  ohne  zw^jfßl  eb^ 
darauf,  dafs  das  ros  dem  goU  geheiligt  und  geloht  war. 
Ein  merkwürdiges  Zeugnis  dafür  hißtet  OlaJaTr.  fionar  laga*]: 
dem  könig  war  verkündet  wprden,  dafs  die  Traeudiic  (Dront- 
heimer)  sich  wieder  zu  der  Verehrung  Freys,  d^^jien  bild- 
seule  noch  hei  ihnen  ßtehe^  gewendet  hätten,  aut  des  kö- 
nigs  geheifs  dieses  hild  zu  zerbrechen  ver^^tzien  sie:  'ei 
munum  ver  briota  Ukt^ski  Frey^y  ^lyV^  vßr  höfum  leiugi 
hönum  {^ionat,  ok  hefr  i  oss  vel  dügat'.  Olafr  berief  sie 
zu  isiner  versamluag  und  entschlofs  sic^  den  göt^en  selbst 
zu  zerstören,  er  schifte  ^u  der  kiluste  hin,  wo  der  tempel 
(hof)  erriclitet  war;  ^  er  landete,  toeiifeten  da  des  gat'^ 
tes  pferde  (^ft  s^u  bfma  fueuu  stAdhros^  nokr  vid  vegin, 
er  t>eir  sögdu  at  hann  Freyr  SBtti).  der  könig  bestieg  den 
hengst  und  liefs  seine  hpfleute  die  Stuten  nehmen,  so  rit- 
ten sie  zu  dem  tempel,  Olaf  trat  vom  pferd,  gieng  hin- 
ein,  warf  die  götzen  (godin)  um**),  nahm  aber  Freys  hild 
mit  sich  weg«  Als  die  Thr^ndir  ihre  götzen  gßschftndet| 
Freys  hild  fortgeführt  fanden,  merkten  fi^  woL.  daf^  ea 
der  könig  gethan  hätte,  und  gieugen  zur  versamlung-  der 
könig  lieCs  das  bild  im  {>ing  aufstellen  und  fragte  das 
Volk:  kennt  ihr  diesen  anann?  es  jst  Freyr  unser  gott^ 
antworteten  sie.  wie  hat  er  euch  seine  macht  erwiesen? 
er  hat, oft  mit  uns   geredet,    das   zukünftige   geweisaagt|r 


p*»" 


*)  ed.  skalh.  169a  1690.  2,  190  eap.  49;  fornm.  sog.  2,  189  ist 
dies  cap.  weggeblieben.  Wenn  auch  neuerer  susati  h&Ue  es  als  be- 
deutsame Überlieferung  im  aohang  plats  ferdient 

**)  es  standen  also  noch  andere  bilder  aufser  Frejs. 


firiaden  päd  frucktbarkeit  varliek«ii  (veitli  oss  Ar  oc  frid). 
der  teufel  redete  ini4  evch,  sagte  dar  k&iiigy  nahm  eine 
axt  und.  rief  dem  bU4  »i :  bilf  dir  jetzl  und  wehre  dich, 
wenn  du  kannst.  Da  Freyr  fortwährend  schwieg,  hieb 
ihm  Olafr  beide  häade  ab|  und  predigte  darauf  dem  volk, 
wie  diese  abg4tterei  aufgekommen  «ei,  Pie  ganze  eraftk- 
lung  trftgt  spatere^  geprüge  an  sich,  ist  ai)er  doch  ans  der 
Qord.  tradition  herTorgegangen  uod  bestttUgt  uns,  dab 
dem  Freyr  pf^rdif  geheUig$  wurden,  die  man  io  dem  ger 
weibien  wnkrei$  ^^iner  iempet  unterhielL  YernuitUch 
hatten  auch  die  tempel  andrer  götter  solche  pferda?  die 
thiere,  welche  Wilibrort  in  Fo^etes  heiligthum  weidend 
antraf  (s.  21 0),  waren  schwerlich  pferde,  weil  er  sie 
sonst  nicht  zur  speise  hütte  schlachten  lassen;  aber  sitte, 
den  göUem  geweihtes  vieh  aufzuziehen ,  wird  dadaroh 
nicht^f^toweniger  bezeugte  Einzelne  thiere,  scheint  es, 
wurden  aufserdem  von  besonderen  Terehrern  des  gottes 
unterhalten. 

Diese  zucht  reiner  und  geweihter  rosse  diente  zu  hei- 
ligen gehrftucben,  uamentlich  zu  opfern,  Weissagungen  und 
für  den  nmzug  der  götterwagen.  Ihre  mahnen  wurden 
sorgsam  genährt,  gepflegt  und  geschmückt,  wie  die  be* 
Dennung  Faxi  anzeigt;  vermutlich  wand  oder  flocl^t  man 
gold,  Silber  und  bäader  in  die  locken  (Gullfaadf  S/tin-^ 
faxi\;  m^n  gI6ar  (juba  splendet)  Saem.  92*  lysir  mön  af 
mari  (lucet  juoa  ex  aquo)  Ss^m.  32^,  wie  das  lat.  jnbar 
an  juba  erinnert,  weil  die  mahne  strahlt,  das  licht  baar*- 
artige  strahlen  wirft*).  GulUappr^  Sitfrintaifpr  hiafsen 
rosse«  deren  ;$chweif  (toppr)  mit  gold  oder  silber  bawua«* 
den  war^  Sn.  4f.  Gyüir  und  Gier  (golden,  glänzend)  Sn» 
44  können  sie  davon  oder  auch  von  d^m  goldoea  be« 
schlag  ihrer  hufe ,  von  vergaldung  ^  des  zäum«  und  sattele 
genannt  3ein.  Unter  allen  färben  galt  die  weifse  für  die 
edelste,  auch  könige  zogen  auf  toeifsen  rossen  ein  und 
belehajen,  auf  fpeijsen  rossen  sitzend,  des  wei/sen  pfer-^ 
des  gedenken  die  weisthümer  oft  (z.  b.  3,  857);  wenn  eine 
aAsduft  ladig  liagl,    so  satt-  dem  vögt  auf  einem  noeifsen 


*)  eiDzeloie  biiar«  »«s  der  mÜhne  oder  dem  schweif  heiliger 
pferda  vyrdeo  Aufbe^ahxlf  franx  We98ftl  j$,  U  «ri^Ahlt,  df^f.die 
Johanniter  in  Städten  und  dörfern ,  wo  sie  predigten ,  einen  schönem 
bengst  omreiten  liefsen,  dem  opferte  das  yolk  ^«{gebowen  woppen' 
(ha/errispep) ;  konnte  einer  aus  des  pferd.es  ^/sbwani^  eip  hsar  be-p 
kommen,  so  pric^s  er  sich  glücklich  und  nahte  es  mitten  in  das 
seibetuch,  dann  war  die  milch  gegen  sauber  gesichelt. 


62«  mOEüUB 

fohlen  sitzen,  einen  rnnnn  vor,  den  andern  'hinter  sieli 
setzen  und  einen  davon  anf  das  erbe  herablassen  (3,  831 
vgl.  2,  641).  das  fohlen  galt  für  noch  edler  nrtd  reiner, 
als  ein  ros*). 

Tacitus  (Germ.  9.  10),  nachdem  er  gesagt  hat  lueos 
ae  nemora  consecranf,  fügt  hincn:  'proprium  gentis,  equo- 
rum  quoqoe  praesagia  ac  monitus  experiri.  pkibHee 
akiiUur,  iisdem  nemoribus  ae  lueis,  eantüdi  ei  nuUo 
mertaU  opere  contacHy  quos  pressos  saerd  curi*u  sader«^ 
dos  ac  rex  vel  princeps  civitatis  comitantur,  hinnihtsque 
ac  fremitus  observant.  nee  Ulli  auspicio  major  fides  noii 
solum  apud  plebem,  sed  apud  proceres,  apud  sacerdo-^ 
tes :  se  enim  ministros  deorum ,  illos  cömcios  putant, 
diese  heiligen  thiere  sind  mitwisser  der  g(Hter  und  ton- 
nen- deren  rathschläge  offenbaren.  Noch  der  indiculus 
paganiarum  cap.  xm  redet  de  auguriie  equorum,  ohne  sie 
naher  zu  schildern;  pferdegewieker  ist  heilbringendes  ze!"- 
chen  (abergl.  no.  239)**).  kriegem  galt  das  toiehem  (ahd.' 
huei6n,  mhd.  weien,  mnl.  neien,  altn.  hneggja,  schwed. 
gnägga)  ein  Vorzeichen  des  siegs,  und  wenn  sich  die 
rosse  ihrer  freudigen,  mutweckenden  stimme  enthielten, 
der  niederlage;  ein  beispiel  gewahrt  die  flandr.  reimchro- 
nik  ed.  Kausler  7152  (vgl.  anm.  s.  604).  bekannt  ist  die 
persische  königswahl  nach  dem  gewieher  des  hengsts.  He- 
rod.  3,  84.  In  dem  norweg.  mUrchen  Grirasborken  (Asb.- 
og  Hoe  no.  38)  wird  ein  fohlen  von  zwölf  Stuten  aufge- 
saugt mid  kluger  rede  theilhaftig. 

Und  wie  in  Mfmirs  abgehauenem  haupte  seine  klugheit 
fortdauerte  (s.  852),  seheint  das  heidenthum  mit  abge- 
schnittenen, aufgerichteten  pferdehäuptem  vielfachen  zauber 
getrieben  zu  haoen.  in  einem  kindermfirchen  (nö.  89)  wird 
des  treuen  Falada  haupt  Über  das  thor  genägeU  und  die 
königstochter  führt  mit  ihm  gesprfich.  dieses  abschneidens 
und  aufstellens  der  pferdehäupter  habe  ich  schon  s.  41, 
42  erwähnt  als  einer  uralten  deutschen  sitte.    PlinJ  19,  10 


*)  der  M$km  emna  fohlen,.  Mheint  es«  wiMe  Qiagebtntft  «ndalt 
schätz  mittel,  getragen,  ein  mhd.  dichter  sagt:  'gerater  nnde  föUutni 
an  gr6zen  noBten  sint  ze  swach*,  MS.  2,  169  helfen  nur  für  kleine 
schmerzen,  kinder,  die  man  anf  schwarzem  fohlen  reiten  lifst,  zah- 
nen leScht.  abergl.  428. '  nach  Eracl  1320.  1485  scheinen  fOhene  die 
geschobnen  ersten  tlhne  des  fohlen,  die  das  pferd  später  dilrch  an- 
dre ersetzt. 

**)  was  der  a^em  des  schweins  Teninreinigt  hat,  stellt  der  dei 
Pferds  wieder  her  (abergl.  820.  sdhwed.  92),  das  pferd  ist  ehi  rei^ 
fite  dUer.  einer  gebihrenden  hilft,  dafs  das  pferd  aus  (krer  sehüni 
firesse  (abtrgL  387). 


«    II  • 


godenki  als  eioe«  mütels  gvgwr  di»  raupali:  d  ptdo  impö^ 
«anliir  in  hortis  atia  ciipilit  e»  tqulm&  gmtmre,  lo  Soaa- 
diMivMt -«teokte  «laa  pfepddhftopter  auf  stang^B  und  rioh*- 
lete  den>  aiü  hölzern  au%86perrtes ,  gthnenden  raehMi*) 
nach  der  gegfend^  woher  der  angeiaindete  mann,  dem  man 
schaden  woUte,  kommen  moste,  das  hiefs  wetrfslmijw, 
Saxp  gtatem,  p.  75 :  mmokUi  dik  epA  abtekmm  capmi 
ootUo  eatcipiem»  mbjeeH»  säpUUmM  dMenüM  famemm 
rieiH9  apenüi,  sperans  se  primos  Erici  ooaatos  atroois 
speolacuif  formidine  .frogtralnram.  arbitrabatiir  en»  ineptas 
barbarorum  meotes  oblatae  cerricis  terriculaniento  eessvras; 
et  jam  Erieus  obYwm  ilis  iter  agobat.  qui  prospeoto 
eminus  capUe  obscoenitatis  apparalum  .  inteUigens  ^  silere 
socios  oauliuaqoe  se  gerere  jubet,  nee  quemqnam  temare 
praecipüare  sermonem,  no  incauto  effamine  uUum  malefioiia 
insiruereiit  locom,  adjiciens«i  sermone  opus  inoideret  verba 
se  pro  Omnibus  hamurum.  jamque  inedius  illos  amnis 
secreverat^  cum  roagi,  ot  Ericum  pontis  adita  deUirbarent, 
contum^  quo  equi  capüt  rtfiüDeranty  fluvio  citimum  locant. 
itte  nihilominus  pontem  intrepide  aggressus  4n  latorem' 
iaquit  'gestaminis  sui  förlutia  recidat,  nos  melior  conse«- 
9Dafiir  eventus.  male  maleficis  oedat ,  infaustae  molis  ge« 
ruium  onus  obruat,  nobis  potiora  tribuani  omina  sospitatem  V 
Nac  secus  quam  optabatur  evenit:  continuo  namque  ex* 
cussa  «orvioe  ruens.  ferentem  stipes  oppressii.  Egilssaga 
p.  389:  Egill  tAfc  i  htod  ser  Aes/ts  tkumgy  ok  geck  A 
bergsnana  nockura,  .^  er  vissi  til  lands  ii|n*  j>A  tdkhann 
kroMshöfud  'Ok  $eM  up  ä  MtaungifUL  sktan  veitti  bann 
forma^ia  ok  meltt.  sra:  'her.  set.ek  upp  mdstaung  ok  sn^ 
ok  f»essn  ntdi  ä  iktoi  Eiriki  konüngi  ok  Gunnhildi  dr6it« 
ntngu.'  Kann  .mteri'\hrf9S»häfdimi  tun  ä  kmd,  «Andere 
mal  wurde  ein  menachenhfnipt  (aus'hots)'  geschnitzt,  auf 
eine  Stange  befestigt,  diese  aber  in  die  brüst  eines  ge^ 
schlßclUet^n  pßrdes  gesteckt**).  Vainsd«  p.  142:  lökul 
skar.karls  hftfiit  d  sühi  endaun  ok  risti  4  rünar  med  öllu« 
f»eim  fonoMa'  sem -fyrr •  tar  sagdr,  stdan  €knp  lökulL  mer 
eina,  ok  opon^Sti  hana  hfa  briostinu,  fierdu  ä  sülunti^  ok 
IStu  borfa  heim  &  BjDrg.  Es  ist .  aller  beachtung  wertb, 
dafs  bis  auf;  den  heutigen  tag  in  einiem  tbeile  Niedarsachsens 


*)  auch'  itoifthä&pie^  •'  wur4eo  so  mif  ha$elsMen  gesperrt  nn4 
aufyehanfffn,'  hengvim  «45.  647.  #46.  ReiDardaaa,  293.  312.  Rein* 
hart  eipleitung  a.  liix,     o  h,    i  •.       > .      i  , 

**)  ^i'&et^:89S  dtuf  netten  d«r  yreUie  in  das  maul  das  tödteo 
fuffena. 

GrimmM  mytKoL    B*  mugube,  40 


62e  FFBRim 

(LünebuHB^,  Holstein,  Meklenbarg)  die  baoernliiuser  auf 
dem  giebel.  §e$chniiue  pferdek&pfe  haben:  man  sieht  es 
als  blofsa  auszierung  des  dachgebälks  an,  die  sitle  oMg 
aber  weit  hinauf  reichen  und  mit  dem  heidnischen  glauben 
zusammenhängen,  dafs  durch  die  auswärts  schauenden 
häupter  von  den  häusern  unheil  abgehalten  werde*),  nach 
den  jb.  des  mekl.  Vereins  2,  118  sind  die  pferdeköpfe^wi 
jedem  giebel  (kühlende)  des  dachs  kreuzweise  angenagelt, 
eine  erinnerung  an  die  heiligen  rosse  der  alten.  Heitfr. 
Schreib w  (taschenb.  f.  1840  s.  240 ff.)  hat  diese  gegen 
einander  springenden  pferde  auch  auf  den  giebeln  der 
älteren  häuser  im  romanischen  Rhätien  (nicht  in  der  deut- 
schen Schweiz  noch  in  Tirol)  wahrgenommen;  offenbar  zu 
voreilig  erklärt  er  sie  für  ein  celtisches  symbol,  denn 
wollte  man  sagen  in  Niedersachsen  sei  dieser  brauch  von 
früheren  Gelten  her  übrig,  so  verlöre  die  critik  allen  halt 
mir  scheint  die  silte  und  der  pferdecultus  überhaupt  auf 
gleiche  weise  Gelten,  Deutschen  und  Slaven  eigen,  welche 
einzelnen  stamme  unter  diesen  vülkern  ihm  zumeist  er- 
geben waren,  wird  sich  künftigen  forschangen  allmälich 
enthüllen.  Praetorius  (weltbeschr.  2,  162.  16^  erzählt,  die 
undeutschen  leute  (Wenden)  pflegten  zur  abwehrung  und 
tilgung  der  Viehseuchen  um  ihre  stalle  herum  häupter  t>on 
toUen  Pferden  und  kühen  auf  zaunstakea  zu  stecken;  auch 
ihren  pferden,  welche  nachts  vom  mahr  oder  leeton  matt 
und  müde  geritten  würden,  einen  pf&rdekopf  unter  das 
futter  in  die  krippe  zu  legen,  das  hemme  die  macht  des 
geistes  über  das  thier.  Wahrscheinlich  meint  das  aber* 
gläubische  vergraben  des  todtenkopfs  im  stall  (no.  816) 
den  eines  pferdes**).  in  HoIIahd  hängt  man  einen  pferde'^ 
kopfüber  schweinställe  (Westendop  p.  518),  in  Meklenbnrg 
wird  er  dem  siechen  unters  ^Kopfkissen  gelegt  (jb.  2,  128). 


>A* 


*)  etwa,  wie  man  den  köpf  des  adlers  auf  dem  hause  drehte 
nnd  damit  den  wind  za  richten  wifante  (s.  600).  aus  der  lieidnischen 
Sitte  des  thierhauptaufstecikens  deuten  sich  uralte  ortsoamen  in  Deutsch» 
land  und  Frankreich,  z.  b.  Berhaupien,  7ierA«iifil0M,  Roskaupie» 
(Schm.  2,  223).  ad  locum  qui  nuncupatur  capui  eabaüinum  (Pertz  2, 
278).  ad  locum  qui  Tocatur  capnt  equi  (Tita  s.  Magni,  bei  GAnisins 
lect.  ant.  1,  667),  bei  Goldast  (sor.  rer.  alem.  I.  2,  198)  mit  dem 
Eusatz:  et  idcirco  yocatus  est  ille  locus  caput  equi,  quia  omnes  re- 
natores  reliquerant  ibi  suos  caballos  et  pedestres  ibant  ad  Tenandum 
offenbar  eine  falsche,  spatere  deutnnff,  wie  denn  überhaupt  dieses 
leben  des  heil.  Magnus  (Magnoald,  Mangold)  mehrfach  interpoliert 
ist ,  TgL  Mabillon  acta  Bened.  seo.  2.  p.  505.  r 

**)  Tgl.  fbroald«  sog.  2,  168.  300  waa^.Toa  dem  hroi^kam  des 
Faii  erzlhlt  wird. 


VFBRDI  «29 

Aach  4ä^  werÜMi '  des  pffsrddumpU  in  die  JobaniriBflamme 
(s.  585)  sollte  saaberhaft  wirken*). 

Sehen  des  Praetorios  nachricht  «eigt,  deb  die  Kaven  in 
pferdeeoltns  mit  den  Deutschen  tibereinstinimten.  es  fehlt 
aber  nicht  an  merkwürdigeren  flheren  Zeugnissen.  Dietmar 
von  Merseburg  (6,17  p.  612)  meldet,  von  den  Loitizern  d.h. 
Wilzen :  terram  cum  tremore  infodiunt,  qpo  sortibus  emissis 
remm  certitudinem  dubiarum  perquirant.  quibus «  finitis 
ceapite  viridi  eas  operientes,  equmn^  qui  maximus  inter 
alios  habetur,  et  ut  sacer  ab  his.  venerahir^  tuper  fixat 
in  terram  duonun  •  cutpides  hoitUnim  kUer  $e  irantmu'^ 
icrum  supplici  obsequio  ducim^,  et  praemissis  sortibus, 
quibus  id  explicavere  prins,  per  hunc  quoii  dhimun  denuo 
amguratUur;  et  si  in  duabus  his  rebus  par  omen  apparet, 
factis  completur;  sin  autem,  a  tristibus  populis  hoc  prorsus 
omittitwr.  Die  vita  beati  Ottonis  episcopi  bambergerisis, 
verfaTsI  von  einem  gleichzeitigen  ungenannten  (bei  Cani- 
81US  in.  2,  70)  erzählt  lib.  2  cap.  22  umständlicher  von 
den  Pommern I  welche  Otto, im  j.  1124  bekehrte:  habebant 
eabaUum  mitrae  magniiudmis,  et  pinguem,  nt^*  cohris^ 
et  acrem  valde.  iste  toto  anni  tempore  vacabat,  tantaeque 
Mt  stmciUaHSf  ut  nullum' dignaretnr  sessorem;  babuitque 
onum  de  quaiuor  sacerdotibus  templorum  eostodem  dili- 
gentissimumw  Quando  ergo  itinere  terrestri  contra  bestes 
aut  praedatum  ire  cogitabant,  eventum  rei  hoc  modo  so- 
lebant  praediscere.  hoitae  navem  disponebantur  humo, 
spatio  unius  cubiti  ab  invieem  separatae.  Strato  ergo 
caballo  atque  frenato  sacerdos,  ad  quem  pertinebat  custodia 
iliias^  tenlum  freno  per  jacente$  hasta»  transversum  dU" 
eebai  ier  atque  reduoebat  quod  si  pedibus  inoffensis 
hastisque  indistoiiiatis  equus  transibat,  Signum  habuere 
prosperitalis,  ei  securi  pergebant,  sin  autem,  quiescebant. 
Hi^rnaOh  wu^de  durch  neun  ellenweit  von  einander  lie- 
gende Speere,  nach  Dietmars  älterer  meldong  über  die 
spitzen  »weier  verschränkter  Speere  das  heilige  ros  geleitet; 
es  kann  aber  bei  den  Lutizern  damit  verschieden  gebalten 
worden  sein  als  bei  den  Pommern.  Saxo  gramm.  p.  321 
erafthlt'die^  sache>  von  den  rUgischen  Slaven  wieder  anders; 
praeterea  peculiarem  albi  coloris  equum  titulo  possidebat 
(numen),  cujus  jubae  aut  caudae  pilos  coneellere  nefarium 
ducebatur.     hunc  soIi  sacerdoti  pascendi   insidendique  jus 


*)  wozu  habe«  die  möache  im  kloster  ein  eapui  eabtdUnumf 
Eeinardus  4,  3032.  8l53i  bei  Borcard  Waldis  4,  2  die  redensart 
'aas  einem  todUti  r0$häpf  gespuaneoV  heifot  das  gesabbort? 

40* 


628  rBBRBl 

erat,  na  dMni  animcUk  ^mus  quo  frieqveiitior  im  viKonr 
haberetur.  In  hoc  equo,  opinione  Rugiae,  StaiUaoiim 
(id  aimttkero  tocabulun  eral)  ad^Fersum  liaororum  aoonim 
hostea  bella  gerer&  credebatur.  cujus  rd  inraacipuiM  ar«* 
gumenfum  ex8tabat>  sqnod  is  nactunio  tempore,  atabulo 
insistena  tdeo  plecumque  mane  sudore  ae  faito  respennis 
videbetiir  *) ;  otanipiMim  ab  exercitatione  veniendo  anagnomm 
itlnerum  apacia  perciurriaaet.  Atupieiä  qaoqve  per  evodeni 
e^um  hujiiamodi  {lumebantur.  cum  belliun  adversam  ali«* 
quam  provinciaai  auscipi  placuiaaet,  ante  fanom  Iripie» 
hasiar$M  ordo  ministroruiA  4>pera  di^ioni  solebat  y  in 
quorum  quolibet  binae  e  irMersQ  jmctue^  opnveraia  in 
terram  cuapidibns  figebaiitnr,  aeqnali  spaciohini  magnitn^ 
dine  ordinea  disparante.  ad  quos  equus  daetandae  eacpc^ 
ditionia  tempore  solenni  precatione  praenüssa  a  saoerdola 
e  veatibulo  cum  loramentis  productus,  si  propositas  or^ 
dinea  anle  de^ßito  quam  laevo  pede  itranscenderet^  fan^um 
gevendi  belli  eoMn  accipiebatar.  sin  taeeum  eel  semiel 
dexirö  praeMiaset^  petendae  provinciae  propositum  mu*» 
tahatur.  Diese  .acUlderung  ist  noch  genauer,  das  heiBge 
hier  der  gottheit  selbst,  £e  es  zu  nacht  beateigt,  beige*« 
legte  rot  wird  dreimal  über  zwei  gekreuzt  eingesteckte, 
also  über  äechs  Speere  geführt,  und  mufa  jedesmal,  wenn 
die  bedeutung  glücklich  sein  soll,  mit  dem  rechten  fnb 
zuerst  vorschreiten :  hat  es  nur  in  einer  reihe  den  linken 
vor  dem  rechten  erhoben,  so  steht  Unheil  bevor,  die  Earbe 
des  rosaes  wird  loet/a,  wie  bei  Tacitus,  nicht  adbaor»,  wie 
bei  dem  lebensbeschreiber  Ottos  angegeben. 

Nach  der  chronica  anguatensis  ad  a.  1068  (bei  Freher 
1,  349)  hatte  der  Halberstidter  biachof  Bureard  (der  Bnko) 
welchen  noch  das  heutige  kinderapiel  kennt)  den  Lntiaem 
ihr  heiliges  pferd  weggenommen  und  war  seikst  darauf 
nach  Saobaen  keim  geritten:  Burcardns  hailieratateiisis 
episcopus  LmuUciorum  provinciam  ingressus  inceadil,  Tasta- 
▼it)  avectoque  eguo^  quem  pro  deo  in  Rkeda^*)  cotebmU, 
auper  eum  sedens  in  Saxoniam  redü. 

.   Darf  man  nun   folgende  TOrsteUung   fassen:    Dietmar 
und  der  Augsburger  annalist  meinen  des  Radigast  zu  Rhe« 


*)  wie  das  yom  nachtgeUt  geriUene  pferd  firokmorgeas 
und  scbweifsig  dailebl  (s.  626). 

**)  Dickt  «in  rkeda*  (Wedekinds  noten  1,  173).  Rkeira,  ein  kaopt- 
ert  de»  alaT.  ketdeetkama,  aack.Adaaa  vo»  Bfcme«  iaa  kade  der 
Retkarier,  wo  dea  Redigoat  teanpel  atekl;  Dielaiaf  gikc  der 
atadt,  iai  gM  Riedera,  aelbal  d^  neaaea  RipdegeaL 


IFBRDB  e28 

In,  StsCo.  and  der  avtor  der  vita  Otlonis  des  Svaflovit  zu 
Arkona  beiliges  pferd  f  jedem  dieser  götter  f]  waren  rosse 
geweiht  and  vielleicht  noeh  andern,  ßo  mögen  audi  in 
Deutschland  mehrern  gottheiten  rosse  geheiligt  nnd  veie* 
sagung^n  untelr  ihnlichen  gebrauchen  damit  gepfiof  en  wor- 
den sein,  namentlich  dem  Frouwo  (s.  621.  622)  und  Wuo«* 
tan  (8.  14Q.  141). 

Einige  nachrichlen  von  der  terehmng  beiliger  f  ferde 
in  Ditmarsen  scheinen  bedenklioh.  Der  Rieswold  oder  Rie- 
swBWoId  an  der  grenae  zwischen  Norder  nnd  Sfiderditr* 
maraen  soll,  der  sage  nach,  ein  heiHger  wald  gewesen 
sein,  worin  menechenopfer  statt  fanden,  nnd  leei/se,  den 
fföüem  geweMe  pferde  genfthrt  wurden**),  das  i&t  nichts 
als  unbefugte  anwendung-  der  taoitischen  stelle  auf  eine 
bestimmte  gegend.  Eigentbtimlicher .  klingt  was  Bolten  1» 
262  dem  yerdftchtigen  Carsten  naoheraübtt,  bei  Windber- 
gen habe  ein  dem  Hesas  (I)  geheiligter  haiii  gestanden, 
ao<ih  heute  genannt  Hese  oder  Heseholt  ***).  in  dem  hi(»n 
seien  dem  gott  «eet  leet/se  pferde ,  ein  junges  und  ein 
«lies,  gefuttert  worden,  welche  niemand  besteigen  durfte, 
SOS  deren  gewieher  und  springen  gute,  oder  böse  seichen 
entnommen  wurden,  einige  reden  von  zehn  oder  zwanzig 
rossen,  ein  priester  des  gottea  steckte  stftbe  in  die  erde, 
führte  das  gezftumte  ros  heran,  und  liefs  es  durch  ge-« 
wisse  gftnge  langsam  über  die  etäbe  Springern.  Job.  Adolfi 
d.  i.  Neoeonts,  aitf  den  sich  dabei  bezogen  wird,  hat  nichts 
?on  allem  dem.  auob  das  Terbot  des  besteigens  stimmt  zu 
jenen  rossen  der  Slaven. 

FOr  die  heidnisohen  fuhren  aber  Ufst  sich  die  slayisehe 
gewohnheü  beglatabigen.  das  chronicon  livonicum  Tetus 
meldet  ad  a.  1192  (bei  Gruber  p.  7):  coiligitur  populus, 
Tolunlaa  deomm  de  immektione  (fratris  Theoderici,  cister«* 
eiensia)  aorti^  inquiritur.  ponitur  lanaeay  cakat  eqwus; 
pedem  friiae  depuMum  (d.  i.  den  rediten)  nutu  dei  prae^ 
ponit.  erat  frater  ore,  tnanu  benedieit.  arietas  deum 
Christianorum  equi  dorso  :insidero  et  pedem  equi  äd  {Hrue- 
ponendum  movere  asserit,  et  ob  hoc  equi  dorsum  tergen*- 


*)  SfiaUmii  oder  Sranleiit  hat  man  yennengt  mit  deoi  heil.  Vi- 
ta«,  sanctus  Vitua,  Tgl.  acta  saDctor.  15  jan.  p.1018;  unmöglich 
aber. kann  man  aus  Vitas  den  gott  SvanteTit  entspringen  lassen. 

**)  Falks  samlang  yon  abhaadlangen.  5,  103.    Tondem  1828. 

***)  bei  üeaem  fle«elMW  «lilainnt  man  sich  -ttriflens  ier  siWa 
Hein  9  Heu  an  der  Ruhr  in  Westfalen  (Lacombl.  no.  6.  17.  64^260) 
and  im  wHimemuki  dasilVcit»;  > 


630  RINDSa 

daniy  quo  deus  clabatur.  quo  faeto,  dorn  fqirag  eiiae 
pedem  praeponit,  ut  prina,  frater  Theodorieus  vitae  r»* 
serTatar.  Bier  tri^f  heidnisches  und  chrisüichea  wunder 
zusammen. 

Auch  altpreuTsiscb  war  dieser  cultus:  Prussonun  aii- 
qui  equo»  nigros,  quidam  aUn  cohriSf  propter  deos  suos 
non  audebant  aliqualiter  equitare.    (Dusburg  3,  5)  ^. 

Der  pferdeapfer  und  des  davon  unzertrennlichen  pfer^ 
defleisckessens  geschah  schon  s.  41  — 43  erwähnung;  Strabo 
berichtet,  dafs  die  Veneter  dem  Diomed  ein  weifses  pf€rd 
opferten  (V.  1,  9.  Siebenk.  2,  111).  Die  Inder  bringen 
mit  feierlicher  zurüstung  grofse  pferdeopfer.  Merkwürdig 
scheint,  was  von  den  Kalmüken  erzählt  wfard.  bei  ihnen 
sieht  man  eine  menge  aufgestellter  gerüste  mit  pferdehäu^ 
ten  und  köpfen^  überbleibsei  gebrachter  opfer.  die  rfeA- 
iung  de»  pferdekapfs  nach  osten  oder  westen  bestimmt ,  ob 
das  Opfer  einem  guten  oder  bösen  geist  gebracht  wurde**), 
es  gemahnt  einmal  an  jenes  opfermäfsige  aufstecken  der 
pferdehftupter  in  Deutschland  in  bestimmter  richtung,  das 
nach  einführung  des  christenthums  für  boshaften  zaufcer 
galt,  dann  an  die  pira  equinis  sellis  constructa  bei  Jemandes 
und  das  cr^/uo  der  scythischen  könige  bei  Herodot  (RA.  676). 

Von  heilighaltung  der  rinder  weifs  ich  weniger  mitzu-* 
theilen,  wiewol  sie  schon  darum  nicht  zu  bezwmfeln  ist, 
weil  rinder  geopfert  wurden,  sHere  den' fränkischen  königs- 
wagen  zogen  (RA.  262).'  noch  im  spätem  raittelalter  be- 
hielten die  kriegswagen  riader  bei:  capto  ducis  (lovaniensis) 
vexillo,  dicto  gallice  standart,  opere  plumario  a  regina  An« 
gliae.  ei  misso,  quod  fastu  superbiae  quadriga  baüm  ferebat 
Chapeaville  2,  69  (a.  1129).  eines  mit  vier  wei/sen  ochsen 
bespannten  wagens  in  Lothringen  gedenkt  Scheffers  Haltaus 
s.  251.  Nach  Plutarchs  bekannter  meidung  im  Marius  (ed. 
francof.  p.  419)  schwuren  die  Cimbera  Über  einem  ehernen 
etier,  woraus  man  das  stierhaupt  im  meklenburgischen  wa-* 
pen  herleitet.  (Mascov  1,  13).  Zu  Hvttabier  verehrten  die 
leute  ein  rind  (fornald.  sog.  l,  253),  zu  Upsal  eine  knh 
(das,  1,  254.  260.  266.  270.  272). 

Während  von  den  pferden  der  hengst  mehr  als  die 
Stute  verehrt  wird,  scheint  unter  den  rindern  die  kuh  den 
vorzag  zu  haben.  Itühe  waren  vor  der  Nerthus  wagen, 
die   edda    gedenkt   einer  kuh   namens  Äudhumla,    welche 


*)  dafs  die  Ehstea  dem  pferd  weusagemd«  kraft  'zaschreibeo  lebrl 
•bergL  no.  35. 

**)  Ledeboar  reise  Dach  dem  AUai.    Berii*  i6d0.  2.  54.  M.    •  • 


ItlNDm  631 

bei  den  erateo  meeeehengescUeelit  eine  grobe  roHe  spielt 
(&  526)y  sicher  für  eifi  heiliges  thier  galt.  Jenem  glauben 
an  pferde  (s.  622)  steht  ein  'fttrftnadr  ä  kü'  zur  seite.  kö^ 
nig  Eysteinn  von  Schweden  glaubte  an  eine  kub,  die  8t^ 
bUja  Jiiefs:  'hun  var  svft  miök  bldtin,  at  menn  mAItu  eigi 
standest  lAt  bennar',  sie  wurde  mit  in  die  sehlacht  ge- 
führt (fornald.  sog.  1,  254.  260).  könig  Ögvaldr  fflhfte  eine 
solehe  heilige  kuk  überall  mit  sieh,  zu  wasser  und  zu  land, 
und  trank  bestfindig  ihre  wäcL  fdrnm.  sog.  2.  138. 
10,  302).  ♦) 

Wie  die  mfibnen  der  pferde  schmückte  man  die  hOro- 
ner  der  kühe  mit  goM:  guühymdar  kfr  (Sem.  Idß  14 1'*) 
noch  heute  ziert  d^  alpenhirt  die  hOmer  des -rinds  mit 
bfindern  und  blumen.  den  opferrindern  wird  diese  aus^ 
stattung  nicht  gemangelt  haben. 

Das  sansta*.  gaiu  (bos  und  vacca),  thema  gA,  aoc. 
gftm,  pers.  ghau,  gho,  entspricht  dem  lett.  gokw,  ahd« 
ehuo,  ags.  eü,  altn.  kfr.  noch  wichtiger  ist,  dafs  fA 
zugleich  terra  und  plaga  bedeutet  (Bopp  gramm.  S.  123 
gloss.  p.  108^),  wodurch  es  sich  an  das  gr.  yci,  f^  scmierst. 
hierzu  das  auftreten  jener  AuUmimia  in  der  nord.  stitö« 
pfangsgeschichte  genommen ,  Iftfst  sich  vielleicht  rmk$  (die 
erde)  und  Rmdit  (s.  230)  zu  rmd  armentum  halten,  weiehes 
freilich  in  der  alten  form  HR  fordert  (Graff  4,  1171);  wer 
weils  ob  nicht  anch  rinde  (cortex)  ursprünglich  aspiriert 
war?  .EvgAutf^  der  name  eines  theils  der  erde  wird  zu- 
gleich erde,  (die  weite  etJ^cio)  ausdrücken,  und  s*  314 
vermutete  ich,'  dafs  Europa ^  mit  der  Zeus  als  stier  buUte, 
selbst  als  AtiA,  gleich  der  lo,  gedacht  worden  sein 
mag;  nicht  die  erde  hirt  von  ihr,  vielmehr  sie  nach  der 
erde  den  namen.  Über  die  Verehrung  der  kühe  und  rinder 
bei  Indern  y  Aegyptern  und  Römern  verweise  idi  auf 
A.  W.  Schlegels  gelehrte  abhandlung  ^^).  auch  die  Israe- 
liten brachten  das .  brandopfer  einer  rotben  kuh  (goth. 
kalb6),  auf.  welche  noch  kein  joch  gekommen. war.  Mos. 
IV,  19. 

Eber  und  book  waren  beilige  opfertbiere  (s.  44.  45), 


'^j ,  W|i8  bedeutet  die  schwane  kvh  in  folgenden  redensarten? 
'  die  sehwane  kvh  drückt  ihn|  (Hüpels  liTland.  idiot  1^1),  'die 
schwane  kuh  hat  ihn  getreten*  (Etners  apoth.  514).  'yan  onser  goe^ 
den  Maren  «oe,  yan  miere  bhren  coe*  ist  bor.  belg.  6,  97.  101  (vgl, 
223)  die  rede^  Ton  der  blauen  kvh  ir.  elfenm.  GXX.  soblachten  der 
schwanen  kuh  bringt  gefahr  (abergl.  887).  unter  den  benennungea 
des .  regeobpgeas  findet  sich  das  sloifen«  mawa^  schwane  kuli. 

**}  ind.  bibL  2,  288  —  295.  ' 


1 1  I 


6Sa  EBIR.    VBND 

der  eher*)  Aem  Freyr  (s.  194),  böehe  and  Ü9gmk' dma 
TMwT  (s.  168)  gewidmet,  wie  iiedi  jetzt  bodc  nnd  fliege 
für  tettfebgeUiier  gelten  **).  Auf  jenen  göttlichen  efor 
glaube  ich  nech  das  alte  lied  beliehen  wq  d^f^n,  $M  den 
nna  Nelher  (der  sa  selten  vor  fremder  gelehrsamkeit  dann 
kommt  was  er  vateriftndischea  wüste  anfznseiehneD)  eine 
stelle  behalten  hat:  imo  sint  ftaoae  fuodermAze, 

imo  sint  bürste  ebenhö  forste, 
nnde  zene  sine  znelifehilge, 
seine  borsten  ragen  hoch -wie  der  wald,  seine  haUer  sind 
zwölf  .eDen  lang.  Einen  gmnd  der  heäi^iailnng  des  ebers 
findet  man  darin,  dafs  er  die  erde  aofwühlt,  und  die  men** 
sehen  ¥on  ihm  das  pflügen. gelernt  haben,  Auoh  die  Sie*» 
Yen  seheinen  solche  eher  verehrt  zu  haben:  'testatur  idem 
antiquitas,  errore  delusa  vario,  si  quando  his  saeve,  lon«- 
gae  rebellionis  asperitaslmmineat,  ut  e  mari  praedicto  (nahe 
bei  Riedergost)  aper  magnus  >  et  coMdido  deute  e  »pumig 
htcescenie  exeai^  seque  in  yolutibro  deleotatum  terribili 
quassatione  multis  ostendat'.    Ditm.  ikiersebi  p.  812. 

Nur  hausthiere  waren  opferbar,  obgleioh  niefat  alle,  na- 
mentlich der  hvnd  nicht,  der  sich  sonst  oft  zu  dem  iienrn 
wie  das  pferd  verhält;  er  ist  treu  und  klug,  daneben  aber 
liegt  etwas  unedles,  unreines  in  ihm,  weshalb  mit  seinem 
namen  gescholten  wird,  bemerkenswerth  seheint,  dafs 
hunde  geistersichtig  sind  (abergi^  1111)  und  den  nahenden 
gott,  wenn  er  noch  mensehiichem  an^  verborgen  bleibt, 
erkennen,  als  Grtmnir  bei  Geirrödr  eintrat,  war  ^eingi 
kundr  svft  ölmr,  at  A  henn  mundi  hleupa',  der  könig  li^ 
den  schwarzgen^antelten  fangen,  ^er  eigi  vild^  kimdar 
ftrAda'.  Stem.  39.  40.  auch  wenn  Hei  umgeht,  merken  sie 
die  hunde.  dazu  stimmt  genau  der  griech.  glaube,  niemand 
erschaut  die  nahende  Athene,  selbst  nicht  Telemnohoa,-  nur 
Odysseus  und  die  hunde,  Od.  16,  160: 

ovif  Sga  TfjXijuaxog  idtv  ä^t/W,  ovrf'  iviTjUe^^ 

dXX    udvaevß  %e  xvvegj  itai  q    ot/v  vXaopte^^^), 


*)  doppelt  benannt  heifst  er  ahd»  epwy  ags,  eofor  und  ahd.  p^^ 
ag8.  bAr,  (golh.  bAii?). 

**)  wie  gott  (Wuotan)  den  wolf  icbuf  (a.  134),   braohte  dtt  leo«- 
fei  (Donar?)  die  gei^B  herror.    |ia  einigen  ortea  ilat  man  die 
füfse  nicht  (Toblar  a.  2 14). 


*•«' 


')  in  einem  diD.  yoOuilied  1,207.209  bellen  aie  dae  geapanat  an. 
bellen  oder  nichtbellen  iat  hier  einerlei         ^   .   .. 


I 


:\\  -t  /.      tiK 


i 


gaheol  der  innida  ist  yorhadeotoui  (abergi.  4S9lf  ami  xaigt 
feoer  ML  '  dem.  04inii  wierdea  band«  beigebt,  Vidris 
greg  S«m«  151*,  avck  den  Dornen  (».  381):  nerna  frmf, 
SwuL  ETSf*.  «rorauf  fründet  8icb  aber  die  aaf e  de»  fil^ 
h«ii  BittelalterB  von  dem  h.  Petrna  und  dem  band?  der 
ags.  Satnm  und  Sahiinon  (bei  Thorpe  s.  S8)  fragen:  *8aga 
me  hvilc  man  ^roal  rmre  Tid  baad  •  spracende  ? '  nnd  £e 
anlwort  ist:  /ic  (»e  seogOy  saneins  Petrus'.  Niaiaaaga  cap. 
158  p.  275  irärd  eine  formel  mitgelhdll ,  die  aus  der  ge- 
wali  der  wassergeialer  rette:  Vunnit  keflr  hmmdt  pkm^  Petr 
peetoli,  tu  Biftma  tyivar^  ek  mnndi  reana  it  firMtja  ann,  ef 
^u  leyfdir'. 

Unter  den  wilden  waldthieren  gab  ea  dimge,  die  der 
mensch  mit  sehen  betrachtete,  denen:  er  direrbietnng 
bezeigte:  TOr  allen  Ur,  wolf  und  fi$ehs.  ich  «habe  dar* 
gethan,  daüB  diesen  freien,  nacii  weit  ühd  frühe  .in 
Enropa  vei^reiteter  sitte^  ehrende  nanaenr  beigelegt  irm^ 
den  *),  und  dafs  unsem  ahnen  der  bär  fflr  den  ämg  der 
tkiere  galt^^  Einö  nrk.  yen  1290  (Längs  reg.  4,  467) 
liefert  den  beinamen  ^Chnonrat  der  heiägüt'j  wosu  man 
den  fttteren  manns  und  franeanamen  aHn.  AsbUm^  ags. 
Osbeom^  ahd.  'AMper^  npd  ahn.  Aibirwi,  ahd.  Ampi^ 
rin  (im  Walth.  Ospirn)  halte ;  damals  scheint  noch  unter 
dem  volki  saigen  ,  von  -  ^der  heiligkeit  des  thiers  im  gang 
gewesen.  Biöm  war  ein  beiname  des  Thdnr,  und  nach 
der  welschen  sage  wurde  hönig  iinnr.als  bär  und  gott 
dargestellt,  was  man«  nicht  erst  aus  einer  Hhnliehkeit  des 
nameas  mit  igisvog  au  leiten  hat:  der  bär  am  bimmel 
spielt  eine  grofse  rolle,  ein  eddischer  beiname  des  bä^ 
reu  war  VetrlÜi  (Sn.  179)  hiemem  sastinens,  weil  er  Hber 
winler  schläft  und  der  winler  biamamött  hieb,  der  eigen- 
name  gieng  auf  menschen  über,  fornm«  sog.  2,  802  ein 
VetrUA  skAld  und  3,  107  ein  Veirtiü,  in  welchem  sich 
der  name  seines  vaters  ABbiäm  erneuerte  ***),  den  my-* 
thos  von  dem  weiften  bär  und  dem  wichtel  habe  ich  s. 
447  nachgewiesen.  Es  ist  nicht  zu  übersehen,  dafs  ein- 
äelae'  Uiierfabi^In  in   menschliche  mytben  verwandelt  Wer- 

*),Ke!nh.  p.'i.V.  ccyn.'446,'  nberrascliend  ist  die  io  Victor  Hu- 
gos notre  dame  de  Paris  2,  272,  nach  einem  bacb,  oder  mündHcher 
ül^erKefeninf^  mitgetheilte  nachricht,  dafs  die  zigeuner  den  facbs 
fnedifleiii  caurMir  dei  bais^  den  /vroU  ffiedgris,  fieddorS,  den  bfiren 
ineux  oaer  grandph-e  nennen. 

•*)  das  8.  jhim  t,  ccxcy» 

***)  aoeh  dai  aeejnoh^  aufiente.  TsneielaMl  den  naoten  JV^^wrUt 
(bei  Mona  98I»).  •  s' -      • .'i'>!m  /  "     > 


63«  WOLF.    FDCBS.    KATZE 

den  oder  lungekelirly  x.  b.  die  rolle  des  barem  oder  fiickteM 
auf  einen  riesem  oder  den  leufei  üttergfeiit  so  fiadet  sich 
die  ehstnisciie  ersfthlnng  ron  dem  mann  der  mit  dem  Mren 
rttben  und  haber  auf  dem  acker  baut  (Reinhart  ccxzzxnn) 
anderwfirts  von  dem  .teofeL  dies  in  einanderstreifen  des 
thiermirchens  und  der  übrigen  tradilionen  ist  neue  gewihr 
für  die  epische  natnr  jenes.  Zwei  wölfe,  fi^sri  und  A-eAt, 
waren  dem  Odinn  beilig,  ihnen  gab  er  zn  fressen  was  ihm 
von  speise  yorgesetzi  wnrde  (Sn«  4),  sie  waren  gleichsam 
-des  golles  hnnde  (Vidris  grey).  ich  möchte  wissen,  woher 
H.  Sachs  den  bedeutenden  zug  entnommen  hat,  daTs  g9lt 
der  herr  der  wölfe,  als  seiner  Jagdhunde ,  sich  bediene  *)? 
Ein  söhn  des  Loki,  der  FenriiUfry  tritt  in  wolfyeetali  unter 
den  göttern  auf;  überhaupt  kennt  unser  alterthum  keine 
häufigere  Verwandlung  als  die  der  menschen  in  werwölfe. 
Bi^r  und  wolf  sind  sehr  oft  in  wappen  aufgenommen ,  mit 
ihnen  ist  eine  menge  von  mensdiUcben  eigennamen  zu- 
sammengesetzt; keins  von  beiden  findet  statt  bei  dem/vcfts. 
daher  sich  auch  kaum  mit  dem  fuchs  mythische  Vorstel- 
lungen verknüpfen;  einige  spuren  sind  Reinh.  ocxcvi  ge- 
wiesen **) ,  im  kindermärchen  (no.  36)  werden  ihm  nmm 
schwänsse  beigelegt,  wie  dem  Sleipnir  acht  füfse,  oder  hol- 
den und  göttern  vier  arme. 

Der  Freyja  wagen  war  mit  zwei  kataen  (tveimr  köttum) 
bespannt  (s.  282);  da  altn.  fre$  nicht  blofs  kater  sondern 
auch  bftr  bedeutet,  hat  man  neulich  gar  nicht  uneben  be- 
hauptet, köttum  könne  aus  freseum  entsprungen,  und  ein 
bärengespann  der  göttin  gemeint  sein,  wie  Cybeles  wagen 
löwen  zogen  (s.  233).  vom  Stiefelkater  s.  471.  476,  das 
norweg.'  mftrchen  in  den  folkeeventyr  no.  89.  katoe  und 
wiesei  gelten  für  kluge  zauberkundige  thiere,  die  man  zu 
schonen  ursach  hat  (abergl.  292). 

Mit  den  vögeln  lebte  das  alterthum  noch  verlrAuter, 
und  wegen  ihrer  gröfseren  behendigkeit  scinnen  sie-  ge^ 
sterhafter  als  vierfüfsige   thiere.     ich  führe   hier   mehrere 

*}  1,  A9^  ed.  15&8:  'die  wrif  er  im  enrelen  gond  und  hei  sie 
bei  ihm  für  jagdbiind*. 

**]  Klaproth  bat  aus  japanischen  bäc^en^,  dafs  mw\  in  Japan 
den  fuchs  (inari)  alt  tchuttgott  Terebrt:  in  Tielen  nikps'era.t  zumal  ge- 
ringerer leute ,  sind  ibm  kleine  tempel  gewidmet  sie  fragem.  ihn 
in  schwierigen  dingen  um  raih^  und  stellen  ibm  abepds  .ireis  oder 
bobnen  bin.  fehlt  morgens  etwas  daran,  so  glauben  sie,  dei^  fucbs 
habe  es  Terzebrt  und  ziehen  gute  Torbedeutung  daraus ;  da^  gegen«- 
tbeil  ist  ein  übles  zeichen.  (nouT.  annales  deti  royages.  d^cembre 
1833  p.  298).  Sie  balteo  ihn  för  einen  ka«i,  d.  b.  fär  die  seele 
eines  Terstorbnen  guten  menschen  (das.)  ^ 


TOGHL    iOLBI.    HAHN  685 

beiqiiele  an,  dabman  die  wilden  Togal  flWafte«  Dfelaiar 
▼on  Meraeb.  enahh  tm  Mabtildis,  Otto  1  mvHer  (Pmü 
5,  740):  'non  aollim  paoperibus  ¥0111111  etiam  aoibm  victam 
snbminialrabafy  und  ebenao  bobt  es  ia  der  vitaMahtild» 
(Perti  6,  294):  ^ee  etiani  oblita  est  ^obiemm  aestiTO  lem«- 
pore  m  arboribas  retoaanlini,  praecipiena  niniatris  sab 
arborea  proicere  anieaa  pasia'.  In  Nerwegen  seilte  man 
jnlabenda  den  sperüngem  kembftaehel  aus:  jnleaftea  at 
sette  trende  kornbaaad  paa  atöer  ander  aaben  himmel  Ted 
laden  og  fiielraaet  10  jpirrafif  fftde,  al  de  nftste  aar  ikke 
skal  giöre  skade  paa  ageren  ffiorthöi  Gnibranda  dalea. 
Kb.  1785.  ly  lao,  es  war  ein  den  Tegehi  gebraehtes  opfer, 
damit  aie  den  Auren  nieht  schadeten,  man  entsinnt  sich 
dabei  des  vermaehtnisses  fttr  die  vögel  auf  Walthers  Ton 
der  Togelweide  grabstdn,  dessen  nanen  schon  pascna 
STiom  ansdrflckt 

Götter  und  gdttinnen  pflegen  sich  in  vögel  an  rerwan-» 
dein  j  aber   auch  '  den  riesen  war  diese  gäbe  eigen.    Tara- 
pita,    der  ehstnische   gott,    fliegi  von  einer  statte  au  der 
andern    (s.  67),    die  griechische  Torstellung  hat   geßügelie 
getter,   die  jfldiache  geftügeUe  engel,  die  aildeatsche  Jung- 
frau   mit    sekwamfiügelm.     Nordische    götter    und    riesen 
legen  ein  adierkleid,  anuurham  an   (s.  599),  gOttinnen  ein 
fiftenUeid,    vabham   (s.  279).     Der  wind   wird  als  riese 
und    adler  dargestellt  (s.  600),   nnd   heilige   iuUer  schreien 
aof  den  bergen:  dm  g6I  arla,  arar  gullo.  Sem.  142*  149«. 
Wolfram   denkt  sich  die  erde  als   einen  vogei,    wenn   er 
sagt  Ws.  308,  27 :   s6.  diu  erde  ir  ^evidere  rdrt 

nnde  si  der  meiß  lArt 
ir  müae  alsus  volrecken. 

Von  opferdiensamen  hausrögeln,  namentlich  deas  hahn 
nnd  der  gans,  sind  mir  wenig  mytlusche  bezüge  bekannt. 
Das  feoer  wird  als  rother  luAn  geschildert  (s.  568),  H. 
Sachs  sagt :  den  roten  han  aufs  stadel  setzen* :  ein  däni- 
sches Sprichwort:  ^den  rode  hane  galer  over  taget'  (der 
rothe  hahn  kräht  auf  dem  dach,  d.  h.  die  flamme  prasselt], 
rothe  bahne  musten  vorzuffsweise  gevinst  (vielleicht  iM- 
her  geopfert)  werden  (RA.  376).  Vöiuspä  54  wird  Halarr 
aufgeführt',  fagurraudr  hani',  im  walde  singend,  gold- 
kammiger  hahn  erweckt  die  beiden,  dunkelfarbiger  kräht 
in  der  Unterwelt,  bedeutsam  krähen  im  dän.  lied  (1,  212) 
der  rothe  bahn  •  und  der  »chfoan6e  hahn  hinterein- 
ander; ein  anderes  lied  (1,  20B)  fügt  noch  einen  weißen 
dritten  hinzu.  Vldofnir,  ein  andrer  eddi^cher  bahn  sitzt 
auf  MImameidr    (S«m.   109*);    Finn  MagnufieiK  (iejLr  «Aylh, 


686  *       BAHN 

824.  1090)  Tergleieht  ihm  den  hiibiiy    der  auf  «mijMmm 
gesteckt  ra  werden  pflegt    Die  Wenden  errichteten  ktenn*«» 
bftume^  brachten  aber,  hemilidl  noch  heidnisch  gesinnt ,  zo 
Oberst  anf  der  Stange  einen  wetterkahn  an^).    In  einem 
mfirchen    (no.    108)   sitzt   Hansneinigels   iahn  auf    emem 
bäum  des  waldes.     Ich   weib   nicht ,    wann   die  goldnen 
hälme  auf  kirehMtrmen  eingefidurt  wnrilen ,  bloise  wetter«- 
fahnen  sollten  sie  ursprünglich  kaum  sein«     Gnibertas    in 
▼ita  sua ,  lib.  1 ,  cap.  22 ,  gedenkt  eines  gallui  mtper  imri ; 
im   beginn  des   12   jh.  hersdite  also   die  sitte  in  Franko* 
reich,    aber  schon  zwei  Jahrhunderte  vorher  im  sfidliohen 
Deutschland.    Eckehard  erzählt  vom  rinbrsch  der  Ungern: 
duo    ex    illis    accendnnt    camptmanumf    cujus    cacmninis 
gtMum  aureum  putantee,    deumque  lod  sie  voeaium,    non 
esse  nisi  carioris  metaUi  maleria  fusnm,   lancea  dum  um» 
ut  eum  reyellat,    se   yalidus  protendit,    in  atrinm  de  aUo 
cecidit  et  perüt  (Pertz  2, 105).   den  Ungern  erscheint  dieser 
bahn   als  gottheit   des    orts,    worin    vielleieht    noch   ilas 
znsammentreiTen    der  namen    des  heiligen  Galtais   mit  dem 
des   yogels  bestärkte;    sie  verlassen  sogar  ans  scheu  vor 
ihm  hernach    das   kloster:     monasterio,    eo   quod   Qaiku, 
deus   ejus,    igmipotens  sit,    tandem  omisso  (ibid.  106)**). 
Tit.  407 :  '46  golde  ein  ar  gercetet,  gefiuret  unde  gefunkelt 
4f  ieglich  kriuze  gelcetet.^    Zwar   ist  der  bahn  symbol  der 
Wachsamkeit,  und  dein  wichter,  damit  er  alles  überschaue, 
gebührt  der  höchste   Standpunkt***);    mOglich  aber  wäre, 
dafs'  die  bekehrer  einen    heidnischen  brauch,    hähne   anf 
gipfeln  heiliger  bäume  zu  befestigen ,  schonend  ihnen  auch 
eine  stelle,  auf  kinchthürmen  einräumten ,   und  dem  zeichen  • 
hernach  nur  allgemeinere  deutung  unterlegten. 

An  der  spitze  des  wilden  gevdgels  steht  der  oiUtr  als 
känig,    und    ist    des    Zeus    böte.     In   unsem   thierbbeln 


*)  annalen  der  churbr.  hannÖT.  lande  8  jabrg.   p.  284.    einige 
beziehen  den  babn  auf  Petra»  Terlengnung. 

**)  alles  sagenhaft;  dena»  Tom  einbrucb  iler  ungern  ins  bloaltr 
Herzfeld  (Hirulfeld)  an  der  Lippe  wird  in  4er  Tita  a^  Idae  äbfüipli 
erziUt,  sie  seien  auf  den  nolariaa  gestiegen,  aber  die  glocken  loszn- 
macben  unTermögend  gewesen  und  nnn  plötzlich  geflohen,  aliqnid 
ibi  esse  diTalis  numinis  snspicati  sunt  (Pertz  2,  573).  hier  kommt 
der  babn  nicht  in  betracbt,  die  glocken  tbun  ea  allein. 

***)  Münters  ainnbilder  der  alten  Cbtisten  p.  J55.  Da  Gregelr  der 
groOM  gallus  durch  pracdicator  Mialegt  (opp.  Paris  t70^  1,  95^9. 
961)  und  auch  den  specnlator  auf  den  praedicator  bezieht,  so. könnte 
er  in  folgender  stelle  an  den  babn  gedacht  haben ,  obgleich '  er  ihn 
nicht  nennt :  specnlator  ^emper  in  altitudtne  ftat ,  nt  «piidquid  tea** 
Ipriiai  alt  lon|e  proapictat  (ibid.  1,  t'i83).  <i> 


■IBH:    SCBWJOME  9U 

ßAmad  der  rak  die  roOe  kdd^r,  des  wolfe  nmi  iMnes 
«I  Oberaekneo,  er  betüH  die  frebgier  jeaee  aeben  der 
Uogheit  dieses.  Gleidi  de»  swei  «rOifMi  sind  aaeh  swei 
raben,  J7ifffäMi  tmd  Mmtmm,  Odiiis  besliiidife  begleiler 
(8.134);  ihre  namendrOckeii  denUtraft  und  erinneraag  aas: 
sie  tragen  ihm  nachricht  yon  allen  ereignissea  sn*).  vefw 
adiiodeaBich  acheiaea  diese  odiaisehen  vOgel  ^  dea  sagen 
enrihiil,  x.  b.  Olaf  TTyggr.  cap.  28  boaeagen  schreiende  raten, 
dafii  Odiaa  das  darigebnidite  opfer  annimnit  iwei  raben 
fliegen-  mit  einem  mann  d^n  ganaen  tag.  Niaiss.  119.  ebenso 
gdeitea  dea  heil.  Gregor  drei  fliegende  raben  (PanKDiacl, 
2ß).  In  dea  scbikaea  mythas  von  könig  Oswald  greift  der 
rabe,  dem  aeia  gefiader  mit  goid  bewnnden  wird  (Tgl.  den 
£riken  Ms.  1,  38**)  wesentlich  ein;  er  hat  nichts  von  der 
böaen  tenflischen  natnr,  die  hemaoh  diesem  vogel  beigelegt 
wird.  Gharacteriatisch  ist  aaeh,  daib  der  von  Noah  ans 
der  arche  gesandte  rabej  von  welchem  es  gen.  8,  7  blors 
helbt  jBtti  iiiX&wv  mix  up4inf$ff/e,  in  der  deutschen  wie* 
derersflhlnng  sich  aaf  einem  as  aiederlAfst.  Ga|dm.  87,  11. 
Unt.  3,  60.  König  Artas,  den  wir  vorhin  als  bftren  fanden, 
soll  in  einen  roAea  verwandell  worden  sein:  'qua  anda 
haaUt  abora  converlido  en  cuerto,  y  ie  esperan  en  stt 
reyno  por  momentos*.  don  Quixote  1,  49.  In  Volksliedern 
verschen  vOgal  gewöhnlich  boteadienst ,  sie  bringen  knnde 
von  dem  was  vorgegangen  ist  aad  werden  mit  meidungen 
entsendeL  böhm.  sagt  man:  etwas  vom  vogel  erfahren 
(dowideCi  se  po  ptatfku). 

In  den  sagen  reden  vögd  untereinander  von  dem  ge« 
sdiiok  der  menachen  und  weissagen.  ra6ea  verkündigen 
dem  blinden  das  mittel,  wodurch  er  wieder  zu  seinen  äugen 
gelangt  (KM.  no.  107),  hauwögel  besprechen  sich  von  dem 
bevoretehenden  antergang  der  bürg  (deutsche  sag.  1,  202). 
Bin  tmekdr  vogel  (fugl  fridhugadr)  wird  in  der  Helgaqvioa 
(Smm.  140.  141)  re£ind  und  weissagend  eingeführt  und  er 
fordert,  wenn  er  mehr  aussagen  solle,  von  dem  menschen 
&pfer  and  tmnp^L  nach  einer  deutschen  sage  erwirbt  siüh 
der  mensch  das  Verständnis  der  vögeltproithe  durch  den 
genaA  einer  weif  wen  teUange  (KM.  no.  17).  Sigurdr  ver- 
steht sie,  sobald  des  drachen  Fafnir  herzblA  von  den 
fingerspitaan  -iiuf  seine  zungö  kommt:  es  sind  sokwalben 
(igtfor),    die,  ihm    ratfaschlag    ertheilen    (Ssm.  100.  191). 


*)  io  eiosiir  ■loveniseheo  mirclien  bsrilit  Jeniand  sinen  raben 
(wdwtt),  «leralhviNend  («MmA)  war  uad  ihnl,  weon  ar  heiailiahr^ 
allei^  aaaihlla^    Murka»  alofen.  dantachei  wb.  Griu  IM8.  p.  606* 


688  :8T0IK!H:    SPBGHf 

SMAx>älben  zu  töAen  bringt  mkeil,  nach  abergl.  37&  yev«» 
nrsacht  es  yierwochenlangen  regen;  ihre  nealer  -un  dem 
hänsern  wagt  niemand  aussuitorsen.  aus.  Saxes  (p.  327) 
bericht  von  der  eichnen  biUbeule  des  Rugürtt  darf  man 
schliefsen ,  dafs  die  Slaven  ruhig  daran  ^  die  sckwaAen 
niaten  liefaen. 

Die  mythische  eigenheit  des  Bckmaitt  bekimiet  4ie 
sage  von  den  schwanfrauen  (s.  398)  und  voii  dea  Serben** 
den  thiers  gesang.  Auch  der  ^ftircA  galt  fUi^  unveridtzbory 
gleich  den  schwalben  ist  er  frühlingsbote;  sein  dichterischer 
liame  mufs  ins  heidenthum  zurückreichen,  widerstrebt  Aber 
noch  den  deutnngen.  die.  ahd.  glosseo  geben  odebero 
(Graff  d,  155)  udebero  (sumerl.  12,  16)  oUioaro  ^  odebor» 
(fundgr.  I9  366)  odeboro  (gl.  Trofs);  mhd  ädebar  (nur 
Diut.  3,  453) ;  mnd.  edebere  (Bruns  beitr.  47)  adebar  (Heinke 
1777.  2207;  mnl.  odetarcy  hodevare  (Biein.  2316.  Cligoetl 
191);  nnl.  6yetär\  nnd.  ä^er^  äbdr,  atjebar;  im  ags.  und 
nord.  nichts  ähnliches,  bero  oder  boro  ist  träger,  aber 
das  erste  wort,  solange  man  der  quantität  des  vocals  un- 
sicher bleibt,  läfst  sich  schwer  erk&reii,  zwischen  glück- 
bringer  (von  6t  opes)  und  kindbringer  wäre>  die  wähl,  doch 
das  letzte  stimmt  zu  dem*  noch  allgemein  herschenden 
Volksglauben ,  dafs  der  storch^  die  neügebornen  kinder  zu-» 
trage,  neben  dem  alts.  partic  ddan  genitus,  ags..  eäden, 
ahn.  audinn.müste  sich  ein  subst.  Ad,  eäd^preles)  erweisen 
und  alles  wäre  in  Ordnung,  der. prosaische  ausdruck- ahd« 
storcAy  ags.  starCy  altn.  siarkr  mag  gleich  »alt  sein,  nach 
fries.  Volksglauben  treten  Wandlungen  des  Storchs  in  mensch 
und  des  menschen,  in  storch  ein.  ein  lied  Wolframs  5^  21 
versichert)  der  storch  schade  den  saaten  nicht. 

Altlatj  Völkern  war  der  gpecht  heilig,  er  galt  für  den 
vogel  des  Vtars,  ** Ap^os  ogpig;  den  Sabinern  Weissagtet  ein 
auf  hölzerner  seule  (  ^l  »tovo^  ^vkii^ov)  stehender  specht 
im  hain  bei  Hatiena  (oder  Hatiera  Dion.  haL  1,  14.  Reiske 
p.  40),  einst  halte  er  sie  den  weg  geführt^  &g/t¥f]vtat  ol 
ninsvttvoi  ^vonoXan'tov  f^v  oiop  ^yeaaf^^^)  (SiraboV 
p.  240).  für  Romülua  und  Remus ,  als  der  wölfin  milch 
nicht  genügte,  trug  er  andere  nahrong  herbei  (Ovid.  fest.  3, 
37.  54  v^.  Niebuhr  1^  245).  Nach  Virg.  Aen.  7,  189. 
Ovid.  metam.  14,  321  war  Picus.  sohii  des  Saturn,  vater 
des   Faunus*),   und  wurde  in  den  vogel  verwatMlelt.    Wie 

*)  wenn  in  der  Schweii  der  schwarzspecbt  merttafiUU  (merzfohlen) 
beiftt  (Stald.  2,  199.    Tobler  31 6^)4  erklirt  sich  das  am  einfachsten* 
aüa  dem  picna  martius ;  fällt  könnte  aber  auch  Tögeli  sein,  also  menm 
logül  oder  MartinsTOgel ,  worüber  mehr  im  €«p.  vchi  dem  angang. 


SPBGBT      ^  SM 

fnsere  diehUMg  von  Beoomlf  (Ueiieiiwolf  ^  d.  L  speeht) 
diesem  Pieus  verwaadt  scbeiDe  ist  s.  343  angedeutet  In 
Norwegen  heiTst  der  rothhaoMchte  sehwarzspeoht  Gertntdi-' 
eogel  und  e&i  mirclien  bei  Asbiörnsen  nod  Moe  (m>.  2) 
erttutert  seinen  nrsprung:  als-  nnser  herrgoU  mit  Petrus 
auf  der  erde  wandelte,  kamen  sie  cn  einer  frau,  welche 
sais  nnd  buk,  sie  hieft  Gertrud  nnd  trug  eine  rotbe  haube 
auf  dem  köpf,  mttde  und  bungrig  von  dem  langen  weg 
bat  sie  unser  herr  um  ein  stück  kucdien.  sie  nahm  ein 
wemg  teig  und  setit^  ibn  auf,  er  wucbs  so  hoch ,  dafs  er 
die  ganze  pfanne  fttllte.  da  meinte  sie,  der  buchen  sei 
fir  ein  almosen  zu  grob,  nahm  weniger  teig  und  begann 
zu  backen ,  doch  auch  dieser  kucben  erlangte .  dieselbe 
gröfse  und  sie  weigerte  ihn  wiederum  zu  geben,  nahm 
zum  drittenmal  noch  weniger  teig  und  da  der  kuchen 
dennoch  ebenso  grofs  aufsohofs,  sagte  Gertrud,  %r  mttfst 
ohne  aimosen  gehn,  all  mein  gebick  wird  zu  grofs  für 
euch.  Da  zürnte  unser  herr  und  sprach:  ^weil  du  mir 
nichts  günnst,  sollst  du  zur  strafe  ein  kleiner  yogel  werden, 
dein  dürres  fütler  zwischen  holz  und  rinde  suchen  nnd 
nicht  öfter  trinken,  als  wann  es  regnet',  kaum  waren  diese 
worle  ausgeqin'ochen,  so  wandelte  die  frau  sich  in  den 
Gertrudgtogel  und  flog  den  küchensdiomstein  hinaus,  und 
noch  heute  sieht  man  sie  mit  ihrer  rothen  haube,  ganz 
sokwarz  am  übrigen  leib,  weil  die  Ofenröhre  sie  schwärzte; 
beständig  hackt  sie  in  die  baumrinde  nach  fiitter  und  pfeift 
gegen  dia  regenwetter,  denn  sie  dürstet  immer  und  hoft 
zu  trinken*).  In  unsem  thierfabeln  bleibt  sonst  der  speckt 
ohne  roUe,  nur  in  einer  alles  Zusammenhangs  entbehrenden 
erzAhkuig  •  (Reinh.  41d)  wird  er  mit  dem  wolf  sich  unter'- 
redänd  «u^c^ührt.  Die  Wotjaken  erzeigen  dem  baum*- 
hackenden  specht  göttliche  ehre,  damit  er  ihren  Wäldern 
nicht  schade  *%  den  Serben  heifst  das  geschrei  des  baum- 
hackenden Spechts  (zhunja)***)  klitschi,  kliknuti,  kliktati, 
gleich  dem  der  vila  (oben  s.  407)  baumklopfende  Spechte 
zeigen  den  weg  zum  flufs  (Igorlied  79);  die  alte  sage  vom 
Specht  und  d^  äpringwnrzel  wird  später  erörterung  finden. 
Die  eUter  (pica)  ist  ein  dem  specht  (picus)  nahstehender 
YOgd.    ihr  altn.  name   lautet  ^kcidiy  schwed.  siato,   dän» 

•*)  Gerfvud,  «rnrd«  s«  54»,  282  init;.Freyja  irergliebeni  imd  dieselr 
köniite  der  TOgsl,  wenn  Mhon  hier  üls  Tevwandelter  menMli  4arge» 
•teUl,  haäig  ceweseD  Bein. 

**)  RytMmkovs  retie  dufch  das  ruu.  ri^icb»  vbari.  ▼.  Hase. 
Riga  1774  p.  124. 

***)  kraitijsoBii»*  pola«  bObm<  ilnwa»  böhm.  anehwlksr  tonst  wolfa. 


N 


«10  SPERBBU    XDKUE 

äüade^  wna  mit  4er  (tbstraojkan  bedeotung  fdhnntunn 
■tengeMnuneo  woffdea  dtrf,  mhd.  scfado;  zo  «ingiBiig  der 
Vdtsunga  saga  begegnet  ein  mann  namens  iSilaäK;  weichen 
F.  MagniMen  (lex.  609)  ffir  die  gdttin  OkaA  erUärti  I« 
der  flandrischen  thiersagie  hieis  die  eieter  ^er.  Aye'y  >:fra« 
Ave.  In  Poitou  dauert  nooh  eine  'spnr  des  ekterdullM 
fort,  auf  den  gipfei  eines  hohen  banma  ^ird  ein  sfträuiii 
Ton  beide  und  lorbeer  der  elfter  n»  ekran-  angehundcay  weil 
flie  den  einwobnern  durch  ihr  gesohrei  den  nriienden  wolf 
anzeigt: .  porter  la  crApe  ä  lapdeu  (mS^nib  des««iitiq.  8|451.) 

b  altböhmischen  liedem  ist  der  Jperfter  (krahui,  krabug) 
ein. heiliger  vogel  und  wird  im  götlerhaia> gehegt  (königinh. 
hs.  72.  80.  160).  auf  den  ästen  der  eiche,  dw  ans  dem 
grabe  des  erschlagenen  spriefst)  .sitzen  heilige  sperber^  und 
verkünden  geschehoen  mord* 

Keinem  andern  vogel  wird  aber  allgeaieiner  die  f»he 
der  Weissagung  beigelegt  als  dem  kukuk^)^  idessett  iMle, 
gemessene  stimme  im  neubelaubten  faain  erscbatlt.  9en 
beginn  des  lenzes  drückt  im>  altdeutsehen  redht  die  forind 
aus  'wann  der.^aife&  gtdtef  (RA.  36],  wie  nach  Hesiods 
hausiehren  der  rufende  kukuk  die  zeit  des  fallenden  saal-^ 
regens  verkündet.  Zwei  alte  lieder  sehilderii  des  frtthtings 
unä  winters  weltstral  über  den  kukuk,  und  der  hirten 
Uage  um  ihn :  der  frübling  preist ,  die  tarda  bienis  echik 
den  vogel,  hirten  stellen  ihn  als  geraubt  oderetsttuft  der, 
merkwürdig  ist  die  zeile: 

tempus  adest  veris,  cficu/fis  modo  ratnpe  soporead**). 
Er  kündigt   durch  seinen  ruf  diö  iieUiohsle  zeit  des  Jahres 
an,  dafs  er  den  menstifaem weissage  wird  hier  niehl  gesagt 
das .  jähr   verkünden   (jähr  bieten)   schreibt   und  der   agSi. 
cod.  exon,  146,  27  diesem  vogel  zu:  *g4doa»  geaet  bodbn\ 


*)  gotb.  ff^aks?  ahd.  soob  (Hoffm.'  5,  6)  ags.  geiic;  ulto.  gaukr, 
mhd.  goucb  M8.  2,  132^  daneben  reduplideredd  (wi^  caeulas)  ffao« 
goucbMS.  1, 132",  goggoucb.US.  i»  166*,  nbd^^kok,  kukak,.  ober«' 
deuUcti  ggggabch,  gu^ig€iiicb% 

**)  beide  eclogen  io  DornaTU  lampj^iibeatcam  456.  457,  >wo  sie 
dem  ßeda  zugelegt  sind ,  ein  gleiclies^  geschieht  bei  .Lejser  p.  207, 
nacb  welcbem  sie  zuerst  in  der  mnkf.  aasg. '  de'r  OTidisoben  amutoiien 
•von  16tO  p.  190  gedrackt  worden  «ein  söHen.  ind«s9en  tbeilt^Oudin 
(de  scrip.  eccles.  2,  327.  328  ed.  lips.  1722)  den  conflictns  reria  et 
htemis  mit  inter  dem  nemen  des  JIK/o  saneti  Anaedi  eloeneiifeis  mo- 
nachua  (aua  der  ersten  hSlfte  des  9  jh.)  'Ond  -da«  tfweite  gtedidbt  de 
morte  cucoli  findet  sich  in  Mabillons  anal,  t,  369*  als  Jlatäfi- Teraea 
^e  eliculo.  lotnerhin  fallen  'beide  io  ddtf  8  oder  9*  Jh.;  in  eormption 
der  peDuliima  Ton  cucalus  stimmen  sie  zu  Reinantna  3^,  528.  dei 
eoaflictui  babea  aoeh  Hoffm:  hiiras  belf.6,  28dtriederaafj|eobniineii. 


m 

eocoK  anatiiii'  nmftiave^ew  M»cii  jetzl  libör  teiert;  der  hoUuh 
gfoidi^,  wer  im  frtthliflg  mir  eratenmal  das  aehreieii  des 
kttkuks  vernehme,  kdniie.  toa  ikm  die  zaU  seiner  übrigMi 
lebensjalire  erfragen  .(abergl.  Id7.  sekwed.  119l  däa.  128. 
14^.  ia  der  ficiiweis  riofen  die.  Ifinder:  ^g^gVf  wie  iMig 
lebi  no  ?*    in  Niedersachsen: 

kukik  Tarn  häven^ 

wo  langcf  sali .  ik.  leven? 
mid  dann  fibt  man  aekft  und  aihlt:  wie  vielmal  der  vogel 
nach   der   anfrage    ruft,   soviel  jähre  sind  deaa,  fragf^Ai^i} 
übrig  zu  toben  (Sditttae  liolsl..idiol.  2,  363)«     In  andern 
gegenden  *)  lautet  der  isprttoh : 

kmkitkf   beckeidmechli 
.  sag  mir  recht, 

wie  viel  jähr  ioh  leben  soll? 
der  vogei^  wird  erzäkU^  sei  ein  verwünschter  becker  oder 
müUerfaiecht,  und  trage  darum  fahles,  meUbestaubtes  ge-' 
fieier.  in  tfieurer  zeit  habe  er  aroaea  lettlea  vcju  ihrem 
teig  g^estolen^.  und  wenn  gott  den  teig  im  ofen  segnete, 
ihn  herausflogen I  bezupft  und,  jedesmal  dabei  gerufen 
^guknk!'  (ei  siebl),  darum  strafte  ihn  igott  der  herr  und 
verwandelte  ibn  in  einen,  raubvogel,  der  unaufhörlich  dieses 
gesohrei  wiederholt**).  Gewis  wurde  die  sage,  die  uralt 
sein  mag  und  der  vom  aj^cht  (a.  639)  gleicht,  früher  gan;; 
anders  erzählt,  mit  jener  tbeuarwg .  kann,  zusammenhän- 
gen, dafs  des  kukus  ruf,,  wenn  er  nooh  Aach  Johannis 
vernommen  wird,,  theuerung  bedetite  (abergL  288). 

In  Schweden  weissagt   er   ledigen  mädcben,    wie  viel 
jähre  sie  unverheiratet  MeiheA  sollen: 

göks  ^ök,  ailii  ipa  quisi, 

säg  mig  ¥ist^ .  1      •     .       < 

hur  mänga  ar  ,  .  ; . 

jag  ogift  gar? 
ruft  er  öfter  als  zehmnaH,  so  sprecdien  sie,  er  sitze  'pl 
galen  quist\  auf  einem.  nUrrisc^hen  (verzauberten)  zweige, 
und  achten  seiner  Prophezeiungen  nicbl«  .  Auch  soll  auf  die 
himmelsgegend  viel  aidiommen,  aus  welcher  man  den  kukuk 
zuerst  hört,  mai^  mufa  im  trühling  genau  acht,  geben:  hört 
man  ihil  von  norden  (d.  h,  der  onglücUichen  seite) ,  so 
wird  man  des  jahra  treuer  haben»  von  osten  und  wüsten 

*)  \9^.  Alh^rtim  narrenhatz»  Aag»b,  1617  p.  95-  inmasaep  jc- 
aenr.  all^tft  wejb  beach^hen,  welche  einen  guguck  fragte,  wie  tu 
jar  sie  ooch  zu  leben  heUe?  der  guguck  fieng  an  fünfmal  guguck  zu 
tiogeii,  da  ..rermwUe  «ie  dafs^  sie  noch  fünf  jar  zu  leben  bette  u.8.w. 

**)  j^  Praetoriof  wellbeichr.  1,  ^Q.  2/  491« 

mytkoL   8,  musgabe*  ^* 


Mi 


fi|/>l/ 


bedemet  «eUi  nif  gUtok,  Yon  südeo  bar  iit  es  der  bstter« 
aasrofdr:  *ä$tergök  ir  IröstegMi,  WMtergök  ftr  baslag«k| 
nmrgök  ftrsorggöt,  «^^di  är  smörgök' *). 

In  Gottes  friiblingsorakel  verkiadet  der  prophetische 
Ydgel  einem  v  rerliebten  paar  nahende  hechzett  und  xahl 
der  kinder. 

Auffallend  genug,  dafs  msere  Itsderdiehfer  des  13  jh. 
den  kukuk  nicht  wahrsagend  eittfübren,  «die  sache  war 
ohne  Zweifel  damals  aUgemefai  bdmnt,  dorn  auch  in 
Renaer  heifel  es  11340 

daz  weiz  der  g&uck^  der  tin  für  wAr 
bat  gegutxet  hundert  j4Sr. 
Csesarius  heisterbac.  5,  17:  narravit  nobis  aano  praeterito 
(71221)  Theobaldus  abbas  eberbacensis ,  quod  quidam.  con- 
versus,  cum  nescio  (fuo  tenderet  et  avem,  quae  cuaUu» 
dicitur  a  Toce  nomen  habens,  erebrku  tumUmiem  audiret, 
vices  interruptionis  numeravil,  et  viginti  duas  invenjens, 
easque  quasi- pro  omine  accipiens  pna  anrns  iotidem  vices 
easdem  sün  computami:  'eia'  inqnit  ^certe  viginti  duobus 
annis  adhnc  vivam,  ni  quid  tanio  tempore  mortificem  me 
in  ordine?  redibo«ad  seculum,  et  secuio  deditus  viginti 
annis  fruar  deüciis  ejus,  duobus  annis,  qui  supersant, 
poenitebo'.  Im  couronnemens  Renart  vernimmt  der  fuchs 
des  vogels  stimme  und  legt  ihm  <tie  frage  vor: 

a  cest  mot  Renart  Je  cucu 

eiUenty  Bi  jeta  un  faus  ris, 

'jou-  te  cönjur*,  fait  il  'de  cris , 
215    oaous,  qne  me  dies  le  vojr, 

quans  ans  jai  ä  imrel  savoir 

le  veir  *•),  cuen,  en  preu  cucu, 

et  deus  cucu,  et  trois  cucu, 

quatre  cucu,  et  eine  cucu, 
220    et  sis  cucn,  et  set  cacu, 

et  ttit  cucu,  et  nuef  cucn, 

et  dis  cacu,   onze  cucu, 

duze  cucu,  treize  cucu. 

atatit  se  taist,  que  plus  ne  fn 
225    li  oisiaus  illuec,  ains  s'envoHe; 
erfreut  bringt  Renart  seiner  frau  die  nachricht,   dab  ihm 
der  vogel  noch  Ureize  ans  d*aö'  zngesprechen  luibe. 

*]  Arndts  reise  durch  Schweden  4,5^7.  die  schnepfe  heifst 
Bcbwed.  hongjöky  altn.  hrossagotikr  (rosseknkuk)  und  auch  sie  hat 
die  gäbe  des  welssagens  (oben  9.  168). 

**)  hier  scheint  eine  leile  zu  mangeln,  worin  gesagt  Ist,  dafs  der  TOgel 
■eben  schrei  beginne,  en  pren  cucu,  da  kluger  kakiik,  fugi  fr6tfhugadr 


Külui  eu 

yielleiclH  \gi  der  kuküfk  unter  4«iar  iMMgei  gemeiBl, 
V4>ii  dem  es  Hb.  l,  88^  heifst:  'diu  Tröide  viogxet  ^ellek 
AemsätBogei  in  item  neste\  wenigstens  fobri  mich  daranf 
eine  steile  des  Plmins,  die  überlitupt  hieher  gehftrt,  im 
aequinoctium  vernum  soll  der  landmann  alle  venplttelea 
arbeiten  scbnell  ipomehmenf  'dum  seiat  inde  natam  exprö- 
brationem  foedam  potantinm  viles '  per  imitatioaem  cantui 
aUÜ$  fo»f)wrarii ,  '  quem  cucirium  Tocant.  dedeeQs  etnn 
habetur  opprobriumque  meritum,  falcem  ab  üla  volncre 
in  Tite  deprehendi,  ut  ob  id  petnianltae  saflas  etiam-  cum 
priroo  vere  iudantur'. 

Die  Freude  über  des  kukuka  erste»  ruf  drttdd  mm 
schweizerischer  spruch  (Tobler  245^)  00  a«s: 

Wenn  der  gugger  chond  ge  gugga  ond  s  menaföU  laeUi 

denn  wötti  gad  geh  le,  'swit  i  koh  möchi, 
man   wähnt,    dafs  er  nie  vor  dem  dritlai  april  und   nie 
nach  Jobannis  mfe: 

am  dretta  abareiia  .  v 

mofs  der  gugger  •  grüena  haber  schnella; 
er  könne  aber  nicht  rufen,  eh  er  ein  vogelei  gefressen 
habe,  hat  man,  werni  sein  ruf  zuerst  erschallt,  geld  im 
sack,  so  reicht  man  das  ganze  jähr  gut  ans,  hat  man  aber 
keine  im  sack,  se  mangelt  es  das  ganze  jähr  (abergl.  374), 
und  war  man  nüchtern,  mufs  man  diis  ganze  jähr  hungerui 
wenn  der  knkuk  dreimal  satt  kirscben  gegessen  bal,  hört 
er  auf  zu  singen. 

Den  Polen  heifst  der  vogel  zezda,  den  Böhhien  ie^ 
ihnle  (beidemal  fem.),  in  der  altpoln.  chronik  desProkesz*), 
p.ll3  der  tat.  aosg.,  findet  sich  folgende  merkiKürdige 
erzählung  von  dem  cnitus  des  slav.  gottes  Zywie:  dirhiitati 
Zywie  finum  exstruc^um  erat  in  monte  ab  ejusdem  nomiiie 
Zywiec  dicto,  ubi  primis  diebus  mensis  neaji  innomerus 
populus  pie .  conveniens  precabatur  ab  ea,  qaae  vitae  **) 
auctor  habebatuir,  löngam  et  prosperam  valetudlnem.  Prae** 
cipoe  tamen  ei  litabatur  ab  iis,  qui  primum  cantum  eucuU 
audivi8$efUf  ominantes  superstitiose.,  tot  annos  $e  piciuroSy 
quoties  vocem '  repetfisset.  Opinabantur  enim  sapremum 
hunc   universi   moderatorem   trmufigutari   m  emeuhuny    vk 


*)  kronika  palska  priei  Prokosza.  Warsz.  1825  und  lateinisch 
ehronicon  slaTosarmaticuin  Procosii.  VarsaT.  1827 ;  angeblich  aus  dem 
10  jh.  Ein  so  hohes  alter  kommt  ihr  nicht  zu,  aber  Dobrowskj 
(wien.  jb.  32,  77^80)  geht  ZQ  wek,  wenn  er  sm  ^z  für  erdich- 
tang  aiMgiebt;  ea  liegen,  ihr  auf  jeden  fall  alte  äberlieferongan  inai 
grande. 

**)  ^J^J  lebendig,  ifmi  daa*iebea  erhalten,  Q^hffea.   . 

41  ♦ 


614  lüKÜK 

\fm»  annlmtiardl  vitoe  temporit:  unde^  critniti  ddoeftatar, 
eapimliqia«  poana:  a  magüstratibus  afiioiebfitm;  qui  eiicuhiin 
oocUUsset.  Bier  ist  4er  weissofgende  vogel  ein  •eruMü^ 
dklter  ffoU,  wie. IM*  in  jenem  sftc^sisebM  reim  kiikuk  '«a« 
hä0en'  hiefa.  "^  . 

Den  serbischen  haiduken  he4eiitet  *  es  unheil^  irenn 
iie . kukamtna  irüb  erseheint  uad.aus  dem  schwarzen  walde 
r«ft^  aber  glück  ^  wenn  sie  aus  grttnem  waitde  iMhreit  {Vvk 

.r .  Im  eddisdhen  GrottasiMPg  wird  den  mabnägdlan  nicht 
länger  ruhe  und  schlaf  gestattet,  als.  loMrend  den  hdntl^ 
acAioisi^  (enti  gayfanin  ^agdi). 

Er  kann  gMdc  und  Unglück  weissagen;  man  soll  sich 
g«gen  ihu.(wie  gegen  andere  zaübervögel,  eule  and  elster) 
mit  Worten  und  fragen  hüten,  dafs  man  sich  nicht  ver^ 
stricke  *).  Ihn  »hme  ursaoh  eu  tödte»  bringt  gefahr,  sein 
anhang  könnte  es  rächen.  Er  vermag  die  meASchen  zu 
neckeUy  zu  belhörenj  das  nennt  der  schwedisole  akerglanbe 
dara,  der  dänische  garOe.  In  einem.  mML  gedieht 
(fjMgm.  38^):   petenlln  und  louch 

.hAt>  begucket  mit  der  geneh.. 
Sein  erscheinen  ist  oft  böser  vorbedeutwig.  Paulus  Diac.  6, 
i&  mädet  YOB)  dem  langobardis^en  könig  Hildeprand: 
o«i  dum  coBlum^  sicui  moris  est^  tiraderent,  in. ejus  cimA 
^ummikOe  .eueubte  oras  volitando  ventens  imediL  -  tune 
aliquibus  prudentibus  hoc  portento  visuin  est  sigoiiieari  ejus 
principaAum  inutilem.  fore. 

Wie  jene  idavische  al|ernähremie  .lebeiiag:otftkeit.  gestak 
des  hukttlßi  an  sich  nimmt,  hat  sieh  aoch  d^  griech;  Zeus 
ih  ih»  verwandelt f  als.  er  zuiarst  der  Here.  vabt..  Der 
giMin  sitzendes  bikl  zeigit  einen  kuhdt  auf  dent,Mb^  ein 
die  hochzeitsprooession  des  Zeus  und  der  Jiere  vorMel^ 
lendes  basre^ief  lärsl  auf  des  Zeus  (wie  auf  jenes  lango«- 
bardiscben  königs)  »epier  einen  kukuk'  HtBeM^f);  -dieser 
«rofel  ist  also  in  die  viqrstellung:  d«r  : heiligsten  ehefeier 
veäeobteii,  man  begreift,  wafum  er  Verheiratung'  und 
eheaegfn  weissagt.  iJer  b^rg  aber,  auf  welchem -Zeus  und 
fiere  zusammenkanien,  fräker  Qgopa^  (ven  ^pcfo^,  sitz 
des  donnerers  ?   vgl.  oben  s.  167)  oder  Go^vai  geheifsen, 


*)  Arndt  a.  a.  o.  3,  ia 

*^)  Weicker  la  Sobwenk  269.  270 ;  aonst  aiUI  d*  ei^  adUr, 
Kaan  die  gestalt  des  kukoka  and  adlars-  oicfat  deutlich  gaacdiiedea 
werden,  so  nennt  auch  noch  heute  das  jolk  in  Baiern  den  pv^dlai* 
•eben  adler  aohenireiae  gakeaer  (Sohm.  2»  97),- 


/    r      . 


wxmm  e«» 

eriiMt  fitehher  4eti  mämen  ofog  %on*^)^iop%  Kofarin^ 
berge  haben  wir  nob  aacb  in  Deutsohiand,  s.  b.  onweil 
Kreuznach  liegt  ein  6kntd^9ierg  (WiiWere  Pfals  4^  36)^ 
ebenso  bei  Dnrlach  und  Weingberg  {Monea  ann.  6,  360)^ 
in  der  Schweiz  ein  GuggUberg  (Joh«  MOller  1,  347.  3,  82 
Tschachdan  p.  2),  Oöckerüberg  (Km.  no;  96);  die  benen-* 
Bung  würde  sich  ganv  natäriicih  aas  dem  rufen  des  vogek| 
das  von  berg  her  veraommen  wird,  erklären,  wi^n  nidM 
auch  noch  andere  Überitsfeningen  damit  suMamenhieAgen. 
Freidank  82,  S  und  fast  ebenso .  Bonerius  65,  55 

wlsin  wen  unt  tumbiu  werc 

diu  habere  die  von  Qomchetbere; 
hier  werden  die  ieate  vom  Gancbsberg  als  ^weise  ^edisMl 
aber  einfUlig  handelnd  dargesleUt,  Gauehsb^g  ist  gleioh** 
viel  mit  Narifenberg  ^*).  schon  im  .sehnten  jh.  bat  gouh  die 
nebenhedeatmig  von  narr  (N,  ps.  48,  il.  93,  &  urheiskonb 
N.  BA.  175,  kriegsnbrr},  utid  so  tIbaraH  im  dveisehnleil 
(Walth.  22,  31.  Trist.  8631.  18215),  ^MA  gewöhnlich 
noch  ein  adj.  oder  ein  ^en,  pl.  be^efügt  sieht:  ich  tumber 
gouch  MS.  1,  65*  tumber  denn  ein  goneh  Troj.  6126 
timiber  gouoh  Bari.  319,  25  gonch  unwtse  Bari.  228,  32 
ännelöser  gou^h  31 9^  38.  der  treit  Ruches  hodbet  IfaH.  3, 
468«,  rehter  wilze  ein  gonch  HS.  2,  124^,  der  nusre  wi 
gdiclieltn  Ben«  809^  wo  ^uch  das  ai^mentativ  gMchgOMiti 
Altn.  gädor.  m^eich  arrogans  moi^io*  H.  Sachs  ^verwendet 
einigemal  OaiwlAerg  ^^^)  in  gleichem  sinny  II.  4,  1164 
(Kempten  U.  4,  220«)  avsz.  von  Gös  1,  ^2.  Denhoeh  mag 
bei  Ganchsberg  iirsprfthl^ich  an  den  vogel  selbal  m  einer 
ans.  Jetst  verdunkeilen  ominösen  bedeutung  gedadit  worden 
sein  •*♦•). 

Der  kuknk  steht  aneh  sonst  in.  üblem  ruf,  er  gilt  für 


*}  Pausanias  II.  36,  2. 

**)  daher  aach  ein  andermal  dafür  gesetzt  wird  Afftnherc  (Do- 
cena  mise.  %  187),'  Affenherc  und  Narrental  MsH.  3.  200^;  Affenial 
dart.  213«  ttlid  Renntfr  16469.  Apenherg  und  Nmrenderg  in  dtfr 
plattd.  Narragootf  77b,  137»?  MseMere  Diut.  2,  77,  Tkitr«,  welche» 
schon  die  alt£  aprache  dummheit  beimifst,  sind  ochs,  «sei,  aflie,  bock, 
gans,  gauch  und  heher.  N.  ps..  57,  1  i  hat  ruoh  (stnlius]  d.  i.  hruoh» 
ags.  hr6c  (gVaculus,  gramm.  3,  361).  , 

***]  weit  häufiger  Sehaffi$berg,  in  der  redensart  *va  ded  «chalks- 
perg  häwen*  L  5,  524«.  HL  3,  tiSa.  ^AK  IV.  3,  20«ti  31«.  40«,  deren 
miprong«  ich  niioht  kennt*  bi  Franken*  winhst  S^hoOubergw  wei« 
Henricna  dictus  de  SceUkeshergh.    Spilker  2,  148  (a.  1268). 

****)  wen  nach  anderer  anafegung  rerlangt,  der  findet  sie  reichlich 
in  Monea  ans.  6,  350 ff.:  Gonchaberg  iM  Ranklitfna,  iHä  Eiberich 
geiat  dea  Albordach ,  diabolna  der  pera.  dir.-  .  .  '    '' 


C46  EÜEÜK 

einen  ehbreclier,  der  seine  eier  in  fremde  neiler  l^e, 
weshalb  den  Körnern  cncnlas  gleichviel  mit  moechus  wat 
(Ptautas,  ecblufsseene  der  Asinnria,  Eweimal]  und  in  unserer 
spräche  vor  allers  gouch,  gaucke^  unechtes  kind,  bastard 
ausdrückt  (Nib.  810,  L  Aw.  1,  46).  in  der  Schweiz  heirst 
gugich  ein  ungebetener  nebenbuhler  bei  der  liebsten.  Jr 
er  erscheint  als  tenffisdies  thier  oder  als  teufet  selbst  in 
den  aUgforein  hergebrachten  redensarten:  dafs  weifs  der 
hämk!  des  kvkuks  werden,  der  kuhuk  hat  ihn  hergebracht, 
und  ähnlichen,  wo  überall,  mit  gleicher  bedeutnng,  teufet 
gesetzt  werden  könnte.  Dies  scheint  mir  auf  alte,  heidnische 
traditionen  hinzuweisen,  denen  aHmälich  erst  der  teuflische 
amtridi  gegeben  wurde;  dahin  zähle  ich  auch  die  in  Nie** 
dersachsen  y^breit^e  formd  ^der  kuhuk  und  sein  Aröster^, 
unter  diesen  kflster  wird,  nach  breoi.  wb.  2,  858,  der 
ißiedhopf  gemeint,  ein  vogel,  der  gleichfalls  durch  verwand** 
lung  seine  gestalt  erhalten  haben  soll«  näher  vermag  ich 
die*fabel  vom  kukmk  und  wiedkapf  nicht  anzugeben,  singt 
dieser  jenem  vor?  Von  dem  kUriiA.  gehen  ähnliche  sagen 
und  redensarten. 

Der  schäum  auf  weiden,  iexk  die  cicatfa  spumaria  ber^ 
vorbringt,  heifst  kukuksspeiehel,  Schweiz,  guggerspeu^  engl, 
euckowspit,  cuckoospittle,  dän.  giögespgt  anderwärts  hexen- 
Speichel,  norweg:  troldkiäringspye  *),  also  auch  hier  beruh-* 
rung  des  vogels  mit  zauberisQhen  wesen,  man  entsinnt  sich 
dabei  des  vogelspeichels  (fugis  hrtki),  der  nach  Sn.  34 
flrit  zum  band  Gleipnir  gebraucht  wurde.  Einige  pflanzen- 
namen  Tcrsichern  uns  seiner  mythischen  natur.  acetosa: 
ahd.  gouckesampfera,  Schweiz,  guggersauer,  ags.  geAces-^ 
»ürCy  dän.  giögemad,  giögesyrcy  man  glaubte,  dafS  er  sie 
gern  fresse;  nhd.  kukuksbrot^  gaucklaucky  franz.  pain  de 
coucaUf  panis  cuculi.  wiesenkresse :  kukuksbhime,  gauck- 
blumey  flos  cuculi.  anagallis:  gauchkeil  u.  s.  w.  .  guck- 
gauchdom  Fischart  geschichtskL  269^ 

Den  Slaven  hat  der  vogel,  den  sie  stets  weiblich  vor- 
stellen, nichts  böses,  nichts  teuflisches,  »ezkulice  klagt 
auf  der  eiche  über  des  frühiings  Vergänglichkeit  (königinh. 
hs.  174].  Die  Sierbische  kukaeitia  war  eine  jangfrau, 
welche  ihreii  bruders  tod  so  lange  beweinte,  bis  sie  in 
den  vogel  verwandelt  wurde;  'sinja  kukavitza*  (die  graue) 
Vuk  3,  66 ;  drei  frauen  in  kukavitzen  gewandelt,  Vuk  ] , 
no.  321.      auch  in  kleinrussischeü  liedern  vogel  der  to'auer 

^  ^M^»^  ■  ■  ■   ■ 

,  4 

')  «ommeripronen,  bairisch  gugk^rschegkefi,  koknlisOecLeii,   SdiiB. 
2,  27,  Tri.  Höfer  1,  33T.  ,   , ,        .,...;... 


ROTHKBtCBBIi    MEISE  613 

nmi  s£li#enmrty  üihI  roMiache  ^«Jkaitgeii  ItssM  wiedemü 
6iii  JmigetiiitfdeHea  durdi  eine  9aiib«rin  rerwandeM  wwden 
(Gdizes  srerb.  iieder  s.  212). 

Von  den  Ueüien  yögeln  wurde  der  sekwalbe  sckon 
gedacht,  an  firaa  nachügall  erinnefrn  die  ounaesinger  oft, 
aber  dermythuS)  dafs  sie  ihre  todtgebornen  kinder  lebeniKf 
singe,  scheint  nicht  daatschea  Ursprungs.  lerche  und  ga^ 
lamter  werden  in  der  thi^saga  bfler  au%[etreten  ^ein,  als 
wir  jetat  wissen,  vom  suumkiknff,  ags.  vrenaa,  engl,  wren, 
g^B  schöne  mdrcben.  docb««nd  noch  awei  vöglein  aft-» 
znffthrmi,  die  mir  vor  alters  in  hahar  bailigkeit  gtMtanden 
2U  haben  scheinen  rrethkchlchen  und  raeise. 

Dem  rothkeIckeH  (engl,  littta  Rohfai  redbreM)  aaH 
niemand  sein  nest  stören,  sonst  schlägt  das  wetlar  ins 
haus;  den  blitz  zkhX  das  nest  des  rothschwAaachens  heras. 
letzteres  heifst  in  der  Sdsweit  kiurötheHf  plagt  odcs*  nimnH 
man  es  a«s,  so  geben  die  htihe  rothe  miloh  (Tobler  261). 
waren,  sie  dem  Donar  heilig,  dem  telhbirtigen?  und  geht 
darauf  die  rothe  ferbe  detr  kehle  und  des  seh wlsits  ?  man 
sagt,  das  rothkelehen  trage  blumen  und  Mfttter  auf  ::das 
gesteht  einea  erschlagenen ,  den  es  im  waide  Ssodb.  tbat 
es  das.  im  dienste  eines  gottes,  der  nicht  htt,  dafs  man*  ihm 
schaden  auftlge? 

Von  d^v  kleinen  meme^^  die  er  geTaHerin  nennt, 
mtfa  sogar  Reinhart .  sich  ttherlisten  lassen,  in. .  wekhem 
anseha  dieses  waldvöglein  stand  lehren  die  weisthämer, 
welche  auf  samen  fang  die  höchste  bufse  setzen:  item  si 
quis;  sibHando.  ^^  alio  modo  yolncrem  ilium  ceperit,  l|ui 
Tulgo  eieisa  nuncnpatuf,  banni  reus  erit.  jura  ardiitp. 
trenrer.  in  Laeombl.  arch.  326;  si  quis  auceps  haue  silvam 
inlraverit,  pro  nullo  genere  yotucrnm  componet,  nisi:  capiat 
meisam  que  dieitnr^  banmeisay  et  pro  illa  componat  60  sei. 
tanquam  pro  cervo.  ibid.  367;  wer  da  fehet  ein  bermsket^ 
der.  sal  geben  ein  koppechte  hennen  und  zwelf  huakeie 
und  sechzig  schiUtttg  pfiming  und  einen  belbeiing.  Drei- 
eidier  wSdbann  (weistb«  1,  499);  wer  eine  lufbneiBe  iienge 
mit  Bmen  ader  mit  slagegam,  der  sal  unserme  herrn  geben 
eine  fiidbe  henne  mit  sieben  hftnkeln.  Rheingauer  w.  1, 5dS); 
wer  ein  sterzmeise  fahet ,  der  isj  umb  leiB  u.  guet  und  in 
unsers  herrn  ungnad.  Creuznacher  w.  (2,  153).  Der  grund 
dieser  gesetze  entgeht  uns,  offenhar  achtete  man  den  vogel 
für  heiUg  und  unverletzlich,    dazu  litimmt  aber  vollkommen, 


*)  «bd.  nvitA,   agt.  inAse,  eol.  n^xe«  fraBz."iriesaagfr,  allfrinz. 
moveB^ey  enfjL  titmoBw(«.  titB^sefv 


6IS  SGBLANQB 


t        •• 


daft  noeh  die  heiitigeD  Letten  diee-TiML  üraen  JÜle^)  fD«* 
naimte  vögleiii  ftbr  weissagewi  «nd  gliekkri»feiid  haileA, 
und  selbst  ein  Wahrsager  ihnen  sSüneekB  heifst  **).  aooh 
die  span.  benennnng  der  meiae  eid  (d.  i.  Herr)  odifr  cid 
paxaro  (herr  speriing)  ist  zu  erwägen,  meise,  saunkOnig 
«nd  specht  (bienenwolf)  mengen  sieh  im  voiksglaiiben ,  es 
giH  dem  aUerkleinsten,  sierlichstenrageL 

.Schlangen  scheinen  durch  die  Schönheit  ihrer  form,  die 
gefiihr  ihres  bisses  vor  andern  thiwen  scheu  und  fthrfurcbt 
£«, gebieten;  eine  menge  sagen  erzSUt  yon  vertauschang 
der  gestalt  zwisdien  menschen  und  seUangeiK  hierin  liegt 
fast  untriegliches  «zeichen  des.  caltue.  wesen,  .  dia  aus 
menschlicher  in  thierische  biidbng  übergegangen  aiiid  und 
den  umstftndea  Aach  in  jene  zurückkehren  können ,  ist  das 
heidenthum  heilig  zu  halten  geneigt,  es  Terehrte  gütige, 
wolthätige  schlangt,  während  in  der  christücfaen*  anaicht 
der  begrif  böser  und  teuflischer  schlangen  verwailet 

Dieselbe  vita  Barbak,  der  wir  knnde  des  langobar*- 
dischen  baumcultw  verdanken  (s.  615),  meidet  zugieioh 
Ton  einer  scklangenverehrung:  bis  Tero  diebua  quamvis 
Sacra  baptismatis  unda  Langobaidi.  abkierenlnr,  -  tamea 
pmcmn  §enHUiaH$  rüam  tenentes,  sive  beüiaii  mente 
degebant,  besHae  simulachro,  quae  Tulgo  e^iera  nomida-* 
tur,    fleeicbani  cotta,   quae   dehüe   guo  debehant  fl^ctere 

crealori praeterea  Romuald  ejasqne  södahsa  y  priaea 

eoecati  arrorey  pahun  se  solum  deum  colere  fntelianlat, 
et  in  abditis  viperae  iknutachrum  ad  snam  permciem 
adarabanß.  Barbatus  in  des  hönigs  abwesenheit  ersucht 
Theodorada,  Romualds  gemahlid,  ihm  das  schlattg«nbikl  za 
▼erschaffen,  illaque  respondit:  'si  hoc  perpelravero,  pater, 
▼eraciter  scio  me  morituraro'.  er  isrst  ater  nicht  ab  und 
bewegt  sie  endlieh;  sobald  das  bild  in  sdnen  hfinden  ist, 
schmelzt  er  es  ein  und  übergibt  die  messe  goldachraieden, 
nm  Schüssel  und  helch  daraus  za  fertigen  **^).  Aus  diesen 
goldgefaiaen  wird  dem  könig  nach  seiner  heimkehr  «das 
chriäiche  sacrament  gereicht,  und  Barbatna  gesteht  ihm, 
dafs  das  kirehengerfith  aus  dem  eingesehmolznen  bM  ge- 
schmiedel  sei.  repente  unus  ex  circumstantibus  ait:  'si 
II       II     I  ■ 

*)  ütth.  zjle,  zjMle;  poln.  sikora,  böhm.  «ykera-,  rms.  tinifca, 
miqiWi  BMiisa.  Tielieioht  ist  der' lelt.  oAine  ton  (dooaht,  der  litth.  tob 
sVnoli  «cire  su  leitea,  imd  die -Tolle  Torrn  w«ra  tipnele,  ijnlei,  der 
klage  wissende  TOgel?  auch  der  heber  heifst  lett.  sihls. 
**)  mag.  der  lett.  lit  gesellsch.  Mitau  1838.  6,  1^1. 
***)  wie  aw  dem- gotd  der  schwaDriBce  nipfe  geiehmiedd  werden, 
und  das  gold  dem  schmiede  wichal^  dails  -er  ibeitihehllt' 


SGHUUIQB  M§ 

imMi  «jOir  lalia  perp^lratset,  nnilii  idtdrposito  «loneiil« 
absoiiMiereni  capttt  ejus'.  Ans  der  andern  tita  gehörl  noch 
<ttese  stelle  hierher:  <(ani  etiain  iriperam  muri  mektüo 
farmakm  $m9mi  pra  magMudit^  dei  sapplioi  derotione 
veMrari  videbantur.  nnde  naque  hodie,  eieat  pro  voto 
arboria  voimif  ita  ei  locus  ilie  eonMUi^  dovoliones  *)  nbi 
viperae  reddobantur,  dignosoitnr  appetlari^  Über  TOlimi 
habe  ich  mich  s.  616  erkürt,  cmuius  drAakt.das  golb.  gtU, 
§U$ir^  ahd.  käU,  käbkir  ans  (oben  s.  34  nnd  RA.  358). 
beide  Wörter  TOtum  nnd  censns  sengien  nicht  wenig  füft* 
die  editheit.  und  das' alter  der  lebensbeachreibung»  Hier 
haben  wir  mna  ein  merkwürdiges  beispiel  eines  aus  gold 
gescluniedeten  götaenbiids  und  wiederum  das  bestreben 
des  bekehrers,  den  heiligen  stof  beizubehalten ,  aber  in 
chrislUche  form  umnogestalten.  Welches  höhere  Wesen 
die  Langobarden  sich  nnler  der  schlänge  vorstellten?  ist 
kaum  richer  an  beatimmen,  sieht  die  alles  umschlingend« 
Weltschlange  >  den  midf  ardsormr ,  iOrmunganAr  der  .  nor^ 
disciien  mylhologie,  denn  keine  spur  verräth,  dafs  dieser 
im  Norden  selbt,  geschweige  anderswo,  bildlich  dargestellt 
und  verehrtf  wurde.  Ofmir  und  ßhpäfmr  sind  altn,  «riilan* 
geneigennanum  und  Odina  beinnmen  (TgU  su  181),  unter 
dem  snmlnui  dens  der  Langobarden  wftre  also  an  Wnotan 
an  denken?  doch  die  eigenthümlichen  Terhftitnbae  ihres 
schtangenonltoa  entgehn  uns  gtlnEiith.  Wenn  der  ansdruck 
Tipera,  wie  ich  nicht  zweifle,  mit  bedacht  gewählt  ist,  kann 
nur  eine  kleinere  Schlangenart  (coluber  beras),  ahd.  notom, 
agf/  ftädrßf  altn.  fmdra  (aber  goth.  nadrs»  alta  nadr  auch 
iMsc«)  yerstanden  werden,-  wiewel  das  simulaemm,  ane 
desaen  gold  sich  sehifisel  und  kelch  schmieden  liefsen,  faHs 
es  nicht  wuchs,  auf  bedeutendere  grOfse  hinweist 

Die  Jangobardische  sage  eraäklt  aber  sonst  noch  ron 
sehlangen,  und  gerade  von  kleinen.  •  im  heldenbuch  wird 
der  kämpf  eines  feuerspeienden  thierleins  am  Gartensee 
(lago  di  Garda)  mit  rinem  löwen  und  Wolfdieterich ,  denen 
beiden  es  au  schaffen  macht,  geschildert: 

DUD  hörest  durch  ein  wunder,  wie  das  tierlein  ist  genant: 
es  heilst  zu  welseb  .^  »undeTf  zu  teutch  ein  saribamf^ 
in  Sittenland  nach  eren  ist  es  ein  vipper  genant» 

und  weiter  folgt,  dafe  immer  nur  zwei  solcher  vipern 
leben ,  indem  die  jungen  bald  nach  der  geburt  ihre  eitern 
auffressen,     dies  stimmt  nahe  zu  den  angaben  im  physio- 

/      •     '     1 . 

*)  gedmcki  steht:  locna  lUs  .sessna  dststionitf  nbi 'Tt|>flrae  red«^ 
debantnr.  -     • 


65a  SOHLANOB 

togiu  (Diät;  3,  29.  30.  Hoffm.  faflrifr.  28).  mmder  weih 
ich  aus  keiner  italienischen  mnndart  eu  erkttren,  ^aribani  ist 
daa  mhd.  terpani  Trist.  8984.  Sittelianland  halte  ich  für  Wal- 
liserland,  dessen  hanptstadt  Sitten,  hier  konnte  leicht  das  ro- 
manische viipem  101  gebrauch  irieiben  (graubündn.  vipra,  Tivra). 
Im  Jura  heifst  eine  geflögelte  ansterbliche  schhrnge  mit  dia*- 
mantnem  äuge  wmore  (vipera).    mbok.  des  antiq.  6,  217. 

Von  hauMschbmgen  vnd  unken*)  gehen  noch  jetfet  viel 
Überlieferungen.  Auf  wiesen  and  wriden,  auch  in  hSnsem 
kommen  schlangen  zu  einsamen  hindern ,  saufen  mM  ibnea 
milch  aus  der  schüssel,  tragen  goktkraneny  die'  rie  bäm 
milchtrinken  vom  haupt  auf  die  erde  niedersetzen^  und 
manchmal  beim  weggehn  vergessen;  siebewachen  diekinder 
in  der  wiege  und  den  gröfseren  weisen  sie  eehfitze:  §ie 
%M  tödten  bringt  unglBck.  jedes  dorf  weifs  von  eignen 
schlangen.  So  wird  in  Schwaben  erzfthlt.  hessisebe  sagen 
sind  kinderm.  no.  106  gesammelt ,  eine  ösireiohisdie  steht 
inZiskas  volksmfirchen  (Wien  1822  p. 51),  fast  alle  haben**) 
den  zug  des  miichirinkens  und  der  goktkrane.  Über- 
raschen nun  die  eiteren  die  schlänge  bei  dem  kind  wmI 
tödten  sie,  so  beginnt  das  knid  abzunehmen  und  iNdd-  zi 
sterben  (Temmes  pomm.  sagen  no.  257).  Einmal  war  einer 
schilpenden  schwangern  frau  die  sehlange  in  den  otneti 
mund  gekrochen,  als  sie  kindes  genas,  lag  dieseth  die 
Schlange  fest  um  den  hals  und  muste  durch  ein  milohbad 
losgebracht  werden;  sie  wich  aber  nicht  von  des  fcindes 
Seite ,  lag  bei  ihm  im  bett  und  frafs  aus  seiner  schttssel 
ohne  ihm  ein  leid  zu  thun  (Mones  anz.  8,  530).  Noch 
andere  berichte  erwähnen  einer  haus  unrd  hof  rnffillenden 
inenge  von  schlangen,  deren  känig  adk  durch  eine  schim- 
mernde kröne  auf  dem  haiqit  auszeichnete. .  wenn  er  den 
hof  verliefs,  begleiteten  ihn  alle  ttbrigen,  im  stall,*  wo  er 
wohnte,  hausten  sie  so  zahhreich,  dafs  die  fütternden  mfigde 
sie  oft  armvollweis  aus  der  kriK>e  nahmen,  sie  waren 
aber  dem  vieh  und  den  leuten  befrenndet;  als- ein  neuer 
hofbauer  ihren  könig  erschofs,    wichen  sie  aUe  und  mit 


•)  mhd.  unk,  ,unhes.  MS.  2.  2001>.  206«:  von  iupfer  «cheidel 
man  dai  golt  mit  eines  Doken  eschen  (cinere);  darum  hiefs  ein  al- 
ohymist  tmkenbtenmer  (Felix  Malleolus  de  nobiUtale  et.  rmticilate 
eap.  30).  Unter  vmke  wird  eigentlich  die  rasa  port^ntosa,  oft  aber 
auch  schlänge  allgemein  yerstanden.  das  yolk  nennt  sie  (gleich  der 
wiesel)  -achmeicbelnd  müemeleinj  müemel,    Schm.  2,  576. ' 

**)  bis  auf  die  wiederkehrende  formel:  'ding,  ifs  auch  brocken  !*> 
^frifi  auch  roocken,  nicht  lauter  ichlappesr  Mones  «otiS^dSO;  fnit 
auch  brocken,  nicht  lauter  briiher  daaelbit  6,  175.  '" 


SCHLAMB  6S1 

ihoen  schiratid  gegen  und  reicbAhnoi  von  dem  gnl  (da- 
selbst 6^  174]*).  Hierher  gehört  auch  die  schbmgen^ 
königin  (deutsche  sagen  nd.  220)  und  eine  merkwürdige 
erzählung  in  den  geüis  Rbmanorum  cap.  68.  zu  einem 
viehmftdchien  in  lonneneioh  kam  jeden  morgen  und  abend 
zur  meHtzeil  eine  grofse  schlänge  in  den  stall,  auf  dem 
köpf  trug  sie  eine  grobe  kröne,  allemal  gab  ihr  das 
mädchen  wmrme  hAnUkh  mi  »awfdn*  als  es  wegen  eines 
T^rdrnsses  plötzlich  ans  dem  haus  gekommen  war,  und 
die  neue  viehmagd  das  n'stemal  melken  wollte,  fand  sie 
auf  dem  melkstühl  die  goUknme  liegen,  in  ^r  geschrieben 
stand:  ^ate  dankbarkeiV.  Sie  brachte  die  kröne  der  her- 
schaft-,  welche  sie  demabgekomm^iem  mädchen  gab,  für 
das  sie*  bestimmt  war ,  uqd  seitdem  ist  die  schlänge  nichl 
wieder  gesehen  worden^  JHones  anz.  8,  537.  das  atierth' 
krönlem  macht  jeden  der  es  trägt  unsichtbar  (Schm.  2, 
388)  und  dazu  steinreich.  Man  el*zöhlt  auch  in  einigen 
g^ettden ,  fedes  haus  habe  zwei  schlangen ,  ein  mftnnchen 
und  Weibchen,  die  sich  aber  nicht  eher  sehen  lassen,  als 
bis  der  hansvater  oder  die  hausmutter  stirbt,  .und  dann 
ein  gleiches  loefs  erfahren.  Dieser  zug  und.  noch  andere, 
wie  das  hinstellen  der  milch,  nfihern  die  hamschlangeH  dem 
b^^  guter  hilfreicher  hausgeister. 

Die  schlänge  erscheint  als  ein  heilbringendes,  onver-* 
letzliches  thier,  und  ToUkommen  für  den  heidnischen  cultus 
geeignet,  den  Stab  des  Asklepies  umwand  die  schlänge, 
und  .an  h^bninnen  lagen  schlangen  (s.  554).  Ihrem  Po-* 
trimpos  unterhielten  die  alten  Preufsen  eine  groCse  schlänge 
und  die  priester  hüteten  sie>  sorgsam,  sie  lag  unter  ge-* 
traidettl^en  nnd  wurde  mit  wMch  genährt**).  Den  I^etten 
heüsen  die  schlangen  mildkmmer  (peena  mahtes);  sie 
standen  unter  dem  sehmz  einer  höheren  göttin  Brebkina 
(die  st^eiende)  genannt,  welche  den  emtretonden  «usohrie, 
man  solle  ihre  peena  mahtes  «ungestört  im  hause  lassen***). 
es  wird  ihnen  milch  in  näpfea  hingestditr  Auch  die  Ut- 
tbaner  Terehrlen  schlangeh,  hegten  sie  im  haus,  und 
brachten  ihnen  Qpfert)^  ägyptischen  schlaagendienst  be- 
zeugte Herodot'2,  74.  NuUus  locus  sine  genio,  qui  per 
anguem  plerumque  ostenditur«    Serv.  ad  Aen.  5,  85. 

*]  ihaliche  sage  .todi  BeyaDgeaköiiig  bdb  Lübbenau  im  laatiui* 
Beben  Spreewald  (Büschings  wöch.  Dachr.  3,  342). 

**)  Voigt  sesch.  Preursens  1,  584. 
***}  mag.  der  lett.  gesellBek.  6,  144/ 

f )  Seb.  Fraaiies  wellboeh  ^1^,    MoBes  beidenlh.  1 ,  9&.    Adam, 
brem.  de  sita  Daaiae  cap.  24. 'von  den  Litthaneni:  dracanes  adavant 


MS  VtA€Bm 

Man  brachte  schlaagen  da  niiber  in  fdiweHeni'  «od 
auf  hehnen  an: 

liggr  meA  eggje  armr  dreycfMr, 
enn  ft  vaibösto  rerpr  naJ^  hak.  Smm,  142K 
aus  dem  haft  (hels,  hiail)  dea  achwerta,  nahm  maa  «n, 
renne  der  ormr  oder  yrmiingr  in  die  apitae  und  wieder 
anrück  (Kormafcaaaga  s.  82.  84.  Vilk.  sage  s.  101).  VIkge 
hiefa  %it  dem  shmgen'  Ton  aeiaem  hehnzeiohen  (helden**» 
sage  p.  148).  die  belme  erhietten  dadnrcb  faatigkeil)  die 
(dingen  kraft.  Nicht  unähnlich  acheiüt,  dafii  fihrieute  in 
ihre  peitsche  ötterzungen  flechten  (abergL  174). 

Die  schlänge  kriecht  oder  ringelt  sich  anf  dem  boden^ 
stehn  ihr  flfigel  au  gebol^  ad  heiral  aie  ärmdhe^  waa  ein 
undeutsches  9  ans  dem  iat.  draco,  gr.  ^aaii^  atanunendeai 
schon  früh  eingeführtes  wort  ist,  aU.  tracchOf  aga.  dnem, 
altn.  dretd.  die  S»m.  edda  hat  nur  einuMd  dreki^  im 
Jüngern  S61arl.  127^,  sonst  steht  dafiar  €rtmy  ags.  tyrrn^ 
ahd.  wurmy  goth.  wuirms  ^  welches  allgemeiner  a«di  die 
Schlange  mitbegreift.  Als  geflügelte  achhinge  (serpena  ala-* 
tus)  erscheint  zumal  die  von  Beondf  beatandne:  nihtes 
fleoged  4541 ,  aie  fliegt  nachts  aus  und  hcirst  darum  tiik#- 
9ceaia  4536 ,  nocturnus  hostis  ^  aggressor.  hfftBoeadä  (ae* 
reus  hostis)  cod.  exon.  329,  24.  auch  der  drache,  welcher 
Krimhitd  auf  dem  drachenstein  geftmgen  halt,  kommt  durch 
die  luft  gefahren  oder  geflogen.  Doch  der  andere',  den 
Siegfried  vom  schmid  aasgesandt  früher  tödtete,  lag  im 
watd  bei  einer  linde ^  unfliegend,  diea  war  der  eddische 
Fd/Mr,  ein  mensch,  der  wurmgestalt  an  sich  genommen* 
hatte,  Yon  ihm  braucht  die  edda  akrtda  (repere,  sciveiten) 
8mm.  186.  Sn.  138 ;  es  ist  der  Tftm  oder  draca,  den  nach 
Beov.  1765.1779  Siegemund  und  Fitela  achlugen.  Nib.  101, 
2.  842,  2  heifst  er  • /inliracfte,  hnidraohef  Im  Siegfriedalied 
8,  2  liiflioifrai ,  welcher  ausdruck  auch  Mar*  148,  28. 
En.  2947.  Troj.  25199  zu  lesen,  und  nicht  aua  linde  (tilia), 
wie  die  spätere  sage  es  misverstand,  sondern  aua  dem 
ahd.  IhU  zu  erklären  ist.  mit  diesem  HM  (goth.  iii^^, 
ags.  lid,  altn.  Hnn  ?)  sind'  viele  frauenaamen  gebildet  (Graam. 
'2,  505>  z.  b.  Siglliht,  altn.  SigrKnn  (oben  s.  399),. und  es 
könnte  den  begrif  von  gianz  ^er  schdtiheit  enthalten,  wie 
es  für  frauen  oder  schlangen  gerecht  ist,  die  abgeleitete 
altn.    schwache    form    ^ifHii    (masc.)    bedeutet    wiederum 


cäm   vohieribuit   onibos   etiam  viTOe  Uiaot  hQmines»  4|i]0ft'ik  merca- 
torihut  emuot,  dili|teDtt;r  oomifiiO'fkrDhaM,  ne  «aoullm  in  corpore 


[mufeOB  WS 

orivber,  Mrpeiis.    dar  Mafg«.  ottsiMne  linbnrg^  «:»  iUii^ 
hurg  ist  riobtigcr  auf  schlahga  als  aaf  liBd«  xo  besiebHi. 

-Von  dea  dinchen  war  imn  dia  bttaoha»4e  ▼«rsteHiuig 

dea   alteirthuroa :    sie    tiegea^   amf  tfroi  §old    Cmd  'Imicbteii 

davon ,    das  gold  salbst,  hiefa    dichterisch  wwmbMy  aitn» 

ormbetfr   oder   ormbedseldf)    wnrmbetttsfeaeit ,  -  iMd   daiaa 

knüpft  steh  weiter^   dilfs  sie  sehftlae  bewaehen  und  eaelris 

durch'  die  lüfte  tragen.    |enev  wurm,  den  Sigeonnd  erlegte, 

heifsthordes  hylrde.fieov,  1767;  den  e«dern,  nit  wcIchiBBi 

Beovqlf  kämpfte  y  bMirichnet  '•  dafc  epithel:    se  hoM  .bavao*« 

teife  4k420,    Fafnir,  ein  alter  lieiie,   lag  als  warm  nü. dem 

Oegiahialm  aber  ererbtem  gfiOd  (Siem.  188*^.  1B9^),  lia  heUsI 

'!  l^ngvi'  (von  \^w%y  bei4e)  und  itar   oti  wird   als   Gnfta^ 

heidi  lieaeiehnel;    davon   findet  sich    auch  sonst  der  n6me 

^^99%,    Ifuff&rmry    beidewurm    fttr   drache.     noch  heute 

setai  der  volkagfaube  gifihentfe  schftlae  auf  einsame  beiden^ 

wo  aie   von  draeben   gfc^hWet  werAea.    hcBJten  gpld  Beov. 

kann  beides  aüsdrfteken  aurum  tesquerum  oder  ethnicornm, 

denn    die    drachen   galten  gleich  den   rieaen    für  alt   und 

hochbrt^brt»  Mgl.  ealdi  uhtaeaeada  Beov.  453fi;  vintrum  fröd 

4548;    |>re0  build  vintra  hedd  e«  hrusan  4&5fr,  zugleich 

aber  sind  sie  g^g,  neidisch,  giftig  und  flammenspeiead: 

nÜdraca  Beev«  4540,    ätiot$cima  &673,    f^re  befongea 

4541;  ongan  gIMwn  sptvan.  46^19;   dMrcum  nihtum  rtcsiaa 

4417.    von  Ftfeir  wird  Sasro.  186   gesagt:    aorei4  af  guUf 

blös  eitri,   iaiati  sik  ok  bariti  höfdi  ok  spordi,  schüttelta 

wAk  ond  schlug; mit  hattpl  «ad  sohwau.;  dafe  die-  begriffe 

eit,(feiier)  und  eiter  (gifl)  einander  besühren  wurde  s.  528 

hcimerkt..    Hieran  halte  asan  die  acbUdernagen  .mhd^  dichler, 

der  tfache  hat  seiee  heimwiat  in  einem  tal«   wirft  rauch, 

flamme  und  wind  aus   dem   rächen  (Trist  8944»  8974);   er 

hat  ittiche  Md  Aigel  st^itfensr  und  eiter  (Troj.  9764.  9817). 

Amt  der  beiden  war  es  nun,   wie  die  rieaen  so  die 

gewissermafaen  damit  identischen  drachen^)  anf  der  weit 

auszidiigen,  Tbdrr  ^Ibst  bekämpfte  den  ungeheuren  midr 

gardsorm ,  und   Sieg«iind ,  Si^agfried ,    Beovulf  stehen  als 

tapferste  dracheuilberwinder   da ;    ihnen   gesellt   siehi  .eine 

menge  .  anderer  1    wie  eie«  naeb  seil  und  ort  aHentbalben 

aus  demi  fichobe   lebeninroller  eage   erstebent.    Frotho,  ein 

andrer   Siegfried   überwältigt  einen  gift^gfOtt:  auf  .acUtnen 

mh^nd»n  dmehen»    Sa^o  granwa.  ^s.  ZQk  ,  Des  aehönen  Tbom 


*)  die  analogie  bewfihrt  sich  aach  darin,  dafs  gleich  deni  riesaor 
yebain  (i^.  53g)  der  beaisele  draaü»  iber  da«  suidubor  befesUgt 
wurde»  s.  b.  I^lci  4,  76. 


6Si  DRAcaie 

Rn^rlnörtr  wurde  em  Uehier  I^gtmnr.  gesebenkt,  den 
sie  in  ein  kästchen,  goM  unter  ihn  legte:  wie  er  wuchs, 
wogIs  «Bcii  dae  gold ,  so  dafs  die  kiste  asn  eng  wurde  und 
der  wurm  sich  im  kreis  um  die  kiste  legte;  bald  wrar 
kein  ranm  mehr  in  dem  zimmer,  er  legte  sich  um  das 
Zimmer  md  nahm  den  schwamm  in  den  mnnd,  niemand 
Hefs  er  in  das  gemach  als  den  der  ihm  fntter  brachte,  und 
zu  jeder  mahlzeit  bedurfte  er  einen  ochsen«  nun  wurde 
bekannt  gemacht/  wer  ihn  erlege,  solle  i^e  Jungfrau  zor 
braut  und  soviel  gold,  als  unter  dem  dracben  lag,  zur 
aussteucr  empfangen^  Diesen  dradren  fiberwand  Ragnar 
Lodbrok  (fornald.  sog.  1,  237.  238).  auffallend  gemahnt 
der  steigende  wacksthnm  des  wurms  an  den  des  fisehes 
s.  544.  Attfser  dem  goldeshort  aber,  den  die  beiden  als 
beute  davon  tragen,  entspringen  noch  andere  vortheile: 
der  genufs  des  drachenherzens  bringt  künde  der  •  tbier- 
spräche  zuwege  und  das  bestreichen  mit  dem  blut  härtet 
die  haut  gegen  alle  Verletzung,  tief  greift  beides  in  Sieg- 
frieds sage*)  ein. 

Fast  allem  diesem  begegnen  die  ansichten  anderer 
T&iker.  Wie  die  Römer  gigäs,  so  entlehnten  sie  auch 
draco  von  den  Griechen ,  da  für  den  begrif  weder  serpens 
noch  vermis  (wie  bei  uns  siango  und  wurm)  nicht  aus-- 
reichten«  iQaxmp  leitet  sich  aber  ab  von  di^netv  blicken, 
leuchten,  sprühen,  tfidoc  di&ogtte  gilt  vom  leuchtenden  lieht, 
daher  möchte  ich  die  versuchte  deutnng  unseres  lint  und 
linni  bestätigen.  Bin  grabender  i^chs  stich  endlich  auf 
die  hole  eines  goldhfitenden  dracben,  ad  draconis  spelun*- 
cam  ultimam,  custodiebat  qui  theaauros  abditos.  Phaedr.  4, 19. 
Die  sage  von  den  goldhegenden  greifen  schliefst  sich  aber 
an,  da  sie  gleich  den  dracben  geflügelte  ungeheuer  sind. 

Altsiav.  bezeichnen  znUj  (masc.)  und  zmifa  (fem.)  schlänge, 
jenes  mehr  den  dracben,  dieses  die  nalter.  böhm.  ist  x^tnek 
der  feurige,  geldhütende  drache,  »mije  die  mitter;  serb. 
zmaj  drache,  tsmija  natter.  glimmer,  den  der  zma|  von 
sich  abschüttelt,  heifst  otresine  zmajeve  *  (abschüttelung  des 
lindwurms)  Vuk  s.  534.  alles  fährt  wieder  auf  glänz,  goM 
und  feuer«  das  littb.  imaka$  scheint  d^n  Slaven  entKehen, 
ob  das  ags.  snaca  coluber  verwandt  sei  ?  fk*agt  sich.  Nach 
Jungnaun  ist  »mek  aufser  drache  auch  ein  geist ,  der  sieh 
in  geslati  eines  nassen   vogels*^,    meiat  dnes  kmMm 

*)  sie  erionert  Albreckt  im  Titurel  3313—17  an  eine  ibnliche 
TOD  Rodoll«  • 

**)  imoklj  ist  booeUt,  imobnoti  benetsen;  *mokrj  ^ako  tmok' 
Uiefend  wie  ein  erdgeist 


llFBl  Mt 

daraleHl  :ii»i  den  leaten  f«M  cutrSgt;  ahergl»  143  keifst 
es,  man  dflrfe  erdkünchen  oder  kausotter  nicht  schä- 
digen \  Scfam.  1  y  104  orktArt  erMtnkm  ven  einem  rnn- 
deBy  bellen  schein,  in  dessen  mitte  etvas  dunkles  liegt. 

Das  finnisohe  mammekmem  beschreibt  Renvall:  fenina 
maUgna,  sMtrix  serpentis,  divitiaram  subterranearum  oustcc« 
Hier  mrd  der  hört  einer  weihhchen  schlänge  überwie« 
seil,  wfthread  in  «nsem  deutschen,  und  auch  den  sUivi'- 
sehen  sagen  charaderistisch  dw  h^e ,  teuflisehe  dradie 
den  schätz  -hütet,  die  otter  oder  unke  mehr  die  rolle  eües 
gutmütigen  hausgeisles  spielt*),  und  wie  der  drache  aus 
einem  menschen  gewanddt  war,  erseheint  sie  als  kröne- 
tragende  Jungfrau  mit  sehlangensohweif  (d.  sagen  no.  13) 
oder  ab  fee.  aber  die  goldkrone  wird  ihr  se  wenig 
erlassen,  als  dem  drachen  der  becug.  aufs  gold,  und  der 
baiiflv.  smek  ist  zugleich  draohe  und  otter.  sage  vom 
oUerköniff  in  Bechsteins  Franken  s.  290. 

Bei  so  mannigfachen  berührangen  mnfs  das  von  den 
Langobarden  gefeierte  wesen  zweifelhaft  dahin  gestellt 
und  nur  das  darf  angenommen  werden,  dafs  sie  ihm  eine 
heilsane^  gfitige  natwr  beilegten. 

Ich  vermag  spuren  von  käferonltus  aufzudecken. 

Es  gibt  zwei  alte  allgemeinere  benennungen.  ahd. 
dbeooTy  ^tewro,  mhd.  fteesr,  kevere,  nhd.  käfer,  nnl. 
keüer,  ags.  ceafety  engl,  ekafer;  man  hat  ohne  fug  das 
laL  cnper  (=a  ags.  hifer,  altn.  hafr)  vergUdien,  wnrzel 
scheint  das  ags.  ceaf,  oaf  alaoer ,  weil  der  käfer  ein  ruh- 
r^es,  monteros  tkier,  noch  jetzt  heifst  in  Sehwaben  Utfor* 
mfifsig  agiüs^  vWaz  (gramm.  2,  571.  1013).  die  Angelsach-» 
sen  haben  ceaferlün,  ealertün  für  atrium,  vestibttlnm, 
gleichsani  soarabaeerum  oppidnm,  weil  da  käfer  schwir- 
ren? Der  andere  ausdruck  ahd.  wibU,  webU,  mhd.  wibel, 
nhd.  u>eM^  n>iebel,  ags.  vifel,  wfelj  engl.  weeM  stimmt 
zum  litth.  waMoiy  wabaUi^  lett  wabbols,  und  ich  ftthre 
ihn  auf  wdien,  im  sinn  von  leben  und  weben,  vigere, 
moveri  zurück,  wiebeln  wird  mit  knebeln  verbunden  und 
gilt  von  dem.  gewimmel  der  kftfer  **). 

Den  Aegypteni  war  der  kftfer  (scarabaens,  uav&ag^f 
napaßäc)  geheiligt,  ein  bild  des  innersten  lebens  und  ge- 
heianusv^lles  seltelcrzeugung.    sie  glaubten,  er  gebe  ans 


*)  also   aach  hier   fShrt   das    weibliche    weseo   besser   als   das 
minnliche. 

**]  tlarl  namen  Bind  bdhm.  cbraust,  poln.  (^rastcx;  böbm,  brank 
bmk,  hrak.  wsl  nach  bwi^hus,  ßffovn^^. 


•H  ElFBl 

kfigl^iii  UenroTi  die  er  zosMMieD  bdle  md  tai  nM  ¥«r- 
gräe.    . 

Die  alUi.  spräche  Metel  ans  keinen^  proswcheoi  son- 
dern gleidi  den  dichterisclien  ansdruek  iäitmoxy  tMoMon 
(nesenochs);  wie  jenem  riesennwidoiien  pAttgiN',  pflngrind 
and  pflng  kriebelnde  kfifer  sckienen  (s.  507),  Um. 
nes,  sondiainen- (mislkifer,  von  sonda  iinins),  kann 
gedreht  der  wirkfiohe  kdCMr  die  vorslellnng  eines  iöloacni 
eiregen.  das  kleine  dem  gfofsen  thier  ra  Ter^eidien  war 
naürlieh. 

Unsem  gröblen  kifer,  den  statlilGhen  homiragnnden 
sehröter  nannten  die  Römer  AaMMiif  (Nigidins  bei  Plin. 
11,  28)/  ieh  soUle  meinen,  damit  hänge  das  bekannte  inca 
bos,  Incanns  oder  iuoana  bos  susaaunen,  das  Tom  ge- 
hörnten thier  auf  das  gesfihnte,  den  elephant,  übartragen 
wurde  (Varro  7,  39.  40.  0.  Müll.  p.  135).  der  kifer  aber 
keifst  uns  hirsch  (franz.  eerf  ydant),  wol  auch  ochs  und 
bock,  die  sämtlich  höma*  tragen,  poin.  ielomek  (hksch- 
lein)  altshiv.  elenetx,  böhm.  rehao  (comiger),  östretch. 
hörnler,  scfawed.  hombrolL  lat.  war  Imims  zagteichsca- 
rabaeus  terrester  (Plin.  30,  5.  12),  was  den  lucanns  bos 
oder  cenms  wieder  bestfttigt.  das  Weibchen  führt  böhm. 
auch  den  namen  babka  (grofsmotter). 

Einen  bedeutsameren  lernten  wir  s.  167  hennen:  dM- 
f^i^guegi,  domuqmppey  in.  unverkennbarem  beeng  auf 
Denar,  dessen  heiligen  bäum  der  kifiM*  am  liebsU»  be- 
wohnt, und  damit  scheint  der  in  Scandinavien  verhreilete 
ausdruok,  weslergötl.  torbaggej  schwed.  Hsrdjf/M,  nor- 
weg.  tordhel,  jütländ.  Amt,  Jonre  fär  kifer  überhaupt  zn 
stimmen,  zwar  ist  keine  ist.  geschweige  ahn.  form^  welche 
Th6rr  darböte,  aufzuzeigen,  doch  tor  kann  sich  wie  in 
torsdag  (s.  115)  tind  tovdön  (s.  151)  verhalten;  bagge  be- 
deutet nach  Ihre  &  122  juvenis,  puer,.  des  gottes  diener, 
waa  sich. später  in.dyfvei  =s  diefvnl,  teufM-  wandeüe.  Af« 
zeUus(saj9ohäfder  1,  13.  13)  versichert,  dem  Thor  sei  der 
teabagge  heilig  gewesen,  seine*  hirve  beiCse  in  Norrlaiid 
muUoxe  (erdochse,  jenes  Schweiz,  donnerpuppe?  vgl.  iö- 
Ittttoxi)  und  wer  einen  muf  dmn  rUekm  (ofvältes)  Hegen- 
den mietbäfer^  der  sich  selbst  nicht,  zu  helfen  vermag, 
wieder  auf  die  füfse  legt,  soll  nach  norrländiachem 
Volksglauben  damit  sieben  Sünden  sühnen. 

Das  klingt  sehr  alterthümtich,  und  ich  verwerfe  die 
vorgetragene  deutung  von  trodyfvel  nicht  vorschnell,  so 
falsch  sie  scheint.  .de,nn  da^^  agß,  tordtifel  ist  offenbar 
aus  tord  stercus   (engl,  tard)   und  jenem  .vifelzuaaaiineA-' 


Kin»  667 

gerflgl,  auch  denk  dfliLi  fkarnbasse,  akamtom ,  uMkAiir 
analogTi  folglich  rarii^gM  loriyftrel ,  lodtawe'  dieialbe  dni- 
iMg^  okgleidr»  allea  ii^rd^  mimdarten  in  eiafilolie'  tord 
«md  ^MelgBbriehi:  die :  ialfindiabhe  hat  tordivd  in  totf^ 
(äfiOj  gleiofaaam  töiflettM  (von  Iprf  gleba)  oaigatadert.  auch 
das  nnl.  for,  forre  kifier,  drektom  siialkAfiar  nonifa  «nlF«giaa 
wBPdan. 

^  'Wier  hü  aber  aetbat  sappMnde  .  kifar  rüoidiiifa  liegen 
aehn  und  nicht  niilleidig  umgeatüpt?  d^m  aehWMer,  den 
ea  BMt  donner  und.  fener  in  bezi^faetel,  mag  anoii  daä 
dentaehe  vott  beaondre  ehre .  angelhan  haben. 

'  Gleich  andern  heüigen  ftthlingsboten  (sdiwUbe  «Md 
aMreh)  holte  man  .de»  eräien  jm&ikäfer  feieriioh'  'aitt  den 
.wnlde  euD,  ea  mkü  beglatüngt,  dafa  dies  noch  im  17  jk.iii 
aeU^wii^han  gegenden.  von  den  apinnendennädchen  ge- 
jBchah^  ' 

ObeNlentaabe  vaMidiagen  berichten:  onerwaohane  mftd^ 
eben  begaben  aich'  aoniitags  in  einen  ^ttetM  hergtharm, 
fanden  .  die  akiege'  mit  aand  bestrent  und  kMMi'  an  einer 
früher  nie  ^eaehien  schotten  sttbe,  wotiii'<  ehi  bell  mft 
eineaii  Umhang  atand.  ab  sie  diesen  zinUckacUugen, 
aiefta  das  bett  00»  goUkäfem  und  bltpfle  von  salbet. 
und  nieder,  voll  erstaunen  auhen  die  ;m(ldcben  eine  w^ 
au  j  plÖtaUch  llberfM  sie  aohreofcen ,  dafs  aie  aus  der  alub^ 
uiidf  die  atiege  hinabfleheii/  während  ihnen  geheul  und  ge^ 
poller '  nachtönte.  (Monea  aaa.  7,  477).  Airf  dem  achlefat- 
borg  Aei  Welfarlswdiier  aah  ein  klein^a .  mttdcben  einen 
dfeiföfaigen  koi)fei*bafen  stehn,  der  funkelneo  und  ooll  lot»» 
inejnder  rotkäfer,  mir.  aie  sagte  das.  gleich  darauf 'ihrci 
eitern,  'die  wol  merkten  dafa  die  ktfe^  ein  schätz  seien  und 
mit  ihr  auf  den  berg  eMen,  aUeih.  weder  den  hafihi^nedi 
die.  käfer  mehr  fanden  (daselbst  8^  305)»  Hier  enaoheinen 
die  Icifer/als  heilige,  daa  gold  bewachende^  aelbal  goldne 
thiere* 

In  >Sch Waden  netaien  Ute  den  kleinen  goldkifer  (skal- 
krfik)  jungen /Härtens  acMäaselmagdljungfru  Marie  nyälral*- 
piga);  im  fafti^aha  lasaeil-ihn  die  mfldolMn  auf  *  der  band 
umkriechee'  und.  aagan:  ^kom  märker  -nig.  brudhsndakir? 
(er-  bezeichnet   mir  die   brauthandschuhe] ,   fliegt   er,  weg^ 

•  *)  eine  die  li^iabrfibeiif  d4i  ovijgreveD  fettet  yao  IJIr»  Palam 
ten  (inF^ckt  Dt|i«l|i  MfaU^.  mtg.  l>d.l.  Scble8w..ld32  i.^)  drüfskf 
sich  darüber. so  a im:  'eia  soDaeroarer,  aiifzug  dei;  Tormaligei^  tchles- 
wig^cheti  \spibtiradBattiatoben  ^inen  cantharidkm  oder'mk  grünen 
zweigen  maykäfer  einzuholen,  wobei  denn  hietiget  irathbaus  mit  grü- 
nem butche  auigezieret.*     das  fett  war  fictah  k^tsc&eii'  1690r-  1640. 

Grimms  mytk^l,     8,  ausgmb*,  4« 


658  KiflEl 


'Sß  Acuten  sie;  isacb  welcher  .  <eite  hiiiy  (denn"  voto -  ^ 
4aoninrü  ..der  brftai%ain.  Der  Mkäfer  ecMiM;  etso*  bpleder 
üebesgöiliL;  aber  auch  die  sahl  dar  aohwariEem  phnct^  «af 
«einen  flü^eie.kDmBit  in  bctrachl:  Skid  ihteir  mehii  eis  Man- 
iben,  SQ  wird  des  körn  iiii<JBbr>  thMaar,  siadÜHier  wenigBr, 
ife  ist  ^ne  .reiclid  ernte  s«  erwartett^.  >• 

Diese  kleine  coccineila  septempunctata  wird  .ffabtt^ni 
lallen  nnseni  ..dialeelen  mfthiaali  betiasnt:  .:flbd.  goißisküh- 
ilein,,  giatteskalbr,  herrfottakalb^*  herrgiüttstkierohaiiy«  terr- 
^goitseöghifi  ^  .  Maräuiv<^;ileki ,  :  ManenkäfiBr  ;\'MmeäMlh^ 
lein;  engl,  ladyctmy  iadfbird;  tadyfly^  däni  jrartAdii0!.i  in 
iOberd^sobland  verateM  man  den  kleinen  goldkäfer-^hry- 
isobiela  vulg.)  imteff  A^MOcAüdi  (TaMer  2041"))  4er  liabe 
frowe  henfe  (Alb.  Schott  Demaahe  in  Pianiant  £97)  y  m 
■gegensatz  zni.AefTocMe/i,  der  ooecneUai  (Vübter  26B'), 
doch  mag  die  benennung  zwischen  beiden  käfern  4i6biaan«^ 
-ken..  Nach  den  Übergängen  bei  andern  pflanzen  oder  stern- 
.namen  sckekrt  Maria,  fnr  Freyja  eingetreten,  rund  JWarihöna 
-war  vor  alters. i^es^^AoHMiy  was  nech  wörtlich  in:  Fran^OH' 
kenne,  Franenkäfaiein  liegt,  und«  nur.  im*  frans.'  (woiidie  ge^ 
•neinschaft  mit  diar'  deutschen,  uiaiehti  .«ehr  durdidrang) 
'finde'  4ch  bäte  (ä  dim,  eacAe  ä  c^täny  v«pan;  und  itei:  mchte 
ähnliches.  .Att£  |iUen  faU  nnirs.  das:  kinderlied :  <  ^ilaHen^ 
Mfircke»  flieg  ausi  dein  hftuschen  farennt,  dein  «mdttbrcben 
Aennt,-  dem  väierchen  «tet  auf  deir  schwelle;  'flieg  im^  hiai^ 
«et  ans  der  hMbV  aiteein,  da  aneh  in  England  gesungen 
wird:  iVod^tid,  hidybird,  fly  «way  henUß^  yeürih^nse  is 
0n  fire,  your  children  wiU  burni'  Die  kiiideii  setzen  aueh 
Im  uns.  Harienkaforchen  oder  einen. -aonnenkifer  auf  den 
iinger  und  fraifen  ihn  wie  -den  kukuk :  VnnfidUdten  (son^* 
nenküeUein,  jüngeri)  ik  fragie  di,  wi  lange  aehlill  ik  leven?' 
feen  janry  twee.jaar'.  u*s.w.^  bis  der  iküfer  entfliegt,  dessen 
keimat  ta.der  söhne. oder«  im  himmisl  ist  In<.dertfi8bweiz 
halten  die  kinder  den  goldkäfer  auf  der  band  und  sprechen: 
'cheferli,  cfceferli  flng  ns,  i  gelter  nHteeh.tnfidbrocha  ond 
e  eilberigs  IdfEsli  dezue.'  hier  wird  idem -'kifer, .  wie  der 
seUange,  nach  und  breckcto  geboten,  der  hMfet*  mufs  denp 
hUeIrthnm  fikr  einen  beten  und-Tertranten  deaigotlea  fegoi^ 
teh  habenj  •.ni    ..  ,    :  .  '  i.^  - 

Endlich  die  biene,  das  einzige  zflhmbare,  unter  -den 
menschen  wohnende  meeel,  dessen  yeHililhdige  Lebensart 
ihnen  Vorteuchtet,  Ififst  alte  tttytWsc*fe  beütlgö  ei-warten. 
die  biehe  soll  nodi  aus  dem  goldneh   zeilaUer,   aus 'dem 


*)  Alaeliat  3,  112.  113* 


I  I 


t  f 


mm 

tagend  j^  raiohfiU  scfaöqfr  nu^B^sprocb^ii:!  «k  in  dem 
sert)ischeo,:lM  vioo^  K^ii^^.  Gavan^  wo  gott>dWihoiIigtt 
eogel  zur  prUfaogj.dw  m^nachen  iaserwdblend.  «i»  itmi 
hinfiD^  in  4^  ifeli  .g^bn  beifsl ,  'wie  die  bieoe  Atif  4ie 
bluine',  kLiu^  pUqjhek  po  (zvela  (Vuk  1^  198  ed.  2)^  .det 
laptf^^jlKfse  bonig)  den  die  bieoen  engr  eilen  btüleA< sau- 
g«B|  Uii  b4uptbcistandtbeil .  des  gölterbrankee  (s.  i^),  i  beUiger 
hon^g  d|9  piTßffi,  ^fmßf  die  des  eingeboni«  kisdes  Jippe 
berührt  (RA.  457).  wie  i|un  nft  ;Qdr«ri8driBahr  :gai>e  diM 
dicblkunst  genau  verbunden, iflt^  wiivi  sie  deiri'  stshbifenden 
Pindar  durch  biepen  augetfagen;  /mli^miiit.  aiküi'wk&ev'' 
daf(M    ^§Pil>ß^i<'9OV'i0 ,  %$    HfAt    enflctw4t^    spöo  «laxij^e/A^ 

%Qiav9^fi  [Papisan.  IX.  23|  2)..  darum  nc|irsen»sie  amch 
miiMryiD  völliges,  (Varro  de  re  xwU  3,  16)*  eia  kiAdt«-* 
märdben  (nd,  6;?)  w?U$  vm  der  MMenkOnigte , .  die  sioli 
aitf^.den  «uiVEit  ihrpa  <g]QiMliingB<  setzt  ^);  M  wen  sie  iiH 
scbl^^e  ^eglj  d^.gjlt  für  eingiacfcskind. 

£s  liegt  nahe  diese  .geschüfligeii  geQUgelteti  Fesen  dem 
stillei^, Volk  der; elb#. oder  iwerge  an  die-acüe  z«  aelaen^ 
das  gleich  ihnop  eiaev  königia  gehefchi  aas  vtenvesea-n 
dem  Aeisch  4os'  iifirißa^n  ..gieegen  alsiinaden  die^  zwerge 
beryor^  g^rMe  s^  sollen  die^bienen  uns  ider  AaMs  (eines 
alierlfBibse^JiSpiimgen  sein:  apes.  naseuntur  eXxbubttlo  cer-^ 
por^  putref^pto  (yarronKc.))  amlssaa  repamri  ventribus 
bubffUst  M^^fintibv^,  pum .  fimo  eibrutis  (Plin.  U,  20)  vgl  Ow. 
m^  15,  ßQ4.  auf  splflbes .  VerbAltaJs  bat  man  die  gleiebrt 
heit^  fwis^bf^n  apisMene  imd'Apv'  at«er  bezegeil,  wiewol 
dieefi^  Upges  a». jenen  kurzes  geMihrt*  wichtiger  färuea 
scheint , dar  berfibn^ejnnd  eines  getdafen  stierbampts  untef 
vielen  ,  hundert  g^dnen  .bianen  im^  grabe  des  jGrönkisehen 
kijff iff» .  CbiMericb  ^zn  JDtoornik  *•)• 

.  pie  itf^r.geaji;bichto  i^hri,  dara  welken  irbn  bien^n  auf 
den  sttfsen  saft  der  esche  fallen,  und  von  denv  heüigeii 
Yggdrasil  Ififst  die  edda  Ihau  triefen,  der  honigsfall  heifst 
und  die  bienen  nährt.    Sn,  20  ***). 

Yngl.  sage  cap.  14  ^apieldet  von  könig  Fiölnir  Tfflsgvifreys 
sohUi    in  ein  faris  meth  gefallen  sei  er  ertrunken^   wie  der 


*)  sedere  in  ore  iDfantii  tofn    etiam  Platonis,  raaTitatem  illam 
praedulcis  eloqaii  portendentes.     Plin.  11,  17. 
**)  abgebildet  in  Eccards  Fr.  or.  1,  39.  40. 

***)  ceram  ex  florihui ,  melligiDem  e  lacrimia  arberum ,  qoae  glu- 
tinum  pariunt,  Salicis,  ulmi,  arundinis  silccOi 

42* 


grieck.  imyMu  dcnOhrekos  ki  einem  henifknig,  den  leodi^ 
tenden  im  füfsen,  ertrinken  liM:  Nnch  einer  Schweizerin 
neben  aipensage  wnren  im  gokkien  seitniter  Mehe"*und 
neen  milcherfdSlt ,  ein  iiirte  schlug  mit  dem  naehen  nm  nnd 
ertrank;  seinen  lange  gesuchten  leichnam  bradiie,  -ab  man 
k«lter,le,  der  scliftumende  rahm  Eum  verseheiii,  und  er  ward 
in  eine  MMe  begraben,  welche  die  bienen  mit  boni^aben 
grors  wie  stadtthere  durchwirkt  haHen  ^.  '  das  gemahnt  an 
di(s  schöne  bild  Im  Lohengrin  s.  191  tm  Hetmieh  des  zwei- 
ten gräbstüte  im  dorn  zu  Bambet^: 

stts  Ml  er  4i  in  sSnef  stift, 

dier  het  erbouwen,  als  diu  bin  ir  wM 

flz  maneger  bMete  wttrket,  das  man  bonoseim  nennet. 
In  den  sprachen  wird  die' arbeitende  biene  weürticb  vor- 
gestellt, abd.  pta,  tat.  apis,  gr.  /««Aforaa^/IHih.  bitte,  im 
gegensätz  zu  dem  minnllehen  fücns*;  ahd.  trenor,  liUh.frsnllts; 
aber  Meh  das  Oberhaupt  der  bienen  M  ein  könig,  wefser, 
mhd.  wtsei,  ahd.  Wtso^  dux,  bei  Plinins  rex  tipiuih ,  .littfa. 
bittinnis,  mlat.  chosdrus  (Dttcanfge  s.  t.)  doch  ags.  beoinddor, 
bienmotter,  bdhm.  matka.  das  gr.  iaofjv  soll  nrsprQnglich 
blenenkönig  bezeichnet  haben  und  gieng  hernach  iii  den 
begrif  eines  königsoder  pi^störs  titer,  äo  wie  /rihdaa 
priesterin  ^  zumal  der  Demeter  und  Artemis  nnsdtttekte.  Ja 
g&mer  nnd  göttinnen  selbst  werden  dtfrch  das  heilige  thier 
dargestellt,  Zeus  (Arislaeus)  als  biene,  Vischnn  ab*  blaue 
biene.  eine  röiviscbe  Mellona  (Arnob.  4, 131)  yider  flellonia 
(August,  de  civ.  dei  4,  24)  war  bienengöttin;  den  Litthanern 
hiers  sie  Austheia,  neben  Bybylns,  einem  bienengott.  mftnn^ 
liebe  gedacht  war  auch  der  lett.  Uh^insdi,  d.  i.  der  gefaoste 
in  b^ug  auf  die  mit  wachs  bedeckten  'bienensehetikel  **). 
Vdn  diesen  grorsteniheits  ansiftudisc^hen  rorstlflang^n  gelten 
Schlüsse  anf  das  verschoHne  denlschle  alterthum ;  die  sage 
vom  Bienemoolf  (s.  342.  639)  iind  das  «lytfaische  yörhUtnis 
des  Spechts  (iitth^  mettetti)  zur  biene  miste*  ont  genauer 
bekannt  sein.  .  ,        ^^ 


*)  m^m.  de  FKad.  celtique  5,  202. 
;  **)  wixen  thighs  midsummeroighlt  dreaAi  3,  f. 


1 1  I 


vumim  «I» 


CÄP,,  tXa,     BmMEh  UND  GESTiRlVl^. 

•  .  ■  '  "  < 

t  Vielseitig  greifen  die .  erscbeiDiiqgen  de«  -  him«»^  99 
den  hf^iviscli^  glaubea  ein:  nicht  nur  i$i  die  wohnrng 
fler  g4ttar  «ml  der  ilmfin-iiäher  steKenden  g^teter. im: Um* 
mel,  nnd.  sie  v^mengen  sidi  mit  den  slemeHi  sondern 
avfih  irdische  w^en^.  naob  ihrer  auflösiing;^  wei40n' .dtUn 
erhoben,  ausgezeichiiete  held^ü^  und  riesen  reiK^hlM  als 
gestirae.  vom  bimroel  steigen  die  götter  :  herab  mr'.  «rde 
Bieder  9  «m  himmel  fahren  sie  her^  und  dnrcbi  den  Uwrr 
TSuA  besebiBueQ  ,  sie  unsichtbar  das  treiben  'd0r  ,  meitspkisn« 
Wie  sich  all«  pflanzen  ^na^h  dem  hinmliscben .  Ik^  i(0hren> 
alle  Seelen  zum  himmel  wonden,  so  steigt  dier  rauch '4es. 
ofifens  und  das  giebet  dar  roenaeiien  in  die  höbe» 

Der  binraikel  deckt  die  erde  und  das  wör|  stammt  ans 
der  Wurzel  hima  (tego,  inyolvo,  vest»o<  gramm,  2^  55)<*). 
den  Oethen  und  altepi  Nordlftndart)  ist  ^  jorm  hmms, 
Anritm, .  aUen  fihrigein  Dientsohen  himU  gemein;  scbw^dL 
dftni.  wieder  hinmeL  eig^nthfimliA  d^m  sAchsisoben  yolh 
w'ofd  daael^eo  ^^wei  andere,  aiisfiräcke , .  atts.  A^&üm>  A^-* 
oofi,  ags.  A^o/bfi^  engl«  A^ffo^n^  noch  jet^t  in  Niedersafeb»* 
9ßß  upid  Westfalen  heben,  heven,  häeenp  kämen, .  ich 
habe  die  gnenae  m  ermittebi  gesteht^ .  bia  zu  w^tfEsbersich 
diese. beneiinung  eri^treökt  (gramm*  1,  xiy).  miter  den  Frie^ 
sen  war.siia  niebl  gangbar,  denn  ^  noob  die .  heutige  wesi 
pnd  nordfriesisahe  .Volkssprache  imn\  nuc.  :himmel  *%  auch 
die  niederUndisqho>  mündart  bat  sie  nicbi;  sie  .  findet >m  sich 
aber  in  Westfalefi.,  Nieder saobseh ,  bis  naph.  Holstein« rund 
Über  die  Elb.€^ .  bieans  in  Meklenborg;  und.  Pommeriii'  .  Dm 
Angelsachsen  und  heutigen  Engländern  iftangaH  sogfr^idef 
(mdmek  famel  völlig;  die.Aitsacbs^:  gleich  den/iettigen 
i(iedereechse||i|]nd  Westfalen  verwenden,  himil  «inri.bävan 
.|d)weelisel^ild^i  m^ie  <e»  scheint  so,  dafs  hävan  «lebr.den  s^cbt«? 
hären |.,:At^f/4efi  übarfto^iilicheii  bimmel  beaeiobnet.  AIhr. 
von  Halberst.  (ed.  1545,  M5^)  braucht  A^6en  (:  nähen)  für 
den  ort.  Reinolt  von  der  Lippe  häuft  .beide  Wörter  j  ^himel 
und  A^^A  Von  vreuden  muz  irkracbenV.  man  sagt: '^deAe-. 
een  steit  nümmer  to',  ^wgnn  de  Aeeen  faUty  liggwi  der  all 
unner'i   'de  storren  an  dem  häcen%   in  Westfalen  bedeutet 

il         I  I  ■  W  I  I  »   I  ■  -M      I    I   ■  ,  •  ,  •  •  •  1  t 

*.)  littk^  dangos  (coelum)  deagiu^ttgo).    ah$L  himileti  Uqaear.,  > 
**)  kimeh  lape&ocr  fi^   Gabe  seroar.    {Hmter  1834   p.40ii  103. 
ihnwitl,>  TIaMPit  geishali.    Sobdarbarg  i833  iKf4a    Ulie^  frifcscbe 
wetten  348.    ibifliiiil^'As.'274 >    \^.^.\     't  .>.  >  1  ..       :  »•: 


Sft2  HIMMEL 

^hebenscheet^  umzognen  himmel  oline  regen,  ja  heben  drückt 
wölke  aui^*)*  bei  häeei^ünf  (g^.  JUS^|  bei^k^itk  viijfi^A^- 
vert  (s.  d41j  tterscbt  der  .^tnfitlche  begrif,'*  dagegeA  würde 
man  kaum  anders  sagen  als:  4n  den  himel  können >  oder 
himeitik.'  Diese  unterscheiduhg  mag  sibfa  glelchWol  erst 
spMer. festgesetzt  haben^  und  wie  d«iB  iigft.  h^ä^on  ^«fnlz  ^ti^ 
straet  steht,  wechselt  aüeh  der  dichter  d£f9  Hei.  Ab'  siHscHeti 
Umihiki  149^  8  und  häbanriki  148,  24,  hHnitfiidet*''U5,  It 
ond  h9bm$ouHing  143)'20.  Aimil  hat  aaeh  nr^filHlhdidh, 
und  ttfterair  im  hochd.;  zt^leioh  die  £ÄfVi»lich^  bedMhrtig', 
daher  ^hinUl  Hirt.  88,  IS,  wie  npheöfM  Omna.  270,  24; 
wurzelt  von  faehhan,  h£van,  hädfeii  scIi^fM  eiA  «verMtivM 
goth.  hiba,  baf,  das  ich  dem  lat.  t^erfiio  teri^i^teh«,  afa^i 
der  fassende,  allumfassende  himmöl^  altti.  i^^Te^i^;  der 
weitumfalveiide  **). 

Ein  andrer  stfbha.'  auMnick' lafet  sieh  dMi  b«f^  Ml 
gr.'  al&ij^  an  die  seite  setzen,  wfthi'end  biiHtt  vnd&ävan 
dein  ov0a$^6g  entsprechen:' alts.rflwfiir,  ags.  rödlM^  Cednti 
biet«t  dar  rodor  183,  19.  207,8.  iqt^d^  179,  10.  180^ 
15.  205,  2;  rodortungöl  100,  21.  rad^eatht  23»,  10; 
In  den  spttteren  dialecteb  fehlt  dieses  Won,'  dedsetf  Wurzel 
(rab)  noch  im  dunkel  liegt,  töUig.  ieh  mroeht^alKi.  räUtM 
(sol)  fainzuhalten,  das  nieht»  mit  if'audr  (ruber)  zu  thun  htrt: 
Daraug  daft  bei  ags.  dichtem  gleicbbedetttig  gesagt  t^erd^H 
kann  enUres  gim  und  heofomi  gim-  (Beof.  4142.  Atidr. 
1269),  heofonheorht,  rodorbeorht,  wftMrfceorht;  beofehrefhft, 
ioe^torht ,  puldoHothi  wftre  fast  fbr  tmld&f'  die  urdpf üilg^ 
Hche  bedeutung  coelum  zu  folgerti,  Wtis  auch  den  dhd; 
eigennamen  fFo/dorhilt  beleuchtet;  ^\dtk$(^iäf  sf^egel  (amher, 
Goetum),  ygl  it>egle9  begon^  Beer.  171:3.  utidbr  seeglä 
(sub  coelo)  Beov.'  2149.  H>egltAd  (^oeli  eiirriis)  cod.  eJcon. 
355,  47;  alts.  euiglu 

Hervorzuheben  ist  das  ags.  eoeldbytiff  OiedM.  t89,"38j 
dasr  man  nicht  refugium  oder  shelte^ing  city  Übersetzen 
darf,  0^  bedeutet  sohiidburg,  mla  dvpeiaKBotti,  nfM  ist 
ein  entschHipfeiKier  heidnischer  affsdmck,  tv^  \ti  lier  0ddü 


•»<! 


'  ■    .         •  •    r  I         :      .'    '  '  •     I ;  1   < »    '  •  • ' 

*)  lanaLr.  nabas,  slay.  nebo  (coelum)  gr.  W^oc»  lai.  jpubea,  Qiq-t 
bula;  ir.  neamh/ welsch  n^v,  ärmor.  nef.  lett.  debbes  rcoelum)  debbefs 
(nabes).    littb.  dangüS;  ton  dengia  legd.  •    •    ^  •  ^^ 

'  '*)  kiinmdh€rge%\^A  hohe,  in. die  t Wolke«  reidieiidlB,  bhalselgetiü 
nameo:  himinfiöll  S«m.  148^  YngLaaga  cap.  39;  HiminMra  SflDBi.4|i^ 
92^  ein  göllikher(woiii8iU;  HtmUhäer^  (iiiönac)oeiiaa>/«iif  d^dT  gel- 
ate#  hadfeen  (Perlz2,  10)(  fftetfftAery.m^HeiseD' (Kqekeobeölter  anaL 
11,  IdT);  üKüimcMiei'^  In  Vettgdilaii^ > and  <*iigeblidi-Mi!hciw#aHiL 
acbe)  in  Ballaod.    Himelbere  fianendieiiitri99/vl0)n.>t^\    .i    '  n>H<./f 


</HKST««>  «M 

puV  JMirsl (Ai.  8)^  mSa  goldnen' scUlden ,  ^Ha  .piU  Bcbiiideln 
^edeektJMi       -"5:  •»       •'.:••    '•-     ,    >    -^^      •■■,'.. 

Eddische  beaennuogen.fliew.  40*^*  Sa.  177;' alle  müiiii- 
liohs  .tiniye  unveEkcnabir  aulf!  p«i«0nif calkni'  gegtlindet. 
.d^  bimiiiel  «md*  als  oiahn^  die  «reibliolK  itedi»"  mufaB^od, 
.fcdacbt;  tu  die  reübe  der  götter  iit  er  dbdr/  ^lakk  OtV«- 
9toc^  nidit  MifgeiiomeMn  ^  iväbreiMl  die  Erde.  uNer  <kii 
göttiBMii  stellt,  bimmel  bezekhnel  ubs  «disn  UoCi^tn  ranin 
und  ^ttfenthiiit  ideil  g«Uer.  Aaf  jeMS  rithselhaflei:  weiwn 
Miiur  (e.  35>2}  bekügl^h  siml  zwei  diehAerisefae  namMl.  des 
bimmels  ireggmiwiir  (der»  regengielseede^  von  Ivregg  iiätor)' 
uad  €elDit«Mr  (der ! anfeuchtende 7  v^L  TflBtH  biuiior^  ' 

Für  ^n  biefi^if  des  geslirpa  (äid«s)' »I  unseren)  Altert 

vmA  fihd.  äimUmicktm  (hyltan.  4,  2),  der  sinnliche  ansdni^ 
ahd.  kmUmmfä  Diot;  l,  026^  gl  Doci249.  «Its.  iiiniUmf^l 
Hei.  18,  2,  ags.  k^af^tUuMgöl^  nado/tifMgQlytlifLJmintü^ 
eigen,  ags^  steht  budb  das>eiiiEiehk>inn9el  mit  gleiobem 
sinn,  liiid  ebenso  Uelel  eine  goih.  glbsse  m  G9^A,^^uggl 
asiruni!;  altnj  ^  beaeiehnet  ItfiifJ  den  nond«  .diea  ne^Ar. 
lungal,.  tanigo)>  tOngl  ist  non^«  tunga  (liiigua)  ab»i)eiteii, 
wie  dae  Uiiabgeleilele  dhd.  himUrängl  (firaif  5»  682)  zetgt: 
der.  motid'4ind  einige  (riaiieten  .in  ^er  theilweiaen  eriie«cb- 
tiuig  ersebeinen  «äel  ibdior  antigförmig  und  wol  müg  ^i^bei 
eine  eosi|i9gMl84^be'Ynratelliing^)  obftaltenv  ich.  kenne  a^s 
andern  sprachen  nichts  ibnüehns. 

Atlen.tgesitrneil  Verden  beelimmte  stUten,  püttaie  .und 
$aUe  bnigelegAy  auf  denen  sie  sits  und  wobnuAgiMßhrnen; 
sie  hab^fi  iW  gebtell  nnd^g^ü^te  (sterrdno  gifu^H  fiii\h 
lly  10).  .  aufliiil  gilt  das  von  der  sonne,  i\^^^n  \»g:m 
ibreofi  ßüzy  iOdef  sessel  niedergeht  (s.  ca|^.  aXIU),  aber 
jimiek  de^i.nbri«^  sterneh.!wird  eui  solcher  stul  (Km. 95)  Miid 
^ei^ngiiziigescbrieben.  N.Bth.  210.  223  sagt,  de&Bepr 
Üb  '^ti;ftgQ:fie  sedala.gtMige*'  und  /tiU' aeiehen  negAnt  nicbtin 
.se^A^>>  iDn  die  begriffe  istui  uiid  tisch  sieh  verknüpfen,  könn*- 
4eil.iannb>f4en  st^meÄ  tikfte  aneteim,  i^r  sie,  »iwaa  ä%^ 
^seUN^  ifit»!  6lr /i^cAtf  des  bimniels'  angesditt  werden,  woi^ 
bei  ich  nicht  an  den  ägyptischen  sonnentisch,  sondern 
näher  an  das  ^biodum  yppa*,    sidera   extollere    der  Völuspft 

{teoi»  1^)    denke;    die  schaffenden   Bsts'  syirU*'!  richteten 

I  «tj  ^  •  .  I .     ••  ,      .  • »  •     ,      ,     -  .  I 

■  •  1 1. 


r>taipias'TaraeliQilg  dei^tuBge  an  Mwiaefi  odelr  Jbtdas>f|lirolftiern, 
dia  snokfMal 'tewenoog  ii«r  ceMiree-  ^4iditaiD  'eia  »üngeim?  '  difeu 
»timmt  nicht  das  mhige.  moopkhty  ap^  die  ahdy  lona  ohneX.    '• 


<m  sonm.  ^  «ond 

gleiiAMm  Ae.  tifchd  im  feitttpdiiU  Mi^  JbMDr  ist  ^ilaa:  gMH. 
biuds,  afati»^  piot.  (Qben.&  34j  59]..  Einz^Iiie  .glerile:'skid  «m 
hitnmel  gehende  wagen y  und  voraus  die  sonne  hat^  fleiek 
fiAdern  golAeiten,  ihren  loa^aii.*.  '       . 

Die  beidea.  hau)H8lerhe  sind-^smrie  nnd  tnänd,   über 
deren  gescfaledit  md  benenhung  ich<  aüich  fnammu  ä/  349. 
350  geftursert  habe-y  fie  aonne,  als  4as  g^öfsere:  jy^tivB, 
beirst  einem    mhd.  diobter   ^iaz  mirereUeht'    (fundgr.  2, 
12).     Es   ist  der  anfübnmg  wertfa,    dafs  nnter  ifan   ed«* 
disehen  .iiamdn  des  '  mondes  einige  iiöch  in  obBFdealschen 
volksmand arten  -  fortleben,     die .  2w«rge  iieifsen .  den   moird 
'  skin-  (jubar),  .'Rictit    andears  die   itetiicben^  Fronten    <sefot» 
(Reinwald  hekineb.  id.  2 ,.  15ay *).     in  der  nnlerw^U .  kbrt 
der  mond  den  >iameii^ikl7dr/«idt  Jtoef/di«^         :]^,    in 
Steiermark   (zumul.  dem' Brncker  kreis)  -gmoarat   (Sattori 
•  Steiermark  p^  82) ,    wenn  ich  die^   rota  (kIbmkiiiiiis  .  aber*- 
setzen  darf;   es  könnte   auch    geipeino'Y   aHeii'  mensc^hän 
zustehender  rath,  d.  i.  vorrath  autodvQcken?  dafis  man -die 
sonne  einem  fet^mrad  vergiich  und  :das.  ihr .eiitflaminende 
eiement  in  gestalt  eii|e$  rades  dafsleDte,   ist  s/  5S^  567 
-  ausgeführt,     in  der  edda  heifst  die  tonne,  auadrficidiofa /<k 
9rraieer(daS  schdne,  JHehte  ipd)  Sem«  50«  Sn^  177..  223. 
die    nord.   rline  für  S  wh*d  id/,  -  die.eg^.  uMi  9igü ^ :  i$igil 
benannt,   wafür   iöh  (m  Andr,  ^s.  96)    s^gil,  sägil^  siMl 
mutmafse  und   min^  apch  ^dsffil  gÄlk«   hML   griech.   tfhb^ 
vergleichen  darf,     aber  der  da»  sennenzeieMn  0.  ßihreitde 
götb.    buchstab  HV  zeigt -.oflelvber  die  geslalt  4ts&    radesy. 
welchem    die   gleicfaanlaiilende    goth;   ben^ennutig    hoil  =^ 
ags.  ^60^,   altn,  he^  zugetraut  werden  mtafs;    ans   dvel 
entwiekelte    sich    das^  isl.   hhl,   schwedl.  ddn«   hjuly    ait^ 
schwed.  Ah^Mj  m$  ags.  hveol',   hveehl  das  ^rt^f  ioA^, 
nnl.    foie/'und   mit    Übergang  4n  Mlen  labiatiaut  das  trteB. 
/?a/  (ftichth.  737).     bei  so  yieifftltig«n  .  ab^^eiehongön  wiagt 
man  schon,  das  alin.  ji)/y  .  $chw.ed«   dän.  jW/  die  ben^n«- 
nung  der  wintersonnenweiide  Jieramziizieiien  utad  uveöh  ihr 
^en  begrif  des  rade^vza,eignen;'  die  -.trennuitg  bieider  for- 
men mü^te  aber  sdir  «Itaein/  falls  der  gotb.  >moiuitsnflni6 
jiukis  r£  novemher'  verwandt  -wäre  '*^     Ae«^  uhd  kv^ 


*\  gerade,  »o  njeugrieeb.  ip^ruff*  (glahsL  welelief  .auadracka  mf'^ 
fallende  einslimroiiDg^  zum  alto.  fengari  (So.  177]  ich  ronst  tcboji 
angemerkt  haW  . 

**)tda8  nord.  K  fällt  im  änlaut  «irvrctrieli  »h,  wi«i«raaf«räde  für 
•da»  lallen  der  kiodeT-  id.  biiiUiTnid  jula«braüokt  -  i«irkJi«ii -«aigl  « 
der  aaterllndiaciifrlelw  diaieot  jal§,.JQl9..(folft),:  i   .     n  <     i  ..    ..  •  .i  ) 


«oheinea  «inerworMl  aiiligMlK  te^Nsy  «M  AnAi,  4#  sieb 
drehenden  zeil  (vgl  gotb.  hvtJilahniirta',  ahd.  iiulUiiierbtO) 
▼olohiKs).  Li: 

Aiicb .  emer  andeirn  sinnUchen  vergleiehaiig  der  sonne 
scheint  hohes  alter  zuzustehn^  sie  galt  dem  ktdegerisehea 
sinn  der  vorzeii  filr  «liheii-  rMdan,*  lenobteaden  sckitdj  und 
wir  sahen-  wrbin  (s.  W2) .  dafs  der  himaiel  selbsiv  eme 
sdiiUBiirg^  bildete.  Noiker,  4er  Cap.  71  in  seinem  teil  die 
wwrte  vorfand:  sinislra  dfypemn  coruscanMi  praeferebu 
( ApieiUo) -  verdentsoht :  ^an.  dero  winsterün-  traog  er  einen 
ptiem  skHt'  oiid  fflgt.  dann  die  ^gne  bemer^nng  hinzy; 
'wanda*  aelbin  dia  sunna  -eiaenio  skiUe  gelth  ist'.  .  Hi  den 
.dentscbeä  reoht  ukd  der  deiltschiBO'  poesie  hlinken  die  n^- 
Aen  tckUit.  ab^noeh  Opitz  2^  286  nennt  >die  sonne  *dea 
aobdnen  AianaaMciftcftf;. 

Unter' allen  die  alleate  mul  verbreiteteste  vorstMlangy 
welche  «Mm  ioit.  der  seane  a^  .den.  dbrigen  gestimen  v^r«^ 
banAy  mag  •  gl£icbwol  diä  des  äuge»  gewdsea  sein.  .  ditoi 
Goamogonien'^d^r  to? leit  Jiefsen  sie  ans  äugen  erschaiea 
werdien«  De»  Paraen  war  die  sänne  äuge  des  Ahurdaw»* 
dAo  (Or«N»d)',  den  Aegfpliern  rechtes  äuge  des  demiof«' 
gepv  ^'  Griechen  .äuge  des  Zeus,  misern  Vorfahren  aog^ 
WuotanSy  und  nach  einer  fabel  der  edda  mvale  Odinn  sein 
einea  ti«ge"daln  Mtmir  z«  pfMsd  setzen  oder  in  dessw  briin«- 
nen  beifen  und  daMm  wird  er  eMtogig  dargeibteilt.  mit 
dieaem  auge  Qberscha«!  die  gottheit  die  gesamte  weit  und 
niehta  kbnn  M  spfthendjan  verborgen  bleiben ,  sie  durehH- 
dringt  äfles'*);  aMe  geslirne  blicken  auf  die  menschen  her*^ 
nieder  .^.  .Die  altn«  dicMer<gestatten  aber  niäht  nur  söhne, 
mond'uhd  stenie  •  äugen  des  himmds,  sondern,  auch,  uach 
jener  mad^elniag  des  macroeasmns , .  das  . «menschliche  augia 
die^soane^  den  aseibd  oder  dasr  gestim  des  sckideis,  ««kr 
aüme^  braue»  und  wwipem  zu  nennen;  ja  das  auge  datf 
ein  9ck%M  der  stime  heiften,  was  jc»ien  namea  der  soime 
beaüti^t.  die  sonne  ist  den  ahn.  dicMern  '^taistoian  himins^ 
(gamma  coelr)  und  ebenso  den  ags.  'beofones  gim'-  Beapr. 
4142.  'TUldrea  ^mi'Andr.  128». 


')  w«da  IL  14,  344  gesagt  wird:  ',/'*'' 

ou  Tf  Mal  oIvTaroy  nlXira^  ^ao^  il<:ogaao^at^ » 

.mI,  gleicht.  daa,defQ. >liede  Wqlfr#PDa>  & ,28: :  „  » 

obe  der  lunnen  dri  aiii  bliebe  .wdkeD.  .  •    ;    i 

**)    nQioflMtw  oitjgy¥*'f¥9tci  oflM^f.'    Aeteh/^eeiirfia.  Tk  d90. 


Wie.AiM^^dto  soiMo  lih  U»bto  iwge:,'  wonie  sie  ail«h 
als  volleil  pe^iM  mkl  oiitf/to  dea!  nieddracfaatienden  goUds 
dargestellt  und  so  bildet  man  sie  noch  heute  ab.  adHon 
Otfried  dkrüoht'  aidi  ¥0B  dei<  Ueiik'  todo  des  bcflands.  Yerfin- 
ateriefli  aenne  aua  (IV.  33^  5): 

in  ni  iiaa  m  .mLfoA  thai  acAnw  mmtmU^ 
m  liai  in  aotn&n  Iburuh  tfaa^  ira  §iriiMk  UMm^ 
In>der  edda  treten  itmm  muA  ^mond  als  gesohwiAer 
luid  kinder  «mM;  *inytfaisdMA(:ihffi^//SSH  auf.  ,  Noch  <«»•- 
dere>  Völker  aofsemden  LitUiattiarQi  und  Arabetn  (grainn.  3, 
3.&1 )  stellen',  gleibh  uns,  ffian  «molidi  mlnAlioh;  die  aoMe 
weiblieh  vbr»  '  so  iai  d«r  rmexican.'.iHw^fi  (luna)  ein  knaiMi; 
der  grönlftJML  moad  Amnngäi  terfolgt  IkiUlna^  4ie  sonne, 
«eine  sohweiMer.  in  eitiefn  üak  miirchen'  (petilMi.  5,  5.) 
sind  die  geschwister  Sole  und  L^ma  irimier  der  Talm 
(bei  Perrault  halben  si^  Jonr  und  Aurore).  DieeSlaven 
ist  derimond  männlieh,  der  siernf:weiblidi,  die  aaane  lie»- 
tral,  daher  i.  b.  in  einem  sert».  lied  (Virit»  1;  1^)  goUfdie 
eonn^  (auntase)  sein  kisd  (tsehedo)  neent;  und  der'^Kiml 
^meaets)  ihr  bruder,  der  stern  (svwada)  ihre«  aahwesterhxrifat. 
Sterne  trieb  als  kinder  6der  jMge-  solina»  zu '  diokeiA  U^t 
«icht  ferb.  Wolfrni  sagt  Wh.  254:,  5:  jungiu  Mnmiit^ 
nahten  wahsm*.  -    j 

\Des  Volk  pflegte  eich  bia  a«f^  dioi  fitere  «att,  von 
sonne  ttiid  utotid  redead,  getn  ausattdrOßbeii:  ^firatttlomui', 
^kerr  mend^  ^).  AventiB  19^:  /hatna^Sennb  gebtt  au  rabt 
«M  grnaidenj  auf  dem  land  isvvJscHeo  byi  und '  Saltfaob 
beiftt  es  'der.  Mir  M&n'  gaili  einflaeli  fftr  mond  (Scbmv.  2, 
23a  588)i  Gesner  im  Mtlhridates  Tun  1655  p.  28:  .audio 
veteres !  Germanos  Lunnn  quoqucf  deom  cohiiaae  etd  äppel«- 
lasse  hermoK^  id  est .  deerinom  Lunum ,  qubd  forte  pa«- 
nwi  aaniadvertentes  aliqui  ad  Heilaaawi  i  •  e.  Merouriam 
Iraastdleruel,  die  leiste'  viermutung  sebligl'  fehh  iHuMeriQ. 
Byben  de  titulo  noMliS)  Heknst.  1677.  4  p:  136:  ^ilA^etiew 
ralione  in  veteri  Meiolbtrioö  toaa  non  demikia,  daaMioiiir 
appellatur;  •  i  .   .^  *  n  •  . 

bis  gottwillkommen  nener  hon,  AoMfr^Aenly'ii  -    ..>  * 
mach  mir  meines  geldes  mehr!  **) 
So   auch   bei  Nicolaus  Magni :  f)e,  (^aw^ ,  üir^i|ff  ^^)v  ^^~ 
tulam    novi,   quae  credidit  mSO^si»  ess^  ^om^'  vpcans   eam 


A        \ 


*)  frau  Sunne  (Görre»  ni^iit^rf.  184).     4Mhet   Mkül  l^iilam, 
ohne  artikel.    Bekker  m  ßmahiw  p..i^^  . 


'  /       t    . 


'*)  er  beroft  sich  dabei  «ar^ytik«h|»lihl'li>ir0t>  1.  brüee.'!.  p.29. 
ilt  dies  liica|«iu.i4a)I>iDkflapiiel^ei  Jacbet^M.     <m  .  ,  .;> 


xzx)  nulius  Jcimifio«  solem  aut  Amam  roce/*).  . 

In  diesen  anredi^M  haftet*  die  Mftftte  apur  einer»  faeidni- 
geken  Verehrung;  vielleicht  aäeb  iin  ^oün^feAii  (RA.  276)? 
des  iie%H?fM  vor  der  aonbe  habe  ich  a.  38,  dels*  flilclMi 
^er  Mnnen  ka%  vatti'  s.  17  gedacht ;  tro  sie  Mner  go^ 
htit  gl^ehgesleni  isl^J.  «hnlichea  knM^eugM  und  huU 
abziehen  geriHhah  vor  dem  neumend  (anhang  ^.  xliv)» 
beim  eidscb^nr  pflegt  man  die  fing^r  ^gen  4M  sonne  zu 
reellen  (weisth.  3^  346)  uHd  i^^hon  TacilQs  ineiiet  ann.  13, 
55  von  Bojocalus:  ^söhmrtfipMeiM.y  et  ceidra  sidera  vo- 
cans,  quasi  coram  inteft^Ogaftat ,  velietn^  inttteri  inane 
solum'. 

Fttr  das  ftflAM'e  MMhttiii  daif  das  gmtifelie  wesen 
idt  g^sÜTMy  "imiM  ide)^  ^brine  und  dttsuMfftdt^.lltlnMi 
zweirel  unteriiegen.  nicht  nar  jene  sinniich^n^'^adsdrddk^ 
voA  antmisv  ndge^  kiM^c,  raid,  ^Ud,  tisch  "und  Wagen 
ffibi'eri  tfüf'  febendfge  personification ;  "wir  gäben  aiurii  dalk 
eMttt^  '80t 9'  Vulcanus  und  Luna  bedeutsam  neben  eki« 
Mdöi'  BMlMe  <s.  9»  vgl.  s.  (MS),  da  Söl  in  der  eddn  unter 
den  aBifiit^n  tfUTgeirifthlt  erschMnt  (Sn.  SO)  nnd  'si*  achwesleir 
des  mdM  ist  (8h.  1£),  hat  dieser  an^pruch  auf  glichen 
raAg.'fitotn.  P  helfiit  aber  SAI  sinni  llftiia,  geflAvte  des 
meAds,  isfoni '  ilff  dM  goth.  glrsAl^ja,  ahd.>  kasindeo,  #i»ia»^ 
aad  im  Metsl^burgi^i*  Hed  wird'  der  göltliohen  Smmä  statt 
des  begMteiHh^n  bruders  merkwürdig  eine  Schwester  ^tiic^ 
^tinif;-  deren  liamen  wiederum  das  geleit*^  ansdriokt, 
gi^geb(Sn  (oben  s.  28S);  vielleicht  war  sie  eiit  morgt^il  oder 
aiMsüAHern ?  Man  m«sie  wissen,  wie  die  flrtlhere  und  veiw 
borgne  vorzeit  zwischen  sduU  utid  st^nii^  dem-  g^scbföoM 
und  d0t  m^yfiiisch'en  anWendudg  nach  uniei^cbMv  war 
sftifl,  Bffgil' gleich  dem  tat.  sol,  gr.  ^Aibc  nMfitt6b^  lo 
ddtfken  SmM  und  ^efdgttnd  als  weiMidhe  mcn^e  ^ «dnehn 
werden,  wie'  feuna  und  JScA^i^,  doch  dtts  sitn.  s6\er^ 
ntkttinX  ttitn.  niO'  if^eMch,  sunne  schwankt  noch  im  nriuL 


— ' p TTT  ....  , 

*)ViAjk  M8;  die  anrede   herr  Ar  den  Wind»  und  ^iMHmmII 

(8.  118). 

**)  miD  will  den  namen  der  altmlrkitcben  Btadt  Saltwedel ,  Solt- 
wiMet'vof  dioab  heidbiaebin  aaBBieiidiebtt  Mräok  leilcki':(l.edebar 
aUgv  ank  14»  370;  TefmUe  Altaiatk  a.  29) ,  <la  doch  diä  «bte  «ilk« 
OMokar  aais  a«Bdri«kt ;  ^eM  '  aadl  oachher  bckn  'inolid  eHiliffC 
werden.  >    ♦.    .        i  ■  -  m  :•,  "      .•  .  •«  i  '  .r  :>  ">  .• 

^*) rvtjl.   'tmika^Mky  nm^  (solfeüalp)  ibew  s.'IH  «a«  luonan 
««f/cU  (iter)  Gttdm,  182»  25.         kiI'mpj  ir.    .w/  ■,   x  Mr.i  in  ^  -m«-,  .^ 


668  RINSVERBilW6> 

anffaUead    zwiachea    aiftuBlichmn    wfi    WifiMkbam  gaiwa 
(gramm.  3,  350).  •      / 

Wie  ea  auch  hiarum  atahe,  liuf  die  gOUüobkail  der 
sonne  darf  ich  ferner  beziehen,  dafs  ^le  gkich  den 
iitm  göUern  (a.  15.  23.  300.  301)  als  froh,  lieb  md 
dig  dargeatellt  wiiH.  0.  IV.  39,  6  nennt  ihr  .'giaiu^i  bU^ 
dm  9  thea  aih  ioh  woroli  frewita',  «od  ein  gedieh!  des  13 
jb.  ^eilschr.  f.  d.  a.  2/  403)  drückt  aiph  po  ans: 

wol  dir  fromoe  Symie  ... 

du  biat  al  der  werli  wnnnel  . 

»6  ir  die  Sunaen  er6  sehet 

achoßaes  tages  ir  ir  iehet, 

der  6ren  ir  der  sunnen  jehet 

awenn  ir  si  in  liehtem  schtne  aehH 
kn  folgenden  cap,   werde  ich  noch  findei^e  hal^ge  anw- 
fiAren  haben. 

Die  persönliche  natur  der  sonne  und  dea  monda  zeigt 
sich  aufserden^  in  einer  fast  durch  die  game  weit,  ver'- 
breiteten  Yorstellung.  beide  in  ihrem  una)>)ftas|geii,  anaitf-r 
hailaamen  lauf  durch  den  raapi  .des  hio^n^  apMn^n  t^ 
fliehen  und  einein  Verfolger  zu  weichenr  zwei-  wdifo  ajnd 
es,  die  ihnen  nachstellen,  ShöU  fAhrt  hinter  der  fpiuie, 
iffa/j  .hinter  dem  mond  her;  sie  atanMnen  ajus  j^ifiem  rie-r 
aengeschlecht ,  und  Mänagarmr  (mottdhimd)  der  nftlM^h**^ 
tigate  unter  ihnen,  wie  es  scheint,  fiur  ein. andrer -ntme 
für  Bati,  wird  einmal  den  mand  erreiabfin  md  ear«^ 
sohMngen*  wie  ausgebreitet  iieae  ät^lieferung  heraohl« 
ist  scäon  s*  224.  225  dargetbm  werden*)...  Sine  n^en^ 
sonne  (vftderaol)  heifst  $c\med.  ,  soharg  f  ,$ohtf  (sDMeaH 
wolf).    Ihre  dial.  lex.  165w  .-..,... 

Nichts'  war:  den  Q^iden  fQrcht^arlicbeir  al»  <Ue  fliehende 
verfimiermg  der.  sonne  Qder  des  «Aendf»  womit  ^ie  zer- 
at6r«ng  atter  dinge  und  weltuntergai^  in  verbjedwg  br^eb«7 
ten;  giß  wähnten,  das  ungeheuer  habe •  aphoa  einen  th^ 
dea  leuchtenden  -  gi^tims  in  seinen-  ra^^iiea.  f^fefst^undau^ 
ten  es  durch  lauten  zuruf  wegzuschreeken.  Daher  ^  eifert 
Eligitts  (anh.  xxx):  nutlus,  ai  quando.  hma  öb9curaiur, 
•e^mircpreeswmali)    Menw   geacbr^f»  *9mce.  kfßaf^^) 


't  1    ■.'"»'•    <  •  ''." 


*}  ins  Fisdiarti  Garg.  1301«  Iraga  ich.Mchi  'sah  den  wolf  dea 
Maiw'.  Rahälait  1 ,  .11  hat:  la^kum  Ab»  Umpt',  iornltaa  käleodelrB 
weideD  die  'finaternitaa  ba  dai^patteUl  g.  daft  .iwai  «daacheB -aeeaa  und 
mood  im  racbeo-babeo.    Monea  untersiicli«  b.  183. 

.  **)  da»  wäre  ahd.<liarihMiN»I   .ifalb^jinhAirindaal    Idier  auch 
•piler  wird  nie  so  etwaa  angefahrt         .  .^  ,::  l  .iii.>..»  ^ii.i    :  .^  i< 


iifi#  Bttfcbttrd  (aM.  itjüm)  durch  4aii :  ^toäüritet  aat  aui«* 
Ui^  i|pMi«llEir«ai  teiM'  defidieiltis  resiaiurdi^.  in  den  nord« 
dtWktnfllern,  die  doeb  dtts  drdienda  ^efsdifingeii  am*  au84 
fMiriiohateii  ersiihl^,  fMchiehl  des«  g^sciifeis  keinä  mel«* 
dttHg:  ^diMchf  war  ^  ünier  6ellen  uiid  Rbmern  g^brlMb» 
Häher  ate  ant^r  S^tscbenr  S.  Ma^mUs  too  Tarin  y  üt^ 
cbenvater  d^  5  jh. ,  predigt  in  einer  homiB»  de  Meottt 
lanae^:  eamf  ante  die»  pl<erosqtte  de  vealrae  avaritiäe  o«^ 
pMitäte  pütsaveriM,  ip«a*4ie  circa  • 'Veaperam  tanta  voci«^ 
f^aMH  ^M  (^^fltit,  ttl  ifreligi^ratlafs  ejM '  pMiatraret  «d 
o6«A«ffi.  qMd  ciiitt^reqoirerem,  qiiM  aibi  elamor  hie  ve*- 
Ml,   dfaMTuat  mihi,  ii|tied   hOdtanH  imme  vestra   «xMS^erci^ 

Mf^^)'.:  iaborare  YWwenüel  auch  Jitvefiai  6,  44$^  ' 
jam  nemo  tubas,  nemo  aera  fatiget,  • 
unii  MHtrmH  p<elerit  sueewrere  hnki^^% 
Mit  Sicherheit  ^  darf  ich  anffehmien ,  dafs  fthidiöhe  abarglttu- 
biaehe  Vorttttllüngen  und  gebrftaehe.bei  finsteruiaaed  rniter 
allen,  mai-  mnea'  v5llcern^^*)  vorlcomnven.  Der  indische 
glaifbe  Mrt,  eine  sohlange  fresse  sonne  imd  miMid,  wann 
sie*  'viii*istieirv>wt»Mea >(Be)»f»  glosiar  148^  oder  ein  dae» 
moriv'jfri&htfl}  achknge  sie  (Bopps  ÜMas  s.  153.  272)v  neeh 
heMe  (iMlIen  dtto  Bindas  dafür,  ein  riese  greife  dann  4tie 
geetlrtt«^  •  an  ndd' wolle  sie  v^rsdtfHtigen  (ßrüttgbten  pof  a«* 
lar  poa«ry!'bf  tbe^Ilimtoos  p.  131).  die  Chinesen  Mnnen 
die -"Smintgriliisierttis  shteehi  ^solfs  devoratio),  die  mondän 
finsMifia  jttnsohi  (iMa^  di^^ratio)  nifd  beziehen  beide  aitf 
eito»v  'A«ehsi«MenidMlf  ttfacheti.  >  faat  b6i>  aUen  v^^llcerschef-* 
tan  «des  nOMlidhdn  Aliens  gtft' dies)»  ^^meinang^^  die  Tsdiim 
wasebM' bedlslien^aidli  dea  aftsdriieks  wnbur  sijai  (dae*< 
men  eoü^diiy.  fGull;  iScben  tfe  tiagua  ^  Itehnwaschomni 
p.  S):'  die  eifropftlscherf  Finnen^ glatob^n  ftbniiches,  bei  den 
Bhsten  beilM  es:  ^me;  mortd^  wird  g^fressenV  md  vor« 
zeite»  ':giiehle  man  das  dtroh  beschwörende  fondeln  zn 
hhideni/  (Thom;'  Hiif«.  Httan  1794  s.  39).  Die  LitthaMr 
lasse«  terfen.  daemd«!  (DikllM  oder  Tiklis]  den*  «wagen  der 
soime   «aiftddii,  "^aiin  dntsptingl  finslertris 'ukid  allen   ge- 


*  *),  (|ietieUe  hebt  Dujcange  6|  16(8  «.  t.  TiBceluna  aus;  im  «b- 
drnclL  dterhomitia  Mäximi  tauirin."  'de  defectü  lunae*,  bei'  UabiUon 
imia:  ital.  tem.  I.  part  TfJ  p,  t9.  20  st^lif  tie  iiicfhL       '      < 

^'^  r^l  TiM.  aaniff.  i;^8  Und  Be^th.  de  eonsol.  4  ttie«r.  ^i  *lk»^ 
iMM  enMS  peUibM  aera^  '  .  /  .    .^      * 

***)  Uob'bei  Griechen   uad'Shte«  bifa  idb  ihiiee  niobt«  begegee». 


■n 


^6pf^  hmfßi  dafsf  die  liebe  «ORM  mit9rtMlgf6ii,i.  e»,  M 
laige  Terbi«darli  vW^rden ,  mufs  •  lafe^'  dpc|i  .«wii  ^if#e9de 
ärfolgen  (WarbttU  1^  U7.  143](^  B^  ..fnQ»dfillM«lllUS8i»|| 
b^gea  .  die  Grdolttn^ler  kiaten  M%d  kcisgel  auf.riMfi  hPUMi 
dfioher  utid  beginnen  heftig  dacauf..«!!  iMblag4^ri.  (Ciw9 
ärteiand  3,  294).  .fiiii:  naisead^r.  KugModer  erMblt  uron 
den  africatiisohan  Mauren:  -  als.  die  aoaviefifinalerup  ihißn 
hüchslien.igrftd,  err^ictil  .batt«>,  . laaheii  wir  das  ¥plk. vrÄesun-» 
. sttnig..  hin  Mnd  li^r  laufen ^  nind  tiintßni. .nach  der  :saiiii0 
«bfeuern,  um  ik^-  ungßimer  jsti  Sßhreok/^^:  m^h^\4a$ 
jgiesiim  4eßtagi0ti  jyhrer  meifiuiig  haob  jo^TwAr?^  iflfM^ 
in  /den  ebenen  und  »nfiden  Mbw  (V«iiMTrjfi#fjs  eiMWe 
todeä^geaang  ^ein  geatfhrei  VuUiali  will)  lind'  siaki,l(tU|gB  dft 
genzran  .'^ttate.  die  weiber  $ßkk^9a^  kf^pfergi^iSifk  aneini 
ander  und  maehten,  dflinit  ein«pa.  ferm«  .dier(..;«tund0«^weH 
gehört  wurde*).  c     .,  .t:,.; 

Nach  einem  mongolj^iQbea  mylhwi  w#ttl«m  *  die  i  götter 
den  Araehe  für  aein^  unthaten  atrafen>,  tr  haUn.sieb.  aber 
so  ^ut  verateqlit:,  dar» . .  ni^nand  seinen  schlnpfiirinbel ,  mvH 
findig  machen  kiNftnIe«  inan  fragte  daher  Aißis^tmßyuri^ 
gab  unbefriedigieiideiiantwort^ .  a|a  man  >  dM  >mpi4  h^^ie^ 
enUeekte  er  Ara^bos  anfenthalit,  .  Araabe<.w«fde  Wn/bei^ 
vfNTgezogen  und  geaUM^bitigi j  isur  rieche  4t^T  wtffiigti^y^r 
aottiie:  und  ,mond,  und  so  pfl  er  onl  •d9r.  eilMi  «friktf 
dem  and^n  in  bandgemenge  gerätb,  ^nlktale^  rarjj^ialf^ 
mm^em,  um .  die  himmel$li|chler  mia  •  ibrmr  noth  rwn  rff^tlftn 
wird <  mit  musikatisohieii  und.  andern  insirnmaiiAW: imneii<h 
det  ^me  ^i^mßfMj  wodurab  aieb  Ara^o  isorMjcsebr^cken 
läGsl«*).  Bin  merkwflrfliger  .wg  M  aMb.  bier  dj«  nonÜH 
/rajre  6ej  $(mm.ftnd  mond, .  wialcbe  •  düe  läfoli  iiMrarsebaueni 
denen  niehta  veRbeimli^M  H^erden  kann.  .  eh^neo  -  .wird  in 
unaerft.  .dentoK^en  mürchen  vioiii  >dein.  3ncheiideA(^e/Wai|if 
hei  ,»9nney  rmmdwA  ^«niM  .  (KM»  jio.  2^  SS.  vgt  3| 
21&  %Hili),  .  bald  .  erscheinen  aie  ',ibilli^ich  .und  miMeiäigi 
bald;  ahen,  grawam  nnd  me^a^bnnfi^easend»:  Uii^pfi  l^nbi^ 
aobM . ;  liedfltn  .  unterhaj^teni  ßißh  mmdi  nj^.^,lfiorffttm$f^rn 
(dnnitaa)  wn.  den  .b^Beb^nbeitafi  4er  wenieheni.(ynk  i}^,^)^ 
Während.  ein«r  v^finatemngnd^r,  mnne  (i^.iKmTsi^abti 


;'  *)  «ÖFgenMalt  1817  >  (5§f,  VgtNieb'uÄr^^^ 

**)  Benj.  BergroaqiiB  nuvpaid.  aireif^r^n^  3f  41.  r^ch.Qeocgü 
al(U»ab,.tihetafi.  p.  189  .^ind  e«  nfifieii^percnainepjtf^TTaoAbP»  ^eii*wie 
mensclieii,  *uo|en  wie  schlangefii  gestaUet, 'dj^.^ioe^e  Jiiii/^  ei^adte^ivbe« 


HDNDiaaiB  tn 

oh  amh  de& inMls)  pflegt  pnan'dkribmMiclB  zu  verMokmi) 
mml  «onü  Hnr  «omer  immin  warri^n  wirde  ^erfL  SSO)« 

Darf  eine  spur  Mir  hbidniittken  mondfeiiitas  darin  ge-^ 
andifc '  .wendeh ,  dafa ) ' man  nr  frenriHNmohiiimg-  >  a«f '« Felsen 
und  Btekie.  das  Wd  deB  moMis  etnhaiien  Uefa?  .  RA.  543 
kf  die'altßiaiiDiaeheiuliiitlde  mos  llSIEr  angegeben,  weieha 
dkne»  bpanch  aoglir  jiaf  ktaig  DagobeH  «orfickteiM.  noob 
in  ncesmiischda  niftunden  .desi.lT  |hi  finde  iah  hiolfmond^ 
admadataine^))^  frifs.  liier  i  Aar:  anadaneh.  haUnatoi  lüdit 
etwas  anders  aussagt.  'w  :     ...  i 

'In<  Bfltern  gibl  eat  einen  Mandseev  ilM,MdmmSö  (hi- 
nie  laeua),'  in  Öshnainh:  eiiien  MAMui  (tana  ailva,  bei 
noleoiands  '^  Aovfia  vk^)\  ihnen  beiden  dfirfan  »"ythisehe! 
benflgeizngetra«!  werden« 

Da  aichr,<naüh  dinn  ihondweohseU  der  aBgenfiHlige 
Wochen  Ifi,  115)  darbietet,,  dte.iceit  kinhter  als  nach  4er 
«oiHte  rheMohnan  kUgi ,  *  no  sohainen  imaerei  ebnen  Bri>ett 
dem  tabiinenjahr  iir  den  genMien  gebfaneh  ein  mondjahir 
gekannt  aM  ; haben , .  dessen  dreinehn'>moBate.  den  zwölfen 
des  sonnenjahrs  entsprachen.  Die  wiederkehrende  periode 
yeih  28.  fagen  hitpft  damhi  m^uAfps,  mdn6d  von*  m^na, 
mln0.  anS'  gleichem  grond  war  ^  netfliMi  ftach-ncte^ 
Im  ZB  zilflen,  nicht  nach,  tagen:-  fnec  dierum  nuroeram' 
sed  necli«»  doikiptttantty  sie 'conetiluuni,  sie 'condiount,  nox 
dneere:  iUera  videtBr\  etnra  wie-  flian  aueh  das  jähr  nach 
dem-  loiMsr  AanMe,  ^dar  -eich  zum  aemtfmer  gtoich  ider 
nnaht  zum  .)tig  verhau  Attef rieten  wurden  nach  siebeta 
Bficbten;    taemebn-  nichlen ,    monaten  und  wintern  anbe^ 

Kervt>n t  hingt  nnniiweiter  ab,  dals  dib  erscheinungen 
des  möitde^  entschtedneh  ^nflufe  auf  'bedeutende  untere 
BthflNiBfen  hatten^'  :daa  isfc  es  was^  Jornuides  cap.  11  /n- 
nae  44fkWHkda  itncofnvfibdnque  nennt  zwar  alle  arbeiten 
und '  'rerrinbtongen  nrarion  .  diirch^  tag  uud  sonnenneil  be- 
dingt^ aowolijidef  hribgei^\  (RA^  297)  ata  der.ktteohte  (das* 
353),  voRsigKoh  Lauch  ^ieriignrichte  (das:.  814M81i6).  Sollte 
hingegdn^fneuehinniliwäehtigeaigepflognB  werden ,' an  iriehH 
tete  man.  aichblMch.i  dem.!»maaNl{  ih»  hn4r.iücl)t  ddn  ainn, 
daja  die -foerafhungbei.  naioht  <jgBhaUißit^  dite*  ihaodiung  hei 
nacht  begonnisü  wurdey  sondeipi  «es  gnechah.  an  tegen,  da*4 
ren  nfichte;  gfttnstigea  mondiidht  hatten.;    feaeunt^  nial 


.  ^  TMkei^iga.nj  tJkr  bte^.  W«lfba   ^ien  4766.    hoHagen  b.  TI^ 
72.  162.       s  •....,  I  .-    '  ..    ...'  ;..•,:    .1  \        ,    .  , 


6V2  UfitNOUGHT 

fortditUfh  et  sabMum:  ineiddRity  certis  JMifff^  >'.qukmf  aki 
ii^ehbahir  iftnaaut' impl9iar.  nam  ageadis  nä)tib'*hocl«w^ 
ßpieatissimum  iniUiiMi  credimt.    Tic»  Germ.  II.):  >   '- 

Dotm  mond.  gewährt  iraii  flwei  bestkmfate  vieM^ 
eintreieide  ersoheinnn^en,  die  in  der  äi^g^füthrtenreftäUe  b0^ 
zeidhuet  simd:  er  beginiit  seiveiif  itiuF^:  odär  Bf  tart  <dio  fiflle 
Heines  Kchts  erreicllt.  voti  fenem  iwnot  as  ttimmti  er  imk 
auHtdvlidi  zu,  ton  dietiem  aiiwunanfhöiück  ab/  «He  iir  der 
mitle  Uegieade*  gestahaii  siaA  fttr  3ie'  Bitinlicfae  wahnt^b«* 
mung  miilder  vei*lässig.  *   :^ 

(Jnsicbibarkeil  des  monds  ist  nur  in  der  einen  inacht 
zWiscbeil  dem  TersdiWtnden'  des  letzte*  and  demiaifgriiil 
jdis^^s/iim  Ttertelsy  liir  neumond  :(derconjoiU;tidn  TcmsonM 
und  niond);  ebenso  besteht  der  voUihmd  tarrVon  xiem  mifi- 
f  enblick  .an^  wo  die  reine  kugeigestirik  siüb>iaui<'der  d^sge- 
wachsnen  ersten  vierteis  entwickeky  bis:  zu  dem  Zeitpunkt/, 
in  welcbemsie  wieder  aufhört.  -DiQ  gedheine  aneieiit  naeh^ 
liet  aber  jene  nox :  iUunis  sßtoH  zu  dem!  iteiu^  lidit  und 
umgekehrt  läfst  sie  die  abnähme  gleich  mit  dem>:  vbihn6ifd 
beginnen«       .  c        .,    .  *  • 

Gothisch  hieis  das  nu^tf^Xfj^ow  fuO^  (gen.  pl.  ftllll^y, 
woraus  man  auch  niuß^s  lör  die  vovfvi^iix  folgern  tderP; 
seltsam  abar  wird  diese  Col;  2,  16  durcb  fatU^s  übertr«*^ 
gen/wes  mir  einblofees  Versebn  und  Hiebt  daraus  erklär* 
bar  scheint,  dafs  defiGotbcrn  der  vollmiond  festlicher 'g«^ 
weisen  w'äre.  Aaeh  ags.  nufe  dieser  ^/fe^'  geafanot  wor*^ 
den  sein,  wie  aus  dem  motiatsndmeH  Tiftterfyilid :folgt ,  de» 
nach  Beda  (de  temp.  rat.  13)  ab  hieine  et.  pienOanio  so 
hiefs.  doch  die  späteren  quellen  geben  nwe  möna  uA&fM 
mdnih  .  vidieieht  galt  ein  ahd.  nfuwid*  und  fifUid'?'  m  be- 
legen;? sind  nur  dfe  neutra  mum4m  uhd  fobndbU^),  Greff 
3)  .2tt  führt  au&erdem  Riwihine  auf;  mhd.  daz  iMarnme 
und  iobnmney  letzteres  steht  Trist  6464;  il086i  \\^\S.     - 

AHn.'  finden  !wir  färf  beid»'  perioden 'die  liäutra  ^nf  ok 
fädy  formelbaA:  alliterierend;  n^  sänimt  zul^^noriluAlutn, 
und  bedeutet  ^%  neue  lieht;  nid  dasniedergehiende,  ab<- 
nehmende,' "ton  'dem  verlornen  'btammi  aita^  -  nad,  dem 
auch  die  panlibeli  nidr  (4leevsum)  hnd  >nid.' {quies,  ahd« 
ginäda)' ängehörtn  nf  ist  ierieo  t^das*  beginnende  erste  vi^ri* 
tei.  bis'  zok*  fülle/  'ttkt  ^He  taeity'wp  di&/  fttUsn  anhebt  za 
sehpriiubrn  bis  zuiki  evlöilbhen'des  behta  im  leteteti  viertel) 


*)  niower  m^no  N.  p't.  80,  4.  föller  miino  ps.  88,  38.  voi  uod 
i^tfit.^lfier)  ir^dco  Cfeip.  le*?.  108  9eVr9iMhi,fiiid..Ca^  lÜT^AtfritiiJ^ 
halbicaftig  und  fol;  Tgl.  Hei.  111,  8  wanod  ohtba  wakM,      .  .<!'    ,.7 


teONDLlCfit  67S 

beide  fi^  und'  nid  stoFsen  an  der  grenze  znsmtimen ,  iwi- 
seilen  den  spitzesten  zdnglein  des  wachsenden  und  schwin- 
denden Scheins,  vorzugsweise  verstand  man  aber  nid  von 
dem  ruhenden  mondlicht  ^interluninm]  und  nidam^tlkr 
bezeichnet  TÖffige  donicellieit  (luna  sflens).  Beide  schufen 
gütige  gOtter  den  mensclien  zur  jahrzühlung:  nf  oli  nUt 
sk6po  irtt  regin  öldum  at  mAV;  Siem.  34«^,  ^Mäfü 
sxfrir  göngu  tAngls  oc  r«dr  nfjum  oe  mSlm\  Sn.  12, 
MAni  lenlci  des  mondes  lauf  und  waltet  Ober  die  neu<- 
monde  und  voHmonde.  wahrscheinlich  trRt  auoh  hier  per- 
s<mification  ins  spiel ,  denn  Nffi  und  iVkfö  Sind  nach  Vd- 
hispd  11  {Smn.  2^)  zwerge,  d.  h.  himmNsi^  g<^ter,  die 
mit  jenen  mondsveränderungen  nf  ok  fii^,  wir  wissen  nicht 
naher  wie,  zusammenhängen  ^.  man  sägt  '^t  gengr  eptlr 
n;^m  ok  nidtom',  res  älternatur,  et'sobit  luntfe*  viees.  all^ 
scbwed.  gesetze  haben  die  formet  ^  oc  nlAiK  für  all- 
zeit ^  unter  jedem  mondwechsel,  Oulaiagh  p.  198.  4  «y 
ok  niddr  Südh.  bygn.  82.  Upl.  vidb.  28,  1.  Yest«.  4hittt. 
22,  i,  bier  seheint  im  zweiten  wort  das  neutr.  auf  gege- 
ben und  ein  f^erstoliehes  masc.  eingetreten,  neusehwed. 
*ny  och  nedam\  dfln.  %  og  nm\  'det  gaanr '  efler  >iis^ 
og  ncBe^y  %verken  i  m/e  elter  nc^j  d.  i.  niMials,  ^iiaar 
myet  tindes',  quando  nova'  luna  incenditur,  altdflni  sagte 
man  für  ne  noch  netf,  need.  jenem  •  nidamyrkr  entspricht 
aber  efn  schwed.  Heiknörk  «^  )tloMkfinster.  Dor  nnrd. 
Sprachgebrauch  weicht  insofern  von  dem  hoehdeuischen 
ab,  dafs  er  die  gfinzlich^  verdunkhing  durch  nid  ausdrockt, 
während  wir  sie  mit  neumond  (d.  i.  n^)  fcezeicknen;  uns 
•steht  nemnond  dem  TOlhnond  gegen&ber,  den  Semdinfl^- 
Ten  nid  dem  n^,*  und  jedes  derseiben  g^lt  für. die  MMIe 
des  mottdiaufs.  seitdem  die  angäbe  des  ersten  und  Ms«> 
teil  viertes  "üblich  ward ,  dienen  voHmond  und  neumond 
blofg  flir  ;die  dazwischen  iieffende  falle  und  leere ,  jelnt 
hat  man  auch  schwed.  MImlne,  dan.  fuldmaane  alz  ge- 
gensatz  zu  nymane,  nymaane  eiftgefflhrt,  wodurch  das  alte 
ned,  nie  entbehrlich  und  ny  etwas  anders  bestimmt  wird  ***). 


*)  nach  Alrlsmal  nehmen  die  Alfar  darom  den  mond  drtafi  (ahd. 
jArxalo?)  S«in.  49b.  .        , 

**)  man  halle  in  nid  ok  n^  das  gr.  cV^  ual  Wa# 
***)  spätere  itilivdftiihe  beneftDODg^ii  Bind  i  Munt  («diwarceB  neu, 
interlaiiiani)  mim  (nora  hiiifa)  atioh  ti)Hi|r0ikt  tdngl;  hMfMutid  tüngl 
(erstet  Tiertel);  fülk  iüngl  (^nilttttivm) ;  MifPr^tid  iüngl  (letfttes  Tier- 
tel).  attelr  kief  sind  die  altea  namen  unnüls  geeioiiie»,  hUmf  vertriu 
nid  and  prim  n^. 

GrimunM  mjfikoL    8*  mmtgmhe,  4u 


iQ74  HPNDLIGHT 

V  Ol^qboa  ahd.  spr^hd^knaie  kern  A^vtraip  ^imiim*), 
julid«  kein  niuipe  darbieten,  so  kai^t  ein«  striche  dem 
nofr^n  nf  ähnliche  form  bestanden  haben,  da  Mart  von 
Amberg  beichtspiegel  ^das  toi  und  das  neu'  und  noch 
Dasypödius  'das  netoe,  interlunium'  auch  Tobler  331^  'das 
neUy  der  wachsende  mond'  angibt,  für ,  den  abnehmenden 
hat  dieser  letztere  404^  ^ntd  si  gehender',  was  an  nt^ 
erinnert,  sonst  au<;h  der  sckwined  mo,  ahd.  diu  swnenta 
mftnin  N.  ps.  88,38,  und  im  gegensatz  diu  foUa.  Aliein  es 
.ist  noch  ein  andrer  weit  verbreiteter  und  vermutlich  alter 
adsdruck  beizifbriogen ,  der  schwankend  für. die  wechseln- 
den pbasen  des  mondlichts,  meistens  für  plenilunium,  zu* 
iweilen  aber  auch  für  interlunium  gebraucht  wird:  mhd. 
uiedel:  'des  mdnen  wedeV  Martina  ISl«',  nhd«  toadelf  wädel 
4iber  mehr  unter  dem  volk  und  bei  den  Jägern,  als  in  der 
.achriflspracl|^.  Pictorius  480,  Stald.  2,  456,  Tobler  4411" 
haben  weiel^  u>ädel  Vollmond,  wädeln  vollmond  werden, 
wann  seine  hörner  zusammenstofsen ,  d.  h.  die  runde  sich 
4iusfüllL  Keisiersp^ergs  postille  138^:  'ietz  so  ist  er  nüw, 
ietz  fol,  ietz  alt,  ietz  die  erst  qvart,  ietz  üe  ander  qvart, 
ielz  ist  eSiWedeFi  hier/werden  vollmond  und  w«dol  aber 
unsicfaer  unterschieden,  deutlich  in  einer  andern  stelle 
Keiserspergs  (Oberlin  1957)  vom  merz:  'wan  es  ist  sein 
toedelj  sein  volmon'.  Dasypodius  'plenilunium^  der  vol- 
mon ,  ioädeF  **).  in  Deutschböhmen  ist  wädel  für  voU- 
>mond  gemeinübUcb ,  andere  merkwürdige  belege  gewährt 
Schm.  4,  22.  Aber  auch  in  NiederdeutsdiliHid  ist  das 
wort  bekannt,  Böhmers  Kant^ow  s.  266  schreibt  wadel^% 
das  brem.  wb.  .5^  166  tcaal  voUnvond  (wie*  aal  f.  adel, 
•sumpf];  Kilian:  toaedelf  Senium  lunae.  nach  d^r  aus«- 
drucks  weise  abergl.  973  sollte  mein  wädel  tür  eine  allg^ 
meine  benennung  des  monds  halten^  sei  er  wacMead  oder 
.abnehmand,  weil  dem  bösen  wädel  nothwendig  ejn  guter, 
im   geschäft   günstiger    entgegeusteht.    ioade^y,  u>edel   be- 


^)  N.  Cap.  100  steht  m^nen  niwiffem.). 

**)  t.  T.  lona  hat  er  aber:  *pleDiluniam  Tollmon  oder  brw^'i 
ehemo^  Bs  T,  brück;  das  bedeutet  abbrucb,  defectus  and  bestiligtt 
dafs  Wir  tom  vollmond  an  die  abnähme  rechnet.  Nach  Mucbars 
Norikum  2,  36  heifst  der  auf  und  abnehmende  mond  der  pesunde 
und  der  kranke  ftumn. 

'**)  hier  heifst  ea  nach.  Ta^itos :  'setzte  keinea  tag  an  anders  waa 
Jiff  den  newen  mon  oder  uff  den  ToUen  aoo,  dan  nach  dem  wtd» 
hielten  sie  es  ynglncklich*.  wadel  begreift  also  beide  phasen  de» 
neuen  und  rollen  monds,  scheint  aber  die  de«  ersten  and  letxteo 
▼iertels  auszuschliefscn.  ,    . 


j 


■ONDLKm 

d«al8l«an.itai  woMmI«,  hin  und  k0fr»b6weglk  toni  gik 
¥oa  sohiReif  deti  Utiisre,  flabraiB^  lbMhiii|,v  ^«»18)  ei 
wird,  entweder  yM  zungA,  tütigl  auf  di^  Sfüse  des  liIrdlK 
ieaden  lichts  zu  bezielmi  oder  der  «lOBd'  das  atn.  «Iiiafniiel 
achiweilende:  geetire  •  sein;  s«  dieser  letisleB  evelegvng  fftgt 
sich  eine  stelle  des  ags.  gedichts  Tt)B>  der  FimeiNnrfer 
scUaeht.j».  14:^nu.8dtneA  f)es  mtea  <ea^0/  ander« Yolonum', 
der  cHter«  den  wölken  wandelnde  'nond,  Vadol  far  Ais 
adj.  vagua, ;  vagabendas  genonanen.  Wahri^beiiiiieh  warde 
sdkon  itas  ahd.  laoderi  auf .  den  mond  Mgewaildt), '  als  adj^ 
ragte  (Graff  1^  776)  oder  als  ssbst.  JDabeltani  ^a8  1,  66!^ 
Da  nun  dieses  subst.  nicht  blofs  flabellum,  (Sondern  attoh 
üaBCiciilas  bedentel,  so  liefse  aiqh  .dib  benennung  endlich 
aiil  deon  btndd  reishoiz  vmrknftpiEen,  .  welches-  .eine^  nach^ 
her  yorzniragettde.  sage  in  die  lecken  des  volhnonds 'yeiv> 
aetst«  ir  ^    :  «;•.     '.;.•••» 

LittL  ,^diifMtt  •' «lenft  nonkiniitBi,  >piAia(ia    plenihmiiiMi^ 
ptupiUs  (ersiai  v^)y  pmdyfi»  (letztes  v.),  iMcacd  (iufasde«- 
ereeoen^^  iärpij6$  (interlnniain )  ren   tarp-^  (iotot);    poSpilit 
hedeaitet    hiibvoU^     puadylis   halbstmpf   uaid  igekött    ai 
delczia,  abstumpfuag ,  abnähme;. ich.  finde  auckdMfta  fwot 
•Joe  (der  leere,  ledige  mond).    letttjiHmi  meknes  noiHldnüMi^ 
pUmi  mehne»  •  fievianrnm ,  mehnei  pmUe  laaa-:acereedens^ 
weioa  m^knes%  hkuü  senescens.  Jinn.  tiMdMinoyUaniüm^ 
iAysSJhitf  pfisnilnninoi,    ptikum  iuna  •aceresodb0:^ll'dMbell;d«H• 
flreeceni,  .gebüdetiitnit.  ail$i  nowis,  tftysi  plentis^>yli,snperiii^ 
da  infßraa,  wiedureh  die  brklirlng   des.aHn, ttiidübeamigt 
wird.     Die  Serben  witerseheiden :  mn  myetu$i(miwiwalnmli 
aiAMliiiai:^ttna  aDcroacens,  idas  erste  {Viertel)^  pwa '  (plenSu»^ 
man),  usMap  (Innaidecreseena).    eloirenv^ mlbj,  miad  {jnn^ 
gea  liohl^  BoVilanim),i|ioAiir  (pienilaaittm)  aikt^  (plenibmiUBi^ 
w«l  aneh  luna  deoresceba  «ndein^ei  münden  aerkusdh^ 
tap  9);   poin.  neiey  böhin.  mowy  (netrihiniufli)'  poln^  peiWI^ 
bMini.  Miiflnek  (flemUifeiidm).     Anoh^  hier  iai  wieder  wahi^ 
zundinien.,  dafs  uniler  i«bheite  ^stammen  MehrfalcAie  ,<  Idbea«* 
digera  busdrttcke  d«r  naüirensöbeinungen  bestehen,   unter 
den  gebildeten! » aber  abstracto ,  eMöianlige  nn^  ileren .  atette 
treten,     ohne  zweifei  besafs  die  deutsche  spräche  in  ihren 
Verschiedpen  anvireigen  Yor  jeiltei;^  noph,  a;i4ere,„|><^nennttngen 

da  miduni.wadek^ .    . '  ...•  n  .. . 

Tacitoa  sagt  klorsdafe  die iGeimanen i ihre tersaddMgen 


\      X     '  .         »■  '        » 


*)  «e«M  mßhm§  der  «to.<9l«a4  ia  eüwr  s AoHiithaat  Mlaiau 
«1  MW  tha  «MiflaM»  lile  yMima  wi'  the  0uki  mmx  ia«  b«f>  mm\ 
Jamieioii  1,  159.    Pertiy  1,  76.    Halliweil  pa67»'je8»in:         .  .     a- 

43* 


tn  MDiDLKan 


sor  ^mä  dM  neuen  >dte  Toilen  «Midt  WelMi^  niehl  eh 

diese  beiden  perioden  für  alle  nnterneliniiinfen  aboe  nnler«**  i 

«cki0d  fleiok  günstig  erachtet  wurden.    Vermsllioh  eigneten  i 

gewieae.  dinge  sich  Ür  den  «enniend,  andere  für  den-  vei^  i 

moody  der  nennand  regle  durch  seine  Mache,  der  velhnend  i 

dwrch  aeiae  füHe  an^.  -  ] 

Caesar  1,  50   hmterhringt  uis  den  nusafh-ueh  weiser 

Irftuen  zu  Ariovists  zeit:   'non  esse  fas  Oermanos  aaperarS)  i 

ai  mUe  nocam  tumam  predio  contendisaent'.     den.  anagaog  i 

der  achlacht  yernintete  man,  wenigstens  in  diesem  hesoadera  j 

{all,  nur  dann  günstig,    wenn  sie  im  neumend  gefochten  ; 

werde.  i 

Soviel  ich  ans  den  spftterm  fiberre^Mi  des  abergbnn    .    . 

bena  schiiefse   ist  der  nemtiumd,   der  auch  Torzugsweiaa  \ 

^beider  herr'  genannt  wardfe  (s.  666),  ftr  eigentliche  beginne  i 

eine  heilbringende  zeit,      ehen  sollen   in   ihm   geachlossen,  { 

hinser  in  ihn  anferbavt  werden,     ^wevani   Iwiam   obser-  i 

vaati.  pro  domo  facienda  ant  conjugiis  sociandis'  (anh.  xxsn),  i 

letaleres  ganz  so  im  ebstn.  abergl.  no.  1.     bei  Benmend  i 

aeli  man  in  ein  nenes  haus  ziehen  (abergl.  ^töd)  dicht  bei  g 

abnehmendem  (496);    im  nenmond    geldzfthlen  (223),  er  i 
aaehrt  den  vormlh  (vgl.  s.  666),  dagegra  schadet,  wenn  er 
kl  Jeeren  bentel  aeheint  (107).     Überall  berscht  die   for- 
Stellung,   dafii  «eid,  eheglOok  nnd  hanssegen,  gloich  de« 
lieht  dea  himnms  wachsen  und  tunehmen  werden.     MiGU 

nnden  geschieht  haar  nnd  nftgeisehnitt  im  neninond  (fiynz.  j 

nbergl.   no.  5 ,  Schötae  holst   id.  3,  68)  damit .  sie  .wieder  ^ 

nachwaebsen;   vieh  wird  im  zunehmenden  liclA  entwMiat  \ 

(no.  757),  im  schwindenden  würde  es  -abmagern;  nsah  litth«  \ 

abergl.  no.  11    soUen  mädchen  in    abnehmendem ,    knabea  ^ 

im  ToUem  Ucht  entw4Mi«t  werden^  wahrseheihlioh  um  jenen  j 

sdhianke,  zierliche,  diesen  aber  atarke  geatatt  zn^  Tetaehafcn.  ] 

Heilsame  krfiuter,  reiner  thau  sind  im  neumand  na  aamihda '  i 

'ton  an  des  mämen  atict  gelesen',  N.Cap.  100  (vgl; 25).,  weü  j 

sie  dann. Mach  and  laater  sind*.     Wean  es  no.  7«4  heibt,  i 

dafs  trannngan  im  vollmond  erfolgen  soNen,  238,  daCi  man  | 
kn  annehmenden  oder  rollen  mond  neue  wohaang  beziehen 


*)  der  netunond  war  alteo  Tölkem  beäondert  heilige,  so  den  Grie- 
chen die  cVj7  Hai  yf«,  was  auch  allein  fv^  =  sanskr.  mmA  (neumotid] 
enadviliAaa.  des  Odjnsteas  röekkehr  watda  zn  disser  aaii  aswartet, 
Od.  14,  1^62: 

sttf  veadMad  nach  frflhKnganacktgleMbe  ist  ftdiaii  Ag^ba»!  ^-vngesetst 
(Sehieiiel  lo  BSm^*.  I.  t9,  2).  wahnoheialieb  lindiite  man  beakeise 
in  diesem  frähKagsnetmisod.  > 


MONOUQHr  679 

y  io  idiaiBl  daiHi  v«llaiM4  fiMe  des  wMhseiidM 
Ijehls ,  obae  mbanb^grif  der  begiaawdeft  abathaie  n  b6» 
deuten.  6all  das  liefera  der  «cbhobl  imiiewiOBd  als  rege^ 
ao  arab  dabei  das  wacbaea  ond  at^gen  des  aiags,  nicht 
daa  abaehaMn,  ertiegen  dea  feindea  ina  enge  gefafia  worden 
aeio  *)» 

Bei  iMttnMd  (im  gegensala  an  aenniMd)  d.  b.  bei  ab» 
nehmendem  lieht  sind  geachfifte  an  Terriehten,  die  Irennnng 
eder  aufldanngy  fklien  eder  erlegen  beabaichtigen.  ae  würde 
a.  b«  eine  ehe  geaehiedeni  ein  hana  abgebrochen^  eine  aeache 
vertrieben  werden  roöaaen  im  abnehmenden  mond,  faUs  ieh 
reoht  yennnte.  Hierher  gehört  die  ?orschrifl  hola  im  wald 
an  flUlen  #enn  wadel  ist,  gleichsam  damit  daa  geAUte  boia 
IrodLne«  in  einem  Strafsbu  1511  bei  Hupfnff  gedmeklen 
aalender:  ^es.ist  gnl  hola  anheben  abznhanen  mit  dea 
mondea  wedel*.  so  wird  noch  in  vielen  neneren  forab* 
bitohem  geiehrt,  der  vollmond  heilet  darum  Mmadel; 
bei  xnnehmendem  mond  (im  böaen  wadel)  aell  man  kein 
hob  aphiagen  (abergl.  no.  973).  Keisersfierg  mensfbL  banm 
Stmbb.  152L  19:  'ea  ist  alwegen  im  wedel  banm  abmi* 
hanwett  und  gewild  an  achieben'  ^*).  graa  im  nenlicht  nichU 
an  mähen  y  sondern  im  veUmond  (Uttb.  abeiyi.  7),  daaril 
dna  heu  aebnell  dOrre?  auch  sohfttae  sind  im  Vollmond 
an  heben.  Wenn  man  bei  wachaendem  mond  federn  in 
ein  bett  füllt,  ae  haften  sie  nicht  (no.  372.  914);  anch  dien 
geschafi  fordert  abnehmendes  licht,  gleiebsam  um  die  ge^ 
rnpfben  federn  vollends  au  ertödten  und  aor  raat  an  bringen. 
Würfe  man  bei  wachsendem  monde  graben  auf,  ao  würden 
sie  bald  wieder  anwaqhs<^n,  grübt  amn  sie  aber  bei  ab* 
nehnaendem,  so  werden  sie  immer  tiefer  und  grölser« 
aderlafa  bei  sehwindem|em  monde  macht,  dsfs  daa  blnt 
abwürts  dringt. und  die  beine  beschwert  (Tobler  404^), 
man  nehme  ihn '  also  bei  wachsendem  oder  steigendem 
lichl  vor.  Yuk  s.  v,  myena  eraüblt,  dafs  Serbinnen  im 
nenuMind  kein  bemd  waschen,  die  ganze  leinwand,  be* 
haaqpten  sie,  würde  aich  im  nasser  vermonden  (oaiijeniti), 
d.  i.  au(bauachen  und  schnell  n^reUsen;  man  könnte  «neb 


*)  ta«  nanmand  JiMreohe*  die  Bhf lens  «ei  gsgrift^t  mead«  dafii 
du  «It  werdest  ond  ich  jung  bleibe!    Thom.  Hiirne  s.  40. 

**)  in  Demerara  wichst  ein  dem  mahagoni  ihnlicher  baom  wa* 
lala  geaannt;  flUt  man  ihn  im  neumond,  so  ist  sein  hole  hart  «nd 
•ehwerapallig,  im  KoUiaoiid  «her  Weieh  und  IbiehlspeWg.'  ecbneidet 
man  hnibnehrttter  im  Aciumend»  so  dauetn*  ik  teho  jnhre,  im  vel^ 
mond#    ae  laalan  sie  hinnea  ciuem  jahi^  i  /  •     ,    .       .  .    >    '  i    i 


C78  HDNDUGHV 

dafür^  itWfr  im'  abiiö¥nieliileti  niond  wasehe  fto  •  hallen  wl, 
4^1  grund  geltend  maehen ,  gleich  dem  achwindendeB  llclil 
ioUetfleeken  und  Unreinheit  weggenommäit  weMen. 

Ich  habe  Tersachl  hinter  abergtffnbiffchen  gebrttuchen 
eisen  sinn  zu  entdecken^  der  tielleicht  nahe  an  ihre  !ir<^ 
sprüngliche  bedeutung  trift.  solche  analogien  zwisdien 
«taicht!  uttd  mittel  waren  wenigstens  dem  «Hertbom  dberall 
tticbt  Mmd;  das  heilige  wasser  schwemmt  alles  nnhteil  mit 
sich  fori  (s.  556),  der  absprang  sprengt  alle  itrankbeit  nb 
(s.  559).  So  stellt  sidi  der  leidende  gegen  den  abnehmen** 
den  mond  und  fleht:  wie  dn  abnimmst  mögen  meine  schmer«^ 
zen  abnehmen  (no.  245) ,  es  kann  aber  aueh ;  in  atidrer 
Wendung,  dem  neumond  zugemferi  werden:  du  magst  zu* 
nehmen^  mein  abel  mag  abnehmen}  (no.  492).  Dm  keli* 
ran  de«  anlUlzes  gegen  das  gestim  halte  teh  /für  eine  s^ur 
fabidnisohrer  mondsverehrung*).  •  ^  i.    . 

Biese  art  des  aberglaunens  iat'  langst  sfehow  in  die  en* 
ferenr-achrawken  des  aefcerbaus-  und  der  Viehzucht  zurück* 
fewlesen^  wir  würdeu  sie  deutlicher  erkennen,  werni  uns 
ihre  anweridung  auf  das  öfferilliehe  leben  aus  dem  aRer- 
thum  gemeldet  wäre,  auf  opfer,  loose/  kriegfihrung  wird 
damals  die  beachtüng  der  mond  Wechsel  mamigfSEN^  einge^ 
'flössen  haben.  Mandhes  erscheint  verwirrt,  weK  wir  nicht 
alle  umstände '  tbefschauen*,  manches  wird  auch  imeh  dM 
'Völkern  verschieden  gewesen  sein.  Des  hansvhters'  tod  ian 
alinehfnenden  mond  gilt  nach  deutschem  abevgt.  (%6)'  für 
eiin  mheA,  man  wähnt/ dafs  nun  das  ganzer  gescMeeht  ab* 
(nehmen  <wer#e ;' die  ehstnisehe  ansieht  (41)  hält  sterbAtle 
im  nmimond  für  unglttcfcbringend,  etwa 'Weil  noch  mehrere 
.Mgen?  Früchte,  die  Mer  der  erde  wachsen,  sind 'in  z«^ 
ntihmendem,  die  uiUer  der  erde,  in  abnehmendem  Heht  zu 
^en  (Jul.  Schiriidt  p.  122);  bei  Westendorp  p.  129  aber: 
4at  frooen  den  grawd  wasi,  by  äfütemende  »tnaau,  dat  onder 
iiaii>'$irufid  Wast,  by  toenemewd»  tnaän 'te  Zfl/aien«  Gulslaf 
^Wöhbandfl  s.  49  vgl.  das  erratum)  bemerkt,  Wenir  der 
meird  iii'  der- faulzeit  (im'  dritten  viertel,  kus  se  kirii  i^Aal) 
•suAie,  solle  «Min  keine  wimersaat  säen:'  Der  satz  in  des 
Eligius  predigt  (s.  xzx):  nee  luna  nova  quisquam  timeat 
aliquid  operis  arripere,  ist  unverständlich,  solange  man 
«ieht  w^ifs,  welche  art  von' Verrichtungen  darunter  gemeint 
wird.  .  .  .    I 


'  •*)  'Wer  d6B  nond  im  spiel  den  rückeo  iNilNrhFt^at.uiigläck''(tMi. 
4bt).  idertse^maiin  aber  htUel  sich  im  «<4iUir  sei«  getieht  4m  n^W^ 
mond  Kuiuwenden,  er  würde  mü  bliBdheitfesohlazea'WerdeBa*w.>i 


^ONiySFLKCkBN  679 

Die  flecken  and  scbatligen'  vertieftangen  im  Uckt  de$ 
voUmondB  haben  bei  mehren  yölkern  seltsame  aber  ähnliche 
mythische  Torstellnngen  hervorgebrachte  dem  indischen 
Tollcsglauben  erscheinen  sie  wie  ein  htue^  nemlich  Chandras, 
der  gotl  des  monds,  trägt  einen  Hasen  (sasd)  und  der 
mond  heifst  darum  sasin  oder  sasfinka  (hasenmahl,  flecken)*). 
Auch  nach  mongolischer  lehre  zeigen  die  mondschatten 
eines  hosen  gestalt  **).  Bokdo  Dschagdschamuni  (andere 
nennen  ihn  Sehigemuni),  der  oberste  regent  des  himmels, 
hatte  sich  einst  in  einen  hctsen  verwandelt,  blors  um  einem 
verhungernden  wandersmann  zur  speise  zu  diehen;  zu 
obren  dieser  tugendhaften  handlung  setzte  Churmusta,  den 
die  Mongolen  als  mfichfigen  tfingäri  verehren,  die  figur 
eines  hasen  in  den  mond.  Folgendes  erzähfen  die  einwoti*- 
ner  von  Ceilon :  wAhrend-  Buddha,-  der  grofse  gott,  als  ein- 
Siedler  auf  erden  weilte,  verirrte  er  sich  eines  tags  im 
wald.  nach  langem  umberwandern  begegnete  er  einem 
hasen y  der  ihn  anredete:  ^kann  ich  dir  nicht  helfen,  schlag 
den  pfad  zur  rechten  band  ein,  ich  will  dich  aus  der  wild* 
nis  geleiten'.  Mank  dir',  versetzte  Buddha,  ^aber  ich  bin 
arm  und  hungrig,  icb  vermag  deine  geßlligkeit  nicht  zu  be- 
lohnen',  ^bist  du  hungrig',  sagte  der  hase,  ^so  zünd^  ein 
feuer  an,  tödte,  brat  und  ifs  mich'.  Buddha  machte  feuer ; 
gleich  hnpfle  der  hase  hinein.  Nun  bewies  Buddha  seine 
|[öttliche  kraft,  rifs  das  thier  aus-  den  flammen  und  ver- 
setzte es  bn  den  mond.  seitdem  ist  in  dem  mond  immer 
ein  hase  zu  sehn  **^.  Der  phantasie  des  Grönländers 
sind  diese  fledken  spuren  der  finger  Haiinas,  womit  sie  den 
schönen  rennthierpe!^  *  des  Anninga  berührte  (Majores  myth. 
taschenb.  1811  p.  15). 

Eine  altn.  fabel  erzählt:  Mini  (der  mönd)  nahm  zwei 
kinder,  Bil  und  Hiuki  von  der  erde  weg,  als  sie  eben 
aus  dem  brunnen  Byrgir  wasser  schöpften  und  den  eim^ 
S»gr  an  der  sjange  Simul  auf  ihren  achseln  trugen.  Diese 
kinder  gehn  hinter  Jem  M&ni  her^  wie  man  noch  yon  der 
erde  aus  sehen  kann  (svft  .sem  siA  mü  af  iördu)^  Sjfi.  13. 
Dafs  hierunter  nicht  die  phasen  des  monds  sondein,  ^ine 
flecken  verstanden  wurden,  folgt  schon  aus  dem  bilde 
selbst,    der:  mondwechsel  kann  nicht  die  vorslellirinf  :i^e%er 


*)  Scfalegsli  ind.  yy.  1,  2t7i     .  .       ^       ,. 

*)  Bergmanns  streifereien  3,  40.  204.    Maien  royth.  ^b.  1,  540. 

*)  Dooce  lAa^tr.  of  Shakspeare  1,  16  aus  dem  mond  eines  fran- 
lAtiiehen  retaeaden,  dem  auf  Ceilon  die  Einwohner  oft  sein' närnrolir 
abgefordert  bitten,  um  damit  den  hasen  im  üotfd  zv  b^lrsrehten«  ' 


1 


660  M0ND6F{4CKBII 


kmder,  mit.  d^m  fpaaernmer  aiuf  ihrm  seMtern  erzeu- 
gen, dazu  kommt  y  dab  das  acliwedische  volk  bis  auf 
heute  zwei  leute,  die  einen  grofsen  eüfwr  auf  der  itange 
amaammen  tragen ,  in  den  mondsflecken  erblickt  %  BU 
war  vermotiich  ein  mädchen,.  HwM  ein  knabe,  und  jeoe 
mag  mit  der  Sn.  39  neben  Sdl  genannten  ftaynja  dieselbe 
aeio;  hier  wird  zwar  Btl  geschrieben  ^  aber  ohne  zurei- 
chenden grund;  das  neutr.  Eil  bedeutet  momentum^  inter- 
stitium»  und  ein  ähnlicher  begrif  würde  für  irgend  eine 
erscheinung  des  monds  schicklich  sein  (vgl.  s.  347  üb^ 
ahd.  pil).  Was  uns  das  wichtigste  scheint ,  aus  dies^ 
heidnischen  einbildung  vom  kinder$teUendem  mondsmaim, 
welche  auch  aufserhalb  dem  Norden  in  ganz  Deutaehland 
uud  vielleicht  weiter  ün  schwang  geweiien  sein  wird^  hat 
sidi  hernach  eine  christliche  modificatian  ergebe^.  Mau 
erzählt,  der  mann  im  mond  sei  ein  holadieb,  der  am  hei- 
ligen Sonntag  unter  der  kirche  waidfrevel  verübt  habe  und 
nun  zur  strafe' in  den  mond  verwünscht  worden  sei:  da 
erscheint  er  mit  axt  auf  dem  rücken  und  reisholabündel 
.(dornwelle)  an  der  hand.  ganz  deutlich  hat  sich  die  wa^ 
serstange  des  heidnischen  märchens  in  den  axtstiel,  der  ge- 
tragene eimer  in  den  dornbusch  umgewandelt;  die  idee 
des  diebstals  wurde  beibehalten,  vorzüglich  aber  heilig- 
•haltung  des  christlichen  feiertags  eingeschärft;  der  mau 
leidet  weniger  strafe  darum,  weil  er  brennhobE  gehauen, 
als  dafs  er  es  sonntags  gethan  hat  **).  die  uhterge- 
iM)hobne  geschichte  stützt  sich  auf  vr  Mos.  15,  32 — 36,  wo 
von  einem  mann  erzählt  ist,  der  am  sabbat  bolz  gelesen 
und  den  die  israelitische  gemeinde  zu  tod  steinigte,  alle« 
ohne  erwähnung  des  monds  und  seiner  fleckeii.  Wann 
diese  fiabel  in  Deutschland  zuerst  erschien  vermag  ich  nicht 
nachzuweisen,  jetzt  ist  sie  fast  allgemein  faerscbend  ***]; 
wäre  die  benennung  des  Vollmonds  loode/,  loed^/,  in  sinn 


_  # 

*)  Dalin  1,158:  meo  finna  fins  den  meoingen  bland  ySralmoge. 
LiDg  «ddoraas  sinnebildslllra  1,78:  lonii  liger  allmfinheteo  i  Södra- 
swerge,  att  nloeDs  flickar  Ire  trenne  jrarelser,  icm  blr«  en  bryggsl 
(brückeneimer). 

**)  nach  einer  weilßliachen  sag«  yeidomte  der  mann  am  Sonn- 
tag die  kirche,  and  wurde  daram  mit  dem  buach  in  den  mond 
versetit 

***)  ein  schönes  lied  davon  hat  Hebel' gedieht^,  amg.  5.  p.  86  — 
89:  *me  het  em  gsait  der  Dietere',  wobei  Sekro.  2,  &)  fragt:  ist 
hier  Dieterich  von  Bern  auf  claesische  weise  in  den.himn^  veraetzt? 
.man  mäste  nur  erst  versichert  sein,  dafs  der  dichljer  den  namen  aii« 
der  tradiUon  empfie^gp    t:  .        .  ..  ... 


MQMIWrLBGKni 


von  rmerbltiMlel^  adbet  ans  ihr  m  erUftren  |8.  675),  sg 
gebtthrl  ihr  schon  ein  hohes  alter.  ToMer  ua  Appeaz» 
spraehsch.  20^  erzahk  foigaiKler  gestaU:  'an  arroa  nia  hat 
alawü  an  aonnti  holz  vfgleaa.  do  hedem  der  liebe  goU 
dwaU  gIoh|  ob  er  lieber  wött  ider  sodd  verbrenaa  iMler 
im  mo  verfrüra,  (andre  sagen:  inn  kalta  nio  ibi|  oder  i 
dhöll  abiy)  do  willer  lieber .  iyin  no  ihi.  dromm  siedma  no 
ieis  an  ma  im  no  inna,  wenns  wedel  ist.  er  bed  a  pü* 
scheu  ttffem  rogga\  Kuhns  märfc.  sagen  no.  27.  104.  130 
liefern  drei  verschiedene  erzfiblungen,  nach  der  einen  soll 
ein  besenbinder  am  sonntag  reiser  gebunden  oder  eine 
Spinnerin  gesponnen,  nach  der  andern  ein  mann  misl  ge* 
breitet,  nach  der  dritten  koblstauden  gestolen  haben  und 
die  gestali  mit  dem  reisbündel,  der  spkidel,  mistgabel  und 
kohlslaude  die  mondflecken  bilden»  Das  erste  mir  bekannle 
M«gnis  liefert  Fischart  Garg,  130^:  'sah im  mon.ein  mätm^ 
Im,  doi  hob  gpMiohkm  hett\  und  noch  bestimmter  sagt 
Praetoritts  weltbeschr.  1,  447:  die  abergläubischen  ieute 
gaben  vor,  -die  schwanen  flecken  im  mondlicht  seien  der 
mann,  der  am  sabbat  holz,  gelesen  und  darüber  ist  gestei«- 
nigt  worden.  Die  holldndkche  volkssage  läfst  den  mann 
gemüse  stehlen ,  mit  dem  *  bundel  osoes'.  auf  den  schultern 
zeigt  er  sich  im  mond  (Westendorp  p.  129).  Ziemlich  alt 
scheint  die  englische  ftberlieferung.  Chaiicer  im  teatament 
of  Creseide  260  —  64  schildert  den  mond  als  lady 
Cynthia : 

her  gite  ws«  gray  and  ful  of  tpoUis  blake» 
and  oo  her  bresl  a  chorU  painiid  fnl  evea 
berina  a  husk  of  thamtM  on  his  bähe 
whiche  for  his  tkeft  might  clime  no  ner  tbe  heren, 

der  dornbnschtrftger  wird  seines  dtebstals  wegen  nicht  in 
den  himmel  gelassen  und  mnfs  im  mond  bleiben.  Ritsons 
andient  songs  (Lond.  1790)  p.35  enthalten  <a  song  üpon  the 
man  in  the  moon^,  welcher  beginnt: 

moo  in  the  mono  stond  and  sCrit» 

OH  99  bat  fnke  m  iwrtin  A«  bere^j 

hit  is  muche  wonder,  that  he  na  doun  slyt, 

for  donteleaie  he  yalle,  he  shoddreht  and  shereth^ 

when  the  forst  freaeth,  mnche  chele  he  byd, 

the  ^omsi  beth  kene,  m  kommen  io  «efwfll» 

auf  einer  traggabel  schleppt  er,  zitternd  tor  kfilt#,  eine 
last  dömerj  die  ihm^das  gewänd  aerreifiien,  er  hat  sfe*  ge-^ 


•  *)  im  Henaebergiieheii  bedeutet  mmmM  reia^,  geboadoe  mawiJle, 
anmal  fon  tffinensweigtny.iofiMfi  reiihoU  a^achen  (Reiowald  2,137), 
naa  freilich  aeeh  daher  ruhi^n  ka«n,  daDi  man  im  ToUrnead  hok 
haut.  it . .  .    •  "'  ' .    '.  t'^  * 


hauen  uitd  ist  Tom larhOter  g^fündet' worden;  das  schwere, 
oft  tifiversifindliche  lied  stellt  ihn  als  foulen  alten  dar,  der 
bald  stille  steht,  bald  fortschreitet  (strit)  und  dazu  betrun- 
ken ist :  ief  sonnlagsentweihung  wird  nicht  gedacht.  Shak- 
speare  redet  einigemal  von  dem  mann  im  mond,  seinem 
hund  und  seinem  dornbusch:  tempest  2,  2.  I  was.  the  man 
in  th*  moon,  when  time  was  ....  I  have  Seen  thee  in 
her,  and  I  do  adore  thee,  my  mistrefs  shewd  me  thee  and 
thy  dog  and  thy  bush,  midsummem.  3,  1 :  one  must  come 
in  with  a  bu8h  of  tkoms  and  a  lanthorn  and  say  he  come 
!o  present  the  person  of  moonshine.  auch  bei  Grypbios 
bindet  der  den  mond  vorstellende  Schauspieler  einen  busch 
um  den  leib*). 

Zwei  andere  abweichende  deutungen  der  mondsflecken 
haben  gleichfalls  biblische  anknüpfung.  Einmal  soll  es 
Isaac  sein ,  der  ein  bündel  hob  selbst  zu  seiner  opfcmng 
auf  den  borg  Moria  trägt  **).  dann  aber  Kain,  mit  einer 
bürde  dornen  auf  den  schultern^  um  gott  dem  herm  die 
geringste  gäbe  seines  feldes  darzubringen  **^).  bierfttr 
^engt  schon  Dante,  parad.  2,  50: 

che  sdno  i  9egni  Imi 
di  questo  corpo,  che  laggiuso  in  terra 
fan  di  Cam  favoleggiare  altrui? 
und  inferno  20,  126:  Caino  e  le  spme. 
Landino  sagt  zu  dieser   stelle :   'cioö  la  luna ,    nella  quäle  i 
volgari  vedendo  una  certa  ombra,  credono  che  sia  Caino, 
c'habbia  in  ßpalla  una  forcata  di  pruni,'  ein  atidrer  commen- 
tator:  'accomodandosi  alla  favola  del  volgo,  chesieno  quelle 
macchie  Caino,  che  inahi  una  forcata  di  spine'. 

Alle  diese  auslegungen  treifen  darin  tiberein,  dafs  sie 
eine  menschengestalt  in  den  mondsflecken  annehmen,  die 
etwas  auf  der  Schulter  trägt,  sei  es  den  ht^ep,  die  stange 
mit  dem  eimer,  die  axt  mit  den  dornen,  oder  die  b^efse 
dornenlast  •**•). 

Es  mufs  noch  andere  ttberüefeningen  gtigeben  «haben. 


*]  Tgl.  das  iriiche  elfeDmärcfaen  oo.  20. 

')  Praelorius  weltbesohn  1,  447. 

*)  auf  die  bekehrten  Beiden  soheint  die  sage  Y«n  dem  ersten 
brudermörder  VDriöglioh  tiefien  eindruck  jemaeht  lubab^ii;  sieden* 
ken  sich  ihn  als  einen  bösen  riesen,  Tgl.  BeoT.  213  ff.  and  oben  8.492. 

****)  das  dem  nofd.  mythns  wesentliche  wasser  fehlt  in  der  sa^e 
Tom  mann  mit  dem  dornbusch,  findet  sich  aherwiederin  einer krai- 
neritfchen  («•  I.  statt  kranierischen),  i«/elcbe  Brentanos  Libnssa  s.  421 
anföhrt:  der  mann  im  moHde  herfst  Kothar  und  m4eht  ihn  dtfrch 
wasaergiefaen  wachsen. 


.ifii 


monmrlsgkbn;  ^mhinb  tss 

ein  iiiederMnd.   diehlef  iwB  14  jhi  reSet  y^n^  dM '  Airiielii 
streifen,  'wteMie  steiieii . 

recht  int  midden  van  der  mane,  i    •. 

dttmen  in  doitaohe  beet  kkhrg^er; 
an  einer  andern  stelle  heifat  es  kndegher^)  (iendegher  ?)  mid 
Wülema  (oMsaager  deGand  I,  195)  liest  nach  einer  hs.  von 
1351  'dat  inen  in  dietsch  \iee%  Mkgeet' ;  mir  ist  keine  dieser 
formen  veratAndlieh ,  vielleicht  liegl  der  eigenname  Ludg^ 
(abd.  Li«tk^  Leodegarius  im.  sfnei  and  eiiie  jelst  ver«^ 
schellene  sage  des  mittelaUers.  Eine  schtae  geiMicbe, 
gewis  nicht  von  ihm  ersonnene  deotung  überliererl  ms 
Berlhold  145:  der  mond  sei  Maria  Magdalena,  die  flecken 
seien  ihre  renig  vergossenen  zihren. 

Geringeren  einflufs  auf  abergiftubische  vorstelinngen  und 
gebfftncbe  als  der  mond  hat  die  MMme.  zauberkrilftige 
krfiater  müssen  y  wo  nicht  bei  mondschein,  wenigstens  vor 
tümendmfgang  gebrochen  werden  (s.  588),  heilbriirgende 
Wasser  vor  Sonmtmawfgan§  geschöpft  (s.  953). '  Die  anf« 
steigende  sonne  versebeucht  aNeh  sauber,  und  swingl  die 
geister  in  ihre  unterirdische  wohnunf . 

Zweimal  des  jalrrs  wendet  dte  sonnfe  ihren  lauf,  im 
Sommer  um  zu  sinken ,  mi  winter  um  zu  steigen,  diese 
tonmoenden  begieng  das  heidenthum  feieriichst,  von  dem 
sommerlicben  fest  sind  noch  jetzt  die  Johahnisfeuer  übrig 
(s.5^ff.).  Je  höher  in  Norden  hinauf,  desto  stärkeren  ein* 
druck  mäste  jedes  selstüium  hervorbringen,  zui»  zeit  des 
sommerlichen  herseht  fhst  bestfindiger  tag,  zu  der  zeit  des 
winterlichen  beständige  nacht  Schon  Prooop  (ed.  bon». 
2,  206)  beschreibt  es,  wie  nach  ihren  85  tagen  nacht  die 
Thuliten  berggipfel  erklimmen  und  die  nähende  soiifie»  et^- 
spähen.     dann  feiern  sie  ihr  heiligstes  fest. 

Tacitus  meldet  (cap.  45),  Aber  die  Suionen '  hinaufwäi^ 
lasse  die  untergegangene  sonne  so'  lichten  glänz  ^ hinter 
sich ,  dafs  er  bis  zum  morgen  die  Sterne  bleiche,  iomm 
insuper  Miftri,  farmat  deanm  et  radioe  capUk  uepieiy 
persuasio  adjicit.  Diese  stelle  hätte  ich  cap.  6  für  das  4e^ 
sein  germkniscber  gOtter  geltend  gemacht,  wenn  mir  nicht 
glaublich  sChienre,  dafs  dergleichen  nachricbten  zu  den  Rd-^ 

I  • 

~^— ^—  -    ir         , -  '  -        -   - 

*)  Tan  Wyn  afondstondea  1,  306.  Büderdijh  TetUaren4le  g^ 
•UtthUigai  der-BaamwaorttMi  1^108  hat  Mb^eer«  Mi^aar  ond.  deutet, 
Mhcr  falsdh,  luikeMar  .(leodiamia)«  äbrigeiui  btiiahle^.ar  die  hfh- 
kannte  fabel:  *t  mannetjen  in  de  maan,  dat  gezegd  ward  een  doorn- 
botch  .op  zijn  rüg  te  hebben,  en  om  dat  hj't  gestolen  had,  niet  hoo- 
cer  ten  hemel  te  mögen  ophümmen ,  ntsar  daar  ingehannen  te  zijn. 
dai  leUte  wie  b^i  Ghaaceri'"'''''   '        '    "'>   >  •»    "  '  -i  "* 


6M  ../SONNR    GBSTUOK  ! 

mem  .wwiter  ms  De«t$chiaiiH  Mibsl  gedrnngen,  ii«4iii«h 
allgemeinere  reisesagen  unter  ihoM  veritMiM  waren. 
Strabo  3,  1  (Tsch,  1,^GB)  f&hrt  ans  Ponidofliiii  eine  sehr 
ihniiche  erzftUttitg  to«  4en  tauiehen  der  unitrgehenden 
Bornm  in  dem  meer  xwischen  Spanien  n«4  Africa  aa: 
fitiC^  SvPBtP  vor  ^Xiop  i¥  vp  nap»X6ttPivtdi  pn9%oi  ypaifW 
nuQanXfiaiwc,  wffavii  oi'föfrvef  tw  nBljüfWfC  nttta  ofliaif 
•vvot;  dia  %6  ifinintetp  «/c  vor  ßv&ov*  aber  auch  an- 
ter den  Deutschen  icann  schon  dtunnb  die  meinnng  ter- 
breitet  gewesen  sein;  die  airdUsiicfefi  käwpter^  gleidisani 
ein  heiKgenschein ,  wmrden  s.  300  erörtert,  im  folgenden 
cap.  will  ich  diesen  wunderbaren  klang  der  auf  und  nntec* 
gehenden  sonne  weiter  besprechen."  Merkwürdig  ist  aock 
tn  dem  alten  ags.  iwlegesprieb  swiaeiieii  Satarn  nnd  Sa*- 
lomon  (Thorpes.anak  p.  100)  die  deutung  der  abend  and 
morgenröthe:  'saga  me  forhvan  byd  aeo  aunne  redd  oi 
mfen  T  4c  f>e  secge ,  fotrf^n  hee  locad  on  helle',  'saga 
mOy  hvt  sctned  heo  svft  reide  en  morgemV  'ie  {»e  secgc» 
fdr[>on  hyre  tvynad  hyäder  heo  mfig  {^  «e  m#g  f^isne 
middaneard  eondsctnan  avA  hyre  bet^iden  is'.  abends  ist 
sie  roth ,  weil  sie  aar  hölle  blicht ,  morgens  in  der  ^nge- 
Wiskeit,  ob  sie  ihren  lauf  vollführen  möge« 

Nicht  blofs  von  softne  und  mond,  auch  von  den  ähri- 
gea  Sternen  hatte  das  heidnische  alterthum  vieUaebe  künde 
und  sage.  Jornandes  fiofserung  (cap.  11)  ist  doch  merk- 
würdig,  dafs  den  Gotben  schon  an  Syllas  seit  unter  Pice- 
naeus  aufser  den  planeten  und  hhnmelszeichen  344  stern^ 
die  von  aufgang  nach  Untergang  rennen,  bekannt  gewesen 
seien,  wie  wenige  wissen  wir  heute  mit  deutschen  namen 
EU  nennen  I 

Der  volksgloabe  denkt  sich  die  gesiime  in  beniehang 
auf  den  einzelnen  mischen  hold  oder  feindlich*),  wel- 
che eonatellation  ihm.  hei  der  gehurt  leuchtete,  die  niaunt 
ihn  aein  ganzes  leben  hindurch  unter  ihren  scbnis;  das 
belfiil:  «nter  einem  guten,  glücklichen  atern  geboren  wer- 
den, aus  dieser  riehtung  und  diesem  einverstilndnis  wal- 
tender gestirne  wird  das  Schicksal  geweissegt.  Umgekehrt, 
doch  schwerlich  aus  heimischer  quelle,  wird  Renner  10984 
gesagt,  jeder  stern  habe  einen  engel,  der  ihn  an  die  Stätte 
weise,  da  er  hingehen  solle« 

Es  ist  fromme  gewobnheit  abends  beim  sobhfengehen 
die  leuchtenden  gestirne   zu   grüfsen  (abergl.  112),    oder 

*)       iweai  die  ttera^n  w?r4eat  -^m, 

depa  irirt  d«r  noAp»  Übte  sUaim    Frid.  108,  \   .,. 


wenn  4ir  tbmdAeni  anl^hl  dn  flnebel  m  veitiiMeii  (nen-^ 
griediiseht  sille).       ' 

Ntcb  der  edd»  wnsnm  alte  fMirn^  feoerftinken  ms 
M aspelUheite ,  die  in  dem  lanrtum  bei^omflogen ,  bia  ihnen 
die  gfider  sitn  und  geng  anwiesen.    'Sn.  9;  Ssm^  1. 

Entzitndete  dMele,  weteke  b^i  tpestirntein  himmel,  km^ 
rigen  faden  gleMi,  schneH  dnrdi  die  hiiti  niederfallen,  lat. 
Imjeclio  «leHae,  Stella  trans?oians,  ital.  stelle  cadente, 
iranz.  Steile  fitanle,  Span,  esirella  Taga,  scbwed.  sljernfatt; 
din.  slirnknd,  'Was  die  Griechen  itafetp  (tberfttbren,  tn^ 
jtcere)  nennen ,  weNen  bei  uns  von  dem  velk  einem  xei^ 
nig'en  des  atenilichts  sugescbrteben:  sie  gleichen  dem  fever^ 
ftaken,  den  »man  von  einem  gepntsten  lieht  niederwirft» 
s<^n  WoMram  sagt  Wh.  322,  18 

dehein  Sterne  ist  s6  lieht, 
ern  /lirAe  sich  etsweime.  *) 
daher  noeh  heute:  die  Sterne  patzen,  schneutzen  sich,  im 
subst  wien^mtaef  iiemschmippe.  Diese  fsHenden  Sterne 
sind  vorbedeutsam  **),  wer  sie  erblickt,  soll  eili  gebet  spre* 
chen  (abergt^  S95);  dem  armen  midehen  fallen  geldstacke 
dantil  herunter  (iOf.  wa.  153),  ja  was  man  wOnscht,  wah- 
rend die  eehn«M»e  ainkt,  wird  erfallt  ^Toblei"  408^).  SehM 
Terein%l  der  iitth.  roythus  die  Mlenden  sierne  mit  der 
sage  vom  Schicksal:  die  lOequifM  (Spinnerin)  beginnt  den 
faden  der  nengebomen  menacben  am  himmel  au  spinnen 
nad  jeder  faden  endet  in  einen  stem.  mrtit  iiun  der  ted 
des  menschen,  so  reifst  sein  faden  und  4er  stem  fUH  erw 
bleichend  nieder.    Narbutt  1,  71. 

Der  eomet  beifsl  acAioe^Msm,  haanüsm,  audi  pfnnen- 
tekwam  (9etm.  1 ,  927)*  sein  schWeif  bei  Delmar  1 ,  242 
sdUfisdbeee,  von  schof  strehbandel,  sein  erschehien  ktndet 
geiibnrolle:  ereignisae,  zumal  kMgs  tod  (Greg,  tun  4,  9): 
^nwn  sftt  an  der  ztl  einen  sierren,  sam  einen  pfamen  »agei 
wtty  eö  mftezen  siben  saohen  in  der  werlt  ergAn',  HfsH.  3, 4^. 

Die  überKeferimg  anseres  heidenthums  von  einzelnen 
gestiraen  ist  grOfatentbeils  versch(rflen  und  selbst  die  na- 
mtm  sind  dnrcb  gelehrtastronomische  benennungen  fast 
verdsingt  werden :  •  nur  wenige  haben  sieb  in  altn.  sage, 
oder  unter  den»,  genieinen  vo{k  erhalten  können; 

Ob  die  plannten  nach  den  gnofsen  jgöttem  genannt  wa- 


*)  D.  liest  *iifthere  sich',    schon  ahd.  farban  (maodare,  expiare). 
*^  bat  dem  Gnaden  (Reinh.  Aioha  p.>uxit);    inr<eliieai' gedieht 
Ton  B^rangev;    «mos  «nlanlt  mi  ^orlel  «cpire,  ton  Stotte  tonbe  k 
l'insUni'. 


]!eii^.wM|0fffi  wir,  mhU  es  M  keifte,  jpwr  :4iwn!.aiiffilri>1iM, 
selbst  nicht  im  Norden,  planetarische  tagminient .  soheiBMi 
wiewohl  sehr  frühe,  ms  der  fremde  eiAgefahri  (&  111  ff). 
An  sich  ist  es  kaum '  denkbar ,  dafs  die  Heiden ,  wann 
sie  ein3eln0..  &x$iewe  durch  eigentbümlicbe  beoennua- 
gen  hervorhoben,  nicht  tm^k  die  .namideisteniev.  deren 
ersch^ftüng  und  Wechsel  weit  niehf  ins  ange  fiel,  htltten 
unterscheiden  und  benennen  sollen.  Die  abeadliehe  und 
morgenliche  Venus  heiTst  obendHemf  .  morgemiefn,  ahd. 
äp^nistemoy  tagastemo,  wie  im  lat.  vesper  ind  Ineifer*). 
iunhekUrme  Ms.  1  ^  ^^  soheitit  vespemgq ,  der  in  der 
dümmerung  aufleuchtende  abendstern,  vgl.  gmmm.  2,  526. 
ahd.  yhU>9temo  morgienstern  N.  Bth.  223  von  uht&,  gnth. 
uhtvö  crepusculum.  gl.  trev.  22*^  h^ben  ttelböm  hesperas, 
das  ist  Stellbaum,  die  Stange  d^s  vegelstellera?  doch  gilt 
Rol.  240,  27  ^die  urmAren  «to/boifflte'  veil  den  Sternen  über- 
haupt, ~und  da  allem  gestirn  stul  und  gestell  beigelegt. wird 
(s.  663)  y  so  darf  man  stelboum,  atalhoum  mit  diesem  aU<- 
gemeinen  begrif  verbinden«  mythischer  gemeint  ist.  viel«^ 
teicht  der  name  naktfare  für  abendstern  (Hdumanni  opuacw 
453.460),  wie  sonst  die.  nachts  ausfahrende  weise  frau odm- 
hexe  heifst.  Den  Angelsachsen  hiefs  -der  a^ndslem  9t4mm 
$ieorra  (bubulcorum.  atella)^  weil  die  hirteft^>  sobald  er 
auCgieog,  heimtrieban.  übrigens  wird  (K  iv.  9,  24.Ghri8tii8 
der  sonne,  die  aptoatel  dea.eiif  tageslemen'  vergliohen; 
hier  sind  dagMerren  nicihtr  soMrohl  lucifeni  als  die  bisH 
melsaeicben^  Vik  den  polaratern  gibt  et  keine  eiaheimi- 
sehe  namen.  ....-;. 

Zweier  geatirne  iffsprung  wird  in  der  edda-  gemeldet, 
aber  niemand  weifs  jetat ,  welche .  constellalkMi  darniAer 
gememt  ist«  die  sage  ton  OrwuuiUbtä  >  und  daa  ags.  Eoß^ 
ren(kl,  ahd.  OreniU  wurde  s..r..348  angeführt;  vieileieht 
weiote  dies  helle  Hobt  den  margenstern.  Dann  hatten  die 
üBen  den  riesen  Thiassi  getödtet  und  musten.  ihn  seiner 
loobter  Skadi^  hüfsea«.  Odinir  nahm  des  Thiaasi  augeü  und 
warf  sie  an  den  himmei,  wo  sie  zwei  aterne  bildeten.  Sn* 
62.  83.  dieae  amgu  Thia^tk,  mögen  awei  dieht  nebeuMK 
ander  etehende  aterne  sein,  an  Ucht  «nd  igrdfse  gleioh,  etf- 
wa  die  zwÄHinge?  aügieich  bestütigii.sicb  hier  jener  »h- 
sammenhang  der  sterne  mit  den  augen^  und  die  gen  him- 
mel    versetzte   ^he  ist .  den  zungen  und  dem  bezug   der 


*)  Ib  einem  alten  kircbeBlied  wM  dem  Leoiler  ein  wsgeor  bei- 
aelegU  Gunas  jam  poaeit  phoapherus  {nita  fin  feig6t  iagsstern) 
hymn.  2i  3. 


leibflgüeder  m^  dw  mtMoeosnm  (0.  634)  TöUig.  ange- 
messan. 

Von  der  milchsirßfse  «nd  ihiwr  besiehoag  auf  /raii» 
habe  ich  s.  930-332  gehaDdelt. 

Unier  allen  fixaternen  nua^ea  himmela  treten  in  der 
änachanung  dea  Yolka^  drei  beryor:  ursa  major,  Orion  und 
die  Plejaden.  fttr  aie  ailmtlicb  gibt  ea  auch  noch  einheimi- 
ache  namen,  ich  werde  «igleich  die  slaviacben,  litthaaiscben 
und  finnischen  benennungen  anführen,  da  dieae  Völker  ge- 
radeao  dieaelben  sterne  auszeichnen. 

Der  grofse  hAr  hiefs  wol  schon  vor  der  bekehrung 
unaern  vorfahren  toagem;  ein  name,  der  ihnen  unentlehnt 
mit  unverwaiidlen  Völkern  gemein  war,  darum  dauert  er 
noch  bis  heute,  als  der  vplksmftfsige  fort;  man  erzfthlt  mit* 
ternachts  zwölf  ubr  drehe  sich  der  wagen  mit  grofsem  ge- 
riusch  nnt  in  der  Schweiz  der  aberglaube  (Tobler  264*) : 
wenn  Aetherrawaga  nieder  steht,  so  gibts  wolfeil  brot, 
steht  er  hoch,  theures.  0.  V.  17,  29  setzt  den  pl.  ^Boga^ 
nd  gistelU,  weil  er  den  grofsen  und  kleinen  wagen  zu** 
gleich  aasdrücken  will,  letztern  (die  ursa  minor)  nennt 
Berthold  das  lo^igelm^).  'des  i»a§ene$  gerikte'  Wackenu  Ib. 
608,  10.  das  bild  gründet  sich  auf  lebendige  betrach* 
tung  der  colisteUatioQ,  deren  chrel^iiag  UberaU  vier  rfider  und 
.eine  abstehende  fiMcAse/(temo).erkeflaa|i  Uisl^  weshalb  aiich 
die.  Angelsachsen  zuweilen  blofis  ^l  setzen,  fHBnet  pUla 
Boeth.  Rawliiy.  192^  belege  sind.  's.  138,  xuAd  gründe 
angegeben  für. die  Vermutung,  dajb  WnoitaftSi  des  höch- 
sten goltes  w;agen ,  gemaint  sei.  zvirar  besieht  eine  all- 
schwed.  Chronik  den  scWad..  niaocini  karhoagM  avf  Thörr, 
der  seinm  wftgeia  j^eateigend  diß  sieben  sterne  in  der 
band  hatte  (Thor  statt  nahen  som  ett  barn ,  siu  atiernor  i 
banden  och  fiarLawagn))  und  ich. will  dies  nicht  entschie- 
den leugnen;  doch  i^rerien  gerade  wuotanische  sagen  auf 
den  frünkiscben  Karl  angewandt  (a.  139).  Wenn  gl.  Jun. 
188  Arturns  wagan  verdeutscht  wird  (gL  Hrab«  95l>  aber 
arctus:  wagan- m  Mmls),  so  erklilrt  sich  das  aus  naher 
berührnng  jenes  Sterns  mit  dem  schwänz  des  grofsen  bi- 
ren,   wie  sie  schon  der  name  agmaigoe  zeigt  ^.    Obrir 


*)  ich  hin  deo  glanien  JUmehDogen  und  dai  gettiroe  begehen. 
Trsj.  Idfil^.  obrissM  kann  ei  mehrere  himel wagen  ^ebeo,  wie  es 
Tiele  göUer  mit  wagea  gibt  ao  aagl^au^ib  CerTantea  in  eime^  liede 
äer  gilanilla  (p.  m.  11):  ai  en  el  oielo  hajr  estrellas »  f|ae  lueiänim 
curros  formao« 

**)  dgttro^ijlai ,   wagenhoter;     yon   ihm  eraihll  die  griech.  fabel 
mancherlei.    Arctaroa  .fleht  im  ,mfJien  dea  Bootea.ivid- wird  snwei- 


^tM  haben  niederlitidisdlia  stfliAe  (Aiitwei^en  mid  Gro- 
ningen} die  Sterne  des  grofsen  oder  kleinen  baren  auf  ük 
ren  siegeln*),  und  in  Bngland  mall  man  das  'Siebengestirn 
auf  das  bild  der  weinhäuser. 

•Den  Oriechen  waren  beMe  benennnngen  gelfiufigj 
agnrog  (nrga)  und  afia^a^  den  Römern  ütmi  und  flmt" 
strum^  daneben  noch  septentrio  (yonirio,  pflugochs)  oder 
Beptentriones.  Franzi,  char,  ckam&i^  ital.  span.  carro. 
Poln.  uxn  (planstrnm)  ^r^oz  niebieslri  (hfmmelWägen),  b5bm. 
tD09  und  daneben  ogka  (deichse),  sonst  ög/Wc^)  tat  Boo* 
tes;  den  iHyrischen  Staveii  kola,  pl.  von  kolo^  rad,  also 
rftder,  4.  b.  wagen,  ich  finde  aber  auch  kola  rodina  und  ^ 
rodokola  ••) ,  worin  mir  der  beisats  rodina  und  rodo  un-  * 
deutlich  ist;  litth.  gryiulio  raUy  gryido  rats,  yon  rstas 
(rota) ,  das  erste,  von  Mieicke  unerklärte  wort  mufs  den  be- 
grif  wagen  oder  himmel  enthalten  *••) ;  lett.  raM,  d.  h.  rii- 
ddr)  ehstn.  toankri  iähhed^  d.  i.  wagensterne,  von  w«nker 
(currus);  ungr.  gönt%öl  s^kere^  von  saseker  (currns],  das 
erste  wort  erklärt  aber  die  Hungaria  in  parabolis  p.  46 
aus  einem  mythischen  Göntzöl,  welcher  ihr  erster  wagner 
gewesen  sei.  Die  Finnen  abweichend  (Mma,  was  sonst 
hichsnetz  bedeutet. 

Niemals,  weder  in  altd.  sprachdenkmflfefll,  noch  bei 
Slaven,  Litthauern,  Finnen  die  von  dem  thier  (nrsa)  her- 
röhrende benennung,  obschon  get'ad^  diese  Völker  den  Mir 
in  sage  «md  vielleicht  in  cultus  auszeichneten  (s.  683). 

Den  carr»  menor  h^sen  die  spanischen  hirten  boma 
(hiefhom.)  •••♦)  die  ftttnder  aber  /lo»afteiNir  *  top«  (ineHr- 
Weiber  am  Wnintel).    Bidm  s.  v. 

¥on  dem  kleinen  ka«m  sichtbaren  Stern  über  dem  mit- 
telsfen  iii  der  deichsd  de?  wagefis  gehn  aber  noch  be- 
sondere sagen,  er  beifst  /kAmoftn,  knechte  in  Kiedw- 
deutttchland  äämeke  (daomchen/  dfiumlefn,  zwerg),  osnabr. 
Mhike.  meklenb.  dkmring,  in  Bdisteint  ^Htms  DOmken, 
Bans  Dümkt  siU  opm'wagn'.  man  erzMtl:*  ein  fabrmann 
f^hr   einmal   unsern  heilend,    der  versprach  ihm  zum  löhn 

das  himmelreich;   der  fuhrmtonn  aber  sagte,  er  wolle  Ne- 

>>■     t       '*  ■■' ' '  ■ ' 

leo    tör  Bootei    selbst    geiiommeD.     eioe  ahd.  gloase  DiuL  1,  167* 
acheint  Bootes  durch  stuffala  in  äbersetzeo,  was  aoerhört  ist. 
'  •)  messager  de  Gaiid  3,  339.  '*  i 

^  in  der  la  Ofen  1831  gedihidkteQ  lyosfrisohM  bih^l  3,  f54. 
ftS.  töda  heifit  bei  Vak  storck  und  daron  irfrd  das  tdj.  roün  ga- 
%ilder,  aber  was  tdit  dM?    rodä  seheiot  wiederuanf  röta,  rad.  - 

***)  die  litth.  bibel,  Königsb.  1816   hat  Hiob  9,9  ^o  «eslmmü^t 
und  wezimmaiT  ist  wagen. 

7  D<m  Qttttote  !,  20  (ed.  fdelar  1,  2te  rgl.  5,  2*1 ). 


Imt:  in  ewifflMil**  fahren  vmh  an^Mg  bis  ku  nMlar^AII^  (Wie 
4»  wild«  ^er  in  niwIgbBit  Kn<jag«»  wOnsebQ.  -  ^tfit'^b^^i^ 
fehroii' wurde  erfillt,  der  wagen  BteM  am  hfnmiel  «od  der 
oberale  i^en  den  drei  deicheelMmen,  der  pogeawniiie'  reiter 
igt  der  fWwmann.  wahrseheinlicli  fabcüte»  sobondie  HeMe« 
ÜMlioliee  tnm  einem  lenker  des  Wvo'tanawagens.  Job.  Prae» 
idünä  de'SMpecia  poK  dednraitienei  •«Lipa.  l&TS  p.-8flk: 
^  bano  alellaat  non  .praetMiaaenly  ettavAsi  minor  quam 
iker^  dto  km^tichigm^j  dw  Mmek»,  dag>  ratfferAabi ,  ftnaeto^ 
|M  fuiarai'y  und  derselbe  vom  diebadanmen  p.  i40:  ^H'^ 
bah  de  p9iUean  arnnga^  dmneke^  fithrmmf;  ^  die  eiiiBtMM- 
mende  «Morg^nlandiseke'  voMellnn^  von  deai  fahrmann  in 
(HidMi  alernbiU  ergibt  sieh  ana  Niebohra  Arabtea^,  «nd 
der  nngruache*  £fämtM  scheini  ibm  ganz  Verwandt;  «nel 
die  griech.^^  aapjie  Ulfst  Zeoe  den  Ertoktkbmms ,  efaiaii  wagen- 
lenher  (f^Wa^oi*) .  oder  wagenerfinder  unter  die  aleme 
TMetien;  nur.  iftahl  er  ntebl  in  dem  groraen  Mir  aon-» 
4Bm.,in  dermihihstrarae  awiacban  Peraeaa'«  und<  den  zvAU 
fingen,  da^  bAhan«  farmäneky  w&mOmff  (aurign);  oder  pomamtf 
bedeitfen  .rnnk  Jungm.  1,  650.  d/  401  AreMruS)  Booiea 
«Ml  BiichtlMHiins;  doeh  .aloven.  «oU-  hmvor  ißmko^'^* 
hmk  ^29*)  und  bmifnk  den  fnhrmann  und  pelanKem  be»^ 
Mifteen. 

Das  bnad  beiglilnfeelider  alenae^  wdlcbea  die  CMeeben 
»  dam  bfld  des  Oriom  f)  viaaanlaMd,  fübrte  mebi«re 
deatsohebeaennnngen,  denn  grttnd'ttas  jettt  niaiit  immea 
Uar  iat  lünnal  belften  die.  dir«. nebeneinander  gereUM 
ten,  d^.  gartet  OrioM.  bitdienden  akeme  in  Senndlnavieil 
MggftinifBclar,  Fr%§ger^k  (oben  a.  848»  87(>>}  naeb  aMer 
WMleutnng  auf  Maria  augleinh  HarMireAs  JfarAooi  (bM. 
Peter  Syv  in  den  ddnäbe  digMu . iniddribld.  1,  IMI);  hÜM^ 
iM  daniHahea.  Bunammenbafig  des  atembilda '  mit  heidniacher 
gAtterlebi»«  dieselben  drei-  stame  lebran  unaar  dem  voHi 
in  Oberdentacbland  bia  auf  lieute  den  namen  .ddr*  dt^ 
fliodtr,  well  aie  daei  anf  dttr  nridge.  neben  einander  ateu 
bendaa  miklel« - glajoben.  eine'  einfaobb  bebenming,  wU 
d»  des  itagenai  in  der  hindiiehaA  phaittaaie  eines  fairten*« 
▼elha^eniaprnngien«  ^AJhd«  finssan  Jiennen!  den  Orion  i^Ma 
(aratrum),  in  rheinisciien  gegenden  heilst  er  auch  reckm 
(rastrttm]^  er  ist  ein  gerätb  der  ackerer  und  päder.  .das 
schottische  pfetieA  -  (engt,  plough).  j^oll  den  wageh  pi^« 
drücken.  '  Ags.,'  vielleicht  mehr  alts.^i  glosseii  übertragen 
Orion  .durch  ehurSringif  '^hurärung,   ebirdring^'  ebkthmng 

" ■; '  '  ,  t  ,         ,,     •  ,  ' 

*)  aniere  vH  dichte^  b^halmi.Qri^  h^h    Ülä  i,  37« . .    •   ... 
GrtflMH«  myfA«!.    S,  inugabe.  44 


«t»  «SBTIRNB.    OiUOir 

^  Jimw  369^  371)^1  ninigt.  wtrile  i  i^ehM  eaferdryAg; 
^ordrivg;  der  siiiii  mGi  sain  eberhMife^  4e«ii  ityug  ist 
0g8.  eui  /dktiifer,  feAränglMr  baafe,  turba**);  warutt  «Min 
in  d^r  sterM^ruppedinea  Impp  wilder  eher .  sah,  r  und  vaiclie 
«lerne  des  Orion  ihn  biTdeten?  ««iTs  ioh  nkiht.  die 
friech.  sage  von  dem  wilden  jiger  liann  dabei  aus  dam 
spiel  bleiben,  schon  weil  weder  sie,  nooh  das  grieehu:ge^ 
AttfQ  gc|)agle  tüete  henrorhebt;  <fie  eher  des  deutsclien 
bildes  iQdgCin  ganz  .  andet>n  bezug  haben  ud  elwa  Mofs 
aitf  einfacher  vergkiehaiig  beruhen*  ahd.  glonen  geben 
uns  k^in  epurttnme,  oben  s.  333  wurde  es  aber  aa  luwe- 
ring  und  Iriag^  gehalten.  Das  spätere  niittelailer  nennt 
jMe  drei  mAder  oder  den  nord«  Mnriaroeken  Jtacobsstofr, 
külm. .  JakubtA&l;  gleich  der  heidttiseben  Irminstrafse 
(s,  331)  wurde  die  heidnische  spindel:  übertragen  auf  den 
heiligen  apostel,  der  nun  mit  seinem  stab  auf  der  altefl 
hioimelsbBlHi ;  einherzieht;  auch  Petaruiab  wird  giesi^ 
Den  Ehsten  heifst  Orion  lonrda  iäkked,  stesne  des .  speere, 
Ten  wai-daSy  spiefs,  vieltelchi  auch  sieb,  an  Jaeobsstab  ge«- 
mahnend.  Den  Lttthauern.  ssenft/uieM,  heugestirn ?,  von 
Seen  (foenum)^  wie  seenpjntis  augnst  bezmohnel,  well  das 
gestim  %nr  heuernte  aufgeht?  wabrscbeinlicbauch  in  beeng 
auf  die  drei  heumäher?  denn  gerade  so  geben  meb* 
veHe  slaviscke  vMber  den  namen  kom,  d.  i.  lensen^  böhm. 
Aesy  (Jungm.  2,  136),  potn.  kotp  (Lind^  1002*)  sloven« 
ikosei  (Mnrbo  148)  mühbr.  Andere  slav«  benenndngen- des 
Orion  sind  ahiupka  (bosn.  bibel  3,  154),  wefttt  abier  ge* 
lesen  werd^  nufo  sktapkä^  IM  Y^k^McAa,  krttcips,  bi- 
anhefestab,  nacfa.ttnserm  stttbchen,  krani.  pdlvse^  stftbe^  bei 
.Stelli  ieftM  scta^^  aHweiberetäbe^  und  ktuMüce  «*^),  vM^ 
leicht. die  k]:eisendeik.(vaganies)?  von:  kruziti  (vngari]. 

Zwischen.. ded  sdiettern  des  sliers  ist  eine:  didit  ntii 
slMwen  beeftlie<  stelle  sichtbar^  in  welcher  wiedemm  sieben 
(eigenllidi  isechs)  grttfsere  zu  erkennen  sind;  davon  «Ueifst 
sie  sMemsfesÜm^  abd.  thiM  HbuMÜrri  0.  Y,  17,  29.  Diut. 
1,  520«  gL  Jud.  168  (wo  es  mit  den  hyeden  venweeh'« 
seit  wird ^  .die  'nicht:  «weit  davon,  im  ihaupto  des  Stiers 
sftehn).     Aufser  dieser  blefs  efthlenden  be^Nurang  gibt  es 


*)  in  der  letiteo  stelle  anrichtig  ebardnung,,aber  ein  beweii  für 
dn  alter  der  hs.,  da  im  6.  9  jh.  der  lug  des  r  sich  dem  n  nähert. 

'      **)  Tgl.  ags.  tfran^ 9  >ngl.  ihrong^  vittellat.  ^ngui,' 

***)  Dobrowskjs  Slayin  p.  A2i ;  das '  poln.  kruiUe  ist  kl'ugleia. 
Hankas  ahböhm.  flössen  haben  66,  jB57  krailrk  circolea,  99^  164 
krussljrk  lii,  was  llh  nlekrt^rst^e.    wire  es  IVäkUe? 


I  I 


GBSTDlMr   iqUUADEN  Wt 

aHtare  lebeäiig^fte.  fHeih,  IJUtadU,  Jim:  WititAÜBif\  itm^ 
hen  Idehfer  des  Adas  und  4w  PMoney'  welche  Seu»  an 
den  imtiiAel  erhob  (fl.  1^  488.  Od.  '5,  872),  gleioh  jenfem 
Bordi.  TUasei- und  ÖmraildiH)  aas  dem^  rieaeagiBoyocIil ; 
einige  danleii'  aie  'aber  aus  neA^uag  (wilde  taube)  was  senat 
niima  heUsi.  rtai.  Vergikney-Wimmi  Festaa  eiire  aftige^ 
ofigende  erklärung  liefert*). 

.  Siiineial  Teiteätel  aiiler  deai  tolk  in  DeiitseMaad,  fast 
is.  gern  Eurepa,  ist  das  bild  einer  Aamie  mU  afo6da 
MoMajfi,  wi»  sehen  an  jaM  sisben  iaubm^  der  griecili^ 
sage  erinnert,  seugriech.  novkia  (i*anriet  2,  977).  die 
Micke,  Uuckariny  Uuckhmmey  bpuikeime  mU  6tn  Aüi-^ 
km ;  dän,  afieiüUhie  { abendhenne )  afUnhimne  ( dansk« 
diglek.  middeMd.  1,  102);  engl,  the  hen  wUk  her  dk<- 
hm»;  franz.  la  pou^wÜre^  in  Lothringen  potic^A^osstf 
oder  eoer0Sfe'(co«Teii8ey  bnithenne,  qni  eondoit  des  po08<* 
sina)  *?*);  graidiftndn.  ektoi»tiM$  oder  ^tmehoi'  die  klucken; 
HaL  gMlUMlkiß  bdbm.  $lepiee$  kmriüaf  (banne  mit  den 
kilohleki);  uagr.  /loaltf ,  fiisiifuk  von  tik,  tyek  gaHtna  und 
iaaont  pario.  Die  Spanier  nennen  das  Siebengestirn  tas 
m«r  embriOaä  (sieben  aieklain)  ••«•];  die  Polen  b^  (alle 
vdtt>er),  Roasen  baba  (aMes  weiby  Linde  1 ,  38*  Serb« 
eüuchiiai  (Vuk  78)  ekuchnitoi  (bosn.  bibet,  Offen  1881) 
3,  154.  223) 9  si(y?eni  vUut^me  (die  sehwaibeii?),  doch 
erklärt  Janiik  22(^  ^die  ramstäbe^  wiss  ieh  nieM  vertiteh^. 
attdi^  der  aldMMm.  •  name  scaysaayoie  pleiades  (Hankas 
ghMmn  SS*»)  =a  litdtttiae  ist  •  dunkel^  die  bionftigen?  Toii 
stelin«  aeta?  atoven.  goiriesii^iij  posMhiniy  die  dfehl-» 
geafitent'  die  letale  beaennnng  klingt  znamnmM'  nril  der 
Ktth.  und  finnischen  ansieht,  das  geistirn  ist  ein  '«tafr;  daa 
eine  menge  Mekmr  bat  oder  eiaen  hirafen  kern  aussiebt: 
Ktth.  eiFlas^,  lett. '  »^ttiBck^  ehst.  add7  oder  s^^^W,-  *finn. 
ieulai  ^Mtkun^.  -  warm»  aagt  Suehenwirl'  4,  826 '^d^a 
her  daz  taiit  sich  in  daz  laut  gleich  recht  als  ain  sibemtim? 
dicht  i|ns|[e^treut? 

Vom  lA'.s^rung  der  plejaden  wird  erzählt:  Christus  gieng 
an  einem  . Üeckerladen  vorüber,  wo  frisches  brot  duftete 
und  .sandte  jeine  jünger  hiUi  ^ein  brot  zu  erbiUeUk  der 
becker  schlug  es  ab,  doch  von  ferne  stand  die  beekenn 


*)  ein  deattcher  dichter  schfeibt  viKKe.    Amgb.  421».  ' 

**)  Tgl.  peotam.  4r  9  H   sette   pslommielie »   sieben  verwandelte 
kinder.  .       ' 

•*^)'i«feib.  des  antlq.4,  37».    6,  12!^  IW; 
*^*)  Ddn  Quixote  2,  41  (Idel.  4,''63  Vgl.  6,  242). 

44* 


m  '"      CBfTlBim  : 

frais  mit  Shreii  saeh^  IMhierti;  und  gab  dts  btot  beiariUi. 
dafür  6(nd  sie  als  .  rieb^geiürm  an  daii  himmol .  Terselsl^ 
der  beolfdr  aber  isl  aum  kukuk  geworden  (s^  641  becber* 
k»eokl)  und  so  lange  er  frühjiArs  vnft;  Von  Tibiirlii.  bU  Jim- 
bamiis,  ist  das  siebeifgeslirn  am  himMr  aicbiber.  \m^ 
n  balie  aiim  di#  noirweg.  sage  .fon  jdeni  Gerlifadsvogel 
(8.639). 

ViisUei^  lassen  fiieb  «ooh  volksaiiafsige  nanen*  ahdrer 
sierne  nachweiaeA  *). .  Litth.  beilsen  die  bicUein  wtoju 
fß  jäicjmß  (pflüge  mit  den  4ieh«eB^,  die  capell«.  mimt^ä 
toa/^to  lessentrl^eriQ).  Bankas  altbökm  gl  gshen  18^ 
hmia  filr  den  AUebaran,  prayceeftfür  den  Arctärtts..  Aack 
beikennungen  der  Hyaden  iwd  d6r  'CassiOij^eä  Wiren.sa 
erwarten.  Mehrere  werden  aber  oft  yerwe^seltV  die  He** 
joden  mit  den  Hyaden  oder  mit  Orion^  selbst  mit  dea 
wjigen  und  mit  Aranr*^;  was  duroh  blofse  glosse»  ba 
wahrt  jst;  kann  nicht  für  sicher  geltem  So  betraisbte 
niebt  ,als  ansgemaeht,  dafs  die  angdührten  namdap/foff 
und  nburdnm^  wirklich  dem  st^robUd  Orion  .  zukommen, 
die  irish  fairy  tales  2.^.  123  haben  pUmgh  eher  für  dein 
wagen ,  als  .für  Orions  und  wer  weifs,  ob.  Unter  den  hau«« 
fen  ober  nicht  die  *  Tdäst  (yotn  vs)  und  die  lat.  ßnoulag 
gemeint  werdßfn? 

Noch  uwieberer  und  soUi^friger.  ist  es  die  Mernbider 
iumI  naiuen  des.  Orients  zn  vergleichen ,  doilen  aohion  eine 
sehr  Torsobtedne  ans^bavttog  des . himmele. zamgru^e  liegi 
HÄob.  9,  9  wwrden  drei  geetirne  genannt  tna(  (aach).  mta 
^itneb)  Vd^  (ksil),  woraw  die  LXK  suchen  *  hI^üh^ 
fan^^qß  und  i^to^QüCp  difo  volg.  arctnras,  Orion  und 
byades./  Luther  den  wagen  am  Ummel^  Orion  mnd  die 
glucke.  Hiob  38,  31  kimeh  undloksU.^  in  de«  I«XX  mhti-^ 
$9g  und  'i2(kW,  in  der  vulg.  pleiedes  und  arcturus,  bei 
Luther  siebenslem  und  Orion;  Jeaaias  13/10  kül^  iu  dea 


< 

*)  kymrisohe  and  galische  Hbeln  behalteo  Hiob  9»  9  die  jal.  na- 
men  der  rulgata  bei;  woraus  nicht  folgt  dafs  es  diesen  sprachen  an 
eignen  sternnamen  mangle.,  Armstrong  für  das  galische  crannarain 
(fcrotschiehdr)  Ür  die  ptejadeo,  und  dta^bM  (feOendiweif}  far  des 
kleinaB  hfir  AD. ' .  ■  *  ^      .  '     .    *  - 

**)  Keisersperg  postil206:  *der 'meerstern,  oder  der  wagen,  oder 
die  kmn  mit  den  künlin,  wie  ir  es.heifsen'.  Grobianus  1572  bl.  93^^: 
'wo  der  wagen  steht  und  wo  die  ^luck  9i$i  kflnhßln  ^^^t\  .  mehrere 
schfiftateller  erklaren  dömke , ,  dümmg  uiy^eparu  durch  siebengeeiirn. 
auch  wenn  Tobler.370b  sagt:  'drei  sterne  des  Siebengestirns  heifuen 
die  rosse,  neben  ihnen  siehe  ein  kleine^  sternleio.  daa  sei  d^r  /mkr- 
matm'f  so  scheint  das  Tielmehr  auf  di^  wagf^ndeicha^l  lu  b^fiebeo« 


rOBSTIRNS 

Uük  ^JlQitüv ,  Tttig.  dtiroh  spiendor  onsohrbben ,  Lutl^r 
Orion;  Amosi'  5,  8  kimeh  und  ksU,  in  den  LXX  i^mgangea^ 
in  der  Tulg.  aroturus  md  Orion,  bei  Lnth.  die  glucke,  und 
Oiion..  Miphaetis  steUte  über  die  Uedenlimg  dieesr  aterne 
seine  86  frage ,  und  Ifiebnkr  erhieii  von  araJMacben  Judeil^ 
die  Yerschiedeiiate  aiiakunfl*):  Boletat  ergabt  rieh  als  dai 
wabrai^eiiilichatB:  asch  sei  das  arabische  sternbüd  om  en 
adsok,  kimeh  (ohima)  das  arab^  tüHje^  kstt*  das  amb.  a&eif 
(sihMI)  und  sie  entsprechen  dem  wagen,  den  plejadeni 
dem  Sirius.  Sieht  nran  auf  den  wdrtlichen  sinn,  so  drtltkl 
adssA>  das  einige  Araber  auch  in  *  a$ok  vertadeni ,  aus 
fereimna,  bahre**),  ein  mit  wagen  nah?erwandter  begüf; 
Kmeh^  ürMMB,  seheint  einen  häufen  Sterne  sn  beseiehneoi 
was  etwü  äneii  in  jener  l»endnnong  «ieb  liegt;  krii  ist 
thörioht^  gottlos,  ein  frevelnder  risse,  folglich  Orion. 

Ihrem  nrspvnng  nach  kann  man  fiberhaept  zwei  arten 
▼on  Sternbildern  annehmen,  die  eine  gebraucht'  «leArere 
iteme,  mn  sie  in  die  gestalt  eines  dings,  eines  tbiers 
sder  BMB^chen  einznschfefsen ;  >  die  Sterne  geben  dann 
gmnd, .  gleichsam  knoehen  her,  um  welche  die  volle  von 
der  einbildnngskraft  erscbante  figur  gesogen  wird»  so  bil«t 
den  drei  nebeneinmider  ei%cheinende  sierne  den  Jacobs^ 
itib|  einen  rocken  oder  gttrlel;  sieben  sterne  feigen  siok 
in  den  umrifs  eines  bflren,  wieder  andere  in  den  eines 
rissen  Orion.  Die  sweite  art  ist,  wie  mich  d€nkt,  ein-* 
faoher,  ktthner  und  Alter:  in  eteseAiefi  Sternen  wird  ein 
ganser  mensch  ersehn,  ohne  rttcksicht  auf  eigonthindiche 
gesidt,  wefehe  in  der  lerne  ohnehin  verschwindet;  rückte 
ans  der  Ueinn  pnnot  ntter^  so  würde  sie  sich  von  selbst 
entfalten,  so  sind  die  nemlichen  drei  steme  drei  mft«» 
hende  minner;  iKe  sieben  sieme  der  [riejaden  eine  henne 
mit  iteen  jungen;  zwei  Sterne,  die  in  gleicher  entiernung 
ra  beiden  Seiten  um  einen  mnttschimmemden  Sternhaufen 
Stefan,  nach  altgriech.  vorstellnng,  zwM  esd  an  der  krippe« 
hierbei  erscheint  die  phantasie  viel  freier  und  ungezwung- 
ner, jene  umrisse  fordern  schon  mehr  abstraction,  doch 
mofs  auch  fBr  sie  Buttmans  treffende  bemerkung  ***]  gel- 
ten, dafs  ipan  nicht  damit  anhob/ die  voltständige  gestalt 
am  himmel  zu.  entwerfen  ^    dafs   es  genügte  ein  ^iüd^  da- 


»  fc 


*)  h«8chr..  mi  Arabien  p.  114^'  hier  finiet   msD   pi  113 -^116 

nodi  andtore  areh.  f  (ArBinmeo  gesaipmelt. . 

**)  Bocharti  hieroz.  ed«  Rosenmüller  2,  680.       *:  <  .     i    ' 

***)  eeUtehnog   dar  at^ri^l^ilder  a^f  der   sriech.  «fiffe  (abh,  der 

berl  academie.  t826^19-^6aj,'  .'^ 


iM  RB6SNB0&BN 

ton  heraiuMladeo :  das  tWge  blieb'  «nbesüinlikf  4äei 
worde  später  willkürlich  ergftazi  Auf  diese  weise  ist 
der  bttr  vielleicht  zuerst  an  den  *  drei  Sternen  des  schwan«» 
ses  gefunden  werden ,  die  vier  anderti  gabeii  dann  deil 
leib  her.  ooser  wagen  gewftlurt  die  vereinigHng  beider 
arten  t  die  deichsei  entstand ,  gleich  jenem  schwans ,  durch 
nmrifs,  die  vier  räder  waren  eher-  in  einaelneii  stemen 
besümmt«  Wichtig  ist  die  einstinunnng,  dafs  die  griecb. 
gölter  «Irischen  in  steme  versetzen ,  wie  es  Tfaörr  nad 
Odinn  thnn  (s.  348.  686). 

Die  erscheinvng  des  regenboffmg  am  Ummel  erzMgte 
mdirfäche  mythische  vorsteUnngeji,  den  gewölbte»  'begen 
AiKimt  die  edda  für  eine  himndiscbe  6r0db,  über  weiche 
die  gMter  >  wandeln :  ne  heirst  daher  Asbiü^  (Swn.  44'), 
gewöhnlieh  Bifröst  (das  wflr.e  ahd.  piparasta),  die  bebende 
sittM'nde  strecke,  dennröstj  geth.  ahd.  raste  drückt 
eine  bestimmte  ferne  aus,  unser  stände  eder  meile;  sie 
isl  die  beste  aller  brücken  (Sirai.  46*),  aus  drei  färben 
stark  gezimmert,  aber  doch  wird  sie  -dereinsl  behn  walt» 
aatergang,  wenn  Maspells  söhne  darüber  fahren ,  zasmo-f 
niedbrechen  (Sn.  14.  72).  der  schweif  dieser  bl^acke*) 
reicht  an  Himinbiörg,  BeindaHs  w^hnang  (Sa.  ^1)  and 
BeimdaUr  ist  zum  wfiehter  der  brücke  "gesetzt:  er  hütet 
iie.*^)  vor  hrfmdnnrsen  and  bergriesen,  dannt  diese  nicht 
aber  die  brüche  in  den  himmel  dringen  (Sn.  18.  3(^.  l^ 
ganze  ansieht  stimmt  zu  den  wagen,  auf  weichen  die  göt^ 
ter  am  himmel  fahren  und  den  strafsen,  die  sidi  darch 
ihn  himtfiehen  Tg:L  oben  s.  335.  336.  Das^  christenthnm 
Verbreitete  die  Vorstellung  des  A.  T.^  zafeige  w'cdcber  der 
himmlische  bogen  ein  zeichen  des  bundes,  ^^en  gott  mit 
den  menschen  nach,  dem  regen  der  groben  wasseiilul  ge^' 
achlossen  hatte,  war:  ahd.  regänpo^go^  ags.  wMtoga 
Cmdm.  93,  5.  Indessen  haften  noch  abergiftubische  über-^ 
lirferungen.     das  valk  wübnt,  an  der  stelle,-  wo •  der  re* 


*)  hrümrspardry.  wie  wir  noch  jetzt  der  brücke  eineli  köpf  tUf 
ichrciben  (t^te  de  pont),  gleich  als  hätte  sich  ein  thier  über  den 
flafs  gelegt,  köpf  und  schwänz  auf  beide  ufer  stützend,  aber  auch 
der  Dtme  spordr  (eigentl.  canda  piacis)  ist  nicht  %u  übersehn ,-  wie 
röst,  rasta  ein  gewisses  Stadium,  so  drückt  das  goth.  spaürd»i  ahd. 
spurt  den  Zwischenraum  aus,  ganz  im  abstracten  sinn  unseres  mal. 
daher  firaigra.  Iheot  14,  19  dfenrira  Ipuvtim  (träms  TieibniO  was  auch 
rast6m  heilsen  dürfte.  Meinen  «die  füner  A  -MUirtpotdi  Sbm.  106* 
den  regenbogen  ?  '       .  '  i    <    ' 

*      **)  oft  werden  sonst  riesen   zu    brückenhfiteril  bestallt  (s.  522J 
M6tfgutfr  die  Jungfrau  hütet  giallarbrA  (Sn.  67).  '     


ein  siriialc  rethorgmi;  ms  dem  regenbogeii  feilen  goM-- 
mdOEen  oder  pfeimiDge  nieder,  fefinidne  goldbloche  beifteti 
refenbogensekunehit^,  patellee  Iridfie,  die  eenne  rereettle 
sie  im  regvnbegfeii.  Id  Baiem  nennt  man  den  regenbogen 
himmeking,  ^mmeming'y  jene  mttneen  itomndHiipscMit- 
seAi  (Schm.  2,  196.  3,  109),  vgl.  oben  s.  333.  Die  RO^ 
ner  meinteB)  der '  aufstehend^  bogen  trinke  Wasser  aus 
der  erde:  ^bibit  a^cus,  pinet  hodie'.  Plaut,  curoul.  1/2; 
'purpurens  pluvias  cur  bibit  arcus  aquas?*  Propert.  III. 
5,  32.  muH.  I.  4,  44.  Virg.  Georg.  1,380.  Öv.met.  1,271. 
Auf  den  regenbojg^en  darf  man  lütoht  mit  fingern  deu^ 
Im  ^) ,  MO  wenig  al«,  auf  gestime.  Kimmem  oder  baüien 
auf  dem  regetibogen  bezeiebnet  eitle,  vergängliche  un«* 
temehaften  {anm;  zu  Preidank  p.  319.  320),  setzen  auf 
dett  vegenbogen  (Bit.  2016)  einen  grofser  gefahr  preisge« 
bell?  'bebAseii  unebene  üf  regenbogen'  (Ti),  Hahn  4061) 
nngleiob  sitzen  f  .  soHten  ihntiches  nicht  schon  die  Heiden 
von  der  piparasta  gesagt  und  geglaubt  haben?  sehr  merk«^ 
wQrdig  ist  folgende  ftbereinkunfl  mit  den  Chinesen :  'tunc  et 
etiamnum  viget  superstito,  qua  iridem  orieMalem  digite 
monsirare  nefoi  esse  credunt;  qm  hanc  monstfaterit,  huic 
subito  Ulcus  in  manu  futurum,  iridem  habebant  Sinae  pro 
signo  libidinSs  efltrenatae  quae  regnat'*^).  Die  Slaven  nen- 
nem  den  regenbogen  poln.  serb.  nuss.  duga,  nebeelga  (higa, 
bübm.  duha^  •  d.  h.  eigentlich  däub^  (tabula,  wie  an  fäs-^ 
Sern);  in  Serbien  sagt  man,  alles  mannliche,  das  unter 
dem  regenbogen  durchgehje,  wandle  sich  in  weibliches, 
und  was  von  weiblichem  geschlecht  durchgehe  wandle 
sich  in  mftnnliches  (Vuk  s.  v.)  ***).  Ein  paa^  slovenische 
benennungen  liefert  Murko;  mdwa,  mdvriuif  was  sonst 
eine  schwärzlich  gestreifte  kuh  bedeutet,  und  boskji  siO" 
le%,  das  göttliche  'stühlchen,  gerade  wie  der  regenbogen 
auch  ^in  eiukl  der  welschen  göttin  Ceridwen  heifst  (Da- 
vies  brit.  myth.  204)  vgl.  oben  s.  125  die  Vorstellung  von 
dem  stuhl  go|tes.  Lett.  toarraiDihksne ^  dem  sinn  nach: 
die  mächtige  buche?  Litth.  LaumSs  josta,  gürtel  der 
Lauma  oder  Laima  (oben  s.  387),  aufserdem  dangans  jo9ta 
(himmelsgürti^l)  kilpinnis  dangaus  (himmelsbogen),  öro- 
rgkssie  (wetterruthe) ;  bedeutsamer  ist  die  s.  545  angezogne 

^^^^  m      ■  ■ 

*)  BrauDschweiger  anzeigen  1754  p.  1063. 

**)  Chi*king  ex  lat  P.  Lacharme  interpr.  JnL  Mohl,  p.  242. 

***]  abergl.  167  derselbe  umgekehrte  einflufs  der  conttellation  auf 
beide  geacuephter. 


99« 


tfßMumoßm 


ß^^gfi,  m$  ^em  (MilMScheii  litthaM«,  «elcte  den  reg MbOg«ii 
aU  bot^Q  nach  der  flut  und  als  ratgeber  eraeheuien  läist. 
Sna.  takotmeaari  (areua.  coeißatia).  In  einigen-  gegendea 
]U^tbringena  amrroie  ,de  S^Xi^nan^,  .wwrawmede  S.  £«r« 
nari.  Nach  eathn.  abergLino.  65  iat  der  regenbogen  des 
dennergotta  aichel^  eine.  besMideira   awrkwürdige  veralal* 

InngsarV 

,.,«  Pen  (iirießhen.  war  die  ?()iip»  wie  im  A«  T.y  aeiohen  der 
gOtter  (II.  11^  27) ;,  zugleich  eine  halbg^^ttin  V^»c>  die  vom 
hiipiiiel  al$  botin  enlaendet  wird*  Die  fnder  efkannlen  d^a 
farbigißa  hegen  des  himmela  ihrem,  gotte  bukrcm  au«  Auch 
nfich  unaerm  volij^sglauhen- werden  die  raeel^n  der  gei^ecbtea 
vo^  ihren  aclmUengeln  über  den  regenbogen  in  den  binaiel 
geführt  (Ziska  öatr. .  volksm»  49.  HO). 

Aber  jene  eddiacke  lehre »  dafs  eor  dem  welhmtetgßiig 
Bifröat  brecben  werde,  finde,  ich  noch  in  dem  gkiubea  iia^ 
sers  mittelalters ,  eine  reihe  von  fahren,  ver  ddm  jüngstea 
gericht  werde  der  regenbogen  nickt  mehr  eraoheinen;;  euch 
hdrt  ich  'aagen,  daz  man  stn  (dea.  reganpogen)  nieht  enselia 
drtaiph  jAr  vor  deme  suontage'..  Dmi  3,  61.  Hugo  voa 
Xrimberg  nimmt  40  jfihre  an : 

s4  man  den  regenbogen  aiht,.      ... 
>  ad  ansaget  diu  werlt  niht 

den  darnllch  über  vieraec  jftr.    Renn.  19837. ' 
unter  den  zeiche,   die  clie  kirche   von    dem  nahen  dea 
jüngsten  tages  angibt ,  findet  sich  dieaea  nickt. 


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TAG  UND  NACBT  803 


<;4jp.  xxra.  tAG  und  nacht. 

I^ebendigBr^  YorgteUungen  des  alterthvn«  v«ii  deai 
ia;  und  der  Mcht  gt^en.  in  <tie  von  ckü  gwtirnra  y  bilde 
aM  beilige,  gflttliidie.  Wesen,  «den  gOttem  nah  verwnndt.  die 
edda  Ufsi  den  tag  isrit  ans  der  nacht  erzeugt  werden. 

Nörfi  «in  ÜHona  hatte  eine  loöfaler  namens  NdH 
tidtviranB  und  dunkel,  wie  ihr  geschlecht *  (avi^rt  oc  dtek 
geaihea  Atli^  »tt  til)*);  niefarere  mftnner  wurden  ihr  x« 
theii,  Naglfavi,  dann  iLnar(Onar)  **)  ein  aiirerg,  mM  dem  sie 
eiae  fechW»  lörd  sengte,  die  hernach-  Odhis  gemahliil  und 
ThArsauijUer* wurden  ihr  letaler  mann  war  asiacher  lieh** 
ter  ablcunft  und  hiers  Delllngr ,  dam  sie  einen  sehn  Dagr, 
lidit  nnd  ec^ön  wie  sem  viteiticbes  gesohieoht,  gebar. 
Drnakm  Allvater  üetfaehi  und  ihren  söhn  Ste^y  setsete 
sie  an  de»  luanmel,  «nd  gab  jödem  ein  irea*  und  eitaen 
wige»,  flsit.  W^hem  aio  in  gemesanai^  seil  die  erde  am«* 
Mven  soHleii.  die  roaa»  hiefiMO  dap  thaumfihnfge  nd 
ghnsmkknige  (s.  621). 

im  ttamea  Oeltngr^  assimilierl  Ms  DegMmgr,  liegt 
tash  der  des  sohns  Oßgr,  und  weil  -Itng  gerade  alnlam«- 
mung  avsdrtiokt,  mufs  entweder  schon  ein  früherer  ahne 
Da§r  angesammen  Werden,  oder  die  reibefolge  hat  sich, 
wie  oft  in  alten  genealogien,  umgedreht. 

Für  das:  wort  dags',  dagr,  lac  habe  ich  granm.  2,  44 
eise  wnrzd  gesucht  iiiid  mnfo  nodi  immer  die  Tergle»* 
ohnag  des  lat.  dies  abreisen,  da  lantVersohiebUng  fahM. 
dar  ilentsobe  ansdruck  e  :eBtwiohell  tind  sein  a  in  o  (od) 
aUamtel.  Dagogon  tiefs  sieh-  an  dem.  lat  dias,  und  allem 
was  ihm  in  andern  apraohon  gleicht,,  das  ineinandei^reifen 
der  begriffe  tag,,  himmel,  gott  nicht  Tcrkelinen  (s.  177). 
Wie  tag  «nd  Denar  beid»  von  der  Naoht  obstammen,  so 
fallen  Dies  und  Deus  (Zeus)  der  neialichen  wursel  zu; 
selbst  Donar,  ags.  Tbunor  wird  man  versucht,  dem  tusk. 
Tina  zu  vOk*g(eichen^  da  der  begrV  de^  t^s^  wie  wir  isehn 
werden,  den  des  schalls  mH  sich  führt:  dann  brauchte 
Tina  nicht  für  Dina  zu  stehn,   sondern  würde  zum  lat. 


*)  dieee  stelUi  19)  s.  494. 495  nicht  «rwpsan;  dafii  dia  Nai^lit  «oj 
die  JBa^a  schwarz  8iii,d,.TerBl.eh|  sich  tpii  selbst»  und  «s  kaoa  dasaoa 
Docti  keinscfalafsjur  die  i[ies«n  überhaupt  eeiogen  werden.*  (ut* 
merkenswerth  auch  die  yerbioduDg  *99M  ^f&k^^  ygL  419«  41 4^ 
offenliar  spielen  hier  riesen  u»d  zVerggenealogfea  in  eiDander.akaif,. 


*)  Tgl.  Baupta  leitscbr.  3,  144. 


;*r.ii  ■:,      ^  f'  .1.. 


eeS  TAG.    NACBT  : 

tonus  and  tonitrus  gehören.  Dens  ist  unser  Tiv^  Zta  denn 
die  ejjqzßlnen .  götter  ^zjßh^n  ,iYC(lwl8ei%  ,gleii;he  namen  an 
sich; 'auch  dieses  Ziu  bestätigt,  'wie  fern  hier  unser  Tag 
steht;  selbst  für  coeluni  besitzen  wir  nur  abliegende  Wör- 
ter (s^  661.  662).  Die  ind.  Und  lat.  spräche  hat  aiis  der 
wa?ael  dio  manig&iche  namen  fttv  gtttter,  tag  und  hiDimel 
gewonnen,  die  grieeh«  für  gMer  and  himmel,  nicht  iür  lag, 
die  litth.  für  gott  und  tag,  sieht  binänei,  die-dav.  mir  te 
tag ,  weder  für  gott  doch  himmel ,  inidlich  ufisere  nur  f&r 
einen  gott,  weder  für  himmel  noch  tag^  auch  hier  v^ift 
sich  eine  vorzügliche  berührung  des  sanskril  mit  dem  latein, 
ia  deren  reiditbunfi  sich  die  Übrigen  sprachen  auf  ver-» 
schiedne  weise  theilten.  dae  gr.  r^^iug  vxiä^fjpffu  halte  ich 
für  nahbeschlecbtöt  dem  deulslshen  himina, '  himil,-  ud  anth 
*HfiiQa  ist  eine  tagesgöttin. 

Ebenso  einstimmend  in  den  verglichnen  spradiM  zeigt 
sich  der  name  der  nacht:  goth.  nakb^  ahd.  nahi,  agSw 
nihiy  altn.  nAH  (f.  nfttt),  lat.  nox,  «ocfia,  fr.  ««tii,  Mwv^ri 
litlli.  ndküSy  lett.  nakUj  allslav.  noachti,  poln.  höhm.  aoe 
(s|Mr.  notz)  sloven.  ao»A,  serb*  «off,  sanakr.  maUa^  beson- 
ders in  Zusammensetzungen ,  der  gewMifliche  auadraok  ist 
im\  oder  fiiid  ( beide  weiUich).  man '  hat'  vteUaclie  dymo- 
logian  vprgebracht,  keine  befriedigende*),  da  der  tag  der 
leuchtende  heifat,  aellte  in  naaht  der  entgegengeaatzte  biB*^ 
grif  dea  dunklen  Kegoa?  dock  üchtios»  ast  aar  die  fOfli 
mond  unerhellte  nacht  unarer  apracbo  ist  ein  «raitea*  aao» 
aaalefi  verbum  nahaü  eigaa , .  aaa  deaaaa  prfit  nabta  **)  das 
sabat.  nahti,  wie  aus  raagaa  mabia,  ana  lisim  fista  .(das 
aobat.  mahta  und  liaia  bervorzugehn  •  scheint!  goth.  ginä- 
han,  ahd.'kinahan  beieritet  nun  suficero,  folglich  würe 
nahta  die  genftgeiide ,  friedliche  ruhige  zagMeH  aber  ver« 
mögende  und  atwke,.  dpstfa,  was  arir  den  fsiaa  gaaz  z« 
trefifen  sciMiat.  es  koamt  dazu,  dafs  ^as^  kAd.  dtaraAnoU 
nicht  attaia  parnox,   totam  nocteiki  duvana  bedeatet,  aon«' 


.1  ■  .  < 


*)  JPett  I»  IQO  daute»  nm'A  medarlegan,  Baofajr  %  d«a  nakla 
nichtvachen,  «nderet  k^t  er  2»  57. 

**)  »1  d<$in  gotb.  gasah  oDd  biipiab  ..«ntgeh«:  ima  die  pluralfor^ 
men ,  ich  hatte  erat  gani hum ,  binahum,  dann  aoer  ganaünum  auf- 
gestellt, weil  1  Cor.  10,  23  bi^aüht  Ißt  «I^ot«  lud,.  yerschiedepllicb 
gamtAna'  mh\iqm^  yorköitoint  das  n  j^and  yor  li  'aä)  rerhSlt  sieb  wie 
in  tka! ,  sknlum ,  man ,  munnm »  mid  '  ahd.  mae ,  magum ,  obichon 
ihd.  mäht  (ria)  statt  Ündet  das  götb,  mag,  magnm  bestttigt  aber 
den  fotranf  des  a  und  sö  irird  auch  nahts  (nox)  ein  llteres  nah, 
aahnm,  nabfa,'  fordet»,  wenn  glei^fi \ schon  Ulfilas  nah,  naübuni, 
naühU  gesagt  bitte.  .r   .    o  .;  ,..    .     . 


TAG.    NACnr  M9 

dem  gewMinlioh  perfeetw,  o^nramnnrtuff^  vollkrMligi  mkil. 
durnehte,  durnehtec,  wobei  man  far  nicht  mehr  an  naekl 
dachte,  woher  weifs  Süeier  1322  sdn  ^dutchmoclit  noz 
illiinis'?    jenes  nid  (a.  673),  der  nacht  gipfei. 

Beide,  tag  und  nacht,  sind  hehre  wesen.  der  tag 
hoifcl  des  hrilige,  wid  den  flrieahen  Uqov  "^/«a^.  ^sam 
mir  der.  M<M^  loef  Ls.  2,  311  wie  "A  mir  doz  *si%e 
üMir  Roth.  lli».  'die  Ueben  tag^  lis.  1;  165«.  'der  Ut*^ 
tmff.  Smplic.  1,  5«  Beide  werden  danm  grflfiiehd  an- 
geredet: 'heill  Bogt,  heiKr  Ikigt  tyrnts  heil  N&U  ok 
nipt  I  dreidom  augom  Ittit  ockr  finnig  ok  gefit  sitjofidom 
sigort',  rie  sollen  mit  gnfidigen  äugen  auf  die  menschen 
niedersckaun  "und  sieg  Yorteiben.  Stm.  194^.  Auch  Mar- 
tHM  von  Amberg  beiditspiegel  erwdmt  no^h  das  iinbeten 
des  tags,  'diu  eMe  naht  Ms.  2,  19e^\  diu  hMge  naht 
Gerfa.  3641;  fitau  Nebt.  MsH.  8,  423«. 

Nach  jener  nord.  Vorstellung  fahren  Nacht  und  Tag, 
gleich  andern  göticrn  in  wagen,  aber  auch  die  sonne  hat 
ihren  wagen ,  dem  nuNid  wird ,  meines  Wissens,  keiner  zu«« 
geschrieben.  Nacht  und  Tag  spannen  jeder  nur  ein  pfn'd 
vor,  die  Sonne  hat  zwei  yforde.  man  dachte  sieh  fe^lcb 
den  tag  als«  etwas  von  der  sonne  unabhängiges,  so  wie  der 
mond  gerade  die  dunkle  naebt  erleuchtet,  wahrscheinlich 
liefs  man  den  wagen  des  Tags  dem  der  Senne  voransge- 
hen*),  hinter  der  NasM  den  Mond  folgen.  Nicht  be« 
dentongsles  mag  der  Wechsel  des  geschl^ts  sein,  dem 
mfinUlichen  Tag'  zur  seile  steht  die  weiblicbe  Sonne,  der 
weiblichen  Naeht  der  mlnnliche  Mond.  Der  griech>  my«^ 
thus  verleiht  dem  Helios  und  der  Selene  wagen,  keine 
den  gottheiten  des  tags  und  der  nacht;  doch  gebraucht 
Äschylus  in  den  Perseni  386  vom  tag  Tievnon^koff  t^/tiiga 
er  läfet  ihn  mit  weiften  rotsefi  reiten.  «'Dlis  räthsel  bei 
Reinmar  von  Zweier  Ms.  2,  136  lüfst  den  wagen  des  jahrs 
von  sieben  weifsen  und  sieben  schwkirsen  rossen  gezogen 
werden  (den  tagen  und  nickten  der  woche).-  auch  hier 
bricht  die  vorstelluiig  lehrender  und  reitender  gottheiten 
des  heidenthums  durch,  noch  ein  in  Mones  anz.  6,  4&9 
beigebraditer  sogen  beginnt:  'grüefs  dich  gell  du  heiliger 
sarnUag,  ich'  sidi  dich  dort  herkommen  reitent  das  ist 
allerdings  der  heidnische  gott  Tag^  wie  er  auf  Scmfäkeo 
(alHi.   Skinfaxi  Sn.  11)  mit  der   leuchtenden  mfihne  einher 


*)  d.  h*  t^ff  oder  morg^a  bIM  d«  vor  der  ttnme,  die  sonne  oo- 
tentätct  fie  gTeichiäm ;  uns 'daie  dhi  niatie  fr  lieblez  nehtn^n  hdi 
dem  morgen  üb^  bhfe.    Nib.  1M4,  2; 


700  SemiBKAUFOAINS 

« 

reitet;  wer  aber  m  den  Kehlea  gott  PaUar  (s«  202)  auf 
«eiaein  fohlen  dieliley  urttrde  tneh  nieht  gerade  fekbdria-* 
gen.  von  der  personificetion  des-  tags  soll  gleich  hernach 
noch  weiteres  Torfcomii^en;  jene  formel  verdieRt  alle  auf«« 
merksankeii 

.  Gleiehwoi  wird  von  nntfem  dichtem  tagesanbmeh  dtrch 
a«f|g[ang  der  sonne,  vorziiglich  gern  naehtsanbrnch  durch 
ihren  nntergnng  ausgedrAckt;  nicht  beginn  und  ende  der 
nacht  durch  de»  mond,  des^ein  auf  und  niedergang  Mf 
gelten  damit  zusammentrifti  Die  filtesleii  formein  triü  ich 
hier  nuttfaieiilen. 

Die  sonne  geht  auf^  steigt:  foth.  mmma  urrmn^ 
Marc.  4,  6.  .16,  2.  ahd.  arrnmit;  daranAh  imm  diu 
aunna  N.  ps.  103,  82;  mbd.  si  was  Af  erruhnem.  Mar. 
180.  aitn.  fiA  rann  dagr  upp.  ^.  belg.  cap.  220.  rni- 
nan  bedeutet  eigentlich  laufen  und  flicffen,  hier  zeigt  sich 
entschiedne  analofie  des  altrdm.  Sprachgebrauchs,  der 
ebenso  n^mare  von  der  aufsteigenden  sonne  verwendet: 
diei  principinm  eisme,  ^od  tin  mmmt  dies  ab  ensn^ 
Varro  6,  4  (0.  Malier  p.  74).  mamare  solem  antiqni  di- 
eebanl,  etim  solis  orientis  radü  s^ndirem  jacere  coe« 
pissent.  (Festus  s.  v.)  urreisan  (eiigere)  sagt  Ulilas  nicht 
von  der  sonne,  ßpanisoti  wird  der  aufgdienden  sonne  ein 
stechen  (apunlai^  beigelegt:  yxje  el  sol»  dios^  > que-  fermoso 
apuntaba.  Cid.  461;  quando  viniere  Ja  manana,  <pi6 
apuntare  e(  sei.  Cid.  2100.  Mch  dem  anfgang  ist  die 
sonne  0ru>acki  und  'mit  wtKilmmidtr  sonnen^  (weisth.  2, 
160;  173.  183)  taeifst  so  viel  ab  bei  hellem  tag,  'wenn  der 
sonnensohein  anf  i$<  (weisth.  2,  2S0).  agi.  4iMer  heo- 
fonleoma  com  bKcwKf  Andr.  836« 

Die  sonne  sinkt,  HilU:  goth.  gfuugq  sduil  Marc.  1,  33. 
9agq  sunnd  Luc.  4,  40.  dimgqäi  (oecidnt)  Bph.  4,  26; 
ahd.  sunnA  p^eal  (ruit)  phluab  (oceldit)  gl.  Ker.  254.  Diol 
1,  274«*)l(  mhd.  Mgei,  diu  sunne  sUgel  hin  Triste  2402.  div 
aunne  was  ze  feal  fesigen  Wh.  447, 8.  nu  hegund  <diurstiiine 
sIgM  Aw.  l,  41;  tl\n.s6latfaUfS6ls€kr;  engi  smlMeL  der 
letzte  ausdruck  sagt,  dafii  sie  sieh  niedersetzt,  es  wird  ihr 
deher  Mit»  oder  sM  beigelegt,  in  wetehen  sie  sieh  nach 
beendigter  fahrt  begibi  ihr  «niergang  heifst  ahd.  $edal^ 
hatte  hymn.  18  ^  1.  ags.  seMgong^^  ieüräd  Csddm.  184, 
10;  ^oddftl  s«nne  geedt  a  sete  gMari  Andr.- 1306;  'oddftt 

*)  nhd.  Diederschlageo,  in  boden  schlageo  (Intrans.).  . 

**)  die  ahn.  und  ag».  ifucadie  lutenGheidat  «wiachen  ;|wei  abeod' 
weiten  einer  froheren  (apUn^  ^fea)  oQd  ap&teren  (ofreld,  cvild)»  j^a« 
ist  Tcapera ,  dieae  €onbciDiuni.^,)«t(  qir^i  l$f^{  ^*  -73^),  Miü^^  ^ 


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Ueorkt  ^aUtt  sttne  •TtgMiorhl  A  9kie  gMmii  knüt.  Ym\ 
9eäal  im  kit  (ocotnni  laHin  gntditvr)  hymn.  14/ 2.  Mu. 
9ig  svnne  16^  Midie  Hei.  86,  12.  Mnoe  wird  an  f^tU«  fleL 
m^  K>.  geng  thv  ibamt  luo,  mm»  li  «tfrifo  Hei.  lOS,  «. 
sor^  ip«tfaf  dag,  sumiele  «MÜrHel.  137,20.  nt  thuo  gMgid 
wiBlIi  9edle  toAbov  hddra  ranaa  mid  keiiantMfgkni.  HeL 
170,  1|  din.  fot  etstm  gfaator  apien  tu  $äde.  Br.  1,  00; 
IFeaiflfi '  (oocasds)  atdrt  denn  Osim  (oriena)  gegmObar,  und 
da  ^  daa  akd.  KU/  den  pol ,  Nordklbel^  SuiitUM  den  Nord^ 
pol,  SüdiMil  b»zeidNien  (N.  Btb.  208),  so  bat  eine  fai  (km 
weiitfL  ttberiieferte  termol  aof  liobes  aker  anapracb:  'bii 
die  aonne  miir  deu  WeMkrfiM  geht'  (1,  836]^  'bis  die 
smnie  am  den  WektergUtel  a^bint?  (2,  109);  <so  lange 
dat  die  sonne  in  den  We$i9rge9el  sebiat  (2)  150);  ili  der 
ernten  dieser  drei  steilen  wird  ^ie  seltsaase  arkiftrang  bei« 
gefiOgt:  ^bis  wn  12  «hr'*).  0?ids  «es  unh  hetperiö  (met. 
4^  214)  gibt  AKnreaht:  in  den  liehMi  losa^snMi^eii.  be« 
denteitd  sobeint  mv.die  tberainiDunfl  dar  altn.  Grägis  1, 28: 
far»  til  lögberga,  at  a61  ai  ä  giäkmiti  etatm  fomtta  (giA^ 
haniaiT  ist  chasmatis  mipes  oeeideiiiaHi),  ieb  #eilde  bietu 
Yon  bei  anderem .  bnlaft'  weiter  au  kondehi  beben,  mmhi 
▼gL  nesh  in  LaadninM.  ,b6k  216  dio  äusdrtteba:  aöl  1  ouMnl 
ob  ^e^.  nihd*  di»  sunne  gie  ae  sedM»i  Mit.  3,  S7,  »als 
cKo  jmne  in  ir  ge$9del  tolde  gAm  UoHeofi  3ßß,  was  ist  das 
abte*  Cir  ein  orl,  dar  in  demselben  gediobt  14^  fainsug«^ 
naniit  wird;  ae  Osatdfy  d*  ^  aonnö  ir  gee^del  bit^ 
die  braptatadt  ve«  Mien?  .^maa  sebe  a.  705  die  anm.) 
GMckriel  mit  aedal  wfire  ^kadamy  mhd*  gaden  {cMcnk-^ 
kam)  Mor.  15«,  wen»  nicfait  ze  f  nftden .  geieaen  werUair 
nab.  Die  aemnewarwegemtld^  begierig  nsGob  reh*:  d^ 
bete  ditt  mtfsdtamaie  ibr  lidbten.  Mio  hinfe  ir  gelsaen;  Parz.- 
32,  24,  aiti  geht  ia  4br  bett  undaeMa^geäseoh.  din«  sotew 
-..,..-.  fc. •....<  ...  .—  '  '  '     •  *  j 

▼olleii  abeüfl«  wo  sdioa  baobt  angebMeheo.  niohdiebe-  Itflle  eMge^ 
treten  ist  ich  leite  emid,  gvM  Ton  CTelUul«  iiaalja  (iiaoire«eeelieM)> 
vmd  e«  bedeutet'  apnat  toteritiia,,  o^eiV^^»  nex,  iM*  mee  ai<s  4f  ^  uo- 
tei^g^ng  4e8  tagea  (wie  oadere  mit  caed^ere  yerwandt  ist)^  aotfh  hesr 
ter  aus  der  todesslille  der  nacbt  deuteir  kann.  Tgl.  das  engl,  the  dead 
of  night,  deadihne  of  night,  die  stodcstille,  todstille,  itfcliwei(fepde* 
Mehl,  des  centiebiiam ,  ege.  ivildlid.  WennehbiltfWerchi'aeSnM*iirk; 
Ton  817m  arbeit  des  »pAlen  ebeid«  bedeutet,  die. den  migden.nicbti 
aufgelegt  werden  sei),  so  eotMMra^h  ppoh  eie  al|d,  fhuilt  4^#.#gi«. 
CTild,  altn.  qreld  und  qyöld.  Casdm.  188,  II  schlafe  iöh  lu  leaeo 
Tor;  ^Tildr^u  eodon  en  U4ra  Mal,  (biellu^e)  reapffifi^  ftfpo^ee  ibant 
i«  .Tfatwia .meloroio.  •    :,     «    •  ■  '  <h.  .1  :  •.  :.  i 

*>.  I^i,  grenab^timpiungen  i|t   }^€$itr^iUl  auch,  i^rdi^ .  iVF^fld^f. 
1,  464.  465..  481  49a  550.  55tfj^    '  .  i 


I    .  I 


KU  MoaiafffintiMxm 

gftOf^r  ttt  Mijjw.  Dv.  1,  107.  .wleD/fik.  til  &tfilk  Dr.  1, 
170;  mbd.  diu  mm»  gerte  lk»n  fich'zao  reste.  Brait 
1321»,.  diu  fiann«  d6..M  resiß  gie.  Ecke  (Mag.)  110,  ah 
wolie  diu  junne  ze  rMfo  u«  oucb  ce  gemache  nider  gftn. 
Dietr.  14<i;  Opitz  2,  286:  ^mufs  doch  eu  rO«/^  gehes,  so 
oft  es  «bmd  wird,  der  «oUna  himnuilsiehild.*  aUeogl 
putil  the  sun  wm  gou  lo  r^t  Iwaa  3612.  Ikmer  heutiges 
lotet,  gfukk,  mhd.  genftde,  ahd.  JünAd«  bedavtet  eigeMlich 
oeigiuigi  seDkung,  herablasguiig,  tehe  (s.  672),  darast  er« 
IfiUürt  aicb  die  redensart :  diu  gönne  f^ene  se  gmädei^  (dal 
pK)  Her.  37«.  Wolfdietr.  1402;  achott  Agricola  verstand  ei 
(spriahw.  737)  nicht  voUkoiraien,  wens  er  sagl:  'es  w<erete 
bUs  ^ie  sonne  wolt  m  gnade»  gen ,  d.  i.  undergehn  onil 
4er  weit  ire  gnade  u,  schiDia  veraagen  (1)  und  aii  ruhe  ge^ 
hea'.  Avenliu  (ed.  1580  p.  lO'')  macht  davan  eine  an- 
Wendung  sogar  auf  unser  frühstes  beidenUMiin,  die.  sonne 
sei  als  königin  des  hkimels  verehrt  werde«:  'dorft  keiner 
sagen  aie  gienge  unter ,  mast  spreoben^  sie  gieng  zu  rM 
u*  gnaden,  wie  dann  Boch  etwaa  das  nftrriaeh  gemein  volk 
meint',  blob  die  lelzieu  werte  sind  zu  beachten ;  der 
aberglaube  kaon  weit  ;binaiifrekhen ,  <  dafs '  ea  fr^maisr  sei, 
hier  wie  in  andern  fftUen  den  germiaä  aaadrwk  im  vm^ 
den  und  .  eiuen  alten,  halbverständKclMi  eu|(hemistiseh  sa 
braueben«  Aueh  Yuk.  775  hat  darüber  .merkanawertiief: 
man  aoUe  sagen  emrito  ee  sublae  (tUa  sänne,  ist  ve  reb^ 
eonquievit),  nicht  aber  %a4ie  (sl^  ist  iünglügaugei^  oder  ipa^ 
'(sie  sitzt);  denn  sagt  man  .zadj»,  e».  spricht  aie  'za^cbao 
pa.  na  izischao*  (hingegangen^  nicht  ansg^angen) ;  isagiman 
^edoi'  so  apriebt  rie  ^sjeo  pa  na  nata^  (gesessen  niehl 
anfgestalMlen)^ .  sagt  nsMa  smfarise,  ao  spricht  sie  'snirjoae  i 
tP  (zur  ruhe  auch  dir  oder  du?)*)  HiaamH  wrtinde  ich 
noeb  den  eddiaehen  sptuch.Yen  basondTdr  heillgkeit' der 
untergehenden  sonne:  ^engi  skal  gumna  t  g<)gn  vega  si4- 
tktnmdi  systor  IdAna'  S«m*  1841»,  keinar  ktapfi»/  w^Q» 
die  genne  niedeüscbein*; .     >  ..  - 

Lye  bringt  etn  ags.  redensart  bei:  er  sun  go  \^ 
glade,  und  fibersetzt:  priu^quam  sei  Vernt  ad  occasum. 
lapsum.  dann  wftre  zu.s.Qbreiben  glftd,  und  wirklich  wird 
gltdan  (labi)  von  der  wandebiden  senne.  gesagt:  beofones 
gim  gläd  ofer  grubdas.  Beev.  4140.  allein  gongan  td  gläde 
befremdet;    vielleicbt  tlaif  man  «n  ags.  snbst.  giflde  an- 

*)  diB  taeogrisehfiBGheii  lieder  Mgea:  u  ^JU»«*  ißkailivt,  ^ßi^oi^/fl^ 
(Faariel  1»  56.  2,  300.  432)  d.  h.  ue  hat  geheriTdit;  h«rt«M  aie» 
nai«hr  am  himiitel,  ist  anlergegangen;  ebenso  heilst  esTöm  anter- 
geheodeo  raond  (2,  176)» 


lflll>M0>1li(MU]NI  MS 

ufteMi  f-aiH'  imt  id^§if^iten  iiedtaüMg  .s^eadtar  jMd  f[Ml- 
diiifli»  nifiht  juir^ibis ;«Hnj  giadr,  a1»pll^dtiBl.  aM^  klat  dtiaM 
aoi»  jMfuiMil  .apleMdidna,  danii  hilarifi  ^wie  diea*  bägnffe  nl 
eioaiidar  (ibergelM»*%>  Uai'gih  von  alernaA,  augeti,  stmii«« 
loa  i6raff  4,  9ä0.)  Q.  IL  1,  13  6r  vi^firti  aumia  so  ftel 
(eb  aie  #o  le«oliteiid  wäide).  eifi  mhdi  dichter  äugt  (war- 
niu«.20ä7): 

a4  ir  die  aanndo  orA  ieheti 

schoBoea  ta^ea  ir  ir  jallti        <  \  '   < 

deai'daadU  ir  ir^  kad  goio  biM« 

ia  dBT  S^hwaia  fiäds  ich  dea   merftwüKdigwi  eigeniniiiM 

Sm^rak    {AmMm  3,  80.   m).      Bim    reiohm    ahm» 

au<^  dto  vorsIdhMKgfltt  fraudei  woanOi  imhn,  felnaeii  aa^ 

eiDander^  Tolglieh  glMa,  waone.    die  wilargeiMnde  aoima 

gtrahlt  in   ort^htann  flans,    sie  g^ht  z«  ihrer  wonhb  ein, 

das  kOnnle.  gongail  t6  gläde  aams  wollen,    altn.  hahe  ich 

niur  ein   ^aaigaanial  gäesen   9okwglaA  (oe^asoa)   fiarnald; 

^  If  Sia    Ihres  dialeeÜML  p.  57«  165^  lehrt,    dafs  in 

Vestgöttand.  gtedas  rom  nnteffebea'der  anone  ^:  /solen 

gkuk»,  ^fiaw  (sbI  eccidiC)  iokgkmdmg,  MalgläSjfm  {oooa« 

aus),  das  kaM  bedeutent  die  uMe^gdMidia.  aeane  frept  sieh 

aäar  .gillma.   fi^rüacji  kfei  ich  attiv  w»  Staid:  1, 468. 2, 630 

aaftihrt:  die  sonne  geht  i>ergolit6t^  für  geht  intttov  d.  1.  giinnl 

vor  fteode« .  ^annne  »goU  pakgtü  Km.  n^  i06.  auch  in  eneffli 

Uede  (Eaebenbnrgs  denk».  240)  beißt  es:  'de  simnis  ging  to 

goUß',  und  Mer  in  deniifreiithttmern«:.  'ao  die  sun^^  goU 

al'  (1,197)$  'ah  die  soHbe.an  yoftgel'rfl,  SOI).!  Weil  äben 

mtfg€h0»de^4i$n  gleichen  ackein  d)ea< liebte' darbietet,  s# 

lAbt  sieb  Auafliebr  dnnteli,  #arum'dieaer  <dad  velb  anfeieri»«* 

oben  laigeii  frmkknqKrütuge  und  taw  beilegt  (s.  266)^   diel 

sane  bcäCrtufd^  pasehen  apielmann'  .(libuptaMilsehr;ljS47.). 

ja  auch  dabei  machte  ich  noofa-  niabt..  stehe«  bleiben,  soi^ 

dem    M«.. einen  tiefen    sniaBinienfaiEing'der  begnfe.  des 

liabta  und:  aabatta ,  ^  4er  fiirbe  nndtdes  tone  (granraat:  Z^Wj 

87)  jenes  fieräiuck,  jenen  Atei^  i^eraCehen,   laelöben  «raan 

dar  auf  und  ^miergehe$ulM\9lmät  luschvieb  (si  684);    Qe^ 

naner  bnsdhrbibt  m  eine  atrophe  in  Allirecbts  Titni^eU   ' '  • 

detanlrii  iklind  .sich  diu:  sunne  .  ^  .    •  1     . 

wol  an  jr  zirkel  rtden  (drehen) : 

der  stteie  eintüberwoline, 

ich  wflBn  die  stteze  niemail  mOht  erltded 

mit  dtfne  dö  diu  sunn  ir  zfrkel  ruorte; 

seilehklanc  und  yogelsanc 

.  ist  alaaiB  glich:  der«  goit  gta  k^^fiar  fnor^e. 

*)  TgL  I.  b.  aoser  ht^Ur^  (serenus  and  hilarii). 


die 


M 


'I  •    .     I*  .  •(.  •       «1 


TOf  MMMIGIUnmMXAini 

die  nUSmn  Mm  dar  mtf^llien  wmtk9ilimirfttmi  ^9tltlm^ 
Ub^  und  vogfelfMaag  wie  gnrfd  dcd  Mipfldii.  Wer  dankt 
hier  iiicht'  a«  die  uralte  Hberllaferuiif '  revi  *ter  JffMKkMM'- 
Mtfle ,  .  dia  bei«  aiilfgang'  der  mmne  elneii '  laut  ertOneii 
lieb ,  gleieh  als  springe  dae  saito ,  mch  einigen  ^im  aaf^ 
gang  einen  fröliBchen ,  JMiro  •  Untergang  der  sonne  einen 
traurigen  *). .  Wir  werden  hernach  noch  andere  vorüel-^ 
lungen  des '  anbrechenden  lagSi  der  einbreohenden  nacht 
auf  licht  und  ton  zurückfahren  können. 

Wohin  aber  wendet  sich  die  abendtonne  zur  ruhe, 
wo  ist  ihr  gemach  gelegen?  nach  dem  älteeien  aiAdraA 
tauoht  sie  insmeer,  in  denttthlen  wogen  Ihre  glut  zu  loaebea» 
Im  9gtk  Wk.  (Rawl  198*)  ^and  ^th'wMnum  f^^cd,  tbit 
hio  on  mere  gangw,  •  under  .mp  svife,  ^Onne  bio^  on  seil 
gUded*.  So  sagten  auch  die  alten  vOn  der  sonne  und  des 
gestiraett  (fürai  und  meri^ere,  Boeth.  4  metr.  5  von  Boe« 
tea:  cur  merffmi  seraa  aieqmre  flsmmas  und  metr.  6:  nao 
cetera  cernena  sidera  mergi  enpit  o&Mim  ilngere  flammof, 
was  N.  .223  terdeotscbl:  aUiu  seiobeil  Mbeade  in  sadel 
gAtt  niooMT  sih  ne  geröt  foftodtf»  in  äemo  mereuMnete, 
^ol>  putife  ocemmf  Rvdiieb  4y  9.  Der  atosdrnek  liegt  aber 
allen  bewohnern  der  «eehttste  zu^naba^  nla  dafs  er  eotlahnt 
zu  sein  brauchte,  attn.  hiefa  ea:  sM  gengr  i  iBgi^  s<  b. 
feraai.  sog.  2,  302.  mhd  der  j^,  dft  diu  mmne  tf  gCt  ss 
vesH.  MS.  2,  66i'.  :  Und  wie  andere^  gCmimasn  iiMh  ibMo 
Mg  durch  das  bml  imisee  gebadet  :iwerden  (Nerthus  si  MO^ 
Holda  a.  246))  bezeugt  das  eben  die  gOttliohkeil  derdonae, 
dnfs  isie  tmi  h04e  gSki,  eine  auch  bei  lien  Slaven.aNg»* 
inein  verbreitete  Toralellung:  nl»ends  «inkl  die  «o«ne  ins 
bad,  sioh  jbu  reimgien,  »ergena  entateigl  sie.  retai  In  Msdier 
pracht  dem  bsde.  das  meer  galt  fttr  der  aoAne  muHar, 
der  sie  nachts  in  die  atme. sinke *^4 

Bitwiriitietfn  das  lAnermi  tands  aäninteieia.  wähl  den  ho*^ 
rbonl^  dav/on  blefii.  ds?  a6t  giangr  Ut  eidbr  (ffiftf»  s,  Tv  fidi^ 
acrian  .fir  tmder^  eMa  >  (HiraMg.  vi)*^*).  <dedr  ^e  aga,  re* 
dediart:  ^iftdor  aägt .  voMaetariit  ge^  mufd^mi^A^  scfi^ 
dan*  Abda.  14&ä.  sduintsetwaa  andens^  das  hhd.  weidi.(«giv 
anm.  s.  116).  Wir  sagen:  die- sonne  gabt  hintev  die  berge; 

*)  Pausaa  1,  42.  Philostr.  Til4  iq>eü  6i4.i.hsr6iBs  iL  Biih.  36,  tl. 

Tac.  ano.  2,  6|«  Jareaal.  t»r^ 

**)  HaDusch^.  slaV.  roytli.  a.  201,,. der  damit  da«  wassarbegiefteo 
beim  Kupalofest  yerbindet,  and  diesen  nameo  Von  kupel,  kapiel  her- 
leifot  '       ,      .       ,       ' 

*'*)  ehtto.  pOMr  katouh matlü  Mtra;  4U  iö^n« '^hl 'aai  wipfel 
dea  waldea. 


»i  .11 


wxemkmmoL  m 

däsv  sMbmt^  w«l .  daü  ags.  ^nne  g«^  mukr  nißM  nAt ' 
(mib  tMtae  or«pidinein)  Andr.  1306  (vgl.  El.  831  vnder 
neolum  nSMe);  efai  dttn.  tolbilied :  B^km  gik  Itf  iorile  Dr. 
1,  170,  nieder  £iir  erde;  Beke  (Hagen)  129:  diu  imme  4n 
dmnhimel  gie.  aaoii:  die  aenne  ist  kbmUer,  mhd.  der 
sänne  (liier  mftnnlicli)  kmder  gegäi.    MS.  t.  lOSi»*). 

Nun  wollen  wir  andere  formelii  betfacaleny  weleke  den 
anbraeb  des  tags  oder  der  nacht  ebne  besiehnng  a«f  die 
sonne  anadrOeken. 

Vor  allem  merkwürdig  ist,  dafs  man  aicb  den  tag  in 
fftterf  gewidU  daehte .  das  gegen  den  morgen  an  dem  hkn^ 
mel  vonHekt.  Weifram  hebt  ein  achdnes  wichterited  mit 
den  Worten  an :  'sine  iUttmefi  dmrek  die  woUum  9km 
geslagen^  er  stiget  üf  mit  gr6zer  kraft,  ieh  aib  in  griwen 
dea  tao*;  nnd  im  dritten  tbeil  von  Wb.  (caaa.  317«)  heifst 
es:  'daz  Ma  wölken  wteen  grä  und  der  tac  sine  cid  heie 
geriagen  dmrch  die  naht*  ^.  Ist  ein  rogel  gemeint  oder 
ein  vierfllftiges  thier?  denn  beiden  gibt  unsere  spräche 
kisuen«  ifgs.  indel  sich  der  eigennamen  Mghrefn  (Beov. 
4M8)  was  abd;  Takahraban  wftre,  und  Beov.  3599  wfrd 
der  tagesänbruch  durch  die  worte  geschildert:  hräfn  blAea 
heefonea  vynne  bitdheort  bodode  (niger  corvus  codi  gau-* 
drom  laeta  corde  nuntiavit]  ***).  jene  atnrmregettde  klauen«* 
Senkung  (8«  600)  lieTse  einen  acU^,  die  Überraadiende  gleieh- 
heit  eines  morgwriindischen  bflda  aber  den  könig  der 
thiere,  bei  uns  den  kären  vermuten^**).  AH  Dsehelebf 
schildert  in  seinem  humajunnameb  (Diez  p.  153)  dM  be^ 
ginn«  des  tags  mit  folgenden  sohwülatigeo,  aber  ohne  twai- 
fel  aberii^aferte  Vorstellungen  wiedergebenden  werten:  'als 
der  fclke  des  nestes  des  irmamenta  die  nacMvOgel  der 
flatternden  ateme  von  der  wiese  dea  himmele  aeratrettt 
hatte  I  und  vor  dem  anblickder  Uemm  des  Urnen  des  tags 
das  reh  der  biaamduftenden  nachl  vom  falde  dea '  daseins 
hl  die  wflate  des  nichtseins  entloben  war',  die  nacht^  eiil 
eohüchternes  reh^  'entweicht  vor  dem  starken  ^  'miefaftigen 
iUere  liea  tags;  gewis  ein  schönes,  lebendiges  MM.  'Auch 
in  einem  andern  liede  lafst  Wolfram  den  tag  »H^  lAvwider^ 
stehlicher  gewalt  vordringen.  ^ 

*)  Gttdr.  1164,  2:  'der  sunoe  sohtn  gelse  yerborgen  hinder  den 
Wolken  ze  GuHrAu  Terre*  venfehe  ich  so  wenig  als  QdUi^  (s.'tOl), 
d«eh  beide  aebeioee  dstseibe. 

**)  such  ein  weia4hum.(3,90)  hat:  *dct  sunne.appa  dam  hsjgasien 
fewest  dmwtndieh', 

***)  TjsL  volucris  die$.  Hör.  ui.  od.  28,  6.  ly.  od,  13,'  16.    ' 
^**)  die  Araber   nenoeo  den   ersten  morgenschimmer  tchweir  de» 
«m9^.    BuckerU  Hariri  I,  215. 

Crimumt  my<A«l.   $.  musgmht,  v5 


90r,tag.  wM  «fter  auoh  mensebiliob  gfMdejt»  ja  g^atait 
mnw  leMoen  lüaglinga^  <)er  gleiob  WiuHana  rfJ^en  als 
i#fe  ,4911  ¥g  verloiadet:  'dAg  byd  4jryh(MS  somiP  hoUist  «« 
IUI  jriin^iiiiad.  hierbei  ist  daon  die  biUking  d«r  namen 
B^ldäg^  Syij^da^  imd  Hhnlipher  für  göUier  und  beraen  zu 
erwägen.,  dieser  gOUerbote  stelU  sich  am  gij^f^i  des  .b«r* 
g^  nß^suf.4ie  «ei^y  wie  dfia  tbier  auf  dieklan^,  um 
«obncÄI  ina  )ßtiA.m  acbiMieq:  'jocwid  day  sUmdg^  ^^rtea  oi 
the  misty  mountain  tops',  Romeo  3,  5,  gewia  ein  veifca* 
mfifaiges  bild ,  das  auch  flebql  von  d^r  «iHiokiCafrlriie  ge- 
bcaticht:  'und  li$li  uf  de  skeoke  ,gohi  und  heiler  uf  d^ 
bßvgß  stobt  de  sunntig'..  er  steigt  wd  dringt  alenda^  un* 
«Hifbaltoain  vvor:  'der  ,ta«  siigmde  wert^,  Trj^t.  8042;  'der 
tSiß  b^und  her4ringen\  WoUd.  124.  ags.  f»A  vfis  morfen 
leobl  scQfen  jsnd  scynded  (praecipitatQs  et  featieatng,  ge- 
schoben und  gesotandet)  Beov^  lti28,  daruaa  heifst  er 
«fisern  diphtern  der  riete  (gewaltige),  wie  golt  selbsl  (s*  18)  • 
rtche  ai86  4er  tap  MS.  1,  163>  rlcAe  mmt^s  alstin  d^  la« 
Wigal.  5t22Z  der  tac  wil  getrfchen  (siegen,  weiten;  hervoben) 
US.  Ij  2t^  2,  23^,  er  ist  niebt  suirüdunbalten  .und  vertreibt 
die  nacht:  der  tac  wil  nifu  erwnden  MS.  1,  147S  morga 
fruoy  als.  der  tap  erstarket  Eracl.  587 ,  dd  die.  naht  der 
iap  i^erireip.  Freuend.  47.  58.  Er  starat  sie  vom  thron 
ued  nimmt  iba  SAlb$t.  ein :  'e^  ti^et,  diy  naht  inuos  flb  ir 
tr4ne^  den  sie  zt  J(riecb0n  hielt  mit  gmser  vrAne ,  der  \%t 
fM  ff»  ke$ifiien'.  MS.  l^  Z^;  Yf^  iene^  ßm^iXui^sty  von 
der  sewe. 

/  .  jßinigemal  sehejnt  e^,  als  a^i  der  t4g)  (denke  man  ihn 
in  gestatt  ein#9  m^esebee  oder  tbif^rs,  ßngpbntHl^  und 
^  anbrepb^n  gehindert:  Jitgafßy  fiunß  Jigßta  diee  (jReinh. 
f.xiv)y  er  kann  nur  langsam  iMhen,  lypil  ihn  die  be^de  bew-* 
n^-  gebftr^  hierher  ^wi^  Fergat  1^3^:  'qiiam  die  dach 
gffeßirict  in  die  s^le'.?  .  in  einem  u^w^iacfcftn  miyrehen  {Itai« 
(atb  1|  137)  werde«!  ;mitternepht  niid  mprgendlmineftuqg 
tmgfifmifnf  daGs  sie  .nißbi  W/oi^er  k^MM^en  und  nwi  b0i  dea 
lauten  ni^  enlangepiK     oi9)>  inbd.  gedieht  stellt  de«  tag  all 

/ei/  und  hüiußick  dar.  (jff  1*  d..«i  1»  ^7),  ine  ein  knecht, 

den  das  seil  fesselt? 

Die  romanischen  sprachen .  (nicht  unsere)  pflegen  .  den 
än^uch  d«s  tagip  diirph  ei;a  wort  zm  bezeicboeo«  das  ste- 
chen bedeutet ,  franz.  paindre ,  speo.  jNNitar ,  oygNiiMr 
(weMies  auch  von  der  sonne  gilt,  verhin  s.  700),  ital. 
spuntare.  ä  la  /? om/^  du  jour^  mit  tagesanbmch.  '-  daf 
Ififst  sjch  freilich  von  dem  ersten  vordringen,  gleichsam 
spitze  darbieten   verstehen,,   vielleicht   aber   auch  .^pf  d^n 


teUmMk  tag,  der  seia  pfeM*  spomi-^   bezi^iMiij  oder  auf 
ein . tbMii8c|»Df  remmi  uard  traben,  peindve.  Reinh*.  s.  ximi 

ifoch  'iedeatsanier  nvd  eiagreifeiider  siml  aber  die»  re* 
deesarlen,  wekhe  «iit>  tagefenbraoh,  roür  morgearOth»  nie^ 
denum  die  idee  einer  erseiteMsnM^,.  eines  gerAu^hßg  ver» 
binden  y  daa  den  sebwingen  ,dee  nnhesden  tafbolen  beigem 
messen  werden  darf,  aber  uns  sogar  eu  dem  biMwISB  fotl 
IMvl,  dessen  walten  die.luft  erschOMerl.  Wuotai  «te 
Waomo,  Vtma  gedacht  ist  ein-sohauem  der  natur  {«.  Ii31. 
13S),  wie  es  sich  auoh  beim  anbruofa-  des  tags  erceigt,  wo 
fnsebes  wehen  dwch  die  wölken  dringt  beziehu*gS!rel 
siml  die  ags«  ausdrioke  dägt&ma  CMbi.  189,  36.  eod, 
esam.  175,  4  4AgrSdMma>  Andr.  135,  6  cod.  exom  179, 
24  morgemtvSg  Beov.  257,  dyi^  on  dftgrM  C»dm,  289, 
37.  BT  dagrdde  j^ät  se  d^e  beeon  Ce^dwL  894,  4 ;  vgi. 
einit  a.  Andr.  and  Bi.  zzz.  xxii.,  auch  an  Donar  wurde  vorhin 
(s.  697)  gemahnt  Hieraus  nehme  ich  nun 'jenen.  Uang,  den 
das  h'dit*  der  auf  und  niedergehenden  sonne  won  sich  gibt, 
diesen  sinn  wage  leb  einer  altfrana.  formel,>die-  biofs  in 
kerlingiscben  diehtunpen  y^rrkonnnt,  unlerxidegen:  Cksrard 
de  Viaae  1241  ^lou  matin  par  Man  Faube  esciarcte';  cod. 
reg.  7183,  3*  ^un  matin  par  son  futifte,  quant  el  fa  «pa«» 
nie-;  4aa«  5>*  ^un*  matin  par  $am  t<mb9y  quaqt  li  jor  ee# 
eianiB^;  das.  ISU^^au^  matin  par  »an  faubef  si  oon  cbanle 
ii  gana'  (gnHus);  «od.  75%,  69e  <a  matin  par  sam  FatA^f 
folgende  'Beispiele  sind  aus  Cbarlemagne  (heranag.  von 
Kchei)  339  'al  mattn  sun  ia  (?)  fafte';  346.  468w  737  'ai 
amiin  |Kir  mmküb^';  «34  He  matin  par  mn  lalM.  Uefa 
das  ursprUiiiitoh.  nicht  jEwraoMMi  (^oiiitiim)'tilba»P.  freflieh 
spftter  sefaeim  man  es  anders  an  neinnen,  s<mi»<aumroMS, 
srnnasüas,  frans,  sonmet,  Mfohel  im  gloas.  autfibarlent  183 
bringt  «toe  steile  bei,  wo  geaaiuiebeii  steht  ^r  wm  bmbe', 
und  anderwfirta  heifst  ea:  per  son  leve  (e4»en  «af  dem. was»* 
ser),  en  sun  ce)  pin  (eben  auf  dieser  tanne)  Chafleniw  594. 
760,  en  son  (oben  auf)  Renart  0617;  und  im^provenz.  Fe^ 
rabriia  3484}  lo  mtin^  ans  lalba,  im  itaL  Boovo  (p.  m.  84. 
99.  155):  nna  maHin»  sv-  l'alba,  d.  i.  sur  Panbe,  was  dooh 
einen  gezwungnen  sine  gibt;  man  müste  es  fassen:  mor- 
gens, als  die  alba  auf  dem  gipfel  desberges  stand? 

Bio  Engländer .  verwenden  ein  verbvm  peep^  weleheis 
sonst  gucken,  benFOrsehauen  bedeutet,  fdr  den  anbrueh 
des  Ugs,  ihe  peep  of  day;  Hhe  sun  began  to  peep'  heifst 
es  in'  ^nem  schott.  lied  (minstrelsy  2,  430);  auf  gleiche 
weise  die  Pünen  pipe  fremi  'bist  piper  aolen  frem»  giv ' 
gud  en  lyksom  dagr    sagt  Thom.  Kingo,  «in  dichter,  des 

45* 


17  jb.  (Nyerii^  dtnsbe  digtekwstt  nUMelaldtf  1 ,  SSS.) 
Imde  sprachea  aotcrBcheiden  davon  leBgl.  pipe,  dan.  pibo 
=  pfeifeii.  Wie  aber  in  jenen  'par  tan'  der  seball  an  ei- 
«anr  hi^vorlreien  warde,  aebeial  gerade  aneb  die  alte  be^ 
deutoag  des  pfeifena  spaterbin  Terwiacht  au  werden ,  and 
ein  unteracbied  awiacben  peep  und  plpe,  dfia«  pipa  und 
pibe  SU  entslebn ,  der  anfangs  nicht  vorbanden  war.  un«- 
ser  firyphiüs  (p«  m.  740)  sagt  daher  richtig:  'der  nond 
pfeift  sein  lieht  auf.  es  ist  das  bei  der  naturerscbeinuiig 
aasammenbrechende  rauschen  und  leachtan.  Nicht  un- 
ihnlieh  ist  ^skreik  of  day'.  Hualars  Hallamahire  g^hissary 
p.  81,  was  doch  dem  engl«  shriek^  schrei  gleicbkonunt,  mid 
das  nnl.  kriek,  kriehen  van  den  dag,  plattd.  de  krtk  vam 
dage,  die.morgendämnierung,  gleichkam  das  schrille  des  tags, 
wie  das  zirpende,  schrillenide  thiercben  kriek,  krikel  krekel 
(cicada)  heibt.  Das  überraschende  eintreffen  beider  bedeu«» 
tnngeii  bietet  aber  das  goth.  lei^fo  (avloe)  ahd.  miikate 
(fistuia)  neben  dem  ags.  noügel  (lax,  aether)  alts.  $uigli  (lux). 

Selbst  unser  anbrechen  verkttndigt  getise  and  er-* 
schtttterung.  mhd.  sä  d6.  der  ander  tac  üf  btad^^  Fft*aaend. 
53. 100*);  engl,  the  breiJt  of  day,  wie  sonst  the  rnsA  (<ta 
raifschen),  \\ke  blueh  (das  blinken)  of  day^  Span,  el  alva 
reatpe.  altspan.^  'apriessa  cantan  los  gallos  e  quieren  ^^ae-* 
brar  albores'.  Cid  235;  'ya  yiiMnii»  los  albores,  e  vinie 
la  manana'.  Cid  460;  troeida  es  ia  noche,  ya  ^fmebnm 
log  albores'..  Cid  3558;  altfrana.  'raube  etiete'  Ben.  1186. 
*ja  estoit  Taube  crevee'  Ren.  1175;  ^tantoiit  con  Taube  ae 
eret>a^  Ren..  16057;  prov.  'can  lalba  fa  ereoada^  Ferabr. 
8077.  Dieses  romper,  quebite,  crevar  (tat.  ctepare)  ist  d«s 
dam  sonnenaitfgang  vorausgeheade  zittern,  and  erschattem 
der  laft,  von  einer  empfindlichen  kaUe  begleitet;  m  laL 
drefnucukun  y^  derselbe  sinn.  Die  Spanier  sagen  auch: 
et  alva  se  rie  (lacht)  und  die  Araber:  der  morgen  ajas/**). 

Doch  den  begrif  der  dämmerung  und  alte  dafür  au 
gebot  stehende  aasdrücke  erörtere  ick  hio*;  näher. 

^     Die.allerfrtthste  morgendSmuMraag,  eigentlich  noch  iKe 
ihr  vorausgehende  letzte,  nachtzöit  drückt  das  gotlh.  aAlM 

*)  Tgl. Bon.  48,  68;  aus  Lb.  3,259  raufs  ich  ausheben:  <do  brach  der 
lae  dl  kerfüry  diu  naht  von  dem  tac  wart  HnetU  (sich  spaltend?  Tgl. 
«bcn  s.  525),  dkl  sänne  wart  wol  sehtnentV  in  der  guten  fran  steht 
■weimal  153ft  2451:  *d6  der  tae  d^rt^  d^  Uufh  Uthie  unde  hraeh\ 

**)  Rnckerta  Hariri  1,  357.  In  den  novelas  der  Maria  de  Zajraa 
1,  3  beginnt  ein  lied:  si  se  rie  el  aha,  und  anderwärts  sagt  sie: 
quando  el  alra  muestra  tu  alegre  risa;  Tgl.  oben  470  über  das  schut- 
ternde  lachen,  ital.  heifst  *fare  ridere  una  botta'  sebr  beseichnend 
W  Ml  «0  «cbutteln ,   da£s  es  überlaSfiL 


TAGHBAIWIIDCB  «et 

Miro.  1,  3S  für  i^rv^^ip  aus,  «hd.  mAM  neoh  Na.. schrei« 
bang  uohia^  alta.^  Ma,  aga.  «Ate  (gewöhnlich  aiebt  'oe 
mhlaa'  Ctdim.  30,  26.  289,  31.  294,  2.  cod.  exoo.  443,  24. 
4S9,  17.  460,  14.  on  nbtan  mid  erdige  Beo?.  251),  ailn. 
Mte  (nach  Biörn  von  3*^6  ahr  nacbta).  die  wursei  noch 
aaiafgehcllt,  veroMilich  heirat  nach  ubtA  auch  das  schwei-» 
aerisehe  Ucbtiattd  wirf  wealfftlische  Ucble.  Nah  daran  sldrsi 
das  aga.  mrMg  (primmn  tempiM)  Beov.  251.  2623.  S88(K 
akn.  drdagi  (vgl.  Ardegia,  mane),  kein  ahd.  Mac  oder 
irtogo  kenne  ich.  Nun  folgt  der  begrif  von  düocnlnnK 
vefir  ahn.  dag9bHim,  dag»hkarmi,  dagsbirtay  von  brAn 
om,  margo,  giekhsani  snperoilinni,  biarmi,  birta  lax;  ahd. 
aber  tagaröd,  ImgarM  (6rair2,  486.  487),  ags.  dägrid 
Cadm.  289, 27.  294,4,  mnd.  dager^  Bn.l408,  mnl.  dagke^ 
raei  (Huyd.  opSt.  2,  496),  eine  aosaiMnensetxung  dibren 
aweiter  theil  iriohi  bestiamt  anf  rM  (ntber)  hinuieiten  und 
▼ielleicht  jenem  rodor,  röduli  (coelam  vgl.  s.  662)  verwandt 
ist.  aaah  daa  genns  schwankt  swischen  anao«  nnd  fem.*), 
es  adieini  mylhiackea  und  peradnücbea  hkuhirob,  denn  N. 
Cäp.  102  veirdenlnht  Lencothea  (die  weiise,  lenehlende 
göttin,  «ine  Perahta)  'der  tagerotP  und  in  urk.  begegnet 
der  mannsname  Dagkmroi  (Falke  trad.  c<Nrb.  p.  5),  auch 
an  Ortsname  Wirinta^nro/A  (Hftfers  zeitschr.2,  170).  wenn 
ahd.  glosaen  crapnacnlum  durch  tagardd  übersetzen,  so 
beruht  das  aaf  Unkenntnis  des  lat  sprachgehraneha,  es  ist 
QOthwendig  ünr  dilncMnm,  awora.  aila.  indet  aich  kein 
dagsrod ,  wo!  aber  sölarrod  aurora  (forum,  sog.  .8>  34ft)i 
Man  sagte  nmi.  aach  tku)hgrak9f  dagherak»  (feml)  und  gra^ 
im  vom  grauen  des  tags,  dies  ^atien  ist  von  der  &rbe 
hergenommen,  wenn  steh  die  schwürae  der  naoht  in  gran 
erhellt:  mhd;  der  ^iJioe  tac,  das  grime  licht  M0.  2,  49«, 
der  tac  wil  gf^äm9n  Wolfir.  4,  11;  'si  k6s  den  alton  jungen 
^dieen  grUen  (tac)',  ^pmo  unde  grd  der  morge«  Ikf  gAt'. 
MsH.  3,  427*». 

Auf  die  aurora  folgt  nur  der  volle  morgen,  goth« 
stadr^tfia,  ahd.  morAan^  alts.  nuMrgan,  alln.  tnargun,  eigent« 
lieh  MQtov»  ich  vermute  einen  mit  anbrach  und  brechen 
des  tage  verwandten  begrif,  weil  das  goth:  gamadrg|an 
schneiden  und  kttraen  (jenes  ginnen,  secare)  ausdrückt. 

<  Dem    aufsteigenden   tag  stekn   nun   benennungen   des 
sinkenden  gegenüber,     für  opi  und  o^ia  hat:  Ulfilaa  amdan 


*)  Tgl.  iodessen  ahd.  morgaiir6t,  inorganr6to  uod  morganröll 
(Gralf,  !2,486))  mhd.  iklj^doder  morgenr^r  (oder  morgvn  rM?)  Wältig. 
4,  6 ;  dai  morgenr6t  Trist.  8289.  9462.  ' 


TW  TAG» 

üoMy  die  zeit  gegtonf  naoUl,  dooh  moh  m^  (sMiuiE),  w» 
den  Netgriecben  der  abend  das  langsame^  apftte  Wo  ßgidv^ 
der  mergen  das  rasche,,  frtttie  «o  ^a^v,  Bisa  wiederun  des 
Irarae.  ist  (vgl.  ganiaärg}aii).  das  ahd.*  dpoMi,  aks.  äbtuuL 
aga.  o/i^,  altn.  op^M  berfihrt  sich  mil  aba,  attar,  apltr^ 
woduroh  tiie  fallende ,  rtckgängige  bewegnng  fceBeiobinel 
wird,  das  akd  dämar,  nhd.  däflHfMrm^.  gäl  vortugaweiae 
von  crepuscttlam,  und  gehört  »am  «gs.  dini  (obscvus).,  lilih. 
taassas^  slav.  temni.  ags.  afemim,  mpmgkm  crepnsculonu 
zumal  wichtig  wird  uns,  dafs  jenem  ahd».  TagwrAd  aMh 
ein  persönlicher  ApanirAd  in  einem  riesen  der  beUensimf» 
zur  Seite  steht,  ii6eiilr^/.  ist  Eckes  und  Faselts  bmder,  die 
wir  beide  als  erscheinongen  des  me^v  md  der  loft  k&ä^ 
nen  lernten  (s.  218.  602).  war  d^  tag  ein '  göUiieber 
Jüngling,  so  kann  die  dftmmrung  des  morgens  nnd  des 
abends  als  riesenhafter  TagarAd  und  ApanirM  erfafst  wor^ 
den  sein*).  .         - 

Den  Römern  nnd  Griechen  war  jAnrora  mmi*Iüh 
göttin.  diese  whrd  höchst  lebendig  geseUdert.  süs*  ersteigt 
ans  dem  bett  (iu  iix^*'  *  ^^^  nnsre  nbmie'  im  betie  geht, 
s.  701)  des  Tithonos,  ihres  geitiahls  (Od;*  5,  1),  hieiGsl  die 
iVtthgeborne  (^Qr/irtio),  rosenfingri§e  [godoiiomt'tfkogf  II«  1, 
477):  ihre  röthliehen  fiager  greife»  in  di0  wolhm  gleich 
jenen  klauen  des  tags  (s.  705);  auch  ;(^voo^oiro^  wird  rie 
genannt,  wie  Here  und  Artemis.  Die  Sla¥en  anheisen,  sMI 
der  göttin,  einen  gott  der  morgenrötbe  gehabt  zti  haben, 
JraHbog. 

Hier  aber  darf  eine  andre  slavisehe  und  vnf  rieche  vor- 
•tdlong,  weil  sie  zu  uns  nbergreift;,  nicht  imscbwiegeA 
bleiben«  ungrisch  heifst  die  morgenrölke  hapmk  ^ealhttiseh 
hagge)  und  die  dortigen  tagewftchter  mfen  sich  zn:  hajntd 
vagyon  szep  piros,  hajmü,  hajnal  vagyenl  d.  i.  aurorn 
est  (erampit)  pulchra  purpurea,  anrora,  aurora  est!  diesM« 
name  heynal,  eynal  ist  auch  den  Polen  geläufig  und  man 
mft^  ans:  Aeyna/  switai  aurora  hicetl  (linde  1,  623)«  Nun 
meldet  Ditmar  von  Merseburg  unterm  jähr  1017  (7^  5ft 
p.  858) :  'audivi  de  quodam  baoalo ,  in  cujus  summitAle 
mfanns  erat,  unum  in  se  ferreum  tenens  drcnium,  quod 
cum  pastore  illius  villae  (unweit  Merseburg),  in  quo  (U 
qna)  is  fuerat,  per  omnes  domos  has  singulariter  dactus, 
in  pfimo  introilu  a  pörlitore  sno  sie  salniaretur:  irtgilii) 
Hennil,  vigila  I,   sie  enim  rusUca  vocabatur  lingua ,  et  epn- 


')  mfad*  der  dbßniröt,   Waltb.  30,  I5j    'd6  diu  äbtniM  mitltB,v 
iiehl  der  erden  b6t*.  Uolrich  13k 


iMm  lU  dAiome  de  efiisdni  se  Ium4  aMoiiM  'sIqIII  au<« 
tomfllMiiil'.  «nd  noch  aud  Adtfib.  Kubtig  »ärk,  sag«n  &» 
930  eolneiime  idi :  <ei»  aller  fOrster  aua  Saebeo  bei  Sat&^ 
wedel  evsMiIle,  dab  man  «i  dieaen  orten  frülier  ^  g»4 
wohoheit  g ekabi  habe*  an  einem  beslMamlen:  läge  de»  jati^a 
einen  l>anm  äu«  dan  getaiein^waide  i^  hol«!  y  im  Awte 
anfamrieblen  Und  darom  tanarend-  su  rufen:  HemiU,  BemM 
waehel*.  alammt  das  Uns  Ditmar  ber?  wuf  aoHle  Hemiik 
wache  I  Hrapii  vifila  achoii  im  eilflen  jh;  aue  dem  nnfr^ 
Hi^al  vnffon  (ctenn  ifagyön  bedenlel  «st)  misveratanikfi 
worden  aeirt?.  aber  -der  dbrfwAohter  oder  hirt,  der  mtl 
dem  staby  woran  baid  afad  reif  anfebnwht  waa,  itahr- 
aeheinlieh  an  gewisse*)  tag  im  jähr,  zu  allen  bttnsc^vn  träi 
aad  jene  worto-  rief,  acheint  damit  daeh  ein  göttikbes  weaön 
vk  meimii.  ein  alowacbiseMi^  lied'  bei  IMUr  (qiiewanby 
p.  247.  vgl.  447>  famtet: 

Hamäl  Jwitä,  ^giz«  den  biely, 

flla#agte  Welfcy  i  maiy, 

daili  sme  giz  lUiiko  apali,  . 
morgeurdlfae  kucilet ,  aehon  ist  der  tag  -  hell  ^  sieht  Mrf 
grefa  und  Uein  ^  iange :  haben  wir  '  geschlafen»  böbmisohe 
schriftsteiler  wollen  j^nen  Ht^maly  Heifital,  Hetiml  eitern 
serbisaiMiiy  böbmiseilen.  hirtangätt  HowkUö  gleiobfietzen  ^1 
icb  weifs :  abdr  nibbt,  wie  es  m  diea^  stelw^  hofiidio  isf 
amer  faildnng'.nach  nenlrum  and  eiii  wetkzeilg,  es  würde 
poku  gottidlo  laitten  und  ganz  verschieden  •  von  eynal,  hsy-^ 
nal  s^in. . 

Wir  sahen.,  dafs  die.  anfgekende  sonne  fremdig  ertönte 
(s.  703),  die  rmischende  morgenröfhe  laekie  (708);  hieran 
stimini  eine  vielfach  wiederholle  vwstelhmg,  der  lag  bringa 
»oiuie,  die  nachl  tHUier.  'friA  wie  der  tag'  belfsi  es^ 
and  Shakeapeare  sagt  ^Joömd  day':^.  706);  Reniott  voit 
der  Lippe:  ^er  eerblide  als  der  dag',  MS.  2,  192  von 
dem  scbeidenden:  lag:  'der  tao  sAi  wuhm  verl&t';  Zvmal 
aber  drückee  die  vögel  ihre  freude  flber  den  nahende« 
tag  aua  '9ist  inne  sväf  of»  {lat  brftfn  W4ca  hebfenek 
pyime  bUdhe^rt  bod6de^  Beov.  3598,  die  hirnntelawoAM 
die  der  frabe  irabe:  verkündigt,  ist  der  anbrechende'  tag^ 
ich  bin  so  froh,  wie  die  babidhte,  wm»  ^  Ibanbeaelzl 
dea  tag  anbrechen  sehn,  'dögglitir  dagtbHIn  std'.  St^ttii 
167(>;  <au  verdr  UHnn  svä  fegion,  ^^  ^l  degf,  Vift.  sugtl 
eap.  39  p.  04;  'Hörn  was  üs  Wn  o  fight,  as  iadiai  ftmkt 
9f  ftf  Hj^,   when  it  ginneih  dawe' ,   Uoitn  and-  RimdA.  64 


")  Jungmaon  i,  670.  724.    HabimoI^  b.  369.  dm 


112  lUCIlTBIMBIDai 

1^.  30T;'4cli  wirl5  4er  froiwiM  mtn  rdht  dt  des  läget  ^^iU 
klenten  eogkllim'  MS.  1,51*;  fröil  «ch  «in  gmnüeie  Min  diu 
Umien  togelltn,  s4  ii  teikml  de»  morgenMMri.  MS.  2, 102^. 
Eine  menge  epischer  foraieln  schildert  darom  de«  aiibre-* 
ehenden  tag  durch  geachrei  der  hfthne  (hankrtt)  oder  Dach* 
tigallen«  BiarkamAl  im  anfang:  'dagr  er  upp  kominn,  dyBJa 
kanar  fiadra',  die  hähne  schwingen  ihre  flügei  »un  gesang. 
k  te  manaika^  qnandp  los  gallos  caalaran',  Cid  317.  %  coo 
cantoient ,  prea  fu  del  eaclairier'.  4'aiibe  esl  percie ,  ses^ 
dere  la  jomee,  eil  oisellon  chäntent  en  la  ramee*.  Hna 
des  morgens  vruO)  daz  din  nahtigal  rief  En.'  12545« 

Die  nacht  wird  vorgestellt  als  schnell  und .  unveraebens 
einbrechaid,  überfallend,  &ofl  rvl  (U.  10,  394),  dem  sie 
fuhrt  ja  mit  rossen,  sie  fällt  oder  sinkt  Tom  himmel  nie«- 
deqr,  ta  onit  tombe^  k  la  iombie  de  la  nnit,  sie  MdU  em^ 
während  der  tag  anbricht,  sie  rückt  mal  einmal  nahe,  sie 
überfällt  Matth.  14,  i5,  wo  die  Yulg.  hat:  Iiora  jam  prae^ 
teriit  schreibt  Luther  deutsch:  die.  nacht  /ä/ft  Aiher,  schon 
in  der  alten  spräche  gilt  von  nacht  und  abend  das  vern- 
imm, ima  gdn  oder  faüan:  Aband  unäh  otM  geU,  ther 
dag  ist  sines  sindes,  0.  V.  10,  8;  in  ane  gdenda  naht, 
N.  Bth.  31;  der  ftbent  begunde  <me  gdn^  Mar.  171;  sdiiere 
tiel  d6  diu  naht  aü,  Roth.  2653;  do  diu  naht  am  gie. 
Er.  3108;  unz  daz  der  ftbent  ane  gie,  Er.  172;  uns  gii 
diu  naht  vaste  uto,  Karl  39';  unz  der  Abent  ane  gie^ 
Flore  3468.  Ls.  1,  314.  WigaL  1927.  6693;  als  A«*  ftbent 
ane  git,  Wigal.  4763;  biz  daz  der  ftbent  ane  lac. .  Ls.  1, 
243;  diu  naht  diu  gäi  mich  m,  Wolfd.  1174;  diu  naht 
gA  uns  vaste  «i»,  livl.  chron.  62*.  Ebenso  aber  auch 
»igen:  46  der  ftbent  zuo  seic,  Diut.  3,  68;  abö  iz  zut; 
deme  Abande  $eic,  das.  3,  70;  nü  seig  euch  der  Abent 
ztfo.  Freuend.  22.  44;  diu  naht  begttnde  mo  rigen,  RAh, 
102;  begunde  stgeti  an,  RAb.  367;  do  diu  naht  zno  seicy 
Dietr.  Q2^;  diu  naht  gtget  an,  Ecke  106;  der  Abent  seic 
ie  nAher,  Gudr.  878,  1^  ze  tai  diu  sunne  was  genigen  u. 
der  Abent  «tio  gesigeü,  Diut  351;  diu  naht  begunde 
$igen  an.  Mor.  1620.  3963  *);  diu  tageweide  diu  wil  hin, 
der  Abent  sfget  vaste  xnto,  Amgb.  2*;  der  lach  is  ouch 
an  uns  gewant,  uns  sigei  der  Avent  in  die  hant^  Ssp.  vorr. 
193;  in  der  sinkenden  nacht,  Cornelius  relegatns,  Magd. 
1605  F.  S«;  in  rinklickier  nacht,  SchodI  stud.  D  4&;  und 
noch  beute:  bis  in  die  sinkende  nacht,  gleichviel  ist:  nft 
der  Abent  s^to  gefid»,  Troj.  13665.     ags.  'ofen  com  aigeW 

*)  beidemal  steht  segen ;  wSre  bm  ßigen  an  (Tincere),  so  liefie 
sich  kmini  der  datiT  dem  taga  entbehrei*  '      -v*  .i 


NACBTHNBRUCH  1(S 

\0Th\  pnmgen'  (Um  gtkitamd^ndkfhngeti)  Anit.  1246. 
Dies  einbrechen  und  niederaihkeir  erfel^  aber  «noh  leise 
asd  lienilichy  wile  einea  diebes:  diu  naht  Hegande  ritchen 
cm,  Dietr.  !6^;  xdk  w«s  dta  ttakt  giBsHeken  gar  über  das 
gevilde,  CiHrlsloph  41ä;  do^.nü.  diu  naht  her  sleieh  und  diu 
vinsteh-  Ai  begreif ,  4äß.  376 ;  lA  thiu  naht  bif^ng.  Hei.  129; 
16.  do  begreif,  in  die  aaekl,  FlOrsheimer  chron«  b.  Müneh 
3,  188;  wie  mich  die  näobt  begrtf,  SimpKe.  1,  18.  hett 
mich  die  naoht  scboii  begriffen ,  G6tz  t.  8014.  p.  m.  164; 
mbd*  steht  Ton  der  nadit  ^ez  benemen'i  gMchsam  •  daaf 
licht,  oder  den  sieg:  uns  inz  diu  nsht  toMMS,  Chidr.  879, 
1;  ae  bete  i%  in  di«  naiit  benomen,  Dittt.3,81  (vgl.  grattim. 
4)  334).  Hreswitha  sagt  in  fides  et  spes:  ^dies  abiit,  nosr 
ieemUrii*. 

Offenbar  ist  in  vieien  diesen  ifigen  die  nacht  aufge-* 
fabt  als  ftindUehe,  bäte  gemalt^  im  gegensats  su  dem  gü- 
tigen wesen  des  tags ,  der  in  gemflehlidier  rohe  langsam 
über  die  bergei  empoiMeigt;  so  schneli  daher  die  nacht 
niedecfilllt,  so  dlmftüoh  eniet  ste:  <diii  nahl  gemeehlich 
ende  nam'.  Fräsend.  46.  'die  nacht  ist  keines  menschen 
freund'  beiÜBt  es  im  sprüchwort,  wie  yos  einem  dämc^it 

Beide  tag  wmi  nacht  stehen  im  streit  miteinander,  die 
nacht  herscht  erst,  wenn  der  tag  seinen  kämpf  aufgegeben 
liat:  'ui^  der  tac  lies  einem  striV  Pars.  423,  15.  «der  tag 
»am  ein  ende,  die  nacht  den  sieg  gewan'.  Wolfd.  3025. 
'd6  der  tac  eergiMwiy  «nd  diu  nabi  das  lieht  nam\Bn.  7866, 
'iiu  b^gunde  osch  etr^hem  der  tac ,  das  sin  sebfn  vfl  nteh 
S^lacj  vaA  daz  man  durch  diu  wölken  sach  des  man  der 
BUht  ze  boten  jach,  mane^fen  stem  der  beide  gienc,  warnt 
ei  der  naht  herbärge  yieno.  nAch  der  naht  baniere  kom 
sie  selbe  sehiere'.  Parz.  638,  1 — 8.  in  dieser  anmutigen 
besdireibsng  gehn  die  abendsterne  als  ansagende,  fahnen- 
tragende  herolde  der  nacht  selbst  Toraus,  Wie  umgekehrt 
der  morgenstern  des  tages  boie  war-^). 

Yoi^n  s.  703  ist  ein  Sonnenaufgang  aus  Titurel  entz- 
iehst worden,  auch  die  «sttittelbar  vorher  gegebne  schit« 
d«rung  ^8  eriiegenden  tags  verdient  hier  zu  stehn  : 

46  diu  naht  zuo  tlUAen 

durch  nieman  weite  lAzeo, 

und  ir  der  tao  entwichen 

musste,' es  tsor  sft  leeeier  hin  die  tirdseii, 

alsd  daz  man  die  erd  in  sach  versHnden, 

unz  er  ir  möh!  empffiehen, 

■       I  I    ■  ■  I        I  n  ■■ 

*)  Lucifer  isicrea  pinaee  eeatriebat  tiljaipo.nWaMiar«  tl66.Lii* 
eifer  dttcebat  diam,  Aasv  ^  80t«  >        < 


714  NAOBT 

46  kunder  neb  ¥m  AiImiI  «f  wiadflii. 
die  erde  Yerachlingt  den  weiehenden  tag; 

Bei  den  illeren  dioMem  finde  ieh  mehr  die  yomriinnf 
der  dimkelheii.  'did  warth  iband  onann,  naki  mU  nefim*. 
Hei.  170,  25.  ^die  fbuiere  ragmde  nnoh^'.  Sehreekensgnst 
Ingoist.  1590  p.  114;  'die  ^»tle  nnd  flutete  nacht'.  Korn^ 
manna  mona  Yen.  329;  'ntpende  wkW.  Beer.  1088.  1291, 
irgl.  genip  (caKgo);  'teadähdm*  BeoY.  1293;  'nlMAete 
ge8ve9rc  deore  ofer  dryhtgnman'.  Benv.  3570;.  ymUhekm 
t6  glAd',  Aadr.  123.  El.  78;  als  einer  giMtin  wird  ihr  j^nn 
im  ainn  unsrea  alterthoms  ein  schreckender,  achaoerliaher 
hebn^  gleichsam  finstere  nehelka^  hnigelegt,  Hmkt  hei* 
made'  (die  nacht  setate  den  helai  änf)  heilte  ea  Andr.  1306. 
fast  noch  schöner  ist  der  schwanen  nacht  äuge.',  a«A««» 
tpj{i  pyntoQ  Q/i/na  bei  Äsobyina  (Pers.  426)  für  dichte  dun- 
kelheity  jenem  lenchtenden  mge  der  nacht,  dem'mond 
(s.  665)  entgegengesetst.  *) 

Alle  dichteriscben  biider, :  die  iah  soaammengestall  habe, 
lasaen  krinen  avreifel,  dnTs  ii  ftHeiler  toraeit  Tag  nd 
Nacht  lebendig  und  göUKch  auftralen.  aber  schoa  sehr 
früh  mufs  unter  de»  Deutachen  diene  vorateHudgaweisie  ge-^ 
schwächt  worden  sein ,  seit  sie  dorn  namaa  des  tage  ent- 
sagten, dar  seine*  gemeinscbaft  mit  den  göttern  in  sidi  ttwg* 

Dafs  man  nach  nttditen,  nieht.  tagen  rechnete' bernbl 
freilich  wf  beachtung  der  mondaeit  (s»  671),  hat  aber  ¥M« 
leicht  noch  einen  andern  «grnnd^  vermöge  dipaaen  auch  nadr 
wintern^  nicht  aammem  geaählt  wurde.  Bie  Heiden  pflege* 
ten  ihre  heiligen  feste  in  die  nacht  zu  Teriegen  oder  nn 
erstrecken,  namentlich  die  Arier  der  annnenwende  z«  miU-** 
sommer  und  mittwinter ,  wie  das  JiohanniS'  und  WeibnnchtSK 
feuer. lehrt;  auch  die  osterfaner  und  maifiraer  bectangen 
festnächte.  die  Angelsachsen  feierten  eine  Urfewlmki 
(altn.  hanatn^tt,  haustgrliaa) ,  die  Scandinaven  eine  hölm^ 
m6tt  (F.  Hagn.  lex.  1021);  Bede  de  lemp.  rat.  cap.  13  be* 
wahrt  eine  merkwürdige  knnde,  deren  vollea  Toratfindnis 
uns  aber  abgeht :  'incipiebant  aMtum  (ankiqni  Anglornm  |io* 
puli)  ab  octavo  cal.  Jam.  die,  nbi  nnne  naiale  denini  oi&- 
lebramus.  et  ipsam  noctem,  nunc  nobiasaöreaanotäl»,  tunc 
gentili  vocabulo  tnodraneckt  (mAdra-  nibt)  i.  e.  mairum 
noctem  appellabant  ob  causam,  ut  auspicamur^  cenamonia- 
rum  quas  in  ea  pervigiles  agebmt'.  wer)  waiien  diese  «tttter? 

*)  bilder  die  dds  jetzt  geUufig  aind  vom  auslöBchen  der  lichter 
des  lagt  habe  ich  bei  den  alten  dichtem  nicht  gelesen;  aber  die 
naohk  arannl  iecM'  ihre  -krtnen.  ChaheipaagobaieidMiet« das amte der 
nacht  durch  'nights  candles  are  bunfl^»   Rcnao  3)  ^j' 


jABianm»'  Tis 


CAP.  XSXV,    SOMMER  VTCD  WINTER. 

t 

Iloglekh  frisciMr  «M  erlMinbiHrer  hiil  stek  die  perai^ihr 
KeUreil  dMP  jiirsteitim ,  wdtohe  wie  lag  und  vmki  tm 
•a»  oier  Arne  der  somre  abkangfen,  «rMl«i.  Amt  lanf- 
samap  weelwai  erfolg  feierUdh^  wahrend'  der  batilge  dea 
tags  und  der  naohf  bald  dea  aQdettheii  an  die  allen  gMter 
Terwiaabte. 

Tag  urid  naebl  gleidien  deai  aommer  «d  winter  apoh 
daiia,  dafe  deir  inbnioh  dea.  laga  and  den  einlaiti  idee 
flommers  die  rögel  mit  frendigem  gesa«g  begrOfaen,  techia' 
and  wintera  aber  sMH  traoem.  ^aher  die  eddieahen  ken« 
oininar  gMU  füffb  (heUlia  totacram)  für  aMiawr ,  aiU  a* 
ttti  figia  (dtator  et  aaigor  aTium)  ftir  wüler.  diea  Mlur^ 
geildil  i^richt  sieb  in  den  Kedem  unarer  miniieaäager  u»- 
ilbUgamal  aus. 

Daa  aitertbttii  sobeMl  anfknglidi  nur  zwei  seilen  i« 
jahr^  .tom  aber  dtet,  endKab  vier  unterachiaden  üt  bnbed. 
dif?o«i  lengen'aahon  die  namen.  iiiiaa#  jabr,  gelb.  j$r, 
Ai.'jdtf  mnl  jaety  allai  gSr^  aga.  geaty  engl,  ffiar,  iita, 
itt  iat'devilioh  daa  pobi.  iiir,  Hiro,  bObm.  ^or,  §oit0)  d^ 
trttUtaig  beMebneiv^);  •  ebtoae  iat  das  abiv«.  lüo,  te/^,  4M^ 
eigantliidi  aomiber,  mtd  wiä  mir  aebetnt  unserm  Jtna,  abd^ 
feaao,  kmgisky  mbd»  teia#,  ienge%,  aga.  taaalBfi,  lengtm 
▼erwindf)  nllnilicb  amf  daa  ganae  jähr  erstreckt  worden, 
beide  also,  jAr  und  leto,  drücken  die  wwrme  seit  (ft*Qhjabr 
oder  aommefe')  und  nach  ihnen  raehnelen  attdliöhe  vftiker, 
aördücb»  nach  wintern. 

Ullllaa  Terdenlaeht  Hoc  dnrdi  JSr,  ipmwie  durdi  apm 
(hl  4,  10  o&ir  akx^m  Job.  18,  13;  in  den  golh.  eigen»* 
namen  Aäianagildus,  Athanaricua  (A^nagilda,  A^nareika) 
hafkei  Aoeh  das  sonat  in  nnsrer  spräche  versoholhia  wort, 
dessen  Wurzel  an  itoc  gemahnt,  TieHeicht  an  das  slav.  god, 
godina,  welekes  Ruaaen  und  Serben  annus  bedeutet  ^  wäh- 
rend poin.  god,  bOhm,  liod,  hodine  atigemeiner  zeit  aua- 
drttckt.  das  Terbältnis  zwischen  Hoc  und  inuptoc  MeAt 
ansicher,   denn  nach  Od.  1,  16  Hog  ^X^nifinXoßiiwfit¥ 


*)  dem  polOt  iar  lehßiiU  «b^  ui  s^eiehiyi,  dofcb  dieses  eiaiinA  matt 
fär  piofi,  piaaff,  das  Iat  y^r  für  rerer,  Teser,  dem  das  litlh.  wasara 
(aeslas)  und  skr.  vasaDta  nah  siehn.  Beofej  1,  309.  auch  die  sIst.. 
wesMi ,  wiosn«  (si  eine  der  L  an«.)  m9^  dastt  gehöma ,  ktünf  der 
sltn.  Tisadr,  deriden  heriMm^sruaterihedi^^t«.. 


716  JAHRfflBBITBN- 

i¥iavjüv  sind  die  iviavzo!  abschnitte  des  jahrs,  aber  nach 
andern  ^ncab^Q  sjlß^  ^n,  Jvi^vjp^  drei  ti^^^en\h^^en^^  in 
ipt€n>t6g' liegt  das  einfache  evoi^  =  kt.  aiinus^. 

Dem  jähr  wird  ein  kreis,  ring  (orbis,  pircuius)  beige- 
legt: jires  umÜhrmg,  fätMng;  ulHUhumrfi;  mhd  jires 
«nbegftiic,  umberinc,  Umbevurt,  umbetrit;  und  di^  wieder«« 
kehr  oder  erneuemng  dieses  kreises  yi^raniafste  sehoD  » 
hohen  alterihum  feierliche  feste.  Bligius  f^redtgte:  'nulltta 
Hl  kal.  Jen.  nefanda  aut  ridieiiiosa,  vetules  aut  eervoloa 
aut  joticos  faciat ,  neque  mensas  super  noctem  cesipoiHil 
neque  alrenas  aut  bibitiones  snperfluaa  eiwceaf.  das  mag 
eeltischer  und  römischer  brauch  gewesen  sein,  die  strenae 
ineunle  anno  werden  von  Sueton  (Cal.  42.  Aug.  57)  er- 
wähnt, und  bekannt  ist  das  aguilanncfiif ,  ein  freudenschrei, 
mm  pflücken  der  heiligen  mislel  aoffi^dernd.  UoFgleioben 
scheint  in  Deutschland  unerhdrt,  benerkensw<^h  sind  hber 
die  nenyahrsUeder  und  iwünschia,.  wie  sie  noch  das  bnch 
der  Clara  Hätzlerin  aus  dem  14  jh.  mittheilt.  (57^  77%  su« 
mal  196^205  der  «usg.  von  .Hahans}:  das  jähr  wird  hier 
als  mugebomei  kind^u  neUgebamer  gaü^  dargeslettl,  .  d^r 
die  wünsche,  der  sterblichen  arfillle;  das  maf«  zuBicIral  auf 
Weihnachten  nnd  die  geburt  de»  heiiands  be^ogv^n  werden, 
an  den  orten,  wo  man  neujabr  mit  diesem  tag  begann,  es 
w^en  sich  aber  noch  hie^ntscheaittendafuiiler  gemengt 
haben,  Und  ich  übersähe  nichts  diafa.  dae  btobejadj.  fie«, 
ebne  beifägwig  von  jar  oder  kind ,  in  diesen  tiedernge«« 
braucht  st^ht,  wie  i^  A^  beaeichftHng.dM  neuKehls  bei 
dem  mond  (n;^^  mnwi  $.  672). 

Den  begrif  des  g/titwen  jahrs  (vgl.  da»  räthael  &  6d&) 
finde  ich  sonst  kaum  persönlich  hervorgehoben^,  aaüser  in 
bethenenmgen ,  sogen  ond  Verwünschungen,  'sam  mir  daz 
heilec  järP-  Ls.  1 ,  «287;  die  beiden  foigenden  meinen  aber 
wieder  das  anhebencte,  neue:  ^mi  $<Blec  jdr  gang  dich  anr 
Ls.  3,  111.  und  ^daz  dich  ein  teigez  jir  müez  ane  komenr 
Ls»  1,  317.  ags.  od  |»ät  oder  com  gewr  in  geardas.  Beaiy.  2260^ 

Aber  bereits  in  frühster  zeit  sond^ten  sieh  Hälften  des 
Jahrs,  wofür  uns  die  ags.  und  attn.  spreche  den  ausdruck 
missere ,  misieri  darbietet  und  die  i^.  geeicbie  scheinen 
vorzugsweise  darnach  zu  rechnen,  es  heifsl  missera  vorn 
O^dm.  71,  10;  fela  missera  C»dm.  180,  23.  Beov.  306; 
hund  missera  Beov.  2996;  misserum  fr6d,  missarum  fr6d 
Casdm.  104,  30.  141^  16  (wie  aonst  gearnm,  dftgrtme,  fyrn- 


^)  für  amvui  nach  Bopps  gloa».  ikr.'l6i>;  Beafejt,  310  dealeC 
htmvTo^  aa8  skr.  arolTat,  nemHch  fpt^  es  <m^»  nomDond.     y" ' 


W7 

dagm  lirAft,  gfimair  1,  T50).  m.dar  edvfai  lese  ieh  nw 
212*-^  *mm  misseri'  (per  omiiii  anmHi)  iiiid  /mm  inisflerW 
(eoden  antto),  aber  Mch  4ie  CMgis  kat  mteeri  (semestrioai). 
die  aUeftiHifr  «Ueses  wdrtea  iai  nicht  leicht  ^  man  seihe 
derin  die  begriSe  halb  (mddtoiy  lUnidina)  und  Jahr  erwärm 
lea,  doch  der  kurae  vocal  der  panuilima  mderstreitet  den 
ahn.  Ar  und  .dem  agi.  gear;  aleeh  acheint  ee  niaae.  (einn 
nineri,  nicht  eüt  misseri)  und  daa  aitn.  niBori  (mvjahry 
annönae  Caritas,  nentr.)  ist  ganz  etwas  anderes,  wanun 
wire  auch  liier  das  d  des  aga«  midde  (golh.  atiiilja,  ahd. 
mitti)  in  ss  Übergetrelen  ?  do(ä  ist  eimugestehn^  dafs  im 
verhflltnis  des  lat.  .  medias  smn  geA.  mklja  sehen  st<^ 
rang  der  lautrerschiebung  kund  wird,  misseri  könnte  ans 
80  behem  aber  ttbernemmen  wid  forkgeüQhrt  werden  sein, 
dafs  es  jene  verwandtsebafken  schwibar  verleagnead,  den*^ 
noch  bekennen  mttste,  und  das  miss  sich  -yerbielte  wie  im 
gr*  fiioo^ ,  /lieooc ,  vgl.  sanskr.  medhjaa  und  ßvoai^  sat 
ßy^oc.  Ahd.  denkmaler  gewähren  kein  misseri,  misshri, 
die  rerlernen  heldenlieder  naögen  es  gekannt  haben ,  weit 
noch  spMere  fassrnigen  nach  seaMstem  rechnen ;  wenn  es 
im  Hüd.  heilst:  'ih  wallAta  siendro  e«ti  wuUto  aehstic 
ar  lante*,  so  sind  nar  '60  missen  (30  aommer  und  30  win« 
ter)  geneint,  die  den  30gnnaen«jriMren  des  jüngeren  Volks- 
lieds entsprechen;  ja  man  dürfte  mutmafsen,  dafs  Niiii 
1062,  Md  1337.,  2  .die  «keiiehn  «nd  aiebdn  jähre,  wel- 
che Chriemhild  allxu  alt  machen,  im  filteren  epos  von  Se- 
mestern gemeint  sind,  "aber  im  Norden  ^  we^  dAi^  wlnter 
fiberwoSf  ?  zflhhe  man  nach  wintern  als  ganzen  jähren ,  und 
tAlf  vetra  gamall  bezeichnet  einen.  zwöIQfihrSgen.  Dafs  ahd. 
und  noch  mh^-  sommer  und  winter  die  w^s^efiUiche  jahrs<> 
eintheilung  abgeben ,  folgre  ich  selbst  ans  den  übliohea 
adverbien  aumiYlane  und  winterlanc  woneben  kein  lengez- 
lanc  noch  herbestlanc  gehört  Ivird;  den  altn.  sumarMngr, 
vetriftngr  steht  auch  ein  naustlängr  zur  seite. 

Nachdem  Tacilus  gesjigt  hat^  dafs  die  Germanen  blofs 
gehraide  bauen,  weder  wiesen  noeh  gftrten  hegen,  fttgt  er 
hinzu  r  nnde"  annum  quoqae  ipsura  non  in  totidem  dfgerunt 
species:  hiem$ ,  et  ear,  et  aestas  intelfectum  ac  vocabula 
babent;.  auciumni  perinde  nomen  ac  bona  ignorantur. 
Deutlich  wird  hier  auctumous  auf  obst  und  nacbbeu  (grum- 
met)  bezogen,  der  kemschnitt  in  den  soaMner,  die  auaaal 
in  den  frflhiing  verlegt.  Brwtgt  man  aber,  daft  das  ndfid-* 
liehe  Deutschland  noch  jetzt,  bei  gemildertem  clima,  ^e- 
traide  erst  im  august  und  September,  wqnn  schon  die  sonne 
niedriger  steht,.,  einerntet^  und  dafs  august  awar  der  eigent«^ 


718  4AniBBimN 

fiche  ariHemo«*!*),  sbplmbet*  der:  heriMimnat/  fewMilfe 
aber  «optenber  d^e  aagiüa,  odober  der  heHwtn«hfi(  ge* 
jMnmt  wt ;  so  kana  jeaa  ansicbt  aehon  in .  fthetter  leit 
iiichi  allgemein  gültig  gewesen  tfein.  Aoch  sdHsial  im 
ahd.  herpkty  ierbUi,  aga.  .hMrfaai  riieht  geraiie  jtttger  ab 
andere  sehr  alte  wörlar;,  Kicbtiger  ist  also  daa  vorhk 
entwickelte  verhtfllnis,  dafii  je.  weiter  naoh  Norden  hin  iR 
Bilrofa  überhaupt  xwm  jakraseitc«,  sammelt  und  «Mr, 
(rerirelen,  je  weiter  nach  Süden  drei,  irier  oder  fttnf**)  an- 
terachieden  werden  können.  Anch  fttr  nu^sobe  besilg« 
gelten  nur  jene  zwei,  obwol  sie  oawieilett  durch  frühHng 
und  Winter,  oder  durch  frflhttng  and  herbst  ausgedrfickl 
werden  ♦••). 

Neben  dem  gotb.  einirus  (biems)  ist  ein  ganz  ähnfebes 
masc.  amnrua  anzunehmen;  wiewol  &i^g  Marc.  13,  28 
(nnd  vermutlioh  auch  Hatth.  24,  32.  Luc.  21,  30)  dareh 
aaans  (erntezeit)  übertragen  wurde,  die  dedins^ion  folgt 
aas  dem  ahd.  sumar  =ss  sunuiru  (weil  g«lh.  samrs  nach 
eraler  ein  ahd.  aomar  naeh  sieh  söge)  und  ans  dem  dal 
des  aga.  srnnar^  der  sunera,  nidrt  aumare  lautet,  das 
altn.  «eutrum  sumar  neben  den  masc.  eett,  ahd.  mMKr, 
ags.  vMer  aoheint  unorganisch,  aicber  war  es  früher  mins** 
lieh,  die  gramm.  2,  55  vamitttete  wand  führt  aaf  saat 
und  ernte. 

In  der  edda.  sind  beide  weaen  luin  gleich  genaalo^ach 


*)  ahi.  ar«iiaila^t,  van  «raa  (ommis)  gaduiMsaa;:  die  dMeh- 
»an   BBgifü  bew0d  oder  heo.  HeL  78»  14.  79,  14;    nln.  ^oino,  koi^ 

**)  die  Spanier  uoierscheiden  das  frühj'abr  in  pritnaoera  und  ve- 
ratio  (den  grofsen  frühiing)  ygl.  Don  Quixote  2 ,  53  und  Ideler  6, 
305.  auf  Terano  folgt  esüo,  franx.  M,  beide  mfinnfieh/das  ital.  esta, 
eatate  bleibt  wie  aaataa  weiUich. 

***)  eaob  der  alaviaolien  Tolkaanacbaoiina  treton  awei  havptieUaat 
Sommer  und  wiater  Tor»  aommer  und  jähr  heifaeo  /efo,  d.  b.  das  w» 
jabr  wird  mit  dem  winter  abgeiban ,  das  neue  mit  dem  sommer  be« 
gönnen,  dieses  leto  ist  (gleich  unserm  jabr)  neutrum,  folglich  unper- 
sönlich, den  winter  nennen  die  Slaven  *ma  (fem.).-  sollen  nop  x^'; 
Sehenseiten  attsgedröiifcl  werdoa ,  so  sagaa  aia  für  fiMhUng  paM. 
far  kei^^t  pwMm  Allein  p$  aiod  aofser  gmr»,  ioro  andere  be^ 
nennungen  gangbar  ^worden;  russ.  böhm.  wesua,  poln.  wiosiuii 
sloven.  vigred  (egrediens,  in  Deutscbkimten  der  auswari),  ^^ 
ieio  (junger  sommer),  mladlilJB,  pondad^  spomiad^  sprot  leije  (Ton  sprot, 
gegen)  alle  tor  beseiebmang  ^ea  frähllngs,  Tortägiioh  ffihlten  die  Sod- 
alvran  das  bedärfiaii  frabüng  nud  MMaiar  an  trenaeB*  Her  l>^ 
heiCat  serk  jaMi^  slorea.  #•/«»,  «ach  |redtiiiMk  sspm  mulis  uralt  sei»» 
liUh.  Mono,  gr.  /tyi«»»  lat  hiemu^  skr.  Mmania,  Unser  früUm$  oder 
fnU^akr  ist  erst  in  den  letiten  4hh.  nach  printemps  oder  prims^^''' 
gebildet  nnd  weder  ahd.  noch  mtid.;  min  sagt  aach  spädtng,  fp^  i 
Snkr  f&T  herbst  «her  mmBärü  Md  timmiM»  tgl.  Sebpi,  1,  117.  4,  lo<« 


fiinfofiMirf.  StHMor  isi  du  sokiiides  fito^f^Mtl^  (9mi.  8# 
Sr.  23.  187),  welohlMr  nave  von  svAi.(cani8)  propriuf^  do- 
mcisteiis),  golh.  svte,  abd.  suis  lieirslannrüt  dieser  ist  ein 
seolig^.,  fii^undUclMr  nanii,  nach  dem  all^s*  frohe  «vd 
ImWicbe  heirst  (svftslegt,  blttO.  Der  vater  des  Veit  hinge- 
fen  führt  den  namlsii  FtndMut  odjer  .FtfUfaDoA*  (der  wkid*- 
Snngßnd^.,  wiiHikählß)  uild  dessen  vater  hiefs  Väsaär 
(Swi.  M^  Sn.  2d.  127} y  dar  leiLahto,  nässe:  ein  griaimt-* 
ges^  kaltbrtsUgea  ges^hleicbt.  Beide,  stellen  siob  Naher,  wie 
«u  erwi^ten  ist,  als  rieien  dar,  Süäaädr  und  Sumar  von 
giiUr,  frenndli^iMsr ,  Vdsaik'y  Vmdsvalr,  ViBir  Ten  Mser 
urt,  so  date  sich  auch  hier  wieder  die  doppelte  naUir  dar 
nesen  (s.  49ft)  einiencblend  erweist.  skAMahaparmM  ver» 
seichnet  sie  unter  den  atten  iötnar:  209^  Sotnr  (al  S4nitr) 
ok  So^amfr,  310-  VMhipaIr  und  Yiäarr  (I.  Vetr).  Noch 
jetst  and  uns  Srnnmer  tmd  Winier  hftuftge  eigennamen, 
uid  V0rmii4lieb  waren  sie  es  v^on  anfang  an,  eben  weil 
m  sifih  mit.  ausdrüeken  urverwandter  q)racben  nicht  be«- 
rühreil»  soboB  eijie  urk.  bei  Neugari  no.  813  (a.  856) 
tübrt  ins  Vffei  brOder  Wintar  wnA  Smnar  auf.  den  ei«» 
gennamen  Wmtmrolf  -mit  der  augttentalivfonn ,  bat  6raff 
1,  631, . 

Nun  'Will  ich  aber  dia  deutKcben  spüren  ihres  per- 
sönlichen verbUtnisses.  wie  sie  sieh  in  redensarten  des 
volka  und  in  dichteriBChen  wendtiegen  lange  erhalten  ha* 
bea,  Aufdeoken*  Wir  sagen  täglich:  der  Bümmer^  der 
Wwier  ist  vor  der  .tbttr,  tritt  ein,  kehrt,  ein.  H.  Sachs 
IV.  3,  %U  <bis  dafa  der  Smmer  einhertritt' *}.  Mhd.  wird 
jeaer  ge^/vöhnli^b  lieb,  dieser  leid  genannt: /diar  lUbeSmner 
nrloiip  genam'  Beq«  344.  'urleup  nam  der  Tl%wbr*  Bett. 
962.  betdeft  g^folg  eod  dienerschaft  zugescbMeben  :•  ^Sumeit^ 
dtne  Muten  non  den  huoben  sift(.  gevam'  Bea.  304  *fiii» 
AMT  dtn  gimnde'  Ben.  406r  'mtn  sanc  sOle  des  Wintcr$ 
ipdpcii  tragen'  MS.  1,  17ä^  'Wmder  ist  mit  stnen  wnuh- 
den  kanieii^  Ben.  414,  effenbar  sind  ,  sie.  mit  ihren  lenten 
Wfge^^igen,.  weil  &iie  steh  verjagen  und  bekriegen  wellen* 
'der  MO»  Wmder  h^t^.de»  Mutmßr  bki  verjaget'  Ben.  361. 
'er  (der  Winter)  ist  dir  gehaz,  er  enweiz  niht  umbe 
was,  selten  er  des  ie  vergaz,  swenne  er  dlnen  stuol  6e- 
<as^    er  enruete  in  vttr.  tes,    stn  gewatt  wol  tüaend  eilen 


*)  als«  dia  Semo'  quam  int  iant.  leiilaert  2451 ;  ilse  da-  Som^ 
»er  quAvie  iol  |iid(.  Reinaktr  221 U  ^4  he»t  de  Suwm»  trat.  Wig« 
gert2,t8*.       '  . 


vor  dm  dtitea  sftt'.  IbH:  8,  2S8«  Ben.  803.  «ffbufaf*) 
hä\  ei  hie  gerftmel*  Ben.  437.  Weil  aber  der  sonmer  mit 
dem  mai  beginnt,  sieht  auch  ein  Mai  als  reprftaentant  des 
Sommers  da,  ganz  auf  gleiche  weise  in  lebendiger  per« 
sdniichkeit.  alle  bekommen  den  beinamen  herr:  'min 
Aetre  Winter!'  MsH.  3,  267«;  *ker  Meiet'  »,  44»;  'ker 
Meiger  Wallh.  46,  30.  der  Mai  halt  seinen  einsug.  '86 
der  Meige  in  gäf  mmst.  Alex.  144^.  's6  der  Yil  sttese 
Meige  in  gdt  Trist.  537 ;  ^Meige  ist  komen  in  dio  lant'  Ms. 
1,  13^;  'der  Meie  sin  Ingesinde  hM*  Ms.  1,  14^  «der  JTsis 
ist  in  diu  lant*  Ben.  364.  'des  Meien  Mr  ist  tif  gelM. 
MsH.  3,  296-;  'der  Met  ist  in  den  landen  hie'  3,  230*; 
s6  der  Meie  stnen  krdme  schonwen  Mt  nnde  in  gäi  mit 
vil  manigem  liehten  mftle.'  3,  30^;  'vil  maneger  bände 
▼arwe  hit  in  stnem  kräme  der  Meige*.  MS.  1,  59*.  'der 
JKeJe  hAt  brieve  für  gesant,  dafs  sie  kOnden  in  diu  lant 
stne  knnft  den  vruoten'.  Ben.  433,  gleich  einem  kanige, 
der  nach  langer  abwesenheit  siegreich  heimzieht,  kündigt 
er  seine  ankunft  voraus  durch  briefe  an.  'da  ist  der  IM« 
und  al  stn  kraft,  er  und  stn  geseilescbaft  diu  (s.  I.)  rin- 
gent  roanige  sw»re.  Jfete  hat  im  (dem  Winter)  angesiget'. 
Ben.  449.  'ich  ^  lobe  dich  Jfsie  dtner  kraft,  du  tuest  Sa- 
mer  sigehaft'.   Ifö.  2,  57«;  <ob  der  Meige  ze  velde  lac'.  Ls. 

1,  199.  'sA  der  Meige  aMrst  In  gOf  Franend.  14.  'der 
Mei  hat  Stn  gefteU  bestelt'  Msü.  8,  303^;  'des  Jfateii  9ckUf 
3,  307«;   ^ßumer  der  hAt  stn  geaeli  nu  gerihlet  Oberal'  Ib. 

2,  57«;  'des  Meien  waUemere  kündet  an  die  sumefrstt'. 
HsH.  3,  230S  'die  (waldes  ougenweide)  hftt  der  Mem  für 
gesant,  daz  si  künden  in  diu  taut  stn  kmft'.  3,  227k;  'der 
Meie  tüeret  den  walt  an  Hner  hendtf  MS.  2,  811»,  es  wer-- 
den  ihm  hfinde  beigelegt  (wie  dem  Wunsch  s.  129).  er 
wird  von  den  menschen  mit  dank  und  neigen,  gleiiäi  ei- 
nem durchs  land  fahrenden  gott  oder  einziehenden  könig, 
verehrt,  er  hat  gleich  diesen  seine  itrajse:  'des  Meigen 
Mträate'  Ben.  42;  'üf  des  Meien  strafen'  MS.  23«;  Meie 
ieh  wil  dir  ntgeif  Ben.  396.  '^reitf  den  Meieh'.  Ben.  184. 
'der  Meie  habe  des  dancl'   Ben.  434**);     Mai  und  Sem- 


*)  ob«e  arükfll,  «lao  unappelUlitiach  (Tgl.  i.  6f6^  Sebus). 

**)  graniiD.  4,725  rind  die  wiederkehrenden  ansdrficle:  Mes  Jf<n- 
gen  ^,  des  Meigeo  aüeu,  des  Somers  ^«ete'  zusammen  gestellt,  sie 
scheinen  auf  alten  cultus  (^ra  s.  26)  zu  weisen,  hier  noch  belege: 
de«  stielen  Meigen  jiilefs  MsH.  1.  52*t  des  Meigen  fMe  MsH.  ti 
60«  305«  3,  228»  3  des  flaners  ^üeu.  MiH.  1,  61«  848K  merkwfir- 
dig :    'gol  gebe  dai  der  herbest  stn  Ire  Tolbringe*.    MS.  %  t8(k 


Mfl'Aa^M  ihr  grämidn(fm  Meii  m:  >4«r  JIM»  itl  .«f  «ki 
^MteMi^M»*f|e8Mseii\  'HB.  2,  75^  tfem  JIM  'wird  feUaft, 
IT  gMtM^  seinen''  tlrnien.  MS.  1^  3^ ;  Hier  Meigm^  Yrimt; 
der  grüene  wese,  der  het  üz  blaomen  angeleit  so  wQne&- 
IMie  snmerkfeU'«  Trist  S62;  'der  Snsier  sneil  stn 
kleit*.  *Ben.  159^  *&et  Mete  sewiet  dem  weide  kleMer'. 
Ben.  436.  'der  Sumer  gell  diu  sehen  kielt  AbrIfUe  mes/ 
d^  JVei^  sneif.  MS.  2,  94^;  'dto*  (Meiner)  bei  gegeben 
in  der  Meie  seiner  ninweti  wAt\  MsH.  3,  286b;  <jfei  Ml 
enj^rexieir  berg  und  M'  &,  188^;  ^Smner  hftt  fesendel^ 
tm  sin  tevme/  der  JMe  spreit  tf  div  lant  stn  .  wAt 
a,  291«»). 

Vorztgiicl^  aber  mofii  man'  anf  den  gegensaiv  anMen; 
bn  gefelg  des  fTtnfers  isiehen  An/*  und  iSsAnee,  wiederoin 
personifiealionen^  'und  alle  rieseei   (s.  498.)'    sie  künden 
dM   Sommer    krieg   ahr:    'dir    hAt  v^videmeit    beidin   mf 
und  SnS.     Ben.  398.    Mer  Meie  lAsle   bluemen   te  Btfim 
hmüe/    Ben«  43T.    'manegen  fac  stark  in  sinen  (dee  Win-^ 
ters)  taiuisfi  lao  diu  belde^    M^.  3,  2321^   nnd  wie  der 
Senmer  Mälibt;  entlanbl  der  Winter:  ^^sr  dm  drsfi**}  eri 
dem  wald  stn  kteider  bracV  (e.  s.  e.};  ^dA  das  ninwe  loup. 
A  was  entsprungen;  des  hAsln  m  gfeedOs^  iMnen  eaw^  2, 386^  • 
eine«  feimde  isder  rfinber  gleieb,  der  den  sack  mit  beulie) 
füllt  (saccage).     'blaomen  unde  ioup  was  des  Al/Sf»  Arster' 
roiip,  de»  er  In  die  $e<dte  sclnmpy  er  enspielt  in  noch  en- 
Ueiep*.     Ben.  304.     doob  'snnder  JM/en  danc'  (dem  riesc»> 
sam  liHiln)  alles  grttene  in  frdiden' ttt'  M8w  1,  34^  ^  'mb»« 
sangen  ist  dAr  watl^  das  ist  alles  ran  des  JH/sn  onif^eoAiden'* 
körnen',    Ben.  275.     Wislau  ruft  in.  «ibeniliede:   'W^Mtorl 
dMf  TOrh6te,  der  Stauer  kemt  ze  mötel'    {nMM'  dir  ent- 
gegen).   Amgb;  29«  und  Wahher  39^  9:  'weisgot,  er  (der 
WriitAf)  Ml  otteh  demifeien  den  strUV«nigekebrt:  ^derS^- 
flisr  stnen   strft  dem   Wmder  lAt'.     Warnung  2>386.     Dasi 
wtehligsie  ist,   dadisidi  in  einem  Itede^*^)  sogar  der  my^ 
tbiioliie  «ame  des  relfMesen  bewahrt  bat ;  er  heiTst  Äuckeif^ 
ganz   mit   der   ableitung;  olf  gebildet^  die  gleich    dem  olt 


*)  hl^maeh  iü  Mm  Meißen  tedi,  Ueif  MS.  t,  tOS»  1t)S^  107«" 
ein«  dirttt^rlfeliitf  aMsehreibiiitg  det  hnAtt^  •  und  *belän  dlM  Sfaaiifh^/- 
MS.  1,  97b  ^eir  bkiaieo.  •  • 

*Vw#l^lMit,Aren,  veli  Mt  genlit'.   HS.^,  131«;  .'yeU  bittren, 
walt  Ui  oiigeo\    MS.  2,  i33H>  *  .  ^ 


^)  Nithsrt»,  Ben.  884.     dieser  dtcbter  lieMrt  nnb  vona{f«if^e' 
Mehle  bilder  Ton  Sommer  nnd  Winter.  "'  '    *- 

€rimm$  rngth^L    B.  ffN«|f«S«.  46 


TfBr  SlOMIIIBk    USBfWU 


ittk«;,  afad.  oulibu  dfttckt  attcr  fMg^^y  '^  luiM  i^i^  in 
Oackiolf  dl«  bedeiiUmg  des  '0b«rgr«ben|  .riMauiitfsigeB 
Iwgen**)* 

SomiM-  .ttttd  WitUer  sleho  im  kämpf  gegeQeinander 
gerade  wie  Tag  tt«d  iVocAi;  Sommer  and  Tag  erfreuen, 
Nacht  ud  Winter  belr«ben  die  weit***). 

Die  ankunfl  ies  Sottmera,  dea  Mihs,  oder  wie  wir 
jelst  sagen  dea  Frütalings,  Wurde  nnn  var  altera  fealiich 
begangea..  das  biefe.  im  mittelalter:  4ie  M  mmffäkßn^ 
MS;  1,  200-  2,  78^  Bcii.  4^;  dk  ^  mü  tm^  btgH^ 
misc.  2,  188;  den  Sutner  empfähen  MSH.  3,  207-  211«^  232-; 
'A«Mar  wis  empfoßgen,  von  mir  bnndert  tiUenl  stimC.  Ben. 
328;  'freuwen  und  man  emp/iengen  den.  Meten'*  MSH.  3». 
185«»;  <dft  wart  der  Jr<^  empfangen  wol'.  MSH.  3, 218^  219«;. 
'den  Ife^efi  enpfähm  und  tanzen'.  MSH.  1,  47>>;  'nft 
wolftf  grüeaen.  wir  den  süesdnl'  MSH.  1,  60i>;  .^ieh  wil 
den  Sumer  .j|rrie;s0ii'  3j  446i>;  'helfent  ^ri^^en  mir  den 
Meien'.  MS.  1,  202^ ;  si  (diu  v0£[eUtn)  weltent  aUe  grüeien 
im  den  Meien.  Bf&  2,  84K  'wiUekome  her  M^eT  MS. 
1,  57>*;  <att  wiUekome  her  meiet'  MS.  1,  59";  '«ö  wül  dir 
lieber  Simmt  das  dft  kofnw  biatl'  MSH.  2,  316i*.  Jioch 
ein  lied  in  Eschenimrga  d4Hlkm.  458  Jiai  4en  xdienaang 
'witlkammen  MaieP  ) . 

Qm  eintreffen  des  Sosamers  erfolgte  aber  nidbl  auf 
einen  beaümmten  tag  des  jahrsy  sondern  wurde  nacb  £u* 
füUigeB  xeiehen  wafarg^anonmee ,  aufbebenden,  blumen  oder 
atttariganden  V  v^lo.  .das  biefs  den  Samatier  .  foden :  ^kk 
hin  .tfan  Svmer  mmdim\    MSH.  3,  202b. 

Wer  MeA  irHen  9ioF  achMile,  aiaigle  es.  an;  dasigan^e 
dorf  Hef  binw,  die  bafuer»  steckten  :die  blnme^  auf  eine 
Stange  und  tanitlcin  jdarum*  aucb  bperiroB  balNttbari  le- 
bendige lieder  gedicMet,  MSH.  3,  298«  299**  S  vgl/  202f 
(den  dralen  vtol  sobouwen),  ,  dieselbe  f#ier  beac^eibt  H^ 
SadMl  IV.  3:,  49£.;   um,  die  erste  mmtn^blme.  wird.ge-' 

*)  gramm.  2.  334-340,  Tgl.Nahtolf,  Diterolf,  EgisgrlmoU  (8.218) 
Fasolt  (s.  602)  Mimerolt  (a.  352)  Itoboll  (a.  468). 
^  **)  ein  mhd.  dichter  aehildert  de»  kämpf  wwiMckem  Mai  und  Heriii 
in  einer  artigan  eriSh|ang -{fragm.  29)«  die  aber  , von.  ideai  mjKlJiiaehea 
gai^iei  abliegt,  vgk  MS.  2>  105«,  mabr  dabia  f eblif |l  H-Sachaeni  ga- 
dicht  1,  420.  421.  ein  mnl.  spei  van  den  Winter  en<i^  tiomar  atehi 
gedr.  in  Hoffm.  hör.  belg.  6,.  125—  146.  . 

^  ***)  anch  die  fries.  geaetce  afeflen  nacki  nqd.  »Uue^  xnaaromen: 
*«i  illa  tenebrosa  nebnla  et  frigidiaainia  hieias  in  hortQft  et  in  aepea 
deacandil*.  Biohtb.  46  (huaraa  thin  thwtera  nacbt  'aa4  Uli  ttAdkaMa 
Winter  ur  iha  tüner  hlelh). 


<  • 


I/-46k:'  •■  '  '  ■'' 

Dtfs  man  auch  den  ersten  maÜkäfer  feierlich  einholiö 
wurde  e..  KtY'Hiargeihan ,  und  noch  herite  wurzelt  nnver- 
wMtKci  unter  deVi  kntbeh  die  Inst  auf  diese  kM'er  jüg j 
n  niMiMn  Wid  mit  ihnen  %ti  spielen. 

fibeneo  wiird  die  er^Üf  schwalbe  y  der  eriie  Horch  att 
fhOMhg^te  {Sff^Xtt^  iai^s)  begrülkt  und  empfiingen. 
der  sebwäfte  rliekkebr  feierten  schon  Griechen  imd  RÖ7 
»er.  AlhenaensS,  15.  p^.  360  theilt  ein  jeXt9o4ftüfia  mit"*]^ 
di»''aitf 'Rhodos  die  idnder  absangen  j  eine  sckioäSbe  her-, 
omlragend  undefewaren  sammelnd.  Noch  henie  lebt  del* 
gebraneh  in  CMeehenlanA  am  ersten  merz  laufl  die  ja- 
gWA  Eiis»niiilen  y  durchsieht  alte  sirafsen  und  singt  ein 
MeMicIies'  fHIhttngilied^  die  Singer  tra^n  eine  aus  hoU 
geeehMiM  BehmaiM ,  die  inuf  eiiiem  cytindef  stehönd  da- 
bei ua^gedneht  wird^).  *ldfimdiäe  primoe  S9i^  Hdi-at. 
eptet:  1.7,  18;  *  Dafs  man  aueh  bei  uns  scKon '  im  mitüel- 
alter  auf  die  erste  schtoalbe  achtete^  lehrt  die  aberdfiu^ 
Useiie  gewcfhnheit  -(Hhh.  s.  im,  abergl.  no.  217]  bei  ihrer 
eHiliekung  kahtenf  aw  der  erde  zu  graben,  das  schwedi- 
sehe'  Unmrölk«  'bewüKoitfm'l.  sile  mit  dreimaligem  jnbelruf  ***^}. 
BeÜe  isehwadbe  und  storch*  gelten  *far  heilige,  unverletz- 
lidie  Werh.  ^Wer  den  Griechen  'die  einkehr  'des  sto^^hs 
ziNml  tnstfifl'e^  eihplehg  botenlohnl  Noch  im  rorigen  jh;' 
wtren  iHe  thtrmeP  mwicker  stfidte  Deutschlands  atigewie-' 
gM/den  «ihettrfew  /ri»liiiff^»erotftf  'anzüblasfen;  wofür  ihnen 
Ost  ebrMIMinli»  ans  dein  'rafhikeüer  verirbräifht  wiinrde  «***<>*);' 
Ein  epigramm  von  Joach.  Olearius  beginnt; 

:   jr^f;  b^etüff  nfifjiit,,  |;ei^iUq^e  cifmia  grmiß,    ?   m   • 

:    .aspeff«  duaii  polsoxfrlgore  cessat  hieAisf).  ^  .  -<     >« 
aacb  der  ktikuk  -'klitin  «las  ansagef  "des  frttKlings  biEltrachtet; 
wetfifen'^s.  «40),"  wie  ihn  tüas  ahengL  lied^  auffördert: .  sü- 
nkä^  ib 'icumeh  in  thude  sing  cucut 
_^'  Diesi'  Mommer^terJfündigunff  durch  gesänge  der.  Jugend; 
fiädel  0Ddi  jetzt  #der  fand  weiiigstensi  in  den  letzten  jbh. 

:r)  Ilgan  a^ii8<&  pkilol^  l/l6fc  2aUi  fericokclr.  I,  $3.§a  Seknel'« 
dewia»  deleisl«»  i,^  465.  46&    ' 

*^  PatfHal  2i  156.  djbe.  pr^im.  xvrm;  TolUtlndi^er  bei  Theod.' 
Kiad  p.  IZ 

»•  •«**)  Waaterdah^-p.  15; 

****)  alpenrosen.  Bern  1817  p.  49.    Tgl.  Hebels. lied  der  itorch. 

''^yVeffttock  Ifltü,  tgL  Jdh.  Praetorii  iliarcbs  .^nd  9ciiw^lbenvif|r. . 
terqoartier.     Fraaef.  1676  p.  Ift. 

46* 


»stf  sommim^ 


iTn« 


:m:h 


und  deutet  auf  uralten  grund.  was  die  minneatnger  no€i% 
in  isiftf^ljchepi  wefidongiBa  von  4em  .alteo'  4tllh|>  wd  eiiizug, 
der^traQs^e,  gflte  und  ^re  des  königfi^^epi  otttr  gdtttiohw 
Sommi^ .  ahnen  lasa^,  ()as.  wir4.  ipi  de»  hMkmdei  Sitten 
des  Tolks,  die  auf  die  baup^che.  gehn^^  n^h  rwi  .nm 
renrKÜfNlpdtgt.  un^l , .  erlämert  4Ü« .  gc^Nräll^  «w4.  äeder 
sjuid  ma^lgfall  *).  Ofit  wiifd  blofa  ein  taranz,  eine  pnppei 
ein  tht^  iii)  kprb  h^runjfgetfagefi  upd.  Wq  •  h^QB  ra  baua 
die,  gäbe  eingefordert;**).  Hier  trage«  kind^  .eiiloii  kßk$^ 
dort  einp  .AroAe. p^er.,ein^  /tiqki  iinihc(r***^||  wie  mm 
in  Polfiq  zur  .«eil  der  co^pda  d«  h.  DfiiyaiNrsi.eipen  auage^ 
stopften  v>olf  getfchfinki»  samnieln4  umMgH' (Linde  «.y« 
koleda), ,  4^,  si^  .keioe  wandertliieFA^  und  i«b.  lasse  un-* 
en^chi9^en^'i)nit.  wßi^heiin  fug  sie  .<^e  sckniUi«  oder  de» 
stoi:c|^(.y^rtretenj  oder  ob  sie  iiberbaupiv  cttvas  anders  be-^ 
deiif^f  sollen.  de§  Angebend^  sommers  ist  nur  m.  eiai« 
geji^  wogten,  und   ufpndiingen    des,  Iieds>:  oder:  gar;  nicht 

geid«cft<;. 

.Oft  ab^r.  bildet  jdje,  .einsanplung  der   gaben   nur   Am 

schlufs,;ejn9r  vorausgebeQ(ien.,sp9n volleren  baedliiiig,  iroren 
auchr  jüAglinge  und  Jungfrauen.  Ibeii  nehmen,  >Em  ver* 
inun)terjS<wtm^  und  IFt^^,  jener  in  fipkm.of^w  äi^ 
grün,  di^spr  in  strob  oißT  mops,  gi^klei^ft,  4Relen  mi 
und  kämpfe  solange^  niil,.eipfinder,  bie.  der  Scßmer  eieyfv 
danq  wl^d  d^m.  zp  bodeii  geiforfnea«  Wieteirr »seine  ibflSUe/ 
abgeris^ftn , ,  zerstreut,  up4  ein  soniperttGher  kfSinß  oder 
zweig  umheirgetragen.    H^r-  ist .  al/so .  wieder^  die  ereile  idee 

^  am  fleifelg^^  fH«wol  lehtl  zerstreut  unil  ^ unordentlich,  hat 
lie  geflammel^  CinBL  IUmc  Sekmidzu  '6Wtewh  {ei  jotarnal  tod 
iip4  fqrJD,.  1787.  U  IM**  19%  4aOlr-48S.i  178a  l^ElM-^57lv  tr 
409-  4)1.  1790.  1,  3I0-3U^  179t,  10p2;  in  den  duBitch^  m(^ 
nälsebriit  17^8  2,  ^— 6t;  daEiei  werden  eio^  menge  llterer  um) 
neuerer  schriftsteüer  zur  bewihrung  angegeben  Au'clilst  nQe|i  ein 
fiülMnir  aufiatz  Jm  fonrnal  von  und  fär  D.  1784.' 1,  282  :zn  Ter- 
glekbeo.  JKözctoBt  fiodel.ticb  i»  KränUi' etfeg|i4D|^,vS8«,6lil  HD^  W^ 
ters  Iduona  1812  p.41,  in  Böscbingt  wöch.  nachr.  1,  183  —  186.  3. 
166  und  an  andern  orten,  die  ich,  wo  es  darauf  ankommt,  weiter 
anfäbite/  fiie  b^ldoe  .frührten  abhmdludkgM  sind  >tw  Paul  ^Christ. 
Hilscher  de.ritn  dominicae  laetare,  quem  ¥ulgö-i'appeilaBt' deif^  tod* 
anstreiVeifu  ^.ipfl„J^9fl  (deaff^b  .WW),,ua*  Jo*.  jC^^  ZvulSer  de 
dominica  laetare.    Jena  1706.  '.  i 

* 

**)  es  'ist  heilsam  den  wommerkmJem  dei  asMiAr  mküäuAifm. 
abergl.  1097.  ,  -  -    ...  .. 

***)  Reinhart  einleil.  p.  ccnx.  ej^er  ufagistragi^f^  htiP^  (alfM^*jäw 
schwalbe)  gedenkt  auch  Afhenaeus  a.^^^.,    ;j'-  ,     .„  .;,  i 


■ 

•  **- 


<Mte8  krä^  ^<Mr  siriß^  iWiJaten'beib«^  jArs^^WaH^ir; 
«iiti  dem  der  So^ktner  siegreitflr'  herVot-g^ht,  in  d^Hi  4er 
fraHM^  Wlei«^:  d«fs  iWIk  sriW  gleichsam  den  züsch^iuen^ 
den  clmiur  idi  utld'bticjU  in  deh  ^reb  des  ttb^Wiii- 
der«  «M  ■."'••  '         " 

Die  ebM  gesöhtideHe  sWeteirt  ttaifptsft^MicIi  hi  gb^ 
gwdeti  dbtf  'mUtieretf  Rhäins,  jekis^its  ?h  deir'PMIz,  di^^ 
seits  2wi$eh6to  Keckar  «iid  IMiii,  im  Odenwald.  Aüts  den 
f esMg^neli  Kedern  tli^ite  idh  blöb  die  bezi^harigsvoileta 
itsiten  \«*l:^    :  .  .  *  -^    ,         -1    .:...    '  ■  '<   - 

tmiirif^  der  äMMtier  d^  M'db; 
'     >     wir  >t|iMleii  biitatri)  lÄ  gmdh 

^d  >vroltetl  ^  £lMMi«^lf  Itrant^J  '   "^      ""'*'' 

•  »Wb^  woiten  bibttr  di^  ^mten    '    '     •    "^  ^  '.       z^^- 
und  wollen  den  Sammer  %^dk^.      '^ 
der  WnUäH"  %M  Wrl&i^\        ^        *^ 

'  näd  Wl^r  IlicM  däzA  Itomitil    » 
den  sdblajgi^  #ir  mit  l»ta«ij|re^.  '     '. 

anderwftls:  jajaja;  dör  SoÄimÄ*«^^*)  iüt: da,"   -   '»  '^  '^^^ 
'    ef  ft»^  id^  Vnmer  mt  augHk  'äUk'     '     '  ' ' 

und  jagt  <fie  bM&tti  i^ttr'sMbe  ^Mntfds;     '^ 
oder:    Stab  aus!  deM  W^mt'  gOm  tf«  m^  äk^^\ 

f>eikhen,'¥d9enbhmen,^  i  >  .' 

schicken  den  Winter  übern  Rhein  ^ 

bringt  uns  gaten  kflhien  wfeiir; 
Mch":  irioien  üäi  m  ^bkihefk  '  ' 

liriirgen  m^  den  SöHmer,  «vi 

der  Sammer  ist  so  kedk 

und  wirft  den  Winter  in  den  dteehi 
oder:    stab  aus,  stab'atifir,        ' 

blas  dem  WSf^ 'die  iH^il^  mü  7  *' 

Solche  gesUil^^  tidd  sKlier  tiut<6b  tätigt  jabrHünderte  ge- 
gangen; was  ich  voflrta*  ads  uAiidrri  diehterii  des  13  jh 
angeführt  habe,  setzt  Ae  ihräm  wesentlichen  ftfihalt  nach 
▼orMs.  liÜeS  ist  gatizbeidnil^ch  gedacht  dhd  gefallt,  der 
herbeigcAn^te ,  ans  seinenfi  schlaf  geweckte;  tapfere  96tn^ 
mer,  der  ttferwntrdfle,  "in  dfen  fc^rth  hiedergeworftte,  fti 
bände  gtlegfe,  Adl  stfib^  ^eäöHIagni^,  geblehdete/  aüsge^ 
triebne  Winter  sind  halbgötter  oder  ril^lsen  deis  alteHhühis. 

^)  für  ^itfmer  ?  vgl.  BäHag  (k  202: 20fij  f ql:  bnüar,  tftid  t*g  s.  699- 
^)  aach  UtafH  aus'  oc|ei^  *sta.mous\  unk  ^heib  älüf  h^  aus',  dem 
WiaHer  ist  eia  Haft  um/    itcrlydiül  Tielleichr  ito«5aia  ss  auf'Uad  dA- 
TOD  (Sckm.  3,  602J.  '         •     '   '       '   '' 


1 


72^  »OlWpt  .IINP  iWmTm 

Der  pßUpkm.  wird  erwitet  in  dfutlichcm  beivg:  auf  4m 
empfang  des  Sbinoierfi,  An  einigen  erlen  zi^en  die>  kln*- 
der  mit  $pei/sm,  g^chäUe^  siäb^ih  Itölzernen  jibelii  aad 
degen  aus,,  entweder  in  der  at>^icht  deni  Sonvner  jw  helfen 
und  mit  auf  den  feind  loszuschlagen,  oder  es  kdUMU  aueii 
die  stabtriiger  des  Widers  fefoige  oder  ingfpinde  darstel- 
len sollen,  weil  nach  altem  gebrauch  besiegte  und  gefengse 
mit  weifsen  stftbeu, entlassen  werden  (R4.  194).  Biper 
aus  dem  häufen,  der  knaben,  ein  erwi^ha^er.  an  ihrer  spitsf 
•fi  Stroh  gehülU  stellt  den  Winter  ^  ein  andrer  mit  efkmt 
verstiert  den  Sommer  vor,,  erst-,  kämpfen  jkeide  aoMt  ihren 
holastangen,  bald  werden  sie  Jban4gf»iAWi  wd  riegen  so 
lange,  bis  der  Wintcir  niederli<9glt .  Qfl4  ihm  das  strohUeid 
gbgeaogen  wird,    unter  dem  kämpf  singen  die  übtigen : 

Stab  aus,    slab  aus,       . 

stecht  dem  Winter  die  fttigen  fml  .  : 
das  ist  völlig  das  rauba  birahanen,  br^sti  gewinnen,  cae- 
SOS  spoliare  armis  der  heldenc^t ;   dae  granaame  augaos- 
stechen  tritt  noch   tiefer  in  das   al^rthiim  aurüokf).     das 
wecken  des  Sommers  ist  wie  das  wecken  der  SesOß^   < 

Nach  beendigtem  kau^,^  ,wemi  dßr  Winler  in  der 
flucht  ist,  wird  an  einigen^  orten  geaungen: 

ßQ. treiben  wir  den  Winter  oiml.  '  w 

durch  ünsre  Stadt  zum  Ibor  hinaps,. 
hin  und  wieder  die  ganze  handlung  aiiaammengedrüngt  in 
das  geschrei: 

Sommer  rein,   Winter  nausi 
Jemehr  man  sich  über  den  Odenwald. wrftck  dem  i»» 
nern  Franken,   dem  Spessart  i^iM.  der  BhOn.  n&h^it,   pfle- 
gen schon  jene  werte  zu  lauten:   .    . 

Stab  aus,  Stab  au^,        . 

'  stecht  dem  Tod  die  äugen  aus  I 
und  so  heifst  es :   wir  haben  den  Tod  biqaitsgetri^ben , 

den  lieben  Sommer  bringen  wir  wieder  ,^ 

den  Sommer  und  den'  Ifeim 

mit  blümlein  mancherleien« 
Der  Tod  tritt  an  die  stelle  des  Winters ;  man  kann  siigen, 
weil  im  winter  die  natur  schl^minert  i|qd  auageiWl^ 
scheint;  vielleicht  hat  aber  auch  frühe  schpii  ew  heidnisQbef 
nanie  des  Winters  ißt  chrifAlii^en  verstelluBg  von  dem 
Tod  weichen  müssen. 

*)  die  mhd.  liader  tthnmeo :  der  Meie  h4t  ilnea  Mpkaft  af  deo 
Winter  verxloeJkef».  MSO,  3.  105^;  Mai  hat  den  Winter  erdaaem. 
Hätalerin  1^1.  58;  vehim  wil  der  Winter  kalt  geg ea  dem  lieben  Sa- 
nier.   MSH.  3,  423««  .■  „»  ,,.   »,.    .  ■'-.'  .jv' 


U  tl*f  fraiYkiselien  Bedern,  fe.  h.  dem  NUmberger,  wird 
ÜwA  ab^  des  Sommers  gar  geschwiegen  urtd  der  gedanke 
des  autffeirielmen  Todei  desto  stfirlier  hervoirg^fiobeft  ^. 
landmfidchen  tob  sieben  bis  achtsehri  jabreit'  !n  ihrem 
grötsten  pulz  durchzidhön  dort  die '  ^traJscfn  der  ganzen 
sladt  and  Vorstadt;  aaf  oder  nnter  dem  linkeri  arm  tra;- 
gen  sie  eirien  kleinen  dfben  ^rg,  aus  welehetn-  ein  te^ 
chentucb  herabhängt,  unter  dem  taoh  liegt  eine  puppe. 
ärmere  Kinder'  tragen  nichts  als  eine  offene  sdiachlti,  worin 
ein  grüner  bnchenzweig  lie^t  mit  in  die  höhe  gerichtetem 
aiiel,  woran  ein  apfet  statt  des  kopfs  steckt,  ihr  eintöniges 
fied  beginnt. 


hent  ist  mitAfsten, 


l     M 


Wir  fragen  dbi  irod  ine  wassety  wöl  ist  das.    * 
unter  anderm:  toir  tragen  den  Töä  ins  ioaesery 
tragen  ihn  nein  und  meder  rans^y' 
'  tragen  Üin  vor  des  Medermanns  haus. 
woUt  Ihr  nns  kein  schmalk  nicht  geben, 
lassen  wir  euch  den  Tod  tiicht  sehen, 
der  Tod  der  hat  ein  panzer  an. 


<  •  t 


*)  Sah.  Frattk«  <we1tbacii  öl*  wbildeit  den  firAiWiHsh#a  «it^ 
iMMslitibraiiak  «»{  'hahA«  aii«k  ir  vier  •in  Jeilack  bei  deaMtfr  fipfeln 
und  ein  iCrotnen  fsgenachteb  buiten  inhoienuDd  wamm^s  miteiiier 
lanren,  wie  ein  iodten  man^  schwingen  si  in  mii  den  vier  %ipfdn 
muf  m.  die  höhe  and  entpfihen  in  wider  in  daa  leilach.  da'a  treibeb 
•ie  durch  d^  ganz  ttadt  ZA  aiitterf^te«  maekeqt  <>■  so  eCMMeiv  oH- 
ten  ein  eirainen  mum  oder  Anfsaii,  angethon  und  zügericht  wie  ein 
tod,  den  fr«^Mi  die  Tersamleten  jasgen  in  die  nahend  gelegnen  dör^ 
fer.  diese  winden  Ton»  etlielwA  aehes  tfin|>ran|fen  ^nd  «Mi  darren 
hntzlen,  milch  und  erbifs  gelabei  nnd  gespeist.  Ton.deu  andern«  diie 
ea  fqr  ei^  anzeichen  zukunfUga  tods  ballen,  ühel  empfangen,  und  Ton 
iren  hofstalten  getriben  mit  scbeltworten  nnd  etwan  mit  streichen*. 

**)  bieidurcb  scheint  angedevtel,  dnfs  die  gollbeit  des  Todes  bei 
der  was«0il»acke  nickt  Temtcktel,  sondern  ihr  nur  dio  ^man^rigdai» 
hfk  dea  folk«  iiWbar  gemacht  weiden  soU.  der  gvaosvn^  Tod  h4t 
das  jabr  über  manche  Opfer  geholt,  jetzt  wollen  sich  die.  menschen 
p;leicnsam  an ,  ihm  rächen.  Dies  greift  in  die  oben  s.  IQ  angedeutete 
idee :  wenn  ein  gott  den  erwartungen  nicht  entsprochen  hat»  so  wird 
ihm  gedroht,  sein  bild  in^  wafser  gelancht.  So  warfen^  üie  Frank- 
linder  beim  miswachs  des  weins  s^Urbans  bild,  weil  er  keinen  wein 
fescbaft  bat  (Fiecharts  Garg.  \t)  in  den  bßch  oder  tu  den  hoth  (Seb. 
'rank  511^).  oder  in  den  waßsertrog,,  selbst  ichen,  wenn  keii|e  reiche 
Weinlese  erwartet  wird  (Agricolas  sprichw.  no.  49&  Grälers  Idqnna 
1812  jp«  87).  ^  Nicht  anders  warfen  die  Baiern.  den,  b^il^  LeonWd  bei 
seinem  feierlichen  umzuff  mitunter  in  den  hoch  (Scbm.  2»  473}.,;  Be- 
kannt ist,  wje  die  Neapolitaner  noch  heutzulag  mit  ihrem  ssn  Gen- 
naro.teirfaliren,  oder  die  ^chiffer  im  .stnrm  .  s,  Jacoba  bild  mishan- 
deln;   aadai^r  beispiele  su  ^escbw'eigen. '  '• 


n 


:7^  T:Q9^9813MlW 

AWilicb^  gfiMpche  nni  lieder  hßjaui^ami  im  ^iNoicea  Fran- 
kw,  ixk  TbüripgeQ«  Ifeir^^ii^. Vogtland^  $9^eaiw  und  An- 
sitz»   der  einmalig  de^  U^dß  wAcngeU: 

nua  Ireiben  wir  deo  7ad  aus  *),   .    . 
.     , ,     dßii  alten,  foeibem  in  das  haMsl  -    . 

oder :..binter;i  alte  .hirtenbfias  **), 
.  bernacb :  bMtea  wir  den  Tod  laicht  auijfetriebm 

war  er.  das  jabr  noch  iiiiie  gebliebep  ^**). 
,  Gewöhnlich  wurde  eine  ptype^  ein  siröben»es  oder  Ad/^ 
A^mi««»  6t/flf  herumgetragen,,  «n^  wass^,  in  einen  iümpfel 
ßeiDorfen  eder  ceriraf^;  i^ar  die  %Qr.  wei^ilich,  «o 
iriig  sie  ein  knabe,  war  sie  männlich ,  trug  sie,. ein.  mäd- 
chen.  Man  stritt  darum',  wo  sie  giQi^iaclit  ^n4  gebunden 
werden  .sollte,  aus  welche«  J^us  Sfe  hvrfjQrgiSfbfwH  wurde, 
in  dem  starb  das  jähr  Über  uic^and.  Dj|fd,^den,To4:  y^Wt^ 
werfen  hatten,  tiefen  schnell  davon,  aus  furcht ^tdafs  er 
sich  wieder  aujrafie  ^  und  hinter  ihnen  .^er  komme ;  begeg- 
nete den  heimkehrenden  vielii,  ^o  :Sohl^gfn  ^&  es.  mit  stfi- 
ben,  im  glauben,  dafs  es  dadurch  frucl^tbar  werde.  In 
Schlesien  wurde  häu%  ein  blober  fymnenbaufn  ffi^i  sirc^'^ 
ketten y  gleichsam  gefesselt,  umhergeschleppt.  Hin  uiid 
wieder  trug  ein  starker  mann,  mitten  unter  kinderh,  einen 
maienimmi  ^^^^*).  In  der  Altmärk  biril)eB  die^Wendefidör- 
t^r  beS  Salswedei,  zumal  Seeben  (wo  audi  tioeh  jenes 
Heniiil  galt,  s.  711)  folgenden  brauch  bewahrt:  knechte 
und  mägde  binden  auf  pungsten,  von  tanuf»sif$eige9k ,  siroh 
-und  heu  eine  grofse  f^t/ppe ,   dier   sie  so  viel  ids .  möglich 


*)  Luther  hat  das  iiad  auf  die  avtlreibasg  det  fiabtts  pirodiefft. 
itwtn.  T.  y.  f.  D.  1787.  2,  t92.  1^8, 

**)  'dem  alten  Juden  in  seinen  baueh,  ded  Jungen  ib  den  racke, 
daa  ist  sein  ungelucke,  treiben  ibn  uber'berg  und  tiefe  dial/dal^  er 
nicht  wied^rkotemen  «oll ,  treibeD  ihn  aber  die  beide»  itaa  Ihun  wir 
den  sehfifern  zu'  leide^  wir'giengeti  durdi  dedt^äa4»  wald«  da  amh- 
gen  die  tOgel  jaDg<  und  alt.'  Dan  allen  Joden  :^rül  Fiaa  Ma^mmi 
(edda  2,  13S)  für  einen  ißtuim  gehalten  haben.  ; 

***)  J.  F.  Berrl  über  ein^e  in  der  igeg6nd  voti'  Erfnrt'  geAindne 
altertbiimer  1787  p.  28  hat  die  seile:  *  wir  (ragen  AenKrodo  inswas- 
ser*,  gesteht  aber  nachher  (journ.Y.  d.  f.  D.I'TBt.  483.484),  dies  be- 
denkliche wort  als  eigenrnSchtigetermutung  in  den  text  anfgeoöinbäen 
zu  haben.  Um  so  TerdScbtiffer  ist  in  H^bachs  nachtrag  zum  arcbfr 
ton  und  för  Schwarzbnrg/  ftildbnr^h.  178p.  p.  52  folgende  Strophe: 
*wir  tragen  den  allen  ihor  bJna.t^,  hinten  alt^  hirtenfaaus^  wir  hab^n 
nun  den  sommer  gewonnen  and  Krode$  roaclit  'ist  weg|[ekoimn)en'. 
alle  ausdrücke  der  letzten  zeile  Terrathen  erdicbtung. 

***^)  zu  Leipziff  tiar  das  fest  im  17  jh.  so  herabgewürdigt  d^fsman 
die  Strohpuppe  durch  huren  umtr^jen  nn<i|^  luti  TfPi^Hf^i  W.Cf len  li/^ia^ 


MM^iclie  .fe«Ml  \9fihe9t4,  ffmflhr.«rit  MWnmen  bekriwt 
wird,  die  pmgffi  «ttfreoki  sHzand  auf  ider  bunten  kuh  (wü^von 
aachher)  befealigl  «ndi  ihr  zQletii  eine  aw .  ellecnnolz  g^ 
aeliwüBle  pfeife  in  den  mund  gtt^teokt.  «o  ftthrl  man  «e 
ine  dorf|  wo  alle  bMaer.  eni  iiind  aeagam  aperren  und 
j^der  die.kiMi  jiips..aeiiiea(i  hol  wegjagt,- eeJImge  liia  die 
ppype  keprabÄIU  edet  in  ^tMf^e  g«ht  % 

Ana.  dar  Schveia  tbeittnnaTeb^  425.426  ein  toI^ 
apinl  in  reimepi  mit,  dTe  i9<^w#iflkQ)ite  ;herkmift  .Yüsprratken, 
Hpd  «e»  kaippflied  awisoh^  Spmmer  «nd  Winter  e^tbi^Uen. 
den  JBamm^r  atejtt  ein  mann  im  blofsen  bemd  dar,  in  der 
einw  baiid^eipen  mü  bAndern  .und  früehten  geaehmüekten 
hanpn,  in  4er  andefu  einen  vialliBob  gespaltnep  «knöi(el  b«t- 
tend.  der  >  Wk^  trtgl  warme,  kleider  und  einen  glei^lmii 
knlMtPil>  iiieide  laehlagen  einander  .auf  die  sclputtem^  dab  es 
innt  vnri^chi^  Jeder  rttbart  $ksb  und  «chilt  4m  m^em*   nnr- 

letzt  weicht  der  Winter  und  erkennt  eich  lüK  b^^t  aet- 
chea  Wettstreits  gedenkt  auch  Sebm.  3,  248  nna  Baiern :  der 
Winier  iat  in  pete  gehüllt,  der  Sc/mmr  fttbril  einen  grttnen 
zweig  in  der  hand  und  der  streit  endet  damit,  dafs  der 
^mipier ,  il^n  :  ViJP^e;*  Jtur  tbür  MufBua  wftj  M  Ostreich 
linde  U^  dm  gebrancli  nicht  erw&hnt ,  docn  scheint  ,er  in 
Sitep  und  dena  angrenneiiden  kimtniaeheo  gehirg>ekannt: 
die  fcuraUie'  theiiett  steh  in  nwei  hänfen,  einer  tW^t  wintei^ 
kleider  urfd  Schneebällen,  der  andere  ^önd  äommertitlt^, 
gaib^elD  päd  sensen.  nachdem  sie  sich  voi'  '.flen  häusern 
eine  weile  gestritten  haben,  singen  aie  ^ulelM  vereint  den 
preis  des  siegenden  .aeaMnerb  ^),  es  geaohiehl  iaa  mers 
oder  auf  MarM  tiohlmesse. 

Einige  der  angegebnen  landschaflen  haben  im  letzteta 
jh.  das  aUe  fest  dieser  sommerverkundigung  durch  besie- 
aung  Winters  untergehen  lassen ,  einige  nedi  gegenwärtig 
erhalten.  ^Frühere  jhh.  .m^gen  es  in  Midinm  deolacken 
airichen  gesehn  haben,  in  welchen  es  selbst  nicht  historisch 
nachzuweisen  ist,  wahrscheinlich  entgöhn  mir  auch  einzelne 
nachrichten^  In  Süddeutschland,  Schwaben,  Schweiz^  Bai- 
ern, ÖstreieJi,  Steter  sind  idie  gesange  no^ch  lUng^und 
fdrmlicber,  de A  die  Sitte  selbst  weniger  nai^  und  kAendig. 
in  Niedei'hess^n ,  Niedersachsen,  Westflsien,  Nierteriand, 
Friesland^  aMo  dä^  wo  die  o^terfeuer  im  schwang  blichen, 


>i  n      fcJ  1«       t 


*)  Ad.  Kd)iq  fi^ark.  ^agen  i.  31&  317* 

**)  Sartori  neneate  ft«ise  dar«h  Östi^i^h.  Wjea  Idtl.  2l  348. 
das  •teirii/ichft  9MfM|fefl  fiadiel  awn  llbae<k'.  in  VoMshinf»  Möahr.nacb'. 
l,226-^22a  ■,;.!  :  ..,.,..!   -    .;   ,i,..  .      •  V 


730  f0DA»S¥RAQEN 

liabö  iöh  dto  •  sbMi^rflntohdigQnf  Aiftt  ^r  Hidit  ermttretii 
köittien';  dafür  Werden  wir  in  Norddeütsditadd  den  mairitl 
und  das  maigrafenfegt  viel  feierlicher  ^ntfMtlßl  finden:  eib 
die  aommerankllndigiing  aioh  ttbär  die  PMz  hinbus  iü  dua 
Triersche;  Loihringisohe,  naeb  Frankreich  eriftreckce/wcfffii 
ich  nicht  sicher  *).  IQar  ist,  daft  weder  die  proteMntiseke 
noch  die  catholische  ansieht  anf  die  Iftngere  fortdaner  oder 
das  frühere  erlöschen  der  sItte  ^nfiofs.  Allerdings  Mit 
auf,  dafs  sie  sieh  am  regsten  gerade  durch  die  mitte 
Deutschhinds  zieht  und  hinten  an  slavisehe  länder  lehnt,  die 
ihr  gleichfalls  huldigen;  daraus  darf-  aber  nicht  gefolgert 
werden ,  dafs  Sie  slayisehen  Ursprungs  war  tmd  yon  fflaren 
bis  über  den  Rhein  hin  eingefftbrt  wiirde.  Wir  missen 
erst  diese  slevischen  gebrauche  nfiher  betruditen. 

In  Böhmen  ziehen  die  kinder  mit  einem  sirokmaiHi, 
der  ien  Tod  vorstellen  soll,,  ans  ende  des  dorCs,  und  ^er~ 
trennen  ihn,  dazu  singen  sie 

giz  nesem  Smri  ze  wsy, 

ikowe  Leia  4q  wsy;  . 


*)  C.  H.  Schmid  hat  freilich  im  jonrn.  t.  u.  f.  Di  1790,  314.  315 
ein  TerzeiehAitf  der  länder  und  örter  aofji^fdlt,  wo  Wfater  oder 
T«d  ausgetragen  wfcrde,.  darin  sind  aaeb  niedtrsidiiisdMv  meklen- 
bnrgieohe,  ja  friesiache  gegiBiideii  namliaft  gemaellt  beir|ihf||Bf  dafir 
manselt  aber,  und.  ändjere  ähDlicbe  gebriache»  de&Q|i  gaj^x  die  indi- 
tidaalität  des  hier  abgehandelten  fehlt,  werden  damit  yermischt  Aug. 
'Pfeiffer  (gb.  zu  Latienstein  1640,  gest  zti  Lübeck  1696)  in  ded  eTang. 
'erquickungsstanden  Lerpc.  1698  p.  gedenkt  des  Sommer  und  Win- 
lerttreiai,  aber  ohne  den,  ort  zu  bealsnimeo;  nii4  er  wohnte  langet 
Schlesien  und  Leipzig.  Henr.  Lubbevi  (prediger  stf  'Bablendorf  bei 
Lübeck,  gb.  1640  gest.  1703)  schildert  in  seinem  fastnacbtsteofel  p.6 
einen  merzaafzug,  keinen  maiüchen,  hebt  aber  die  wesentlichen  züge 
nicht  genüg  herror.  ich  setze  die  stelle  (aus  loh.  Pet  Schmidts  f£- 
stelab.  p.  132)  her,  weil  sie  das  gewis  nicht  utowhrksame  eifern  der 
geisdichen  gegen  ilie  lustbarkeiten  des  Tolks  last  so;  eharakterisiSaeh 
Kaigt,  wie  die  a.  237  ff.  eiffgescfaaltete,  um  SOOjabr  filtere,  declama- 
tion.  'im  yorigen  jähr  dominica  qninquagesima  (vier  wochen  Tor 
laetare)  bat  ich  abermalen  einen  jeden  öffentlich,  man  möchte  doch 
einmal  solches  heidnische  wesen  einstellen,  aber  ich  muste  leider 
erfahren,  dafs  es  die  gottlosen  weKkinder  noch  firger  als  zuvor  raaobo 
ten.  Da  giengen  nicht  allein  die  HtHter,  lange  mU  grünem  kmb  Ae- 
lOMfifiefie  ilechen  tragend  in  den  hlusem  herümb,  und  sungen  aller- 
hand liederliche  posseo,  sondern  sobderlich  die  knechte,  unter  welchen 
einer  mit  einem  grünen  tceiberrock  behanf^en  war,  gienffen  in  zweien 
Parteien  mit  einem  dndelsack  durchs  dorf  Ton  haus  zu  naus,  sungen, . 
soffen,  tanieten  und  raseten  in  den  hfiusern  als  unsinj^ige;  nachhin 
tbaten  sie  sich  zusammen,  sotfen,  tanzeten,  lermeten  etliche  nSchte 
durch  und  durch,  dafs  man  kaute  dator  schlafen  konte:  Beji  solchem 
'<l^nh>sen  nachltanie^nden  sich  aueh  einige  Idehtfertige 'ttSgde,  nnd 
wohnten  dem  terfluebten  handel  bei.*  ''--     -  •-•    t ' 


/ronAosmAOHN  m 

öbiljcko  zclenel 
d.  h.  gchoB  tragen  wir  den  Tod  meiern  dlorf,  den  neuen 
Sojnmer.in  das  dorf;    wilikominen.liQblidiier  Sommer,  grü- 
nes getTMieleiol    AndeiWitto  üngt  mn: 

ßmri^plymm  po  wodS, 

itume  iMto  k  nüngede^ 
der  Tod  flGhwimmt  oof  den   «raMor,    der   noiio  Soomier 
ftbri  SU  uns..*)  oder: 

Anrl  gsoie  wim  sanoriy, 

MOioo  Le^  pf iMfly, 
d9ii  To4  habM  wia  oooh  forlgetrag on,  don  aonen  Sommer 
gebrachii;  in  Hftbr^a  ober: 

^    ooaem,  Msom  Mdhmii 
wir  tragoD).  tragen  VaMnaw    Andere  Slaven  amyon: 

wynoMnei  wynoaome  Mmimienäu; 

.wyoieoli  amo  Mutienm  ao  Ivoi, 

prjuedianie.  Jtay  o^iey  do  wai, 
wir  wollen  Mamoiiienda  aoatragen ;  wir  kiiben  MMena  aoa 
4em  dorf  und  d^  juogen  Mai  ioa  dorf  |F«tragiaft*% 

2o  Biolsk  in  PodlacUen  lorsftufeo  aie  auf  todtenaomHag 
dnen  aw  lAofi/f  4»doir  htikm  ye/boMaeii  göl9m,  naohdem 
er  durcb  diO;  stiidl  gdtrafM  iat,  in  einem  nahen  aompf  oder 
weiher  und  Bingen  itazui  mit  Magendor  ativiaM; 

«Sai^c.wioie'Bie  po  ptoftn, 

d^  Tod  webt  am  aaun,  den  atvudel  auehend.  dann  lau** 
fea  sie  eilenda  beim»  IumI  wer  dabei  ftUt,  muCi  ilas  jabr 
ftber  atmrbM*^*^)>  .Die.  Sorb^  bider  Oberlanaitn  lerttgen 
das  biUimts  ßlrok  wuthadtm;  die  die  letate  leiebe  ge- 
habt, moCB  4a8  bemde,  'die  ietate  braut  aber  ien  achMer 
Qnd  die.  übrigei^'  lumpen  dazu  bergeben f);  daa  acbeuaal 
wird  auf  eine  bobe  Stange  geateokt  und  von  der  gröfaten, 


*)  Celake^kj  tlovansk«  narodai  pimaXi    Prag.  1822  i.  109,  wo 
aoek  amlere  reime  aogefükrt  liad. 
**)  J.  KolUr  ipjewaokj.  1,  4.  400. 

*?)  flanoack  siay.  "myth.  413,  Jungmaüfi  8.  V.  Marana,  der  dea 
pöliiiaebeo  reim  folgenderma/sen  böbmiach  auadrockl:  Smrl  wige  po 
pjota,  tttkagj«  kkipolu. 

t)  IndJeuL  aöpcrttiL  27.  de  nrnrnherü  dB  ammms  fmeüt,  2Sv  faae 
per  campoa  portant.  Die  EhsCen  pflegen  aar  neujiibr  eioen  götsen 
Ten  atrok  in  'geatalt  eiaea  maunes  za  machen,  dem  aie  den  namen 
«eteüb  and  die  kraft  beilegen ,  daa  vieh  f er  wilden  thieren  »i.  bc»-' 
«ahfen.QBd  üve  grensa  tm  fafiten«  aHe  asa  dem  darf  hegleiten  and 
selten  ikn  aaf  den  nickaten  -Imimf'^  |Tbam;:Iiliva.mi40..  .    "  .    >%, 


stärksten  dirne,   in  vollem  imt/toftg^MlgW.    dabei  sin- 
gen alle:    lecz  höre,  lecz  )iore1 

jataftate  woiio 

|Mm  dde,  pan  idaiet 
d.  i.  .flieg  hoch,  iieg  hoch,  dreiie  di^h  «ir,  IM  vieiisr, 
fall  nieder  I  Alle  werfen  'mit  slapnw  %M  Stecken,  nach 
ihm,,  wer  den  Tod  trift,  stiriit  diis  j«]hr  Hber  niclit«  so 
wind  daS'  bild  siun  dorfe  hinans  im>  em  wasser  gefragen 
und  darin  ersfiuft.  oft  bringen  sie  ai^'  den  Yod  bis  atir 
greme  des  nächsten  doifs  and  werfmi  lAn  Xiiiitter  j  je- 
der bricht  sich  ein  grünes  swtHgt|eiil ,  v  Mb '  er  auf  dem 
heimweg  fnMriiohes  nrales  tffigt,  bei  erreiebiing  ^  dürfe 
aber  wieder  von  sich  wirft.  zirwaUanMlaüfi^ihneli  die  jtf- 
gend  des  benachbarten  derfe,  Warnt  A^ssm  f|Vtenze  sie  den 
Tod  gebradü  batleii;'  nwöh/  und- wjff/<aii  tefiie*,  Wcffl 
ihn  niemand  duldBn  ^1 ;  hienmr  gennbeii  sie  leicht  in 
Wortwechsel  und  seMäge^/  An  asdern  iavaftzischen  orten 
sind  blofs  frauen  mit  dieser  l0d«Mlrmbiiiig  besiDhäftigt,  und 
beiden,  dakei  keine  minner.  «IIa  «g eUn  ^(to  Itfgs  in  trauef'- 
schleiern  und  binden  'eine  pupp0''m$r  fMsk,  der  sie  «dia 
wetfies  faemd  tlberneireh',  in  die  'eine  '-  band  einen ^esen, 
in  die  andere  eine  «Ixense  geben;«  dväse  puppe  4rageii  sie 
singend  und'  von  steinwelfendai  'bnbto  vtspfolgi;-  aM* 
greme  des  nftobsten  orts,  wo  sie  >  sie  isenrÜ/ieni  daratf 
hauen  sie  im  wald  «inen  schönen  hmii^  hingen  das  hemd 
daran,  und  tragen  ihn  fajßim  wiler  gesänfen**).  Dieser 
iNAimi'  ist  ohne  zweifei  sinnbiM  des  «angefühüen  Bommevs 
statt  des  a«tgteträgi>en  Todes.  SeMi  ein  gesebmilckter  bartim 
iwird  auch  sonst  von  knaben,  nachdem  sie  defi'Tod  fort- 
-gescbaft  haben,  im  dorf  herumgetragen  und  dabei  san- 
mein  sie  gaben  ein.  Anderwärts  tragefa  sie  die  puppe 
•herum,  geschenke  fordernd.  Hin  und  wieder  lassen  sie 
:den  stroMnann  dew  lernen  im  die  feMkr  gucken  (wi6 
Berhta  ins  fenster  schaut,  s.  252.]:  in  einem  solchen  haus 
wird  der  Tod  das  jähr  über  jemand  abholen,  doch  ka^n 
man  steh  mü  geid  lö&teni,  luld  die  vorbedeutuiig  seitig  ab- 
wenden. In  Königshain  bei  €föi*lir'  zog  das  ganze  dorf, 
jung  nnd  alt,  mit  strohfackeln  auf  einen  nahen  beif ,  der 
.tpdtenstein  genannt,  ^^o  sonst  ein  götzehbild  gestanden 
haben  soll,  zündeten  oben  die  fackeln  an.  und  kebrien 
siagend   heim,   iinief  'besüNMliger  Wieierbolung:  der  wi)rte: 

.    >  ^)  sliusüi.  «ag.  von   ITTO  p/  84»  85  iafi>  eiaar  hs;  dt»  Afarak. 

**)  Ghriit.  tArnoldft  «ihaii§    zu   AIm.-  Boimbs  »uiitdnchMelieaD 
Hetteadienst.    BcidaUh .  1674»' *  p«^  136.*      !  .  >   «il*  t'-^ 


Görm  umnMftBN  i$i 

daAf  T«d  Mbm  fn$  awgMfiahenj  >dt»  MmiidittbiMfifeii  wfr 

Aldo  nichl  übutwä  sUlbe  man  •  tioh*  uirtttr tfiMeiii  aasge- 
lriakiieii..gdtS€nbiU  de»  itatraoM. Whiler  oder  Tod  vor; 
s|l1Reiiall^^'i8l  es  Mek  die  ^itfMMsdke,  den  (AnibteiilhQni 
weicfceiidß  ^MMl , , :  i«iflchtt  das  velic,  in^  hNdber  MW^i^, 
«Hei!  angestimmltn  UageHedem ,  ra«.  sieb  eieaUlM.  Dlo^ 
goas*^)  Büd:  neeh  ünh  andeee  :beriehleiij  aaf'kewijgf  Mieds'* 
kma  feheiG»  eeie»  aUe  gMzen  im  bind  aerbroelreii'  und 
Yerbrannt  worden ,  sur  erinneroeif  derm»' pflegei  man  iil' 
mekrom  -poliiiatriieQ  Memjfthrlich.  0lmdl>>AIMsr  der  Vor- 
aeafff  wd  Ziemmia  aiü  sisitige«  befestigt  oder  adf  schMf^ 
ii0tt>  traurige  Jiedbr  aklgend/.  feierlieb  imii  kumpf'^4et 
lk/$  au  ffhiie»  and;  iuenidti/bii^^;  fMtbsam  die  leme 
ilMim  erwiesim  hokUgvaf.  DkigosB'  ei4Mnin;tder  Mmmana 
'  daroh  oriMngMUn:  sebeint  Medi»  ammlinitfaliei*  Preeeels 
und  S^bidEiriks.JOdeilgmNn;  iohleitei'deii  awoMlii  teai  |KriiM 
maiw^c,  UHuit.  imtsMttli,-  maai  mevanul'  frieMi  «b-,  «md 
stelle  Ihr  alai  winlctflrM^  die  eonaiMgOlliii  Wiosfm\  Mhm. 
Wnm  gegwflbeir.  aMrbmflrdigi'  hmfst^  ea  in  der  KMtghi^ 
hofar  ha.,  e*  72:  'itodiau  drahi  vdm:  ianMl)<  po**'pulr  r 
fFe«y  pq,  MotMm^,  eilie  gattin'  sialleBAvwir'haben  anf'der 
fahrt  TM  dar^Weabe  Us^  znr.lioravet^  mni'SMiBse^  bis  t^ 
wuMeir  a;ae  jßdffMiit.  .Dm  «tarfas  oder  iMcben'  des  g^tter-^ 
bilds  ini4ii^:.lutibooehl  aber  nisbl  gerade  ada«' vergeh tnn^ 
voa  deii.(QbriMee:>geaehbhen,  «mderti  karfn  echeia  im  HeM^' 
nisi^beii.-  (mltua  ielhM.  bagrflnriet  :giawesen  «aett»,  ^a'der  Ife^^' 
geii8at»}.«ivt(lcbm  Twinte»;  ündi^somaiibriund  di«  ^riMbang' 
diei«i!ideaniWien  jegeeinkr  folgehkaben:  nKaste  f ).  '  '/ 

Tff  •  dm !  Toda«itNigeQs>  war.  die  ifasuta'  >  doairiwlca^ '  ^da*- 
dragesiimio:^   d*  li^'der  unwifttj  UwAirey  -odet  wtUtfM^,-^ 

*)  Antöos  eifitef  Tenr^hüber  die  kUen  äfavea  p.  73.  74.  f 

**)*faisL  Mon«  Mb.  2  ad  v.  MSv  Mütth.  de^ecfaovia  chrbii.  Po- 
loa,  II.  V2Z,  Med.  Ctanar  libi^Sa  ad /a.  965.  Mart.  flanke  de 
SileitODüflPi  ffOipiiiibi^)|L..jL2:L.  12$/  .  :.  4   • 

V)  sttfh  der  rvaBJacJbe  Wladipiir,  jnaixh  «einer  bekebrongi^befiahhii 
Pennia  bild  an 'eJn^n  pierdeschweir  za  binnen,   au   achbgei^jund  in. 
den  JMep^  ku  hhf^, '  Ab    man  hernach   den  Howgoroder    Perun 
eheot»  tM  id^.  IKWcAo«  gewoifen  hStt«,     bägann  dfeselt*  Im  airom  ' 
'"h^ilibl  ^aohburkait  den  tolhea  .bmf  aa  janmeraw* 

f )  die  indiache  KkW  wurde  am  aiebenten  tag  nach  dem  men- 

nenmond   feierlich  amgetragen    und    dann  in  den  Gangea  geworfen, 

■m  f3  maj^tfiig»»  diai  BioMaahen.  iteaialNinen -Mu^/^Am«  Mfweti 

snia  aubUcioA  poQa.uad  narfeu  li»  la  die  .Tiben  Ovid.  fdat  5,<62Ör 

•  tarn  qmsuiaa  ipttasosai  tinaü  dflailaera<-rboruiii< 

miUere  robor^p  acirpSa  ponte  aolet  '<•  -  ' '' '  ' 


m  /  ;8fMMDinBS'Tr.;> 

hjilkfMtoii,  a«r  wfUtkm,  es  gisrad^  aich  In  Pakm  (w  nliH 
ziele  *  srodoposUia)  y  Bohnen ,  Schlesien  und  der  liBUftitt 
fällt.*  die  Bdkmen  nennen  den  tag  «mr^MÜna,  tNimrtnA  ne- 
dele,  die  Sorben  ßmerdmka^  ledtensonntag,  er  geht'  ostern 
drei  wodien  vorana,  wird  alab  fiat  imaier  im  mens  ein- 
treten, einige  vierlegen  ihn  eine'  ^c^ch» 'frther,  auf  ociM, 
andere  ^(anmal  in  JMhmen)  eine  week^  apater  auf  jüdtcr, 
ja  ein  böhoi.  lied  spricht  von  nMg  ncmy  (nenem  Mai),  aneh 
in  der  Rhein  und  Maingegend  ist  aber  laelare  tag'  der  feier 
und  heilst  dort  smmaerimg. 

Diese  ttbereinkwift  in  der  seit  de»  festes  ist  iinabweis« 
bar.  .  den  aUen  Slaren ,  welche  ihr  neees-  ji!hr  im  ineni 
begannen,  beaeiehnete  sie  den  anfang  des  jahni,  engletek 
daa  aonmerbalbjahrs ,  folglich  ihres  lete.  4en  Dentsohen 
die  anknnft  des  aemmers  oder  frtii)ahrs,  im  mens  kehrt  ^ 
ihnen  sterch  nsid  sehwalbe  heim,  bloht^das  ers«^  veilohen.  ' 
Allein  dio  Slaven  kennen  keinen  kanpf  ihres  nnpersÜiHi^ 
dien  lete  aut  dem  Srntt,  sondern  ^Heser  abgehende  ^  aus- 
getriebene, gott  hat  dabei  die  hanpirolle.  unsern  ahüen 
war  eben  der  beiden  rieben  streit  das  weseniliehe  dM  fe- 
stes,  und  nur  der  verlierende  Winiar  gleicht  jenem  Slnr^, 
der  siegreiche  Sommer  steht  ungleieh  lebendiger  dif:  Aefser 
dieser  bedeutenden  ungleiehheit  der  slavischeii  kk(fr  >  mit 
der  deutseben,  wie  sie  am  Rhein  und:  iKeckar  statt  bat, 
wäre  aueh  schwer  au  begreifen,  wie  sibb  eine  slawische 
volkssitte  bis  in  den  Odenwald  udd  In  die  «ierriitffnilidife 
Pfala  bfttte  verbreiten  seilen,  ^  eridarlMi  sie  -all  Mtem^  obe- 
ren Hain,  im  Fnldisehen,  in  Thoriligen  nd  >Meffiieiaf«e«la 
würde.  Noch  entscheidender  ist  jedoch  die  ivalimehiiMmg, 
dafs  sie  euch  nicht  allen  Slaven,  seitdem  lebonf  ii«r^  den 
SoUeaiem^  Lausitzem  und  BOhaMn,  init' bedeutander  ab- 
weichung  der  Polen,  hingegeo  gar  nicht  den  Sttdslaven 
bekannt  war ,  wahrscheinlich  auch  nicht  dein,  in  Pommern, 
M eklenburg  und  Lüneburg  ansttfsigen^  .  Wie  den  Baiern, 
Tirolern  gebt  sie  den  Krainem,  sSriermärkern/  Slovaken 
ab;  ebenso  den  Pommern  und Niedersachlieit'^i.  Uiite^ Slaven 
und  Deutschen  hat  sie  nur  ein  mittler  strich  des  landes^ 
ohne  aweifel  aus  gleicher  ursi^che,  bewahrt.  Ich  leegne 
nicht,  dafs  sie  im  höheren  elterthum  «dfen  slavis^ea* 
Stämmen,  wie  aUem  deutschen,  gemein  gewesen  sehs  ktane, 


*)  jene«  holileimsehe  ens^kn^  (sMaau)  nil  dem  fticka  (s.  T24) 
soll  nach  SehätMy  3,  ig&  im  sonraicr,  mo  eidhl  aaf  litai«  gestkeha 
lein,  und  das  gesaogae  IM  hat  keines  •auidrAskMshee' besag  auf 
aommer  and  winCer.  i     -  '   " 


"^*^.^^^ßi^.V^  SWt^ 


mal  weil^ttharU  mid  anderer  ftltt^r<i  linder,. «gUod  für  Ost- 
reich, seugen,  dann  aber»  weil  in  Scandiiiavl^,  England 
mi  steUe^weiae  in;  N(Mrdd#itacl|bHid,:dia  aitte.  daa»  JfoirMi 
a^kay^ty .-  dia  iaeh  y^lllMHiimfin  dep  rhewaotien  aomnerr 
lag.im  4iierz  .idenlificiert. 

Olatta  Mag^pwa  15, 4  aneldei:  die  Schweden  wid  Gpihe» 
haben  einen  bratticb)  dafa  in  den  atätten  die  obrig^Keit  di^n 
ersteB  tag  w^§im$  awei  geach wader  reifer  vpn  ^tarkep 
junjten  gesellen  und  mttniiern  veraammeln  UifipC,  niekt  an«* 
4ei»  ab  weit  .  n^an  nu  einer  gewalligen .  achlaeU  nieken. 
d«i  ein  geaokwader  hat  einen  rittmeiateri  welcher  unter.« 
dam  niunea  dea  TFintara  nnt  vU  peAien  nnd  ffefm§rkm 
khidem  angallian  nnd  mit  einem  wintet^apiefa  bewaimet 
i^t: .  der  reitet .  hoffertigücb  Ua  und  wieder ,.  wirft  aiakme- 
ballen  und  ^iaschemel  von  aick,  als  wolltia  er  die  kelle  er- 
Ungern  y  macht  sick  ganz  unnütz,  kei^egen  hal  daa  jAder- 
gesch wader  anck  einen  rittmdster,  den>  keifat  mnn  den 
Blummkgraoen,  der  ist  Yßu  grünem  geMp^,  lauk  »md 
blumef^y  bekleidet,  ituck  mit  andern  sommerkleidernr  an- 
getbaii  und  nickt  fast  werkaft,  reiM  mitsamt  dem  w»» 
tarbauptmfinn  ip  die  Stadt  ein,  doch'  ein  jeder  an  .seinem 
beaepdern  ort  upd  Ordnung,  baUen  alsdann,  ein  offentlicb. 
siechen  und  tnrnier,  in  dem  der  Sommer  den- ffinle^ 
über  wind  t  juiid  zu  biMlen  rfnn#l;.  .Der  Winler  und  seia. 
gefolge  «werfen,  um  sick  mit.a^pke  und  funken,  dm  «ain-^ 
ni9rlicke..^aiade  wehrt  sich.  ,mU  birkenmaieu  und  auage** 
schlagnen  Undenruten;  endlich  wird  dem  S^miaer  VM  diM 
ttm«teheu4en.  v^  der  sieg  augewr^ochen. 

Hier.  itlMgur  keiue  anspi«}ui^,  auf  dan  Tod »  altea  ^di 
nach  deutucker  weiae  biafs.^wisieb$en  Sommßr  und  Wm^\ 
ter  abgfitiMUy  nur  bat  aick  der  ,einfiiclifi%euEEaig  unsmrer 
laadle?Ae  .uiehr  ippr.ein  tnfniemrtigeageiftringeidea  reichmren 
stadtl^fs  verwandeli;  dafüi;  ipimaAl  neb  >diesea  filkren 
das  Mais  jn  die  atadt  (scbunis^  ffätß  9ßnma  i  1^)  rein-* 
lieber,  stattlicher  aus,  als  der  ärmliche  aofzug  bettelnder 
kinder.  und  ist  in,  der  that  eine  höchst  poetische,  das  ge- 
müt  efgreifendei . :  Voi:stelhing.  Solcher  maispiele '  gedenkfeii . 
altsciiwedisphe  und  däniscne  Chroniken,  stadtordnungen 
und  Urkunde«  öfter  als  einmaL  Adel  und  könig  nahmen 
nicht  selten 'theil  daran,  et  wir  eine  gr^fee  allgemefne 
volkshastbarkeü.  (ier  majgtefee  (maigraf)  zog  blumenbe- 
krSnzt  um^r  mttclitigem  geleit  durch  strafsjcn  und  dörfer, 
gaatmale  un4  J)^ihf!f tann  /olgten.  la  Dänemark  befäun  der 
zog  aur  Walbutagistng,..  eiaA.i nannte  «s;    den  &amaaar.(n; 


1^  «Mmtv 

t    * 

ner  rilten  voran,  datiii  der  mäijjnrf  ^riget),  ml  zvrei 
kränzen,  ttker  jbde  schnltef /  daa  flbrige  gef6\fe  thir  lAit 
efnem  krams;  in  dem  ort  ^^Arrdeif'  lieder  getvttig^tl;  alle 
jnngftattM  MMM  ekiMi  kräitf'  Ultr  #M  mm^^e»  Mrd  er 
wfiblt  sich  .eine  darunter  zur  mqfi$ult,  IndMi  et  AM  Irratta 
auf  sie  wirR.  des  Winters  Qtid'  affines  strefli  mit  dbiiif  Mai 
gedenken  die'  sohoniselien  tfivd  diiilaeheff  fesfe*  rtftM'  mehr, 
in  mancbeii'  stftdten  hatt^  aidi  fSt^Iidie  itofl^^^ftf^ 
geMdet^:  Wie  aber  das  tnaifen^  in  Mnemark-  ^deild 
(gassetifener) ,  so  hiefe  auch  der -mifllhr^r  4es  IfaifeSles 
gadebasse  (gas8en1)ttr)  tmd  das-  ibtai  zugeseRle  mtdchen 
gadebm  (gassenlamm)  oder  gadktde;  gadebasiii»  tiilH  ga- 
(finde  sind  also  gl^iehviel  mit  maigreve  mid  mafgi^^vilKle^. 
merirvrtrdigf  tst  die  s£liiMenmg  in  MinNMalruf»s  sbec.  gen- 
üKsmi  etianmum  superstitis ,  HafA.  1984:  qcA  e^  JntifoHbus 
rnslicis  conlum  stipnift  acceYlsia  flammatiMr  ^ffieacttts  Irifrsus 
sidera  tollere  potuerit,  praeses  (gvdebaa^ift)  incohdiVe  omhinm 
oiamore  declatatmr,  nee  noü  eodem  tempore  siia  eitiqne 
ex  rustiefe  puellis ,  qvLte  täne  lempetisr  vernaeula  •  appel- 
lanlur  gadelam,  distribäiloi*,  el  qttae  praesidi  adjicilür  titu^ 
iam  huno  gadinde  merebifur.  hine  eiEcipiurtt  cdnvivia  per 
Universum  llltid' tempus ,  quod  ittt«r  afation(snd*^t^'föeiifs««- 
cloM  intereedft,  quavis  die  dMiillica  e^Aebmri'.stfeta^  ga^ 
detmnsgiUkr'^dlkit',  in  quitoS'  proeertorem^  cir<Mln'al*borem 
in  aMeeensum  btitnfo  immisaam  variisqu«  Mn^liis'  ab  mgnis 
ornatwn,  eiarybantitm  morift  ad  tymi^atfoHim'  atrtdenida  siy-^ 
nMaa  bene  pa4i  aaliunl.  . .    .1 

Dieses  maireikm,  "AVEf&e  nuAgmflm  wt^ii' pith  a^eb 
in  Nlederdeutsohland  althiergcAtacbf ;  das 'Sdhbiril' eben  die 
Ursache,  wai'un»  dort  jenes  mittel^ etlta^^  sonmf^ankfln-^ 
dlgen^  aaf  hMare  nicht-  im  schwang  giengt  in  nftrdiiehett 
g«genden'  kMnie  das  erst  mit  anMig  nittis  •  ^keMiradie 
frohjahr  nfefat  scheu  im  mera  gefeiert  ^€f6\M  TtoHeicht 
war    aud^  ^  ü»  maVieUr   In  alterer'  aMt   allgmneiMer  iw 

*)  Ihres.  ,i4  majgrefTe.  skraordning  for  KootoffiUet  j  Luod  a 
15S6  $.  123-127  0  Brioffs  moDum.  scbneDsia  p.  20t— 210!  und  für 
Maino  ebeödas.  p.  211'.  Et:  Tegel  hi^oria  Gustfiti'  I.  f,  11^.  Nyemp 
dinrfMi^ct»k.  1,  2i4i.  2,  13*.  148.  Thiele  1,  14t>^  156.1  rgli  200^ 
▼«i:4w  8^M«DdJai3hen  aiHehaMMtMvIbeicha  faist«dii>iftl8A(^  l.ßOaj* 
d^F,  osaju^cm  io  (libf  gede^t  TeKfM^r  10  ^i§i9  cpiqbncip  ß>  IZ^- 
und  iä  WHdas  gildeweaen  p^285  g^schte^t.d|S9|  A^)|urgpr  inaigceTeo 
aas. einem  Statut  des  15  jfk.  erwlbnung.        '*',.'  ' 

*7Molbeeht  diät.  1^.'  s:<150.  15f ,  wo'' kr:  f 52  die '  dlUeiInng  dts 
gade  aM-ako.  gala,  gaaae  «wüfblhaft  gamaabi'HtWt         ^ 


H'üiriiMrv'o  787 

Deotcdfatand,  oder  greift  die  unlerseheidung  berlnlB'  in'  den 
wvabsel  der  merz  und  maiversamluagen  -des*  yolbsv*)*f 
Des  maigrevem  zu  Greifs walde  im  j.  1528^  auf  ersten  mai, 
erwfibnt  Sasirow  in  seiner  lebenibesohreibung.  Ij  65.  66 
beiläa^,  einer  den  schttlern  zu  Pasewalk  gestattete»  rnkm*- 
gräfemfahrt  ein  kircbenTisitationsrecess  von  1563*^);  ge^ 
naaer»  nachriehteii  Ober  die  fortdaner  des  mairiils  au  Hil*- 
desheim^  wo  der  schöne  brauch  erst  im  18  jh.  erioscb, 
sind  nettKdi- gesammelt  worden  ***)•  Sobald  der  roaigreve^ 
g^en  Pfingsten ,  erwählt  war ,  hatten  die  hoiierben  in  der 
Ilse*  aus  sieben  dörfera  den  maiwagen  zn  hauen:  alles 
gehsfuene  buscllwerk  mufs  aufgeladen,  im  walde  dttrfewniehl 
mehr  als  Tier  pferde  vorgespaimi  werden,  ein  feierlicher 
sag  aus 'der  Stadt  holt  den  wagsett-  ab,  burgermeister  mi 
rath  empfängt  von  den  holsen  den  maikttm»  und  über« 
gibt  ihn  dem  maigreven.  d^  wagan  enthitt  60  -^  70  bmide 
■wi^  welche  dem  roaigreven  Mkenwieit  »id  daim  weiter 
w^getheilt  werden.  klMer  uud  kirchen  empfangen  grofiie 
bände ,  auf  alle  •  thürme  wird  davon  gesteckt,  der  bodea 
der  kärche  ist  mili  geschoniem  bochsbaum  und  feldblumen 
bestreut,  der  maigpev>e  bewirtet  alle  holBerben,  mufs 
ihiien -aber  nothwendig  krebse  vörsetien.  Überall  ist  hier 
nur  von  dem  einholen  des  maiwiigeM  aus  dem  wald  in 
die  Stadt  «unter  f^rlichem  geleite  des  maigrafen,  nicht 
mehr  die  i^edie  von  dem  kämpf,  den  er  gegen  den  Winter 
«0  beslehn  bat  Wie  sollte  dieser  kämpf  in  ftlter^  seit 
gemangelt  haben?  gewis  war  er  da,  und  ^rst  allmäUob 
liefs  ihn  die  isitte  weg.  ja  sie  wurde  noch  genügsamer:  in 
holsteinischen  kirchspielen  begeht  man  den  anfang  dos  mais 
so,  dafs  man  einen  bursch  und  ein  mfidchen  mit  iaub  uflfd 
blumen  bekränzt  und  unter  musik  in  ein  Wirtshaus  geieitel, 
wo  gezecht  und  getankt  wird:  sie  heifsen  mai^ee  und 
maiffrön  d.  i.  maigräfin  (Schütze  3,  72).  Das  söhlbswig-* 
sehe  maygrayenfest  (festum  ft'ondicomaos)  beschreibt  die 
schon  s.  657  angezogne  abhandlung  Ulr.  Petersens  f).  In 
Schwaben   gehen    die   kinder    mit    Sonnenaufgang  in    den 


•>  Tgl.  RA.  821  -  826  fiber  die  gerichtiieil. 

**)  baltiicfae  itudien  6,  137. 
•*♦)  Kokens  und  Lnntiels  mittheilnngen  2,  45— 61. 

f)  er  sagt^  Mas  andenken  dieses  uralten  doch  unnützen  may festes 
ist  endlich  und  Mdetii  auf  das  gtadivieh  oder  hükä  tererBef,  welches 
annoch  nach  a.  1670  alle  jähr  am  1  mai  mit  einem  grünen  Ifanr 
Ton  buchebfaub  umb  den  hals  beleget  und  also  gezieret  wieder  nach 
haute  getrieben  ward,  daTor  der  kuhhirte  sein  accidens  211  erwarten 
hatte.* 
Grimm.  mgtM.   9.  mug^e.  47 


738  sommniiER 

mMf  koabea  seidne  ittoher  an  aübei,  Mdcben  btedtt 
an  zwaigen  tragend;  ihr  fllhrer  ist  wiaikiH^igj  der  sich  eine 
königtn  wählen  darf,  in  Gelderland  p&annta  man  «atabends 
bäume  aaf,  die  geschmückt  und  gleich  weifanachtsbiluea 
mit  keraen  bebangen  werden,  dann  folgte  gasang  nnd  ren 
hentanz  *).  Noeh  jetzt  labt  man  sich  im  abrigen*  Dentseh- 
land  au  pßng$Un  maiMteAe  in  die  hftuser  tragen:  man  bell 
sie  nicht  selbst,  noch  gebt  man  ihnen  entgegen**). 

Auch  England  hatte  bis  in  das  16. 17  jh.  dhnUc^e  miy- 
f/aimeM  oder  maffirngn.  am  ersten  maitag  zegen  kur&  nach 
mttternacht  knaben  ond  üftdchen,  jjünglinge  und  jnngfrauea, 
mit  musik  und  hornbldserny  in  einen  nahen  waid ,  we  sie 
ftate  von  den  bäumen  brachen  und  sie  mit  sträuüBtefn  und 
blnmenkränzen  schmückten,  dann  kehrten  .sie  heim  und 
pflanzten  bei  Sonnenaufgang  diese  laaibäsche  in  thüren  uad 
fenster  der  hüuser.  Ver  allem  aber  brachten  sie  aus  dem 
wald  einen  grefsen  geba^odien  maibaum)  mai^pole  oder 
maipoll  genannt I  mit  nach  haue:  zuxmig  eder  .frienig 
joehe  odäen,  jeder  o«bs  mit  einem  biumenstraiurs  zwi- 
schen den  hörnern,  stogei^  ihn;  dieser  banm  wurde  im  dorf 
aufgerichtet  und  um  ihn  herum  getanzt,  ^den  vorsitz  über 
das  ganze  feat  führte  ein  eigens  erwlUiller  hrd  of  the 
mag,  dem  dann  noch  eine,  lat^  9f  ihe  mag  beigegeben 
wurde  **%  Kein  Winter  und  kein  Zweikampf  mit  dem 
Mai^  auch  kein  aufzug  zu  pferde;  aber  der  maipok  'isk 
ganz  der  niedersftcbsiscbe  maiwagea,  der  lord  of  the  may 
der  auiigraff).  Ohne  zweifei  kennen  auch  einzelne  ge« 
genden  Fraakreiebs  fihnlicbe  maifeste.  ChampoUion  (rech. 
aur  lea  patoia  p.  183)  führt  aua  dam  Isdredepartement  an: 
HmaHe,  ftte  qne  lea  enfbns  c^l^ent  aus  premiers  jours 
<fai  BMis  de  mai,  en  parant  um  d'enire  eux  et  lui  dennsnt 
b  titre  de  s«f «  In  den  franz«  und  deutschen  erzübleiidea 
gedichten  des  mittelalters  werden  die  grofsen  hoßaUtmgem 
der   kOnige   auf  pfingsten    und    in   die  bUllwide   maizeit 


*)  geldersche  Tolksalmanak  yoor  1835  s.  fO— 18.    das  geaoDgDe 
lied  haben  H offm.  horae  belg.  2,  178  — 180. 

**)  hat  der  maiirtuUi ,  den  man  an  NiederrheiD  and  in  Westfa- 
len ans  wein  and  bestimmten  (heiligeo?)  kriatem  misoht,  beaag  aof 
alten  opferbraooh?  namentlich  darf  darin  kein  Waldmeister  (ai|>enil«) 
fehlen. 

***)  nihere    beschreiboog   bei   Jos.   Stratt,    ed.    London    183Ü. 

^35t-a56. 

f }  in  den  aas.  gedickten  keine  auf  den  ksmnC  des  Winters,  niid 
Sommers  gehende  stellen.  <^l  Tis  hinter  scacen^  Beon  226i^  heifst 
blola,  da  war  der  winter  rergangen,  <el  ibiemo  es  exido*.  Cid  1627. 


gelegt,  Rein.  41  f.  Iw.  33 ff.  ond  Artus  heiTsI  bei  Wolfriiiii 
'der  meienbwre  man',  Piirz.  281,  16.  vgl.  pfingesUieker  M- 
miges  name  Ms.  i,  128*. 

Es  sind  also  dberiiflapi  vier  Terschiedene  weisen  des 
sommerempfangs,  die  wir  kennen  gelernt  haben,  in  Schwe^ 
den  und  Gothland  Itampf  des  Winters  und  Sommers,  feier- 
licher einzug  des  letztem,  in  Schonen,  Dftnmark,  Nieder^ 
Sachsen  und  England  blofser  mairitt  oder  einholung  des 
maiwageris.  am  Rhein  blofser  kämpf  zwischen  Winter 
and  Sommer,  ohne  wassertauche*],  ohne  den  pomp  des 
einreifens.  bei  Pranken,  ThOringern,  Heifsnern,  Schlesiern, 
Böhmen  blofses  austragen  des  winterlichen  Tods,  ohne 
kämpf  und  feierliche  einftthrung  des  Sommers^).  Die 
erste  und  zweite  Mer  fällt  in  den  mal ,  die  drttte  und  vierte 
in  den  merz,  an  beiden  ersten  nimmt  das  ganse  voIk  theil, 
in  nngeschwftchter  fi*ende;  an  heMen  letzten  nur  der 
geringe,  arme  stand.  Die  erste  und  dritte  weise  halten 
aber  noch  die  volle  Idee  des  aufzugs ,  den  Wettstreit  der 
pihrsgewaiten  fest,  während  die  zweite  und  vierte  des  ge- 
gensatzes  entbehren,  dem  mairitt  geht  der  Winter,  dem 
todattstragen  der  Sommer  ab,  dort  ist  die  feier  zu  fröhlich, 
hier  zu  tranrtg  geworden.  In  allen  drei  ersten  weisen  wird 
aber  das  gefeierte  höhere  wesen  durch  lebendige  personen, 
in  der  vierten  durch  eine  puppe  reprisentlrt ,  doch  gieieh 
dieser  sind  fene  fantastisch  ausgeputzt. 

Nun  kami  sich  ein  blick  noch  nach  andern  selten  hin  aufthvn. 

Des  kampfs  zwischen  Veir  und  Simar  geschweigen 
aMn.  flbertfeferungen  f),  wie  manches  andern,  dtiB  iiMer 
dem  Volk  fortlebte,     die  älteste  mir  bekanntie  spur  einet 

*)  vertcbieden  ist  also,  weao  tot  alters  alljibrlich  om  KehtneMS 
(2  febr.)  yoq  den  Frankfurter  knabeo  und  midchen  ein  auig0$iopft$$ 
kieid  io  den  Main  geworfen  and  dazu  gesungen  wurde;  'Reuker 
Uder  schlug  sein  matter,  schlag  ihr  arm  und  bein  entcwei»  dafs  sie 
mcrdlo  schrei.'    Lersaers  chroo.  p.  492*    ^as  lied  lasse  ich  au^rkUhrt. 

**)  wiewol  der  gegensats  des  Sommers  in  den  böhmischen  «nd 
hositatehea  tiedem  oder  gebrinehtn  einigemal  deallieh  herrorbriobt. 

f]  Finn  Magnasen,  überall  geaeigl  ravthen  natorerseheinuBgaa 
aatenuilege«,  findet  dea  gegensats  swiscnen  sommer  und  winter 
Buehr  als  einmal  in  der  edda  versteckt :  in  FiölsirinnsmAl  und  Har- 
bardsliod  (th.  2,  135.  3,  44  seiner  edda],  in  der  sage  fon  Olter  und 
Othin  bei  Saxo  (th.  f ,  106.  lex.  765) ,  in  der  yon  f  hiassi  (lex.  88t), 
weil  Odinn  des  getödteten  riesen  engen  gen  himmei  selse  (s.  §66), 
dem  Winter  aber  die  aasea  ausgestochen  werden  sollen  (s.  725); 
gründlicher  scheint  mir  Ualaod  (über  Tkof  s.  117.  120)  den  Thiassi 
als  sturmadler,  die  geraubte  Idunn  als  das  sommergrön  (gleichsam 
inmn)  in  betrachten,  doch  das  wesen  dieser  göltin  liegt  uns  yer- 
sehleierl« 

47» 


740  ßQ^l^ßBmm 

weitkatnpfes  der  jahrsseiteia  unter  nur  ist  jener  eonflicUis 
hiemis  et  yeris,  der  sich  um  4ien  kukuk  dreht  (s.  640).  Die 
idee  des  eifaiehenden  ^  heilbringenden ,  alles  neubelebenden 
somm^gottes  ist  ganz  im  geist  unseres  fräbsten  alterlbums: 
ebensiv-  sieht  NerSius  in  das  land  (s.  230) ,  Freyr  (s.  193), 
Isis  (s.  238),  Hulda  (s.  246),  Berbta  (s.  250),  Fricg  (ß.  280) 
und  andere  -  getth^iten  mehr ,  deren*  wiagen ,  deren  schif  das 
freudige  Yolk  jubeln^  einholt,  wie  den  wagen  des  Hai, 
welchem  von  alters  her,  über  die  blpfse  personificierung 
hinaus,  h-e  und  strdie  (s,  720)  beigelegt  wurde:  es  mufa 
im  heidenthum  ein  wirklieher  dienst  ffir  ihn  bestanden 
haben.  Alle  4iese  götter  und  gdltii^nen  ersehienen  >su  be-* 
stimmten  zeiten  des  jahrs,  eigenthümliche  gaben  verleihend; 
der  vergötterte  Sommer  oder  Mai  darf  mit  einer  der 
höchsten .  gottheiten ,  von  denen  die  gäbe  der  frucbtbarkeit 
abhängt,  völlig  zusammenfallen,  mit  ^d^  WMoUm,  Nerthm, 
denkt  man  aber  dabei  an  göttinn^,  so  mufs  aufser  Nerthus 
vorzüglich  O^tara  in  betracht  kommen,  zu  dem  s.  267. 
268  von  ihr  gesagten  kann  ich  jetist  noch  «niges  bedeut- 
same fügen.,  die  heidnische  osterfeier  berührt  sich  vielfech 
mit  dent  maifest  und  frühlingsempfang,  wie  .zumal  die  an- 
gezündeten frendenfeuer  darthun«.  nun  scheinen  iinterm 
Volk  lange  Zeiten  hindurch  soifenppnte  otiter^piele  gehaftet 
zu  haben,  die  selbst  die  kirche  dulden  muslß,  ich  meine 
besonders  die  sitte  der  Ostereier  und  des  osiermärohenSf 
das  die  prediger  von  der  kpnzel,  an .  qhrvsttic^  erinn^run- 
gen  geknüpft,  zu  erzählen  pfißgteOjda«.  volk  zu  erhefitem. 
'mlnes  herzen  dsterspiP  oder  'dßtertatf  ist  den  mhd.  dio)i- 
tern  schmeichelwort  für  die  gdiebte,  um  die  höchste  wonne 
und  freude  auszudrücken  (Ms.  2,  52>»  37b  Iw.  8120.  Frib. 
Trist.  804),  Conr.  Troj.  19802  läfst  aus  der  schönen  äuge 
den  'österlichen  tac  mit  lebender  w;unne  splln*.  Noch  spä- 
ter gab  es  dramatische  Vorstellungen  unter  dem  namen 
ostm^spü  (Wackern.  Ib.  1014,  30).  eine  hauptstelle  gewährt 
aber  das  sommer  und  tanzlied  des  hern  Geeli  Ms.  2,  57«: 
zur  zeit  als  auen  und  werder  grünen,  treten  FrideboR  und 
seine  gesellen  mit  langen  Schwertern  auf  und  erbieten  sich 
SEum  dsterspil,  das  ein  von  zwölfen  aufgeführter  sehwerttanz 
gewesen  zu  sein  scheint,  wobei  ein  tänzer  vortreten  und 
den  Sommer  vorstellen  mochte,  der  den  Winter  aus  dem 
Jand  schlug: 

Fridebolt  setze  üf  den  huot 

wolgefriunt,  und  gang  ez  vor, 

bint  daz  östersahs  zer  linken  stten,' 

bis  dur  Künzen  höchgemuot, 


kOMMERI^^IER  ^41 

leite  uns  vÄr  daz  Tinkfiflbr,    ' 

M  den  tanz  al  üf  den  wasen  rtlen! 
das  anbinden  des  östersahsy  des  ostermessers^  labt  auf  bei- 
behalten eines  besondern,  alterlhümlich  geformten  ^hwer- 
tes  schliersen;  wie  die  osterfladen  und  ösferstuöphü  i^A. 
298)  ein  bäckwerk,  von  heidnischem  aussehen,  andeuten. 
Das  Schwert  kann  der  Ostara^  wie  sonst  der  Fricka  (^.281) 
zu  ehren  geschwungen  worden  sein. 

Darf  nun  Ostara  der  slav.  früblingsgöttin  Wesna,  dem 
littb.  f^asara  (äestas),  lett.  toasiara  und  dem  lat,  ver,  gr. 
iag^  nach  der '  8.  715  erörterten  form  an  die  seite  ge- 
stellt werden?  freilich  mangelt  eine  gegenöbersteb^nde, 
der  Marzana  entsprechende  göttin.  aber  schon  sefai^'fi'tthe 
mnfs  bei  nnserh  vorfahren  die  auffassung  des  Widerstreits 
durch  zwei  mfinnliche  wesen,  durch  die  riesen  Sdmmer 
und  Winter  überwogen  haben. 

Griechen  und  Römern  war  die  sache  auch  nicht  fremd; 
in  einer  äsopischen  fabel  (Cor.  422.  Für.  380)  hadern 
X^tfitir  uiid  iag  untereinander^).  Das  ver  der  Römer 
begann  schon  mit  dem  7  febr.,  die  erste  schwalbe  ttäf  ih- 
nen ein  den  26  febr. ,  w&hrend  sie  bei  uns  gegen  ende 
merZ|  ih  Schweden  anfangs  mai  ankommt*^),  me  flörea- 
Ken  wurden  vom  28  apr.  bis  zum  1  mai  begangen/  es 
waren  gesdnge,  tanze,  spiele,  man  trug  blumen  und  kränze 
auf  dem-  haupt,  ein  geg^nsatz  des  Winters  scheint  aber 
niefift  dabei  ro'rgestelU  worden  zu  sein.  Ich  bin  nicht  un- 
terrichtet, welche  frühlingsgebräuche  bis  auf  heilte  sich 
in  Italieü  erhalten  baben.  Polyd.  Vergiliüs  (aus  Ufbino  in 
UmbHen)  örzftblt  (de  invent.  rer.  5,  2):  est  con^uettjdinis, 
ut  Juventus  ,  proiniscui  sexus  laetäbioind^  cal.  nfäji  eopeai  in 
agrös,  et  cahtitäns  Inde  eirides  reportet  arborum  ramos, 
eosque  ante  domorum  fores  ponat,  et  denique  unusquisque 
eo  die  aliquid  viridis  ramuscfi/i ,  vel  her bae  ferat,  quod 
non  fecisse  |>oe'na  est,  pnresertiin  apud  ItaiöS,  ut  inacfefiat. 
also  auch  wassertaüt^he ; '  ein  solches  maifest  kann  dort 
kein  einholen  des  frtihlings  s^fii,  der  Mher  im  merz  er- 
scheint. .1 

I  Viel  merkwürdiger  ist  der  italienische  und  spanische 
gebraueb,  zu  mittfasten,  auf  jene  dominica  laetare  eine 
puppe  zu  binden  y  welche  das  älteste  u)eib  im  dorfe  vor- 
stellt»  von    dem   volk,    zumal   den   kindern    hinausgeführt 


*)  Creazer  sjmb.  2,  429.  494  macht  (nach  HermanDS  oameDdpu- 
tODg)  aus'  dem  riesen  Briareni  einen  kämpfenden  mnterunhold. 
**)  Tiedemasna  loologie  3,  624. 


7#9  DIB  ALTB  SÄGEN 

und  miiiem  etUsuoei  gesägt  wird,  das  heibi  segare  la 
tecchia.  In  Burceiona  laufen  an  diesem  lag  die  knaben 
sn  dreifsig  oder  vierzig  durok  alle  strafsen,  einige  mit  sä- 
gen,  andere  mit  scheitern,  andere  mit  tOchern  in  welche 
man  ihnen  geschenke  legL  sie  singen  in  einem  liede,  dafs 
sie.  die  aUeräliesU  frau^  der  sfiuU  suchen,  um  sje,  m 
ehren  der  mittfasten  durch  den  leib  enUu>ei  au  sägen; 
sie  thun  endlich,  als  hätten  sie  die  alte  gefunden,  und  be- 
ginnen etwas  entzweizusägen  und  hernach  zu  verbremien  ^]. 
Die  nemliche  gewohnheit  findet  sich  aber  auch  bei  Süd- 
slaven.  In  der  fastenzeit  erzählen  die  Croaten  ihren  hin- 
dern, um  die  mittagsstunde  zersäge  man  aubea  vor  den 
thoren  ein  aUes  tretfr  **) ;  und  in  Krain  heifst  03  wiederum, 
zu  mittfasten  werde  ein  altes  weih  aus  dem  dorf  geführt 
und  mitten  durchsägt  ***).  Die  Nordslaven  nennen  es  bdhu 
reuUi,  das  altmütterchen  sägen ,  d.  h.  mittfasten  feiern 
(Jungm.  1,  56).  Dies  zersägen  und  verbrennen  der  alten 
frau  (wie  des  teufeis  s.  573]  scheint  nun  oiTenbar  identisch 
mit  dem  austragen  und  ersäufen  des  Tods,  und  wenn  unter 
ihm  der  Winter,  ein  riese  verstanden  wurde,  l^nnten  sioh 
romanische  und  südslavische  Völker  die  hiems,  die  zima, 
als  göttin  oder  altes  w^ib  (slav.  baba)  gedacht  haben f)? 
Dazu  kommt,  dafs  auch  in  meifsnischen,  schlesischen  dörfern 
das  ausgetragne  strohbild  zuweilen  die  gestalt  einer  altem 
frau  hat  (s.  728]  und  darunter  jene  Marzana  (s.  733)  ge- 
meint sein  könnte?  Es  sollte  mich  nicht  wundern,  wenn 
in  bairischen,  tirolischen,  schweizerischen  gegenden  ein  ähn- 
liches durchsägen  der  alten  frau  ff)  nachgewiesen  würdeu 
Die  schottischen  Hochländer  pflegen  auf  Weihnachten  die 
alte  frau  ins  feuer  zu  werfen  f ff). 

Aber  auch  in  Niederdeutschland  zeigt  sich  noch  eine 


*)  Alei«  Laborde  itineraire  de  TEspagne  1,  57.  Ö9> 
**)  Antooa  yeranch  uber^die  Slaven  2»  66. 
***)  Linhardta  geach.  von  Krain  2,  274» 
f )  doeh  ital.  inyarno,  span.  intierno  minnlich. 

ff)  ia  Sehwaban  und  der  Sohweii  hat  man  ana  IMafaatea  (d.  i. 
den  qaatembem ,  Scheffers  Haltaua  p.  53)  eine  frau  Fatie ,  ^eichaan 
eine  pertonification  der  fastenzeit  gemacht  (Sfald.  1,394.  Hebel  a.  y.). 
sollte  jenes  entsweischneiden  der  Mittfaste  ein  sertheilen  der  fasten- 
seit  beieiehnen?  ich  glaube  niehL  Was  bedeutet  die  redensart 
and  der  gebrauch ,  dessen  ein  anfsaU  über  den  cathoL  aberglauben 
dea  16  jh.  (Förstemanns  urk,  buch  des  augsb.  reichslags  yon  1530. 
Hafle  1833  d.  101)  gedenkt:  *der  Faüen  den  haU  brechen'? 
ff f ]  Stewarts  populär  superatitions  p.  236  ff. 


KLOTZABWERTHNG.    FLIEG.  SOMMKR         7IB 

andere,  nicht  weniger  z«  beachtende,  annlhening.  ohen 
a.  172  ist  der  HildesheiHier  gewohnheit  meidiiiig  geaeheill^ 
auf  Sonnabend  nach  )aetare  den  sieg  des  cbristenlhnms 
iber  die  heidnischen  gdtter  durch  ein  tUetkrw4rfem  MI» 
Memer  ktöi%e'  dnrznsleiien.  Schon  die  einstinwiflnde  sdil 
daeder  feierlichkeit  murs  daranf  leiten  sie  jener  altpolnischen, 
und  dann  «nek  dem  todpusiragen  an  die  seile  zn  setzen; 
nnin  brancfat  gar  nicht  einmal  die  fmdrUng Ung  der  alten 
gdtler  mit  der  vertreitamg  des  Winters  in  bertthrung  m 
bringen.  In  des  6eo.  Torqnatns  (nngedracklen)  annaL 
magdeb.  eH  halberst.  part  3.  libr.  1  cap.  9.  wfard  eraihtti 
dafs  man  zu  Halberstadt,  wie  dort  zu  Hildesheiai,  aljMir«- 
lich  auf  dem  markt  einen  kloH  kingesleiü  und  ihrii  dlm 
köpf  ab^emotfeu  habe,  einen  beaondern  namen,  wie  der 
Hildesheimer  Jupiter,  fahrt  der  klotz  nicht;  es  ist  nidhi 
uvwahrschemlich ,  dafs  in  der  richtuag  dieser  beiden  sUdle 
audi  noch  an  andern  orten  gleiche  sitte  hersehte.  Z« 
Halberstadt  dauerte  sie  bis  auf  markgrafen  Johan  Albreeht; 
die  filteiM  nachricht  davon  gibt  der  sogenannte  pirniscbe 
mönck  Joh.  Lindner  (Tilianns,  -f  lun  1530)  in  seinem  ono«* 
masticon:  ^an  die  stet  des  abgotstempel,  der  czu  Halber-* 
Stadt  czurüddet,  wart  auch  in  gots  und  sant  Steium  ehr 
ein  thumkirche  erbawet,  des  czum  gedechtnis  sollen  daselbst 
die  tumherren  jung  und  alt  auf  montag  letare  alte  jar 
einen  Aotem  hegel  an  stat  des  abgots  aäiseozen  und  daiw 
«ach  aflesamb  werfen;  auch  soll  der  tomprobesi  in  dfent«* 
lieber  procession  herlichen  soleniteten  einen  barz  (L  ftiiren) 
bei  im  lassen  füren,  so  nicht,  wirt  im  sein  gewonUolw 
presenz  czu  reichen  geweigirt;  auch  tragt  im  ein  kmbt 
nach  in  der  procession  unterm  arme  ein  Bohmeri  m  der 
scheiden.'  Das  umführen  des  baren  und  verabreichen  ei- 
nes bärenbroti  ist  ein  im  mittelalter  verbreiteter  gebrauch| 
der  auch  in  Mainz  (weisth.  1,  533)  und  Strafsburg  (Schiller 
glpss.  102)  galt. 

Diese  niedersächsische  abwerfung,  jene  polnische  ab- 
dankung  der  alten  götter  bän^j^  also  nicht  nothwendig  mit 
dem  einbringen  des  sommers  zusammen,  so  passend  es 
sein  würde,  das  eiQgeführte  christenthum  dem  miiderwär- 
menden  sommer  zu  vergleichen,  ich  finde  in  dem  polni- 
schen gebrauch  wenigstens  keinen  solchen  bezog  ausge- 
sprochen. Dagegen  war  den  Polen  die  Vorstellung  des  ein- 
gebrachten sommers  sonst  nicht  unbekannt.  Eine  cracaui- 
sche  sage  enthält,  dafs  Lei  und  PoMy  zwei  gftttliche 
wesen  des  heid^nthums,  sich  auf  dem  felde  umjagen, 
und   den   Sammer   bringen;   von   ihnen  komme,  der  flie- 


941  UDBKlNKLBltUNG 

g^tide  soamer  her  *).  «an  mttste^  die  gamee  fflierltrferang 
l^enaner  kemnen,  nm  ihr  die  rechle  stelle  anzaweiaen.  L^ 
und  Polel  werden  gewöhnlich  mit  Caator  lüid  Poliux  ver*<- 
glitihe»  (Linde  L  2,  1250^),  denen  sie  wenigateni  darin 
fthttliek  sind ,  dar«  ihre  naaien ,  schon  in  allen  :iroikslieden^ 
eine  blofse  inteijection  abgeben  **] ,  wie  den  Böiiiern  jene 
btibgdtter  eine  betheuernng.  Ftiegendem  Sommer ,  fiugsmn^ 
mer^  wrnmerflnf^  ffraswebe  rennen  wir  die  welfeen  faden, 
womit  hn  beginn  des  frihlings,  Minal  des  herbstes  die  fel- 
der  bedeckt  sind;  das  irühlingsgewebe  heifst!  auch  ti^M- 
ohernrnnmer,  Mariengal*n  j  Marifenfaden  (s.  440),  das  herbsU 
gew^  nachsemmelr ,  herbstgarn  ,  aUßweibersommer^  doch 
gewöhdiich  weisen  beide  arten  ohne  nnterachieri  mit  einem 
oder  idem  andern  namen  belegt;  niederd.  sUmme^e  (bl'em. 
wbl  4^  790)  das  achiepplnädchen  7 ;  engl,  gtssamer  (gottes 
sehtepp^  schlbifiendes  kleid),  auch  blofs  samary  nmat  (schlepp), 
echwed.  dpär^^nill  (zwergsnetz)  Tgl.  s.  440.;  böhro.  toUUka 
(die  eggle,  weil  die  faden  den  grund  wie  eine  egge  dorchk 
strafen?);  poln.  lato  swieto  marcinskie/  d.  h..]ibiriensom- 
mer^  der  heiligen  Jungfrau  . aame  . scheint  lEitich  hier. zum 
ersetz  öder  zur  yen^rängnng  heidnischer  begriffe  gewählt, 
■hd  man  sieht  mn,  wie  die  Slaven  xias  gespinst  von  einem 
ibter  götter  über  die  erde  gebreitet  glauben  konnten.  Zu* 
gleich  aber  heifst  das.  herbstliche  poln.  babie  kOo^  alter 
w^er  Sommer,  hQAim.babsU  l^Oy  oder  blofs  bAj^  wobei 
man  sich  Wieder  jenes  gegensatzes  des  alteil .  weibs  zum 
semm'er  (s.  742)  erinnere,  im  winter  herscht  die.  alte,  im 
seimmer  der  gott.  sollten  sich  auf  das.  in  der.  luft  fliegende 
gewebe  Tielleidit  die  werte  des  s.  7ä2  angefahrten  wen-* 
disehen  gesangs  denten  lassen  ?  .  j  .     . 

Ich  hoffe  alter  und  bedeutsamkeit  der  Vorstellungen 
von  Sommer  und  Winter  gewiesen  zu  haben,  und  möchte 
nur  noch  eins  näher  ausführen.  Das  einkleiden  der  bei- 
den  Yorkämpfer  in  laub  und  blumen^  in  stroh  und 
möqs y  ihre  wahrscheinlich  geführten  wechselreden/  der 
zuschauende  begleitende  chor  zeigen  uns  die  brsten  rohen 
behelfe  drai^atischer  kunst,  und  von  solchen  aufzügen 
müste   die  geschichte  des   deutschen  Schauspiels  beginnen. 


•)  ball.  tilg.  h.  1807  no.  256.  p.  807.  '    ■ 

**)  polo.  lelum,  polelum;  serb.  lele,  leljo,  lelja  (\u)l  a,  ?.) 
inralach.  lerum  (ygl.  lirumlarum,  Terba  effutilia).  BedeDklieh  scheint 
es  mir,  sie  fär  söhne  der  Lada  zu  erklären ,  wie  Castor  ond  Poiluz 
idhae  der  Led«  sind.    Tgl.  ob^n  s.  339. .  > 


LAUBBINKLEIDtJKG  94S 

die  hmbküUe  vertritt  den  kleiderschmuok  and  die  larven 
späterer  seift,  eeiion  oben  b.  560.  561  beim  feierikrhen  um«- 
gang  nteii.  dem  regen  sahen  wir  solcbea  laabhieid.  Die 
YGiiteitte  bietet' eine  menge  aUintferungen  dar,  hier  hat  sie 
ein  sftäek,  dort  ein  anderes  des  älteren  ganzen  bewahrt.  In 
der  niederhessisefaen  grafschaft  Ziegenhain,  bei  Willings- 
hansen,  wird  ein  hnabe  über  und  llber  mit  bmb  bedeckif 
giUne  zweige  sind  ihm  «n  den  leib  gebunden:  andere  hna- 
ben  haben  ihn  am  4seil  und  lassen  ihn  als  kärm  tanxen, 
dafür  wird  eine  gäbe  gereicht;  die  mfidchen  tragen  einen 
bügel  mit  hlumen  und  bändern  ausgemerl.  m^kwürdig. 
dafs  avch  bei  jenem  kegelabwerfen  au  Halberstadt  (s.  74d) 
ein  bär  und  knabe  mit  schwort  (t^I.  oben  s.  281]  in  pro« 
cession  erschien,  Vildifer,  ein  held  in  bären/umt  verkleidet, 
wird  von  einem  epielmann  beromgefdhrt  und  tanst  snnr 
harfe  ^).  sicher  eine  uralte  dramatische  rorstelinng,  die 
wir  besser  beurtheilen  könnten,  wftre  das  mnl.  gediobt 
Yen  bere  Ifla/atf  ^  erhalten,  der  nmne  Vildifer  scheint 
sich  auf  ein  alts.  Wildeför  zu  gründeri,  das  aus  ahd. 
WiMpero*  durch  misverstand  entsprang  (pero  ursos  mit  pdr 
aper  verwechselnd),  'da  hier  nur  em  tanzender  bär,  kein 
eber  gemeint  sein  kann,  der  bär  aber  stimmt  deutlich 
mit  dem  gadebasse  des  dän.  maifestes  (s.  736).  Schmid 
(schwib.  Wb.  518^)  ifedenkt  des  Augsburger  u>anervogeb: 
ein  junge,  von  köpf  bis  auf  die  ffifse  mtl  sehUfrohr  um^ 
/lbo4/eft/ wird  zur  pfingstzeit  von  zwei  andern,  die  Mr- 
kem&weige  .  in  bänden  halten,  durch  die  Stadt  geführt, 
wieder  .  eine  fbier  imi  rodi,  nicht  im  merz,  dafe  dieimr 
wasservofel  in  den  baldi .  oder  flufs  getaucht .  werden  aöll, 
zeigt  sdn  name ;  ob  aber  hier  der  Sommer  statt  des  Win«* 
ters  stdie,.  ob  \d^r  schilfknabe  den  winter,  ein  andrer 
Ifiubknabe  vieHeidit  den  Somin^  bedeute,  oder  der  verblei-» 
dete  regen  erwirken  solle?'  lasse  ich  unen^cUedea  Auch 
thüringische  brauche  weisen  auf  die  pfingstzeit:  dort  wählen 
sich  die  dörfer  am  dritten  festtag  den  grünen  mann  oder 
iatHchkönig;  ein  junger  bauer  wird  in  den  wald  geleitet, 
in  grüne  bische  und  weige  gehüllt,    auf   ein  pferd   ge- 


*)  Vilk.  sage-  oap«  t20.  1^;  nicht  xo  öbersehn,  dals  ihn  der 
ipielinanii  den  namön  -^wkrleo'  (khiger  Idwe)  beilegt,  was  offenbar 
'titrUäm^  heifsen  sollte.  deoD  ein  bär  hat  zwölf  minner  yeMtand 
(Reinh.  p.  445),  der^volksmiraige  wird  mit  dem  gelehrten  tbierkdnig 
Terwec|i8elU  , 

'    **)  boiräe  belg.  1,  51.  Mone  nl.  volkslit  s.  35.  3&  Tgl.  W«neiian 
«Itd.  U.  1,  333.   Wiilaii  Ist  4as  stay.  Weria?,  WaaUy  (Wentel).      ' 


7M  LACBBINKLBIDVNG 

setzt  und  jubelnd  znrücligeffillrt.  im  dori  steht  die  ge* 
meinde  yersammelt:  der  schnlze  oiafs  dreioial  ratheii,  wer 
in  der  grfliien  büUe  verborgen  sei?  fehlt  er,  io  ktl  er  sieh 
mit  bier  zn  lösen  *).  Anderwärts  wird  sdion  am  ersten 
pfingsttage  der  knecht,  der  sein  vieh  am  spätesten  nnr 
weide  treibt,  in  immen  wui  birkemmeige  gekStlU  und 
unter  lautem  gesehrei  *i^ngst8chläfer  ^  pffngHschl&fer  F 
durch  das  dorf  gepeitseht  tabends  folgen  bierzeehen  und 
tanze.  Im  Erzgebirge  klatscht  der  am  ersten  pfingsitag 
zuerst  austreibende  birte  mit  der  peitsche,  der  zuletzt  er* 
scheinende  wird  verlacht  und  ^ pfingsiUtmmel'  geschollen: 
so  auch  in  jedem  haus,  der  zuletzt  im  bette  angetroffene. 
Das  verschlafen  der  hehren  fesdkhen  z^  (vgl.  s.  557,  562) 
und  die  damit  verbondAe  strafe,  den  butzen  zu  agieren,  der 
kui  wasser  getaucht  wird,  scheint  mir  nur  nebensadie, 
welche  man,  nachdem  die  hauptfeier  untergegangen  war, 
zulängst  aufrecht  hielt. 

Sorgfältige  künde  von  den  märkischen  pfingstbräucben 
hat  uns  neulich  Kuhn  s.  314 — 29  verschaft.  in  der  Mit* 
telmark  werden  die  häuser  mit  maien  geschmückt,  in  der 
Altmark  ziehen  knechte,  pferdehirten  und  ochsenjungen 
auf  den  hdfen  um  und  tragen  den  bauern  maikronen  aus 
blumen  und  birkenzweigen  gefertigt  zu,  die  man  an  den 
häusem  aufhieng  und  bis  zum  folgenden  jähr  hängen  liefs. 
am  pfingstmorgen  werden  kühe  und  pferde  zuerst  auf  die 
braehweide  ausgetrieben  und  es  gilt,  der  erste  dett  zu  sein, 
dem  thier,  das  zuerst  auf  d^  weide  anlangt,  wird  ein 
maienbttsch  an  den  sehwanz  gebunden  und  dieser  busch 
heifst  damskipe  *^) ,  wess^  thier  aber  zidelzt  eintrift ,  das 
wird  mit  tannenreis,  allerlei  grän  und  feldblumen  ausgeputzt, 
und  heifst  die  btmte  kuh  oder  das  bunie  pferd,  der  dazu 
gehörige  junge  der  pimgstkääm  oder  pingstkääreL  In 
Havelberg  wurde  die  erste  kuh  abends  beim  heimireiben 
mit  der  blumenkrone  geschmückt  und  die  letzte  bekam 
die  ihauichleife,  jetzt  geschieht  nur  dieses  ***).    ein^  alt- 


*)  reichsani.  1796  no.  90.  p.  947.     der  hin,  der  den  1  mai  am 
frohsten  auf  die  alpe  treibt,  hat  für  das  ganze  jähr  ein  Vorrecht  erlangU 

**)  dieser  aosdruck  da? on  hergenommen ,  dafs  der  aogebandoe 
maibnaoh  kerab  bis  auf  das  tbaoige  gras  reicheii-  mnla,  tvehtf^rtigl 
Mdioe  deutifog  des  alamaan.  kutdragU  (RA.  94.  630)»  vgl  «ban 
a.  359  die  aom. 


**«i 


')  an  einigen  orlen  wird  auf  dem  köpfe  dea  geschmQckteti 
pferds  ein  mit  den  schönsten  blumen  reich  umwundner  dftfivpalfffger 
akeok  angebracht;  der  pferdejunge ,  der  es  besteigt,  erbüt  aufser 
Tielen  kränsen  eine  dw  Unten  gefUtektne  kopfmüUe  aufk  baii|it  nnd 


UDBEiNKLEIOOMe  T47 

• 

märkische  dörfer  Mnaen  den  jwgen,  ie$sen  pferd  xuerat 
auf  die  weide  kommt  i  ikmüchlefper,  und  der  lein  pferd 
zuletzt  attstreit>ende  wird  zum  bmten  jungem  gemacht, 
4.  h.  eom  köpf  bis  w  den  ß/sen  mü  feUMmnen  hehoH'- 
gen,  mittags  führen  aie  dann  den  bunten  jungen  im  derta 
von  hof  zu  bof  und  der  Oumeehlepper  spricht  die  reime. 
Anderwftrta  wird  eine  mit  blumen  und  Mindern  geaohmflekle 
Stange,  die  bammel  oder  der  pingskääm  geheiTsen,  umge* 
tragen,  doch  gewöhnlich  bezeichnet  letzteres  den  mü  auf- 
tretenden in  laub  und  blumen  gehftllten  knaben.  zuweilen 
fahren  ihn  zwei  andere,  welche  kundebröiel  beifsett.  in 
einigen  theilen  der  Mittelmark  beifst  der  verhüllte  knabe 
das  kaudemeet.  Am  Ddrmling  aiehen  die  jungen  mit  dem 
pmgetkääm,  die  mftdchen  mit  der  maüraut  um  und 
sammeki  gaben.  Noch  ausgdbUdeter  ist  der  gebrauch  in 
einigen  dörfern  auf  der  sQdseite  des  Drömlings.  am  weiCsea 
Sonntag  (14  tage  vor  ostem)  ziehn  die  hirtenjungen  mit 
wei/sen  eiöeken  (oben  s.  726)  zur  wekte  und  stedien  mit 
diesen  einen  fleck  ab,  auf  den  dann  niemand  bis  zum 
pfingstfest  sein  vieh  tr^en  darf^).  nachdem  dies  gesche« 
hen  ist,  nennen  nun  die  kleinem  den  gröfsern  ikre 
braut *^)^  und  keiner  darf  den  namen  verrathen  bis  auf 
Pfingsten  I  WQ  die  abgesteckte  weide  wieder  frei  wird  und 
jeder  die  namen  der  braute  sagen  kann,  am  zweiten 
pfingsttage  wird  einer  von  den  jungen  eertUeidet,  und  zwar  so 
dafs  ihm  zwei  weiberröcke  umgegeben  werden ,  deren  ei- 
nen sie  ihm  über  den  köpf  nebaiei  und  zubinden,  dann 
iüUen  de  ikn  in  ttaifii,    billigen   ihm  blumenkrllnze   um 


er  muf»,  während  dar  i^ag  laogism  forliohreilel,  ctreagen  «rnat  ha- 
haapteo.  kann  ihn  ein^r  iuiq  lachen  reixen,  so  hat  ^r  verloren» 
Kuhn  s.  328. 

*)  diesem  nennen  der  braute  gleicht  das  hhnausrufen  anf  Wal- 
bargisabend  in  Hessen ,  am  Niederrhein,  an  der  Ahr  nnd  ^et  Bifel. 
leüschr.  f.  hess.  gesch.  2,  272—77.  Dieffenbaeha  Wetleran  s.  234. 
Ersat  Wejden  das  Ahrthal,  Bobb  1839  s.  216.  War  erinnert  sieh 
hier  nicht  des  altn.  heU  sirenpa  lor  juHeil?  wobei  die  beiden  auch 
ihre  geliebten  wühlten,  z.  b.  Ssem.  146«  beifst  es:  Hedinn  strengdi 
heit  tfl  Sraro. 

*^)  beim  auatleekea  dieser  bradiWeide  niaesen  aa  einigen  orten 
die  neuen  jungen  (die  imn  eiaten  mal  holen)  hnoeken  herbeisebaAsn, 
womit  die  4sie.  nneff  wfferiekkien  kmm  besUokt  werden,  die 
spitze  des  baqmes  ziert  ein  pferdesckädel  und  der  banro  beiist  der 
knoehengalgen  (Kuhn  's.  323.  324).  offenbarer  uberrest  eines  beidni- 
soben  opferbrauebs,  man  tgl!  das  aufrichten  der  tbtere  an  blumen  s. 
46«  6d.6iB,  nimal  der  tpfer4ehia|»ier  s.  41.42;  aaeb  der  knoc^enberg 
des  guien  tabbe  kommt  in  betracht  <s.  402)^    ' 


I    I 


IM  Wtt 


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CAP.  XXV^    ZEIT  UND  WELT. 

Im  varigen  cap^  hallen  wir  mylhen  erwogen  f  die  sich 

anf  den  Wechsel  der  ceit^  auf  erscheindngeit  des  jahrs  be-- 
ziehen,  unsere  spräche  gibt  mehrfache  Obergänge  aus 
dem  begriffe  der  leit  in  den  des  raums  an  band. 

Ulfias  verdentsoht  ^govö^t  naipi^  und  wgot  abwech-> 
selnd  durch  mSl,  hiöeila,  peiks^  dergestalt  dafs  mdl  ge- 
wöhnlich jpovoi;  oder  Hatg/tCi  selten  üga,  hveila  meistens 
iiga,  seltoer  XQ^pog  und  natgog,  jenes  also  lieber  den 
längeren,  dieses  den  kOrseren  Zeitabschnitt  auszudrücken 
hat.  mily  ahd.  mal,  ags.  mml,  alln.  mal,  eigentlich  zei- 
chen y  mais  wird  sowol  auf  gemessene  schritt  oder  rede 
als  auf  das  zeitmafs  angewandt,  heeila  hingegen,  ahd. 
hiäla,  mhd.  wile,  ags.  Ml  (Oben  s.  665)  bedeutet  ruhe, 
.  es  ist  ein  blofser  zeitbegrif,  während  mdl  vom  räum  auf 
die  zeit  übertragen  wurde.  {letAs  (neutr.  gen.  beihsis)  be- 
gegnet nur  zweimal,  Rom.  13,  11  vitandans  pata  ^eihs, 
^atei  m61  ist.  ddoteQ  tov  usugov,  o%ß  mga  und  1  Thesa. 
5,  1  bi  {»ö  peihaa  jah  mdla,  nsgl  t»v  j^porvn'  «ol  rmp 
Hatgwv;  da  in  beiden  stellen  mdl  daneben  steht  und  für 
naigoe^  ^eihs  aber  für  iQ^voq^  gesetzt  wird,  so  leuchtet 
ein,  dafs  sich  letzteres  noch  mehr  als  mdl  für  den  gröfse- 
ren ,  volleren  begrif  eigne  und  genauer  zu  ordnen  sei : 
f^eihs  xgovogj  mil  xai^o^,  hveila  ügu*  \e%ks  leite  ich 
von  j[>eihan  (crescere,  proficere,  succedere),  wie  veihs  gen. 
veihsis  (propugnaculum)  von  veihan  (pugnare),  so  dafs  es 
profectus,  successus,  die  vorschreitende,  fortrückende  zeit 
ausdrückt  und  dem  ahd.  dthsmo,  ddhsmo  (profectus), 
wahrscheinlich  auch  dem  ahd.  dfhsila  (temo),  ags.  filsl, 
nhd.  deichsei  nahe  liegt,  man  darf  ein  goth.  {»eihslo,  {»eihsla 
(temo)  vermuten,  das  geräth  scheint  eben  davon  geheifsen, 
dafs  an  ihm  der  wagen  vorschreitet  und  fortgezogen  wird, 
scharfsichtig  vergleicht  Schm.  4,  294  tdmo  mit  tempus, 
an  der  himmlischen  deichsei  (s.  687)  gewahrt  sich  das 
vorrücken  der  nächtlichen  zeit  (Varro  7,  72—75)  und 
j[>eihsla  ist  ein  mafs  wie  das  allgemeinere  j[>eihs.  wäre 
auch  die  berührung  der  lat.  Wörter  noch  zweifelhaft,  die 
der  beiden  goth.  kann  es  kaum  sein.  Da  nun  aber  dem 
goth.  peihs  in  unsern  übrigen  dialecten  nichts  entspricht, 
umgekehrt  das  ahd.  ^Hj  ags.  ttdf  altn.  Hi  der  goth. 
spräche  fremd  schiene,    so  liegt  esj   bei   Übereinkunft  des 


■2BIT  T5T 

begrifis^  nihe  2ü  rattlmafseii ,  dafii  diese  letzlen  formeii  Mrf 
fiiner  Vermischung  des  goth.^ihaii  (creseere)  und  teihan 
(naatiere)  beruhen,  folglich  das  ags«  ttd  für  ^td,  das  ahd. 
zit  fäf  dil  stehe ;  dazu,  ist  das  ahd;  dt,,  wie  fieiba,  meisten^ 
aeatral,  das  weibliehe  ett,  ags.  tkl  würde  ein  goth.  ^ei« 
bs^s  begehren,  aus  goth.  fMihs  hätte  freilich  abd.  dttm 
oder  dih  (wie  aus  veihs  wth)  werden  müssen,  dafs  aber 
hier  noch  andere  ableitungen  walteten,  zeigt  uns  das  alta 
ttm  (ftempiis,  hora),  wonu  ich  jene»  ahd.  dthSRio^  felglich 
ein  goth.  fieifasöia  halte,  nach  diesem  allem  würde  sich 
das  Ist.  tempus  (und  tdmo?)  richtig  stellen  zil  goth.  fmhsma 
ahldthsno^ 

GMch  hveiki  enthllit  auch  das  ahd«  sAitta  und  simU, 
OiaUa,  ags.  altn.  stund  die  vorsteUmg  der  ruhe  und  gehört 
SU  stiUi  (quietiis),  slandan  (stare),  umgedreht  ist  das  lat 
moiDentum  (f.  meTimentum)  von  dem  bewegen  bergen om«* 
mea**)«  lifiraeste  Zeitdauer  pflegen  wir  dinrch  mtgehUieh 
zu  bezeiduien ,  IHf.  übertrigt  Luc«  4,  S*  iv  üTijfff^  xP^^^^ 
in  sHka  rotKe,  im  etieil'  der  zeit,  in  ktu  temparfs,  1  Gor« 
15,  52  ^f^  ^ns7  iip9aXinov  in  broima  ;ättginS;  brahv  iai 
bJi^k,  blitz.)  mioaiHS,  ags.  tvincel,  und  ven  braihvan  (aücare^ 
hieere)  ahd.  prdhan,  mhd.  brühen  ***)  abzuleiten,  ags.  en 
heorhimhcile  ^  von  beartlifli  ictua  ^culi^  en  eigen  beopkkm* 
Beda  2,  13;  sritn.  /  auffabr&sfiii  (vgl.  Sern.  11^  14*  19M. 
sUL  in  skt^  derö  hräwo  N.  pa.   2,  12^   im   sehlag  der 


*)  in  dthan«  «dlbimo  Uidb  i^  in  ztt  BStaiieta  lOS.  gevade  ae 
warde  cui  golh.  j^yahan  erst  organisches  ahd.  duahao,  dann  aber 
Uiahan,  nhd.  ,^wa|;en;  «as  alts.  thuingan  erst  ahd.duiagaR«  beuiach 
taiDgan,  nhd.  zwingan.  am  eine  stufe  weniger  yerrückt  sind  ahd.  u 
fär  goth.  du,  nhd.  zwerg  für  altn.  d? ergr,  mnd.  twerc« 

'*)  xaWedTerbia  der  Wiederholung  drüskt  unsre  spräche  bow<4 
durch  atunt  als  md/,  aber  auch  durch  andere  raiirob«eiriffB  aus. 
(gravui.  3,  230)^ 

*'*)  Yom  mbd.  htiOtm  ist  anfaer  dem  inf.  Ifs.  I»  47«  185.  God«. 
tS56,  8  nur  das  pari»  pris.  aieher:  eueabiehender  kM  Ms.  lydk  bre^ 
bender  sshta  2^  231«,  denn  das  prit.  braeh  Mbl  2,  52«  Bon.  48,  68 
böanie  aas  bieche»  'gedsutat  wietden,  Tgk  tagesaobmch  (s.  70^ 
doch  mögen,  beide,  vetba-  «eibsl  'yerwaodl  sein.  ahd.  erscheint  das 
pari,  prit*  in  «prihanoiigi  (lippas),  einer  zasaniaieasetanng'i  die  wie 
loranougi  (granMn.  2,  603)  gebüdei  ist.  das  goth«  favaliT-  vcrbfirgt 
Qos  nan  die  Tollständigen  formen  braÜrra,  brahT,  br^irrom  (wie 
Mihta,  anhr,  s^biwn).  doch  statt  dos  ad},  braibts  (splcsniidas.  seigi)- 
•ich  soboD-^e  goth.  omsteüanr  bairhts,  abd«  porabt,  ags.  beerbt, 
«Itn.  hiartr;^  msre  Ferabli  bieis  ober  noch  sp£tcr  ^ebin ,  Brtkae. 
(>.  2^.  258)  und  auch  in.  eedem  •  eigennaniee.  s,  B«  Albroebt .  und 
Albert  s^waaken  baide  lenaea.  .     . 


762  WBLT 

ragbraae.  Tgl.  $legipräu>a  palpebra  (Griff  3,  SIS),  'ante- 
quam  sapercilinn  aupenua  Uferiori  johgi  possit'  Caesar, 
heisterb.  12,5;  'inlnre  wUen  dan  ein  oucbrd  zuo  der  andern 
mnge  geslahen.'  Grieshaber  a.  274 ;  'als  ein  oucbrä  mae 
tt  qnd  zao  gegdn.'  Berth.  239;  <d  ich  die  haut  umbkMc 
eder  2110  geslflege  die  (vidMdit  besser  diu)  bvä/  Er.  5172; 
'also  schier  96  ein  bräiire  den  andern  slahen  mac/  fundgr. 

1,  im.^) 

Lange  dauer  der  zeit  drücken  ims  wiederum  rerschiedne 
Wörter  ans.  goth,  dws  (masc.)  ahd.  Swa  (fem.),  gr.  aiwp^ 
lat.  aemunj  mit  Übergang  in  den  begrif  von  secnlom,  alt- 
franz.  a^  (oben  s.  642],  das  alts.  eo  (masc.)  bezeichnet 
bloTs  statutum,  lex,  wie  jenes  goth.  vM  seriptora  und 
tempus.  goth.  a^s  (fem.)  bald  cUdtr  (Eph.  2,  2.  I  Tim. 
1,  17.  n  Tim.  4,  10)  bald  filoQ  oder  y^td;  all»,  öld; 
abd.  mit  weiterer  ableitung  €tUar  (aevmn,  aetas),  doch 
dauert  auch  das  einfache  wort  in  der  zusammensetznng 
wäraU  (assim.  worolt,  mhd.  foerUy  nhd.  toeU,  ags.  €iHroU, 
engl,  toorld,  fries.  iorald,  aitn.  v^'oU,  värM^  sohwed. 
iBerUf  dän.  verd;  die  geUufigkeit  des  worts  hat  seine 
vielfache  entstellung '  herbeigeführt  *^).  die  goth.  bei  Ulf. 
abgehende  form  würde  va&al^  oder  vidrft  alj[>s  (viromm 
aetas,  hominum  aetas)  lauten ,  aolas  ^  zeit '  geben  über  in 
den  räumlichen  gedanken  von  mundus,  gerade*  wie  Sedon- 
ium, sUde  gleichbedeutig  werden  init'  iftiundttS)  »onide. 
Wir  sahen  s.  541 ,  dafs  die  gr.  mythologie  ein  goldnesy 
iilbemeSf  ehernes  und  eisernes  Zeitalter  unterscheidet, 
und    diese   weit  verbreitete   voraleUungsweise  *^^)   scheint 


*)  darf  man  brüwe,  ahd.  pr^wa,  liltn.  brA  aus  brdh'en  leiten? 
die  im  tezt  anffefuhrte  formel  köonte  den  grottd  daza  aufschliefsen. 
dann  stände  attd.  prüwa  für  prüha  und  goth.  wfire  br^bYa  za  er- 
warten? aber  dem  sanskr.  bhrd,  gr.  oV^i'c  gienge  die  lebendigkeit 
des  dentseben  worts  ab.  ' 

**)  als  es  yerdunkeh  war  sachte  man  andre  deatnngen.  Mlerlanl 
im  beginii  des  sp.  bist  'die  de  umreU  ^rM  werreU  hM,  bine  was*  al 
in  dole  niet'  Adam  die  toerdi  al  verwertede/  wenn  ieh  .  nicht  irre, 
sind  ^  auch  mhd.  dichter  auf  diese  ableitung  Ton  werren  (impedire» 
intricare)  gerathen.  gleich  falsch  bat  man  an  wem ,  wihren ,  dnrare 
oder  ein  yorgebliches  werten  (sich  im  kreis  drehen)  gedacht.  wer6 
alt  (Tirorum  aetas)  konnte  allerdings  als  gegensatz  so  einem  Toraoa» 
gegaognen  ris6ii6  alt  (gigantum  aelas)  an^efäfst  werden. 

***)  unser  miUeialter,  das  sonst  die  WOi  gleich  dem  Tod  per«* 
sonificiert,  vereint  die  yerschiednen  weltalter  in  einer'  hildiemle,  deren 
haiipt  golden,  düs  arme  silbern;  die  brast  ehem. and  eisern,  die  fäfte 
irden  waren.  Ms.  2,  175^;  eine  endere  Csssnng  gibt  dem  bilde  goU- 
nes  bannt,  silberlie  bmst  und  arme ,  ehernen  feaach,  stihlerne  holte, 
eiserne  beine,  irdene  fäfse.    Ms.  2,.  225» ;  eine  dritte  ^oldnes  banpt^ 


aneh  dam  N^rdeti  weht  frenul  geblieben.  SBorri  19  Mnnt 
gullaUr  die.  zeit,  iq  weieber  die  gdlter  allee  ibr  gerdtbe 
aus  gold  üßbiniedeteiiy  und  Ifi&l  sie  «ral  danpb  Mkunft  der 
rieMOoeii  itus  Idtanbeiü  onterbrocheii  werden,  hfitte  er 
diepes  geddaller  der  classieoheii  «nsicbt  abgiebergty  90  würde 
er  «aob  die  Obcigen  melnlle  in  der  nord.  $age  nachzuweisen 
bemAhl  gewesen  sein  ^).  aus  V4luspft  ^«m.  8-)  ist  aber 
Stt  ersebn,  dafs  weiter  von  einer  äkeggöU  (vgl.  s.  392), 
Adlmöldy  cindöld  und  vargöU,  die  dem  welUtfilergang  vor- 
auagehn  seilen,  geredet  wird. 

Ulfilss^  um  «ao/toß.  nu  verdeutsehen ,  wecbselt  und  oft 
nnmittelbar  kintereinander  mit  den  beiden  ausdrücken 
färhm$  und  wiamaßi^;  sie  müssen  eins  wie  das  andere 
den  Gothen  geUufig  gewesen  sein«  manosel^**)  bedeutet 
Tirorum  satus  (mensdiensaat)  und  wird  dann  wieder  für 
hkQ^  und  xBOßtoc  verwendet,  kommt  also  mit  dem  entwi* 
ekelten  begrif  von  weralt  ganz  überein^  fairheus  halte 
i^h  für  nahvierwandt  dem  ahd.  fdrah,  ags.  feorh,  mhd.  värch, 
flo  dafs  ies  wiederum  ausdrückte:  lebenszeity  jenes  aewm; 
auch  gebiert  dazu  d#r  ahd.  pL  firaht  (homines);  fairhvus 
wftre  eoetne  hominum  viventium,  dann  der  räum  9  in  dem 
ne  leben,    abseits  liegt  fairgoni  (erde,  berg). 

Wie  nimj^oQ  eigentliah  die  geordnete,  im  mafs  gehal-* 
teoe,  mumhii  die  reine,  gesfchmü^kte,  glänzende  weit  aus- 
sagt» und  in-  den  liies.  gesetzen  126,  26  'tbi  ^Une  wrald* 
gesagt  wind;  so  ist  auch  de»  Slaven  sfsjeij  wet,  swiai 
erst  lict^.glans,  helle,  dann  weit,  das  ofne,  öffentliche***), 
gleiabsam  aliea  was  die  sonne  bescheint  und  erleuchtet, 
was  'unter  4er  JMne'f)  iaü     nuch  im  walach.  beaeichnet 


'      I  '  |Hl 


lObcBM  amie,  skeHie.bimal.t  kopfesoeo  bauch,  stlikler««  hnfte,  ir^ 
toe  füfse.  Arogb«  27k.  diesfi  aus  Daniel  2»  31  —  43  entnommne 
Uiimpnensetzuiig  erinnert  doch  an  alle  gölienbilder  ^  die  Ton  Ter- 
ichiednem  bietall  geschmiedet  waren,  aber  anch  an  Hrüngnir  mit  dem 
steinherzen  und  an  MöckrkAlfi,  der  aas  lehm  gebildet  ond  dem  einer 
Willis  bert  eingeaetet  war.  .  8n.  -100.  'Hugo  im  Benner  13764  redet 
vffB  einer  atsblefnc»«  diassenliiea ,  kapfemen»  hökemea  ni&d  strd* 
l>«nien  weit. 

*)  man  darf  hei  goldalter  an  Fr6di  denken ,  der  gold  ond  /We- 
dm  malen  Uefa,  finnisch:  zu  IJkkos  leit  wurde  gold  in  den  mulen 
fsnalen,  fon  den  eichen  tref  honig,  in  den  floaaen  flels  mHch  (¥gl. 
<^hen  s.  680). '  Ganander  9a 

**)  steta  ,aift  esafachent  N.  wie  apch  in  manaroa6rf>rja ,  mana* 
^9J*t  manags,  maniiali  und  nicht  anders  im  ahd.  manahoupit« 
naaalnomi,  manac»  ?gl.  mhd.  snnewende  (s.  584j^  den  grund  dieser 
ericheinung  wird  die  grammalik  erörtern. 

**')  etwas  ans  licht  geben,  dee  weit  mittbeilen, .  serb.  na  svijet  iidati. 

t)  nach    diesem    '««&    $oU'    im    prediger    Salom.  1,  3.  2,22. 

Grimms  iny»4«l.    9,  tmsgmht,  48 


f  S4  WBLT 

lume^,  im  'Difgri;'  vil4g  beidei  licht  ii»d  weit  TÖn-der  da?, 
spräche  entlehnt  ii^-das  litth.  swieiaSf  altpr.  #ioi/ai,  weit, 
gleich  deni  let;  miladvs  geht  das  slav«  svjet  Über  in  den 
begrif  von  aecnlotti^  vjek  (Dobr.  test.  140).  Die  -ftlteren 
Slaven  gebrauchten  aber  für  well  mir  und  t^mir  (D«ibr. 
a.  a.  0.).  ffiir  bedeutet  sonst  friede,  mhe^  imid'  scheint'  ver* 
wandt  mit  mira ,  m^a ,  mafs ,  Ordnung  ?  Den  Finaeii  heifat 
die  weit  maoHlma^  4en  Bfasteti  ma  ihn^  voll'  üma  leerer 
hiftraum  und  maa  erde. 

Altn.  heimr ,  mundus ,  domu» ,  rerwandt  mit  himinn, 
himil  (s.  661),  wie  das  lat.  mundos  auf  beides  well  und 
himmel  geht;  heimskringla,  orbis  terraroni.  Ulf.  gibt  ^txov^ 
fidp'fj  Luc.  2, 1.  4,5.  Rom.  10, 18  durch  mid^gor^,  dem  das 
ags.  middangeard  (Csßdm.  d,  3.  177,  29.  BeoT.  150.  1496) 
ahd.  mittingart  Is.  340.  385.  386.  408.  fragm.  theot.  17,  6. 
mitHgart  fragm.  theot.  17,  3.  20,  20.  25,  9.  mtükgari 
gl.  Jun.  216.  T.  16,  1.  mUHlgart  T.  155,  1.  178,  2.  179. 
1,  alts.  middilgard  entspricht;  altn.  midgard^  S®m.  P 
451»  77>>  90«  114b  115i>  Sn.  9.  10.  13.  45.  61;  noch  ein 
schwed.  Volkslied  1,  140  hat  mec^V^ErA  altengl.  middU^ 
erdy  medilearthy  wie  das  gr.  iu€Ooyaia>  Fisehart  setzt 
Garg.  66*  mittelkreifs.  wir  sahen  (s.  426),  dafs  miJtjiarir 
nach  der  nordischen  Vorstellung  avs  Ymirs  brauen  erschaf- 
fen und  den  menschen  zur  wohnung  bestimmt  wüirde.  Die 
ganze,  gewis  uralte,  Zusammensetzung  ist  darum  so  merk- 
würdig, weil  sie  unsem  frühsteft  spfadhdenkmitem  gemftis 
und  zugleich  genau  eddisch  ist.  Aufserdem  hefifsl  aber 
auch;  in  ähnlicher  einstimmnng,  die  weil  altn.  Oegisheimr 
S»m.  124>'  125",  mhd.  mergarte  Annolied  444.  Rol.  106, 
14.  Karl.  38^,  d.i.  die  vom  ocean,  vom  meer  umflossene, 
vgl.  goth.  marisäivs  (oeean)  und  ahd.  merikerH  (aetherram)^) 
Diut.  1,  250.  Endlich  ahd.  woroliring  0.  H.  2,  13.  111. 
26,  37.  IV.  7,  11.  V.  1,  33.  19,  1,  erdring  0.  1.  11,  47. 
mhd.  erdriüc  Mar.  198.  199,  ' 

Nach  der  edda .  windet  sich  eine  tinngebeure.  »oMai$ge^ 
der  mUtgardi  ormr,  um  den  erdkrmr;  oienbafc^  das  w^^ 
meer.  Als  Alexander,  der  sage  zufolge,  von  greifen  hoc^ 
in  die  lüfte  getragen  wurde,  schien  ihm  das  meer 'gleich 
einer  schlänge  sich  um  die  erdie  zu  flefchten,,  , Jene,,  idjen 
göttern  verhafste  (S»m.  55^)  weItschlaage;:War  abeit'  kinil 
des  Loki,  bruder   des  Fenrisülfr  «nd   der  Hei;  sie  liefs 


scheint  der  lettisch«  name  päsatde  gebildfet      ^nnder  distm  wölket^ 
Rol.  9,31. 

*)  jenes  finnische  ilmä^  nach  Fcstus  war  munivf  sowol  eoclum 
alt  terra  ^  inare,  aer. 


lämtikjfmdt  (Sil.  32),  die  grofse,  göttliche  (rgl.  «.  325. 82«) 
und  sperrt,  gleich  der  Hei,  ihren  rächen  (Sn.  68). 

Ans  ullem  erhelH,  dafs  sich  Me  ▼orsteümgen  zeit, 
zeitffKc^r,  weit,  efdkreis,  erde,  Kcht,  loft,  wasser  manig* 
fach  Rifscheii;  ring  in  erdring  weist  a«f  die  kngelgestalt 
der  i^de  nnd  auf  pianetarische  drehung.  manoiifsf  fair^ 
hma  nnd  u>9raU  zeigen  auf  rinne  und  zeilen  Wn,  die  nm 
menschen  erfüllt  werden*). 

Insofern  well  den  begrif  Ton  se<fulam  und  leben  ent- 
hftlt,  beifst  sie  schon  dem  alts.  dichter  bedealsam  ein  travnn: 
imdio  (körn  Hei.  17,  17.  104,  7.  109,  20.  manno  ärOm 
23,  7.  103,  4;  ags.  gumdreäm  Beor.  4933;  la  vida  es 
sueito.  ihre  vergfinglichkeit  und  mohsal  hat  noch  andere 
benennungen  eingegdien:  'dlz  «Hen4e  nouoftat  tod.  gehugde 
983,  nhd.  'dies  jammerthaFf  'dies  angsihaus'. 

Von  ihrer  unermersnen,  räumlichen  ausdehnang  her»- 
genommen  ist  der  ausdruck  Hhius  brSde  werobP  Hei.  SO, 
I,  131,  21;  mhd.  'dtu  breUe  wertt  Mar.  161;  niid.  die 
to«ite,  hreüe  welL  ebenso  sagt  man:  'thiz  laut  hrtUä, 
0.  n.  2,  18;  daz  breiie  gevilde.  Mar.  34.  WigaL  2269; 
diu  breite  erde  Roth.  4857.  Wh.  60,  29.  Geo.  4770,  <i;- 
pem  y&wv.  das  gemahnt  an  den  s.  203  besprochnen  naaiM 
der  Wohnung  BaMers  breida  buk,  worin  zugleich  der  be«- 
grif  der  weite  und  des  lichten  ^glanzes  enthatien  «cheinl. 
merkwürdig  ist  hier  ein  Sprachgebrauch  der  bergleute: 
bifckgold,  bticksilber  heifst  ihnen  das  reine,  auf  dem  treibe«-  , 
beerd  blickende  metall,  und  'der  breite  bHcKy  wenn -es  in 
ergibiger  folle  zu  tage  kommt**),  db»  schtoe,  glänzende 
weit  ist  gleichsam  ein  breiter  blick. 

Insofern  weit  oder  heim  blofs  im  allgemeinen  asfent«» 
haltsort  bezeiehnen,  sind  versohiedne  wehen  denkbar. 
VOluspft   (S»m.  1^)   nimmt  neun  weUen   unA   neun  firma" 


*]  wie  wir  heute  weil  und  erde  oft  gleickbedeatrg  braucheily 
geMhieht  et  aadk  bei  den  nkd>.  dichtem,  begiim.  der  leit  wird  jb- 
wechselod  aosgedröekt :  'Ton  anegenges  stt,  das  sich  diu  werk  erkiiop 
and  nraoter  ir  kint  getrooc*.  Rol.  285,  12;  'stt  dt«  werli  Arste  wart*. 
Ulr.  Tritt  3699 ;  'alt  ÜMiu  erde  geleget  wart*.  Rol.  187»  75  *Ai  diu 
«nfe  ali^t  begoode  beni'.    Em-1  70b.  •    . 

**)  stellen  ans  Matthesina  predigten:  'diaer  Cjma  bat  fran  ein 
sflbera  reich ;  darin  das  -  wert  gottea,  Wefeba  wie  tUber  im  fewer 
dorcUentert,  zn  hreiiem  pKtk  gepredigt  itt*.  84*  (Ghrhina)  *bat  seine 
apostel  in  die  gaotze  weit  aufsgesendet,  das  sie  das  leoangelion  h» 
^etCem  pKek  (wie  jr  bergkleut  redet)  predigen  sollen*.  9lb  «sonst 
bat  es  (das  bleij  seine  eigne  atd^ke,  wie  ku  Gof^lar,  da  der  gantse 
Hamelfsberg  a«  Erstem  pildk  fast  gantz  bley  ist*.    101". 

48* 


/ 
/ 


\um,  im  'Migri  ««My  beidei  licht  iiÄd    ^^^^  Z***^ 

spräche  entlebni  i^ 'dai  litth.  «toieMsy  ,^^  V^  $en^^ 
gleich  dem  tat;  milndms  geht  dw  slai^^  ^^  *ß|i»iiff. 
begrif  von  gecttlttin,  vjek  (Döbr.  1«^^^  -^  JA«  aber 
81a  ven  gebravchten  aber  für  "^^^^/p;^  «0  in  a^ 

a.  a.  0.).    ffrir  bedentet  sonst  friöfj^  */#  sya  ^^^ 

wandt  mit  mira,  mera,  mafs,  ^y^fy  ^ 

die  weit  m«tfffcna,   den  ^W^^i  g^^  .„ 

Ittflraom  und  anea  erde,      ////^j;  rfiSTi.  ?' 

himil  (8.  661).    wie  daf^/(///   ^   /  .  ««^««J  ««te 

himmei  geht;  heimslai^yfjf  öimmel  hin* 

,.fVi7  Luc.  2, 1.  4,5.  /  fff^  \^^^^  ettdeö 

ags.  fmddangeard //   f  -'^  bimmel,  die 

ahd.  mXtMigQrt  Vr  ^atiWc  naflb  der  unter- 

mitUgoTt   frag^^  4»*«Ü^  ^  wunderbarer  brunne, 

?l  Jun,  216  --iischen  worael  üriarbnumr  (sl  379) 

,  alls.  r  ^u^n  Mimi$brmmt,  bei  der  höUis^hen  Boerl 
4i^  77^  .  ier  rauachende  «4er  der  «Ue  kesael,  ojig 
schwe«'^  f  'sSOy  9Ü»  diese  bnuimm  sind  heilig:  am  ^rd* 
erd,  /^^^latUen  die  äsen  ««d  nonien  ihr  geriisht,  dM  rie- 
Gs'  ^!f^^^9  hütet  ein  weiter  nsann  namens  Mimir  (s.  352) 
-     fi^mM  ob  selbst  altUnger  riese  oder  held?     ab^' 


i^  !^JialbgaAdichea  w«seft.    jeden  tag  schöpfen  die  nor- 

1^  iraf^er  aus  ihm«  braunen  «nd  begiefaen  damit  der 

f^  aste:  80  hrili§  ist  das  «osscr,  daCs  «a  aUen  dingen, 

^^  den  bmnnen  koammn,  etveifee  brbe  auttbeilt;  ?<mi 

fgi  baam  Mdl  bieMnnifaren4er  thau»  daa.  nennt  «Ma  ik«. 

f^^hiffrfatt  (honigfall).     Aof  den.  islei,  an  den  wnrzebi  des 

^^ms  silna  md  springen  thiere:  ei«  adfer,  ein  eiiAhom, 

^icr  hirsche^  neklangen,  aimliich  nil  eigennaw^n  ansgentatteL 

die  dar  biiiche  atebn  aenal  aimcb  avorgen  n,  besuden 

Dämm  nnd  Dtalum.     NUkägj/r  (male  pnngens    caedens) 

heUsI  die  schlänge,    äe   liegt  utoi  bei  HTergefanir   und 

nagt  die  wwanL     swIbcImsi  ihr  nnd  deai  oben  «ilsendea 

sncbl   JtaMMr^,   das  anf  «mI 


^)MM^aiadcr«ML     imdgiL  1,  MM.     •w  ^IriagM  eaala 

haa.lMS.Mi).  ^        "7^" 

^  «^)  ia  da«  Mii  Kigl  ante  (ahhi.  perwat^  faik  Mtt,.  ^j 
y><whl  la»U,  pL  iMar«  ^an:  p^raai  McvaaM?  WoUrm  sact 
»M.  i5l»  13  «Mül»  ak  milkk^.  Ne^  d«  heai^»Too£ 
MJcl-iiKiaf  ^  «Him  d^  dM  «iattsm  «aaealiUi  kemr.  rrf. 
lA.  m.  and  oU«  a.  581  das  tn^MMta  ^  iifhlliiasii  anf  «^m 


\ 


\ 
\ 


ntvtum  m 


vm'M  %VL  0tMen.     des  idiers  name  bleibt  finge- 
Vit  ein  kluger,  vie!wi$$«nder  v<ygel,  inittitten  Hörnet 
%,  ^  habicht,  FMf^^tr*). 

v^  Jansen  Vorstellung  Ist  uraltes  f^pr»««,  aber 

'findig  scheint  sie  vns  emfuHet.     wir  er« 
S-'  n    feindliohetn    verMItnts  awlschen   adler 

/%  ^    daft    es    itarch   Rat«t5skr    uffterhaiton 

^  ^  Vr  bestiiAtnüng   des   habichts  md   der 

«>  '^  'feuttttagefi  des  Yggdrasil  gehnn  mich 

^»      ^      ^  er,  bcTor  leb  meine  eigne  ansieht 

^        ^  ^söhtedenartige  ihnlichkeiten  ansu- 

L  ^  Nen   baatn   ist  schon  voar*  andern 

cht  werÜen,   der  im  mittelaher 

..i  und  sagen  (Erweckt  bat.     bmi  stellt 

«rartborgef  kriegs  (MsH.  3,  IBl*")   Mlgtendes 

• 

ek  «<kl  boom  getdihfeen  ist 

in  eime  garteo,  der  ist  gemacht  mit  h6her  iisti 

4»  fpirsel  JUn»  der  Acffe  |fiml^^.«ri«f0m» 

Jtn  loMe |(für:  zol  der)  rüert^  cm  dm  trän 

dJi  der  säeze  got  bescheidet  yriunde  l6o, 

ifn  ette  hreil  Mni  al  die  u>erU  bevangen; 

der  beam  au  ganzem  tierde  stAt  und  M  g^löubet  Mhönle, 

dar  dfii  sMMJif  vogeMm 

söeses  sai^gea  iHse  oAeh  ir  slimitte  fto» 

Blich  maeiger  kunst  b6  haltents  ir  getone. .  - 

das  wird  treffend  auf  das  kreuz   und   den    nieaergaiig   in 
die  hölle  gedeutet;  schon  0.  sagt  V.  1,  19  ff.  . 

thes  kruies  hom  ihar  obana  ihaz  »eiaot  üf  in  fnmUa , 

thie  arma  joh  thto  h^nti  thie  ieigmt  worottentiy 

ther  S(^be  wUtHh  bonth  tHef  sCOWM  thekäa  trd^vlqilMMI , 

. .  t theia  inmtn  enf«  sletnüf 

Alt  thia  kl  ihar  bla^lBitf  theiz  iao  ist  al  giiaeio(t  . 

in  erdu  }ok  im  IwnUe  iati  in  abgrunU  ouh  oiar  nidare,      ^ 

Rührt  auch  das  von  Schitter  zu  dieser  stelle  beige- 
braclite  cap.  18  de  divinis  officiis,  nicht  von  Alcuin.  son- 
dern einem  späteren  her,  immer  konnte  Oifried  daher 
seine  Vorstellung  entnommen  haben**);  es  heifst:  'nam 
ipsa  crux  magnum  in  se  mysteriiim  continet^  cujus  positio 
talis  est,  ut  supeHor  pars  coelos  petatj^  interior  terrae 
inhaereat,  fixa  infern^frum   ima,  conüngiat]    laUtudo  ftutem 


*)  des   adlers   freund ,    denn  haukr  t  homi   (habicht  im   winke!) 
Mftftel  ewctt  Terborgiiea  raihgeber«  .     '    . 

**)  halte  Lafontaine   Virgais  stalle  4n  gedanhtfn,    odet   feigt  er 
eigaer  eingehnng?    wen*  er  yoii  eiti^  eiche,  stgtt 
«elai«  de  qui  la  t^  aa  ciel  ^tait  ToMne 
et  dont  las  pieds  toäcbaienl  ä  l*em|>irai)des  mOrtSb 


HH  WELT- !  WKI-TBADM 

(Sn.  222«»)  gell«»*),. 

V18A  ^^»(Weltfeiiy  die  nioht  iii|if««4haU  d^s  le)»endi- 
gen  mem€^9gemb\ec)^\»  Bind^  fordern  «liiere  uotersodimig : 
die  flammenwelt,  die  todtenweit  imd  daa  ^radiei)  alle  aber 
stebn  m{  Amt.  eberwelt,  d*  h,  der  menachbewoiKiteD  in  ge- 
.wjiser  TeiMndttigy  und  ea  finden  ttbergAnge  aMt  an»  einer 
in  die  andere. 

Die  altn.. lehre  nimml  einen  weUhanin  YggärmH  an, 
der  bimmely  erde  und  bdUe  veriuidpfty  der  gr<^ie,  hei* 
ligste  aller  bäume,  es  iat  eine  eache  (9^),  deren  Me 
durcb  die  gaaie  weit  treiben  und  über  den  hinnnel  hin* 
aus  reichen,  drei  wurzeln  breiten  sich  nach  drei  enden 
ans, .  die  eine  sobUigt  nach  den  a^ten,  in  den  biminelj  die 
andere  nach  den  hrtm^nrsen,  die  4ritte  naqb  der  unier* 
weil,  unter  jeder  wurzel  quillt  Wk  wunderbarer  brunne, 
nemlich  bei  der  hiaunliscben  wurad  Vriatbruimr  (a.  379], 
bei  der  riesischen  Mtimi$brumir  ^  bei  der  höllischen  Eoer-' 
gekmr  d.  i.  der  rauaehende  'oider  der  aUe  Imaely  olla 
Stridens  (s.  630).  allf  diese  brunnen  aind  heilig:  am  (Jrd- 
arbrunaen  halten  die  äsen  und  nomen  ihr  geri^cbt,  d#i  rie- 
aeniirunnen  hütet  ein  weiser  mann  namens  Mtmir  (s.  352)^ 
ich  weifs  nioht  ob  selbst  aUduger  riese  odfr  heU?  aber 
fast  ein  halbgülUichea  wesew.  jeden  tag  achöpfen  die  n<»r* 
nen  wasser  aus  ihrem  brunnen  und  begielsen  dfimt  der 
esche  äste:  so  heUigi  ist.  des  loosser,  daTa  c^  aUen  dingen, 
die  in*  den  bmnnen.koiinian,  eiweibe:  färbe  .mittbeilt;  vnn 
dem  bäum  trieft  ,bienennäbren4ar  -thau^  .da%  nennt  muu  An* 
ndngsfaU  (honigfall).  Auf  den.  ästen,  an  den  wurzefafi  des 
baiums  sitsen.nnd  springen  thiere;  ein  adtori  ein  «inkhorn, 
?ier  hirsche,  schlangen,  sämilich  mit  eigennanuMl  ansgestatteL 
die  4er>  hirsche  stdbn  sensli  «uob  awergen  zu,,  beis#ndeiB 
Ddinn  und  DtaUnn.  Niihöggr  (male  pungens  caedens) 
heifst  die  schlänge,  sie  liegt  unten  bei  Hvergelmir  und 
.nagt  die  wursal*  «wischen  ihr  ubmI  dem  oben  sitzenden 
adler   sucht   UaMö9kr^^)^   das  mf  und  nieder  iettBMHie 


*)  nein»  di5re  der  sngel.  fimii g&  I ,  KM.  m«  fyftttngar  eocis. 
fornald.  sog.  3.  663;  TgL  damit  tfe  «mIii  hMlenalnilae  (W«iliarnasel 
ha».  hM.  Mb).  . . 

^*]  BD  dem  wort  linsl  «<*<<*  (aWbi«  psrni^are)  goth.  «ro^,,  ead 
Tielleicht  Utka,  pL  UMkar^  pana:  paraip  pejroieaiist  Wolfram  s»gt 
Pari.  651,  13  ^winkm  als  eiq  mhwrn'.  N#iph  der  hei^ügea  tqUis- 
anschauung  von  wfiUerQ  Uitt  daa  eifM^rii  weaeQlUph  h«nror«  Tgl. 
ÄA,  497.  und  oben  a.  58?  daa  emf|/M|e«  iff  ai>hbö|C|iar  aaf  oatarn, 
Tielleicht  SU  alUiaidniacheip  brauch. 


mVTUm  TS7 

tfkMMrn,  xwM  xn  stiften,  des  idlem  name  bteifit  finge- 
Banm,  er  ist  ein  kluger,  vielwis^ender  v<yget,  inittitteii  toiner 
sogen  sitzt  ei»  hebicht,  FeiAffiFftitr*). 

In  dieser  ganxen  Vorstellung  ist  iirslies  f^prttge,  aber 
lange  nicht  TOllstindig  scheint  sie  uns  emfultet.  wir  er« 
fahre»  etwas  Ton  feindlichem  vertrlltnfs  «wischen  adler 
und  Schlange  und  dai^  es  dvrch  Ratff(5skr  umerhaiton 
wird,  iiidit»  iPon  der  bestiiAinüng  des  habichts  und  der 
hirscbe.  Versuchte  denttttagen  des  Yggdrasil  gshiftn  mich 
ntebli  an;  icb  habe  hier,  berüt  ich  meine  eigne  tnacht 
mJHheile,  swei  sehr  terschiedenartige  ihnlichkeiten  amtu«* 
Ähren»  Bei  dem  eddischen  beMi  ist  schon  von'  andern 
an  den  krensesbanm  gedacM  worden,  der  im  mittelaher 
fielfecbo  betraehtmgen  uitd  sagen 'erweckt  hat.  um  stellt 
ein  Ked  des  Wartbtirgef  kriegs  (MsH.  3,  IBl**)  fblgtendes 
rfithsd: 

ei*  t6dd  boom  gew^hfeen  lit 

iD  eime  garteo,  der  ist  gemacht  mit  h6her  litt| 

AAflA.     ^MA^AMt^ka       V^A^A       JK^^H      -A^mWA       ^^^^^^^^     .^i^^K^A^A  tf^^i^B 

dn  iolde\({wr:  zol  der)  riUrtjß  an  den  h-dn 

dk  der  säeze  got  bescheidet  yriunde  l6n, 

sCft  tsie  hreil  Hdnt  al  die  werU  bevangen; 

der  böum  ae  ganx^  tierde  stAt  and  ki  g«löab<^l  s^hosAe,    ' 

dar  dfii  iribent  'oogeMm 

soeiea  sanftea  iHse  eich  ir  stimme  ftoy 

nick  maeiger  kunst  so  haltenls  ir  gedcene.  - 

das  wird  treffend  auf  das  kreuz  und  den  nieaergaiig  in 
die  hölle  gedeutet;  schon  0.  sagt  V.  1,  19ff< 

thes  kriUes  hom  (bar  obana  ihaz  »eigot  üf  in  himUa , 

thie  arma  joh  thto  h^nti  thie  ieigSnt  woroUenA , 

ther  iHb6  wUtHtö  bonth  tHef  sCCWM  theSdü  trd^^MMI , 

..»«.....«  theis  innän  erdn  eieiMi 

mit  thin  kl  ihar  biseiBiti  theiz  iao  ist  al  ffin^eio^t  .  . 

in  erd«  jok  im  himile  iati  in  abgrunte  oub  oiar  nidare, 

Rührt  auch  das  von  Schitter  zu  dieser  stelle  beige- 
brachte cap,  18  de  divinis  offieiis.  nicht  von  Alcuin.  son- 
dern einem  späteren  her,  immer  konnte  Olfried  daher 
seine  Vorstellung  entnommen  haben**);  es  heifsli.'nam 
ipsa  crux  magnum  in  se  mysterijim  continet^  cujus  positio 
talis  est,  ut  supeHor  pars  coelqs  petat^  mterior  terrae 
inhaereat^  fixa  mfert^orum   ima,  continffat]    lalitudo  liutem 


*)  des   adlers   freund ,   denn  havkr  t  hami   (habicht  im   winkel) 
hedetflel  etaes  Terborgnen  rathgeberi 

**]  hatte  Lafontaine   Virgüs  steUe  4n  gedanktfn,    oder   feigt  er 
eigner  eingebong?    wen*  er  Yon  eiti^  eiche,  sagtt 
«elnif  de  qni  la  t^e  an  ciel  ^tait  volsine 
et  dont  las  pie^s  tonebaient  ä  rempirsiides  mOrtik 


75€t  WII^TBA91f 

ejus  parles  fwndi  appetat.  Ich  kmn  uQii|5g|lieh  glMbeoi 
dab  der  mytliua  von  Yggdrasil,  in  «einer  gansen  r^«be-* 
ren  gestalt,  aus  dieser  kircUidien  Torstellaiig  Ton  dem 
kreuz  hervorgegangen  sei;  eher  mOchte  stalttMift  sein  zu 
matmalisen ,  schwebende  heidnische  traditionen  von  dem 
weltbaum  seien  in  Dentschland,  Franlireich  oder  England 
bald  nach  der  bekehrung  auf  einen  gegenständ  des  ehrisif- 
lieben  glaubens  angewandt  worden,  wie  man  heidniache 
tempel  und  örter  in  christliche  umftnderle.  Diose  vernHi- 
tnng  wflr4e  fallen,  wenn  sich  dieselbe  auslegung  der  kreua- 
hölzer  aus  filteren  afrioanischen  o4er  orientalischen  .  bir- 
chenvfttwn  nachweisen  liebe,  woran  ich  aber  zweüek 
auf  die  dem  nord.  edler  und  eichheru  fthnUchan  vögel, 
mit  weichen  das  gedieht  des  13  jh.  den  bäum  ausstattet, 
soll  kein  gewicht  gelegt  sein.  Fast  aber  verwundert  e«, 
dafs  von  Virgil  gerade  der  esche  so  hohes  aufsteigen  in 
die  luft,  als  sie  in  der  erde  wurzelt,  beigelegt  wird. 
Georg.  2,  291: 
aesculus  in  primis,  quae  quantum  t)orltee  ad  mtra$ 
aetherias,  tantum  radice  in  tartara  tendit, 
wonach  Plinius  16,  31  bemerkt,  si  Virgilio  credimus  escu- 
lus  quantum  corpore  eminet  tantum  radice  descendit*), 
die  nordische  fabel  ist  also  tief  aus  der  natur  gegriffen, 
vgl.  was  s.  659  über  die  bienen  an  dieser  esche  gesagt 
wurde.  Eine  andere  noch  seltsamere  einstimmung  führt 
uns  zu  morgenländ Ischen  Überlieferungen,  im  arabischen 
Calila  und  Dimna  wird  das  menschengeschlecht  einem 
manne  verglichen,  der  einen  elefanten  fliehend  sich  in 
tiefem  brunnen  birgt:  oben  hält  er  sich  mit  der  band  an 
dem  zweig  eines  Strauchs,  unten  stellt  er  die  füfse  auf 
schmalen  rasen,  in  dieser  angstvollen  Stellung  sieht  er 
zwei  mause  f  eine  schwarze  und  eine  weifse  die  wurzel 
des  Strauchs  benagen,  tief  unter  seinen  füfsen  einen 
schrecklichen  drachen  den  Schlund  aufsperren,  oben  am 
rand  den  elefanten  harren,  aus  der  wand  vier  wurm- 
hfiupter  ragen,  die  den  rasen  untergraben;  zugleich  aber 
trieft  aus  einem  aste  der  Staude  honigseim,  den  fängt  er 
gierig  mit  seinem  munde  auf**].  Hieraus  wird  ein  tadel 
des  leichtsinns  gezogen,  wenn  der  mensch  in  gröfster  be- 


*)  vielleicht  enthilt  aach  des  Hrabanus  Manras  caranea  in  landen 
san^lae  cnieis,  das  mir  jetit  nicht  cor  band  ist,  dergleichen. 

**)  Calila  et  Dimna ,  ed.  SÜTestre  de  Sacj ,  m«m.  hist.  p.  28.  29. 
ed.  Enatchball  p.  80.  81 ,  Tgl.  mit  der  etwas  abweichenden  ausföh- 
rung  in  den  exempeln  der  altenv#6iien  p.  m.'22.-  • ' 


WBLTBADM  75» 

drtlagais  doch?  nichl  den  rws'eyies  kleiaen  gennsses' «u 
widersUhn  vermOge.  Die  fabel  ist  nun  niohi  nur  dnrek 
die  hebräieohdi  lateinische  und  griechische  überirngujog 
des  gftfizen  biidis  frahe  ttnd  weit .  verbreftet  worden  *],  son* 
dera  hfrt  «aeh.noch  andere  wege  eingeschlagen..  .Joh.  Da- 
naseeiHis  nahm  sie  (um  740)  in  seinen  Ba^Xia/»  ««j 
^hmaa^  **)  auf ,  welcher  J>ald  durch  eine  lat  bearbeitung 
allgemein  bekannt  wurde  ***).  nach  ihm  dichtete  unser  Ru- 
delf  seinen  Barlaam  und  Josaphat,  worin  das  beispiel  s.  166* 
117  zu  lesen  ist;  abgesondert  Stricker  (Ls.  1,  253).  ^ne  so 
astspreohende  Überlieferung  konnte  unbedenklich  selu*  früh 
im  mitftelatter  auch  nach  Scandinavie«  gelangen ,  falb  nur 
die  ähnlichkeit  sdbst  grölser  wäre,  um  den  jBchluis  auf 
unmittelbaren  lusammenkang  beider  mythen  au  rechtfertigen. 
Mir  scheint  gerade  die  ferne  barührüng  beider  da»  wich- 
tige, eine  mähe  hat  keineswegs  stattgefunden.  Die  altn. 
fabel  ist  viel  bedeutsamer  und  gründlicher ,  die  morgen* 
kindische  ans  einem  uns  verlornen  ganzen  losgerissen, 
wabnscheinlich  entateUt.  sogar  die  hauptidee  des  weltbaums 
matgelt  ihr*  beinahe,  nur  das  zutreffen  einzelner  nebenum- 
stände  überrascbti  des  triefenden  honigs  (Vgl.  s.  758  amn,*)), 
dea  wurzeinagens  und  der  vier  thiere. 

Liegt  aber  in  diesen  begegnungen  des  eddischen 
mytims  sewol  mit  alten  ansichten  des  Orients  als  mit  der 
ari  und  weise,  wie  die  Christen  den  heidnischen  glauben 
an  die  lehre  Tom  kreuz  zu  knüpfen  trachteten,  etwas 
wahres;  so  tliue  ich  noch  einen  schritt  weiter,  nur  scheint 
auch  die  im  deutschen  alterthum  tief  gegründete  Vorstel- 
lung von  der  IrmenseulCy  jener  altissima,  universalis  co^ 
lumna,  quasi  sustinens  omnia  (s»  104.  107)  dem  w^ltbaum 
Yggdrasil  nah  verwand^  wie  sich  dessen  wurzeln  und 
ftsta  nach  drei  enden  breiteten  (stände  ft  {>ria  vega),  liefen 
auch  von .  der  Irmenseule  drei  oder  vier  grofse  strafsen 
aus  (s.  330.  330),  und  je  weiter  man  spürt  wird  sich  der 
susammenhang .  dieser  heidnischen  ideen  fruchtbarer  ent- 
fallen lassen,  die  seulen  des  Hwcoles  (s.  338),  des  Bavo 
in  Hepnegau,   die  Thor  und  Rolandsseulen  (s.  366),  hatten 


*)  auch  im  Orient,  Tgl.  diyan  des  Dschelaleddin ,  in  Hammers 
pen.  redek.>  p.  183.  "* 

.  **)  lueval  herausgegeben  in  Boissonades  aneod.  graee.  tom.  '4. 
Paris  183!^  p.  1-365. 

***)  historia  daorum  Christi  militum  (opera»  Basil.  15^5  p.  815^ 
902)  und  besoaders  gedruckt  Aoir.  s.  a.  (wo  das  beispidl  p.  IGT.) 
nacli  einer  andera-yarsion'.bei  JSuiaQS  7, 1 858- ff.  die  paiabel  p.88d. 


760 

Tiellaicht  keine  andere  kestivinonj;  aM  ton  ihrem  «lillel*- 
pnnct  aus  himmlisehiriKBche  riol^ng  der  weitgvgendeii 
vorzQzeichnen  und  der  heilige  Yggdrasil  diente  so  einer 
sehr  analogen  welttheibing.  daa  kfivmle  aelhit  anf  die  alle 
hindraeasong  eingeflossen  sein  md  denl  rOmiaeheai  «ard«, 
der  Yon  dem  decumanus  krenzweise  durehsebnitiM  wird^ 
verglichen  werden.  Fttr  den  eacbbaotn  sind  «neb  beziebnn- 
gen  auf  Ascibnrg  (a.  324)  nnd  den  slammvaiat  Askr  (a.  537) 
einzuränmen.  eine  andre  eschiMnmaage  IrieibI  für  eap^  xfidü 
zurück. 

Niflhemr,  wo  NtdMffgr  und  andere  (S«m<  44^  8n. 
22  genannte)  achlangen,  um  den  brunnen  Hvergehtofr,' hau- 
sen, ist  dicr  todesgöttin  Hei  [s.  288)  getb.  Ib^a  grau- 
senhaftet- wobnon,  (Siem.  94»  beaefebiNrt  ^er  hdf^  Sma. 
49.  50.  51.  1  helfo'  klar  daa  rdunÜche,  ini(tera«ttliclr<^) 
dunkel  und  adiwarz  wie  sie  selbst:  dafMS  Nebelheim, 
kaltes  schattenland,  aufenthah  der  abgeschiednen^),  niebt 
aber  ort  der  quäl  und  strafe  y  nach  chrisdioher*  anrieht, 
die  sich  selbst  nur  allmälich  entwickelte  (s.  289).  Ulfllas 
gibt  halja  blofs  für  das  gr.  a%  her  (Matth.  11 ,  23.  Luc. 
10,  15.  16,  23.  ICor.  15,  55)  wo  die  vttig;  tnfmius  hat; 
wo  aber  der  text  ydeppa,  die  vulg.  geheima,  bleibt  auch 
ein  goth.  gaiainna  (Hatth.  5,  29.  30.  10,  28);  dieser  letz- 
ten Vorstellung  entsprach  kein  goth^  wort,  der  ahd.  Über- 
setzer T.  gibt  infernus  durch  heUa  (Matth.  11,  23),  ge- 
henna**)  durch  hellafl^  (Matth.  5,  29.  30)  oder  hetbMki 
(Matth.  lO,  28)  und  nur  filium  gehennae  Mbt  mn  (28, 
15);  richtiger  die  neulich  aufgeAindne  filtere  Verdeutschung 
quälu  sfintf.  bei  dem  'nidar  steig  z\  heUnf  (tdescendit 
ad  inferna)  des  glaubensbekenntnisses  dachte  man  sich 
nicht  die  Wohnung  der  gepeinigten,  strafe  leidenden,  von 
einem  kranken  heirst  es  Hei.  72,  4  ^ftsid  an  tiebkt, 
nahe  zu  sterben,  zur  reise  in  die  Unterwelt  geröstet,  ebne 
allen  nebengedanken  der  pein  oder  strafe.  Dafs  die  ags. 
gedichte  noch  den  altpersönlichen  begrif  von  fie/  kannten, 
ist  s.  291  gelehrt  worden,  hier  fttge  Ich  auch  eine  andere 
stelle  aus  Beov.  357  bei:  Helle  gemundon,  metoA  ne  en- 
den (Helam  venerabantur,  deum  verum  ignorabant  Pagani). 
Vom  4  bis  10  jh.  war  also  ha^a,   hello  unterweit,  todten- 

m —   ■-  ■  ■  -      .     - 

*)  ein  todter  wird  mflfarinn  genannt  (S»m.249>^  der  Nibelunge 
tUmmyater  bieft  wol  NeM  (fornald.  s^.  2,  9.  11  NniH  f.  Nefill): 
ein  der  Unterwelt  und  frühem  tod  yerfallnes  heldenffesehlecbt.  Nv- 
belunge :  geister  des  iodteoreichs.    Lacfam.  su-  de«  Nib.  842. 

**]  bekanntlich  entspringt  ana  gebeno»  das  frant.  gehene,  g^ae, 
d.h.  Bupplice,  jetit  Aber  mit  grai  gemilderten 'bidd« 


■ÖLLB  761 

reicb,  der  begfrif  Tön  qmit  und  peinfgfQrfg  wurde  durch  ein 
«ideres  wort,  oder  wenigstens  eine  msammensefziing  ans* 
gedrüdil;  mi  Ann  sUmnit  vollkommen,  difo  noeh  bei 
WidelHiMl  ven  Cervei  (1,  23)  sMieisehe  diehter,  einen  sieg 
der  SackaM  ober  die  Framken  besingend,  wahracbeinlich 
kein  lindere»  wort  ab  kelta  rem  anfenthaltsort  der  todfen 
branchten :  *m  a  minis  declanaretar,  vM  tantvs  ille  infer^ 
MMf  eaael,  (|if  lantam  muH^dkiem  Cüeiomm  capere  pos* 
aet*  *)  ?  Ein  andreg  lat  lied  anf  bischof  Herig^  von  Mainz, 
daa  im  10  jh.  rerfafat  sein  mag  *^) ,  achfldert  wie  einer  tn 
die  nnterwelt  entsnekt  wurde  und  erzMIte,  ^otum  ease  tn- 
fermm  accinctum  denaia  undkpie  aflvia',  womit  deutlieh  nfeht 
der  strafori  sondern  die  wohnung  der  todten  gemeint  ist. 
noch  in  einem  gedieht  des  12  jh.  (Diut.  3,  104)  sagt  Ja* 
cobi  'a6  maoz  iSk  iemer  ckolen,  nnze  ich  s6  eare  %e  der 
kettet,  d.  b.  bis  ich  sterbe.  Im  13  jh.  hatte  sich  fttr  helle 
bereite  die  hentige  bedeatnng  festgesetast:  aufenthalt  der 
ifetdammieHy  ^  b.  Iw.  1472  heiTst  ^got  versperre  dir  die 
bellet,  er  nehiie  dich  in  den  himmel  auf,  nicht,  er  bewahre 
dich  vor  dem  tod,  da  diese  weHe  schon  an  einen  todlen 
geriditet  werden. 

Nor  in  gewissen  gegenden ,  auf  dem  land ,  unter  dem 
vo(k,  behielt  helle  zuweilen  seinen  alten  sinn  bei.  «•  b. 
in  Westfalen  gibt  es  noch  heute  viele  gemeine  fshrwege, 
welche  den  namen  -  Mlmeg  führen .  was  gleichviel  mit 
heerweg  ist,  ureprtinglich  aber  toatenweg,  den  breiten 
weg,  auf  dem  die  leiirtie  gefahren  wird,  bezeichnet,  den 
ältesten  beleg  entnehme  ich  aoa  eMer  nrk.  iiei  Ritz  1,  19 
vom  j.  890:  ^Aelefos  stve  straia  publice',  spätere  stellen 
finden  sich  weisth.  3,  87.  106.  TVofli  urk.  zur  feme  s.  61 
und  bei  Job.  von  Soest  (Fichards  arch.  1,  89)**^).  ober^ 
deutsche  fiinren  liefern  dafür  zuweilen  die  benennung  ftxtt^n- 


■I  i« 


*)  die  trad.  corbeiens.  p.  465  604  geben  den  fSrmliehen  hexa« 
meiert  tantos  nbi  iufernnt,.  caesM  aul  detorel  omoes?  diese  über* 
Alhuig  der  nnterwelt  durch  die  todlen  erinnert  mich  an  Calderons 
fanatischen  einfall,  der  leere  des  himmels  besorgt,  weil  sich  alles  zu 
Luther  in  die  höllenberberge  driAge: 

que  Tite  dios,  que  ha  de  tener  en  cielo 
pocol  que  aposentar,  si  oensidere 
qne  estan  ja  aposentados  con  Lntero« 

(sitio  de  Breda,  jom.  primera.) 

**)  tat  ged.  des  X.  XI  jh.  s.  335,   Tgl.  344. 

*'*]  auch  in  Niederhessen :  helhteg  bei  Wettesingen  and  Oher~ 
listingen  (  woebenbl.  t833.  952«  984.  1029.  1138);  köUeu^eg  bei  Cal- 
den  (das.  1833,  951.  962.  1022.);  häUepfod  bei  Nothfelden  (da- 
selbst 923). 


V62  K€!LLR 

weg*).  Nach  der  allii.  diehlong  reiim  o4er  ßkrm  di« 
verstorbnen  zur  Unterwelt,  fara  Hl  heljar  oder  M  Be^at^ 
zur  todesgöttin:  nachdem  Brynhildr  Terbrennl  ist,  Ahrt 
sie  auf  einem  geachmückieo  wagen  zur  Hei,  ^Mc  ned  rai- 
dinni  A  hehe§\  das  ganze  lied  führt,  den  namou  helrtUL 
S»m.  227.  Bei  Freidank  105,  9.  151,  12  bezeichnet  aber 
^zer  helle  varn'  und  'drt  strftze  zer  heUe  gtol'  66,  &.des 
christlichen  begrif.  Übrigens  jmiste  die  vorsleUung  bellweg 
Yon  selbst  auch  die  eines  helhoagen  (».  290)  berbeiftriireo, 
wie  Wuotans  weg  und  wagen  (s.  138)  sieb  begegnen,  ja 
der  grorse  bttr  heifst  nicht/ blofs  himelwagen,  herrenwegea, 
sondern  in  den  Niederlanden  hellewagen  (Wolfs  Wodana 
I,  III.  ly);  ein  Wolframus  dictus  heUewMen  HB.<  25,  123 
(a.  1314). 

Anfangs  behielten  die  AHsachsen,  eben  weil  ihnen  ihr 
hellia  noch  zu  heidnisch  vorkam,  gern  das  biblische  infem 
gen.  infernes  bei,  z.  b.  Hei.  44,  21,  ja  sie  kürzten  ea  in 
ein  blofses  fem  Hei.  27,  7.  103,  16.  104,  15.  164,  ]2  und 
jener  von  Widekind  angezogne  dichter  könnte  wirjiliob  in^ 
fem  statt  hellia  gesagt  haben  **). 

Die  heidnische  hellia  lag  tief  unten  naeh  Nordm  hin ; 
als  Hermödr  zu  Baldr  gesandt  wurde,  ritt  er  neun  nachte 
lang  durch  dunkle ,  tiefe  thäler  (dökve  data  ok  diupa),  das 
sind  die  von  den  dunkelelben  bewolinten  örter  (s.  414), 
und  gelangte  zu  dem  flusse  Giöll  (strepens),  über  den  eine 
mit  leuchtendem  gold  gedeckte  brücke  leitet;  der  brücke 
hütet  eine  Jungfrau,  H^dgudr  genannt,  sie  sagte  ihm,  dafs 
tags  zuvor  f(lnf  fylki  todter  mftnner.***)  fiber  die  brücke 
gekommen  wfiren,  und  dafs  der  'helvegr'  von  dieser 
brücke  an  immer  noch  tiefer  und  nördlicher  ziehe:  ^nidl* 
ok  nordr  liggr  heleegr^.  Das  verstehe  ich  von  der  ei- 
gentlichen halle  und  wohnung  der  göttin,  we  sie  selbst 
anzutreffen  ist,  denn  die  ganze  region  war  schon  ihr 
reich,  diese  halle  umgeben  grofse  gitter  (helgrindr)  Sn. 
33.  67.  der  saal  heifst  Eliudmr  (al.  Elvldnir),  die  schwelle 
fallanda  forad  (al.  das  gitter  fallanda  forad,  die  schwelle 
fioimödnir),  der  verhäng  bUkjandi  böl  (Sn.  33).  vermutlich 
ist  eine  thür  deir  unterweit  gemeint  (nicht  der  Valhöll, 
welche  540  ungeheure  thore  hat),  wenn  Sem.  226*  fornald. 


*)  Mones  anx.  1838  8.  225.  316. 

**)  gal.  t/Wiifi,   ir.  t/eam,   welsch  yfem, 

***)  ein  fjlki  betragt  50  (RA  207) ,  alio  Baldr  war  hi  begleitiHig 
Ton  250  biDabgeriUen,  welche  labl  «ine  hl.  verdoppelt:  *reid  Beldr 
bdr  med  500  manna'.  .  v.ij  .•  .    *. 


NEBBLBBIM.    HÖLLE  TS3 

Og.  1,  204  BrynkiMr  dem  Sigvrd  danitt  ia  dea  todfolgra 
wiH,  dab  ihm  die  4Mlr  oichl  auf  die  ferse  falle:  eine 
AMiche  foraiel  bei  dem  eiagaog  in  jrerschlofsne  höhl^ii  % 
Dtt  reich  der  Hd  aber  führt  de«  «amen  Niflheimr  oder 
mßkel,  aebenwelt,  nebeihdile  *•),  ea  M  die  Mutila  laair 
(der  läge  nach)  und  war  lange  neiten  Tor  der  erde  er^ 
Bchiflen  (oben  s.  525):  muten  in  ihm  liegl  jener  brunne 
Boergelmir^  nnd  ana  diesem  rinnen  zwfflf  flösse,  anter 
welchen  GiöU  zunächst  an  der  göttin  wobnnng  reiebt. 
Sa.  4.  Hierans  folgt  Uaf  was  ich  aagte:  wenn  Hvergeimir 
die  mitte  des  Niiheimr  bildeli  wenn  GiöU  und  die  übrif^ 
gern  ströme  lauter  höllische  sind,  so  kann  die  herichart 
der  Hei  nieht  erst  an  den  belgrindum  begu&nen,  sondern 
mab  sich  über  jene  daniielny  tiefen  thaler ,  die  dichten 
walder  des  lat.  lieds,  ausdehnen.  Doch  habe  ich  auch 
aidits  wider  feig«ade  Vorstellung:  diese  dunkeln  thttler 
sind,  gleich  dem  finstern  Erebos  der  Griechen,  ew  durchr 
gangsori ,  um  des  Aides ,  der  Haija  wohnung  zo  cs'reichen. 
Wie  ana  dem  persönlichen  Hades,  dem  römischen  Orcns 
(ursprUnglick  uragus,  mrgns,  und  noch  im  mitleiaiter  einem 
persöniieh  gedachten  ungeheuer,  Tgl.  s.  291.  454),  wurde 
SOS  nnsrer  Halja^  der  göttin,  allmälicb  die  raumliehe  yor- 
Stellung  eines  aufenthalts  der  todten  mitwickelt  anfangs 
dacUe  man  sich  |die  verstorbenen  bei  ihr,  hernach  in  ihr 
wohnend«  In  den  xugfingen  hausten,  schwebten  die  dun* 
kelelbe. 

Niflheimr  f   die  Nebelwelt ,  war  also  ein  unterirdischer, 
von  ewiger  naehl  bedediter  kalter  räum,  welchen  awölf  ran- 


*  *)  die  aitfrai».  diühtoDg  tod  den  qaatre  ÜIb  AimöD  (cod.  7183 
fol.  126^)  lifii  deo  Richarl,  als  er  aafgehSagt  werden  toll,  ein  gebet 
TerrichteD,  worin  enShlt  wird,  wie  der  heiland  alle  teelen  aus  der 
hölle  iDräckgefährC  habe  bis  auf  ein  weib,  das  sich  damit  aufhielt 
in  der  thür  noch  die  hölle  tu  schelten ,  und  nun  bis  lom  jüngsten 
tsg  daselbst  stehn  bleiben  mnfs:  alle  wurden  erlöst, 

ne  mes  que  une  dame,  qui  disC  une  raison: 
*hai  enfer*,  dist  ele,  *con  tos  remanei  solz, 
noirs,   hisdoi  et  obscurs,  et  laii  et  tenebfox  !* 
a  Fenirer  ds  la  porte,  si  con  lisant  trOTon, 
jusquan  terme  i  sera,  qne  jugeroia  le  mont 
dieser  seltaamen  tage  quelle  ist  mir  unbekannt 

**)  'diu  Mir«  &e/Ie,  wo  nebei  und  finster*,  im  Lucidarins  zehn 
namen  der  höUe;  stagnum  ignis,  terra  tenehrosüy  terra  obliyionis, 
warüu  ginunge  u.  s.  w.  Mones  anz.  1834,  3 13.  tgl.  die  ausdrucke 
des  alts.  dichters:  h^t  endi  f/bwafrt,  ntart  nnnäkH  Hei.  65,  12;  an 
Mo»  tkkutroH  f  an  themo  alloro  ferrosten  ferne,  65,  9 ;  under  /Vm- 
Mm,  33,  16 ;  4idp  d6de8  dalu,  157,  22.  .  ' 


764  HOK.LB 

«rchende  wasser  dnrehsttbmen  ^  iMotrtendei  ifoki/  d.  U 
feuer^  nur  stellenweise  matt  erholHe.  die  ÜrMie  zumal 
CHäU,  gemahnen  an  LeAe  und  Sfyx^  bei  deaaen  heiligen 
waaser  geschworen  wurde,  mit  Hvergehnir  Iftfsl  sieh  die 
brabäntische  Helkbamey  ans  der  HeUebeke  enlspringt)  ver^ 
gleichen ;  mehrere  drter  fthren  den  namen  Hettepui  *). 
Heli^öeUhtU  wurde  a.  292  angefahrt^  der  name  Helbvoei 
soll  noch  heute  in  den  Niederiinden  auf  scUMem  (nittniiig- 
borden)  yorkommen. 

So  traurig  und  freudenleer  Niflheimr  geriaobi  werden 
mufa**),  ist  doch  von  strafen  und  qnaiett  seiner  bewohner 
nie  die  rede ;  ^  eigentitch  jlind  es  auch  nicht  böse  menscbeSy 
die  nach  ihrem  leben  dahin  rersetst  werden ,  aondeni  aUe 
und  jede ,  selbst  die  edelsten  und  treflichsten ,  wie  4his  M^ 
spiel  der  Brynhild  und  des  Baldr  lehren  ^^^.  Avagenommen 
Schemen  bloTs  die  im  kämpf  failenden  heUen,  welche  OdiM 
zu  sich  nach  YallhöU  nimmt 

Hiermit  in  Widerspruch  sieht  eine  andere ,  ich  giaubCi 
spätere,  b^i  Sn.  4  vorgetragene  ansieht :  alhraler,  der  höch- 
ste gott,  hat  allen  menschen  unsterbliche  aeele  verliehen, 
obgleich  ihr  leichnam  m  der  erde  fault  oder  au  asAe  ver- 
brannt wird ;  alle  guten  menschen  (rött  sidadir]  kommen  au 
ihm  nach  GimHl  oder  Yingölf,  alle  böken  (vAndir)  nach  Nifl^ 
heimr  oder  tn^  (He  höUe,  vgl.  Sn.  21.  75»  wetehe  aielien 
noch  hernach  zu  besprechen  sind.  Das  ist  schon  chriatliGhe 
idee,  oder  eine  ihr  höchst  ähnliche. 

An  die  stelle  der  altheidnischen  bleichen  und  dflstern 
hölle  setzten  die  Christen  einen  mit  flammen  und  peeh 
erfüllten  pfuhl,  worin  die  seelen  der  verdammten  ewig 
brennen,  zugleich  pechschwarz  und  gluterhellt,  gehenna 
ivird    erklärt    hellafiun,     mhd.   heUefiwer   Pars.   116.    18; 


*)  Wolfs  Wodana  1,  V  und  35. 

**)  gerade  so  sinken  alle  griech.  helden  in  des  Hades  haus  unter 
die  erde,  schwer  aber  ist  es  ron  diesem  den  Tatiant$f  der  noch 
tiefer  im  abgrnnd  liest,  xa  sondern;  in  ihfn  sitzen  die  gebändigten 
riesen  gefangen,  er  bezeichnet  also,  wenigstens  später  den  theil  der 
unterweit,  in  dem  die  bösen  s«  Uirer  strafe  haoeen,  was  mit  der 
christlichen  bölle  stimmt  an  die  nordische  esche,  deren  wnrzel  in 
Niflheim  hinabreicht,  gemahnt  aber,  dafs  die  wurzeln  der  erde  und 
des  meers  Ton  oben  herab  in  den  Tartaros  wachsen,  ttes.  theog.  7^ 
zu  TgL  ist  auch  Orids  beschreibung  der  unterweit  (met.  4,  43!2  ft), 
wo :  <Styx  nehvias  exhalat  iners*  dem  begrif  yon  Niflbeim  begegnet. 

"**)  noch  C«dmon  schildert  das  vtteb^s  (haus  der  strafe)  deop, 
dreAma  leAs,  sinnibte  beseald.  merkwürdige  hilder  gibt  ein  denkmal 
det  1 1  jh»  (z.  f.  d.  a.  3>  445) :  sverilttank,  ^«m^e/t,  tödes  tcaUgrm^^ 
waÜente  stredema  u.  s.  w.         ,,  .i  .  i.   .        ,.    ,    .,  . .»:  ,. 


kAuui  Ml 

d«  wo  4er  ikk^  4ts  ]feliaii4  dtoie  pokwtrue  md  bren- 
nMde  bölle  l^hgft  sduMerii  will,  .wwMt  «r  dw  alle 
Sem.  il  ei«  nme.:  an  Iheiie  M(a$i,  hei  76,  22,  aa  tfiane 
umtIoii  M  103»  9.  Sr^bi  fomßx,  Waltber  867.  1%  bei 
Q.  «nd  ander«  aUL  Mbriflaiellern  wird  geradem  bäh  (pix) 
Ar  bMe  gesetzt*),  ^in  dem  6«cike'  warainig  547;  'diu 
p^chm^ik*  anegeage  208^;  eiae  weit  ia  Europe  Terbreitete 
yerstoUuig.i  aocb^  beizte  nenoen  die  Ifeugriecben  die  hdUe 
niMu,  ein  spriekwort  des  Alex  Negri  lautet:  i^^t  niooa^ 
um  nttgiducw,  hölle  und  bimmei  nebeneinander  setzend« 
Die^ie  pecbböile  mögen  Slaven  den  Griechen  zugebracht 
haben  I  dai  allslav,  pehla  bedeutete  pech  und  hölle  (Dobr. 
inaUt.  294)  uAd  ae  iat  böbm.  peUo  hölle ,  poln.  pieklo 
serb^  pakßo,  sloven.  pekel^  dem  gescblecht  nach  entw« 
n^tral  oder  rottnnlich«  Lilth.  pikU^  (fem.)  altpreufa. 
pickufUs  (im  catecbisnau  f,  10  iat.pickulUeJa  der  acc.)j  und 
der  teurel  selbst  beibt  üttb.  pyculas^  altpreurs.  ptekub, 
(vgU  Rausch  s«  4^4)«  wn  den  .^vea  borgten  die  Ungern 
ihr  pokol  (hölle),  wie  von  Griechen  und  Römern  uaere 
Torfahren  gaiainna  lUnd  infem.  auch  das  unela  (hölle) 
der  Kteebnrgiachen  Wenden  scbemt  zu  dem  böbm»  smola, 
smftla  h^K^  pech  gehörig,  mit  4er  heibe  dea  siedende« 
pecba  war  «igleich  unausstifhliqhar  gerucb  verbunden; 
Reinehe  $918:  Mt  stank  dAr  alse  det  keM^  p$k\  vgL 
UberhauiU  En.  2845.  äldO. 

Seil  der  feckehnmg  zum  ehristenihvm  hängt  also  an 
den  begrif  4lea  h(Uie  aogleick  der  von  strafe  und  pein» 
hoöikemmr^  (mundua  supplieii)  im  aMarL  53  (Smm.  187«) 
iat  nimrkennbar  chrialiiche  ide*.  dbs  ahd.  keUmdgi,  aMai 
MiNoW  Hei.  44(  17.  ags.  helkttte  drückt  aus  supplictwa 
infeiiii,  f|^.  Graff  1,  1117  ttber  tofaiy  mhd.  wtsu;  danaeh 
bildete  aieb  das  id.  kekiüy  achwed^'J^e^is»  dfin.  hehede, 
WM  ganz  einfaak  liöHe  bezcichnel;  von  den  Schweden 
empiieBgM  die  getattGtän  Finnen  ikr  k^weM  (oreua),  von 
den  Batem  die  Shivenen  im  irain  und  Steier  ihr  otae  (pui^ 
gatorium),  die  Irirche  hatte  zweierlei  Teuer  unterschieden, 
eitk  hAiliaciieSy  und  reinigendes  (fegefeuer)  im  mittelsastand 
zwischen  iNMe  und  himmel  **)•   . 


*)  «tote  im  meiaer  aoBg.  der  byn».  p.  &^U  kiMüMfigen  Mus- 
piOi  5,  wo  Schm.  die  leile  des  Waltfriil  inföhrts  'at  aacum  ibIbKi 
pieeo  spatiatur  a»9mo\  EugeniMfl  in  Draconit.  y.  m.  30 :  *  ut  posaiin 
ficei  poeoam  Titare  baraihrr» 

**)  die  Ehsleo  sagen  toh    einem  im  fegbii^r :    (a  q«  kabbli  Uma 
wahhel,  er  iel  *iM«cA«fi  aioai  tpaftan. 


fM  HOlXlt 

Gleiohwol  lieliMt  ftber  auch  die  chrisHiehe  vorsteHüng 
bei,  däfs  die  ItdUe  tief  ffn  abgnmd  der  erde,  die  «le»- 
sdbenv^elt  also  über  der  liölle  Hege,  die  hOile  keUsI  darum 
abystms  (Ducange  8.  v.)  und  'a  coelo  usqoe  in  abysaam' 
sieht  einander  entgegen:  aus  diesem  abynsus,  Span.  ab%$* 
mOf  franz.  abime  ist  das  mhd.  äbU  (altd.  bl.  1,  295:  'in 
Abisses  gründe'  MsH.  3,  167)  und  spftter  obis,  fioMs  (en 
Abis,  en  obis,  in  abyssum)  zu  erklären,  alts.  hellignnul 
Hei.  44,  22;  in  af gründe  gftn.  Roth.  2343.  ir  terdienet 
daz  af gründe.  Roth.  1978.  'raren  ter  helle  in  den  dM- 
kren  kehre*.  Florts  1257  *).  Ags.  se  neoeta  grund  (imus 
abyssus)  C®dm.  267,  1.270,  16;  j^ät  neoele  genip  (profun- 
da caligo)  Ciedm.  271,  7.  275,  31.  diesem  ags.  nepvel, 
niTel  (profundus)  verwandt  sein  mag  ein  ausdruck  des  fries. 
asegeboks  (Richth.  130,  10)  'thiu  mueni  hille',  wo  ein  mnl. 
text  gibt  'de  grundlose  helle'.  Dem '  in  die  höhe  aufstei- 
genden himmei  steht  die  zu  boden  sinkende  hölle  entgegen : 
^der  himel  allez  üf  gM,  diu  helle  stgei  aUe%  se  ial\  War- 
nung 3375.  3381. 

Es  scheint,  man  dachte  sich  im  grund  der  erde,  gleich- 
sam als  decke  und  gitter  der  unterweit,  einen  stein,  der 
in  mhd.  gedichten  dillestein  (von  dille,  diele,  tabula,  plu- 
teus,  ahd.  dil,  dili,  altn.  {>il,  fiiii)  genannt  ist:  'graebe 
ich  üf  den  diUestem'.  schmiede  33;  'des  hc^he  vir 
der  himele  dach  und  durch  der  keUe  bodem  vwt'.  das. 
1252;  'vttr  der  Umeie  dach  du  biekest  und  durch  der 
helle  dille»tein'  Ms.  2,  199»;  'wun  ex  kvnl  des  tiuveb 
schrei,  dA  von  wir  stn  erschrecket:  der  dUieetem  der  iü 
enzwei,  die  töten  sint  4f  gewecket'.  Dietr.  draehenk. 
cod.  pal.  226».  Hierbei  erinnere  ich .  mich  des  lapie 
nalie  (Festus  s.  v.),  der  die  grübe  d^s  etniskisehen 
dite  schlofs  und  alljährlich  an  drei  heSigen  tagen  ahger 
nommen  wurde ,  damit  die  seelen  hiamf  >  zur  oberwek 
steigen  könnten  (Festus  s.  v.  mundus).  niobi  Uolii  diese 
grübe  in  der  erde ,  auch  der  himmei  hiefs  mundus  **) ,  wie 
Niflheimr  dennoch  heimr,  d.  h.  eine  weit  war»  Jener 
höUenthttr  (s.  762)  gleicht  der  desoeneus  Aeemiy  Ae 
fauces  grave  dentis  Aeemi,  die  9M  janua  Ditis,-  wie  sie 


*)  was  bedeutet  eggrunt,  eekgruDl  ?    *d«z  iuwer  Me  honen  dzer 
Begründe' .    cod.  paL  349,  19a. 

**)  ygl.  0.  Mullers  Etrusker  2,  96.  97.  den  Plänen  ist  manala 
locas  sabterraneas,  obi  yersantur  mortui,  sepulcrum,  orcus,  was  sich 
ton  maa  (terra,  mundot)  leitet,  also  nur  zufiHig  mit  jenem  maoalis 
berührt. 


¥0»  ¥ürg(I  (Am;  ft,<  IM;  Ml)  gesdillderf  M  (VgÜ.  Veldecks 
En.  2878.  2907.  der  h«lle  tnvarf)^,  aiieii  alaTiiche  mftrcheit 
kennmi  den  emgang  in  die  iiiitenfreH  bei  einer  Hefen  ffrube 
(Banufich  a.  412). 

Vom  mund  oder  rächen  der  holte  wurde  s.  291  ge- 
redet, Hei  gähnt  gleich  ihrem  bruder  Fei^rir  und  jeder  ab- 
grund  ist  gaffend  *)  os  gekennae,  Beda  363^  17  heirst  ein 
flammenspeiender  bntnne  (puteus)  **),  einer  ags.  glosse  (Mono 
887)  bedeutet  müJt  (d.  i.  os]  orcus.  dieselbe  glossensamlung 
verzeichnet  742  sedä  (d.  i.  puteus,  barathrum)  für  höUe^ 
und  2180  cvis  tartarus,  1284  cvishusle,  wofür  ohne  zweifei 
zu  lesen  cvissusle.  aris  kann  ich  durch  nichts  deuten,  als 
das  altn.  qvis  (calumnia),  susl  scheint  tormentum,  supplicium, 
die  Wörterbücher  haben  keinen  grund,  ihm  den  sinn  von 
sulphur  (ags.  svefel]  beizulegen ;  'susle  geinnod'  Cssdm.  3,  28 
verstehe  ich:   supplicio  dausum. 

Die  Vorstellung  des  brmmens  stimmt  besonders  zu  der 
fabel  im  Beinhart,  wo  dieser  in  den  brunnen  gefallen  ist 
und  den  wolf  in  den  eimer  loekl.  er  g3)t  vor  da  unten  im 
paradU  zu  sitzen,  in  weiches  aber  nur  zu  gelangen  sei,  dafs 
man  ^einen  tuk  in  die  helle'  thue. 

Christlichheidnische  Vorstellungen  von  den  strafen  der 
unseligen  vermischt  finden  sich  im  eddischen  sölarliod  (Sem. 
128.  129).  Schlangen,  nattern,  drachen  wohnen  in  der 
christlichen  hölle  (C»dm.  270.  271)  wie  an  des  Hvergelmir 
Wurzel  (s.  756).  auffallend  wird  in  dem  gedieht  von  Os- 
wald (Haupts  zeitschr.  2,  125J  eine  verstorbne  heidin  als 
^ölßn  dargestellt,  der  die  teufel  Schwefel  und  pech  in  den 
hals  giefsen'.  Dante ;  in  seinem  purgatorio  und  Inferno, 
mengt  was  ihm  mittelalter  und  classische  literatur  überlie- 
ferten, maii  lese  den  schlufs  des  Csedmon,  fundgr.  202, 
und  im  Barlaam  310  Rudolfs  kurze  aber  dichterische  Schil- 
derung der  hölle  ♦••). 


**i 


««•^ 


*)  walack.  iad  (hiatus) ,  iadad,  hölle. 

')  wie  der  «beoi  miMidl  der.  nechl« 

*)  hier  mag  susanunengestellt  sein,  welche  lebende  in  die  nnter-* 
weh  gelangten  und  wieder  zurückkehrten:  bei  den  Griechen  Orfeua, 
Kurrdice  aufsuchend;  Odysseus;  Aeneas.  im  Norden  Herm6dr  nach 
Baldr  entsandt  und  Hadding  (Saio  gramm.  p.  16).  sage  des  '  mit* 
teklters  tote  Brandanas  und  Tundalus;  di«  sage  von  Taohiuser  und 
was  ihr  gleicht  ist  in  einem  folgenden  cap.  darsusieHen.  m^ncMsche 
trtame  and  gesiefatet  von  forsten,  diiä  ihre  tDrArhreo  it>  ^r  hdHeer^ 
bUcken,  sind  D.  S.  no.  461.527.  530.  554  gesammelt,  a«Mh  die  tlsioii 


im  mmuM 

.  Vß^  4i^  iMidRiftjpiMi  ^  im  Vmim.  ÜBgwi»  MeJk^lwoU 
nicht  von  f0uer  ^rfalU  war,  folgt  um  d^vtliobaten  ao»  einer 
ihr  ^ntgegengeaaUleq  $adlwkem  flammenw#li  (fi.  525]^  w^che 
in  der  edda  Muspell  oder  Muspelhhemr  genannt  wird.  0ie 
ist  licht  und  heifs,  glühend  und  brennend  ^j^  nur  einge- 
bome  können  es  in  ihr  aushalten,  daher  keine  menschen 
aus  unsrer  weit  in  sie  übergehen,  wie  iji  die  kalte,  nörd- 
liche, Ihrer  hütet  ein  gott  namens  SurlTj^  träger  des  leuch- 
tenden Sehwerts. 

Ein  überraschender  beweis  für  das  Vorhandensein  alt- 
nordischer Vorstellungen  in  dem  übrigen  Deutschland  liegt 
wieder  in  jenem  namen.  nicht  allein  der  sächsische  He- 
liand  hat  79,  24  mudspelli,  133,  4  muUpelU,  auch  ein 
hochdeutsches,  wahrscheinlich  in  Baiern  verfarstes  gedieht 
z.  62  muspilli  (dat.  muspille).  zugleich  welch  erwünschte 
bestätigung  des  alters  der  edda,  und  ihre  grundlage,  aus 
sächsischen,  bairischen  handschriften  des  neunten,  achten 
jh.  Sonst  überall  ist  der  »usdrack  erloschen,  weder  Is- 
Ifinder,  noch  die  übrigen  Sctndinaven  verstehe»  ihn;  bei 
den  Angelsachsen  hat  er  sieh  nook  nicht  entdecken  lassen, 
alle  späteren  hoch  und  niederdeutschen  Sprachdenkmäler 
kennen  ihn  nicht  weiter,  eicher  ein  uraltes  ^  imdnisches 
wort  *•). 

Welchen  sinn  es  im  allgemeini^n  habe,  wurde  schon 
s.  568  ausgesprochen,  kaum  einen  andern  als  des  feuers, 
der  flamme,  jene  stellen  des  Hei.  besagen:.  \muä9peÜe$ 
megin  obar  man  ferid',  die  gewalt  des  feuere  föhrt  über 
die  menschen;  %utspeUi  cumit  an  thiustrea  naht,  al  so 
thiof  ferid  damo  mid  is  d&diun',  das  feuer  komm4  in 
der  dunkeln  nacht  heimlich  und  plötzlich  wie  ein  dieb  ge- 
schlichen (Hatth.  24,  43.  11  Petri  3,  10);  und  der  ah<L 
dichter  sagt:  ^dflr  ni  mac  denne  mäk  andremo  (elfan  vora 
demo  muspille,    denna  daz   preitA  wasaP   (GraiT  l,  1063) 


Too  dem  leeren  slul  im  ADUolied  724  (Tgl.  mit  Tundalas  65,  7)  itl 
Terwandt. 

*)  MuMpelUktmr  ist  weder  himmel ,  noch '  sind  Huspellssöhne 
gleichTiel  mit  den  im  himmel  wohaeniea  Uclddkm  (i.  4M.  415); 
nachdem  Snrtr  himmel  und  erde  Terbrannt  hatj  liegt  über  diesem 
himmel  ein  zweiler,  namens  Ändtänor,  über  ihm  ein  driUer  himmel, 
namens  Vtdbldinn*  und  darin  wohnen  jettt  allein  Uchielbet  ssot 
Snorri22.  "^  ^' 

**)  unter  den  bei  Nemnich  nfrseicbaaten  yieleo  benenwiii^gaa 
des  Fohrdommels  («hd.  borotnmbiL  QUO€r$fM$ß,  «rdi^s  ßißUßr^)  £nd4A 
sich  «ach  mutpei^  was  «vf  owos  und  moor  besvg  h^k^p  .und  npitc«- 
waoiU  sein  aog. 


Hnmaa  96» 

das  farpi^etiiüt  %  enti  ytitr  enti  hift  tite  arfWptt'^  4i  fam 
kein  freliiid  dem  andern  helfen  tot  dem  feuer,  wenn  der 
breite  gintregen  alles  verbrennt,  feoer  nnd  laß  ellan  rek- 
iiigen. 

Bs  nulii  ein  compogitum  sein^  deMen  iweiter  thel 
spUU,  ipelH,  spett  ^ick  eHwa  dea»  aHn.  apiöH  (corrn|Mio)  apiDa 
(eomii*p«fe)  agt.  apillan<*(f»erdere)  engl,  spili,  ahd.  «piidan, 
alts.  epildian  l(perdere)  «fergieicben  liGtlse  **] ;  altn.  bedeutet 
mamispiüll  öladea  hominttmy  laMpMH  (Ninlss.  cap.i58)  viel- 
leicht belluiR  ?  WIM  aber  in  mwl ,  *mii  (mü  ?)  stecice ,  ist  nn 
rathen,  entweder  der  begrif  TOn  erde,  iend,  eder  von  bola, 
bauBi:  im  letnten  fall  ist  mudspelR  peeUacbe  nmsdireibung 
des  feners,  das  ^olzverderbende,  banoiverBehrende  darf  es 
beirsen,  Wie  sonat  eddisob  bani  9iiar  (peronssor,  inimicus 
ligoi)  gratul  ^Ubir  fperdilte  lignl)  Sn.  126;  die  lex  alam. 
06,  1  gibt  medelay  meduh  kn  6ioQ  Ton  tancwit«,  ienowil 
(gramm.  3,  455),  die  lex  R^bar.  305  mothUa^  wie  es 
scheint  für  quercus ,  robur  (GrafT  2.  707] ,  altn.  ist  meiät 
(vielleicht  meydr?  wie  seidr  f*  ^ot40.  arbor^  Jlitth.  medis 
arbor^  lignum.  im  ersten  fall  wäre  es  landverderb,  welt- 
verheerung,  aber  ich  kenne  noch  weniger  ein  deutsches 
wort  für  land,  erde  was  Jenem  mud  oder  tim  gliche, 
man  ist  betagt^  darin  eine  altverdunkelte,  entstellte  form 
ZV  finden;  finaiscti  ist  maa  terra,  solum***). 

Surfr  (g6A,  Surtar)  ist  der  schwarzbraune,  von  der 
glut  gebrannte,  verwand!  mit  svartr  [niger]  und  doch  ver- 
schieden davon  f);  es  kommt  noch  sonst  als'  eigenname 
vor,  z.b.  forjiald:  sog.  2,  114.  Islend.  sög.l,  66.  88.  106. 
151,  20B^  merkwürdig  Surtr  enn  ht>Mj  das.  1^  212.     Man 


>♦  ■» I  >  '   ■ 


•         ••• 


*^  «o  lese  ksb  ikäi  vattMndit;  w€4l  «icft  wa««}  anders  niabt  (ffeti* 
ton  iSfsL  •    .  ..  1.   . 

**)  ahd.  LD.  s^  altn.  u..    Tgl.  wi(di>  kold  mit  Tillr,    gu|l;   ^arum 
aber  dann  nictfl  muspfldi  im  ahd.  Und  alts.  gedieht? 

***)  wer  diese  deutangen  rerwerfea,  tielleiebt  das  aus.  «nidspeUi 
für  nuthapelU,  oris  eloquicMi  oder  mitspeUi  mvtatioim  MHatioa  (wie 
ich  gramai.  2#  525  .t/orscblitg) :  pebmeu  •w^iUe,  hStt^  schon  gegen 
•ich,  dafa  der  baif«  dinier  weder  paodspelli  noch  mdispelli  setzt, 
nnd  ebenso  wenig, ^fin  alto.  muoospiall  oder  mutspiall  erscheint;  ond 
wie  liefse  sfch  danlit  der  alto.  begrif  ron  heimr  Tereiobarent  za 
gesehweigeo,  dafs  4eio  ehrisllfvlher  irnsdrnok  für  weitende  and  jfiag- 
Aes  gerieht  anf  solche  iKurstellungen  fahrt 

•  t)  Snrir  mddhto  aioh  aar  STari?  verhaken«  wie  ein  gpth.  na«e 
Sv^riiis  fum  adj,  svarts*  bei  Procop  de  b.  goth.  2,  j5.  4,  25  der 
herolische  eigenname  XQvuQTovuq ,  Svartfa?  in  der  ags.  genealogie 
Ton  fifeira  ein  Srearl*  ond  Srerting,  ifgl.  Beer.  2406  ond  hernach 
'sreart  raeo'. 


770  MISHftU 

wird  dbei"  8«eh  gesagt  haben  SmHy  getl.  Sorte;  we9  in 
beiden  edden  das  coin|K>sitttai  SuHalogi  begegaeti*  S«ro. 
äl^  Sn.  22.  76.  90.  Eine  gewisse  harsige ,  verk<Aile  erde 
heirst  im  Norden  noch  heute  Surtarbrandr  (Biörn  s.  y. 
F.  Magn.  lex.  730)  Surti  titio,  diese  benennung  verkttndigt, 
gleich  den  pflansennamen  nach  gdttern,  ein  hohles  wesen. 
vtticanische  felsenböhlen  in  bland  heiraen  Surktrhellir 
(F.  Magn.  a.  a.  o.  720)  und  landn&mab6k  8,  10  (isl.  sog,  1, 
151)  gedenkt  eines  Thönraldr,  der  zu  des  iötnnn  Surtr 
hole  ein  auf  ihn  gedichtetes  lied  brachte:  '|iA  f6r  hann 
npp  til  heUiiins  Surts^  oc  foerdi  {lar  drApu  ^^  er  hann 
hafdi  ort  um  tdAmiiifi  t  heUimni;  auch  Sn.  209i»  210« 
werden  Surtr  und  Startr  unter  den  riesennamen  aufge- 
führt, nirgends  in  beiden  edden  erscheint  Swir  als  eia 
gott,  er  tritt  gleich  andern  riesen  nur  «la  feind  und  be* 
fcttmpfer  der  götter  auf.  VöluspA  48  (Seem.  8«)  heifst  das 
feuer  Svrta  sefi  (Surti  amicus)  und  52  (Sa^m.  8>>)  steht : 

*Suttr  fer  sunnan  med  sviga  leifi, 
sktn  af  sverdi  s61  valttva , 

d.  i.  Surtus  tendit  ab  austro  cum  vimine  gigas,  splendet  e 
gladio  (ejus)  sei  deorum,  leifi  ist  deutlich  wieder  ein  rie- 
jsenname  (Sn.  209*),  valttva  kann  nur  gen.  pl.  sein  (vgl. 
Saem.  10«  52«)  und  zu  söl  gehören,  nicht  als  gen.  sg. 
von  valttvi  (was  nicht  vorkommt,  oben  s.  176)  %n  sverdi; 
was  svigi,  sonst  gedrehtes  band,  flechte?  hier  bedeute 
weifs  ich  nicht,  man  sollte  denken,  dafs  darunter  auch 
das  geschwungne  schwort  verstanden  sei ;  ausdrücklich  also 
wird  Surtr  riese,  nicht  gott  genannt.  Sn.  5  sagt:  sft  er 
Surtr  nefndr,  er  f>ar  sitr  A  landzenda  til  landvarnar,  hann 
hefir  loganda  sverd  (Surtus  vocatur,  qui  sedet  in  fine  re- 
gionis,  i.  e.  Miispellsheims ,  ad  ^m  tuendem,  ensemque 
gestat  ardentem). 

Beide  Verfasser,  des  Heliand  nint  des  ahd.  gedichts, 
Christen,  aber  noch  etwas  in  neidnische  poesie  eingeweiht, 
lassen  muspiUi  bei  Untergang  der  weit,  bei  annaherung  des 
jüngsten  gerichts  eintreten:  dann  wird  die  erde  «nd  alles, 
was  sie  enthält,  von  dem  feuer  verzehrt  Werden,  j^erade  so 
schildert  auch  die  edda  das  weltende:  Surtr  ei^hebt  sich 
samt  den  muspellssöhnen ,  überzieht  alle  götter  mit  Meg 
und  besiegt  sie,  die  ganze  weit  vergeht  von  seinen,  feuer. 
Sn.  5.  73.  Wann  er  mit  seinem  leoehienden  schwort  von 
Süden  herfährt,  wanken  die  felsen  der  berge,  die  riesinnen 
fliehen ,  die  menschen  gehen  den  todtenweg  ^  der .  himmel 
spaltet  sich.     Sem.  8>>;   die  Äsen  kämpfen  mit  Surtr.  und 


itICSnLLI  771 

seinem  beer  auf  einem  hobn^  namens  Oskopnir  (oben  s.  131), 
alle  erliegen  und  die  weit  gebt  unter. 

Den  Surtr  nennt  blofs  die  edda;  unsere  abd.  poesie 
scheint  aber  züge  von  ihm  in  die  kirchliche  vorsleMung 
vom  Aniichtisi  (abd.  A^tichristo)  zm  weben  {tk.  158),  die 
sich  ursprünglich  auf  das  eilfle  cap.  der  apocalypse  gründet 
und  hernach  in  jidisciiehristlicben  ideen  weiter  ausgebildet 
worden  ist.  dea  namen  haben  beide  briefe  des  Jabannes 
(L  2,  18.  4, '3.  II  7);  nicht  die  offisabarung,  in  welcher 
er  unter  dem  vielbäaptigen  ti^ier.  gemeint  wird,  au  seiner 
SEeit  sollen  swei  weissagende  s^eugen  vom  himmel  auf  die 
erde  gesandt,  aber  von  ihm  besiegt  und  getödtet  werdeUi 
auch  ihre  »amen  fehlen;  dafs  es  Eüas  und  Enoeh  sind) 
folgt  schon  aus  der  ihnen  beigelegten  OMcht,  den  regen 
SEU  verschliefsen,  ist  auch  von  den  kirchenvfttern  ausdrilck"- 
fich  anerkannt^,  unbeerdigt  liegen  ihre  leichen  in  der 
strafse:  nach  diesem  sieg  erreicht  die  gewalt  des  Antichrists 
ihren  gipfel,  er  steigt  endlich  auf  den  ölberg,  um  gen  him- 
mel zu  fahren,  da  erscheint  Michael  der  engel,  und  spaltet 
ihm  das  haupt*^. 

Unser  altbairischer  dichter  hatte  nun  durch  gelehrte 
mfinner  (weroHrehtwtsd)  künde  von  dieser  erzählung  ge* 
nommen,  es  schweben  ihm  aber  auch  noch  bilder  des 
heidnischen  Weltuntergangs  vor,  wenn  muspilH  herannaht, 
darum  hebt  er  die  flammen  heraus  und  lafst  von  dem 
zur  erde  triefenden  blute  des  todwunden  Elias  alle  berge 
enbtündet  werden;  in  keiner  einzigen  christlichen  tradilion 
begegnet  dieser  seng,  der  himmel  glüht  in  lohe  (suilizöl 
iougiü)  die  erde  brennt  (prinnit  mittilagart)  und  jenes:  'dar 
nl  mac  denne  m&k  andremo  helfan  vöra  domo  nm»piUe\ 
zwar  begründet  in  Marc.  13,  12.  Luc.  21,  16,  kling!  wie 
das  eddische 


*)  lastinns  marhrr  diat.  com  Tryph.  ed.  Sjlb.  p.  208;  Tertalliaa 
de  «nima  cap.  50.,  tle  resflrrect.  carn.  cap.  58;  HippoljptOB  im  loya^ 
nt^l  v^Q  avpuUiat  tm  »oo#iov  muI  nr^^  tov  mrtix^aw;  Dorotbeui 
ijrioa  de  vita  prophet  c«b.  18 )  Ambroaioa  in  apo«al.  cap.  U ;  Ausur 
»tin.  de  cir.  dei  20,  29;  Gregor,  ihago.  ia  moral.  15,  18.  maa  sehe 
auch  die  in  Hoffm.  fandgr.  2,  102  £  und  in  Kanslers  anl.  denkm. 
1,  486  angefahrte  literatnr.  aus  späterer  leit  sind  lu  Tgl.  N.  ps.58, 
7.  t3,  10$  Bnreard.  wormat.  20,  93  — 97;  Olto  finsing.  8,  1—8; 
discip.  de  tempore  im  aeraio  40. 

**)  berioht«  dee  42^  13  jh.  tob  Antichrist  findet  man  im  horlda 
deliciaram  der  Herral  von  Landaberg  (bei  Engeibard  p.  48) ;  im  eed. 
vind.  653,  12UI22r ^fandgr.  1,  105.  106.  2,  106-^184;  Martina 
191  ff. ;    Watkenufg.  basi>  baai  22»  r  ▼gi*  «n^'h  einl.  iu  Fr^idank  iüxi. 

LXXII.  .         ' 

49* 


TT2  IIUBPILLI 

broßdr  mano  berj^iz  ok  at  Mnom  irerda^ 
muno  systrüngar  mifjum  spilla  ^ 
man  ecki  madr  Mruni  {»yrtna.  Sem.  7^  8^ 
es  keilst  'mAno  MW,  Iriedort:  n(ä  teio*  «orUia,  kT«ria 
af  hinmi  heidar  stMraiar.  tauch  Sa.  71 :  l^t  drkpac  broBdr 
fyrir  Agimi  «ahar*^  a«  eivgi  byrniir  födr  eda  sjmi  t  maiin* 
drApttm  oe  'bi^mKU*).  Noon  ein  niiid.  4khier  d»  12  jh. 
(fffiNlgr.  194):  sA  iai  danne  niht  Criuwe  diu4lx)we*der  dinwB, 
nodi  der  man  dem  wtlie:  ai  lebent  alle  mit  titde:  ib6  haz^ 
zel  ider  Täter  den  ?sun  n.  s.  w.  Welobes  heidaisöhe  Wesen 
den  Baie^  and  den  Aiawaimen  iittikfkri9io  vertrat,  «öchte 
man  bissen,  dem  nord.  '8tk*tr  mvfii  es  itthnlich  gewesen 
0eiR.  Antichrislo  er^dieint  als  teirfUseher  hcoehler,  Sortr 
wird  als  Widersacher  der  Äsen ,  als  ein  rieae  geschildert, 
desaen  (euer  <fie  weit  verzehrt,  iaile  tnuspellssynir  bilden 
leuchtende  heerschaaren^  sie  qftnd  Surtr  bewirken  durek 
ihren  kämpf  eine  höhere  weltordnung^  währeaid  der  Anti- 
christ nur  vorjAergeheiid  siegt  uwi  «ületztron  einer  mädi- 
tigeren  g ewaH  gestttrist  wild. 

Was  der  ganzen  vergleichung  neue  sttrke  verleiht  ist 
dies.  157-^159  erörterte,  ans  andern  gründen  gewisse, 
verwandTsobeft  zwischen  lOoniir  tnnd  f/tna.  dem  achten  jk 
konnte  Elias  noch  ül^er  den  j#d1scli«n  yrophet  hinaus  als 
götlüeher  held,  nla  gottheii  erscheinen.  In  iter  «dda  kfim* 
pfen  laHe  Äsen,  Odtun,  Tk^rry  »Frayr  und  -»Tfr^  mit 
Tereinten  krttflen^  wider  die  llamfMenisöhnb  ottid  ideiien  verv 
bündete,  ziehen,  aber  glemh  Ettais  und  Enoch  iien  itörtzcirn) 
Elias  hat  einleuchtaMe  ahniichkeit  mit  Thor  (öder  Donar.) 
Michael  mit  dem  besieger  de»  G^rn^r  eder  Fenrisülfr,  idi 
behauple  nichts  dafe  audk  Gnoch  «eiinem  laestinMnIen  beid^ 
fiischen  göit  ter^teichbar  Isäi,  es  wtiit  mögUehi  .  Sdrtr  mit 
dem  leuchtenden  schwert  kann  an  den  enget  igentahneil», 
der  des  paradises  hütet,  ündet  aber  auch  in  der  sage  von 
Elias  und  Euoch  sejn  gegenstüpk,,  wenigstens  Jäfst.die  le- 
gend^ van  Br^pdan  (bei  Bruns  s.  187)  »neben  diesen  bei- 
den einen  enge]  mii  feurigem  9chtcerie  stebn**).  Eine 
ags.,  von  Wheloc  zu  fieda  p: 49S  aesgeabgfne  'homllie  de 


'        .  .  .         .  • 

*)  kt'men  sCfirkeMi  gmad  kienn«  ich  für  die.aaoahttie,  dafs^  Vö- 
luspA  aaf  uosre  heilige  schrift  zuräckwcMe,  «Isidas '•QMaimtoatr^ffea 
diefloi  eddiAchen  Mi^  .aril  4eiB  biUischea;  itena  «dM.iäbriee  nicht 
tbwiehe!    . 

*'^  die  «nl.  gedickte  bei  Bkanmaert  U^IOS«  2. 10*1  gßbe»  UoDi 
einen  *4iut  man*  »Utt  Eooch^  erwiknaa  aber  den  «herabip.  <aied 
efien  noerde  vierin\ 


i      ■ 


lenporibiis  Avitdtfisfi  (obM  s.  147)  enlhaJt  aaerkwftrdige 
tofiieraiigfin.  der  tlkeriiitige  AmtemfißP^  heirsl  «s  darm, 
streiM  nicht  nir  widec  goU  und  golles  fcnecMe,  er.  #t0tlt 
siob  aimh  köller'  ab  alle  Mdniachen  g&ltor:  %0  Aiiefd  h^ 
ailfne  ofbr  ealle  |iA  ^e  bao^e  i^n  CYiedpt  I>ttt  godaa 
beon  aeeold«»,  ob  h«^ne  Tians;  svyla  s^rA  YH^E^enlm 
aa  enly  twi  4il|MUmit>  |e  hi  ^aNsrne  god  I6loii^  Z)Mr  ete 
and  Eo?d^,  f»e  h«^ne  qma  heriadt  S¥i4e.  ofer  eaUe  ^ 
he  hine  »me  up  fthefd,  forda«  ^  l»t,  ^ö^  ia  litna  af  alr«»* 
^m  ^MM  AI  ealle*  Wozu  aagi  daa  allea  d«r  pr^diger  ? 
hmite  «ttoh  in  aichaisohctii  lieder«  iian  di^  anbinfl  das  An^ 
tichrists  mit  beidttische»  überiiefetwigea  wsftmitieiig^altaa, 
imd  'seinw,  wie  deaSwlr,  aleg  ibar  Voien  und  Thmor 
amlrkaiuit?  cBe  una&ehaiaohei»  foraMn  BQvde«  .und  DbAr 
dflrten.Mf  dftaiscben,  nefdiacben  finSura.  Ejyae .  ent^ohei- 
deade  beaiehniig  genaikii .  aber  der  ags.  Saloaoon  und.Salurn, 
in  dem  grolaen  baanpf  swisoben  gett  iuhI  dam  Antichri^t^ 
beifst  e§y  Jafa  der  £iNiiMr  noSl  einer  feuriffßß  üsa  losschlage 
(dresobe):  ^ae  7%tifiar  bil  j^ryaoed  mid  f>«re  fjretMn  ÜQm\ 
dabei  wird  uaTerka«^ar  Thöra  Miölnir»  die  lorridfi  obaiy^hs 
(s.  164)  veHtaMlen,  und.  der  ausammenflttla* keidaisob^  vorr 
steUnngei^  mU.  d^nqn  v^fGi  Anticbj|^iat  keinei^;  zw^i^){  «nter- 
liegcsn. 

.Wer  g^q^t  i^%  die  eig^nthömlichkeiti  un^^rer ,  vorzeit 
insgQip0|n  auf  rOijniseba  und  .^rist^hß  üU^rUeferung  zwück- 
zufäNe^D  k^mtß  den  ankif^Ug  beider  Schilderung^«  des 
weltuotf^'gHngs  leicht  zu  de^  behaupUuig  niisbr^uph^H,  selti^it 
die  eddisdi^  lebff^  ^m  eri^t  aus  jenen  tr^diUonen  fron  dem 
Antichrist  hervorgegangen,  das  würde  ich  für  ganz  ver- 
kehrt halten,  die  nordische  erzäblung  ist  einfach,  und  im 
Zusammenhang  mit  dem  übrigen  inhait  der  edda;  der  my- 
tbus  vom  Antichrist  verworren,  ja  künstiMi  in  einander 
gefugt,  beide  hauptgestalten,  Surtr  und  der  Antichrist  hsfben 
vOlHg  abweichenden  cbarapter.  wie  hstte  man  hn  Norden 
eine  men^e  bedeutsamer  net^envörstelTungen ,  gerade  die 
von  mvspell,  hinzuerdacbt.,  wie  ^ia  hochdeutscher  nach  zeit 
und  ort .  wiederum.  unid[ihängiger  diehler  eben  sie  anschlagen 
lassen?  ^ 

Was  die  ^dda  von  Surtr  und  seinem  kämpf'  mit  den 
Äsen  meMet  ist  scfalufs  einer  ausführlicheren  Vorstellung 
von  dem  ende  der  \9(elt*)i  decu»^  eintritt  aldqr  röJ;  (Sa^m. 


■»>!  I  ■«  >  >*■■ 


*)  es  i^t  beachlenswertb ,  daXs  Weissagerinnen^  es  Terküodeo : 
Vala.t  Mtn^^f  und  «och  8|^«ter  meldet^  jiiQta  (p.  85)  coosumma- 
üoBift  Mcoli  dieok 


774  WEI/PUNVIAGANG 

86«  didkr  tag,  aUar'röf  <Smi:  37>»  IM^)^)  0iiwU«|iKoli 
aber  ragna  rök  (Smta.  7«  38^  96^  166^)  oder  tti^iia  ri$*r 
(Smij65>  Sn.  30.  36.  70.  8a  165)  htm^  d.  ii  dllime^ 
Hing,  Terflnsterong  der  seit  und  lier  waikeiidöii'' gitter 
(ob^n  s.  24).  rök  oier  rökr  heHemtki  dankelheit,  f^i 
rökra  Smm.  113«  in  gesteigertem  eiisdrQok  die  gröfete  fin- 
gier nis;  BiOrn  erltUrt '  nifeftt^  (oentr.)  crepüeeslum  und 
röckvä  veeperascere.  nahe  liegt  das  goth.'  tiqif  akc^öftj 
riqifseii^  öhot€iv6c,  riqisjan  onetl^io^ut,,  doch  ist  hier 
ableitendes  -^is  zngetreten,  nnd  auch  der  wurzelv#o«l.  ant«- 
ferht  sich  ven  dem  nord.  ö,  das  umgelaatetes  a  aci«  mur«, 
eo  dafs  rök  3=  raku  wäre,  dies  wird  durch  das  jütische 
rag  nebula^  noch  mehr  das  ag««  raou  bestätigt:  ^f>önne 
weart  racm  stigan  onginned' •  CsEidiiiw  81,  34  ist  na  tiber-^ 
setzen:  cum  atra  caligo  surgere^  incipit.  röhsiStar  (S«tti. 
P  vgl.  oben  s.  125)  sind  die  nebelstttle,  worauf  die  göt-^ 
ter  in  den  wölken  sitzen,  zu  diesem  rök ,  ratu  nehme  ich 
den  s.  714  beigebrachten  nhd.  amdruak  'die  inslere  ra^ 
gende  nacht',  der  sich  kaum  ^us  ragen  {stM-fen,  rigere) 
deuten  Ififst**).  ragnarök  ist  also  gölteritaeht,  wdohe  über 
alle,  auch  die  höchsten  wesen  (s.  283)  herannaht 

Alsdann  brechen  die  bis  dahin  in  bann  und  zwang 
gehaltnen  bösen  wesen  los  und  streiten  wider  die  götter: 
ein  wolf  verschlingt  die  sonne,  ein  andrer  den  round 
(s.  668),  die  sterne  fallen  vom  himmel,  die  erde  bebt,  die 
ungeheure  weltschlange,  iörmungandr,  ergrifiPen  von  riesen- 
wut  (iötunmödr  s.  496)  hebt  sich  aus  dem  gewisser  ans 
land,    Fenrisfilfr  wird  lös  (s.  224],    Naglfar  flott,    ein  aus 


*)  r0f,  roptnra,  wie  man  sagt  regm  nuftn,  dii  rnrofHotur,    die 
,welt  Tergeht. 

'**)  pers.  soll  räche  yapor  bedeuteq,  darf  daa  sanakr.  radschanl 
(nox)  vergliche a  werden?  auch  an  das  bIbt.  roh  tempus,  annos,  ter- 
minus,  fatum,  lillh.  rakus  wfire  zu  denken,  dessen  abstracte  beden- 
tung  aus  einer  filteren  sinnlichen  entsprangen  sein  könn(e  und  ganz 
an  die  s.  750.  entwickelten  begriffe  von  zeit  und  weit  sich  ansohliefst 
mit  rauch  (fumus)  altn.  reykr  kann  weder  rÖk,  rökr  noch  riqla  Ter* 
wandt  sein,  ungenau  ist  es,  wenn  danisphe  Schriftsteller  sich  der 
form  ragnarök  bedienen,  da  altn.  rök  in  ihrem  dialect  rag  (wie  sok 
sae)  zu  lauten  hätte;  ahd.  würde  ragnarök  auszudrücken  sein  reglno- 
ranha  oder  rah ,  rabhu ,  je  nachdem  es  fem.  oder  neutr.  w,fire.  der 
scbwcd.  und  dfin.  spräche  ist  zwar  der  ausdruck  ragnarök  erloschen, 
doch  besitzen  beide  einen  andern  für  crepusculum,  schwed.  thysmor^ 
kevt  dfin.  tusmörke,  der  sich  yielleicht  aus  ^uss,  ^ürs  erklfirt  und  ein 
altn. /ttfiiitj^Ar  riesendfimmerung  vermutöii '  tfifsl ,  was  zu  der  rie- 
sennatur  der  Surtr  stimmen  würde. 


.1  <i 


den  Hügeln  toUter  nawohen  geferügles'  sibif^.  LoH 
fihrl  die  MttiUiarseii  md  das  gefolge  iter  Bei  ( Heljär 
siHMir)  herbei/  die  ganse  hMiiscbe  und-  wölisciie  sipp^ 
idkiA  hat  eiek  Teratmiikeit  Aber  grörsle  geiahr  nahl 
dea  gMtem  aus  jener  flammemfreil:  Sortr  and  sein  lench^ 
leadeS'  beer  reitet  über  Bifröst,  den  regenbegen  (s.  694), 
mit  Steher  naehl  heran ,  dafs  er  sEueanmienbricIit  Die 
einnelnen  kfimpfe  sind  so  verlhcfll:  Odinn  gegen  Fenris^ 
ftUr,  TbArf  gegen  lörmungandr,  Freyr  g^gen  Surtr,  T^ 
gegen-  Gannr  **) ,  Beimdall  gegen  Loki ; '  überall  unterlegen 
die  alten  götter,  obgleich  auch  Garmr  und  Loki  fallen^ 
PenrisAlfr  dnrch  YMar  getödtet  wird^**):  DaTs  Leu  und 
srai  gescUecht  den  flaamiensdbneii  verbttndet  aünriUy  folgt 
ans  seiner  eignen  natur,  er  selbst  ist  ein  gett  des  feners 
(s.  221).  Nach  dem  weMrand^  dem  SlttteUogij  erhebt 
sidi  ein»  neue,  seiigere  erde  aus  dem  meer,  mit  rerjüng« 
ten  gMtern^  die  wiederum  Aetir  heifsen.  Smn.  10.  Ein 
schlurs,  der  unbestreitbare  Ähnlichkeit  hat  mit  dem  jüi^gsM$ 
geriehif)  vad  dem  neuen  Jerusalem  di^  Christen«  str.  65 
der  VölnspA,  die  das  reglndAmt  ausdrücklich  erwfihnt,  bat 
man,  weil  sie  in  einigfen  hss.  mangelt,  für  eingescheben 
erklirl)  die  Interpolation  kann  aber  nicht  nach  deni  U^fsen 
inhah  erm^sen,  sie  mOste  auch  dureb  formelle  gründe  M*- 
urostöfslich  erwiesen  werden,  selbst  wenn  sie  statt  fand, 
wird  daant  nicht  das  heidenihum  des  mythus  noch  das 
riter  der  dichlang  überhaupt  verdächtigt.     Denn  wie  unter 


'; 


*)  dadurch  soll  die  ungeheure  ferne  und  das  langsame  xusland- 
kommen  dea  weitendes  ausgedruckt  sein:  bis  ein  solches  schif  atfs 
schmalen  nigelsclmitien  der  leichea  lusamroeogeseUt  wird,  Terslreicht 
lange  lange  leit,  und  sie  leidet  noch  durch  die  warnende  rorschrifl 
aofschab,  alen  iMken  die  nlgel  Tor  der  beatattong  oder  Ttonbrennung 
IQ  aohnc^n.  Ahnlich  ist  die  rorstellung  dea  bergs  der  ewigkeil, 
dem  alle  hundert  jähre  ein  rogel  nur  ein  sandkom  sntrigt. 

**)  .€kamiry  der  gröfate,  ungeheuerste  aller  hmnde  (Sttm.  46*),  ohne 
zweifele  wie  KigßtQQ^t  nar  rerwandelter  riese,  aoheint  igKeich  diesem 
ia  der  vntörwek  einheimisch;  als  Odinn. nach  Niflhel  fahrt,.  «miBUi 
hann  hTelpi  ^eim  er  or  heljo  koro*  (S»m.  94*).  er  liegt  gifbundeü 
und  bellt  *for  OnfpakMr^  (Sttm,  7«  8*).  der  höllenhuad. christlicher 
sage  steht  den  nord.  wolfe  nlher  (s^  folg;  anm.)«  -        i 

'*")  Vtdars  aieg  über  den  wfdf,  ia  d^ssei  rächen  er  mit  enMa 
mythiach  geschuhten  fufs  tritt  (Sn.  73),  gleicht  der  schild^ttag 
cbriatl.  traditionen  von   bekimpfnng   des  höUenkundiy    tgl.  fundgr.  1, 

178.  179. 

f )  ahd.  €mHki§p,  mmioUte,  monota^^  hiaa^^atf,  t  lnatNlgc, 
§ma$ag9  (goth.  atiuadags?);  mhd.  endetmc^  wümeUto,  9u0mlae;  aHs. 
tke  Uiäo  dmg^  ddmdag,  ddaieid^*  ags.  d6mAä^,  engl  dovmaiäy^  altn. 
ddmidagr. 


t.        M>    .    »       t 


ffühbekebrtett  sttam«  derMheUaisehe  gkitibe  nicht  auf 
eineii  schlag  rertilgt  Würde  %  körnen  aaeii  eiaaelae«  chrUi^ 
4iohe  lehren  schon  au  Völkern  ve^godrusgen  sein,  die  nach 
Heiden  bUeben;  umgekehrt  kafiMeO'  einzielne  heidotiaöhe 
vdrstellatigsweiaen  twti  unter  den  Christen,  mani «nvigcs 
wie  der  diehlcr  des  Hei.  s.  131.  132.  133  das  mhem  des 
jüngsten  tags  awar  nach  den  evangeliM  JtchiM^ty  aber 
dabei  die  ausdrücke  gebaaes  ström  und  mudat)eUi  ^nler^ 
mengt«  aelbsi  die  pers<»nification  des  jüngslen  tagea  ('verit 
jtuatago  in  laut',  wie  'muapiUi  kaniit')  hat  heidwacben  bei- 
achmack.. 

Em  mögen  noch  andere  überUefeniiigfian  vm  dam  wielt«^ 
KuMtrgatg  bestandet  kahe»^  die  «na  lin-  ihreai  Maamnaen- 
Jiang  nicht  erhalten  worden  sind,  dahkie  afthlei  ich  die 
»*  400  ang eföhdrte  volkssage  va»  dem  riiig,  de»,  ein  sebwaa 
aus  seinem  muAde  faUcln  Täfst,  was  ganz  allefftbümUch  ge- 
mahnt und  ¥ielleiebt  ati  die  vorstdhing  von  dem  weltring 
iß.  764)  rührt.  :  ^ 

.  Dem  Untergang  der  well  dureh  f€uery  wdehen  ficüden 
jund  Christen**)  als  zukünftig  erwarten,  etfigegöi^  atekt  der 
iduneh .  wa$$er ,  den  die  geschicfaite  beider  als  aar j^aa^^ 
achüdert.  Gleich  dQr  sinflul  (s.  541~6i47)  soll  auok  da* 
weltbrand  nicht  für  immer  aerstören^  sanideni  reinigen  und 
eine  neue,  bessere  wellordnung  naok  sieh  aiehen. 

Die  kirchlicbe  Überlieferung  des  miltelaUers  (aaf  gmud»- 
läge  von  Mattfi.  24.  Marc.  13.  Lac.  21)  aimoit  funfieelm 
zeichen  an,  die  den  jüngsten  tag  ankünden  sollen  ***) ;  un- 
ter ihnen  mangelt  der  ungeheure  winter,  fimbfth^tr,  jenes 
windalter  s.  75ß^  das  nach  beiden  edden  (SsenL  36^  Sn.  71) 


*)  ia  Leydeas  eomptaiat  p.  98  wird  \gerade  ejpie  ftilal  iaa  daai 
itolf  find  dem  wfditnde,  Hbe  tajl  of  thd  ToUe  el  thc  varldib  end' 
geDaont,  die  noch  zer  zeit  des  15  jh.  td  ScheMkmd  aad  «nderwirls 
(ehen  b.  224)  amgieDg.  Icsenftwerth  ist  eine  freie  islfind.  bearbeituog 
des  vaticinflom  lleHini,  die  gegen  schlnfs  dee  12  jh.  Terfafst  sein  aoll 
und  worin  alln.  Torstellungen -Toni  weitende  leinfliefsen  (F.  Magn.  lex. 
«5a  659). 

**)  II  Peiri  3,  12;  T|^  Freidank  179,  4. 

***)  Thomas  Aquinas  (f  1274)  in  librnm  4  seiitentiar.  Pofri  Lmnb. 

dist.  48.     qn.  1.    art  4  (ThoBMe  opp.  Venei.  13,  442).     Aaegab6k 

(Riehth.  130.  131).    Hanpts  zeitschr.  3,  523.    Hofibw  fondgr.  1/  HM». 

197.  Amgb.  39.  Wackemagel  bas.  fass»  22ii.  Mafsm.' denkm*  6.  Berceo 

(f  1268)  de  los  signos  que  «psrecerAo   ante  del  juicio,   id  Sanck^z 

•  edleeeion  2,  273«    Thoma»,  Asegab^k  und  Bereeo  beEiebeft  si^  auf 

HieroDymus,   in  dessen  werken  eine  solche  znsaramenstellwig  der 

fünfzehn  zeioban  nirgends  vorkommt.     Rel.  289.>  290  «nd  Karl  66* 

bei  Rolands  tod  ähnliche  zeichen. 


.*  ' 


.  BRraBBBN  Tf  T 

d0iD>f«gMr(dur  .««nuttg^lit  imd  siolier  •cMralMlie  T«rsi«l- 
Iwgr  ist*!;  dafür  frerden  verfimttnmg  der  9&nne,  deä 
mmdes  (g.  224.  225)  und  trdbebm  ««ifemalt,  das  anch 
¥or  der  götter  dinrateHing  arMgt<:  ^gvioIhbMrg  gnaitBy  hi- 
aiina  kkrfnar^  911^  attr  Moiiheiiiir'  (Ssaii.  8^)^  der  sonal 
gewöiinliohe  aitn.  attadmek  lal  ImMHäifH  (Sn.  50)  «nd 
<iörd  $kälß\  'iMdil  skilf,  warn  ft  ^edi  Mki'  foniaH.  aftg. 
1,  424.  50ä**).  ülfilti  gibt  «#0/10^  dorob  das  fem. 
rmr4y  er  adgt  'afrp«  reirAida^  alt&  ^ertba  Medifo'  Hei. 
1«8,  23,  ahd;  <erda  bibmöia'  Ol  IY.  34,  1;  im  subal. 
beibt  es  erdpipft,  ardbibanga,  erdgimamessi.  Reinardus 
1,  780  wird  ivsammengestelk:  'nee  Inaaier  est  Urraä, 
jMmmßB  dief*;  und  ib  aerbibcbe»  Kedem:  4H  grmi,  il  se 
um^itrewe^?  doMieria  cnler  bebt  die  erde?  (Vi*  2,  1. 
2,105);  Doch  ist  iaafibeben,  wie  siiAit,  öfter  iris  ein  ver- 
gtagnes  ereignis  >dargesteyiv  dem  manigfalte  arsacheii  ttn«^ 
tergeleg<  wenlen;  <  <fie  griecb.  fabel  leitel  es  her  vor  ein- 
gescUafsMB  eyclopen  <Nier  titaMn  (Ovid.  mel.  12,  521), 
die  nMHeobe  aoa  deBWckangeii  des  gefesselten  Loki,  wenn 
gilltropfen  anf  sein  antfila  niederfallen  (Sam.  6a  Sn.  7a) 
oder  aaaFAfnira  gang  anm  wasaer  (fornaM.  sdg.  I^  159. 160). 
Aach  \m  dem  t^  einsefeier  beiden  bebt  die  erd^  z.  b.Hei- 
nirs  (fornald.  sdg.  1,  232)  odelr  des  riesen  (Vilk.  saga  eap. 
176).=  bei  Rolands :lod  drfolgt  blitz,  dDanar  and  erdbeben 
(Roi:  240,  22);  Den  Indern  entsteht  erdbeben,  wem  einer 
der  acht  elefanlB%  die  den  erdball  tragen,  seiner  last  mflde, 
äamai  daa  banpt  schfittdt  ^^^).  Die  Jspaner  sagen ,  wenn 
die  erde  bebt:  'es  isl  wieder  ein  wallfiseh  ttnter  anserm 
iMide  fortgekrochen '.f  die  Otiheiter:  'gott  SfdMttelt  die 
erde'f),  die-Lcftlen:  ^Drebknhr  schldgl  dib  erde,  dafs  sie 
attert',  gerade  wie  die  Griechen  ihren  Poseidon  '^¥o^l- 
TMog^  'Epffoöl&äc  nennen» 

Den  biBMnet  dachten  sich  unsere  ahnen  nicbt  Uofs  als 
die  decke  der  erde  (s.  661),  sondern  auch  als  ein  himmel«* 
reich,  als  dea  götter  lind  der  von  ihnen  anfg^nommnen 
seligen  menacheU  wöhnung.  in  ihn  iührt  die  brflcke  des 
bogena  (a.  684)  nnd  die  milchBtrafse  (s.  330). 


*)  m«oerw8ge:  *S«iii.  119*^ad«o  koma  sniofar  ok  snarir  pifuUir' 
wd  die  peetisehen  tfD&ilderoitgeB  des  itimiers  bei  agt.  diehtern:  Andr. 
12S6--6a.  Beer.  2M6. 

*)  «!öod  öl!  «ifcai/V  So.  66;   *fo!d  f6r.  skidlfandi'.  Sm  14ä 

']  Schlegels  ipd»  bibl.  heft  2.    ,   . 

t)  Zimmermanos  tascheab.  f.  reiaen.  iahrg».  9»  «btb,  2«  Adelungs 
MiUirid.  t,  634.  .         .J 


n 
»<*^ 


A  •  •  1 1     ■  .        .'        1 1  •        l ' 


27e  WIIAOtTFIlICUuNe 


firtthbekehrlM  sttam«    ier  w  hbUmuhe-  giitt^  t^^ 

-eineni  scUag  Tertilgt  wurde*),  ktanen  ««ft»/ /  Wä%^^"^xX 

4ic)ie  lekreii  schoD  au  Völkern  vBiPfseirfsmtt/i  I  u^kv^V  ]^^w 

Heiden    bUebed;    ain(i:ekehrt    kftiSMcft  f //  ^  >BÄV.v.>  ^^3^ 
vdrstellungsweisen  fort  unter  den  C\x9r\ 


mengt«     reibet  die  ifev^xi\SßB^//ff/^ 
ditttAtego  in  last',  wie  ^mus^/l^^ffi 


wie  der  diehler  des  Bei.  s.  131.  195///  ^n'^Va  ^ 

jüngsten  tags  nwar  nach   den  &f/rgjf  ^  ^Aer    ^^ 

4abei  di».  ansdrücke^  g^UBS*  st^^////  ^ine 

E»  mOgeti  noch  awkr^Vj^^^  ^^  ^^^öün«.^*' 

RMtrgMg  bestände«  ka//,^/  ^^.  148*^),  haben\-fc 

Jinng  nicht .  erhatten   /y/  ^.fl«  der  weit  im  y^ju  '""i 

».  400  ang eTöiwte  ye/^  ^  (die  vÄjmbiloir,  Yngl.  can  im 

ms  seinem  niUÄ«ie/  ^^  yndern  an,  sie  heifsen  ö^iiL^ 

mahnt  und  laelle;         ^(e,   adoptierte«)  und  zugleich  »^ 
^.  764)  rührt./        ^^\     Ihr  afn derer  name  ist  eWke^ar   d  i 

Dem  iijH        /j^  odinn  selbst  Hetym  und  Be/yafö^  J^ 
jHnd  Christe-    ^^/^  ^^  den  künpfenden  held  bedeutet  (e,  3i7\ 

"^T^A  T'y^e'^^''f    ^«f^    «^»»*  ^»"^^^  etnAm  k^ifat  (S«m. 


«chiUer»>^^  ij^     «itgenofs  von  Valhö».     da   sick  nocH    das 

weitbr  /fiKf^'^L 
-.:«-,     /'/>.  Pf- 

//^  ^i^chen   terminus ,    obgleich  nickt  sicher ,    weil  die 


'• >y  ^!i  P^-  J^**^   findet  (z.  b.  Meicbelbeck  no.  241. 

®"*ö     5.  iJSiast  137),  so  folge^'e  ich  früheres  Vorhandensein 


^^  iV0  Sginkeri,    Aganheri,    wie  Einhart  aus  Bginharl^ 

fif^kgtl  aus  Reginkart  entsprungen  sein   ktaüte«     ValköU 

^^^  Schilden  gedeckt  (Sn.  2)  und  zählt  540  Auren,  deren 

j^Lßbe  anf  einmal  800  einkerien  durcbgang  gestallet ;  mtt^ 

mh  darin. st^  Ijera^,  LcBtäit  ein  mäokti^er  baunli,  von 

Aessß^  laub  die  ziege  Heidrün   abbricbt.  *    aus   der   siege 

eut^r  (wie  aus  Amaltheas  hörn  nektar)  iieTsi  täglick  ein  g^ 

g^s  "^^  Me\h,  der  alle  einherien  genugsam  nährt.  Eil^^- 

fiir  der  kirsch  beifst  von  des  baumes  ästen,  aus  des  birsckes 

(lörnern  trieft  unanfhörlioh  wasser  hinab  in  Hvergelmir  und 

bildet  die  strOme  der  unterweit  (s.  525  vgl.  528). 

Diesen  selige  aofentkalt  ersehnten  sick  alle  tapferen 
männer   nach  ihrem  tod;  einem    übelthäter,   einem   feigen 


*)  Termutlich  gehört  auch  VakukUUfy  der  silbergedeckte  saal» 
in  diese  reihe  (Ssm.  41«  Sd.  21),  womit  man  HUMidif  (s.  124) 
▼ergleiche»  ßkiälf  drückt  die,  zitlerode  bewe^ung  der  luftstitte  aus, 
wie  bif  in  Bifröst  das  ahd.  walaeht  des  dwigm  libes  Is.  73,  4  scheiDl 
nicht  blofs  possessio  Tilae  aeternae,  sondern  ein  absichllich  gewihl>- 
ter  veiiiärkler  aasdknek.'  • . . '  >  ,     < 

'*}  got  seUet  81  in  sine  ick6s.    La.  3,  92.  ^^  *    '    ^' 


X 


MKIDIS  «7f 

^^cblossen  *):    ^mn   sA'ia^dr  bniat  rekinn  ar 
|»ftr   aldrei  xkona*.     Nisiss.   oap.  89.     Einen 
^  und  leheA  bektepfe»  beifirt  ilui  nach  Wal- 
^«  til  Valhallar]  fornaM^r  aög.  1/424;  sagen 
^hildern  den  eiq^faftg.  seHger   beiden   in 
dort  anlaagl,   bielet  ihm  Odinn  an  mit 
\  166^))  bdEyrlks  aikmift  Ififst  Odinn 
heeher  berefitad  vmi  «rein  auftragen 
7),  Sigmund  und  Sinfiötli  werden 
'era  aagabibi  2^  37S).     berühmt 
'^M  enplaag  in  Valhöll  gedieh- 
.dChe  königiball«,' worin  y  wie  in 
neiden    SQchen,    fttbrt  den   gleichen 
,  .<eipi.  244«  246«  bei  Aüi).     anfenthalt  und 
„Otter  und  menschen  spiegeln  sieb  notbwendig 
^oer  ab  (vgl  s.  312.  366). 
Die  indische  mythologie  keni^t  einen  himmel  der  hel^ 
dem,    die  griechische  weist  ihnen  ein  elysijDm  im  ifeligen 
irestende,  auf  inseln  des  okeanos  an;  man  darf  mit  voller 
Sicherheit  behaupten , .  dafs   der  glaube  an  Walhalla   nicht 
bloFs  unserm  Norden  eigen  war,  er  mufs  alleii  deutschen 
Yölkepi  gemein  ,  gewesen  «ein.     einß  vita  Idae   (bei  Pertz 
2y  571)  bedient  siph  des   ausdrucks   'coelorum  palatinae 
gedes^  es  wird.  ,c^n,liof>  eine   hofhaltung  gleich  der  könig- 
lichen pfatz  vorausgesetzt,  wo  die  seligen  wQhjien»     noch 
bedentsaiper  b^ifst    dem    ags.    dichter    der    himmel    eine 
Mchü^burg,    wie    Valh&Il    mit    goldschild^n    gedeckt    war 
(s.  662).     in    der    vita  Wulframi  wird  dem  Friesenkönig 
Radbot   ein  goldglämende^  iau9  geiwiesen,   das  ihm  nach 
dem   tpde  bereitet  sei  (D.  S.  no  447),  etwa  wie  es  Ms.  2, 
229^  gesehilden  ist: 

m  Jkimeirtcb  ein  hüs  stftt, 
ein  guldtn  wec  darin  gAt, 
die  siule  die  sint  mermeltn, 
die  zieret  unser  trehttn 
mit  edelem  gesteine. 
Bin  gediohV  des  13  jh.    (die  Warnung  2706  —  2798) 
spricht  es  aus,   dafs  das  hitnmelreich  nur  von  den  beiden, 
die    gekämpft  haben   ntid    'nAch   urtluges  "not'  narben  an 
sich  tragen,  nicht  von  einem  unnützen  spielmann  erworben 
werde: 


*)  ein  gl«ich  nachher  angeführtes  gedieht  des  t2  jti.  hat  schoa 
onrerkenn baren  beiog  auf  däb  'la^iriih^n  Tom  ipielnkmn'  oder  spiel- 
kan$^  defkus  dbMr  bijilmel'«b|ewieieif  hirlrd,  yfeW  «r  ein'  schtecirtes 
leben  gelebt  und  keiacftiiWeii  ^rerriektet  bat'   "i' '  *''    *  '>     '    ••  >i' 


fW  PMRMMS 

die  herhea  Ytomeseen 
ZQ  gentaohc  sint  gesözzeB' 
:    Bin  »ttowtenl  MiMcr  «ftre 
nach  Yerenilelein  sAre, 
ventperret  im  ir  burcter, 
!  beUbfan  «ittefeeii  dA  Tor 
die  den  gtrtt  niirf  effF&btett 
unt  dcf  fiUäite  gedMileii;  ^  ' 

^wA  86*  >  beide  srio  beltben '. 
ir  harr eiir  it  müezel  vehted, 
Wdt  ir  «M  fuote»  biehtMi 
den  eelbta  ginach  mesen.  ^ 

Aber  anzeHi^nnliöh  Von  der  hetdhi^be»  Vorstellung 
wird  es  auch'  gewesi^n  sein,  dafs  in  WMhalier*  der  bedhe^ 
Icreise  nnd  das  fröhliche  tririkgdag  der  holden  ewig  w  Are  *). 
Hierfür  lassen  sich  noch  einige  andere  benennMgei!  gcfl^ 
tend  machen.  Gfaisheitnr  heifst  nach  Ssnfi.  41*  die  statte, 
Üuf  welcher  Yathöll  erbant  ist,  in  Glaäd^m  findet  sich 
ativaters  hodrsitaK  (Sn.  14);  eitt  andres  daneben  deti  gOtttn- 
nen  errichtetes  haus  ftthrt  den  namen  VingAtf"^  er  scheint 
aber  auch  glefchbed^utfg  mit  Tcilhöll  gebrauch!  m  werden, 
ein  dichfter  singf:  'vffdac  gladl-  t  VingAlf  Pjl^  ok  med 
einherjun  01  drecka'.  dies  VingAff  druckt  aus  amica  auta 
und  gerade  nennen  die  ags.  didhter  den  ort,  Mro  die  hcT^ 
(ien  mit  deni  kümig  trinkeiV,  wIMeram  eiitter^,  ekUetif 
ffoldburg^  gokbeh  (Vorr.  zu  Andr.  und  El.  ÄJ^m.  xxxviii.) 
Gladshehnr^  ghiAteritir  kann  Isowat  f/ohe  als  'gMnzende 
wohfrung  bedeuten; ^selbst  heute'  il9t  es  uns  geläufig  den 
himmef  tntef  fräudensaaly  fi'tHdtntkäty  "^  f^^  dem 

Jammerthal  Her  erde  (s.  755)  z;u  ver^ehn.  t^  w^lAf  nicht, 
ob  sich  die  alte  benennung  tnans  gaudii, '  i^kfeBer^  (oben 
s.  154)  auf  den  himmel  bezogt  doch  tl|bl'  später  noch  wurde 
ein  freudenvoller,  seliger  anfenthMt  dnroh  saeMenberc  (Diut. 
2,  35)  wonnenberg  und  fteudehberg  be^ldiehni^t:  'die  nacht 


*)  krifUg  dräoiHi  diaveD  mn  eiile  hitkaniile  giablolwifl  aiüi: 

mek  ,du?9l  wiek,  viek  vit  yaa  mi,      ' 

ik  Bcber  mi  nis  eo  har  um  di. 

ik  bin  en  mekrenburgBÖh  edelman : ' 

wat  geit  di  dÖYel  min  aiipen  an  f 

ik  süp  mit  min  berr  Jesu  Christ, 

wenn  du  dürel  ewig  dörsten  müst, 

im  drink  mit  $n  fort  kßü^  fcAo^  . 

wenn  dQ  sittat  in  de  höiUeqH»!.  ;, 
di^  Ul  nicht  Uofser  scbimpf ,  sQfi4^i9,;iwT/9ic^p8feoer  .«rnM  der  ImI^ 
den,  die  mit  Wuotan  snAfen  wA  j#9^p.>Vi«)IU<MM  >4  o.iu  :c|  .    ,   •   . . 


MRA»»  981 

mm  frewdenhetfi^  reiten '  heibi  as  in  «iner  jirk.  von  1.44k 
(AnioldUB  misc.  1B2);  ^du  mefiis  heraei  /fmnlMMa/V  mrd 
die  gdielite,  «le  srasi  mein  liinmel  fenannl  (fwdgn 
1,  335),  ja  in  der  ffnunerspraolMi  flieiit  frendaftbtrg  für 
gelieblei  fteudemlSiäly  lr$udenberg^  fitmidengarim  sind  Jiftnfig 
•rtsbenennongM  *). 

'Wir  Witten  sehn^  wm  von  diasM  iieidnineken  Yorilel* 
langen  tn  den  ciiristliohen  liaften  blieb,  oder  danit  su«- 
sammentn^  Den  namen  YalMli  Walalialbi  aclieiiil  «an 
gemieden  au  babeiiy  i>iMeh  Icönnle  wni  vom  himaiel  ge- 
sagt aein,  ich  finde  ea  Idefs  von  irdiaeher  wohnnng  (Gmdm. 
27«,  21.  Beov.  1383.  1536.  19a7).  dagegen  braneben 
aedi  onsere  apfttieren ,  selbal  geiatiieben  dicbler  unanaMlaig 
den  an»drack  freudemal  fiür  faimmel,  da  iKe  hinMnliaohle 
freude  aach  christlich  ist.  'sttgen  ze  himel  üf  der  amiUen 
bere*  Wnckern.  baa.  baa.  a.  ft*  Das  christenMium  kennt 
einen  doppelten  ort  4er  wonme,  einen  vergangnen  and 
känfitigen.  dieaer  iai  ein  aufenthalt  der  seli^MI  bei  igoU, 
jenen  verscherzte  der  «rsten  menschen  Bünde,  und  er  wird 
als  ein  gopten  Bden  ^dtfrgeatellt.  Beide  übertaagen  die  htt 
na^tf^icr«^,  (wona/di  das  paMdiani,  der  'Vnig^  waa  ein 
pers.  worl  aein  soll,  ini^spränglieh  gaHen ,  lUnrgarten ,  paiA 
aassagend,  wie  das  armen.  .Sandra  (hovtus)  ibeatfiügt.  la 
der  einzigen  stelle  die  Mdr  btff  Cffilas  >  naobaeben  kMin^ü 
n  Cor.  13,  4,  stehet  tagg^^  ahd.  ^ano  (campnt  ameenus, 
horlaa).  ahd.  überaetter  beballen  (  entveder  pmadiii  bei 
(fragm.  theot.  41, 21),  oder  vgebrauchen  «tonm^orle  (gl.  Aul 
189.  217.  bymn,  21,  6)  wmnogmto  N.  (s.  a7,  5,  vgl  tbat 
unmniMiima  leid  .0.  IL  6,  11;.  after  pafndlsea  fotmnen 
Dittt.  3,  Sl.  mbd.  «dier  wmne  gmrie'  Fnoaesba.  126,  27; 
'der  maUMe  «arte'  Mfidl.  3,  463«;.  ahl.  ^umtgaiio  JN.  pa. 
A5,  10.  die  benennnng  mmnigütii»  böiinte  noch  an  ena- 
g6if^  wnsek  «klingen,  4a  siöh  mana  .s  wimia;  ge4h.  vii\ja, 
md  wini  (amicua)  nah  bierahren«  Seltsam  lat  der  aga.  ans^ 
druck  nearwemKoomii j  miomramaioong  Gedm»  11,  6.  13,  26. 
14,  12.  115;  23,  von  welbhem  ich  grtfmm.  1,  26&  ,2^.2€7. 
3,  726  gBhaa4a||t  habe:  es  scheint  «feld  der  iruhe^*),  dämm 
^    »II  tili    I  f  I  >  I  i.i  ■    I 

*)  «nah  aa'  dia  »aond.  banenoany  f/htkMuM  (eiMdam  Tiaroam) 
eia  paradii, ,  wabia  ^aUe  vheMan  reiten  (larbaago«  «aga  p.  m.  %7Q. 
332)  it\  an  eriaaero ;  die  sagen  ond  Ueder  kennen  irdisch«  gUuberm 
ond  glashUraen  als  aufenthalt  der  beiden  aoä  weiser  frauen,  brynild 
wohnt  im  ßm-kjerg  (D.  V.  I,  I32j,  im  Wolfdietrich  (cod.  Dvesd.  289) 
erscheinen  Tier  tj^berge.  Tgl.  was  am  schlufs  des  folg.  eap.  über 
den  litth.  ond  poln.  glasberg  in  der  untenreit  beigebracht  iat 

••)  die  ^tar^  ß^f}.    Od.  4,  565, 


t%2  BLT8IDII 

«ieb  der  wonne,  und  -rerf leicht  sich  dem  goth,  ^agg»^ 
ah9.  hebemdang  (Hei.  28,  21.  176,  1);  M  die  alte,  nor- 
nei  ist  käin  gedanke  (s.  376),  um  so  weniger  ala  wich  ui 
altn.  dichtangeo  der  himmel  niemals  hornavAngr  'heifat. 
Neben  hebenwang  breucht  der  altSi  dichter  ödaskim  86, 
20.  üpddashSm  28,  20.  85,  21.  domus  ireatitudinis ,  wo 
bdm  an  heimr  in  gladsheimr,  wie  garto  in  wumiigaiPto  an 
Asgardr  erinnert  Üp6dash6m  ist  wie  üphimtt  gebildet  «Mi 
gteicbfalls  heidnisch.  Allen  Sfaven  heirsi  das  paradia  fYil, 
serb.  rajf  polh.  ray,  böhm.  rag,  wohin  auch  fdaa  litth. 
rojus  gehört,  woneben  rojaus  södas  (pamdisgarlen^)  und 
d&tias  (garten)  gesagt  wird,  rai  aus  paradimis  (spati.  pa- 
rayso)  wäre  fast  zu  starke  ktirzung;  nach  Anton  (rersueli 
ittber  die  Slaven  1,  35)  soll  auch  das  ariab.  arai  paradis 
bedeuten. 

Wie  ValhMl  ist  das  griech.  elysium,  ijiveiov  mdhr, 
kein  allgemeiner  aufenthalt  aller  verstorbnen,  nur  auser- 
wfihlter  hdden ;  auch  den  Griechen  hieng  hik^hste  s^gkeit 
ab  von  tapferkeit  des  kriegers.  Und  nicht  einmal  alle  bela- 
den gelangten  dahin,  Menelaos  als  Zeus  eidam,  Od«,  4,561; 
andere,  sogar  berühmtere  hausen  bn  Aldes,  Hades.  Achil- 
les wandelt  auf  der  blumennoieMe,  dem  doqiodBXes  Xetjuü^ 
der  unterweit,  wohin  die  Seelen  der  erscMagiien  freier 
Hermes  geleitet.    Od.  11,  539.  24,  13. 

Von  dieser  aue  der  seligen  weifs  nicht  weniger  unsre 
einheimische  dichtung  und  sage,  kinder ,  die  in  brunnen 
fallen,  gelangen  durch  grüne  wiesen  ins  haus  der  freund- 
lichen frau  Holla.  Flore  10^:  ^swer  im  selber  den  \M  tuet, 
den  geriuwet  diu  vart,  und  ist  im  oucb  verspart  tUu  wUey 
dAr  dft  kernen  wilt,  an  der  Blancheflür  spilt  mit  andern 
genuogen,  die  sieb  niht  ersluogen'.  '  Selbstmörder  bleiben 
ausgeschlossen  von  solchem  ort  der  seligketl.  Floris  1107 
^int  gheMoide  wü^  ten  paradise';  1248  Vaehstü  dan  co«^ 
men  int  ghebloide  eeß,  daer  int  peradls?';  1205  Mc  aal 
varen  int  ghibloide  wlt^  daer  Blancefloeren  siele  jegheft 
die  raine  gadert  ende  leset  bloemekine';  •'  det  frahz.  Vlorea 
hat  in  ;den  entsprechenden  stellen  camp  fiöri  (altd.'bl.  1, 
373) J^}.  Aber  unsere  älteren,  vermutlich  schon  die  heid- 
nischen dichter  dachten  sich  den  himmel;.  wie  die  erde, 
als  ein  grünes  gefiUe:  Uegltdid  gröni  toang  {die  erde] 
Hei.  131 ,  1 ;  himilrlki,  grdni  godes  toang  94,  24 ; ,  gr^% 
toang  paradtse  gelte  96,  15.     the  gröneo   wang  heifst  es 


m M«> 


*)  die  didI.  dichlang  BeatrU  103Y  setzt  das  jüngste  gertclit  *iDt 
foete  da/,  daer  god  die  werelt  do^en  »al*. 


»      4» 


attcbitoii  .AaflrjfleB'23,  4i  (kttm.  32,  20^:  Unride  sM^m 
vmilde.  §rS9U  geardat.,  HtkAtourmAI  23:  irtda  ver  tiv 
fcalom  jrama  Mma  go4t',  d;.i.  laden  hinitiel.  in  vielei 
deatocken  fegendem  ist  noch  höutd  parädü,  g^ldn»  mm 
örtliche,  benennang.  vadk  \m  Virgil  Aen.  6,  OdÜä  hil  frireimm 
den  hegrif  d^  pisradises: 

devenere  löcos  laetos  et  ameeiia  vireta    . 
fortunatornm  nemornm  sedesque  beatas. 

Das  paradis  ist  ein  ▼erhM'nes,  und  ein  künftiges  der 
neagrOn  aus  der  flnt  sieigmden  erde:  dem  ISmöltt)  in  des- 
sen  grase  die:gdtter  goldtafeki  (snm  spie^  inden  (Sann.  9^ 
10*},  steht  sehen  jener  alte  IdmäUtf  in  weichem  die  äsen 
Asj^rd  stifteten  (Sn.  14),  gegenüber,  dem  verjüngten  reiehe 
der  snkunft  ein  dahin  geschwandaes  goidoes  zeilalter,  worin 
milch  und  honig  flössen  ^. 

Für  diesen  neuen  Ummel  reicht  ans  abw  die  edda 
noch  einen  eiganthümlichen  ansdmck,  und  swar  nur  im 
dati?  'ä  gmäf  dar  (Sem.  10^  Sn.  4,  21.  75),  wofttr  ich 
den  nom*  gimiU  (lueht  gimlir)  ansetze,  so  dafs  mit  fort«- 
geachobnem  H  in  6  gimiH  gtoichbedeutend  der  sonst  in 
alln«  mnndart  fehlenden  form  Atmtf,  abd.  alts.  Mmü  wire. 
daa  scheint  aneh  dte  nebeneinandersteUnng  'A  ginili,  A 
kimni'  Sn.  75  anszndrüekeB.  Otmjtf  aber  ist  von  der 
odinischen  Yalhöll  bestimmt  unterschieden  und  eröfnet  dch 
erst,  wann  ragnardkr  eingetreten  ist  und  die  äsen-  im  kämpf 
mit  den  muspdlssUuien  geftillen  sind,  dann  mcmlieh  seheint 
aicb  ein  theil  der  äsen  zu  emeuen  oder  zn  veijflngen. 
BaUr  und  Höir^  die  schon  lange  vor  der  gOlterdfimmerung 
die  Unterwelt  betreten  hatten,  Hamiry  der  deta  Vanen 
eis  geisel  gegeben  worden  war,  sind  in  VöluspA  (SaDm. 
10^)  als   nen  anfUiuchende   gottheiten  genannt^    sie  drei 


■«i^^-v^^i^i*».^»- 


^)  begreiflich  Bchliefsen  sich  an  das  Terlorne  und  künftige  paradia 
manigfache  sagen  Ton  einem  irdischen  in  fernen  weltgegenden  ge- 
Iwen ,  bia  la  welcheai  eintelae  reisende  vordrangen ;  so  wird  Ton 
Aieunder  barichtet,  dafs  er  auf  aeinan  indiachea  sage  auch  in  das 
IMradis  gelangt  aei.  zwar  nicht  die  ed^en,  nur  jüngere  iaL  «agen 
melden  top  OdtÜnsakr,  immortalitaUs  ager,  einem  lande,  wo  niemaJDid 
erkranke  noeb  'sterbe^  TgL  dlinn  mortuus,  morti  obnoxius  (oben 
■•  422);  min  Verlegte  ijs  nfaeh  RertMranaga  (fomald.  sog.  1,  4t  t. 
513)  in  daa  reich  eines  getilioh  geleiertea  königs  Godmunir  {r^. 
Godorar  a.  140) ;  nach  der  aaga  Braks  vldförla  (fomdd.  sös*  a,  51». 
661.  666.  670)  lag  ea  im  xhbI/bu  nicht  weit  Ton  Indien.  aoUta  diaaar 
Erekr  hinn  ?tdfÖrii  der  beld  eines  Terlorne^  mbd.  gedichls  &ek  der 
waUrare  sein't  der  benennang  Odüinsakr  könnte  aber  eine  altere 
heidBische  Otfinsakr  :±:  Valholl  «am  gründe  liegen/ vgl.  das  sdhwed. 
0denatter>8. 144.       <         < 


7M  nLvsnm 

warbn  in  den  sir^it  mit  ftorlr  i^kbt  vorfechWii.  r  ^n«  76 
gibt  huige^M  VUbr  mmi  VäH  an^'Ae  *¥on  -SvrMogi  m*- 
verletzt  auf  IdavöIIr  dag  alte  AggMrd  anieaeni|  «w  4hnen 
geselle  aieh  MMi  md  Magtii,  aus  ier  wrterwiell  Baldr 
mai  üöir,  des  HoBiAr  ist  hier  geschwiegen;  Vfdar  anil 
Vali  sind  die  beiden  rächer,  jener  räciiie  Odins  ted  an 
Fenrisftifr,  dieser  BaUrs  lod  an  Hödr  (beftiiAss  Baldrs 
d61gr  Hadar«  Sn.  106).  sie  beide  «nd  fiaidr)  der  schuld- 
loibe^  reine  Hchtgott  sind  Odinssöhne;  als  ThArs'sOhne  treten 
aber  Modi  ttvri  Magni  auf,  di«  Yon  ntn  an  diis  «sieben  sei-- 
ner  gnwall,  dien  Zi^qialnienden  MiOlInir  führen.  Unverkenn- 
bar zeigt  diese  darsteNnng,:  dafs  Odinn  und  Thdrr,  dib 
banptgötier  des  alten  Asgard,  nicht  wieder  erscheinen,  son* 
dern  in  ihren  sMwen  verfingt  werden.,  fialdr  bedeutet  den 
eintritt  einer  milden  frühlingszeit  (s.  :581). 

Wie  nun  ValMll  biofs  wnSenCodle  niftnner  (vApndauda 
Vera)  au^enommen  hatte ,  andere  gestorbne  in  FiAlkvflngr 
bei  Freyja  (s.  28^),  die  jungfraven  bei  Gei^Si  (Sn.  3§) 
versammelt  wurden ,  so  empfängt  nvamelir  &imU'  a/knt 
nntersßfaied  alle  geredrten^  guten  menschen,  Eel  tiMe  bö- 
sen, strsilbaren;  wififarend  die.  alte  Hel^  als  giegewsatZ'  zv 
ValhöU,  die  übrigein  nklit  im  InmpC  gebüebien  mfimidr 
herbergte,  ohne  diA  sie  darum  iür  sündige,  strafbare 
galten.  . 

Am  sehwierigsten  bleibi  hierbei  die  eigentliche  bewandt- 
nis,  die  es  um  Sutir  bal^  anf  den  icbiOMvückisemmen  mofs. 
dafs  er  nioid  ab  gott^  «sondern  :ais.  riese  der  feuerweK 
dangestelH  whrd ,  ist  s.  <  770  gezeigt:;  er  findet  sich  ebf^nso 
wenig  ttgimli'  unter  den  Tetjüngüen  gMtem  (Smo.  10* 
Sn.  76)  iffenfioint,  'wo  der  ort  <  dazu  gewesen  wäre,  -in  einer 
einzigen  hs;  ((Sn:  75j  ^ar.  3)  scheint  interpoliert:  "^A  GimÜ 
medr  Surfi^  und  hierauf  hauptsächlich  stützt  Finn  Magnusen 
seine  annähme  ^  dafs  Surtr  ein  hoher  lichtgott  sei^  unter 
dessen  herschafi,  entgegengesetzt  der  odinischeyi^.^.  das 
neue ,  Weltreich  .stefaa  er  ist  ihm  jener  •.möciUijMrey. von 
dessen  kraft  scbm  bcn  der  schöpf ung  die  ^  wärme  «tasgieng 
(s.  «28),  der  von  der  rafla  verkfhvdigle  starke  \öttn^f)  oder 
reiche,  der  aHes  lenken  l^ird  [sä  er  öllu  r^dr,  S®m.  lOi») 
der  auch  von  Hyndla.  vorans  gesehne  mächtige^  dessen 
namen  .sie  nicht  aus£uspi«€ben..Wiagt  Ijfk  kemr  aonanr  een 
mAttkari^  ^  ^ori  ee  eigi-^ann  «t  nefnn.  S®m;  119*)  vgl. 
den  sirengra  der  ags.  hcrmiRe  (s.  TTS}-,  it^amm  aber  hätte 
sie  Surlr  zu  nennen  gescheut^  desiSeh  Ssain. '  8**  ^'  9* 
33«  niclit  geschwiegen  wird  .u^d  den)  in  der .  .(^Izten  stelle 
die  milden,  gütigen  götter  (in  svftso  god)  gerade-  entfegen«* 


•  • 


ULimm  7M 


stehn?  Svrtrs  einschreileii,  im  geleite  des  loBgewordnen 
Loki,  maus  doch  aly  .eia  foindlicbaB  (nesisches  ^»der  toufli- 
sches)  aufgeftf^  ^eMidfl/' wohin*  ftelbst  <e4  iiame  (der 
schwarze)  weist. 

DW  HAMs^fMprofehM  gotl  ftüHll  dem  äyvMzai  ^coc 
(actor.  17^  28)  fwgliiUMr  wcvden,  ehomI  dem  wort,  daa 
Odkm  d0r  leMie  itüms  tfohnes  BaMr^  als  sie  de»  seiiei- 
terbaafen  bestieg ;.  ins  ohi^  ramite:  ein  gelieimHie^  auf 
wetokes  in  zwei  »Meia^  Smni.  38«  und  Henra*.  sapi  s.  487 
anges|rielt  wird^  wie  aMh  eine  elrMUsdie  nympbe  des 
höchste»  gofttee  namen  einerii  stier  äis  ohr  rieC%  es  ist 
sehen  yorhin  (s.  776)  nirfgesleUl  werden,  doT»  dem  hei- 
denthvmi^  wie  den  Juddn  die  verheifenng  de»  mesaias,  ab- 
nudgon  eines  kommenden,  miehtigeren  gettes  nAgen  vor- 
geaehwebt  haben  ^ 

Untergang  und  emeuerung  der  weit  folgen  dieh  im 
kreisendem  lauf  und  die  durehdringig  der  hegriffe  zeit 
und  raam,  weit  «nd  scbfiffnng«  wovon  ieh  anigieng,  ist 
erwiesen  worden.  Wie  i|ber  die  zettliohe»  erseheiaungen 
dee  tegee  «ild  jakres  wurden  audk  die  rinmlieken  der  weit 
und  dee  weitendes  (HaIJa',  Hadery  tartr)  peaajaliok  auf- 
gefafst. 


')  0.  Mü\t€t9  Btf.  2,  ^\  womit  Ha  iage  def  tuWlehitM  Von 
SShenM  tMaii6itfdDg«k«ltetf  ifMtw  ühOi  (Geanidk  gedidhl ,  ydH'ede 
t.  xz). 

**)  Martin  BamuMiiioh  ob  Ka^tm^kmj^ü^  Kbk.  M36  »t»i 
aoBfrechend  «na,  daft  io  der  gÖtterd&mniaruDg  und  dem  neuen  bim- 
melreich  eis  geistiger  monotheiamua  ausgedruckt  wercfe  und  der 
herachend'ed  otHuischea'  rielgötterei,  freilieh  noch  nicht  d^rc&'diring<$Qd, 
entgegen  trete,  indeaaen  sind  auch  *i  gimlf  TeifAAj^te  gSttMP,-  W4än 
aekon  %MinigeM  all»  ii^  ilii#arO  Sttl|j|bfälirt,  ond  ikra  «Mnune  unter 
Janen  miehligwn  eimligeB  erheUt  durok  oiokta«  noch  naidder  hake 
ieh  4en  Terfaaaer  för  lUfugt,  dieaen  neuen  gott  ßmiultjr  zu  nennen, 
mit  einem  ausdruct,  den  die  gSQze  edda  nur  ein  einzisesmal  hat 
(S»m.  9^)  und*  der  doci  atir  Ömät  in  ftehYi  sdheftlt.  Andere  warfen 
eine  ▼di^gfMthun^  d^a  ifotUM  ittibaff  (UM  in  iMM  dfto  törgeeMt^n 
iMMin,-  iH«iin  fhilbailaflibi\  itMbnlM».  imbnlfetr,  ftariMIfoit,  den 
be^f  ifr  erbökl)  mit  dem  aga.  flfel  taidl9),  w«8  iek  au«k  t«wei(le« 
we4  nfill  in  der  altn»  anrache  aeibat  lorkomml  und  Ton  BiÖrn  aia 
ein  pilaazenname  aufgeführt  wircf. 


I    .        i 


Grimms  mi^ik^.    8»  mmsgmke,  50 


■rarbn  in  deO    sireit  mit  Sortr  nicht 
gibt  hingeffen  Whr  vmi>¥aM»n,-  j«r  1?1V 
ffjrletzt  aar  WaTöIIr  dag   allei  Ar  ^/^  V  »"• 
geselle  aich   UMi   and  Mogn'  /      ,  .    ,  , 

iW  HAfr,  ffaa  HnenSr  isfV^  W  den  sprachen  ein 
Vali  sind  die  beiden  rd  /*  i<äwrio,  Terwandt  mit  Um 
Fenriaftlfr ,  dieser  Ba'  .  ,;.4  ''^'*-  •**'»'  »^^>  "'"'■  '^'*' 
dölgr  Hadar.  Sn.  K  "i,  y(*^  schwed.  däa.  tjäl,  and 
lote,  reine  Uchlgo  ■    %>,  1<>I>  '^I*  «nima,    fraaz.   äme, 

aber  Möä  wd  •  ,  'i.!  spuri.  ii**i,  aerb.  rnss.  dutcha, 
ner  gvwalt,  4  ,    '^>.   poln.  di««i,  litth.  dutzia,  lelt. 

bar   zeigt  <^  ''"!|,A'r-''<^iit^iili3n    sie    alle   den    m&nnlichen 

batiptgöU'  ^  ■  :""!iiriui»,  üi'fftoe   den    fühlbarer  aus  und 


dem  io     /^  y'  ilec<Kn\  .'^ich  btnde  benennungen  ganz  nahe, 
eintri»      ;^'2i'' "dm  Wd   anxma,    im   slav.    duch,    du    und 

"**       *i^*^  ^  '"  ''^  mythen   zeigl   sieb  dies  band,     die 

\        i^j^  r^  ftsati   gelöste  seelc  gleicht  jenen   InfUgeB, 

^^^  wesen    des   xvii  oap.    (vgl.  8.408.  597).     rie 

^^^^^^erselben  leichligkeit,  eracbeiM  and  verschwin- 

>^!jt  «V*  ^'^  besUmmle  gestalten  aa,  in  denen  sie 

it»,    j^gng  zu  verharren  genötfaigt  ist. 

^'"i^ei  anmutige  Vorstellungen  sind  es,    welche   die  enl- 

,  .ggtJe  Seele  als  blume  aufblühen,  als  rogel  auffliegen 

^"'eo-    ''^''^^  hängen  zusammen  mit   der  Verwandlung  in 

'naJiK^"  "'"'  ^'^'^  überhaupt,  und  gründen  sich  auf  die 

Lhre   vo"   ^^   seelenwandrang,   der   das   frflbe    alterlhnm 

f.fjlfigte.    in   diesem    sinn   wurde  Unsterblichkeit  angenooi- 

^ga,   ^^^  ^'^  seele  blieb,    sich  aber  einen  neuen  leib  ge- 

fnIieD  lassen  musle. 

Den  Übergang  in  die  blume  bann  ich  nur  folgern, 
gfti'kind  trögt  eine  knospe  heim,  die  ihn  der  enget  in 
wald  geschenkt  hat:  als  die  rose  erblüht,  ist  das  kind 
todt  (kinderlegenden  no.  3).  rosenknospe  ist  die  seele  des 
gestorbnen  jilnglings.  Rhesas  dainos  a.  307.  Nach  dem 
lied  von  Rimzifal  wöobst  aus  leicben  gefalln«-  Heiden  ein 
$cktDar%dom  [hage»),  n^en  dem  haupt  gebliebner  Cbci- 
sten  eine  wet/xe  blume.  Karl  IIB^.  Aus  dem  grabe  hhi- 
gerichleter  spriefsen  weijie  liHen  zum  zeichen  ihrer  Un- 
schuld, aus  dem  des  mfidchens  tjret  üüem,    die  kein  andrer 


')  iniofern  leele  leben  and  lebeuilmn  bedeutet,  lieht  difur  d» 
Deolruro  ahd.  ferah,  mhd.  verth,  igs.  ftorh,  alta,  fiär;  wir  uheo 
aber,  wie  ao*  Tita  and  ßiat  der  inbagrif  alle«  lebenden,  die  weil, 
goih.  fafrhTui  entapriDgU 


sulbn.  jaüumni  um 

ier  gdieMe  inrechen  sM^  aus  den  hflgehi  liebMder 

1  sich  biomenstrfiuGhe ,    deren  ftste  8i(Si   yerflecklen. 

schwed.  liedern  waehsen  /tfim  und  linden  aus  gri» 

vis.  1 )  101.  118.     Im   lied   von  fair  Margaret 

WiHiam: 

.«  of  her  bresi  Ihere  sprang  a  rose 

and  ont  of  his  a  briar; 

they  grew  tili  they  grew  anto  the  churelrtop, 

and  there  they  tyed  in  a  true  lover»  knol*)« 

in  der  sage  von  Tristan  halte  ich  sohon  fttr  spätere  finden 

rang,  dafs  rose  und  rebey  die  sidi  über  ihrem  grab  znsam« 

menwinden,  erst  darauf  gepianzt  werden.    Ein  serb.  volks«*» 

lied   ttfst    aas   dem    leichnam  des  jfingling^    einen,  grüttm 

iannenbaum  {zehn  bor)  aus  dem  der  Jungfrau  ieioe  rotke 

rose  (rumena  ruschitaa)   wachsen  (Vuk  1  no.  137),  so   dafis 

sich  auch  in  den  blumen  das  gesehleoht  forlerhitt*'*);   um 

den  tannenbanm  windet  sich  die  rose^   wie  .um  ddn  straufii 

die  seide.     AUe  chese  beispiele  sehen  die  bfaime  mir  sym-* 

bolisch  an,  oder  als  nachwirkttag  der  innersten  gesinnung 

des  todten:   die  aufgehende  rose  gleicht  dem  aufgehenden 

geist  des  kindes,   der  leiöhnam  mufs  erst  begraben  liegton, 

bevor  die  erde,   wie  aus   dem  samen  ein  neues  gewAohs 

aubteigen  lä&t.    Drsprünglidi  mag  aber  die  idee  eines,  un- 

mittelbereB  sohneUen  Übertritts  der  seele  in  üe  gealalt  der* 

blame  zum  giUnd  liegen,  wie  aus  Uofsen  bhitstropfen ,  die^ 

nar  kleinen  theil  des  iebens  enthalten,  eine  blume  entsprlaf^ 

im  blut  hat  die  seeie  sitz,   mit  seinem  verstrdknen  flieht  sie* 

bin.     Griechisi^e  fabehi  berichten,  wie  der  leib  verfolgt^) 

gemordeter  menschen,   zumal  frauen,  alsobaid  die  ^[eeleit 

mer  blüme^  stände,  emes.battms  annahm  (s.  610),  ohne 

dals  verwesender  oder  verbrennlicher  stof  zuräckblieb,  ja' 

das  lebm,  selbst  die  spräche  kann  haften  während  die  vm^ 

gestaltung  erfolgt     so   wundein   sich  Daphne  -und  Syrinx, 

als  sie   der:  nachsleUungApolb  und  Paas  nicht  entrinnen 

ktenen ,  in  laurus  und  schiif ;  solange  spridit  die  siok  v«r* 

wandehide  fran,  als  ihr*  die  harte  rinde  noch  nicht  sum- 

nnind  gestiegei  ist.    -  Yinller  erzählt  i   die  wegemarte^  (ahd. 

wegawartä,  wegapreit&),  plantago,  «ei  eine  frati  gewesen^ 

die  ihres  bulen  am  wege  Wartete;   keine  ursach^  der  vor«"' 

Wandlung  gibt  er  an,  vgl.  Km.  no.  160. 


.     *)  P^rej  3,  123.    nnaals  bei  Rob.  lamieaoa  i,  33.id4k 

**)  darum  gehofft  tkrnk^  auf  Triataes  grabf  dimr^  auf  Isik» 
tew,  wie  im  yolksbuch  uod  bei  £ilhart)  Ulrich  ao<l  "--•— ^«^  — — ^ 
weehseln  die  pflaozea. 

60* 


xm  sRiLBH.  vöau. 

mdil  anders  fß  die  eeefo  der  kindicbe»  fttnlasie  des 
volhe  fttr  einen  wgely  der  aus  des  sterbenden  munde  ge-« 
flogen  kommt.  darim  sind  in  alten  grabsteiiren  häufig 
Usi^en  eingehauen,  die  der  christliche  glaube  noch  niher 
auf  den  geist  bezieht  *).  Ein  schif  versinkt,  vom  meeresufer 
gewahrt  man  der  «ntergegangnen  seelen  in  gestaltsDd/fer  tau- 
ben  aus  der  flut  gen  himmel  steigen**],  die  romamcbe  legende 
von  der  geiaarterten  Bulaiia  sagt:  'in  figure  ie  eohmb  volat  a 
ciel'.  Aus  dem  machandelbom  (KM.  47)  fliegt  das  geschlachtete 
brüderchen  ab  vügeL  im  rMhsel  von  dem  grünen  und  dörren 
bwra^  auf  deven  jeglichem  ein  vOf^in  sitEt,  wird  ausge«- 
legt:  'ir  (der  Christen)  sSle  zen  pogelem  st  gezalt*.  Ms.  2, 
24dK  In  der  unterweit  fliegen  versengte  vögel^  die  seelen 
waren  (svidnir  iuglar  er  sdKr  voro)  gleich  fliegenschwftrmen 
(S«Di.  127*].  Naoh  ansieht  der  heidnischen  Böhmen  sehweble 
die  Seele  ds  m^gel  aus  des  sterbendem  munde  solange  irr 
auf  den  bftuaen  herum,  bis  der  ieiehnam  verbrannt  war: 
dann  erlangte  sie  ruhe.  Finnen  und  UtAaner  nennen  die 
milohstrafte  den  weg  der  f^ögel  (s.  831)   d.i.  der  seelen. 

Vor  Mahomed  glaubten  die  alten  Araber,  aus  dem 
blttt  eines  ermordeten  werde  ein  klagender  vogel,  der  um 
das  grab  fliege ,  bis  fttr  den  todten  räche  genommen  sei. 

Nach  einer  pohlischen  vnUissage<  windelt  sich  jedes 
giiied  aas  dem  gesehlechte  H^burt,  sobald  es  stirbt,  in 
einen  adler.  die  terslgebomen  töchlm*  des  hauses  Plleck 
wandelten  sich,  wenn  sie  unverheiratet  slarirenl,  in  lauften, 
die  verheirateten  aber  in  eulen,  und  dnrchr.  ihren  bifs  kün- 
deten sie  jedem  gliede  des  geschleohts  seinen  tod  vorher 
(Woycickis  klechdy  1,  16). 

Als  der  pftuiier  Madej  nnter  einem  npfelbaum  beichtet«' 
und  seiner  sttnden  entbunden  wurde,  flog  ein  apfei  nach 
denk  andern  in  wei/se  taube  verwandelt  in  die  Wt.  en 
wnren  dioi  seelen  der  von  ihm  ermordeten,,  nur  ein  apM 
Uiei^  flbrig,  die  eewl^  seines.  vaVers,  Iretl  er  dessen  mord 
v-erhehk  hatte;  als  er  endlieh  auch^  diese  schwere  sehnM 
behsndta,  flog  der  letzte  apfei  in  graue  taube  verwan» 
deH  den  Abrigen  nach  (daselbst  1,  180).  das  stimmtl  an 
den  inrenden  vftgebi  dar  böhm.  sage,  in  einem  padoUschen 
Volkslied,  efnatelt   auf    dem    grabhif^l    ein   eichbänmehen 


>■  ii  . 


*)  Senrati  Lopi  yita  8.  Wigberhü  cap.  11:  Terttin  hora  ezitot 
ejat  -~  ciMumaiaiitibQf  finaltfibM,  wia  tiC  wtig  quaeda«  speeie  puU 
chcrrim»  sopra«  ejus  «orpaacoloiii  ifer  nAw/tfit»,  amqaaaMiae  poslea 
comparaiaae.    weniger  die  aaela  wlbat,   alt  ein  ate  geleilender  geiai. 

**)  Maerlaot  2,  217,  aus  lalein.  quelle. 


SBUBN.     Wn»  189 

tttd  ein  OBlmetiwmbeB  moMeim  «tu  ilaraiif^L  fiteselhit 
1,  209). 

Beispiele  Ten  Terwmdlttiigen  in  tögelBind  oben  s.  OM. 
641.  646  bei  wpeehi  und  Imkuk  gegeben,  die  griecb.  ny«- 
(hologie  isl  reich  an  eadchni. 

Auch  der  griech.  voHunasioht  arsohien  4te  eeele  ib 
geflügeltes  wnen,  ywjr^  nptvf^a  nui  iwv^i^p  nttjphv^^ 
Mgt  Hesyck^  aber  MchmeUerlii^ y  und  das  isl  noch  treflen- 
dor  als  vegel,  weil  sieh  des  iasect  aus  der  iarve,  wie  die 
Seele  aus  dem  leichnaro,  entwickelt.  Vf^yt)  heUsI  duher 
schmetlerliag.  Eine  in  Spanien  gefondue  föra.  g#abschrift 
hat  die  worle:  M.  Porcius  IL  haeredibus  mando  etiam  eig- 
nere ut  meo  «ofiM  ebrtus  iMpäK»*^).  baakiseh  arimaseele 
(?gl.  arme,  ahne  s»  786),  astearen  arima  (etebaeele)  schme^ 
lerliug.  Wir  werden  diesen  sehmetterlingen.  noch  als  ir- 
wischen  (siebold,  veQui))  «id  im  cap.  von  den  hexen  als 
elbischen  wesen  begegnen. 

Aus  enlsückten,  sohlafendM  menschen  enilanft  die 
lesfe  in  gesteh  einer  MokUmge^  latesel,  «mim. 

Von  den  jrtetsdlefi  wird  ein  folgendes  cap.  handeln; 
gleichbedentig  damit  finde  ich  wieMmküpf^Ty  iMeseii«- 
hfkpferm^  c.  b.  in  dem  1668  gedruckten  mügdelob  p.  46; 
die  erklärung,  weil  sie  auf  sumpfigen  wiesen  hQpfen  ist 
gtn2  passend,  vielleicht  aber  zu  eng.  Hans  Sachs  denkt 
nicht  an  irliehter,  wenn  er  sich  mehrmals  der  formel  be- 
dient :  'auit  im  scMrmen  (fechten)  dab  die  nH  im  imn  gm 
umbhupferi  Hl.  3,  13«*  IV.  3,  28«,  'und  schmilz  ihn  in 
ein  fiderling,  dab  sein  seel  mufs  im  gras  umthupfen' 
lY.  3,  51S  er  wUI  nichts  sagen,  als  dafs  ihm  die  seele 
aasfährt,  dafs  er  stirbt.  Wieder  also  der  Volksglaube,  dafs 
die  seeie  des  sterbenden  (als  vogel  odmr  Schmetterling)  auf 
der  totere  flattre,  d.h.  der  mese  der  utUerweUy  ron  wel- 
cher ich  s.  782  redete  f).  gerade  so  lassen  die  Böhmen 
die  seele  auf  bäumen  fliegen  (königinh.  hs.  p.88.  106), 
darum  tanken  und  weben  seelen  und  elbe  nachts  auf  den 
wiesen.      Seltsam,   dafs  schon   ein   minnesänger  die  seele 


*)  Ds  t^j  mogile  wyröst  ci  d^beciek, 
na  oiij  bielachDj  siada  gotf beozek. 
**)  %i,vx4    d'   in    am/taroQ    Vnrtj,      balrach.  207.      ißV)^  ^    ^«i/t»» 
iUntif.     211.     ^«  fuUtiP  avßoq  nrdvo   II.  23,  880. 

***)  zaerit  in  Ambrotio  de  Moralet  antigaidades  de  las  eiadades 
de  Espana.  Alcala  1575.  fol.  31^,  daraus  bei  Grater  nad  in  SpeMs 
miscelL  ernd.  anliq.  p.8. 

f)  die  weder  seng  noch  verdämml  tind,   k^tameü  avf  die  pHne 
fBwiA    Heinsea  ArdiagheUe  I,  m 


i  ■>  1 1 


790  SEattJK«    ÜBERFAHRT 

des  ininknen ,  gkachMm  ettIzSSekten  kipfm  lifirt:  ^mtn  Mi& 
ftf  eime  rippe  sMt,  wAfen,  diu  von  dem  wine  darüf  g^hüppet 
htf.  Ms.  2,  lOS^"*).  so  httpfoB  der  ertrunknen  seelen 
«US  den  topfen  in  die  höhe  (s*465).  Frileade  Sternschnup- 
pen gelten  für  die  seelen  sterbender  (s.  685)  und  viele 
Inensoben  and  beiden,  ja  einzelne  gKeder  ihres  leibs  wur- 
,den  iils  ffeme  an  den  himmel  gesetzt  (cap*  xxn). 

Das  sind  die  einfachsten,  wenn  man  will  rohesten  vot^ 
Stellungen  von  dem  wesen  der  äeele,  denen  ich  hohes  alter 
beimesse. 

Mehr  ausgebildet,  tiefer  in  alten  mythen  wurzelnd  ist 
^ie  meinung  von  einer  ^Aerfakrt  der  seelen  in  das  gebiet 
der  unterweit  durch  ein  icaner^  weiches  das  reich  der  le- 
benden menschen  von  dem  der  lodten. trennt 

Die  nordische  erzfthlung  von  Baldrs  tod  bat  den  merk- 
würdigen zug,  dafs  die  Äsen  seine  leiche  auf  ein  sckif 
brachten^  in  dem  schif  den  Scheiterhaufen  errichteten, 
anzüijdeten  und  so  der  flutenden  see  überliefsen.  Sa.  66  **). 
Nicht  anders,  wird  der  teichn^m  des  vergötterten  beiden 
Seild  (s.  342)  geschmückt  auf  das  echif  getragen,  dui  schif 
ean  dem  meer  weggetrieben ,  niemand  weifs  wohin.  Beov. 
.55--*  105.  Sigmnndr  trägt  des  Sinfiötli,  seines  geliebten 
Sohnes  leicbnam,  am  seeufer  bftlt  ein  mann  mit  kleinem 
nacben,  und  erbietet  sich  zur  überfahrt;  Sigmumir  legt  dm 
todten  ins  schif,  da  war  es  voll  gebulen,  der  unbekannte 
stöfst  ab  vom  uf^  und  fährt  mit  der  leicbe  dahin.     S»m. 


*)  als  Henart  im  bruoneneimer  sitzt  (s.  767)  und  Taeogrio  be- 
thören  will,  macht  er  ihm  weifs,  dafs  er  hier  im  paradia  bause,  tind 
jede  seele,  wenn  sie  sich  Toin  leib  trenne,  auf  der  eimerstange  nie- 
dersilzen  mäsae:'  eei  sie  nun  reuig,  ao  dürfe  sie  hinabsleigen ,  ond 
alle»  boae  bleibe  obeozoräck.    Renart  6804—  13. 

**)  wi^  feste  wnrzel  dieser  gebrauch  im  Norden  gefafst  hatte, 
darf  man  daraus  enlnebmen,  dafs  leichen  auch  im  schif  begraben 
wurden,  ohne  zweifei,  damit  sie  auf  ihrer  reise  in  die  unterweit  da, 
wo  sie  an  ein  wasser  kommen  worden,  das  fahrseug  zur  hand  bitten. 
«GUkon  kondngr  t^k  ^ar  skip  öU,  er  AU  höMo  Eirlks  ajnir,  6k  Mt 
draga  A  land  upp;  {»ar  l^t  HAkon  leggja  Egil  Ullserk  i  Mp,  oc  med 
hAnom  alla  bA  menn,  er  af  fieirra  lidi  höfdo  fallit,  let  bera  par  at  iörd 
oc  grioi,  HAkon  konungr  I^t  oc  ßeiri  skip  uppsetja,  oc  bera  A  ralinn.* 
saga  H.  g6da  cap.  27.  'Unnr  var  kigä  i  skip  i  hauginum',  Laxd. 
p.  16.  *Asmuiidr  var  heygdr  ok  i  skip  lagär^  ^riell  hana  lagdr  {  ännan 
stafn  shipsins'.  lalend.  sdg.  1,  66.  *(iieirmundr  keygir  oh  ktgär  t 
skip  pBT  ütl  ak^ginn  fra  gardi.'  das  1,  97.  Wahrscheinlich  legte 
man  Tomebme  leieheo  erat  in  eine  kiste  und  setzte  diese  ins  achif, 
dann  erfolgte  bestattung  im  hügel.  Gudrun  sagt:  'hnäf  mun  ek 
kanpa  ok  kiato  alenda*.  S«m.  264^.  In  alten  grabhögeln  dea  In- 
nern Deotachlands  sind,  meiaea  wiaaenai  oie  .acbififi  gefunden  worden. 


StfiLtlN.    ÖBCftltyinRT  791 

170.  171.  f(ini*M.  i6g.  l,  142.  Frothot»  fesetz  mitersefaied 
nach  de»  ständen:  eenlurionis  <?et  sati'ftpae  corpus  rogo 
propria  imo«  :«iinstmeto  funerandnni  eonstitait;  dena  autem 
gnbernatonm  corpora  «itttM  puppis  igne  eonsumi  pra^ 
eepil;  ducem  quempiam  äut  regem  interfectum  proprio 
injectiim  nMigio  eoncremari.  6.  87.  Der  fodte  larkndgns 
wird  Ton  seiner  wilwe  mtf  einem  schif  in  ein  heilfgöd  land 
gebracht  (larim.  saga  cap.  45).  Eine  schwedische  Yolhs^ 
sage  (AfseUits  1,  4)  weiß  von  einem  goUken  schiff  das 
in  Runemad  beim  schiüsselberge  versenkt  liege ,  auf  diesem 
schif  soll  Odin  die  erschlagnen  von  Brikvalla  nach  YaU- 
haU  gefohfi  haben.  Im  altfranz.  roman  Lancelot  du  lac, 
ed.  1591  p.  147  verfügt  die  demdisdilö  d'Ebcalol,  wie  es 
mit  ihrem  leichnam  gehakeir  werden  sötte:  te-^pl^ia,  que 
ton  oofps  fid  mis  en  une  nefi  >richement  eqi#|^^,  que 
Ton  laisseroU  aller  au  gri  du  vent  sans  coMflftitto^. 
Herschte  der  glatrbe,  dafii  die  feiche,  prefsgegebeft  dem 
heiligen  meer  und  d^  vlrindeü  von  selbst^  einlaufen  wfifde 
in  das  menscbliofaer  f&hrung  unnahbare  land  des  todes? 

Hter  werden  die  leichname  fibergesehift,  in  andern 
sagen  blol^  die  von  dem  leib  entbcmdnen  seeKn';  es  ist 
wieder  der  vorhin  angemerkte  unterschied'  (s.  787).  ja 
der  alte  lebensmüde  Flosi  soll  sich  nach  Nialssaga  cap.  l'OO 
In  ein  schlechtes  schif  gelegt  und  den  meereswogen  über-^ 
lassen  haben:  'bar  ft  skip  ok  Idtt  haf,  ok  hefir  til  f)es8 
skips  aMri  spurt  stdan'. 

Nach  dem  griti^chischen  glaubeh  fthrt  Charon  die  See- 
len in  ^inem  schmalen,  zweiru^rigen  bioot,  Obe^  den  Styx, 
Acherpn  oier  Cecytus  in  das  reich  <fer  Unterwelt,  er  em^ 
pßngt  dafür  ein  fäktgelS  und  darum  legte 'man  den  todten 
einen  obolos  (die  danaka^)  in  dtm  mund^.  Diese  Sitte 
dem  leichnam  <ejiae  kleine  mün»&  in  deh  thund  zu  legen 
kommt  auch'  iinter  Deutschen  reit,  vgl.  abergl.  no.  207^ 
wo  ihr  ein  spiterer  falscher  gnind  untergeschoben  ist : 
ursprünglich  sollte  das  geld  nichts  anders  sein  als  jenes 
naulnm.  •  *....♦ 

In  stürmischer  nacht  weckt  eine  mönchsgestalt  einen 
schlaftrunknen  schiffer,   legt  ibrn  ßhrhhn  .in  (fie  hand  und 


")  cento  noTelle  antiche  81  :  la  damigella  di  Scalbt ;  di^  ^P^^" 
«ella  aanza  rela,  «anza  remi  e  aaaza  neuno  aopra  sagiiente*  wird  nach 
Camalot,  an  den  höf  des  re  Artu  geführt.  '  - 

**)  Diodor  I,  90.  Enrtp.  Ale.  253.  441.    Aen.  6,  298.    zb  Her- 

mione  in  Argolis,  ron  wo  es  nicht  weit  zur  Unterwelt  geglaubt  wtirde» 

•gab  man  den  lodten  kein  g^d  mit,  Strabo  8/973/  'Befgl^?ctidn  muti- 

len  finden  sich  oft  in  allen  grfibem  Tor.   "* '  '<'•"»'    '"  ''•-  *i         ' 


792  SBBiüN.    OBERFAHSJ 

yeriangt  t^c^r  den  rtrov  gebin^lit.  erst  sWfgen  sechi  nOiH 
ehe  in  den  nacheo ,  kauin  aber  ist  er  gelöst  und  auf  4er 
floti  al^  ihn  plötzlich  m»  meqge  a^nrerMr  «ad  ^imibw 
herren  fjl^lU  pud  4er  fthrmaw  fest  keioee  rasm  fidr  aieh 
behau,  mil  w&he  rudert  er  bi^über9  4ie  iteidung  eteigt  ^ins 
und  de«  febr^ug  wird  von  j«hew  eturm  ^ursekg^evfen 
an  die  sjteUb  d^r  ebfehrt,  w^  s^n  wieder  neue  reisende 
harren,  weh^^  den  fcehfi  einnehqie^,  ujid  deren  vorderster 
mit  eiskeJten  fogern  dmß  sit?biffer  den  fährgr^okm  tu  Me 
kand  driipkt  die  rttcfcfebrt  des  sohife  erfotgt  auf  die  selbe 
gewallsame  weise*).  ÄboJiG^y  leinder  volstfindig,  wird 
erzählt  von  pöecbeOi  die  ne^t«  beiSpeier  ltt)er  dmRbein 
fahren**),  l^  beiden  gesebiphten  ersieht  qian  keinen 
zweck  d^s  abers^^ffens;  es  seWinen  uralte  beidnisehe  er- 
innerungeiipi^  die  um  nicht  gan»  zi|  erÜSschen  sieh  ver- 
änderten* 

Proppp  de  hello  goth.  4,  20  (ed.  bonq.  2,  567)  von  der 
insel  Brittie  redend  meldet  eine  sage,  die  er  selbst  öfters 
aus  dem  n^nnd  der  eiawQhner  yerponunen  hatte.  Sie 
glauben ,  dafs  die  seelen  verstorbner  mensobefi  neeA  jener 
ins^l  übergefahren  werden,  am  ufer«  des  feiten  iendee 
wohnen  unter  frfinkischer  oberbersobaft ,  stier  von  altere 
her  aller  abgaben  entbunden,  fischer  und  eefcerlente,  denen 
es  obliegt  die  feefcn  ^erwmchiffe^  ^**).  das  amt  geht  der 
reilie  nach  um.  welchen  es  in  jedweder  neebt  sukoromti 
die  legen  sich  bei  einbrechender  däinmnmng  seUefen.  mit- 
ternachts hören  sie  an  ihre  tbüre  pochen  und  mit  dumpfer 
stimme  rufen.  Augenblicklich  erheben  sie  sieh,  gehen 
zum  ufer^  und  erblicken  dort  leere  oaeAen,  fremde,  nicht 
ihre  eigne,  besteigen  sie,  greifen  dns  rüder  und  fahren, 
dann  merken  sie  den  nacheu  gedriiingi  wU  geladen,  so 
dafs  der  rund  kaum  fingerbreit  üb^r  dem  wessH*  siebt. 
Sie  sehen  jedoeh  niemand ,  und  landen  sehen  nach  einer 
stunde,  ^fibrend  sie  sonst  mit  ihrem  eignen  fahrzeug  nacht 
und  tag  dazu  bedürfen.  In  Brittja  angelengt,  entlädt  der 
nachen   sich   alsogleich  und   wird  so  leicht,   dafs  er  nnr 


*)  neue  TolksmXrcben  der  Deutschen.    Leipz.  1792.  3,  45  —  47. 
**]  D.  S.  no.  275,   älteste  quelle  dafür  ist  ein   bericht  Yon  Geo. 
Sabinuf  (gb.  1508  f  1560). 

ovdtndnoTf  naQaaxo/tifoi^    vipH^kfov   <f|<TQf9   iy   npiXoLhQV  T9vSt  rot'  Sz^ 

Stelle  Proeops   und  eine   «ndere   b^i  Tzet«^^  ist  'Wßlcker  W  rbein« 
muf.  1»  238  ff.  nachsnsehn. 


•  '    ti 


fBBLBM.    ^BVtatAmUt  793 

ganz  unten  ä»  flM  tertthrl«  w^ier  bd  lier  fahrt  Boeh  beim 
aussteigen  sehM  sie  irgendwen,  hdren  aber  eine  stimme 
jedem  einzeljien  aameyB  wd  yiäßtlwi  Uii(  abfragen,  schif- 
fen trauen  über,  «o  gaben  dieae  ihrer  gatt#9  namen  an. 

Brittia  Hegt  Aem  tio^Of  nicht  weiter  ato  200  Stadien 
von  der  htat«,  zwjaehen  BritADnia  und  Thui^,  der  Bhein- 
raia'Sttiig.  gegeoaber,  drei  wölber  Angeln,  Friesen  und 
Brittoi  wohnen  auf  ihr.  wter  Britannien  veratah^  er  4iß 
wefiiiidie  hMe  des  gaiUsohen  featlaiHles,  «deren  eiuaa  ende 
Aoeli  jetzt  Bretagne  beifst,  d]#  sMi  »k^f  m  9  jh.  weiter 
ä^er  die  apCtere  fionaym)isalK9  und  Aandriachfiriesisobe  ge- 
gend  bis  zur  aiOndung  4er  Scheid#  und  des  Rheins  bin 
ausdehnt«;  Brittia  tat  Ihn  Grofsbrüannien ,  Tbule  Scandi- 
naYien. 

An  ivwiaher  stelle  die  todtenüberfahrt,  ob  sie  Mngs 
der  gan^Een  gallischen  koste  statt  hatte?  lasse  ich  unedt* 
schieden,  nach  YiileuiaFqufi  (barzas  hreiz  1,  136)  war  sie 
an  Armorikas  fernster  spitze,  bei  Rag,  wq  eine  bucht  d«r 
Seelen  (baie  des  aafiea ,  ba4  ann  auavo)  Ijyagt.  In  Bretagne, 
am  fluase  Treguier  in  der  gemeinde  Plouguel  so|i  auf  den 
hentigeo  tag  die  sitte  heraahen,  die  leiehname  in  atneat 
naekem  naah  dem  fcirchhof  Ober  einen  kleinen  arm  des 
meerS|  pawtge  de  Fenfer  genannt,  atf  9iAiffen,  statt  sie 
den  ktkreerepi  landweg  dahin  zu  tragen;  und  in  ganz  Ar- 
uioiiea  glaubt  das  volk  Oberdam,  die  seelen  der  verstorb- 
nen begaibM  aieh  im  augenbüak  ihrer  trennung  m  dem 
pfariNsr  ¥0d  Baaspar,  deai^^n  hund  sie  nach  firofsbritannien 
geleile;  4n  der  luft  hOrt  man  die  rdder  (irs  wagen$  knar^ 
ren,  der  mU  aaafen  überladen  isty  ein  weifsea  tuch  deckt 
ihn,  er  hnifst  ctnr  m»  anaau,  earrikel  an  ancaUj  seelenwa- 
gen  *).  Lauter  ToftsmAfsige  abweichungen.  es  war  den 
Christen  nicht  mehr  gestattet  ^  ihre  leichen  nach  der  insel 
überzufahren :  wenigstens  bringen  sie  sie  noch  zu  wasser 
nach  dem  kirchhof  und  lassen,  in  ihrer  tradition^  die  über- 
fahrt statt  im  achif  durch  die  luft  (wie  beim  wütenden  beer) 
auf  einem  wagen  vor  ^ich  gehn.  Nähere  for^chungen  müs- 
ten  lehren,  ob  sich  in  der  Normandie,  in  Flandern  und 
Priesland  ähnliche  sagen  erhalten  haben?  mir  fftllt  dabei 
wieder  jenes  Helium  und  Helvoet  (s.  29?.  764)  ein. 

Procops  nachricht  wiederholt  im  12  jh.  Tzet^e^  zum 
Lycoph.  1^04,  aber  schon  früher,  im  beginn  de^  fünften 
wuMe  Clandian  (in  Rufinum  1,  133^133)  dafa  jene  galli- 
schen ufer  ein  Sammelplatz  der  wandernden  Seelen   seien : 


*)  möm.  de  l'acad.  celt  3,  141. 


•  • 


794  »BKLEK.    OBBRFABKV 


est  locus,  extfemom  qua  pitidlf  tiadki  Mas; 
oceani  praetentus  aquis,  abi  fertur  Uliices 
sanguine  libato  popohm  motisse  silentem. 
illic  nmbrarum  tenm  Stridore  eolarUum  ' 

flebiHs  antdiiur  quesius.  sitnulacra  coloni 
pailida,  defunciasque  eideni  migrare  figurtm. 
von  der  gegend  liege  Britannien,  das  land  der  Senonen 
and  der  Rhein  nicht  fern,  di^  leise  rauschen  der  fliegen- 
den Seelen  stimmt  fast  za  dem  laftwagen  dmr  Bretagner. 
Die  britischen  barden  lassen  die  seelen,  um  in  die  unter*- 
weit  zu  gelangen,  durch  den  ioeUter  der  angst  and  der 
gebeine,  durüh  das  thal  des  todes  in  das  meer  schiffen,  an 
dessen  gestade  sich  der  mand  des  höllenabgnindes  Ofnel*). 
Ein  nordengl.  lied,  das  man  sonst  bei  der  leichenwaehe 
sang,  nennt  Hhd  bridge  of  dreadj  no  brader  ihan  a  threadt 
(die  angstbrücke  nicht  breiter  Als  ein  drath),  Aber  welche 
die  seele  in  der  anterweit  zu  schreiten  hat  (J.  Thoms 
«Äecd.  and  trad.  s.  89.  90)  •*). 

Gleichen  sinn  zu  haben  mit  der  reise  der  seeten  zu 
schif  tber  den  ström  oder  das  gewdsser  der  Unterwelt 
scheint  es ,  wenn  sie  die  brücke  des  Stroms  überschreiien. 
Herkwtirdig  sind  die  werte  der  bröokenhaterin  au  Hermödr: 
*  unter  dir  einem  (lebendigen)  tönt  meine  brd^fce  mehr^  ofe 
unier  den  fünf  häufen  todter  männer,  die  gestern  dar* 
über  ritten'.  Sn.  67.  Ich  finde  darin  die  gröfilte  ähnltch- 
keit  mit  dem  sachten  geirippel  der  fortssieheinden  %u>erge 
über  die  brücke  ^  mit  ihrer  überschiffung  m  dmn  naehen 
(s.  253.  428),  und  die  Verwandtschaft  der  seelen  mit  den 
elbischen  wesen  zeigt  sich  auf  das  deutlichste^  ^  Als  die 
Zwerge  aus  dem  Voigtland  zogen ,  setzten  si6  eme  gtmue 
nacht  hindurch  über  die  Elster  (Jul.  Sdrmidt  p.  143.  148 1. 


*)  Owens  wb.  2,  214. .  Villemarqaö  1,  135. 

**)  die  eoge  brücke  liegt  zwischen  purgatoriam  und  paradis,  auch 
held  Owain  muste  darüber  (W.  Scotts  minslr.  2,  360.  361).  merk- 
würdige einstinimung  (wie  oben  b.  540)  gewährt  ^ide  'mnham^daBi«- 
sehe  Iradition,  welche  Säle  in  seiner  €iol6itung>  cuoi  Korao  (ed.  lidOl 
p.  120)  anführt:  alle  seelen  müssen  roit,leo  in  der  hdlle  über  eiiie 
brücke,  die  dünner  als  ein  haar,  schärfer  als  die  schneide  eines 
Schwerts  und  zu  beiden  selten  mit  dörnern  und  spitzem  gesträuch 
besetzt  ist.  auch  die  Juden  reden  von  der  drathschmalen  höllenbrü- 
cke,  aber  die  aber  blofs  die  nnglSubigen  zu  wandeln  haben  (i)isi$»- 
menger  2,  258);  Tgl.  J.  Thoms  a.  a.  o.  s.  91.  Nach  Herhelot  wAhneo 
die  Muhamedaner,  dafs  sie  vor  dem  jüngsten  gericht  eine  Stange  von 
glühendem  eisen,  die  über  eine  grundlose  tiefe  gelegt  ist,  betreten 
werden,  jedem  gläubigen  legen  sich  alsdann  seine  guten  werke  unter 
die  fofse*  '  ^ '  '^   .>■  •  /   •••<  •*      <■'    iti  i.>; 


8BBLBN«    ÜBBRFAflRT  795 

bei  itareni  absog  vom  Htri  war  man  Hbentagdkommeii, 
dafa  sie  über  eine  aebmale  brficke  bei  Neuhof  gehen  und 
jeder  in  ein  aafgeatelltes  geflufs  -einen  zoll  werfen,  aber 
kein  landeaeinwohner  ingegen  aeinaolhe.  neugierige  atan*- 
den  unter  der  brücke  und  hörten  siundenkmg  ihr  §etrap^ 
pel,  als  gienge  eine  heerde  achafe  darüber  (deutsche  sagen 
no.  152. 153).  Auch  der  geUboU  gemahnt  an  das  fäkrgeU 
der  Seelen.  Und  zu  allem  dem  halte  man  nun  die  fabel 
Ton  dem  ifachts  im  kahn  aberschiffenden  alb  (deutsche  sag. 
no.  80).  Jene  drathschmale  angstbrücke  ist  aber  wieder 
eine  verwandte  idee  und  berührt  sich  noch  mit  der  eisernen 
schwertbrücke,  über  welche  die  ans  schlafenden  menschen 
gegangne  seele  schreitet. 

Genaue  Untersuchung  der  vielfaehen  lelchengebrfiuche 
bei  europäischen  Völkern,  die  ich  hier  nicht  beabsichtige, 
würde  noch  mehr  aufschlüsse  über  die  altbddnischen  Vor- 
stellungen vom  Wesen  der  seele  und  ihrem  Schicksal  nach 
dem  tode  gewähren.  So  wurde  den  leiehen,  aulser  dem 
Khrgeld  und  dem  schif,  auch  ein  besondrer  iodtensckuh^ 
altn.  hebkS,  zum  antritt  der  langen  Wanderung  mitgegeben 
und  an  die  füfse  gebunden,  in  der  Gisla  Surssondrsaga 
heifst  es :  {»at  er  tfdska  at  binda  mönnum  helsk6,  sem  menn 
skulo  ft  gänga  til  Valhallar ,  ok  mon  ek  Vesteini  ^at  giöra  *). 
W.  Scott  (minstrelsy  2,  357)  führt  einen  aherglauben  aus 
Torkshire  an:  'they  are  of  beliefe,  that  once  in  their  lives 
it  is  good  to  give  a  pair  of  new  shoes  to  a  poor  man, 
for  as  much,  as  after  this  lifo  Ihey  are  to  pa$9  barefoote 
Ihraugh  a  great  Unmde,  fuü  of  ihomes  and  fursen, 
except  by  the  meryte  of  the  almes  aforesaid  they  have 
redemed  the  forfeyte;  for  at  the  edge  of  the  launde  an 
oulde  man  shall  meet  them  with  the  satne  shoes  that  were 
given  by  the  partie  when  he  was  lyving,  and  after  he  bath 
shodde  them,  dismisseth  them  to  go  tbrough  thick  and  thin, 
without  Scratch  or  scalle'.  das  land,  wodurch  die  seele 
wandern  mufs,  heifst  auch  u>hinny  moor  (der  pfriemen 
sumpf,  whin  ist  gleichviel  mit  furz,  ginster,  pfrieme).  Thoms 
a.  a.  Or  89.  Im  Hennebergischen  und  vielleicht  an  andern 
orten  nennt  man  noch  jetzt  die  dem  verstorbnen  erwiesne 
letzte  ehre  den  todtenschuh  (Reinwald  1,  165)  ohne  dafs 
der  gebrauch  selbst  fortdauerte,  ja  das  leichenmal  wird  so 
geheifsen.  recht  heidnisch  klingt  und  dem  kriegerischen  sinn 
des  alterthums  angemessen,  was  Burkard  von  Worms  p.  195« 


*)  TgL  MöUerff  sagabibl.  1,  171. 


796  SEfiLBN  BI  STBIOT 

berichtet:  quod  quidam  fiM»unl  kömmt  wmo  Dum  «e^liliir. 
dant  ei  in  manum  tmffuentmn  quoddalB,  quasi  illo  angaenlo 
po9t  mortem  tukmis  sanari  possit,  et  sie  cum  unguento  ae*- 
peliunt  *).  in  gleieiier  absieht  wurden  mit  den  leidien 
knechte ,  pferde  und  hunde  verbrannt^  deren  sie  sich  isi 
künftigen  leben  bedienen  könnten,  könig  Ring  liers  den  könig 
Harald  in  einem  grofsen  hngel  beiset^n^  das  pferd  tödte«, 
auf  dem  er  in  Bravallaschlacht  geritten  'hatte  und  den 
sattei  mit  begraben  ^  dafs  er  neoh  WaibaUa  reiten  könne. 
Man  glaubte,  abfahren  der  leiche  auf  einem  aicht  herge- 
brachten wege  (d.  h.  auf  anderm  als  dem  hdllwege  a.  761] 
schade  der  seele  der  verstorbnen.  Ledebard  arcbiv 
5,  369. 

In  den  dichtungen  des  miftelalters  wird  versehtedentlich 
ein  streit  der  enget  und  teufet  um  die  ausfahrende  seele 
geschildert;  beide  wollen  sie  in  empfang  nehmen,  an  der 
enge!  spitze  steht  ein  erzengel ,  gewöhnlich  Mu^ael,  der, 
wie  wir  im  verfolg  sehn  werden ,  aueh  die  seelen  zu  wä- 
gen beauftragt  ist;  zuweilen  wird  CTierubm  genannt,  'vor 
dem  lievel  nam  der  sdle  war  der  erzengel  KeruMn*.  Wh. 
49,  10. 

lAzfl  IftzA  tengelnl 

da  wart  von  den  engein 

manec  s£Ie  enpfangen 

6  der  strtt  was  zegangen. 

daz  weinete  manec  amie: 

von  wölken  wart  nie  snt(9 


*)  die  Litlhaaer  begraben  oder  yerbrennen  lueks  und  bärenklauen 
mit  dem  todten,  im  wahn  dafs  seine  seele  einen  steilen  berg  erfclet- 
tent  müsse,  auf  welchem  der  göttliche  riehier  (Kriwe  Kriweito) sitze: 
den  reichen  wird  es  schwerer  empor  tu  klimmen  als  den  armen,  die 
Ton  bab  und  gut  unbelastet  sind,  falls  sie  keine  sunde  beschwert, 
arme  sünder  führt  ein  wind  leicht  wie  eine  feder  hinan,  reichen 
zerfleischt  ein  drac(ie  Wizunas,  der  unter  dem  berge  hauset,  die 
glieder,  dann  werden  sie  ton  Sturmwinden  emporgetragen  (Woyci- 
cki  klechdy  2,  134.  135.  Narbutt  1,  284).  der  steile  herg  beifst  den 
Xtilthaiiern  Anafietas,  den  Polen  sihlamM  gora  (gläserner  berg),  sie 
glauben,  dafs  die  yerdammten  seelen  ihn  zur  strafe  ersteigen  müssen 
und  wenn  sie  den  fufs  auf  den  gipfel  setzen  ausgleiten  und  herab- 
stürzen, biesen  glasberg  kennen  zwar  noch  unsre  deutschen  mircheo, 
und  lieder,  doch  nicht  mehr  deutlich  als  einen  aufenthalt  der  seligen, 
obgleich  das  rafdchen,  das  ein  hünkelbein  nuknimmt,  um  es  (wie  die 
bärenklauej  in  den  glasberg  zu  stecken  und  zuletzt  seinen  kleinen  fin- 
ger  abschneidet,  um  ihn  endlich  zu  erklimmen  oder  aufzuschliefseo, 
angesehn  werden  darf,  als  suche  es  seine  ferlornen  brüder  in  der  Un- 
terwelt auf  (KM.  no.  25).  .......; 


^ 


SBBLIR  IM  BTRBIV  HT 

alsA  diok&  sumtor  adl 

lieidUi  M  bergen  umi  ze  tat, 
•  als  engel  unde  lievel  flugen^ 

die  d6  ze  widerstrfte  zogen 

die  sMe  her  und  widere^ 

d'  einea  üf^die  ander  nidere.    6eo.  1234; 

der  engelfürste  MichahSl 

empfienc  des  marcgrftiren  stA 

und  manec  engel  liehtgevar, 

die  btaien  mit  gesange  dar 

und  fuorten  in  vrcBifiche 

inz  schoene  biimnelrtcbe.    Geo.  6082. 
im  Brandan  (bei  Braus  s.  192.  199]  heffst  es:  ^de  davele 
streden  umme  de  s6le  mit  sunte  MiciMSk;  ygl.fiittdfr.l)92. 

gebt  mir  ein  gäbe, 

daz'  des  kiGkiiges  s^ie 

von  sante  MichahSle 

hiote  gecoüdirieret  st.  gute  Trau  2674; 
Michael  ist  in  Mercurs  oder  der  Waicbure  amt  getreten. 
Eine  noch  wichtigere  stelle^  worauf  ich  schon  s.  415  ge- 
wiesen habe,  findet  sich  Morolt  28'*  ^^  hier  treten  drei  schaa- 
ren,  die  schwarze ,  toeifse  und  bleiche  auf:  'den  strtt 
mahtu  gerne  schouwen,  dens  umb  die  s^le  suln  hftn'.  Auch 
die  älteren  franz.  dichter  beschreiben  ähnliches,  vgl.  M6on 
1,  239.  4,  114.  115.  3,  284, 

Und  schon  im  8.  9  jh.  gleich  zu  eingang  des  bruch- 
stflcks  von  Muspilli: 

wanta  sftr  s6  sih  diu  s61a  in  den  sind  arhevit 
enti  st  den  Ithhamun  likkan  läzit, 
so  quimit  ein  heri  fona  himilzungalon 
daz  andar  fona  pehhe;  dar  pägani  riu  umpi. 
ich  habe   s.  392  gezweifelt  ob  dieser  'päc  umpi  dia  s61a' 
zwischen  dem  heer  des  himmels  und   der  höUe  aus  christ- 
licher  Überlieferung  stamme,      zwar  der  brief  Judae  v.  9 
erzählt  von    einem   zank   des   erzengels   Michael   und   der 
teufel  um  den  leichnam  Mose*),  und  daraus  scheint  we- 
nigstens jener  christliche  Vorkämpfer,  Michael,  herzuleiten, 
eifersucht   und  streit  über   die  theilung  der   seelen   kann 
aber  auch  schon  als  heidnische   Vorstellung   angenommen 
werden,    da   sich   im   Norden   Odbin,    Thörr   und  Freyja, 
jedes  gewisse  theile  der  gefallnen  aneigneten.     Freyja  ist 
8.   54    und    282    mit   Gertrud    zusammengestellt    worden: 

*)  die  stelle  soll  sich  gründen  auf  ein  Yerlornet  baeh  ^dvaßaok^ 
Mojrses'  genannt,  vgl.  Hngo  Grolius  ad  S.  Jodae  ep.  9  und  Fabricii 
cod.  pseudepigr.  V.  T.  p.  839. 


798  aBBLBM  IM  gTHBIT' 

etliche  sprechen^  wenn  sich  die  seelevon  dem  leichnam 
scheide,  sei  sie  die  erste  nacht  bei  sanct  Oerdtautf  die 
zweite  bei  sanct  Michael  ^  die  dritte  da^  wo  sie  hin  ver- 
dient habe  (anhang  s.  xlyui).  da  nun  Michael  im  welt- 
kampf  den  Antichrist  erlegt  (s.  771),  mit  Surtr  aber  Odinn 
und  ThArr  streiten,  so  lassen  sich  Gerdrut  und  Michael 
füglich  in  Frowa,  Wuotan  (oder  Donar)  zurückübersetzen, 
auch  s.  180  wurde  mons  sancti  Michaelis  auf  Wuotan  oder 
Zio  gedeutet. 

'  Nach  einem  irischen  märchen  führen  die  geister  des 
stillen  Volks  am  kreuzweg  drei  nftchte  langen  heftigen  streit, 
auf  welchem  kirchhof  eine  menschliche  leiche  begraben 
werden  solle  *).  wie  also  die  elbe  und  zwerge  lebende 
kinder  und  Jungfrauen  stehlen  (s.  435  —  37) ,  seheint  ihnen 
auch  an  den  leichen  und  seelen  der  menschen  gelegen. 
Seelen  ertrunkner  hält  der  Wassermann  in  seinem  haus 
(s.  465). 

Dies  alles  leitet  zu  einer  näheren  betraohtung  der  Vor- 
stellungen von  dem  tod. 


*)  irische  elfenmarchen   p.  68. 


*         ■ 


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■Bflni  Ion 


CAP.  XXVII.    TOD. 

Dem  altertham  war  der  tod  kein  tödtendes  wesen, 
blofs  ein  in  die  Unterwelt  abholendes,  geleitendes,  seuche, 
Schwert  tödteten,  der  Tod  trat  als  böte  einer  gotlheit  auf, 
ihr  die  abgeschiedne  seele  zuzuführen»  sterben  wird  durch 
seine  erscheinug  angekündigt ,  nicht  verursacht,  so  hat 
in  jenem  märchen  der  todesengel  dem  kind  die  blumen- 
knospe  gegeben;  wenn  sie  erblüht  sei,  wolle  er  wieder- 
kommen. 

Hiei^u  stimmt  die  jüdische,  Tom  christenthum  beibe- 
haltne  Vorstellung,  des  armen  maanes  seele  wird  von  en- 
gein gottes  abgeholt  und  in  Abrahams  schofs  getragen, 
Lac.  16,  22;  wie  $ich  der  dichter  des  Hei.  103,  5  aus- 
drückt: godes  engilds  andfengan  is  ferh,  endi  ISddon  ine 
an  AbrahAmes  barm  *)«  al«  gegensatz  malt  er  das  Schick- 
sal des  reichen  manne«  wdter  aus  103,  9 :  IStha  wihti  bi- 
senkidun  is  sdola  w  thene  suarton  hei,  teufel  versenkten 
seine  seele  in  die  schwarze  hölle.  in  einer  predigt  bei 
Leyser  126  heifst  es:  'wane  ir  ne  wizzit  niht,  zu  welicher 
ztt  der  boie  uasers  henren  gotis  zu  ture  clopEQ.  welich 
ist  der  boie  ?  daz  ist  der  Tot' ;  161 :  'nu  quam  oueh  der 
gemeine  böte,  der  nieman  ledic  Iftt,  wie  lange  im  maniger 
vorgdt,  daz  ist  der  gewisse  %W*  'dö  der  TAt  im  sin  zuo- 
kunfl  enböt,  sA  daz  er  in  gekite*.  Greg.  20. 

Nicht  wefiCintiich  wich  davon  die  ältere  heidnische  an- 
sieht ab.  Sa^a,  Eel,  die  todesgöttin,  bfingt  nicht  om^ 
sie  emptängt  den  todten  menschen  in  ihrem  haus  und  hält 
ihn  jdarin  unerbittlich  fesU  tödteu  heifst  ihr  einen  zu- 
senden, weder  erscheiBl  Hei  die  ihr  yerfallnen  saelen  ab-, 
zuholen  **),  noch  entsendet  sie  baten  n^ch  ihnen,    die  lange, , 


*]  es  ist  eine  schöne  Torstellung,  dafs  die  sterbenden  auf  gottes, 
kinder  auf  des  taters  schofs  zurackkebren,  von  dem  sie  bei  der  ge- 
bort ausgegangen  waren,  das  wüste  aber  sehon  unser  heidenthlmi 
dem  neugebaröe  unA  asgenommoe  kioder  sohaliskiadar,  wonscbhieder 
heiC^B  (RA.  4^5.  464j  und  jfsrj^  hiogehen  zq  Wuotao,  xuWuasob,. 
bedeiDl^te  (v^j,  ob^n.s.  180.  132).  alerben  war  also  den  Beide?  wie 
den  Christen:  zu  gött  , fahren,'  in  gottes  ruhe  und  frieden  eingehn, 
metod  seon  BeoV.  2360 i  f^ran  od  frein  ir»re  (ini  des  berrn  rohe)* 
BeoT,  52.  ebenso  ist  begrsben  werden:  in  den  schofs  der  mntter 
fallen  (ß.  608),  n^otter  und  rater  nehmen  ihre  kinder  wi^er  puf. 

'*)  nnr  im  ti-aunigesicht  tnU  sie  auf:  postera  iio^te  eidemJPi 


dunkle  reise  anzatreten  bleibt  den  todten  selbst  ttberlas- 
sen:  schuh,  schif,  fthrgeld,  diener,  pferde  und  kleider 
nehmen  sie  aus  thverJieiniatr.  mii  auf  der^  k«lweg.  einige 
reiten^  andere  fafiren,"  ganze  fiaufen  seelen  rotten  sich  zu- 
sammen, kein  geleitsmann  kommt  ihnen  entgegen. 

Es  waren  ttoch  Mdet^  götfer,  dte  sieh  der  seelaf  be- 
raftehligten.  Rftn,  die  meeri^sgöttin,  cieht  alle  in  ihrem 
gebiet  ettrttnkncW  leidhen  mit  einSm  neti  an  sich  (s.  288). 
überhaupt  scheinen  Wassergeister  gern  i^eelen  fesIzuBaiten, 
selbst  frau  Holle,  tn  deren  wohnung  ertrinkend>^  gelangen 
(s.  246.  782) ,  hat  mit  Hei  gefwisse  fthnHehkeif . 

Schon  anders  steht  es  um  die  Mdk  YalhdU  besttuim- 
ten  seelen.  Odinn  entiendet  die  rattyrten,  alle  im  kämpf 
gefallnen  befdeil  zu  empfangen  und  itt  seineir  himmd  zu 
geleiten  (s.  389.):  wunsebjungfrauen  tk)len  i^ekie  wunsch- 
söhne, 'fioer  kiosa  feigd  k  menn*.  Sit.  i>9k  herrlich  wird 
im  Hftkoearmal  Ihr  geleit  und  der  empfang  der  beiden 
dargestellt,  aber  diese  böüimen  nebfnen  sich  schon  der 
lebenden  beiden  an  und  beschirmen  sie  bis  zum  tod:  sie 
smd  Schutzengel,  todesfengel.  wie  sc^bön,  dafi^  der  gütige 
gott,  bevor  er  sib  nrfl,  s<eMen  anserwähllen  einen  gelei- 
tenden geist  zui^  vierherlichung  ihrer  irdischen  bahn  ver-^ 
liehen  hat. 

Ich  erkenne  berührung  zwischen  valk^ien  fltkd  Ber^ 
me$j  der  den  stab  des  Wunsches  trfigt  (s.  390)^  üttd  seelen 
zur  unterweit  gefeitet  (tfmxetj^MyoCf  ^%6tiof^n6e^  ptn^önfffi-' 
nog).  fene  Jungfrauen  sind  (>dins  boten,  wie  Hermes  g(yi«- 
terbote,  ja  Hermei  ist  Odintk  fiefhsi,  dem  die  seelen  geb6^ 
ren.  aHio'  auch  aus  defm  rerhältnis  de»  gottes  zu*  den 
todten  erhellt'  die  identitftt  zwischen-  Wuokm  und  Merow. 
ein  uttf^rschied  zeigt  sich  dariw,  daftf  Hermei,  wie  der 
eti'usc.  Cfharun  (0.  Müller  2,  100) ,  zum  Hades  geleitel,  so 
vtel  ich  weifs  nicht  ins  elysium;  umigfeketfft  boten  die>  taU 
kyrien  ab  nach  Yalhöll,  ttreh«  tnr  He). '  auti^tt  die  eigett^ 
Schaft  des  Schutzgeistes  mangelt  dem  Hermes. 

Diese  idee  schützender  geister  äufsert  sich  mehr  in  dem 
personificierten  Thanatos  des  griechischen  Volksglaubens, 
er  wird  dargestellt  als  genius,.  der  nacbdenksam  band  an 
wange  hfllty  oder  den  fufs  auf  die  psyche  stellt,  gleich 
als  habe  er  sie  in  besitz  genommen,  oft  kreufct  er  seine 
hfi'nde  über  der  aus|pfelSschten  ^y^keÜ.  zuwi^iletf^  erscll|{^ 
er  whwßrz  (wie  HeL  s.  289g   oder   schwangeßi'geU ,  \fAxii 

ftina  per  quiet'em  adstare  Mpedttt  postridie  t&  ejus  cömpf^tn  usorsttk 
oeauaeMt*    nee  Inane  somaii  praefagittn  Mit«    Saao  fraaim.  p.  43. 


aus);  %^ff  4^  ^BqQPta  itXs  niXaQ  ^iifa^qg^  ^^V  ^ i^ 
qp^ta%q£  i'n%ff  (balracb.  207)  *|  und  iXsvcttp  ti^^Qß  fiiXat-^ 
VU9  (das*  85).  Gewöhalich.  aber  wird  der  scheidende,  ab- 
schied nel^nende  todte  za  fferd  dargestellt,  das  ein  g^ius 
führt:  die  offenstehende  thir  bezeichnet  die  ausreise ,  wie 
wir  noch  jetzt,  wenn  ei«ef  stirbt,  thür  oder  fenster  auf- 
machen (abergl.  664).  symbolisch  kann  die  blofse  ikür^ 
der  blofse  pferdekapf  das  abführen  der  seele  ausdrücken  **)« 
Der  römische  todesgenius  scheint  durch  thüranklopfen  sein 
nahen  oder  die  slundo  des  abschieds  zu  verkündige^***); 
nächtliches  klopfen  und  pochen  ist  geisterhaft  uad  Vorbe- 
deutung des.  Sterbens. 

Weiblich,  gleich  de^  Haija,,  wie  man  aus  dem  genua 
von  marß  folgeru  sollte,  bilden  römische  kunstwerke  den 
Tod  lyie,  sicher  dachte  ihn  sich  das  volk  ursprünglich  nicht 
ai[iderSy  die  plavische  9nirt  (dasselbe  wort]  ist  überall  weib- 
lich, d«^  l^th.  ^merüs  wird  männlich  und  weiblich  ge)iraucht| 
das  lettp,  na^mß  nur  weiblich,  die  slav.  Marena^  Marana 
(l|pre|^a,  Marzana),  welche  s.  731.  733  gesc|iildert  w«rde, 
sc^^int  nah^  an  smrt  und  mors  zu  reichen. 

Pie^a  benepnur^gen  klingen  an  deutsche.  8cJmer%  ha- 
ben ^ir  indem  gemilderten  ^inne  von  pein,  ursprünglich 
war  es  wol  nur  todespein^  lyie  außl  zu  quellan,  ags.  cvellan, 

^ffl*  MU  g^l)pft,t)i  nur  der  ahd.  mhd.  und  Qgs^  diaiect 
keniien  ^^  starke  y^fi^um.  sm(^{;zfMi,^  smärz^n,  smeoftafi 
(dolore).,.  ,}^aft  i)^.  ^^^.  is^  ixei|)}|cli,pdas  mhd.  «mer»# 
mlinnl|ch,,^tets  ^npersönliqh.  ndlitV>e  si^|nmt  z^m  gpth.  masc. 
mbtf^f  pl..7imr,eis,  fünu^  (vgl.  altn.  ndr,  ii^tm  s.  4?2y#  wie 
auch,  ^ff^if.^.  leJQhe  be<jleptefi  kan^M).  das  gr.  worjt 
hat  aber  £)eipaf|,.|VMrzel  mit  .dem   goth.  dduhuSy   ahd.  to^ 

(firüher  m^  fPIfc^,  ^^r  fl^^  .flf^^>  *8^-  *^">  fl'^-  *»•«*'» 
überall  q^npliji^,   i^  im.mnl.  ddt  Ifix  siph  daß  weibjichfi 

.*)  mth  diMer.flellfl^  ffolltjB  man  gltuhfii»  d^  Tod  ha^e  nir  den 
Mplipam.  dea  g.6fallneo  Mß  sich.  geooniQDeiij  die  seele  Mf  it^.a^^erw^ 
^■lAttgeii,  denn  es  heifst  Ton  pir  235  aidoqit  ßtß^uth, 

vi  Q«  M^jle^s  archi({|,  2  ausg.  p.  604.  696.  wegqa  des  pferde-, 
kopfs  tkL  Boeckh  corp*  inscr.  no.  800,  marm.  oxoo.  p."2.  no.  63.  67. 
ft/'ftocbeUe  modam.  inöd.il,  126.    Paasaoias  VII.  25',  7: 

***)  Horat.  carm.  I.  4,  13:   paUida  wutrs  aequo  palsat  pede  paa- 
pemm  IsberMS  regMiMiae  Ivffrea« 

t)  bedeuluDg  der  h^rbsleu  aotdrdeke   niaderf  langer  'gebrauch; 
^ispibr  Wal' 8.760  das  fraps.  g^oe. 

'  ff)  gol6. '*ßtJl*'(cor^a«(,  caroj,"  letcke;  Mchnam  (fcidareV);  ahd.  k^io^ 
ags.  Afcsp,  .J(9.hd.  ri  ^cadaTer,  Cunus),  gp^h.  hrSo  (wotod  hraivadilli)^, 
mlagtaa%e)  =r  tat  corfnm.    ' 

Grimwu  myihol.    8,  ausgabt.  Ol 


802^  TOD 

genüs  eAalien/  das  die  gotb.  form  gleicWalb  vertrüge, 
die  goth.  Wurzel  lautet  diva,  däu  (morior),  was  sich  za 
&vijaxm,  i&avov,  &dpaTos  wie  das  goth.  Tiv  zum  slav. 
dan  verhalt  (s.  177).  das  altn.  daudi  finde  ich  nur  für  den 
zustand  (z.  b.  Sa^m.  231^),  nie  fUr  die  person ,  letztere  aber 
drückt  schon  das  goth.  ddt^M  1  Cor.  15,  55  aus. 

Die  Verwandtschaft  der  Wörter  entsprechen  auch  ähn- 
liche Vorstellungen,  die  hauptsächlichsten  unserer  alten 
dichter  scheinen  folgende. 

Wie  alle  geister  urplöizlich  nahen^y  so  der  Tod; 
kaum  genannt  oder  gerufen  ist  er  da.  'hie  nähet  der  Tot 
manigem  manne'.  Roth.  277^;  'daz  in  ndheni  der  T6X\ 
Nib.  2106,  4;  'do  ndhte  im  der  TAt'.  Nib.  2002,  3;  'Mors 
praesens'  Walthar.  191 ;  'der  Töt  g6t  dir  vaste  zuo'.  Karl. 
69^.  er  steht  gleichsam  im  hintergrund  und  harrt  des 
rufes  oder  mtütes  (Freidank  177,  17.  'dem  T6de  winken* 
Renn.  9540).  er  ist  wie  das  fatum,  die  wurt  nah  und  xur 
hand  [^,  377).  ähnlich  dem  verfolgenden  kobold  oder  ir- 
wisch  hockt  es  den  leuten  auf  dem  hals:  'der  TAI  mir 
sit»et  üf  dem  kragen',  Kolocz.  174.  'sM  vor  der  tar\ 
Diut.  2,  153.  eine  sage  bei  Reusch  (no.  36)  läfst  den  Tod 
tor  der  thür  sitzen  und  warten  dafs  sie  aufgehe,  er  nimmt 
also  die  ausgehende  seele  in  empfang. 

Lebensmüde,  unglückliche  rufen  ihn  herbei,  sein  aus- 
bleiben beklagend:  *u>d  nüTöt^  du  nim  mich  hinP  Ecke 
145**);  *ifor^,  qar  me  pren;  si  me  delivrel*  Ren.  9995; 
'JJfor*,  cur  tam  sera  venis?'  Rudi.  7,  58;  '6  w«  Töi 
dazt  ie  86  lange  mtn  verbsreT  MsH.  1,89";  'pdr  ce  requier 
k  dieu  la  mort'.  H^on  nouv.  rec.  2,  241.  bekannt  ist  die 
aesopische  fabel  j^igwv  ual  &apaTOG^  sterben  wollen  heifst 
auch  den  Tod  suchen  **^)  und  nach  dem  Tod  senden,  ihn 
holen  lassen:  'jA  w»net  des  der  degen,  ich  habe  gesamt 
nach.  Tode:  ich  wils  noch  lenger  pflegen'.  Nib.  486, 5.  von 
einem  tragen  diener  wird  gesagt,  er  sei  gut  tuuA  dem 
Tod  m  schicken,  d.i.  er  gehe  so  langsam,  dafs  man  noeh 
aussieht  auf  längeres  leben '  behalte,  dies  Sprichwort  mufs 
weit  verbreitet  gewesen  sein:  'en  lui  avon  boa  mesagier 
por  querre  la  Mort  et  cerchier,   quo  il  revendroit  moult 


*)  oben  s.  302.  Reinhart  8.  un.  cm;  gleicb  der  Nickt,  dem 
Wiotor  andjäogsten  Tag  bricht  der  Tod  eio. 

**)  wie  Er.  5832  die  raabthiere  berangemfen  werdeo:  ^lo^  wA 
hungerifiu  Her,  b^de  wolf  und  ber,  iwer  einei  kome  her  und  eise 
hdb  beide!' 

***)  Straparola  4,  5   erzihlt  too   einem   jungling ,    der  neogierig 
aoazog  um  den  Tod  aufzufinden. 


i  tart*.  Ren.  588S;  Mu  werst  ein  bot  gar  gnot  zno  schi- 
cken nach  dem  Todt,  du  kommst  nit  bald*.  H.  Sachs  1, 
478<^ ;  Verst  gut  nach  dem  Tod  zu  schicken'.  Fischart  ge- 
schichtkl.  84« ;  <du  fir  god  att  skicka  efter  DOden*  Hallman 
p.  94;  %on  ä  aller  chercher  la  mort'  Pluquet  contes  p.  2; 
böhm.  Ho  dobrö  gest  pro  Smrt  posjlati'  Jungmann  4,  193*. 
Sollte  dieser  träge  diener  zusammenhangen  mit  OdnglaH 
und  Gdnglöt  dem  knecht  und  der  magd  der  alten  Hei? 
Sn.  33. 

Der  Tod  nimmt  die  seele  und  f&hrt  sie  weg.  *hina 
fuartanan  T6d'.  0.  1.  21^  1.  'do  quam  der  Tot  u.  nam 
in  hin*,  Lohengr.  186.  W  begrtfef  Gregor  413.  Diut. 
3^  53,  ergreif  Greg.  19,  ein  ausdruck,  der  auch  von  dem 
flberfallenden ,  bewältigenden  Schlaf,  des  Todes  bruder,  ge- 
braucht wird:  'der  Släf  in  begreif*  pf.  Chuonr.  7076.  er 
dringt  in  seui  haus,  dessen  thür  geöfnet  steht:  'gegen  im 
het  der  Tot  9lne$  hüses  für  entlochen'.  Bit.  12053.  'der 
TAt  weiz  manige  s&ze,  swä  er  wil  dem  menschen  schaden 
und  in  heim  %e  hAs  laden*^  Türh.  Wh.  2281.  'dA  in  der 
T6t  heim  nam  in  ün  g&Mnmer^,  'brftht  heim  m  «tit  gemiure\ 
Lohengr.  143.  150.  das  sind  schon  abweichungen  von  der 
ursprünglichen  idee,  die  ihm  keine  eigne  wohnung  zuschreibt, 
oder  steht  er  hier  der  Hei  gleich? 

Wahrscheinlich  trägt  er  wie  alle  boten  (RA.  135)  und 
wie  Hermes,  der  seelengeleitende,  einen  stab^  zum  zeichen 
einer  reise  oder  der  ihm  verliehnen  gewalt.  mit  diesem 
Stab,  mit  dieser  ruthe  (des  Wunsches)  berührt  er,  was  ihm 
verfallen  ist:  'laMort  de  saverge  le  iaucha\    Häon4,107^« 

Dem  Tod  wird  eine  wol  geebnete  und  in  bau  erhaltne 
Mttaße  zugeachrieben,  auf  der  die  todten  mit  ihm  wandern, 
'des  T6des  p/ol  wart  gebenet:  TurL  Wh.  22«  23>».  'dft 
moht  erbamoen  der  Tot  sin  sirda^'.  Bit.  10654.  'nu  seht| 
wie  der  TAt  umbe  sich  mit  kreften  hAt  gebouwen\  kl.  829. 
Wie  ein  behilflicher,  geschäftiger  diener  schmiert  ^  er  dem 
nenschen,  welciien  er  abholt,  zu  der  grofsen  reiae,  vorher 
die  schuhe;  in  Burgund  drückt  man  die  ankunfl  des  Todes 
aus  durch  die  phrase:  'quan  la  Hör  venrö  graisse  no  bot^, 
quand  la  Hort  viendra  graisser  nos  bottes  (noei  borguignon 
p.  249). 

Ganz  heidmscher  zug,  dttnkt  mich,  ist,  dafs  er  m 
pfetd  erscheint,  wie  die  valkyrien  reiten;  er  holt  xu  pferd 
ab ,  sei%t  die  todten  auf  sein  pferd.     in  einem  weitverbrei^ 


*)  danse  Macabre  p.  m.  55  fahrt  der  Tod  froit  vetyes. 

51  • 


teten  vplksli^id  naht  der  ferngesitorbn«  and  beg^ahpe  M^- 
tigam  mitternachts  und  führt  seilte  gßliebt(^  mit  sjch  ^). 
vielleicht  soll  jener  pferdekopf  (s.  801)  mehr  des  Todes 
^Is  des  todten  pferd  bezeichnen?  Der  Hei  und  ihrem  bo- 
ten wird  g;leich  andern  göttern  ein  pferd  zugestanden  ha- 
ben; das  bestätigen  noch  redensarten  und  ^leinungen,  die 
hin  und  wieder  bei  dem  volk  haften.  Wer  von  schwerer 
krankheit  genesen  ist  pflegt  zu  sagen :  'jeg  gat  Döden 
en  skiäppe  haore'  (Thiele  1,  138),  er  hat  dem  Tod  für 
sein  ros  einen  schefiel  haber  geopfert  und  ihn  damit  be- 
i^änftigt.  wie  die  Heiden  dem  Wuotaii  (s.  141],  der  (rau 
Gaue  (s.  231),  die  Slaven  ihrem  Sväntevit  und  Radegast 
(s.  628)  die  rosse  futterten.  Von  einem  schwer  und  pol- 
ternd auftretenden  heifst  es  :gleichfalls  in  Dänemark:  %an 
gaaer  sqm  en  helhesf  (dansk  ordb.  2,  545^).  von  diesem 
kelhest  erzählt  man  noch  andere  dinge,  es  soll  dreibeinig 
auf  dem  kirchhof  umgehn  und  den  Tod  herbeiführen,  nach 
einer  volkssage  wird  auf  jedem  kirchhof,  ehe  er  mensch- 
liche {eichen  empfängt,  ein  lebendes  pferd  begraben:  dies 
sei  das  ijimwi^ndelnde  todtenpferd  (Thiele  1,  137);  ursprüii^- 
tjch  war  es  nichts  anders  als  die  umreitende  todesgöttin. 
Arnkiel  1,  55. führt  den  $chleswigischeh  aberglaubeii  an» 
dafs  in  pestzeiten  die  Hei  *^)  auf  dreibeinigem  pfßrde  um- 
reite un(|  meiischen  würge;  wenii  dann  bei  nächtlicher 
weile  hunde  bellen  und  heulen  (weil  hunde  geistersichtig 
sind)  heifse  es:  'die  Hell  ist  bei  den  hunden\  Wenn  die 
Seuche  aufhöre:  ^die  Hell  ist  iefjagfj  wenn  ein  todkran- 
ker .genese :  ^er .  hat  sich  mit  der  Hett  abgefunden',  hier 
ist,' wie  in  andern  fälleii,  der  begrif ' deis  Todes  mit  der 
personificierten  seuche  zusamiiien'g^össen.  In  gfedichten 
unsere  MA.  wird  niemals  dieses  dmreit^n  des  Todes  geschil«* 
dert ,  wbl  aber  dafs  er  die  Seelen^  auf  ^eik  ^or  UM,  B^ 
beschrelbung  einer  schlecht  heillrt  es*,  ^seht,  ob  der  T6t 
du  iht  sin  soumer  tüed&?  Jd  er  ^as  unmüenec  gar^  Lo- 
hengr.  71.  Maz  ich  des  Tddes  tuoder  mi^'  in  lOed  und 
tax6!^t'    Ottocar  448*.     Df6  Neiigriechen  habe«  den  alte» 


(. 


*)  der'  mood  scheint  hell/  die  todten  'reiten  ichneU.*  Bärgen 
leben  p.  37.  WH.  2,  20.  *t  maantje  »chijnt  zo  hei ,  mijn  p^armjeh 
Ibpe  so  tnel;*  KM.  3,  77...  miran  8kiiifir\  dSdmtkrid^^  ^  sv.itis.  ], 
tiili.  oorweg.  *itiapen ; f lijiii^ ,  iümup  grUie»;  Täcl^du  *^|ij>  ri^d'?\,'^aQ 
Xg^  i^i|  ^e4i|(r.  lie((  i^e^  Wh.JHulIer  2,  64  und  Vuk  1  no.  404.^ 

**)  er  schreibt  ^cferHelF;  wie  l^Iattdeutsche,  wenn  sie  hochdeutsch 
reden  woUen,  den  artikel  rerwirren,  sie  sagen  auch  der  Pest  f.  die 
Pest.  •..  ,  • 


'••  •  *     r         ,:    .».     ,;,:t;  ..  *' 


TOfb  Ö05 

fergen  Xagwv  in  eirten  tUdbsboten  XAqoq  umgewändeh,  den 
man  mit  seiner  schwarzen  schaar  Ober  das  gie^birge  zfehdn 
sieht;  er  selbst  rettet,  vor  ihm  her  gehen  die  jüfigllngfe, 
hinter  ihm  folgen  die  greise,  die  zarten  kinder  sind  an 
seinen  9tätel  gereiht  ^.  Der  Lübecker  todtentanifc  (Bt^uns 
334.  35!^]  IfiFst  den  Tod  auf  einem  läwen  reiten^  und  so 
stellt  ihn  auch  ein  bild  dar  (Douce  p.  160).  Mortis  hdhenae. 
Abbo  de  bellis  paris.  1/187.  322. 

Die  todten  gehny  wie  gefangne,  in  Todes  ^aiiden; 
auch  nach  der  inmschen  Vorstellung  fUkrt  er  sie  gebunden 
fort**),  'eij  waz  nft  dem  TAde  geschicket  wart  an  rfii 
seif,  Lohengr.  HS.  'maneger  quam  an  des'  T6des  seif. 
das.  123.  <in  TAdes  sü  sHgerif  Ls.  3.  440.  'zuo  dem 
TAde  wart  geseilet:  Geo.  2585.  'w6  dir  TAtI  dln  slö» 
und  dln  gebende  bindet  u,  besliuzet/  Wigal.  7793.  'der 
TAt  hflt  mich  gegangen.'    Karl  81  ^ 

Jemehr  die  alte  gottheit  der  unterweit  zurück  und  der 
Tod  eigenmächtig  auf  trat,  muste  sich  eine  herbere  anf- 
fassun^  seines  wesens  oder  mischung  mit  andern  göttern 
ergeben.  .  aus  deni  stillen  boten,  der  nur  strenge  seines 
amtes  wartet,  wird  er  ein  gewinnsüchtiger,  gieriger  feind, 
der  tpT  seihe  rächnung  handelt^  den  sterblichen  fallen  stellt. 
Schon  0.  V.  23,  260,  legt  ihm  listiges  besutchän  (decipere) 
bei,  Cohrad  sink  und  netzegam  Troj.  12178,  was  an  jenes 
netz  der  Rftn  fs.  288i  800)  gemahnt.  Noch  heutzüliage  ist 
für  ibn  das  bild  eines  voglers  oder  fischers  hergebracht, 
der  dem  menschen  schlingen  legt  oder  nach  ihm  angelt. 
Mo  kam  d^r  TAt  als  ein  diep  tind  stal  dem  relnenl  wtbe 
daz  leben  üz  ir  Itbe.'  Wigal.  8033***).  Er  übt  abte^  auch 
ofne  geWalt,  er  süochet,  roubet  Nib.  2161;  3.  2163,  t; 
ftflt  nieder:  'iiifalta  sie'  0.  ffl.  l8,  34;  'mich  h«t  d^^  TAt 
geeangen\  Greg.  50.  jaget  Roth.  2750}  bekreHet  (fafst 
mit  kraflea?)  fundgr.  196,  2P,  da^i  ist  auch  bibliscb,  ps. 
91,  3 — 6  erscheint  er  als  Jäger  mit  stricken  und  pfeikn; 
sein  boteiistab  hat  sich  in  einhi' speer  verkehrt,  den  er 
wirft,  in  einen  p/eily  den  er  vom  bogen  entsendet,  be- 
merkenswerth  Renn.  24S08:  'wirt  dem  des  TAdes  sper  ge- 
sandt'; Frcid,  177,  24:  'der  TAt  gftl  her,,  der  widerseit 
uns  an  dem  sper^^  diese  Ifisart  ziehe  ich  der  aufgenoomi'- 


*)  Ttt  rgv^n^tt  naM^tüvlu  'a  rtfv  4i'kik  df^ndMOftha,  FiUriel  2, 
22a    Wh.  Miller  2,  8. 

**)  Bopps  söndflut  p.  37.  50.  buhez  saDtezNoDD  p.  205  tragt  der 
Tod:  *j*Minr6  toat  dan#  mes  lieint^  h  äo»  gtte.* 

***)  kbemdieb,  leuieteMäckM* ,  üatken  des  Todei.' 


,806  JOD 

nen  ftne  sper*  vor.  Oiinn  hat  einen  speer  Gftngnir  (s.  134) 
dessen  scbwung  oder  warf  tödtete.  der  litth.  SmerHs  er-^i 
scheint  als  krieffer  mit  schtoert .  und  spiefs  auf  einem  wa- 
gen fahrend  y  d.  h.  in  göttlicher  gestalt.  Es  ergibt  sich 
demnach  für  den  Tod  die  idee  seines  förmlichen  kampfes 
und  ringeni  mit  dem  menschen,  den  er  überwältigt  und 
erlegt,  'mit  dem  TAde  tehlen*  MS.  2,  82^;  'der  Tot  wil 
mit  mir  ringen\  Stoufenb.  1126;  'do  ranc  er  mit  dem 
Tode'  Nib.  939,  2;  'also  der  TAt  hie  mit  ime  ranl^. 
Ecke  184;  wir  benennen  noch  jetzt  so  die  agonie  des 
sterbenden,  ohne  etwas  persönliches  dabei  zu  denken.  In 
einem  neugr.  lied  ringt,  auf  glattem  marmor,  ein  kecker 
Jüngling  mit  Charos,  Von  morgen  bi3  zu  mittaff:  zur 
abendstunde  wirft  ihn  der  Tod  nieder,  ein  andermal  wan- 
delt sich  Cbaros  in  eine  schwarz  Mcktoalbe  und  schiefst 
einer  Jungfrau  den  pfeil  ins  herz*),  vielleicht  darf  eine 
zweifelhafte  stelle  Beov.  3484  auf  den  Tod  gezogen  wer- 
den, er  heifstda  ein  tödter,  der  mit  feurigem  pfeilbogen 
schiefst:  bona,  se  f>e  of  fldnbogan  ßrenum  sceoted*;  vgl. 
das  serb.  krtm^  (blutvergiefser)  oben  s.  19.  Brun  von 
Schonebeke  läfst  den  Tod  eine  tiersirängige  geisel  schwin- 
gen. Auch  unsere  mhd.  dichter  verleihen  dem  Tod  pfeil 
und  Streitaxt:  'des  Todes  sträk  het  si  gar  versniten'.  Tit. 
3770.  *w&  snldet  des  Todes  barie'  Wh.  3,  220  (cod.  cass.) 
die  isernporte  eines  meistergesangs  aus  dem  14  jh.**)  ist 
wol  UenU)arie?  hier  verheifst  der  Tod,  wenn  ihm  sein 
gegner  obsiege,  tausendjährige  frist^^*). 

In  solchem  krieg  und  streit  mufs  der  tod  aber  als 
anführer  eines  großen,  sich  ohne  unterlafs  stärkenden 
heer$  erscheinen,  es  wird  ihm  gefolge  und  gesinde  beige- 
legt: 'der  TAt  der  suochte  sAre  d&  s!n  gesmde  y/mJ  Nib. 
2161,  3.    schon  den  Griechen  heifsen  die  todten  qi  nXio^ 

*]  Wh.  Müller  2,  4.  6.  vgl.  Tommaseo   caDti  popolari  3,  301  ff. 

')  Hagens  mas.  2,  18B. 

*)  uQsern  dichtem  ist  aaoh  der  gedanke  nicht  fremd»  dafs  der 
Tod  aeinen  anspnich  auf  den  menacbeo  tferichäich  verfolge,  'do  be- 
gunde  der  T6t  einen  grilTen  beclßgen  und  mii  gewdUe  hpingen  ze 
nötigen  dingen.'  Iw.  5625  ff.  der  graf  heifst  'der  yerlorne ,  wander 
muose  im  ze  suone  geben  beide  sin  gesunt  a.  sin  leben.*  Ebenso 
ist  Iw.  7161  die  rede  yon  dem  'geUen  nir  des  T6des  seAefte«/  Tial- 
leicht  gehört  hierher  Nib.  2017,  5  'der  T6t  hiit  üf  si  geswom.'  Im 
ackermann  aus  Böhmen  ist  hingegen  der  Tod  ein  beklagter  und  der 
ehemann,  dem  er  seine  frau  geraubt  hat,  kläger.  Shnliche  rechtshfin- 
del  fSngt  der  Teufel  an.  *nu  kume  vil  grimmedicher  Tot  und  Tffate 
gote  yon  uns  beiden  !*  Ms.  i,  17.  bemerkenswerth  ist  auch  *mit 
des  Todes  hanteeeU  üherngek^.  Wh.  39 1|  27»  der  indische  goti  des 
Codes  heifst  Jama  und  ist  ein  henr  des  rechta. 


"] 


T09  8OT 

iri^  uDd  in  nh69m9^'  Mü&iti  bedeutet«  w«i  ic''jtt^v  i|i 
die  wohnang  des  grofsen  häufen«^  zur  grofsen  schaar  gfrr 
langen,  im  ackermann  von  Böhmen  wird  ier  Tod  genannl 
^hm^hnatm  vom  b^ge\  etwa  weil  er^  wie  im  griech.  liede 
{s.  805)  mit  seinem  heerzug  das  gebirge  decil?  in  des 
Todes  schar  vam/  Wh.  v.  Orl  2113.  ist  an  dh  varf 
(obiit)  Walth.  108,  6;  noch  heute:  'er  ist  aum.firofseB 
keer  gegangen.'  Wiewol  nicht  mitkämpfend  scheinen  die 
lodten  ein  heeneichen  (fahne  oder  speer)  zu.  tragen ,  das 
er  den  sterbenden  gleichsam  anheftet,  womit  er  sie  be- 
rührt, seinem  beer  einverleibt*),  so  verstehe  ich  'des 
Todes  reichen  fragmi  Nib.  928,  3.  2006,  1 ;  es  kann  aber 
auch  den  nebenbegrif  enthalten,  todeswunde  empfangtf 
haben  y  die  dann  für  sein  zeichen  und  wapen  gilt,  dacum 
heifst  es  Nib.  939,  3  /des  TAdes  sbeichen  ie  ze  s^re  snfit^^ 
wo  eine  hs.  wäfen  darbietet,  wie  auch  sonst  gesagt  wird 
'eines  tcäfen  tragen'.  Parz.  130;  4,  Freidank  74, 18.  Wi-^ 
gal  7797,  ja,  'des  tAdes  toäpen  tragen'  Wh.  17,  16.  Tri<^ 
Standes  zeigen  eueren'  Heinr.  Trist.  2972  bedeutet:  gleich 
ihm  verwundet  sein.  Schon  Alfred  Boeth.  p.  16  (Rawl.)  ge- 
braucht 'Deides  tdcmmff  und  man  darf  sogar  des  Zio  s^ei-- 
chen  (tftcen)  s.  182,  Odins  speer  s,  134  erwügen**). 

An  die  idee  der  botschaft  und  des  grofsen  haufens 
schlössen  sich  nun  noch  andere,  wahrscheinlich  weit  hin* 
auf  reichende,  boten  zu  sein  pflegten  im  alterthum  fiedler 
und  Spielleute:  es  lag  nahe,  den  Tod  mit  seinem  gesind^ 
einen  reihen  aufliihren  zu  lassen,  er  wirbt  sich,  durch 
pfdfen  und  geigen ,  nachfolger. . .  eigentlich  eine  heitere, 
die  härte  des  Sterbens  mildernde  Vorstellung:  abgeschiedne 
Seelen  treten  alsbald  ein  in  tanz  und  fest.  Schon  die  Rö- 
mer behaupteten  gesang  und  ian%  im  elysischen  gefilde***) 
und  es  stimmt  zu  der  Ähnlichkeit  seliger  geister  mit  musik 
und  tanzliebenden  elben  (s.  438).  unsere  dichter  des  13jh. 
reden  indessen  noeh  nie  vom  todtet^nn,  der  seit  dem  15. 
16  zu  den  populärsten .  vorsteUnngen  gehört,  in  der  hfiur- 
figen  redensart  'er  hit  den  T6t  an  der  hani.    Nib.  1480, 


*)  ygl.  einem  des  Todes  mwder  (inieder)  sntden.    Titor. 

**)  merkwürdig  spricht  io  jeoem  meistergesang  (mus.  %  187) 
der  Tod :  <aod  stst  bereit,  wenn  ich  dir  mtne  boten  (die  krankheiten) 
send,  die  dir  die  teicken  aeben\  die  dich  als  den  meinigen  stempeln. 
der  Tod,  nrsprnnglich  selbst  böte,  entsendet  geringere  boteiy.  «hier- 
her aach  das  KM.  no.  177.  Schon  in  der  altfranz.  chanson  des  Sa- 
xon8  2,  134.    *laMors^  Ie  semont  soTent  et  menu*,  durch  ohnmachten. 

***)  Virg.  Aen.  6,  644  pars  pedibos  plaudunt  chorea$  et .  carmina 
dicant    Tibull  I,  3,  59.    nie  choreße  canHuque  i'igent. 


4.  19fe6,  4,  19S8;  4.  Wigal.  2453.  4700:  AH)h.  266!' 345. 
359  sdheifit  tddhX  atifissett  «bm  VAhi  'gemeint/  bloß' zom 
wegfahret)  t  dAd  i$  at  hendi  (s.  377).. 

Da  des  lebetts  vefgänglTchkeil  schon  M  de^  h  schrifl 
dem  gras  und  heb  rerglichen  wird,  konnte  man  lefchl  In 
dem  Tod  eineii  inäder  oder  Schnitter  sehn,  der  menscheh 
wie  ßHimeil  und  halme  niederhaut,  messery  stehet,  neräe 
sind  ihm  in  dieser  beziehung  beigelegt,  ^ist  ein  ischniiter, 
heifst  der  Tod ,  hat  geiiralt  vom  höchsli^n  golt ,  heut  wem 
et  das  messer,  es  schneidl  schon  viel  bes^ier;  hüte  diöli 
schönet  bnmelelfir  Worte  einles  kirÖheMieds.  Mfere  ifich- 
ter  geben  ihin  ilie  diese  Werkzeuge;^  ifr6I  aber  wird  das 
bUd  des  äusgetragnen  Todbs  ztiweileifi  mit  einer  Hense  aus- 
gestattet (s.  732).  es  köVknte  auch  SpäterHitl  die  harpe  des 
f^iet;h.  ktonös*)  eingewirkt  haben,  vgl.  fäkiteneni  bei 
Radevicirs  2,,  11,  'einen  den  blumen  gesellen,  ins  gras 
beifsen  lassen'  Lohengr.  1^8  gilt  auch  von  andern  Siegern 
als  dem  Tod.  er  jätet  die  pflanzen  atts:  ^'n  lebens  garten 
der  TAt  nu  jaf.  Turl.  Wli.  23»*.  ümgekehH  heifst  der  Tod, 
gleich  dem  teufel,  ein  Sämann  y  der  seinen  sathen  als  Un- 
kraut unfer  die  leule  ausstreut:  'A6  der  T8t  stnen  sämen 
under  si  gessate.'  Wh.  361,  16.  'er  ier  durch  In  **  Td- 
diss  furch'  Ülr.  Trist.  3270  will  blofs  saufen  i  er  versetzte 
Ihm  tödliche  wunde. 

Eh  ich  einige  andere  Vorstellungen  ^rläule^e  mufs  ich 
die  beinamen  und  benenn^ngen  des  Tbdes  in  unserer  alten 
poesie  aufzfibten. 

Gewöhnlich  heilkt  er  der  grimme^  Roth.  2750.  Nib. 
1555,  3.  Mar.  218.  Ffo^e  1931.  Troj:  0317.  2025.  10885. 
Is.  3,  124*«);  der  j^ereh^mthe,  Moroh  lOi»,  iihi  glücki- 
lich  Verwandte  Zusammensetzung,  Aa  es 'dir  Tbd  auf  ferch 
und  leben  abgesehn  hat;  der  grimmige ^  Rbth.  517.  Reinfi. 
360.  1248.  Berthold  303;  der  bittere  [hingds  MrutöA 
amara^^  Mors,  Unibos  117,  4.  Diut.  3,89.  Mar.  206. 
Alex.  a.ampr.)  82i0.  1097:  äi9d9.  4782.  gr.  Buftd.  C^,  16. 
Wh.  253.  28.  W1g«l.  1118;  dfer '^«^/cÄ^^  TrbJ.  8521. 
22637;  der  süre,  Parz.  643,  24;  der  scharfe,  'ein  schar- 
pher  böte'  Freid.  21,  6 ;  der  irre,  Amgbi  29«  bei  W^zlau, 
also  wol  ärre,   mit  dem   sinn  der  zornige?;  der  gemeine 


*]  O.  Mollers  archiol  p.  599. 

**)  der  grimme  tot,  name  eines  messerS,  Wölfd.  1313,  merkwürdig, 
da    der  Het  messer  sultr  hiefs  (s.  289),  yonste^a  (e^urire),   das  im 
goth.  tvUtan  den  begtif  bat  ron  mori.  '     ' 

)  nach  Isidor  sogar  'nors  di«ta  quod  bH  aikartt.*  '     ' 


«»• ' 


(qtii  omne»  in8nel}'Evi.  TO81.  'Lattter  egrlKfeta  feAht*mine'A 
Yoii  i;dner'fmyeirm'eiWfchkeit,.grausanikeif,  herbheit,  nichts 
per^Otilielres  Hber  seine  ^esfftlt  terräthend.  tiiemäb  findet 
ISicb  der  sdhivatie,  der  bleiche;^' na<^&  dem  lat  mors  atra, 
mors  pallida,  Otto  n  h\i^'*palUdämors'tnTiicenOTnm' 
tcod.  laiiresh.  1,  182).  Re^ne^  239t8;  8a  lese  fch/def 
gehoe  \t\\  in  Vcfid^n  flHIefn  ist  nicht  da^s  ätisselin  des  To- 
des sondern  des  getödteteri  gemeint;  Üuch  Walth.  ti!4,  38 
VeniA  dr  tÄi'  der  trelt  sagt,  sie  sei  *irinÄn  «pörasei*  iarwe 
fmää^*  sam  der  Vöt'';  versteht  dahinter  dien  aüfenfhalt  dieir 
tödt^n,  di^  tiGlfe/  tiicht  dib  gektalt  des  ToiH^.  ,  ^Imet^ 
Tot'  wird  ^  In  einem  Ii^d6  angeredet  (Hagens  müä.  '2;  187); 
♦der  heiHjf  T*a*  tiennt  Ihrt  Et.  Saöhs  t.  5,  828»,  'her  TdVf 
leiiich  bloß  iil  d^r  a^redb/  Apollottiiis '%98  nnld  oR  iin  acker- 
mann  ans  Botimen.  ' 

Wichtiger  für.  die  Untersuchung  wird  ^  dafs  m  Reinar- 
dus  3^  2162  eine,  knöcherne  geige  'osse^  }xl,domini$s  Bit- 
cero*  j^eifst,!  ^[Oiiumter.nicbtis.. anders  als  d^r  Tod  kann  ge» 
meint  sein^  bezeichne  J^p  den  .bleichen,  oder  den  blecken- 
den,  oder,  was  ich  YÖjr;(iebe.,,£^i  es  der  eigennamefficf- 
gtTy  Btifiker  mit  bloff^r  landeutujig  jener  begriff^,  ein 
Imöph^rnffr  pferdekopf.  wird. hier  dem.wQlf,  als  Spieler^ 
fahmem  (joculandi  gnarus}  spöttisch  zur  geige  gereicht^, bei- 
nern wif  ein  todtßngerippe»  Nun  li^fse  sich .  jenes  s.  627 
nnerkläictß  (Mmt  ,cabal(inum  in  der  that  .als  symbol  des 
Todes  (&  •  804.]^  unict  des  todieprosses  (s.  ÖOl)  deuten,  wie 
die  klostergi^istlichei^  ^ur  ei:ifinerung  an  das  sterben  mensch- 
liche todtenköpfe  im  gemach  aufstellten,  mochten  sie  .^uch 
pferdeschädel  innerhalb  der  mauern  aufhängen?  einem  al- 
tern heidnischen  brauch  war,  wiedj^rum  christliche  betrach- 
tung  untergelegt?  Hat  dies  gruiiä^,  so  begreift  sich ^.  warum 
den  flandrischen  dichter' das  pferdehaupt  auf  den  Todjei- 
tete^  ja  es  könnte  sein,  dafs  fanatische  bildner  den  Tod  auf 
ihm  statt  einer  geig^  Ad^r  :pfe>fo  spielen  liefsen.*)?     * 

Auf  aire  mile'Tehrt  ddinihit»  BlUkro,  J&Ts  Wder  Mtte 
des  12  Jh.  die  Vorstellung  des.'JTodes,  durch  ein  gerippe 
gong  und  gäbe  war.  eine  frühere  spur  kenne  ich  nicht, 
halte  es  aber- für  sehr  möglich  sie  aufzufinden,  man  weifs, 
dafs  bereits   den  Römern  fleischlose,   v^rschrumpfte  larven 


*)  in  ^ederHsseii  ein  ort  TodenpfHfe.  RomfM  5,-  375.  Retn^- 
gins  dStnetio].  145  ISftt  in  hexenreinainhingen  Snf  einem  todlen  röi" 
köpf  statt  der  either  spieleD  und  dieftiB  hncilogfie  entscheidet  fast,  aueh 
bei  PKltfd.  ^8  SIttew.  (p.  m.  174)  eiti  Tod  mit  dei'  tei^r. 


8A0  T09 

oder  skeleiie  cor  beseicbnang  des  Tode«  dienten  %  Auf 
grabsteinen  des  HA.  werden  schon  frohe  leichen  als  ganze 
oder  halbe  gerippe  dargestellt  sein,  dichter  des  13  jh. 
schildern  die  WeU  (oben  s.  752)  als  ein  vornan  schönge- 
bildetes weib;  dessen  rächen  von  schlangen  und  nattem 
erfüllt  wird  **).  auch  dieser  gedenke  nag  ein  höheres  al- 
ter haben;  nahe  verwandt  ist  ihm  die  dic^ung  von  drd 
lebenden  und  drei  todten  königen  *^^ 

Diese  bald  allgemein  herschende  vorstellungsweise  des 
Todes  steht  den  antiken  abbildungen-  wie  der  altheidni- 
schen ansieht  schrof  entgegen*  den  lieblich  gestalteten, 
dem  schlafe  gleichen,  genius,  den  kindlichen  todesengel  bat 
ein  grfifriicheSy  der  Wirklichkeit  im  grabe  .verwesener  leich- 
name  abgesehenes  bild  verdrängt;  und  doch  zeigt  sich  hier 
die  Wirkung  der  alles  ergreifenden ,  alles  besänftigenden 
poesie.  die  älteren  Vorstellungen  des  tDegführenden^  anfalr 
lenden,  tankenden  Todes  auf  solche  larven  angewandt  haben 
eine  fülle  echt  volksmäfsiger ,  naiver  und  humoristischer 
bSdwerke  hervorgebracht;  ja  ihr  reichthum  ist  von  den 
künstlem  noch  lange  nicht  erschöpft,  ohne  den  rippen^ 
haften  Tod,  welcher  tracht  und  gebärde  der  lebenden  nach- 
äfft f)  und  gegen  das  blühende  leben  grell  absticht,  gienge 
der  reiz  und  die  eigenthümlichkeit  dieser  erfindungen  ver- 
loren. Weniger  ergötzend  müssen  processionen ,  Schau- 
spiele gewesen  sein,  welche  zur  zeit  des  15  jh.,  und  viel- 
leicht früher,  in  Frankreich  für  solche  darstellungen  üblich 
waren:  damals  entsprang  dort  eine  besondere  benennung 
des  todienian%e$ :  chorea  Machabaeorum,  franz.  la  datue 
Macabre  ft)« 

*)  O.  Möllers  archlol.  696.  697. 

**)  das  gedieht  ist  ror  dem  Wigalois  «bgedmekL 

***)  Staphorst  I.  4,  263.  Brajtir  1,  369.  altfraoz.  les  trois  mors 
et  les  trois  yis.  Roquefort  2,  780.  catal.  de  la  Valli^re  p.  285.  286. 
Tgl.  Douce  p.  31  ff.  und  catalogae  of  manascripts  in  the  british  mo- 
seam  toI.  1.  Lood  1834  p.22.  (cod.  aruodel  ao.  83  secxir)  samt  der 
abbflduog  auf  pL  7. 

f )  wie  iD  der  fabel  die  thiere  der  meoschen. 

ff)  neuste  sohriften  über  den  todtentans :  Peignot  recherches  sar 
les  danses  des  morts.  Dijon  et  Pariil  1826.  Francis  Douce  the  danee 
of  deatb.  Lond.  1833.  der  letztere  leitet  Macabre  ron  dem^  heiLlfa- 
earius,  dem  in  einer  Tision  drei  todtengerippe  erscheinen,  ich  be- 
greife nicht,  wie  daraus  chorea  Machabaeorom ,  was  in  den  illesteo 
Zeugnissen  gesohrieben  steht,  geworden  wSre,  Tgl.  Carpentier  s.  t. 
(a.  1424.  1453).  es  müste  sich  aus  den  alten  gemilden  erge|>en,  dafs 
man  die  sieben,  zugleich  ffemarterten  beiden  ()es  A*  T.  als  baupt- 
personen  eioflQ^ht*    Tielleicm  ist  ef  npph  richligav  macabre.  aas  dem 


TOD  8U 

Eine  andere  weit  Jünger  ab  Blicker  aciieinende,  jetat 
aber  allgemein  bekannte  benennung  des  Todes  ist  frewui 
Hern  oder  JJatii;  ich  kann  sie  nicht  einmal  bis  zur  mitte 
des  Torigen  jb,  binanfitohren  *).  an  sich  sieht  sie  alt  und 
passend  genug  auSi  wftre  auch  mancher  deutunc  flihig. 
nacb  vielfacher  berührnng  swischen  Tod ,  riese  und  andern 
geistern  könnte  einmal  der  name  Heine  (s.  471)  vom  ko- 
bold  hergenommen  sein  und  der  beisatc  freund  entspräche 
dem  gesell,  nachbari  holde  jener  elbischen  wesen,  die 
unter  der  benennung  Heimchen,  Heineken  vorkommen 
(s.  253. 428)  und  an  den  begrif  abgescbiedner  seelen  strei- 
fen, man  erwäge  den  niederd.  ausdruck  heinenkleed  für 
todtenkleid  (oben  s.  415).  weil  aber  auch  hünenkked  ge- 
schrieben wird  (das.  s.  489),  so  ist  man  auf  heun,  hüne, 
riese  (s.  489)  geleitet  und  selbst  Hein  liefse  sich  aus  Heimo 
(s.  360)  oder  Hagano  (s.  344)  erklären.  Eine  voigtländi« 
sehe  sage  vom  gotte  Hain  (Jul.  Schmidt  s.  150)  oder  die 
thüringische  von  einem  alten  haingott  (Rosenkranz  neue 
zeitschr.  I.  3,  27),  weil  beide  völlig  unsicher  sind,  mag 
ich  nicht  auf  den  ungewissen  freund  Hein  anwenden,  noch 
geringere  rücksicht  verdient  eine  benennung  des  mortuari- 
ums  hainrecht**),  die  wahrscheinlich  aus  heimrecht,  heim- 
fall entspringt. 

Kaisersberg  nennt  den  Tod  kobmeier.  er  schrieb  ein 
buoch  de  arbore  humana  (Strafsb.  1521  fol.)  'darin  ge- 
schicklich und  in  gottes  lob  zu  lernen  ist,  des  holtzmeyersy 
des  dotz,  frölich  zu  warten.'  118^  ferner:  'also  heifset  der 
tod  ein  dorffmeyer  oder  ein  hoüzmeyer,  vnd  billich  bat 
der  tod  den  namen,  wan  der  tod  des  hoUssmeyers  eigen- 
Schaft  an  im  hat,  als  ir  hören  werden,  wil  got.  die  erst 
eigenschaft  det  dorfmeiers  ist  communitas,  er  ist  ein  ge- 
meine person  allen  denen  die  in  dem  dorf  sein,  er  sol 
sieb  inen  allen  gleich  erzögen,  also  der*  hohmeyer  ist 
auch. gemein  allen  bäumen,  er  übersieht  keinem  bäum,  er 
hawet  sie  alle  ab'  ***).    Per  Tod  wird  hier  als  förster,  forst- 


anb.  magabir»  magabarash  (todteohof,  cimeteriam)  aa  deuten,  rg^ 
ober  dieae  daratelluogeii  Micbelet  hiaL  de  FraDce  4,  409  —  412  (Paria 
1840). 

*)  Moiaeaa  (Tolksm.  1, 16),  Claudiua,  GoUer  bedienen  eich  ihrer, 
nach  der  Torrede  J[.  R.  Scbellenberga  zu  freund  Heins  er^cbeinnngen, 
Winterthnr  1785  wireAsmns  erfinder  des  namens,  wai  ich  i^ehr  be- 
zweifle; Terbreitet  hat  er  ihn. 

*^}  Mittermaiara  priTatrecbt  §.  77  no.  27. 

***)  die  frähera  lat  aaag.  1514,  116b.  c  und  1519,  105^  «  haben 
in  klammern  'der  dorfmeyger  nnd  der  holzmejger.* 


I       •    •  •      •  • 

meister  aufgefaßt,  dem  6s  ahistebt  aII6  bSutne  des  ivaldes 
zu  föilen.  An  einigen  orten  äoll  der  tödtengräber  hok- 
tneier  genannt  werden.  ' 

Im  deutschen  scKlemmer,  einem  drama  des  liß  jh., 
heifst  der  Tod  der  bleicht  Streckefufs  oder  Siredkebein, 
auch  Gryphius  (kircbhofsged.  36)  nenni  ihn  Strickfufsy 
weil  er  sterbenden  die  glieder  streckt,  Ibst  (At/öi/ecAiy^), 
schon  in  dem  mehrangeffihrten  mdstergesari^  des  14  jb. 
*er  hat  kein  ru,  er  hab  gestreckef  mir  das  felV  (mus.  2, 
188).  Christ.  Weise  (drei  erzn.  314)  hat  Bleckezahn  und 
Streckebein;  anderwärts  finde  ich  Dürrbein^  Klapperbein^ 
natnen  des  skeletts.  die  beziehung  von  kupferbickel  (acker- 
mann  p.  34)  bleibt  unklar. 

Es  ist  übrig  einiger  ausgebildeteren  mythen  zu  geden- 
ken, die  sich  von  dem  Tod  erhaflen  haben,  und  gewis 
hohes  alters  sind. 

H.  Sachs  (1,  102*)  bedient  sich  vom  nahenden  Tode 
des  ausdrucks,  er  zucke  dbm  menschen  das  siülleiny  er 
stofse  ihm  den  stui  um,  dafs  er  zu  boden  stürzen  mufs. 
er  nimmt  ihm  sitz  und  stelle  unter  den  lebenden;  ich  ver- 
mute davon  eine  ausführlichere  erzählung.  Noch  gewöhn- 
licher heifst  es  in  gleichem  sinn;  der  Tod  hat  ihm  das 
licht  ausgeblasen  (wie  Berhta  augenlichter  ausbläst,  s. 
254),  weil  die  begriffe  licht,  leben,  aufenthalt  unter  le- 
benden fibereintreffen  *).  Die  lebenskraft  war  gebunden 
an  ein  licht,  an  eine  kerze.  an  ein  scheit,  mit  deren 
verzehren  der  tod  erfolgt  (s.  380.  386).  Biet  hängt 
nun  die  idee  des.  Todes  tief  zusammen  mit  der  von  dem 
Tatum.  der  genius  senkt  die  fackel^  dreht  sie  um^  bnd 
das  licht  des  lebens  ist  erloschen,  schon  detti  rieugebor- 
nen  kind  hat  die  norh  ein  licht  gezündet^  woran  seiVi 
lebensfaden  gebunden  ist;  vielleicht  bezieht  sich  darauf 
noch  das  kerzenentzüiiden  bei  geburlstagsbescherungen?**) 
Wir  besitzen  ein  Irefllch  ausgedachtes  märchen  von  dem 
gevaiter  Tod  (KM.  no.  44),  dessen  schlufs  eine  unterir- 
dische hole  darstellt,  worin  tausend  und  tausend  lichter 
in  untlbersehbarer  reihe  brennen,  diis  sind  die  leben  der 
menschen,    einige  noch  in  grofsen  kerzen  leuchtend,   an- 


*)  Wh.  416,  14  bi  Uehter  nunnen  Ai  verloieh  manegem  Sarra- 
zin fCn  Keht;  Lohengr.  133  er  fIuoo  hl,  dax  ftn  niüose  </a»  Uehi 
erUschen, 

**)  im  kiDderspiel  *  stirbt  der  fuchs  *lo  gilt  d^i"  ba?^'  (KM.  2, 
xyni)  ^ird  ein  brennendes  höh  herODiffereiuht ,  idesaen  «rloiclien  ent- 
scheidet. 


TW  ^ 

dere  schon  «o  kleinen  endchea  heriioter^ebrAqot :  fibßr 
auch  eine  lange  kerze  kann  umrallen  o^ler  umgeslälpt  wer- 
den« Vorher  geht,  dafs  der  Tod  einem  armen  mann  zu 
gevaUer  gestanden  und  seinen  pathen  mit  der  gäbe  be- 
schenkt hat,  ihn  wenn  er  sich  kranken  nahe  leiblich  zu 
erblicken,  und  aus  seiner  Stellung  zu  entnehmen,  ob  der 
sieche  genese  oder  nicht,  *]  Der  pathe  wird  arzt  und  ge* 
langt  zu  ehren  und  reichthum:  wenn  der  Tod  an  des 
kranken  haupt  steht,  so  ist  er  ihm  verfallen,  steht  er  zu 
seinen  füfsen,  so  kommt  der  kranke  davon,  einigemal 
dreht  der  arzt  den  kranken  um,  und  tiberllstet  den  Tod^ 
zuletzt  aber  rächt  sich  der  Tod  und  läfst  seines  pathen 
licht  unversehens  umrallen  **).  In  dieser  ganzen  fabel  er- 
scheint der  Tod  freundlich,  vertraulich  und  schonend,  erst 
wenn  äufserste  noth  da  ist,  vollstreckt  er  sein  amt,  daher 
auch  seine  gevaiterschaft  ***)  zu  dem  menschen,^  die  sicht- 
bar der  alterthdmlichen  einkehr  der  nornen  im  hause  des 
ireugebonien  und  deren  begabung  (s.  380.  383)  entspricht, 
wie  in  andern  kindermärchen  feen  zu  patnen  gebeten 
werden  f).  das  erlöschetide  ficht  gleicht  der  kerze  und 
dem  scheit^  an  welche  Nopagests  und  Heleagers  leben 
geknüpft  ist  (s.  380.  386).  Also  ein  uralter,  Hefdnfsch- 
deutscher  m^hns ^  bei  dem  man  sich  bis  irl  spfttei*e  zeit 
den  Tod  Aicht,  als  ^eripp  '  dachte :'  sondern  als  einen 
menschBch  oder'  göttlich  gebildeten,  fis  darf  nicht  1rer- 
wundem,,  diifk  (He  sage  mit  vielfachen  ab  weichungen  vor- 
kommt, Welche  KM.  3,  72  noch  unvollständig  angeführt 
sind:  nach  einigen  stellt  def  Tod  seinem  pathen  einen  ring^ 
zu,  mit  (dem  er  krankheiten  beurtheilt  f f )i  Schon  Hugo 
ton  Trifflberg  erzfihlt  am  schlufs  seines  ^erks  Won  denk 
Tode  me  er  ein  kini  hwp\  hai  aber  dürftige  aiiflbssnwg 
(ed.  bamb.  4366^ -t22):*  der  Tod'  verspricht  Ufeihem  ge- 
vatterj  ehe  er  ihn  abhole,  siknk  boten  zu  Üenden  (wie  irr 
dem  meister^esang  s.  800),  diese  sind  ohrenklingen,  augen-^^ 


*)  wie  An  %uk  lo  «der  «bwesdeade.  blick  dei  »ogeb.  ch«radfiai. 
ibef  l^D  od/Qr  (od  eet^i^l^^i^t.  ^yvBideiik  ein}*.  uutm>.  «9  <»>»« 
8tri\pUe  des  ^H^^I  und  der  alt/riuiz.  I^Uaire  (ftoqjief.  s.y.  paUdrioJi 
unaogefuhrt  uh(|. 

**^  VielTeichC  Btiefs  jper  umgeworfne  stuhl  zugleich  das  ficht  um  i 

***)  heifst  der  Toij   auqb  hruder   d^s    meDscheD'.    wie   soost   des 
Schlafs?     *bruoder  t6t'  Bert.  262  ist  fratru  mort.  "^    •   '*' 

f )  die  halbgöttlicheo  Dorneo   und  feen  schütten  and  beschenken 
wie^ripaichei^lheR.  .^,.,    .       .  -.,.(>•• 

ff  J  Ettnen  uowürd.  doctor  p.  .190. 


814'  foö 

fliefseii;  Zahnschmerz,  hautschrumpfen,  bartergrauen.  die 
gevatterschafl  allein  verbürgt  den  Zusammenhang  mit  dem 
späteren  märchen.  auffallend  ist  der  anklang  des  ahd. 
toto  (gevatter,  pathe)  mhd.  tote  (Parz.  461,  10.  Wh.  7,  21] 
an  tdt  (mors),  wiewol  die  quantitSt  der  vocale  beide  Wör- 
ter genau  scheidet  und  erst  ein  ablautsverhältnis  sie  wie- 
der vereinigen  müste ;  ans  dem  Wortspiel  erwuchs  die  sage 
nicht  ♦). 

Gleich  ausgezeichnet,  aber  heiterer,  ist  das  märchen 
vom  Tod  und  dem  Spielhansel  (no.  82.  vgl.  3,  135-148), 
der  jenen  auf  einen  bäum  festbannt,  so  dafs  sieben  jähre 
lang  niemand  in  der  weit  stirbt  hierzu  hat  Welcker  aus 
Pherekydes  nachgewiesen**),  wie  Zeus  dem  Sisyphos  den 
Tod  auf  den  hals  schickt,  der  ihn  mit  starken  banden  fes- 
selt, und  wie  nun  niemand  sterben  kann ;  Hades  kommt 
selbst,  macht  den  Tod  frei  und  überliefert  ihm  den  Sisy- 
phos. Die  deutsche  fabel  verwebt  den  Teufel  in  die  ge- 
schichte.  Seit  der  Teufel  in  den  besitz  der  höUe  gesetzt 
war,  muste  er  neben  den  Tod  treten,  wie  die  alliteration 
^tod  und  teufeir  beide  zusammenstellt,  auch  den  Litthau- 
ern und  Letten  wandelte  sich  Welnas,  Wels,  ihr  ursprüng- 
licher, todesgott,  in  den  Teufel.  Der  christlichen  ansieht 
gexQäfs  empfiengen  enget  die  Seelen  der  frommen ,  teufet 
die  der  gottlosen  (s.  796),  der  abholende  Tod  spaltete  sich 
also  in  eine  doppelte  gewalt,  je  nachdem  er  dem  engel 
oder  dem  teufel  glich,  als  englischer  böte  steht  er  dem 
christlichen  Michael  zunächst,  dessen  amt  es  war,  seelen 
zu  empfangen  (Horolt  2660.  2715),  vgl.  s.  797.  Von  ural- 
ten leuten,  die  noch  fortleben,  pflegt  man  zu  sagen  ^der 
Tod  hat  vergessen  sie  abzuholen.'  klage  122  beifst  es:  'der 
Tot  het  ir  tninne^  die  dA  sterben  solden,'  wüste  sich  ihrer 
wol  zu  erinnern,  oder,  wie  Lachm.  auslegt,  begehrte  ihrer 
zu  seinem  gesinde  (vgl.  oben  s.  806). 

Meine  ausführungen  werden  nicht  zweifelhaft  lassen, 
dafs  der  heidnische  Tod  in  eine  zweite  Ordnung  der  götter 
gehört)  weshalb  er  sich  »ach  vorzüglich  berührt  mit  den 
halbgöttlicfaen  valkyrien  und  nornen:  er  hängt  ab  vonf 
Odinn  und  Hei;  unter  den  griech.  göttern  stehen  ihm  zu- 
nächst Hermes  und  Hades,  Persephone  samt  Charon  dem 
fiihrmann.  sein  wesen  ist  aber  auch  dem  der  elbe,  h^us- 
geister  und  genien  nicht  unverwandt. 


*)  Tgl.  oben  8. 86  aber  die  yerwandtschaft  zwischen  got  und  gode, 
**)  anhang  zu  Schwenck   p.  323.  324. 


TOD    ^ 


flftS 


Wie  er  sich  mit  einer  zeitgotlheit  des  Jahres ,  dem 
WiDler,  mei^ifte,  erOrterl  <)ap.  zzrr;  darum  mag  er  eisige- 
mal  an  Kronos  gemahnen. 

In  unserm  heldenbuch  kommt  der  Tod  als  ein  obgott 
vor,  dem  der  Heide  Belligan  vor  andern  göttern  dient,  und 
dessen  bild  Wolfdieterieh  zerbricht,  ich  weirs  dies  sonst 
nicht  bestimmt  anzultnüpfen :  es  wird  ein  teuflisches  wesen 
verstanden  sein. 

In  den  finnischen  liedern  werden  hftufig  Manala  nnd 
Tuonela  neben  einander  genannt  und  doch  geschieden, 
jenes  ist  die  unterweit  (von  maa  erde),  dieses  das  todten- 
reich,  Tium  (=  ^^at  os)  der  Tod,  die  Halja. 


W^  SGHK^AL 


.  xxvm.   scHiiCRäi^  vm  heil. 

ttier  soll  eine  genauere  ijetrachtung  alterthümlicher  Sf)*: 
sichten  von  glüok  und  sqhicks^l  eingefügt  i^qcden,  als  sif; 
sieb  im  sechzehnten  cap,  yornqhmeu  liefsi  WQ  der  halb- 
göttlichen lenkerinnen  menschliches  gesc^c^ke^  gedachjl 
wu|?de.  aiich  greift  das  oig^ntUcfae  fatuin.  x^  dip  vprstei- 
iungen  von  geburt,  vorzüglich  aber  von  tod,, ,  >^elche  «abefi 
erst  auseinander  gesetzt  worden  8i\ni:  ein  mensch,  tijber  den 
naher  unausweichlicher  tod  verhängt  isl|  heifst  ip  fler  allen 
spräche  feig^). 

Unsere  vorfahren  scheinen,  gleich  andern  Heiden, 
einen  unterschied  gekannt  zu  haben  zwischen  Schicksal 
und  glück,  ihre  götter  verleihen  heil  und  seeligkeit,  vor 
allen  ist  Wuotan  geber  und  -Verleiher  jegliches  gutes, 
Schöpfer  und  Urheber  des  lebens  und  sieges  (s.  121.  125]. 
Aber  auch  er,  samt  den  übrigen  gottheiten,  *war  nicht  im 
anfang  der  Schöpfung,  sondern  ist  aus  dieser  selbst  erst 
hervorgegangen  (s.  426],  er  vermag  nichts  gegen  eine  hö- 
here Weitordnung,  die  weder  ihn,  noch  den  siegverleihen- 
den Zeus**]  von  einem  allgemeinen  verderben  ausnimmt 
(s.  293. 295].  einzelnes  entscheidet  sich  wider  seinen  willen, 
Balders  unheil  vermochten  Weder  Odinn  noch  die  Äsen  ab- 
zuwenden; ein  andres  beispiel  der  Übergewalt  des  Schick- 
sals s.  396.  Ragnarök,  der  Weltuntergang,  reicht  über  die 
macht  der  götter  weit  hinaus. 

Diese  urbestimmung  und  nothwendigkeit  aller  werden- 
den,  bestehenden  und  vergehenden   dinge  hiefs  mit  einer 


*)  ahd.  feigi,  mhd.  vet^e,  alu.  figi  Hei.  72,  4,  aßs.  pBjfe  BeoT. 
5946,  altn.  feigr;  die  alte  bedeutung  des  worts  hat  sich  in  Nieder- 
sachsen zulä'ngst  bewahrt;  *dar  is  en  veege  inn  hase*  (wird  bald  einer 
(sterben);  *en  vee^minsche ,  dat  balde  slenren  werd*;  'he  is  näa  nig 
veege*  heifst  es  yon  solchen,  die  gerade  eintreten,  wann  Yon  ihnen 
geredet  wird,  auch  nnl.  een  veeg  man  (ein  greis  auf  der  grobe), 
een  veege  teken  (todeszeichen),  veeg  mithin  debilis,  periculis  eipositus. 
nhd.  hat  feig  den  sinn  yon  furchtsam,  verzagt,  im  tode  yerzweifelnd, 
elend,  ungefähr  wie  das  lat.  fatalis  im  franz.  fatal  den  yon  Unglück* 
lieh,  widrig,    so  darf  das  litth.  paikas  (schlecht)  yerglichen  werden. 

**)  Ttjmaai  ßovXtrai  vU^v  (11.  7,  21.  16,  121),  wie  dem  Zeas 
überhaupt  ßovX^  (wille,  rath)  beigelegt  wird  (f^V^^  ßovXfrat  17,  331); 
einigemal  auch  >6og  (17,  176)  oder  yci^^a  (17,  400]  d.  i.  entschlnfs. 
seine  grofse  gewalt  yersinnlicht  die  goldkette  {at$gd  II.  8,  19 — 28), 
aber  nachher  anzuführende  stellen  zeigen ,  dafs  er  die  .entscheidung 
des  Schicksals  der  wagschale  überlassen  musle. 


SfHUaCStti  817 

pldralfbr«  wim.  tei^,  als.  giBcapu,  aga.  §e$cea^;  ein  abd. 
iotifj  kkäaf-  in  {[laichem  aina  bäte  ich  nicbl  apgeauirkt, 
obwol  der  ag«  vorhanden  ist  und  wie  d^  alta.  ag«  akap 
indflfot,  failipm  ausdrüoki  (Gfttff  6,  4&0).  die  apit^e 
utendiaeh&  apitaehe  ▼enrendel  daa  «laac.  skaptutdri  die  dilln« 
iUelme  i(altat  akepna,  farmay  iedelea)«  veraUrlU  wird  janer 
be^tf  allB«  dnrch  praefixe:  mvnUgiseapu  HeL  103,  7. 
refanögi$capu.(i&htm  e»  24))  decreta  fati,  anperorum,  wobei 
die  keUniadien  ToratoUnngän  ragin  und  wwd  deutlich  vor- 
barschen..  Der  eltn.  pl.  «otttr.  Utg  (statuta)  gHt  nicht  von 
sobickaal,  woi  eher  verbunden  mit  der  parlakel  ör  {ttf  or) 
örlög,  welches  in  den  übrigen  dialecten  zum  sg.  wird,  «hd, 
mrlae  (nenlr.7  die  atellen  bei  firaff  2  ^  06.  97  entscbeiden 
nicht  j  bei  N.  isl  «rlag  masc,  pl.  urlaga),  aita.  orlag,  aga. 
arläg,  «ud  urfeataatzung  bezeichnet,  weil  aber  den  Heiden 
der  ausgaog  des  kriegs  wichtigister  moman4  des  gescUckea 
war,  frühe  in^den  begrif  von  bellum  überUrpUi  HeL  132,  3 
scheint  wiagi  beUwn  von  jeneni  orhg,  ^Iflg  blun  unter- 
echieden,  eigentlich  sind  beide  dasselbe,  auch  ahd.  afr/atf 
mrieiäj  9l%s.  m'dai  gehe  von  deaa  begrif  des  jicbtaprucha 
über  tu  den  des  kanipfes«  Daa  altsu  eompeaku^i  (Mariagu 
(vüae  deoretun)  HeL  125,  15  bat  Booh  die  aKe  plurelliKW^ 
oMr,  aUar  ist  eigenlich  aeiwm  (e,  752),  /koeUa^  ahd.  Än(Ja 
teanpua,  sngleich  eber  vitae  tempua.,  daher  auch  diese  aus** 
drücke  in  den  begrif  dae  faliama  einflieCseni  vgl  aga.  ijre* 
sceapketl  Beov.  52;  alts.  aHa(/Mia  Hei.  LQ^  8»  ahd.  AfM^ 
ad&Ai*).  die  nhd.,  erst  apM  eiagiafillhrten  im^ennangen 
9thiok$äl  (von  aoiiicken  aptare,  vgL  geaoUckt  aftus),  .eer- 
hängniM ,  ftlgung  koBMnea  den  eUea  weder  an  kraft  naph 
einfeehhail  bei. 

Jenen  acapü.  and  lagu  eMspoeohea  die  lerbalaosdr^e 
9ckaffßn  und  le§mf  wektha  techiaiaeh  von  Am  anordnungea 
des  achickaals  gelten  (s.  379«  381  )i  ^iat  tha  kinde  nskepen' 
{ist  es  dem  tktnde  geschafcin)  heifat  es  In  dem  altfriea.  recht 
49^  10.  Bian  aagte  aber  auch  aitn.  nfte  (deatinare),  einem 
:elwaa  wuiknken^  ML  akidf^  (vielleicht  auch  ahtilön), 
.mhd.  dbiaa  and  ftaateUsn  (weil  aide  und  alahie  «iah  nahe 
stehn). 

Das  schickaal  hat  es  hauptsftchllcfh  mit  begbin  und 
schluTs  des  menschlichen  lebens  zu  thun.  zu  dem  neuge- 
bornea  und  dem  sterbenden  tritt  die  Wurd^   und  vorhin 


*]  toüsdlda  { fortuna )  N.  Gap.  20.  ^  25.  53.  77.  rohd.  wUMald€ 
haiaercfar.  cod-.paL  Zf^i,  18  ff,  Gfo,  61  >;  diu  wtfe  mlfi  and  ich  nües 
got  bevolhea  atn.*    Bit.  3b. 

Gritmms  mjftkol,    9»  musgmht,  52 


Sl»  SCRICICSJkL 

angefahrte  fremeimaiigeii  des  schieksals  'wejfiim  Ton  den 
diohterti  meistentheils  fttr  eins  oder  das  andre  dieaer  er^ 
eigirisse  verwendet,  s.  b.  Beov.  51  tö  pegGeephTlle  (zur  be- 
aoiiafften  zeit)  sterben;  Hei.  103,  7:  th6  qutemi  wwde- 
giscapu  themn  ddagan  man,  orlaghnlle,' that  he  ihit  Seht 
fcrlftt.  Aber  schon  die  gebnrtsstande  entscheidet  über  des 
iebens  'verlauf  und  ausgang.  äqualem  Noicentia  attuiit 
tälis  erit.'  'Parcae,  füm  aUquis  natcUm*,  valent  evm 
designare  ad  hoc  quod  volunt'  (anhang  s.  xxz.  xxzvni). 
Wie  die  eintretenden  nornen  oder  feen  begaben,  wie  sie 
schaffen^  danach  fügt  sich  der  ganze  iebenslauf  des  neuge- 
bomen  •). 

Es  ist  abwächung  von  dieser  äUeHen  ansieht ^  wen« 
die  beihlimmung  des  Schicksals  in  die  htode  der  götter  ge- 
legt wird,  aber  auch  eine  sehr  alte.  Gewis  setzte  frähe 
schon  vieler  menschen  glaube  den  höchsten  gott  an  die 
sjrihe'  aHer  weltordnung  und  iiefs  jene  weisen  franen  nur 
seine  befehle  verkünden,  im  achofse  der  gStter  ruht  die 
Zukunft  j  &etip  iv  yovvaat  Mttat,  damit  berührt  sich  auch 
das  kniesefzen  und  schofsnehmen  von  seite  der  väterlichen 
oder  mütterlichen  gottheit  (s.  608.  799);  Wenn  über  den 
göttem  selbst  eine  noch  höhere  gewalt  des  beginns  und 
end^s  aller  dinge  gedacht  werden  konnte,  -so  galt  ^dooh 
Ihr  ansehn  und  einflufs  hinter  den  menseben  für.  unbegrenzt 
und  unermefslich,  alle  menschlichen  angdeg^nheiten  standen 
unzweifelhaft  vntär  ihrer  leitmig. 

Gautrekssaga  meldet  (fomald.  sog.  3^  32)  HrosAOrs^ 
grani^*)  habe  um  mitternacht  seinen  pflegesohn  Starkair 
geweckt  und  im  boot  mit  sich  auf  ewe  insul  geführt  hier 
safsen  in  einem  wald  eilf  männer  zu  gericht,  der  swMfte 
'stüM  war  teer;  ihn  nahm  Hrossbftrsgnini  eitt  mid  wurde 
yon  allen  alsOdinn  begrifst.  Odin»  spraeh,  die  richter 
sollen  StarkaArs  Schicksal  bestimmen  (dömendr  skyldi  dcsma 
örlug  St.)  da  hub  Thor  an,  welcher  der  mutter  des  Jüng- 
lings zürnte:  ich  schaffe  ihm,  dafs  er  weder  söhn  nodi 
4ochter  haben  und  seinen  stamm  enden  soll.  Odinn  sprach: 
ich   schaffe  ihm  f   dafs  er  drei  mannesalter  leben- soll  **^). 

*)  wir  sagen  nocl^  beute ;  zo  gUickUeker ,  Jf^äer  $hmde  geboren 
jRrerden.  ahd*  mit  heilu  er  giboran  ward.  0.  Sal.  44.  im  altapao. 
Cid  liaufig :  el  que  en  buen  ora  nascio ,  el  que  en  huenpünto  nascio. 
'äas  diesem  begrif  der  guten  iinnde  des  beginn»  (il-la- b#iine  heure) 
hat  sich  der  franz.  ausdruck  bonheor  (masc.)  für  gluck  insgemein 
erzeugt  ähnlich  ist  für  den  erwerb  der  ritterschaft  das  altspan.  el 
que  en  buen  <n*a  cinxo  espada. 

^      ^*)  d.h.  Graui,  St^grani,    der  birtige,   (Minns  %elname  (s.  184). 
** )  Tgl.  Sazo  gramm.  p.  103.  i      •    .       . 


aOSICKSAJk  9i» 

Thdr :  in  jedem  aller  soll  er  ein  'ntdlngsverk'  Ibun«  Odfnn ; 
ioh  schafB  ihni|  er  eoH.die  ^eslen  waiTen  «od  kleider  JMl^en* 
Thor :  er  soll  weder  land  neeh  gmiid  haben.  Odion :  ieh 
g0be  ihm,  dafa  er  riel  getd  iind  gat  habe.  ThAr:  ich  lega 
ihm ,  in  jedem  kämpf  soll  er  schwere  wunden  empfangen« 
O^inn:  ich  ^e.ihm  die  gäbe  der  diohtkunst.  Thor:  wai 
er  (tiehtet,  soll  er  nicht  behalten  können.  Odinn :  das  schaff 
ich  ihm,  dab  er  den  edelsten  und  besten  mfinnem  werth 
erscheine.  Thftr:  dem  volk  soll  er  verhaGst  sein.  .Da 
sprachen  die  richter  alles  dem  Starkadr  zu,  was  bestHnmi 
war,  das  gericht  hatte  ein  ende  und  Hrosshftrsgrani  mit 
seinem  zdgling  gieng  zum  boot. 

Th6r  spielt  hi«r  ganz  die  roUe  der  feindlichen  fee 
(s.  383  —  85),  er  sucht  jede  gäbe  durch  üble  zuthat  zu 
mindern,  nicht  dem  neugebornen,  vielmehr  anwachsen- 
den knaben,  in  seiner  gegenwart,  wird  das  Schicksal  ge^ 
schaffen. 

Nach  der  gr.  sage  entschied  Zeus  nicht  immer  unmit'* 
lelbar,  sondern  bediente  sich  zweier  schalen p  in  welchen 
er  die  geschicke  wog:  so  zwischen  Troern  und  Achäern, 
zwischen  Achilles  und  Hector: 

ual  vof<  &ij  ;[pi;cr«ia  natijQ  imtai¥s  f  aAcuwo" 
iv  i^  ivi^si  4vo  %iji^s  Tawii^sydog  ^ßfdtao, 

shisdh  ßjUaca  Xafidff'  QenB  &  aloiiaqvfiiiiaQ* A'nam¥* 
0.  8,  69.  22,  209;  vgl.  16,  658.  19, 223.  ebenso  zjvisctien 
Aeneas  und  Turnus  Aen,  12,  723:.  .,.      . 

Jupiter  ipse  duas  aequato  examine  Umces  ,  , 

flustinet,  et  fßi^,  imponit  diveraa  duortim^         .   ,     . 

quem  damn^l  labor  et  quo  tergat  poipdere  letuip, 
ich  fllbre  das  damio  näher  an,  weil  auch  die  ohristliche 
Jegende  dem  seel^gel^itenden  erzengel  Michael  ßf^lcn,  heir 
legt,  worin  die  guten  und  bösen  thaten  sterbender  gegen- 
einander abgewogen  und  nach  dem  befund  die  , Schicksale 
der  Seelen  bestimmt  w^den*).,  die  Anwendung  der  wag- 
schale auf  handlungen  und  Sünden  liegt  nahe ;  auch  im 
(apocryphen)  vierten  buch  Esrae  3,  44  heifst  es:  ^nunc  ergo 
pondera  in  siaiera  nostras  iniqnitates',  und  4,36:  'quoniam 
in  statera  ponderavtt  seculum'.  Jomsvtktngasaga  cap.  42 
(fornm.  sog.  11, 128.  129)  beschreibt  zauberhafte  glucks  oder 
wunschschalen  des  HAkon  iarl:  stdan  tekr  iarl  skätir  gödar 
fiter  er  hann  Mli,  )»er  voro  gerver  af  brendn  silfri  ok  gyll«- 
dar  allar,    en   bar  fyfgdo  2  mel,   annat  af  gülU  en  annat 

*)  Tgl.  D.  S«   no.  479.    belege   sammelt  Zapperts  ?ita  AcoteoCi. 
Wien  1839  s.  8a  89. 

52* 


020  demcKSAt 

tf  iitfH;  k  hyArotvef  gja  melino  mr  gfert  sein  yieri  Itkneskja, 
ok  h^lo  ^at  hlotar,  en  ^al  Yoro  reynihnr  hlntir,  aem  mön- 
nttm  Tar  titl  al  hafa,  ok  fylgdi  fiesao  nAttüra  mikil,  ok  til 
^sa  atls,  er  iarli  |»dtti  skipta,  ^4  hafdi  baan  {»ess»  UvtL 
iarl  tar  f)vt  vanr  at  leg^gja  hloti  ^essa  t  skilirnar^  ok  kvad 
k  hvät  hvAr  skyldi  merkja  fyrir  bonam,  ok  ftvalt  er  vel 
gdngo  hlutir,  ok  sH  kom  app,  er  kann  vildi,  j>ft  var  sA 
ökyrr  hlutrinn  !  akUlinni,  er  {nit  merkdi  al  httilfi  viidi  at 
yrdi,  ok  breysti  sfl  hlutrinn  nokkot  stU  t  akdiinni,  at  giam 
vard  af. 

Ich  finde  nicht,  dafs  in  nnserin  ältesten  heidenthnni 
das  fatum  aus  den  gesHmen  bei  der  gebort  beortheitt  wurde, 
diese  Weissagung  (s.  684)  scheint  erst  dem  späteren  MA. 
bekannt.  Radulphus  ardens  (ein  aquitaniscfaer  geisäicher 
des  11  jh.)  sagt  in  seinen  bomifien  (Antrerp.  1576.  p.41i>): 
cavete,  fratres,  ab  eis  qui  mentiuntur,  quod  qoando  qois- 
que  nascitur,  Stella  ma  secum  nascitur^  qua  fakun  ejus 
consHtuUur,  sumentes  in  erroris  soi  argumentuin ,  quod 
bic  in  scriptura  sacra  (beim  stem  der  magier)  dieitur  ^Stella 
ejus.'  Ein  beispiel  liefert  Klinsors  sternsckauung  auf  der 
Wartburg. 

Einzelnen  menschen,  wie  ganzen  gescblechtern  und 
Yölkem  war  also  daner  und  heil  im  voraus  angeordnet*), 
aber  die  anssprfiche  der  nornen  und  g<)tter  lagen  gehüllt 
in  dunkel,  welches  sich  nur  vor  den  blicken  weiser  mlln- 
Tier  und  trauen  entdeckte  (s.  372)*^.  das  volk  g!flubl4 
an  vorherbestimmung  der  geschicke^  wie  an  gewisheit  des 
todes. 

Den  altn.  fafaHfmtts  bezeugen  fdgeftde  stellen.  Hagt 
er  alt  farf  Stern.  175^*  'era  med  löstom  löffi  ffifl  I>er.'  Nias. 
'sift  mun  gipt  lagid  A  grams  ffifi.  179^*  ^mvnat  sttöpam 
vinna.'  no^^*  ^einö  doßgri  mer  var  aldr  um  ritäpait  or  allt 

*)  nicht  sehen  an  den  besitz  gewisser  sacken  gebanden :  ein 
kort  zieht  das  ganze  geschlecht  der  Nibelünge  ins  Vei'derben,  die 
gäbe,  das  hMnod  der  uterge  {^  42S.  420)  bedingt  den  glnokitaml 
einzelner  familien« 

**)  es  ist  beachtenswerth,  daCs  nach  altn.  ansiebt  nicht  allen  göt^- 
tem^  sondern  nnr  den  höchsten  kenntnis  des  Schicksals  beiwohnte, 
wie  auch  bei  den  Griechen  linr  Zeus  und  die  er  zu  yertrauteo 
machte ,  darum  wüsten,  yon  Frigg  steht  S»m.  63b-  at  Öll  örlög  Titi, 
]^6tt  hun  sialfgi  segi,  sie  wisse  alle  geaehieke,  sage  sie  abitr  nicht, 
auch  sagt  Odinn  S»m.  62i>,  dais  GeQon  das  si^idisdl  .der  wek  («Idar 
Örlög)  i^ich  ihm  selbst  kenne»  Unter  den  menschen  erspihen  ein- 
zelne beiden  und  priester  die  geheimnisse  der  Zukunft,  Torznglich 
.  wird  Gripir  genannt  (s.  84);  fraaen  uid  prieaterinBea  Wohnte  die 
gäbe  der  Weissagung  bei.  •  -     ^ 


FAf AUSM»  «^ 

hverr  «I  Y#am  er  wHai  er.'  ^t  man  verda  fram  atkoma, 
lem  4BÜai  er/  ^ecki  man  mer  '^at  uXoda,  ef  mer  er  dou*- 
iImmi  wüaär'  koyna  nsaQ  tu  min  feigäm  liTtr  aem  ek  em 
staddr,  ef  mer  verdr  j^efii  oitdiL'  Nialea.  p.  10.  23.  62. 
103.  So  m  achwed.  und  dftn.  volkaliedern :  ^detta  var  migr 
apadt  «ti  laiii  bamdorn/  Arvidaa.  2,  271 ;  'hver  akal  nyde 
ikklmen  aiQ.'    DV.  1,  193. 

Nioht  andera  bei  aiibd.  dichteni:  ^swaz  sich  aol  füe^ 
fm,  wer  mao  daz  underalfin?'  Nib.  1618,  1;  'avfaz  ge^ 
tchehen  sol^  daz  ftteget  aick'  Frauend.;  ^dd  aterbeni  wan, 
die  t^e^en,'  NU>«  149,  2;  'ez  sierbent  niuwan  die  veigen 
die  l9^en  doch  dfl  beiine  töt.'  WigaL  10201;  Mi  veigen 
jMen  dar  «ider.'  Lampr«  2031 ;  bianerstirbet  iimaii  wi»n 
di  wigeik'  pf.  Cbuoar.  8403;  ^tben  zeigen  onac  nie- 
laaa  bebuoien,  Ibia  erthe  ne  niag  in  niht  üf  gehaveiii  scol 
er  Ihn  mrerlhen  gealagen^  er  atorve  thoh  thaheime.'  jr,  belli 
42^;  'awie  ringe  er  iai  der  i^eig^  man,  in  mac  roa  noch 
enkan  nihl  Tflrbas  getragen.'  Karl  721»;  Mie  eet^en  moo* 
aen  Ijgeii  tAl.'  tivL  ehren.  59^;  ^4^t  veigen^  mao  keiner  geh 
nesen.'  das.  78*;  ich  ensterbe  niht  ear  w^Mem  Uto\  Herb. 
534}  fmemM  aierbensol  wan  ae  sSnem  gwxUm  M.'  Uir. 
Triat.  2306;  <daz  aver  aool  werden  daz  nemoc  nieman 
«naeiKbii«'  Diiit  &>  71;  'gemaeh  erwenden  niht  enkap 
awaz  dem  man  g^chehen  sei'  Troj.  58® ;  Maz  mvose  w^ 
nm^  das  geacbeeh/  Orl.  11167;  'swaz  ge^chehm  9qI  daz 
gnchiM  Fraid*  132>'  Jfs.  1,  66«  7P;  dae  $qit  elu  ^n,  aui 
istez  geacbehen.'  Ib.  1,  74*;  'ez  geachihi  swaz  ge$ehe^ 
km  ao(.'  Orl.  14312 ;  ^ez  geachihi  niht  wan  daz  sei  ge*- 
achehea'«  Lanz«  6934;  'ez  ergA(  doch  niht  wan  ab  e%  9oV 
Tiiat.  ^77&;  'toi  avenra  qaiu|ne  d(M  mmir.'  Ogier  780St; 
Ü)in  Üb  gemikch^  aA  geniae  ick*  a.  Heinr.  190;  Swaz 
ich  gelnon,  bin  ich  genisH^^  ich  genise  vool,  bin  ich  dem 
valle  ergeben,  aen  bjlfet  mich  mtn  |(YoItuQn  nicht  ein  hAr.' 
Ms.  2,  129*;  ^z  eluoae  stn  und  ez  was  mir  beichaffen' 
JI&  2,  1^4^ ;  ^diu  maget  wa^  )u  beschaffen:  Wigal.  1002 ; 
^ea  wen  im  be$kAt!  EratH»  2394;  ^wez  iat  geschaffen, 
daz  »uoz  geschehen.*  MsH.  3,  434^;  'mi  mir  daz  wa^ 
tu  teik:  En.  11231 ;  ^z  was  eHteile  uns  gefdn/  Herb. 
18416;  'ez  ist  mieh  xangebara:  Herb.  Q"^'  beschaffe»,  ge^ 
sehaffen  and  beSlam  sind  identisch  dem  altn.  skßpßt  und 
wilatf  und  diese  gleichheit  der  werte  zeigt  noch  den  Zu- 
sammenhang mit  ^er  heidnischen  lehre.  selbst  heute 
berscht  unter  dem  gemeinen  m^nn  häufig  die  fatalistische 
ansieht  (Jnl«  Schmidt  p.  91.  163).     'es  mttste  mir  sein  ge^ 


.f  -  ,  ^Ij^^-Weib'es  s.  211.    ^«tun 

-t  ^  ,  ät*^  ^ iMcheht,   eg-o  antem  addo: 


"  ^tt^'f^.  rf<»  *^" /aflfeitt  mit  einander.'    sermo- 

*^'  *^''2jS»  <"«  g«'»«**'  «•«»  sehieksals  jegK- 


I^^IT'ri^  """  TeiBy  Mttitöich  aber  ftng  man  Irfi,  was 

^Jü^^^  ^^fj^nd  dem  tod  im  menschlichen  leben  heil 

rfj^  der  ^^^^^fi^  schien ,  besonderen  wesen  zü2uschrei- 

JM^^^if^cben  ^^  Römer  neben  /wtga  und  fatnm  eine 

b^f  ^^  mhe  Tvffi  und  Forfima  behaupteten. 

.^^^^^im.  sprhäie  unterscheidet  ein  fem.  heill  (Micitas) 

Vi^  ^^entr.  heil  (omen),    ebenso  steht  das  ags.   fem. 

roll  ^.^ns]  ron  dem    neutr.  h»l   (omen),    das  ahd.  fem. 

^      fmos)  ^^^  ^^''  (oiheii).    das  mhd.  neutr.  heil  vereinigt 

be^   bedet/tangen.     personificationen  dieses  begrifs  kenne 

^hkBnnif  ^  müste  denn  eine  mir  unklare  stelle  in  OMoc. 

^h  diftfluf  beruhen,  wo  als  gemeines  Sprichwort  angegeben 

^.  tchvm  hail  häuenstaini*   Ms.  2,  130>>:  ^az  ob  iuwer 

]l^/  eime  aiidern  kumel  an  stn  seil/    schon  0.  II.  18,  13 

.<fliÄ«  Ä^'  *^>  gifÄhit  iuwih.' 

'  Desto  gewöhnlicher  kommt  bei  den  dichtern  des  13  jh. 
gaUe  (Fortuna),  als  ein  weibliches  wesen  vor,  das  ist  nioht 
etwa  den  romanischen  Schriften  nachgeahmt:  schon  das  ahd. 
sdUdä  erscheint  in  gleicher  beziehung  und  die  vorhin  an«*- 
geführte  Zusammensetzung  Atitb^/tda  drückte  dasselbe  ver«- 
stärkt  aus.  0.  L  26, 4  von  der  taufe  Christi  im  wasser  redend 
bedient  Ü^h  der  merkwürdigen,  durch  keinen  geistSeheii 
Schriftsteller  in  ihm  angeregten  phrase:  'std  wachSia  aitte 
mannen  thiu  SäHda  In  thta  undoh.'  wachen  setzt  leben 
voraus,  noch  deutlicher  geht  die  persdnification  aus  den 
4  jhh.  jüngeren  dichtem  hervor,  ^nser  Sakk  wackeL' 
Parz.  550,  10;  ^mlli' sorge  sMfet,  s6  An  SwUe  loachet' 
Tit.  31,  3;  ^zaller  zlt '  des  8(»IA9  wadheW  Ms.  1,  16>»; 
-unser  Smlde  diu  wil  wachen!  Trist.  9430 ;  fdes  noch  ^ 
Scelde  ioach^V  Ernst:  5114;  Ir  Smlde  wachet'  Amgb. 
35*;  Maz  mir  Saide  voache!  das  43*;  'ich  w«n  stn 
Si^lde  »Idfe:  das.  44^  ^s6  ist  im  al  diu  Swlde  erläget! 
Trist.  9792;  'diu  Saelde  ist  dir  betägel!  Wartb.  kr.  jen.21; 
'diu  Sa&Ide  was  mit  im  betageU*  Dietr.  5i»27*;  'iuwer  5^/(fe 
Wirt  erwecken    Lohengr.  19.    nicht  zu  übersebn  in  diesen 


*)  ihDliches  glauben  die  LiUhauer  and  Letten,  ihr  fatum  keifst 
Ukümaii  Hktens,  Yon  likt  (legen,  ordnen),  sie  sagen  *tai  buwo  jo 
likkima*,  *ta8  jan  bija  winnam  Uktt*,  das  wlur  ihm  bestimikit,  geordnet. 


SÜLDB  82S 

nU.  belegen  du  pcMMsnv*)  oder  der  gen^,  «fie  Saride 
eignet  sich  beetunmieB  menschen,  schirnl  und  beglückt  sie, 
»achi  für  sie^  währmul  sie  $ekkifenj  wie  man  sugl:  dtffi 
flack  ist  nur  im  schlaf  gekenmen.  Bine  so'  gasgbare  ve^ 
densart  braucht  nicht  iaimer  zu  personifictereb :  'dajB'  im 
stn  heil  nihl  slief.'  Troj.  0473;  'd*  wachet  echande  und 
steft  daa  heil;  aanberb.  1113;  ^Tristans  gelückedA  nihl 
slief.'  Heinr.  Tr.  2396.  ja  sie  wurde  auf  ähnliche  begriffe 
erstreckt:  des  ^waehel  stn  6re  und  ooeh  stn  lop^  .  Amgb. 
47*;  ^ir  milte  wachet.'  Amgb.  12^;  4r  genade  mir  rouoz 
wachen/  Ms.  1,  33*;  'ich  wiene  an  ir  ist  gen  Ade  entslftfen, 
daz  ich  ir  leider  niht  erwecken  kan.'  Ms.  1,  48*;  'da 
(jninne)  bist  gegen  mir  harte  entslAfen«'  Ms.  1,  60*;  'mtn 
schade  wachet.'  Ben.  121 9  <dtn  kraft  knil  eilen  i6  nibl 
slief.'  Parz^  85,  24;  noch  heute  sagen  wir:  'der  yerrath 
schläft  nicht';  obgleich  einige  solcher  reden  persönlich 
gßmeinti  seid  können.  Die  heidtüeche  fftrbuag  die^fes  ioa^ 
ehen  Und  iteckem  ven  der.  Smkle  Calgre  ich  zumal  aus  dem 
s.  304  beigebrachten  analogen  vekja  Hildi ,  weiche  nicht 
blofs  erwißckt  wurde,  sondern'  die  beiden  selbst  .weckte 
(Sn.  164).  Vielleicht  ist  ^tilbiörg  söal  eaka'  Sffim.46*,  eben 
so  gelnaioi,  man  mag  deuten  jucunda  salos,  oder  ein  noiü. 
pn  annehmen«  .  Frödi  U&t  Fenja  und  Menja  (oben  s^  408) 
gold,  frieden  und  glaök.{gull,  frid  oc  sein)  nialeh  und  ge«- 
stattet  ihnen  nur  kurze  nächtliche  ruhe:  sie  «Mchen,  um 
gl&ek  «ti  malen >j  wie  hernach  unheil  (salz)  für  M^slngr. 
Sa.  146.  147. 

Das  ist  aber  lange-  nicht  die  einzige  anwendung  dieser 
personificatiom '  Smlde  keifst  frOM^  sie  erscheint^  begegnet, 
.neigt  sich  ihf^n  gfinstUngen .  mit.  dem  antlitz , .  hört  sie  an 
.(wie  ein  golt  ertort),  -lacht  ihnen  zu,  ist  hold  n!ad  bereit, 
aber  auebgram;  wen  sie  nicht  mag,  den  meidet  und  flieht 
sie,  dem  entrinnt**)  sie,  dem  kehrt  sie  den  rficken  zu,  es 
wird  ihr  thür;  und  «weg  beigelegt,  wiederum  sagt  schon  0. 
0.  7,  20  'thitt  SäHda  in  thar.  gagmid  (eis  occttiit). 
Walth^  singt  55,  35:.  .'/ftrd  SkMe  \)d\\e\  umbe  sieb  und 
kh^et  wir  dm  rUgge  wä»,  si  slöl  nngerne  gegen  mtr|  sin 
ruochet  mich  4Uhi  0n .  gesehen!;  ^crd  Swlde  wü  dtn  •  pfle* 
gen.'     Efke  160;    'ob  vromöe  Swlde   mtnes  ^eile&  weHe 

*)  sa  auch:  'des  ^t  mC«  Solde  gein  iu  böte.*  Parz.  416,  4;  'das 
Bol  mÜH  Saide  pfant  sin.*  Frapeod.  23  5  *lAt  dirz  dt»  StMe  wol  ge- 
zemen.*    Ms.  2,  252>. 

**)  dies  enfKfinefi  und  fiehen  Tergleicht  sich  dem  ahn.  hyerfa  (evane- 

-icere):  MÜir  korfnar  (felidtates  eyahidae)  Sem.  93«.  'swi  ime  di  Salden 

t^lgWf  irenienl  01  ime  lerholgen,  ji  oje  Alresi  iornlk^ewider\  AL#189. 


«M  SMiME 

modkeR/    B».  425;  <did  wtle  es «1» - JforUt  niocbie*  FWa. 
689,  20;   'haale  mir  diu  SwUe  ir  Are  boM  geneiget'     MS. 
2,  220>';  'd4  wm  mir  Smkh  MiHHHWfi/     Pars.  68»,  8; 
'S0/ife  was  stn  ^»Mlß.*    WigiL  838»,  frM  S«UI»  ir  was 
i«r«i<'  Er.  3459  ud  Yielleieht  darf  das  folgende:  'diu  go<» 
les   Ii6v«scheit  ob  mteer  frewen    swebte'  UmogenommeB 
werden,  weil  aucb  die  Walküren  fibär  den  lielden  schwe«> 
ben,   Welcben  sie  beistebn;   'got  wtse   mith   der  SiBkkm 
weg^  Pars.  8,  16;  ^den  tuoz  setaen  in  der  ßwUM  pfaU 
Ben«  306;   *frau>e  amtdernnkoz  in  üfJr  tttä^  wtsen.'  :  Til. 
5218;   ^Aet  SwldcH  9lie.*    Karl  l»*»;    ^ther  fr6  SmUen  wUc 
gAn.'    fragm.  46«;   Uuo   mir  Of  der  SteUefk  iürF    Ms*  1, 
36«;   «der  BmUkn  poN^  a.  Heinr.  248,  33;   der  SiBldm 
mr  besliezea'  MsH.  3,  336«;  setzen  no  dar  SmUten  iHr' 
zanberbecher  1150;   'den  begiuzel  8cBU»n  etuol*  '  MsH.  3, 
205«;   'SwUe  und    ir  gesinde  walt  ir.'    M&  1,  88^    ^di« 
Saide  folget  stnen   vanea/     Lampr.  206d;   mir  enwil   din 
Saide  ninder  folgen  einen  fnoz.'    Ben.  367;   ^ir  Ist  dia 
Smlde  gram*     Gregor  2390.    'diu  SeMe  was  ime  gtw»! 
Dittt  1,  10.    <dia  Saide  x>lMet  von  mir'  Greg,  1626;   ^A 
Saide  h&t  raicb  wrldu.*    Kart  05«;  'diu  Saide  hAt  si  (eaim) 
fafesseii.'     Wigal.  884 ;  ^dü  SeMe  bet  ir  gemtetn!    Wi^ 
gal.  941;    'diu  Solde  bet  zuo   im   geewom  aeim   statten 
ingesindeJ     Lana.  1561;  'diu  geipU  der  Salden,*    Wigal. 
10532;  "swes  diu  Saide  ze  ^eseUe«  gert.'    Wigai.  945;  «In 
gab  dte  Saide  ir  hantgift    Sihr.  534;  'diu  toMe  irlte  im 
in  den  munt.'   Silv.  1024;  ez  rtse  Af  dich  der  Felden  tmfL 
Silv.  1389.    ^frmnee  Seelde  lacket  mir.'    Ernst  4334 ;   'daz 
dir  frd  Saide  laeke  «ad  al  dtn  beS  beaache:    SUr.  2666; 
^FortAne  wolt  im  d4  nibt  md  genaßdeeichen  ktehen.*     Trqj, 
5754;  'daz  iaeb  /rotnae  Saide  asüeze  MMJfcii'  (fovare). 
Lobengr.  101;  uod  gewis  nocb  n   abalicben  Wendungen, 
die  wir  aus  den  beutigen  enliiebmen:  das  giflek  ist  ihm 
bold,  kehrt  bei  ihm  ein,  Terfolgt  ihn  u;  «v  w«     auch  hier 
findet  sich  schon  bei  den  alten  diditei'ft  das  unbestonnile 
neutrum:   'geittcke   hAt  den  nnifen  (nacken^  rttcken)   mir 
gekdret'  LS,  1,  238;   'hdt  den  nuwmi  nupb  gegen  mir  en- 
decket; enblecket  gftn  mir  shien  aan;hef  aer  rechte  hende 
grifien.'    LS.  3,  539;  <d6  kfirte  Yon  im  u.  vlAch  gelüoke.' 
Troj.  5750.      Wir  sagen:    'mein    glück    bittbet,    wftchst', 
gleich  SIs  sei  es  gebunden  an  einen  .bäum,  ein  kraut,  'mein 
glücke   das  blühete   mir.'     Schweinichen  1,  170;  'geTücke 
wahset  mit  genuht'    Troj.  5686 ;  'uns  ist  nibt  wol  erscbo- 
aen  gelücke.'    Troj.  12438;  'got  wil  uns  selde  Uzen  wah- 
sen.'    Lobengr.  66.  der  sprach:  'das  glück  kommt  von  ua- 


gflfilhff  w»l  «ter  nemtaig  skmim  her*  Sinplia.  2^  150 
drückt  sehr  gut  :die^  fflOtaiiche  bef egniiQg  ttid  Überraschung^ 
den  ziifall  des  glüeke  aiie ,  worauf  sich  selbst  dftr  .  uaoM) 
vt/^i;  (von  et;;[«;y,  t t7][ctf«ir)  md  fortuna  (von  fors)  gründet 
wahrschomiieh  sind  amiche  jener  redensarten  von  den  alten 
so  US  gekownen  oder  wir  haben  sie  mit  Ihnen  gemein* 

In  der  enge  vom  Wunderer  (Btseis  hofli.  20H)  wird 
fNm  SwUe  als  iäniffäloekier  mü  drei  wunderbaren  eV 
genaehafton  vorgestellt^  1.  eines  menschen  giedanken  su 
wissoBy  8.  holden  gegen  wunden  im  kämpf  In  segnen,  3- 
sich,  wohin  sie  jfedenkt^  au  versetnen  (das.  24*— S)6),  War 
erkennt  darin  nicht,  den  naehkaH  einer  altheidnlsoben 
wnlkftro? 

Ftk"  enttehnl  halte  ieh  die  überaus  verbreitete  yorr 
alellung  des  glüdks  auf  einem  sich  wäkenden  rode  ( ni^X^^ 
^^)  ^7  welches  der  Fors,  Tyche  und  Nemesis  beigdegl 
wurde *^.  ^versatur  öeieriA»ns  levis arbe  foMe/  Tt)üll,  LS, 
70;  'stoiif  in  »U  dea.'  Ovid.  ep.  ßx  Ponte  IL  3,  56; 
*Fariimae  raiam  pertinesoehat'  Cie.  in  Fison.  10;  ^reiM 
Farhtnae.'  Tatit.  de  orai  oap.  23;  'assumpitts  in  amplifrp 
aimum  Forhmae  fastigium  eersaUleä  ejbs  fllo(l«s  eipertus 
est,  qui  ludunt  «<Nialitatem , :  nonö  eveketUee  quosdam  ia 
sidera,  nunc  ad  Cocyti  •  profunda  mergenUi^.  Anim.  Maro. 
14,  11;  ^F^rtmae  tobtcrie  ¥oia  adversa  prosperis  sesi*- 
per  altehmns.'  Amm.  Marc.  31,  1 ;  ^Fortmiae  te  regendum 
dediati,  dominae  moribua  oportet  obteraperes,  tu  vero  tc^ 
venüe  roiae  impetum  retinere  coilaris?  A  manere  incipif, 
#brt  eise  desistit.'  Boeth.  da.  cmmol.  II.  pr»  1;  'rotam 
9oliibUi  orte  veraamus  (sagt  Portnaa  selbst),  infima  auan- 
mia,  summa  tailfanis  nniti^e  gaudemus.  tmcemh.  si  plaeet, 
sed  ea  lege,  uti  no  cum  iudiori  moi  ratio  peacet.,  deeeen*- 
dere  isjurian '  putea**  ibid«  II.  pr.  2.  Dabei  sehmnt  eine 
doppelte  Vorstellung  a«  walten,  einmal  dafs  die  göttin 
selbst  auf  dem  dreluHiden  pade^*^)  stehe  oder  sitae  f)^  aisto 


■  I  M  H  ■■    I    1  1  «  ^        i^  ■ 


*>  ?er««|^edftB  i#t  4so  dag  f%d,  nfielcbffi  Krod#  nml  Vikohaa  tu 
4f«r  hani  traget^  (0,  227.  228). 
**)  0.  HüllerB  arch£oL  607. 

**^)  schon  'das  blofiie  drehen  des  rads  (das  sneib^nta  rsd,  N.  BA. 
47)  kann ,  ohne  twischenlLmift  der  götlin ,  auf  die  verftsderlibhieit 
des  sohieLsals  4aitren.  Ah  (jjrvm  einen  gefangnea  iidnig  «nfverksani 
die  auf  und  abgehenden  Speichen  der  rUder  betrachten  sah  und  nach 
der  Ursache  fragte,  antwortete  dieser,  er  gedenke  dab^i  der  unbe<- 
slindigkeit  des  lebens  »wc  rä  *axu  a>op  ylvotra».  nal  %d  uvm  xcItw. 
Gedrenas  ed.  paris.  142). 

f )  auch  pentaaii  5«  9  eine  <«e«abia  nd^Ui  ncopif^  ß^roh**  als 
Fortuna.  "  .  :    j    . 


626  SjKLDB 

ufistftt  vorQber  rile,  dami  dtfii  sie  die  fcegtMiBtigte»  avf  da« 
rad,  die  nDgllloidichen  herabsteigen  lasse:  jene  sehweben 
eben,  diese  unten.  In  den*  gedichlen  unseres  MAi  wird 
eft  im  allgemeinen  von  dem  rad  oder  der  scheibe  des 
gltleks  nnd  der  Seide  geredet :  ^aririta  F^rfmae  duck 
utroque  rotamJ  Reinhard.  1,  1404 ,  wo  »ber  die  bessere 
Variante:  arbUa  FarHmae  ducit  ntramque  fiam.'  'volubilis 
Fart9mae  rata.*  Rodulfus  ehren.  Trudonis  p.  381^  'reia 
Forftmae/  Radevicus  1,  40;  'swaz  ie  geschalt  dtz  stAt  an 
glücken  rode.'  Freid.  110,  17;  'daz  im  der  nmlekeU  rat 
mit  willen  umbe  lief.*  Trej.  9471 ;  'JA  walzet  ir  (der  Sadde) 
geiückes'rat  vil  stietecKch  Af  und  nider,  her  und  hin,  das 
und  wider  loufet  ez.'  Troj.  2349;  Mm  dienet  daz.  j/^eMdfcss 
rai,  daz  im  nAch  Aren  umbe  lief.'  Troj.  7229:  *gelücke$ 
rat  louft  uns  die  sumer  und  die  winder.'  Lohengr.  119; 
mtn  schtbe  gAt  ze  wünsche.'  Ren.  853;  'dem  gAt  sAi  sckSbe 
enzelt.'  Ren^  360;  'wol  gie  ir  schibe.'  Lohengr.  146;  'gie 
far  sich.'  das.  180;  ^st  vuoren  üf  gekickes  ra4e.\  Flore 
844;  ^Scdlde  di«  ist  sinewel  und  walzet  nmb  als  ein  rof.' 
ttbel  wtp  241 ;  'der  ScMen  $chthem  trtben.'  Amia  2053^; 
'enischtben:  Ulr.  Trist.  708.  Hftufig  ist  aber  auch  jenes 
auf  und  absteigens  gedacht;  'so  sttge  icb.ftf  und  ninder 
abe.'  Parz.  9,  22;  'gelücke  ist  refate  als  ein  iml,  silier 
sttget  der  sol  vttrhten  val.'  Freid.  115,  27;  sA  hangen  idi 
an  dem  rades  teile,  dA  maneger  hanget  Aue  ittMJ  Ren.  88 ; 
'A  daz  der  Scdlden  scUbe  mich  hin  verdrücke  gar  zue  der 
Verzalten  schar.'  Ren.  91;  'si  wAren  bAhe  gar  gesiigen  nf 
des  .  .  «  .  gelüdies  raij  nü  müezens  leider  Von  der  etat 
aber  nider  rücken.'  Flore  6124;  'swer  hinte  ritzet  Hif  dem 
rade  der  stgel  morgra  drunder.'  Troj.  18305;  'er  iirt  kernen 
(tf  geUkck69  rai^  daz  muoz  im  immer  stiUe  stAn.'  Gee;  193; 
geJückes  ratj  wenne  sol  ich  mtne  stal  t^f  <dir.  viaden?' 
Ren.  306;  swebe  oben  an  der  SmUcheU  rädc,'  zanberb. 
.1660;  'got  werfe  in  von  gekUAes  ml'  Koloca.  74;  ^ge^ 
lUckes  rait  gelt  up  ind  neder,  ein  velt^  der  ander  stiget 
weder.'  Hagens  c^hi.  ehr.  1770;  gelückes'  rai  nn  rtde 
(torqueat,  vertat)  in  üf  die  hcehe.'  Tit.  5218;  'gelücke  din 
rat  nu  rtde.'  Tit.  5275.  'Fortuna  diu  ist  s6  getAn^  ir 
schibe  lAzet  si  umbe  gAn,  umbe  loufet  ir  rat,  dicke  veUet 
der  da  vaste  saz.'  Lampr.  Alez;.  3066*).  Weiter  ausgebil- 
det stellt  diese  ansieht  vier  oder  zwölf  mAnner  zugleich  auf 
das   glücksrad  in  beständigem  Wechsel:    ^gelückes  rat  treit 


*)  man  TgL  die  steUe  über  die  roe  di  h  F^rhme  im  Jen  d*Adao. 
(th^atre  fraD^aia  au  mojen  Age  p.  82}. 


•  • 


BlBUbE  81V 

Tier  mm ,  der  eitie  sitget  ftf ,  M*  ander  MgM  ab6 ,  der 
dritte  ist  obe,  der  vierde  der  ist  mider.'  Ms.  2,  221^; 
Wigal.  p.  41  wird  erfftbH,  d«rs  sich  jemand  in  seinem 
1m«8  ein  solches  rad  au$  gold  habe  giefeen  lassen  und 
immer  glttcfcseelig  gewesen  sei  (wie  Frede  mit  seinw  gUlcli»* 
mtlley  die  gleicbfallg  gedrebt  wurde):  ^ein  rat  enmitten  itf 
dem  sal ,  daz  gie  tt  «nd  ae  tal ,  da  wAren  bilde  gegozaen 
an^  iegeltcbea  geschaffen  als  ein  man.  hie  sigen  diu  mit 
dem  rede  nider,  s6  stigen  diu  ander  tf  wider ,  daz  was 
des  getikites  rat^).^  Im  Renart  le  nouvel  7941--*  8011  er- 
bebt Fortune  den  fuchs  oben  auf  ihr  rad  und  verhelfst 
ihm  es  nicht  zu  drehen.  Hierher  auch  die  sage  Ton  den 
zwölf  landaknechten  oder  Jehannesen  auf  dem  glücksrad 
(deutsche  sag.  Ao.  209.  337).  Blinde  mil  Tcrbundnen  iiu^ 
gen  y  wird  Smide  nie  dargesteDt  ^. 

■ 

Viel  bedeutsamer  als  dieses  rad,  das  die  ftitere  SMtda 
wol  noch  nicht  hatte  (einen  ganzen  wagen  ihr  beizulegen 
wäre  heidnischer)^  scheint  mir,  dafs  sie  IHnder  annimmt, 
ihre  lieblinge  fSr  ihre  söhne  erklärt.  Mch  bin  euch  in  fr6 
Beeiden  sch6%  geleit'  fragm.  45^.  ein  schofskind  des  gl^ 
ckes,  ein  glückskind  sein,  dem  glück  im  sichofse  sitzen 
bezeichnet  torgegangne  adoption  (goth.  frastisibja ,  Rom.  9, 
4).  Tgl.  RA.  160.  4j53.  464.  solch  ein  auserwählter  heifst 
*der  SiBlden  bam/  Bari.  37,  36.  191,  38.  'Artus  der  Sml^ 
den  kint.^  zauberbecher  1433;  ^Beeiden  kint  hat  Ssalden 
Stift.'  das.  1038;  Maria  der  Salden  kint/  Wartb.  kr.  Jen: 
56;  ^ir  stt  gezelt  gelttcke  ze  ingesinde,  dem  heile  ze  lie~ 
bem  kmde*  Warnung  2596;  'si  ist  Swlden  sundertrintel 
(lieblingj,  in  der  wQrzegarten  kan  si  brechen  ir  rOsen.' 
Ms.  1,  68\  Wie  nun  Wuotan  die  stelle  der  begabenden 
nom  (s.  818),  so  vertritt  er  auch  die  der  Scelde,  er  selbst 
ist  alles  hefiek  Spender;  er  nimmt  kinder  in  seinen  schofs 
auf  (s.  778.  799),  darum  ist  völlig  identisch  mit  Sajiden  bam 
'des  Wunsches  bam,  an  dem  der  Wunsch  was  volle 
varn.'  Orl.  3767;  ein  gltickskind  hat  'des  Wunsches  segen.' 
Lanz.  $504.    andere  belege  sind  s.  126.  129,  130  nachzn- 


*)  nach  diesem  rad,  das  Wigalois  auf  dem  heim  führte  (1862  — 
66),  hiefs  es  der  riUar  mit  dem. rad,  schon  bei  Gildas  y.on  Banchor 
miles  (piadrigae;  nicht  nach  dem  abenteoer,  das  er  mit  einem  eher- 
nen rad  sa  beatehn  hatte  (a.  252  —  254  des  gedichts). 

**)  ebenso  wenig  beifst  sie  gleHn »  nach  der  lat  Fortuna  vilrea ; 
nur  Gotfrid  yon  Sthifsb.  Ms.  2,45^  bat  <das  gleiin  gl&eke'  und  beute 
ist  ans  der  spmch:  'gluck  and  glas  vrie  bald  bricht' daa''gelSAGg. 


8t8  GLUGKMUUBB 

leien  %  ßäüda  kmn  Ueratehab  ein  blolier  aosliife  de» 
Wuoian  betrachtet  werden. 

Glflckskiiid  war  Fortonat,  den  in  einem  breiegoiaehen 
wald  Fortuna  erscheiai  und  ein  gefeites  aeckel  acheniil^ 
der  auch  daa  wünMehlMem  (aouhaitant  chapeau),  den  tam* 
luity  durch  dessen  aufsetzen  man  augenblicUich  an  ferne« 
ort  rerschwinden  kann,  erwirbt.  oflEmbar  ein  but  des 
WumeheM  oder  Wmkm»  (s.  432),  ein  federhut^  Hermt^ 
des  gebers  alles  guten,  aller  selde.  merkwürdig  MsBL  3, 
466*:  'sA  decket  uns  der  Swlden  huöij  daz  ums  dehein 
weter  selwen  mae.'  Den  immef  vollen  seckel  halte,  ich  zum 
üiillhom  der  göttin:  ^mundanam  conucopian  Fortuna  ge^ 
stans'  Amm.  Marc  22,  9 ;  'formatum  Fortnnae  habitum  cum 
dMte  conm,'  Fmdentius  libr.  l  contra  Symm.,  zun  hörn 
der  Amalthea,  oder  Svantovits  (s.  558),  ja  au  dem  h4quc 
amvfjfiag.  Luc,  1,  69.  An  die  wünschelruthe  aber  erinnert 
die  synonyme  benennung  'alles  heUes  ein  wünschelrts*  Itol. 
2216;  'des  Wunsches  bluome:  Bari  274,  25. 

Wir  sehen  aus  dem  prolog  zu  Grbnnismäl,  S^m.  39, 
dafs  Odinn  und  Frigg,  die  höchste  väterliche,  und  piüUer- 
liche  gottbeit  des  alterthunis,  auch  noch  besondern  günst- 
lingen  ihren  schütz  angedeihen  lassep:  Odinn  zieht  als  ein 
alter  mann  den  Geirrödr,  Frigg  als  eine  alte  frau  den 
Agnar  guf,  die  edda  gebraucht  hier  ßsirß,  als  pflegkind 
erziehen.  Ja  Frigg  hatte  nach  Sn.  38  eine  eigne  dienerip, 
selbst  ein  göttliches  wesen/  die  sie  zum  schuU  (lil  gmtslu) 
solcher  männer  in  allen  gefahren  bestellte;  diese  personi» 
ficierte  Tutela  biefs  Hlin,  gleichsam  das  lager^  die  itXlrig, 
auf  dem  einer  ruht  (von  der  wurzel  hleioa,  lüäin,  gr.  uXivia, 
lat.  clino)  und  man  sagte  im  Sprichwort  'sft  er  fordaz 
hleimr^,  wer  sich  in  nöthen  retten  will,  lehnt  sich  an. 
Hlin  (goth.  Hleins?)  schützt  und  birgt,  das  goth.  hliins  be* 
deutet  einen  berg,  das  ahd.  hUn^perga,  linaperga  fulcrum, 
reclinatorium. 

Das  volk  hält  für  glückskinder  die  um  ibr  häuptlein 
eine  haut  gewunden  mit  auf  die  weit  bringen,  diese  haut 
heifst  gkickshaube,  toehrnuiterhäublein ,  und  wird  sorg- 
sam aufgehoben  oder  in  band  vernäht  dem  kind  um- 
gehängt***).    Fischart  Garg.  229^  nennt  sie  kinderpelglin. 


*)  ich  findo  auch  Seldenhot  (Scelden  bokji  ak  eigeonameq  (weisth. 
3,  277.  278). 

**}  ^hßOo^  Tgl.  nhoßa^  und  nvigoy. 

***)  KM.  BD.  29   Tgl.  3,  a9  Euters  bebaipjne  p.  ^34.     iournal  ▼. 
u.  f.  D»  t788.  if  &74.    M*  nasser  iwüto  ?=;  at^ßniurato,  frans,  wb 


GLOCKSHAIttE.    SiORDTZENGEL  829 

den  Mftnderti  abär  Abrt  sie  den  namen  fglgfB  (fem.)  und 
sie  wähnen ,  in  ihr  habe  der  Möhut^geiti  wier  ein  iheii  der 
eeele  des  kinde  »einen  $iH:  die  bebammen  httten  flieh  «ie 
IH  schädigen  und  graben  sie  unter  die  schwelle  ein,  fibe^ 
welche  die  muttc^  gehn  mnTs.  wer  diese  haut  sorgles 
wegwirft  oder  verbrennt,  enteieht  dem  kind  seinen  schvtz^ 
geisl*].  ein  solcher  schulzgeist  heifst  fylgjd  (weil  er  dem 
menschen  folgt),  zuweilen  forynja  (der  ihm  vorausgehl| 
F.  Magn.  lex.  379),  dfler  kamingfa  (felicitas)  Ton  hamr^ 
indnviae,  ja  dfeses  hafnr  für' sich  scheint  das  nemliche  zn 
bedeuten:  ^hamr  AxW,  genios  Atiii,  8»m.  B53^'  nach  ihre 
(de  superstit.  p.  24.  25)  bezeichnet  das  sdiwed.  hawm  einen 
genius,  der  jedem  menschen  folgt« 

Der  wesentliche  begrif  eines  schuibengek  ist  das 
angeboren$ein ,  dadurch  unterscheide!  er  sich  von  dem 
baosgeisl  (genius  fam4tiaris),  der  sich  einem  einzelnen  men* 
sehen  ergibt^  aber  nichl  von  der  gebart  an.  regula  Bene« 
dicti  eap.  7:  ^ab  angeU$  nobie  dejmlafi»  cottidie  die 
noctuque  dotailm^  faetori  nostro  opera  nostra  nuntiantur.' 
Berthold  {»redigt  (p.  809):  'als  dtfz  kint  lebende  wirt  an 
sfner  muoter  Itbe,  sA  giwiei  im  der  enget  die  eile  4ny  der 
alm^ige  got  giueet  dem  kinde  die  eile  mit  dem  enget 
In;'  und  BernaHus  (sermo  12  in  psalm.  qui  babitat):  'quo- 
^'es  gravisslma  oernitur  urgere  tentatio  et  tribulatio  vebe** 
mens  imifiinere,  invoca  cuetodem  ftmm,  doctor^m  tunm) 
adjntorem  tunM.  >  in  c^pertunitatlbus ,  in  trflnilalione ,  in 
iqttovi»  diversorio ,  in  quovis  angato  cmgelo  ku)  reveren** 
liam  habe.  I»  ne  auoeas  i/fo  pt^aeeeniey  qned  Vidente 
me  non  anderes.'  ich  will  noch  eine  stelle  aus  N.  €ap; 
137  hersobrieibeR :  'atldn  mennIskAn  wirdet  snndertg  unde 
gemeine  huotdire   gesezzet.      ten    heiz^nt    ä   oub   ßihiäre 


eaiffif  poln.  io  e%ephu  urodwU  (Hioptt  leitschr.  1,  137).  den  Serben 
heilst  die  haube  koschuhUay  hemdlein,  und  ein  mit  ihr  gebornes  kind 
mdoüitz  es.  geh*.  Kft.49A  Viko  und  weifs  nekr  aU  andre  l^ute.  in 
fiolltndaagt  man  *mH  dm  Mtageboinrnzin*,  (tgl.a.362)  «olohe  kin- 
der  haben  die  gaba  gespcaatpr  su  sehen,  ein  4!iia».(jOTttni)  inario  ein 
föUenaiif  weit  kam»  hängt  naa  in  einea  hohen  bäum,    Westendorp 

{»•5t8h  Vm»- glück shelm  keifst  es:  *ah  ee  limine obstetrices at  de-«- 
irae  aoiimlae  mCantikus  b^aa  ex  co^ore  rabicnndo  •  Tel  mala  a«  ni*- 
•gnoaiBla  praesagire  aoieait.  magna  y<aaduAt  hcynamojli  p«le4M  infantMes 
erednlis  adt«catisi  aoi  kino  se  a4ivyai>i  pnlant.*  das  iat  auB  einer 
Mteren  staUe  des  Ae&is  Lampridioa  Anton.  Diadam.  Aap«  4  genommen: 
'solent  pueri  pUeo  insigniri  nahtraUt  quod  obstetri^es  rapinott  a.(  «ad- 
yoeatjfl  erednlis  ?endant»  siquideoi  causidici  hoo  jpTari.dici;(n|ur.' 

*)  edda  Snro.  hafniens.  2,  653. 


830  SGHDTZBI96EI. 


' ,'  I    I  » 


(fßich\9r)y  wanda  er  aUes  wer^hes  fliget.  iea  gemeineti 
betönt  tie  liute  saraent^  unde  Ane  daz  togelth  ten  stnen, 
föne  diu  heizet  er  gmwuM^  wanda  er  geniüg  $dt  gege-^ 
ben  trirl  ze  flihte.  tiaer  huot&re  unde  diser  getriwo 
bruoder  behuotet  ifo  a^lft  unde  iro  sinna  allero.  wanda 
er  aach  tougene  gedancha  gote  chundet,  pediu  mag  er  loh 
angelus  heizen'*).  Diese,  wie  man  sieht ^  Ton  der  knrehe 
zum  theil  beibehaltne  lehre  scheint  siph  mit  jenem  grö-* 
bereu  einheimischen  aberglauben  von  schütz  und  folge* 
geistern  gemengt  zu  haben.  Caesar,  heisterb.  8,  44  nimmt 
einen  guten  und  bäsen  engel  jedes  menschen  an,  der  ihm 
heil  oder  unheil  zu  schaffen  suche,  in  gewissem  betracht 
waren  auch  die  ealkyrien  Schulzgeister  der  beiden  (s.  372. 
391]  und  eine  zeit  hindurch  an  sie  gebunden,  von  den 
erschlagenen  heifst  es  (klage  922):  'tr  engel  vil  wol  wi^ 
sten  war  ir  s^Ie  solten  kernen.'  Dieser  engel  gedenkea 
noch  andere  stellen:  'sie  redeten ,  daz  ir  engel  muose 
lachen'  (sich  daräber  freute),  wartb.  kr.  jen.  38 ;  'ein  lofser 
(?  wtzer)  engel  bl  dir  gdi^  der  dinen  Umeei  so  von  dir 
gescheiden  h&t.'  das,  47;  'teile  dtn  pater  noster  mite  dinem 
enget  das.  23;  'ein  engel,  der  4tn  hat  gepfi»gen.\  das.  62; 
'ich  wil  gelouben,  daz  den  lisl  dtn  engel  finde.'  Loheagr^ 
p.3;  'in  was  ir  engel  bt.'  Geo.  343;  'das  der  engel  ^ 
dtner  4refl  hüetel'  MsH.  3,  230**;  'ztio  ti»  löa»  geweien 
ein  engel,  daz  im  nibt  gesebach.'  Geo«  3205 ;  'als  im  sin 
engel  gab  die  16re.'  Kolocz«  148;  'daz  iach  min  engel 
gräezel'  das%  102  und  anderwärts:  'daz  iuwer  mtn  engel 
waltet'  sctone.  ausdrucke  Itto*:  ich^  im  injaersten  meiner 
Seele  •♦).        . 

Nialssaga  cap.  101  Uibt  sich  ein  Heide  laufen,  erst 
aber  ^usiehern ,  dafs  der  h.  Michael  (der  seelenempftnger 
s.  814)  durch  die  taufe  sein  fylgju  engill  werde.  Nialssaga 
cap.  23  wird  der  fylgja  Gunnars  gedacht. 


*)  die  lat  worte  lauten:  et  gfenerftlis  omnlom  praesol,  et*  spe«- 
ciaKs  Biognlifl  morlilitas  ^emm  adinoTetar,  <{iiem  -eciim  praeUUemf 
^od  praesit  gerund»  omnibiis,  yo^arenint  Dam  et  popaU  genio, 
qau«  generalis  poscilnr,  aapplioanf,  et  anusquisque  gobernateri  pro- 
prio dependit  obsequium,  tdeoqne  getUm  dieüar,  quotiiain  ^tnim  qyU 
hamimiM  genihu  fuerU,  mtw  eidem  eopuiaiur.  hit  Uitekitor,  fidiatioiai- 
qne  germanas  animos  omninm  nlenteaqne  coaiodit.  et  qoeniaai 
cogitationam  arcana  aoperae  anauntiat  poteatati ,  «tiaai  imgäiu 
polerft  naneupari.  Tgl.  Porphyriaa  in  Tita  PletiDi  p.  14.  Phitareh  in 
Tita  Antooini  p.  430. 

**)  Tgl.  lt.  Sachsena  gedieht  *die  engela  hnt*   nnd   'den  loekigen 
k nahen'  in  Hebels  karfunkel. 


SCHDTZinfGEL  831' 

Ein  demn  tode  naher  schavl  vorher  seinen  engel:  'fiü 
nanl  Terä  feifr  madr,  oe  mnot  {»ü  sdd  hafa  fyigju  f^. 
Nialsa  cap.  41.  gani  fotferichtig»  da  durch  des  menschen 
tod  das  band  ^zwischen  ilun  and  sein^  fylKJ^  gelösl  wird. 
Auch  soll  dann  die  fyigja  einem  andern  erscheinen  und 
sich  diesem  anbieten:  Helgi  ahnte  seinen  tod  (grunadi  um 
feigd  slna),  als  seinem  bruder  ein  zanberweib  auf  dem 
weif  abends  erschienen  war  and  folge  entboten  hatle: 
band  fylgd  idna,  fyigjo  beiddi  (Sem.  14«  147*).  wer  seine 
fyigja  schaut;  den  terlflfst,  von  dem  geht  sie.  Nach  norw. 
Volksglauben  zeigt  sich  die  folgte  gern  in  gestalt  eines 
thiers,  das'znr  Sinnesart  des  menschen  stimmt,  dem  sie 
angehört.  Faye  p.  77.  wftre  damit  eine  bevorstehende 
seelenwandrung  angedeutet?  vgL.s.  786.  Es  gab  fylgien 
die  sich,  gleich  den  zwergen,  an  einzelne  geschlechter 
hielten:  h/nfylgjor^  aUarfylgjar,  und  auch  das  ist  wichtig, 
weil  es  die  berührnng  dieser  geister  mit  elben  und  zwergen 
lehrt,  die  gleich  der  weifsen  fran,  der  ahnmutter  Berhta  (s.  257) 
dann  sich  zeigen,  wann  ein  sterbefall  im  geschlecbt  bevorstehe 

HamiHgjar,  die.  schon  S»m.  37^  93i»  vorkommen,  stehn 
unserer  personificierten  saMe  nahe :  auch  hamlngja  bedeutet 
fortma,  feücitas.  hernach  aber  ein  beglückendes,  begabendes 
wesen,  das  zwischen  parze,  schntzgeist  und  freimdlichem 
hansgeist  die  milte  hält,  vgl.  Laxd.  sage  p.  441.  hämingjor 
faorfmi^,  üaifljr .  horfnar  (S»m.  93»*^)  sind  die  von  dem 
menacheiii  entronnenen,   gewichnen. 

Gleich  dbr.' fyigja  und  hamlagja  ist  auch  die  aUn.  kmd^ 
i>agit.(B.  410)  ein  weibüchea  weaen,  aber  nicht  eines  ein- 
«einen menschta  oder  gescUechta,  sondern  des  ganzen  lan* 
des  sckfiitsgei$t  >  ni  Ulfliotg  gestttz  war  verordnet,  von 
jedem  schiffe  4as  haapi  abzunehmen,  ehe  man  ins  enge^ 
eicht  tdeS'landes  (t  lMHis8;^n)  komme,  damit  nioht  die  kmd-^ 
e^<^' durch  das  gAhnende. >  baupt  erschreckt  worden:  sigll 
tkfß  al  iandi  med  gapandi  böfdem  ne  gtoandi ,  bri^M,  .svA  at 
lofufe^Mr  teldist  vid«). 

Den  Siaven. reichen  die  begriffe  gtück,  zufoli,  Schicksal 
an  einander )'  döcb  wesen  .den  parzen  und  neman  ver'<- 
gleichbar  entbehrt  ihre  mythologie  (s.  407).  für  glück 
haben  die  Serben  treija^  die  Slovenen  frezha  und  per- 
sonificieiren  wiederum:  dobra  Sretja  (bona  Fortuna)  ist  ihre 
dym&ij  Tv%9^,  ihre  frö  Sselde  **).    Mehr  entspricht  di$i  letü* 

*)  foniip.  a$g<  S,.t03.  liL  sag.  1,  Ida  i99.  beim  gatfenden, 
gSheandila  sf^hif  laut  mir  die  Gepanta  (oitIi  tardio^  Tecta)  des  Jor- 
nandes  cap.  17  ein.  x 

**)  eio  obler  irthamhatsioli  ibretw^igen  aingeichlicheD.  m  Antoni 


032  9XafB' 

dolie  Laima  [s.  367)  der  pafie  »der  mdre:  de  Mfai  tnah- 
miira,  d.i.  routter,  g^ttin.  Aiber  weh  fdra  st«ftnde  DeUl« 
(s.  386)  Teridiht  durch  die  darfereichte  milch  heil  und  ge-> 
gchtek:  kA  Dehkia  noleeki  li  Mleek  (wie  D.  verfügt  ^  so 
geschieht)*). 

Die  schicksfllsgMin  hat  sowol  gutes  als  böses  in  ih* 
rer  band ,  es  bedarf  keiner  eignen  vorsteilung  des  unglttcks. 
unsere  alteren  dichter  pflegen  aber-  aueh  dieses  mehr  oder 
weniger  persönKch  aufzufassen  und  «s  gelten  die  von  der 
Sielde  angegebnen  Redensarten.  ^ühMceUß  hftt  üf  mkh  ge* 
sworn.'  Gregor  3394  (wie  der  Töt^  s«  806);  'ün»aslde  hM 
mich  bedäbi;  Trof.  17105;  'der  üimmUen  ktnt.'  Iw.4449; 
'din  heil  sin  wigfelücke  begonde  erweeke«  harte.'  gold. 
sehm.  1306;  'aber  inhet  geswörn  stnes  iifaes  unheU*  klage 
1240;  'ünscelde  st  mir  üfgeyml*  Rab.  896;  'wie  in  diu 
UnscBlde  vmriete.'  Dietr.  38^;  Hier  ünsteUen  vert  varn^ 
Doc.  misG.  2)  1 63 ;  'so  wirt  unheU  von  mir  gejaget*  Herrn. 
Dam.  42>  ^ungelüoke,  waz  ir  (also  anrede)  mür  leides  tootT 
Lampr.  Ale^.  3065.  Eigenthttmlioh  wird  das  unhai  eisern 
ttber  den  weg  tM^hreitenden,  bellenden  hunde  verglichen: 
^Unheil  mir  ä^er  den  wec  schreit  gelfch  einem  hunde.' 
Hartm;  erstes  Mehl.  1671;  'wen  nftch  fciücke  grßz  mmheil 
an  bellet  (?billet,  odor  vellet^  ¥elt?)  Ls.  1,  239b  ein  mdf. 
cKehter  schreibt  ihm  ein  netz  zu:  'd  hfift  dat  .ongheetü 
im  mi  aldas  onder  tnet  ghovaen  ?  Rein.  618Q.  .  Bblberer 
angäbe  werth  sind  zwei  imondere  diehtmigeo:  ein  armer 
ritter  sitzt  im  wald  spärlich^  kost  verzehrend,  da  >6rblickt 
er  über  sieh  auf  dorn. bäum  ein  ungeheures  Wesen ,  das 
ihm  zuruft  'ieh  bin  din  ungettbeW.  er  ladet,  oa  zum  nit»- 
essren  ein,  (famm  aber  ist  es  herabgestiegen^  so  packt  «s 
fest'  und  soUiefst  es  in  einen  'eicher'  (holen  eichbaam  ?] 
von« -nun  schlftgt  ihm  alles  zu  glück  «n  und  er  :inacht  kein 
beM  aus  der  begebenheit  einer  Sieiner  neider,  um  ihn 
Wieder  ins  elend  zu  stürze«  y  geht  in  den  w«ld,  und  enl* 
bindet  das  Unglück;  statt  aber  sich  von  ihm  ferttragati  zu 
lassen,  hockt  es  awf  deä  verrälbers  •eignem  bäte,  villig  in 
koboldiseber  weise;     Ls»'2^  575.     Von  dieser  fabel   weife 


versuch  1,  50  wird  eine  dalmatische  gpöUin  Dobra  Friehia  aofgeföhrt, 
nach  ihm  ron  Karamsin  (eriginal  1,  85«  äbert.  Iv60)  und  wßr  w«ife 
von  andern.  .  dies  beruht  auf  einem  drnckfehler  der  Terdentsehuna 
Tön  Fortis  tf^ggio  in  Dalmaiia.  ?en6t.  17^4;  ier-ilMVW»  hat  1,  74 
ganx  richtig  Dohräniehkf.  ich  n^de  alse,  dis  falsche  Priehia'  unse- 
rer fm  Frecke  (t.  281)  zu  vergleichen. 

*)  magas,  der  lett  getetbdi.  Mitsu  1838.  6,  U4. 


1 1 


/<  iiUBLDK-  .  833* 

auch  H.  Sachs  HI.  2,  72«:  das  unglüek  soll  an  einen  ei- 
chenpfal  mit  ketten  und  siricken  verknüpft  werden,  dafi 
eg  niroeod  mehr  ejn^hrep  l|[5iin«,  em  mensch  sei  d^pn  aQ 
ttiöilcnl  es  wiedet'Ai\6senl  Keirirnan  ertdhhmg^  magf  ftter 
ganz  (ans  Ms.  2,  134^)  folgen: 
ei  WM  «if»  gar  «omdUo  man  •        i  > '    •  •  c  i 

io  einer  sUl  geieizeo,   dir  iane  er  nie  deheia  heil  gewan, 
der  dAhle,  ich  wil  TersuoGhenj  wie  min  gelüke  in  fremden  landen  il 
d6  im  der  reise  ze  muote  wart,  '  ' 

f/mMh  wart  stii  gererte^  diu  4iuob  tkh'  mit  im  Af  die  TiM; 
er  lief  gegen  eineiD  waMe,  er  wAa4e  ar  wvro  Um$mkUnfKid€n  iH, 
ar  aprach:  ^U$$$MU^   na  bin  kh  dir  ealrnnuen.'  ;  \ 

*nein*  aprach  Ututdlde,  *ich  h^n  den  aig  gewannen^ 
swoM  du  geliefe ,    daz  selbe  ich  rande  , 
iltf  dlnem  hohe  freu  mtn  gemach*  *]. 

der  man  di  zoo  im  selbe  aprach:  t   •. 

'$(h$  mit  40  gii0i,  M  eniire  wider  «•  hndei' 

Oaa  ist  gatix  die  gescbichle  von  dem  hauageiat,  der  qm( 
auszieht  uad  dieaaea  man  sich  nieht  anUedigen  ka^n  (taben 
s.  480),  die  p>ersottifioierle  Dnaa^lde  hat  des  lebeflkdigereii 
kobolds  alalle .  eingenommen.  ... 


''■■■'>>*' 


*)  poat  eqaüem  «edfet  atra  Gura.    Horat.  carm;  3,  U 


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Grimms  myfAa£.    8,  ausgabt.  63 


83*  PERSONIBICATION 


CAR  XXIX,     PERSONIFICATIONEN. 

Hier  ist  es  gelegen  Ton  der  mythischen  personification 
das  nähere  beizubringen. 

Alle  gegenstände  sind  entweder  unsern  sinnen  wahr- 
nehmbar oder  blob  in  Vorstellungen  gegründet,  eine  haupt- 
eigenschaft  der  sinnlichen  ist  aber  ins  äuge  (eig  wna^  ngos 
wna)  ZU  fallen 9  wofür  uns  ehmals  der  schöne  ausdrack 
äugen,  ahd.  ougan,  goth.  ängjan,  erscheinen,  sich  zeigen 
(gramm:  1,  226)  zu  gebot  stand,  form  und  gestalt  dieses 
erscheinens  hiefs  goth.  siuns,  altn.  s^'n,  ahd.  gisiuni,  die 
▼on  safhva,  wie  species  Ton  specio,  visus  von  video,  el- 
doQ  vom  verlornen  ddio  zu  leiten  sind  und  das  gesehene, 
gegenwärtige  bezeichnen*);  taiklSy  dessen  sich  Uifilas 
gleichfalls  fttr  eldog  bedient  (s.  409),  ist  auf  veiha  (facio 
s.  58)  zurückzuführen,  noch  üblicher  waren  Zusammen- 
setzungen: goth.  anddugi,  andeairpi,  ahd.  antwerti,  goth. 
andavkissn ,  ags.  andvlite,  ahd.  anariuni,  anariM,  ^siht, 
die  gebildet  wie  das  gr.  ngoawnov  bald  aspectus,  obtutuSj 
bald  den  engeren  begrif  von  facies,  vultus,  frons  (goth. 
vlits  von  vleita)  ausdrücken,  weil  der  anblick  vor  allem 
auf  gesiebt  und  antlitz  gerichtet  wird,  so  dunkler  abkunft 
das  lat.  persona  ^^  scheint,  entspricht  es  ihnen  in  der  an- 
wendung,  nur  dafs  siuns  und  ngoawnov  auf  jeden  anblick, 
vlits  und  persona  mehr  auf  die  menschliche  bildung  zu  gehn 
pflegen. 

Freieste  persönlichkeit  steht  den  göttern  und  geistern 
zu,  die  plötzlich  ihre  gestalt  zeigen  oder  bergen,  erschei- 
nen und  verschwinden  können  (s.  cap.  xxz).    dem  menschen 


*)  auch  das  mkd.  scAln  finde  ich  lo  gebraucht:  diaen  ritter  oder 
atnen  achtn.  Pars.  18, 13;  sante  Martina  gewer  oder  atn  ichta.  fragm. 
28**;  wlp,  man  oder  tierea  achtn.  Dint  2,  94;  ain  weien  und  stn 
achln.  Er.  10047  (Tgl.  10049  ichein) ;  der  menachlich  achtn.  La.  3,  263. 

**)  kaum  ans  nffoamnonj  wie  Proierpina  aaa  ilfgatpovij ,  wo  lich 
gerade  die  laote  umgekehrt  verhalten,  wie  wenn  die  hergebrachte 
ableitnng  am  persOnare  zu  Tertheidigen  und  beruhrunff  awiscben  so- 
nua  und  aiuns  aUtthaft  wXre?  es  gilt  Tielfache  analogie  zwiachen 
achafl  und  achein  (vgL  selbst  jenes  romanische  par  son  s.  707)  und 
Übergang^  aus  kurzem  in  langen  Tocal  (persGna) ;  zuflllig  wurde  n^o- 
omnotf  beides  bestätigen  (o^  stimme  und  äuge,  oynq  Tisie,  my>  äuge, 
geaicht,  t»ni}  blick) ;  die  grammatiache  bildung  aber  wäre  wie  in  Pe-> 
renna,  Pertunda,  PerTioca. 


PBBSONiriCATION  8S5 

mangelt  diese  gäbe,  der  nur  langsam  nahen  md  sich  enl- 
fernen  kann  imd  in  seinem  leib,  anfser  wenn  zaaber  dt^ 
zwischen  tritt,  beharren  mnfs;  er  ist  darum  im  strengstes 
sinne  person,  seine  selbstheit  wird  in  der  alten  spräche 
durch  den  ausdruek  i!p  (gramm.  4,  296)  herrargehoben. 
Rede  und  ofne  stkn  nnterseheidet  ihn  aber  von  den  tbie«» 
ren.  welchen  nur  stimme  und  nporo/ii;,  kein  eigentliches 
ngoamnop  oder  anttiti  gebührt.  Noch  unpersönlicher  sind 
dM  stummeir,  im  boden  festgebannten  pflanzen.  Beido 
jedoch,  thiere  und  pflanzen,  haben  mit  dem  menschen  Un- 
terscheidung, des  geschlechts  und  vermögen  der  fortzeu- 
gung  gemein,  beiden  wird  von  der  spräche  natürliches  und 
nur,  wo  dieses  verborgen  bleibt,  grammatisches  genus 
überwiesen.  Sie  schreitet  noch  weiter,  indem  sie  es  selbst 
todten  Werkzeugen  und  unsichtbaren,  unsinnlidien  dingen 
einräumt. 

Poesie  und  fabeln  beginnen  nun  zu  penanißciereHy  d«  h. 
göttern,  geistern  und  menschen  allein  zukommende  per- 
stalichiuät  auf  thiere,  pflanzen,  sachen  oder  zustande,  de- 
nen die- spräche  genus  verleiht,  zu  erstrecken.  Alle  diese 
sehen  wir  bei  Aesop  mit  menschlicher  rede  begabt  und 
neben  göttem  und  menschen  handelnd  auftreten,  nicht  blofs 
bftume  und  strftuche  (wie  im  mftrchen  bohne  und  stroh*- 
halm),  sondern  auch  gerftthe  wie  topf  und  feile  {yyrgv* 
^Vi;),  tage  und  jahrszeiten  (^apvi;,  vatiga,  yatjimv^  ^op)« 
ja  blofse  leideaschaften ,  wie  liebe  oder  scharo  [igws  «/« 
oxvpij)^  unser  neives  alterthum  liebt  es  solche .  belebung 
durch  die  gebrauche  der  anrede  und  Verwandtschaft  her- 
vorzuheben :  pferd ,  schif ,  scfawert  werden  von  dem  beiden 
feieriieh  angeredet  (gramm.  3, 331. 434.  441);  dergleichen  we- 
sen  empfangen  den  titel  herr  oder  frau  (3, 346) ;  wie  zwischen 
thieren  gevatterschaft  und  brüderschaft  eintritt  (Reinfa.  s« 
xxvn),  ist  in  der  edda  alr  (die  ahle)  bruder  des  kntfr 
(kneifs)  genannt  (Sn.  133).  hierher  ziehe  ich  auch  die  an- 
Wendung  der  begriffe  vater  und  mutter  auf  Sachen  (gramm* 
4,  783). 

Was  in  spräche  und  sage  tief  verwachsen  ist  kann 
der  mythologie  niemals  fremd  geblieben  sein,  es  mufs 
auf  ihrem  grund  und  boden  eigenthümliche  nahrung  ge- 
sogen haben,  und  jene  grammatische,  dichterische  all- 
belebung  darf  sogar  in  einer  mythischen  prosopopöie  ih- 
ren Ursprung  suchen.  Da  alle  einzelnen  götter  und  gött- 
lichen eigenschaften  auf  der  idee  eines  Clements,  eines  ge- 
stirns,  mner  naturerscheinung ,  einer  kraft  und  tugend,  einer 
kunst  und  fertigkeit,  eines  heils  oder  unheils  beruhen,  die 

53  ♦ 


836  nEMOMrnCATIQH 

sieh 'flis  gegenstände  heiliger  anbetung  gekend  gemadbt  ha^* 
ben;  W9  -eriangea  wob  ihnen  verw:«idte,  an  neh  unper-« 
stfiliche  und  abgezogne  yorstelloiigen  auf  vergöttermg  an* 
Spruch.,  thieren,  pflanzen,  Sternen,  die  sich  auf  besondere 
götter  beziehen  oder  ans  verwaQdlung  entstanden  smd, 
wird  eine  bestimmte  pergönUchkett  gebdhiren.>  Man  könnle 
sagen,  die  gftHcir  des  heidenthums  seien  ttberhanpl  borvor«*- 
gegangen  a«s  den  yerschiednen  personüealionen)  die  der 
Sinnesart  «id  entwicklung  Jedes  Volks  eunävhsl  gelegen 
haben;  nur  dafo  den  einzelnen  gestalten  durch  vereiniginiig 
mehrerer  eigenscbaften  und  lang  fortgetragne  ttberlieferong 
höheres  ansehn  bereitet  werden  muste. 

Dabei  ergibt  sich  aber  für  das  geschleeht  ein  bedeut**- 
sanier  unterschied:  starke,  heftige  krifte  und  ^Wirkungen 
werdein  vorzugsweise  auf  götter^  milde  und  lidblicbe  auf 
göttintien  angewandt,  wodurch  sich  schon  im  allgemeinen 
das  hMiere  walten  jener,  das  geringere  dieser  entscheidet, 
dies  zurücktreten  und  ihre  anmnt  hat  aber,  wie  schon  eini- 
gemal gesagt  worden  ist,  den  stand  der  beidnisdien  g#l<>- 
tinnen  länger  geschützt,  während  die  strenge  gewalt  der 
gdtter  verfolgt  wurde. 

In  allen  reichen  treten  beide  geschlecbters-riMien  eint* 
ander  avf ,  damit  aus  ihrer  Verbindung  nach  menschlichem 
begrif  neue  Zeugungen  und  Verwandtschaften  hervorgehn 
können.  Da  wo  keine  personificatio»  entschieden  gedacht 
wird,  pflegt  unsere  spräche  das  unentwickelle,  un entfaltete 
nentnim  zu  gebrauchen» 

Von  den  elementen  finden .  wir  Infi  und  fener  mehr 
auf  götter,  wasscr  und  erde  mehr  auf  güttinnen  bez^gen^ 
Wwotan  erscheint  als  alldurchdringende  laft,  als  himmel 
und  erde  durchziehendes  rauschen,  wie  in  den  worten 
f»uai  (s.  120)  und  t>&ma  (s.  131.  132  vgl.  s.  707)  ermittelt 
llst;  vielleicht  darf  selbst  wehen  mit  waten,  beben  mit  Bif^ 
ündi  (a.  135)  in  verbindong  gebracht  werden,  der  wind-* 
Sturm  des  wütenden  heers  erlangt  dadurch  seinen  eigen» 
thümlichen  bezug.  Günstiger  wind  (s.  603)  hieng  von  ^uo«*' 
tan  und  Zeus  ab,  Odinn  witterte  und  hiefs  Ftdh'r  (s.  603). 
Die  lufterschütterung  durch  donner  wird  überall  auf  den 
hdchsten  gott  zurück  geleitet,  den  unser  alterthum  als 
Donar,  Wuotans  söhn,  besonders  darstellt,  aber  Zeus  und 
Jupiter  wieder  Tnit  dem  vater  identificieren  ;  Thrymt  scheint 
mit  Thörr  identisch  (s.  165).  Lcpir  (s.  226.  598)  ist  ein 
andrer  ausflufs  des  Odinn.  Zio  und  vfeileietit  Ph0l  als 
Sturmwinde  (turbines)  müssen  auf  gleiche  weise  angesebn 
werden  (s.  609).     Unter  den  göttinnen  kommt   in  beiraoht 


PBRSONIffieATtOM  §37 

lue  welche  für  winiisbraut .  iumI  Wirbelwind  galten  .  kwii^ 
HMay  di0  mt  im  wütenden  beer  üeh0fli^fW^i^JBerodia»^ 
(s.  599);  iiMtli  terwdge,  dafs  auch  Halda  und  Maria  gowall 
über  si^e  ond  regen  zualela  (a.  246.  607«.  159).  erst 
Wilmiai  251«  Uifsl  eine  frau  luft,  $o  wie  H.  ^chs  mFf  ignip^ 
aqua  aia  franlein  varkomiiieD«  Wen»  swerge,  riesen.  und 
rfesimieii  wind,  wetler  und  8tarnierf9geii,(s.597.  599.  609# 
603),  treten  sie  als  diener  des  höchsten  gottes  auf.  i^ch 
Käri  alellto  die  luft  dar. 

ZroMund  Logi  (s.  230)  sind  feuergötter,  wpl  war  es 
auch  aühnsy  ovan^  der  uns  das  blofse  element  aufidrüakt 
(s.  595).  Hbukma  die  göttin  (s.  235)  könnte  ihn  2^  .seiite 
stehn«  den  blitastral  scUeuderi  Donar  gleich  dtm  slavi«^ 
sehen  Perun,  dooh  Gram,  den  doqner  stellen  die  Slaven 
als  Jüngling;  Munja^  den  bliU,  als  Jungfrau  dar  (s,  162). 
das  göttliche  feuer  empfängt  anredte  (s.  568)  und  beifst  bani 
Yi4at  (holsmörder).  vielleicht  darf  Baläer  und  Phol  als 
gottheit  des  lichtes  aufgefafst  werden  (s.  208<  579.  581) 
und  Ton  andrer  Seite  Ostara  (s.  268)^  Mist  (nebula)  wurde 
ab  valkyfie  gMommen  (s.  393). 

Blir  (s*  220)  und  (hgir  (s.  216.  288)  sind  gQtter  der 
flut,  Rän  ist  gmtin  (s.  288);  Geban  und  Geßon  j(s.  21  a 
287)  schwanken  «wischen  beiden  gescblechtern.  das  fem. 
okMk  (s.  549)  und  die  weibU^hen  flufsnamen  (s,  567)  fj^hren 
auf  wasaergöttlnnen }  wdsu  auch  das  vorhersehen  der  mxßn 
oder  meernainnen  (s»  456«}  und  die  wei<)faheit  des  elementß 
stimmt,  doch  ist  Odina  als  B^ikar  (s.  457)  aulgeführl  wor^ 
den.  Schnee  und  Reif  sind  männlich  aufgefafst  (s*  7«tl^ 
aber  die  nerd.  Drifa  (der  lookefe  triebsehnee)  .idfi\  tQchter 
des  Snior  (Yngl.  saga  16). 

Die  Erde  muste  wie  Terra  und  Telliis  weiblich  ge^ 
dacht  werden,  damit  sie  der  männliche  Himmel  ß^iß  brsjut 
umfahen  könne;  auch  BMß  ist  göittin  und  Nerthf$a  (^*  229. 
230) ,  die  aber  in  den  männlichen  Niördr  über  sobwank^ 
Aus  der  Unbestimmtheit  des  goth.  fairguni  entfaltete  sich' 
ein  mfinnlicbes  fiörgyn^  {$.  157)  und*  weibliches  Fiörgyn 
{s.  235);  jemim  entspricht  Perkimas  (Fairgunei«)  nnd  dafs 
götter  SQosI  9eoh  geldrgen  heifsen,  vgl.  ans  (s.  92)  und 
Etzel  (s,  155.  156).  auch  ^omor,  der  felssteio  (i^...  166) 
leidet  bezug  darauf.  Der  cap.  iv  nachgewiesne  wpIdeuUus 
muste.  unmiltelbar  die  Vergötterung  heiliger  bäume,  herav^ 
fahren  und  die  meisten  bäume  werden  weiblich  gedacht; 
wir  sahen  s.  617.  618.  619,  dafs  noch  der  jünfferen  yolks- 
anschauung  frau  Hasel^  frau  Elhomy  frau  Wac^holder,  frau 
Fichte  für  belebt  galten.    Sn.  38  werden  unter  deq  asionen 


836  PERSONIFIGATION 

AKn  und  Ofiä  als  dienerinnen  der  Frigg  genannt,  Hlöek 
Sn.  39  unter  den  valkyrien,  diese  drei  Hamen  sollen,  wie 
Biörn  angibt,  zugleich  bäume  bezeichnen,  Hltn  scheint  das 
nhd.  leinbaum,  leinahorn,  lenne  (acer)  der  ableitung  s.  828 
zum  trotz.  Sn.  128  ist  noch  allgemeiner  ausgedrfickf, 
warum  alle  weiblichen  baumnamen  auf  frauen  angewiindt 
werden  dürfen ,  nemlich  seija  t>edeute  so wol  proeuratrix  ab 
Salix. 

Zw  scheint  wie  Zeus  ursprünglich  himmel  und  tag 
(s.  175.  176.  697)  zu  bezeichnen,  doch  unsre  mythologie 
ist  seines  Terhfiltnisses  zur  erde  uneingedenk  (s.  663).  sie 
personificiert  aber  noch  den  Tag  (s.  697)  und  läfst  ihn  TOn 
der  Nacht  geboren  werden,  allein  abend  und  morgen, 
Äpanirodj  Tagarod  (s.  710)  erscheinen  minnlich*).  Desto 
auffallender  ist,  dafs  die  sonne y  das  grofse  licht  des  tages 
(s.  664)  weiblich,  der  mond  männlich  Torgestelit  werden, 
zumal  die  sonne  heftig,  der  mond  mild  leuchtet;  so  hohes 
alter  dieser  ansieht  gebührt  (s.  667),  Ififst  dennt>eb  die  Zu- 
sammenstellung des  goth.  «diif/,  ags.  segil  mit  dem  iat. 
sol,  gr.  '^hoe  ahnen,  dafs  auch  bei  uns  in  früherer  zeit 
ein  dem  verhfiltnis  der  classischen  sprachen  analoges  be- 
stand (s.  664)  und  erst  allmäiich  daTon  abgewichen  wurde, 
noch  im  mhd.  schwankt  das  genus  von  sunne,  wie  umge- 
kehrt ein  Iat.  Lunm  neben  Luna  vorkommt,  nicht  ander» 
ist  das  goth.  slaimö,  altn.  stiarna  gleich  Stella  weiblich,  das 
ahd.  sterno,  alts.  sterro,  ags.  steorra,  gleich  ao^^g  minnlich, 
und  beides  rechtfertigt  sich  durch  die  personificationen  ein- 
zelner gestirne. 

Sommer  und  Wmier  U'eten  bei  uns  minnlich  auf 
(s.  718.  719),  die  Iat.  aestas  und  hiems  weiblich,  wozu 
man  das  gr.  masc.  j^a/uwvj  das  slav.  fem.  zima  halte, 
aufser  Hrede  und  Eäsire  smd  alle  monatsnamen  minnlich, 
und  zumal  der  Mai  Tcrtritt  den  Sommer,  dagegen  zeigt 
,  das  unbestimmte  neulrum  jähr  die  abwesenheit  mythischer 
*  prosopopöie. 

Seltner  scheint  sie  fqr  blofses  geräthe  statthaft,  eine 
ausnähme  mufs  schon  bei  dem  $chwert  zugestanden  wer- 
den. Wie  dieses  eigennamen  und  lebendigen  acc.  empfieng 
(gramm.  3,  441),  der  anrede  theilhaft  wurde  (z.  b.  klage 
847.  Wigal.  6514)  und  gleich  den  altn.  beiden  und  dem 
feuer  bani   (occisor)    hiefs   (z;  b.  Hialmars   bani,    fornald. 


*)  liUh.  bei  Lasicz  47  Berlea  dea   Tespertiiia ,   Brektta  dea  tene- 
brarum.     schön   wird   im  Triitan  Isot  der  Sonne , '  ihre   muUer   der 
'  Bf  orgenrdthe  TergUchen. 


PHtSONinCATION.    HIIATA  888 

sog»  1,  522)  y  sckbage  uwA  niiler  in  grif  and  f|Rtze  Jes 
Schwertes  bansen  (s.  652);  so  fiigl  sich  hierzn  die  Vergöt- 
terung des  krifgsf^weries  (s.  185.  186),  auf  welches  iöh 
nicht  dfts  anpersönliche  neutr.  swert,  sondern  das  masc. 
iafroSi  bem,  cheru  bezogen  habe  (s.  184),  dem  die  göt«* 
temam^i  Ear,  ^yf^e  and  Sakmdt  begegnen:  ans  dem 
namen  des  göttlichen  afanherm  giengen  die  volksbenen« 
nungen  Cbemsker,  Sachsen  hervor,  vgl.  Saardones  mit 
Sveordveras  im  cod.  exon.  322, 13.  Gegenttber  dem  schwort, 
das  mftnner  zierte,  steht  aber  der  fraueiischmuck,  von  dem 
die  alte  spräche  ihnlicfae  beseichnongen  entnahm,  and  es 
ist  bedentsam,  dafs  wie  durch  das  schwort  ein  hoher  gotl 
durch  ihr  haisgescilmeide  die  schönste  göttin  hervorge-* 
hoben  wird,  nach  der  alle  weiber  frauen  heifsen  (s.  276. 
283.  284).  in  unserm  ältesten  reefat  bildete  das  schwort 
wesentlichen  tbeil  des  heergewätes  *) ,  das  halsband  der 
fraueiigeräde  (RA.  567  ff.),  und  da/schon  in  der  lex  Angl. 
et  Werin.  7,  3  der  ausdruck  vorkommt:  ^ornamenta  mn- 
liebria  qnod  rhedo  dicunt',  so  fragt  es  sich,  ob  nieht  eine 
ganz  andre  auslegung  der  ags.  göttin  Rheda  statthaft  sei 
als  die  s.  266  versucht  wurde?  Ostara,  Efatre  war  göttin 
des  aufateigendeli  lichtes,  Hrede  vielleicht  die  der  fräsen* 
Schönheit,  ein  mAteir  name  für  Frouwa,  Fre^,  oder  per- 
sonifioatioh  des  habgeschmeides ;  zu  der  wnrzel  mag  das 
ahd.  hrati  ags.  hrid,  aün.  hradr  irelox,  celer  gehören,  da 
sich  begriffe  des  raschen  und  schönen  oft  verknfipfeii. 
nicht  zu  fibersehn  ist  der  ausdruck  radelöve  ftir  gerade 
(RA.  567) ,  ahd.  radoleiba  (Graff  3,  855)  genauer  hrataleipa, 
wobei  man  denken  darf  an  das  ags.  sveorda'Iftfe,  ..homera 
Iflfe  (Beov.  5868.  5654),  also  nach  an  einen  vorsteheilden 
gen.,  so  dafs  Oredan,  ftredean  Mfe  urspringlich  den 
schanuck,  die  Unterlassenschaft  der  göttin,  in  oi^che  sich 
nachher  alle  frauen  tbeillen,  bezeichnet  hätte,  dieser 
auslegung  kcMnmt  eben  noch  manches  andere  zur  hilfe. 
nicht   nur    kann   bei    den   nord.   skaldlsn   die  frau    ttber- 


*)  aufier  ihm  ffn^  und  sekif^  das  kOttlichtte  der  fihrendea  hake 
m  ilterthqai.  iQearM  und  mldmii  alellen  die  agt.  gedickte  aeben 
einander,  ans  mldm  tiildete  lich  der  begrif  des  goth.  miiibina  koaU- 
barea  geschenk ,  wShrend  im  mlid.  meiden  die  sinnliclie  oedeotung 
dea  rosaea  haftete ,  in  der  formet  'acfaif  ond  geschirr*,  obschon  aie 
spitcrr  den  waaen,  das  kodschif,  und  deasen  ausrnatung  bezeichnet, 
kamt  nraprüngikh  daa  aeeachif  gemeint  aein ,  ^elcbea  altn.  uad  ag^. 
dichter  aeepferd  in  ounigfaltigem '  anadrock  benenoeii  (An^r^  nnd  EI. 
a.  xxny.  iny) ;  noch  im  franz.  Simplic.  3,  46  finde  ich  <daa  hölzerne 
wasaerpferd  tninmeln*  :=  achiffen.  Wie  tiahe  grenzt  die  Torstellung 
dimoniBcher  aeeroaae  (a.  456).'  •        i    . 


M»  HRO0B.  eflRfiiur.  ^snumm 

Impt  Hterob  jedetn*  schtnmfc  t  dte  sie  trigft,  benannt  wer- 
den; sondern  Frisyjä  selbst,  deren  brott  das  »kostbare  Brt-*- 
stnga  men  (goth.Breisiggd*  mani^)  zieH  (#»  884),  wie  die 
enfainitter  dasiärdar  iften,  den  erdrasen  trug  (s^609)y.zeilgte 
eine  ihr  ganz  identisdie  götliiche  tt)ohter^  derdn  Minen 
iwtedenun  in  den  ^es  schittuckes  und  zierräls  übergebt, 
«neb  Sn.  ^7  biefs  sie  Hnoss^  ulid  wir  so  sebön^  dafs 
altes  'Sobmucbe  und  köstliche  haas^ir  genannt  wurde  /  bnoa* 
jir  Tdlja  Sibm.  233^  bedeutet,  frauengeschnieide  auswählen, 
scHenken.  hnoss  ist  entwödoT'  von  bnadd  gtomus,  nodds 
{w\^  Mass 'Von  hlada^  ses^  von  skja)  abzuleiten,  odbr  ei« 
Her  abd.  form  hmtst,  nost,  nusc  (Graff  2,  1006.  1007)  an 
-Seite  zu  istellen;  in  beiden  stellen  bertfirt  es  sich  offenbar 
jnit  bris  (compages,  nodus)  oder  nusta  (ansfila)^  nuskH  (§bula), 
jsteht  also  jenem  Bristnga  oder  Bristnga  men  der  mutter 
tiberfascbcind  gldich.  allein  anderwärts  seben  wir  der  Freyja 
.aufser  Hnoss  nooh  ein^e  andre  tochter  Gersimi  beigelegt 
•(Sn.  313.  Yngl.  saga  ci^.  13)^  worin  nochmals  dieselbe 
vorstellttttg  erkennbar  ist ,  ja  dieser  name  geht ,  wie  jenes 
irhedO)  in  die  alten  reohtsbrfincbe  ein.  gerserai  (fem.)  be^ 
'deutet  kostbaren  scbmüdk^  cimelium  (gloss*  au  Grftgfts  $.  26), 
dann  auch  arrha  und  mutete  paotilia,  Östgötalag  giptab. 
48  |iat  gfirsimi,  Veslgötalag  p»  140  görsimar,  die  dän.  volks- 
irechte  gi^rsum^  giorsnm;  selbst  die  ägi.  recbtsnrkUnden 
wiederholen,  den  ausdruck  gärsttmaU^  gersdman  niman,  ger- 
jMiam  eaperä  im  sinne  von  thesaulru«,  cimelium  (Speimann 
p.  368>  Dttcange  3,  513) ,  bei  den  dichtdrn  Imbe  ich  ihn 
,n4cht  getroffsn^  da  ags.  -^sotn  dem  abd.  -^sam  enfsprieht 
•(gramm.  2,  574),  mutmafse  ich  die  abd.  form  karosemi  and 
.'erkläre  sie  aus  ku'o  paratna,  karosemi  würde  bedeutet  ha- 
lben was  wipgarawi  nmndus  mttliebris'(6rafr4,  243)  und  wir 
hätten  fiir  die  gerade  des  deutschen  recfals  drei  gfleiebbe- 
dautende  benennungen  kennen  gelernt:  rbado,  hnoss,  ger- 
senri,  welche  sämtliek  ab  Breda ^  Hm^$y  fisrsaHtt  persönKefa 
-gedächt^oid  Tergött^rt  wurden.  Hierbei  fällt  mir.  noch  ein, 
dafs  in  der  dichtung  von  Oswald,  welche  reich  an  mythi* 
•sidtfen  beafigen  ist  (man  erwäge  Tragemund  jand  den  fast 
odimscbeh  raben),  eine  nrngfrau  Spange  (z.  f.  d.  a.  2,  96. 
97.'  105,  ver  Spange  103,  vor  Spange  115  wie  ver  Hilde, 
ver  Gaue*))  erscheint,  deutlich^  personification  des  begrif- 
fes  Spange  (armilla) ,  der  sich  für  die  schöne  königslocbter 
.  vorzüglich  schickt.  Solche  göitinnen  des  weiblichen  sehnincks 
und    hansgerfiths  dürfen  aueb  unter  den  bei  Lasicz  s«  48. 


*)  Ettmüllers  teit  gibt  dsi  feb)erfa#Ae  Monkuie  P«D|e. 


WÜRFEL    HftSffAtT  841 

49  aiig«f6brlen  Klthauischen  gremiHm«rst  werden.  Mädala, 
die  schmiegMme  (s.  235)  erscheint  wenigsten«  als  ahd.  ey- 
genname  bei  Irmino  187*,  man  erwäge  die  s*  83S'  berührte 
porgönliche  ftssung  von  alr  und  kntfr.  Hlöek  wurde  s.  373 
ygl.  393  Mis  hiancbi  eatena  gedeutet. 

Lateinische,  romanische  und  deutsche  dichtlingen  des 
Mittelalters  >  so  viel  ich  sehe  bereits  im  12  jh.,  fttliren  den 
wlH'fd  als  ein  damonisckes  wesen  fersönlicb  aaf ;  cod.  mo-> 
nae.  ol.  benedictobur.  160*  fol.  94  enthält  folgende  stelle: 
cnm  sero  essel  una  gens  lusorum ,  venit  Deeku  in  •  medie 
eorum  et  dixit  'fraus  vobisl  nolite  cessmre  ludere,  pro 
dolore  enim  vestro  missus  sttm  ad  vos*;  fol.  91^  wird  der 
secta  Becüt  d.  h.  der  wflrfelspieter  nochmals  erwähnt, 
andere  belege  liefert  Duoange  s.  v.  Dedui  ::=:  talns,  taxil- 
lus,  mit  der  richtigen  worterklärung  ans  dem  franz.  d^, 
altfranz.  dea,  prov.  dat,  datz,  ital.  span.  dado  r=  lat  da- 
tus  *),  weil  man  dare  im  spiel  für  edere ,  jacere  gebrauchte, 
derselbe  Mfincfaner  cod.  bietet  aber  fol.  95^  den  gleich«- 
merkwttrdigen  auadruck  dar:  'nil  faio  expaveacimus  preter 
AnAortN  nrinas')  des  Würfels  drohen,  und*  das  auch  mbd. 
dichtem  bekannte  hasebart  *^)  kann  doch  nur  aus  dem  frans, 
hasart ,  haaard  verständlich  werden ,  dessen  eigner  Ursprung 
dunkel  iat^  dessen  allgemeinere  bedeutung  noch  leichter  an 
personificattön  streift,  allem  diesem  kommt  hinzu,  dafs 
auch  nach  dem  indischen  mythus  .DedjMira*,  ein  dämon, 
in  die  Würfel  dringt  und  dafs  die  Würfel  in  gestalt  von 
vOgeltt  nahen  ♦•♦). 

Kaum  erwächst  aus  Örtlichen  begriffen  eine  Vergötte- 
rung; umgekehrt  kann  die  Vorstellung  der  gottheH  auf  den 
räum  übertragen  werden,  so  gteng  aus  der  heidnisohen 
Hall,  Hei  die  chtisillche  hölle  berVor.  ein  andres  beispiel 
gewähr!  vielleicht  die  «Itm'Laufey  (s.226)  und  mit  der  idee 
des  waldes  und  haines  fliefsen  gdttervorstellnngvn  zu- 
sammen. 

Viel  efai  weiteres  feld  öfnet  sich  den  personificationen 
unsinnlioher  iU»stracler  gegenstände;  entsehteden  aber  sehen 
wir  auf  ihm  die  weiblichen  den  männlichen  vorhersehen. 


*)  Tgl.  1^,  lex,  ilal.  lato,  span.  lado,  lat  latus;  nö,  nez,  it  Hato, 
span.  nado,  lat  nalus;  pr6,  prex,  proT.  pralz»  it.  prato,  span.  prado, 
lat.  pratam. 

**)  die  Btelleo  in  der  s.  f.  d.  a.  1,  577  gesammelt,  deneb  noch 
beizo fügen  ist:  'spil  geteilet  üf  bret  ald  an  hasehart*  g.  frau  1093; 
*den  hasehart  werfeii'  Taulers  preiligen  im  cod.  argent,    At  69. 

*'*}  Beppa  Nalas  s.  49.  69. 


842  PERSONIFICATIOIV 

Die  wichtigsten  beiqiiele  der  letzteren  scheinen  mir 
folgende.  Donar  wird  zugleich  ala  i>aier  und  groftoa^r 
dargeatelU  (s.  152.  153),  auch  den  Lappen  ist  Aija,  den 
Finnen  Ukko  sowol"  grofsvater  als  donner.  Wunsch,  0$kij 
ein  name  Wuotans  (s.  130)  bezeichnet  ungeßkkr  was  die 
weiblichen  vorstelhingen  Sftlida,  Fruma,  Xdgtg  ausdrücken, 
auch  der  gr.  no^og  (wünsch  und  Sehnsucht)  erscheint  zu» 
weilen  als  Ilo&og.  schlagen  meine  deulungen  von  GMhm 
(s.  126),  Gduis  (s.  20.  341.  345),  Sigi  (s.  24,  344)  niehl 
fehl,  so  wftre  es  leicht  auch  ihnen  analoge  weibliche  wesen 
an  die  seite  zu  stellen,  alle  diese  namen  standen  dem 
höchsten  gott  zu,  der  durch  schöpferische  gaben  beseligt, 
andere  dem  nahverwandten  hehren  kriegsgott:  Wig  (pugna, 
s.  184  vgl.  Graff  1,  740)  und  Badu  (s.  188.  204),  denen 
sich  viele  weibliche  wie  Hilta  u.  s.  w.  vergleichen,  mit 
Tggr  (s.  188)  habe  ich  den  römischen  Pallor  und  Pavor 
zusammengehalten,  Omi,  V6ma  deuten  sich  besser  elemen-- 
tarisch.  An  WIg  und  Hadu  grenzt  eher  Tod,  Ddn^ms 
(s.  802),  der  wiederum  aus  männlicher  personiSeation  in 
weibliche  tibertritt,  dafs  beide  todt  und  hunger  unmittelbar 
verwandt  sind,  zeigt  unsre  spräche,  das  goth.  svults  be- 
deutet mors,  das  altn.  sultr  fames,  wie  Xtftcg  hunger,  >lo«* 
fiws  wegraffende  seuche,  und  die  personiicationen  tauchen 
überall  auf:  Mmgr  heifst  der  Hei  schüssd,  suUr  ihr  raesser 
(Sn.  33),  Herböui  im  Renart  23362  und  rom.  de  la  rose 
180&7  die  einbrechende  hungersnoth ,  welchen  ausdruek 
ich  von  dem  ahd.  namen  Heribalt  herleite,  der  Hunger  führt 
wie  ein  gewaltiger  krieger  durch  die  weit:  ferid  unmet 
gröt  Hungar  hMigrim  obar  helido  barn.  HeJ.  132,  8;  der 
Htmger  gie  überal ,  breite  sich  in  die  werlt  wtte.  Diut. 
3,  101.  die  römische  Fames  ist  weiblich,  und  ihre  per- 
sonification  ans  Ov.  met.  8,  800  zu  erkennen.  Unsicher 
bleibt  noch  die  s.  347  gewagte  vergleichung  eines  mhd. 
BilUch.  mit  der  eddischen  Bil  oder  Btl ,  deren  wesen  selbst 
unaufgehellt  ist;  aber  dafs  die  geschlechter  wechseln,  geht 
am  sichersten  aus  dem  neben  einander  auftreten  identi- 
scher götter  und  göttinnen  hervor,  die  sich  eitern,  kinder 
oder  geschwister  sind,  wie  Niördr  und  Nerthus,  Freyr  und 
Freyja,  Liber  und  Libera.  auch  Berhta  ward  zu  BerhtoU 
(s.  257). 

Der  aus  sittlichen  begriffen  hervoYgegangnen  göttinnen 
und  göttlichen  freuen  ist  eine  viel  grössere  schaar.  Unter 
vielfacher  gestalt  steht  dem  vater  und  grofsvater  die  götr 
termutter  zur  seite,  frau  Uote  ist  Stammutter  alter  hel- 
dengeschlechter  (zeitschr.  f.  d.  a.  1;  21).    H6ld^  die  holde, 


8N0TARA.    WARA.    SUNIA.    FRDHA  M3 

Berhia  die  gUnsende,  Firoumay  Fresja  die  sohOne  oder 
frohe,  Sippia,  Sif  die  freundliciie  (s.  286).  Follüy  FuUm, 
AbmuUay  tÜAe  des  iegens  spendend,  eher  als  flUie  des 
monds  beseichnend;  den  Römern  war  eine  Capia  mil  dem 
ffllihorn  heilig:  aorea  froges  Italiae  pleno  defandil  Copia 
comu.  Horat  epist.  I.  12,  28;  divesque  meo  bona  Copw 
eomu  e^.  Ovid.  met  9,  85.  Sno&a  die  weise,  artige 
Sn.  38 ;  das  adj.  lebt  in  der  spräche ,  goih.  snutrs ,  ags. 
snolor,  altn.  snotr,  prudens,  caUidiis,  eigentlich  emunctae 
naris,  ahd.  form  wftre  snozar,  wofOr  aber  auch  noch  snotar 
ZD  gelten  scheint  (Graff  6,  845).  jede  kloge,  verstftndige 
frau  kann  inoira  genannt  werden.  Drei  asinnen  als  sohät* 
zende,  hütende  wesen,  im  sinn  der  römischen  IWeto, 
werden  Sn.  38  angeführt:  Vary  ahd.  z«  vermuten  Wara, 
die  wahrende,  gewahrende,  welcher  nichts  verborgen  bleibt; 
Syn,  die  des  thüreingangs  hütet,  womit  ieh  das  goth.  avnja 
veritas,  sunjAns  (nicht  snnjö,  wie  s.  286  irrig  steht)  defen«- 
sio  nnd  das  aas  unserm  ftitesten  recht  bekannte  sunnis  ex- 
cusatio  zusammenstelle,  so  dafs  die  bedeatong  abwehr,  ver- 
theidigung  zu  sein  scheint ;  ißiii,  die  von  Frigg  allen  in  ge- 
falir  schwebenden  männern  zum  schütz  gesetzt  ist,  von 
hltna  tneri,  fovere^).  Auch  HaU^  Ealja  ist  eine  bergende, 
hehlende,  in  den  schofs  der  Unterwelt  aufnehmende,  ur- 
sprünglich gütige  gottheit. 

Nach  den  wiederkehrenden  redensarten:  ^was  im  thiu 
fruma  gibidig'  fiel.  110,  2.  130,  13;  'thiu  fruma  ist  hiar 
iroogit'  O.  I.  15,  32;  'thaz  in  thiu  fruma  qneman  was'  0.  L 
16,  17;  <sö  quimit  thir  fruma  in  henti'  0.  I.  18,  42;  'nu 
uns  thiu  fruma  irreimti'  0.  n.  14,  120;  sollte  man.  glau- 
ben, dafs  diesem  fruma  (lucrum,  utilitas)  ein  früheres 
persönliches  Fruma  nnterlfige,  zumal  das  alts.  gibidig, 
gibidi ,  ags.  gifede  (datus ,  concessns)  von  höheren  gaben 
des  gesoUeks  zu  stehen  pflegt:  ttr  gifede  (gloria  concessa) 
Jud.  136,5;  eäd  gifede  (opesooncessae)^.    ähnlich  jenem 


*)  Snorri  beitStigt  die  drei  söttinnen  am  ebensoviel  sprächen: 
'kona  Terdr  «dir  besä  er  bon  vermr  vts*,  wessen  eine  frao  weis  wird 
das  wird  sie  aocn  gewahr;  '«yn  er  fjrir  sett\  abwebr  ist  Torgescho- 
ben,  wenn  einer  die  schuld  leugnet,  Tgl.  forom.  s5g.  9,  5 :  hann  setti 

1>ar  sjn  fjri  ok  band  skirslur;  ^sl  er  fordaz  Ueimr',  wer  sich  rettet 
ehnt  sieh  (an  die  schntzgöttin).  von  hltna,  nXipttv,  inclinare,  goth. 
bleina  ist  hleina,  anlehnen,  goth.  hUiinjan  zu  leiten,  das  goth.  hUitts 
bedeatet  collis,  der  bergende  högel?  ich  sehe  nicht,  wie.  damit  der 
för  hltn  .behauptete  begrif  eines  (?  bergenden)  baums  (s.838)  zu  ver- 
einen steht 

**)  der  ahd.  franenname  Otikepa ,  ags.  Elidgifo  t=  opes  largiens 
könnte  die  lat  göttin  Ops  übertragea. 


844  y  !     PEBSONIFM^TIOI» 


•  • 


'thin  fruma  uns  irreimta'  heifet  es  *th&n  tbiu  sälida  gifeim' 
0.  L  3, 17,  firtman  ist  wieder  &ia  höhereg  zu  tiieil  werdeo^ 
Aind  O.III.  9, 11.12  werden  verbunden:  ^firuma  Ihana  fwirta, 
aAIida  inti  heiH.'  sftlida  k(Hnmt  gleich  der  frwna  in  henti,  zu 
banden,  von  den  unbezweifelbaren  pcrsonifioalionen  der 
SäUda  wurde  s.  822  ff«  gehandelt. 

Auf  eine  siegverleihende  walltüre  würde  der. ahd.  ntm» 
Sigukepa  gerecht  sein ,  wie  die  nord.  Victoria  ^er  Ntnfj 
Sigrdrifa  (s.  406)  beifst,  drtfa  die  treibende^  «nd  Ikrtfa 
war  mit  fug  einer  gdttin  des  Schneesturms  beigelegt,  weil 
pfeile  und  gescbofse  im  drang  der  schlacbt  gleich  schnee^ 
flocken  fliegen  *\  Holda  die  flocken,  Wuotan  die  pfeile  ent^ 
sendet.    Bellona  war  uns  Hilüa  xinA  Kundia  (s.  393). 

Aufser  diesen  göttlichen  oder  doch  höheren  wesen, 
von  denen  glänz,  licht,  schütz  und  rettung,  fülle  der  gaben, 
namentlich  des  siegs  ausgieng,  gab  es  noch  andere,  die  als 
personificationen  einzelner  fugenden  gedacht  wurden;  wie 
sich  die  gottheit  leiblich  in  besondre  gewatten  spaltete,  er«- 
schienen  auch  ihre  geiistigen  eigenscbaften  gleichsam  in 
strahlen  vertheilt,  um  dem  menscheDgesefalecht  vorzuieuchten. 
ehre,,  liebi^  treue,  milde,  scharo,  mäfsigkeit,  erbarmen  ncfh^ 
men  aber  wiederum  die  gestalt  voti  göttinnen  an  sieb,  weil 
•das  volk  von  altersher  gewohnt  war  alles  holde  und  schöne 
auf  frauen  zu  übertragen. 

•Es  wird  angenommen ,  dafs  jenen  weisen  frauen  des 
heidenthums  gleich  (s.  370.  391)  die  tugerfden  sich  ihflB 
günetUnge  auserlesen,  und  mit  ihnen  haiisen  und  verkehren, 
ifirzürnt  oder  verletzt  sie  ein  frevel,  so  brechen  sie  auf  und 
kehren  im  die  bknmHsehe  icohntmg ,  aus  der  sie  abstammen, 
»urück.  auch  bierin  sind  sie  den  schwanfrauen  ähnlich,  die 
naefa  langem  verweilen  unter  den  menschen  plötzlich  in 
ihre  bessere  heimat  entfliegen  (s.  401). 

Solche  Vorstellungen  müssen  hoch  hinauf  reichen  und 
weit  verbreitet  sein.  Hesiod  i^ya  198-  200  meldet,  dafs 
^idtöc  und  Ne/iteoig  (Scham  und  Scheu)  in  weifses  gewand 
sich  hüllend  (mit  dem  schwanhemde.  angethan)  von  den 
menschen  hinweg  zu  den  ewigen  göttern  gegangen  seien, 
-so  pflegen  wir  noch  heute  zu  sagen:  WoArkeit  und  Treu 
sind  aus  dem  land  gezogen;  ein  chroni^t  des  14  Jh.  schreibt: 


*)  «c  veluti  Boreae  «üb  teopore  nix  glomer^ita . 

apargitur,  Uaud  aliter  saeyas  jecere  sagittas.    Wallb.  tSQ. 

Ton,  b«identbalbeo  floucb  daz  scoz 

al86  dicke  s6  der  sd^.    Alex.  2886  (3235). 

daz  geseboi  als  diu  ante  gie     ,  ^    .  . 

und  die  würfe  under  daa^^b^r»   s.^^'ijal  t0878.  .  . 


.1 


/VKB,    KUOMnOf    «'  8*5 


Hfsmc  eiuiq  jMk  «i  eMiium  migrmrit:  (Böhmevs  fioMmi  :l^  2). 
KL  1575 :  'ja  enwU  »/n  trowe  Epß  JbelAe»  m  dem  trühe^ 
fitd  alsd  jemerllohe  die  §re  tirafeniie  sinf  fdogen.  w«r 
^It  si  (l'eoM  wideruregei>)  swcim  ir  geavrlchetdra  kraft? 
des  bei  gar  di6  «leisiersehaft  mtii  •  lietei^  valtsr  ftüBd^r. 
omtDtf  £ra  diu.wirl  nimmer  mArmit  salchem  Virunaohe : ga-* 
trafen  als  6r  si*  truoe  bi  atilett  lagen«*  dtiir  keM ,  dem  sich 
fnni  fib'ä:  angesdiiossan  hafte,  verstand  sich  darauf  ikr  das 
gegengewiebt  zu  halten^  sie  zu  stöteen  umI  eufreoiil  sn 
tragen;  durch  seinen  tod  wird  auch  ihre  kraft  gebrochen: 
ihres  Meibens  ist  nklH  länger.  Nitkarl  (bei  Ben.  327.  328. 
349)  gedenkt  iDiiies  weiblichen  wesens  VrAmmoi  auf  eine 
weise,  die  tebendige  persen  anssobliefst ,  es '  mufs  dabei 
etwi»  mythisshes  im  hinterkalte  liegen.  HillrAt  uad  andre 
jBhgfrauen  mehr  sollen  sich  zum  tanae  sammeln ,  mit  ihnen 
soll  Fr&muoi  fahren,  'diu  ist  iraller  wtsd.'  sie  brachten  ihr 
geleile,  sie  kam  z«r  frtthlia^saeit  ina  laiid  gesogen;,  aber 
nachher  Mrird  ae  Terwist,  ne  isi  aas  Österreich  enironnenf 
wahrscheinlich  weil  man  sie  liicht  iii  ^hren  gehaken  hatte, 
der  dichter  scMiefiit  idas  lied  mit  dem  ausrnf:  könnte  man 
sie  wierief  gewjnnen^  man  sollte  sie  auf  banden  tragen  I 
wie  gefeierte  wesen  (Jcönfge,  braute)  empör  gehoben  und 
hemm  getragen  werden;  an  ein  solches  smtrage»  läfst 
Mch  die  steUe  von  ftüdiger  denken.  In  dem  aadera  liede 
keifst  es,  Fr Amaot  fähre  trattrig  von  land  au  lande,  fröhliche 
menschen  avfkneikcben ;  wer  ist  nun  seiner  freude,  seinei 
glucks  so  sicher,  dafs  er  Ukr  boten^  sende«  dikrfe?  W4ri 
keiner  als  fürst  Fridench^  an  dessen  tef  möge  «sie  eiakeh^ 
ren.  Freude  und  frobsinn  sind  aus  dem  reich  gewiöhen, 
frdmüete,  ahd.  ffawamcrati,  alts.  fkömdd  (Hei.  35,  1)  bedeu<" 
ten  frohsinnig,  Rriünmat  erscheint  aber  auch  als  weiblicher 
eigenname  (GrafT  2,  699)  und  die  personücation  kann  ihren 
alten  grund' haben  ^).  In  einem  giediiAt  aus  dem  beginn 
des  15  jh.  (zw  f.  d^  a.  1,  424)  sagt  frau  GerechUgkeUitA 
ihren  gefäiniinnen:  ^nu  werde -ich  in  ein  ander  lanl  etr- 
iribem  und  gar  viretorseHj-  'wir  han  gneaimen  alle  die 
flnehi  und  werden  u/$  dem  kmde  wjagit! 

Gute  frau  546:  ^dA  kam  ero«  SaMs  und  Ere  ^  die 
wurden  sine  geverten,  die  in  stt  dicke  ernerten  von  aUer 
siebte  swaere';  611 :'  'im  enschatte  euch  nBit  sAre,  daz 
wou  SmUe  und  enm  Ere  sich  sin   unterwunden,    d6  sin 

*)  die  alld.  bl.  1,  371  rermutete  lesarl  'yrou  Muot*  findet  sich 
wirklich  MsH.  3,  218ii,  faUs  den  Yanaoteo  768b  YolUtaadig^  recht 
geachah«  doch  weifa.ioh  den  einfaQhen'^weiblicben.'nain^aMttat  bis-» 
hsr  nicht  «ifiiuweiien. 


846  MILDE.    MAZE.    MINNE 

ftf  der  ftrAxe  ymiden.  wnm  ScMs  lAsle  im  dia  pfant,  dar 
nftcii  versatzle  ai  ze  hant  t)rou  Ere  aber  Tfirbaz.'  Dietr. 
40:  'des  hete  diu  Ere  zoo  im  fluht,  durch  daz  er  ir  86 
schöne  pflac'  105:  ^daz  er  die  Ere  het  ze  hte.*  Ms.  2^ 
174':  ^erö  Ere  kumi  mit  im  geranl.'  Warlb.  kr.  cod.  jen. 
112:  *ter  Trimme  nam  an  sich  die  Scham,  sam  tete  diu 
Zuhiy  diu  Kimche,  Mitte  und  Ere  alsam,  si  jfthen  das  ir 
aller  Triedel  wiere  der  vürste  dA  Az  Dflringe  lani;'  aus  den 
vorhergebenden  Strophen  erhellt,  dafs  frau  Treue  die  Anf 
andern  Trauen  anführt  und  leitet. 

Ungeschickt  ist  es  von  Otfried,  der  IV.  29  Karita»  im 
sinn  einer  heidnischen  norn  die  tunica  des  heilands^)  hatte 
spinnen  und  weben  lassen,  dafs  er  ihr  V.  23,  125  fridu 
und  reht,  zwei  unweibliche  Vorstellungen  zu  Schwestern 
gibt:  die  lateinischen  CaritoBy  Pax  und  JugUäa  wfirden  das 
amt  der  parzen  fügUcher  versehn,  ihnen  eine  deutsche 
Sippa  und  Rehtt  entsprochen  haben:  besser  weifs  sich  Ti, 
Gap.  133  zu  helfen,  wenn  er  Conoordia,  Fides,  Pudicitia 
durch  GemriummoHy  Triwa,  (Muski  verdeutscht.  Mit  diesen 
beispielen  zeige  ich,  wie  gettuSg  schon  im  9. 10  jh.  solche 
personificationen  waren;  nicht  erst  von  mhd.  dichtem  brau 
chen  sie  erfunden  oder  eingeftthrt  zu  sein. 

Schon  das  ahd.  minna  ( s.  52 )  konnte  nicht  aiiein 
Caritas  sondern  auch  amor  und  cupido  bedeuten,  es  gibt 
keinen  anstoss,  dafs  bei  Yeldek  Lavinia  und  Eneas  die 
Venus  als  Mbine  anreden  (En.  10083.  1094&),  bei  Hart-- 
mann,  Wolfram,  Weither  tritt  firou  Minne  leibhaft  auf 
(Iw.  1537.  1638.  Parz.  288,  4.  30.  291-295.  Walth.14,10. 
40,  26.  55,  16)  und  Hartmann,  der  Oberhaupt  gern  ge- 
sprfiche  knüpft,  redet  mit  ihr  Iw.  2971  ff.,  was  in  der 
guton  frau  328.  346.  380  nachahmung  findet,  frowe  Md%e 
erscheint  bei  Walth.  46,  33;  frou  Witus  Parz.  288,  14. 
295 ,  8 ;  für  frau  SoMe  sind  s.  823.  824.  für  frau  Ere 
s.  845.  846  beispiele  mitgetheitt.  Gotfried  und  Conrad  brin-> 
gen  solche  personificationen  sparsamer  an,  doch  schneidet 
Trist  10929  diu  Mds^  ein  gewand  und  10900  gebt  die 
schöne  stelle  von  Isotens  gestalt  vorher:  'als  si  diu  Minne 
driete  ir  selber  zeime  vederspil,  dem  Wunsche  zeinem  en- 
dezil,  dft  für  er  niemer  komen  kan,'  Venus  hatte  sie  sich 
zum  spielwerk  geschaffen,  der  Wunsch  selbst  konnte  sie 
nicht  übertreffen.      Trist   4807   diu  gotinne   Minm   Parz. 


*)  die  tuniea  ineannOHU  (giscaföta  sia  mil  filu  kleio^n  fadamon 
ioh  ui^nAliH  redino«  klein^ro  garno),  nach  dem  Orendellied  toa 
Maria  gespoooeo,  tod  Helena  gewirkt    wo  eoUprang  dieaer  mjrthat? 


BHRBOIOnBATiaN'  MT 

!^ly  IT  äuck  «inoMt  fram  lAAe  neben  fron  Minne,  frani 
Ere  Maig  bei  Franenlob :  'dft  hAt  ereNi  Ere  ir  incflnschel- 
niol'  41,  18;  *vram  ESrm  dieiler'  134,  18;  'crom  Brem 
böte'  194,  8;  sie  schlierst  ^unwtp'  ans  ihrer  bürg  (Testen) 
«OS,  274,  18 ;  "eram  ESrm  sIrAze'  384,  9.  385,  11. 

Im  14.  15  jh.  nehmen  diese  Vorstellungen  überhand 
und  arten  in  bloTse  allegorien  aus,  d.  h.  die  fraulichen  tu- 
genden  werden  sieht  mehr  einzeln  in  andere  diehtnngen 
rar  verstflrknng  des  «ndrneks  an  rechter  stelle,  aufgef&hrt, 
sondern  zum  gewebe  der  ganzen  fabel,  mindestens  tun- 
stiadlicher  einleitnngen  und  anfange  verwandt.  Und  doch 
ist  nicht  zu  mishennen ,  dafs  in  dergleichen  fast  allgemein 
hergebrachten  eingängen,  die  noch  Hans  Sachs  aufserordent- 
Kcb  liebt^  zuweilen  sinnige  und  glückliche  gedenken  walten, 
daien  auch  ihre  mythische  bedeutsamkeit  gelassen  werden 
mnfs.  allmälieh  waren  alle  poetischen  behelfe  so  abgenutzt, 
die  dichtkunst  aller  einheimischen  hebet  so  entblOfst,  dafs 
ihr  kein  andres  mittel  übrig  Uieb;  unsere  mytbologie  wird 
darauf  zu  achten  und  in  einzelnen  zOgen  nachzuckende 
gestalten  selbsl  ~  der  heidnischen  zeit  zu  erkennen  haben« 
Wenn  der  diditer  sich  in  waldes  eindde  verirrt  und  am 
rausobenden  brunnen  auf  ein  klagrades  frauenbUd  stöfst, 
die  ihm  rath  und  bescheid  ertheiH,  was  ist  sie  anders  als 
eine  erscheinende  Wünschelfrau  öder  walküre,  die  dem  heK-' 
den  am  waldquett  begegnet  und  einen  bund  mit  ihn  schliefst? 
auch  das ,  dSifs  oft  noch  zwerge  oder  riesen  als  diener 
dieser  wiUen  frauen  dazwischen  treten  und  auf  engem  pfad 
zu  ihren  aufenthalt  geleiten,  scheint  unerdichtei  und  im 
früheren  aUerthum  begründet 

Aus  vielen  beispielen  seien  hier  nur  einige  ausgehe«* 
ben.  Ms.  2,  136^:  ^ich  kam  geriten  üf  ein  velt  vür  einen 
grüenen  walt,  dft  vant  ich  ein  vil  sobcen  gezelt,  dar  under 
saz  diu  Triuwe^  si  wand  ir  hende^  st  b6t  ir  leit,  sie  schrd 
vil  lAle  .  .  .  mtn  schar  ist  worden  al  ze  kleine,*  cod.  be^ 
rol.  284  foL  57.  58 :  im  grünen  walde  an  einer  steinwand 
banset  die  Tugend,  auf  einem  hohen  felsen,  daneben  frau 
Ere,  ihre  Schwester;  bei  der  Ere  finden  sich  Treue,  Milde, 
MmmheU,  Warheit  und  State.  Ls.  1,  375  ein  liebliches 
mfirchen:  den  dichter  weckt  eines  maimorgens  ein  heftiger 
schrei  aus  dem  schlaf,  er  springt  auf,  geht  in  den  wald 
und  klimmt  über  jähe  felsen  j  bis  er  oben  in  wonnigliches 
blumenreiches  thal  gelangt  und  im  dichtverwachsnen  hain 
ein  kleines  wichtel  ersieht,  das  ihn  ausschilt  und  für  die 
seiner  frau  zertretnen  rosen  (wie  Laurin)  pfftnden  will, 
doch  läfst  es  sieh  hernach  beschwichtigen  und  erzfthlt  ihm, 


84»  PBRBONIFIGATIlQaf 

dafo  hier  aif  einer  anersteigbereo  feMet  ftam  Ekr€  ifait 
fänf  jungüratien  ihres  gesindes  wohnen  welohe  AdeUr^ 
Sehamiffuniy  Zahiliebey  TmgenlkiU  und  Mdseburc  (die 
alte»  Hiltia)  Gundia,  Dr6t  s.  394)  heiraen.  hs.  3,  83:  eine 
frau  verirrt  aich  auf  einer  betfafart  ki  dem:  Waldgebirge 
und  findet  ein  blaues  bäusMn,  in  dem  eine  blattgekleidete 
uralte  frau  sitzt,  von  der  sie  freundlich  empfangen  wU«d. 
das  mtttierchen  nennt  sich  die  aUe  Mime  nnd  trägt  neck 
die  färbe  der  treue/  jetzt  sei  es  ans  der  weit  verdrängte 
denn  wandert  die  pilgerin  zu  dem  zeh  4iet  jwm§en  Mkme^ 
die  gleich  ihrer  gespielin  der  Wankekmi  (welcher  ««Be 
an  jen6  Frehmut  gemthni)  gewürfelt  gekleiklet  .und  ge-* 
schäftig  ist,  männer  und  frauen  in  ein  buch  zn  schreibe« 
(wie  die  parze  und  wurd  s.  378)  und  den  neuen  weltbravcb 
verkündet. '  zuletzt  erklärt  die  alte  Minne ,  einst  holFe  sie 
wieder  unter  den  leuten  zu  erscheinen  um  die  falsche 
Minne  vor  ofnem  gericht  ze  belangen.  IbH.  3^  437^  steOt 
ein  lied  dar,  wie  fraiu  Ere  zu  gericht  sitzt,  lirmiey  Milde 
und  Mannheit  zur  rechten,  Soham^  ZuM  und  Mafee 
zur  Imken.  P.  Suchenwirt  XXIY:  der  dtchler  gelangt  anf 
engen  pfide  in  einen  grefoen  waM,.  wo  «n  hohes  gebirg 
auf  zu  den  wölken  stieg :  bei  einer  bUe  begegnet  ihin  ein 
zwerg,  von  dem  er  Auskunft  über  ein  gericht  erkält,  den 
in  dieser  gegend  frau  Stäie  und  GerechHgkeit  versitzen 
werden,  er  verfolgt  den  weg  und  nahet  den  geslühl,  vor 
welchem  er  «Be  klagende  Mmme,  gefolgt  von  Mafge,  Zuchif 
Scham  und  Bescheidenheit  erscheinen  sieht  und  tlu-en 
bandel  vortragen  .  und  entscheiden  hört;  des  .. lauschenden 
aber  gewahrt  frau  Minne.  H.  Sachs  I,  273^:  zur  maiseit 
tief  im  wald,  auf  bohem  verwachsnem  stein  begegnet  dem 
dichter  ein  rauhes  holzweib,  das  ihn  zum  thurm^r  frau 
Mikkgkeii  geleitet  und  ihn  dessen  gemacher  beschauen 
läfst,  zuletzt  aber  vor  die  hohe  frau  selbst  fvHirt,  von 
welcher  er  beschenkt  wird.  Die  felsenwohnung  im  wald* 
gebirg  si^eint  allen  diesen  erzäblungen  beinahe  wesentlich« 
es  sind  die  burgtrümmer  in  denen  die  weifde  frau  er«- 
scheint,  es  ist  der  thurm  der  Yeleda,  Menglöd,  Briinhild 
(s.  86).  Lassen  sich  die  geföhrtinnen  oder  gesiMinnea, 
von  welchen  frau  Ehre,  gleichsam  die  höchste  tugend  von 
den  niederen  geleitet  wird,  zurückführen  auf  ein  gefolge 
von  priesterinnen  und  dienende  Jungfrauen  aus  der  heid- 
nischen zeit?  auf  Walküren  und  botinnen  einer  göttin? 
sogar  namentlich  kann  frau  Era,  Äi»a  (s.  38S)  hoch  hin- 
auf reichen  und  in  jener  erzäUung  Suchen wirts  XXIV,  68 
ertönt  die  bedeutsame  lehre  'Are  all  frouwen  ftn  1'  (s.  369). 


nKSOMFIGATHNI  M9 

Als  gefensirti  treten  auch  nntagenden  perfleniflciert 
aofi  doch  Tiei  aparsamer  and  schwächer,  weil  unser  alter«« 
thum  insf  emein  auf  keinen  dualisams  ausgeht  und  für  alle 
höheren  wesen  die  Vorstellung  des  guten  überwiegt«  aoch 
erscheinen  bösartige  dämone  lieber  mftnnlich  gedacht,  wie 
sorOy  hafs,  neid,  obschon  im  lat.  ira  und  invidia  weiblich 
sind,  odium  neutral  gebalten  wird,  wie  bei  uns  das  laster 
allgemein  gegenüber  der  weiblichen  tugend.  mir  fttllt  auf, 
dafs  sich  keine  personiEcation  des  christlichen  begrifs  der 
Sünde  bei  mhd.  dichtem  findet,  da  doch  das  wort  selbst 
jener  heidnischen  Sunja  (s.  286.  2S7)  verwandt  sein  könnte, 
insofern  aus  apologie  und  negation  fehler  und  sünde  her«- 
vorgeht;  die  Vorstellung  der  schreienden  Sünden,  der  tod- 
sünden  ist  biblisch,  auch  keine  schuld  (causa,  debitnnii 
crimen)  tritt  in  person  auf  und  ihre  uralte  rolle  (s.  37ä| 
scheint  gans  vergessen;  eher  wird  die  Schande  (dedecns) 
lur  personification  neigen.  Kaum  aber  werden  unöre,  un- 
milde, unstete  persönlich  aufgeführt,  blofs  üntriimoe  be« 
gegnet  bei  Frauenlob  253,  5.  14;  frcm  Onfuoge  wurde 
s.  287  nachgewiesen,  enthält  aber  vielleicht  die  Gefnoge 
ursivünglich  einen  sinnlichen  begrif,  so  fiillt  auch  jene 
nicht  in  die  reihe  der  Untugenden ,  sondern  beseichnet  wie 
Unswlde  (s.  832.  833)  die  abwesenheit  eines  zustandes.  In 
der  bible  Guiot  (Möon  2,  344)  siehn  den  drei  Jungfrauen 
OütriU,  VMU  und  Draiiure  drei  häfsliohe  alten  IVaisM, 
Tpacrisie  und  Sinumie  entgegen;  die  tugend  wird  immet 
schön  und  göttlich,  das  laster  häfdich  und  teuflisch  dar* 
gestellt. 

Von  hohem  alter  ist  die  personification  des  ausge- 
henden gerüchtes.  es  lag  nahe,  dafs  man  es  sich  als 
göttlichen  boten  dachte,  der  durch  die  lüfte  entsandt  wurde, 
um  allem  geschehenden  au  lauschen  und  davon  künde  den 
höchsten  göttem  zu  tragen,  die  alles  wissen  müssen.  Den 
Grieben  hiefs  "Oaaa  (der  schall,  laut)  /kig  ayy^kog  IL  2^ 
93;   ooao  in  ^ioeOA.  2,  282, 

"Oüoa  ^ag  a^^^^sAoc  inu  natu  fiToAfv  äytto  nivtw, 

OA.  24,  '413. 
ein  andrer  ausdruck  ist  ^fMfi^  der.  0a/ifit,  der  nach 
Pausen.  L  17,  1  wie  dem  "EX^ög,  der  /iidwe  und  ^Ogfiv 
ein  altar*in  Athen  errichtet  war;  das  wort  ist  mit  g>vp'^ 
9^/«#c  wie  das  lat.  fatna  mit  fari  und  famen  .  (in  effamen) 
verwandt,  ich  hätte  lust  das  ags,  böme  tuba  dazu  zu  oehr 
men  und  diese  Schreibung  der  gewöhnlichen  b^me  vorzu- 
ziehen. Da  sonst  In  der  edda  dieser  Fama  nichts  ent- 
spräche, darf  ihr  vielleicht  die  göttin  Gnä  verglichen  wer- 

Grumms  mytkoll   S,  tmsßabe,  64 


83d  PERSOfflFKAlIOff.    HAERE 

den,  nach  Sn.  88  entsmidet  sie  Ftigg  'at  eiriiNlaai  sinam' 
in  alle  welUheile,  sie  reitet  durch  lull  und  meer  auf  einem 
pferd  namens  Hö/varpmr  (hufwerfend ),  weder  fliegen 
noch  fahren  will  sie,  sondern  durch  die  lufk  gehn,  und 
▼on  allem  hochfahrenden  gebraucht  man  den  ansdruck 
gmefa:  auch  Golfried  stdlt  in  einem  liede  gnaben  neben 
fliegen,  fliesen,  traben  und  kriechen.  Hdfvarpnfar  kann 
geflQgelt  gewesen  sein  ^) ,  den  Griechen  und  Römern  war 
aber  Fama  sdbst  geflügeU  und  dies  scheint  mir  aus  der 
Vorstellung  eines  eogels  zu  entspringen,  der  als  göttlicher 
böte  nachricbten  trug :  ^e!x  ipsa  caede  f>olucrem  nunHum 
mittere*  Gic.  pro  Roscio  36  bezeichnet  nichts  als  die  sdinellste 
meidung,  vgl.  Pertz  2,  578  ^subito  venit  nnntius  pennigero 
volatu.'  In  unsem  Volksliedern  thun  vögel  botendienste 
(s.  637)  und  Odinn  hat  sich  zwei  raben  zu  eignen  boten 
erwählt;  ihr  amt  durfte  aber  auch  göttlichen  wesen  zwei- 
ten ranges  flbertragen  werden,  wie  Zeus  Iris  und  Ossa 
sendet  und  der  begrif  der  enget  unmittelbar  ans  dem  der 
boten  entstanden  ist«  Tirgils  berühmte  schilderang  det 
anfangs  kldnen,  dann  aber  schnell  zu  ungeheurer  gröfse 
wachsenden  Fama  (Aen.  4, 173 — 187)  mit  zahllosen  federn, 
äugen ,  '  obren  und  münden  scheint  fast  aus  dem  eines 
flück  werdenden  vogels  entsprungen,  wenigstens  drückt  sich 
der  s.  Galler  mönch  bei  Pertz  2,  742  so  aus:  'cum  fama 
de  mkima  meisa  (oben  s.  647)  super  aquilarüm  magni-* 
ludinem  excreseeret'  und  es  heifst  ^daz  miere  do  tedere 
gewan^  wtten  fuer  ez  ze  gazzen'  Mar.  144;  'alsus  fhuk 
MorgAnes  tot  (d.  h.  die  künde  davon)  als  ob  er  fiOcke 
wa»pe.'  Trist.  5483 ;  ^ein  bcese  m»re  wir!  gar  schiere  vlücke.* 
Renn.  18210.  Veldeck  aber,  wo  man  nacbahmung  der 
virgUischen  stelle  erwartet  hätte,  sagt  blofs:  'd6  daz  mwre 
üf  bracht  Hbs  quam',  ^  spramt  En.  1903.  1916.  1997 
ohne  ihm  flügel  zu  leihen,  wiewol  er  es  wachsen  läfst: 
Maz  ffMWtf  w^eh  began'  9185,  vgl.  Geo.  521  Miu  miere 
in  der  stunde  (illico)  touohsen/  Diese  Vorstellung  des 
fluges  genügt  den  meisten  übrigen  dichtem:  4eidiu  nhmdre, 
diu  nu  fliegent  in  diu  bmL'  pf.  Chuonr.  7544 :  'daz  mare 
fiouo  dö  wtten'  Mar.  45  {  'dö  daz  mtere  chom  gefogen.' 
Mar.  214;  'dö  flugen  disiu  mcßre  von  lande  zf  lande.* 
Nib.  1362,  2;  <dA  fiugen  diu  miere  von  schare  baz  ze 
schar.*  Nib.  1530,  I;  <ob  diz  meere  iht  verre  flttge?*  Wh. 
170,  20;  <diu  mwre  fkigen  über  daz  velt.*     Wigal.  2930; 

*)  wie  Pegasus,    Tgl.  die  altböhm.  glosse  der  mater'  Terb.  215: 
kridlatee  (alalusj  Pegasui  eqaas  Neptuni,  qai  fama  interpreUtor, 


PBRSONIFiCAiTiaVD^  MAERB  «St 

'sd  daz  miBre  ie  verrer  eiiugety  s6  man  ie  mfir  gelinget/ 
Freid.  136,  3;  'fwm^e  eU^geni  in  dip  ]fin\.'  J[sgrl.n6'«); 
auch  nrat.  dichter  Massen  dil^  niemate  ffem.)  fliegen :  'nie- 
mare  gheeloghen'  Florts  358,  oft  aber,  wie  Veldeck  in 
jener  stelle,  einem  aufgejagten  wilde  gleich  iaufenr 'oder 
tprmgen:  'die  nietnare  Uep'  Flotts  173;  'die  niemare  äal 
hpen'  das.  1295;  und  hierzu  stimmt  das  dän.  'det  sprk^ger 
nu  saa  vide'  DV.  1,  63,  vielleicht  dag  ags.  'blied  vtde 
sprang*  Beov.  36,  wenn  hier  blasd  (sonst  flatus,  ahd.  plAti 
ffir  fama  genommen  werden  darf,  in  seiner  oben  s.  68 
ausgehobnen  stelle  wird  fama  gehend  und  'gressus  suoa 
retorquens'  gedacht.  So  lebendig  nun  diese  auffieissungen 
sind,  liegt  ihnen  doch  keine  personification  zum  gründe, 
wie  schon  das  unbestimmte  neutrum  mcBre,  ahd.  märi  zu 
erkennen  gibt;  das  ahd.  mftrida,  goth.  mdrifia  (usiddja 
mdrij^a  is,  i^^X&e  fj  duo'^  awov  Marc.  1,  28)  würde  sich, 
ihr  eher  gefügt  haben,  mhd.  war  aber  mierde  aufser  ge-* 
brauch,  lat.  wurde  unbedenklich  fama  beibehalten,  z.  b. 
bei  Helmold  1,  65:  Mnterim  üofol  haec  fama  per  unirer'* 
sam  Saxoniam.'  Hartmann  personificiert  Er  2515  frawe 
Melde,  ein  dftn.  dichter  des  17  jh.  Tybo  nennt  sie  dichteri- 
scher Fygamby  (aestuans  per  terram,  voii  fyge,  altn.  fiuka| 
und  gibt  ihr  einen  fiedreham.  Nyerup  digtek.  2,  185.  Ovid 
met.  12,  39  ff.  legt  der  Fama  ein  haus  mit  zahllosen  zo« 
gftngen  bei  und  dies  ahmt  Conrad  Troj;  179<'  180«  um- 
stöndtich  nach,  stellt  aber  einen  männlichen  lAumety  ahd; 
hliumunt,  nhd.  leumund  auf  fgramm.  2,  343.  6raff4,1100), 
der  mit  seinem  gesinde  gefiedert  ist  und  ausfliegt,  und  mehr 
die  auflauschende  fama  bezeichnet,  vgl.  goth.  hliuma  auris 
und  lAumendmg  für  Favor  N.  Cap.  51.  solchen  männli- 
chen Wesen  mag  der  lat.  rumor  an  die  seite  gesetzt  wer^ 
den,  TOn  welchem  es  Isengr.  13  heifst:  ^Rumor  per  saltus 
et  arvft  tonans;'  oder  der  altn.  qvittr:  'sft  hdUr  fl6  t  byg- 
dam.'     fornm.  sog.  9^  237. 


*)  'die  echtesal  tIouo  uber'aP,  'ir  echte  vlouc  io  die  hnC   cod. 
pal.  361,  37d  38b. 


54  ♦ 


fln  MCBimsT 


GAP.  XXX.      DICHTKUNST. 


Höre  bedeatet  aber  aidit  aUeni  fnM 
fibvbi  md  hier  bieten  rieh  andCTe  aoch  auieheiidere 
ieoüettionen  dar. 

Wir  gewahreo,  dab  wcaen,  analall  and  fUle  der  poe- 
rie  wie  der  spräche  aelbst  in  hohes  aüerthnm  rcidien,  dab 
mittel  «nd  Torsflge  beider  aUmilich  schwinden  nnd  anF 
andemi  wege  ersetzt  werden  müssen,  die  ahe  dichthnnsl 
war  ein  heOiges,  zn  den  göttem  unmittelbar  in  besag  ste- 
hendes, mit  weissagang  nnd  zanber  zusammen  hängendes 
geschaft. 

Beror  die  namen  dickier  (Dncange  s.  ▼.  dictater)  nnd 
poet  nns  ans  der  fremde  zngefahrt  wurden,  gebrach  es 
nicht  an  einheimischen  schöneren,  anfangs  scheinen  gedieht 
und  Yortrag  nngetrennt,  der  Bänger  (ahd.  sangari,  mhd. 
senger  and  smger)  ist  zoglekh  dichter,  es  wird  nicht  ge- 
fragt, wer  das  lied  gemadit  habe.  Ufilas  tfennt  den  admp 
Kn^ei»  (ahd.  liodari?)  nnd  wQrde  ihn  TieUeicht  'yom 
Mggrareis  (praecentor)  nnterscheiden.  auch  awiog  stammt 
▼on  atidto^  wie  olia  von  tiifo,  das  digamma,  erkennbar 
ans  Video  and  goth.  yAit,  ist  abgefallen,  folglich  mafs  ein 
früheres  dpeiSu  and  ipotdog  angenommen  w^den,  singer 
nnd  göttlicher  seher  (ftiv^ig,  lat  vates)  staid  dasselbe; 
ich  halte  hinzu  das  goth.  inveita  (adoro  s.  26) ,  ans  dem 
begrif  des  lobpreisens  nnd  feierlichen  singens  kann  der  des 
ehrens  nnd  anbetens  hervorgehn.  den  Slaven  heifst  slava 
gloria,  slanti  yenerari,  siavik  der  lobsingende,  jubelnde 
yogel,  wie  ivjdmr  zu  aeidm  gehört,  unser  nahtigala  zu 
galan  canere.  bezeichnet  ioidoc  einen  sehenden,  wissen- 
den Sänger,  dichter,  Weissager,  warum  hätte  nicht  ein  goth« 
inväits,  falls  es  ein  solches  wort  gab,  ähnliches  dürfen  aus« 
drücken. 

Soll  nun  die  kraft  des  Schaffens  und  erfindens,  wie 
in  noifjT'^s  d.  h.  faber  ( und  auch  unser  unid  galt .  vom 
fertiger  des  lieds,  ahn.  liodasmidr)  hervorgehoben  werden« 
so  diente  dafGlr  das  ahd.  tcuof^  alts.  ags.  $edp  (s.  379), 
das  zugleich  an  den  höchsten  schöpfer  alier  dinge  und  an 
die  schaffende  norn  erinnert  in  altn.  spräche  kenne  ich 
kein  solches  sköpr  ^.    dafär  gewährt  sie  ein  neutrales  AdUt 

*)  BiAm  gibt  ein  neütr.  skop  (ironia ,  jooas)  skoplegr  (ridicnlas, 
fait  OKMATMocJi  wodurch  man  an  dem  langen  rocal  jenet  agt.  ic6p  irre 


SGHOPFON&    JFBBDDB  85S 

das  ieli  nv  uuieher  im  iriid.  nachnwmien  sneh*  (s.  89. 
615)  und  dessen  ursprnng  donkel  bleibt*).  $kdidtkapr  ist 
poesiSi  wie  das  ags.  Mc&peräfL  Die  romanische  dichtknlist 
des  mittelalters  «ntnimmi  ihre  tedmische  benennnng  vom 
prov.  trobar,  it.  trovare^  franz.  troaver**)  finden,  erfinden, 
nnd  der  Iro&oir»,  tveoiare^  Irauomre  ist  erfinderisch,  wie 
der  scnof  schöpferisch.  Bigenthümlich  steht  das  ags.  gid, 
gidd  (canUis,  oratio)  Beov.  2124.  3446.  4205.  4212.  4304. 
4888;  giddian  (canere,  fari)  Caedm.  127,  6.  cod.  exon.  236, 
8.  Reo Y.  1253;  gidda  (poeta,  orator)  vgl.  gidda  snotor 
El.  419,  giedda  snotor  cod.  exon.  45,  2.  293,  20.  Leo  bat 
es  in  dem  ir.  cit,  git  (carmen,  dictum)  nachgewiesen**^. 

Berühmt  ist  das  celtische  bard,  ir.  bard  pl.  Imird, 
wolsfa  bardh,  schon  Festus:  ^bardui  gallice  cantor,  qni 
yiroram  fortinm  landes  canif;  Lncan.  phars.  1,  447:  'pln- 
rima  securi  fndistis  cannina  bardi;  bardaea  oder  bardala 
(Dacange  s.  v.)  hiefs  die  lerche,  gleich  itfiAv^  nahtigala 
nnd  slavik  Sängerin,  kein  denkmal  überweist  der  deutschen 
spräche  oder  sitte  solche  barden. 

Gesang,  spiel  nnd  tanz  erfrenen  (ts^ not;off)  der  men-* 


werden  könote,  Hai  doch  BeoT.  179.  987.  2126  einen  edlen,  ernsten 
diebler  bezeichnet,  obgleich  sonst  anch  einen  comicas,  scenicns.  dai 
ahd.  salmscöf  ist  psalmista  und  die  Schreibung  scof ,  scoffes  (neben 
scaffiin  scnofi)  bei  Isidor  widerlegt  nicht  den  langen  roeal,  da  in 
diesem  denkmal  Uonio,  blostar  t  blnomo,  blaostar  rorkommt  doeh 
wörde  erst  ein  ahd.  no  in  icaof,  das  ich  nicht  nachweisen  kann, .  al* 
len  zweifei  tilgen,  die  glosse  scof  nubilar  Tel  poesis  scheint  zwei 
nnTerwandte  Wörter,  die  sich  quantitatiT  sondern,  zu  Terknupfen: 
scop  tuffurinm,  nhd.  Schoppen  nnd  sc6ph  poesis. 

*)  ama.  ist  akllda,  achwed.  shilla,  din.  skoide,  nnl.  scbonden 
^brare»  wosn  das  frans,  eschaader,  tehander,  mlat  eicaldara  (Da- 
cange 8.  T.)  die  haare  abbrühen  stimmt.  skAId  wire  also  depilis, 
glaber  (auch  engl,  scald),  kahlkopf,  entweder  greis,  alter  sfioger,  oder 
weil  sich  dichter  das  haar  scheren  ?  selbst  scaldeih  könnte  eine  nn- 
belaubte  eiche  bezeichnen. 

**)  da  keine  lat  wurzel  Torhanden  ist,  darf  man  das  dentseh« 
treffen,  alla.  <farepa,  das  eigentlich  schlagen,  berühren,  in  antrefieo 
aber  auch  finden  ist,  Tergleichen.  die  goth.  form  könnte  dropan  gewesen 
sein,  wie  treten  trudan  lautete,  und  so  TCrständigte  sich  das  roman.  o. 

***)  malb.  gl.  s.  49,  Tgl.  ir.  ceat  canere,  carmine  celebrare:  die 
frage  ist,  ob  ungeachtet  dieser  celtischen  Terwandtschaft  der  ai^sdmck 
anch  in  andern  deutschen  dialecten  zu  finden  sei.  man  durfte  ans 
altn.  ged  (mens,  animns)  ahd.  ket,  keti,  keti,  ketli  Graff  4,  144)  den- 
ken nnd  die  semination  der  lingualis  wie  im  ags.  bed,  bedd,  ahd.  petti 
(goth.  badi)  oder  im  ass.  biddan,  ahd.pittan  (goth.  bidjan)  fassen,  die 
bedeatnng  wire  gedSehtnis,  erinnerang;  sedspeki  Sftm.  33b  ist  die 
Ton  diebtknnst  unzertrennHcfae  Weisheit  der  alten  zeit,  tadelhaft  schehit 
die  ags.  schreib  onggjd,  gyddiaa;  in.  giedda  ist  der  roeal  gohoochski. 


8S4  DICHTKUNST 

ichea  herz,  sind  die  sierde  des  mMs  (i^m^iiiA^t^a  iaiwa 
Od.  1,  152.  21^  430),  kummer  stillend  und  bezaubernd 
iftgütwv  &eXHv^^ia  Od.  1,  337).  selbsl  der  kranke  gott 
stieg  Yom  himmel  herab  und  liefs  sich  durch  die  lieder 
der  Sänger  erheitern  (s.  307).  Die  diohtkunst  heiTst  dämm 
die  frohe  kimsi^  gesang  die  freude  und  troMe.  bekannt 
ist  das  gai  saber  der  trobadore,  und  joculatory  joglar,  jong« 
leur  aus  jocus,  joc,  jeu  spiel ,  scherz  abzuleiten,  abier 
schon  den  Angelsachsen  war  lied  und  spiel  gko  (gaudium, 
engl,  glee)  vynn  (wonne)  oder  dredm  (jubilum):  ^scöp  hvl- 
ium  sang  hftdor  on  Heorote,  fia  vfis  bfile^  dreäm.'  Beov. 
987 ;  ^gidd  and  gleo'  Beov.  4205  werden  verbunden ,  der 
gesang  ist  healgamen  (aulae  gaudium),  die  harfe  heilist  ga* 
menvndu ,  gleobeim  (frendenfaolz ,  freudenbaun)  ^  spielen 
und  singen  ^gomenvudu  gr£tah'  (gröTsen,'  rühren,  erregen) 
Beov.  2123.  4210;  'gleobeäm  gr^tan'  cod.  exon.  42,  9; 
'hearpan  grdtan*  cod.  exon.  296,  11;  %earpan  vynne  grd* 
tan*  Beov.  4209;  aufser  grdtan  wird  wecan  (d.  i.  recan, 
eiere,  excitare)  verwandt:  ^gid  vrecaa'  (cantum  excitare) 
Beov.  2123.  4304.  4886;  <gid  ftvrecan'  ()ied  erwecken) 
Beov.  4212 ;  ^vordgid  vrecan'  Beov.  6338 ;  ^geomorgidd  vre- 
can'  Andr.  1548.  gleoman,  gligman  ist  spielmann,  gkocräft 
die  fröhliche  kunst,  lied  und  spiel.  Ich  will  eine  merk- 
würdige einstimmung  der  finnischen  poesie  anführen,  zwar 
Iieifst  das  lied  runo,  der  dichter  runolainen,  runoan  dich- 
ten und  singen,  der  gesang  laulu,  der  Sänger  laulafay  lau- 
ten ich  singe;  in  den  epen  aber  finde  ich  ih  (gaudium) 
vom  gesang  und  teen  iha  (gaudium  cieo)  vom  singen  ge- 
braucht *)• 

Was  so  hohe  bedeutung  hat  kann  nicht  unter  den 
menschen  selbst  entsprungen  sein,  mufs  als  himmlische  gäbe 
angesehn  werden,  dichten  und  singen  ist  von  den  gOttern 
eingegeben,  der  Sänger  gottbegeistert :  &iantg  aotdij  Od.  1, 
328.  8,  498,  aoid'^  &€aneaiij  H.  2,  600,  &ianic  uotdog 
Od.  17,  385,  o  Hav  xignfjaiv  dnimr^  die  obersten  götter 
zeigen  sich  als  bewahrer' und  pfleger  der  göttlichen  kunst. 
bei  den  Griechen  Zeus  und  Apollo,  bei  uns  Wuotan  uno 
Bragr,  bei  den  Finnen  Wäinämöinen.  Saga  war  Wuotans 
tochter  (s.  287)  wie  die  Muse  des  Zeus;  der  Freyja  gefiel 
minnesang:  henni  Itkadi  vel  mansöngr.'    Sn.  29. 

Die  edda  liefert  einen  reichhaltigen  mythus  von  der 


*}  •teheiil  iiin  iloa*  Kalew.  22,  236,  der  vater  (d.  i.  der  gott 
WliDlmdioeo)  machte,  weckte  freude  s=i  lang;  'je  kiwi  ilo  ilolle* 
22,  215  freude  kam  lur  freude  8=:  erachell  geaaog. 


TRANE  8BS 

diehdiQiisl  iirs))niiig  Sti.  8t~87,  aif  welehen  ftllere  tiiq»ie«- 
lungen  schon,  io  HAvamal  8mm.  12.  23.  24  anautreffen  afad. 
Biflst  aohloasea  die  Aeair  und  Yanir  frieden  and  beaeicb^ 
neten  ihn  so,  dafs  sie  von  beiden  seilen  an  ein  geßrs  trau- 
ten und  darin  ihren  speichelt)  fallen  liefsen,  wie  sonst 
sflhne  und  band  duroh  blatmischnng  geweiht  wurde  (RA. 
193.  194);  der  beilige  speiohel. steht  hier  dem  blute  gleich 
und  wird  sogar  in  blut  gewandelt ,  wie  der  verfolg  aas- 
weist, das  friedenszeichen  (gridamark)  sollte  nicht  verloren 
gehn  und  die  götter  schufen  aus  dem  speichel  einen  mann 
namens  Kodsitj  das  weiseste ,  verständigste  aller  wesen**). 
dieser  Kvftsir  zog  weit  durch  die  weit  and  lehrte  die  men- 
sehen^  Weisheit  (frOBdi,  ahd.  frnolt).  als  er  auch  zur  Woh- 
nung zweier  zwerge  Fialar  ond  Galar  (ahd.  Filheri|  Kal«- 
heri  ?)  kam ,  erschlagen  ihn  diese  und  Befsen  sein  blut  in 
zwei  gefäfse  und  einen  kessel  rinnen,  welcher  Odbroerir, 
die  gefäfse  S6n  and  Bodn  genannt  wurden,  die  zwerge 
mengten  aber  das  blut  mit  honig  und  daraus  wurde  ein 
kostbarer  raeth***),  der  jedem ,  wer  davon  kostete ,  die 
gäbe  der  dkhtkunst  and  Weisheit  verlieh:  er  wurde  skäU 
oder  frasdamair  (wdser  mann),  eine  spur  dieser  biutho- 
nigtonne  bei  den  zwergen  ist  s.  436  aufgezeigt 

Fialar  und  Galar  suchten  den  nord  zu  hehlen  and 
gaben  vor,  Kväsir  sei  in  der  fülle  seiner  Weisheit  erstidit; 
e^  verlautete  aber  schnell,  dafs  sie  im  beätz  seines  blutes 
waren,  bei  einem  handel,  den  sie  mit  dem  riesen  Suttftngr 
hatten,  wurden  sie  genöthigt  den  theurenmeth  diesem  aU 
wergeld  fittr  die.  tödtnng  seines  vaters  herauszugeben.  Sut* 
tftngr  verwahrte  ihn  sorgsam  in  Hnitbi5rg  und  setzte  ihm 
Gannlöd,  seine  schöne  tochter  zmr  hüterin. 

Die  götter  mästen  alles  auftieten  sich  in  den  wieder- 
besitz des  heiligen  blutes  zu  setzen.  Odimi  selbst  kam  vom 
himmel  auf  die  erde,  er  sah  neun  knechte  heu  mähen  und 
fragte )  ob  sie  ihre  sicheln  gewetat  haben  wollten?   ab  sie 


*)  hrdki,  Tielleicht  hesser  brski,  ist  eigentlich  auswarf  des  raehens, 
ahd.  nracho,  wie  ags.  hraca  beides  guUur  und  tussis,  Sputum  aus- 
drückt, Tgl.  ahd.  hrachisön  screare,  franz.  cracher,  serb.  rakati. 

**)  die  sehöpfting  aus  speiohel  und  blut  gemahnt  an  den  schnee 
und  das  blut  in  märchen,  wann  die  mutter  sich  kindcr  wünscht,  an 
das  sohoeekind  im  modmi  liebino,  und  an  den  Ursprung  der  riesen 
aus  reif  und  eis  (s.  498.  528).  auch  Aphrodites  zeugung  aus  meeiv- 
schaum  gehört  dahin. 

*^^)  inn'  d^  miötfr,  ein  teebnlseher  auch  S»in.  23^  28*  wieder- 
kehrender ausdrack.  ' 


es«  DICWTKDNST 

€8  bejahten  I  zog  er  einen  wetsetein*)  ans  den  gfirlel  und 
wetzte;  weil  die  sicheln  nun  schärfer  schnitten,  feilschten 
die  mäher  um  den  stein ,  Odinn  warf  ihn  in  die  Infi,  nnd 
indem  ihn  jeder  fangen  woUte  schnitten  sie  einander  mit 
den  sicheln  die  hftlse  ab  ^^).  Odinn  kehrte  nachts  bei  einem 
andern  riesen,  dem  brnder  Suttungs,  namens  Bangi,  ein, 
der  ihm  verdriefslich  erzählte,  dafs  hente  seine  neun  knechte 
umgekommen  seien  und  er  jetzt  keine  arbeiter  habe.  Odinn 
nannte  sich  Bölverkr  und  war  erbötig  nenn  männer  arbeit 
zu  übernehmen,  wofür  er  sich  nichts  bedung,  als  einen 
trunk  ans  Suttungs  meth*^*).  der  meth,  sagte  Baugi,  ge- 
höre seinem  bruder,  doch  wolle  er  bei  diesem  versuchen 
den  trunk  zu  erlangen.  Bölverkr  verrichtete  nun  im  som* 
mer  die  neunmännerarbeit  und  forderte  im  winter  seinen 
lohn,  beide  fuhren  darauf  zu  Suttung,  der  aber  jeden  trum- 
pfen meths  weigerte.  Bölverkr  meinte,  hier  müsse  list  ver- 
sucht werden,  was  auch  Baugi  sich  gefallen  liefs.  Da  zog 
Bölverkr  einen  bohrer  namens  Bati  f )  hervor  und  verlangte, 
dafs  Battgi  damit  den  berg  durchbohre,  welches  dieser  dem 
anschein  nach  that;  Bölverkr  blies  ab^  in  das  gebohrte 
loch  und  die  späne  flogen  ihm  entgegen,  woraus  er  ent- 
nahm  dafs  Baugi  mit  trug  umgehe,  er  liefs  ihn  also  zum 
andern  mal  bohren  und  blies,  da  flogen  die  späne  hinein. 
Jetzt  wandelte  sich  Bölverkr  in  einen  wurm  und  schlof 
durch  das  gebohrte  loch,  Baugi  stach  mit  dem  bohrer  nach, 
fehlte  ihn  aber«  Bölverkr  brachte  im  berg  bei  Gunnlöd 
drei  nachte  zu  und  sie  gelobte  ihm  drei  tränke  des  meths: 
im  ersten  trunk  trank  er  Odhrcerir  leer,  im  andern  Bodn, 
im  drftten  Söa,  und  so  haite  er  allen  meth.  Da  nahm  er 
adlergestalt  an  und  entflog  auf  das  schnellste,  Suttung 
folgte  als  zweiter  adler  nach.  Die  Aeshr  sahen  0£nn  ge- 
flogen kommen  und  setzten  gefttfse  im  hof  von  Asgard  aus, 
da  spie  Odinn  von  Suttung  gedrängt  den  meth  in  die  ge- 
fftfse,  der  also  wieder  zu  speichel  wurde,  was  er  anfangs 
gewesen  war  ff).    Den  meth  aber  gab  Odinn  den  Äsen  und 


*)  kein,  ags.  hin,  engl,  hone,  ichwed.  hen,   sanskr.  B*Ana. 

**)  gemahnt  an  dr  Fanst,  der  lieben  trunkenbolde  so  bethörte» 
dafs  sie  sieb  gegenseitig  die  nasen  abschnitten.   ' 

***)  Odinn  tritt  hier  auf  in  der  weise  des  starken  Hans  (Km.  90) 
oder  Siegfrieds  beim  scbmid. 

f )  dessen  aach  Sssm.  23^  gedacht  ist,  offenbar  Ton  rata  permeare, 
terebrare,  gotb.  Trat6n,  ao  dafs  er  auf  goth.  Vraiü  heifsen  wnrde. 

f  4-)  hinzugefügt  wird :  en  bonnm  rar  f>a  stI  nnr  komit  at  SoUAngr 
mnndi  nl  honum ,  at  bann  sendi  t^  nman  miöäimn,  ok  yar  |»ess 
ecki  g«tl:    hafdi  ^al  byerr  er  Tildi,  ok  köllum  Ter  j^t  skiJdflfl«  lat 


TRAHK  Wl 

den  mMfldiMy  die  dichten  können,  darang  erldftren  riUi 
wechselnde  benenhnngen  der  dichtkonat:  sie  heifst  KtäriM 
bUH  (Kt.  ssnguis),  doerga  drecka^  fyUi  (nanorum  potus, 
satietas),  OArarts,  Boinar^  86nar  laug  (O.  B.  S.  aqua), 
BmMarga  kmg  (Hn.  aqna),  SuiHlngs  mtdA*  (S.  molsttm), 
Odms  fengr,  fimdr,  drgckr  (Odini  praeda,  in?entio,  potasj, 
(Mmis  giöf  (Odini  donnm) ,  dryekr  Asatina  (Asarnm  potnsj. 
Unter  diesen  namen  sind  einigte  gar  werth  näherer  be*- 
lenchHing.  BoA^  wird  ausgelegt  oblatio,  Sdn  recendliatio, 
beide  können  wenigstens  als  sich  die  zwerge  ihrer  zuerst 
l»edienen  einen  solchen  sinn  noch  nicht  haben,  bei  bodn 
wflre  leicht  an  das  ags.  byden,  ahd.  putin  (Graff  3,  87) 
zu  denken;  s6n  stimmt  allerdings  zum  ahd.  suona  (emen- 
datio),  nicht  zum  goth.  sAm  (lytrum).  Sern.  118^  234« 
steht  Stear  dreyri  im  sinn  von  sühnungsblut ,  sftnar  dreyri 
(vgK  sönar  göltr  s.  45).  deutsamer  und  wichtiger  ist  die 
benennnng  des  kesseis,  der  wir  auch  S»m.  23^  28*  88*, 
in  der  letzten  steHe  mit  richtiger  Schreibung  begegnen,  um 
das  wort  auszulegen  murs  ich  anführen,  dafs  ein  goth.  ad|. 
tA|>8  duicis  dem  ahd,  wuodi,  alts.  w6thi,  ags.  v6de  ent- 
spricht, das  bald  von  der  sOisigkeit  des  geruchs  bald  des 
tons  gilt,  ags.  ^STftg  fifts  vMan  sanges',  sonus  didcis  can- 
tileme.  aber  noch  mehr,  das  ags.  subst.  vöd  (m.)  ist  Car- 
men, facundia:  v6da  vynsumast,  Carmen  jucundissimum, 
cod.  exon.  358,  9;  vAda  vlitegast,  Carmen  pulcherrimum 
El.  748;  YÖd  Vera,  prophetia  worum  Ciedm.  254,  23; 
v6dbora  (carmen  ferens)  bald  poeta  cod.  exon.  295,  19. 
489,  17,  bald  wator,  pro|Aeta  19,  18.  346,  21;  vitgena 
▼ddsong  cantus  prophetarum  cod.  exon.  4,4;  vddcrfift 
poegis  cod.  exon.  234,  30.   360,  7  jenem  scdpcrfiil  und 

(aalorom  poetarnm  jpartem)  oder  wie  eios  andre  hs,  cibt:  en  §mmm 
rmpH  kann  Ofilr,  hafa  ^al  skAldllfl ,  ok  heitir  aroar  leir  (habent  id 
mall  poetae  et  dicitur  aquilae  luturo),  weil  Odion  al«  adler  flog. 
BeTor  AthaoaBia  bei  Marl.  Gapella  der  Philologie  dai  immortakkUU 
foeyhim  reicht,  leoiter  dextert  cordis  ejui  pnlsam  pectatqne  per* 
tnwtat»  ae  naaeio  qua  intim«  plenitudlie  diatentnm  magno  cum  tar- 
göre  respieiens,  'nisi  haec',  inqnit,  'quibos  plennm  pectus  geris, 
coactissima  egettiobe  Tomneris  forasque  diffuderis,  immortalitatis  se- 
dem  nnllatentts  obtinehis.'  ,  at  illa  omni  nisu  magnaqoe  tI  quicqtdd 
inira  peehiB  setueraif    eoameial.    Tuno  Yero  illa  tunuea  ao  vomUio  U- 

borata  in  omnigenam  copiai  conyertitor  litteraram  • sed  tam 

talia  virgo  andanter  oTomeret,  puellae  quam  plurea,  qoarnm  artes 
aliae,  aliae  dictae  sont  disciplinae,  sabindfi  ffim«  tirgo  ex  ore  diffwU- 
rai,  eoüigebatU,  in  tonm  unaqnaeqne  Ulamm  neceiiarium  usnm  fa- 
cnltatemi|ue  corripieni.  Was  für  die  unsterblicbkeit  noch  tu  grob 
aehien  wird  hier  top  der  gottetbraol  aasgespiea  grnndlage  OKiiwoh- 
lieber  wiMenachaliU    TgL  Aeüan  T«r.  bist  13,  22* 


866  digbtkunst 

gleocräft  gleichbedeatend ;  yyttlioa  TAdgiefta^  j#€ttiidiiai  poe^ 
seos  donum  cod.  exon.  414,  10  ^  auf  die  firoke  kuiwt  wie 
auf  Odins  gäbe  bezüglich,  mag  nun  in  vöd  selbst  die  vor^ 
siellang  des  sttfsen,  sanften  liegen,  oder  diese  erst  in  dem 
abgeleiteten  adj.  sich  entfalten,  welches  richtiger  scheint, 
da  YÖd  in  einigen  stellen  des  cod.  exon.  118,  4.  125,  31. 
156,  8  auch  einen  lauten  schall,  elamor  ohne  allen  besag 
auf  ein  lied  bezeichnet;  klar  ist,  dafs  ihm  das  altn.  Adr 
(masc.)  entspricht,  welches  sowohl  poema  als  ingeniom,  fa- 
cundia  ausdrückt  in  jener  bedeutung  begegnet  es  blo6 
zufällig  dem  lat.  oda,  gr.  wdrj  (Terkürzt  aus  doid^)  wie  schon 
das  abweichende  genus  erkennen  Ufst.  merkwürdig  wird 
Saem.  df^  bei  erschaffung  von  Askr  und  Embia  gesagt,  da(s 
ihnen  HcBnir  den  mangelnden  öd  verliehen  habe,  was  ich 
s.  527  Vernunft  übersetzte:  richtiger  wire  vielleicht  rede, 
gäbe  der  rede*)?  wie  dem  auch  sei,  Odhr€mr  scheint  deut- 
lich poesin  ciens,  duleem  artem  excitans,  was  überraschend 
zu  jenem  ags.  gid  vrecan  oder  dem  jinn.  teen  iloa  stimmt, 
'hroera,  ahd.  hruoran,  mhd.  rüeren  isttangere,  eiere,  und 
der  kessel  würde  ahd.  Wuodhruori,  ags.  Vödhrdre  g&- 
heifsen  haben.  Odr^  Freyjas  gemahl  (Siem.  ^^  Sn.  37), 
den  sie  in  der  weiten  weit  aufsuchte  und  mit  goldnen  thrfti- 
nen  beweinte,  könnte  personification  der  dichtkunst  sein  **), 
war  Odr  eins  mit  Ke&sirj  der  die  weit  durchzog  und  von 
den  Zwergen  ermordet  wurde? 

Odhro^r  enthielt  also  den  süfsen  trank  göttlicher 
dichtkunst,  der  Unsterblichkeit  verlieh,  und  aus  dem  bestre- 
ben der  götter,  namentlich  Odins  sich  ihn  wieder  wl  ver- 
schaffen, nachdem  er  in  die  bände  der  zwerge  und  riesen 
gerathen  war,  ergibt  sich  seine,  identität  nut  amrita,  ambro- 
sia  und  nectar  (s.  294.  296);  der  göttliche  ichor  ist  dem 
lauteren  speichel  der  Äsen  und  Vanen  ähnlioh. 

Die  reine  noch  aus  dem  paradies  verbliebne  biene***) 
trägt  honig  des  gesanges  dem  schlafenden  in  den  mund 
(s.  659). 

Es  zieht  mich  an   noch  andere   sagen  zusammensu«- 


*)  hier  wie  aberall  wird  die  alta.  mundart  tu  rergleicben  dadurch 
UBsieher,  dafs  sie  in  and  aaslantend  d  mit  d  Yermenfgt  bat. 

**)  die  in  der  vorigen  note  herrorgehobne  Schwierigkeit  hfilt  mich 
ab  zu  untersuchen,  ob  Odr  mit  Odinn  yerwandt  sei;  ags.  scheiden 
sich  V6den  und  TÖd  (raües)  Yon  ybd  (poesis)  rgY.  oben  s.  120. 

***)  ancient  laws  of  Wales  1,  739:  der  bienen  Ursprung  ist  aus 
dem  paradies,  um  die  sunde  der  menschen  terltefsen  sie  es  und 
gott  gab  ihnen  seinen  segen ;  darum  kann  die  messe  nicht  gesungen 
werden  ohne  wachs« 


EINGEBUNG  BS9 

«iailfin,  wi^  grofMi  diditem  die  eimfebutig  des  liedes  über 
nacht  im  schlafe  gelioinmeo  sei,  wa$  yon  Pindar  wird  auch 
y(m  Homer  und  Aeschylua  in  andrer  weise  erzählt. 

Vor  Homer  soll  Helena  erschienen  sein:  Xiyova$  di 
9ipes  »Ol  twff'OitifjQidwv  WC  inta%iaa  (EXivfj)  t^s  vvxtog 
^O/ti'^QUi  ngoad'ictie  non!r  ncf^l  %wv  atgatevaa/uiviDV  inl 
Tgolop,  ßovXofUvTj  %qv  iH$tpoiv  &ivatop  i^Xm%o%6gov  fj 
%ov  ßiop  wp  aXXwr  Hatuaz^oai,  nal  ititQos  f^iv  ti  äia 
%fiv  O^^Qov  ^ix^ip^,  pdXiata  ih  Ai  fmvTi^p  ommg  ina- 
(pgo8i%ov  ita\  nctgd  "niatv  oro/iiaat^v  tivtov  ysvdo&'ai  ii^v 
noifjoiv.  Isocrates  *EX.  iynwßuov  (oratU  att.  ed.  Bekker 
2,  245). 

Dem  Aeschylus  oiFenbarte  sich  Dionysus:  €<pfj  dh  Jl^ 
apAo^  fiCiQdxiov  wv  KU'd'evdeiv  iy  dygü  fpvXdoawv  ova- 
fvXdc  xäi  ol  //lovvaov  intaTdv%a  neXavaai  vgoyipdiav 
noißlv»  (Sg  8h  ^v  ^/uga  {nei&Mo&ai  ydg  i&iXstv)  g^ora 
fjifj  netgw/ijtßWG  noulv*  ov%os  /tihv  ravrcc  iX^yiv.  Pausa- 
nias  1.  21,  2.  gao%ay  wie  es  yon  den  göUern  h^la  heirst 
(s.  297). 

Aeschylus  hütete  des  Weinbergs^  deutsche  hirten  wei- 
deten Schafe  oder  rinder,  als  die  gäbe  Wuotans  ihnen 
nahte. 

Hallbiörn  wünschte  das  lob  Thorleifs  eines  verstorb* 
neo  Sängers  zu  dichten  und  vermochte  es  lange  nicht,  bis 
ihm  bei  nächtlicher  weile  Tborleif  erschien,  die  zunge  löste, 
und  verschwindend  noch  an  der  Schulter  sichtbar  wurde 
(8.  303).  fomm.  sog.  3,  102. 

Der  heidnische  mythus  fand  auch  auf  christliche  dich- 
ter seine  anwendung.  ein  armer  hirte  vernimmt  im  schlaf 
eine  stimme,  die  ihn  auffordert  ungesäumt  die  heilige  schrifl 
in  sächsischer  spräche  zu  dichten }  des  sanges  vorher  un- 
kundig verstand  ers  von  diesem  augenblicke  an  und  voll- 
zog den  auftrag.  opusc.  Hincmari  remensis.  Par.  1615 
p.  643.  Ausführlicher  meldet  ähnliches  von  dem  berühm- 
ten ags.. dichter  iüaßdmon  Beda  bist.,  eccl.  4,  24*).  allen 
diesen  dichtem  gelingt  frühmorgens  beim  erwachen  das  vor- 
her ungeübte  Geschäft. 

Aber  nicht  allein  das  dichten  selbst  geht  von  den  gOtr 
tern  aus,  sie  ersinnen  auch  die  loeribseti^e,  auf  welchen  zu 
dem  Hede  gespielt  wird. 

Apoll,  der  bei  Homer  die  phorminx  spielt,  soll  nach 
Callimachus  die  lyra  mit  sieben  saiten  bezogen  haben;  er- 
findung  der  lyra  wird  jedoch  dem  Hermes  beigelegt,  der 

*)  fran  Aventiiire  t.  38.  29. 


860  DtCHTKÜIfST  j 

sie  Apoll  schenkte,  dies  ist  fttr  uns  bedeutsam,  da  Wuo«- 
tan  auf  Hermes  und  Apoll  bezogen  werden  darf,  so  dab 
jener  überwiegt,  das  erfinderische  ist  ein  zeichen  Mercsrs, 
und  kaum  zweifle  ich,  dafs  in  unserm  alterthum  wie  Wuo- 
tan  Schrift  und  roafs  so  auch  irgend  ein  den  gesang  be- 
gleitendes Spielwerkzeug  erfunden  haben  werde. 

Darin  bestärkt  die  fünfsaitige  harfe  (kantelo)  der  Fin- 
nen, deren  erfindnng  ihrem  höchsten  gott  Wdinfimöinen 
gehört,  und  er  vertritt  überall  unsern  Wuotan.  zuerst  bil- 
dete er  kantelo  aUs  eines  hechts  gräten  und  als  sie  ins 
meer  gefallen  war  zum  zweiten  mal  aus  birkenholz,  ihre 
schrauben  aus  eichenast,  ihre  sailen  aus  eines  mfichtigen 
hengstes  schweif.  So  hatte  auch  Hermes  die  chelys  [schüd' 
kröte)  ausgenommen  und  mit  saiten  bezogen  (hymn.  in 
Merc.  24  ff.].  Schwed.  und  schottische  Yolkslieder  erzählen 
wie  ein  spielmann  aus  dem  brwibein  einer  ersäuften  Jung- 
frau eine  harfe,  aus  ihren  fingern  die  schrauben ,  aus  ihren 
goldgelben  haaren  die  saiten  machte  und  der  harfenscUag 
die  mörderin  tödtete.  sv.  folkvisor  1,  81.  Scotts  minstr.  3, 
81.  Ein  kindermftrchen  no.  28  ififst  aus  dem  knocken  ei- 
nes erschlagnen  eine  hirtenpfeife  werden,  die  so  oft  sie 
geblasen  wird  die  begangne  unthat  aussagt;  ähnliches  steht 
in  einer  schweizerischen  sage  von  einer  flöte  (Haupts  zeitschr. 
3,  36.)  Die  gewalt  des  spieis  und  gesangs  wurde  daraus 
erklärt,  dafs  man  den  Werkzeugen  übernatürlichen  Ursprung 
beimafs  und  sicher  brachte  das  höhere  alterthum  götter 
dabei  in  rechnung. 

Wenn  Wäinämöinen  seine  harfe  rührt,  lauscht  ihm  die 
ganze  natur,  alle  vierfttfsigen  thiere  des  waldes  laufen  herzu, 
alle  Yögel  kommen  geflogen,  alle  fische  im  wässer  fliefsen 
heran,  aus  des  gottes  äugen  dringen  thränen  der  wonne 
auf  die  brüst,  von  der  brüst  auf  die  knie,  von  den  knien 
zu  den  füfsen,  netzen  ihm  fünf  mäntel  und  acht  rocke, 
seine  thränen  wandeln  sich  in  perlen  des  meeres.  Kale- 
wala  rune  22.  29.  Solche  thränen  yergiefsl  Freyja  (grät- 
fögr  s.  301),  die  gesangliebende,  dem  Odr  vermählte;  im 
kindörmärchen  haben  glückliche  Jungfrauen  die  gäbe  rteen 
zu  lachen,   perlen  zu  weinen. 

Auch  dec  Strömkarl  bricht  in  weinen  aus,  wenn  er  zur 
harfe  singt  (s.  462).  Wie  aber  die  gesamte  natur,  belebte 
und  unbelebte,  ihr  mitgefühl  an  den  klagen  der  menschen 
bezeigt  (s.  613),  so  wird  erzählt,  dafs  bei  dem  bezau- 
bernden albleich  (s.  439)  der  ström  sein  rauschen  einhielt, 
die  fische  in  der  flut  schnalzten,  die  vögel  des  waldes 
zwitscherten.      Mächst    den    göttem    scheiaeD    dbe    und 


HBKDENft&NGBR  861 

wafsergeisler  in  dfe  geheimiiisfle  der  mosik  eifigwireiht  und 
der  sanglehrende  Enikarr  berührt  sich  mit  Odiao  selbst 
(s.  467). 

Von  den  göttem  gieng  sodann  die  gäbe  des  lieds  auf 
einzelne  beiden  über,  t»d  die  wirknng  ihres  gesangs  wird 
in  gleieher  weise  geschildert  zwei  beiden  d«r  deutschen 
Mge  rag«i  als  sftnger  Tor^  Iforon/*),  Yon  welchem  es 
6ndr.  388.  389  beifst,  dafs  er  alle  menschen,  gesunde  wie 
kranke  durch  seine  lieder  fesselte ,  und 

diu  tier  in  dem  walde  ir  weide  liezen  sMn, 
die  wttrme  die  dft  selten  in  dem  grase  gdn, 
die  vische  die  dA  selten  in  dem  wAge  Tliezen, 
die  liezen  ir  geverte. 
des  Hiarrandahliod  gedenkt  saga  Herrauds   ok  Bosa  (for- 
nald.  8$g.  3,  223)  neben  dem  entzückenden  g^gjar  slagr 
( harfenschlag   der  riesin).     Den   Nibelungen  fiedelte   held 
VolUr  (Folhheri): 

under  die  tttre  des  bAses  saz  er  fif  den  stein 
kttener  yideliere  wart  noch  nie  dehein: 
dA  klungen  sine  selten,  daz  al  daz  hüs  erdAz, 
rtn  eilen  zuo  der  fuoge  diu  wArn  beidiu  grAz, 
sflezer  unde  senfter  gtgen  er  began: 
do  entswebete  er  an  den'  betten  vil  managen  sor- 
genden man. 
In   der    griech.  mythologie  haben    Orpheus    und  Amphion 
des  sanges  gewalt.     Jb^ian  sang,  dafs  seiner   leier  die 
steine  folgten  und  sich   zur  mauer  fügten,     dem  Orpheui 
giengen  felsen   und    bäume   nach   und    die   wilden    thiere 
wurden  ihm  zahm;   selbst  die  Argo  lockte  er  vom  land  in 
die  flnt  und  schläferte  drachen  ein  (entswebete).     da  gleich 
ihm  HermAdr  den  gung  in  die  unterweit  thut,  und  gerade 
um  Haider  alle   wesen    weinen,   sollte  man  meinen,  auch 
HermAdr  könne  durch  gesang  und   spiel  auf  sie  gewirkt 
haben,  wovon  uns  aber  nichts  überliefert  ist. 

War  nun  die  dichtkunst  den  menschen  mit  den  göt- 
tem  gemein,  Ten  gOttern  erfunden  und  übertragen  worden, 
so  folgt  nothwendig,  dafs  sie  dem  alterthum  auch  für  ein 
amt  und  geschfift  der  priester  galt  und  die  begriffe  von 
priester,  Weissager  und  dichter  an  einander  rührten,  hier- 
bei lege  ich  einiges  gewicht  auf  das  vorkommen  des  ags. 
namens  bregoeine  (s.  82.  215),  der  einen  diener  und  freund 
des  dichtergottes  anzuzeigen  scheint,  wie  wir  noch  heute 

■ 

*)  Bemal,  agt.  Haairanda,  alto.  Hiarrandi»  TgL  grann.  1,3.^» 
s.  f.  d.  a.  2,  4.  *  . 


862  DICBTKÜNST :: 

den  sftnger  einen  frennd  oder  gttnstling  der  Mnsen  nennen. 
In  lindern  und  Zeiten,  die  der  dicbikunsl  hold  waren^ 
darf  man  auch  den  Sängern,  namentlich  den  höfischen  ei- 
genthttmliche  tracht,  gleich  den  priestern,  zutrauen;  hier 
sind  zumal  die  nachrichten  belehrend ,  welehe  ons  die  wei- 
achen  geaetze  Aber  Stellung  und  Vorrecht  der  barden  am 
königshofe  liefern,  alle  nordischen  sagen  bezeugen,  in  wel- 
cher ehre  die  skalden  gehalten  wurden,  den  dichtem  des 
mittelalters  widerfuhr  an  romanischen  und  deutschen  ffir- 
stenhöfen  Ähnliche  auszeichnung,  und  eine  ge'taaue  Unter- 
suchung dieses  anziehenden  gegenständes  könnte  noch  in 
den  jüngeren  gebrauchen  vieles  hervorheben,  was  schon  in 
der  ältesten  zeit  seinen  grund  hat*). 

Zu  beachten  sind  äufserungen  mhd.  dichter,  worin  die 
kunst  des  gesangs  nicht  als  angelernt,  sondern  angeboren, 
d.  h.  von  gott  eingegeben,  dargestellt  wird.  Heinrich  von 
Horunge  1,  53"  sagt:  ^wan  ich  dur  sanc  bin  ze  der  werlte 
geborn,'  gesang  ist  ihm  auferlegt,  seine  bestimmung.  Walth. 
26,  4  in  bezug  auf  gott:  ^stt  ich  von  dir  beide  wort  hdn 
unde  wtse.*  im  Wartb.  kr.  jen.  102 :  ^gab  iu  got  sinne  und 
sanges  Site.'  noch  die  späteren  meistersftnger  drucken  sich 
darüber  aus:  'es  trieb  der  heilig  geisl  idso  zwölf  männer 
froh,  die  fiengen  an  zu  dichten.'  warum  sollten  heidnische 
dichter  nicht  ebenso  ihre  gäbe  auf  Wuotans  meth  zurück 
geführt  haben  ? 

Auch  die  toeUgesänge  scheinen  aus  der  dniachsten 
natur  der  poesie  selbst  hervorgegangen.  Wie  weise  männer 
des  alterthums  ihr  wissen  einander  abfragten,  beiden  die 
kraft  ihrer  waffen  aneinander  prüften,  sangen  auch  hirten 
und  dichter  um  den  preis  des  liedes.  Odinn  wollte  die 
Weisheit  (ordspeki)  des  klugen  riesen;  Vthgfiörr  die  des 
klugen  Zwergs  erkunden^  der  blinde  gast**)  die  des  königs 
Heidrekr ;  da  werden  lieder  gesungen  und  räthsel  vorge- 
legt, Vatfirüdnir  bedingt  ausdrücklich  'höfdi  vedja  vid 
scolom  höllo  t,  gestr,  um  gedspeki'  S«m.  33^  ums  haupt 
soll    gewettet    werden   wie  sonst    beim  streit   künstlicher 

*)  Niebahr  ia  der  vorrede  tu  Merobaades  sagt:  quem  tHorem 
ewonandorum  poetarum  cum  poesi  ipsa,  cui  semper  aliquis  bonos 
mansit,  etiam  rudibus,  quae  secuta  sunt,  saecalis  perdarasse  arbilror. 
woza  aber  yod  Römern  herleiten ,  was  schon  der  eignen  vorzeit  in 
brauch  gewesen  sein  mag,  da  könige,  richter,  priester,  beiden  and 
Singer  kram  and  binde  tragen  ood  selbst  die  volkssSnger  sich  ihren 
könig  wählten. 

^  **)  d.  i.  Odinn  selbst,  zu  dessen  blindheit  die  der  alten  sfinger 
stimmt  der  äugen  terlust  stSrkt  die  kraft  des  gedichtaisaesy  er  be- 
flhigt  and  nöfkigt  lu  singen. 


/    .WETT6ESAN6  '  86» 

sehmiede  oder*  Schachspieler«  Auch  in  dem  hrieg  der 
Singer  auf  Wartburg  wird  das  leben  eingesetzt:  Hin  wir! 
gesungen  dne  vride  .  •  .  stempfei  muoz  ob  uns  nu  beiden 
stfln  aihie  mit  sfnem  swerte  breit,  er  rihte  ab  unser  eime 
in  roubes  site  dem  man  valles  jehel'  als  rfluber  mit  dem 
sehwert  soll  der  erliegende  gerichtet  werden,  nicht  der 
geschichte,  der  sage  flillt  diese  begebenheit  anheim,  a^ber 
sie  lehrt  uns,  mit  weichem  ernst  man  die  dichtkunst  ge- 
wohnt war  anzttsehn. 

Hier  sei  auch  des  weitverbreiteten  mythus  gedacht  von 
dem  dichter,  der  sein  eigenthum  gefährdet  sieht,  weil  das 
gedächtnifs  eines  andern  sich  seiner  lieder  bemächtigt  hat. 
was  zwischen  Virgil  und  Bathyll  ergieng  wird  verändert 
von  Arnoldo  Daniello  und  einem  Jongleur  (Diez  leben  der 
tr.  s.  352)  berichtet,  aber  schon  von  dem  indischen  Kali- 
dasa,  dessen  gedieht  vier  brahmanen  auswendig  gelernt 
hatten.  Dieser  Ealidasa  und  Yalmiki  galten  für  incarna- 
tionen  Brahmas  selbst;  was  konnte  das  ansehen  der  dichter 
fester  stellen,  als  dars  sie  ein  avatära  des  erhabnen  gottes 
gewesen  sein  sollen? 

Mit  den  göttern  theilen  göttinnen,  mit  holden  und 
priestern  weise  frauen  macht  und  einflufs.  unter  den  asin- 
nen  wird  Saga  Sn.  36  gleich  nach  Frigg,  Sn.  212  neben 
Sdl  genannt,  ihr  aufenthalt  heifst  Sökqeabeckr,  der  sinkende 
bach,  eine  grofse,  geräumige  statte,  auch  Sagones  (nes 
Sago)  Sern.  154^  scheint  von  ihr  den  namen  zu  haben. 
Söcqeabeccr  wird  Ssdxn.  41"  als  ein  ort  geschildert,  wo 
kalte  wogen  rauschen,  da  sollen  0£nn.  und  Saga  alltäglich 
froh  aus  goldnen  schalen  trinken.  Das  ist  der  Unsterblich- 
keit,  zugleich  der  dichtkunst  trank.  Saga  mufs  entweder 
als  gemahlin  oder  tochter  Odins  aufgefafst  werden,  in  einem 
wie  dem  andern  fall  ist  sie  ihm  als  gott  der  dichtkunst 
identisch,  den  Griechen  war  die  Musa  tochter  des  Zeus, 
oft  aber  wurden  drei  oder  neun  Musen  angenommen, .  die 
sich  weisen  frauen,  nornen  und  Schöpferinnen  gleichen  und 
an  quellen  oder  brunnen  hausen  *).  die  kühle  flnt  eignet 
sich  fär  schwanirauen ,  des  Wunsches  tochter.  Saga  kann 
nichts  anders  sein  als  sage  und  erzählung,  das  personificierte, 
göttlich  gedachte  maere  (s.  850). 

Unsere  dichter  de^  Jß  jh.  personificieren  die  ftventiure 
und    lassen    eine    frau  AßenHure   gleich    der   norn   über 


*)  altböhm.  glossen  bei  Hanka  55^  wodna  masa  (Jungm.  5»  147]> 
ist  das  waiserfrau,  qaellfrau? 


96|r  DICHTKUNST.    SAGA 

land  sü  der  hfltte  des  sftngers  ziehen,  wo  sie  aaUopfen 
und  einlafs  begehren  ^.  noch  heute  erzählt  man  wie 
das  märlein  von  haus  zu  hause  wandert,  wenn  die 
reihe  des  erzfthlens  von  einem  an  den  andern  gelangt 
Suchenwirt  no.  XXV  stellt  eine  erscheinung  der  frau  Aoen^ 
Hure  im  wald  auf  blflhender  aue  dar,  sie  war  als  firam 
Ehren  böte  durch  das  land  zu  kOnigen  und  forsten  ge- 
wandert und  stattet  bericht  ab;  einen  goldnen  ring  an  den 
finger  steckend  yerschwindet  sie.  Zu.  bemerken  finde  ich 
noch,  dafs  mnl.  dichter  die  aventure  persönlich  im  sinn 
der  mhd.  frau  Saelde  verwenden;  ^die  Äveniure  wacht* 
Maerl.  2,  14;  ^dat  rat  van  Aeenturen\  Rein.  6183,  ganz 
wie  diu  S»lde  wachet,  Saiden  rat  (s.  824.825).  ich  wüste 
nicht ,  dafs  ihnen  dabei  romanische  gedichte  zum  vorbild 
dienten. 

Jenes  wechselnde  erzählen  und  umgehn  des  mfirchens 
oder  der  sage  war  schon  römischer,  griechischer  brauch, 
wie  aus  Ovids  met.  buch  IV  zu  ersehen  ist,  wo  die  Hi- 
nyaden  unter  dem  weben  und  spinnen  sich  durch  erzäh- 
lungen  die  zeit  kürzen,  39: 

'utile  opus  manuum  vario  sermone  levemus, 
perque  tices  aliquid,  quod.  tempore  longa  videri 
non  sinat,  in  medium  vacuas  referamus  ad  aures.* 
dicta  probant,  primamque  jubent  narrare  sorores. 
dann  167:  desierat,  mediumque  fuit  breve  tempus,    et  orsa 

est  dicere  Leuconoe,  vocem  tenuere  sorores. 
274:  poscitur  AIcithoe,  postquam  siluere  sorores. 
es  war  aber  des  Bacchus  feiertag,  der  priester  hatte  ge- 
heifsen  ihn  zu  begehn ;  immunes  operum  dominas  famulas- 
que  suorum,  und  der  gott  rächte  sich,  indem  er  das  ge- 
webe  in  ein  geflecht  von  reben  und  epheu,  die  Minyaden 
in  eulen  und  fledermäuse  wandelte.  So  scheinen  Hoida 
und  Berhta  oft  dem  spinnen  zu  zürnen,  das  ihren  heiligen 
tag  entweiht  (s.  248.  252),  da  sie  sonst  diese  arbeit  för- 
dern und  belohnen.  Auch  die  nornen  kehren  mit  den  spin- 
dein ein ;  die  weisen  freuen  und  göttermfltter  unseres  alter- 
thums  dürfen  als  lehrerinnen  des  gesangs,  der  sage  und 
Spindel  betrachtet  werden. 


^  *)  belege  Bammelt  eine  schoii  s.  287  anaezogene  abhtndlung. 
es  ist  ihnen  aas  Ulrichs  von  Torheinf  Wh.  102«  ein  gesprfich  des 
dichtere  mit  frta  ATentinre  beizafägen. 


issnanTBR  sos 


CAP.  XXXI.     GESPENSTER. 

Das  zun  cap.  hat  die  seelen  im  zustande  ihrer  tren- 
naog  von  dem  leib  und  ihrer  fiberfahrt  nach  einem  anderQ 
aufenthait  betrachtet:  das  sind  die  beruhigten,  in  die  Un- 
terwelt oder  den  himmel  aufgenommnen  seelen.  fortan 
stehn  sie  nur  in  einer  allgemeineren  Verbindung  mit  der 
erde  und  den  lebenden;  ihr  andenken  wird  durch  feste, 
wahrscheinlich  wurde  es  im  alterthum  auch  durch  Opfer 
gefeiert  *). 

Hiervon  unterscheiden  sich  solche  geister,  die  nicht 
oder  nicht  vollkommen  der  seeligkeit  und  ruhe  theilhafl 
geworden  sind,  sondern  zwischen  himmel  und  erde  schwe- 
ben, zuweilen  aber  an  die  alte  statte  ihrer  heimat  zurück-* 
kehren,  diese  erscheinenden,  wiederkommenden  umgehen- 
den Seelen  nennen  wir  gespenster. 

Jene  ruhigen,  seligen  geister  des  verstorbnen  benennt 
der  römische  Sprachgebrauch  manes,  die  unheimlichen, 
quälenden  erscheinungen  hingegen  lemures  oder  lartae; 
obwol  der  ausdruck  schwankt  und  auch  manes  gespenstige 
wesen  bezeichnen ,  lemures  allgemein  genommen  werden 
kann  **),  lartck  verr&th  berührung  mit  Uxr  (s.  468]  und 
die  freundlichen,  gütigen  lares  wurden  häufig  als  manes, 
als  Seelen  abgeschiedner  vorfahren  gedacht.  Auch  in  unserm 
deutschen  Volksglauben  läfst  sich  Übergang  der  seelen 
in    gutmütige  hausgeister    oder   kobolde    nachweisen  ***}, 


•^mmm 


*)  zwifchen  dem  christlicfaeo  aÜerseelentag  (2  dot.],  an  dem  dai 
Tolk  kirchhöfe  besucht  und  grSber  bekränzt,  und  den  römischen  drei 
festlagen ,  an  welchen  sich  die  -nntenreU  dfnete  (munSut  ftoM)  und 
die  maoe«  empotstitgeB  (€i«ttaer  2,  865.  O.  Müller  £lruak.  2,  97), 
erscheint  zasMinienhang.  am  2  noT.  setzen  die  Ehsten  naohu  den 
•erOorbnen  speiaen  auf,  und  freuen  sich,  wenn  morgens  etwas  daTon 
Terzehrt  ist  im  Fellinschen  werden  die  abgeschiednen  seelen  in  der 
badslnbe  empfangen,  und  eine  nach  der  andern  gebadet  Hupels 
nachr.  p.  144.  gerade,  wie  man  eagelB  und  hauageittem  «petse  Mi- 
ififfl  (s.  417). 

'')'Creozera  sjmb.  2,  850-866. 

***)  ich  beschränke  mich  hier  auf  eine  hessische  rolkssage.  Kurt, 
ein  päclMer  zu  Hachborn,  wich  auch  nach  seinem  tode  nicht  Ton  dem 
gehöfte  und  mischte  sich  als  guier  geist  in  die  feldarbeiten«  in  der 
Scheune  half  er  dem  knecht  die  garben  yom  gerüste  werfen ,  wenn 
der  knecht  eine  geworfen  hatte,  warf  Kurt  die  andere,  als  einmal  ein 
fremder  knecht  hinaufgestiegen  war,   hälfet  jedoch  nicht ,  und  auf 

Grimwu  m^tM,    8,  musgabe,  65 


866  fiKSVBmTBR 

nach  hSufiger  hftogen  qu&Igeister  und  gespenster  zu- 
sammen*). 

Für  die  rahigen  geister  oder  ihren  zustand  besitzt  unsre 
spräche  den  schonen  ausdruck  ahd.  Muri  laetus^  mitfs,  ags. 
l^oru  BeoT.  2744,  altn.  hfr^  mhd.  gehiure,  nhd.  gehfi^, 
wir  sagen:  es  ist  geheuer  =mhig,  seiig,  friedlich:  den 
gegensatz  drückt  ans  ahd.  tuMuri  dims,  saetns,  alts.  un^ 
hturi,  ags.  unhearu  Beov.  1967.  nnhiore  Beov.  4822.  nn* 
h^re  Beov.  4236.  Cteim.  138,  5.  altn.  öhfr;  mhd.  unge- 
Mure,  nhd.  ungeheuer:  es  ist  ungeheuer,  es  ist  nicht  richtig, 
beide  Wörter  gehn  aber  weiter,  gott  heifst  hiuri,  der  teufet 
unhiori,  ungeheuer  ist  allgemein  monstrum,  portentum.  die 
goth.  form  wäre  hiuris,  was  mit  haüri  pruna,  altn.  hyr  ignis 
nah  verwandt  scheint,  also  das  leuchtende,  glänzende  be- 
zeichnet; wenn  eine  ahd.  glosse  bei  Graff  4,  1014  richtig 
ist,  kann  auch  das  unverneinende  hiuri  ^rus,  nemlich  feurig 
in  schreckhaftem  sinn,  wie  wir  ihn  gleich  hernach  bei  den 
irlichtern  finden  werden,  bezeichnen,  nahe  an  hiuri  und 
unhiuri  grenzt  der  sinn  von  hold  und  unhold,  holdo  und 
unholdo  [s.  245.  425),  was  aber  lieber  auf  geister  und  dä- 
mone  als  auf  seelen  zu  beziehen  ist,  doch  überträgt  N. 
manes  durch  unholdoti;  auch  hier  scheint  holdo  und  Un- 
holde zuweilen  gleichbedeutig. 

Das  ahd.  fem.  Mspanst  hiefs  eigentlich  eingebnng  (sug- 
gestio,  von  spanan  suggerere],  da  aber  in  den  beichtfor- 
mein  viel  von  teuflischer  eingebung  und  Verlockung  gere- 
det wurde*),  gewöhnte  man  sich  an  die  bedeutung  von 
geisterhaftem,  täuschendem  trug.  Boner  94,  54  setzt  'diu 
gespensf  (warum  nicht  gespanst?)  für  fantom,  geisterer- 
scheinung.  das  neutrum  steht  im  m®re  vom  schretel  uiid 
wazzerber  ganz  mit  jener  Verknüpfung:  'des  tiuvels  vftlant 
und  sin  g^spenste;  schon  früher  verbindet  Herbort  3500 
gespenste  und  getwAs.  Keisersperg  (omeifs  39)  hat  das 
gespenst  (praestigium),  erst  in  den  letzten  jbh«  wurde  der 
ausdruck  recht  gewöhnlich,  einige  schrieben  gespengsi^*^. 

Wir  sagen  auch  spuk;  das  ist  ein  nd.  wort,  dem  ich 
zuerst  in  dem  chron.  saxon.  bei  Eccard.  p.  1391  begegne, 
wo  spdkne  steht;  Detmar  1,  136  hat  spuk,  2,  206  oor- 
spok  praesagium.  heute  spok,  nnl.  spook,  spook^l,  schwed. 
spok,  dän.  spögelse  (spectrum)  spög  (jocus) ;  wofür  also  ein 

den  ruf  'Kurt  wirf!'  ergrif  er  den  knecht  und  warf  ihn  die  tenne 
herab,   dafs  er  seine  beine  brach. 

*|  Isengrim  Yerwandelt  sich  in  Agemund  (s.  478). 

'*]  Yon  dea  teuföls  geipenste  (Oberlins  bthtebuocb  36). 
*)  Frisch  2,  302',  dem  aber  das  lat.  speetrmn  verwandt  scheint. 


QB9PBR8TBR  Wi 

■ihd.  ^moeht  nhd.  iptMsft  erwartet  werden  seilte  ^  aber  nft'^ 
gends  vorkottioit.  ge$püc  hat  allerdings  BerthoU  cod.  paL 
35  fol.  27\ 

Beaeichüiender  ist  das  alta.  fem.  apiragänga  ( Laxd; 
aaga  p*  224^  gleichsam  anima  rediens,  dän.  gienfärd^  gien^ 
ganger,  franz.  reoetuuU,  Saxo  gramm.  91  sagt  redieMu; 
vgl»  die  radeasart:  es  geht  um  (es  spukt);  at  haan^en^ 
eigi  daudr.  fornald.  sog.  2,  346.  niedersdcbs.  dwetem,  aef 
d^  Hara:  waUe»  für  umgehn  (Harrys  volkss.  2,  46). 

Das  eigeniliche  altn.  wort  ist  draugr  (fornm.  sog.  3, 
200]^  Odian  heifst  drouga  dröttinn  (Yngi.  saga  cap.  7), 
der  grabhügel  draughiU  (Sasm.  169^').  Diese  beneoÄung 
hat  sich  in  Schweden  und  Ddnmark  verloren ,  datiert  aber 
im  norweg.  drouj  drang  (Baliager  20c).  drangt  scheint 
gleicher  wurzel  mit  dem  ahd.  giiroc^  mbd,  geiroCf  d.  i, 
trugerscheioungj  trugbild,  fantom,  welches  von  elbischen, 
teofliscben  w^en  gilt  (s.  432), .  aber  ein  verbum  driuga, 
triegOD  (faUere)  ahd.  triokan ,  tröc  geht  der  nord.  spräche 
ab  *)•  Die  edda  bietet  aach  das  analoge  tDJft  (fallaoia, 
fraos)  im  sinn  einer  gespenstigen  gaukelei  dar.  Siem.  166^ 
167*.  Nichts  anders  bedeuten  die  s.  450  angegebnen  aus- 
drücke guctn,  und  $ciiUeih^  sie  kennen  sieh  auf  gespea- 
ster  wie  auf  waldgeister  besiehen. 

Die  glosseo  liefern  manche  alte  wöfter  für  das  lat, 
Larva«  schon  die  florent,  9fe|2^  iahmuuga  und  eine  spatere 
mnL  samiang  Diui  2,  220  UUma$ge;  auch  Kilian  hat  la/-* 
wuude  larva,  iaknascben  larvam  inda^re,  es  ist  das  alt- 
franz.  talmache  qnd  tamaeche  hei  Roquefort,  der  es  mas- 
que,  faax  visage  erklärt,  talmache  de  vaisseaa  heifst  ein 
am  schif  angebrachtes  bild  **).  andere  glossen  gehen  /falte, 
und  ecraty  serap  (s.  447).  nmmmel  ist  larve  und  koboid 
(s.  473).  alles:  was  nicht .  geheuer  nad  schreckhaft  drohend 
ist,  monstrum,  prodigium,  portentum,  praesligium  erreicht 
auch  den  begrif  eines  gespensts«  getioäe  (s.  433)  Herbort 
231*  83<^,  ^ein  bOse  gehede'  vom  gelouben  530;  vinl.  ^- 
dwaes  hör.  belg,  Q,  249*  stimmt  zu  dem  litth«  dmaee  (ge- 
spenst).     Martina  10  liefst  man:  das  ge$chrudel     Stald.  2^ 


*)  das  bocbst&blich  entsprechende  «gs.  dreogan,  drelih  bedeutet 
nie  feilere,  sondern  agere,  palrare',  tolerare»  und  daiu  atimn^  das 
ahn.  drtugr  (frequens). 

**)  Dttoange  s.  v.  laUtmana^  nix^u^  delusio  imaginaria,  dazu  wird 
angeführt  Hincmar  in  capit.  ad  presb.  dioec.  cap.  14.  Regino  1, 
213  und  Burefaaidus  woriMl.  2,  lai  wo  es  heifst:  lanras  daemonom, 

Saas  vulgo  udanumaa  flennt  ante  ae  ferri  oonsentiat.    gesohöpCI  aus 
em  oooeil«  namneteosi  cap.  10.  TgL  Schiiseller  %  640. 

55* 


886  GESPENSTER.    UlWISCHB 

27«  59.  64  hat  das  nackOmi,  das  gkBdi^  aMn.  iai  f>ofa 
apectniiiiy  von  vofa  ingniere,  imininere;  der  draagr  heilst 
aach  dölgr  (feind)  fornald.  sog.  2,  368.  fornm.  sog.  3,  200 
and  dazu  darf  etwa  das  vpifindiscbe  dödö^cr  manes  de- 
Amctomm  (Ihre  diaL  lex.  32**)  gehören^  wenn  nicht  zn 
dylja  (celare),   schwed.  dölja. 

Merkwürdig  ist  nun  ^  dafs  schon  die  altn.  drangar  dm 
feuer  umgeben  dargestellt  w^den:  'hanga  eldar  brenna.* 
fornald.  sog.  1^434;  'Inpa  opp  hanga  eldamir.'  das.  1,518. 
Loka  dann  (s.  221)  ist  der  isldnd.  name  einer  feurigen 
donsterscheinung.  Noch  jetzt  ist  in  ganz  Deutschhind  Yolks- 
glaobe,  dafs  seelen,  die  der  himmlischen  ruhe  nicht  theil- 
haft  geworden  sind,  in  feuriger  geskM^)  bei  nfichtlicher 
weile,  gleich  irrendem  gevögel  (s.  788);  auf  feld  und  wie- 
sen schweifen,  vgl.  wiesenhüpfer  s.  789.  den  wandersmann, 
der  sie  für  dorflichter  nimmt ,  leiten  sie  ab  vom  rechten 
weg,  bald  sich  entfernend,  bald  wieder  nShemd:  wie  ko* 
bolde  hocken  sie  auf  (abergl.  611)  und  schlagen  Aber  dem 
mensdu^n  ihre  flftgel  zusammen  (deutsche  sag.  no.  276); 
sie  fahre«  in  sümpfe,  auf  Gilsche,  irre  spur,  hirrKgepor 
(St:  2,  45),  gerade  wie  der  butz  (s.  474).  der  Wanderer 
sucht  wen^tens  mit  einem  fulls  kn  wagengeleide  zu  blei-^ 
ben  und  setzt  dann  sicher  seinen  weg  fort,  denn  die  ir- 
wische  haben  nur  macht  auf  fufssteigen.  Nach  Villemarqu6 
barza^breiz  1,  100  ist  der  geist  ein  kind  mit  einem  Teuer- 
brand  in  der  band,  den  es  wie  entflammtes  rad  umdreht, 
bald  edieint  es  ein  krankes  pi^d ,  das  dem  htalen ,  der  es 
in  den  stall  führen  wW,  seinen  brand  an  den  köpf  schleu- 
dert, bald  eine  blökende  verirrte  ziege,  die  sich  nach 
sonnenunlergattg  «m  weiher  zeigt  und  den  reisenden  ins 
Wasser  lockt  und  dann  neckend  weiter  springt.  Auch  in 
Einers  utiwürd.  doctor  s.  747  werden  ^feuermänner  und 
springende  ziegen'  zusammengestellt.  Diese  erscheinung 
hat  eine  menge  namen.  der  gewöhnlichste  ist  irlicki'  oder 
•natfcA  von  der  ähnliobkeit  brennender  Strohwische,  am 
Rhein  auch  heerwisch  ^  östr.  feuriger  mann^  fuchtelmann 
(Höfer  I;  251)  von  fuchteln,  bin  und  her  bewegen,  eir- 
gentlich    die   flammende   klinge**),     bei    Pictorius   p.  524 


*)  in  der  Lausitx  heifst  feuermann  wat  sich  bei  nachUeiten  um 
die  Wipfel  der  wftldblame  sohwiogt ,  igoia  lambena.  laoa.  monataachr. 
1797  p.  749. 

**)  aolehe  fearige  duaate  aetaen  sieh  «Mh  auf  dem  nuui  der  tehiffe^ 
die  tfufte  dar  krUgar»  jenea  nanoten  die  aUeo  nach  den  Dioakuren, 
den  Deuereo  beilal  ea  feu  de  a.  Elme.     tut  die  flammeiiapeere  habe 


IftWMeilV  660 

stemlerj  Ton  sewela,  BOseln,  mit  feaer  tfindelfi,  sonst  auch 
MiBmler\  »tedfer,  bdi  Fisohart  umielgespensi  (Garg.  231] 
vgl.  Hdier  s.  v.  «ns^rl.  Niederd.  ghimjfer  (glühender)  man, 
mekebold,  tukkebode'  nicht  von  tacke,  bosheit,  sandeirft 
von  tuk  (hastige  bewegung,  Reinh.  p.  109)  oder  auckea, 
hin  und  herfahren ,  vgl,  das  hd.  üebobi  (Schmetterling), 
westfftl*  smalgenßr^  was  ich  kaiua  verstehe«  aUgeanemer 
bekannt  sind  ÄoerUchi  (wirbelnde  flamme),  e^iohi,  dwet-- 
kdü  (von  dwelen,  dwalen,  irre  gehn),  nnl.  dwaaUiehi, 
drogkchi  (wieder:  triegendes)  drogfackel\  dän.  b/gienumd 
(ieachtemann)  blaamnand  (feuermann,  Molbech  diai.  39)  und 
täiiebfM  (geisterlicht),  scbwed.  Igseld  und  lylUgubbe;  engl 
mit  dem  bezng  auf  menschennamen,  der  auch  bei  haus* 
geistern  gilt  (s«  472)  WiU  wiih  a  wup  (Strohwisch),  Jack 
m  a  latUham.  lat,  ijhm  faimu  (ann.  corbei.  a.  1034),  frami. 
feu  foUßi  ({olli^  8.  475),  fifolht  (Pluquet  oontes  p.  13), 
farfadtij  sauterai,  nach  den  miSm.  des  ant.  4,  406  amh, 
mir  unverstftndiich ,  gueta.  sloven»  9ef%a  (Schmetterling, 
hexe),  shkopnik,  shkopnjak  (Strohmann,  von  shkopa  mhd. 
schonp),  moUwa  (von  smota,  error),  slep  ageni  (blindes 
feuer);  bdbm.  iwifylko  (tichtlein),  Uidicka  (von  blud  er* 
ror},  polo.  Uednioa;  lausit«.  bbtdne  HMeaske,  Auch  unsrer 
alten  spräche  weifs  ich  die  namen  nicht,  es  mttste  denn 
wr0ga$io  und  girr$gar  in  einer  ktaigsb.  bs.  (grundr.  345) 
hierher  gehören?  aber  Ls.  2,  314  ist  Irregaac  name  eines 
fahremton  achttlers,  was  in  Haupts  zeitschr.  1,  438  audi 
urrefogel  heilst  vgL  Schm.  3,  688;  Tit.  576  'em  irregmgd 
vor  atteni  valsche,'  Nahe  bertthrung  aut  Wichten  und  el- 
ben  seigon  f^WetgM  und  elfiiMity  das  scheinen  die  ültestea 
ausdrQcke,  Sindri  (scintilla)  ein  eddisoher  swergname  Sm». 
7^  erinnert  an  den  kobold  /sArj^cAi;(s«  480).  Man  ersflhlt 
von  einem  irtoisch,  der  gefangen  wurde,  und  den  bald 
darauf  eine  menge  anderer  surQckzufordern  kamen,  hier 
erscheinen  sie  als  ein  zusammen  haltendes  elbisches  volk*}. 


ich  alte  leognisse:  'sign«  militain  trsere*,  'pila  militom  anere'  Tac. 
ann.  12.  64.  15,  7;  'duae  poerorasi  laaceaa  enisiis  flammia  lamen 
•notibos  praeboerunt»  ibantaua  falgurantas  hastae.*  Greg.  tur.  nirac. 
MarL  1,  10.  ein  jaBg^res  beiipiel  in  ZeiUera  miseeU.  Nüroh»  1661 
I.  143.  144.  deatscbe  sag.  no.  279.  beiug  auf  aeekn  ist  hier  iiir- 
geads,  ei  sind  Yielmehr  günstige  Yoneichen  dei  tiegt,  wie  cap.xxxy 
gezeigt  werden  loll«  wohl  aber  gelten  die  flUgenden  $iame  für  seelen 
(8.  685),  selbst  den  GrönlSndern  (Majers  mylh.  lex.  2,  240)  «ad 
Moogokn  (Bergsiaoo  3,  42). 

*)  Ad.  Kaln  (Torr.  zu  den  mftrk.  tagen  b.  ix)  will  alle  kebuMe 
für  arsprnngliche  tenergoUheitani  daa  fsaer  des  hauafaeardea  fUr  den 


vn  wOtbnihss  hber 

Früher  hatten  diese  irtlcbter  ohne  xWeifel  eine  wei- 
tere bedeiitiing,  beute  wird  sie  heuptsäohlioh  anf  Ewei  arten 
unseliger  geister  eingeschränkt,  auf  die  seelen  tmgetaufter 
khuier^)  und  solcher  menschen,  die  bei  ihren  lebzeiten 
am  aekerfeid  frevelten  f  die  heiligkeit  der  grenze  nicht  ach«- 
teten**).  •  Ungerechte  landmesser  (scbwed.  skjSlvrSngare] 
sieht  man  mit  langer  fenerstange  in  den-  fnrchen  auf  und 
ab  schw-eben  und  gleichsam  das  vermessene  nachmessen; 
wer  seinem  nachbar  abgepflügt,  wer  den  stein  verrückt  hat, 
den  trift  der  fluch  umzugebn  als  irwiscb.  l)eim  pflügen 
zweifelhafter  schnate  hört  man  daher  unter  dem  volk  die 
redensart:  %  mag  nüt  spuken  gan',  vgl.  deutsche  sag.  no. 
264.  285.    Thiele  1,  58. 

Fruchtbarer  für  unsere  Untersuchung  wird  eine  andre 
4irt  gespenster,  die  gleich  den  irlicbtern  anf  ungetmafte 
kinder  bezogen  werden ,  aber  nicht  als  einzelne  feuer  an 
dem  erdhoden  her  schweifen,  sondern  in  gansben  kaufen  *^ 
mit  schrecklichem  tosen  durch  wald  und  lüfte  fahren,  das 
ist  die  weitverbreitete  sage  von  dem  wütenden  heer,  der 
wütenden  jagdy  welche  in  hohes  alterthum  hinaufreicht, 
und  sich  bald  mit  göttern  bald  mit  beiden  verwebt,  auf 
allen  selten  blickt  hier  Zusammenhang  mit  dem  beidentbom 
durch. 

I>ie  Christen  hatten  dem  glauben  an  die  götter  ihrer 
vorfahren  nicht  so  schnell  noch  so  völlig  entsagt,  dafs  ih- 
nen jene  heidnischen  gestalten  mit  einem  mal  aus  dem  ge- 
dilcbtnis  entfallen  wären,  sie  wiesen  den  zum  theil  hart- 
nftckig  festgehaltnen  nur  eine  andere  stelle,  weiter  im  hin- 
4ergrund,  an.  der  alt^  gott  verior  sein  zutrattlitohes  wesen^ 
seine  nahen  züge,  und  gieng  in  den  begrif  einer  finsteren, 
schreckenden  gewalt  über,    welcher  immer  nobh  gewisse 


grund  ihrer  Terehmng  hallen,  beide,  kobbide  and  irwiscbe,  beifsen 
follet  (s.  475.  481)  und  gleich  feurigen  drachen  (s,  654)  Iragen  die 
kobolde  geld  oder  körn  zu,  aber  auch  die  otter  ist  koboldiacb  (s.  655) 
und  die  dominae  tragen  zu  (a.  264)  wie  die  teufel. 

*)  braunacbw.  anz.  t760.  no.  86,35.  Praetorii  wehbeaeb.  t, 
262,  269.  lansitz.  monataschr.  1797  p.747.  schon  im  anegenge  180* 
190^:  'wA  mit  diu  armen  chindelln  dos  /iiaer  haben  geacbonfet,  diu 
dA  uogetoufet  in  ir  schulde  soheident  tob  hiane*;  doch  hier  wird 
das  fegefeuer  gemeint  sein. 

**)  ungerechte  siehMr*  Möselrs  patr.  phant  3,  309.  ^fürig  mar- 
eher*  in  Hebels  gedieht  die  irllchter.  Mones  am.  t83ö,  408.  1838, 
223.    Westendorp  p.51t. 

***)  doch  kommen  auch  einzelne  hraagende  geitier  vor,  i.  b.  Jungfer 
Bli  im  Davert  (deutacho  sag.  no.  121).  den  namen  brausende  geister 
gewahrt  Plilts  naehr.  von  Wetter  p.42. 


WÜTEÜWBS  RBER.    WDOTAN  871 

# 

eiiiwirlittiig  YtfrbUeb.  4en  menschm  nnd  ihrton  diieilifit<S 
gleiehsim  »bgealorbeii  irrte  and  gehwebte  er  in  den  IfiAen, 
tenfliseh  und  gespenstig. 

Es  ist  schon  s.  121  Zusammenhang  zwischen  dem  wü^ 
ienden  keer  und  Wwtan  behauptet  worden,  dem  namen 
wie  der  saohe  nach  verknüpft  sich  ihm  dieser  gott.  ein 
ungedmcktes  gedieht  des  Rüdiger  von  Munir  enthält  nnter 
andern  beschwörungsformeln  auch  die  'bt  Wuoiimges  her' 
Wuotnnc  und  Wuotan  waren  namen  gleicher  bedeutung. 
Waotan,  der  gott  des  krieges  und  sieges,  zieht  an  der 
spilse  «tteser  luflerscheinnng;  der  meklenburgische  land- 
mann 9  wenn  er  ihr  getftse  ^  vernimmt^  drOekt  sich  noeh 
heate  ans:  ^de  Woie  Hkt  Adelung  s.  v.  witben;  ^Wode 
jaget'  (s.  142).  ebenso  in  Pommern  und  Holstein.  Wno« 
tan  erscheint  reitend,  fahrend,  jagend ^  wie  in  nordischen 
sagen ,  in  seinem  geleit  valkyrien  und  einherien ;  der  auüsug 
laicht  einem  beer.  Völlige  Sicherheit  Ober  ^die  Identität 
dieses  jagenden  Wode  mit  dem  heidnischen  gett  empfängt 
man  durch  einstimmige  scandinavisehe  volkssagen  und  re* 
densarten.  die  natnrerscheinnng  des  heulenden  windes 
mrd  O^ns,  wie  die  des  donners  TkArs  wagen  beigelegt 
i^i  nächtlichem  lärm,  wie  von  pferden  und  wagen/  beilit 
es  in  Schweden  ^Oden  fat  färbt  *y  in  Schonen  wird  ein 
vielleicht  von  seevdgein  an  november  und  decemberaben- 
den  verursachtes  geräusch  *Oden$  jagf  genannt**).  In 
Baiem  sagt  man  das  naehigt^aid  oder  das  nachtgeUrii  (^ro* 
cessio  nocturna)  Schm.  2,  264.  514;  in  DeutschbMimen 
naoMgöid  (ss  gespmst)  Ranks  Böhmerwald  s.  46.  78.  83. 
91.  In  Thüringen,  Hessen,  Franken,  Sohwaben  ist  der 
ansdruek  ^das  mMe$ide  heer^  hergebracht,  er  mufs  hoch 
hinauf  reichen,  schon  der  dichter  der  urstende  aus  dem 
12  jh,  (Hahn  105,  35]  sagt'daz  toueiimde  her'  von  den 
Juden,  die  den  hefland  überfielen,  und  Rol.  204,  16  heifst 
Pharaons  vom  meer  verschiungnes  beer  ^stn  toSiigefs  her', 
bei  Stricker  7d^  ^daz  wüetutäe  her';  Reinfr.  von  Braun- 
seh weig  4>»  'daz  wüeiende  her*;  Michael  Beheim  176,  5 
redet  von  ^schreien  und  wufen,  als  ob  es  wer  das  touterul 
her*;  das  gedieht  von  Heinr.  dem  löwen  (Mafsm.  denkm. 
s.  132)  sagt:  'da  qwam  er  under  daz  vDöden  her,  da  die 
bösen  geiste  ir  wonung  han.'  Geiler  von  Keisersperg  pre- 
digte über  das  wüiede  oder  wüHsehe  heer^*),     H.  Sachs 


*)  LoccsDÜ  antiq.  lyeog.  eap.  3.    Geijer  St.  hlfd.  1,  268. 
**)  NitesoD  itiandiDaTitk  faana  2,  106. 
)  omeifa  36  ff.  aeiiie  sohilderong  rerdient  hier  eine  stelle:  'and 


•♦♦ 


872  WÜTES9ES  HBBR 

Ij  346  hat  ein  eignes  gedidit  rmn  tMendm  heer,  eine 
mansfeldische  sage  davon  erzählen  Agricola  nnd  Kering. 
Nicht  zu  übersehen,  dafs  (nach  Keisersperg)  alle  eines  ge-* 
waUsamen  iodes  ('e  denn  das  inen  got  hat  ofgesetzt') 
(nach  abergl.  660)  alle  ungetauft  sterbenden  kinder  ins 
wütende  heer  zn  Holda  (s.  247)  Berhta  und  Abnndia  (s.  265) 
kommen,  wie  sie  irwische  werden  (s.  870):  der  chnstliche 
gott  hat  sie  sich  nicht  angeeignet,  darum  verfallen  sie  den 
alten  heidnischen,  das  scheint  mir  wenigstens  der  ursprüng- 
liche ideengang. 

Während  sich  der  gemeine  mann  hier  noch  lange 
Wnota»  dachte  oder  ihn  passend  in  ein  verwandtes  ver-^ 
bum  versteckte;  war  es  ganz  in  der  Ordnung,  dafs  gebil* 
detere  frühe  schon  an  seine  stelle  den  teufel  setzten.  % 
bliesen  unde  gullen,  vreisliche  si  huUen,  sA  daz  diu  helle 
wägete,  abe  der  iiwel  da  Jageie*  sagt  Veldeck  En.  8239. 
Caesarius  hersterb.  12,  20  erzählt  von  einer  eitlen  frau, 
die  sich  in  schönen,  neuen  schuhen  hatte  begraben  lassen, 
deren  seele  dafür  von  dem  ^imfemaiU  venator'  gejagt 
wurde:  ^ez  remoto  vox  quasi  venatoris  terribiliter  bucoi* 
nantis,  nee  non  et  latratus  canum  venaticomm  praeceden- 
tinm  audiuntur'*)  Rol.  204,  6:  ^der  tiuwei  hat  As  gesaut 
stn  geswarme  und  sin  her';  'der  tiuvel  und  slii  Aer.'  Renn. 
2249.  2870.  Das  volk  in  Baiem  iäfst  den  leufel  auf  ascher- 
mittwoch  das  holzweiMein  jagen  (abergl.  914^).  An  den 
teufel  schliefst  sich  die  Vorstellung  eines  Ungeheuern  riesen, 
der  sowol  ihn  als  Wuotan  vertreten  kann,  und  diese  an«- 
sicht  herscht  in  der  Schweiz,  die  wilde  Jagd  heifst  dort 
dürstengejeg  (von  dürst,  durs  s.  488),  das  volk  hört  den 
dürst  in  den  sommernflehten  am  Jura  jagen  und  die  künde 


die  die  also  laufen»  die  laqfen  allermeist  in  den  fronfaajen  nnd  Tonifa 
in  der  fronfasien  vor  weihenaelUen  y  dai  i6(  die  heiligest  zeit  nod 
lauft  {etlicher  als  er  ist  in  seinem  cleid,  ein  bauer  als  ein  bauer,  ein 
ritter  als  cfin  ritter  nnd  laufen  also  an  einem  seil  und  tregt  einer 
das  krds  vor  im ,  der  ander  den  köpf  in  der  htmi  und  lamft  emer 
fxnmfs,  der  schreiet:  'fluhe  ab  dem  weg,  das  dir  gott  das  lebeo  gebl' 
also  redt  der  gemein  man  darron.    ich  weifs  out  darron.' 

*)  Joach.  Camerarii  horae  subsec.  cent.  2.  cap.  100  p.390:  ce- 
terum  negari  non  potest  diabohm  yaria  ludibria  cum  alias  tum  prae- 
aertim  in  venatione  lepomm  saepenumero  exercere,  cum  nonnonquam 
appareant  tripedeg  elaudicaniei  et  igneU  octdis^  illisqne  praeter  m4K» 
rem  dependentibus  Tillis,  atque  Tenatores  insequentes  abducere  Student 
Yel  ad  praecipitia.  yel  ad  paludosa  aliaque  periculosa  loca.  imo  yisa 
sunt  pkankumaia  et  in  terra  et  in  nnbibus  inlegras  venäkone»  cum 
canibus ,  retibus ,  damoribus  raucis  lamen ,  aliisqoe  inatrnmentis  ve- 
naticis  imtUnere  praefarentia  formaa  hominum  loQge  antf  defonctomm. 


WOTBNBBS  HEBII.    RACKBLBBRND  873 

mit  seinein  hoho  «nfHsehen:  inivorsichli|e  ^  die  ihm  nielil 
am  dem  wege  weictien,  fiberrumpelt  er*).  Sctim.  1,  458 
fahrt  eine  alte  gtosse  an,  welcbe  mit  dmis  (gen.  durista) 
das  lal.  Dia,  Ditis  widerg ibl^  einen  unterirdischen,  höllischen 
gott  meint. 

In  Niedersachsen  tnd  Westralen  wird  aber  dieser 
wtMe  jfiger  aaf  die  beatimmte,  halbhistorische  person  eines 
Jägermeisters  bezogen,  die  anslegung  schwankt,  westfäli- 
sche Überlieferangen  nennen  ihn  Hachelbärend,  Backet-' 
hemdf  Backelberg  y  Backelblock.  Backelbärend  war  ein 
Jäger,  der  auch  sonntags  auf  die  jagd  zog,  dieser  ent* 
heiHgung  wegen  wurde  er  nach  seinem  tode  ^wie  der  mann 
im  m.ond  s.  680)  in  die  lud  verwiesen ,  wo  er  mit  seinem 
künde,  ohne  sich  auszuruhen,  tag  und  nachl  jagen  mufs. 
nach  einigen  jag!  er  nur  hi  den  zwMf  nichten,  Ton  wdh« 
nachten  zu  den  heiligen  drei  königen,  nach  andern  immer, 
wann  der  siurmwiHd  heuH^  weshalb  ihn  einige  den  jo/* 
j^er  (von  joien,  henlen,  oder  julzeii?)  nennen  ••).  Auf 
einem  umzuge  liefs  BackeB^erg  zu  Isenstfidt  (bisthum  Minden) 
in  Fehrmanns  Scheune^  einen  seiner  künde  »urück.  das 
ganze  jähr  lag  der  hund  da,-  jeder  yersuch  und  alle  gewall 
ihn  wegzubringen  war  vergebens,  als  aber  das  folgende 
jähr  Hackelberg  mit  seiner  wilden  hetze  wieder  vordberfuhr, 
sprang  der  kmd  plöttHek  auf  nnd  rannte  dem  beer  bel- 
lend und  klaffend  nach  *^.  Zwei  bursche  giengen  abends 
Yoh  Bergkirchen  durch  den  wald  ihre  brftute  zu  besuchen, 
da  hörten  sie  Ober  sich  in  der  tnit  wildes  hundegebeH 
und  eine  sthnme  dazwischen  rufen  'Aolo,  kotoP  das  war 
Backelblocky  der  wilde  jSger,  mit  seiner  jagd.'  einer  der 
bursche  erdreistete  sich  ihm  nachzusprechen  %otO|  hotoP 
da  naMe  Backelblock  mit  seinen  hunden  und  hetzte  die 
ganze  mente  Aber  den  yerwegenen.  von  dem  vnglück- 
liehen  ist  hernach  anch  nicht  eine  spur  gefunden  worden  f). 
So  in  Westfalen.  Nach  niedersSchsischer  sage  war  Bans 
eon  Backetnberg  oberjägermeister  des  herzogs  von  Braun- 
schweig, und  ein  gewaltiger  Weidmann,  er  soll  1521  ge- 
storben sein,  drei  stunden  von  Goslar,  im  garten  eines 
Wirtshauses,  genannt  der  Klepperkrug,  liegt  sein  grabstein. 
eines  nachts,  in  schwerem  irautn,  dauchte  ihn,  er  kämpfe 
mit   einem  furchtbaren   eher,   und  unterliege  ihm  zuletzt. 


*)  Ildef.  T.  Arx  Buchsgau.  p.  230.    Suld.  1,  20a 
)  Weddittüt  wettfil.  mag.  bd.  3.  no,  18. 
)  Redekm  westfill.  sagen  no.  48. 

t)  Redekeri  wealffil.  tagen  no.  47. 


4«* 


874  WßTBN9ES  HEER.    HACKBLBERND 

Wirklieh  traf  er  bM  bieraiif  das  thier  und  erlegte  es  nuh 
hartem  kämpf;  in  der  siegesfreude  atiefs  er  mit  dem  fafs 
nach  dem  eher  und  rief:  'hau  nun,  wenn  du  kannst!'  er 
hatte  aber  so  heftig  gestofsen,  dafs  des  ebers  scharfer 
»ahn  durch  den  Stiefel  drang  und  Hackeinbergs  fufs  ver-* 
leiste*],  anfangs  achtete  er  die  wunde  wenig,  aber  der 
fufs  hub  an  zu  schwellen,  da£s  der  Stiefel  vom  bein  ge* 
schnitten  werden  musie  und  ein  schneller  tod  eintrat.  Nach 
andern  liegt  er  zu  Wülperode  unweit  Hornburg  begra* 
ben  **).  Hackeinberg  '  fatscht  *  in  stürm  und  regen ,  mit 
wagen,  pferden  und  hunden  durch  den  Thttringerwald, 
den  Harz,  am  liebsten  durch  den  Hackel  (einen  wald 
zwischen  Halberstadt,  Groningen  und  Derenburg,  vgl 
Praetorius  weltb.  ] ,  88).  am  todbette  wollte  er  nichts 
vom  himmel  wissen  und  auf  des  predigers  ermahnen  ver- 
netzte er:  ^unserm  herrn  gott  möge  der  himmel  bleiben^ 
wenn  ihm  nur  seine  jagd  bliebe,'  worauf  der  prediger 
aussprach :  'so  jage ,  bis  an  den  jüngsten  tag  I'  was  nun 
bis  heute  in  erfüllung  geht  ***)•  kleinlautes  hundegebell  oder 
gekliffe  (gegUTe)  kündigt  ihn  in  der  luft  an,  eine  nacht« 
eule  fliegt  ihm  voraus,  vom  volk  die  Tt^osel  (tutursel)  ge- 
nannt. Wanderer,  denen  er  aufstöüst,  werfen  sich  stiU 
auf  den  bauch  und  lassen  ihn  vorüber  ziehen,  sie  hören 
hundegebell  und  den  weidruf  'huhuT  TtUosel  soll  eine 
nonne  gewesen  sein,  die  sich  nach  ihrem  tod  dem  Hackein- 
berg  gesellte  und  ihr  ^uhuT  mit  seinem  ^hukuJ*  ver- 
mischte f).  Die  Altmärker  versetzen  einen  wilden  jSger 
namens  Hakkeberg  in  den  Drömling,  und  lassen  ihn  nachts 
mit  pferden  und  hunden  vom  Harze  herab  in  den  Dröm- 
ting  jagen.  (Temme  s.  37).  Ad.  Kuhn  no.  17  nennt  ihn 
Hackenberg  und  Hackelb^g^ ,  er  soll  auch  sonntags  gejagt 
4ind  alle  bauern  seiner  gemeinde  mitzugehn  gezwungen 
haben,  eines  tags  aber  kamen  plötzlich  zwei  reiter  ihm 
an  die  seite  gesprengt,  die  ihn  aufforderten  mit  zu  ziehen, 
der  eine  sah  wild  und  grimmig  aus,  seinem  pferde  sprühte 
feuer  aus  nase  und  maul,  der  reiter  zur  linken  sah  ruhiger 
und  milder  aus,  Hackelberg  aber  wandte  sich  zu  dem  wil- 

*)  Sigurdr  iarl  drap  Melbrigda  Tonn ,  ok  b^tt  höfut  hans  rid 
8lag6Iar  ser  oc  laust  kykqya  vöctTa  stnom  ä  tönnina,  er  skadi  or 
höfdino  t  kom  {>ar  t  blftstr  f  f6tinn ,  oc  feck  hann  af  |>Ti  bana.  Har. 
saga  ens  h^rf.  cap.  22.  Gandarich,  Thasailos  söhn  stirbt  an  einer 
wunde,  die  ihm  ein  eher  in  die  wade  yeraetzte.     MB.  13,  504.  505. 

**)  Otmars  Tolksaagen  249.  250. 

***)  ffleich  Dömekes  wünsch,  der  ewig  fahren  woUte  (s.  689). 

f )  0(mar  241.  deutache  sagen  no.  311.  Tgl.  goth.  {»intan  (alulare) 
j^athairn  (taba). 


W0rail»B8  KEB.    HAeHBLBinND  87S 

den,  der  mit  ikm  fortqirengte  imf  in  deste«  feselbchaft 
er  bis  zum  jüngsten  tag  jagen  mars.  Andere  sftgeii  von 
dem  wUden  Jäger  verzeichnet  Ad.  Kahn  no.  68.  175 ,  ohne 
eigennamen.  Wieder  nach  andern  hanale  Sackelberg  im 
Sdlling,  unweit  Vstar,  er  hatte  gottselig  gelebt,  aber  so 
sehr  am  weidwerk  gehangen ,  dars  er  auf  dem  todbett  gott 
flehte ,  für  äein  tkeü  Mmmelreick  ihn  bis  xum  jüngsten  tag 
am  SMIing  Jagen  zu  lassen,  sein  wonsch  worde  ihm  ver- 
hängt, und  man  hört  oft  in  diesem  watd  zv  nacht  hunds* 
gebell  und  greuliches  hornblasen.  sein  grab  liegt  auch  im 
SOlling,  die  richtung  der  steine  wird  genau  beschrieben, 
neben  ihm  ruhen  zwei  schwarze  hunde*).  Endlich  aber 
melden  Ad.  Kuhns  sagen  no.  205  von  einem  hddereiter 
Bären^  dessen  kirchhof  in  der  Ukermark  auf  der  beide  bei 
Grimnitz  gezeigt  wird,  und  Bürens  träum  vom  stumpfschwaaz 
(eher),  dessen  haupt  ihn  lödtet,  weist  unverkennbar  auf 
HaketberentL 

Schon  die  unvereinbare  v^schiedenheit  örtlicher  an- 
knüpfung  zeigt  dafs  überall  hier,  den  grabsteinen  znü 
trotz,  ein  mythisches  wesen  gemeint  wird,  ein  in  so  ver-* 
schiedner  gegend  auftauchender  name  mnfs  mehr  sein  als 
historisch,  ich  bin  geneigt,  4ie  westfälische  form  Eaekel^ 
berend  ffir  die  Älteste,  echteste  zu  erklären«  das  ahd. 
habbul,  ahn.  hökull  (masc.)  und  hekla  (fem.),  ags.  haeele 
(fem.)  bedeutet  gewand,  mantel,  kutte,  rüstung**),  Aofo^ 
berand  also  im  alts.  dlalect  einen  gerüsteten,  geharnisch- 
ten mann,  vgl.  alts»  wäpanberimd  (armiger),  ags.  äscberend, 
gärberend,  helmberend,  sveordberend  (grarom.  2,  589). 
Nun  aber  erinnere  ich  an  Odins  kleiduhg  (s.  183),  der 
gott  erscheint  in  brei^ekremptem  but,  blauem,  leekich* 
tem  mantel  (hekld  HA^  fliekkött):  hak»lberand  ist  «iver* 
kennbar  ein  atts.  beiname  des  heidnischen  gottes,  des 
Wddany  den  man  allmttlieh  in  Bakkelberg,  Hakkenberg, 
Hakkelblok  entstellte,  aus  Hakelberndes  wald  könnte  sich 
die  benennung  des  waldes  Hacket  verkürzt  haben,  des 
halberstädtisohen  saltus  B€Jtel  finde  ich  zuerst '  in  dein 
(bedenklichen)^  chron.  corbeiense  ad  a.  936  (bei  Falke  p.  708) 
erwähnt,  fern  davon,  dicht' bei  Höxter  im  gau  Auga  war 
ein  ITactifesthorp  (Wigands  eorv.  gOterb.  s.  94  Saracko  197) 

*)  Kirebhofs  wendanmnt  no.  283.  p.  342.  deutsche  sag.  no.  171. 
nach  den  brannschw.  anz.  1747  p.  1940  liegt  der  wilde  Jäger  Hackein- 
berg  im  Steiofelde ,  unter  einem  stein ,  worauf  ein  ro'aulesel  und 
Jagdhund  gehauen  sind. 

**)  ahd.  missahahnl  (casula)  gl.  sgall.  209.  ifiifsehachil  gl  herrad. 
18^^  mesflgewand.    Graff  4,  797. 


67«  WÜTBNDBS  HEB».    HAtiKSLBKRND 

ond  spftter  eine  Hakelbr^Xe;  audi  in  Ntederhessen  bei 
Volkmarsen  ein  Hackelsbergy  bei  Herzhausen  (amta  Witsen- 
faausen)  ein . J7acAe/berg.  läfst  sich  häkelst wald  beweisen, 
so  mnfs  in  berand  die  beziehnng  eines  höheren  Wesens  ge- 
sncht  werden,  was  uns  vielleicht  nachher  gelingt^  ich  werde 
cap.  XXXin  Hakol  in  dem  alln.  Hekla  für  berg,  also  watd* 
gebirg  nachweisen,  in  jedem  fall  gewinnen  wir  hier  nicht 
nur  ein  wichtiges  zeugnis  für  den  Wuotancultus  mehr,  son- 
dern auch  neue  beslatigung  der  vom  wütenden  beer  ge- 
gebnen detttung;  zugleich  leuchtet  ein,  warum  sich  die 
volkssage  vom  Hackelberg  vorzüglicb  in  Niedersachsen  und 
Westfalen  (wo  das  heidenthum  länger  haftete),  nicht  abw 
in  Süddeutschland  *)  erhielt. 

Diese  beziehung  des  wilden  Jägers  auf  Wodan  setsen 
meklenburgische  sagen  vöUig  ins  klare. 

Oft  bellen  die  hunde  der  lufl  in  finsterer  nacht  auf 
den  beiden,  in  gehölzen,  an  kreuzwegen.  der  landmann 
kennt  ihren  führer  den  Wod  und  bedauert  den  wanderer, 
d&r  seine  heimat  noch,  nicht  erreichte;  denn  oft  ist  Wod 
boshaft,  selten  mildthatig.  nur  wer  mitten  im  wege  bleibt, 
dem  thut  der  raube  Jäger  nichts,  darum  ruft  er  aucb  den 
reisenden  zu:  ^midden  in  den  weg!' 

Ein  bauer  kam  einst  trunken  in  der  nacht  von  der 
Stadt,  sein  weg  führt  ihn  durch  einen  wald,  da  hM  er 
die  wilde  jagd  und  das  getümmel  der  hunde  und  den  zuruf 
des  Jägers  in  hoher  lufi.  ^midden  in  dem  toegl  midden 
in  den  wegT  ruft  eine  stimme,  allein  er  achtet  ihrer  nicht. 
Plötzlich  stürzt  aus  den  wölken  nahe  vor  ihm  hin  ein 
langer  mann  auf  einem  $ddmmel.  'hast  kräfle?'  spricht 
er,  'wir  wollen  uns  beide  versuchen,  hier  die  kette,  fafse 
sie  an,  wer  kann  am  stärksten  ziehen?'  der  bauer  fafste 
beherzt  die  schwere  kette  und  hoek  auf  sebweng  «ch  der 
wilde  Jäger,  der  bauer  hatte  sie  um  eine  nahe  eiche  ge- 
schlungen und  vergeblich  zerrte  der  Jäger,  'hast  gewis 
das  ende  um  die  eiche  geschlungen?'  fragte  der  herab- 
steigende Wod.  'nein,'  versetzte  A&t  bauer,  'sieh  so 
halt  ichs  in  meinen  bänden.'  'nun  so  bist  du  mein  in  den 
wölken*  rief  der  Jäger  und  schwang  sich  empor,  wieder 
schürzte  schnell  der  bauer  die  kette  um  die  eiche  und  es 
gelang  dem  Wod  nicht,  'hast  doch  die  kette  um  die. eiche 
geschlagen!'      sprach  der  niederstürzende    Wod.      'nein,' 


*)  Mooes  ans.  4,  309  hat  die  sage  Tom  wilden  jSger  Ha6$berg 
im  Wiesenlhal ,  wie  er  durch  den  wald  bei  HägelbBrg  ziehe ,  dai 
scheint  wieder  Hakelberg.    Graff  4,  797  gibt  einen  ort  UaehäBM, 


WOTBNBBS  HEBR.    WDOTAM  877 

enriderte  der  batier,  der  sieh  etligrsi  losgewidtell  kette, 
'«eh  so  halt  ich  sie  in  meinen  hftnden.'  'imd  wArst  du 
sdiwerer  als  Uei,  so  oNKt  du  hinauf  zn  mir  in  die  wöl- 
ken!' Uitsschneit  ritt  er  asfwfirts,  aiwr  der  baaer  half 
sidi  «uf  die  alte  weise,  die  bmde  heHen,  die  wagen 
roHten^  die  rosse  wieherten  dort  oben,  (die  eiche  krachte 
an  den  wurzeln  nnd  schien  sieh  zv  drehen,  dem  baaer 
haaglei  aber  die  eiche  stand,  'hast  brav  gezogen/  sprach 
der  jfkgeTf  *mein  tcurdem  sdhMi  eiele  wUbmer,  da  bist  der 
erste  der  mir  widerstand  I  ich  werde  dirs  lohnen.'  Laot 
gieng  die  jagd  an:  hallo,  holla I  woll  woli  der  baaer 
schlidi  seines  weges,  da  stürzt  ans  angesehenen  höhen  ein 
hirsch  fichzend  vor  ihn  hin ,  and  Wod  ist  da ,  springt  vom 
vmfsen  rosse  und  zerlegt  das  wild,  'blat  sollst  du  haben 
und  ein  bintertheil  dazul'  'harr/  sagt  der  baaer,  'dein 
kse^  hat  nicht  eimer  noch  topf.'  'zieh  den  stiefiel  aosl' 
ruft  Wod.  er  thats.  'nun  wandre  mit  blot  and  fleisch  za 
weib  and  kindl'  Die  angst  erleichterte  anfangs  die  last, 
aber  albnfilich  ward  sie  schwerer  und  schwerer,  kaum  ver-* 
mochte  et*  sie  za  tragen.  mit  krammem  rücken,  von 
schlrei&e  triefend  erreiehte  er  endlich  seine  htttt»  und  «ehe 
da»  der  tftiefel  war  voll  gold  and  dos  hintersMdb  ein  leder«» 
aar  heotet  voll  Silber  *).  Hier  erscheint  oieht  der  mensch-^ 
liehe  jftgermeisfer,  sonde»  der  leibhafte  gott  auf  seinem 
Schimmel,  schoa  viela  sind  in  seinen  welkenhiaraiel  anfge-- 
noauaen.  das  flUlea  des  Stiefels  mit  goU  klingt  allerthüm« 
kch  (RA.  678). 

Bs  war  eiamal  eine  reiche  vornehme  fron,  die  hieis 
fram  fifmidefi;  so  heftig  liebte  sie  die  jagd,  dafs  sie  das 
sAndliche  wort  sprach  'dürfe  sie  immerfort  jagen,  wolle 
sie  nie  zum  hioMael.  ein.'  frau  Gauden  hatte  vier  und 
zwanaig  titohter,  die  gleiches  verlangen  tragen.  Als  nno 
einmal  mitter  und  töchter  in  wilder  freude  durch  wilder 
and  felder  Jagteil  und  wlekier  das  ruchlose  wort:  'die  jagd 
ist  besser  als  der  himmeli'  von  ihren  lippen  erscholl, 
siehe,  da  wandeln  sich  plötzlich  vor  den  äugen  der  mutler 
die  Ueider  der  töchter  in  zotten,  die  arme  in  beine  und 
vi«r  und  zwanzig  hündUmeM  umiilaffen  den  jagdwagen  der 
matter,  vier  M>emehmen  den  dienst  der  rosse,  die  übrigen 
nado'msen  den  wagen  und  fort  geht  der  wilde  zug  zu  den 
welken  hinauf,  am  dort  zwischen  himmel  uod  erde,  wie 
sie  gewünscht  hatten,  unaufhöriich  zu  jagen,  von  einem 
tage  zum  andern  ^  von  wiem  jähr  zom  andern.     Längst 


')  Lisch  meklenb.  jb.  b,  TS  —  80. 


878  WOTBNVBS  OBn.    WDOTJkH 

schon  diad  sie  des  wilden  treibeB*  überdrfirsig  niKk  bielkkt^ 
gen  den  freYelhaflen  wünsch^  aber  sie  müssen  die  folge 
ihrer  schuld  tragen,  bis  ifie  stand«  der  erlösung  koBmk 
kommen  wird  sie  einmal,  doch  wann  ?  weifs  niemand.  In 
den  iwöloen  (denn  zu  andrer  'zeit  können  wir  menachen- 
kinder  sie  nicht  wahrnehmen)  lenkt  fram  Gandefi  ihren 
jagdzug  zu  den  Wohnungen  der  leute;  am  liebsten  ffthrt 
sie  chrislnachts  oder  altjahrsnachts  über  die  strafsen  dea 
dorfs,  und  wo  sie  eine  hattttkur  offen  findet,  da  sendet 
sie  eine  hündin  hinein,  ein  kleiner  hund  wedelt  ftnn 
am  andern  morgen  die  bewohner  des  hauses  an,  er  fügt 
niemanden  ein  anderes  leid  zu,  als  dafs  er  durch  sein  ge* 
winsel  die  nächtliche  ruhe  stört,  beschwichtigen  labt  er 
sich  nicht,  auch  nicht  verjagen,  tödtet  nmn  ihn,  so  ver«- 
wandelt  er  sich  am  tage  in  einen  stein,  der  weggeworfen 
durch  unmittelbare  gewalt  ins  haus  zurückkehrt  und  nachts 
wieder  zum  hunde  wird,  dieser  hund  wimmert  und  win- 
selt nun  das  ganze  jähr  hindurch,  bringt  krankheit  und 
sterben  über  menschen  und  vieh  und  feuersgefahr  über 
das  haus:  erst  mit  Wiederkehr  der  iwölven  kehrt  des 
bauses  ruhe  zurück.  Jeder  achtet  darum  in  d^n  twölven 
sorgsam,  dals  zur  abend  md  nachtzeit  die  grobe  haus«* 
thür  wol  verschlossen  gehalten  werde;  wer  es  unvorsichtig 
versäumt,  trägt  selbst  die  sehuM,  wenn  firam  OoMtden  bei 
ihnen  einkehrt.  So  geschah  dies  auch  einmal  den  grob^ 
eitern  jetziger  haoswirtsleute  zu  Bresegardt.  die  waren 
noch  obenein  so  thöricht,  das  hündlein  zu  tddten,  aber 
daiur  war  auch  von  stund  an  kein  ^säg  i»d  riig'  (sogen 
und  gedeihen),,  bis  zuletzt  das  haus  in  flammen  untergieng. 
Glücklicher  daran  waren  die,  welche  der  frau  Gauden 
einen  dienst  erwiesen,  es  begegnet  ihr  zuweilen,  dafs  sie 
in  der  dunkelheit  der  nacht  des  weges  verftihil  und  afof 
einen  kreuzweg  geräth.  krewnoege  sind  aber  der  guten 
frau  ein  stein  des  anstofses,  und  so  oft  sie  sich  auf  einen 
solchen  verirrt,  serbrichi  $ie  etwas  an  iktem  wagen^ 
das  sie  seihst  nicht  wiederherzustellen  vermag.  In  solcher 
Verlegenheit  kam  sie  auch  einmal,  ob  etatOiehe  frau  ge*» 
kleidet  einem  knechte  zu  Boeck  vor  sein  bett,  weckte  ihn 
auf  und  bat  ihn  flehentlich  um  hitfe  in  ihrer  noth«  der 
knecht  Uefs  sich  erbitten,  folgte  ihr  zum  kreuzwege  und 
fand  da,  dafs  das  eine  rad  von  ihrem  wagen  abgelaufen 
war.  er  machte  nun  das  fuhrwerk  wieder  gangbar  und 
zum  dank  für  seine  mühe  bebM  sie  ihm,  die  sämtlichen 
häuQein  in  seine  tasche  zu  sammeln,  die  ihre  begleiterin- 
nen  beim    verweilen  auf  dem  kreuzweg  zurück    gelassen 


Wüt«lll>fiS  HEER.     WÜOTAN  879 

hatten,  wir  kdnndo  Ridit  sagen,  ob  als  seichen  grober 
angst  oder  guter  verdatiang.  der  Icnecht  unwillig  aber 
solch  ein  anmuten  liers  sich  doch  einigermafsen  beschwich'- 
tigen  durch  die  Versicherung,  dafs  das  geschenl^  so  werthl0S| 
wie  er  wol  meine,  für  ihn  nicht  sein  werde,  und  nahm 
wenn  auch  ungläubig  doch  neogierig  einige  hfluflein  mit  sich, 
und  siehe ,  zu  seinem  nicht  geringen  erstaunen  begann  das 
mitgenommne  mit  tagesanbruch  zu  glfinzen  wie  blankes  gold 
und  war  auch  wirklich  gold.  da  war  es  ihm  leid  nicht 
alles  mitgenommen  zu  haben,  denn  bei  tage  war  keine 
spur  mehr  davon  auf  dem  kreuzweg  anzutreffen.  Ein  an- 
dermal beschenkte  frau  Gauden  einen  maiHi  zu  Conow, 
der  eine  neue  deichsei  in  ihren  wagen  setzte,  und  noch  ein 
andermal  eine  frau  zu  Göhren,  die  ihr  den  hölzernen 
stecken  in  die  deichsei  schnitt^  über  welchem  die  wage  hängt, 
beide  erhielten  fflr  ihre  mühe,  dafs  die  von  der  deichsei 
und  dem  wagenhalter  abgefallnen  spttne  sich  in  schieres, 
prächtiges  gold  verwandelten.  Insonderheit  liebt  frau  Gau^ 
de»  kleine  kinder  und  beschenkt  sie  mit  allerlei  guten  ga- 
ben ,  darum  singen  die  kinder-  auch ,  wenn  sie  fru  Ganukn 
spielen : 

fim  Oaudm  hett  mi'n  Iftmmken  geven 

darmitt  saN  ik  in  freuden  leven. 
Doch  hat  sie  rieh  allmilich  aus  der  gegend  weggewendet, 
was  so  zusammenhängt,  fahrlässige  leute  zu  Semmerin 
hatten  in  einer  Silvesternacht  ihre  hausthür  sperrweit  oflen 
gelassen,  dafür  fanden  sie  am  neujahrsmorgen  ein  schwor* 
ses  Mkidlein  auf  ihrem  feuerheerde  liegend,  das  in  nächster 
nacht  mit  unausstehlichem  gewinsel  den  leuten  die  obren 
voll  schrie,  da  war  guter  rath  theuer,  was  anzufangen 
um  den  ungebetenen  gast  los  zu  werden.  Und  wirklick 
gab  eine  kluge  frau  an  und  gebot,  es  solle  das  sämtliche 
hausbier  durch  einen  'eierdopp'  gebraut  werden,  gesagt 
gethan.  eine  eiorschale  ward  ins  zapfloch  des  braukübels 
gesteckt,  und  kaum,  dafs  das  'wörp'  (angegorne  hier) 
hindurch  gelaufen  war,  da  erhob  sich  frau  Gaudens 
kdndlein  und  redete  mit  vernehmlicher  klarer  stimme:  Mk 
bün  so  olt  as  Böhmen  gold,  äwerst  dat  heff  ik  min  leder 
nicht  truht/  wenn  man*t  hier  dörchn  eierdopp  brüht',  und 
als  es  das  gesagt  hatte  verschwand  es  und  seither  hat 
niemand  weder  frau  Gauden  noch  ihre  hündlein  ge- 
sehen*). 


^  *)  LiBch  meUeab.  jb.  8,  202  *-  205.    auch  in  der  Prignits  keooi 
IMD  die  sage  tod  frau  Qode  (Ad.  Kuhn  oo.  217). 


880  WÜTENDES  ■£!».    WCOTAIf 

Diese  sAge  klingt  an  viele  aaidere  ur«Ita  nn.  /hw 
Oauden  gleicht  einoiel  den  auch  in  den  ;&wölfen  umaehenden 
fram  Holda  und  Berhia,  die  gerade  so  an  ihrem  wagen 
ausbessern  lassen  und  dafar  mit  gold  beschenken,  zuletot 
aber  das  land  verlassen  (s.  246.  253.  254).  dann  ist  sie 
namentlich  frau  Gaue,  frau  Gede,  frau  Wode  (s.  231.  232), 
die  aus  einer  männlichen  gottheit  fro  Woden  (s.  140.  141) 
hervorgegangen  scheint,  welches  entschieden  durch  ihre 
identitit  mit  Wodan  ^  dem  wilden  jftger  bestätigt  wird, 
selbst  der  ein  jähr  lang  im  haus  bleibende  hund  Hakelbergs 
(s.  873)  wie  frau  Gaudens  stimmt  dazu  vollkommen,  die 
verwunderungf,  die  er  über  scheinbar  verkehrte  handlungen 
der  menschen  ausspricht  und  wodurch  er  sich,  wie  andere 
geisterhafte  elbische  wesen  zum  reden  und  weggehn  bewe«- 
gen  läfst,  ist  ganz  wie  in  den  s.  437.  438  mitgetheilten 
sagen.  Dennoch  scheint  der  Übergang  des  wilden  Jägers 
in  göttinnen  nicht  blofs  willkürlich  und  zufällig,  sondern 
auch  noch  durch  andere  erzählungen  begründet. 

E.  M.  Arndt*)  erzählt  die  sage  von  dem  wilden  jäger 
»hne  namen  folgendergestalt :  in  Sachsen  lebte  vor  langen 
Zeiten  ein  grofser,  reicher  fürst  dem  jagd  über  alles  gieng 
und  der  jeden  Waldfrevel  an  seinen  unterthanen  auf  das 
härteste  strafte,  einem  knaben,  der  eine  weide  geschält 
hattie,  um  sich  eine  sohalmei  zu  machen,  liefs  er  den  leib 
aufschneiden  und  seine  gedärme  um  den  bäum  treiben  **) ; 
einen  bifuer,  der  auf  einen  hirsch  geschossen  hatte,  liefs 
er  auf  den  hirsok  festschmieden.  Zuletzt  brach  er  selbst 
seinen  hals  auf  der  jagd ,  indem  er  gegen  eine  buche  an- 
rannte, und  nun  bat  er  im  grab  keine  ruhe,  sondern  mufs 
jede  nacht  im  walde  jagen,  er  reitet  auf  einem  $ehimmel^ 
dessen  nü$km  funken  sprühen,  gerüstet  und  peitsohknallend, 
ein  schwärm  zahlloser  hunde  fc^t;  sein  ruf  lautet:  ^wod 
n>od,  hohOf  AaUo ***)!'  er  hält  sich  in  Wäldern,  auf  öder 
beide,  und  meidet  ordentliche  strafsen;  trift  er  zufällig  in 
einen  kreuzweg,  so  stürzt  er  mit  dem  pferd  zusammen, 
und  raft  sich  erst  jenseits  wieder  auf;  er  jagt  und  ver- 
folgt alles  unheimliche  gesindel,  diobe,  räuber,  mörder  und 
hexen. 

Eine  niedersächs.  sage  von  dem  Tilsgraben  oder.teu- 
felsloch  zwischen  Dahlum  und  Bokenem   (bei  Harrys  1,  6) 

*)  mircheo  und  jogenderinneraDgen  1,  401  —  404. 
**)  RA.  519.  520.  690. 

***)  'hoho,  umtmur  AW.  3,  144.  145.  «omf  und  woit  scfaelflt 
mir  auf  Wödaa,  Wootan  aniuspielea ,  weil  die  auimie  fem  göller-. 
flamen  eulliaken. 


wOtbhdu  hbbr  «m 


neidet^  der  wilde  riHer  TUi  habe  so  sehr  tm  waidwerk 
gehangen,  dars.  er  auch  der  feiertage  nicht  achtete  und 
eines  Christsenntages  sich  vermafe:  heule  müsse  er  ein 
wild  erlegen  und  solle  seine  bnrg  darüber  nntergehn.  abends 
aber  krfihle  der  hahn,  dafs  die  bürg  noch  heute  Tersinken 
werde,  und  bald  darauf  versank  sie  ntit  allem  was  darin 
war.  ein  taucher,  der  in  die  tiefe  des  sees  gelangte,  sah 
▼or  einem  steintische  den  riiier  Tili  sitzen,  alt  und  grau, 
sein  weifser  bort  war  durch  den  tisch  geweichten. 

Am  Harz  braust  die  wUde  Jagd  den  Eichelberg  Tor-- 
über  mit  hoho  und  hundegeklaf.  Als  ein  kecker  zimmer- 
nuuin  sein  hoho  hinterdrein  rief,  fiel  ein  schwarzer  klum* 
pen  durch  den  Schornstein  auf  den  heerd,  dafs  funken  und 
brande  den  leuten  um  die  köpfe  stoben,  eine  grofse 
pferdelende  lag  auf  dem  heerd  und  jener  Zimmermann  war 
todt.  Der  wUde  Jäger  reitet  auf  $chwar%em  kopßoeem 
Pferde,  eine  hetzpeitsche  in  der  einen,  ein  hifliem  in  der 
andern  band ;  das  gesiebt  sitzt  ihm  im  nacken  und  zwischen 
dem  blasen  ruft  er  hoho !  hohol  vor  und  hinter  ihm  sind 
weiber,  Jäger  und  hunde  in  menge.  Einigemal  soll  er  aber 
auch  gütig  erschenien  und  verirrte  fan  wald  nut  trank  und 
speise  laben  (Harrys  2,  6). 

Im  mittlem  Deutschland  heilst  diese  geisterhafte  er* 
iokeiming  Hofs  der  wiUe  Jäger,  oder  es  werden  noeh 
andere  neuere  namen  angeknüpft.  Bei  Wallrod,  unweit 
ScUichlem  im  Hananischen ,  sieht  man  im  walde  grofse 
zertrümmerte  basaltklippen  emporstehen,  vor  Zeiten  war  d« 
des  wilden  matmes  haus  und  noch  he^e  schaut  man  ihn 
in  graner  rieeiger  geeUdt  durch  den  wald  über  beide  und 
feld,  unter  krachen  und  gebranse»  seine  runde  machon 
(vgl.  8.  403.  461).  Jenes  bairische  jagen  des  hobnoeiklmn» 
enthült  eine  thüringische  sage  deutlicher,  der  wilde  Jäger 
sieltt  den  moodenim,  den  hobweibcken  nach*],   er  bi^l 


-■"»• 


*)  diese  iMOMÜsiite  nod  koUtotihd  aehdren   tu  den   waldgeittera 

6.  451)  uod  bilden  einen  äbergang  aof  die  zwerge:  dai  meiste  von 
nen  weift  die  yoigtlinditcfae  sage,  sie  gleichen  dreijihrigen  kindern 
und  Terkefaren  fireandlieb  mit  den  menaeben,  die  von  ihnen  geachenke 
erhalten,  oft  helfen  sie  hen  niaehen,  füttern  das  vieb  und  setien 
aleb  mit  ftt  tische,  geilhlte  saeben  dürfen  aie  nicht  nehmen,  bei  der 
iaebsernle  pflegt  der  landmann  drei  hämd»  9öüßaeh$  fär  die  MsM^et- 
M  tfi  dem  felde  Uegen  an  iassen  (rgl.  oben  a.  417.  477)  und  beim 
banmflUen  wihrend  der  zeit,  in  weicher  der  aebalt  des  abgealgten, 
niederfallenden  banms  gehört  wird ,  drei  krmne  m  cumm  awiekei  auf 
den  siamm  s«  komm,  m  die  mitte  dieser  kränze  setien  sich  die 
holzweibel  nnd  haben  dann  rnbe  Tor  dem  wilden  jägm',  der  auf  allen 
aeinen  wegen  dem  kreuz  ausweicht    (Tgl.  deutsche  aagen   no.  47). 

Grimume  m^fikel,   #.  mmegahe*  56 


aK  WOTERMB  flBR 

UBsichthir ,  aber  man  hört  ihn  tobaA  in  der  hrfl ,  dab  ea 
^knistert  und  knastert.'  einen  bauer  aus  Arnt^cdig«reiile 
.bei  Saalfeld  trieb  sein  Vorwitz ,  aia  er  atrittU-  nwd  hmide^ 
.geheU  im  wald  vernahm  ^  mHmibdiaa  ttüd  das*  ge$ehrei  der 
Jäger-  nachzuakmen :  am  andern  morgen  fand  «r  vj^r  der 
thSre  seines  fiferdestaUs  das  viertel  eines  grünen .  maa»^ 
aaeibchens  aufgehängt,  gleichsam  zum  lohn  seiAer  jagd*). 
Den  grond ,  warum  der  luftjäger  das  'hoi&weibleiii  verfotgi^ 
verschweigt  die  deutsche  Überlieferung**);  bei  dem  ober« 
deutsdben  volk  spielen  diese  wilden  wriber  in  den  zwölf 
näohtea  und  in  den  fasten  eiiie  entsehiedne  roUe,  sie  ge- 
hi&ren  zu  dem  heidnischen  gespensteespuk.  Selbst  nUer 
den  vicentinischen  und  veronesischeft  Deutschen  wagts ,  um 
die  angcf^ne  zeit,  der  kühnste  Jäger  nicht  die  wildbahn 
zu  hesuchea,  aus  furcht  vor  dem.totMe»  mäim  und  der 
wtd^rau.  kein  htrte  treibt  dann>vieh  aua,..  die  iheeni«n 
worden  im  stall  getränkt  und  kinder  iahgjen  das  wasaer  ii| 
irdaan  ge£ifeen  aus  der  nächsten  qneUe^  der  »Mfirau 
aber  Spinaen  die  weiber  ein  stvtek  «hiiar  .(flfl6iis).iam  roeketi 
und  weiifea  es  ihr  zum  s&kmwfSeit  ingffeu^rf ff*).  Bi$  in  die 
▲rdeteen  afaar  reicht  die  Be^e^wm/Atr-^mUtk»  jagdf,  Wolf 
in  den  niederl.  sagen  no.  516.  &17:  vgl.  aait  Si  706  helpt 
mit  recht  hwvor,  dafs  «dafati  gewöhnlich  ebtr  gejagt  -wer- 
den., «od. ein  bolzhacker,\ii(Siir  an\.der  jagd  tbett  gpn— wen 
hatte,  vierzehn,  tage  lang  «Äai^dteA  einaalzen:  konnte^,  yms 
an  den  eher  der  einheri^  (s.  295.3S&)^  an  die  oane^  aprioa 
und.dan  eberbmten  in  d«r.  Waltherjptge  (Wnfthaiwa  a.  105) 
gemahal,  und  Haokeibergs  träum,  geht  iuf  den  eher  (8.874). 
Das  volk  -fiirchtet  verkehr  mit  dei»  michtifen  geialern, 
und  wer  diese  scheu  bricht,  hat  es  hart,  zu  büfsen.  £chlim*« 
mdr  $k  der  saalfeldisohe  bMier  fuhr,  der  wesiniiseh^  (a.  873) 
ed^  der  Schneider  im  Mütisterland  über  dessen,  batia  die 
wüdei  jagd  brauste,  als  er  des  Jägers  sputtend  sein  'AMa^ 
kUßlafl  *   dazwischen  rief,   kam   ein  pferdefufs  durch   das 


■■   *!■■  ■■  ■  ■      11» 


nach  ToigUäodischer  äberlieferung  soll  al^ei  der  wilde  Jäger  selbsl 
die  geiUlt  eines  iZatiu^  graviUwh  i«fitotfile«,maafies  bosilzen  and  sich 
in  einem  enpePi  stnnde^iuDgßn  Uiale  umgelfieben  b^ban  (Jol.  Schuiidl 
(40).  Im  Riosengebirg  soll. der  nacb^mii  die  rütteltD^chen.  Tor  sich 
her  treiben,  die  blofs  nnt^  einem  bäum,  bei  dessen  niederhanea 
*goU  walte*  (nicht  aber  *walU  golt*)  ausgesprochen  w,nrde»  Tor,  ihna 
schuU  finden  (denlache  sagen  no.  270). 

*)  dentsohe  sagen  no.  48.    Jnl*  Sehmidt  p.  143;  vgl.  no.  301,  wo 
dev  swcrg  dem  jfigw  eine,  geaise  vor  die  thir  btegt. 

^*)  man  sehe  outen  die  aaga  ans  Boceaooio.  nad  too  GronjeUe. 
'*)  Horma^rs  Tirol,  1,  Hf. 


I. 


WCTimilBS  HEER  188 

hnrtar  und  seklug  ilm.  Tdtti  tkeh  herab:  'willslii  mil  mir 
jagen,  eelista  mit  mir  knugeni'  emobell  eiae  fiärchtertidba 
•timme  aus  4er  luft  (D.  S.  no.  809).     Zu  DeUigBon  bei  AI* 
feM   (iai  hiUesheimifMAeii ).  enftUle .  ein    midoken:     nriae 
maller  verteile,  dai  de  hetfßger  doreh  de  laft  ejaget  kerre 
oa  jBiuaer  erauj^ea  ka  bei  tejif.tejaf.^.tejafl  de  knackte  taa 
Hohne  «In  gaasen  dörpe  keiausa  eias  avens  tb  hope  un 
broohtea  alle  de  kunae  atn  dörpe.  mit,   amme  dat  ae.den 
heiyä^er  wet  brüen  wollen,     da  kamte  ok  dorch  de  Iirfl 
an  ejaget,   nn  wie  hei  ra|^t  ka  ka!  san  raupt  de  knackte 
ok  ka  kal  an  wie  de  könne  inr  Inft  jUpert,  sau  jilpert  on 
bleft  de  hunne  ufia  dOrpe  A  alle ,    de  smilt   de  helffäger 
te  wat  kenianer.nB..ficluniet:  %U  ji  mil  jagen,,  so  könn  ji 
ok  mit  gnagenr   aas  se  den  annem  morgen  tau  seien  danet, 
wnt  dn  de  heUjägm  kenne  smetlen  herre,    da  isla  ölen 
palMhinken..   Aocb  die  isireioh.  Yc^lkssage  in.Ziakas  milr* 
eben   s.  37  berichtet  von  dem.  venvregaen,    der  sich  ein 
sittck   widbaaten  ansbat,   ab  das.  mUe  §ioad  vorüberzog, 
und  Mcbl   aadets   die  niederl^nd^che.  bei  Wolf  no.  259. 
Dagegaa  kal  •eine  westpreafshcbe  bei  Tettan  and  Teanae 
rtow  260,  anf  dem  Baiarberge  im  waUo  Skr«Yi|ka  vdea  Star- 
garder  kreises  treibe  der  wil^e  jiger  auf  BarthokaMeuan 
■acht  aevi  wesen  nml.bdbe  dem  oketfiMler^.den  sokenkel 
einbf  Aenaekän  ana  der  Ml  in  4eo  wagen  geacMoudert^ 
mit  den  werten:  Ma  käst  du  auch  etwas  Von  nosrci*  jftgdi* 
*Eka«k  aMirsaiaahp  valkasago  nennt  das  gespeast  Hans 
Jagmdeufel.^ .  Md  sldll  ikn  dar  wie  eiaen  gesliefelten  und 
gespovnten  m^nU)   der.  in  langem.. sroHflais rock,   ein  hief« 
k^fn.^ber  dem.  «iaken,  nber  oi|ne  k^^  auf.  einem  froa- 
Bekmmel  durcb   den   waU  teüal   (D;  SL  no..  309).      Man 
eraihtt  attok  rom  .einem  wilden  jignr, .  geheiben  Mmuberg^ 
iek  weib  aiokt  ans  wekher  gegend.     Sckwibiaeke  aagan 
von    dem.   jftgen  ..des  .  ftkenrfrMoft*),  .  von.  dem   Jlanlaf 
keer  ^y  mttakte  ick  misfilhididi«  kennen;   eines  badiscken 
wiMon  jflgers,    juaber  Matten  y   aoUofii    atand  am  .dorfe 
Singen  bei  der  Ffina,  and  in  ekieir  aapelki.  auf  dem  wag 
nach  Ktaigsbach  wird  sein  grahslein  gewiesen,    nachts  er^«- 
scheint   er .  mit  seinen   hnaden   den  kBRiten  im   BalMwald. 


*)  Qtätmm  Idawiaiai3  p  8&  tSllp.  102;  Tgl.  olkeatrötsokobaD 
8.  430. 

**)  Wagnsia  madaaisf  JusKkia  p.  2X  Sehmidf  wb,  Sai ;  *0turmet 
wie  «'JfttilMfÄMr',  'seia  fertckrocka,  wia  ^Ktenii  s'Mual^Mkur  anen 
▼orbeisoga  wir.*  Nefflens  Tetter  aaa  Sckwakeo,  Statu.  1837  a.  154.^ 
25a.  ist  ea  aaa  Wuohi  höi  (Sohm.  4,  202)  Teiäadert  f  wie  pota  aad 
kolx  (a.  14}w    oder  «mof  (ira)  a=  muotf  f«L  Fromwt  (a.  845). 

56* 


884        WUT.  HEER.     BERGHTOLS.    BERGHTA 

(Mones  ans.  3,  363).  andere  sttddeutsche  sagen  berichten 
keine  eigennamen,  sondern  begnügen  sich  an  der  spitze 
des  wilden  heers  einen  weif$en  mann  auf  dnem  schimmel 
vorreiten  zn  lassen  (Mones  anz.  7,  370.  8,  306);  dn  alter 
burgherr  reitet  auf  dem  schimmel,  der  in  den  wiesen  wei-* 
dend  gesehn  wird  (das.  3,  259)  gaiiz  wie  Oien  sein  pferd 
weidet  (s.  141).  Aber  schon  Michel  Befaeim  (geb.  1416) 
dichtete  einen  meistergesang  von  Eberhart  grafen  zu  Wir*- 
tenberg,  der  im  wald  einen  'schnellen  saus  und  ungefügen 
braus'  vernahm  und  ein  gespenst  erblickte ,  das  ihm  die 
Ursache  seiner  Verdammung  erzählte,  bei  seinen  lebzeiten 
war  es  ein  herr,  der  nie  Jagens  satt  wurde  und  zuletzt  an 
gott  die  bitte  richtete,  ihn  bis  man  jüngsten  tag  jagen  xu 
lassen;  gott  willfahrte  und  so  jagt  er  schon  fünfthalbhun«* 
dort  jähre  einem  hirsche  nach,  ohne  ihn  je  zu  erreichen:; 
sein  antlitz  war  wie  schwamm  verrunzelt*),  das  ist  nichts 
als  Variation  der  niedersächs.  Hackdbergssage. 

Im  16  jh.  (und  warum  nicht  früher?)  stellte  man  aber 
auch  in  Schwaben  ein  gespenst  namens  BerdUold  an  die 
spitze  des  wütenden  heers,  dachte  sich  ihn  u>mfs  gekleidet 
auf  wrifsem  pferde  sitzend,  weifse  hunde  am  strick  leiteiid, 
ein  hom  am  hals  tragend**). 

Diesem  Berchiold  sind  wir  schein  s.  257  begegnet,  er 
war  die  männliche  gestaltang  der  weifsgekimdeten  Berkta, 
die  auch  PrechtölterU  heiftt 

Hier  üfnet  sich  ein  neuer  gesichtqmnkt  se  g«i  Wuo- 
tan,  oder  mn  andrer  gott,  können  auch  heidnisdhe  gdttin*- 
nen  das  wütende  beer  anfilhrenj  der  wilde  jflger  geht  io 
die  waldfirau ,  Wodan  in  frau  Saude  über.  Von  ^ereh^ 
Aa  kennt  man  im  Orlagaa  Üebfiche  sagen,  die  UeineB 
über  welche  sie  gebietet  sind  mensdienkinder,  welche  noch 
ehe  sie  getauft  waren,  verstarben  und  ihr  dadurch  zu  eigen 
verfielen  (s.  870. 872).  von  diesen  weinenden  hindern  ist  sie 
umgeben  (wie  frau  Gaude  von  ihren  töchtern)  und  lilst 
sich  mit  ihnen  im  nachen  übersetzen  (s.  253.  254).  Sner 
jungen  frau  war  das  einzige  kind  gestorben^  sie  weinte 
über  alle  mafsen  und  konnte  sich  nicht  zufrieden  stellen, 
jede  nacht  lief  sie  hinaas  auf  das  grab  und  Jammerte ,  dafs 
es  die  steine  hätte  erbarmen  mögen,  in  der  nacht  vor  dem 
drißikönigsfeste  sah  sie  PerchÜÜB  nicht  weit  von   ihr   vor* 

*)  Ton  der  Hageot  o.  s.  w.  sammlaog  u.  t.  w.  1,  43.  44. 

**)  historie  Peter  Leoeo  des  andern  Ralenbergers  Ton  AehiOes 
Jaion  Widman  (aus  schwibisch  Hallj  Nurnb.  1560.  wieder  abgedr. 
in  Hagena  narrenbocli  p.  353.  Peter  Leo  apaelt  hier  p.  394  bauers- 
lauten  einen  betrog,  indem  er  lich  in  BerckiM  yerkleidet. 


^  ÜT.  HEER.     BBRCRTA.    HOLlA  MS 


ftbersfclien  y  d«  gewahrte  fi^,  dM  andern  kindnrn  hfaHer* 
drein,  ein  kleines  mü  ainem  gans  dnrchnMUen  Imndolien 
angelbani  da»  in  der  band  emem  krmg  mU  waaer  trog 
nnd  malt  geworden  den  Obrigen  nicht  folgen  konnte ;  angst- 
Heb  bKeb  ei  yer  einem  sann  stehn,  den  Perchia  ibeiwshritt 
nnd  die  andern  kinder  iberkletterten.  die  mutter  erkannte 
in.  diesem  angenbliek  ihr  Und ,  eHte  hinzn  und  hob  es  Aber 
den  sann,  wfthrend  sie  es  so  in  den  armen  hielt ,  sprach 
das  Und:  'ach  wie  warm  sind  mutterhindel  abcar  weine 
meht  so  sehr,  da  weinst  mir  meinen  kmg  sonst  gar  so 
schwer  nnd  yoU,  da  sieh,  ich  habe  mir  mein  ganaes  hemd* 
<Aen  schon  damit  beschttHet.*  von  jener  nacht  an,  wird 
an  WiUidmsdorf  ersfiblt,  hörte  die  mntter  zn  weinen  anf» 
(Btaier  s.  142.  143).  Zu  BodelwUs  erzählen  sie  etwas  an«> 
ders,  das  Und  habe  gesagt:  'ach  wie  warm  ist  motterarm* 
und  der  bitte  'motter  weine  nicht  so  sehr'  die  werte  beige- 
Eagt:  'ich  mnfs  ja  jedesähre  die  da  weinst  in  meinen  kmg 
sammeln/  da  weinte  sioh  die  matter  noch  einmal  herzlich 
ans.  (Börner  152).  Die  sage  vom  narageweintm  todten- 
hemdchen  geht  als  mftriihen  am  (KM.  IM.  Rettsch  no.  32. 
Thom.  Canti|ir.  p.  Ml,  vgL  Wolfs  Wodana  s.  153)  nnd  nach 
dem  dta.  Yolkslied  toh  Aage  nnd  Bise  füllen  die  geweint 
ten  thrftnen  den  sarg  mit  Mnt;  hier  tritt  Aber  der  bedent* 
same  sog  hinan,  dafs  lUe  kind^.  in  PerUat  fekü  fahren, 
das  krttglein  kann  mit  den  thr Anenkrflgen ,  die  in  gräbem 
gefanden  werden,  in  Yorbindang  stehn^. 

AnTser  Berahia  kommen  Holdn,  Diana  nnd  HerodHas 
in  betracht.  Berakia  nnd  HoUa  erscheinen,  gleich  Iran 
Gaude  (s.  878),  in  den  zwölften,  zwischen  Weihnachten 
nnd  neujahr.  Joh.  Herdt,  ein  dominicaner,  der  zu  anfang 
des  15  jh.  die  sermones  discipui  de  tempore  et  de  sanctis 
verfafste,  sagt  in  sermo  11  (in  die  natiTitatis) :  sint  qoidam, 
qni  in  bia  dnodecnn  noctibas  sabseqaentibns  ranltas  vani- 
tates  exercent,  qni  deam,  qaam  qaidam  Dianam  Yocant, 
in  vnlgari  'die  frawen  unkokF^  dicant  cum  tuo  exercUu 
ambmiare.  solch  ein  nSchUiches  hemmschweifen  sagen 
auch  die  s.  263  ff.  von  Diana,  Herodia$  und  Ahundia 
angezognen  stellen  aas^.     Es  ist  ganz   die  neben  dem 


*)  Viry.  Aen.  6,  427:    infaotuin  «niraae  fleotes  in  limine  prino, 

qnos  dnkis  viUe  eisortes  et  ab  obere  raptos 

abstnlit  alra  die«  et  fonere  menit  aeerbo. 

In  der  einleitanff  des  pentamerooe  beruht  die  Wiederbelebung  eines 

todlen  darauf,  dafs  ein  an  seinem  grabe  hingender  krug  roll  geweint 

werde. 

**)  aü   Dimui,  stimmt  die   pehi.  Ihmeanna,    ÜMiewina  (Linde  f, 


8S6        Wfif.  HIER.    rOSTBRU.    STRiCeBUS 

vieenliliifehbn  iriidoli  nana  auflreleiHfe  waidfirau^  4er  dti 
Volk  Boeh  gaben  dertirmst*  Und  wie  im  Salzburgischoii 
der  BerbiaosUtis  zwo  Treudenfeat  des  Tolka  (a.  856)  geww*» 
den  ist,  hat  biah  auch  iai  EnlUbacli  eine  ¥0811  Toik  aelbet 
darfealelle  F0slerlijmgd  y  donnenrtag  ver  vrtihnnchlen^  nla 
altie  eingeiilhrl.  unter  den  P^MetU^)  denkt  mm  aieh  ein 
geapenat  in  geatalt  einer  aUen  frau  oder  einer  aie^a  (ygl. 
a.  8(S6).  ebenda  Yeraammeln  aidi  die  jungen'  buraohe  dea 
dorfa  nnd  zieben  unter  lantem  geacbrei  nnd  getöse  an  ein- 
ander  geachlagner  bleohe,  geblasener  alphOmer,  gelfiuteter 
kuhgfecken  nnd  siegensehdlen ,  knallender  geirseln  Aber 
berg  und  thal  in  ein  anderes  dorf,  deaaen  jinglinge  aie  ant 
gleichem  Iftm  empfingen,  einer  im  kaufen  atellt  daa  PosterU 
vor  eder  es  wird  in  puppengeaMlt  auf  einein  aeUitten  naeb«* 
ipaacUeift  und  in  einer  ecke  dea  krendem  dorfea  atehn  ge- 
hissen ;  dann  stillt  sich  der  lärm-  und  alle  kehren  heim 
(Stahl.  1;  206).  An  andern  orten  der  Schweiz  apiikl  in  der 
fironüislnichl  mittwoch  tor  weihnaehten«  die  Btr&ggete  und 
plagt  die  «fidchen,  wenn  sie  ihr  tagiwerk  nickt  gesponnen 
haben.  (Staid.*  2,405).  das  Fosterti  und  dieiStrfiggele  glei«- 
oben  also  aufs  haar  ddr  frau  Berhta  und  Heida  **).  Zu 
Neobrunn  (im  WfirzburgiMsan)  .%4%  dna  wütende  beer  im«* 
mer  duroh  drei  häusdr,  in.wöldiked  dr^thttreli  gerade- hm^ 
tereinander  waren  ^  vornen  die  hanathttr,  millen  diekiche»- 
tfatlr,  hinten  die  bofthUr^  und  ito  aibh '  drei  thOlren  in  gerader 
richtung  finden,  da  zieb^  ea  niag  aeki  wo  ea  mw  will ,  daa 
wütende  beer  dnrck  isl  niän  mi  atrhrse^oder  hof,  wenn  es 
■ieht,  so  muTa  anik  den  köpf  zwiacheii  di^ .  speidieii  rinea 
Wagenrads  stecken,  dann  aidit  es  vorüber,  sonst  würde  ea 
einem  den  ^hMs  undrehen.  in  Malafeld  e#afthlen  alte  leHte, 
es  sei  den  Zinfcenatili  herab  Über  die  kreuzstrafse  bei  der 
Beumeser  brücke,  über  die  berge*  neck  DratTsIgaekergeio* 
gen,     viele  bekrifügeHi  mit  allen  aohwüren  es  gesetai  au 


it 


699>»)  Dwimäea;  van  «inet  oberiaataitMcbfn  DaMaw  hat  LiMMMck 
lolgande  sage :  sie  war  eiae  schone  ^DDoe  ^neiye  oder  edelfrpu »  4m 
mit  der  i^jlba  (einem  geicbofs)  bewaioet  in  den  wäldern  umher 
streift:  die  schönsten  Jagdhunde  hegleiteten  sie  und  schreckten  wild 
und  menschen  anf,  die  sich  zur  mittagsstunde  im  dichten  wald  fan- 
daii.  Noch  Jetat  redet  man  einen,  der  über  den  mittag  aUein  im  tan- 
nenwalde  bleibt^  achenend  an:  förchteat  du  nicht,  dafs  Dziwitza  zu 
dir  kommen  wird?    sie  Jagt  aber  auoh  in  mondhellen  nichten.  * 

*)  gleichbedeutig  mit  frnu  Fa$te  (s*  742)  nacb  den  flaiatebea 
poat  SSI  faste ,  jejuaium  ? 

**)  Tgl.  das  nfichtliche  ausreiten  der  scholtischen  elbkönigin  (W. 
Scotu  mioatr.  2,  149.  16t)  oder  der  ftm  (Keigkliejr  %  169). 


WdT.  HEER.    ECEHART.    VKRUSnUW         60? 

Mben.^  (B^hsl^s  fräMc  ihgidttBO;  137).  In  TMrmgte 
sieht  4ts  Wfittadh  heer  hn  geleite  der  ^u  BMa  (D.  &  no/  7)i 
Im  EiiMen  Md  in  ganäeii  MMisfeUer  land  fuiir  ee  lilie 
jadr  a«f  ünKnaeU  dooaentag  vorMMr,  daa  «olk  iflersanmieHe 
sieh'  iM  sah' der 'Ottlranfl  tt^heos  eiil|)egen,  nicht  anders 
ab  saüte  eM  asiclrtiger  köhiig  «inzieheii.  ¥or  dissi  hanfeii 
tfat  diu  sltir  mfam  einher  nrit  weHsesu  Mähe  ^  der  freu» 
BMari,  ier  de  leele  aUs  dest  wege  weichen^  Miige  ateh 
hflfai  ftebdn  biera:  sie  wirden  sonst  schaden  nehnleik  hin«- 
ter  ihn  toncto  etUobe  gerM^n,  etliche  gegangen ,  nab  sah 
daninler  ilenttdi  retf^thne  ntenpdwn^  einer  rill  auf  stDet- 
iaifi^Mi  Pferde  *) ,  einer  lag  anf  ein  rad  gebunden  ^  das 
sich  ven  selfart'li^egte,  aitdere-  kefeä^  iopfM,  iode#  Ircf«* 
gen  ihre  schenket  auf  den  achseln,  ein  irtinkner  baiiter^ 
d(är  ^dem  Met  niiflit  ausweieheai  Mulüey  wunde  ergl'iffen 
■ad  mS  eisen  heben  fblsen  gesetet,  wo  er  isgelang  harren 
moste ,  bis  man  ihn  wieder  bSronter  helfen  konnte  **\.  In 
dfeMr  dsnUeihRig  maoM  frM  'ÜMa  an  der  sipitse  ihres 
gelslerbteerd  voHUiiimeli»  den  eindnidl  eiiler  im  lantf  di»^ 
siMmideB:iieHhiiscken  güttin;  dasTolk  lauft  suseibni^n  nnd 
geht  ihiP'>entgbgeny  wie  de»  Freytr  (sl  194) ,  der  Ncrthnri 
(s.  230).  Eckkart  mU  dem  weifeen  $tab  versieht  das  amt 
eines  kerold.  eiqes  kämmerUngSp  der  ihr  den  weg  aufräumt, 
ihr  lebendige^  gefolge  hat  sich  verkehrt  In  gesp^n^ter. 

JEcfäutrti  der  getreue,^  ejne  gestali  «(us.d^fn  kreise  alt7 
dratseher  beiden  (beMeiisage  144.  190,  vegi  der  HarluAge» 
viriiefäbt  richtiger  JBialMrarf/  Kriembildes' •  Mn^irsr  Nibr 
1338,  3)  grein  in  die  göttersage  Aber.  rt^Etöh  arfhang  oder 
vorrede  des  fieldenbuchs  sqU  er  Ipei  dem  Teniisberg  sitzen 
und  die  leule  warnen,  ivie  er  ^ie  vor  dem  wütenden  beere 
warnt;  Mi  lio  weniges;  lälst  nck  auch  hier  sein  geschäft 
sodi  die '  belteutuhig  ritfts  Veniisbergs  Verkennen.  Eckkuri 
zieht  vor  dein  wütetiden  beer  mit  ffi>ftfii,  Wie  el-  ah  denH 
berg  der  Venus  bis  zum  jüng/sten  tag  zu  weileh  vi^rwünscht 
ist:  die  ideniiUit  der  Holda.  und  V^nus  liegt  aufser  zweiMi 
dieser 'terg  (nach  einigen  der  Hoseiberg,  Horselberg  bei 
Bisenadk)  ist  fihau  ' Bullen  hofhaltung,  erst  im  IS.  16  jk\ 
scheint  nran  ausihr  jTrati  fenus  zu  mächert^^^^],  in  urtterirdi- 


*)  9nf  dreibeimgem  die  Hei  (s.  804). 

*'l  A^Dola  spr.  667.  Eyering  i, 78t— 786.  die  kopfloeen  ge- 
slahen,  die  ^vei  oder  dreibeinigen,  feuerglübeBden  tbiere  in  TJelen 
geistersagen ;  «ach  ia  der  Wetterau  lobt  eia  hopfi9ser  wilder  jager 
(Dieffenbachs  WeMerau  s.  280) »  in  Pomoierm  ein  htfffloaer  fcbimmel- 
reiter  (Temnie  no.  240). 

'**)  Tgl.  oben  8.  424.      Venusberg  in  dem  iiiederL  Yolksbacn  Mar-» 


8SS         WOT.  HEER.    VBNDSB8R6.    mBTKlOH 

sollen  Mlen  hauset  sie,  sUMich  md  prädilig  gleich  zwerg- 
kdnigen;  einsehe  menschen  finden  eich  neeh  bei  ihr  ein 
und  leben  da  in  wenne.  man  erzfthlt  ¥on  dem  edlai  Ta»* 
Mmmt,  der  hinab  gegangen  war,  ihre  wnnder  m 
schauen^;  eine  der  anniehendsten  sagen  des  mitlefaillinrSy 
in  welcher  die  sehnsacht  nach  dem  alten  heidentham  und 
die  hftrie  der  chrisffichen  geisthehkeit  rtthrend  geschildert 
sind.  EdAart,  vieileicht  ein  heidnischer  priester,  ist  hiot* 
mann  nnd  begleiter  der  göttin,  wenn  sie  m  bestimmler 
seit  des  Jahres  ansftbrt.  ich  ktante  ihn  auch  mit  seinem 
uff^uei^v  sum  psychopomp  des  reitenden  tedtenheers  (TgL 
den  in  der  luft  knarrenden  sedenwagen  s.  7^3}  machen; 
er  geleitet  aber  nicht  die  scheidende,  vielmdir  die  wieder- 
kehrenden todten. 

Da  auch  Bieiericht  eom  Bern,  na  dessen  beiden  Eck« 
hart  gehört,  theilnahme  an  der  wilden  jagd  sn  beweisen 
steht,  so  wäre  er  hier  der  zweite  einheimische  held.  iw 
Lansitzer  nennen  nun  den  wilden  jftger.BemdieirMky  Diei^ 
rjdk  Bmmhatd  oder  DUerbenada;  «it  habM  alte  Wenden 
seine  jagd  geholt  und  wissen  zn  erzählen  TOn  nnschmnck« 
haften  braten,  die  er  dabei  austbeilt  **)•   auch  im  Oriagau  ist 


gareia  Tan  Limbarg  cap.  56.  82.  84  und  ia  der  Mörin.  Keisersperg 
(omeifs  36)  iSfst  die  hexen  in  frau  Fenusberg  faren.  solcher  Venus^ 
berge  mufs  es  in  yerschiednen  gegenden  manche  gegeben  haben,  be- 
sonders in  Schwaben,  einer  lag  bei  WaMtee,  ein  andrer  hei  Ufhan- 
sen  nnwdt  Freibarg,  In  welchen  der  Sekttembmget  (wie  Tanhinaer) 
einkehrt    H.  Schreibers  4b.  1839  s.  34a 

*)  deutsche  sagen  no.  170.  Wie  der  pabst  dem  Tanhäuser  darch 
den  dörren  stecken  die  hofnung  abschneidet,  sagt  auch  nach  schwed, 
tradition  der  priester  dem  spielenden  neck:  *eh  wird  dieser  rohrstab 
den  ich  in  der  band  halte,  gränen  and  biähea,  als  dn  eilosang  er^ 
langst;*  traaemd  wirft  der  neek  die  harfe  hin  and  weint  der  pneatec 
aber  reitet  fort,  und  bald  beginnt  sein  slab  in  lanb  and  blöle  aas- 
zuschlagen,  da  kehrt  er  um,  dem  neck  das  wunder  zu  yerkänden, 
der  nun  die  ganze  nacht  aber  frohe  weisen  spielt.  Afzelias  2,  156. 
Dieser  mythns  yon  TanhSnser  klingt  aber  an  viele  andere,  Tonäglich 
celtische«  Tonkäuser  bringt  lange  jähre  bei  Holda  im  berge  zu, 
Tmnkme  }tei  der  feenkönigin  (W.  ScotU   minsfr,  2,  193),   OgUr  200 

i'ahre  bei  fata  Morgana  in  Ayalon:  sie  hatte  ihm  einen  kränz  aufa 
laupt  gedrückt,  der  ihn  alles  yergessen  machte,  die  sage  ist  dennoch 
deutsch  und  wird  in  Schweden  Ton  der  elbkönigstochter  berichtet 
(oben  s.  435  und  Afzelias  2,  141),  im  kindermSrchen  Ton  frau  For» 
luna  (altd.  bl.  1,  297).  So  bleibt  auch  Odysseus  bei  Galjpso  and 
Ciree,  wer  aber  möchte  mit  Mone  (anz.  5,  168)  ans  den  gr.  sagen 
Ton  Uljsses  und  Orpheus  die  Ton  TanbSuser  herhilen? 

**)  Job.  Hortzscnansky  Ton  sitten  u.  gebr.  der  Wenden  dritte 
abth.  (Dessau  und  Görl.  1782)  3,258.  laus,  monalsschr.  1797  p.749. 
Liebusch  skjthtka  s.  287. 


WÜTBHDES  HEER.    OIBTIUGH  BERN  889 

BenMeirich  des  wilden  jAgers  naane  (BOrner  s.  213.  216. 
236)  iiiid  seine  hnnde  treiben  die  waldweibcben  auf.  ja 
fttf  dem  Harz  am  Bodeltesael  über  der  Rostrappe  steht  der 
wilde  jiger  rersteinerti  'er  heifse  Bemkarf  gab  ein  knabe 
n,  und  der  Tater  der  über  das  Bodethal  zu  res  gesprung- 
nen  BnmkM  wird  rem  rolk  'der  eon  Büretif  (yon*  Bern) 
genannt;  dies  gewkint  dadurch  an  bedeutsamkeit^  dafs  auch 
Gibidio  (s.  126)  anf  dasselbe  gebirge  versetzt  wfard  (z.  f. 
d.  a.  ly  575).  Von  Fichte  aber^  dessen  heiraat  die  Lausitz 
war,  leitet  sich  die  meidung  her,  dort  heirse  kneoU  Ru^ 
predU  (s.  472)  Dieirioh  wm  Bern*).  Beide  auslegungen 
lassen  sieb  yerbinden.  kneeht  Ruprechi  erscheint  neben 
frau  Berhia,  als  diener  und  begleiter  (s.  482),  zuweilen 
statt  ihrer,  und  wie  sie  als  ein  schreck  der  kinder.  es 
tomnH  dazu,  dafs  beide  Rutprechi  und  Berkta  Weihnachten 
auftreten;  doch  was  am  meisten  entscheidet  ist,  dafs  in 
Meklenborg  Waie^  wie  in  Schwaben  Berhta,  durch  den 
laehs  am  s^nrocken  flMirt,  und  Wode^  wie  Ruprechi  und 
Nidas,  den  kindem  gutes  oder  bOses  beschert  **).  Dieirieh 
wm  Bern  ist  also,  gleich  dem  treuen  Bckhart,  berechtigt 
in  Wuotans;  Holdas  oder  Berhtas  geleit  zu  erscheinen,  oder 
ihre  stdle  einzunehmen.  Auch  wird  bei  andrer  veranIas-> 
snng  Dietrüch  der  feuerathmende  ilbermenschlich  dargesteHl 
nach  den  gedichten  des  MA.  auf  gespenstigem  feuersprd- 
hendem  rosse  in  die  h<Hle  oder  in  die  wüste  abgdiolt,  wo 
er  6tt  an  den  j^ngsUn  tag  mit  dem  gewfirme  streiten  seil 
(d/ heidensagie  36 --40).  das  stimmt  zu  der  ahmärhiiasken 
sage  Ton  Hackelberg  (s.  874)  und  in  der  susammensetzang 
Huehetbertnd  sdieiot  der  zweite  theil  deutlich  auf  Berend, 
Bernkart  und  Dietrichbern  geleitet  zu  haben,  wie  auch 
Hackelbergs  und  Berends  träum  (s.  875)  identisch  war. 
YieIMcht  «idlteh  wire  der  niederMnd.  Berh  met  den  beer 
(s.  194)  hier  zu  erwägen,  ohne  dafs  ich  den  beinamen  aus 
einem  misverslandnen  Dietrich  eon  Bern  herfflhre. 

Wir  haben  das  wäde  beer  in  zwei  hauptbeziehungea 
kennen  gelernt,  als  nächtliche  jagd  männlicher,  als  feier-* 
liehen  umzug  weiblicher  gottheiten,  beide,  den  letzteren 
zumal,  an  gewisse  jafarszeitai  gebunden,  der  bestimmtere 
sinn  des  ausdrucks  *heer*  läfiit  schon  eine  dritte  bedeutung 
erwarten:  es  ziiriit  als  kriegsheer  und  weissagt  anbrechen- 
den krieg. 


*)  dealsehe  heldensage  p.  40. 

**)  FraDkles  ah  and  iiea  Meklenb.  1,  57.*-   In  Schlesien  schweigt 
man  die  kinder  mit  de«  ntufk^jäger.    deutsche  sagen  uo.  270. 


009  WOTBNMIS  MBHR.    CARL 

WnMm  (der  alte  IteerBater^  s.  778 ),  JtodMfanirf, 
BerhtoU,  Mf  wei/kem  4ohlaelUr&9se  ^  gewafnal  and  ge-^ 
spomty  ericiienieii  :noch  als  ^benU  lenher  das  Artest, 
dea  äe  gleichsam  dem  mewchengescUechi  verstotten.  Sa 
gibi  mehr  ala  eine  sage  von  TerwMachleii  berge»,  im 
deren  innerm  von  seil  zu  zdt  waSanklang,  tromnHsia  nnd 
pfeifen  hörbar  werden;  ein  altea  geifier  und  gölla^eer 
ist  darein  veraehlofsen,  das  sich  an  seinem  ausbruch  iltotel. 
Keine  sehünere,  voIlstAndigere  sage  kenne  ich  in  dieser 
bemeiinng  als  von  dem  niederhessischen  Odenberg^  nnd 
dazu  liegt  er  nnmittelbar  in  der  nfthe  von  tMkmberg^ 
d.  h.  Wuotanaberg,  aber  ttnlerbchieden  davon,  so  daEs 
man  Odenberg  nicht  ans  der  aHn.  fnrm  OdiM  deuten 
darf:  .  der  name  mag  von  4d  ( feUciteS')  vieHeicht  von  6di 
(d^iertus  )  geteitet  werden.  Das  volk  knfipft  diesen  Oden- 
berg Ilngst  nicht  mehr  an  die  heidnische  goltheit ,  sondern 
an  den  heldeakönig  Carl,  ja  an  kaiser  CM  6  *). 
Sein^  hftndel  mit  iandgraf  PhMipfp  wegen  hm  Carl  der 
ftnfle  bleibenden  eindmck  in  Hessen  nrüokgelaasen, 
''£afle  Quin^9*  mit  seinen  soldaten  hanst  im  Odenberg, 
und  wie  die  Schwäbin  ihrem  kind  mä  <  der  eisernen  Berhta 
droht  {81  3S5):  'schweig,  oder  die  Precbti^lt^rli  .kemmil' 
die  Baierin:  'Schweig,  Predite  kommt  und  st$h«eidbt  dir 
den  bauch  aufl*  schweigt  es  die  Hessin,  in  diesem  land- 
strich y  durch  den  suruf  'du,  der  QuintB  hommtl'.  Frfiher 
meinte  man  aber  Oarl  den  grofsenj  wie  sehen  die  den  an- 
naüsten  bekannte  sage  von  dem  dakrstigen  beer  beweist 
(s.  105. 140) ;  ein.  niederschlag  noch  älterer  heidnisoher  my- 
then.  Carl  war  mit  seinem  beer  in  die  gebirge  der  Gndens-* 
berger  landsehaft  gerückt,  siegreich,  wie  einige  eraählen, 
nach  andern  fliehend,  von  morgen  her  (aus  Westfalen);  die 
krieger  schmachteten  vor  durst,  der  könig  sab  auf  9clmee^ 
loeiftem  tehimmel;  da  trat  das  pferd  mit  dem  huf  auf 
den  boden  nnd  schlug  einen  stein  vom  felaen,  aus  der 
Mhung  sprudelte  die  quelle  mächtig  (s.  207. 550).  das  'ganze 
beer  wurde  getränkt,  diese  quelle  haiftt  fifAs&om,  ihrer 
ktthlen,  klaren  flüt  mifst  das  landvolk  gröfsere  reinignngs- 
kraft  bei  als  gewöhnlichem  wasser,  und  aus  umliegenden 
dörfem  gehen  die  weiber  dahin  ihr  leinen  zu  waschen, 
der  stein  mit  dem  huftritt,  in  die  Gudensberger  kirchhof- 
mauer  eingesetzt ,  ist  noch  heute  zu  sehn.    Nachher  wchiug 


*)  xa  Broterode  wird  eioe  *fanB  (fiiiBe)  voa  Karlm  ^fmiUei"  ge- 
xeigt  und  daraa  das  biulgerichl  des  -crla  gekiuipll,  was  dfia  mhd. 
Karies  rebt  oder  Ui  iat.    Büdistw  ihor«  fi^Sti  M- 


WOnrGNDBS  HEER,    GARL.    WCOril?         89t 

kdülg  OmtI  etaie  ytofse  sehlaeht  am.  fafee  des  OdeviMrga» 
das  atrtani^nde  Mal  Hfi  Ke/i»  fm^hen  m  den  boden ;  (oft 
sind  sie  sa^cfdlrnml *  worden',  der  regen  aptllt'  tie  immer 
wieder  auf,)  die  fhilen  ^walohen'  zmammen  utid  ergoMen 
aieli  bis  Besaa  hinab;  Carl  erfobbt  den  aieg:  abernte  ÜmI 
iieli  der  lelf  iof ,  nahm  ihn  und  das  ermatlele  fcriegsvolk 
ein  «d  sdkfo/t  teme  tcätule.  ib  diesen^  (Meafberg  rabt 
der  kGnig  von  seinen  heldentbiüen  ans.  er  bat  verfaeirsen 
all«  si^en  aiea  alle  heidert  jähre  bervdrvalioniinen ;  iriU 
eine  solche  zeit  ein,  so  f>emim$m  mtm  töoffen  dmrch  4H0 
ktfle  fotisi»,  pfftrde  peu>teher  und  lmf9eUMgj  4er  zug 
gebt  an  den  GKsVom,  wo  die  rosse  gelränht  werden,  und 
verftelgl  dann  sebien  laiif ,  bis  er^  nach  Tollbrachlmr  runde 
endlich  wieder'  in  den  berg  zurückkehrt.  BimnaV  giebgen 
ieute  am  Odenberg  und  rernahmen  trommelaeblag  y  ohne 
elWtfS  zu  sehn.  £1  hkfs  sie  ein  weiser  mann  nach  eiSH 
ander  (hreh  den  ring  schauen ,  den  er  rnü  seihean  In  iKs 
Mfls  gebognm  «rm  bildete:  atsbald  erblickten  sie  ane  menge 
knegsreik,  bi  waffenttfaunge»  begriflbb,  den  Odenbe^  ans 
and  efngebn^).  An  jenem  sohau^  durch'  den  irm  er- 
kennt man  reeht  die  nniile  edge.  Saxo  graaHn.  mekkf 
s.  87  dafs  Biareo  nicht  vermerble  den*  ^Mn,  der  auf  wm^ 
f$em  HMe  reiteüA)  niit  i0ei/lMMi  sdUMs  bedeckt,  dem  feiKriM> 
Koben  «beer  tler  Schweden  beistand,  m  ers^Üauefei;  da  redet 
Biflireo  zn  ftulaf   .... 

M'  nunc  nie  ubi  sit  qui  vnl^o  dieitur  OtUn 
ahripaikns'y  iine^  semper  eonlmtes  oeella? 
die  mibt,  Ru«a,  pi%cor,  usquam  si  oi^nspioii  illom? 
Rtttflf  antwonet:  '«  > 

aidde  oealnm  propins,  >et  no$irai^piHmpM  c^kü, 
ante  saeraturas  vidrld  bmrtMi  signo, 
stvls  praesentem  t^lo  eogneseere  MaHem'^, 
Biare« ;  si  jiotero  horriendum  iß^ae  spectare  marüam, 
^qnantuiticnnfue  alba  ilgpeo  s\X  lectus  et  ulbmn 
flectat  eqvum,  Lethra  nequaquam  sospes  abibit. 
fas  est  belligeram  belle  prosternere  divam. 
das   s<A8nen  durch  den  eingestemmten  wv^  (chebi,'  ^[17^17) 
machl  l^eislersipbirg  ***) ,    wie  sMst  da»  über  die  rechie 


^)  ich' VffrdsftW  diese  vad  Atoderd,  getrea  aus  dsm  niande.'des 
▼elk8  Y«rzeich^9efe  Mwen  dtor  f^eondMlianikheBtniAtheiluii^  eines  Itvrw 
hesnschen  arldlerieefBeiers ,  bsrra  Pnster. 

**)  da  hier  Qlfain  Dieht  lu  bexweifehi  ist,  so  flllt  wif,  dafi  ihn 
Sffxo  Mer$  nennt,  das  dient  die  uralte  berätHriui(|[  zwischen  Wuotan 
und  2io  (s.  178)  z«  bestätigen. 

***)  ahd.  biStter  1,  29a 


«92         WUT.  OBBa.    RODBHSTBINBi.    MM 

MdmUer  (oben  s.  428,  abargL  906)  oder  xiriechon  dveh 
die  ohtem  des  pferdee.  Dm  hat  die  hesMche  rolküefe  be«- 
wahrl.  So  deatlich  aie  flbrigens  den  Wuolan  zeichsely 
acbeim  sie  ssweilen  aof  Donar  Obersogehn,  denn  man  hört 
aneh  von  einem  roiken  reiier  mit  rothwollnem  reiherbusche 
auf  rodk^ni  roue  erziihleni  der  an  beatimmten  jahratafen 
den  waldaaum  des  Odenbergs  im  galopp  umreite:  ea  sei 
der  geiat  Ton  Carolm  quimiM.  diese  beachreibung  wftrde 
eher  auf  Friedrioh  Rothbart ,  der  im  Kifhäoaer  hanat,  und 
den  rptbhaarigen  Donar  paasen. 

Älinlich  diesem  Odenberger  beer  ist  der  aoaing  dea 
Bothenikaler$  im  Aargau  *) ,  des  BodetMemen  nach  dem 
Seknellerti  **),  des  grauen  mannes  über  den  BackemeiiU 
bei  Geisa  im  Fuldischen  ***) ,  anderer  in  andern  gegenden, 
vgl.  Hones  ans.  3,  259.  8,  306;  als  das  beer  über  Wol« 
fartsweiler  sog,  rief  einer  herab ;  'wenn  du  beachildigt  wirst| 
verbind  dich  mit  rothem  garnP  (8,  307).  Nach  Heimreicha 
nordfries.  chron.  2,  93  sah  man  im  j.  1637  vor  Tondem 
kriegshewe  in  der  luft  aufaiehen  und  mit  einand^  bei 
hellem  weUer  sireUen  f  ]•  Eine  irische  volkssage  berichtet 
von  (y  Demogkue  dem  alten  herachery  der  jährlich  am 
ersten  mai,  auf  mUckiceif$em  pferde  sitaend,  aus  dem 
gewMaser  dnes  sees  steigt ,  sein  reich  au  besuchen*  In 
einer  augustnacht  aber  zeigt  sich  ein  graf  eon  Kildare 
gerüstet  auf  prächtigem  streitros  und  mustert  die  schatten 
seiner  krieger  (elfenm.  192»  193.  233),  An  jenen  duris, 
dürst  (s.  488.  872]  gemahnt  auffallend  ein  finnischer  Tur- 
rieoi,  gott  des  krieges  und  zugleich  riesenhaft  (turraa, 
turrisas,  tursas  =  riese),  der  hoch  in  den  wölken  ^  wann 
ein  krieg  bevorstehl,  seine  trommel  rühren  Iftbt.  Den 
Letten  sind  johdi  oder  murgi  gespenster ,  Seelen  verstorb- 
ner; wenn  ein  nardUehi  flackert  sagen  sie:  johdi  kaujaha 
(geister  schlagen  aich),  karru  lauaiätt  dwehseles  kaniaha 
[ge fallner  krieger    seelen  schlagen  sich)  ff).  .  hier    wird 


*)  Wyfii  reiM  ins  Bemer  Oberlaad  2,  42a 

**)  dentsche  sagen  no.  tM.  Saeüerts  ss  bans  des  SoeOert,  SneU 
hart    ein  nngehenrer  geist  heifst  SiuBaart  in  Margr.  van  Limb.  7^« 

***)  Bechsteins  frink.  sagen  1,  6a 

f)  Guicciardini  bist.  d'Italia.  1583  p.  22:  risnonara  per  tntto  !a 
fana ,  essere  nel'  tenrilorio  d*Areno  passati  vinbUmente  molti  di  per 
Varia  inßnUi  huomini  armaüf  sopra  grossissimi  cavaili  e  ooo  ierri' 
hiU  sfrfptio  ü  ftfom  di  irombe  t  ü  tawäturi.  Tgl.  die  dln.  sage 
Tom  aasziehenden  kXiNdb^  oder  JSffeftdii^.  Thiele  1,  98.  3,  55. 
Selbst  kinder  mit  spiefs  und  fabne  ziehend  weissagen  krieg  (abergL  i06)< 

ff)  Stenders  lett.  gramm.  1783  p.262.  266. 


'     BBDANING&    BBLLEQOINi  §98 

der  gespenslertttiiiiiU  auf  dte  leochtende,  wie  bei  4^ 
Deutscheii  auf  die  ttaende  iMtnrerscbeinungf  bezogen;  es 
erimiert  aach  aa  dea  kriegf,  dea  unsere  lan&knechte  selbst 
im  hiaiBiel  erheben,  noch  mehr  an  die  ahn.  benennang 
BioAk^a  t>eSr  eda  dl  ( Hedaningorum  leafipestas  vel  pro* 
cella)  rar  krieg  und  schlachl,  Sn.  168.  die  beiden  irarea 
in  langem  kämpfe  gefallen,  da  gieng  Hildur,  die  yalkyrla, 
nachts  auf  die  wahktätte,  weMe  sie  irtecfer  aaf  und  liefs 
sie  von  neuem  kämpfen,  und  so  sollen  sie  alle  tage  Ms 
sa  weliumtergamg  rnn  tag  streuen  und  die  nacht  todt 
liegen,  dies  scheint  mir  unter  Men  das  älteste  vorbiM 
eines  in  den  wölken  streitenden  heers,  aus  dem  maUi  wie 
die  namen  redr  und  ü  zeigen,  die  naturerscheinung  deak 
täte.  In  Tharingen  geht  eine  volkssage  von  einer  zwft* 
sdiea  Croaten  und  Schweden  gelieferten  schhcht,  an 
deren  jahrstag  abends  eilf  uhr  alle  begrabnen  soMatea 
erwadien  und  nun  wm  nemm  m  streUem  begmmen,  bis 
die  giocke  eins  achlägt, -  dann  versinken  sie  in  den  erdk 
boden  und  Kegea  ein  jähr  ttber  ganz  still  und  ruhig  (Bech-* 
Stria  4,  231). 

Aber  den  roaumiscben  TMkem  ist  die  iberlieferung 
vom  luflheer  nicht  weniger  bekannt  und  einzelnes  trift  mtt 
dar  deutschen  genau  zusammra. 

In  Frankreich  fftbrt  ein  solches  luftgebilde  käaipfanw. 
der  geiater  die  benenaung  HeUeqwm,  BteUrin,  in  Spar 
niea  exereilo  asUiguo^.  Guüiahn.  alvenitt  (f  1248^ 
p.  1037:  Me  equitibus  tero  nodumia,  qui  vulgari  gal»«* 
eaao  HeUeqmm^  et  vrigari  hi^panico  exemikm  aMlifuuk 
vocantur,  nondum  tibi  satisfeci,  quia  nondum  declararu 
intendo,  qui  sint;  neo  tarnen  certum  est  eoa  maignioa 
Spiritus  easa,  loqaar  igitur  tibi  de  hia  in  sequentibua»' 
p.  1065:  Me  substantiis  apparentibus  in  siraBitudine  a^^iii** 
fflwIiMai  et  beUaitarwm,  et  in  aimllitudine  eaDercUmum  itm^ 
mmerabUimn^  interdum  autem  et  paucahtm  equUmnJ 
p.  1067;  'narratur  quoque,  quod  quidam  videns  hujusmodi 
exereUmm  (auf  der  wegscheide)  terrore  persusaua  a  via 
pubKca  decUnateU  m  agrum  contiguum,  ubi  quaai  in 
reiugio,  tramemUe  juaota  üktm  toto  iUo  ewerciiu,  übe- 
sus  permansit  et  nihil  mali  passus  est  ab  Ulis,  propter 
quod  opinio  inolevit  apud  multos,  agroi  genukre  pro- 
tectione  creatorii  propter  utilitatem  hominum,  et  hac  de 
causa  non  qbm  accessum  malignis  spiritibos  ad  eos,  neque 


^)'  d.  h.  die  grofta  nenga  dar  todten  (ob<m  ».  807).    he  geit  int 
•Ide  keer  s=  er  stirbt    Narragonia  84^. 


QtjkM 


WÜTSNUBS  REBRi    HBlLBOfUlN 


|i#leslatfein  McenAt  propter  hflnc  caua««.  ImniiiibiMi  exi^ 
s4eRtibtts  i«  eis«  Gern  MUm  idohirarttm  iiUelttn  istati 
ot  dereiiflionam,  m  ««m  vel  cre^aret  vel  avdifiiy.  mmmi-^ 
iuB  aroornrnJUam  atlribuerel.  opinpr  autiNi,  jfmoA  t7e- 
Perm  deam^  qwe  agris  praeest,  hl^jusriMidi  honilnea 
protoxiase  crederent,  axerciUimqoe  illom  intra  fiMB  jregnuA- 
que  Cetera  nemini  po«ae  aoeere/  p.  1073:  'noc  le  remo** 
veat  aal  emiturbet  ullaleatts  vulgaris  ilia  HiapanDrun  n^- 
mmatiOy  qaa  laalignoft.  spiritua,  qai  im  armi$  luder€  ao 
pugncaie  Tideri  cMiiisueveninl,  esgercUum  aiMqutim'  nomi- 
naat,  magia  enim  anilift  et  ttdiranlittm.  vetittaram  nominatid 
est  qoaoi  TeritalisJ  Badolfua  de  Presies  ad  libr.  15  cap.  23 
€b  eiv.  dei:  'kk  meagnöe  de  BeUeqmiti,  de  «kiffie  Habomta 
(s^263),  et  des.esperia  quils  appelleiü  Eaes.'  Dücaage  s«  y. 
im  jeu  d'Adan  hört  man  die  mmtsnie  Bkiekm.  aater  sdiirt- 
leiigiaidtngen.  heranzieben,  die  drei  feea  (s«  384)  im  ;ga-* 
folgQ,  ein  ^es  Beikqums*  wird  geiiaiint;  ..  Viacent  bal&v. 
lir.  30  capi  118  and  naoii.  ihm  Keisfein^effg  -(aimeifa  37)  bet* 
riciitan  taa. einem. gewissen  Nataüs,,  dar  fesUM'ben  merietf 
erschien  und  auf  die  frage  nach  dem  wütendeii  beer  ver* 
htodete.y  aa  hAe.  aufgekM  isait  Omnims  rfUinkm  seine 
bafsti  gelaistbtk .  biar  wird  daih  wfltenilen.  beer.  dar.  nama 
CaroUquifUi  oder  nach  Bniegn  .AUequimH  beigakgt^  iraa 
aftah^r  mit  j^etm  Helk^lmn  uad  4m  liesseobM  Marie' 
fmßtte iiim.Oimfberg^^^  890)  aamaaimanhfingt.  .Qleii^hirol 
sdieiht  -jes  falaaba  denluftg  :des  Maraa^Helle^nia^  dessen 
fluisaie  !(gäfalge))  in  daa  gediabien'  dea  jl3  jh.  *)  aitfser 
£bif.  alvanana  varsobiadiialiicb .  eraräbtt  wiM^  disr  alM 
friebi  den  firaaa.  .icdaig  Cari  &  ms  4ar  aveiten  bftifla  4as 
14  jlL  maiaan  kann,  dala  niaa  aoab  Jn  Fraqkreiah  itiit 
deaa  wilfiideni beer  Carl- deagrobeal  in  vprbindaag  tmuBbe, 
aaigl  eia  buRgfand.  fediobt  des  17  jb,,  aaeh  welchem  C%arfe«* 
magna  auf  aeiaem  piard  aa  Aar  .spitza  der  lafterschainttiig 
taüat,  und  dRataid  die  fabna  trägt  *%  wie*  aber  wana 
ifiBlifjaiiw  aas  den  deatsaben  heile  (pnlarwell)  oder  der 
dnniautio»  ballpkfai,  persönliob  varf  aüirnttah  anfjf^efofiit) 
au  veas^hBi  wära^***)  ?  2u  Tours  sagt  aian  ychälue  Mgmi 
(hr^et  isl  Jagdhund)  und  le  eareue  du  rot  Hugon  i) ,  der 

t   ■    ';■ « — r-" — *  I.     .     • 

•  •  9 

*)  B..b.  im  Rbibajrd  saas  paor,  im  i^omin  deFau^l,  TgL  Jabib^ 
«ontes  f,  284.    Uicbal  tfi4a|ia  fr.  |h  73 --7€. 

**)  joaraal  des  sayaas  1832  p.  496. 

***]/Hao8ler8  chronik  yon  Flandern  hat  8049  ten  HaUekine^  einen 
Ortsnamen,  zur  kleinen  hölle. 

t)  möm.  das  aatiq»  8|  456.    naai  bargnigaons  p.  TSl,     Thaanus 
4  p.  1104. 


WOT.IHBn.    ART».    WALDBHAR  809 


«achte  ftok  die  stadlmMer  twilel  uni  alle,  die  ihm  ftegegneti, 
tfcUfigi  oder  wegraft.  des  königa  Hugo  Capet  wagen  Ter- 
iritt  auch  hier  einen  heidiiisehiei»  -  götterwegen ;  in  PoMoa 
haitit  es  la  ehassejBßUerie.  kii  weide  von  Fontaineblean 
soll  ^la  grmul  tenmr'  pgen. 

In  des  brüisoheft  wäldem  raosohte  sehen  zu  des  0er- 
vasies  liU»erieeaia  zeit  könig  iirlife  nficMliche  jagd  (ot.  imp. 
3»  12):  'narrantibus  neraoram  eustodibae,  <(aos  fereatarios 
volgiia  Mmitialy  se  altemis  ifiebus  cirea  horam  meridianam 
el  in  prino  Aectitim  oonticHiio  sub  piemliuiio  lana  lucente 
saepissiine  ndere  milUum  eapiam  tmumtimn  el  eamnn  el 
oormmm  ilrepihm^  qei  scieailantibtis  ee  de  Moeietate  et 
famika  Afhari  esse  affirmam.'  ian  coflAplaynl  of  Scethiid 
heifiil  es  p.  97.  96 :  ^Arikimir  icnyehl  he  räid  on  nyohi  viUi 
gyUia  spur  and  eancSDychl^'  Der  eOMnigin  nnd  fem 
wvde  adioD:  vorhin  gedacht  (s.  886).  Shaltespeare  (merry 
wir.  of  -WindK.  4^  4)  gedeniU  eines  ^Beme  <lke  irnnter,*  der 
mitternachts  um  eine  alte  eiche  wandert. 

fioMocoio  (decianv  5,^  hat  die  g<escMahte  etiNis  ge- 
apenatee)  das  seine  galiebie,  die  iAm  Irenloaer '  Weise  den 
lad  beraüei  halle ,  jedem  freiktf  nackend  dnrah  den  w«M 
jagl  «ad  voft  toinen  tandea  lerfleiacken-  Hrsl :  so  efl  sie 
arlegl  wird^  sieht  sie^  wieder  aaf  mkl  die  gransame  jagd 
bagtainl  von  neaenri.  IKe^  faliel  soll,  nafeh  Mannt,  «vs 
Heünand'  genommen  aain]  sie  kdnnle  «nfselilnlii  4lber  die 
veffblgnng  des  hoizweibchene  durch  den  wilden  jVger 
(s.  868)  geben^  wenn  man  auch  die  motlve  dee  noveillsten, 
wie  billig  9  erst  anf  den  ainftichen  gruod  einer  volkssagie 
Sttrflckndiühren  bitte«  Im  gediehl  von  Etsels  hofhaltnng 
erscheiiil  der  WwnSerer  fast  als  ei»  adldb^  wilder  mann 
und  jAgar,  der  mit  seinen  hunden  fnm  SaUk  hetut  rnid 
anCznfneeaen  drohl,  wie  derjäger  das  flOchtige  hotzweHü- 
lein  (s.  80  ly  oder  der  inferaalis  venator  die  abgeeehtedne 
sieki 

Un¥einleekter.  liegen,  die  bezflge  der  nor#.  auf  deutsche 
sagen,  den  Dänen  ist  Waidemar,  ihr  berühmter,  gelieb- 
ter könig,  zum  wilden  jfiger  gewprdeo.  die  seekndische 
fabel  Iftfst  ihn,  gleich  Carl  dem  grotsen  (s.  406],.  durch 
einen  zauberring  zu  einer  Jungfrau  und  nach  deren  tpd  z« 
einer  Waldgegend  heftig  hingezogen  werden,  er  wehnt  im 
GurrewnU  und  jagl  da  nacht  nnd  lag^),  ganz  wie  Haekel-^ 
borg  Aufimrl  er  die  vermefiteien  werte:  'gotf  möge   sein 


*)  anC  dieMT  jagd  übt  ei  grantamkeiteB  gegen  die  biuern,  aoeb 
jagt  er  eine  meerfrau  (Thiele  1,  46.  92). 


806  WAUmiASJ  -  GRÖNIETTE 


I    *i 


himmdtewh  behauen,  wenn  ich  nm  in  Gurre  immerdat 
jagm  kann!*  Nun  reitet  er  jede  nadil  von  Burre  nach 
Giffre;  wenn  das  voIIk  sein  hohorufen  und  Peitschenknallen 
von  weitem  hört,  stellt  es  «ch  seitwärts  unter  die  bfiome. 
voran  im  zug  laufen  kolschwarse  hunde,  denen  glühende 
Zungen  aus  dem  hals  hängen,  dann  erscheint  Wolmarj 
auf  weif  um  pferde,  zuweSen  sein  eignes  lumifi  wUer 
dem  Unken  arm  tragend  (vgl.  abergl.  605).  stöfst  er  auf 
leute,  besonders  alte,  so  gibt  er  ihnen  bunde  zu  halten, 
er  f&hrt  einen  bestimmten  jagdweg,  alle  thtir^  und  Schlös- 
ser springen  vor  ihm  auf,  seine  strafse  heifst  WolmarS'^ 
strafsey  Voldemarsvej  *) ,  wobei  man  sich  der  Irraii^striet 
und  Eriksgata  (s.  330-36)  erinnern  wird.  Denen  die  ihm 
die  hunde  gehalten  hahen  schenkt  er  scheinbar  geringe 
Sachen,  welche  sich  hernach  in  gold  verwandeln,  für  hiif- 
eisen  gibt  er  ducaten  (Thiele  1,  89  -*  95).  diese  sagen  ge- 
mahnen  zugleich  an  Carl  den  ^ofsen,  Hackelberg  und  fra« 
Holla  oder  Perhta. 

Auf  der  insel  Möen  liegt  ein  wald  namens  Grunewald, 
in  ihm  jagt  der  Grdh^eUe  jede  nacht  zu  pferd,  das  kmipi 
mUeßr  dem  linken  arm^  einen  qiiels  iii  der  rediten,  eine 
meule  hunde  um  sich  herum.  Z»r  emiezeit  kgm  ihm 
baitem  ein  gebund  kaber  für  eeim  pferd  hin,  dafs  er 
des  nacht$  niaht  ihre  saaten  niedertrete;  an  diesem  einen 
z«g  wird  Wuotan  (s.  140. 141)**)  vietteicht  auch  Frey  (s.  194) 
erkennbar.  jeUe  heifst  er  hier,  wie  in  der  Schweiz  ctani 
(s.  892).  Grön  erkläre  ich  nicht  duroh  die  grüne  färbe 
der  jflgerkleidung ,  lieber  durch  4ta  altn.  grön  (barlNi), 
Grönjette  »  altn.  graniötunn,  der  bärtige  riese,  und  Ormi 
(barbatus)  ist  Odins  nurne  (s.  818)«  Grönjette  läfot  auch 
die  banern  seine  hunde  halten,  er  ji^  nach  der  wteerfira» 
(wie  der  wilde  jäger  nach  der  holzfrau);  ein  bauer  si^ 
ihn  nurückkehren ,  wie  er  die  meerfrau  todt  quer  fftber 
seinem  pferd  liegen  hatte:  'sieben  jähr  jagte  ich  ihr  neck, 
auf  Faliter  hd>  ich  sie  nun  erlegt*'     dem  bauer  schenkte 


*)  antiqrariske  annaler  1,  15. 

**J  noch  oiher  frift  was  Thiele  p.  192  meldet:  in  alten  tagen 
faersente  auf  der  insel  Mden  der  aberglanbe,  wenn  man  einerntete, 
M%  letite  gehandne  haiiergarbe  hin  aoi  den  adcer  %n  werfen  mh  den 
worCea:  'das  iat  für  den  jöiU  9on  UpsaUf  diät  so9  »  kmbtm  jmi^ 
abendg  für  gemfferdJ*  tbaten  das  die  leute  nieht,  so  slarhi.ihr  vieh. 
Der  jöiunn  von  Upsala  bezeichnet,  in  christlichem  euphemismas, 
Odinn  oder  Wodan,  dessen  götterbild  zu  Upsala  aufgestellt  ist.  yiel- 
leicht  entsprang  die  redensart  in  eMW  seit,  als  Dinnark  sekon  be- 
kehrt, Schweden  noch  heidnisch  war. 


WOIBND»  HEQI.    CimO  8BT 

er  ii9  band)  woran  er  die  liimde  gehalten  halle;  aelanfe 
4m  band  in  seinem  berits  blieb ,  nahm  er  sn  an  reichlhani 
(Thiele  1,  95-97}. 

Auf  F^hi^m  jBgi  Pakmjägery  d.i.  der  alUi.  Päbmidki 
(formn«  sog.  11,  49-*99.  Thiele  1,  11(^,  ein  vielberühmier 
held  (oben  a.  3S4]. 

In  einigen  dänischen  gegenden  wird  stall  Weimer  mir 
gesagt  ^en  flgvende  jäger^  (der  .fliegende  Jäger)  oder  'den 
fkfemde  Markolfwfj  in  der  gegend  von  KaUnndborg  hat 
das  reik  einem  jftngern  könig  die  jagd  übertragen :  ChrUHan 
tkr  wioeite  reilel  auf  wei/sem  pferd  mit  sehwartten  hmnden 
(Thiele  1,  187). 

Im  Schleswigisefam .  jagt  kMg  Abel:  in  eo  i4»co,  ubi 
sepuhns  est  "— -  venaleris  cornu  inflanlis  Yocem  et  senum 
ezaudiriy  multi  fide  digni  referant  et  affirmant  usque  adeo 
shailem,  nt  venatorem  ibi  venari  quis  dicerel,  idque.saepe 
ft  vigilibusy  qui  Gatterpii  nocte  wgitare  solent>  «udiri:  sed 
et  Abelem  multia  nostra  aelata  ajpparuisse  et  visam  esse 
eenslans  omnium  est  rumw,  ore  et  corpore  airum,  equ§ 
fmnUo  ffeclum,  coittlatan.  canüMis  tfihus  veaalicis,  qui  et 
ssepe  speeie  igneiä  «t.  andere  viai  sunt.  Cfpraei  ann.  episc« 
ilesvio.  p.  267.    vgl  Thiele  8,  63.  142. 

Schwedische  überlieferungeli  tom  wilden  Jäger  sind 
mir  nichl  YoUständig  hekannt«  ich  folgere  sie  aber  schon 
nach  dem,  was  s.  461  yM  dem  strömkarlsHig  gejsagt  wurde, 
dessen  eiBte  Yariation  dem  nmektgeiH  tmd  seinen  keer  ge- 
kMj  und  der  aeck  berührte  sich  gerade  mit  dem  eUuschen 
Tanhänser  (e.  888).  Atfch  dauert  in  Scbreden.  noch  der 
echte  benng  der  naturerscheinnng  auf  den  geilt  {oben  s,  871)4 
Man  erzftUt  Yon  xwei  leidenschafUfchen  Jägern ,  Nielus  Hüg 
und  .keanus  Haar  (Arwidssein  2,  71). 

Rddien  gehali  hat  eine  norwegische  $age.  Seelen,  die 
nicht  eo  Yiel  gutea  thun  daJe  sie  den  himiMl,  nicht  so 
Yiel  böaes  deb  sie  die  hdHe  yerdienen,  Irunkenbolde ,  spöt- 
ter,  feine  betrieger,  aoHen  «ur  strafe  bis  an  das  ende  der 
weit  umreiten.  An  der  spitze  des  zugs  fährt  Gurorytse 
oder  Rßisarata  mit  ihrem  langen  schwänz,  woran  man  sie 
vor  den  übrigen  kennt;  nach  ihr  fii>lgt  eine  ganze  menge 
beiderlei  g^schlecbts«.  von  vornen  angesehen  habeh  reiter 
und  pferde  stattliche  gestalt,  von  hinten  sieht  man  nichts 
als  Guros  langen  schwank,  die  rosse  sind  kohlschwarz, 
mit  glühenden  äugen,  sie  werden  mit  feurigen  slangen  und 
eisernen  zäumen  gelenkt,  voii  ferne  vernimmt  man  den 
Iflrm  des  haufens.  sie  reiten  über  toasser  wie  über  land, 
kaum  berühren  ihre  hufe  die  Oberfläche  des  was^ers.     wo 

Grtmiiif  mytküL    S*  mutgabt,  57 


896  WOlCRDBS  REBIL     GDlIO 


ste  des  waML  amf  eim  iaeh  werfem,  ia  dem  hwa  mab  Infi 
ein  mensch  sterben;  wa  sie  icMigwi,  aord  «ml  trink- 
gelag  erwarten  y  4ia  kommen  sie  und  seinen  sieb  fibcr  dm 
thfir^).  solange  nodi  keine  nntkat  begnngqpi  wird,  kalten 
sie  sidi  rnhig,  erfolgt  sie  aber,  so  laek^m  ne  ImU  oajf  **) 
nnd  rasseln  mit  ihren  msenstangen.  Ihr  sng  bat  slatt  nm 
jnl,  wenn  grobe  trinhgelage  fallen  werden,  kört  man 
ihn  nahen,  so  mnb  nrnn  ans  dem  weg  weiehen  oder  sieh 
platt  amf  dt%  bodem  werfen^^*)  nnd  schlafend  anstellen, 
denn  es  gibt  beispiele,  dafs  der  zng  lebende  menschen  mit 
sich  schleppt  ein  rechtschaffener  mensch,  der  jene  vorsieht 
gebraucht,  hat  nichts  su  fürchten,  als  dafs  jeder  ans  den 
häufen  auf  ihn  speit:  ist  der  zng  Yorbei,  so  mnb  ot  wie- 
der ausspeien,  sonst  wurde  er  schaden  nehmen.  In  eini- 
gen gegenden  heifst  dieser  gespenstige  aulxng  oasfarsta, 
aoikeref,  aaskereida,  an  andern  hoskebreia;  jenes  vcrdwbt 
aus  äigardreida,  äsgardreid^  der  asgardische  sog,  die  fahrt 
der  seden  gen  himmel  oder  auf  die  bhrt  der  giMter,  der 
▼aifcyrien,  weiche  die  erde  heimsuchen;  ▼ielleieht  ist  es 
noch  einfacher  aus  aska  (biltx)  nnd  reid  (donner)  su  ver« 
stehn?  dann  wOrde  es  sich  mehr  md  Thors  ersckeinung 
beschranken,  zuweilen  sieht  man  den  zng  nicht,  hOrt  ihn 
blofa  sausend  durch  die  lOfte  fahren,  wer  in  den  drei 
julnächten  seine  stallthären  nicht  bekreuzt,  der  fndet  am 
morgen  seine  pferde  sckweijtirufend  (s.  626.  628)  nnd 
haibgeplatzt,  weU  sie  mitgenommen  waren  (Faye  70-72). 

(htro  scheint  was  sonst  gurri^  d.  L  aMn.  gifr  (riesm, 
s.  493);  guni  ist  aber  buch  AiiMr«  (Faye  10)  und  diese 
wird  als  schönes  weih  mit  hifslichem  sdimaia  geschildert 
(Faye  25.  39)/  BMdra  darf  unserer  Heida  schM  deshaA 
verglichen  werden,  weil  sie  ungelaulte  kinder  mü  sich 
ftthrt  Giro  als  anCührerin  des  wutenden  beere  entspricht 
Tdllig  den  flbrigen  bisher  entwickelten  Vorstellungen  f). 

Überschauen  wir  nun  die  gesammte  reihe  der  deut- 
schen und  nordischen  sagen  vom  wtttenden  beer,  so  drin- 


*)  qnia  Mon  lecnt  iolroitnm  deleciaüoDis  posita  fsL,  reguU 
Benedicti  cap«  7. 

**)  Tgl.  das  *manes  ridere  yidens*  im  'Waldiarius  1040. 
***)  wie  oben  s.  874,   in  allen  Tolksiagen  wird  dies  %n  Ihon  an«- 
gerathen,  s.  b.  Beehsteins  ihör.  aag.  4,  234;  trank,  sag.  I,  57.    es  ist 
die  aacb  beiin  weben  heifser  winde  in  Italien  beobachlele  Toraicht, 

f)  sollte  der  wald  Gurre  in  Waidemars. sage,  wie  der  wald  Hakel, 
aus  der  person  entsprungen  sein?  man  erwfige  Haija  und  hölle. 
in  Schmidts  fastelabend^aml.  p.  76  werden  lasammengeslellt  *der 
Woarf  die  Ooor,  der  wUde  jäger.* 


WÜTENDBS^  HSBlt  81» 

gern  sieh  fiflgendebiDlradilsiifeft  hervor. '  der  MyiiHis  aeigl 
ans  gdtler  oad  göttionen  des  heidenthuas.  unter  den  g4i^ 
lern  Wuoiam  und  vieileicfat  auch  Fro,  irenn  ich'  auf  Hm  den 
BerhCoU  auslegen  darf.  Wuotaii  orscb^fnl  noch  m  seinaa 
beinamea  des  gemmUeUen  und  des  Mrüget^,  die  man  her- 
nach misverstand  und  m  eigennasMn  umschuf.  bei  Saxo 
gramm.  p.  37  heifst  Oihiu:  ^atbo  clypeo  tectns  et  attnm 
(s.  1.  statt  altuon]  flectens  eqmum*  Sleipnir  war  ein  grau^ 
9ehimmel  (Sn.47),  was  man  apfelgrau  (pommel^,  ags.  fippel«^ 
fealo]  nannte,  zwischen  ftö  WödmXind  frdwaGöde  sehwan«* 
ken  wort  und  sinn.  Heeranftthrende  göttin,  statt  des  gottes« 
isHTo/äa,  SMuegenuhlin;  ich  überzeuge  mich  immer^fest«^ 
dafs  Holda  nichts  anders  sein  kann,  als  der  milden,  gütigen 
Fricka  beiname.  Berkia,  die  leuchtende,  fäHt  wiederum  mit 
ihr  zusammen,  oder  wenn  es  auf  Froutoa  anwendbar  ist, 
berührt  sich  mit  ihr ,  .  wie  die  nord.  Freyja  mit  Frigg« 
Merkwürdig,  dafs  die  norweg.  sage  weder  Frigg  nocb\Freyjtt^ 
sondern  auch  Huldra  nennt.  Die  den  luftwagen  des  gottes 
umgebenden  hunde  könVien  Wuotans  geheul  anstimmende 
Wölfe  gewesen  sein.  Eine  onbeglaobigte  nordische  f)  tber- 
Uefenmg  iäfst  Oäimn^  gUeh  Hakidlbemd,  durch  einen  eber 
verwunden  und  diese  Verwundung  scheint  vAllig  sa|^enheft 
(s.  874.  875);  als  der  eber  dem  schlafenden  gott^das  blut 
aussog,  fielen  trepfen  auf  die  «rde,  aus  denen  im  folgenden 
frühjahr  blumen  wurden. 

Diene  gottheiten  stellen  4slsh  auf  doppelte  weise  dar. 
entweder ,  menschlichen  äugen  sichtbar  ^  an  heiliger  jahrs^ 
zeit,  in  das  land  einsiehend,  heil  und  sogen  mit  sich  ftb«« 
rend,  gaben  und  opfer  des  entgegen  strömenden  volks  in 
empfang  nehmend,  oder  unsichtig- durch  die  lüfte,  sohwe*^ 
bend,  in  wolkengebilden ,  im  gebraus  und  heulen  des  ynu*^ 
des  vernehmbar  (s.  5d9),  krieg  oier  jagd,  die  hauptge- 
sehfifte  der  alten  beiden  .treibend:  ein  aufeug  der  wenige^ 
an  bestimmte  zeit  gebunden  mehr  die  naturerscheinung  er^ 
klärt.  Beide  zttge  halte  ich ,  ihrer  idee  nach  fttr  gleiiä  alt^' 
und  sie  greife»  bei  dem  mythus  von  dem  wilden  beer 
manigfach  in  einander,  die  vorsteliung'en  vian  der  anSch-^ 
strafse  haben  uns  gezeigt,  wie  wagen  und  wege  der  götter 
sowol  amhimmd  als  auf  der  erde  gehn.  . 

Seit  dem  christenthum  muste:  euM^  verwandlang  dar* 
fabel  einUreten.  statt  des  götterzogs  erschien  nunmehr  ein 
gransenhaftes  gespensterheer  mit  fiwrtem^   teuflischen  «u- 


*}  Watsenberg  s.  72.    Greuzen  sjmb.  2,  98;  ich  färehte  Rnd- 
beck  hat  die  Adoninag«  (a  QM)  kukn  aef  Oden  gedeotot 

67* 


96»  WÜTRIfDES  WSm 

fhaien  entstellt.  YeriiitttHcli  hMM  sehoo  die  Heiden  oh» 
genommen  y  dars  im  dem  tmge  der  gotlheilen  die  geister 
seeliger  iMlden  nitfaliren>  die  Chrieteii  venietsteti  jetzt  in 
das  heer  nngetatifte  kindcr,  trnnkenbelde ,  Selbstmörder 
(vgl.  s.  782),  die  in  grftfdicker  sersümmelung  auftreten. 
Ans  der  holden  ward  enie  unholde,  nur  noch  von  vonie 
schöne,  hinten  geschwänzte  göttitt^).  was  ihrem  alten 
bilde  nicht  ganz  entzogen  werden  konnte,  wurde  als  ver- 
führerisch und  sttndhaft  aufgefa&t:  so  erzeugte  sich  die 
sage  vom  Vennsberg.  Auch  die  alten  opfer  lieb  das  volk 
nicht  völlig  fahren,  es  beschrinkte  sich  auf  die  habergarbe 
fthr  des  gottes  ros,  wie  es  den  Tod  (den  gleidifalls  jagen-* 
den^  s.  805)  mit  einem  sckeffel  haber  abfindet  {s.  804). 

Ate  heUen  toiedergeboren  behaupteten  götter  ihren 
reinen,  ursprünglichen  character  «ngetrflbt  So  sehen  wir 
diesem  «mzug  bedeutsam  Ihetnoh^  Ekhatt,  Artus,  Carl^ 
WabUmar^  PabuiMe,  ja  könig  C*ritiid$^  einverleibt,  ohne 
dafs  ihrem  ansehen  unter  dem  volk  das  gerikigste  entrissen 
wird«  Danebdn  macht  sich  aber  Auch  eine  andere  antdciit 
geltend,  weiche  die  götter  in  ieufel,  wie  göttinnen  in  un*^ 
holde  und  hexen  verkehrt:  der  teufel  konilte  hier  leiobt  aus 
dem  eiteren  rjes^  entspringen. 

Letzti  niedersetzuag  der  fabei  war,  dafs  sie  sich  an 
einzelne  Jäger  und  jagdliebbnber  der  jtln^^eki  z^it  heftete, 
wie  Hackelberg,  den  heidereiter  Bäten y  Junker  Mmien, 
Mansberg  den  bmgherm  ck  a.  diese  sehäti  beinahe  wie 
historische  personen  a«,  näher  Iwtradhtet  werden  sie  sich 
immer  in  mythische  antösen.  die-  gewissenhaftigkeil ,  mit 
der  das  volk  Hekelbernds  grabstätte  nachzuweisen  sucht, 
scheiiit  mir  einen  heidnischen  cultue,  dem  auch  steindenk^ 
miier  gewidmet  waren,  anzudeuten^ 

Der  ähnliche  gang,  den  die  geschichte  des  mythus  im 
Norden  wie  in  Deutschland  genommen  hat,  verbirgt  une 
von  nenem  den  Zusammenhang  des  heidnischen  glnubens 
hier  uiid  dort.  Sachsen,  Westfalen,  Heklenburg,  Hessen 
haben  noch  einzblne  züge  mit  dem  Norden  gemein,  die 
SttddeuUoUand  weniger  festhielt.  Zugleiok  bricht  berah- 
rung  mit  celtischer  sage  durch,  wahrend  ich  keine  mit  sla- 
vischer  entdecke,  es  müste  dehn  der  näclils  umreitende 
Svantovit  (s.  628)  hierher  gehören. 

Noch  ist  eine  mit  griechischer  fabel  unerwähnt  geblie^ 
ben,  aus  der  sidi  das  hohe  alter  der  vorsteWing  eines 
riesen   und  Jägers   zu   ergeben   scheint.     Orion  war    den 


*J  vgl.  Imo  Welt  in  CoMrada  gedieht  i.  m  C 


lirOTBNDBS  HEER.    ORION  901 

firiechen  ein  Mestnlnfler  {n€XmQi9c)  j^f^ y  der  noeh  «i 
der  wmifnoeüy  auf  dar  Asfodeloswifese  das  wild  ▼erfolgt 
(Od.  11,  572)  und  ein  leuchtendes  gestirn  bildet.  HoAer 
netint  Orions  jaghund  (II.  22^  29),  den  man  am  himmel 
anter  ihm  erbliciit,  Tor  ihm  sind  die  pieiaden  (eine  hotte 
wilder  taaben,  Od«  12,.  62)  auf  der  fluehl,  selbst  die  grofse 
bärin  scheint  nach  ihm  hinsuschauen  (Od.  5,  274)*).  Ob 
auch  unsere  vorfahren  das  nemliche  gestirn  mit  dem  mythus 
von  der  wilden  jagd  in  beziefanng  brachten  ?  ich  habe  es 
s.  690  zweifdhaft  hin  gestellt,  einilial  könnte  man  den 
ags.  namen  eberiun^en  damit  verbinden,  dann  aber  an« 
schlagen,  dafe  die  drei  den  gürtol  bildenden  steme  $pifm^ 
rocken  der  Firicka  heifsen,  die  als  Holda  dem  wfllenden 
beer  vorangeht,  und  gerade  bei  seiner  erscheinong  auf  weih«> 
aachten  der  Spinnerinnen  wahrnimmt,  we  Fricka  das  ge- 
stirn benennt,  hebt  sich  ihre  spindel  hervor,  wo  ihm  Wnotan 
oder  ein  riesenheld  den  namen  verleiht,  kann  die  gruppe 
[vejagter  ober  ausgeaeichnet  sein?  Die  griech.  fabel  ent- 
faltet sich  noch  reicher.  Orion  wird  geblendet  und  von 
Kedalion,  einem  wunderbaren  kinde^  das  auf  seinen  schul-* 
tern  sitsi,  zu  neuem  Ucfate  geleitet,  dem  blinden  rieeen 
liebe  sich  der  kopflose  wilde  jftger  *^  vergleichen  ?  Noch 
mehr  flUll  mir  der  zng  auf,  dafs  Artemis  aus  der  erde  ei- 
nen scorpion  hervorgehn  IftCst,  der  Orion  in  den  knöekei 
sädU  und  jdurch  diesen  stich  tödlet  ***) :  wenn  sich  daa 
seichen  des  seorpions  am  biamel  erhebt,  sinkt  Orion  unten 
das  gemahnt  an  Hackelberend ,  dessen  /n/s,  vom  Aatier 
des  ebers  gestochen,  seinen  tod  verursacht.  Orion  gehl 
zur  Sommersonnenwende  auf,  zur  Wintersonnenwende  un- 
ter, in  den  winternächten  strahlt  er,  wo  auch  das  wütende 
heer  erscheint,  windsturm  begleitet  ihn  (nimbosus  Orion. 
Aen.  I,  535).  er  hat  die  gäbe  empfangen  auf  dem  meer 
zu  wandeln  (ApoUod.  I.  4,  3),  wie  die  rosse  der  aaskareia 


*)  O.  Möller  qber  Orion  (rhein.  mnt.  f.  phiIoL  2,  12). 
**)  jeder  missethiter ,   desien  yerbrechen  yor   seinem   tod  nicht 
herauskommt,   mufs  mit  dem  hopf  unier  dem  arm  umgehn  (abergl. 
605).    soll  auch  das  blenden  oder  erblinden  geisterhafte«  irren  aus- 
dräeken  ? 

***)  Aratos  phaenom.  637.  0?id.  fast.  5,541.  Lncan.  phars.  9, 832. 
auch  Adonis  stirbt  yom  eher  yerwundet.  Nestor  meldet,  daljs  dem 
Oleg  geweissagt  war  yon  seinem  pferde  zu  sterben;  erliefs  es  füttern, 
wollte  es  aber  nicht  wieder  sehen,  als  er  nach  fnnf  jähren  danach 
fragte,  sagte  man  ihm,  es  sei  todt  da  lachte  Oleg  der  Wahrsager 
und  gieng  in  den  stall,  wo  das  gerippe  und  der  schidel  des  pferdes 
lag ,  als  er  auf  den  schidel  trat ,  fuhr  eine  schlänge  daraus  henror 
und  stach  ihn  in  den  fufs;   daran  erkrankte  und  starb  er. 


902  ORION.     FERALI8   EXEHCITDS 

über  die  flul  ziehen.  Orions  Terhilliib  sa  Arteinis  gleicbt 
dem  des  Wuotan  zu  Holda  niebl,  da  beide , 'WuoUib  und 
Hold«,  nie  zusammen  im  beer  außreten;  für  sich  betrachtei 
bat  aber  Holda  entschiedne  Ähnlichkeit  mit  Artemis  oder 
DUma  (s.  246)  noch  mehr  mit  der  nächtlichen  jagdgöttin 
Heoate,  in  deren  nftbe  hunde  winseln  y  wie  bei  frau  Gau-» 
den,  die  gleich  der  Hei  von  hunden  gewittert  wird  (s.  632), 
der  man  auf  das  trivium  (ahd.  driwikki)  *)  ärmliche  spei- 
gen  hinstellt  (wie  der  Berhta  und  wilden  frau  s.  403) 
Tgl.  Theoer.  2,  15  und  Virg.  Aen.  4,  609:  nocturnis  Hecate 
triviis  ululata  per  urbes.  Lucian  (im  tpi'koilf^vdijg  cap.  22. 
24)  barichtety  wie  dem  Eucrates  eine  solche  'Enaxfj  im 
wald  erschien,  und  die  klaffenden  hunde  nkangeln  ntehl 
dabei. 

Tacitus  Germ«  43  sehildert  die  Harii,  tka  nordöstliches 
deutsches  Tolk  mit  folgenden  werten:  truces  insitae  Ceritati 
arte  ac  tempore  lenocinantur.  nigra  acuta,  tincta  ciorpora, 
atras  ad  prodia  noctes  legunt,  ipsa<iue  formidine  atque 
umhra  feraüs  exerdhss  terrorem  infemnt,  nullo  hostiom 
sustinente  no vum  ac  velol  infermm  aspectum.  war  dies 
todtenheer  oder  höllenheer  römische  vorsteilung  oder  schon 
in  der  naobricht  von  jenem  deutschen  voik*  mitüberliefert? 
Eines  luflheers  gedenkt  'auch  Plinius  2,  57:  armorum  cre^ 
piius  et  ktbae  somius  aoditos  d  coeh  chnbriois  beUis  acce« 
pimus/  crebreque  et  prius  et  pobtea;  tertio  vero  consulalu 
Marii  ab  Amerinis  et  Tudertibos  spectata  arma  eoelesUa  ab 
ortu  ocoasuque  inter  se  coneurrenUay  pulsis  quae  ab  occasu 
erant. 


*}  kreuzwege,  scbeidewege  siod  der  frau  Ganden  zuwider,  nach 
Festus  s.  T.  pilae  et  efBgies  wurden  diese  den  laren  auf  solcken  we- 
gen aufgehflngt       *' 


•    . 


BNTlOCKOnG  908 


GAP.  XXXII.     ENtRCGKUNG. 

Unserer  mylhologie  vorzflglich  eigen  ist  die  idee  der 
entrüclKung ,  wie  sie  sieh  swar  schon  anf  den  Inhalt  des 
vorausgehenden  cap.  erstreckt,  aber  einen  noch  weiteren 
umfang  hat 

Venotti^cken  bedeutet  einen  fluch  oder  bann^  ausspre- 
chen, maledicere,  diris  devovere,  was  goth.  fragvipan,  ahd. 
fanoäsumy  mhd.  teru>Asten  heirst;  da-  ich  verwünschen  in 
der  älteren  spräche  noch  nicht  finde,  erkläre  ich  es  Mofs 
aus  dem  gegensatz  von  wünschen  (fausta  apprecari)  und 
enthalte  mich  darin  beiug  auf  den  wünsch  (die  fülle  des 
heils  und  Segens)  lu  vermuten*). 

Von  f>eru>andhmgem  unterscheiden  ^^erftünMehwngen 
sich  darin,  dab  sie  nicht  umgestalten,  vidmehr  die  nattlr- 
Dche  form  der  dinge  festbannen  und  nur  in  andre  läge 
versetzen;  wiewol  der  Sprachgebrauch  auch  das  verwan- 
delte verwünscht  nennt,  ferner,  das  verwandelte  b.eharrt, 
bis  vam  «eitpunkt  seiner  erlösung,  in.  der  neuen  gestalt, 
in  welche  es  umgeschaSen  wurde,  tUeii  äugen  siehtbiM», 
z.  b.  der  stein  oder  bäum,  in  den  ein  mensch  verwandelt 
ist;  bei  dem  €eru>ün$eklen  aber,  nach  dem  begrif,  den 
ich  ihm  hier  gebe,  scheint  mir' wesentlich,  dafs  es  unsern 
sinnen  entrückt  werde^  und  blofs' zuweilen,  in  seiner  vo- 
rigen form,  erscheiae»  Anders  ausgedrückt:  das  eenoa»^ 
delie  bleibt  leiblich,  das  oenoiMdkle  rerliMrt  sich  und 
kann  nur  bedingungsweise  wieder  leibhaft  werden,  wie  es 
in  dem  belieben  unsichtbarer  geister  steht,  gröbere  sinn- 
liche gestalten  anzunehmen,  verschwinden^^)  ist  also  sich 
freiwillig  entrücken,  ein  vermögen  der  göttar  (s.  302)  uad 
geister,  zuweilen  auch  der  hdden,  die  im  besitz  einer  larvö 
(gfhna)  oder  eines  hehlenden  hetms  sind;  entrückte  men- 
schen sind  geisterähnliche,  und  noch  eine  bezeichnung  da- 
für ist :  sie  schlafen,  nur  von  zeit  zu  zeit  erwachen  sie  ***]. 


*)  beacbtenswerlh  ist  der  alifranz.  gegensaU  zwischen,  ttmkaii 
(wimsch)  nod  dehait  (Terwonschong) ;  beide  ausdrucke  fehlen  den 
andern  roman.  zungen  nnd  wurzeln  im  ahd.  heiz,  ahn.  heil  (yotum). 

**)  fraa  S«lde  venuiünt    Etzels  hofh.  210. 

***)  berubmt  ist  die  sage  Ton  den  Siebenschläfern  (Gregi  tur.  ni- 
rac.  1,  95.  Paul.  Diac.  1,  3)  und  Ton  Endymion^  der  im  berge  Lat- 
mos  ewigen  schlaf  hilt;  Tgl.  Plinius  7,  52:  puerum  aestu  et  liitoere 
fesaum  In  speco  teptem  et  (jninqnagifita  dormisse  annrs,  rerum  facrem 


804  BH^GENTRÜGHTE  HELDEN 

Entrückbar  sind  aber  nicht  allein  personen,  soiidern 
auch  Sachen,  verschwindende  und  wiederkehrende  perso-» 
nen  fallen  gans  mit  dm  b^grif  zusamnueR,  deq.d^s  vorige 
cap.  von  gespenstern  aufgesteilt  bat,  und  genaa  wie  dort 
Seelen  verstorbner  menschen  sich  mit  beiden  und  göttern 
identificierten  ^  stofaen  wir  auch  hier  wieder  auf  die  nem- 
liehen  beiden  und  götter.  geschwttndne  göiter  mengea  steh 
mit  entrückten  beiden. 

Entrückung  pflegt  unser  Volksglaube  gern  so  zn  fasscs, 
dafs  er  die  verwünschten  gegenstände  in  berge  f>ers^M, 
gleichsam  die  erde,  zu  deren  aufnähme,  sich  ößeu  lä/st^]. 
Hierbei  können  mehrere  Vorstellungen  geschäftig  sein,  die 
mütterliche  erde  birgt  in  ihren  schofs  die  todten,  uttd  see^ 
lenwelt  i$t  eine  unterirdiaeke ;  elbe  und  zwerge  werden  in 
bergen  wohnend  gedacht,  nicht  sowol  lief  in  der:  er  de,  alt 
in  bergen  und  f eisen,  die  sich  aul  der  oberfläobe'der  erde 
erbeben,  volk^mäfsige  verwünscbungsfOrmeln  pflegen  aber 
auf  cUis  manigfaltigste  den  tiefsten  Abgrund  aosiiudriicken  *^)» 


mutationemque  Diirantem ,  Teint  postero  experrectum  die;  hinc  pari 
numero  dierum  senio  ingruente,  ut  tarnen  in  septimnm  et  quinquii- 
gesimom  «tqu«  ceBietimum  titae  dararel  annam ;  und  die  devteche 
B9%t  Ton  den  drei  bergnännera.  Sckäfe»  soblkfen  sieken  juhr&  oder 
nebenmalaiebel»  jähre  in  böien  (Mones  am»  7,  54). 

*)  «Bgednltige  sehotmiht  naeh  «OHiicftiiii^  geben  mr  dwch  die 
redensarten  zu  erkennen:  ich  möchte  ca  die  erde  schliefen y  ame  der 
kaut  fahren  y  was  auch  am  schlnsse  des  liedes  Ton  der  blage  heifst: 
'sich  tersUefen  nnd  ü»  der  hiule  triefen  in  löcher  der  steinwende'; 
gleichsam  sieh  Vertiefen.  O.  IV,  26,  43:  rnafet  thes^n  hergon,  bittet 
ne  sie  falUn  vhdt  t*atA,  )«h  bklet  duh  thie  AtiiUAt,  thazaie  inih  fAa- 
hin  obana,  ir  biginnet  Uunne  mmmh  erda  dittfitn  Job  »uilltet  filv 
thrAto.  Hei.  166,  3:  iban  gi  86  ger^a  sipdi  ihat  iu  hier  bUdidam 
höha  bergöSf  diopo  bidelban,  diese  spräche  ist  freilich  bil^Iisch  (Luc. 
23,  30),  aber  die  empBodung  Weler  Tölber  wird  in  solchen  dingen 
sovammenstimmen.  Nib.  867,  2:  ni^ir  iroiimte  wie  d0e  dir  ae  tal  «te- 
km  meine  herae.  Jenes  wn  der  haut  Mirea,  :«ne  die  sieh  Wfiidielnde 
acbUnge ,  m<e\%i  auch-  tor  frende  «od  zorjl-»  akfra4»z.  *a  jpoi  nW  de 
sa  pel"*  (wenig  fehlte ,  so  wire  er  aus  der  haut  gescblopen)  Ogier 
6688;  nnl.  *het  is  om  uii  st/n  vel  te  springen^;  *ich  meinte,  4aB  weib 
mäste  aus  der  haut  fahren'  Elis.  Yon  Orleans  (ed.  Scholz)  s.  223; 
*Yor  freuden  aus  der  haut  fahren'  Ettn.  unw.  doct.  856.  Ähnlich  ist 
das  springen  in  stein^  woTon  s.  519  gehandelt  word^,  schon  Alb.  ron 
Halb.  143^  'ward  im  sprung  zu  einem  stein.' 

*')  'hunderttausend  klafter  tief  in  diff  erde'  Terwünscben.;  'so  tief 
als  ein  hase  in  zwei  jähren  laufen  kann!'  (s,  164j:  'so  tief,  daüs  kein 
hahn  nach  dir  kräht l'  und  dergleichen  mehr,  was  ist  der  letzten  for- 
me! sinn?  dafs  der  Tersunkene  nicht  mehr  dqn  durchdringendem 
hahnruf  in  nächtlicher  stille  Teroehmea,  oder  dafs  man  oben  auf  der 
erde  den  krat  des  mitTersunknen  bausthiers  |ius  der  untenrdiachen 


BBamiTRÜCKtB  HBLDBN  906 

in  der  sekwed.  spradM  bedeutel  bmt§tagm  (in  4ea  b«Vf 
weggenommeli)  veri nakeiiy  terffiagning  entrtldiong  (tv.  iris^r 
1,  1.  Aü&eiiHs  1,  2a  33).  bei  AsbiOroseQ  und  Mos  no.38 
indiagem  bierget;,  Ftye  fahrt  8.  35.  36  merkwttrdige  bei^ 
gpiele  dieses  indtages  i  höie  of  Qdde  «a.  alts.  g£iga  im 
{  fialHi    Nialss.  cap.  14.  13B. 

Nun  begreift  es  sieh,  warum  frau  Holday  fraa  Yenm 
mit  ihrem  gesiode  t»  bergen  lun$9en:  sie  sind  dahin  ent- 
rückt bis  die  seit  ihres  umsügs  unter  den  menschen  naht, 
so  wohnen  Wodan  und  könig  Carl  im  Odenberg. 

Einzelnen  menschen  gelingt  lutritt  in  solche  berge; 
Tannhäuser  verweilte  jahrelang  bei  frau  Venus.  Ein  schmied 
suchte  in  den  hecken  des  OAmberge  nach  einem  wctfsdern 
mm  hammerstid,  plötslich  entdeckte  er  ein  vorher  nie 
wahi^enommnes .  loch,  in  dem  steingefÜIle,  trat  hinein  und 
stand  in  einer  neuen  wuüderweli  starke  mftnner  kegelten 
da  mit  eisernen  kilgeln,  der  sbhmied  schaute  ihnen  xu; 
sie  forderten  ihn  auf  mitzuspielen ,  was  er  ablehnte)  'die 
eisenkugeln  wiren  seinen  hftnden  zn  schwer.'  die  münner 
blieben  aber  freundlich  und  sagten ,  er  solle  sich  ein  ge* 
schenk  wählen,  der  schmied  bat  um  eine  der  kugeln,  trug 
sie  heim  und  legte  sie  unter  sein  eUengerftth.  als  er  sie 
nun  später  v^rsehmiedeü  woBte  und  rothgegiflht  hatte,  zer** 
sprang  sie  auf  dem  ambofs  in  stücke  und  jedes  stück  war 
eitel  goU.  So  oft  er  wieder  auf  den  Odenberg  kam,  fhnd 
er  die  öfnung  nimmer,  jenesmal  hatte  er  eben  den  tag  ge« 
troffen ,  an  welchem  der  berg  den  menschen  ofen  steht, 
für  nponlagskinder  soll  er  es  an  gewissen  tagen  des  jahrs. 
sie  erblicken  einen  alten  kmgbärHgen  mann  (wie  Carl  im 
roman.  epos  immer  den  beinanen  (tthrt:  k  la  barbe  florie, 
aber  auch  Otfinn  Lingberir^  Harbordr^  Siiekeggr  hieb), 
der  einen  metallbecher  in  der  band  hftit.  inwendig  in  dem 
berg  werden  sie  beschenkt,  wie  im  Kifhäuser. 

Bei  FrüBkisohgemünden  im  fhiclanberg^  ist  vor  zeig- 
ten ein  kaker  mit  seinem  ganzen  beere  versunken,  er  wird 
aber,  wenn  sem  hart  dreimal  um  dem  Heekf  woran  er 
sitzt,  gewaehten  i$i,  mit  seinen  leuten  wieder  herai»  komt* 
men.    einst  traf  ein  armer  bube,  der  in  der  gegend  wecke 


1 T- 


wobaung  nacht  mel»  höven  könae?  auch  EJI.  2,  32  heifst  «8  toq 
köuigstöcbleva :  *fie  Tersäoken  aUe  4rei  so  deip  ima^r  de  eer^,  dat 
kien  hnan  mer  danach  krehete/  'so  kree^  doch  kein  kan  nach  mir*, 
«kein  han  fort  da  nach  krehen  thoC    H.  Sachs  III.  2,  HS^  213«. 

*)  kein  Gouchsberg  noch  Rankasas  (s.  645),  eher  berg  des  alt- 
Taters  Guogo  (guggani  z.  f.  d.  a.  1,  23)  oder  des  kafers  (gnegt  s.  167). 
Meichelb.  118^  pA  (f aogii^l|ü«w ;  trad.  fald.  2t  33  in  GnosQlpihu. 


006  BBRGBNTRÜGKTB  HBLDIII 

twtuk  verkaof  trag^  «vf  d^m  berge  diien  alten  mann,  dem 
er  Magie;  daft  er  wenig  verkanfen  kdnne.  'ich  will  dir  wol 
einen  ort  zeigen',  sagte  der  mann,  'wo  du  deine  wecke 
täglich  anbringen  kannst,  aber  du  darfst  es  nieafiand  offen- 
baren.' hierauf  föhrte  er  den  buben  in  den  berg,  wo  ein 
reges  leben  und  treiben  war,  viele  leute  kauften  da  oder 
▼erkauften,  der  kaUer  seihst  safs  an  einem  tisch,  um  den 
der  bort  zweimal  herumgewaduBen  war.  Täglich  brachte 
nun  der  bube  seine  wecke  dahin  und  wurde  in  uraltem 
gelde  bezahlt,  das  man  endlich  in  seinem  orte  nicht  m^r 
annehmen  wollte:  man  drang  in  ihn  zu  sagen,  wie  er  dazu 
gekornmen  sei,  worauf  er  den  ganzen  verlauf  der  suche 
enldeckte.  Als  der  bube  am  nächsten  ta^  in  fcn  berg 
gehn  wollte,  konnte  er  denselben  nicht  einmal  ersehn,  ge** 
schweige  den  eingang*  finden  (Hones  .anz.  4,  409  und  dalier 
Beohsteins  iränk.  sag  s.  103).  Auch  zwischen  Nürnberg 
und  Fürt  liegt  kai$er  Carb  berg,  aus  dem  in  früherer  zeit 
oft  gesang  erscholl ,  und  von  dem  ein  ähnliches  broUragen 
erzählt  wird;  der  beckerjunge  sah  in  einem  ge Wölbe  ge^ 
hamuchie  männer  sitzen  (Mones  «nz.  5,  174). 

'  In  Westfalen ,  zwischen  Lübbecke  >  und  Holzhausen, 
oberhalb  des  dorfes  Hehnen  an  deor  Weser  liegt  lein  bügel 
die ' Babilonie  ^)  genannt,  in  dem  Wedekind  (^e^ng)  ver^ 
sunkeh  äitzt  und  harrt  bis  seine  zeit  kommt;  begünstigte 
finden  iten  einging 'und  werden  beschenkt  entlassen  (Hede« 
kers  westf.  sagen  nö.  21). 

Im  alten  bergschloese  Geroldsedk  sollen  Siegfried  und 
andere  beiden  wohnen  und  4em  deutschen  volk,  wann  es 
in  höchster  noth  sein  wird ,  daraus  erseheinen '  (deutsche 
sag.  no.  21).  Eine  febklnfi  am  Vierwaldslitttersee,  nach 
andern  aqf  dem  Cirütli*;  birgt  die  scklAfenden  drei  sHfier 
des  Sehweizerbundes,  sie  werden  aufwachen,  wann  ihrer 
das  Vaterland  bedarf .  (das.  no. .  297).  Auf  dem  Kifhäuser 
m  Thüringen  schläft  Frietbieh  Roihbart:  er  dtzt  an  run- 
dem steiNlisch,  den  köpf  in  der  band  haltend,  niekend, 
mit  den  äugen  zwinkernd ,  sein  bart  wächst  um '  den  Hsch 
und  hat  schon  »weimal  dessen  ründung  umschlossen,  wann 
er  das  drittemal  herum  gewachsen  sein  wird,  erfolgt  des 
königs  aufwachen.  bei  seinem  hervorkommen  wird  er 
seinen  schUd  hängen  an  einen  dürren  baüm,  davon  wird 
der  bäum  grünen  und  eine  bessere  zeit  worden,  doch 
einige  haben  ihn  auch  wachend  gesehn;  ein  schäfer,  der 
ein  ihm  wolgefälliges  lied  gepfiffen,  fragte  Friedrich:   ^flie^ 


*)  in  mhd.  gkdichten  mehrtnals  *dio  'tr^letfe  Bmhüöne* 


VERCEIfTROCKTE  HELDBN  Wt 

gen  die  toben  noch  um  den  berg?'  und  als  der  sehifer 
bejahte:  ^so  muß;  ich  hundert  }ahre  länger  eoUafen^y 
Der  Schäfer  wurde  in  des  königs  rüstkammer  geführt  und 
bekam  den  fnfs  eines  handfasses  geschenkt,  den  der  gold-« 


*)  dergleiehen  fragen  thut  der  blinde  riese  in  einer  sthwed*  toHls- 
sage,  die  ich  aus  Bexella  Ralland  (Götheborg  t8t8.  2.  p.  301)  hier« 
eioschahe  :  nägra  sjömfio  Ifrlio  Getioge  blefvo  pä  hafvet  af  storraarn« 
forde  emot  en  okand  ö,  omgifne  af  mörker  uppstiga  de  der.  de  blefvo 
yarse  en  pa  afstand  upptänd  eld  och  skjnda  dit.  framför  elden  ligger 
en  OTanligl  \hi%  man ,  som  var  blind ;  en  annan  af  Hka  jättestoriek 
stir  bredvid  honom  och  rdr  i  elden  med  en  ifirnsling.  den  gamh 
Umde  tnanmen  reser  sig  app,  och  fr&gar  de  ankomaa  frimKogame, 
hvarifrao  de  Toro.  de  svara  ifrln  Halland  och  Getinga  socken,  hf  ar^& 
den  blinde  fragar:  ^ Ufper  ennu  den  h^Ua  qvinnan?*  de  STarade  ja, 
fast  de  ej  Tiste  hyad  han  bSrmed  menade.  Iter  aporde  han :  'manne 
mitt  geihus  stlir  ännuarar?*  de  STarade  aterigen  ja,  ehurnde  äfven 
toro  okannige  otn  hyad  han  menade.  IH  sade  han  *ja(^  fick  ej  hafra 
mitt  gethus  i  lired  för  den  kjrkan»  sora  bjggdea  p2i  des  plataen. 
TÜien  1  komma  Ijckligt  hen»,  yälan,  j'ag  lemnar  er  dertill  tyanne  yil- 
kor.*  de  lofya,  och  den  gamie  bHnde  fortfor:  *tagen  detta  sölßäUe^ 
och  nSr  I  kommen  hem,  sä  spfinnen  det  pa  den  heita  qtnnnan^  och 
denne  a$h  stiUen  den  pl  altaret  i  mitt  gethus.'  Ljckligen  äterkomue 
tili  hembygdeH  rSdfrlga  sig  sj'öminnettie  hara  de  skulle  efterkommii 
den  gamle  blinde  manneaa  begSrai).  man  beslöl  ai  spännt  hlKet 
miüuing  en  bjih'ki  och  b^örken  far  i  luftm,  och  al  slita  asken  pä 
en  knlle  (g|-abhägel) ,  och  straxt  j(ar  kuÜen  i  Giu$an,  &ga,  '  mea 
efter  dei  kyrkan  är  bygd  der  den  blinde  mannen  hade  siU  geihus, 
bar  hon  fatt  namnet  Gelinge.  Der  bKnde,  auf  die  insel  entrückte 
riese  ist  ein  gespenstiger  heidniieher  gott  (ygl.  Orion  sJ  901),  die 
irei£ie  irau  etoe  ehrisUicbe  hirohe  oder  ein  Marienbild;  hitte  laandeo 
görtel  darum  gespapnt»  so  wäre  es  gliich  der  birke  in  die  luft  gefah- 
ren. .  Nach  einer  andern  «rzählung  fragte  der  blinde  riese  die  Seefah- 
rer, ob  die  alte  sckellenkuh  (worunter  er  die  glocke  yerstand)  beider 
kircbe  nach  hh'e?  als  sie  es  bejahten,  forderte  er  einen  yon  ihnen  auf 
ihm  die  band  sko  reichen,  um  eu  spören,  ob  noch  kraft  bei  den  eid- 
wohoern  geblieben  aei«  si  reiobten  ihm  eine  gHihendfemachte  boola« 
slf^pes,  die  der  riese  Kusammendrückte^mit  den  worten:  grolse  kraft 
sei  eben  nicht  mehr  da.  Faje  s.  17.  Ähnlich  abweichende  sage  bei 
Ödman  (BabuslSn  153.  154).  ein  schif  wird  durch  stürm  yerschlagen, 
auf  einer  abgelegnen  käste  sehen  sie  nachts  feuer  brennen,  und  stei- 
gen ans  lano.  an  dem  feuer  aber  sitzt  nur  ein  alier  mann^  der  fragt 
einen  der  scbifsleute  'wo  bistuher?*  'aus  Hisingen  In  SSfve  pastorat..* 
*bistu  auch  bekannt  inThorsbj?*  'ja  wol.*  .'weifst  du,  woOlfveberg 
liegt?'  ija,  ich  bin  oft  da  yorbei  gegangen,  auf  dem  weg  yon  Göthe- 
borg ttach'Marstrand  über  Hisingen.'  *stehn  da  die  grofsen  Heine  und 
ert£ügil  noch  MHverrüch$?'  'ja,  doch  ein  stein  neigt  sich  sum  fall.-' 
'weifst  da  auch,  wo  Glofsbedaltar  ist  und  ob  er  noch  wolerbaltea 
steht  ?'  Mayen  bah  ich  keine  künde.'  'willst  du  den  leuten,  die  jetit 
lo  Thorsby  und  Thorsbracka  wohnen,  sagen,  dafs  sie  die  steine  und 
hägel  am  Ulfreberg  nicht  lerslören  und  dafs  sie  den  Glofsbedaltar 
it  in  stand  «rhalten  ^  so  sollst  du  guten  wind  snr  heimkehr.  haben.' 
er  Schiffer  sagte  es  au,  fragte  aber  nach  des  alte»  mannei  namea: 


t 


90»  BEMSENTHOCKtE  HELDEN 

Boknäei  fttr  echtes  §oia  oiamite  (das.  nij.  23,  89&)^).  Nach 
andern  sitst  Friedrich  in  einer  felsemhöie  bei  Kaisetsboi-^ 
iem  (das.  no.  295)  oder  zu  Trifeb  bei  Aiiweiter ,  oder  im 
ühierberff' bei  Salsburg  (das.  no.  28),  wo  aber  einige  Carl 
den  gro/sen  oder  den  fünften  hausen  lassen,  tmd  dat 
fcachsen  des  barts  um  den  Hsch  ebenso  erzählt  wird, 
hat  der  bart  zum  drittenmale  die  letzte  tisch^ke  erreicht, 
so  tritt  das  weitende  ein,  auf  dem  Walserfeld  erfolgt  eine 
blutige  schlackt y  der  antichrist  erscheint,  die  engelpo- 
saunen tönen  und  der  jüngste  tag  ist  angebrochen,  das 
Walserfeld  hat  einen  dürren  baum^  der  schon  dreimal 
umgehauen  wurde,  seine  wuriel  sehtug  immer  auSy  dsSs 
ein  neuer  Yoltkommner  bäum  daraus  erwuchs,  wann  er 
wieder  beginnt  zu  grünen ,  dann  naht  die  schreckliche 
Schlacht,  und  wann  er  fruchte  trägt  wird  sie  anheben, 
Friedrich  hängt  dann  seinen  schild  an  den  bäum,  alles 
wird  hinzulaufen  und  ein  solche^  blatbad  sei^,  d«fs  den 
kriegern  das  blut  in  die  schuhe  rinnt,  da  werden  die  hö* 
sen  con  den  guten  menschen  erschlagen  werden  (das.  no. 
24.  28).  In  dieser  bedeutsamen  Überlieferung  lälst  sich 
aUes  nnd  utaltes  aufweisen,  eui  geistliches  lied  des  16  jh. 
(Gräter»  Odins  s.  197)  erwähnt  herw&g  Friedrichs ,  der  das 
heilige  gfiab  wieder  gevHnnen  und  sein  sckHd  an  einen 
laublosen  bäum  hängen  soll,  der  antechriste  wird  dabei 
genannt,  das  ältere  bruckstücfc  eines  gedieht^  aus  dem  14 
jb«  (ood.  paL  844)  sagt  von  kaoser  Friedrieb:  'an  dem  ge-r 
jaM  er  Torschwant,  das  man  den  edeln  keiser  her  sind 
gesaeh  nyemer  mer;  also  Ward  der  hocbgeporn  heiser  FH" 
derich  do  verlorn,  wo  er  darnach  ye  bin  kam,  oder  ob 
er  den  end  da  nam,  <jas  kund,  nyemand  gesagen  mir,  oder 
ob  yne  diftü  wilden  tir  wessen  habn  oder  gerissen  y  es  en 
kau  die  warheH  ny«mand«  wissen ,  oder  ob  er  noch  lebeu'^ 
tiff  sg  ♦♦)  ^  der  g^wi^zen  ain  wir  fry  und  der  rechte  «ft^ 


ich  heifse  Thore  Brack,  habe  da  ehuials  gewohqt,  ward  aber  flüch- 
tig :  am  Ulfveberg  in  deq  groföeo  hüßeln  hegt  älF  meiq  geschleclit  und 
am  Glöfthedaltar  dienten  und  opferten  wir  unsern  gö^fn!* 

*)  die  Kifliaasersagen  stehn  jetzt  zusammen  bei  Be^^ba^ein.  4, 9 — 54. 

**)  am  Bchlufs  der  klage  Toti  köBig  Etcel  (meklDtelrich,  wie  ich 
I.  424  im  Topsebn  geschrieben  habe) ;  'd^s  wmiders  wird  kb  Mmm«r 
Trt,  weder  er  nek  ver^an^e,  oder  «ii  der'hift  anp/Senpa^  odeir  Itbtnde 
wikrdB  begraben^  oder  m  himele  4f  erhaiem,  lind  4h  es  m*  der  kmsk 
irüffe  oder  tieh  iftnlüffe  in<  löcher  dev  at^iiKw^iid« ,  oder  mit  wetbem 
ende  er>  tod  deü  Übe  quieine-,  öden  ipaa  in^mo  um  nammf  oi|  er 
füen  in  da%  •pgrunde,  oder  ob  m  der  Ultimi  tenUimde,  odee  ob  er  aui 
4  «amciHNfffiy  da«-  eobAA  nknen  «ah  eihadM.* 


aHÜRBHMni  BJUEM  M9 

heil;  iedoch  ist  iib's  geieü  rai  ptwnm  tolb  m^ri  das  er 
als  ein  waler  sich  ofk  by  yae  hab  lafsen  sebeit  wirf  hab 
yae  oflEeoiidi  terjehen ,  bt  stiH  noch  gewaltige  werden  aller 
romiscben  erden  ^  er.  sttU  noeh  die  paffen  storea,  und  er 
weil  noch  nicht  üf  hören,  noch  mit  niehten  lafsen  abe, 
nur  er  pring  idaa  heiige  grabe  und  daran  das  faeiKg  lani 
wieder  in  der  Christen  hant,  und  wo!  wine  tohiUßB  kui 
hohem  um  den  darren  ast^  das  ich  das  für  ein  warheil  sag, 
das  die  paaren  haben  geseit,  das  ,nyai  ich  mich  nicht  an, 
wan  ich  sin  nicht  gesehen  han,  ich  han  es  auch  zu  kein 
stunden  noch  nyndert  gescbribn  fanden,  wan  dlis  ichs  ge« 
bort  han  von  den  allen  pauren  an  wanJ  Ein  gedichl,  etwa 
▼on  1350  (Aretins  bmtr.  9,  1134)  sagt:  ^so  wirl  das  erfeto^ 
alio  grofs^  nyaand  kan  ea  gestiUen,  so  knmpt  sich  koffier 
Fridrieh  der  her  vnd  auch  der  milt,  er  v^tdort  her  durch 
gotes  willen,    an  einen  dfkren  pamm  so  henkt  er  seinen 

seUÜj  so  Wirt  die  vart  hin  über  mer er  rerl 

dort  hin  zum  derren  poioin  an  alles  widerhap,  dar  an  so 
henkt  er  seinen  eehili,  er  grnnet  «ade  pirt:  eo  Wirt  gewun 
dan  heUig  grap,  daz  nynmdr  swert  darup  geioffen  wiH.' 
Aoah  SA^Iteh  ifFeissagtttig,  die  bald  nach  der  amte  des  14 
jh*  id  deutschen  jreimeii  gedichtet  wurde,  sag«:  'es  kumel 
noch  dar  zuo  wol,  das  ^  em  heiser '  geben  sol,  den  hat 
ei*  behatten  in  siner  gewall  u.  git  im  hraft  manigrall,  er 
wirl  geaani  FkidHehf  der  nsaerweite  Mrste  rieh,  vnd  ee^ 
ment  daz  Christen  volgan  sich  rnd  gewinnet  daz  helge 
grap  Ober  mer,  doi  alal  ein  doe  ieum  vnd  ist  gros  vnd  soI 
so  lange  atan.  bios,  bicz  der  heiser  Fridrieh  dar  an  sine» 
schäl  geheilhen  mag  vnd  kan,  eo  wirt  der  bamn  wieder 
gmen  gar,  noch  fcuaient  aber  gvele  jar  vnd  whrt  in  aller 
der  well  wol  stan,  der  Heiden  glouben  muos  gar  sergan.* 
Wadcam«  baaal.  has*  s.  55  *}. 


*>  iB  der  faftodfehrSlUiche»  hialoria  tmni  vegam  de§  loh.  von 
HiMeaheim  (f  1371)  wird  «ines  tsaip«ia  derTarlaroD  g^edacfat.  hinter 
rnauem,  aeblöaaern  «ad  riegelii  rtebt  eiü  derrer  komm ,  hwenniMier 
hätea  aeito :  iffetoheni  faralea  ea  gelingt«  aeia  aMU  an  diareii  fttawa» 
M  kämgefi^t  der  wird  berr  des  ganien  Oatens,  wie  ea  dem  grofaen 
chan,  der  deahalh  ottwideralehlioh  aeia  aoll»  gelaageo  iat.  (jpaibea 
kunal  Q.  alt  iL  2,  174.  175  nad  Sohweba  bearbeitmig  dea  baeha 
a.  18i<i  182.  der  haam  aftehl  ia  Taiiria,  vor  altera  Soa«.  Moatefilla 
Uagegen  aeUeti  im  thal  Maöibre,  wemi  man  rea  Ebroa  aaeh 
Bethlehem  siehe,  atehe  der  afeade,  därra  hamw^  dea  aie  heifaea  }Wp, 
aber  Wir  acMiaen  ihn  Mmgübammy  imd  iat  eia  eiehbaum  oad  mao 
aieial^  er  afei  geataadem  tob  anbeginn  der  weit  aad  war  TOr  golteä 
raarter  groo  aad  gebuttert^  aber  dli  f  ott  an  dem  cre«  atarb,  dorrate 
er  ...  .  man  findet  in  weiasagungen  geachrieben:  ea  aoUe  ein  förat 


9i0  eRÜMEMMni  rBÄUH 

Dafs  ikftisct' FrMrieki  tod  mmier  Am  mtt  beiweiMf 
und  aeifle'  Wiederkehr  geglaubt  wurde,  lehren  die  äuge« 
fiUurlen  stellen ,  die  sich  ausdrücklich  auf  alte  .bauern  be-f 
liehen;  es  wird  schon  im  lä  jh.  der  fall  gewesen  aeiii  und 
lange  nachher,  betrdger  machten  sich  den  gemeinen  wakn 
VI  nul3,  i^ine  chrenik  (bei  Böhmer  1, 14)  erzfihlt:  ^ßcoe  qui«« 
dam  tmphator  aurrexit  in>  medium^  qtii  dixU  se  esse  Fride** 
riam  qümdam  imperaiorem,  quod  de  se  multis  ialersignis 
et  quibusdam  prestigiis  scire  volentibus  comprobaTit/  könig 
Rudolf  liefs.  ihn  im  j.  1285  auf  einem  Scheiterhaufen  ver«^ 
brennen«  Detmar  hingegen  zum  j«  1287:  ^by  der  tid  qua« 
to  Lubeke  en  olt  mBU,  de  sprak,  he  were  keiier  VrederiCf 
de  Tordrevene.  deme  beghunden  erst  de  boven  unde  dal 
mene  volk  to  hörende  sines  tusches  unde  deden  eme  ere. 
he  lovede  en  grote  gnade,  oft  he  weder  queme  an  sin  rike ; 
he  wart  up  eneme  schonen  rosse  vorel  de  stat  umme  to 
besf^howende  .  .  .  darna  cortliken  quam  de  man  van  ste- 
den,  dat  neoman  wiste,  wor  he  hennen  vor.  seder  qaam 
de.  jn^r,  dat  bi  deme  Rine  en  troner  were,  de  in  dersul-^ 
ven.wise  de  lüde  bedroch,  de  ward  dar  ^rand  in  ener 
kopen/  Noch  genauer  berichtet  Ottocar  cap.  321  bis  326, 
und  die  chronik  bei  Pea  1,1104.  die  sage  «Mg  audk  beide 
Friedriche,  den  ersten  und  zweiten,  mengen^)» 

.Wie  Carls  wei/ser  hart  wmt  Wuotan  deutet  Friedrichs 
roiher  auf  Donar,  und  in  Norwegen  hat  Olafil  roiher  bmi 
(s,  517)  gleiphe  mythische  beziehnng  erfahren... 

.Friedrich  Rothbart  im  Kifhäuser  und  Unterberg)  (Jari 
Laftgbart  im  Unterberg  und  Odenberg,  Holda.  in  Horsel«« 
herg  drücken  die  selbe  mythische  idee  aus,  iberail  aber 
knüpfen  sieh  eigene  nebessagen  an;  Carl  lictarte  eme  un« 
geheuere  schlacht  und  ward  in  den  Odenberg  aufgenomr*- 
men,   aus  dem  er  dereinst  zu  neuem  krieg  und  sieg  her* 

kommen  aus  Niederland  mit  yielen  Christen,  der  soll  dieselbigen 
linder  gewinnen ,  und  soll  kutem'  «iMtf  «iiMei»  uiUer  dem  dürren 
bamMf  dann  $M  er  wieder  grüne  bMtter  uberkommed  und  fraehlbar 
werden,  und  um  des  wunden  willen  sollen  «tte  Juden  und  Heiden 
Christett  worden ,  darum  erzeigt  man  ihm  groite  -ehre  und  TerfanleC 
ihn  gar  wol.  So  nach  der  ftlMraetzung  des  Otto  ¥on:  Diemerhif  en ; 
die  niederl.  ausgäbe  nennt  den  hmm  Dripf  die  lat  Dkp  und  hat 
nichts  von  der  Weissagung  des  messesingens.  Istdieser  zng  in  Deutsch-- 
land  eingeschaltet,  ubernaopt.  hier  eine  ahendlSndisebe  sage  id  den 
Orient  gekommen  ?  oder  stammen  die  deutschen  t olbsdberliefenmge» 
alle  aus  morgenlandischen  i>eiseberiohten  ?  ^' 

*)  bemerkenswerlh  ist  die  redenssrt:  *amf  den  aUen  ktUser  hinein 
dahin  leben,*  Simplic«  3,  20.  4,  tl;  'mif  den  aiien  kmim-  hiM« 
Stehleo,*  Springinsf«  cap.  6,  d.  h«  auf  die  ungewnse  knnllige  TeriodOi^ 
rong  aUer  gegenwärtigen  dinge. 


Rf0BtB  HBLBBN  91t 

Toirgeht.  Friedridi  koiunt  u»  dem  Unterlm^  qimI  soUlgl 
eine  solche^  sdilacht.  im  lä.  14.  15  jh.  Terbaiid  damit  de» 
wölk  dte  wiedergewienang  des  heil,  grabs,  auf  dieseo  sweek 
sied  die  ^beiden  des-  Odeftbergs  ued  Kifhttiisers  niclit  ge« 
richtet,  älter  ist  die  Itestimmung,  dafs  mit  ihrem  aefwaobee 
die  groTse  weltscUacht  und  der  f^ste  t&g  anbrechen  soll  4 
daran  lärst  die  erwähnong  des  mUichrüts  keinen  zweifek 
hier  ist  Zusammenhang  mit  dem  mythus  vom  weliimierfangg 
s.  771-773.  der  aufgehangme  9chUd  kann  den  nahenden 
richter  bezeichnen  (RA.  851);  auch  das  zeichen  des  neu« 
grünenden  bautns  scheint  mir  eher  heidnisch  als  christliche 
zwar  liefse  es  sich  auf  Hattb.  24 ,  32,  Marc.  13,  28,  Luc» 
21,  29,  30  (Hei.  132,  14)  ziehen,  wo  die  kunst  des  wett«" 
tages  dem  ausschlagenden  feigbaum,  als  zeichen  des  nahen« 
den  sommers  eerghchen  werdan,  die  anwendnag  desgleich-^ 
nisses  auf  den  jüngsten  tag  wäre  aber  ein  misgrtf.  .  eher 
denke  ich  an  die  nach  dem'  muspilli  neugrünende  erde 
(SsiBf.  d^),  oder  an  einen  rerdorrten  wieder  apptefiKuden 
weltbaiini.  die  eeehe  (s.  756«' 60);  es  liefse  sich« melkst  be^ 
stätigung  meiner  deutang  von  nvia^U,  mudspUli.  z:z  arbrntis 
perditio  (s.  769)  gewinnen  aus  dem  dürren  bamn  *). .  Und  wie, 
wenn  Friedrioha  frage  nach  den  .fliegmukn  raben  •  noch  za-* 
sammenhienge  mit  dem  über  der  netten  weit  ßk^enden  ad** 
kr  (Scem.  0^)  oder  dem  mif  der.esdie  sitzenden^  aoch  an 
die  kramche  darf  sie  •erinnern,  welche  zur  %eä  der  ^olben 
niederkge  durch  die  Inrotbänhe.  geflogen  kemmen  ^(deBlachtt 
sag.  no.  317)..  Fisöhart  (Garg:  266>»  267«)  bindet  die  wie*^ 
derkehr  des  verwünschten  königs  gerade  ao  «n  der  Imn 
niGie  kunft"^^). 

Den  mythus  von  dem  grftnenden  haum  und  der  schlaebt 
in  seki^r  nähe  stellt  uns  eine  niedersädisiscfaelsageH*)  itf 
bedputaam»  abweichender  faasnng  vor.  mitlen  in  Holstek^ 
auf  dem  kirchhofe  za  Nortorf  glaubt  man  wird  einst  eine 


'  *]  dorrende  und  grasende  biorae  werden  «ach  tonst  nAi  dett' 
sehiektal  einei  landet  in  Terbindiiog  gebfaeht.  In  Pielmarttn  ttaod 
ein  wunderbaum,  der  Tor  d^r  einwHime  des  Undes  ^nle,  iMioh  dem 
Terlott  der  freiheit  darrte,  die  Weissagung  lautet:  wann  eine  eitler, 
darauf  nisiei  und  fünf  weifse  jungen  ausbringt,  toll  das  land  wieder 
Trei  werden.    Neocoras  1,  237.  Tgl.  562. 

**)  andere  xeicben  des- einbrechenden  tMfteiMlni:  wenn  der  «cAumni 
den  ring  aus  dem  Schnabel  faüen  läfsi  (oben  s.  400) ;  wenn  die  We- 
senrippe,  aus  der  jährlich  ein  tropfe  abffilU»  pertropfeU  ,sein  wird 
(deutsche  sag.  no.  140);  wenn  die  Jtunge  der  wage  einstekl  (das.  ,294); 
wenn  der  sleUk  im  grünen  ikal  f&U;  wenn  das  scbif  aus  nageln  fertig 
wird  (■•  775). 

***)  die  mir  herr  dr  Karl  Müllenhoff  aus  Kiel  mittheitle. 


918  KEKCnurratOKtB  KBLUBII 

t$d^  «rwacfarai,  noeh  hat  Mtmli»d  elurM  y«m  ihr  ^eraim, 
doch  sehirffi  alljährlich  ein  kleiner  <pfo/«  munerkbar  auf 
dem  boden  hervor,  dann  komml  in  jeder  nonyahranaeht  ein 
wei/ser  reitet  auf  weifeem  pferde  um  den  jüng^  schafe 
übiwhauem.  aber  zu  gleicher  mäX  naht  ein  schwiraer  reUer 
auf  sehwartem  pferde  find  wekri  es  tAM.  lange  kämpfen 
iej  «fndlich  wird  der  aehwarze  reiler  Tenlrwigen  und  der 
weifse  haut  den  aprofs  ab.  Einst  aber  wird  er  den .  sohwjir- 
zen  nicht  mehr  besiegen  können,  dann  die  esche  aufwach-' 
sen,  und  wenn  sie  so  grofs  ist,  dafs  em  pferd  darunter  aur* 
gehuuden  werden  kann  (RA.  s.  82)  ^  der  kömg  mU  grofsen 
scharen  kommen  und  eine  fürchterlich  lange  scUachi  gelie^ 
f^i  werden,  während  der  zeit  wird  sein  ^ferd  unterm 
bäume  stehn,  er  aber  hernadi  mächtiger  sein  als  je  znvor^ 
In  dieser  erzäiteng  läfst  siefa  weltbaum  und  kämpf  beim 
Weltuntergang  kaum  verkennen,  der  weifse  ritter  sehdnt 
Freyr  oder  ein  andrer  leuchtender  gott,  der  gegen  Smrtr 
den  scherzen  streitet  und  das  herannahende  weltende 
durch  abhauen  des  sprofses  aufzuhallen  sneht  heidnische 
göMer  sind  die  beiden  kämpfer  gewia,  wenn  auch  andere, 
der  könig,  dessen  pferd  unter  dm  bäum  angebunden  steht| 
ist  einerlei  mit  dem,  dessen  sehiid  an  den  bäum  gehasfen 
wird,  ein  fcUnftiger  weltrichter. 

Wie  Vergangenheit  und  ziikenft,  das  verhirne  pätadia 
md  das  erwartete  ^  in  der  Vorstellung  des  volke  siefa  vor-** 
sohmeizen  ^ ;  ee  glaubt  tps  an  ein  erwachen  seiner  gelieb«* 
ten  köiiige  und  heMen  aus  dem  hertgsehkif:  Friadriohs  und 
Carb ,  Siegfriede  und  wol  auch  INetrichs.  das  ist  des 
epos  rechtes  zeichen  dafs  es  seinen  gestalten  ewige,  nn* 
vergängliche  daner  sichert  Siegfried  ist  sber  aucä  Wuo- 
tan  (s.  24.  122),  Dietrich  ist  Wuotan  (s.  889),  Cmrl  ist 
Wnolae  (s.  366),  und  Wuetnn  steig«,  nach  dem  muapilli, 
ein  verjüngter,  wieder  erwachter  gott,  von  neuem  auf  die 
weit,  schon  einmal  war  Odinn  aus  dem  land  gefahren 
nach  Godheim  (Yngl.  saga  c.  10),  man  wähnte  ihn  todt  und 
er  hehrte  zurick.  Neben  dem  langbärtigen  Wnotan  darf 
die  ältere  sage  eines  rothbärtigen  Donars  sich  bewust  ge- 
worden sein. 

Auch  Artus y  der  entschwundne  könig, ..  dessen  Wie- 
derkehr die  Briten  glauben  **) ,  soll  (wie  er  an  der  spitze 


..UJ 


*)  fl.  783 ;  selbst  die  partikeln  je,  tinät,  einmal y  öUm,  gehen  anf 
beide  lasUlnde. 

**)  ^et  priuf  Ärtunu  veniei  vetns  iWe  bfitaeMB.*  BenHca«  septi- 
melL  bei  Levser  p.460.  'cujas  in  Ärhtri  tempore  fimctiis  «dt.*  das. 
p.  477. 


BBRGENTROGK  UN6  913 

des  nftchtliehen  heers  zieht  s.  895),  in  einem  berge  mU 
seiner  masse  nie  hausen:  Felicia,  Sibyllen  tochter,  und 
Jnno  die  göttin,  leben  in  seiner  gesdUchaft,  dem  ganzen 
beer  gebricht  es  nicht  an  speise,  trank,  rossen  und  klei- 
dern*).  GraleiUi  fortwährendes  leben  wird  am  Schlüsse 
des  lais  de  Graelenl  versichert.  In  einem  getoölbe  bei 
Kronbnrg  in  Dinmark  sitzen  um  einen  steintisch  gepan- 
zerte mftnner,  niedergebogen,  die  häupter  auf  den  ge- 
kreuzten armen  mbend.  als  Holger  danske,  der  am  ende 
des  tisches  safs,  sein  haupt  erhob,  brach  der  tisch  zu- 
sammen, in  den  sein  hart  gewachsen  war,  und  er  sagte: 
'wir  kehren  zurück,  wann  nicht  mehr  männer  in  Dän- 
mark sein  werden,  als  ihrer  räum  auf  einer  tonne  haben' 
(Thiele  1,  23.  168).  Die  Dänen  wandten  alte  mythen  auf 
Olger,  der  gar  nicht  ihnen,  sondern  den  Niederlanden 
gehört,  und  derselbe  Ogier  (Otger,  vielleicht  Otacher) 
soll  im  Ardennerwalde  umgehn  und  einmal  wiederkom- 
men**). Auch  die  Slaven  glauben,  ihr  geliebter  Seatopluk 
werde  zurtickkehren  und  in  einigen  gegenden  Mährens 
dauert  noch  heute  der  gebrauch  in  feierlichem  Umgang  ^den 
Seaiopluk  va  suchen.*  Palacky  1,  135.  hierzu  halte  ich, 
dafs  Tngl.  saga  15  Svegdir  ausgeht  *at  leita  Odinn',  den  0. 
zu  suchen,  etwas  anders  ist  das  heimsuchen  des  gottes 
(oben  s.  132). 

Oft  führt  der  verwünschte  gar  keinen  namen%  in  der 
hole  des  .WiUbergs  fand  der  schäfer  vom  Osterberg  ein 
mäninlein  vor  steinernem  tische  sitzen,  dtircA  den  sein  hart 
gewachsen  war  (deutsche  sag.  no.  314).  den  schäfer  von 
Wernigerode  geleitete  ein  greiser  mann  zu  den  schätzen 
der  b^ghöle.ßns.  no. 315).  Vortreflich  drückt  das  w<ich8en 
des  barts  in  den  stein  oder  um  den  stein  die  lange  dauer 
der  Vergangenheit,  den  allmälichen  fortschritt  der  zukunft 
aus.  Im  burgheller  von  Salurn,  im  schlesischen  Zobtenberg 
fand  man  drei  männer  am  tische  sitzen  (das.  no.  15.  143), 
die  als  verwünschte  übelthäter  dargestellt  werden.  Leicht 
ist  den  Übergang  von  bergversunknen  beiden  auf  soldie  zu 
finden,  die  natürlich  gestorben  in  ihren  steingräbern  schla-* 
fen  und  sich  zuweilen  sichtbar  erzeigen.  Zu  Steinfeld  im 
bremischen  Harschland,  hatte  einer  eiti  hünengrab  gestört, 
dem  erschienen  die  folgende  nacht  drei  männer,  deren  einer 
einäugig  war  (anspielung  auf  Wodan)  und  die  sich  in  einer 
unverständlichen  spräche  unterredeten,  zuletzt  schleuderten 


*)  Warfb.  kr.  j>n.  hb.  99.  100  (Docod  1.  132.  133). 
**)  Barroit  pr^face  s.  zn.    Puloi  28,  36* 

Grimms  m^tkol,    8,  mtsgabe,  öo 


$14  BEBGENTRÜCKUNB 

sie  drohende  Micke  gegen  den,  der  in  ihrem  grab  g^wühil 
hatte  und  sagten :  9ie  ^ären  für  ihr  Vaterland  gefaUen,  störe 
er  ferner  ihre  ruhe,  so  solle  er  weder  glück  ooch  «lern 
haben.     (Harrys  nieöers.  sag.  1,  64). 

Wie  aber  Holda  in  den  berg  gebannt  tsl,  so  sind  es 
vorzüglich  voeifhe  frauen,  tteifsgekleidete  Jungfrauen  (s.  265. 
364.  390),  auf  welche  der  begrif  dieser  bergverwünschung 
an  Wendung  leidet:  göttliche,  halfogöttliche  wesen  des 
heidentbums,  die  den  btidcen  der  sterUicfaen  noch  an  be-* 
stiDfimter  zeft  siobtfoar  werden;  am.  liebsten  bei  warm^ 
sonne  «erscheinen  sie  araKen  schftfern  und  hirtenjungen. 
unsere  Tolkssage  ist  allenthalben  vcU  anmutiger  lerzftblungen 
davon,  die  sich  wesentlich  gleichen  und  die  festeste  wttrzel 
verrathen. 

Auf  dem  Lahnberg  in  Oberhessen  safs  eine  wei/se 
Jungfrau  bei  Sonnenaufgang,  hatte  aiif  tüchern  waizen  zum 
bleichen  gebreitet  und  spanm.  ein  Marburger  bedter  gieng 
des  Wegs  vorüber  und  nahm  eine  bandv^ll  körner  mit;  zu 
hause  fand  er  lauter  goldkömer  in  der  tasehe.  gleiches 
erzählt  wird  von  einem  bauer  bei  Friedigerode. 

Ein  armer  schäfer  weidete  ai^  der  Beißßburgy  da  sah 
er  im  Sonnenschein  neben  der  scblofsthür  eine  $chneefDe%$fe 
Jungfrau  sitzen,  auf  weifsem  tuch  vor  ihr  lag^  flachsknottent^ 
die  sollten  ftufkllnken.  verwundert  tritt  der  sphtfer  binzu, 
sagt  ^ei  was  schöne  knotten  I*  nimmt  eine  handvoll ,  besieht 
und  legt  sie  wieder  hin.  die  Jungfrau  bli^  ihn  freund- 
lich, aber  traurig  an,  ohne  ein  wort  zxl  erwiedern.  Er 
treibt  seine  heerde  heim,  ein  paar  knotten,  die  in  die  schuh 
gefallen  waren,  dnfilcken  ihm  den  fufs,  er  setzt  sich,  zieht 
den  schuh  ab,  da  rollen  ihm  fünf  oder  sechs  galdkamer  in 
die  band  (deutsche  sag.  no.  10). 

Im  Otomannsberg  bei  dorf  Geismar  sctll  nachts  ein 
feuer  brennen,  alle  sieben  jähre  'kommt  eine  schneeweifs^ 
gekleidete ,  in  der  band  einen  schHisseänmd  hauende  jung-- 
frau  heraus. 

Auf  dem  burgfelsen  zu  Baden  erscheint  mittags  zwölf 
uhr  eine  foeifse  frau  mit  einem  bund  Schlüssel  (Mones  anz. 
8,  310). 

Im  schlofsgewölbe  bei  Wolfartsweiler  liegt  ein  schätz 
verborgen,  dessen  wegen  alle  sieben  jähre,  u>am  die  mai-- 
bhnnen  blühen j  eine  toei/se  Jungfrau  erschwit,  ihr  scbwar- 
zes  haar  ist  in  lange  zöpfe  geflochten ,  um  das  weisse  ge^ 
wand  trftgt  sie  goldnen  gürtet^  an  der  Seite  oder  in  der 
einen  band  ein  gebund  schdssel,  in  der  andern  einen 
straufs  maiblutnen.     am  liebsten  zeigt  sie  101011  nusoblildigen 


WEiSSB  FRAUEN  915 

kindern,  derea  einem  sie  einsi  am  grabe  unten  winkte,  zu 
ihr  hinüber  eu  kommen:  das  kind  lief  erschrocken  heim 
und  erzählte;  als  es  mit  dem  rater  wieder  an  die  stelle 
gieng,  war  die  Jungfrau  nicht  mehr  da.  Eines  mittags 
sahen  «uch  zwei  midcben  des  gänshirten  die  toei/se 
Jungfrau  b^unter  an  den  bach  kommen,  sich  kämmen^ 
di0  %öpfe  machen  i  bfinde  und  gesiebt  toasokem  und  wieder 
auf  den  schIoisb«rg  gehn.  das  nemliche  geschah  am  fol- 
genden mittag,  und  obgleich  man  ihnen  zu  hause  scharf 
eingeprägt  hatte  die  Jungfrau  anzureden,  unterliefseu  sie 
es  aus  Zaghaftigkeit  dennoch,  am  dritten  tag  erblickten 
sie  die  Jungfrau  nicht  mehr,  fanden  aber  auf  einem  stein 
mitten  im  bach  eine  frischgebratne  leberwurst,  die  ihnen 
besser  schmeckt«,  als  je  eine  andere.  Zwei  männer  aus 
Grünwettersbach  sahen  eines  tags  die  Jungfrau  einen  kübel 
Yoll  wasser,  den  sie  am  bach  gefüllt  hatte,  den  berg  hinauf 
tragen;  am  kübel  waren  zwei  breite  reife  von  lauterm 
golde.  der  weg,  welchen  die  Jungfrau  allemal  hinunter  und 
binaufmacht,  war  am  grase  deutlich  tu  erkennetL  Nones 
anz.  8,  304. 

Zu  Osterrode  läfst  sich  alljährlich  am  ostersonntag  eine 
fceifse  Jungfrau  sehn ,  wandelt  langsam  vor  Sonnenaufgang 
an  den  bach  und  wäscht  sich ,  einen  grofsen  bund  scUüssel 
im  gürtel.  einen  armen  leinweber,  der  ihr  um  diese  zeit 
begegnete,  nahm  sie  mit  in  die  burgtrüromer  und  brach, 
ihm  eine  von  drei  wei/sen  tilien  ab,  die  er  sich  auf  den 
hut  steckte,  zu  hause  fand  sich,  dafs  die  lilie  von  reinem 
gold  und  Silber  war  und  die  Stadt  Osterrode  nicht  geld 
hatte  sie  zu  bezahlen,  die  Wunderblume  der  osterjungfrau 
kaufte  nachher  de^  herzog  gegen  ein  jahrgeld  dem  weber 
ab  und  nehm  sie  ins  fürstliche  wapen  auf.  Harrys  Z 
no.  23. 

In  der  Christnacht ,  als  alles  voll  schnee  lag,  gieng  ein 
fuhrmann  auf  einem  fufswege  seinem  orte  zu.  da  sah  er 
nicht  weit  davon  eiae  Jungfrau  mit  einem  sommerhute  stehn 
und  auf  dem  boden  ausgebreitete  fiachsboUen  mit  dem  re- 
chen umwenden,  ^nun  Jungfrau,  thut  sichs  so?'  rief  er  ihr 
zu  und  nahm  eine  handvoll  boUen  zu  sich,  sie  aber  gab 
keine  antwort  und  schlug  ihn  mit  dem  rechen  auf  die  hand. 
erst  «m  andern  morgen  dachte  er  wieder  an  das  mitge- 
nommene, alle  flachsboUen  waren  in  gold  verwandelt,  eiligst 
lief  er  wieder  hinaus  an  den  platz,  wo  seine  in  der  nacht 
hinterlassenen  fufsstapfen  tief  im  schnee  zu  sehi|,  die  jung-* 
frau  und  flachsboUen  aber  verschwunden  waren*  Mones 
anz.  5,  175. 

58» 


916  BERGBNTROCKUNG 

Auf  einem  hügel  bei  Langen steinbach  im  walde  liegt 
die  längst  verfallene  Barbarakirche,  wo  bei  vergrabnen 
schätzen  die  toei/se  frau  umgeht,  im  frühling  (eines  schall- 
Jahrs  gieng  ein  unerwachsnes  mädchen  hinein  und  sah  sie 
aus  dem  chor  trelen,  sie  rief  bsti  und  winkte  dem  mad- 
chen zu  sich,  ihr  gesicht  und  die  bände  waren  schnee- 
weifs,  die  zurfickgeschlagnen  haare  rabenschwarz,  in  der 
band,  womit  sie  winkte,  hielt  sie  ein  sträu/slein  blauer 
bbunefiy  an  der  andern  hatte  sie  eine  menge  goldringef 
trug  weifses  gewand,  grüne  schuhe  und  an  der  seite  einen 
bund  schiüsseL  Vor  schrecken  lief  das  mädchen  aus  der 
kirche  und  hotte  seinen  vater  und  bruder,  die  aufsen  be- 
schäftigt waren,  herein,  die  aber  die  wei/se  frau  nicht  sehn 
konnten,  und  als  sie  fragten,  zeigte  das  mädchen  hin  und 
sagte  'dortr  Da  wandte  die  frau  sich  um^  ihr  haar  hieng 
über  den  rücken  bis  auf  den  boden  und  sie  gieng  nach 
dem  chor,  dann  war  sie  verschwunden.  Mones  anz. 
5,  321. 

In  den  klostergarten  von  Georgenthal  gieng  uro  die 
mittagsstunde  eine  magd  grasen,  da  stand  plötzlich  auf 
der  höhe  an  der  mauer  ein  schleierwei/ses  fräuchen  und 
winkte  bis  die  glocke  zwölf  schlug,  wo  es  verschwand, 
unterwegs  sah  die  graserin  ein  schönes  tueh  mit  hellen 
lemknotten  und  steckte  verwundert  zwei  davon  ein.  zu 
hause  sind  es  zwei  blanke  ducaten.  Beckstein  thür.  sag. 
2,  68. 

Um  den  kellerborn  bei  Atterode  haben  viele  im  mond- 
schein  die  wei/se  Jungfrau  bald  wasche  ^  bald  waizen 
trocknen  sehn.    (das.  4,  166). 

Auf  der  wüsten  bürg  des  Frankensteins  bei  Kloster- 
aliendorf erscheint  alle  sieben  jähre  eine  weifsgekhidete 
Jungfrau  über  dem  gewölbe  sitzend  und  winkend.  Als 
ihr  einer  folgen  wollte,  aber  unschlüssig  am  eingang  stehn 
blieb,  kehrte  sie  um  und  gab  ihm  eine  handvoll  Urschen. 
er  sprach  ^habt  dank!'  und  steckte  ein,  plötzlich  geschah 
ein  knall,  keller  und  Jungfrau  waren  verschwunden,  zu 
haus  besah  der  betäubte  bauer  die  kirschen^  die  sich  in 
gold  und  silberstücke  gewandelt  hatten,     (das.  4,  144). 

Ein  fischer  in  der  gegend  des  räuberbergs  bei  Feeben 
warf  seine  netze  aus,  da  sah  er  plötzlich  aHi  ufer  die 
weifse  frau  mit  einem  Schlüsselbunde  vor  sich  stehn. 
'eben',  sagt  sie,  Mst  deine  frau  daheim  eines  knaben  ent- 
bunden worden,  geh  du  nach  hause  das  kind  zu  holen 
und  bring  mirs,  damit  ich  es  küsse  und  erlöst  werde.' 
Der  fischer  fuhr  heim  und  fand  alles  wie  sie   gesagt  hatte, 


WBBSB  FRADIN  917 

doch  SM  UiMi  traute  er  sieli  nicht  sogleieh  hinatts  zu 
tragen,  der  prediger  rietb  ihm  es  rorher  taufen  zn  lassen, 
na^  der  taufe  begab  er  sich  zum  berg,  die  tteifse  frau 
safs  weinend  und  wehklagend,  denn  das  war  eine  der 
gesetzten  bedingungen,  dafs  das  kind,  durch  welches  sie 
erlöst  werden  sollte ,  nicht  getauft  sein  dürfte,  und  so 
erscheint  sie  noch  jeweUen  auf  dem  berge,  des  kommenden 
erlOsers  harrend.    Ad.  Kuhn  no.  67. 

Bei  Hennikendorf  unweit  Luckenwalde  weideten  ein 
paar  hirten  ihre  schafe.  da  zeigte  sich  ihnen  auf  dem  berg 
eine  frau  halb  u>ei/s  halb  schtoar»  und  winkte,  als  der 
eine  zögernd  hingieng,  erbot  sie  ihm  in  den  berg  zu  kom- 
men und  sie  zu  erlösen,  fOr  alles  gold  was  darinnen  sei; 
ihr  flehen  bewegte  ihn  nicht,  da  sagte  sie,  erlöse  er  sie 
nicht,  so  werde  erst  wieder  nach  hundert  jähren  einer  ge- 
boren der  es  könne;  aber  der  hirte  überwand  nicht  seine 
furcht  und  die  stunde  der  erlösung  war  verstrichen  und  die 
frau  versank  in  den  berg,  aus  welchem  der  schäfer  lange 
noch  ihr  herzzerreifsendes  klagen  und  winseln  hörte.  Ad. 
Kuhn  no.  99. 

Ein  bauer,  der  auf  dem  darrboden  unweit  den  trüm- 
mern  des.  klosters  Chorin  wachte,  sah  die  u)ei/se  frau, 
welche  man  dort  die  utgebersche  (ausgeberin]  nennt,  weil 
sie  ein  grofses  bund  Schlüssel  trägt,  plötzlich  eintreten 
und  erschrak  nicht  wenig,  andern  morgens  erzählte  er 
den  übrigen  knechten,  was  ihm  begegnet  sei,  und  einer 
fragte,  ob  er  ihr  auch  nach  den  füfsen  gesehn  hätte? 
als  er  verneinte,  sagte  dieser  'nun  dann  wollen  wir  heunt 
hingehn  und  nachsehn.'  sie  setzten  sich  zu  mitternacht 
auf  den  darrboden  und  wachten,  und  nicht  lange  so  kam 
die  wei/se  frau  langsam  geschritten,  alle  schauten  ihr  nach 
den  fttfsen  und  gewahrten  daran  gelbe  (nach  andern  grüne) 
Pantoffeln,  lachend  rief  jener  knecht,  'die  hat  ja  gelbe  pan- 
loffeln  anP  da  floh  sie  eilends  und  kam  nimmer  zum  Vor- 
schein.    Ad.  Kuhn  no.  199. 

Am  bache  des  Bfltower  schlofsbergs  ackerte  ein  bauer 
und  oftmals  erblickte  er  eine  Jungfrau  ^  die  daraus  mit 
goldnem  eimer  Wässer  schöpfte  und  sich  wusch,  er  fafste 
sich  enfdiich  ein  herz  sie  zu  fragen  und  vernahm,  dafs  sie 
eine  königstochter  und  itiit  dem  schlofs  des  bergs  in  die 
erde  versunken  sei;  erlösen  könne  sie  nur,  wer  ohne  an- 
zuhalten und'  sich  umzusehn  sie  auf  den  wendischen  kirch- 
hof  zu  Bütow  tragen  und  dort  mit  voller  gewalt  zu  bod6n 
werfen  werde.  Der  -ackersmann  unterwindel  sich  der  that 
und  ist  schon  glücklich  auf  dem  kirchhof,   doch  bevor   er 


918  BERaBRTRI 


ilhAv 


sie  TOn  seinen  schultern  abgeworfen,  greift  ihn  etwas 
hinten  in  den  schöpf,  da  erschrickt  er  dermafsen^  dsfs  er 
sich  umsieht  und  seine  last  fallen  läfst.  Jammernd  flihrt 
die  Jungfrau  in  die  lüfte  auf,  'nun  müsse  sie  härter  dulden 
und  könne  erst  nach  hundert  jähren  von  einem  stand- 
hafteren erlöst  werden;'  seitdem  ist  sie  noch  nicht  wieder 
erschienen.    Tettau  und  Temme  no.  267. 

Der  Pillberg  ist  ein  verwünschtes  schlofs  gewesen,  in 
den  schlechten  stunden  von  eilf  bis  vwölf  mittags  pflegte 
sich  auf  ihm  eine  frau  zu  zeigen  und  im  Sonnenschein 
ihr  haar  zu  schlichten,  sie  bat  die  hirten  sie  anzufassen, 
kein  leid  solle  ihnen  geschehn,  doch  wer  sie  anfasse  möge 
sie  festhalten  und  kein  wort  sprechen.  Ein  dreifsigjähriger 
junge,  der  noch  zum  viehhüten  gebraucht  wurde,  nahm 
einmal  all  sein  herz  zusammen  und  fafste  die  hand  der 
Burgfrau  ]  während  er  hielt,  kam  ihm  allerlei  blendwerk 
vor,  bald  wars  als  wenn  ihn  hunde  beifsen,  bald  als  wenn 
pferde  überlaufen  wollten,  dennoch  hielt  er  fest,  aber  in 
der  angst  drängte  sich  der  seufzer  'herr  gott,  herr  Jesus  C 
aus  seiner  brüst,  gleich  war  die  frau  von  seiner  hand 
los,  weinte  und  klagte,  dafs  sie  nun  auf  ewig  verloren  sei 
und  verschwand.    Reuscfa  sagen  des  Samlandes  no.  8. 

Auf  dem  berg  bei  Kleinteich  soll  ein  schlofs  gestanden 
haben,  das  schon  lange  versunken  ist.  die  vorfahren  haben 
noch  mit  eignen  äugen  gesehn,  wie  alle  tage  mittags  «ipi* 
sehen  eilf  und  zwölf  eine  königstochter  herauftrat  und  sich 
die  goldgelben  haare  in  einen  goUnen  trog  kämmte,  das. 
no.  12. 

Der  Hünenberg  bei  Bckritten  war  früher  ein  heiliger 
berg,  auf  dem  die  Preufsen  ihren  göttern  opferten;  jetzt 
zeigt  sich  dort  eine  frau.  ein  bauer,  der  viel  von  ihr 
gehört  hatte,  ritt  auf  den  berg,  um  sie  zu  sehn,  er  sah 
sie  auch  wirklich,  wie  sie  sich  die  haare  kämmte j  machte 
aber  sogleich  kehrt  und  liefs  sich  nur  durch  ihre  bitten 
bewegen  noch  einmal  umzuwenden«  sie  redete  ihn  freund- 
lich an  und  gab  ihm,  was  sie  sich  aus  den  haaren  gekämmt 
hatte,  ängstlich  dankte  der  bauer,  steckte  das  gescbenk 
in  die  tasche  und  ritt  ab;  als  er  ihr  aus  den  äugen  war, 
warf  ers  fort,  er  hätte  es  lieber  behalten  sollen,  denn 
zu  hause  fand  er  noch  einige  goldkömer,  welche  in 
den  ecken  der  taschen  zurück  geblieben  waren«  das. 
no.  13. 

Mit  solchen  sagen  könnte  ich  bogen  füllen,  bei  aller 
einstinunung  sind  sie  in  nebenzügen  verschieden,   und  das 


WEISSE  ERAUIH  9t9> 

beseiehBeBde  fioUte  tüsg^hobea  werden*).  Ikbrigeafi  kovh- 
men  sie  nickt  blofs  in  alemannischen,  frfinliischeB,  hessischen, 
tUuringischen  gegenden,  wo  bisher  die  meisten  gesainmeii; 
wurden,  sondern  ick  glaube  »Ugemein  in  Deutschland  vor, 
namenllidi  in  Westfalen,  Niedersachsen,  den  Marken  und 
weiter  gegen  osten,  ohne  zweiid  auch  in  der  Schweiz,  iu 
Baiern  und  Ostreich.  Sckm.  1,  33  gedenkt  der  Loferer 
Jungfrau  aus  dem  Salzbargischen  und  bemerkt,  dafs  die 
sage  weit  ins  Baierland  vert>reitet  sei.  Nicht  weniger  weifs 
in  Frieskind,  Drenthe  und  den  Niederlanden  das  Yolk  von 
den  iDiUen  tot/ee»  oder  juffers  in  higeln  und  höhlen  (J.  W. 
Wolf  no.  212]^  obgleich  sie  daselbst  mit  ethischen  gestalten 
vermengt  werden.  Thieles  danske  folkesagn  4,  33  fähren 
die  weä:se  frau,  den  koiik  qeinde  aus  Flensburg  an,  die 
üvikds^  Schatzes  hütend  auf  erlösung  harrt;  4,  96  eine  gold^ 
spkmende  frau  in  schwarzem  kleid  bei  Veilef)ord  in  Nord- 
jütland.  andrer  art  scheint  vorhin  s.  907  die  bt^ita  qenman 
in  Schweden. 

EinigMaal  wird  die  erzählung  reicher  und  märchen- 
haft« ^o  bei  Bechstein  4,  221  no.  39  von  den  leuten,  die 
ihr  fänfjäbriges  kind  im  wald  niedergesetzt  hatten,  wäh- 
rend sie  holz  lasen,  es  hernach  nickt  finden  konnten  und 
lange  suchten,  bis  es  mit  blumen  und  beeren  gelaufen 
kam ,  die  ihm  die  voei/$e  Jungfer  in  ihrem  garie»  gegeben 
hatte,  da  machten  sich  die  eitern  auf  und  giengen  auch 
zu  AeoBk  garten,  der  schon  in  voller  blute  stand,  da  doch 
noch  kalte  jahrszeit  war;  die  wei/se  Jungfer  mvkie  ihnen, 
aber  sie  fürchteten  sich«  das  kind  wünschte  sich  alle  tage 
zu  ihr,  weinte  und  härmte  sich,  erkrankte  und  starb,  es 
war  den  himmUscben,  den  elben  verfallen  (vgl.  .kinderle- 
genden no.  3).  Einem,  der  in  ödem  waldhause  herbergt, 
wird  am  mitternacbt  aohuhgesekbirfe  vernehmbar,  die  u>ei/se 
frau  kommt  vor  sein  bett  getreten,  klagt  ihm  ihr  leid  und 
begehrt  erlösung,  wie  Condwir&mftrs  von  Parziväh  Hones 
aaz.  6^396-398. 

Den  Ursprung  dieser  weifsen  frau  braucht  man  nicht 
von  celtischen  oialroiie»  und  feen  (s.  362.  388)  herzuholen» 
die  ihnen  sehr  nah  vecwandt  sind;  unser  eignes  alterthum 
leitet  auf  nooh  nfthere^  weaen.  eibinnen  und  schwanfrauen 
erseheinen  in   weüsem,   leuchtendem .  gewande,  unter  den 

*)  man  sehe  aufserdem  DS.  no.  11.  12. 316.  Mooes  ans.  3,  149. 
258.  259.  4,  162.  7.  370.  476.  8,  313.  Bechstein  1,  121.  125.  2,  51. 
93.  164.  3,  l60.  181.  187.  210.  4,  157.  158.  187.  209.  221.  224.  229. 
frank,  sag.  157.  285.  Tellaa  and  Teninie  166.  189.  Harrys  1,  19. 
30.  %r  19-  23.    Kuhn  no.  «4»  119.  206^ 


92D  WII8SE  FRA^CEIY 

gOUinnen  dttrfen  besonders  drei  genamil  werden,  ans  denen 
sich  die  weifse  frau  und  zuletzt  die  nenne  niederschlagen 
konnte,  Holda,  die  sich  gerade  so  in  der  mittagsonne  kämmt 
und  badet,  Berhta,  die  schon  im  namen  weifse,  die  spinnt 
und  webt,  Ostara  (s.  268.  740),  der  das  volk  maiblumeB 
apferte  (s.  52).  Holda  und  Berhta  schenken  unscheinbare 
Sachen,  die  sich  in  gold  wandein,  gern  führen  die  weifsen 
freuen  goldne  ringe  und  Stäbe  (Mone  7,  476),  häufen  gd- 
des  liegen  auf  ihrem  schofs  (Mone  8,  185],  sie  begaben 
mit  schachteln  voll  goldsand  (5,  414).  wie  Berhta  als  weifse 
ahnfrau  erscheint,  wenn  ein  todesfall  bevorsteht  (s.  257), 
gilt  dasselbe  von  den  weifsen  Jungfern  (Bechst.  4,  158); 
auf  Berhtas  ungestalten  fufs  (s.  258)  gehn  auch  der  geifs* 
fufs  und  die  langen  nägel  der  weifsen  Jungfrau  (Mone  7, 
476)  oder  der  grüne,  gelbe  pantoffel  (s.  917),  denn  warum 
sollten  diese  sonst  so  auffallen  ?  die  halbweifse  halbschwar"- 
ze  frau  gemahnt  an  Hei  (s.  289),  wenn  man  sie  nicht  aus 
einer  nonnentracht  deuten  will  (Mone  3,  259).  sogar  dafa 
statt  der  weifsen  frau  ein  weifser  mann  (Hone  6,  69) 
auftritt,  ist  wie  Berhtolt  neben  Berhta.  allegorische  freuen, 
wie  sie  cap.  XXIX  darstellt,  haben  in  der  art  und  weise 
ihres  erscheinens  offenbar  vieles  mit  den  weifsen  frauen 
gemein. 

Die  durchgreifende  idee  der  Verwünschung  und  er- 
sehnten lömng  scheint  nun  eben  dahin  zu  fassen,  dafs 
die  heidnische  gottheit  zwar  noch  schön,  reich,  mächtig 
und  wolthätig,  aber  als  unselig  und  verworfen  dargestellt 
wird,  und  aus  dem  über  sie  gesprochnen  bann  nur  unter 
den  schwersten  bedingungen  gelöst  werden  mag.  die  volks- 
sage  läfst  noch  mitgefühl  bei  dem  Jammer  der  weifsen 
frau  blicken,  wenn  die  begonnene  erlösung  immer  unter- 
brochen und  auf  weitere  unabsehbare  zeit  hinausgescho- 
ben ist. 

Dafür  gilt  besonders  ein  eigenthttmlicher,  sicher  alt« 
hergebrachter  ausdruck :  der  welchem  dereinst  gelingen  soll 
die  that  zu  vollbringen,  und  den  bort  zu  heben,  der  ihm 
zum  lohn  verheifsen  wird,  mufs  als  kind  in  der  wiege 
geschaukelt  werden,  die  aus  dem  höh  des  bautns  gezim- 
mert war ,  der  jetzt  erst  als  schwaches  reis  aus  der  mauer 
eines  thurms  Ispriefst:  verdorrt  das  bäumehen  oder  wird 
es  abgehauen,  so  verschiebt  sich  die  hofnung  des  erlösens 
bis  es  von  neuem  ausschlägt  und  wieder  wächst  (DS.  no. 
107.  223).  das  steigern  noch  hinzugefügte  bedingungen: 
den  kirschkern,  aus  welchem  der  sprofs  schiefsen  wird, 
hat  ein  vöglein  in  die  mauerritze  zu  tragen.  (Bechst.  Fran- 


ERLÖSUNG  921 

ken  191);  bei  den  steinen  mnts  ein  dappeUer  tannenbamit 
aus  emer  wurzel  spriefsen ,  und  wann  er  iiundert  jalire  alt 
wird,  zwei  ledige  levte  ihn  am  Wunibaldstage  umhauen ,  den 
stfirksten  stamm  soll  ein  schütten  auf  Dagobertstag  hinab 
ins  thal  schleifen  und  aus  des  Stamms  brettem  die  wiege 
des  erUHsers  gemacht  werden  (Mones  anz.  3,  91) ;  jetzt  ist 
der  nufsbaum  erst  fingerhocb,  aus  dessen  brettern  die  wiege 
gefertigt  wird,  in  welcher  der  einstige  befreier  liegen  mufs 
(Hones  anz.  7,  365).  zuweilen  heifst  es  blofs,  das  bdum- 
chen  sei  noch  ungepflanzt,  das  holz  noch*  ungehauen  (Mono 
6,  397.  7,  476.  8,  63).  bei  Ad.  Kuhn  no.  94  lautet  die 
formel  so :  eine  linde  solle  gepflanzt  werden ,  die  werde 
oben  xiioei  planischen  (fiste)  treiben,  aus  deren  holz  eine 
poie  (boie)  zu  machen  sei:  welches  kind  in  ihr  zuerst  lie* 
gen  werde,  das  sei  bestimtnt  mit  dem  schwert  vom  leben 
zum  tode  gebracht  zu  werden,  und  dann  trete  erlösung 
ein.  In  allen  diesen  sagen  knüpft  sich  der  eintrit  des 
künnigen  ereignisses  an  einen  keimenden  baum^  gerade 
wie  der  weltkampf  durch  den  schöfsling  der  esche  (s.  912) 
oder  den  in  laub  ausschlagenden  dörren  bäum  (s.  909)  be-- 
dingt  war. 

Eine  andre  erschwerung  des  erlösens  ist,  dafs  die  jung"- 
frau  in  grausenhafter  gestalt,  als  schlänge^  drijtche^  kröie^ 
frosch  dbreknal  geküst  werden  mufs  (DS.  no.  13.  Mones  anz. 
3,  89.  7,  476).  schon  im  gedieht  von  Lanzelet  kommt  dies 
küssen  an  den  mund  des  drucken  vor,  der  sich  hernach  in 
ein  schönes  weib  verwandelt  (7881.  7907.  7990). 

Einigemal  geht  die  erscheinung  der  weifsen  frau,  wie 
sie  sich  sonnt,  striihlt  und  badet,  über  in  den  begrif  einer 
wasserholde  und  nixe  (s.  459),  einer  nord.  hafsfru  (Afze- 
lius  2,  150),  und  auch  diese  geister  sind  der  erlösung  be- 
dürftig (s.  461.  462).  zwölf  tüei/$e  seejtsngfem  stellen  sich 
zum  tanze  der  menschen  ein  (Hones  anz.  5,  93).  hierher 
die  romanische  sage  von  Heli^ina.  Solche  meerfrauen 
pflegen  aber  die  hatt«  oder  ganze  gestalt  eines  fischers, 
einer  schlänge  anzunehmen;  einzelnen  weifsen  frauen  wird 
fkckäckwanA,  scklangensckwanA,  beigelegt:  in  den  goldnen 
borg  war  eine  königstochter  als  scklange  verwünscht,  die 
nur  jede  chritte  nacht  menschengestalt  erhielt  (KM.  no.  92); 
fan  Oselberg  bei  Dinkelsbüfai  baust  eine  schlänge  mit  frauen- 
haipt  und  Schlüsselbund  am  hals  (DS.  no.  221). 

Hit  dem  begrif  der  bergentrückung  ist  meistens  auch 
der  eines  verwünschten  heblichen  sckatses  verbunden,  da 
wo  der  alte  held  oder  gott  in  der  berghöle  sitzt,  wie  im 
hflgel  und  grab  des  beiden ,  liegt  ein  unendlicher  bort  ge-^ 


922  fiO&T 

borgen;  die  weirse  firau,  die  sehltuigen  frau,  oder  scAIang». 
und  drache  allem  hüten  seiner. 

Das  goth«  ku»df  ahd.  bort,  aga.  heard,  alta.  hodd  schei- 
nen mir  bnchsläblich  das  lat.  cusi  in  casles,  cuslodia,  dieses 
von  curo  (für  cuso)  abgeleitet,  so  dafs  sich  auch  unser  büs 
(das  hegende,  schätzende)  ond  das  lat.  curia  (haus  und  bof) 
derselben  wurzel  fügen ,  in  husul  liegt  also  s<dion  der  begrif 
des  bewachens,  hütens.  aus  tbesaurus,  ilal.  span.  tesoro^ 
franz.  tr^sor  ergab  sich  das  ahd*  treso,  dreso.  das  gotb. 
skattSj  ahd.  sca»  bezeichnet  aber  numus  und  ist  erst  allnä-' 
lieh  in  die  bedeutung  von  thesaurus,  gaza  übergegangen, 
noch  im  13  jh.  hatte  schätz  nur  den  sinn  von  geld,  reich-» 
thum  (Flore  7749.  Troj.  2689.  3171.  Ms.  2, 146')  nieht  den 
von  niederlegung  und  bewahrung. 

Der  aligemein  verbreitete  glaube,  dafs  kn  innem  der 
erde  schätze  ruhen,  läfsk  0.  V.  4,  23,  als  er  vom  erdbeben 
bei  des  heilands  auferstehung  redet,  sagen :  'sih  scutita  io 
giltcho  thiu  erda  kraftlicho ,  ioh  si  sliuno  thar  irgab  /Aas 
dreso  thar  in  iru  lag.^ 

Aus  der  bergung  des  scbatzes  in  die  tiefe  folgt,  dafs 
wer  sich  seiner  bemächtigen  will  ihn  heben  müsse,  man 
glaubt,  dafs  der  schätz  von' selbst  rücke,  d.  k  sich  lang- 
sam aber  fortschreitend  der  Oberfläche  zu  nftiiern  suche, 
meistens  heifst  es,  er  komme  alljährlich  einen  bahnen*^ 
schritt  weiter  aufwärts  (DS.  no.  212).  auch  den  donner- 
keil,  Donars  kostbaren  hammer,  nach  dem  er  tief  in  den 
erdbodeq  gefahren  ist,  sahen  wir  (s.  164.  165)  in  sieben 
jähren  wieder  hinauf  treiben,  zu  bestimmter  zeit  steht  der 
schätz  oben  und  ist  seiner  erlösung  gewärtig;  fehlt  dann 
die  geforderjke  bedingung,  so  wird  er  von  neuem  in  die 
tiefe  entrückt.  Jene  annäherung  aber  drückt  die  redensart 
aus:  kler  5cAafo  blühet^,  wie  das  glück  blüht  (s.  824),  ^er 
wird  ieitig\  'er  eerbloht'  (Simpl.  2,  191)  mufs  wieder  ver- 
sinken, das  mag  sich  aufs  blühen  einer  blutne  über  oder 
neben  ihm  beziehen,  mhd.  sagte  man,  dafs  der  schätz 
hervorkomme:  Venne  kumt  hereür  der  hört,  der  mich  86 
ridie  möhte  machen?'  Ms.  1,  163^.  gewöhnlich  zeitig!  er 
alle  sieben,  oft  auch  nur  alle  hundert  jähre,  gern  zumal  im 
vollmondschein,  auch  in  den  zwölften,  es  heifst  auch  'der 
schätz  sonne  sicK:  an  freilegen  im  merz  soll  er  aus  dem 
boden  steigen  sich  zu  sonnen  (Mones  anz.  8,  313),  jenes 
ausbreiten  des  waizens  und  der  flachsbollen  (s.  915)  ist 
dergleichen  sonnen,  dw  schätz  pflegt  sich  in  kesseln  zu 
heben,  und  dann  seine  gegenwart  durch  eine  auf  ihm  hueh^ 
iende  flamme  anzuzeigen,  wie  über  den  bügeln  der  gespen^ 


GElOBfiN  «23 

ster  flamme  weht  (s.  668)  bhue  lohe  wird  auf  ihm  erblickt 
(Keusch  no.  46],  er  hat  das  ausseht!  glühender  kohlen,  ei-^ 
nes  btauke^sels  voll  rothen  ffoldes  (Reüsch  tto.  7.  25.  26)« 
brennt  flamme  äb^  ibm,  so  sagt  man  'der  schätz  tteUeri 
sich,*  Viele  schätze  bewegen  sich  jedoch  nie  gegfen  die 
Oberfläche  der  erde,  sondern  müssen  in  der  berghöle  selbst 
gewonnen  werden. 

Zur  hebuiig  des  schatteis  wird  erfordert  stillschweigen 
nnd  Unschuld.  Alle  heiligen,  göttlichen  geschäfte  dtlrfen 
nicht  besprochen  werden,  z.  b.  heilawfte  ist  schweigends 
zu  schöpfen  (s.  210.  551),  sauberkräftiges  kraut  schwel- 
gends  zu  brechen;  ein  beschriener  schätz  sinkt  augenblick- 
lich hinab  (abergl.  214).  unschuldige  kinderhände  taugen 
ihn  zu  erfassen,  wie  das  loos  zu  ziehen,  arme  dorfknaben 
und  hirtenbuben  sind  es  die  ihn  auffinden  (DS.  no.  7.  157. 
158);  wer  sich  durch  laster  befleckte  kann  ihm  nimmer  nahen 
(das.  13). 

Wer  den  schätz  erblickt  soll  geschwind  etwas  darauf 
werfen,  um  besitz  von  ihm  zu  nehmen  und  alle  gefahr  ab- 
zuwehren, gerathen  wird  brat,  oder  ein  auf  blofsem  leib 
getragnes  kleidungsst&ck  oder  einen  kreuzdreier  hastig  übet 
den  schätz  zu  werfen  (abergl.  218.  224.  612).  man  lese 
8.  569  von  dem  feuer  nach. 

Der  bort  wird  aber  angezeigt  und  gehütet  angezeigt 
durch  die  erscheinung  jener  versunknen  beiden  und  weifsen 
frauen ,  angezeigt  und  bewacht  durch  hunde ,  schlangen, 
drachen.  auch  jene  waberlohe  oder  die  blühende  blume 
kündet  ihn  und  die  wimmelnden  käfer  (s.  657)  sind  sein 
zeichen. 

Um  in  den  borg  zu  gelangen,  worin  er  geborgen  ist, 
bedarf  es  gemeiniglich  einer  wegbahnenden  thürsprengenden 
pflanze  oder  wurzel. 

In  den  volkssagen  wird  ganz  einfach  eine  schöne  totfi»* 
derblume  genannt,  die  der  beglückte  zufällig  findet  uifd  an 
seinen  but  steckt:  nun  steht  ihm  auf  einmal  ein  und  aus- 
gang  zu  dem'  schätze  des  berges  offen,  hat  er  inwendig  in 
der  hole  seine  tasche»  gefüllt  und  vom  anblick  der  kostbar- 
keiten  erstaunt  den  hut  abgelegt;  so  erschallt  hinter  dem 
weggehenden  die  warnende  stimme*):  H>€rgi/s  das  beste  nicht r 
aber  es  ist  zu  spät,   und  nun  schlägt  ihm  bei  seinem  aus- 


*)  gleichtsm  der  blume  selbst,  mehrere  blumen,  namentlich  ga- 
mandef  tiQ4  müaseöfarchen  beifeeo  dem  folk  *ipergifMneinnickf  ^  da$ 
dabei  ihre  wanderkraA  b^rückaiebti^te*  die  seatimentale  deutua^  enl- 
itaad  später. 


924  HOBT  ; 

gangr  l^r^  on  der  ferse  die  eiserne  tkür  »v,  alles  isl  im  nu 
verschwunden  und  der  pfi^d  nimaiermehr  zu  finden.  Diese 
formel  kehrt  in  den  sagen  Yom  Odenberg ,  von  den  We- 
serbergen und  vom  Harz  und  in  vielen  andern  jedesmal 
regelmäfsig  wieder  (DS.  no.9.  303.  314.  Becfaslein  1,  146. 
3,  16.  4,  210.  211.  Dieffenbachs  Wetterau  s.  284.  285. 
190) ;  sie  ist  gewis  uralt  ^).  gewöhnlich  wird  die  blume 
blau  angegeben,  nach  der  göttern  und  geistern  eigensten 
färbe,  doch  finde  ich  auch  purpurblnme  und  u>ei/se  biume 
genannt;  zuweilen  heifst  sie  Schlüsselblume ^  weil  sie  das 
gewölbe  schliefst  und  als  symboI  der  schlüsseltragenden 
weifsen  frau,  der  das  schlUsseUnmd  als  ahnmutter  und 
schliefserin  des  hauses  ziemt,  die  aber  zugleich  den  schätz 
zu  öfnen  macht  hat.  auch  gliicksblume  heifst  sie  (Bechstein 
3,  212),  am  häufigsten  Wunderblume,  wenn  drei  wuneler-^ 
bhmen  genannt  sind  (Bechst.  1,  146.  4,  209),  scheinen  drei 
an  einem  Stengel  gemeint.  Das  gewaltsame  plötzliche  zu- 
fahren der  thür  gemahnt  auffallend  an  das  eddische  'hrynja 
honom  f)ä  d  hcel  {>eygi  hlunnblik  hallar'  S®m,  226* ;  *f>e- 
gar  laukst  hurdin  d  hcela  hönum'  Sn.  2;  'eigi  fejlr  honum 
pft  hurd  ä  hcela'  fornald.  s(ig,  1,  204:  zweimal  von  dem 
zuprallen  der  höllenthür  (s.  291).  einem  hirtenknaben  wurde 
sein  schuhabsaiz  noch  mit  weggerissen  (DS.  157),  wie  sonst 
dem  wegeilenden  die^  ferse  abgeschlagen  (KM.  3,  75).  als 
der  Schäfer  den  ruf  überhörte,  brach  das  gewölbe  zusam- 
men, die  thür  schlug  hinter  ihm  zu,  dafs  es  krachte ^  er- 
fafste  ihn  noch  an  der  ferse  des  einen  fufses  und  zer- 
schlug sie,  dafs  er  lange  siechte  und  das  geholte  geld  auf 
die  heilung  des  fufses  verwenden  muste  (Bechst.  4,  211); 
wie  er  hinausstürzt,  schlägts  die  thür  hinter  ihm  zu,  dafs 
ihm  die  fersen  weggeschlagen  sind  (Harrys  2,  14).  ich 
gebe  etwas  auf  das  vorkommen  solcher  formein,  und  möchte 
sie  in  mhd.  gedichten  aufspüren,  ^die  berge  sint  nü  nach 
mir  !6Uo'  Ms.  2,  145*  scheint  schon  in  einer  redensart  des 
13  jh.  das  verscherztsein  eines  früher  offen  gestandnen 
glucks  auszudrücken. 

Anstatt  der  Wunderblume  oder  Schlüsselblume  nennen 
andere  sagen  die  springwur^el^  ein  kraut  das  man  sich 
auf  folgende  weise  verschaffen  kann:   das  nest  ^nes  gms^ 


*)  andere  formein:  'je  mehr  du  zerstreust,  je  mehr  du  bereust!* 
*je  mehr  du  yerzettest,  je  minder  du  bettest !'  nemlich  wenn  das  ge- 
schenkte oder  aufgelesne  gold  den  schein  hat  von  lanb  oder  kohle. 
In  der  hole,  wo  gold  auf  dem  tische  liegt,  rufen  die  drei  daneben 
sitzenden  alten  männer  den  staunenden  gast  an :  'greif  einen  grif, 
streich  einen  strich,  und  packe  dich!* 


SPRINGWÜRZEL  92S 

Spechts  oder  $ckwaf%spechi9 ,  wann  er  junge  hat,  wird  mit 
hölzernem  keil  zugespöndet;  der  vogel,  sobald  ers  gewahrt, 
entfliegt  und  weifs  eine  wunderbare  würze!  zu  finden,  die 
menschen  vergebKch  suchen  würden,  er  bringt  sie  im 
Schnabel  getragen  und  hält  sie  vor  den  keil,  der  alsbald, 
wie  vom  stärksten  schlage  getrieben,  heraus  springt«  hat 
man  sich  nun  versteckt  und  erhebt  bei  des  spechts  annähe** 
rung  grofsen  lärm,  so  erschrickt  er  und  läfst  die  wursel 
fallen,  einige  breiten  auch  ein  weifses  oder  rothes  tuch  unter 
das  nest,  so  wirft  er  sie  darauf,  nachdem  er  sie  gebraucht 
hat.  Eine  ältere  stelle  theilt  Mones  anz.  8,  614  aus  Con- 
rad von  Megenberg  mit:  'ain  vogel  haist  ze  latin  meraps 
und  haist  ze  tQtsch  bömheckel  und  nist  in  den  holen  bömen, 
und  wenn  man  im  sinü  kint  versiecht  mit  ainem  zwickel,  so 
bringt  er  ain  krut  und  hält  das  ffir  den  zwickel,  so  vert 
der  zwickel  her  dan.  daz  krut  haist  herba  meropis,  das 
spricht  b&mkeckelkrut  und  haist  in  der  zöberbuch  chora, 
und  wer  nit  guet,  daz  man  es  gemainklich  erkant,  wan  es 
gänt  sloss  gegen  im  uff,  damit  smidet  nieman,  wan  der  ge- 
vangen  lyt  uf  den  lip.  Der  speckt  galt  für  einen  heiligen 
göttlichen  vogel  (s.  639).  schon  Pljnius  10,  18  berichtet 
den  mythus:  adactos  cavernis  eorum  a  pastore  cuneos,  ad« 
mota  quadam  ab  his  herba,  elabi  creditur  vulgo.  Trebius 
auctor  est,  clavum  cuneumve  adactum  quanta  libeat  vi  ar- 
bori,  in  qua  nidum  habeat,  statim  exsiiire  cum  crepitu  ar- 
boris^  cum  insederit  clavo  aut  cuneo*).  Dars  dem  Specht 
besonders  die  Zauberkräfte  der  kräuter  bekannt  sind  ergibt 
sich  aus  andern  sagen :  er  hütet  sie  und  fährt  dem  men- 
schen, der  sie  ausreifsen  will,  in  die  äugen,  so  sagt  Plinius 
25,  4,  10  von  der  paeonia:  praecipiunt  eruere  noctu,  quoni- 
am  si  picus  martius  videat  tuendo  in  oculos  impetum  faciat; 
und  27,  10,  60:  tradunt  noctu  effodlendas,  quoniam  pico 
martio  impetum  in  oculos  faciente,  interdlu  periculosum  sit. 
Jene  sprengende  würzet  Soll   euphorbia  lathyris  sein,   von 


*)  ygU  Yom  wiedhopf  Aelian  de  nut.  ao.  3. 26.  Die  rabbiniscke 
•age  gedenkt  des  bergspallendea  sciuunir,  welchen  sich  SalomoD  zu 
seinen  bauten  auf  folgende  art  Terschafte.  er  liefs  das  nest  eines 
auerhahns  suchen,  worin  junge  waren,  und  es  dann  mit  weifsem  kri- 
stall  zudecken,  der  auei-hahn  kam  und  wollte  zu  seinen  jungen,  als 
er  aber  nicht  Termoobte,  holte  er  den  sckamir  und  setzte  ihn  auf 
das  glas,  indem  fieng  Salomos  böte  überlaut  an  zu  schreien »  dafs 
der  vogel  erscbrack  und  den  schamir  fallen  liefs,  den  jener  sogleich 
mit  nahm  (Majera  mjth.  wb.  i,  121).  Das  erzShlen  die  gesta  Roman, 
beinahe  eben  so  yon  dem  TOgel  straufs  und  dem  herbeigeholten 
sprengenden  warm  ifttfmare  (Grifses  übers.  2,  227). 


9(6  WÜNSGHELRUTHE 

den  Italienern  sferracayallo  genannt,  weil  ihre  Wirkung  gegen 
die  metalle  so  stark  ist,  dafs  aaf  sie  tretende  pferde  daa 
hufeisen  im  sticii  lassen  müssen. 

Es  gil^t  aber,  aufser  solch^^n  thOrsprengeoden  pflanzen, 
noch  ein  anderes  uraltes  mittel,  gold  ^nd  schfttzc  in  der 
tiefe  der  erde  aufzuspüren  und  zu  erwerben;  die  wikh- 
schelnßAe,  Warum  übertrüge  schon  eine  ahd.  glosse  ca* 
dni^ens  durch  wunmligerta  (gramm.  2,  540.  Graff  4,  257), 
hätte  sie  nißhl  den  begrif  der  zauberbrftftigen  ruthe  Her* 
eurs  mit  jenem  au/sdruok  am  nAcbsteo  zu  erreichen  geglaubt? 
an  sich  führte  das  lat.  wort  weder  auf  wünsch  noch  wün- 
schen (N,  Cap.  16.  37  verdeutscht  flugeg^Uif  virga  yola-^ 
tilis)>  die  Vorstellung  einer  zauberruthe  unter  eigenthümlich 
deutschem  namen  war  also  sehr  frühe  begründet,  und  die* 
ser  name  hängt  wieder  zusammen  mit  dem  mehrbesprocbe- 
nen  sinn  des  wertes  wünsch,  das  wie  s«^lde  spwol  den  in* 
begrif  von  glück  und  heil,  als  persönliche  wesen  Wunsch 
undSmIde  bezeichnet,  der  diminutivform  halben  nehme  ich 
in  dem  compositum  nounsciUgerta  nicht  die  persönliche  bO'* 
deutung,  sonderi^  die  sächliche  an:  es  ist  die  gerte,  durch 
deren  besitz  man  alles  irdischen  heiis  theilhaft  wird^  die 
gäbe  dieses  heils  gebt  von  dem  allwaltenden  Wuotan  aus 
(s.  390). 

Auch  die  dichter  des  13  jh.  bedienen  sich  des  aus* 
drucks.  Conrad  in  der  schmiede  664  (614),  Maria  mit  dem 
Stabe  Moses  vergleichend:  'du  bist  diu  foünscihelgerte ,  dar 
mit  üz  einem  steine  wazzer  wart  geslagen';  1306  (1^61) 
'da  sielden  (?  Seiden)  Wünschelgerte* ;  Troj.  19868  von  He- 
lene^: 'schoene  als  ein  wünschelgerie  kam  sie  geslichen  üf- 
reht' ,  wie  dänische  Volkslieder  in  gleichem  sinn  liljevaand 
(lilienstengel)  verwenden;  Troj.  2215  'alles  bei^s  ein  wün^ 
schelris';  Gotfried  in  einem  minnelied  2,  9;  'der  gnäde  ein 
tpiinschelruote' ;  Nithart  im  rosenkr.  3:  'gespalten  nftch  der 
foUnschebruoien  stam';  in  Albr.  Titur.  mehrmals  tcünschel'» 
gerte  und  toünschebwte  (4146) ,  wtinschels&me  des  var* 
men  (4221)  weil  varm,  nhd.  farn  (filix)  ein  heilkraut  ist. 
Die  wichtigste  stelle  findet  sich  aberNib.  1064  (wenn  schon 
einer  eingeschalteten  Strophe)  gerade  bei  beschreibnng  des 
Nibeiungehorts : 

der  wünsch  lac  dar  under^  von  golde  ein  rüetelin, 
der  daz  het  erkunnet,  der  möhte  meister  stn 
wol  in  al  der  werlle  über  isltehen  man. 
unter  gold  und  gesteine  des  horts  lag   eine  ruthe,  deren 
wunderkralt  (wünsch)  alles  heil,  alle  wonne  enthielt,  wer 
ihren  werth  kennt  (ich  setze  nach  rüetelin  blofs  ein  comma 


WONSCHBIJKDTHB  9t7 

t9ii  beziehe  'daz'  daraif),  dem  ist  gewall  über  alle  men- 
schen verlieben ;  die  wttnschelrathe  brachte  nicht  nur  seUitze 
zuwege,  sie  stürkte  und  mehrte  fortwährend  deren  gehalt 

.Hier  heifst  die  wünsohelnith«  golden.  Gewöhnlich 
bradi  man  sie  aus  einer  hoiekiaude;  nach  Vintler  ist  sie 
'das  jährige  zweig  (sumeriate)  eines  wilden  hasetbannies.* 
es  wird  dazu  bei  reebtem  mondsebein  ein  ast  mü  einer 
mmkele,  tmspet  (ferca)  gescbnilteii  und  dreifach  »utammep^ 
gewunden  ^).  andere  fordern  eine  weifse  haeel  oder  hretu^ 
domnUhey  die  gäbe!  oder  Iwiele  hat,  in  einem  jähr  gewach* 
sen  und  woran  kein  flecken  attes  hob  ist,  sie  mufs  so  stehn, 
dafs  ost  und  westsonne  durch  die  twiele  scheint,  sonst  ist 
sie  nicht  gut.  wer  sie  brechen  will,  geht  an  einem  neuen«- 
Sonntage  morgens  zwischen  3  und  4  nhr  stiilschweigend  zu 
der  mthe,  kehrt  «ein  angesioht  gegen  morgen,  neigt  sieb 
drehnal  vor  der  mthe  umi  spricht :  'gott  segne  dich  edles 
reis  und  sommerzweig  I  (daravf  folgen  sieben,  in  den  mekL 
jb.  5,  110 — 117  mitgetheilte  beschwürungen).  Jene  yer« 
gleichung  Conrads  Itfst  eine  einfache,  eeManhe  gerte  yer'- 
muten.  Man  unterschied,  wenigstens  iqiiter,  mehrere  arten : 
feuerruthe,  brandruthe,  springruthe,  sehlagruthe,  beberuthe. 
laicht  zu  allen  wurde  die  hasel  verwendet,  einige  aus  mos-* 
singdrat,  vielieicht  auch  gold  verfertigt.  In  Niederdeutsch«- 
hnd  sagt  man  wiekerode,  von  wichen,  zanbem,  Weissagen. 
Es  gilt,  die  ruthe' richtig  in  der  band  zu  halten  (beide  en«- 
den  fassend,  so  dafs  der  stiel  in  den  sie  zusammen  laufen, 
sich  aufwärts  kehre),  dann  schlägt  sie  an,  ihr  stiel  dreht 
sich  nach  den  gegenständen,  die  sie  anzeigen  soll,  bleibt 
aber,  wenn  diese  nicht  vorhanden  sind,  ruhig.  Nach  andern 
wird  mit  jeder  band  eine  zinke  der  beiden  gabeln  fest  em- 
porgehalten, dreht  sich  dennoch  die  eine  zinke  mit  unwi- 
dersteMtcher  gewalt  nach  dem  boden,  so  ist  ein  erafeld 
vorhanden,  dabei  wurden  auch  formein  gesprochen :  VtilAe, 
rtahe  ich  frage  dich,  wo  der  beste  schätz  mag  liegen?' 
Man  glaubte  mittelst  der  wünscbelruthe  verborgne  sohätze, 
erzadem,  wasserquellen  (darum  heifst  sie  in  der  Schweiz 
brunnenschmecker,  Tobler  SO""),  ja  mörder  und  diebe  zu  ent* 
decken  *•). 


*]  Ettners  unwürd.  doctor  p.  3— 8,  Tgl.  den  doppelast  der  tanne 
und  linde  (s.  921)  und  die  drei  blumen  eines  Stengels  (s.  924)  rute 
mit  neun  enden  (abergl.  950);  lindenast  mit  nenn  zweigen  (nhesa 
dainos  30).    ' 

**)  üterargetchichte  der  wunschelruthe   im   neuen  lit  anz.    1807 
p.  345—477,  Tgl.  braunschw.  anz.    1752.  p.  1625.    goth.    tascbenb. 


928  WÜNSGHELBUtBB 

In  Anshekns  Bern,  chron.  2,  8  finde  ich  den  aiisdrud^ 
glüchsstäblin,  wie  vorhin  glücksblume.  der  franz.  name  ist 
baguetie  dwinaknre:  nach  den  ni6ni.  de  Tacad.  oeltiqoe  4^ 
267  'de  coudrier,  faurckue  &un  c6U' 

Sollte  das  altn.  gambanieinn  S»in.  77^  85^  einen  fthn*- 
lichen  begrif  enthalten  ?  teinn  ist  ramas^  virga  (goth.  täins, 
ahd.  zein,  ags.  tän,  alts.  tto)  *),  gamban  widersteht  allen 
seitherigen  deutungen.  in  der  letztgedachten  stelle  wird 
gambanteinn  im  wald  geholt: 

til  holtz  ec  gdcc  oc  til  hrfts  Yidar 
ffambantein  at  geia.  gambaiUein  ee  gat« 
S»m.  60^  handelt  es  sich  auch  von  einem  gambansumbl 
nmgeta,  was  recht  gnt  wänschelmahlzeit  der  gdtter  bedeu- 
ten könnte,  ich  würde  die  Variante  gamansumbl  nehmen, 
ond  gaman  wonne  auslegen^  wie  wunsc.  zu  wunna  gehören 
mag.  indessen  steht  Beov.  21  ags.  gomban  gyldan,  ver- 
schieden von  gomen  (gaudium).  auch  ^tams  vendi  ec  fiic 
drep'  Siem.  84^  verdient  erwägung,  tams  vöndr  (virga  do- 
mitoria)  ist  sicher  ein  Stab  von  zauberhafter  Wirkung. 

Ausführliche  sage  von  einem  toHnschebtab ,  den  der 
h.  Columban  einem  armen  mann  schenkte ,  dieser  aber  auf 
anstiften  seiner  frau  zerschlug,  findet  sjki^h  in  Adamannfi 
Scoti  vita  s.  Colnmbae  cap.  24  (Canisii  lect.  antiq.  tom.  5)« 

Am  bedeutramsten  für  den  ursprünglichen  sinn  der 
wttnschelruthe  wird  das  nfjgvHttov  des  Hermes  (der  cadu- 
ceus  des  Mercur):  gerte  um  welche  sich  schlangen  winden« 
die  schlangen  scheinen  aber  erst  aus  den  zweigen  der  olive 
gebildet,  so  dafs  die  filtere  ^aßdos  (Odyss.  24,  2)  wahr- 
scheinlich die  zwiselform  der  wünschelgerte  hatte,  der 
bymn.  in  Herc.  527  nennt  sie  oXßov  nai  nXavtov  ^ißiovj 
XQVoBffj^ ,  TQmi%f]Xov  ^  golden  (wie  im  Nib.  lied],  drei- 
blfitterig,  gl&ck  und  reichtkitm  schaffend.  Da  nun  Mer- 
cur zugleich  den  geflügelten  •  petasus  trägt ,  wie  Wuotan 
durch  das  pilei  umbraculum  kennbar  ist,  darin  aber  wie- 
derum die  idee  des  wünichelhuU  (s.  828)  waltet,  die  heil 
und  segenbringende  toünsckelruthe  auf  den  persönlichen 
Wunsch,  folglich  Wuotan  bezogen  werden  mufs;  so  scheint 
mir  in  dem  zutreffen  aller  dieser  fihnlichkeiten  unabweis- 
bare bestfitigung  der  uralten,  unerborgten  Identität  zwi- 
schen   Wuotan  und  Mercur  zu   beruhen.      Rudolf  im  Bari. 


1809.  p.  1  —  19.     die  behauptung,    dafs  sie  erst  seit  dem  11  jh.  in 
Deutschland  bräuchlicb  geworden  sei,  scheint  falsch. 

*)  es  könnte  auch  sagitta  bedeuten,  was  an  Martins  von  Amberg 
*n«ch  schätze  mit  pßlen  soochen*  gemahnt 


HORT:i    BOiND.    »GELANGE  929 

274,  25  konnte  gar  wol  'des  .Wunsehes  bbtome'  meinen;  da 
die  vielen  beispiele  ans  Gerbart  (s.  127)  aeigen  ^  wie*  ge- 
Mvfig  ihm  die  personifieation  war. 

Das  mythische  Verhältnis  bergenirückter  sehätze  wie 
herffetUrüeiUer  helden  nnd  götler  hat  uns  auf  Wuotan,  den 
bddiaten  schöpter  und  geber  alier  dinge. geleitet;  der  alle 
verborgnen  sebfttze  weife  (Yngl.  saga  cap.  7). 

Anber  den  btamen,  ktfivtern  und  ruthen  sind  noch 
andre  dinge  Bor  bebung  des  Schatzes  behilftieh.  So  soll 
ein  9d^mar!6er  b^ek,  auf  dem  kern  helles  härehen  i$ty  ge- 
sucht und  an  der  stelle,  wo  daa  geld  vergraben  Hegt,  gleich-« 
sam  dem  geiste,  der  seiner  hütet,  zum  opfer  angebunden 
werde»  (Hones  ans.  6,  305).  andere  fordern  ein  sckwarua 
MIsi,  an  dem  auch  nicht  ein  einsiges  weifses  federdien 
sei,  sonst  breche  der  leufel  dem  hebenden  seinen  hals 
(Bechstein  4,  207).  Ober  v^wünsehtes  geld  ist  der  faeh 
auagesprochen :  nur  der  seile  es  finden,  der  es  mit  zwei 
$ehwanen  hälmen  ampßiffe ;  einer  schnitzle  sich  dazif  ei- 
nen kleinen  pflüg  und  vollführte  die  hebung  (Reusch  Sam- 
laod  s.  29). 

Auf  dem  horte  liegen  aber  hütende  Hunde  j  Mchkmgen 
und  droöken  (DS.  no.  13.  159.  Schm.  2,  209). 

Annales  corbej.  ad  a.  1048  (PaulUni  p.  386):  Sgunt  in 
Brunriierg  magnum  thesaurom  absconditum  esde,  quem  fit- 
ger  canik  costodit  cum  oculis  igneis'  und  im  carmen  de 
Brnnsbergo  (Paullini  p.  599): 

horrendus  eams  est  tenebrosum  vinctus  ad  antrum 
ike$auri  custo»,  qui  tatet  imas  ibi, 

igneus  est  Visus,  color  atque  nigerrimus  äü, 
OS  paluium  et  cunctis  halitus  usque  gravis, 
unter  dem  birnbaum  sah  man  glühende  koUen  und  nachts 
einen  scku>€n%en  jmdel  liegen  (Mones  ans.  7,  227):  Auf 
einer  kiste  des  gewöibes  lag  eine  kri^^  auf  der  andern 
ein  ioeifsisr  kund;  als  die  bauersfrau  mit  einer  voii  der 
weifsen  frau  dazu  empfangnen  gerte  umherschlug,  wurde 
der  hund  kohlschwarz,  worüber  die  frau  erscbroekeki  das 
schweigen  brach  und  die  erlösang  vereitelte  (Menes  anz.  5,320). 

Kein  thier  steht  näher  zu  gold  und  schätzen  als  die 
»ehlangej  die  sich  auf  dem  goldhaulen  niederringelt  (8.653), 
glimmer  abschüttelt  (s.  654),  goldkronen  trägt  (s;  660).  wir 
sahen  die  weifse  frau  selbst  in  halber  oder  ganzer  schlangen- 
gestalt  ersdiein^n.  An  dem  wasser  vorder  geldhüle hütet 
eine  grofse,  zischende  schlänge,  wer  ihr  keck  auf  den  köpf 
tritt ,  dem  dehnt  si^,  sich  zu  ejner  brücke  über  das  wasser, 
die  er  kühn  beschreiten  und.  dasga.  so  viel  er  will  golderde 

GrimmM  mytkoL    8.  musgmhe,  ^9 


BSQ  DRACHCraORT 

holen  kann  (B«cli$teiii  4,  174).    fanig^td  scheint.  goM,  dlur 
in  gttnipfen  bei  den  sohlailgen  und  drachea  lag  (s.  498). 

Unser  frühstes  alterthum  hat  berühnite  sag  ob  yqii  schkm 
gen  und  dtracken  auf  dam  goM  (s.  653^  654).  nicbt  zu 
übersehn«  dafs  auch  koatbareaa  goldgeachmeide  zu  aehmnck 
und  Waffen  gern  die  gestfllt  der  schlänge  gegeben  wurdia. 
Im  Sonnenschein  glänzte  ein  hänfen  geld  und  rings  hemm 
alreokte  sich  ein  schwarzer  mtrm,  doob  so  dafs  er  nicht 
ausreichte  ub4  zwischen  köpf  und  scdiwavz  eine  spanne  frai 
Uefs:  an  dieser  stelle  tral  der  kneoht,  der  des  horfee  an*^ 
sichtig  geworden  war,  ein  und  sammelte  gold.  schon  hatte 
er  tuschen  und  das  ausgezogne  oberhemd  voll  gesackt,  als 
es  ihm  einfiel  eine  begleiterin  herbei  ^u  rufen,  die  den 
rest  des  sduitzes  aufladen  sollte,  aber  seine  stimme.  Yor- 
haUte  in  dem  furchtbaren  brausen,  das  sich  plötzlich  erhob: 
^sohitt  aus  das  geld,  schütt  aus  das  geldl'  riöf  es,  dafs 
der  erschrockne  alles  geld  hinwarf  und  zu  fliehen  begann, 
augenblicklich  renkte  sich  der  wurm  mit  dem  schalt  in 
den  bei*g  «ad  acUob  sich  die  erde  wieder  zu)  der  stürm 
war  vorüber  und  die  sonne  schien  lieblich,  nur  weüge 
fddsMcke  lagen  da,  die  beim  hinwerfen  ausserhalb  des 
Schlangenrings  gefallen  waren  (ReusCh  Sainland  aro.  3). 

Der  grofse  hört,  auf  welchem  Mäfnir  lag,  war  durch 
gbld  gebildet  worden,  das.  die  götter  zu  Otters  hüllung 
und  füUung  hergeben '  musten,  Loki  aber  vorher  dem  zwerg 
Andvari  abgenommen  hatte.  Sigurdr,  der  ihn  nach  des 
drachen  tod  in  seine  gewalt  nahm,  schleppte  itui  glücklich 
auf  Granis  rücken  fort,  «nd  davon  hiefs  dua  gold  ^bt^är 
Grancf  (Granönis  sarcina,  wftre  ahd^  Kranio  purdi)  Sn.  139. 
merkwürdig  sagt  in  einem  schwed.  Volkslied  (Arvidsson  2, 
193)  die  jungfra«  ihres  bräutigams  harrend: 
vore  det  den  ungeraten  som  jag  skulle  ha, 
il  fürde  han  del  guldet  pa  gangarens  baki 
Naeh  dem  gedieht  vom  hürnen  SUVit  *)  erwirbt  der  held 
den  achatz  zwar  auch  durch  erlegung  des  drachen  auf  Ora«- 
chenstein,  und  lädi  ihn  auf  eem  ros  (166,  4),  doch  wird 
die  abkunft  des  goldes*  anders  erzfihlt.  es  ist  der  Nibelm^ 
geg  hortj  und  Nibling  ein  zwergkönig  kinterUlbt  ihn  dreien 
söhnen  (13,  4.  14,  3.  134,  3.  168,  2),  deren  zwei,  ohne 
wissen  ihres  bruders  Eugel  **^),  als  ihr  berg  (bei  einem  erd«* 

*)  noch  um  die  S«ifvie^borg  m  der  Rhön  (weislk.  3,  535)  ist 
die  heldeosage  im  munde  des  volks  angeflogen  (Mones  anz.  4,  4i0 
und  darans  Rechst.  Franken  144). 

**)  Engels  Weissagung  und  sein  gesprSch  mit  Siegfried  (159—164) 
libt  ttiebl  aweifeln,  dafs  er  mit  dem  oddkohea  Gripir,  dttm  aamoz 


.  MnELüNOEEomr   '  931 

beben  ?)  sich  zu  bewegen  begann  und  eirtstarz  drohte,  fltteh- 
telen  und  in  eine  hole  unter  dem  dracfaenstein,  wo  ihn 
hernach  Siegfrid  fand,  bargen  (s.  133,  4.  134,3.  135,1).  ein 
drache^  der  immer  nach  fänf  jähren  und  einem  tag  zu 
ostetrn  auf  einen  tag^)  menschliche  geatall  annimmt,  hatte 
den  achatz  und  eme  schOne  königstochter  in  gewahr,  eine 
weibe  frau,  die  Siegfvied  zusamt  dem  schätz  erlöste. 

Einiges  bleibt  hk  dieser  yorstellung  unklar,  noch  wird 
es  durch  das  epos  von  den  Nibelungen  selbst  erhellt. 
Siegfried  erlangt  den  hört  Nibhinges  nicht  als  er  den  iint-> 
rächen  tödtete,  sondern  als  ihn  Scktibunc  und  Bfibiune  ba- 
ten den  $ekai3i  am  theilen,  was  sie  selbst  nicht  Yermochten. 
der  hört  wird  'üz  eime  holn  berge'  getragen,  es  scheint 
daCs  er  zwergen  angehörte  und  Schilbunc  und  Niblunc 
olbiseher  art  waren.  Nach  beiden  liedem  stammt  also  der 
hört  von  zwergen ,  wie  in  der  edda  Ton  Andvari  dem 
Zwerge,  als  elbische  wesen  sind  sie  schon  an  und  für  sich 
sanier  «nd  httter  unterirdischer  schätze ,  da  sie  im  gebirge 
haus^  (s.  41&  421)  aad  sie  tiegen  (s.  432.  867]  gleich 
gespenstern,  an  den  wünscheihut  gemahnen  die  hehi  und 
nebelkappen  der  jiwerge  (s.  431);  das  zwerggeschlecht  hegt 
und  hütet  schätze,  gleich  den  drachen**),  wie  frau  HoMa 
im  wttlenden  beer  zieht  und  im  berg  eingeschlossen  sitzt, 
häagt  sie  auch  mit  den  elben  zusammen  (s.  42 1).  zu  h(^ 
len  der  zwerge  wird  der  eingang  gefunden  wie  in  die  ver- 
zauberten berge,  entführte  menschen  bringen  eine  Zeitlang 
in  gesellschaft  der  elbisehen  geister  zu  (s.  463)  wie  in  frau 
Yenusherg  (s.  888). 

Dafs  Nibelung  und  Schilbung  die  väterliche  Unterjas^ 
senschaft  getbeilt  haben  wollten,  wird  auch  Bit,  80*  ver- 
sichert, <tefs  sie  den  sohaU  nicht  theilen  komUen^  ist  ein 
höchst  mythischer  zug  (s.  426),  den  ich  im  verfolg ,  was«  ich 
von  den  Wünscheldingen   handle ,    näher  beleuchten  werde. 

Wie  der  hund  mit  göttinnen,  weisen  oder  w-eifsen  frauen 
den  beiden  in  gefahr  ausschlägt,  gereicht  ihnen  auch'  des 
bortes  erwarb  zuai  unheiL  wer  den  schätz  gehoben  hat, 
mufs  bald  sterben.  (Mones  anz.  7,  51.  53).  Weil  Andvari 
den.  ih«  von  Loki  abgedrungnen  ring  verflucht  hatte,  brachte 


nach  aber  mit  dessea  Tater  Eyliini  identisch  sei.  ^ylimi  (ipsulse, 
prall  ramus,  fast  das  umgedreale  Laufej  s.  225)  eolhili  ej  =  ahd. 
oawa ,    augia ,  *  welches  auch  in  Eugel  liegen  mufs. 

*)  ein  tac  in  der  belle  hAt  leng  ein  ganzes  jAr.  28,  2. 

**)  schalzbötende  berggeister  in  der  Schenkofenhöle,  im  Rei- 
chempils,  im  Zülarthal.    Ataehars  Gaateoi  «.145^  

59* 


982  VERWÜnSGHTB  BÜRG 

derselbe  ling  aaoli  Hreidmar  und  seinen  söhnen,  die  aus*- 
drttckltcb  darauf  bestanden,  und  Sigurd  und  Brynhild  rer- 
derben,  deren  Verlöbnis  durch  ihn  geschah  (Sn.  140]. 

Das  goid  beibt  altn.  orms  bedr  oder  Fdfnis  bosli ,  des 
wurms  bett,  des  drachen  lager,  der  gleichsam  darauf  brüh- 
tet. BAi  wird  cum  wurm  und  liegt  auf  seinen  goldkisten. 
fornm.  sog.  11,  158.  draco  thesauti  eustos.  Saxo  gramm. 
101.  ^incubas  gtzae  ut  magnus  draco  eustos  scythici  luci.' 
MartiaK  12,  53.  der  geizhals  und  drache  werden  ihres 
gutes  nicht  froh. 

Auch  Morgenlftndern  und  Griechen  waren  schatzhätende 
drachen  beitannt.  der  hundertköpfige,  nimmerschlafende 
bewachte  des  hesperischen  hatns  (scythici  luci)  goldipfel. 
Photius  Bekk.  150,6,  16.  I>en  alten  war  daneben  die  vor- 
stellung  geliufig  von  greifen,  die  des  goldes  warten,  grtfen 
golt  Parz.  71,  17  ff. 

An  der  steile,  wo  schätze  glühen,  soll  auch  zuweilen 
ein  kalb  liegen  (Rausch  no.  47),  ich  denke  nicht  als  hüter, 
sondern  gegenständ  des  Schatzes,  denn  Schatzgräber  (geben 
vor  nach  dem  goldnen  kalb  und  nach  der  goldnen  glui^ke 
mit  ihren  zwölf  kttchlein  zu  graben*),  wcM-unter  deutlich 
etwas  mythisches  verstanden  wird. 

Beaehtenswerth  ist  was  Renner  5100  steht,  dafs  alle 
begrabnen,  d.  h.  ungehobnen,  unerlösten  schätze  dereinst 
dem  anückrüt  werden  sollen,  dessen  erscheinen  wir  schon 
vielfach  in  die  Vorstellungen  von  dem  wütenden  beer  und 
bergentrdckten  beiden  eingreifen  sahen. 

Manigfach  fliefsen  die  sagen  in  einander  über,  was  von 
dem  treiben  der  eibe  und  zwerge  in  bergkläften  wird  von 
rumpelgeistern  in  öden  häusern  erzählt  (s.  481).  im  o^* 
w^^ehten  gcklofs  harrt  eine  Jungfrau  mit  ihren  schätzen 
auf  erlösung  (KM.  no.  4),  ein  anderes  ist  von  teufein  be- 
sessen (KM.  no.  81).  Dabei  kehrt  auch  der  zug  wieder, 
dufs  der  unselige  geist  sein  hanpt  unterm  arme  trägt  (KM. 
3,  15),  wie  der  anffihrer  des  wütenden  heers,  und  dafs 
er  sich  von  dem  fremdling,  der  den  bann  lösen  soll,  den 
bari  scheren  läfst  (KM.  3,  9.  Mones  anz.  7,  365,  vgl.  das 
bekannte  märchen  bei  Musaeus).  die  alte  fabel  von  dem 
wasserbären  (s.  447)  setzt  schrate  in  das  verlassene  haus 
und  Beovulf  befreit  die  nachts  von  Grendel  heimgesuchte 
königshaHe.  «Ein  solches  haus,  in  dem  es  nicht  richtig  ist, 
»  scheint  mhd.  wunderburc  zu  heifsen:   Mch  sunge  euch  wie 


*}  PIaqoet  eontas  popaUirea  d«  hMfWi.    Roaen  18S4  p.  31 


1/XiMJNKNBRl  BORT  A33 

der  (trache  ?)  Itl ,    der  manigeii  in  der  mmderbure  Terslnii'* 
den  liAt  dnr  stnen  gtt'    Ms.  2,  177*. 

Der  entrttcko&g  in  berge,  dem  verwflnschen  in  die  erde 
iit  a«ch  das  veninien  in  cKe  gewä$9er  Ähnlich  und  erfalgt 
ais  gleichen  Ursachen,  was  dort  die  elbe,  empfangen  hier 
die  nixen  und  seegeister.  Holla  wohnt  nicht  nur  in  dem 
holen  berg,  auch  im  brunnen  und  weiher. 

Wir  werden  also  hBidengeietern  und  schätzen  ihren 
aufentbah  im  wasser  wie  im  berg  angewiesen  sehn.  kOnig 
Carl  sitzt  im  bnmnen  zu  Nürnberg  ^  mit  dem  hart  in  den 
tisch  gewachsen  (DS.  no.  22)*^).  Der  Nibelunge  hört  Hegt 
tut  Bhein  eersenkt:  Kfn  skal  rdda  r6gmdlmi,  t  veltanda 
Tatni  Itsaz  valbaugar.'  S®m.  248*.  nach  dem  Siegfrieds 
lied  lfil7,  4  schüttet  ihn  der  heid  Selbst  in  den  ström,  auf 
dafs  nidit,  wie  ihm  Engel  geweissagt  hatte,  die  recken 
dartber  verloren  gehn  sollten;  das  epos  lafst  aber  erst 
Hagen,  nach  Siegfrieds  mord ,  den  hört  zerstören ,  1077,  3 : 

er  sancte  in  Aä  ze  Loche  allen  in  den  R!n, 
das  geschah  heimlich  -und  vor  Chriembilde  verborgen,   die 
ihn  noch  zuletzt  in  seinen  hfinden  wihnte,   bis  es  antwor- 
tete 2308,  3: 

den  schätz  weiz  n«  nieman  wan  got  «nde  mtn. 
Ohne  Zweifel  versetzten  andere  sagen,  ihn  auch  in  berge: 
einer  in  iferike'  lebenden  zufolge  soll  er  dort  iih  üHMer^ 
und  der  schiüssel  zur:  befgfeöle  unter  emeiA  rosenstrauch 
verwahrt  liegen**).  Ms*  2,  169^:  der  bnelunge  kort  Itt  in 
dem  Burlenberge  in  (den  Rheinbewohnern)  bf ;  wofQr  H^H. 
2,  241'  'der  Nibehmge  hört'  und  Mn  dem  Lurlehberge*. 
Imelnnge  kann  für  Nibelunge  stehn  wie  Imel6t  für  Nibel6t 
(oben  s.  358],  den  Lurienberg  will  ich  gelten  lassen,-  falls 
so  gelesen  wird ,  bei  Burleaberc  dachte  ich  mir  den  Burg^ 
lenberg,  Bttrgienberg,  afad.  Burgiltoberc,  am  Rhein  unweit 
Brmach  (Dombeck  p.  339) ,  wo  Harhmge ,  •  vielleicht  Ame^ 
taige  mit  ihrem  sekatz  hausten  (heldens.  s.  186' — 188). 
einer  der  Venusberge  im  Breisgau  und  Eckart  kann  sich 
auch  darauf  beziehen,  das  Hwtha/ige  göU  (Dietr.  7885) 
greift  aber  in  amelungische  und  gothische  sagen  ein,  Arne- 
lange  bort  wiire  mö^ich  wie  der  berühmte  ErmeMichm 
bort,  von  de»  so  viel  berichtet  wird.  Und  Btzel,  den 
geldgierigen,  iläfst  Vilk.  saga  cap.  381  zwar  zu  Siegfrieds 
gold,  das  ein  berg  verscbttefst,  gelangen,  aber  bedeutsam 
darauf  verhungern,   so  dafs  auch  sein  verderben  der  Ntf^ 


*)  TgL  Ettoen  unwärd.  doctor  720.  721* 

••)  Iduaa  tO,  2Wr         •  «»        »    ^     ^  '-         ' 


994  VBISDMBf»  »«6/ 

Ukiga.  skftMr  naich  sicli  zieht,  wOfegen  dänisdh^  iidder  w«l^ 
len,  dafs  Gremild  im  berge  eittgeä/^hlossen  bei  Ndglings 
(d.  i.  Niheiungfi)  schätz  verschmacbtet  (heldäns.  8.  306).  So 
mamgfacbe  bezüge  leiden  es,  delbsl  dem  weit  älteres  ou^ 
rum  0lQ$amum,  weiches  die  Tectosageii  m  de»  ^e  vmi 
Tolosa  senkten*)^  einwirkung  auf  altgothtsche  sage  £ii  g^« 
statten. 

Der    erzUhlungen    von    untergegangnen  ^    eenunknen 
bürgen  ist  eine  menge,     bei  ruhiger  flut  schaut   man  noch 
ragende    spitzen    der   thürine   «nd  vernimmt  ihre  glocken 
läuten.  ,  kaum  hausen  da  entrückte  menechen,  ib  den  W4- 
gen  ist  alles  leben  vermummt.     Dreierlei  sagenhaftes   will 
ich   hervorheben.     Das   nahende    varhängnis  pflegt    durch 
redende  ibiere  angesagt  zu   werden;   die  gewalt  des  fre- 
veis, dessen  ahndung  auf  dem  Mse  folgt,  hat  ihnen  spräche 
verliehen    oder    ein    zauber    dem    menschen    Verständnis 
ihrer  stimme   geöfnet«      Von   einer   silberweirsen   schlänge 
geniefst  der  diener  ein  stück,  und  plötKlich  versteht  er,  wie 
hühner,   enten,   gänse,   tauben  und  Sperlinge  auf  dem  hof 
4len   bevorstehenden  Untergang  der   bürg  besprechen  (DS. 
no.  131).     dies  wird  von  Isangs  schlofs  bei  Seeburg,    ahn* 
liebes  von  Tilsburg  bei  Dahlum   (s.  881)   erzählt,   und  ge- 
wis  noch  in  andern  gegenden.    Dann  kommt  vor,  dafs  ein 
frommer  kranker  mann  seinen  sehn  ausschickt  nach  dem 
Wetter  »u  schämen  ^  und  erst  der   beHe  himmel, .  darauf  ein 
kleines  Wölkchen  am  säum  des  bergi,  allmälich  eine  wölke 
wie  ein  hut,  wie  eine  wanne,   wie  ein  schenerthor  ver* 
kündigt  wird,,   und   nun   sich  der   alte    mann   schnell  auf 
eine  höhe  tragen  läfst,   weil  gottes  gericht  jetzt  über  das 
Suggenthal,    Sunkenthal  hereinbreche  (Mones  anz.  8,  535 
vgl.  mit  Schreibers  tb.  1840   s.  271).      das  schildert  var*- 
treflich,   wie  unversehens   und  schnell  die  gefahr  des  Un- 
tergangs steigt.     Dieselbe  sage  gewährt  aber  noch  ^nen 
dritten  bedeutsamen  zug.    Als  das  wasser  alle  häuser  Sog- 
genthals  zerrissen  und  überflutet  hatte,  blieb  von  allen  eta-^ 
wohnern  nur  jener  alte  mann,   sein   söhn  und  ein  kleines 
kind  am  leben  erhalten,     dies  kind,  ein  knäblein,  sehwlEumn 
m  seiner  wiefe  mitten  in  der  flut  und  bei  ihm  befand  sich 
eine  katze.     so  oft  die  wiege  auf  eine  sdte-  sich   neigte 
sprang  die  katze  auf  die  entgegengesetzte  und  brachte  sie 
so  wieder  ins  gleichgewicht ,   darüber  gelangte  die  wiege 
glücklich  bis   unterhalb  Buchholz  i    wo.  sie  im   dold  oder 
Wipfel   einer   hohen   eiche   hängen   blieb,     als  das   wasser 


*)  JustiDUB  32,  3,  Tgl.  Dnneker  originei  gcmaniea«  t,  31, 


VERSONMIA  ORT  «35 

verlaufen  war  und  der  baoni  wieder  zugftnglich  wurde,  holte 
man  sie  herab  und  fand  kind  und  katze  lebend  und  un- 
verletzt, da  aber  niei^gnd  v^uste,  w^r  de^  kiiftt^lein  eitern 
gewesen  waren,  benannte  iharr  Ibs  nach*  dem  "wipfel  des 
Baumes  Dold  und  dieser  name  wird  von  seinen  abkömm- 
Kngen  noch  beute  geitlhrt.  (Mones  anz.  6,  69  und 'voll- 
st&idigier  8,  635).  Die  sage  stimmt  willkommen  zu  der 
8.  546  angeführten  welschen,  in  welcher  bei  alier  sonstigen 
Verschiedenheit  gerade  so  die  wesentliche  rettung  des  kteds 
in  der  wiege  erzfthlt  ist,  was  mir  den  sinn,  den  ich  auch 
dem  aita.  Iftdr  s.  526  beilegte  noch  slfirker  zu  bestätigen 
seheinL  schto  ist  die  gesellschaft  der  beigegebnen  katze, 
die  nebst  bahn  und  hund  dem  einAioben  aMerÜium  Zeugnis 
ablegen  misle  (RA.  588).  Aus  de«  namen  des  fündlings 
DoU  (ahd.  Toldo,  d.i.  wipfelgeborner)  verstehe  kh  nun, 
was  es  im  volksmund  heifst,  auf  dem  eichbaMi  oder  nufs- 
baum  geboren  sein  (s.  538);  wie  genau  die  mythen  von 
sinflut  und  Schöpfung  sieh  zusammen  fügen  ist  unzwei- 
fdfaafU 


93«  .imAtmtm 


' .» 


GAP.  XXXIII.     TEUFEL, 

Die.  Vorstellung  dea  ,  teufets  und  te^fliscIieT  geisier, 
welche  allmälich  auch  in  dem  Volksglauben  so  grofsen  um- 
fang gewonnen  und  ^so  feste  worzel  geschlagen  hat,  winr 
unserm  heidenthum  fremd. 

Überhaupt  scheint  es,  dafs  ein  das  höchste  wesen  in 
gegensätze  spaltender  dualismas,  wo  er  nicht  in  uraltem 
tiefoinn  des  Systems  (wie  etwa  des  zendischen)  seinen  gnmd 
hat,  späterhin  nur  durch  abstracto  philosopheme  hergestellt 
wird«  den  in  breiter  mitte  liegenden  sinnlichen  mythologien 
ist  er  angemessen. 

Einen  durchdringenden  idealistischen  unterschied  zwi- 
schen gutem  und  bösem  geist,  Ormuzd  und  Ahrinian*), 
JLennt  weder  die  indische  und  griechische,  noch  die  deutsche 
götterlehre.  vor  der  gewalt  des  einen  allwaltenden  •  gotles 
verschwindet  des  kakodämons  macht.  Aus  dieser  einheit 
erwachsen  dann  trilogien  (Brahma,  Vischnu,  Siwa;  Zeus, 
Poseidon,  Fluten;  Wuotan,  Donar,  Frö;  flär,  lafnhAr,  Thridi), 
dodekalogien,  und  die  fülle  des  pantheismus.  Grundzug 
der  Vielgötterei  ist  aber,  dünkt  mich,  dafs  das  gute  und 
wolthätige  princip  in  dem  göttlichen  überwiegt;  nur  ein^ 
zelne,  dem  ganzen  untergeordnete  gottheiten  neigen  sich 
zum  bösen  oder  schädlichen,  wie  der  nordische  Loki,  dessen 
natur  gleichwol  immer  noch  der  des  Hephästos  näher  steht, 
als  des  christlichen  teufeis.  Selbst  in  den  elbischen  gei- 
stern waltet  die  gute  vor;  dem  nix,  dem  kobold,  ja  dem 
riesen  wird  nur  theilweise  grausamkeit  oder  tücke  beige- 
legt. Hiermit  im  einklang  ist  die  milde  Vorstellung  unseres 
alterthums  von  tod  und  von  unterweit. 

Darum  braucht  jedoch  in  dem  gestalten  und  farben- 
reichthum  solcher  mythologien  der  dualistische  gegensalz 
nicht  völlig  zu  schweigen,  in  einzelnen  zügen  tritt  er  auf, 
ohne  in  das  ganze  einzugreifen,  hierher  fallen  z.  b.  die 
mythen  von  tag  und  nacht,  von  licht  und  schwarzelben 
(s.  413),  von  Sommer  und  winter^^}. 

*)  die  echten  formen  lauten  Ahur6inazdao  und  Agr^mainjiiB,  jener 
heifst  aber  auch  hiafig  Cpent6niainjus,  dyu$-oq  dalft»pf  gegenäber  dem 
Agr^maiDJai,  dem  xauoq  &aißnv,  Burnouf  comm.snr  IeYacnap.90.92. 

**)  der  slayische  glaube  itellt  einen  weifaen  und  achwarzen  goU 
auf:  Bjelbog  und  Tscheroibog.  dieser  dnaliamua  scheint  mir  aber 
weder  durchdringend,  noch  urapränglich. 


TEOTBL  »37 

Der  jtldiaeiie  moMtlieifinus  gewfthrte  dem  galM  (iDtu) 
blofs  die  sebenrelle  eines  versucbera,  lästerers,  wie  sie  das 
buch  Hieb  deutlich  zeigt,  und  der  gr.  ausdruck  dtaßoXoe, 
den  die  LXX  und  das  N.  T.,  abwechselnd  mit  oa%dp,  aa- 
voycrc  (arab.  schaitan]  oder  daifioviov  (meist  für  das  hebr. 
n^)  brauchen  y  bestätigt.  Seit  dem  exil  waren  aber  die 
Juden  mit  der  idee  des  duaiismus  beicannter,  und  zur  zeit 
des  N.  T.  hatte  sich  die  ganze  dämonologie  vielfach  aus- 
gebildet; Beelzebub  wird  als  der  oberste  aller  bösen  gei- 
sler genannt,  den  das  A«  T.  blofs  als  ein  heidnisches  idol 
kennt;  hier  also  schon  gehen  gdtzen  über  in  den  begrif 
der  dfimoae  oder  teufel. 

Es  gehört  in  die  geachichte  des  ohristenthums  zu  ent- 
wickeln, wie  die  Vorstellung  von  Lucifer  ^),  einem  al>ge^ 
fallnen  lichtgeist,  der  sich  wider  gott  vermafs  und  mit  sei- 
nen anhängera  (engel  werden  schonliatth.  35, 41  dem  teu- 
fel beigelegt)  in  die  finsternis  verwiesen  wurde,  hinzutrat. 
Luc.  10,  18:  i&iWQovP  vov  aatavciv  ^c  uavgan^r  ix  %ov 
mga^ov  maovTa ,  wie  der  blitzstrahl  in  die  erde  fährt, 
wfihrend  der  fallende  stern  sonst  ein  liebliches  bild  gibt 
(s.  685).  jener  abfall  des  teufeb  und  seiner  gesellen  mufs 
aber  schon  in  hohem  alterthum  angenommen  werden  (s.  539). 
So  entsprang  das  System  eines  teuflischen  reicbs,  im  feii^l-^ 
liehen!  gegensatz  au  dero  hisHmlisohen,  und  erinngtc;  immer 
sUirkeren  halt;  die  bösen  geister  sind  zwar  der  schwächere 
theil  und  unterliegen,  allein  sie  werben  um  gottlose  aien- 
schen  und  suchen  ihr  beer  damit  zu  verstärken,  bündnisse 
werden  mit  dem  teufel  geschlossen  und  er  unterstützt  seine 
verbündete  schon  in  ihrem  irdischen  leben. 

Von  der  andern  seile  wirkte  die  bekehrung  der  Hei- 
den selbst  mit,  die  herschende  Vorstellung  von  dem  einBufs 
des  teufels  zu  erweitern  und  zu  vervielfältigen,  es  ist 
schon  öfter  bemerkt,  dafs  die  verlassenen  heidnischen  göt- 
ter  zwar  für  besiegt  und-  ohnmächtig,  nicht  aber  geradezu 
fiir  machtlos  erklärt  wurden:  ihre  ehmals  gütige,  wolthä- 
tige  gewall  hatte  .  sieh  in  böse  teuflische  verkehrt,  was 
abo  die  Christen  von  dem  teufel  glaubten  bekam  durch 
die  Heiden  einen  doppelten  zuwaehs:  heidnische  gottheiten 
und  geister,  die  an  sich  schon  übelthätig  und  finster  waren 
(z*  b«  Loki  und  Hei),  giengen  leicht  in  den  christlichen  be- 
grif teuflischer  wesen  über ;  schwieriger,  und  mit  gröGserem 


t  ■■.. 


**J  %ie  ettttpm^  aw  J6i.  44,  12:  <wie  bist  du  vom  hlmniel  fe* 
fallen  da  schöner  morgenstem  !*  aber  erst  Easebius  (demonstt«  eTiav. 
4,  9)  hat  sie,  weder  TeMüHisla,  noeh  Iivnaeus  oder  Laetaotibe.  '  aach 
Bierofljams  und  AugosUnaa  nenoeQ  den  teufel  nieiMls  LiKifer«  • 


938  TEITPIL 

wMerstftfK)  der  volksroeinunf/  erfeljgt«  die  rerwaadloiig  der 
guten  götter  des  aiierthums  in  gespenster  «nd  leafel.  mei* 
«tentheils  worden  dabei  die  namen  unterdrückt  oder  enU 
stellt;  mytben  und  erzählungen  waren  nicht  sobald  zu  Ter« 
tilgen. 

Nicht  selten  Idfst  sich  der  teufel  auffassen  als  parodie 
oder  nachäffung  des  wahren  gottes,  als  die  linke ,  verkehr- 
te Seite  (mildgenommen  die  folie,  vgll  s.  462)  des  güt- 
lichen Wesens  *):  es  will  dieselbe  macht  haben,  dieselbe 
ehre  geniefsen  und  gott  alles  nachthun.  seine  Schöpfun- 
gen mislingen  aber  und  taugen  nicht ;  se  könnte  die  Her- 
stellung einer  teuflischen  mutter  der  von  Maria  gottes  mutter 
an  die  seite  getreten  sein,  wiewol  sie  auch  in  der  riesen- 
mutter  vorgebildet  war. 

Alle  diese  höchst  verschiedenartigen  einwirkungen  ha- 
ben die  Volksansicht  von  dem  wesen  und  der  natar  des 
teurels,  wie  sie  im  N.  T.  bis  auf  unsere  tage  bestand,  her- 
vorgebracht, der  teufel  ist  jüdisch ,  christlich ,  heidnisch, 
abgöttisch,  elbisoh,  riesenhaft,  gespenstig,  alles  zusammen, 
durch  seinen  zusatz  muste  eben ,  indem  die  heidnische  Viel- 
götterei erlosch,  das  christenthum  eine  deudiche  hinneiguag 
zum  dualismus  empfangen,  den  später  die  Philosophie  in 
ein  allgemeines  prinoip  vom  guten  und  bösen  aufzulösen 
trachtete.  Vergleicht  man  die  heiterkeit  griechiacher  raytiien 
mit  der  herbheit  und  dem  grausen,  das  die  einmischung 
eines  allzupositiven  teufeis  den  legenden  und  sagen  unseres 
mittelalters  verliehen  hat;  so  kann  diese  Verschiedenheit 
weniger  das  flberall  ähnliche  oder  gleiche  grnndgewebe  des 
Volksglaubens  betreffen,  als  die  ihm  aufgetragne  forbe,  und 
darum  wird  die  Untersuchung  befugt  sein,  eine  ganze  reihe 
teuflischer  erscheinungen  in  die  milderen  gestalten  alter 
geister  oder  götter  wieder  aufzulöeen. 

Ehe  ich  zu  scheiden  versuche  was  sieh  in  diesen  nber- 
fieferungen  auf  das  deutsche  oder  wenigstens  das  benach- 
barte heidenthum  bezieht,  ist  es  noch  nöthiger  als  sonst 
sich  der  verschiednen  benennungen  zu  versichern« 

Der  name  teufel  ist  undeutsch  und  nichts  als  das  bei- 
behaltne  itafiolos  *%    Ulfilas  unterscheidet  sorgsam,  nach 

*)  Golfiied  TOD  Viterbo  1,  23  wh>n  die  frage  iuft  qnnre  creatit 
deos  diabolam,  cum  aciret  eum  mala«  esse  fuUinimT  reapoodeo, 
quia  propter  operis  sai  ornayim ,  sicut  picior  Digrum  colorem  aub- 
alernit,  ul  albus  appareatiar  fiat,  sie  per  praararieatiimem  malorum 
jiMti  clariorea  6uot. 

**)  ebenao  ist  unser  em§ei  dea»  wort  und  begrif  nach  anüehnt 
Mone',  der  tanlel  ii»  vnerjivgt  bUt  und  «a,  yn9  diabohia  mit  Dioi- 


TBUFBL  989 

dem  gr.  Xnl^  dkgbaikUi  ^oiana  und  fMml^f  ail  Iet2i«ra 
draftonop  übersetzend,  worauf  ich  anrückkoinmeii  werde, 
ahd.  bleibt  saiana»  unverftndert,  das  diaboln$  der  Yuig.  lau- 
tet aber  bald  ÜubU,  Heval,  bald  diuval  (T.)  diufat  (0.  ü. 
4,  101  pl.  neotr.  diufilir  UI.  14,  53)  und  wird  eugleich  für 
das  daemomum  der  vulg.  verwendet  (fragni.  theot.  II,  14). 
aus  dieser  dehnung  des  begrifs  und  kürzung  der  form  sieht 
man,  dafs  der  ausdruek  einheimisch  wurde  und  allrnftlich 
alle  übrigen  entbehriich  machte:  mhd.  Hevel,  Huoelf  ävel^ 
nhd.  teufet;  ags*  deofoty  engl,  devii;  nml.  dw>ety  nnl.  duieel; 
ist.  d^öfulL  sohwed.  djefnutj  dän.  djäteL  er  verbreitete  sicl^ 
fast  durch  ganjB  Europa:  ital.  diavolo^  span.  diabtOf  franz. 
diabley  altfranz.  dedbte;  poin.  (^'ofrtf/,  böhm.  d'aM,  russ. 
dtacoty  serb.  djavo;  nur  die  zuletzt  bekehrten  lettischen 
und  finnischen  Völker  haben  sich  der  benennung  enthalten. 
Und  wie  bei  gott  (s.  14)  kommen  die  euphemismen  hochd. 
deißkel,  deixl,  deigel,  deiker,  deuker%  Schweiz,  dyggeli, 
tütggeli  (Stald.  1,  325);  nl.  daher  ^  schwed.  dfjäkul^  knäkut, 
knä/vel  (Ihre  prov.  lex.  93*),  auch  westfäl.  Imiieet  f.  düvel; 
franz.  diacre^  poln.  djaohei,  ifjaseky  djabtko,  und  viele 
ähnliche  vor**).  Bemerkenswerth  ist  N.  ps.  90,  13  'tirlte* 
felj  chuninch  anderro  tiefelo,'  diabolus  rex  daemoniorum  ***). 
satan  wird  mhdL  selten,  nhd.  desto  häufiger  gesagt,  im  ane^ 
genge  218^  und  bei  Stridier  finde  ich  der  saianät,  der 
spätere  mnd.  Zeno  wiederholt  satancu  oft.  altfranz.  goufre 
de  saieme,  satemie  (Ren.  20224.  28429)^  in  der  leisten 
form  anschlagend  an  Saturn  (s.  227). 

Alle  übrigen  benennungen  lassen  sich  nun  unter  drei 
gesichtspuncte  zurückbringen,  je  nachdem  ihnen  der  cha- 
racter,  die  gestalt,  oder  der  aufenthalt  des  teufeis  zum 
grund  liegt.  Diesen  -  sind  aber  noch  verdunkelte  namen 
beizufügen.  "^ 

I.  Nach   seinem  Innern  princip   heifsl  der  teufel  d^ 


nysoB  zosammeDstellt  (anz.  6,  354. 8,  449),  wird  auch  am  die  deutsch- 
heit  Ton  engel  nicht  yerlegen  sein,  freilich  diußoXoq  (der  Terleumder), 
das  die  septuaginta  noch  nicht  haben,  könnte  im  N.  T.  aua  einem 
Biorgenlindiieben  dem  pers.  diT  und  lat.  dims  (oben  a.  176)  Ter« 
wandteB  worte  entspringen. 

*)  sogar  der   deuischer,  wie  die  Poleti  Niemiagiek   Ton   teafel 
sagen,  was  Vielleieht  auf  den  slat.  götten  Nemisa  führt? 

**)  itabuhuy  %abolün,  das  wörterbächer  and  glossen  des  MA.  für 
diabolus  haben,  und  contrarias,  arena  aaslegen,  ist  dasselbe  wort, 
taboldaes  büOeh  Ms.  2,  13*. 

'**)  Notkers  deatungen  des  diabolus :  uMstrH»,  nidttfal^  ohnning 
wM^rfinkzet  ^i  dem  stofs  «wi  fall  dir  tifufel  autfeheAd.  grmnm. 
2,  763. 


940  TBDBBL 

bö»ey  feindliche,  unholde,  ak  gegensslz  des  gfitigeti,  freund- 
lichen, milden  gottes.  oft  wird  dieser  begrif  in  ganzen 
redensarten  oder  beiwörtern  entwickelt^  eü  in  eigne  appel* 
lative  gelegt,  'der  nie  güot  geriet.'  Dietr.  40^»;  'der  ie 
tagende  störte.'  Kolocz.  254^  ähnlieli  dem  eddischen  'sä  er 
flestu  illn  nedr/  von  Loki,  Sn.  46,  und  ähniich  der  Reinh. 
XXXII.  XXXVI  vom  fuchs  und  wolf,  als  teuflischen  thie* 
ren,  gebrauchten  epischen  Umschreibung,  'dich  hdt  niht 
gvaies  (der  teufel)  tz  gel&n.'  Dielr.  86^,  wir  sagen  noch 
heute:  'ich  habe  ihn  gesucht  wie  nichts  gutes'  der  iAele 
tiuvel,  Iw.  4676.  Nib.216,  4.  426,  4.  1892,  4.  Ms.  1,  59K 
der  übel  vtent.  Gregor  2849.  der  böse  feind,  der  böse 
feist,  auch  blofs  der  böse;  der  ubüe  geist,  fundgr«  102,34. 
105,  2.  der  b6se  geist  105,  7.  nnl.  de  boote  vyand.  die 
krummen  teufel  (KM.  1 ,  422)  sind  die  unrechten ,  bösen, 
eine  mhd.  predigt  gibt :  'der  iAile  bäman,  der  tivel  (Griefs- 
haber  277).  wichtig  ist,  dafs  altn.  auch  'hinn  Uli  OJ&nn* 
gesagt  wird  (fornm.  sog.  5,  172.  10,  171).  häufig  setzen 
altfranz.  dichter  maufe»,  malfez,  maufes  (plur.  maufö,  malf6) 
für  teufel;  später  findet  man  maufais,  maufaiteur,  was  üb^ 
die  bedeutung  tibelthäter,  äbelthuend  keinen  zweifel  IMst  *). 
adtersarius  boni  operis  heifst'es  schon  im  j.  585  (Pertz 
3,  3);  ital.  aoersiera  (adversaria)  **),  altfranz.  atersiers 
XenfeL  Alts,  the  baUmtso  (malus,  dirus)  Hei.  33,  2,  vgl. 
altn.  biOois  [Szdm.ni^  93»),  böMsar  konor(S«m.  197^]  sind 
hexen;  goth.  balvav^sei,  d.  i.  bahateisei  (xo»/u)  IGor.  5,  8; 
schwerlich  verwandt  ist  aber  pilwiz  (oben  s.  441.  442>}.  Alts, 
the  Udo  (invisus,  dirus)  Hei.  33,  9,  ISda  wihti  (maligni 
Spiritus)  Hei.  48,  14;  nhd.  der  leidige  teufel,  mnl.  de  lede 
duvel*^*^);  ahd.  der  kidige  tiefal  (Diut.  3,59).  ags.  se  läda; 
ahs.  the  hatola  (odiosus)  Hei.  1 10,  9  ;  heiteand  herugrim 
(der  grimmige  hasser  und  Verfolger)  Hei.  142,  12.  ags»  se 
grimma  gast,  mnl.  lede  gast.  Rein.  2841.  Besonders  ge- 
hört hierher  die  benennung  eines  feindlichen,   gott  wider- 


*)  hierher  vor  allem  das  slav,  bjes,  ans  welchem  sogar  dn  ahd. 
p4«t,  aUfries.  bäse  (kein  andrer  deutscher  dialect  hat  das  adj,)  so 
rühren  scheint,  und  das  slay.  zli,  ily^  auch  das  böhni.  xlejrduch 
(böser  geist)  Blo?.en.  -  sl6di  (zlodi  Glagolita  XXXIX.),  slodej  •  -  slom, 
slomik  (Yon  slo,  malum),  womit  wiederum  Bnaer  $chMmm  («hd.  Altmb 
.Graff  6,  793  obliquus,  krumm)  verwandt  sein  könnte ;  sloven,  hudiih, 
budir  (Von  hud,  malu«,  poln.  chudj  miser)  u.  a.  m. 

**)  Muratori  antiq.  2, 1090,  und  hierntch  iitvfrslarv»  la  veratekn, 
die  ich  8.  251  falsch  dejutete. 

■  ^*)  Rein.  1280  iatsl^ts  duvel»  name  sr  in  des  Mts',  in  de»  Men 
duvela.  «'V  .. 


TEUFEL  941 

strebenden,  menscbenveifolgenden  Wesens,  die  tat  kirdiea« 
▼ftter  bedienen  eich  '  gern  des  aosdrucics  anüquui  kotäst 
(Gregar.  M.  opp.  ed.  benedict.  Paris  1705.  1,  1019.  moral. 
31,  50.  dial.  2,  30.  Bonifac.  episl.  6.  anni  723.  Jonas  bob« 
biens.  p.  S.  vita  S.  Romani  744*.  capitulare  bei  Georgiscb 
795  und  viele  sptttere  nrk.  z,  b.  eine  von  1121  in  Kremers 
beitr.  3  no.  24);  ahd.  quellen  ahmen  dies  nach:  aUfiani 
(maspilli  49)  fiani  enirifk  (hymn.  24,  9),  wobei  man  sich 
doch  des  ags.  eni  für  riese  (s.  491)  erinnert ,  da  der  riese 
flberhaupl  ali  and  steinalt  dargesteMt  wird  (s.  496).  ags. 
se  eaUa  deofol,  se  ealda  Giedm.  267,  5.  0.  L  5,  52  then 
altan  sataiiAsan  wilit  er  gifAhan;  musp.  25:  der  satanfts 
aUUt.  mhd.  der  Me,  Oeo.  3376.  3385.  der  elteste,  Geo. 
3368.  heute  noch  in  Nordfriestand  'de  uul  düivel'  (der 
alle  teufM)  geizh.  p.  122;  in  Bngtand:  oU  Nick,  old  Davy, 
för  tenfei;  in  Dänmark:  gammel  Erich  (Holbergs  öden 
hored  og  hale,  sc.  5),  wobei  noch  statthaft  wäre  an  jenen 
gMtliohen  Erik  der  Heiden  (s.  335)  zu  denken;  norweg. 
gammel  Sjwr  (Hallager  102*);  altn.  köUhi  sowoi  senex  als 
diabolos.  auf  gleiche  weise  heifst  gott  der  alte  (s.  19). 
wie  antiquus  hostm  steht  auch  persequiUar  anHqu9$  (vita 
s.  Romani  743)  und  calHduB  hosHs  (Jonas  bobb.  p.  5). 
hasHs  •  generis  humani  (flaut  mannasktnes  chmines)  hymn. 
24,  3.  Das  blosse  hosHs  finde  ich  seltner  gebraucht,  fijands 
ist  golb.  nur  iy^QoCj  ahd.  das  blofse  ßant  teufel,  ags. 
feond  (von  Grendel)  Beov.  202.  1444.  1489.  mhd.  iHeni  (En. 
2525),  mnl.  viant  (Huyd.  op  St.  3,  38);  altfranz.  ennemt; 
alts.  craftag  ftund  (Hei.  142,  12)  ufAitin  fhmd  (32,  1. 
164,  14)  mhd.  der  leidige  vient  (fungr.  66,  4)  der  bmse 
ttefU  Geo.  345.  nhd.  der  böse  feind.  gSrffund  (Hei.  32,  2} 
scheint  verstärkter  ausdruck  (g^r,  jaculum,  haste),  aus  dem 
aitn.  fiamü  im  sinn  von  teufel  entsprang  die  dän.  form 
fanden,  schwed.  /inten,  Am*),  aber  schon  altn.  war 
andfkoH  beides  hostis  und  diabolus.  Der  bedeotung  hostis 
nähert  sich  die  des  ahd.  scado  (homo  nocivus,  latro)  früher 
auch  auf  beiden  in  gutem  sinn  angewandt  (s.  317).  ags. 
sceada,  alts.  skatho;  nicht  alleinstehend,  aber  in  den  Zu- 
sammensetzungen ags.  kellsceada  (Ca^m.  43,  22.  Thorpes 
anal.  126,  28)  leodsceaia  (Csedm.  56,  24)  peodsceada  (Beov. 
4550)  uhtgceaia  (Beov.  4536)  mdmceaia  (Beov.  1417.  1468) 
alts.  m^cado  (Hei.  32,  1.  33,  15.  142,  15)  toamscado  (Hei. 
31,  17.  164,  4)  liudscado  (Hei.  32,  14)  thiodscado  (33,  1) 
bezeichnet   sie   den   teufeL      Dieses   feindliche,    hassende. 


*)  Tgl.  s.  868  i6lgr  fär  geapedst,  teuflischer  geist. 


942  TBOTEt 

sdradende  weien  nannten  4lber  iKe  Gelben  daa  anhoMe, 
nnfreundiicfae ,  oad  damit  übersetzt  Ulfilas  in  der  regel 
nicht  diaßoXoQf  sondern  äai/tiovioVf  jedoch  mit  beacbens^ 
werthem  Wechsel  des  genug,  ein  minnliohes  unkulpa  stellt 
Luc.  4)  35.  8,  29.  9,  42  (fttr  &aiii,6pMP  dalf$mv)lCoT.  5,  5 
(för  aatavig)  Eph.  4,  27  (f.  di,aß.oX9g)i  Matth.  9,  33  ist  es 
wahrscheinlieh  au  emendiere«.  ;ein  weiUtches  tmknlpd 
findet  sich  Marc.  7,  26,  29,  «30,  Lue.  4,  33. 7,  33.  Joh.  7,  20. 
8,  48,  49,  52.  10,  20,  21,  überall  für  icn^wvior.  der  pl. 
duifwvia  wird  nur  Lac.  8,  33  durch  unhu^am^  sonsl 
immer  unhu^öns  gegeben:  MaAth.  7^  22.  9,  34.  Marc.  1, 
32,  34,  39.  3,  15.  5,  12.  6,  13.  9, 38.  16, 9.  Lue.  4, 41.  8,  27, 
30,  35,  38.  9,  1,  49.  Hierans  ergibt  sich,  dafs  bei  dem 
goth.  volk  dii»  YorsteUung  weibticher  daemone  überwog, 
wahrscheinlich  auch  hei  andern  Deutschen,  denn  hymn.  24,  3 
wird  wiederum  diaboius  diurch  das  ahd.  fem.  unhoUd  aus- 
gedrückt*). Weil  man  im  heidenthum  eine  göttin  Hotdft 
verehrt  hatte,  so  lag  es  nahe,  im  gegensatx  au  ihrer  milde, 
ein  bösgesinntes,  feindliches  wesen  als  weibliche  unholdA 
zu  betrachten ,  und  die  wähl  jenes  ausdrucks  bei  Ulf.  Ififsl 
fast  auf  einen  goth.  Hul{)6cullus  scbliefsen.  merkwürdig 
ist  die  Übertragung  von  Diana  ^rch  Moldd  und  unhatM 
(s.  245).  Mit  den  iiegriffen  von  bosheit  und  feindschaft 
verl>indet  sich  nun  aber  auch  der  von  Unwille  and  eorn* 
der  tenfel  heifet  ags.  se  erdia  (Casdm.  39,  24),  alts.  tbe 
writho  (Hei.  106,  3.  164,  4);  ags.  se  Hia  (trux,  saevos) 
Caedm.  271,  12,.  was  alts.  the  ruodho  wäre;  ags.  se  grama^ 
alts.  the  gramo  (Hei.  32,  16),  vermutlich  auch  ags.  se  mö-' 
dega,  alts.  the  muotUigo,  vgl.  muodaga  wihti  (böse  geister) 
Hei.  120,  9,  und  alle  diese  drei  benennungen  drücl^n  aus 
der  zornige,  wütende**),  nicht  übersehen  werden  darf,  ein- 
mal dafs  sie  blofs  den  sächs.  dichtem,  keinen  ahd.  .denk** 
m&lern  bekannt  sind,  dann,  dafs  sie  vorzüglich  in  d^r 
pluralform  mehr  die  idee  dämonischer  geister  als  des  ten- 
fels  bezeichnen.  f>i  graman  gydena  Bth.  35,  6  (dira  nu- 
mina)  sind  die  parzen;  gromra  (gramra)  cod.  exon.  49,  5 
=  diabolorum.  gramdno  h^m  (daemonum  habitatio)  Hei. 
103,  10  ist  die  höUe.  von  Judas,  der  beim  abendmal  den 
bissen  empfängt  und  in  seinen  mund  nimmt,  heifst  es  HeL 
141,  11:  so  afgaf  Ina  thö  thiu  godes  craß,   granum  in 

*)   altslay.   neprijetn\   die  unfreundliche,    anholde  =s   diaboius. 
lelbst  sotona  kommt  weiblich  Tor. 

**)  nie  geben  die  mhd.  dichter  dem  tiuyel  dss  Beiwort  der  grimme, 
grimmige,  das  sie  dem  tod  vorbehalten  (s.  808).  ags.  aber  finde  ich 
von  Grendel:  se  grimma  gAst  (Beov.  204). 


TBÜFBi  943 

gewilQii  aa  tbese  Hcktaioii  Uda  tothü,  von  den  äugen-« 
blick  an  verUefs  ihn  gotle$  kraft;  dämone  und  teufel  be* 
Bfiehtigten  .  sich  seines  leibes  *).  gramon  habdun  thes 
maanes  hiigi  undergripan  (Hei.  157,  19),  däinone  hatten 
sich  seiner  sinne  bemeistert.  gramo  (no)  barn  sind  teuflisches 
gesinde  wie  fiimda  barn  (HeL  161,  23.  157,  18).  grambna 
oder  wiibwro  willio  (Hei,  106,  3)  ist  die  last  der  teufei. 
mdiaga  wihti  (Hei.  120,  8)  skid  mkolda  (120, 8J  vgl.  m6dage 
157,  18.  Diese  anwendung  von  gramy  torStk  und  muodag 
auf  dämonen  ist,  wie  mich  dünkt,  heidnischdeutsch  und 
liaftete  nooh  bei  den  später  bekehrten  Sachsen,  wie 
bei  den  Gothen  jenes  urämif^S  geblieben  war.  Grendel 
iieifst  gram  (Beov.  1523)  und  yrremSd  (1445);  eine  altn, 
Verwünschung  lautete:  |iic  hafi  allan  gramirl  (Ssem.  80^) 
gramr  hafi  GunnurI  (Saem.  208^)  wo  gramir  daeraonia  be*- 
deutet  und  ganz  jenen  alts.  gramon  gleichsieht,  ein  ander-* 
mal  Sarai«  255^  wird  gesagt:  eigi  bann  iöhuw  (gigantes)i 
wo  die  prosa  der  Völs.  saga  (fornaid  sog.  1,  214)  gramir 
gibt,  so  dafs  auch  hier  die  Verwandtschaft  zwischen  teufein 
und  riesen  erscheint,  aus  dem  spraohgebrauch  von  mddag 
(iratus)  fUr  teuflische  geister  bestiitigt  sich  etwan  eine  s.  883 
bei  Muotes  her  versuchte  erkiärung. 

Eine  benennung  ist  bis  hierher  aufgespart  worden,  die 
bei  unsern  rtihd.  dichtem  des  12  und  13  jb.  oft  vorkommt, 
der  f^hni,  a.  Uelrich  54«  69^  74«,  anegenge  218^  219« 
220^  Tundal.  56,  31;  diu  väkmHnne  Her6dia  (oben  s.  260. 
261)  fundgr.  I.  139,  6;  der  edUmi  fundgr.  IL  109.  42.  Roth. 
3106.  välandes  man  Roth.  3227.  3366;  eälant  Rol.  289,  7. 
oähntes  nan,  das.  111,  5.  189,  16;  der  übel  eälant  Nib« 
1334^  L  vdkmdüme  (teufelin)  Nib.  1686,  4.  cdlenünne 
2308,  4.  Gudr.  629,  4;  der  t^lant  Klage  625.  Er.  5555. 
Herbort  7725.  Etlharts  Trist.  2837.  edlant  Wigal.  3994. 
6976.  7022;  er  hei  gehcoret  den  välatO,  er  (der  wahter) 
sprach,  'seht  bt  der  müre  dA  hört  ich  in  schrien  lüt  owd, 
er  fuor  die  rise  also  zetal,  daz  im  die  stein  vast  walgten 
ndch,  ich  weiz  nicht  war  im  ist  s6  g4ch.'  Freuend.  375, 
12-24;  daz  in  der  edlant  rtten  sol,  welsch,  gast  67**  bt 
siner  stimme  ich  hdn  erkant,  daz  ez  wssre  der  edlant 
das.  (Reinh.  384,  50);  der  leide  edlant  Trist.  8909;  des 
tdUmdes  rftt.  11339;  eälandes  man,  6217.  6910.  16069; 
f>dkmdes  barn  Trisi  15965;  üueeis  edianty  schrat  u.  waz- 
zerber  92;    dö   geriet  in  der  edlant  (Mones  anz.  8,  52); 


*)  aflar  themo  muase  s6  kleib  er  satan^a«.    0.  IV.  1.2i  39. 


^44-  9H0PBL 

tälanty  Oftoc.  453^*).  einige  dioliter  enlhaUen  sich  4eB 
Worts,  Wolfram,  Rudolf,  Conrad,  nhd.  dauert  es  fort  ab 
eigenname  (Faland,  Phaland,  Foland,  Volland),  sollst  komml 
es  selten  yor:  der  böse  eolant  (Chr.  Weises  comddienprobe 
219);  Junker  VolUmd  (Bertholds  tagebuch  p.  54).  in  Hen- 
neberg sagt  man:  der  böse  fahl  oder  fM  (Reinw.  1,  30), 
in  Frankfort:  der  fold^  ftUd^^).  mnd.  nur  eiiimai  Zeno 
1166:  du  arge  oo/ah/l,  nie  etwas  ähnliches  bei  mnl,  dich- 
tern.  aber  auch  ein  ahd.  fälanty  edkmi  habe  ich  nie  ge- 
funden, auch  nicht  als  eigennamen,  und  doch  sollte  man 
es  kaum  in  Zweifel  ziehen,  da  die  participialbildung  wie 
in  vtant,  heilant,  wigant  u.  s.  w.  auf  frfihe  zeit  weist,  das 
mhd.  verbum  vAlen ,  *  velen  findet  sich  blofs  in  der  Martina 
(145.  177.  215)  und  Albr.  Titurei,  es  hat  die  bedeotttng 
unseres  fehlen,  irren,  vgl.  Schm.  1,  519.  fälant  müsXe 
entw.  aussagen  was  das  adj.  irri,  iratus,  infensus,  oder 
irrend,  veHeitend,  seducens  (goth.  afrzjands,  uslutftnds). 
ags.  ist  fseljan,  oder  faelan  scandalizare,  sedocere,  dessen 
part.  fehlend  entsprechen  würde.  Vielleicht  Kegt  in  dem 
altn.  fAla  (S»m.  143^  210^  gigas  femina)  und  dem  verb. 
f»la  (terrere)  ein  verwandter  sinn ;  es  wflre  dann  glaublich, 
dafs  fdlant  früher  auch  auf  riesen  gieng.  Seitdem  jedoch 
Phol  (s.  205-9.  581]  in  betracht  kommt,  darf  er  bei  er- 
klärung  eines  in  unsrer  spräche  so  eingefleischten  worts 
nicht  übersehen  werden,  den  Übergang  aus  a,  o  m  ä  zei- 
gen andre  erscheinungen ,  z.  b.  tdlanc,  tolanc,  und  die 
volksmäfsigen  formen  voland,  fold,  fuld  sprechen  dafür; 
die  participialendung  mufs  dahinstehen,  bis  künftighin  mehr 
licht  auf  die  dunkle  Vvurzel  des  alten  göttemamens  fällt, 
selbst  den  bösen  Unfalo  aus  Teuerdank  wird  man  hierher 
nehmen  können,  da  un-  nur  vorgesetzt  scheint,  um  den 
üblen  ruf  des  Wortes  äufserlich  hervorzuheben,  VnfaU 
kommt  auch  sonst  als  eigenname  vor**^*^.  man  vergleiche 
das  nachher  über  die  pfahlmauer  gesagte  f). 

II.  Viele  namen  beziehen  sich  auf  die  ftufsere  gestalt 
des   tenfels.     Am  ersten  flillt  sein  lahmer  fufs  auf,   daher 

*)  Hagene  haUe  den  beioamen  *t>61ant  aÜer  kümge\  Gadr.  168>  2» 
196,  4,  alle  könige  fürchteten  ihn  wie  einen  teufel.  lÄone  (nt  Tolkslit. 
67)  macht  daraus:  Taillant  de  tons  les  rois! 

**)  im  Mehlwardeio,  einer  Frankfurter  locilposse  1037  s.  16:  'ei 
der  FMr  =  teufel. 

***)  in  den  Nördlinger  hexenproc.  s.  47  Apollonia  UnfahKn, 

-{-)  andere,  furchte  ich,  werden  darauf  gerathen  phol,  phal  ans 
aphSresis  der  ersten  silbe  in  deofol,  dlufal  lu  erklären,  etwa  wie 
eblis  aus  diabolns  stammt. 


TEnrsL  d45 

der  HikmJb  ieufel  (d&ibid  boüeux],  hinkebein^  vom  stürz 
aus  dem  himmel  in  den  abgrund  der  hötle  scheint  er  ge« 
bhint,  wie  der  Ton  Zeos  hembgeschleuderte  Hephftst  (s. 
221)*).  diesem  und  dem  schmiedenden  lahmen  Wieland 
(Vdhmdr  s.  350)  gleicht  er  auch  durch  seine  liunst  des 
Schmiedens  und  bauens,  so»  wie  den  aufenthalt  in  der  rufsi^ 
gen  hOlle.  Der  gegensate  2ur  leuchtenden,  weifsen  und 
reineit  gottheit  fordert  hier  dunkle  schwane  färbe,  wie  die 
schwarzen  eibe  den  lichten  gegenüber  stehn.  den  weifsen 
Baltac  (s.  208) ,  die  strahlende  Berhta  (s.  250]  dttrfen  wir 
darum  den  finstern  gewalten,  die  Kchtelbe  den  schwarzelben 
zur  Seite  stellen,  obgleich  beide  principe  einander  berühren, 
ja  sich  erzeugen,  in  dem  worte  alp  scheint  der  begrif  des 
weifsen  zu  liegen ,  nacht  und  tag  gehn  aus  einander  hervor, 
die  Nacht  war  des  Tages  mutter  (s.  697),  Haija,  Demeter, 
Diana,  Maria  (s.  289)  erscheinen  halb  schican  oder  ganz 
verdunkelt**^),  das  schwarze  teuflische  princip  kann  als  ein 
ttttursprttngliches ,  als  abfall  vom  göttlichen  licht  betrachtet 
werden. 

Der  teufel  heilst  der  schtoar^e.  atts.ffitrftj  (tenebrosus) 
Hei.  31,  24;  der  swarze,  Renner  30^;  'satan  exit  ore  tor- 
vus  .eelore  ianquam  eorviuf  s.  Gallenlied  11,  3;  'er  was 
$wan  als  em  rabe^  Tund;  51,  17;  diabolus  in  effigie  ho- 
minis nigerrhni.  Caesar,  heisterb.  7,  17;  der  stoarze  helle- 
Wirt.  Ms.  2,  254^;  der  hellewirt  der  ist  swarz.  Parz.  119, 
26;  der  bellemdr.  Walth.33,  7;  der  helsce  möre.  fundgr. 
25;  der  hellegräioey  anegenge  221*.  weil  die  dunkle  färbe 
birgt,  kommt  dem  bösen  geist  der  name  des  verborgnen, 
heimlichen  zu:  alts.  demea  wihti  (spiritus  latentes]  Hei.  31, 
20.  92,  2,  In  nnsern  volkssagen  wird  er  aber  auch  durch 
graumann^  graumännlein  bezeichnet,  vgl.  graa  frold  (D.  V. 
1,  169.  1£K))  was  an  Wvotan  und  an  Berhtold  mahnt. 
ich  hebe  also  auch  hervor ,  dafs,  wie  Berhta  und  Berh- 
tolt  leere  spmdel»  reiche  (s.  262.  257),  die  mfirkische 
sage  das  gerade  vom  teufel  erzflhit:  'dfonnerstag  abend 
darf  mall  nitohl  st>innen,  weil  der  böse  sonst  eine  leere  spule 
in  diu  Stube  wirft  mit  dem  zurufe:  'spinnt  diese  auch  voll!' 
(Ad.  Kidia  s.  379).  Von  thierischen  gestalten  sind  einige 
dem  teofel  hauptsächlich  der  schwarzen  färbe  wegen  beh- 
gelegt 


*)  II.  1,  592.    Thor  droht  den  Loki  ihn  tu  lähmen  (8o.  130) 
wd  der  Uitittrshl  h«t  Jfthinens  kraft. 

**)  den   Rdmeni    hiefs   Plufto  Jwpker  niger   der    schwarze    gott. 
SUius  iuL  8,  1 1«. 

mytkpl,    B,  mMsgmbe,  60 


946  TlUrSL 

Diese  thiergestalt  war  a^r  hinSg  niclit  ToUendely  son- 
dern bei  vorhersehender  tnenacUicher  bilduag  Riur  durek 
eine  wUhat  angedeutet^  ungefähr  wie  die  Grieehen  und 
Römer  ihre  saiyrn,  faune  oder  den  Pan  darslelllen  oder 
an  Dionysos,  Actäon,  lo  blofs  hörner  anfügten,  der  tenfel 
nfthert  sich  dann  jenen  waldgeislern ,  shraten  und  piloaen, 
weiche  s.  447  ff.  abgehandelt  wurden;  in  allen  ttbrigen 
gliedern  wie  ein  mensch  geformt  verräth  ihn  bocksohr, 
bom,  schwänz  oder  pferdefufs.  von  einem  Tund.  51,  33 
geschilderten  vMant  heifst  es:  ^er  het  iM  der  kende^)^  an 
des  Itbes  ende  einen  vreisltchen  MgH^  der  het  manigen 
tsntn  nagel,  manigen  haken  chrumben,  damit  er  die  tum- 
ben  cbölt  unde  stiebet.'  Schon  die  heidnischen  götter  und 
geisterhaften  wesen  konnten  einzelne  theile  des  leibs  nach 
thieren  bilden,  der  siav.  Triglav  hatte  aiegenhiupter  und 
in  der  indischen  mythologie  ist  die  nMchung  menschlicher 
mit  thierischer  form  überaus  häufig;  in  der  griecbiaehen 
oder  deutschen  selten  und  kaum  angeregt.  Huldra  er- 
scheint geschwänzt  (s.  249],  Berhta  mit  dem  gansfufs  (s.  258). 
der  nix  mit  geschlitztem  ohr  (s.  459),  die  nixe  mit  nassem 
kleidzipfel  (s.  459.  460),  der  held  mit  dem  schwanflägei 
(s.  399)  wie  Hermes  mit  geflügelten  füfsen,  die  wasserfrau 
mit  dem  schweif  einer  schlänge  oder  eines  fisches ;  selbst 
dem  riesen  bleibt  ein  finger  und  eine  zehe  über  die  ge- 
wöhnliche zahl  hinaus  (s.  494).  der  teuflische  pferdefufs 
kann  an  die  halbrossigen  centauren,  wie  an  den  altn.  nennir 
(s.  458)  erinnern. 

Übergang  in  gänzliche  thiergestalt  mochte  sieh  leicht 
daraus  ergeben,  a^r  auch  als  vermögen  des  höheren  We- 
sens, sich  vorübergehend  in  ein  thier  zu  rerwandeln,  an- 
gesehen werden. 

Der  entweichende  teufel  mufs  unvermerkt  seinen  jo/er- 
defuf$  sehen  lassen  (s.  303)^  aueh  ein  kobold  ist  pferde-^ 
fü/sig  (s.  480).  dem  Wassergeist  wird  halbe  oder  ganze 
gestait  des  rossee  beigelegt,  darum  auch  fallen  den  strö- 
men pferdeopfer.  ein  britischer  daemon  Qrani,  der  viel- 
leicht an  Grendel  (s.  222)  mahnen  darf,  zeigte  sich  als 
füllen  (Gervas.  tilber.  b.  Leibn.  980).  Loki  wandelte  sich 
in  eine  etnte  und  zeugte  mit  Svadilfdri  den  Sleipnir  (Sn. 
46.  47).     der  teufel  erscheint  als  pferd  in  den  sagen  voo 


*)  diese  mMänügkeU  kommt  mit  der  rietitcben  Öberein ,  «eAr- 
entsinne  ich  mich  nicht  den  toafel  dargenteNt  ta  finden,  ee 
sei  denn  in  drschengesUlt  aber  der  aptichlist  wwrde  giehmhäitpiig 
and  mit  einem  pferdefufs  gebildet  (vgl  Zappert  a.  a.  oi  73^  74). 


IBDBBL  947 

Zeno  j  von.  bruder  Raaseh  «nd  in  legenden  (Zappert  s.:  68-^ 
71);  idkiporse  ro$se  holen  verdamaite  ab,  ja  füluren  beiden 
wie  Oietench  zur  hölle  (Vilk.  saga  393.  OUo  frising.5,  3). 
Die  Vorstellung  des  teufeis  in  ftacibgestalt  steigt  in 
hohes  aitertbom  hinauf;  wie  hilte  sie  in  dem  ketzer  und 
hexenwesen  so  fest  gewurzelt?  alle  hexen  dachten  sich 
ihren  meister  ab  schwarzem  bock,  dem  sie  bei  feierliehen 
zusammenkQnflen  göttliche  ehre  erwiesen ;  umgekehrt  sühnte 
und  vertrieb  der  wei/se  bock  tenflischen  einflufs  (Haupts 
zeiischr.  3,  35).  in  schwuren  und  Verwünschungen  des 
15.  16  jh.  parodiert  jener  book  den  wahren  gott :  'dafs  in 
der  pock  sehend  V  ist  eine  hftufige  formet  bei  Hans  Sachs ; 
man  schwur  %ei  bocks  schedel,  bei  bocks  lid',  wie  bei 
den  gliedern  der,  heiligen,  'bei  bocks  hulde'*).  oder  seilte 
hier  bocks  blohe  nebenform  von  frofo,  pot»  für  gotts  (s.  14) 
sein?  es  wäre  auffallend,  dafs  die  dichter  des  13  jh. 
niemals  bok  in  gleichem  sinn  verwenden;  nur  Martina 
156^  184^  steht  heUeboc  deutlich  für  teufei.  bockschmtt 
heifst  nach  Schm.  I,  151  jener  bilwezschnitt  (s.  442.  443), 
den  das  volk  geistern  und  dem  teufel  zuschreibt.  Der 
bock  war  aber  Donars  heiliges  thier,  den  so  oft  die  jüngere 
Vorstellung  vom  teufel  im  hintergrund  hat.  das  volk  in 
der  Schweiz  ifst  die  ziegenfüfse  nicht,  weil  der  teufel  mit 
üegemfüfsen  erscheint  oder  beim  stiefelausziehen  die  geifs^ 
/«/se  hervorkommen  (Tobler  214);  es  könnte  auch  aus 
dem  mylhus  von  Donars  bocken  erklärt  werden,  die  er 
als  qieise  auftischte  und  aus  den  knochen  wieder  belebte 
und  über  deren  zerbrochne  beine  er  zürnte.  In  den  mär- 
chen  erscheint  aber  der  teufel  selbst  als  meckernder  bock, 
schon  in  Gregorii  magni  dial.  2,  30  als  'comii^^)  et  irepi^ 
dicam  ferens',  was  ieh  verstehe,  in  eines  dreifüfsigen  bockes 
gestalt,  gehörnt;  dreibeinige  thiere  sind  gespensterhaft  und 
teuflisch  (s.  872.  887).  auch  das  posterli  (s.  886)  zeigte 
sich  ab  üege.      Sollten  nicht  die  von  den  Heiden  geopfer- 


*)  Appenzeller  reimchr.  14.  37.  39.  51.  72.  95.  Senkeaberg  sei. 
1,  46.  bocks  angst  und  gut!  Er.  Alberui  21;  bocks  marter!  33; 
dafe  dteh  bocks  eeel  sehend!  23;  dafs  dich  box  sners  sehende! 
Schreiber  freib«  «rk.  2,  67 ;  durch  bocks  tod  I  ds.  3,  404.  hock$  Ud 
entspricht  dem:   ^iiufel  u.  stn  tii.*    Mones  anz.  8,  41. 

**)  dem  teufjBl.  f^in  bein  aus  dem  leib  und  das  Unke  Aar«  vom 
köpf  fluchen  (Gargi  232").  man  sagt  noch  heute:  'er  lügt  dem  teu^ 
ei»  ohr  ob  und  wieder  an*,  (Haupt  3, 368)  d.h.  sich  so  starker  fluche 
und  lügen  bedienen,  die  selbst  dem  teufel  an  der  gestalt  abbrach 
thun.  Was  bedeutet'  aber  die  .redeAsart-:  ir  lieget  dem  Littvele  an 
dos  bein  (Roth.  32^)  ?    achwdrt  falsch  (s.  960)? 

60« 


948  VBHBBlip 

ten  bocke'  (s.  15.  46)  hertiaoh  ym  den-  Chrhte»  aaf  die=  ge^ 
stalt  des  heidnischen  götsen  angewandt  worden  gein?  bei 
der  alten  Preiifeen  bocktheüigwn^^)  wurde  das  opfonhiier 
iMch  empor  gehoben. 

Nächst  dem  bock  ist  der  06er,  4er  unter  den  alten 
göttern  dem  Fro^  heilig  war,  und  in  Walha4ia  der  beiden 
speise  hergibt)  auch  noch  im  sturmzug  des  wilden  beers 
beziehangsvoU  erscheint  (s.  873.  875)^  ein  teufelsthier ;  daher 
beim  tosen  der  Windsbraut  sMert  gerufen  und  mit  diesem 
namen  der  teufei  gescholten  wird  (s.  599).  eine  andere, 
fast  entscheidendere  rolle  spielt  die  «au  bei  den  tettfels- 
bauten,  der  böse  erscheint  als  grunüende  sau  (Schweini«- 
eben  1,  31).  Die  hanptsache  ist  ab^,  dafs  wir  hier  wie- 
der auf  den  namen  Phol  stofsen,  denn  fol,  faly  fid  be- 
zeichnet mhd.  in  der  Zusammensetzung  urful  einen  eber, 
was  aus  Schwabensp.  315  Wack.  204  Lafsb.  erbellt,  wo 
die  leaarten  erfaul,  urfaul,  urfol,  urvai^  wurifel  alle  gegen 
ursül  streiten,  mit  dem  so  wenig  etwas  anzufangen  ist  als 
mit  halpswuol  Nib.  878,  3,  die  Varianten  halbfwol,  halpfuol, 
helfolen  nöthigen  zu  halpful,  halpfvl,  d^  i  halbschwein  ge- 
genüber dem  hauptschwein  oder  urfol^  dem  fünQflhrigen, 
alten  keuler  ^^).  nicht  des  gottes  name  wird  aus  dem 
thier  zu  erklären,  sondern  in  beiden  Zusammensetzungen 
auf  das  thier  angewandt  und  so  erhalten  worden  sein;  da 
Phol  aber  Paltar  ist,  mag  es  jetzt  weniger  gewagt  scheinen, 
den  namen  des  ebers  Bai^tro  aus  Reinardus  hierher  zu 
ziehen. 

Seelenraubender  u>olf  war  der  teufei  bereits  den  kir- 
chen Vätern  (Gregorii  megni  opp.  1,  1486).  In  Cnuts  ge- 
setzen  heifst  er:  se  f!>4dft^ca  terevu^  (Schund  p.  148),  Ditnk 
von  Merseburg  p.  253  nennt  ihn  Impus  f>arax,  Lohis  söhn 
ist  Fenris  ülfr;  aus  den  mhd.  dichtem  habe  icb  mir  kein 
heUewolf  angemerkt ,  bezweifle  es  aber  kaum ,  weil  noch 
Simplic  2,  72  höttenwolf  gebraucht.  Und  die  aiavisebe  be- 
nennung  des  teufeis  poln.  torog^  böhm.  wrah^  serb«  sloven. 
trag  drückt  zwar  übelthäter,  bösewicht,  latro  aus,  geht 
aber  auf  das  ahd.  toarg  (lupus)  ,  zurück  (Reinhart 
XXXYII).  der  teufei  hat  seinen  ungeheuren  rächen  mit 
Wolf  und  hOlle  gemein:  des  tinvels  Amnd«.  Warnunge 
540. 

Hündische  gestaltung  des  teufeis  ist  mehrfach  begrün- 
det,    er  heifst  heüehunt  im  alten  lied  auf  Georio  (hindgr. 


*)  Lac.  David  1,  87.  9a    iob.  Voigt  1,  616. 
**)  das  lange  I  ist  in  den  bat.  aehwer  Ven  f  ia  scfteiAen. 


13),  d0i  heU$hmde$  list,  Harin.  Greg.  163;  wwl  in  den 
Havels  tHunty  Atml  in  der  helle  grünt«  Ls.  3,  124.  keUe^ 
rüde  Martina  32«  (Diut.  2,  143),  heOewelf  dae.  111%  wie 
schon  die  edda  einen  heelpr  in  der  holte  annahm  (S«ni. 
94^,  der.  griech.  glaube  einen  Cerberus  (s.  775).  kftnpr 
mit  dem  höUenkund  schildern  fpndgr.  178.  ah  htmd  be^ 
wacht  der  teufel  schätze  (s.  929).  schtoarxer  himd  (dän. 
abergl.  no.  149).  des  tievels  rüden.  Renn.  23343.  H.  Sachs 
IV.  3,  ^1^  legt  dem  teufel  einen  toachteOnmä  bei.  [der  ihm 
Seelen  aufspürt  und  fingt?)*),  sollte  nicht  das  lateinische 
Ailro  (rfiuber),  wie  unser  warg  vom  wolf,  vom  bellenden 
thier  ausgehen?  um  so  mehr  gleicht  beiden  thieren  der 
teufel. 

Unter  den  vögeln  steht  ituiächst  der  rabe,  dessen  ge- 
stall  der  teufel  gern  annimmt.  Ls.  3,  256.  Ottoc.  298^  der 
ttiigetriuwe  helhrabe.  'volgen  wir  niht  dem  sfoar«efl 
Tuben  r  Rol.  33 ,  23;  'volget  d^m  ncanen  raben  nihtT 
Kari  19^;  'c'est  uns  deables^  uns  eorbiam'  Ren.  28284. 
den  schwarzen  von  Noah  ausgesandten  raben  nennt  Ca^m. 
87,  11  den  feind  (feond).  Nicht  blols  scbwfirze,  list  und 
behendigkeit  des  vogels,  auch  sein  alter  Zusammenhang 
mit  Wuotan  (s.  637),  wie  bei  dem  wolf,  konnten  diese 
Vorstellung  betätigen.  Ciedm.  188,  6  scheint  sogar  das 
ganz  odinische  epitheton  eäkeoseg  (stragem  eligens),  das 
des  gottes  bolinnen  zukommt  (s.  389),  alterthümlich  auf 
den  raben  angewandt;  indessen  bezieht  auch  schon  des 
Hieronymus  commentar  zu  Hieb  38,  41  gezwungen  genug 
den  (schwarMerQ  raben  auf  den  teufel.  In  dänischen  volks«- 
liedern  vertritt  der  ^vilde  r(wn\  der  ^eilde  ealrapn^  (jener 
corvos  stragis,  ahd,  walahraban)  völlig  die  stelle  eines  teiif^ 
tischen  trold  (D.  Vr  1,  186.  187).  im  Puppenspiel  von  dr 
Faust  wird  der  rabe^  welcher  die  verschreibung  mit  dem 
teufel  getragen  bringt,  merkwürdig  Merours  vogel  genannt, 
was  völlig  auf  Wuotan  gerecht  wäre.  Den  geier  finde  ich 
erst  iD  den  letzten  jhh.  statt  des  teufeis**),  noch  häufiger 
den  kukuky  dessen  zauberhaAe  beziehung  s.  646  zur  spraphe 
gekommen  ist. 

Ungleieh  älter  und  verbreiteter  war  die  erscheinung  des 
tenfels  als  scUunge,  umrm  und  draoke.  die  verführende 
'  t  '  ■■  ■- ■ 

*)  wdhulbem  (lockpfeife)  des  tiufels.  Berth.  225.  'säst  Terirret 
ez.  als  ein  wahulhein,'  jÜDgling  130«! ;  'in  körne  wart  ein  knndic 
wahM  nie  «6  sanfte  ef&Mwef.*    Ms.  2,  206^. 

*0  dafs  eueh  der  geier!  Grjpbius  p.m. 746.  wo  geier?  (s=  wo 
leufel  ?)  EUnera  um.  «KocI.  335.  dafs  dich  der  feier  eckende  l 
Wackern.  lesebuch  788,  21. 


950  VBBPBIl 

Schlange  im  paradieg  g«h  filr  den  teiifel  selbst,  wie  anti* 
quQS>  hostis  heifsl  er  antiguus  anguis,  anguifer  hotHis^ 
leüfer  anguis,  serpens  (Greg.  magn.  opp.  1,  111.  Jonas 
bobbiens.  p.  5.  15.  vita  Burgundorarae  p.  427.  vila  s. 
Romani  p.  743).  serpens  anüquus  (Caes.  heisterb.  7,  35)| 
der  aUe  draci^e^  ags.  draca  EL  765.  ihren  gruhd  hat  die 
vorstellang  zumal  in  apocal.  20,  2  und  in  den  deotungen, 
welche  die  kirchenvSter  Yon  Leviathan  gaben,  apocal.  12, 4 
gedenkt  eines  drachen,  der  mit  seinem  schweif  den  dritten 
theil  der  steme  vom  himmel  gezogen  habe*).  In  diesem 
biblischen  sirni  nennen  unsere  alten  dichter  den  teufel 
Slangs  y  helletourm  (Lohengr.  141),  heUetracke  (Marl.  141'), 
es  wurde  aber  auch  der  einheimische  Volksglaube  von 
feuerspeienden,  giftigen  wtirmen,  schatzhOtenden  drachen 
(s.  930)  und  wunderbaren  schlangen  (s.  648)  mit  angeregt, 
in  unzähligen  volkssagen  erscheint  der  teufel  als  dracke, 
z.  b.  deutsche  sag.  no.  520.  858.  Zumal  hebe  ich  hier  das 
märchen  hervor,  worin  bald  dem  trftumenden  teufel^  bald 
dem  drachen  oder  dem  vogel  greif  federn  aus  dem  schweif 
gezogen  werden:  Km.  no.  29.  57.  165.  Norske  folkev.  1, 
31  -33.  Mailaths  magyar.  m.  1,  179.  Der  unglttcksdrache 
verfolgt  die  menschen,  einer,  dem  alles  wMerwfirtig  geht, 
pflegt  zu  sagen:  auf  all  mein  glück  legt  der  teufel  seinen 
Schwan».  Vom  drachen  lassen  sich  auch  des  teufeis  flügel 
herleiten,  altfranz.  diables  enpane%  (M6on  nouv.  rec.  1, 250), 
wie  angres  enpanez  (das.  1,  272).  Da  die  kirche  den  Le- 
viathan als  Ungeheuern  tcalßsch  darstellte,  dessen  wange 
Christus  mit  der  angel  durchbohrte  (Greg.  magn.  I,  110. 
vgl.  oben  s.  166),  so  war  das  anklang  an  die  ungeheure 
von  Thor  aus  dem  grund  des  meers  geangelte  feindliche 
tceltschlange  (s.  649).  als  drache  oder  schlänge  hut  der 
teufel  einen  ungeheuren  rächen  (mhd.  kdwen.  Ms.  2,  166*^), 
gleich  der  hölle  selbst  (s.  291.  767). 

fliegengestalt  die  LXX  übertragen  Baaisebub,  des 
akkaronischen  götzen  namen,  BdaA  /et/f«,  fliegengott  (IV, 
reg.  1).  Ahriman  drang  in  fUegenHalt  durch  die  naiur. 
liuh.  mussü  birbiks,  fliegengott  (Mielcke  231),  birbiks  sonst 
blasend,  summend,  märchen  erzählen  von  teuflischen  gei- 
stern, die  als  fliege  in  einem  ghis  verschlossen  sind*% 
Loki,   als   er  Freyja  um    das  brtstngamen    betriegen   will, 


*)  der  aUe  dange  mit  Btnen   gen6ten    von  himel  wart   her  abe 
.gest^sen,  stns  Ubes  wesen  (eilt  er  eodriu  d.  i.  w«    Reoner  3 100  ff. 

**)  daoiicbe  sage  too  eiDem  in  einer  huchae  Tertchlosaeoen  te»- 
fel.    Thiele  1,  18.    KM.  no.  99. 


VBOraL  «Sfl 

wandelt  doh  ii  eine  ßsge  (floifi).  hiernrif  rerbinde  man 
eine  iangob.  sage  bei  Paulns  diac.  6^  6  von  dem  malignas 
spiritss,  der  steii  als  ßege  ins  fenster  setzt  und  dem  ein 
bem  abgehauen  wird;  die  acta  Bened.  sec.  1  p.  238,  von 
einem  ansgetriebnen  teufei  redend:  %  nviucas  similitudinem 
prentropens  cum  sangnine  de  naribus  egressns  est  inimicus/ 
als  fliege  dringt  er  durch  das  Schlüsselloch  in  verschlossene 
gemficber,  er  vermag  sogar  durch  ein  nadeldhr  zu  schlüpfen 
(norske  foliceventyr  no.  31),  wobei  mir  seine  schmiegsame 
rantter  (s.  226)  einfUlt.  gleich  dem  riesen  (s.  522)  hat  der 
teufei  das  vermdgen  sich  gro/s  oder  klein  zu  machen 
(norske  foikev.  1,  134.  192).  Des  elbischen  wesens  der 
schmeüerlmge y  die  als  psychen  (s.  789)  gut  oder  übelge- 
artete geisler  sein  können,  wird  noch  im  verfolg  zu  er- 
wtlinen  sein. 

Der  teufei  wird  aker  auch,  von  früher  zeit  an,  zweien 
jferäAem  verglichen,  dem  hammer  und  dem  riegele  in 
welchen  ich  s.  166.  222  beziehung  auf  heidnische  götter 
nachgewiesen  habe,  hier  ist  noch  ihre  biblische  oder  kirch- 
liehe  grundlage  zu  erwfigen.  MaUeui  zählt  bereits  Hiero- 
nyanus  in  dem  briefe  an  pabst  Damasus  (zw.  366-384), 
wo  er  die  parabel  vom  verlornen  söhn  erklärt,  unter  be- 
neBBirogen  des  teufeis  auf;  Hieronymus  konnte  in  Dalma- 
tien,  Italien,  Gallien  (und  er  war  am  Rheinstrom)  den 
aasdruck  von  den  Heiden  vernommen  haben.  Greg.  magn. 
(f  603)  opp.  1,  1125:  in  scriptura  sacra  mallei  nomine 
aliqaando  diabolus  designatur,  per  quem  nunc  delinquen- 
tium   culpae  feriuntur,    aliquando   vero   percussio   coelestis 

accipitur nam  quia  in  appellatione  maüei  antiquus 

hostis  ezprimitur,  propheta  testatur,  dicens:  quomodo  con- 
fraclus  est  et  nutritus  malleus  universae  terrae  (Jerem  50, 
23.  vgl.  51,  20).  die  Vorstellung  des  strafenden  gottes 
und  einer  feindlichen  bösen  gewalt  mögen  sich  hier  be- 
rüiuren.  In  Donars  händen  war  der  hammer  zugleich  hei- 
ligendes und  zermalmendes  Werkzeug:  Sturmwind ^  Winds- 
braut^ naturersciiernungen ,  die  das  ältere  heidenthum  dem 
herrn  des  donners,  der  spätere  Volksglaube  riesen  oder 
teufeln  zuschrieb  (s.  602.  abergl.  no.  522.  ehstn.  no.  100), 
heifsen  in  einigen  gegenden  Deutschlands  hammer^  ent- 
weder von  seiner  zerstörenden  heftigen  Wirkung,  oder  weil 
man  ihn  vom  teufei  erregt  wähnte*^],     in  dem  rheinischen 


*)  der  mihfisefae  baner  nennt  den  wiHehnnd  hammer  (Meinert 
in  den  Wien.  jb.  bd.  48.  ms.  bl.  p.  55),  was  anf  Donar  wie  aef 
den  teufei  gebn  darf,   also  den  a.  590  entfaheten  Tontelhmgen  be- 


959  TBDFfil. 

» 

Westfalen^  weoii  uoTermutet  der  wind  die  Ibfiren  BufreiTflt, 

plötzlich  stofsweise  durchs  haus  {pfeift,  heirst  ««;  ^do  es 
der  aul  van  terjobrenr,  da  ist  der  alte  von  vorigem  jähr, 
der  bekannte  alte,  dessen  namen  man  besser  nicht  neairt. 
Da  sich  bei  den  dichtem  des  MA.  meines  wissens  die  be*- 
nennung  hamer  für  teufel  nicht  findet,  so  trage  ich  be*- 
denken,  den  Ursprung  jener  volksmäfsigen  flüehe  (s.  166) 
aus  dem  malku»  der  kirchenväter  abzuleiten,  ich  möchte 
eher  einen  Zusammenhang  heidnischer  und  jüdischer  v<Hr- 
Stellungen  glauben.  Mit  riegel  dürfte  es  ebenso  steha. 
teciiSy  ist  nicht  blofs  das  tbürschliersende  gerdth,  sondern 
^uch  ein  stofsendes,  hebet,  Stange,  beinahe  wiederum  mal- 
leus.  Leviathan  heifst  vectis^  quia  usque  ad  necem  pereutit 
(Greg.  magn.  1,  111),  das  mhd.  hellerigel  (s.  223)^  das 
ags.  grendel  (s.  222)  könnte  nachahmung  dieses  vectis  s^n, 
aber  auch  einen  älteren  bezog  auf  Loki  haben. 

Ich  meine  öfter  vernommen  zu  haben,  daGs  sich  der 
teufel  aus  einem  knäuel  entwickelt*  ein  märchen  erzAhit, 
wie  er  als  mübtein  vom  berge  niederrollte  (altd..bl.  1,297). 
hierin  scheint  er  riesenhaft,  denn  die  schwed.  voikssage 
weifs  von  riesen ,  die ,  wenn  Thors  blitz  durch  die  lüfte 
fährt,  aus  furcht  davor  unter  manchen  gestalten,  zumeist 
als  knäuel  oder  kugeln  vom  berge  herab  auf  die  wiesen 
rollen  und  schütz  bei  den  mädern  suchen:  diese  aber,  der 
gefahr  wol  kundig,  halten  sie  mit  den  sicheln  zurück;  da 
soll  es  sich  oft  zugetragen  haben,,  dafi^  der  blitz  nieder- 
schlug und  die  sicheln  zersplitterte,  dann  fuhren  die  riesen 
mit  klagendem  gesaus  zurück  in  den  borg.  Afzelius  1,  10. 
mir  fällt  dabei  der  dämonische   toindknäuel  ein  (s.  606)*). 

III.  Vom  aufenthalt  des  teufeis  in  der  hölle,  aus 
welcher  er  die  heidnische  göttin  verdrängt  hat,  sind  die 
häufigen  namen  helletoarie  (sumerl.  7,  9.  cod.  pal.  361, 
7l6)  hellehirie  (Parz.  316,  24)  hellegrübel  (Mart.  4»  10« 
72^)  hellemrt  (Ms.  2,  175"^)  und  ähnliche  entnommen. 
hehcherge  heifst  er  Lohengr.  70,  ^es  las  die  stne  an  sich', 
gleichwie  Wuotan  die  seelen  seiner  beiden  empfängt. 


gegnet,  tnsnHu  wens  und  aqtiüo  heifsl  der  teufel  (Gregor,  magn.  1 ,  547. 
d70)«  den  Neugriecfaen  ist  avtiiofi  der  tenfel  (gramm.  3,  736).  Seit- 
sano,  dafs  die  Priaeillianer  das  wetter  Tom  teufel  ableiteteot  dea  dmt-- 
ner  tod  seinem  brüllen,  den  regen  Ton  seinem  schweifse,  was  sehr 
'heidnisch  klingt,  auch  die  Alanichäer  erklärten  stürm  und  gewiUer 
aus  der  wnt  des  gefesselten  teufeis. 

*)  hexen  bekannten  in  kugeln  Terwandelt  worden  und  so  mutter- 
nackend  auf  tischen  und  b£nken  berumgesprungen  su  seia.  Wengs 
ndrdL  besenprocesse  s.  54. 


TEDRL  953 

Seine  wohnmig;  liegt  im  Nartkn,  wae  schon  u  der 
8.  80  eatwickelten  anfleht  stimmt,  leit  /  narir'  (aobaute 
gen  Norden)  kommt  beim  singen  eines  valgaldr  (ferale  ear- 
men)  Yor  (Sem.  94*).  diabolus  sedel  in  lateribus  aqmkms 
(Greg«  mi^gn.  1,  1186) ,  er  wOl  'on  naridmie'  berschen 
(Gaedra.  3,  8),  setzt  seinen  stul  nordemka^  (Diut  3,  40. 
fttodgr.  2,  11).  'niAr  ok  mardr  liggr  helvegr'  (s.  762).  aueh 
der  Bbste  sehest  die  nardMeite  (abergl.  no.  43).  nordȊrU 
strömt  des  ddmois  Wasserfall  {«.  461). 

Ich  füge  hier  einige  s.  765.  766  unangeführte  ansdrOcke 
bei,  weil  ich  nicht  sicher  bin,  ob  sie  nrsprttngiich  mehr 
der  hölle  oder  den  tenfel  gehören.  In  einem  allen  scha«* 
vfUL  Ten  Theophüiis  bringt  satan  diesen,  nachdem  er  sich 
ihm  Terschrieben  hat,  in  eine  bürg,  wo  es  kalt  ist,  aber 
in  saus  und  braus  gelebt  wird:  'up  de  Oeelguune.*  mebn 
rere  örter  in  Niederdentschland  führen  solchen,  die  mis- 
funst  und  den  hafs  der  teuflischen  natur  treffend  bezeich-* 
nenden  namen:  ein  Oteigunne  im  Magdeburgischen,  ein 
(helgänne  im  Oldenburgischen ,  ein  Oeelgmnne  im  Mün« 
sterschen  bei  Horstmar,  im  Osnabrückisohen  zwischen  Wit-» 
läge  und  Dümmersee,  ein  gut  Ovelg&nne  im  mindnischen 
kirchspiel  Eidighausen,  ein  Übelgünne  bei  Warburg  Im 
Paderbornischen,  wahrscheinlich  heiben  noch  andere  Ort- 
schaften mehr  so,  man  denkt  dabei  an  das  gleich  richtig 
gewählte  Übelloch  (Malpertuis)  im  Reinhart,  ob  sie  in  bezug 
auf  den  teufel  oder  wie  ich  eher  glaube,  auf  eine  un*- 
günstige,  kalte,  nördliche  läge  so  genannt  wurden,  wftre 
zu  ermitteln;  im  letzten  fall  ist  die  benennung  passend 
dem  teuflischen  wohnort  fiberwiesen ,  der  recht  entgegen 
steht  dem  seligen,  wonnigen  freudensaal  des  himmels 
(s,  780.  781).  In  Niedersachsen  sagt  man:  'na  Hekehelde 
Yaren'  (Sam.  Meiger  Cggoi'),  in  Dftnmark:  'gaa  du  dig  til 
HäkkenfebUf  Lyngbyes  fdr.  qy.  p.  549).  Thiele  8,  71 
schreibt  Hil  HeM^jäkb^;  wie  wenn  dabei  an  Hakelberg, 
Hakelbernd  (s.  875)  zu  denken  wäre  ?  veld  ist  nicht  unser 
feld^  sondern  das  altn.  fiall  (mens),  wie  die  dän.  form 
ffäld  lehrt  und  der  Hakelberg  kann  des  wütenden  Jägers, 
also  teufels  aufenthalt  sein ,  ja  es  ist  deutlich  die  isländ. 
HMa,  wofür  auch  HeklufiaU  gesagt  wird,  ein  samnielort 
der  hexen;  Fischart  Oarg.  119^  sagt  dafär  Heckelberg. 
Hekla  selbst  mag  von  der  form  des  mantels  (cucullus)  ge- 
nannt werden,  wie  Wodan  der  gemantelte,  hacotberand ; 
also  zeigt  sich  manigfacher  Zusammenhang.    Von  abyssug^) 

*)  provens.  aUs  (Ra^n.  1,  14*  vgl.  1,  \S4P  baratro,  baratruoB, 


05t  JJE6I1L 

woraos  nobis  entspraof,  wurde  s.  766  gdiatidelt,  liier  will 
ich  noch  die  letztere  form  näher  belegen.  Kilian  hat: 
nobisse  (daemon,  nanus,  eacodaemon),  noHsgai  (orciia),  mo- 
biskroech  (orcus).  vermutlioh  liegen  in  NiederdeutacUand 
noch  mehr  Nobtsbüge  als  Ovelgonnen,  häufig  fähren  grens- 
wtrtshäuser  den  namen,  bei  welchen  man  gleichsam  in  an« 
derm  land  anlangt;  so  findet  sich  auf  der  friea.  und  aäehs. 
grenze  in  der  Oldenburg,  vogtei  Ostringien^  so  zwischmi 
Altona  und  Hamburg  ein  nobiskrug;  bei  Kiel,  bei  Munster 
heifsen  abgelegne  schenken  ebenso,  es  liegt  nicht  gerade 
der  üble  sinn  unsrer  hölle,  vielmehr  noch  der  alte  des  tods 
und  der  Unterwelt  darin,  'he  is  na  nabskroge  will  aichls 
als  er  ist  mit  tod  abgegangen  sagen,  nobiskrug  setzen  aeeh 
hd.  Schriftsteller  des  16.  17  jh.  für  höUe  oder  Wirtshaus 
des  teulels,  der  ein  hellewirt  heifst:  in  nobiskrug  farea 
(Luthers  tischreden  1571,  418>);  Fischart  im  Garg.  53'':  der 
reich  mann  im  nobishrug;  im  Euiensp.  277:  dafs  & 
nicht  stürb  so  ungebeicht  und  fuhr  in  nobishants  vielleicht; 
L.  Thurneissers  nothgedr.  ausschreiben  1584.  III,  85:  da*- 
rauff  sie  sagt,  sie  wird  dalent  me  in  Nobiskrug  sein  (=  todt 
sein);  cnrsus  cleselianus:  dein  seel  fahr  hin  in  nobiskrug; 
fehrst  in  nobiskrug.  Ayrer  76^.  der  teufel  bawet  allezeit 
seine  capell  u.  nobiskrug  ^  wo  gott  seine  kirche  hat  (Andr. 
Musculus  hosenteufel  1630  p.  16);  in  nobiskrug  gewesen 
sein  (Chr.  Weises  Floretto  p.  74);  nobiskaus  (Bure.  Waldis 
191*  dOSb).  nach  Stald.  2,  240  sind  nobiskraiten  der  ort, 
wohin  ungetaufte  kinder  kommen. 

Schöner  nennt  Walth.  123,  38  die  hülle  <daz  verlorne 
tul%  was  an  Dantes  citta  dolente  und  sein  'per  me  si  va 
tra  la  perduia  gente^  erinnert. 

IV.  Dunkle  benennungen.  über  das  goth.  skdksl  für 
&at/i6viov  ist  s.  455  eine  Vermutung  vorgetragen,  die  durch 
das  oft  vorkommende  ags.  scocca  (auch  sceocoa^  scuoea 
geschrieben  *),  und  darum  schwerlich  scöcca)  bestärkt  oder 
entkräflet  wird ;  zu  skSksl^  den  buchstaben  nach,  würde 
die  Wurzel  skaka  (quatio)  stimmen,  skiuha  (timeo)  skohsl 
fordern,     vielleicht  noch  näher  ist  das  altn.  skass  (femina 


doch  schon  die  Italiener  haben  neben  ahiuo  gebildet  nMuo  (aas  in 
abisso).  Rol.  195,  1  heifst  ein  heidnischer  fahnentrSger  AMaie,  in 
altfranz.  gedieht  aber  AhumBs,  gleichsam  der  höllische,  das  brem. 
wb.  3,  254  schreibt  noch  obishroog,  obskroog. 

*)  BeoT.  1871  I^dum  scuccum  and  scinnum  (infisis  daemonibiis  et 
praestigiis)  Tgl.  scinna  {^eay  (praestigiorum  mos)  c.  exon.  362,  4; 
sceuccum  onsäcgan  (daemoniis  immolare)  ps.  105i  27;  seeuccgjrldaoi 
(aeulplilibus)  pa.  105,  26.  - 


TBUFBL  M9 

giga«),  wofür  Samnr.  154^  die  lis.  $kds  darbietet.  In'  eim^m 
grorsen  Iheile  Deutschlands  ist  jetzt  ein  ausdruck  für  teu* 
M  verbreitet,  der  überall  nur  in  der  diminutivform  ge- 
brancht  wird:  nieders.  siöpke^  stöpke  m  der  helle,  in  der 
Maingegend  Hebchen,  Stäbchen,  in  der  gaunersfrache  Hepp^ 
che,  etepches,  obersfichs.  stebgen,  stöpgen,  thflring.  «tö«* 
pfel,  im  Badischen  steuble;  man  versteht  darunter  zomal 
den  fliegenden,  isurigen  drachen,  der  in  die  häaser  seiner 
ergebenen  einkehrt  und  ihnen  geld  oder  körn  zuirigt,  ei- 
nen feurigen  mann,  irwisch  (abergl.  611)  und  der  irwisch 
hiefs  (s.  868)  ddigr,  feind,  teufet;  damit  ist  aber  der  ur-- 
qirung  des  wertes  noch  nicht  eriftutert.  Niedersächs.  und 
westfkL  giU  die  schon  s.  488  berührte  benennang  dr6$,  de 
drös  in  der  helle,  drofs,  man  betheuert  'bim  drds,  und 
flucht  <dat  di  de  drde  slAT  (brem.  wb.  1,  257).  zu  ent- 
sprechen scheint  das  hochd.  drtu,  iruoe,  drü$,  das  aber 
unpersönlich  seuche,  pest  bedeutet.  Es  gibt  noch  eine 
m^ige  von  Provinzialismen,  die  ich  alle  weder  anführen 
noch  erkUren  kann,  in  der  Schweiz  sagt  man  kuhni,  kueni 
(Stald.  2,  142),  vielleicht  der  kühne,  verwegne?;  im  Ra- 
venabergischen  kramberend  (vgl.  brem.  wb.  unter  krambeer, 
krambekei^,  bramberend  (von  bram,  pfriemkraut,  geniste?), 
hanax  u.  s.  w.  mnl.  barlebaen ,  barlibaen  (Huyd.  op  St.  3, 
38)  Reia.  5184.  Fergüt  1754.  2372.  3763.3909,  ein  ziem- 
lich oft  wiederkehrender,  unverständlicher  ausdruck,  von 
dem  auch  die  roman.  sprachen  keinen  bescheid  geben,  blofs 
das  altengl.  barlibah  (nach  Massinger  1,  80  the  natne  of 
an  evil  spirit)  gleicht,  und  barlibreak,  barleybreak  ist  ein 
spiel,  worin  die  bölle  vorgestellt  wird  (Nares  s.  v.);  mhd. 
bceser  frfmure  Turl.  Wh.  136*)  soll  in  dem  cod.  pal.  /l^- 
mitrc  lauten,  es  scheint  darin  murc  (putridos)  Wh.  23,  5 
und  das  altn.  myrkr,  ags.  myrce  (tenebrosus)  zu  liegen  (s. 
945);  'ein  tiuvel  der  hiez  oggewedel,  der  ie  die  6rsten  lüge 
vanf  (Ms.  2,  250»»). 

Mehrere  benennungen  sind  menschliche  eigennamen, 
die  man  auf  den  bösen  geist  entw.  als  euphemismen  oder 
in  mitleidiger  Vertraulichkeit  anwendet,  gerade  wie  bei 
hausgeistern  (s.  472)  und  irwischen  (s.  869).  so  heifst  er 
engl,  the  old  Daog,  cid  Ngch  (Nares  s.  v.  Nicholas)  ob* 
gleich  man  hier  auch  an  Hmkar  (s.  457)  denken  dürfte; 
dfld.  gammel  Erik  (s.  941);  jenes  Schweiz,  kueni  ist  viel- 
leicht JiTvent  (Conrad,  wie  der  poltergeist  Kurt  hiefs,  s.  511), 
Ben»  (bei  Keisersb.  teufel,  Oberl.  s.  v.)  Benno?  ein  bair. 
Muchsel  könnte  aus  Nepomuk  stammen,  wenn  man  nicht 
Schmellers  deutung  heimlicher  Schleicher  (2,  546)  vorzieht; 


9Se  1BUBB1. 

sehwerlidh  rührt  aber  9iepcken  aus  Stephan?  hinfig  igt 
Vetten  (Valentin)  für  teufei,  potz  Veiten  I  ich  denke  mit 
anspieiong  auf  jenes  v4lant  (s.  944);  auch  hört  man  mei"- 
ster  PeieVy  Peterchen  *)  und  das  gemahnt  an  benennungen 
des  peinlichen  bäschers  oder  schergen,  welcher  wiederttm 
meister  Peter  oder  Hemmerlin  heifst  (RA.  883) ,  also  dem 
teufel  namen  leiht  und  ableiht,  denn  der  teufei  ist  helle« 
Scherge,  peinigt  und  bindet  die  seelen  wid  heifst  kenker, 
diebh^nker.  da  nun  die  Soldaten  ihren  profos  (lictor  mi* 
litaris)  auch  stepchen  nennen,  liefse  sich  ^wägen,  ob  ste^ 
pfel  nicht  ans  dem  mhd.  stempfel  (Ms.  2,  2^)  stammen  könne? 
wobei  denn  auch  wieder  das  gespenstige  wesen  der  frau 
Siempe  (s.  256)  in  betracht  kftme.  den  eigennamen  Slsm* 
pel  hat  eine  urk.  von  1177  (bei  Seibertz  no.  71). 

Solche  anknttpfung  an  Vorstellungen  von  einheimischen 
geistern  und  halbgöttlichen  wesen  war  voUkomBen  natfir«' 
lieh,  da  die  christliche  ansieht  diese  teuflisch,  das  volk  abor 
den  fremden  teufel  einheimisch  zu  machen  suchte.  Fischart 
kann  darum  den  teufel  butM  (s.  474)  nennen:  4ch  sei  des 
leibhaften  butssenr  Garg.  244"^  und  altd.  bl.  1, 55  heifst  es  der 
but*e  (teufel).  Dem  altn.  Volksglauben  schwebt  sein  skratü 
(s.  447)  zwischen  waldgeist,  teufel  und  riese,  und  so  hat 
troll  (s.  493)  diesen  allgemeineren  dAmonischen  begrif  **), 
in  der  verwünschenden  formel  ^träll  hafi  |iikr,  ^Irö0  hafi 
Mna  vinil'  Nial.  cap.  38),  Uröll  hafi  f>ik  allani'  (Kormakss. 
188),  ^tröll  taki  bann.'  (Orvaroddssaga  cap.  9),  ^fara  tiröUa 
hendr'  (Laxd.  p.  230)  entspricht  es  ganz  unserm  teufel,  aber 
auch  jenem  älteren,  mehr  heidnischen :  eigi  f)ik  gramir  oder 
iötnarl  (s.  943).  S»m.  39  liest  man:  'far^ü  nü  frair  smffl 
hafi  ^icl'  Nordische  Zauberinnen  sollen  den  teufel  urdar 
rndni  (luna  saxeti)  nennen  (Biörn  s.  V;),  womit  ich  nichts  zu 
vergleidien  weifs.  Und  wie  Loki  der  Hei  verwandt  ist  (s. 
289^,  finden  wir  auch  den  teufel  in  berührung  mit  dem  tod 
(s.  814).  'den  ümel  und  den  t6t  vürhten'  (Frld.  67,  9). 

Die  bisherige  Übersicht  manigfalter  namen  (von  welcher 
gleichwol  alle  blofs  jüdischen  wie  Asmodi,  Belial  u.  s.  w. 
ausgeschlossen  bleiben  musten)  hat  schon  auf  einmischung 
heidnischer  bestandtheile  gewiesen,  oder  eine  noch  ältere 
Identität  oder  analogie  heidnischer  und  christlicher  begriffe 
erkennen  lassen,  ausdrücke  wie  gram  und  unhoU,  viel- 
leidit  auch  scadOy   scheinen  nur  deshalb  auf  die  neu  über- 


*)   Peierle  (Etlners  unw.  docL  672).    hemker  bedeutet  auch  teufel. 
'*)  iröU  6k  ora;//r  (fotn&Td.  80^.2,  248);  iröü  ok  tigi  nuKTrlFinn- 
bogis.  p.  264.  292.  340). 


THBFOK  95? 

uoinmiien  tedfel  angewandt  worden  au  Sem,  weil  eie  be^ 
reits  den  Heiden  feindaelige  geister  bezeiohneien.  alt  hat- 
ten die  riesen  schon  geheifsen ,.  um  so  eher  konnte  es  der 
teufel.  foolfy  rabej  book  gemahnten  an  die  thiere,  welche 
heidniacbe  g&tter  hegleiteten  odef  ihnen  zum  opfer  gebracht 
wurden,  die  benennungen  kammer  und  riegele  der  nätd^ 
Uche  aufenthalt  stimmten  wenigstens  in  heidnische  vorstel- 
langeUh 

Wir  wollen  prüfen,  ob  auch  durch  den  iabalt  der  sa'» 
gen  und  aberlief  er  udgea  diese  ergebnisse  bestätigt  werden. 

AHe  und  jede  heidnisehe  götter  wandelten  sich  den 
neuen  Christen  nicht  blofa  in  giUten,  d.  h.  fialsche,  lügen-* 
hafte  götter  (galingagu^,  wie  Ulfllas  idola  bedfichtig  aus- 
drückt),  sondern  in  teufel^  d.  h.  genossen  und  theilhab^ 
eines  feindlichen  reichs,  dessen  herschafl  gebrochen  war, 
aber  noch  im  zurückweichen  krftfte  entwickelte.  Wer  den 
ahen  göttem  anhieng,  ihaea  heimlich  opferte,  hiefs  teufeis- 
diener,  idololatrie  geradezu  diobotgeld  (s.  34);  auferlegte 
entsagungsformeln  fähren  den  teufel  und  die  attverehrten 
götter  in  einer  Ordnung  auf  *)«  in  den  ags.  gesetzen  be- 
deutet deoßum  ^eUan  geradezu  den  alten  göttern  dienen. 
Diese  den  götisen  mehr  als  recht  war  einräumende  vorstel- 
lungsweise  liefs  sich  nicht  überall  vermeiden,  so  lange  der 
glaube  an  die  Wirklichkeit  jener  götter  in  den  herzen  der 
menschen  unvertügt  war;  die  neue  lehre  konnte  leichter 
keimen  und  wurzeln  wenn  sie  die  alte  als  gehässig  und 
sündlich,  nicht  ate  absolut  nichtig  schilderte:  die  wunder 
der  Christen  erscheinen  dadurch  glaubhafter,  dafs  auch  dem 
althergebrachten  heidenthum  etwas  übernatürliches  gelassen 
wurde*  Schon  im  N.  T.  hatte  diese  ansieht  einen  Vorgang, 
der  götze  Beizebub  dös  A»  T.  war  in  die  )reihe  der  teufel 
eingetreten.  Längst  gewohnt,  Jupiter,  Mercur,  Mars  und 
Venus  als  teuflische  wesen  zu.  betrachten,  wie  hätten  die 
bekehrer,  als  sie  unsern  Yorfahrdn  dM  öhristenthum  predig- 
ten, Donar,  Wuotan,  Zio^  Frouwa  und  alle  übrigen  unter 
andere  gesiohtspuncte  stellen  kd«Mn? 

Was  YOtt  Zertrümmerung  der  heidnistshen  götlerbilder 
erzählt  und  gedichtet  wurde,  bestätigt  vollkommen,  dafs 
man  den  abgötlern  eine  gewisse  teuflische  Wirksamkeit  hei- 
legle.  die  gestürtt^  klagen,  als  dämone ,  über  die  gewall 
der  eindrini^nge  (s.  466),  Peruns  biki,  das  die  Nowgoro-* 


*)  'fonachisla  diobole  ?'  'ec  forsacho  tUahole  end  allum  diobolgelde 
end  an^m  dioboles  wermini  «nd  wordam,  Thmier  ende  W^den  ende 
SaxD6te  ende  alMm  thdm  vnhoiäum  thA  hko  goaAtat  ttot* 


9ft8  TBDPBL 

der  dvrch  ihre  sladt  schleiften  und  in  den  ström  warEsn, 
brach  in  wehlclage  aus  ttber  die  treniosigkeit  seiner  alten 
Verehrer.  Olaf  redet  Frey^  bildseule  an  (s.  622)  und  mit 
ThSr  hat  er  einen  förmlichen  bandet  zu  bestehn  (s.  161). 
der  b.  Georg  zwingt  Apollos  bild  zu  gehen  und  zu  reden 
(Geo.  33  —  35).  Mars,  ^etn  Iflgelicher  got',  hatte  zu  Rom 
des  heilandes  gehurt  geweissagt,  nachdem  sie  erfolgte,  brach 
seine  bildseule  plötzlich  zusammen:  ^als  der  HefM  dö  ver- 
dolte  den  slac  von  himel  s6  grözen,  er  fuor  sse  sinen  ge~ 
n6%en  sä  verstözen  in  die  belle,  dft  ist  er  gebunden  s^e, 
daz  er  niemer  radre  her  üz  mac  gereichen'  (Mar.  191. 193). 
Darius  schreibt  dem  Alexander:  unterliege  ich  dir,  'so  mu- 
gen  von  himele  mtne  gote  zo  der  heUe  wesen  böte'  (Alex. 
2542),  d.  h.  dann  haben  sie  mein  vertrauen  betrogen  und 
sind  teufeL  Solcher  zUge  ist  das  ganze  mittelalter  voll. 
Das  31.  cap.  hat  ausgeführt  auf  welche  weise  Wuotan  in 
einen  Wuotunc  und  toütenden  Jäger  entstellt,  an  der  spitze 
des  wilden  heers  auftretend,  zu  einem  ieufel  wurde  (s.  872). 
der  teufel  heifst  darum  hellejager  (Hart.  62<^  174').  'er 
r^ischte  als  der  tiuvel  in  dem  röre'  MsH.  3,  187« ;  'als  in 
der  tiuvel  jageie'  Livl.  ehr.  96>».  Unsere  volkssagen  lassen 
den  teufel  bald  auf  $ohu>ar%em  rosse  reUen  bald  in  stattli- 
ehern  wagen  fahren  (Mones  anz.  8,  184)  gieich  Wuotan 
oder  Donar. 

Wuotan  erschien  als  gott  und  erfinder  des  Spiels,  na- 
mentlich des  Würfels  (s.  136.  145)  und  er  ist  es,  der  dem 
spielbansel  im  märchen  den  alles  gewinnenden  würfet  ver- 
lieh, vielfadi  wird  aber  das  Würfelspiel  auf  dm  ienfel 
bezogen,  und  in  den  volkssagen  schaut  der  teufel  dem 
spiel  zu,  zumal  dem  sonntags  unter  der  predigt  erfolgen-- 
den,  und  würfelt  mit  mehschen,  die  ihre  seele  aufselsen*); 
in  hexenacten  heifst  er  5cAeii«^/eifi^  ( Spieler,  wflrfler) 
von  schanzen  würfeln.  Schm.  3,  374.  der  teufel  lauert  auf 
die  spielen    Renn.  11316  ff. 

Das  judenthum  kennt  nur  teufel,  keine  teufeKnoen, 
alle  macht  zum  guten  oder  bösen  legt  es  in  die  bände 
mAnnlicher  wesen  (s.  369).  ich  will  das  noch  allgemeiner 
fassen.  Götter  rind  überhaupt  Alter,  und  der  strenge  mo- 
nolheismus  oder  dualismus  wissen  nur  von  göttem;  göt- 
tinnen  tauche»  erst  in  der  weicheren  fftSe  der  Vielgötterei 
auf.  auch  das  deulsehe  beidenthom  hieng  an  göttinnen 
und  eibinnen,     selbst  das  gotb.  vaihts  (genius)   war  weib- 


*}  I.  b.  in  Tettin  umi  Temme  preofs.  tagen  1. 197. 199.200.212. 
**)  NdrdJinger  heseoproeetse  •.46. 


IBUFEtS  MOTTBR  SM 

IMi  (g.  408)«  göHermttlter,  glftticende,  bdlde  fraoeir,  nomen^ 
yaUiTrieiiy  widdfrauen,  wasserjungfrauen  bildeten  einen 
kaopllheil  das  cultns,  blofs  die  kobolde  und  hausgeisler  sind 
alle  mfimilich.  riesinnen  erscheinen  oft  in  geslaU  and  sHte 
liebliohy   der  todtenwelt  stand  eine  göttin  vor. 

Nadi  dieser  ganzen  riohtiing,  da  alle  gegensätze  der 
analegie  des  positiven  folgen,  war  es  schon  granddeutsch^ 
dafs  IMlas  daiftoviov  durch  wnkulpd  übertrug  und  nicht 
etwa  ein  ganz  nahe  liegendes  neutrum  bildete.  Diese  nfi- 
koUe  frau  vertritt  unter  den  neubekehrten  was  sich  ihre 
voreitern  unter  Holda  gedacht  hatten. 

Es  gereicht  zu  keiner  geringen  bestarkung  der  teufli- 
schen natur  Grendels  im  Beovulf,  dafs  ihm  zur  seite  seine 
muHer  steht,  noch  riesenhafter  aufgefafst  als  er  selbst 
dafs  sie  seinen  tod  rftcben  will,  und  erst  durch  ihre  be» 
siegung  die  heldenthat  vollendet  wird:  Grendels  mödar 
(2517.  2564.  3076).  In  unsern  kindermärchen  ist  ein  ur<- 
alter  zug,  dafs  in  der  wohaung  des  teufeis  zugleich  seine 
gro/snmtter  (mutter  oder  Schwester)  sitzt,  die  sich  4es 
einkehrenden  beiden,  mitleidig  und  schonend,  gegen  das 
ungeheuer  annimmt  (KM.  1,  152.  2,  188,  des  teufeis  gro/s^ 
mMeTy  ellermutterY  die  Vaia  wird  von  Odinn  '[iriggja 
puna  mdäir^  gescholten  (Sem.  95b).  meistentbeils  langen 
die  menschen  an,  wenn  der  teufel  ausgegangen  ist,  sie 
wwden  dann  von  ihr  versteckt,  und  von  ihrem  söhn,  bei 
der  rückkuaft,  gewittert.  So  kommen  Th6rr  und  T^r  in 
des  riesen  H^mir  haus,  wo  sie  die  neunhundertbftuptige 
gro/smuUer  (amma)  und  noch  eine  andere  frau,  des  riesen 
liebste  treffen,  die  sie  unterm  kessel  verbirgt  (S»m.  53*). 
Bei  dem  indischen  riesen  wohnt  seine  mildgesinnte  schwe« 
ster  (s.  522).  Jene  sagen  kannte  schon  das  13  jh.;  in  ei* 
nem  gedieht  des  cod.  vindob.  428  no.  154  finden  sich  die 
werte:  'der  donr  stehe  uns  beide;  der  HeK^l  brMite  mich 
zuo  dir,  und  dich  Hn  muoier  her  ze  mir.'  im  wafatelmaMre 
heilst  es  108:  'mit  des  ümeU  muoier  wette  loufen.*  'ist 
diz  der  fa/e/,  daz  hie  vert,  e4er  sf»  mmoter  oder  sim 
emr  Herb.  7729;  'der  m^  adir  s(n  ebUmwoier'  altd. 
bL  1,  264;  'des  ieufek  nmoier'  CK  Hlltzl.  219,  16;  auch 
in  liargar^ta  von  Limburg  greift  des  ieufeU  muHer  ein 
(Hones  anz.  4,  166).  Man  sieht,  sie  wird  bald  als  das  al* 
lerschlimmste ,  den  sehn  noch  überbietend,  bald  als  sanfte- 
rer gemütsart  dargestellt,  'ein  witwer  eine  witwe  nam,  der 
teufet  zu  seiner  muiter  kam*  (es  wurde  noch  schlimnier) 
sagt  Bure.  Waldis  138*.  'kam  nicht  der  Mansf eider,  der 
ieufel   mit   seiner   muüer^    (omnia  mala  simul)    Berl.  'kal. 


960 '  TBDPBI^S  IfOTTBR 

1844  8.  298;  Mes  henkers  grofstimU^r  ein  bein  iibsohwtv- 
Ten'   (SimpHc.  2,  «54^;    <der  teufel  und   s^ine  grofmmt^ 
[das.  2,  292);  Hch  färchte   mich  nicht ,  und  wenn  es  der 
tev^el  «ad  f^me  mti/fter  wäre'*).     Auch  wieder  eine  natur* 
erscheinung  wird   hier   YoHßsmftrsig   gedeutet,    was  immer 
uralte   mythen   verräth.      van  schnell   wechselnd  »m  regen 
und  sonnenscheiti  sagt  man  sprichwörtlich :  der  teufel  UeicM 
seine   gro/smutier    ('de   dttrel   bleket    sin   mdm');     in    der 
Schweiz  'der  teufel  schlagt  seine  mutier'  Tobler  249*^  (auch : 
die  Heiden  heben  hochseil,  es  ist  ein  heidnisches  fest),  von 
einem  bräunlicher  gesiohtsfarbe:  der  ist  dem  teufel  aus  der 
bleidie   gelaufen  ('he  is  dem  düvel  üi  der  bleke   lopen'); 
donnerts,   und  die  sonne  scheint  dazu:   der  teufel  schlägt 
seine  tnuHer,   dafs  sie  öl  gibt**),    nnl.  de  duieel  slaat  zyn 
wyff  und  nis  kermis  in  de  hei  (nundinae  sunt  in  Inferno), 
französisch :   le   diable  bat  sa  /emitie,   Wenns  im  Sonnen- 
schein regnet  (Tuet  proverbes  no.  401).     Hierzu  mufs  die 
erklärung  des  knisternden  feuers  (s.  222)  und    des  erdbe- 
bens  (s.  777)  gehalten  werden.     Das  letzte  beispiel  nennt 
statt  der  mutter  die  frau,   wie  in  Himis  qvida   des   iötuns 
frilia  erscheint.     Hagne  sagt  von  Brunfaild,   die  ihm  un« 
heimlich  vorkam:  'ja  sol   s\  in   der   helle  sfti   des  ikbelen 
tmfoeh  br^fy  Nib.  426,  4.     ein  Grieche,   der   den  riesen 
Asprian  teuer  aus  »leinen  reiben  sieht,  ruft  aus:   'hier  ve- 
rel  das  tw>elis  br^  Roth.  1054,   wie  eines  andern  riesen 
des    Windes    braut  einher   fährt  {s.  598).     Percuna    tete 
(oben  8.  157)  wäscht  ihren  söhn  (den  donnergott)  im  bade : 
das  ist  die  bairische  csnel  mit  der  laugen  (s.  607).    in  ösl^ 
reich  wird  von  des  teufeis  frtmel  (r=  ver  anel)  bei   Ziska 
a.  14-16  erzählt,  vor  langer  weile  sei  sie  aus  der  hölle  in 
das  Oberland  (ob  der  Ens]  gekommen  und  habe  sich   von 
ihrem  eohn  unweit  der  Donau  ein  schlol^  bauen  lassen,  in 
der  meinung,   ^as  volk  werde  sie  auch   wie  die  Jungfrau 
Mari«  verehren;   als  aber  niemand  ihrer  begehrte  sondern 
die  leute  ihrer  spotteten,   sei  sie  .erzürnt  und  habe  einen 
nächtigen  f eisen  mit  einem  theif  Ihres  schlosses  in  die  Do-^ 
nau  geworfen,  dahin  wo  es  jetzt  der  totr&e/  und  der  Strudel 
heifat,   und  die  trttmmer  ihres  hauses  nenn!  man  den  fen- 
febtkurmy  vgl.  oben  s.  558  Ober  Strudel,    idi  glaube  ntcht^ 


*)  Tergl.  Feiner  flores  pbilol.  cap.  7.  p.  )03.  man  gab  kaponeo 
den  Hamen  teofel  und  tenrels  crofsmatter  (Itommel  4.  '180).  Bnek 
94tr  die  kSOe  es:  teufelamtttter  (Siender  letc.  Wh.  2.  337*). 

**)  Praetorii  filockabergsTerr.  2,  US.  hcen.  whi  t,  97. 


TBDFBL8  OPFBI  961  ^ 

Mn    man  das  heidnisehe   alter  aller  dieser    vorsteilongen 
bezweifeln  könne*). 

Binseine  opfer^  göttern  oder  geistern  bestimmt,  He- 
Tsen  sich  unter  dem  yolke  lange  zeit  hinduroh  niebl  aus«* 
rotten,  weil  sie  mit  gebrauchen  und  festen  zusammenhieu"- 
gen,  zuletzt  ganz  unverstandne ,  schuldlose  sitte,  werden 
konnten,  wir  haben  gesehen,  wie  dem  Wuotan  oder  der 
frao  Gaue  ein  bttsohel  ähren  auf  dem  felde  stehen  blieb, 
dem  Tod  oder  wilden  jäger  ein  scheflfel  haber  dargebracht 
wurde«  das  hätte  schon  in  der  ältesten  zeit  die  geistlich- 
keit  *deoßi$m  geldan'  (leges  Vihtrflßdi  13)  genannt,  bren-* 
neade  kerzen  bei  heiligen  wassern  (s.  550)  sahen  gewis 
noch  die  nächsten  Jahrhunderte  nach  dfr  bekehrung.  töm* 
Hier  und  böckleiny  meist  9chu>ar»ej  wurden  in  Norwegen 
dem  Wassergeist  geopfert  (s.  461) ;  auch  bei  den  Letten  und 
Litthauern  galten  in  neuerer  zeit  solche  opfer.  Strudel  und 
ströme  begehrten  bocke  und  pferde  (s.  559) ,  Hecate  $ehtoarste 
lämmer.  Nach  einer  hessischen  volkssage  hütete  der  teu- 
fe! einen  schätz  und  gestattete  niemanden  ihn  zu  heben, 
Bufser  wer  ihm  einen  scAtoorsen,  genau  ein  jähr  und  einen 
tag  alten  geifsboek  darbrächte,  das  kehrt  bei  schatzhe- 
bungen  fast  immer  wieder  und  mufs  der  phantasie  des 
Volks  tief  eingeprägt  gewesen  sein,  die  schon  s.  929  ge- 
gebnen beispiele  mehre  ich  hier  mit  noch  einem  aus  Nie- 
dersadisen.  Wer  sich  zur  fastnachtszeit  im  wald  unter 
eine  egge  setzt,  der  kann  alles  mit  ansehen,  alle  thiere, 
die  durch  das  holz  ziehen,  den  könig  auf  dem  wagen, 
welchem  fuchse  vorangehn,  und  alles  was  sich  in  dieser 
nacht  sehn  läfst.  das  wüste  ein  scbäfer  und  wolltes  ver- 
suchen, er  gieng  in  den  wald  unt^  die  egge  sitzen  imd 
schaute  durch  die  löcher;  als  nun  der  spuk  vorüber  war, - 
wollte  er  unter  der  egge  wieder  hervorkriechen,  allein  er 
safs  fest,  und  der  teufel  stand  neben  ihm  und  wies 
die  Zähne,  ^hast  du  kein  scAioorzes  schaff  das  ganz  kol^ 
ichnoan  ist?*,  sagte  er,  'das  gib  mir,  dann  kommst  du  los.' 
Der  Schäfer  blieb  liegen  bis  es  tagte,  da  giengen  leute 
durch  den  wald  und  wollten  ihn  los  machen,  aber  sie 
vermochten  nicht,  da  liefs  er  sich  sein  schwarzes  schaf 
bringen,  das  nahm  der  teufel,  gieng  damit  in  die  luft  auf, 
und  der  schäfer  wurde  los  (mündlich).  Auch  $chu>ars6e 
IMner  wurden  dargebracht  ( Dieffenbach  Wetterau  279) ; 
es  darf  aber  keine  toei/se  feder  daran   sein    (Bechstein  4, 

*)  Mone  aoi.  8,  450  deutet  die  teufelsmulter  aua  Demeter,  die  in 
den  eleuBinischeo  geheimnisseD  sar  mutter  des  DiosysoB  gemacht  wird, 

Grimms  mytkoL    8»  musgmbe,  61 


962  TEUFELS  OPFER 

207).    Bergmfinnlein  lassen  sich  herauf  beschwören ,   wenn 
man  ihnen   einen   neuen   tisch   setzt,    zwei  milchschüsseln, 
zwei  honigschüsseln ,    zwei  teller  und  neun  messer  darauf 
stellt   und    eine  schwane    kenne   schlachtet    (DS.  no.   38). 
Guibertus  (in  vita  1,  24)   gedenkt  eines   in  Frankreich  üb- 
lich gebliebnen  hahnopfers:  diaboh  gailo  lUare  (mit  einem 
bahn  opfern),  ita  ut  ovum,   de  qua  concretus  est,  die  Jo*- 
vis,  mense  martio,   in  gallina  constet  expositum;   der  ge- 
bratne  bahn  wird  zum  weiher   (wieder  also   dem  flufsgeis^ 
hingetragen.    Bei  H.  Sachs  III.  3,  13<^  will  einer  zwd  alte 
weiber  mit  einer  börenhaui  zudecken ,  mii  grikten  rauien 
bestecken  f    und  dem  teufet  zum  neuen  jähr  schenken,     bei 
Burcard  Waldis  150*  heifst  es:  'die  seet  mit  meien  besteckt 
dem    teufet  senden'*).      ^dem    teufet   ein   iicki  anstecken' 
(Schweinichen  2,  54)  erhielt  sich  als  sprichwörtliche  rodens- 
art  bis  heute.     Den  höchsten  göttern  des  heidenthums  dar- 
gebrachte trankopfer  musten  nach  der  bekehrung  teuflisch 
erscheinen,    s.  49  wurde  der  kufe  gedacht,  aus  der  unsere 
vorfahren  Wuotans  minne  tranken,  vielleicht  wird  unter  Sa- 
turni  doUum  (s.  115.  227)  kein  bad,  sondern  ein  trinkgeAfs 
gemeint,     der  anmerkung  werth  scheint,  dafs  in  einer  ags. 
predigt  die  worte  aus  1.  Cor.  10,  20  non  potestis  calicem 
domini    bibere    et    calicem    daemoniorum,    welche    Uifiias 
ganz  wörtlich  gibt  (ni  magufi  stiki  friujins  drigkan  jah  stikl 
sköhslö),  ausgedröckt  werden:   ne  mage  ge  samod  drincan 
ures   drihtnes   calic   and  thas  deofles  cwppariy    cuppe   also 
die  technische  benennung  des  heidnischen  geräthes  darbietet. 
Man  sagt  noch  heute,  wer  etwas  im  glas  stehn  lasse,  bringe 
dem  teufet  ein  opfer  (Garg.  43^).     Aber  auch  die  vorstel- 
liing  eines  teuflischen  und  höllischen  bades  darf  festgehalten 
werden,   wie  wir  vorhin  sahen,    ^ze  helle  baden'   welsch, 
gast  105«.     Mn   des  teufeis  badstube   kommen'    (Sastrows 
leben  1,  11)  bezeichnet  die  gröfste  noth.  von  der  volkssage 
werden  oft  teufelsbäder  genannt. 

Wie  jene  stelle  aus  Wernhers  Maria  (s.  958)  den  teu- 
fe! in  der  hölle  gefessett  nennt,   so  scheint  es  Oberhaupt 


*)  das  müssen  sehr  TolLsmfifsige  redensirlen  sein,  in  Christ.  Wei- 
ses drei  erznarren»  Lp.  1704  s.  426:  'wenn  die  frao  mein  wäre,  ich 
liefse  sie  f^ergiüden  nnd  mtf  rowmarin  betUeken  and  ^ibe  ihr  eine 
f9meraiM9  im  manU  und  verkaufte  sie  dem  h^itkar  Tor  eio  apanferkel.* 
10  dessen  klögileo  leuten»  Angsb.  1710  s.  124:  'ja  man  sollte  ihn  mU 
roffnarm  bestecken,  die  nase  vergülden  und  ihm  einen  Borslorfer 
apfel  »wisehen  die  nähne  drücken  j  so  könte  man  den  ieufel  drauf  zn 
pste  biUen.'  auf  solche  weise  pflegte  die  altTiterische  kochkonst 
ihre  braten  aosiOEiereD. 


TEDFELS  OPFER  963 

der  ansieht  des  MA.  gemärs,  sich  ihn  in  banden  liegend 
bis  zum  anbruch  des  jüngsten  tags  zu  denken;  dann  wird 
er  aber  ledig  und  in  gesellschaft  des  antichrists  auftreten, 
seine  erledigung  aus  den  banden  bezeichnet  also  zugleich 
die  zeit  allgemeiner  Terwirrung  und  des  Weltuntergangs. 
Nach  einer  volksüberlieferung  liegt  der  böse  unter  dem 
tisch,  an  dem  zwei  Jungfrauen  (offenbar  nornen)  spinnen, 
festgebunden  (deutsche  sag.  no.  9).  in  andern  erzfihlungen 
wird  über  ihn  eine  schlinge  eon  bast  geworfen,  die  er 
gleich  dem  gefesselten  wolf  nicht  zu  zerreifsen  vermag,  und 
dann  wird  er  auf  dem  ambofs  mit  dem  Hammer  geschla* 
gen,  weshalb  er  hinkend  bleibt  (mührische  sagen,  Brunn 
1817.  s.  69.  72.  123);  bekannt  ist  das  märchen  von  dem 
schmid,  der  ihn  durch  das  Schlüsselloch  in  einen  sack 
kriechen  Iftfst  und  »erhämmert  ich  halte  diese  Vorstel- 
lungen für  heidnisch  und  eddisch  (s.  524.  525);  wie  /Vo« 
meAeus  gefesselt  ist  liegt  Ähriman  tausend  jähre  in  ket* 
ten  und  Loki  gebunden;  nicht  blofs  in  Deutschland,  auch 
in  Scandinavien ,  hat  sich  die  ausdrucksweise:  *der  teufet 
ist  los\  nnl.  'de  duivel  is  los',  durch  lange  {Jahrhunderte 
im  munde  des  volks  fortgepflanzt*),  man  mufs  dazu  das 
los  werden  des  feuere,  (s.  224.  569)  und  das  entmannen 
des  teufeis  durch  feuerreibung  (s.  573)  halten.  Welchen 
grund  eine  andere  redensart  hat:  der  teufel  sei  todt,  nun 
könne  jeder  ungehindert  ins  himmelreich  kommen'  (Mei- 
nerts  kuhländchen  215),  weifs  ich  nicht  recht;  kaum  ge* 
meint  ist  die  besiegung  des  teufeis  im  christlichen  sinn: 
schon  in  dem  msre  von  der  wtbe  list  368  findet  sich  die 
betheuerung  'durch  des  Huoels  tdV  vergleichen  möchte  ich 
etwa  den  s.  422  angeführten  ausruf:  der  könig  ist  todtl, 
nemlich  der  zwerge  oder  elbe  **).  Renn.  17982  heifst  es : 
'w»ren  die  te^el  tot,    münche  und  pfaffen  ksmen  in  not.' 

*)  ichwed.  'na  är  fan  lös.'  Hallmans  skrifter.  Stokh.  1820  p.  224. 
**)  oft  ist  es  auch  sonst  schwer  oder  anthanlich  den  Ursprung 
einer  beziebung  zu  ergrunden,  welche  der  teufel  zu  aberglüubischen 
meinungen  und  redensarten  hat.  Man  sagt:  wenn  ein  warf  aus  der 
band  ist,  gehört  er  dem  ieufd  (kann  ihn  dieser  an  gefährliche  stelle 
leiten),  wer  hinter  sich  lauft,  lauft  in  des  ieufels  arme,  macht  dem 
teufid  das  beU  (abergl.  604.  659).  mässigang  ist  des  teufeU  rukebatdif 
nnl.  luiheid  is  duiyels  oorkutsen.  'nimmt  man  nicht  den  pflüg  von 
der  schleife,  so  ruhi  der  ieufel  darunter  (abergl.  819).  sucht  man 
etwas  yergeblich,  so  hSlt  der  teufel  die  band  oder  den  schwänz  dar* 
ober  (abergl  256).  des  teafels  pflüg  und  polsier  werden  schon  Rena. 
15597.  15938  genannt,  'rtchtoom  ist  des  tivels  weUeetein*  welsch, 
gast  125b;  des  Hiurels  dam*  Renn.  1748.  was  bedeutet  'des  Huvels 
sCfe  llden.*  Wallh.  107,  28?  seine  festläge?  ztte,  ahd.  zttt,  altn. 
tidir,  festa. 

61  • 


964  TEUFEL 

Wuotan,  als  kriegliebendem  gotte,  wurde  sHften  und 
säen  von  zwist  und  Feindschaft  beigemessen  (s.  132).  auch 
Aliriman  sät  Zwietracht  und  der  Tod  säi  seinen  samen 
(s.  808),  die  Werre  (Discordia)  den  ihrigen  (s.  251).  soll 
das  aus  dem  sften  des  teuflischen  unkrauts  (Matth.  13,  39) 
geleitet  oder  gröfsere  allgemeinbeit  der  Vorstellung  zuge- 
standen werden  ?  sathanas  seminapit  semen  suum.  Böhmers 
fonte8l,47;  den  sdmen  kan  der  tiuvel  geben.  Freid.67,25; 
des  tiefeis  säme.  Walth.  31,  34;  der  tievel  hM  ffeswi  den 
stnen  sftmen  in  diu  laut.  Ms.  2,  111*;  warp  de  duvel  sin 
sat  darin.    Detmar  2,  217. 

Merkwürdig  steht  Beov.  348  ff.  vom  teufel  gästboM 
(seelentödter)  und  b<ma  348S  tödter,  mit  feurigem  bogen 
schiefsend;  wie  er  noch  nhd.  'der  maräer  von  anfang* 
(sieben  ehen  s.  394)  'der  grausame  seeienhenker*  (bei  Erasm. 
Francisci)  heifst;  vgl.  das  serb.  stari  krvnik  (oben  s.  19). 
Gleich  dem  Tod  wird  ihm  band^  strick y  zäum  und  ros  zu- 
geschrieben: diufeles  gibenü  0.  1.  10,  22;  mit  des  tievels 
bände  geseilet  Karl  33*;  der  tievel  hAt  mich  gestrieket 
Karl  17«;  in  des  tivets  zaumheften  sitzen,  tod.  gehugde 
782;  an  des  tiuvels  st/n.  Renn.  21232;  zeumi  und  sateU 
des  teufeis  pferd.    Renn.  14429;  tiuvels  seil.    MsH.  3,218^ 

Soll  der  eindruck  einer  grausenhaften  sache  gesteigert 
werden,  so  sagen  wir  noch  heute:  selbst  der  teufel  würde 
davor  zurückbeben,  der  an  schauer  gewohnt  ist.  Schon  im 
12  jh.  (Diut.  3,  59)  von  Ungeheuern  mit  gleifsenden  zahnen: 
'swenne  si  si  Iftzent  plecchen,  s6  mähten  si  iock  den  Hufel 
screcchen*  MsH.  3,  293*:  's6  luog  ich  hervür,  ich  möht 
den  Owoel  üz  der  helle  ersehrecken,  swenne  ich  den  mfnen 
kolben  üf  enbür.' 

Wenn  plötzlich  das  widrige  gebracht  wird  oder  ge^ 
hoü  werden  soll,  nennt  unser  volk,  in  ausruf  oder  Ver- 
wünschung, dabei  den  teufel  oder  andere  ihn  vertretende 
zauberhafte  wesen.  'hat  dich  der  teufel  aber  herzu  fragen?' 
(Platers  leben  s.  77).  'wo  führt  ihn  der  teufel  her?'  'hftt 
dich  der  tiucel  bar  getragen!*  (Meyer  u.  Mooyer  48a)  'h&t 
dich  der  tmcel  also  beide  getragen  bar?'  (das.  27»)  'der 
Hueel  hftt  in  dar  getragen'  (Reinh.  1544)  *der  tiuvel  brAht 
in  hiure  her'  (gute  frau  783).  mnl.  'galghenere,  die  lede 
duvel  bracht  u  here.'  Ferg.  4735 ;  die  Jede  duvel  droecb 
u  hier.'  Ferg.  520.  'deable  li  ont  amen^  (Renart  5051. 
8171)  'dise  hftt  der  Ouvel  gesendet  in  mtn  laut  (Bit.  lO*^) 
'der  tievel  sende  mich  an  <He  stat.'  Reinh.  311^  551 ;  'sus 
kam  er  her  gerüeret  als  den  der  tiuvel  füeret.'  Trist.  6855. 
'quis  te  maleficus  hie   adduxit?'    (vita  Johannis  gorziensiS| 


TKUFIL  96& 

▼or  984,  in  MibiUon  ann.  bened.  sec.  5  p.  401).  'fflhrt  ikn 
der  ria  (peslis)  jetst  her  ?'  (H.  Sachs  IV.  3,  5^)  gleiehbe-* 
deotig  dem  wesifUischen  'wo  vörd  di  de  iüke  her?'  da 
man  die  krankheiten  für  dfimonische  wesen  ansah,  was 
heifst  aber  in  Schmids  schwäb.  wb.  544:  'führt  dich  der 
:6auch  schon  wieder  her?'  ich  denke,  der  höllische  hand 
(ahd.  zöha,  hündin).  westflUisch :  fort  juw  de  khoitt  nu  weer 
her!*  ^tt  des  gewöhnlichen  der  kukuk,  geier,  die  gleich 
dem  kibUn  sauberTÖgel  sind,  'hat  mich  der  guckguck  her- 
gebracht'; (Grobianas  97>).  Nicht  anders  wechseln  die  flu-* 
che:  'daz  dich  der  tiwiel  hin  füerel'  (Stfrit  74,  2)  'var  du 
dem  Uucel  in  die  hantT  (Beinh.  952)  'le  dMle  t'emportel' 
'fahr  hin  zum  ieufeW  'dafs  euch  der  geierf  (Gryphius  746) 
'hol  ihn  der  kulsuk  und  sein  küsterP  dän.  'var  saian  i 
voldl'  'die  leide  ride  (mala  pestis)  müeze  in  velien!'  (Karl- 
meinet, Meusebach  162).  Hiernach  beurtheilen  sich  auch 
die  redensarten:  'da  möchte  man  des  teuf  eis  werden  1',  'ich 
will  des'  teufeis  sein!',  d.  h.  ihm  als  eigen  zufallen,  wo  sich 
wiederum  kukuk,  geier  und  die  andern  substituieren  lassen, 
ein  teufelskerl,  teufelskind  heifsen  von  ihm  in  besitz  ge- 
'  nommne ,  merkwürdig  läfst  Lamprecht  den  Porus  ausrufen 
4452  dirre  ttMles  Alexander  stellet  michel  'wunder',  dieser 
held  ist  kühn  wie  der  teufel. 

Die  anführung  dieser  formein  wird  nicht  überflüssig 
scheinen,  wenn  man  gewahren  will,  dafs  sie  auf  den  teu- 
fel hauptoächlich  passen ,  insofern  er  aus  heidnischen  götter- 
begriffen herTorgeht.  da  man  ebenwol  sagen  hört:  'was 
für  ein  weiter  führt  dich  herl'  'welches  ungewitter  (oder 
donnerwetter)  hat  dich  hergebracht?'  'wo  schlägt  dich  der 
Hagel  her  ?'  'schlägt  dich  der  kagel  auch  her  ?'  Simpl.  5,  2. 
^ich  will  des  wetters  seinl'  'ich  bin  des  dotmersr^)^  ja 
sogar:  wo  führt  dich  denn  unser  Herr  gott  wieder  her?'; 
was  ist  einleuchtender  5  als  dafs  solche  phrasen  eigentlich 
den  heidnischen  Donar,  den  herrn  des  wetters  meinen, 
folglich  er  unter  dem  -später  an  seine  stelle  gesetzten  teufel 
zu  verstehn  ist  ?  man  darf  sich  auch  einen  stürm  und  wet- 
ter  machenden  riesen,  einen  Bläster,  Väder  oder  Fasolt 
(s.  515.  597)  darunter  denken,  sind  die  donnerkeile  doch 
auch  teufelsfinger  [s.  164).  Hier  wäre  noch  anderes  gel- 
tend zu  machen.  Donar  ist  rothbärtig  und  das  Sprichwort 
lautet:  roAer  bort  teufelsart  (rode  baert  duivels  aert).    wir 


*)  *ik  sen  donneri!*  HAOfen«  geizhaU  p.  120.  in  preufa.  NaUBgeo 
tritt  Pikallia  (a.  765  verwandelt  mit  Pickeo  a,  160?)  an  die  atelle: 
*bat  mich  heute  der  Foknüs  gedragen?*    Firmenieh  fölkeral.  I,  IQS. 


966  TEUFEL 

pflegen  gutmütig  zu  bedauern  mit  den  worteta:  Mar  arme 
teufet y  noch  im  1 7  jh.  hiers  es  gerade  so :  'der  arme  don~ 
ner.'  (Weises  drei  erznarren  s.  14.  335).  dannerskind 
steht  gleichbedeutig  mit  teufehkind  (ebenda  s.  285.  425). 
der  Verfasser  des  Simplicissimus  setzt  s.  480  'das  teuffels" 
geld'  s.  481  'das  dannersgeld'  im  sinn  unsers  heutigen: 
das  verteufelte.  Dem  fluch  'zum  ieufell*  stellt  sich  noch 
heute  ganz  gleich  der  'zum  danner  P  unser  'fahr  zum  tetir 
feir  entspricht  der  Wirkung  des  altn.  far  til  Odins  I  Oäinn 
eigi  ()icl  oder  jenem:  {)ik  hafi  gramir,  tötnar!  (s.  943), 
jenem:  dafs  dich  der  Hamert  Hamer  slal  (s.  166).  Neben 
dem  Segen  ^gott  waltsi'  ist  im  munde  des  volks  der  fluch: 
'des  walte  der  ieufell  der  donnert'  Man  vergesse  nicht, 
dafs  in  ausrufen  und  fluchen  aller  Völker  alte  götternamen 
sich  verhärten  und  festsetzen*). 

Der  teufel  hängt  aber,  wie  mit  den  heidnischen  gott- 
heiten,  auch  mit  den  dämonen  und  geistern  zusammen,  und 
vieles  von  dem,  was  im  XVII  cap.  erörtert  worden  ist| 
läfst  sich  auf  ihn  anwenden,  er  heifst  darum  der  «ncA/, 
der  bösewichty  der  hellewicht  (s.  409)  in  der  härtesten 
bedeutung,  er  kann  unter  dem  a/p,  dessen  zauber  die 
menschen  berückt,  verstanden  werden,  gleich  elben  hat 
er  die  gäbe  zu  erscheinen^  zu  verschwinden  und  sich  zu 
verwandeln,  nur  dafs  die  mehr  neckische  Schadenfreude 
dieser  geister  dem  teufel  immer  als  bitterer  ernst  ange- 
rechnet wird.  Wie  von  dem  alp  heifst  es  von  dem  teufel 
oder  vftlant ,  dafs  er  die  menschen  reite  (s.  433) ;  in  einem 
gedieht  Heinrichs  von  Hüglein  (mus.  2,  196)  verhängt  es 
ihm  gott,  ein  böses  weib  'über  berg  und  tal'  zu  reiten. 
Es  ist  eine  merkwürdige  erscheinung,  dafs  in  unserer 
spräche  durch  die  begriffe  wind,  wicht,  ding,  ebenso  aber 
durch  die  begriffe  teufel  und  vAlant  Verstärkung  der  nega-' 
Hon  ausgedrückt  wird  (gramm.  3,  734.  736)**).     Da  man 


*)  Tgl.  oben  8.  744  und  gramm.  3,  207. 

**)  *ich  bringe  ia  den  Hwel  Nib.  1682, 1  heifst:  ich  bringe  eoch 
nicht  das  geriogate,  wie  wir  heute  sagen:  den  leufel  hast  du  gelbao, 
d.  i.  nichts  ron  allem.  Aber  auch  der  blofse,  unbestimmte,  pronominal- 
ansdruck  wird  durch  beifügung  Ton  teufel  gesteigert :  ^ioelcher  teufdT 
für  wer?  (Phil.  ▼.  Sittew.  1,30);  'besehen,  loelehen  Huvel  sie  mit 
im  wellen  ane  T^hen.*  Morolt  28*  *zuo  wekhem  tivtel  bin  ich  ge- 
schart?* Bit.  7766;  <Ton  welchem  iktod  si  sint  komen?*  Dietr.  8fb 
^welchen  Huvel  haete  ein  wtp  an  dir  ersehen  ?*  Hartm.  erst,  bnchl.  818 
=  wen  nur  irgend.  Verwondemde  ausrufe:  toctt  teufel!  was  beim 
teufel!  diu.  hrad.  fanden  (yerstlrkt:  hrad  i  faiidens  skind  og  been!) 
*je  so  saufe  du  und  der  teufel V  (Schlampampe  p.  17)  sind  noch  jetit 
unter  dem  Tolk  üblich,  der  sinn  ist :  du  und  wer  es  sonst  sein  mag, 


TBDFBL  961 

nun  aaeh  das  woil  irapf  (das.  730)  in  gleichem  aiim  brauchte, 
so  erklftrl  sich:  wie  die  ausdrücke:  ein  armer  tropfe  ein 
armer  michi,  ein  armer  ieufel  synonym  wurden.  Den  gei- 
stern und  teufel  wird  entweder  Schnelligkeit  des  windes, 
des  im  stürm  fahrenden  wilden  heers  beigelegt  oder  der 
wind  selbst  als  geist  und  teufel  gedacht  (s.  d51);  daher 
sind  wiederum  gleichbedeutige  redensarten:  'sam  sie  der 
iievei  vuorte'  Rab.  749.  Dietr.  8854  und:  'als  ob  sie  der 
wind  dahin  führte',  'sie  ist  wie  der  fumch  (s.  965)  an  mir 
vorbei  gefahren'  (Schmids  schwdb.  wb.  544). 

Jener  krankhafte,  blödsinnige  instand  der  menschen, 
von  denen  es  heifst,  die  elbe  haben  es  ihnen  angethan 
(s.  430),  ist  unverkennbar  analog  dem  besesgenwerden  von 
teufeln.  Die  Verschiedenheit  beruht  darin,  dafs  nach  heid- 
nischer ansieht  einwirkung  der  geister  blos  von  aufsenher 
statt  fand,  nach  jüdischer,  morgenländischer  und  christlicher 
aber  die  teufel  in  den  leib  des  menschen  einkehrten  und, 
wenn  der  zauberhafte  zustand  aufhören  sollte,  förmlich 
aasgetrieben  werden  musten.  es  trat  wirkliche  incarnation 
(s.  314)  ein,  und  wir  reden  von  eingefleischten  teufein. 
Saul  ist  vom  bösen  geiste  besessen.  In  Nalas,  als  er 
sich  verunreinigt  hatte,  gieng  der  dämon  Kalis  ein,  ent- 
wich aber  endlich  wieder  und  trat  in  einen  bäum  über 
(Bopps  Nalas  s.  234.  267.  196.  198).  Schon  unser  frühes 
mittelalter   liefert   beispiele:    so  war  Carl,    könig   Ludwigs 

söhn,   teufelbesessen  (Pertz  1,  495)*).     Heidnisch   ist   es, 

■     ■ '»    I  1^.^— <— ^^» 

die.  Terbindong  bildet  aber  auch  einen  gegensatz  zu  der  8.  14.  15 
erörterten:  gott  und  tcA,  gote  und  mir.  merkM'urdig  Renn.  1745: 
*deni  üiioe/  Ton  drst  und  darnach  goU.* 

*)  Tita  8.  Godehardi  (f  1038) :  in  ciTitate  Ratisbona  quodam  tem- 
pore aanctua  G#debardui  morabatur ,  pro  negotio  forsan  sui  mona- 
steril;  ubi  quaedam  oh$es$a  a  daemonio  ad  eum  ducebatur,  ut  aana- 
retnr  ab  eo.  Quam  yir  dei  inspiciens  ait:  'responde  mihi  immunde 
Spiritus  ad  ea  quae  a  te  quaero.  quid  hie  agis  in  creatura  dei?'  at 
daeman  ait :  'pleno  jure  est  anima  ipsius  mea ,  quod  incantatrix  est 
et  per  eam  multas  animas  lucralus  sum.*  et  alt  vir  sanctos:  'quare 
propter  ineantoHonem  tua  est?*  et  daemon  ait:  ^nonne  legisti  quia 
dominus  fiUUmeM,  divinoa  et  ineaniatares  jussit  exterminari.  quid 
enim  tales  faciunt,  nisi  quod  mihi  meisque  principibus  deservluot? 
idololatrae  enim  sunt,  yix  enim  aliquos  taoto  jure  possidere  possumus, 
quanto  bujusmodi  Titiis  irretilos.  numquid  ignoras  quod  inter  mitte 
ineaniahiees  ant  divinot  tix  nna  iuTenitur,  quae  Tel  qni  velil  boc 
Tilinro  confiteri?  sie  enim  ora  ipsorum  claudimos,  at  de  talibus  loqui 
nihil  Taleant  quoTis  modo.*  der  bischof  yerlreibt  den  daemon:  et 
sie  Spiritus  ille  malignus  abscessit,  et  molier  ut  mortua  cecidit  sed 
Tir  sanctus  subito  eam  erexit,  erecta  yero  publice  yitium  ineania- 
lümtf ,  quod  dodum  muÜoHes  perfeeerat,  cum  lacrjmis  est  oonfessa, 
quam  et  yir  sanctus  sohit. 


906  mVBL 

Aäb  elbe  den  metisoben  kinder  stehlen  und  ihre  wechsel*- 
bälge  an  deren  stelle  tragen  (s.  437),  unheidnisdb  tber, 
dafs  der  teufet  in  dem  wechselbalg  steckt  (Zeno  58  fit). 
Diese  teufelbesessenen  gleichen  wiederum  den  Wohnungen 
und  häuserU;  in  welchen  sich  poltergeister  festgesetzt  ha- 
ben (s.  481)  *).  Als  frühes  beispiel  hiervon  mag  Grendel 
aus  dem  Beovttlf  angeführt  werden,  der  die  kOfiigshaUe 
durch  seine  nftchtlichen  besuche  stört,  teufelbesessen  (ar- 
reptitius,  daemoniacus),  der  den  teufel  im  leibe  hat^  drückte 
die  ahd.  spräche  aus  durch  ßmanum  (eingenommen)  0.  III. 
14.  107;  mhd.  Wil  gar  eemomen  ich  dö  lac',  ohnmftchtig, 
bewustlos,  fragm.  46^;  Hher  diufal  ist  ku  inne^  0.  DI.  10, 
12;  ^gramon  in  giwiiun^  (s.  943);  altfrana.  'maus  esperis 
li  est  el  cors  entr^s*.  Garin  p.  280.  Hucolwinntc ,  Hiwol-- 
fDÜinanä  (gl.  mons.  337.  391.  Doc.  239),  wol  auch  durch 
HuMlsioh,  ags.  deofolseoc,  O.  III.  14,  63  Mhie  mit  diufele 
u>fmnun\  die  mit  dem  teufel  zu  schalTen,  zu  kämpfen  hat- 
ten, von  ihm  besessen  waren.  H.  Sachs  braucht  in  sol- 
chem sinn  'wütig  und  tvinnig  1,481^  IV.  3, 16^  Im  13 jb. 
war  die  Vorstellung  gäng  und  gäbe:  ^besan  sie  der  välant.* 
Uolrich  74"*;  'nu  var  hin,  daz  hiute  der  tievel  üa  dir  kalt 
Ben.  440;  ^der  tiuvel  war  im  in  den  muntf  Reinh.  1642; 
'var  du  dem  tievel  in  die  hantl'  Reinh.  852;  'der  tiuvel 
var  dir  in  den  bald'  Morolf  1210;  ^der  tufil  muez  im 
durch  das  herze  varn!'  grundr.  314;  Hüsent  tiuvel  ü%  dir 
bellen r  MsH.  3,  259^  Noch  heute  sagt  man:  'ein  böser 
geist  hat  aus  ihm  gesprochen.'  'ich  w®n  der  tiuvel  ü% 
beiden  lüge.'    Reinh.  309,  520. 

Die  letztangeführten  werte  führen  auf  seine  lügenhaf- 
tigkeit.  er  ist  nach  der  h.  schrift  ein  tater  der  lügen. 
'tievelltchen  gelogen^  heifst  es  Nib.  2167,  %  wie,  wenn 
in  jenem  etitstellten  dän.  Loke  löjemend^  lovmand  (s.  225) 
auf  lyve  (mentiri)  prät.  löi  angespielt,  oder  wirklich  Ver- 
wandtschaft zwischen  lüge  (mendacium)  und  jenem  legi 
(feuer,  wind)  annehmbar  wäre?  wind  bedeutet  uns  falsche 
angäbe,  liige,  Windbeutel  einen  lügner.  ein  dän.  Sprich- 
wort sagt :  'lögn  er  et  skadeligt  uveir'  (mendacium  est  tem'- 
pestas  nociva)  Saxo  gr.  ed.  Hüll.  p.  200.  der  lügner  ist 
auch  Spötter,  daher  'des  tievels  spol^  Nib.  2182,  2 ;  'daz  stnen 
spot  der  tuvel  mit  den  stnen  habe.'  gr.  Rud.  1,  9.  nnL  'de 
vyand  heefl  my  beet  gehad'  (hostis  me  ludibrio  babuit). 


']  wnstöfl  schlofs  Tom  leufel  besessen,  dialogi  Gresorii  magiu 
3,  4.  gleich  qaSIgeistern  wirft  der  teufel  «leitte,  vgl.  Greg,  luroo. 
▼iiae  patr.  1.  yita  Heimeradi  cap.  21. 


TEUFEL  069 

Orenäeh  levllfflche  art  gemahnt  an  bhitdöratife  was- 
aergeister  (a.  463).  auch  wohnt  er  in  maor  nnd  mmpf 
and  auoht  bei  näobilicher  weile  die  achlafenden  menschen 
heim:  com  of  mAre  gongan.  Beo?.  1413,  flieht  'ander 
fenhleoda'  (1632).  er  irmki  das  bha  aos  den  adem  (das. 
1478)  and  gleicht  Tampyren,  derep  lippen  Ton  frischem 
blat  benetzt  sind«  In  einer  altn.  aaga  findet  aich  ein  fthn- 
licher  dfimoni  Orimr  cßgir  genennt,  weil  er  im  wasaer 
wie  auf  dem  lande  gehen  kann,  er  speit  gift  und  feuer, 
trinkt  das  bkU  aus  menschen  und  thieren  (fornald.  sog.  3, 
241.  242). 

Wann  im  mittelelter  ist  die  idee  förmlicher  MudMsse 
and  vertrage  entsprangen,  die  der  teafel  mit  menschen 
schliefst?  anglücklichen,  verzweifelnden  verspricht  er  auf 
gewisse  jähre  zeitliche  guter,  bedingt  sich  aber  dafft)*  nach 
verlauf  der  frist  ihre  seele  und  besteht  auf  einer,  gewöhn- 
lich mit  dem  blut  der  menschen  bewirkten  handfeste,  dies 
scheint  unheidnisch,  und  erst  erdacht,  nachdem  die  römi- 
sch« form  der  Chirographe  in  Europa  überhand  genommen 
hatte.  Vortheilhafte  vertrage  strebt  auch  der  nordische 
teufel  einzagehn  *) ,  doch  niemals  schriftlich.  Die  berühm- 
teste vielfach  erzählte  **)  fabel  war  die  von  dem  vicedomi- 
uns  Theophilus.  bekannt  ist,  dafs  von  Gerbert,  dem  nach- 
herigen pabst  Silvester  2  (f  1003),  die  sage  gieng,  er  habe 
sich  dem  teufel  ergeben  (anon.  leobiens.  b.  Pez  1,  763). 
Das  Annolied  hat  str.  46.  47  die  geschichte  eines  gewissen 
Volprechty  der  sich  dem  teufel  ergibt.  Ottocar  cap.  335 
meldet  eine  andere  sage.  In  den  meisten  solcher  legenden 
geht  der  teufel  zuletzt  doch  seiner  beute  verlustig  und  wird 
gendthigt   die   verschreibung  herauszugeben,     der  mensch 


••y 


*)  der  iötuno  [s.  514).    das  geschSft  beifst  ein  kauf. 

^)  der  Torgang  selbst  wird  in  dea  aoraag  des  sechsten  jh.  gesellt. 
die  älteste  bearbeitong,  so  viel  ich  weifs,  liefert  Hroswithas  sedieht: 
lapsos  et  conversio  Theophili  Tieedomioi  (opp.  ed.  Schonfleisch  p.  132 
—  145),  also  aus  der  iweiten  hilfte  des  10  jh,  Nicht  Tiel  spIterClIlt 
die  erwShaang  des  Folbertus  carootensia  (•{•  1029)  opp.  Paris  1608 
p.  136.  Eine  historia  Theophiü  metrica  soll  Ton  Marbod  (f  1123) 
herrährea  aad  steht  in  dessen  werken  (ed.  Beaugeodre  p.  1507—1516). 
in  Harlmannes  gedieht  von  dem  gelouben  [t^n^  dem  12  jh).  kommt 
die  aage  vor  i.  1927  —  1008.  Berceo(f  1268)  spielt  blefs  darauf  an 
in  den  milagros  de  Maria  str.  276  und  im  doelo  de  Maria  atr.  194, 
ebenao  ein  mhd.  dichter  (altd.  hl.  1,  79).  Die  gröfste  Terbreitung  gab 
ihr  Vincentins  belloyac.  im  sjpec.  bist.  22,  69.  Ratebenf  behandelte 
•ie  dramatiach  (Legrand  1,  3i3,  jetit  gedr.  In  Jabinals  anag.  2,'79— 
105  und  in  Micfaela  thöatre  francait  l3o  ^  156,  wo  auch  noch  andere 
liter.  nachweiaudgen)»  spiterhia  aaoh  ein  niederd.  dichter  (Bruns  p.  389]. 


970  TEUFEL 

hat  zwar  gott  verleagaet,  aber  der  himmlisdien  Jungfrau 
nicht  abgesagt,  und  dafür  gewährt  sie  beistand.  In  einer 
schweizerischen  volkssage  hält  sich  der  teufel  ans,  dab 
sein  paciscent  nie  mehr  das  evangelinm  Johannis  hersagen 
(de  Hänseier  uf  der  lalle  ummedrfillen)  solle,  wird  aber 
hernach  zu  schänden,  weil  es  der  arme  hirtenbube  toIU 
ständig  pfeift  Ein  andermal  ist  dem  bösen  feind  rtick- 
zahlung  des  Torgestreckten  geldes  dann  versprochen,  wann 
das  laub  abfalle;  als  er  nun  zur  laubfallzeit  sich  einstellt 
und  auf  den  vertrag  dringt,  werden  ihm  bäume  vorgehal* 
ten,  die  in  der  kirche  mit  laub  ausgehaueii  stehn  (KM.  no. 
148)  oder  tannen  und  fichten  (Woycicki  klechdy  1,  149). 
Überhaupt  gibt  es  noch  mehr  als  ein  mittel,  den  armen 
teufel  um  sein  förmliches  recht  zu  bringen.  Wer  sich  ihm 
verbuiiden  hat,  und  sieben  jähre  lang  weder  wäscht  no(^ 
kämmt,  wird  ihn  wieder  los;  oder  er  braucht  nur  zu  ver- 
langen, dafs  der  teufel  ein  bäumchen  wachsen  lasse,  denn 
das  vermag  er  nicht  (abergl.  no.  626).  Jenes  ist  die  sage 
vom  bärnhäuter  (Simplicissimus  3,  896.  KM.  no.  101)  oder 
dem  russigen  bruder  (KM.  no.  100):  der  bärnhäuter  mufs 
sieben  jähre  im  dienst  des  teufeis  eine  bärenhaut  statt  des 
mantels  umhängen  d.  h.  ein  faules,  thatenloses  leben  fah- 
ren (vgl.  oben  s.  962  die  dem  teufel  dargebrachte  bären^- 
haut),  fast  immer  sind  sieben  jähre  bedungen,  die  man  bei 
ihm  in  dienst  und  lehre  auszuhalten  hat  *). 

Wichtiger  für  unsre  Untersuchung  ist,  dafs  in  einigen 
altn.  sagen  gerade  so  von  einem  gefaz  Odhi  geredet  wird 
wie  im  christlichen  MA.  von  dem  sich  verschreiben  oder 
geloben  in  die  band  des  teufeis,  gefa  scheint  sogar  der 
passendste  ausdruck,  weil  der  freie,  der  mit  seinem  willen 
in  dienst  und  knechtschaft  geht,  sich  gibt,  ergibt:  giaf|)rflBl, 
servus  dedititius  (RA.  327).  begeben  gilt  mhd.  von  den 
Jungfrauen,  die  sich  in  die  kirche  geben.  Die  Olaf  Trygg- 
vas.  saga  meldet,  könig  Eirtkr  von  Schweden  habe  sich 
dafür  dem  Odinn  gegeben  (at  bann  gafsc  0dm) ,  da/s  er 
ihm  iehn  jähre  lang  sieg  verleihen  solle,  fornm.  sog.  5, 
250  und  10,  283,  in  welcher  zweiten  darstellung  Oddiner 
ein  teufel  heifst.  (auch  10,  303  ein  diöfull  med  äsiAno 
OiiinSj  der  wie  0.  aussieht).  Dafs  der  alte  siegsgott  hier 
zum  bösen  feind  herabsinkt,  ist  nach  dem  gesichtspunct 
der   sage  in   aller   Ordnung,      es  fragt  sich  nur,    ob    die 

*)  Mones  anz.  hy  176.  in  eiD«ai  mhd.  gedieht  (fragm.  20^)  wird 
einem  alten  greis  zngerufen :  'dtn  hnodert  jAr  sint  na  konea  tue 
wiben  jdrm  tz  erwegeo,  da«  dta  der  Uufd  müeie  pflegen.* 


TKUnt  971 

Verleihung'  auf  lehn  jähre ,  nach  deren  verlauf  der  könig 
dem  goU  gehören  soll,  aus  christlichen  teufelsgesehichien 
ttbernonunen  oder  schon  in  heidnischer  ansieht  zu  begrün- 
den ist?  dann  könnten  umgekehrt  dergleichen  heidnische 
Überlieferungen  unter  Christen  die  sage  von  teufelsbünd- 
nissen  veranlafst  haben,  einer  blutverschreibung  gedenken 
freilich  die  nord.  quellen  so  wenig  als  des  abholens  nach 
dem  verfall. 

Wie  man  dem  teufel  rufen  kann,  wenn  man  mit  ihm 
zu  schaffen  haben  will,  lehrt  ein  dftn.  abergl.  [no.  148): 
man  gehe  dreimal  um  die  kirche,  bleibe  das  drittemal  vor 
der  kirchthür  stehen  und  rufe  ^omm  heraus  I'  oder  pfeife 
ihm  durchs  Schlüsselloch,  gerade  so  werden  sonst  geister 
der  värstorbnen  aufgerufen  (anh.  s.  lvi).  Der  ku$f  den  man 
dem  teufel  zur  huldigung  leistete,  kommt  erst  bei  kelzern 
und  den  späteren  hexen  vor  und  scheint  dem  weltlichen 
bomagium  abgesehn  oder  Verdrehung  des  christlichen  bru- 
derkusses  bei  der  adoration. 

Wenn  von  dem  teufel  erzählt  wird,  ;der  seinen  freun- 
den und  günstlingen  geld  oder  getraide  iuträgtf  so  nä- 
hert er  sich  gutmütigen  hausgeistern  oder  elben,  und  hier 
ist  auch  nie  von  verschreibung  noch  von  gottesverleugnung 
die  rede.  Meistens  sieht  man  ihn  als  feurigen  drachen 
durch  die  luft  und  in  Schornsteine  fahren  (abergl.  no.  6. 
253.  520.  522.  523.  858).  die  Ehsten  unterscheiden  rothe 
und  dunkle  wolkenstreifen  (abergl.  102],  ebenso  die  Litthauer 
den  rothen  und  blauen  alb  (abergl.  no.  1).  Die  Lausitzer 
erzählen  von  einem  kamdrachen  (zitny  smij],  der  seinem 
freunde  den  boden  füllt,  von  einem  milchdrachen  (miokowy 
smij),  der  für  der  wirtin  milchkeller  sorgt,  und  von  einem 
reichthum  bringenden  gelddrachen  (penezny  smij).  Die  art 
und  weise  seiner  habhaft  zu  werden  ist  folgende:  man  fin- 
det heute  irgendwo  einen  dreier  liegen,  nimmt  man  ihn  auf, 
so  liegt  morgen  ein  sechser  an  derselben  stelle,  und  so 
steigt  nach  der  jedesmaligen  aufnähme  der  werth  des  ge- 
fundenen bis  zum  thaler.  Wer  nun  geldgierig  auch  den 
thaler  greift,  in  dessen  haus  findet  sich  der  drache  ein.  er 
verlangt  höfliche  behandlung  und  gutes  futter  (wie  ein  haus- 
geist);  versehen  es  wirt  oder  wirtin,  so  steckt  er  ihnen  das 
haus  über  dem  köpf  an.  Ihn  los  zu  werden  ist  einziges 
mittel,  jenen  thaler  zu  verkaufen,  allein  unter  seinem  werthe, 
so  dafs  es  der  käufer  merke  und  stillschweigends  einwillige  *j. 
Nicht  anders  als  beim  alraun  oder  galgenmännlein  (s.  480). 


*)  lausitz.  monatsscfar.  1707.  p.  755.  756« 


972  TKDFSL 

Ausgegeben  kehren  solche  heeheOuüer  immer  wieder  zmrttck 
(«bergl  no.  781). 

Nirgends  aber  stellt  sich  der  teufet  heidnischer  dar  als 
wo  er  an  die  stelle  der  alten  riesen  getreten  ist,  beide  rie- 
San  und  teufel  verfolgt  der  donnergott  mit  seinem  hammer, 
und  wie  der  schlafende  riese  von  Thors  miölnir  wird  der 
teufel  von  des  schmids  hammer  getroffen  (s.  963)*);  der 
teufel  mit  den  drei  goldnen  haaren  (KM.  no.  29)  wurde 
schon  s.  224  dem  altn.  ügartMlocus  gleichgestellt.  zuid^bI 
aber  riesisch  erscheint  er,  wo  ihm  das  volk  ungeheure  fron- 
ten  und  steinwürfe  beilegt:  er  behauptet  dann  ganz  die 
mftchtige,  zürnende,  ttickische  und  plumpe  natur  des  iötunn 
(s.  500.  510  -  316),  der  dumme  teufel  gilt  wie  der  dum- 
me riese  (s.  495).  die  erbauung  der  christlichen  k'irchen 
ist  ihm  verhafst,  er  sucht  sie  zu  zertrümmern;  sein  plan 
wird  aber  jedesmal  von  einer  höheren  gewalt  oder  durch 
überlegene  list  .der  menschen  vereitelt.  Gleich  dem  riesen 
zeigt  er  sich  oft  selbst  als  erfahrnen  baumeister,  welcher 
eine  bürg,  brücke  oder  kirche  aufzuführen  unternimmt  und 
sich  zum  lohn  die  seele  dessen  ausbedingt,  der  den  neuen 
bau  zuerst  betritt. 

Was  dort  von  dem  riesen  wird  hier  von  dem  teufel 
erzählt:  an  die  stelle  des  milderen  motivs  tritt  dann  meistens 
ein  herberes,  grausameres,  der  riese  pflegt  bei  seiner 
baute  noch  einen  gesellschaftlichen,  nachbarlichen  zweck  zu 
haben  (s.  502.  511),  der  teufel  will  dadurch  blofs  schaden 
stiften  und  Seelen  gewinnen.  In  Norwegen  gibt  es  viele 
sagen  von  riesenbrücken.  der  jutul  liebt  eine  huldra  auf 
der  andern  seite  des  wassers;  um  sie  trocknen  fufses  be- 
suchen zu  können,  baut  er  eine  brücke,  doch  die  aufgehen- 
de sonne  hindert  ihre  Vollendung.  Faye  15. 16.  ein  ander- 
mal wollen  sich  zwei  jutule  ihren  besuch  erleichtern  und 
unternehmen  den  brückenban.  auch  über  den  Main  hatten 
die  riesen  vor  eine  brücke  zu  bauen  (s.  514),  die  Ursache 
wird  nicht  mehr  erzählt.  Wenn  der  teufel  die  brücke 
baut,  so  ist  er  entw.  von  menschen  dazu  gezwungen 
(Thiele  1,  18),  oder  strebt  einer  seele  nach  (deutsche  sag. 
no.  185.  336),  mufs  sich  aber  mit  dem  hahn  oder  der  gemse 
begnügen,    die    man   wolbedächtig   »uerst  über  die   neue 


*)  dem  widerstrebt  nicht,  dafs  in  andern  sagen  amgedreht  dem 
tenfel  des  Donner$  roHe  mit  hammer  und  keil  übertragen  ist  oder 
auch  die  des  schnUedeSf  des  hinkenden  Hephästs,  ein  prediger  des 
14  jb.  (Lejser  77,  10]  redet  top  der  äbeln  teufela  UoMlge». 


TEUFEL  973 

brücke  laufen  liefe  ^.  Bin  Schweizer  Urte  konnte  mH 
seiner  heerde  in  der  waldschluchl  nicht  über  den  bach 
treiben  nnd  wflBSchte,  dab  ihm  der  teufel  eine  brücke 
darüber  baue;  sogleich  erschien  dieser  und  erbot  sich  zum 
werky  wenn  ihm  zufallen  solle,  was  zuerst  über  die  brücke 
gehen  werde:  eine  ziege  war  es,  die  voran  gieng.  (Tobler 
214«).  Nach  einer  frenzös.  tradition  hat  er  sich  jedes 
dreizehnte  wegen,  das  immer  über  die  brücke  geht,  aus- 
gehalten,  und  schon  eine  menge  menschen  und  thiere  in 
seine  gewalt  bekommen,  bis  sich  ein  heiliger  mann,  eis. 
drdzehnter,  ihm  entgegenstellt  und  ihn  besiegt  (m6m.  de 
l'acad.  celt.  5,  384)  ••).  Auch  der  kirchenbauende  teufel 
hat  sich  die  seeie  des  ersteintretenden  bedungen:  man 
Mfst  einen  wolf  durch  die  thür  springen  (deutsche  sag. 
no.  186),  zornig  filhrt  er  oben  durch  das  gewölbe  und 
eine  öfnung  bleibt  zurück,  die  niemand  zumauern  kann, 
dieser  zug  findet  sich  deutsche  sag.  no.  181.  182.  Auf  ber-* 
gen  baut  er  mülen  und  zerstört  sie  wieder  (das.  no.  183. 
195)  •••).  Merkwürdig  ist  seine  weUe  mit  dem  kirchen- 
baumeister  zu  Cöln:  er  wolle  eher  einen  bach  von  Trier 
nach  Cöln  leiten  +),  als  der  dom  vollendet  sein  werde  (das, 
no.  204).  ebenso  wettet  eine  riesin  mit  dem  heil.  Olaf, 
bevor  er  mit  seinem  kirchenban  zu  stand  komme,  eine 
steinbrücke  über  eine  meerenge  zu  legen;  aber  noch  war 
die  brücke  nicht  halb  fertig,  als  schon  der  glockenklang 
aus  der  heiligen  kirche  erscholl,  erbittert  schleuderte  die 
riesin  ihre  bausteine  nach  dem  kirchthurm,  konnte  ihn 
aber  nimmer  treffen;  de  rifs  sie  sich  eins  ihrer  beine  aus 
und  warf  es  gegen  den  thurm.  nach  einigen  soll  sie  ihn 
damit  gestürzt,  nach  andern  aber  verfehlt  haben;  das  bein 
fiel  in  einem  sumpf  nieder,  der  noch  heute  giögraputten 
heifst  (Faye  p.  119).     glockenklang  hassen  zwerge  (s.  428), 

^)  es  ist  rathsam   in  ein  neuef  baos ,   eh  man  es  betritt ,  eioe 
katze  oder  einen  hand  laufen  la  lassen  (abergl.  no.  499). 

**]  der  teufel  wird  hier  in  einen  iburm  geschlossen,  aus  dem  er 
zwar  oben  ausfahren,  Uglich  aber  nur  eine  stufe  auf  der  thurmtreppe 
steigen  soll,  die  ihrer  365  zihlt,  so  dafs  er  den  weg  erst  binnen 
Jahresfrist  zuräeklegen  kann. 

***)  eines   berges  temfdaiMn  beim  Ursprung   des  fldfschens  Alp 

gedenkt  Dambeks  geogr.  pagor.  p.  TO,  einer  mmla  genannt  dwMhmlm 
ei  Soest  Seibertz'i,  622.    Bechsteins  Franken  s.  107. 

*]-)  damit  ist  d^e  aUrömische  Wasserleitung  angedeutet  (Gelenias 
de  admir.  Col.  p.  254),  Ton  der  es  gleich  sagenhaft  im  Annoliede  510 
heifst:  Triere  was  ein  bürg  alt,  si  zierte  R6mAre  gewalt,  dannin 
man  undir  der  erdin  den  wIn  santi  yerre  mit  iteinia  ripnin  den 
h^rrin  al  ci  minnin,  di  ci  Golne  wArin  sedilhaft. 


874  TEUFEL 

riesen  (Faye  p.  7.  17.  Thiele  1,  42)  und  teufel*),  und  vor 
ihm  weichen  sie  aus  dem  land:  alle  diese  sagen  drttclien 
den  sieg  des  cbristentbums  aus.  der  teufel  schleppt  die 
gloeke  aus  den  kirchen  weg  (deutsche  sag.  202);  anfangs 
weifs  er  nicht,  was  das  neue  gebftude  werden  soll,  und 
läfst  sich  durch  ausweichende  antwort  beschwichtigen  (das. 
no.  181),  steht  aber  die  kirche  fertig,  so  sucht  er  sie 
mit  steinwfirfen  zu  zerschmettern.  teufeUsieine  heifsen 
entw.  die  er  zum  bau  tragend  aus  der  lufl  fallen  liefs,  oder 
die  er  sein  begonnenes  werk  zerstörend  auf  berge  trftgt, 
oder  die  er  nach  der  kirche  geworfen  hat  (das.  no.  196. 
198.  199.  200.  477).  nordische  sagen  von  steinen,  die  das 
riesengeichlechi  gegen  die  erste  Christenkirche  schleudert, 
hat  Thiele  2,  20.  126.  127.  Faye  p.  16.  18 ;  eine  shetlän- 
dische  Hubert  p.433.  häufig  stehen  solchen  felssteinen  die 
finger  der  hftnde  des  teufeis  eingedrückt;  ein  stein,  auf  dem 
er  geschlafen,  zeigt  die  spur  seines  ohrs  (deutsche  sag. 
no.  191).  bei  Limburg  unweit  Tttrkheim  in  der  Pfalz  liegt  ein 
solcher  stein,  der  böse  trug  ihn  heran,  um  ihn  nach  der 
kirche  zu  schleudern,  es  war  aber  noch  ein  junger  teufel, 
der  unter  der  schweren  bflrde  ermüdete  und  sich  darauf 
zu  schlafen  legte ;  seine  gestalt  drückte  sich  dem  felsen  ein, 
darüber  verschlief  er  die  rechte  zeit,  binnen  welcher  der 
wurf  hätte  geschehn  müssen.  Im  Durbacher  thal  liegen 
auf  einem  hügel  des  Stollenwaldes  eilf  grofse  steine,  den 
zwölften  gröfsten  trug  der  teufel  fort,  um  damit  die  Wen- 
delskirche zu  zerschmettern;  er  war  damit  schon  durch 
das  Rappenloch  bis  auf  die  mitte  des  Schiehald  gefahren, 
wo  er  die  last  ablegte  und  ausruhen  wollte,  nachher  aber 
konnte  er  den  schweren  stein  nicht  mehr  aufheben,  so 
dafs  sein  spitziges  ende  im  berg  haften  blieb;  man  sieht 
noch  daran  das  runde  loch,  welches  der  schulterknochen 
des  teufeis  hineingedrückt  hatte,  ^o  blieb  die  kirche  ver- 
schont, der  teufel  fährt  aber  noch  manchmal  auf  dem 
platze  mit  sechs  geifsböcken  und  man  hört  ihn  mitternachts 
mit  der  peitsche  knallen  (Hones  anz.  3, 91).  Teufelsmauern 
erklärt  das  volk  so,  der  teufel  habe  damit  die  grenze  sei- 
nes reichs  abschliefsen  wollen  (deutsche  sag.  188),  er  wird 
hier  als  der  beherscher  eines  benachbarten,  feindlichen 
reichs  (eines  iötunheimr)  gedacht,  ja  als  im  streit  mit  gott 
um  die  erde  begriffen:  beide  theilen  sich  zuletzt  hinein 
und  der  teufel  baut  die  abgrenzende  mauer  (das.  no.  189). 

*)  man  Mutete  im  MA.  die  glocken   gegen    das   gewitter    (den 
heida.  Donar)  und  gegen  den  teafel. 


TBUFBL  97» 

Diese  ieufemoäüe  and  teufelsgraben  gewinnen  aber  ffir 
uns  gleich  erhöhte  bedeutsamlieit.  das  Tolk  nennt  die 
rdmischen  festungswerke  in  Baiern,  Schwaben,  Franken 
und  der  Wetteraa  nicht  nur  teufelsnauern,  sondern  auch 
pfalgridfen^  pohlgraben  ^  pfaUtöbel,  ja  ganz  einfach  den 
pfalf  pl.  die  pfäUj  was  man  aus  pfähl,  palus,  einem  schon 
früh  in  unsre  spräche  aufgenommnen  lat.  wort  (Graff  3, 
331)  deutet  doch  in  diese  mauern  sind  nur  steine  und 
Ziegeln,  keine  pßUe  verwandt;  richtiger  scheint  es  die  be-t 
nennnng  wiederum  auf  Phol  zu  ziehen,  wofür  deutlich 
spricht,  dafs  in  der  Wetteraa  die  form  Wulsgraben  vor«* 
kommt*),  eine  btofs  erweichte  ausspräche  statt  PAiife- 
graben,  wir  haben  schon  verschiedentlich  erkannt,  wie 
nol,  PfeU^  Pfui  wechseln.  Noch  mehr,  die  teufelsmauer 
heifst  auch  hin  ond  wieder  der  schweingraben ,  und  eine 
merkwürdige  schwäbische  volkssage  meldet,  er  sei  nachts 
von  einem  gookelhahn  und  einem  schwein  in  dem  erd- 
boden  aufgehackt  und  aufgewühlt  worden**),  weist  das 
nicht  unverkennbar  auf  pfol  den  eher  (s.  948)?  ich  zweifle 
kaum  es  werden  sich  aas  Volksüberlieferungen  und  ört- 
lichen namen  weitere  bestfttigungen  ergeben.  Christnaohts 
soll  der  teufel  auf  der  teufelsmauer  einher  fahren  (abh. 
der  Münchn.  acad.  1,  23  vgl.  38),  wie  in  den  zwölften  fast 
alle  heidnischen  götter  sich  rühren.  Nicht  zu  übersehen 
ist,  dafs  auch  in  solchen  gegenden  tenfeUgraben j  dükeri'' 
graben  vorkommen,  z.  b.  in  Niederhessen,  wo  gar  keine 
römische  mauern  gezogen  waren ;  alle  auffallenden  stein- 
felsen  und  mauern  werden  von  der  phantasie  des  volks 
entweder  auf  riesen  und  teufel,  oder  auf  Römer  (s.  75) 
und  Hellenen  (s.  501)  zurückgeschoben.  Ein  felsstück,  um 
seine  gewaltige  stfirke  zu  zeigen,  setzt  der  teufel  sich  auf 
als  hat,  da  naht  der  heiland  und  steckt  denselben  stein  an 
seinen  kleinen  finger  (deutsche  sag.  no.  205),  gerade  wie 
ThArr  den  riesen  überbietet  (s.  512);  sicher  eine  uralte  er- 
findung.  Nach  der  bibel  ersonnen  scheint  mir  aber,  wenn 
des  heilendes  und  teufeis  fufsspuren  in  hohen  felswftnden 
gezeigt  werden,  von  wo  der  Versucher  seinen  herrn  die 
unten  reizend  ausgebreitete  gegend  gewiesen  und  angebo- 
ten habe  (deutsche  sag.  184.  192)***).    hervorragende  fels- 

*J  Dieffenbachs  WeUeraa  s.  142. 

*')  Preschers  bist.  bl.  Statur.  1818  s.  67.  da  wo  der  wall  sich 
über  den  Kocbersberg  an  den  Mnrrflnfs  liebt  nennen  ihn  die  land- 
leute  allgemein  den  scbweingraben. 

***)  Ülriobs  in  seiner  reise  dureh  Griechenland  1,  44  ibeiU  die 
sage  mit'  ron  einem  teufelsstein  (legjiri),  wo  der  teufel  predigt« 
(iloj'o«  sprach). 


976  TEDFB£ 

kuppen  heirsen  1eufebhan»eln  (SUild.  2,  85.  kftnseli,  fluhktn-* 
zel],  da  soll  der  böse  fekid  dem  rersamtnelteo  volk  gepre-« 
digt  haben  (deutsche  sag.  no.  190.  Bechstein  3,  222);  viel- 
leichl  stand  da  vorzeiten  ein  heidnischer  priester  oder  ein 
götterbild?  oder  waren  es  nichts  als  alle  Wuotam$berge1 
tmfeUbeM  lassen  sich  den  Bronhildebetten  und  ähnlichen 
zur  Seite  stellen. 

Hier  mag  noch  einigen  ausführlichen  mittheilungea 
räum  gelassen  werden.  Der  tenfel  wird  als  ein  gewalt- 
thätiger  riese  Torgestellt,  der  seinen  zoll  und  zehnten 
nehme:  bald  eignet  er  sieh  den  er$ten  zu,  der  über  die 
brücke  geht,  anderemal  den  letzten,  so  liefs  er  von  der 
glttcksscheibe  (s.  827)  alle  jähr  den  letzten  schüler  herab- 
fallen*) und  nahm  ihn  für  sich.  Nach  einer  spanischen 
sage  war  zu  Salamanca  eine  grufk,  in  welcher  er  allezeit 
sieben  schüler  unterhielt  mit  dem  beding,  wenn  sie  völlig 
ausgelernt  hfitten,  müsse  der  siebente  das  gelag  zahlen. 
Als  er  nun  einmal  seine  schnle  entliefs  und  dem  letzten 
lehriing  zu  bleiben  gebot,  zeigte  dieser  auf  seinen  schatten 
mit  den  werten  'der  ist  der  letzte I'  da  muste  der  teufel 
den  schatten  nehmen  ^  und  der  entschlüpfende  lehriing 
bUeb  sein  lebenlang  ohne  schatten.  Jamieson  meldet  ge* 
naueres  als  schottischen  aberglauben:  losing  ones  shado,w 
arrives  to  such  as  are  studying  the  art  of  necromancy. 
when  a  das  oi  students  bave  inade  a  certain  progress 
in  their  mystic  studies,  they  are  obliged  to  run  throngh 
a  subterraneous  hall,  where  the  devil  literally  catches  Ae 
kuubnost  in  the  race,  unless  he  crosses  the  hall  so  speed*- 
ily,  that  the  archenemy  can  only  apprehend  Ais  skadato. 
In  the  latter  case  the  person  of  the  sage  never  after  throws 
any  shade,  and  those  who  have  thus  lost  their  shadow 
always  prove  the  best  magidans.  Der  teufel  wird  um  die 
beute  betrogen  und  mufs  mit  dem  blofsen  schatten  vorlieb 
nehmen,  wie  der  unehrliche  bei  der  scheinbufse  (RA. 
678)  ••). 

Jene  bedeutsame  norrifindische  4iage  von  dem  Hegen 
Wind  und  Wetter  (s.  515),  dessen  berübrung  mit  dem 
teufel  durch  die  bemerkungen  s.  951.965  aufser  allen  zwei- 
fei gesetzt  wird,  erzählt  Thiele  1, 45  folgendergestalt    Esbern 


*)  'da  na  eiaer  ius  teofela  reder  sefte  oder  gar  in  tiimpf  gefal- 
len were,  oder  dea  toda  achwaden  hatte  ihn  eigriffoDb*  MatBeaioa 
140b. 

*')  ChamisBoa  eniblung  wird  aich,  ihrem  weaen  naoh«  auf  eine 
ihnliche  sage  atatsen.  Von  dem  haaageiat  Voll  mar  aab  man  umge- 
kehrt nichta  ala  den  achaUen  (a.  477). 


TSOrSL  977 

Siiare  wollte  Kalludborgkircke  baaen,  seine  mittel  reichien 
oichl  BuSj  d«  Tergpracli  ihm  ein  iroU  beistand  unter 
der  bediagungy  dafSi  wenn  die  kircbe  fertig  sei,  Bsbern 
des  Irolds  naaien  nennen  fcöimei  sonst  aber  ihm  mit  sei- 
nem hersen  und  seinen  sogen  verfalle,  die  arbeit  wurde 
rasch  gefördert;  ak  nur  eine  halbe  seule  fehlte,  fing  es 
Bsbern  an  u  bangen,  dafs  er  noch  nicht  des  troids  namen 
wttste.  sorgYoH  und  betrübt  gieng  er  auf  dem  feld  um- 
her, da  hM  er  ia  der  hdhe  eines  felseos  einer  troldfrau 
stimme,  'still,  still,  mein  kind^  morgen  kommt  dein  valer 
fim  und  bringt  dir  Esberns  Snares  äugen  und  herz  zum 
spielxeugl'  getröstet  kehrte  Esbern  heim;  als  er  in  die 
kirdie  trat,  trug  der  trold  gerade  die  noch  mangelnde 
Steinseule  herbei,  da  rief  ihm  Esbern  grttfsend  den  namen 
Fm!  zu.  erbittert  fuhr  der  trold  mit  dem  halben  pfeiler 
in  die  lufl:  deshalb  steht  die  kirche  nur  auf  viertehalb 
seulen.  Fumr  ist  'eddischer  name  eines  zwergs.  Die 
deutsche  sage'(s.  514)  hört  man  in  Niederhessen  so:  ein 
bauer  auf  der  Elienbach  (am  Sandershäuser  berg  unweit 
*  Cassel]  hatte  so  viel  getraide  einzuernten,  dafs  ers  nicht 
wüste  unterzubringen:  seine  scheuer  war  zu  klein,  eine 
gröfsere  zu  erbauen  fehlte  ihm  das  geld.  nachdenklich 
und  sorgsam  schritt  er  durch  seine  felder,  da  trat  ein 
altes  graues  manschen  auf  ihn  zu  und  fragte  nach  der 
Ursache  seiner  traurigkeit.  der  bauer  gestand  ihm  seine 
bekfimmernis ,  das  graumätmchen  lächelte  und  sprach: 
'eine  scheuer  wollte  ich  dir  wo!  schaffen,  so  geräumig, 
dafs  du  alle  deine  frucht  in  sie  ernten  kannst,  und  eh 
morgen  der  tag  graut  soll  sie  fertig  auf  deinem  hof  stehen« 
wenn  du  mir  verschreiben  willst,  was  du  noch  ton  Der- 
borgnem  gut  besitzest'^).  der  bauer  dachte  an  schätze 
unter  der  erde,  die  ihm  nichts  helfen  konnten,  solange  sie 
nicht  gehoben  waren,  und  gieng  den  angebotnen  ver- 
trag ein;  erst  beim  abschied  nehmen  sah  er  einen  kuhfu/s 
und  pferdefufs  unter  dem  grauen  rock  vorragen.  Nun 
kam  der  bauer  heim  und  erzählte  seiner  frau,  was  ihm 
auf  dem  felde  begegnet  war;  'ach  gott,  was  hast  du  ge- 
than?  ich  trage  ein  kind  unterm  herzen,  das  hast  du  dem 


*)  E4mr  (der  hut,  der  fraah«4)  d.i.  Oäinn  (s.  133)  begehrt  yon 
der  bierbraaandea  Geirhildr,  der  er  seigeo  speichel  (Tgl.  s.855)  lur 
hefe  gegeben  hat,  was  Bwiscken  dem  fafs  und  ihr  war,  d.  h.  das  kind, 
womit  sie  schwanger  geht,  fornald.  sog.  2,  26.  Der  wilde  wdlrahe 
{%.  049)  Tertaagt  von  der  kftoigin:  <M  dm  hmver  mukr  heUe  dif,  was 
da  unterm  gurtel  trSgst  D.  V,  t,  187.  Schon  dieses  eiaeo  sugs 
halber  hdte  ich  die  hessische  sage  för  heidniachea  ursprongs. 

Grümm»  «yfiUl.   8>  tnugmbe»  62 


978  TEUFEL 

bösen  verschrieben/  Als  es  dunkelle,  erhob  sich  auf  dem 
bauerhof  ungeheurer  lärm,  fuhrleute,  zimmermfinner,  maurer 
arbeiteten  untereinander,  der  teufel  als  baumeister  leitete 
das  ganze  werk,  das  sich  mit  unerhörter  Schnelligkeit  för- 
derte; wenige  stunden,  und  die  Scheune  stand  schon  anf- 
gezimmert,  das  dach  wurde  gedeckt,  die  wände  ausgefällt, 
nur  einige  gefache  lagen  offen.  Da  schlich  sich  die  listige 
frau,  in  ihres  mannes  kleidern.  Ober  den  hof  ins  htthner- 
haus,  schlug  in  die  Hände  und  ahmte  den  kahnkrai 
nach,  alsobald  erkrähten  alle  hähne  in  der  reihe,  alle 
bösen  geister  eilten  brausend  davon,  nur  ein  giebelfach 
der  neuen  scheune  stand  leer:  einen  fuhrmann,  der  eben 
noch  mit  vier  fuchsen  einen  grofsen  stein  herangefohren 
hatte,  grif  der  teufel  und  zerschmetterte  ihn  mit  rossen 
und  wagen  an  der  scheuer,  seine  gestalt  wurde  zum  an- 
denken auf  dem  selben  stein  abgebildet  und  ist  heute  da 
zu  sehen,  den  scheunengiebel  hat  keine  menschenhand 
schliefsen  können,  was  man  bei  tag  zubaute  fiel  über 
nacht  wieder  ein*).  Der  borg  auf  welchem  der  gntu- 
mann  dem  bauer  zuerst  erschien,  heifst  ievfeUberg.  Un- 
weit Römhild  liegen  die  Gleichberge,  hohe  basalthtlgel, 
der  eine  auf  seinem  gipfel  von  doppeltem  kränz  unordent- 
lich gehäufter  steine  umgeben,  hier  führte  einst  der  teufel 
eine  mauer  um  die  bürg  eines  ritters  und  hatte  sich  dafür 
des  burgherrn  tochter  bedungen,  aber  frühe  vor  tages- 
anbruch  patschte  des  fräuleins  amme  ihre  hände  laut  auf 
dem  knie  zusammen,  da  erhrähten  die  hähne  und  der 
teufel  verlor  die  wette,  erbost  zerstörte  er  sein  eigen 
werk,  darum  sieht  man  nur  trümmer  der  mauer.  Nach 
andrer  erzählung  (Bechsteins  Franken  s.  261)  war  die 
amme,  welche  den  bund  belauscht  hatte,  frühmorgens  mit 
verdeckter  lampe  zum  hühnerstall  geschlichen;  als  der 
hahn  plötzlich  das  licht  sah,  meinte  er  es  werde  tag  und 
krähte  überlaui^^).  Ein  müller  zu  Coslitz  litt  an  wasser 
mangel  und  der  teufel  versprach,  die  müle  vor  tagesan- 
bruch,  ehe  der  hahn  krähen  werde,  mit  ausreichendem 
wasser  zu  versehn,  wogegen  ihm  der  müller  seine  schöne 
tochter  zusicherte,  in  einer  nacht  nun  brachte  der  teufel 
den  graben  von  der  Elbe  bis  Coslitz  fast  zu  stände,  da 
gereute  es  den  müller  und  er  soll  durch  nachahmttng  des 
hahnschreis^    nach  andern  durch   klopfen  auf  sein  schürst' 

*)  wie  10  allen  kirchen  das  loch,   wodurch  der  teufel  autgefah« 
reo,   offen  bleiben  mufs. 

**)  derselbe  lug  in  einer  Ihäriog.  sage  bei  Bechslein  d,  224. 


TEUFEL  1970 

feil,  den  hahn  za  vorhrfihem  krähen  veranlarst  haben, 
worauf  der  teufel  zornig  davon  fuhr  and  der  graben  un- 
vollendet blieb  (mitth.  dessächs.  Vereins.  Dread.  1835.  1, 
11).  Zn  Geertsbergen  in  Westflandern  geht  ähnliche  sage 
X  von  einer  teufelseheune  (duivelschuer),  auch  hier  rettet 
den  bauer  seiner  frau  list:  lang  voor  dat  de  haen  gewoon- 
is  te  kraeyen  spreng  zy  het  bed  uit  en  liep  naer  buiten, 
waer  zy  een  onnoemlyk  getal  werklieden  bezig  zag  met 
de  schuer  op  te  maken,  aen  dewelke  nog  siechts  een  ge- 
deelte  van  den  zymuer  ontbrak.  zy  plaetste  hären  mond 
iu$$chen  hart  handen  en  schreeuwde  zoo  schel  als  zy 
maer  kon:  koekeloren  haenl  en  alle  de  hauen  in  de  rondte 
lieten  hnn  eerste  morgengeschrei  hooren.  het  werkvolk 
was  verdwenen,  en  de  schuer  stond  er,  doch  met  dien 
onvoltrokken  gevel;  men  heft  herhaelde  malen  beproefd 
het  gat  te  stoppen:  telkens  komt  satan  het's  nachts  open- 
breken,  uit  weerwraek  dat  de  ziel  van  den  boer  hem  zoo 
loos  ontsnapt  is*). 

Die  Bhsten  nennen  den  knecht,  welcher  über  scheune 
und  getraide  die  aufsieht  hat,  riegenkerl.  ein  solcher  rie» 
genkerl  safs  einmal  und  gofs  knöpfe,  da  kam  der  teufel 
gegangen,  grüfste  und  fragte,  'was  machst  du  da  ?  'ich  giefse 
äugen.'  'äugen?,  kannst  du  mir  auch  neue  giefsen?'  'o  ja, 
doch  jetzt  sind  mir  weiter  keine  zu  band.'  'aber  auf  ein 
andermal  willst  du  es  wol  thun?'  'das  kann  ich,'  sprach 
der  riegenkerl.  'wann  soll  ich  wieder  kommen?'  ^wann 
do  willst.'  Den  andern  tag  kam  der  teufel,  um  sich  die 
äugen  giefsen  zu  lassen,  der  riegenkerl  sagte:  'willst  da 
grofse  oder  kleine?'  'recht  grofse.'  Der  mann  setzte  nun 
eine  menge  blei  zum  schmelzen  auf  und  sagte:  'so  kann 
ich  dir  nicht  giefsen,  du  must  dich  erst  festbinden  lassen.' 
darauf  hiefs  er  ihn  rücklings  sich  auf  eine  bank  legen, 
nahm  dicke,  starke  stricke  und  band  ihn  ganz  fest.  Als 
der  teufel  festgebunden  war,  fragte  er,  'welchen  namen 
führst  du?'  ^Issi  (selbst)  ist  mein  name.'  'das  ist  ein 
guter  name,  keinen  besseren  kenne  ich.'  Das  blei  war 
nun  geschmolzen,  der  teufel  sperrte  weit  seine  äugen  auf 
und  gedachte  neue  zu  bekommen ,  des  gusses  wartend, 
'jetzt  giefse  ich ,'  sprach  der  riegenkerl  und  gofs  dem  teufel 
das  heifse  blei  in  die  äugen;  auf  sprang  der  teufel  mit  der 
bank  am  rücken  und  lief  davon.  Im  feld  pflügten  leute, 
bei  denen  er  vorüberlief,     sie  fragten   'wer  that  dir  das?' 


*)  kunst  en  leUerblad,  Gent  1840  p.  7  and  danach  Wolf  no.  187» 
welcher  no.  186  und  anm.  s.  686  ähnliche  tagen  miUheilt. 

62  • 


980  TEUFEL 

der  ^ufel  antiirortele  'issi  teggi'  (selbst  thats).  da  lachten 
die  leote  und  sprachen:  'selbst  getban,  selbst  habe/  Der 
ieufel  starb  an  seinen  neuen  äugen  und  seitdem  sah  man 
keinen  teufet  mehr^).  In  dieser  sage  ist  der  teiifel  mehr 
ein  tölpisoher  riese,  als  der  böse  feind  des  menscheng«* 
schleehts;  seine  Uendung  und  der  name  Issi  gemahnt  an 
den  homerischen  Polyphem  und  OvitCj  wie  an  den  Depöghöz 
des  Orients  (s.  521).  auch  im  kindermfirchen  (2,  481  vgl. 
altd.  bl.  1,  122)  werden  dem  rtesen  die  äugen  mit  öl  aus* 
gegossen,  und  litth.  heifst  der  teufel  ahkOUf  der  blinde,  ge* 
blendete.  Wenn  andere  ehstniscbe  Überlieferungen  den  don^ 
ner  daher  erkiftren,  dafs  der  teufel  von  gott  verfolgt  und 
In  felsen  llftohtend  niedergeschmettert  werde  (abergl.6].  64); 
so  gleietit  auch  hier  gott  dem  nord.  Tb6rr,  der  teufel  einem 
von  ThArr  erlegten  iöttmn. 

Es  greift  in  das  getriebe  der  ganzen  poesie  des  MA. 
ein,  dafs  beiden  aus  ferner  gegend  ean  dem  teufel  plötz- 
lich durch  die  lüfte  zur  heimat  getragen  werden,  wo  ihre 
anwesenheit  dringend  erfordert  war:  eine  hochzeit  steht 
bevor,  die  ihnen  braut  oder  gemahlin  zu  entziehen  droht, 
so  flihrt  könig  Carl  in  der  Spagna  (canto  XXI)  auf  einem 
teufel,  der  sich  in  ein  res  wandelt,  in  einer  nacht  aus  dem 
morgenland  nach  Frankreich ;  spätere  sagen  lassen  ihm  da- 
für einen  enget  erscheinen,  der  ein  starkes  pferd  anzeigt 
(DS.  no.  439).  auch  dem  edlen  Möringer  erscheint  in  glei* 
eher  noth  der  engel  (DS.  no.  523).  Heinrich  der  löwe  aber 
und  Gerhart  (b.  Caesar,  heisterb.  8,  59)  fahren  mit  des  ten- 
fels  hilfe.  Schon  dafs  hier  engel  und  teufel  einander  ver- 
treten können  zeigt,  dafs  ursprünglich  kein  böser  dämon 
gemeint  ist,  es  ist  kein  andrer  als  TFnoton,  der  seinen 
Schützling  durch  die  wölken  bringt  (s.  133);  so  fassen  wir 
den  echten  sinn  der  frage:  welcher  teufel  hat  didi  daher 
gebracht?  ein  teufel  trägt  einen  canonicus,  der  sich  ver- 
säumt hatte,  von  Bayeux  nach  Rom  zu  den  melten,  und 
Klinsor  und  Oflerdingen  gelangen  durch  denselben  zauber 
aus  Ungeriand  nach  der  Wartburg. 

Nichts  kündet  tieferen  grnnd  des  mythischen  Clements 
an,  als  wenn  es  in  die  thierfabel  übertragen  wird,  das 
ehstniscbe  mfirchen  von  dem  mann  und  dem  bftr,  wie  sie 
sich  in  die  ausstelinng  und  ernte  eines  ackers  theilen 
(Reinh.  CCLXXXVIR),  .nach  dem  >uch  s.  678  wahenden 
unterschied    des    oben    oder    unten'  Wachsens,    wird   Km. 


*)  Roseapliiileri  beitrage,  heft  6.  p.  61.    wie  dar  teufel  tob  ihie- 
reo  begraben  wird,  bleibt  Uer  weg. 


TEUFEL  981 

no.  180  von  bauer  uod  ieufel  und  so  schon  bei  Rabelais 
buch  4  cap.  45-47  ersählU  Rückerts  gediefato  s.  75  geben 
es  aus  arabischer  Überlieferung ,  deren  quelle  ich  erfahren 
möchte»  die  dän.  sage  bei  Thiele  4,  122  erzählt  vom  bauer 
und  trold.  In  der  Normandie  weifs  das  volk  noch  heutiges 
tags  vom  mont  saint  Michel^  wie  sich  der  teufel  und  Mi- 
chael stritten,  wer  die  schönste  kirche  erbauen  könne,  der 
teufel  baut  eine  steinerne,  Michael  fügt  die  schönere  aus 
eis  susammen;  als  sie  hernach  schmilzt,  wollen  beide  den 
boden  bebauen,  der  teufel  wählt  das  obere  kraut,  Michael 
behält  das  in  der  erde  steckende.  In  allen  diesen  sagen 
sind  bär,  riese,  troll,  teufel  die  betrognen,  wie  der  iötunn 
bei  erbauung  der  götterburg. 

Endlich  bewft^t  die  altheidnische  natur  des  teufeis  sich 
auch  darin,  dafs  nach  ihm,  wie  nach  göttern  und  riesen 
(s.  499),  thiere  und  pflanzen  heifsen.  die  libellula  grandis, 
Wassernymphe,  ein  zart  und  schlank  gegliedertes  insect, 
sonst  auch  verwünschte  Jungfer  genannt,  teufebpferd, 
teufebbrauty  teufeis  reiipferd,  dän.  fandens  ridehest^  auf 
der  insel  Mors  ein  käfer,  meloe  proscarabaeus,  fannens 
rühejsi  (Schade  p.  215);  in  der  Schweiz  die  libellula: 
teufeknadelj  teufelshaamadel;  die  raupe  teufelskatste  *). 
im  thal  von  Rimella  die  schwarze  Schnecke  UufuUnäkke^ 
ein  kleines  schwarzes  käferchen  s^böziös  ajo  (des  bösen 
mutter)  Albr.  Schott  s.  334;  gegensatz  zu  dem  Marienkäfer 
(s.  658),  aber  auch  an  teufelsnacfe/  und  NMy  Lokis  multer 
(s.  225)  bedeutsam  mahnend,  weshalb  Donattode/  (s.  458) 
richtig  sein  und  einen  bösen  flufsgeist  bezeichnen  kann, 
in  Holland  heifst  ein  kraut,  ich  weifs  nicht  welches^  dui^ 
f>ek  naaigaren,  teufeis  nähegarn.  alcyonium  digitatum  oder 
palmatum:  teüfebhandy  manus  diaboli,  diebshand,  engl,  de- 
vils  Handy  deadmans  band,  nnl.  doode  maus  band,  oude 
maus  band,  franz.  main  de  diablcy  main  de  ladre,  de 
larron,  vgl.  Ferneotes  folme  (s.  220).  lycopodium  eleva- 
tum: teufehklaue.  euphorbia :  teufehmilch.  clematis  vi- 
talba:  teufelsswim.  scabiosa  succisa:  teufebbifs^  böhm. 
certkus,  adonis:  teufebauge.  convolvulus  arvensis:  teufeb-^ 
dorm  u.  a.  m.  **).      wahrscheinlich  wüste   die  ältere  volks- 


*)  raupen  wegen  ihrer  hiutang,  Terpuppung  und  slufenweisen 
terwandlang  aas  kriechenden  und  todtähnlicnen  wesen  in  fliegende 
haben  etwas  unheimliches,  geisterhaftes. 

**)  hjpericum  perforatum  ieufekßuehi,  fuga  daemonum,  weil  es 
den  teufel  Tertreibt  'dosten,  harthun,  weifse  heid  thun  dem  teufel 
tieles  leid.' 


982  TEUFEL 

sage  noch  den  nftheren  grund  solcher  benennungen,  vgl. 
abergl.  no.  189.  190.  476.  Auch  der  donnerkeil,  das  alp- 
schofs,  hiefs  teufebfinger  (s.  164.  170). 

Auf  solche  Vielfache  weise  hat  sich  ein,  in  seiner  all- 
gemeinheit,  den  Heiden  unbekanntes  wesen  an  die  stelle 
ihrer  gottheiten,  geister  und  riesen  eingedrungen  und  eine 
menge  ähnlicher  oder  widerstrebender  eigenschaften  in  sich 
vereinigt.  Dem  Wuotan  gleicht  er  als  graumann  und  ge- 
mantelter  wilder  Jäger,  der  durch  die  lüfte  fährt  und  trägt, 
als  Zwietracht  aussäend,  wdrfelspielend  und  in  seinen  dienst 
menschen,  die  sich  ihm  geloben,  empfiingend.  an  Donar 
gemahnt  der  rothe  hart,  hammer  und  keil  des  teufeis.  Phol 
und  Zio  hängt  mit  dem  Sturmwind,  jener  mit  den  teufels- 
bauten  zusammen,  die  ganze  riesiscfae  natur  und  die  teuf- 
lische haben  das  meiste  untereinander  gemein. 


ZAUBER  983 


CAP.  XXXIV.     ZAUBER. 

ff^undem^)  heifst  übernatürliche  kräfte  heilsam,  »au^ 
bem  sie  schftdiich  oder  unbefugt  wirken  lassen,  das  wunder 
ist  göttlich,  der  sauber  teuflisch ;  erst  den  gesunkenen,  ver- 
achteten göttern  hat  man  Zauberei  zugeschrieben**).  Mit- 
telweseo  zwischen  ihnen  und  menschen,  vielkundige  riesen, 
listigfe  elbe  und  zwerge  zaubern ;  nur  scheint  ihre  Fertigkeit 
mehr  angeboren,  stillstehend,  keine  errungne  kunst.  Der 
mensch  kann  heilen  oder  vergiften,  indem  er  natürliche 
krftße  zum  guten  oder  bösen  anwendet;  er  wird  zuweilen 
der  wundergabe  theilhaflig,  wenn  er  aber  den  heilbringen- 
den gebrauch  seiner  kräAe  zum  natürlichen  steigert,  lernt 
er  zaubern;  Wunder  geht  mit  rechten  dingen,  zauber  mit 
unrechten  zu,  jenes  ist  gehener,  dieser  ungeheuer  (s.  866). 
unmittelbar  aus  den  heiligsten,  das  gesamte  wissen  des  hei- 
denthums  in  sich  begreifenden  geschäften,  gottesdienst  und 
dichtkunst^  mufs  zugleich  aller  Zauberei  Ursprung  geleitet 
werden,  opfern  und  singen  tritt  über  in  die  Vorstellung 
von  zaubern;  priester  und  dichter,  vertraute  der  götter  und 
göttlicher  eingebung  theilhaft,  grenzen  an  Weissager  und 
Zauberer. 

So  bei  allen  Völkern,  auch  bei  unsern  vorfahren:  ne- 
ben dem  göttercultus  Übungen  finsterer  Zauberei,  als  aus- 
nähme, nicht  als  gegensatz.  die  alten  Deutschen  kannten 
Zauber  und  zauberer,  und  auf  dieser  grundlage  ruhen  zu- 
erst   alle   nachher   entsprungnen    Vorstellungen.      Schärfen 

*)  ich  Tenrende  dies  wort  hier  activ  s=  wunder  than,  in  welchem 
sinn  wundtrer,  der  wunderlhuende ,  aas  ihm  geleitet  wird.  Reinmar 
sagt  Ms.  2,  154^:  *woi  dem  wunder,  daz  der  wandersre  geunttukrt 
hat  an  der  vil  süezen.*  got  ist  der  wahre  wundertBre  Ms.  2,  XlX^ 
Trist.  10013,  der  aller  wunder  hat  gewalt  (oben  s.  21)  mirabilis  deus 
(Helbl.  7,  12)'  Doch  darf  auch  ein  gottihnliche  thaten  Terrichteoder 
held,  z.b.  Erek,  den  namen  wundensre  Terdienen,  ungefüger  wird  er 
auf  einen  wilden,  teuflischen  mann  (in  Etzels  hofhaltung)  angewandt. 

**)  aus  demselben  grund,  weshalb  ihnen  menschlicher  Ursprung 
beigelegt  wurde  (a.  357).  Snorri  bezeichnet  Odinn  forsp^r  und  fiöl- 
kunnigr,  er  lifat  ihn  'galdr  qveda.*  Yogi,  saga  cap.  4.  5.  7.  Saxo 
gramm.  (p.  13)  schreibt  ihm  praestigia  zu ;  merkwürdig  ist  seine  ein- 
theilaog  aller  sauberer,  die  er  matbematici  nennt  (Forcellini  s.  ▼. 
raathematicus),  in  drei  arten:  riesen,  magier  und  aus  beiden  hervor- 
gegangne ;  in  den  magiern  sucht  er  die  alten  gottheiten  (p.  9) ,  vgl. 
seine  äufserungen  p.  103  über  Thor  u.  Othin  'magicae  artis  imbuti.* 
Auch  das  chronicon  Erici  (um  1288)  stellt  den  Odin  als  *incantatoi 
et  magna*  dar. 


984  ZAD0Rft 

und  verwickeln  mäste  sich  aber  die  ansieht  seit  nach  ein- 
führung  des  -  ebsistenlhiuns  Mß  ,  begriffe  uud  i)rüuche  der 
Heiden  für  trug  und  sündhaftes  i))endwerk  er&lärt  wurden, 
die  alten  götter  traten  zurück  und  wandelten  sich  in  teufel, 
was  zu  ihrer  Verehrung  gehört  hatte  in  teuflische  gaukele!. 
Bald  erzeugten  sich  überiieferungen  von  unmittelbarem  zu« 
sammenhang  des  bösen  feindes  mit  dem  wesen  der  Zaube- 
rei, die  unerhörteste  grausamste  Verwirrung  zwischen  Phan- 
tasie und  Wirklichkeit  ist  daraus  hervorgegangen,  dergestalt 
flössen  verübte  und  eingebildete  Zauberkünste  in  einander, 
dafs  sie  weder  in  der  bestrafung  noch  selbst  in  der  bege- 
hung  geschieden  werden  konnten. 

Bevor  ich  weiter  untersuche,  sind  die  verschiednea 
ausdrücke  zu  prüfen,  mit  welchen  von  altersher  die  Zau- 
berei benannt  wurde.  Beachtenswerth  scheint,  dafs  einige 
allgemeinere  geradezu  den  begrif  von  ikun  oder  bereiten 
enthalten,  also  auf  unmerklichem  Übergang  des  rechten  in 
ein  verkehrtes  thun  beruhen,  das  ahd.  torateon^  ags^^ear- 
tjan  haben  nur  die  bedeutung  facere,  parare,  praepa- 
rare,  ornare,  das  altn.  identische  göra  nähert  sich  der  von 
zaubern,  dän.  fcrgiäre;  gärt^ng  ist  maleflcium,  görningwr 
sind  artes  magicae,  ungefähr  wie  das  lat.  facinus  zugleich 
that  und  unthat  bezeichnet,  unser  Ifttii»  übertritt  in  aniktmj 
einem  etwas  anmachen,  anhexen;  das  altn.  fordwää  (roale- 
fica]  S®m.  64*  stammt  von  ddd  (facinus)  *).  nun  aber  drü- 
cken die  gr.  und  lat.  Wörter  sQ&siv,  qs^up,  facere  (s.36.37) 
nicht  blofs  aus  wirken,  thun,  sondern  auch,  ohne  dafs  Ugu 
oder  Sacra  hinzugefügt  zu  werden  brauchte,  opfern,  i'gdhiv 
%ivl  Tt  ist  einen  bezaubern ;  das  altn.  bldta  hat  aufser  dem 
gewöhnlichen  sinn  von  sacrificare,  consecrare  den  von  ma- 
ledicere.  ob  sich  forwBskfa  (zauberei)  mit /))ni  (opfer)  ver- 
binden lasse?  ist  schon  s.  36  gefragt  worden.  Schwer  zu 
erklären  fällt  das  ahd.  zoupar  divinatio,  maleficium,  «ov- 
parari  hariolus^  umparön  hariolari;  N.  schreibt  zoufer 
ps.  57,  6.  sotiver  Bth.  29.  umferlih,  %ow>erUh  Cap.  45.  99; 
das  mhd.  aauber,  »aubem  entspricht  jener  streng  ahd.  form, 
nd.  toeer  und  Uweren,  auch  nnl.  und  mnl.  (vgL  toverte 
Maerl.  1,  260.  263.  toverare  1,  266,  fehlerhafte  Schreibung 
ist  toeverle);    altfries.  tawerie  Richth.  40U  21.     Die  isländ. 


*)  mittellat  faelura  (aortilegiani)  faetwiure  (füfloiMre)  mfftnetmnOrix 
(iDcantatrix);  ital.  faUura  (iocantatio)  fuUueekdero  (zaoberer)  faUtu- 
ekiera  (sauberin);  pror.  faekmrar,  fahttrar  (xaubeni)  faekUuim,  fai- 
tileira  (taaberia);  altfraDi.  faitmn^  fmehiterie  (saoberei);  apan.  AtfcAa 
(faeinus)  heehno  (incantatio)  kuchUar  (zaubeni)  ktcUcmro  (tauberer) 
A«cA«cera  (zaoberin). 


j 


ZAUBER  965 

qirache  hat  töfur  instramenta  nagrica^  töfrar  incantamenta, 
töfra  fascinare,  Wfrari  magfiis,  iöfranom  saga,  wozu  das 
norweg.  tougre  fascinare  (Hailager  131^],  das  schwed.  to/*- 
ver  iRcantalio,  iofoerhäxa  saga  stimmt;  man  könnte  spft« 
tere  einfQbrung  dieser  Wörter  ans  Deutschland  annehmen, 
da  sie  in  alln.  denkmälern  nieht  vorkommen  *).  ich  weifs 
nicht,  ob  ein  ags.  tedfbr  zu  Mupar  genommen  werden 
darf;  es  bedeutet  miniam,  color  cocoineus,  und  Lye  ge- 
währt ein  anbelegtes  Hfran  depingere,  das  vielleicht  t^frian 
zu  schreiben  wäre?  die  beifägung  des  adj.  redd  tedfor  (ru- 
brica)  lierse  vermuten,  dafs  to^/br  allgemein  zeichenfarbe 
war,  deren  man  sich  beim  einritzen  der  buchstaben  be- 
diente, und  so  könnte  es  rune,  geheime  zauberschriA,  folg- 
lich Mviber  aussagen  **)  ?  %oupar  und  Ji^ar  [s.  36) ,  ags. 
tedfor  und  K/er  zu  vei^eiohen  verbietet  die  abweichung 
der  vocale,  so  nahe  sich  wieder  die  begriffe  zauber  und 
Opfer  lägen,  viel  lieber  möchte  man  »oupar  aus  zouwan, 
gotk.  täujan,  ags.  tavian  (facere,  parare)  ableiten  und  irgend 
einen  unregelmäfsigen  übertritt  des  V,  W  in  V,  B,  P  statt- 
haft finden  ***).  selbst  das  litth.  daryti,  lett.  darriht  (facere) 
und  slav.  tvoriti  (facere,  creare,  fingere]  sind  zu  erwägen. 
Nicht  geringeres  bedenken  verursacht  ein  anderer,  dem 
Sachs,  volksstamm  eigenthümlicher  ausdruck.  noch  heute 
sagt  man  in  Niedersachsen  für  zaubern,  weissagen,  tcikken, 
Wicken  (Ssp.  2,  13  Homeyer  s.  117  var.  x]  und  wigelen 
(wiohelen),  für  Wahrsager  wMter,  mokier,  für  hexe,  Wahr- 
sagerin wikkerske,  für  zaubere!  wickelie.  ebenso  nnl.  wik^ 
ken  und  urickelen,  wikkerij  und  wickelarij',  mnl.  unkelare 
(ariolus)  Maerl.  2,  348  wigelare  Kästners  bruchst.  42^,  tot- 
geänge  (vaticinium)  Kästn.  bruchst.  12>^;  auch  ags.  die 
doppelten  formen:  viccian  (fascinare)  vicce  (saga)  viceung" 
ddin  (Coßdm.  223, 17)  oder  mccancräfi  (ars  magica) ;  eiglian 
(ariolari)  pigelere  (augur)  t^igehmg  (augurium,  incantatio) 
umgestellt  ist  das  fries.  toiHga  (incantatio)  Richth.  401,  21. 
das  engl,   mich   entspricht  dem   ags.  vicce,  vom  verbum 


*)  auch  das  läneb.  wendische  iöbkUsehf  zaaberer  (bei  Eccard 
p.  291)  iobaldr,  sauberer,  toio^olsa,  toblarska  zauberio  (nach  Juglera 
wb.)  sebeiat  deataehes  urtpruogt,  da  andere  ikT«  dialecte  niohta  fiha- 
liches  kennen,  denn  das  sloren.  a&per  (zauber)  »SproH  (zaubern) 
MpwmSk  (zaaberer)  »opemna  (zauberio)  ist  sicher  nach  dem  deutschen. 

**)  ist  die  herleitung  unseres  tifftry  engl  etpAsr,  frans,  ehifre, 
ital.  eifm,  eifera  (geheimschrift)  ans  einem  arab.  wort  sieber?  Dncange 
s.  T.  cifrae  bat  beispiele  ans  dem  12  jh.  jenes  ags.  wort  stimmt  auf- 
fallend. 

')  nhd.  galb,  ■  färbe,  garbea,  mürbe,  wo  mbd.  W. 


*••! 


986  ZAUBER 

bat  sich   das  part.  tcudied  (perversus;   maledictus)  erhaltea, 
die  altengl.  spräche  hatte  ein  gleichbedeutendes  adj.  iriUe; 
ein  Zauberer  heirst  wviard^   alle  L  formen  mangeln,     kein 
älterer  oder  neuerer  hochd.  dialect  kennt  etwas  dergleichen ; 
dennoch  scheint  mir  der  ausdruck  aus  einer  allen  zweigen 
unserer   spräche  gemeinen  wurzel,   aus  veihan   (no.  201] 
abzustammen,   das   ursprünglich  wieder  facere,    conficere, 
sacrare  bedeutete,  von  dem  veihs  (sacer)  ahd.  wlh  herrührt, 
und  das  subst.  vafhts  (res)  vgl.  slav.  tvar,   tvor  (creatura 
xTiotg),    vaihts,  wicht  nahm  die  bedeutung  daemon  an  (s. 
408.  409],    das  altn.  eatir,   örm  vatir  (arme  wich^)  be- 
zeichnet Saem.  214*^  eine   hexe  *].     KK  in  wikken  nehme 
ich  wie   in  Ecke  (s.  216)  aus  der  wurzel  agan,   und  G  in 
wigelen,    CH  in  wichelen  (offenbar  ein  CH  =  H)  dient  zur 
bestätigung.      Buchstäblich  unverwandt^  in   der  bedeutung 
nahstehend  scheint  ahd.  tolasa^o,  ags.  vUega,  titga  Ciedm. 
218,  18.  224,  13),  nhd.  weissage,  d.  i.  prophet  und  Wahr- 
sager, aber  in  gutem,   nicht  in   bösem  sinn;  das  entspre- 
chende  altn.  eitki  (Sa^m.    63«.  118«)  steht  für   vitugi  (vgl 
vitug  S»m.  94*)  wie  ecki,   eitki  für  eitgi  (gramm.  3,  738), 
vaetki  f.  vaßtgi.  mit  diesem   altn.  eitki  (vielleicht  vttki?)  hat 
man  fälschlich   jenes  ags.  eicce  verglichen,   nie  geht  ags. 
CC    aus  TG  hervor,    wenn  auch    ags.  CC    zu   engl.  TCH 
wird  **).     das  entsprechende  verbum  ist  ahd.  u>i!&ag6n,  ags. 
eUegiany  mnl.  witegen  Diut.  2^  202^.     Ganz  gleich  dem  vt- 
tega  und  vitki  standen  die  altn.  namen  spämair  und  gpäko- 
na,  spädis  (s.  84.  372),  ursprünglich  die  gäbe  der  Weisheit 
und  voraussagung,  wie  sie  dichtem  oder  priestern  beiwohnt, 
ausdrückend  ***),   giengen  sie  nach  und  nach  über  in  den 
begrif  teuflischer  zauberer  und  Zauberinnen,     schon  jenes 
forspär  und  fiölkunnigr  bei  Snorri  (s.  983)   hat  den  Übeln 
nebensinn,    fiölkunnigr  (multiscius)  bezeichnet  allmälich  einen 
Zauberer,    fiölkunndtta   fiölkjngi,   ja   das    einfache    kjngi 
(=  kunnugi)  Zauberei,     diese  k5^ngi  wurde  ordentlich  er- 
lernt: Rögnvaldr  nam  fiölkfngij   Harald  härf.  saga  cap.  36. 
Walth.  116,  29  sagt  von  einer  wunderschönen  frau  'daz  si 


*)  man  hat  vegiu$  in  der  lex  Burgund.  16 ,  3  and  ahd.  J ,  8  för 
einen  lanberer  genommen,  es  bedeutet  aber,  wie  die  mbrik  viator 
in  der  letzten  stelle  zeigt,  wegfuhrer,  index,  delator. 

**)  in  der  bedeutung  stimmen:  toewcr  mcmfi,  weite  frau ^  MMe 
frau;  altn.  tUindamadr  (fomald.  sog.  1,  5)  weiser  mann,  philosoph, 
physiker.  serb.  fgeeehi  (peritus)  i^feeehku  (Teneficus)  i^ietckiU»a  (Tene- 
fica);  poln.  wiesicdia  (lanberin,  Weissagerin)  wiencwifka  (nachtfrau, 
lamia),  sloTen.  vefha  (hexe). 

'**)  analog  das  altfrani.  denn,  Svim  sauberer,  diTinfttor. 


ZAUBER  967 

iht  anders  künne  (sich  aoF  andre  künate  verstehe^  saubere) 
daz  sol  man  übergeben'  (daran  soll  man  den  gedanken 
fahren  lassen).  Hans  Sachs  nennt  ein  altes  zauberweib 
abwechselnd  'die  alt  nnhnld'  und  'die  freite  frai$.'  IV.  3, 
32.  33. 

Insofern  spähen  voraussehen  und  sehen  ist,  kann  ich 
daran  noch  einen  andern  ausdruck  für  zaubern  reihen,  ohne 
alle  leibliche  berührang  wird  durch  blofsen  blick,  durch 
ein  böses  äuge  eingewirkt:  das  hiefs  in  der  alten  spräche 
entgehen  (s.  430). 

Weil  aber  der  spähende,  kundige  vates  zauberweisen 
singt,  Segensformeln  spricht,  musten  schon  im  alterthum 
ausdrücke  wie  unsere  heutigen  besehreten^  beschwataeny  6e- 
rufen^  überrufen,  beschwören  für  zaubern  gelten,  das  ahd. 
kalan  ags.  galan,  altn.  gala  war  nicht  nur  canere,  sondern 
auch  incantare,  ein  bindendes  hersagen,  singen  der  Zauber- 
worte, solch  ein  gesprochner  zauber  hiefs  altn.  galdr,  ags. 
galdor,  ahd.  kalsiar  (nicht  zu  mengen  mit  kälstar,  opfer  s. 
35)  mhd.  ^abferfe  Schwanr.  813;  galstertoeiber  kommt  noch 
nhd.  für  hexen  vor;  an  sich  schien  gaUr  etwas  unsträf- 
liches, da  man  meingaUr  (bösen  zauber)  unterschied,  fornm. 
sog.  2,  137.  altn.  galdra  fascinare;  galdramadr  incantator, 
gädrakona  saga,  ags.  galdorcräfi  magia,  galdere  magus; 
ahd.  kalsiarari  incantator,  'Medea  diu  handega  galsierära* 
N  Cap.  100.  ebenso  stammt  das  franz.  chmne,  charmer 
aus  Carmen,  enchanter,  incantare  aus  cantns  und  canere. 
Aus  dem  mitteilet,  carminare  besprechen  gieng  auch  ein 
ahd.  garminariy  germinari  incantator,  germinöd  incantatio 
(Diut.  2,  326^  gl.Doc.  2131»)  germenöd  N.  Cap.  100  hervor, 
das  in  der  späteren  spräche  wieder  verschwand.  Schon 
mhd.  hiefs  die  Zauberformel  segen;  segenmrinne  zauberin. 
Auf  diesen  nothwendigen  Zusammenhang  der  Zauberei  mit 
dem  wort  und  der  dichtkunst  wird  cap.  XXXVIII  noch 
näher  eingehn ;  da  aber  das  geheimnis  der  rede  leicht 
übertritt  in  das  des  Zeichens,  wort  und  schrift  sich  innig 
vermählen,  und  der  in  unserm  idiom  althergebrachte  aus- 
druck runa  beide  richtungen  umfafst;  so  fällt  dadurch  licht 
auf  jene  Verwandtschaft  zwischen  zoupar  und  teäfor  (s.  985), 
aber  auch  auf  das  lofsen  (s.  989),  das  mit  runstäben  be- 
werkstelligt wurde. 

Das  goth.  aßugjan^  von  sinnen  bringen,  sinn  und  ge- 
müt  verwirren,  verdeutscht  Gal.  3,  1  ßaanuivetv  =  fasci- 
nare*);   ags.  ist  dyderian,  bedyderian  illudere,    incantare, 

*]  rührt  daher  oder  Tom  ilal.  fasciare  das  frani.  f^cher,  früher 
faacber  nrritare,  apan.  enfadar? 


98S  ZADIER 

womit  vielieicht  das  hd.  tattern,  dotlern  (angi,  deKrare)  zit* 
saininen  hangt  nhd.  sagen  wir  eerblende»,  blendwerk  vor- 
machen. Jenes  altn.  von  riesen  und  geistern  gillige  iröU 
(s.  493)  wird  anch  auf  sauberer  angewandt,  irölUapr  ist 
Zauberei,  schwed.  trotta^  dän.  trylle  incantare  troädom,  iroUf 
dorn  zaoberei ;  im  Gola^ingsl.  s.  137  steht  at  wl^a  iröU  für 
zaobem,  was  an  das  veckja  hildi  nnd  wecken  der  Saelde 
(s.  823)  gemahnt.  Das  heutige  friesische  Ugome  fascinare, 
isyoener  zaoberer,  tggoenMter  Zauberin  moTs  sich  (da  ts 
öfter  vor  i  nnd  y  im  anlaut  k  vertritt)  aus  der  altn.  neben- 
deutung  von  kyn  (monstram)  deuten  lassen,  vgl.  mhd.  kun- 
der. Nicht  befriedigend  zu  erklären  vermag  ich  das  alt- 
schwed.  vipskipH,  welches  im  Vestgötalag  für  Zauberei,  doch 
nicht  die  schwerste  sondern  durch  kirchenbufse  zu  tilgende 
vorkommt:  far  konä  mefi  vipsk^btm  p.  153;  vfirj^er  taken 
m^  fnpskipphm  p.  228;  convictus  de  widskipbim  p.  321 ; 
es  ist  deutlich  das  heutige  eidskepebe  superstitio;  skipa  ist 
sonst  ordinäre,  facere  und  in  vid  muTs  das  unrechte,  uner* 
laubte  liegen. 

Schon  in  der  edda  kommt  seUtr  im  sinn  von  Zauber 
vor:  ^seiä  hon  kunni'  keifst  es  Siem.  4^  von  einer  vaia 
oder  vötva,  seidbemetbr  Siem.  118*  sind  zauberer,  welchen 
völur  und  vitkar  zur  seite  stehn.  noch  häuSger  wird  der 
ausdruck  in  den  sagen,  wäre  zu  schreiben  *egdr  (fornaid. 
sog.  2,  130  steht  so  in  einem  gedieht),  so  ergäbe  sich  die 
leichteste  ableitung  von  sioda  (coquere),  zugleich  wieder 
berührnng  mit  dem  goth.  säu^s  (s.  35).  $ei^adr  ist  Zau- 
berer, seidkonüy  seydkona^  kluge  frau,  die  sich  aufs  sieden 
nnd  kochen  zauberkräftiger  heilmittel  versteht  *).  Indessen 
erscheint  seidr  deutlich  als  ablaut  von  Ma  (Yngl.  saga 
(c.  16.  17),  Loki  wirft  dem  Odinn  vor,  dafs  er  gezaubert 
habe:  '^ik  stda  kodo'  S»m.  63*,  und  nie  habe  ich  dafär 
sioda  gefunden,  so  dafs  beide  Wörter,  wenn  schon  ver- 
wandt, geschieden  bleiben  oder  erst  in  einem  übertritt  aus 
der  vierten  in  die  fünfte  ablautsreihe  gerechtfertigt  werden 
müssen. 

Das  ahd.  pw)%anj  ags.  Mian  ist  emendare,  aber  auch 
mederi,  dem  übel  abhelfen,  heilen;  noch  jetzt  bat  in  West- 
falen böten^^)  bezug  auf  alte  zaubermittel  des  volks,  gegen- 
über der  gelehrten  arzneikunst  (abergl.  873),  der  teutonista 


*)  seydr  oder  $audr  dichterisch  ein  Dame  des  siedeoden,  kochen- 
den  feuers,  *A  seydi  bera'  Sero.  54«  anfs  feuer  setzeta ,  zom  kochen 
tragen,  sieden  lassen. 

**)  Roth  de  nomin.  Tet.  Germ.  med.  p.  139« 


ZADBEft  960 

stellt  bauen  syaonym  auf  mit  zaubern ,  auch  mnl.  ist  AI 
boeien  sauare.  Reinh.  5394  *). 

Weil  nun  kochen  der  faeilmittel  und  gifte  leicht  susam- 
men  füllt,  wird  das  ahd.  htppi^  ags.  lyf^  mhd.  lüppe  von 
Vergiftung  und  xauberei  gebraucht:  ^lüppe  u.  zouber  trtben' 
Berth.  12;  lUppanrinne  (Berth.  58)  ist  Zauberin,  gerade  wie 
sich  eeneficimn  und  eenefica  im  iat.  verhalten,  das  goth. 
hJjfjdleuei  ist  Gal.  5,  20  ^agpaiteia  ,  zauberet  und  ieisei 
wie  list  in  fumberlist  Iw.  1284.  Selbst  das  goth.  I^keis, 
ahd.  Mhhi  (medious,  im  guten,  reinen  sinn  des  worts)  Ifthhi- 
nön  (mederi)  Idhhan  (remedium)  liegt  den  ausdrücken  lä" 
chenwrinne  (zauberin]  Oberl.  bihteb.  46,  laohsnen  (quaksal- 
bern,   (zaubern}  lach$nerin  (hexe)  Stahl.  2,  150  zum  grund. 

In  hessischen  hexenacten  des  16  jh.  ist  die  übliche,  ja 
einzige  bezeichnung  des  bezauberns  derren,  d.  h.  nocere, 
wie  schon  das  ahd.  tarön  aufser  nocere.  fraudare,  officere, 
illudere  bedeutet. 

Ein  theil  der  weissagungskunst  beruhte  auf  dem  wer- 
fen und  deuten  des  lofses.  gleich  dem  Iat.  soriüegium  und 
sariUegus  (mittellat.  $ortiariu$,  woher  franz.  sorcier)  sind  in 
unserer  alten  spräche  die  Wörter  hlio%an^  mhd.  üe%en  (au- 
gurari)  Diut.  3,  107.  108.  Er.  8123.  hlioMri^  Uezcere  (augur, 
divinator)  anwendbar  auf  Zauberei,  weil  man  nun  sagte 
mittere,  jactare  sortem,  scheint  daher  die  ausdrucksweise 
entnommen :  »ouber  werfen^  jeter  un  sort,  maleficium  super 
jactare  (lex  sal.  22,  4).  mhd.  sonAer  legen  Walth.  115,  32. 
116.  23.  25.  Schwed.  ist  tjusa  zaubern,  ich  denke  A^'tisa, 
altn.  kiosa,  kiesen,  wählen,  eligere  sortem,  aber  auch  die 
vala,  die  weise  frau  und  zauberin,  ist  eine  wählende, 
valkyija. 

*)  weniger  aniiehend  sind  fremde  oamen,  z.  b.  das  ags.  dr^  roa- 
gas,  pl.  dr^as,  drjcräft  magia,  dessen  celtische  abkuafl  uns  der  be* 
kannte  name  der  drtdden  verrätb;  ir.  draoi  Zauberer,  draoidheachd 
Zauberei.  Nigrömant^  haben  schon  diehter  des  miUelalters  Ms.  2,  lOb, 
der  iist  Ton  nigrömanU  Pars.  453,  17.  617,  12  and  üsf  entspricbt 
dem  altn.  iäröu,  das  Snorri  auf  den  zauber  anwendet,  mgromattcte 
Afaerl.  2,  261;  'der  swanen  buoche  wis*  Troj.  7411;  'suochen  an  den 
twanen  huochen'  Martina  20*;  uA  lAr  etz  in  stn  swane*  iuock,  daz 
ime  der  hellemör  hat  gegeben'  Waltb.  83, 7 ;  $chwar»e  ktmsi,  Schwarz- 
künstler erst  in  spSlerer  zeit,  dies  alles  beruht  auf  einem  misTeratand 
des  gr.  vmgoftavriiu,  im  Tocabularias  von  Ulm  1475  liest  man:  '«•- 
gramatuia  dicitur  diTinatio  facta  per  nigros  i.  morluos,  Tel  super 
mortuos  Tel  cum  mortuis.*  Merkwürdig  heifst  es  Bit.  79  Ton  Toiel; 
'ein  ierc  11t  n^hen  da  bl,  dA  der  U$t  nigrSmanwi  YOn  ^rste  wart  er- 
fanden' ;  eine  andere  meinung  trägt  Herborl  9372  vor.  Nach  Spanien 
und  Apalien  zu  Sarazenen  Torsetzte  unser  MA.  gern  den  arsprung 
dieser  kanst:  'ein  fMUch  zoaber'  Ms.  2,  133*>. 


990  ZADBER 

Eine  art  Weissagungen  geschah  mit  dem  becher  (ge- 
nesis  44,  5]  aus  der  lat.  benennung  caucus  (für  scyphus) 
soll  cauculator  (capitul.  a.  789  f.  63.  capitul.  1,  62.  6,  373) 
und  coclearius  (capitul.  a.  789  $•  18.  capit.  5,  69)  entsprin- 
gen, daher  das  ahd.  cotwalari  (scenicus,  magicus)  gl.  mons. 
377.  gougulari  0.  IV.  16,  33.  ckoukelari  Georgslied  25, 
goucaltuom  (magia)  gl.  mons.  375.  goukel  (praestigium)  N. 
ps.  65,  3;  mhd  gougel,  gougeloere  Walth.  37,  ^,  nhd. 
gäiikel;  altn.  kukl  (praestigium)  kuklari  (magos);  mnl.  co- 
kelere  (bariolus)  Diut.  2,  217*).  andere  leiten  gaukler  von 
joculator,  wofür  die  milde  bedeutung  der  taschenspielerei 
zu  sprechen  scheint,  welche  wir  noch  jetzt  mit  dem  begrif 
von  gauklerei  verbinden:  es  sind  unschuldige,  zum  scherz 
und  zur  erheiterung  geübte  Zauberkünste,  t  vgl.  gougelbühse 
Walth.  38.  6.  Renn.  2244.  gougelstok  Martina  9d,  gougel- 
fuore  MsH.  3,  166»  186»,  gougelspil  MsH.  3,  438i»,  goukel- 
hüetltn  Renn.  16719  vgl.  Walth.  37,  34.  Nnh  guiehelen^ 
gochelen,  goghelen;  guichelaar;  gokelt  onder  den  hoet,  Ferg. 
2772,  die  form  guichelen  gemahnt  an  wichelen  (s.  985) 
und  wirklich  kommt  ein  ägs.  Schreibung  heeolere,  heeoh-- 
lere  (an  hveohl  rota  gemahnend)  für  vigelere  vor,  so  dafs 
man  wol  ein  altfränk.  chuigalari  vermuten  und  darauf  cau- 
culator zurückführen  möchte,  wenn  nicht  alles  andere  ent- 
gegenstände. Auch  das  böhm.  kamlo  (zauber  kauzliH  (zau- 
bern) poln.  gusla  (zauber)  guslara  (zauberer)  sei  hier  noch 
angeführt,  die  letzte  form  wäre  man  versucht  auf  das  serb. 
gusle,  russ.  gusli,  d.  i.  leier,  geige,  harfe,  das  bezaubernde 
Instrument  zurückzuführen,  wiche  nicht  poln.  gesle,  böhm. 
hausle  ab. 

Die  verschiednen  benennungen  des  Zaubers  haben  uns 
auf  die  begriffe  thun,  opfern  *),  spähen,  weissagen,  singen, 
segnen  (geheimschreiben),  verwirren,  blenden,  kochen,  hei- 
len und  lofsen  geführt. 

Sie  zeigen,  dafs  er  von  männern  wie  von  frauen  ge- 
trieben wurde.  Unser  frühstes  alterthum  hat  ihn  aber  schon 
vorzugsweise  frauen  zugeschrieben,  einflufsreicher,  kun- 
diger als  der  zouparari,  vigelere,  spämadr,  galdramadr 
scheint  die  sioupararä,  ticcey  toikkers^e,  kaktarard,  galdra" 
kona^  späkona,  ja  es  treten  andere,  fast  blofs  auf  weibliche 
Zauberkunst  bezügliche  namen  hinzu. 

Den  grund   hiervon  suche  ich   in   allen  äufseren  und 


*)  aach  wo  sieh  der  baehstabe   sträubt  ffiUt  die  berährung  auf: 
f6rD  und  forn,  gelslar  and  galsUr,  saud  und  seid,  zepar  und  zoupar. 


SAUBER  991 

inneren  verhäitnissen.  Frauen,  nicht  mSnnerfi,  war  das 
aoslesen  und  kochen  kräftiger  heilmittel  angewiesen,  wie 
die  bereitvng  der  speise  ihnen  oblag,  salbe  fertigen,  linnen 
weben,  wunden  binden  mochte  ihre  linde,  weiche  band  am 
besten;  die  kunst  buchstaben  zu  schreiben  und  zu  lesen 
wird  im  mittelalter  hauptsächlich  frauen  beigelegt.  Den 
unmhigen  lebenslauF  der  männer  füllte  krieg,  jagd,  acker- 
bau  iMid  handwerk;  weibern  verliehen  erfahrung  und  be- 
hagliche mufse  alle  befähigung  zu  heimlicher  Zauberei, 
das  einbildungsvermögen  der  frauen  ist  wärmer  und  em- 
pflnglicher,  von  jeher  wurde  in  ihnen  eine  innere,  heilige 
kraft  der  Weissagung  verehrt  (s.  84.  369).  frauen  waren 
priesterinnen  und  Wahrsagerinnen  (s.  49.  85.  86);  germa*- 
nische  und  nordische  Überlieferung  hat  uns  ihre  namen  und 
ihren  rühm  erhalten,  das  vermögen  des  sehlafwandelns  zeigt 
sich  noch  heute  gröfstentheils  an  frauen.  wiederum  aber 
muste,  von  einer  seite  her  betrachtet,  die  zauberkunde 
hauptsächlich  alten  weibern  eigen  sein,  die  der  liebe  und 
arbeit  abgestorben  ihr  ganzes  sinnen  und  trachten  auf  ge- 
heime künste  stellten  *).  Schon  Snorri  in  seiner  merkwür- 
digen äufserong  über  den  Ursprung  des  zaubers  (Yngl.  cap. 
7)  sagt,  den  männern  (karlmönnum)  sei  es  unehrlich  erschie- 
nen die  zweideutige  kunst  zu  üben,  so  habe  man  die  göt'- 
ünnen  oder  priesierinnen  (gydjur  kann  beides  bezeichnen) 
darin  unterwiesen.  Je  nach  Verschiedenheit  der  volksmei- 
nung  berühren  sich  nornen  und  völven  (s.  374.  375),  val- 
kyrien  und  schwanjungfrauen  mit  göttlichen  wesen  oder 
Zauberinnen.  Auf  diesem  allem  zusammen,  auf  einer  mi- 
schung  natürlicher,  sagenhafter  und  eingebildeter  zustände 
beruht  die  ansieht  des  mittelalters  von  der  hexerei.  Phan- 
tasie, tradition,  bekanntschaft  mit  heilmitteln,  armut  und  müs- 
siggang  haben  ans  frauen  Zauberinnen  gemacht,  die  drei 
letzten  Ursachen  auch  aus  hirten  zauberer. 


*)  *wen  man  ein  hmhi  Terbrent,  so  brent  man  wol  sehen  frawen\ 
sagt  Reisersberg  omeifs  46^.  ein  wunderaltei  lolp  bescheidet  den 
tronm.  Walth.  95,  8;  eine  keHing  fröd  ok  framsjn  weissagt  von  ei- 
nem bolz,  das  in  der  fenersbrunst  brennen  soll.  Nialssaga  194.  199. 
Schon  eine  frühe  zeit  legte  den  aUen  weitem  gröfsere  list  und  bosheit 
als  dem  tenfel  seihst  bei,  wie  die  artige  sage  von  der  alten  lehrt,  die 
friedliche  ehlente  zu  Teruneinigen  wüste ,  was  der  teufet  nicht  Ter- 
moeht  hatte,  und  dafür  tou  ihm  ein  paar  schuhe  behutsam,  weil  ihm 
vor  ihr  bang  wnrde,  auf  einem  stecken  gereicht  erhielt.  Morolf917 
--1007.  Haupts  altd.  bL  2,  81.  H.  Sachs  11.4,9.  Melander  iocose- 
ria  2»  53.  conde  Lncanor  cap.  48.  dabei  lauft  aber  keine  hexerei 
unter,  wenn  schon  in  der  ersten  bearbeitung  das  wetb  looberln  heifst 


998  EADBER 

Den  lat  ausdrücken  saga^)^  sirix,  «Irj^a**},  f>e»efiom, 
lamiaj  furia  enispricht  unser  hewe^  worunter  man  sich  bald 
eine  alte,  bald  eine  junge  frau  denkt,  und  es  kann  sciime»- 
chelnd  von  einer  schönen,  lebendigen  hexe  die  rede  sein, 
die  ahd.  form  dieses  Wortes  lautet  hasuu,  Aosusa,  Aososa 
(Graff  4,  1091);  haa^uso  (eumeniduoi)  Diut.  2,  350'  ist  gen. 
pl.  von  bazus,  hazes  (Diut.  2,  346*);  henesuftm  (fiuriis) 
Diut.  2,  337^  scheint  verderbt  aus  hegezusun?  g\,  ßmr.  21 
geben  begemse^  der  echten  vollen  form  hagwm$  oder 
hagavusa  versichert  uns  das  ags.  bägtessey  mnl.  hagetisMe 
Diut.  2,  229^  haghedi$8e  bor.  belg.  I,  119,  die  karzung 
zeugt,  wie  in  tAIanc  aus  tagalank,  für  alter  und  gangbar- 
keit des  Worts  und  dann  wäre  auch  ahd.  häzus  vorzuziehen, 
N.  Cap.  105  scheint  häzessa  zu  stehn,  Wachem.  Ib.  153, 
36),  Graffs  häzessa  zum  trotz^  Nur  selten  begegnet  ein  mhd. 
hegxse,  hexse  (Martina  90^  106*^)  hec9e  (Oberl.  bihteb.  46); 
in  der  Schweiz  sagt  man  hag»ch^  haagsch  (Stald.  2,  10); 
nach  Schmid  schw.  id.  156  heifst  zu  Ulm  ein  altes,  geizi- 
ges weih  hekkäs,  das  ist  nichts  als  hexe,  nur  anders  ge- 
schrieben. Weil  aber  neben  dem  ags.  Mgtesse  auch  &ä- 
gessßy  engl.  Ao^,  mhd.  hächel  (Ls.  2,  638)  sehweiz.  häg^ 
geU  (vgl.  sträggele)  erscheint,  mögen  die  ableitenden  buch- 
staben  der  einfachen  wurzel  kag  wenig  zufügen,  das  altn. 
adj.  hagr  bedeutet  dexter,  ariificiosus,  kann  also  ganz  den 
sinn  des  lat.  sagus  haben:  hexe  ist  ein  kluges,  verschmitz- 
tes weib.  die  altn.  spräche  verwendet  aber  weder  ein 
männliches  hagr,  noch  weibliches  hög  auf  solche  weise, 
das  schwed.  hexa^  dän.  hex  verrathen  schon  in  der  Schrei- 
bung nhd.  Ursprung.  Für  hexen  (fascinare)  gewihren  oberd. 
mundarten  hechsnen  und  damit  überein  tritt  das  altfries. 
verbum  heama  (Richth.  159,  25.  eine  hs.  hat  hoxna),  dale- 
karlisch  gilt  hagsa,  hugsa.  Noch  bis  ins  16.  17  jh.  wird 
jenen  unhäufigen  mhd.  formen  die  benennung  fmholde  vor- 
gezogen, die  eigentlich  teufelin  (s.  245)  aussagt,  diu  tin- 
holde  (Martina  170®  172®),  woneben  zuweilen  das  masc. 
unhobkerey  bei  Keisersberg  nnd  H.  Sachs  ist  unholde  der 
gewöhnliche  name;   erst   im  17.  18  jh.  gewan   dafür  hexe 


*)  saoU^  sentire  acute  est:  ex  quo  sagae  anut,  qui«  malta  scire 
Toluot.    Cic.  de  dir.  1,  31. 

**)  lex  saL  22,  67.    lex  Alam.  «da.  22  afri«,  altfrani.  eatrie  (obeo 
s.  264),    ital.  sirega,  itregona  (woher  vletteicbi  ienea  «ohweii.  $träf 
gde  a.  886);    eio    sauberer   heifat  ital.  s9regmie,     urayriiiglieh  war 
atrix,   axififl  der   nachlTOgel,   die   eule.     $tn§ei  ab  aTibua  cjoadeai 
Bominia,  quia  maleficae  mulieres  Tolalicae  dicnntur.    Featna  a.T. 


S93 

MgemMhwU.  Wo.  und  wieder  bediMt  sich  im  Yolk  eines 
mase.  hem  fiir  zauberer;  in  Schwaben  der  hemgH  (Sohinid 
273),  in  der  SokweiB  haagg,  hagg^  hak,  betrieger,  gaukler, 
a«eh  jenes  abd.  hdsau  strio  (mate.  su  «tria,  striga?  ikaam 
hiatrio?)  ktaole  BAftanlich  aeie.  Vielen  aehoo  lag  die  ver- 
gleichung  der  griech.  Hecate  ('Exuyt;]  allernächst,  .do^h 
die  buohstaben  atinsinett  bu  sehr,  gegen  die  iaulverschiiobang, 
u«d  dem  miltelalter  wfirale  wol  ein  unaspiriartes  Beate 
überliefert  worden  sein ;  weder  Ecate  noch  Hecate  erscheint 
in  «dat.  und  rema«.  qneUea  für  eauberin,  wie  soiUe  das 
wort  in  Deutschlaad  um  sich  gegrilTen  haben?  Bei  dem 
mnl.  kaghedisse  (atrix)  wäre  aber  zu  erwAgen,  dafs  nnl. 
e§kdi8$ef  egdisse^  Aoapclissd  laoerta  aiAsdrü(ät  =:  nhd.  ei- 
dechse,  ahd.  egidehsa,  ags.  ädexe  und  die  eidechse  ein 
savberduer  aa  sein  scheiitf,  mid  in  den  hexenprocessen 
wirklich  vorkommt,  dafs  hexen  statt  der  gewöhnlich  ge- 
nannten elben  eidechsen  geboren  hatten*).  Im  span.  he-^ 
ekicero  und  hechioera  finde  ich  wieder  nur  zufälligen  an- 
klang (a.  984);  das  span.  bruxa  (südtranz.  bruesche)  be- 
seichiiet  einen  unheilhringenden  nachtvogel,  und  wurde  wie 
slrix  auf  die  Vorstellung  hexe  übertragen.  Häufig  gilt  drut 
oder  drmk  für  gleichviel  mit  hexe,  genauer  unterschieden 
bedeutet  drui  den  plagenden,  drückenden  nachtmahr;  aus 
w.debem  heidoiachen  wesen  diese  drut  entsprang  wurde 
8.  394  gewieseni  es  war  leicht,  elbische  geister  des  alter- 
tbums  später  mit  meoaohlichen  Zauberinnen  zu  mengen; 
weh  6tteta,  belewiiU  (s.  441.  44})  werden  verschiedentlich 
im  hexenweaen  begegnen. 

Vorzügliche  aufmerksamkeit  verdient  aber  eine  reihe 
uns  in  den  altn.  demkmälern  dargebotner  benennungßn,  und 
hier  aehep  wir  die  zauberfrauen  zunächst  an  den  begrif  der 
riesinnen  stofsen.  troll  ist  der  allgemeine  i)ald  rieaisohe 
und  elbische,  bald  zauberische  wesen  begreifende  ausdruck 
(a.  49.3),  ao  jedoch  I  dafs  früher  die  riesennatur,  später  die 
tenflksche  vorwialtet,  tröUshapr  darf  einmal  jenem  iptun- 
mödr  (s.  496),  dann  auch  unserm  hexerei  und  zcnfter  ent*- 
spreoben.  wiederum  aber  ist  kaum  von  einem  tröUmadr, 
bättfig  von  einer  tröllkona  die  rede  und  namen  von  rie- 
ainnen  wie  fiagiy  skag»,  9k$ua  (s.  493)  werden  unbedenk- 
lich auf  Zauberinnen  angewandt,  zahlreiche  ausdrücke  sind 
8n.  210  hergezählt,  die  zum  tbeü  ^hwer  zu  deuten  noch 
lange  den  faracher  j^eschäftif  ei»  müssen,  andere  alterthüra- 
liebe  und  dichterisch  aiifg^^fste  nennt  eiuü  ,tröllkpna  seU>st 

*)  ipnfirkise^p  forschu^gAii  1 ,  260. 

Crimms  mjftkoL     S,  musyabe,  63 


994  SBIM 

Sn.  175  dem  ihr  abends  begegnenden  Bragi.  ans  der  fftUe 
dieser  benennungen  geht  ein  hohes  alter  der  zanberei  im 
Norden  and  ihre  tiefgewarzelte  berfihrnng  mit  dem  saaber- 
Wesen  des  Übrigen  Europas  hervor;  ich  werde  die  bedeut- 
samsten solcher  namen  im  laufe  der  abhandlung  anfahren 
und  erklären. 

Auf  diese  etymologische  gmndlage  der  in  betracht 
kommenden  allgemeineren  ausdrücke  lasse  ich  eine  erör- 
terung  der  Sache  selbst  folgen. 

Anheben  will  ich  aber  diesmal  von  dem  altn.  stand 
der  Zauberei,  dessen  ältere  und  wie  mir  scheint  unver- 
mischtere  beschaffen  heit  uns  vor  allen  dingen  bestätigt,  dafs 
frauen  und  nicht  männem  die  hauptrolle  dabei  überwie- 
sen war. 

Zwar  unterscheidet  edda  Sem.  118*  eöhtr,  eitkar  und 
seidberendr,  wovon  nur  die  ersten  weiblich,  die  beiden 
andern  männlich  sind,  ja  alle  drei  werden  von  VidAlfr, 
Vibneiär  und  Searthöfdi  abgeleitet,  fiber  welche  angeb- 
liche Urheber  alles  Zaubers  nichts  befriedigendes  zu  sagen 
ist ;  wie  wenn  Searthöfdi^  Scku>ar%haupi  auf  jene  sdmoane 
kunst  und  die  schwane  teuflische  färbe  insgemein  (s.  945) 
zu  ziehen  wäre?  VibneUb*  aus  vil  (favpr,  benqilacitum) 
und  meidr  (arbor)  zusammengesetzt  würde  vielmehr  auf  die 
frohe  kunst  des  dichtens  (s.  854)  gehn  dürfen.  Vid6lfr 
mag  einerlei  sein  mit  einem  von  Saxo  gramm.  122  genann- 
ten Viiolfm  ^medendi  peritus.'  Dennodi  scheinen  mir  die 
völur,  wie  sie  auch  zuerst  genannt  werden,  den  andern 
vorzuragen,  in  jenem  mit  Bragi  gewechselten  liede  (So.  175) 
wird  der  Zauberin  etMnn  (besser  wol  vilsinni,  acc.  vilsinna) 
vdAi,  d.  i.  freund  und  gefilhrte  der  völa  beigelegt;  vitkar, 
vttkar  sind  die  ahd.  wfzagon,  Weissager,  vates,  was  meiner 
deutung  des  VilmeiAr  zu  statten  kommt*  seidr  darf  nicht 
ausschliefslich  den  männern  zugesprochen  werden,  wir  sa- 
hen schon  (s.  988)  und  wollen  gleich  näher  ermitteln,  dals 
er  auch  den  frauen  gebührt,  neben  den  seidberendr  treten 
seidkondt*  auf.  beide  müssen  oft  zahlreich  in  gewissen  ge- 
genden  vorgekommen  sein ;  nach  Haralds  hftrf.  saga  cap.  36 
liefs  könig  Eirtkr  seinen  bruder  Rögnvald  und  80  seidmenn 
verbrennen.  Die  txüa  oder  f>öha  ist  Wahrsagerin,  prie- 
sterin, norn,  ein  hochheiliges  wesen  des  alterthums  (s.  87. 
380),  zugleich  auch  seiäktma.  schon  von  der  eddischen 
f>ala  heifst  es  S»m.  4^:  'seid  hon  kunni.'  solche  zauber- 
frauen  sind  HeUtr^  Hamglömy  SkuU  und  andre,  alle  ur- 
sprünglich luftreitende  valkyrien  (s.  393);  vötoa^  sAoss, 
vaUtytja  stehn  Sffim.  154^  neben  einander,     für  ihr  abend- 


SBDa  995 

Hohes,  näohtücbes  nnialreireii  im  wald  solleii  hernach  wich* 
iige  zeagnisse  aDgeffihrt  werden,  mit  ihrem  gefolge  (med 
sitt  iid)  mehen  rie  im  land  wn^  werden  ehrerbietig  von 
den  menschen  eingeladet,  bewirtet,  zu  weissagen  aufgefor-^ 
dert  sie  thun  es,  auf  vierbeinigem  stul  oder  schftmel  (setd^ 
kiaUr)  sitsend.  es  heifst  efla  seid  (zauber  festigen,  au 
stand  bringen)  fornald.  sog.  2,  72.  3,  318;  setja  seid  (z. 
setaen)  das.  1,  97;  seidrinn  verdr  erfidr  (wird  gearbeitet) 
das.  1,  12;  fiBra  ä  hiallimm  (auf  den  stul  führen)  das.  2,  72. 
Die  jüngeren  sagen  schildern  sichtbar  schon  mit  verficht- 
liehen  zfigen.  im  gefolg  der  SkM,  heifst  es  fornald.  sog. 
1,  97,  fanden  sich  elbe,  nornen  und  anderes  gezücht  (ftifar 
ok  nornir  ok  annat  illfi^di).  HeiJbr  ffthrt  noch  mit  15 
Jünglingen  und  15  Jungfrauen  einher  (das.  2,  165.  506), 
Oddr  aber  hftU  sie  gering,  redet  sie  an  'allra  kelilnga  ör- 
musf  (armseliges  altes  weih)  das.  168.  508.  auch  fornro; 
sog.  3,  212  wird  solcher  land  fahrerinnen  gedacht,  die  den 
leuten  wahrsagen,  und  wiederum  heifst  es  das.  214:  Wöl- 
van  armaf  (unselige  zauberin),  wie  im  dän.  Volkslied  ^usle 
havfrue'  (DV.  l,  HO)*),  könig  Fr6di  wollte  sidi  von  der 
völva  Heidr  wahrsagen  lassen:  giördi  bann  f>a  gilda  veizlu 
t  m6ti  benni,  ok  setti  hana  ä  seidhiall  einn  häan,  .  .  ok 
svara  mer  sem  skiotast,  seidkonal  (fornald.  sog.  1,  10). 
da  sie  zaudert  und  nicht  alles  aussagt,  droht  er  ihr  mit 
gewalt:  {>ik  skal  pina  Hl  sagna  (1,  11.  12)**).  Merkwür-- 
dig  ist  aber,  dafs  der  seidr  naddSj  wenn  die  menschen 
schlafen,  von  den  völven,  die  saimi  ihrem  gefolge  aus* 
fahren y  bereitet  wird:  menn  f6ra  at  sofa,  en  völva  fdr  Hl 
n&ttfars  seids  med  siii  Ud  (das.  2,  166),  in  der  parallel- 
steile  heifst  es:  gekk  hun  f»A  üt  med  Udi  stnu,  er  idrir 
gengu  til  svefns,  ok  efldi  seid  (das»  2,  507).  Ketill  erwachte 
nachts  von  heftigem  gerftusch  im  walde,  lief  heraus  und 
sah  eine  zauberin,  mit  fliegenden  haaren  (sA  tröUkonu,  ok 
fdll  fax  ft  herdar  henni);  auf  sein  befragen  sagte  sie  ihm, 
er  möge  sie  nicht  aufhalten,  sie  müsse  zur  siauberversam'^ 
hmg^  dahin  komme  Skelking,  der  geister  könig,  aus  Durobs- 
haf,  Oiöii  (ohnefufs)  aus  Ofdtansfird,  Thorgerdr  Hdrgatröil 
und  andere  mächtige  geister  von  Norden  her  (ek  skal  tili 


*)  arm,  gering,  unselig,  elend,  annui  Ursache  der  Zauberei  und 
hexerei  (s.  991.)  armer  würsage,  wissage.  Freid.  124,  1.  Ms.  2,  176> 
und  anm.  zu  Freid.  p.  372. 

•*)  »fia  lAl  hann  taka  Finn  einn  er  margfrödr  yar,  oo  vildi  neydil 
bann  til  aadrar  sögu,  oc  pkuU  kann,  oc  feck  ^6  eoki  af  hönum'.  sagt 
BAlfdtnar  srarU  eap.  8. 

63* 


996  SCiM 

trölla^tngKir ,  )iar  kemr  Skelklngr,  norAMi  or  Dumbshafi  ko** 
HÜlngr  trMla,  ok  Oföti  ur  OMtansfirdi,  ok  Tborgerdr  Hör* 
getröll  ok  adrar  stdrvsttir  norden  ur  iandi)  formn.  iög.  1, 
131.  Jenes  nAcbtliche  ausfahren  und  saabern  nannte  man 
sUja  üH  (Biörn  2,  251*  erkllirt:  sub  dio  nocturnis  incan-* 
taiionibus  operam  dere);  im  narweg.  reeht  heifsen  die  aus- 
farten  ^Hsetor  und  aufweckungen  der  saubergeister :  'spd- 
Tarar  ailar  oc  ütisetor  at  vekja  troll  upp,  ob  fremja  med 
fivt  hetdni.'  Gulatk.  p.  137.  Von  den  zwecken  der  nord. 
Zauberei  nur  einige  beispiele.  man  gab  den  Zauberinnen 
geld,  damit  sie  stürm  erregten:  'sendu  eptir  seidkonum, 
tveimr.  Heidi  ok  Hamglüm,  ok  g&fu  ^dm  K  iil,  ai  pcer 
sendi  ioeAr  .  .  .  f^cer  leßdu  seürnuy  ok  terdust  ä  hiallinn 
med  göldrum  ok  giömingum.'  fornald.  sog.  2,  72.  der  zau-^ 
ber  machte  menschen  fest  gegen  waffen  und  unverwundbar: 
'var  seidt  at  Hataldi  at  bann  skyldi  eigi  bUa  iam'  das. 
1,  374.  'f>eir  l^tu  seida  at  Ögmundi,  svd  at  bann  skyldi 
engi  tarn  bita  atkvsdalaus/     das.  2,  241. 

Man  kd-nnte  einige  züge,  die  mit  der  nachher  zu  lie- 
fernden darsteUüHg  des  hexenwesens  Übereintreffen,  für  er- 
borgt halten,  ich  zweifle  daran,  zwar  ist  die  nächtliche 
Zusammenkunft  bei  Skelking,  Oföti  und  Thörg^d  nicht 
recht  im  geist  des  alth.  glaubens,  kann  aber  im  Norden 
selbst  durch  aihnälidies  abstufen  ftlterer  Vorstellungen  sich 
erzeugt  kaben.  kein  teufel  wird  dabei  genannt,  obwol  der 
nnfofsige  an  den  pferdefiifsigen  erinnern  mag.  das  nord. 
trMapIng  gleicht  vielmehr  der  zusammenkitnfl  unserer  nachi' 
fraueHy  die  ich  aus  weisen  freuen  und  vöiven  erUspran« 
gen  glaube  und  dafür  gewährt  das  nächtliche  ausfahren  der 
Heidr  mit  ihrem  gefolge  von  dreifsig  leuten,  und  der  Skuld 
mit  elben  und  nomen  vollkommenste  bestätigung.  Tbor- 
gerd,  Skuid,  Heid  siud  wie  Halda,  Berhta  echtheidmsche 
halbgöttinnen  9  an  die  sich  der  zauberhafte  reigen  schliefst, 
aie  erregen  stürm  und  wetter,  machen  unverwundbar  und 
weissagen.  Ihr  seiäkiaUr  mit  eter  «töfeen  oder  spüren 
(st^lpar,  stiklar)  fornald.  sog.  1,  12.  3,  319  hat  im  deut- 
schen hexentham  seines  gleichen  nicht,  gemahnt  uns  aber 
des  dreifu/ses  der  delphischen  Weissagerin ;  vielleicht  Ufst 
sich  auch  deutschen  nachtfahrerinnen  bei  fernerer  nachsu- 
chung ein  dreifu/s  vindicieren,  zumal  dies  geräth  sonst  in 
alter  heiligkeit  steht  (RA.  80.  189.  2(^);  vgl.  anh.  L.U.  das 
setzen  auf  den  dreifufs  und  abergl.  111  das  verbot  einen 
leeren  dreifufs  aufs  feuer  zu  bringen,  Skuld,  hier  königin, 
zaubert  in  einem  schwarzen  zeit,  aal  ihrem  seidhiallr:  sat 
t  slnu  svarta  tialdi  ä  seidhialli  stnum,   skipttr  nft  avA  am. 


IBXBN  991 

Sern  diiBDi  nfrtt  komi  eptir  biartan  dag.  foraaM.  8ög.  1,  lOft^ 
Bei  den  nord.  Zauberinnen  herschl  noch  die  gäbe  und  das 
bedürfni»  der  weissagyng  vor,  die  bei  den  deutschen  nacht- 
frauen  und  hexen  zurücktreten.  Andere  zttge  des  nordi- 
schen zauberglaubena  flechte  ich  lieber  der  nun  folgenden 
darstellung  unarer  eignen  alterthümer  ein. 

Das  christenthum  bat  den  begrif  zaubertibender  weiber 
als  heidnischen  nicht  blofs  bei  Römern  und  Griechen,  son- 
dern auch  Gelten  und  Germanen  vorgefunden,  aber  vielfach 
verändert;  Vorstellungen  der  ketzer  und  was  man  diesen 
zur  last  legte  mischte  sich  darunter  und  aus  allem  zusam- 
men mufs  die  Zauberei  erklärt  werden,  bis  auf  die  jüngste 
zeit  ist  in  dem  ganzen  hexennoesen  noch  oflbnbarer  zfMom- 
menhang  mit  den  opfern,  und  der  geisterwelt  der  alten 
Deutschen  zu  erkennen.  Hieraus  ergibt  sich  die  Ungerech- 
tigkeit und  Ungereimtheit  der  späteren  hexenverbrennungen 
von  selbst. 

Ein  uraber  unter  alle  Völker  gedrungner  wahn  leitet 
aus  der  Zauberei  das  vermögen  ab,  die  gestalt  zti  bergen 
und  zu  wandeln.  Zauberer ,  pflegten  in  wölfe ,  Zauberinnen 
in  katzen  ilberzugebn;  der  wolf  war  Wuotans,  die  katze 
der  Froüwa  heiliges  thier^  zweier  götter  die  es  vorzugs- 
weise mit  Seelen  und  geistern  zu  thun  haben,  der  zauber- 
kwdige  nahm  eine  larve,  grima  (s.  218)*]  einen  troUsham 
vor,  mittelst  deren  er  sich  unkennbar  machte  und  rasch 
durch  die  lüfte  fuhr,  wie  die  geister  grtmhelme,  helid- 
helme  (s.  432)  anlegten;  den  begrif  der  zauberin  sehen  wir 
häufig  dem  der  larve^*)  begegnen,  die  leges  Roth.  197.379 
setzen  etriga  quod  est  magca;  etriga  quae  dicitur  masca. 
dieser  letzte  aasdruck  soll  im  verfolg  weiter  besprochen 
werden. 

Den  Zauberinnen  steht  aber  auch  vogelgestalt ,  feder- 
kleid,  namentlich  das  der  gans  zu  gebot,  alterlhümlich 
aufgefafst  des  schwans,  und  sie  gleichen  schwanfrauen, 
walkyrien,  die  durch  alle  lüfte  fliegen  und  sich  zur  schlacbl 
versammeln,  von  der  Vorstellung  des  Zaubers  ist  die  des 
flugs  und  ritts  durch  die  luft  (s«  398)   unzertrennlich,   und 


*)  und  Grima  ist  altn.  name  fär  eine  zanberin  so  wie  Grfla  (die 
grauen,  greuel  erweckende).    Sa.  210*. 

**)  sollte  hagehart  (larya)  gl.  herrad.  189*  mit  bag  in  hagezua« 
ZDaammenhisgeu?  sonst  heifst  larve  auch  schemhart,  wovon  ander- 
wärts ausführlicher;  bei  yermuromuogen  wurden  bfirtige  larven  Tor- 
geDommen.  ich  bin  sogar  versucbt  den  zweiten  theil  Ton  hagazusa 
aus  ftussa  (lodix),  oder  zusa  (ciagulum,  strophium)  Graff  5,  711  zu 
erklären,   vgl.  mhd.  oüse  (eir nu)  Diut.  1,  43a  459.  460. 


998  HBtfiM 

cKe  alte  Thrüldr  wird  zor  drut  (s.  d94),  die  Rolda  zur  tin- 
holdm.  gleich  den  holden  geistern  ziehen  unholde  mit  dem 
wütenden  heer  in  den  luften.  sie  sammeln  sieh  in  hwnfen 
zu  gemeinschafllichem  amt. 

Hiervon  sind  also  heidnische  opferbrfinche  gar  nicht 
auszuschliefsen.  Schon  unsere  ftitesten  volksrechte,  zumal 
das  salische,  wissen  von  ^iusammehkiinften  der  hexen  «um 
kochen  y  und  ich  erinnere  an  jene  gotländischen  sudnautar 
(oben  s.  50)  beim  opfer.  lex  sal.  cap.  67  ist  als  ehrenrüh- 
rigste schelte  hervorgehoben,  dafs  ein  mann  hexehkesseU 
träger  geheifsen  werde:  'si  quis  alterum  chervioburguro, 
hoc  est  sirioporHum  clamaverit,  aut  illum  qui  inium  dicitur 
portasse,  ubi  sirias  (d.h.  Striae)  cocinanV  chervioburgus 
habe  ich  RA.  €45  zu  deuten  gesucht*),  wer  sich  hergibt 
den  hexen  ihr  geräth  zu  tragen  wird  mfinnern  verächtlich; 
er  kann  auch  blofs  strioportius,  hexenträger  heifsen,  sie 
haben  ihn  dazu  gedungen,  eines  solchen  kesselirägen 
erwähnen  freilich  die  jüngeren  hexensagen  nicht,  zu  ihren 
versamlungen  nehmen  sie  aber  häufig  einen  spiebnann^  der 
ihnen  zu  mahlzeit  und  tanz  aufpfeifen  mufs,  ohne  gerade 
theilnehmer  der  Zauberei  zu  sein,  und  dieser  liefse  sich  je- 
nem handlanger  vergleichen.  Die  worte  *ubi  Striae  eodnant 
(andere  hss.  coquinant,  cucinant,  die  lex  emend.  fehlerhaft 
concinunt)  setzt  gemeinsames  kochen  und  sieden  (seydr, 
S.988)  mehrerer  Zauberinnen  voraus.  Im  Macbeth  kommen 
drei  hexen,  die  aber  noch  weirdsisters  (s.  378)  heifsen,  also 
an  die  alte  bedeutung  von  drüt  erinnern,  auf  einer  beide 
und  in  einer  hole  zusammen,  um  in  ihrem  cautdron  zu 
sieden,  sie  sind  weniger  teuflische  zauberweiber,  als 
Schicksal  verkündende  weise  frauen  oder  priesterinnen,  die 
aus  dem  kessel  weissagen  (s.  49). 

Die  shakspearischen  hexen  gleich  neben  den  alten 
Wahrsagerinnen  der  Cimbern,  neben  dön  strigen  des  sali- 
sehen  gesetzes  zu  nennen  scheint  gewagt;  es  gibt  aber 
hier  noch  andere  anknüpfungspuncte  der  ältesten  an  die 
jüngere  zeit. 

Cap.  XX  bei  abhandlung  des  heilawAc  habe  ich  mit 
vorbedacht  die  sabquellen  unerwähnt  gelassen,  um  ihre 
heiligkeit  hier  in  unmittelbare  beziehung  auf .  die  spätere 
hexerei  bringen  zu  können.    Tacitus,  in  einer  vielfach  wich- 

*)  Leo  erklärt  jetit  ans  dem  celtischen :  bwrgiiu  sei  der  treue, 
bewaoheode,  also  diener,  ehertfio  die  kluge  fran,  zauberin,  tod  gear, 
klug  uod  bhith ,  bhe  weih :  sagae  minister,  auch  sttioporihu  ver» 
gleiche  sich  dem  welschen  jstrjr.ws  klug,  portius  dem  welschen 
portbi  1^  helfend,  dienend,    dies  hat  alles  noch  viel  bedenken. 


SALZ  999 

tigen  tlkUe^  anii.  13,  57  berichlet:  ^eadem  aestate  inler 
Hermunduros  Chattosque  certatum  magno  praelio»  dum  flu- 
OMB  gignendo  sale  foeeundnm  6t  contermiDom  vi  Urabunt; 
super  Ubklinem  cancta  armis  agendi  religione  insita,  eos 
maxime  locos  propinquare  coelOy  precesque  mortalium  a 
dm  nusquam  propius  audiri.  iiide  indulgentia  numinum 
iüo  in  amne  Ulisque  sikris  salem  protenire,  non  ut  alias 
apud  gentes  elovie  maris  arescente,  sed  unda  super  arr 
deAtem  arborum  struem  fusa,  ex  contrariis  inter  se  ele- 
mentis  igae  atque  aquis  concretum'*).  Um  satzquellea 
kriegten  auch  Burgunder  und  Alemannen:  'Burgundii  sali- 
narum  finiumque  causa  Alamannis  saepe  jurgabant'  Amm. 
Marc.  28,  5.  Dars  nicht  blofs  in  Germanien,  -anch  in  Gal- 
lien saia  durch  aufgufs  auf  glühenden  brand  gewonnen 
wurde,  versichert  Plinius  31.  7,  39:  'Galliae  Germaniaeque 
ardentibus  lignis  aquam  salsam  infundunt' ;  darum  .  können 
auch  die  gebrauche  dabei  Gelten  und  Deutschen  gemein 
gewesen  sein.  Solcher  salzhaltigen  flüsse  gab  es  nun  schon 
damals  in  Deutschland  ohne  zweifei  manche  und  es  Mst 
sich  kaum  bestimmt  sagen,  welcher  von  Tacitus  gemeint 
ist**),    sie  quollen  auf  bergen,    in  heiligen  Wäldern,   man 

*)  sed  bellum  Hermunduris  prosperam,  Chattis  ezitio  fuit,  quia 
Tietores  diTersam  aciem  Marti  ac  Merourio  sacrayere :  qao  TOto  equi, 
Wri,  euncia  vieia  occidioni  dantur.  et  minae  quidem  hostiles  in  ipsos 
Tertebant  Dieser  merkwürdigen  worle  (s.  38. 109)  sidd  ist:  die  Chat- 
ten auf  den  fall  des  siegs  hatten  das  feindliche  heer  (diversam  aciem) 
dem  Mars  und  Mercur  geweiht;  dies  gelühde  rerbindet,  pferde,  min- 
ner, alles  lebendige  was  besiegt  worden  ist,  su  opfern,  mit  dem  to- 
tum  hatten  die  Chatten  gedroht,  der  siegende  feind  erfüllte  es  als  das 
seinige.  man  darf  nicht  annehmen,  dafs  von  beiden  theilen,  am  we- 
nigsten dafs  Ton  den  Hermunduren  dem  Mars,  Ton  den  Chatten  dem 
Mercur  gelobt  worden  war;  dann  stünde  der  schlufs  mufsig.  auch 
scheint  mir  die  eigenthumlicbkeit  des  grausamen  gelübdes  eben  darauf 
zu  beruben,  dafs  es  beulen  Hegterleihem  (s.  122.  179)  zugleich  geschah, 
rielleicht  fielen  Wuotan  die  minner,  Zio  die  frauen,  kinder  und  thiere 
anheim,  nichts  durfte  leben  bleiben,  wäre  nur  einem  gott  gelobt  wor- 
den, so  hitte  sich  dieser  an  einem  theile  der  beute  genügt;  darum 
bemerkt  auch  Tacitus,  dafs  ein  solches  gelühde  besonders  Terderblich 
war.  Aus  der  stelle  ergibt  sich  dafs  Zio  und  Wuotan  bei  Chatten  und 
Hermunduren  verehrt  wurden ;  römische  yorstelloogen  Ton  Mars  und 
Mercur  liegen  fern,  sollten  die  rosse  Tor  den  männern  genannt  sein, 
um  auszudrucken,  dsfs  jene  dem  Zio,  diese  dem  Wuotan  zufallen?  denn 
dem  Mars  werden  ja  thiere  gebracht  (Germ.  9).  Dafs  man  die  auf 
der  wahlatitte  fallenden  dem  gott  weihte  bezeugt  Hervar.  sag.  454: 
Heidrekr  fal  Odni  aUan  pann  val  er  par  haßi  faüii  til  irb6tar. 

**)  auffallend,  wie  sich  in  benennungen  der  salzflnsse  und  örter 
gewöhnlich  die  wurzeln  ktd  und  »al  begegnen,  die  ursprünglich  beide 
den  heiligen  stof  ausdrucken  (aXq,  uioq  und  sal,  salis;  heim  Wechsel 


lOeO  HEXElIi    8ALZ 

betrachlete  ihren  ertrag  erb  dei'  ifalieit  goUheit  viMÜtelbare 
gäbe,  besitz  der  slätte  sohlen  blutiges  krieges  werlb,  g^ 
winnung  and  austheilung  de»  sfthes  ein  heiKges  geschifl; 
wahrsol^inlicb  waren  opfer  uad  Volksfeste  mit  dem  sab* 
sieden  verbunden? 

Wenn  min  etwa  frauen  oder  priesterinnen  ^  berei- 
tui>g  des  salzes  varwalteteA^  wedn  der  sabbes$el  unfdr 
ihrer  aufsieht  und  serge  stand;  so  wäre  eiD  zusaftimenhang 
des*  salzsiedens  mit  der  späteren  Volksansicbt  von  der  hexe^ 
rei  nachgewie^n:  tut  gewissen  festlagen  bellen  sieh  die 
hexen  in  dem  heiligen  wald,  auf  dem  berge  ein,  wo  das 
salz  sprudelt,  kochgerälha,  iöffisl  und  gabeln  mit  sich  ftth^ 
rend;  naehts  aber  glüht  ihre  Salzpfanne*).  Diesen  veN 
mutungen  zu  statten  kommt  ein  gedieht  der  Wiener  bs. 
428,  154<^  von  StHcker  odet  einem  seiiler  lands  und  Zeit- 
genossen,   welches  ich  hier  einschalte. 

Ich  bin  gewesen  ze  PortigAl 
und  ze  Döi^t  sunder  tw^l, 
mir  ist  kuAt  KalatrA  daz  lant , 
da  man  di  besten  meiater  vant 
ze  Gholn  und  ze  Parts 
d^  sint  di  pf äffen  harte  wis 
di  besten  vor  allen  riehen. 
dar  fuor  ich  wanrlichen 
Diwan  durch  diu  mnra, 
waz  ein  unholde  wasre? 
daz  gehdrt  ich  nie  gelesen  i 
wai  ein  unkolde  müge  wesen. 
daz  ein  wtp  ein  ohalp  rite, 
daz  wasren  wunderltche  site» 
ode  rit  üf  einer  dehsen , 
ode  M  einem  hüspesem 


zwischen  H  und  S  scheint  jenes  oft  alterthumlicher  oder  deutscher, 
▼gl.  die  parlikel  harn ,  sam ;  haso ,  sasa ;  hTeits ,  sv^tas).  4n  pago 
Sah^eyre  in  illo  fönte  uhi  naseitur  satf  trad.  fuld.  t ,  88.  HaUe  an 
der  Säle  in  Sachsen,  Halle  im  RaTensbergischen ,  Hall  am  Rocher 
(sieder?)  in  Schwaben,  Hallein  an  der  Salia  in  Baieru,  Hau  und 
Hallstadt  in  Ostreich,  Hall  im  Tiroler  Innlhal,  Alleudorf  f.  Hallendorf 
in  Hessen,  und  andere  örter  mehr  haben  Salzbrunnen  und  aalzwerke; 
aowol  der  name  Halle  als  Sala^  Saltaha  beziehen  sich  auf  das  salz, 
warum  aber  haben  flüsae  die  S ,  Städte  die  H  form  ?  Soll  kalk 
blofs  die  hätte  oder  kote  (taberna)  bezeichnen ,  welche  zum  betrieb 
der  saline  gebaut  ist  (Frisch  1,  401),  so  würde  dieser  allgemeine 
sinn  fast  für  alle  dörfer  passen,  in  denen  hülten  Stefan. 

*)  ahd.  salzsuli  (salina)  salzsöt,  ags«  aealtseid  (salzbrunne).  nach 
emer  stelle  bei  Ihre  s.  y.  geid  liefse  sich  dieser  ausdruck  (Torhin  s. 
986)  unmittelbar  auf  salzsiedeo  beziehen;  statt  soHt  eoctura  ist  abar 
zu  lesen  iaUs  coctura. 


vmm.  UiM  tooi 

ob  des  al  diu  weit  8wö«re 

doch  wolde  ich  itn  nimmer  gejebeo, 

ich  enhet  ei  mit  mfnen  ougen  geseheOi 

warnd  iS  loürde  uns  nimmer  Hure 

Sm  fols  Vd«  dem  fuigekiure, 

•b  eio  wfp'eineo  oTewtft^  über  schrill 

und  dea  gegen  HuUe  rUe 

über  berge  und  über  tal» 

daz  si  t»te  deheioen  yal, 

dät  gelonbe  ich  niht,  «wer  d»z  seif, 

und  ist  ein  verlorniu  iirb«il; 

und  das  ein  iri/^  ein  lib  tribe 

sunder  yleisch  und  sunder  nbe« 

dA  niht  inne  wsre, 

da2  sint  aUez  gelogniu  msere. 

daz  ein  w!p  eift  man  iber  schrite 

und  im  stn  herse  dt  snite, 

wie  s«me  daz  einem  wlbe, 

das  si  snite  üs  einem  Übe 

ein  herze,  und  stieze  dar  tn  strö, 

wie  möhter  leben  ode  werden  fr6 1 

ein  mensche  muoz  ein  herze  habi^n, 

es  habe  sirf  od  si  bescbeben. 

leh  wil  itt  sagen  msere» 

waz  stn  rehte  unholdiere: 

daz  sint  der  herren  rütgeben 

di  ir  dre  furdern  seiden  und  leben, 

di  sifleüt  in  zuo  den  6ren 

und  machent  si  te  l6reii, 

si  niesent  ir  erbe  und  ir  lanl 

und  lizent  och  si  ze  haut         ' 

scheiden  von  ^en  und  Ton  guote 

Ton  TTÖuden  nnd  h^hem  mnote. 

dits  ist  ein  würez  mnre: 

di  selben  ooholdere 

di  sougent  ük  herze  unde  bluoty 

daz  yU  mangem  herren  nchaden  tuet 

Unter  Halle  ist  hier  wahrscheinlich  das  östreichiscbe, 
bairische  gemeint,  und  damals  herschte  in  ienen  gegenden 
also  noch  der  Volksglaube,  dafs  die  unholden  auf  besen, 
ofengabel  oder  reis  (Schm.  s.  v.  dächsen,  vgl.  diesse  oben 
6.  248),  über  berg  und  thal  gen  Halle  ritten.  Wähnte  man, 
dars  sie  sich  dorther  ihren  salavorrath  nach  haus  holten? 
fast  scheint  es  aus  den  worten  2u  folgern:  wenn  ihm  so 
sei,  würden  sie  ihren  nachbarn  das  salz  nicht  theuer  ma-  , 
eben  (wegnehmen).  Da  auch  Christen  kraft  und  nothwen-- 
digkeit  des  salzes  anerkannten,  so  begreift  es  sich,  wientm 
umgekehrt  den  teuflischen  hexenversamlungen  das  wolthtt- 
tige  saisi  abgeiprochen  und  als  Sicherungsmittel  gegen  alle 
Zauberei  angesehn  werden  konnte  [abergl.  no,  lH2j.    denn 


100t  HEXEN.    SiXZ«    PffBRBSFLBISGH 

der  hexenküche  und  den  leoflisehen  maUseitea  feUi  gerade 
das  eab  *) ,  die  kirche  hatte  jetzt  die  heiligang  und  wei- 
hung des  Salzes  ttbernommen.  Neben  das  ungetaufte,  aus- 
gesetzte kind  pflegte  man  zur  Sicherung  salz  zu  legen  (RA. 
457).  Die  auswandernden  Salzburger  tauchten  den  benetz- 
ten finger  in  sab  und  schwuren.  Zauberern  und  hexen 
wurde  misbrauch  des  sal%es  zur  taufe  von  thieren  schuld 
gegeben.  Ich  finde  hier  der  erwähnung  werth ,  dafs  die 
zauberkräftigen  riesinnen  der  edda  nicht  allein  gold  sondern 
auch  sah  zu  malen  verstanden  (Sn.  146.  147)  und  durch 
jenes  ruhe  und  friede,  durch  dieses  seesturm  folglich  Un- 
wetter herbeigeführt  wurde. 

Gleich  bedeutsam  scheint  mir  die  anwendung  des  pferde-- 
fieisches  und  überhaupt  des  pferdes  unter  den  Zauberern 
und  hexen,  es  ist  s.  41  gelehrt  worden,  dafs  die  Heiden 
ihren  göttern  pferde  opferten  und  die  neignng  zum  genufs 
des  Pferdefleisches  noch  lange  zeit  verhafst  blieb  und  als 
hinneigung  zum  heidenthum  ausgelegt  wurde;  erst  heutzu- 
tage beginnt  der  Widerwille  vor  dem  essen  eines  so  reinen 
tbiers  zu  weichen,  den  hexen  wurde  nun  schuld  gegeben, 
dafs  sie  in  ihren  Zusammenkünften  diese  speise  liebten, 
d.  h.  noch  heidnischer  opfer  pflägen.  Henry  Boguet  in 
seinem  discours  execrable  des  sorciers,  Ronen  1603  p.  82. 
83  erwähnt  nicht  nur:  ^qu'il  y  avoit  une  grande  ckmdiere 
sur  le  feu,  dans  laquelle  chacun  alloit  prendre  de  la  chair\ 
und  'mais  il  n'y  a  iamais  du  seVy  sondern  auch  ausdrück- 
lich 'que  la  chair  n'est  autre  chair  que  de  cheuaV  Nimmt 
man  hierzu,  dafs  das  aufrichten  der  pferdehäupier  [sAi]^ 
mit  jenen  opfern  zusammenhängen  mufs ,  ins  Johannisfeuer 
pferdehäupter  geworfen  werden  (s.  585),  jener  spielmann 
der  hexen  in  ihren  Versammlungen  oder  andere  gespenster 
(s.  809)  auf  Pferdeköpfen  dudeln  ***) ,  während  der  teufel 

*)  ebenso  Ififst  man  ihnen  das  gleich  nothwendige  broi  abgefao; 
ohne  sweifel  buken  die  Heiden  zu  ihren  gelagen  und  opfern  nicht 
anders  als  die  Christen. 

**)  über  dies  anheften  hat  Festns  merkwürdig  einstimmende  stel- 
len: OeloUr  epnu  appellttar,  qni  in  campo  martio  mense  ocL  im- 
molatur.  de  cujns  eafUe  non  levis  contentio  solebtt  esse  ioter  Sn- 
buranenses  et  Sacrarienses ,  ut  hi  in  regiae  pariete ,  illi  ad  turrim 
Mamiliam  id  figereni;  ejusdemque  coda  taota  celeritate  perfertor  in 
regiam,  ut  ex  ea  sanguis  desliliet  in  focum  parlicipandae  rei  dimae 
gralia.  nnd:  PtuUius  redimibant  eafmi  equi  immokui  idibns  oclo- 
brtkaa  in  campo  martio,  qoia  id  saerifieiam  fiebat  ob  fragum  eren* 
tum^  et  equtts  potius  quam  bos  immolabaUir,  quod  hie  hello,  bof 
frugibus  pariendis  est  aptus. 

***)  spielmann  auf  pferdehopf  pfeifend ,  geigend.  Trierer  seien 
•.  203.    Siegborger  8.22a  239.  todlenkopf  rar  gither.  Remigios  145. 


■BXSNPART  1003 

mit  pferdefuJi  erscheint  imd  auch  aas  pferdikmfem  gvlnin- 
ketk  wird,  so  gewinnt  dies  alles  ein  nodi  alterthtiniUclieres 
anselin  heidnischer  opferbrftuche. 

Stand  aber  die  altheidnische  zoberoitong  und  ansthei- 
lang  des  geheiligten  salzes,  der  genofs  des  pferdefleisehes 
in  bezug  auf  opfer  und  volksversamlungen ,  welche  häufig 
mit  einander  verbunden  waren,  so  lehren  und  bestätigen 
ihn  auch  alle  übrigen  eigenthümlichkeiten  der  hexeafarten. 
zeit  und  ort  lassen  sich  gar  nicht  anders  erklären. 

Es  ist  bekannt,  dafs  allgemein  in  Deutschland  ein  jähr- 
licher hauptauszug  der  hexen  auf  die  ente  mamackt  (Wal-- 
purgis)  angesetzt  wird,  d.  h.  in  die  zeit  eines  opferfestas 
und  der  alten  maitersamlung  des  volks.  Am  ersten  mai 
wurden  noch  lange  Jahrhunderte  vorzugsweise  die  uagd»ot-* 
nen  gerichte  gehalten  (RA.  822.  824),  auf  diesen  tag  fiel 
das  &öhliche  maireiten  (s.  736.  737),  das  anzfinden  des 
heiligen  feuers  (s.  579):  der  tag  ist  einer  der  hehrsten  des 
ganzen  heidenthums*).  Werden  aber  zwei  oder  drei  hexen- 
feste genannt,  zu  pfingsten  und  im  herbst,  auf  Walpurgis, 
Johannis  und  Bartholmaei,  so  erscheinen  wiederum  die  üb* 
liehen  feiertage  und  gerichtstage  des  mittelalters.  dänische 
hexenprocesse  nennen  Valdborg  afkai,  s.  Hans  aften  und 
Maria  besögelsesdags  aften.  Seine  dhrliche  gerichtszeit 
hätte  das  volk  nicht  den  hexen  eingeräumt,  wären  diese 
nicht  in  althergebrachtem  besitz  gewesen. 

Noch  deutlicher  zu  trifi  die  örtlichkeit,  die  hexen 
fahren  an  lauter  platze,  wo  vor  alters  gericht  gehalten 
wurde  oder  heilige  opfer  geschahen,  ihre  versamlung  fin- 
det statt  auf  der  toiesey  am  etckioaten,  tmier  der  Knde, 
unter  der  eiehe,  an  dem  Mmbaumy  in  den  zweigen  des 
baums  sitzt  jener  spielmann,  dessen  hilfe  sie  zum  tanz  be- 
dürfen, zuweilen  tanzen  sie  auf  dem  peinlichen  rickiplats^ 
unter  dem  galgetAaum,  in  der  Sandgrube.  Meistens  aber 
werden  berge  als  ort  ihrer  Zusammenkunft  bezeichnet, 
hügel  [an  den  drei  Mihelny  an  den  drei  köpehen)  oder 
die  höchsten  puncto  der  gegend.  Nicht  zu  übersehen  ist, 
wie  die  elben  und  bitweisen  in  bergen  (s.  441),  dafs  auch 
die    serbischen    vilen    und    romanischen   feen    auf  bergen 


*)  eine  rergleichung  der  hexentlioze  in  der  mainacht  mit  den 
FloraUen,  die  Tom  28  april  zum  1  mai  währten  (Härtung  rel.  den 
Rom.  2,  142)  und  bei  denen  kein  mann  zugegen  sein  durfte  (Gren- 
zers sjmb.  4,  608) ,  kann  man  sich  gefallen  lassen,  wenn  daher  keine 
entlehnung  des  deutschen  und  celtischen  brauchs  ans  dem  römischen 
geleitet  werden  soll,  recht  verstanden  bieten  auch  die  gr.  Dianynen 
manches  Tergleichbare. 


1004  IBXVNPART 

h8iiseii>  eine  merkwürdige  stelle  vom  Sftiiber  aof  ileiii  berg 
(pnegau,  poeg,  pny,  lat  podium)  wurde  s.  383  angeführt 
der  ruf  einzelner  hexenberge  erstreckt  sich  über  ganze 
reiche,  wie  nach  göttern,  opfern,  gerichten  hohe  berge 
benannt  sind,  fast  alle  hexenberge  waren  alte  opferberge 
(s.  51.  52),  malberge  (RA.  801. 802) ,  salzberge,  bei  Rothen- 
burg am  Neckar  auf  der  Hirschauer  markung  wird  ein 
bexenbfitkely  unweit  Passau  ein  tmkoldenberg  bezeichnet; 
gewöhnlich  aber  gibt  es  besondere  namen.  Norddeutsch« 
land  kennt  den  Brocken ,  Brockt  oder  Blocksberg  *) ,  des 
Harzes  höchste  spitze,  als  hauptv^rsamlungsort  der  hexen. 
ein  beichlbuch  des  15  jh.  redet  von  den  Zauberinnen,  'die 
uf  den  Brockisberg  varen'  (Holm,  zeitschr.  753);  ich 
kenne  kein  früheres  zeugnis  für  den  sicher  in  weit  ältere 
zeit  reichenden  Volksglauben,  gerichtsplfttze  wird  im  HA. 
der  Harz  mehr  als  einen  gehabt  haben,  eine  Salzquelle 
hat  er  noch  heute  zu  Juliushalle  im  amt  Neustadt,  der 
name  scheint  aber  weit  allgemeiner,  in  Meklenburg  (und 
gewis  noch  andern  norddeutschen  gegenden)  heifsen  meh- 
rere berge  blocksberge  (Mekl.  jahrsber.  2,  114,  3,  189). 
Die  übrigen  hexenstätten  vermag  ich  nur  unvoUstöndig  aaf- 
zuzftMen.  Man  nennt  noch  den  Huiberg  bei  Haiberstadt; 
in  Thüringen  fahrien  sie  zum  Uorselherg  bei  Bisenach, 
oder  zum  Inieiberg  bei  Schmalkalden ;  in  Hessen  zum 
Bechekberg  oder  Beckielsberg  bei  Ottrau,  einer  alten 
Biegenhainischen  geriohtsstätte ;  in  Westfalen  zum  Köter" 
berg  bei  Corvei,  zum  Weckingssiein  (Wedigenstein ,  wo 
Wittekind  oder  Wittich  hauset)  bei  Minden;  in  Schwaben 
zum  Schwcfrußald y  /Zu»  Kandel  im  Breisgau,  oder  zum 
Heuberg  bei  Balingen,  welcher  Heuberg  **)  schon  imj.  1506 
als  hexenberg  bezeichnet  wird  und  dem  halberstädtischen 
Huiberg  gleicht;  in  Franken  zum  Kreidenberg  bei  WürE- 
bürg,  zum  Staffelstein  bei  Bamberg,  vermutlich  hat  aicb 
der  Fichtelberg  und  das  schlesische  Riesengebirge  eigne 
hexenörter.  im  Elsafs  werden  Bischenberg ,  l^chelberg 
(vgl.  Bechelsberg)  Schauenberg  und  Kniebifs  (kniebeifsend, 
von  der  Steilheit,  anderwärts  Kniebrecher),  auf  den  Vogesen 
Hupella    genannt.       Der    schwedische    Sammelplatz    heifst 

*)  mons  bructerus!  aber  Bructerer  wohnteo  nie  dort,  fioodeni 
ao  der  wettfälischen  Lippe;  gruodlo&  beziehen  andere  den  namen 
Melibocus  auf  den  Brocken,  welche  form  ist  die  ältesle  urkundliche? 
Slieler  160  schreibt  Brockersberg ;  andere  Prochelsberg  (Proculus), 
Brocheltberg,  Blochersberg ;  Blocksberg  (brem.  wb.  s,  y,  bloksbarg) 
kaan  durch  bloi'$e  erweichung  des  R  in  L  entsprungen  sein»  und 
berührt  sich  kaum  mii  dem  scbwed.  Biakulla. 
•*)  Höwberg,   Paracelsi  opera  2,  259.  260. 


HSXBNEAR?  MM 

BikuäM    (Moh   Ihre   ein    meersfelseii    xwisfllien   Smllaad 

uiid  Olawl,  wöitlich  schwarzer  barg,  w^lclier  name  noch 

mdarn  gebirgen  zvstehen  mag)  *),  und  NasafjM  (in  Norr- 

iaad).    auch  die  norwegischen  hexen  fahren  nskch  BiaakoUef 

ferner  «of  Dowefjeldy  auf  Lyderham  (bei  Bergen),  Kiärru 

in  Tvedsogn,    nach    VarcUi    und   Domen    (in   Finmarken), 

alte  solche  sammelorte   heifsen  baholde  (böser  wall,    cam* 

pus  malus).      In  Dänemark  sagt   man  ^fare  tU  Kekhelfj€ld$ 

(8.  953)   d.  i.    zum    isiftndischen    berge    Hekla    (Heklufiall) ; 

auch  Vide  til  Trums ,    fare   til  TVon»/   d.  i.   nach   Trom- 

menQeld,   einem    berge    der    norwegischen    insd  Tromsö, 

ganz  oben  an  der  Finmark.     Die   neapoUianisehen  stregbe 

versammeln    sich    unter    einem    nufebaum    bei    Benevent, 

das  Volk  nennt  es   die  beneventisefae  hocheeit;   gerade  an 

diesem*  ort  stand  jener  heilige  bäum  der  Langobarden  (s.  90. 

615),    hier  hangt  die  hexa*ei  wieder  deutlich  an  altheid- 

üischem   euilus.     italienische    hexenberge  sind    der  Bwrco 

di  Ferrara,  der  Patemo  die  Bologna,   Spinato  della  Miran* 

doia,   Toesole  die  Bergamo,    und  ein  borg:    la  oroce   del 

pasticcio,  dessen  läge  ich  nicht  weirs.     in  Frankreich  wird 

der  Puy  de  Dame  bei  €lerm<mt  m  Anvergne  ausgezeichnet, 

andere  landscheften  heben   andere  berge.     Die  spanischen 

hecbizeras    hallen  ihren  tanz  auf   der  keide   von  Baraona, 

im  sande  von  Sevilla,  im  geßUe  von  Cirniegola ;  in  Navar- 

ra  auf  Aquelarre^    was  baskisch  bockswiese   bedeuten   seil. 

die   serbischen   hexen   na   pometno   guyno  (der  gekehrten 

tenne),    wahrscheiiiHch   auf  einem  hohen  borg;   die  uogri- 

sehen  aof  Küpasn  tetö  (dem   kahlen  scheitel),    einer  spitze 

des  Tokaier  Weinbergs  **) ,    wozu  das   'na  tiysfigore'  der 

polnischen  Zauberinnen  (Woyoicki  1,  17,  2,  77)  stimmt,   ein 

theil  der  Carpathen  zwischen- Ungern  und  Polen  heifstpoln. 

habia  gora  (altweiberberg),  ich  kann  nicht  sagen ,   ob  dahin 

hexenfeste  verlegt  werden  ?     auch  die  Kormakssaga  p.  76. 

204.  222    nennt  ein  Spiäkanufell  (berg   der    weisen   frau). 

Am  viHrabende  Johannistags  läfst  der  litthanische  Volksglaube 

alle  Zauberer  zum  berge  Siairia  geflogen  kommen,  wo  sie 

von    Jauteritay    einer    gewaltigen   Zauberin   bewirtet   wer** 

den  ***).     Merkwürdig,   wie  durch  ganz  Europa  hin  die 


*]  nach  Joh.  Westhovius  praefat.  ad  yitas  saoctor.  hiefs  eine  wiod 
und  wettermachende  meerfraa  ßiakuUa;  Afnkiel  I,  35  itellt'  eine 
meergöUin  BhhyUe  auf.  bergei  bl&  (der  schwane  berg)  AfYidst^a 
2,  302.  305. 

*M  Szirmai  notitia  comitaUM  zempleniensii.  Bndao  1803.  p.  3, 
ond  Hangaria  in  parabolis  «.  158.  159. 

'*)  tendoDgen  der  kurlind.  geaaHtohafl,  Milan  1840  1,  47k 


••< 


1006  HEXBNFA&T 

wallfarten  der  Heideii  zu  opfern  und  festen  von  dem  chri- 
stenthnin  in  einförmige  y  übereil  ttbniiehe  zaubere!  umgewan- 
delt werden,  hat  sich  die  Vorstellung  dieses  zanbers  unter 
jedem  Tolk  von  selbst  gestaltet?  oder  ist  (unglaublicher)  ir- 
gendwo der  ton  angegeben  worden,  und  von  da  aus  weiter 
vorgedrungen  *)  ? 

Dafs  schon  nach  heidnischen  begriffen  des  alten  Nor- 
dens die  Zauberinnen .  abendUch  und  nächilich  auffuhren 
oder  ritten  ergibt  sich  deutlich  aus  der  edda.  Hedinn 
zog  eines  abends  einsam  durch  den  wald,  da  stiefs  er 
auf  eine  tröilkona,  die  ihm  ihre  fylgd  (ihr  gefolge,  gleich 
einer  schützenden  valkyrja)  anbot,  was  er  ausschlug.  Siem. 
146*.  eine  bedeutsame  sage  wird  Sn.  175  nur  beilftufig 
berührt:  als  Bragi  der  alte  (994)  epäi  abends  dwA 
einen  ioald  fuhr,  begegnet  er  einer  tröUkona^  die  ihn 
mit  einem  lied  anredete  und  fragte,  wer  da  fahre?  dabei 
nennt  sie  ihm  ihre  tröllnamen  und  Bragi  ihr  seine  dichter- 
namen  in  dem  lied,  das  er  zur  antwort  entgegnete.  Darum 
heifst  nun  die  zauberfrau  qveldrida  (abendreiterin)  Sem. 
143^  und  myrkriia  (dunkelreiterin)  Smm.  77*,  worunter 
ungeheure,  übelthütige  riesemoeiber  gemrint  sind,  wilde 
frauen,  waldminnen,  iarnvidjur  (s.  451),  auf  deren  Ver- 
nichtung die  holden  ausgehn.  'hefi  ec  qvaldar  qveldridor^ 
ich  habe  die  hexen  getödtet,  sagt  AUi.  ihr  ritt  biefs 
ffondreid  (vectura  magica)  Nialss.  s.  195,  gandr  ist  sonst 
wolf,  ioölfe  sollen  sie  bestiegen  und  mit  schlangen  ge^ 
%äwni  haben:  Yann  tröllkono,  sü  reid  vargi  ok  hafdi 
orma  I  taumamJ  8mm.  146*.  'Hyrrokin  reid  vargi  ok 
hafdi  höggarm  ai  taumum.^  Sn.  66.  ein  runenbild  (bautil 
1157)  stellt  vor,  wie  ein  tröU  auf  dem  wolf  reitet  und 
einen  krummen  zweig  zum  zäum  nimmt  ein  schwed.  volfcs* 
lied  läfst  sie  auf  dem  bär  reiten,  den  loo^  als  satte!  über- 
legen und  mit  der  schlänge  peitschen:  ^bjömen  den  A 
red  hon  uppa,  ulfven  den  hade  hon  tili  sadel  derpä,  och 
ormen  den  hade  hon  tili  piska.'  sv.  vis.  1,  77.  es  ist  nicht 
zu  fibersehn,  dafs  die  serbische  eila,  die  viel  eibischer 
gehalten  ist,  auf  einem  Ursche  reitet  (vgl.  s.  434)  und  ihn 
mit  einer  schlänge  zäumi.  Unter  den  namen  der  Zaube- 
rinnen  Sn.  210^  steht  Munnrida^    mundreiterin,    vielleicht 

*)  bei  nächüiehen  bergversamtiUungen  können  noch  andere  heid- 
nische Yorstellan^en  berücksichtigt  werden,  riesen  und  elbe  hauieo 
auf  bergen.  Plinius  5,  1  sagt  yom  Atlas  in  Mauritanien  :  iocoUrain 
neminem  interdiu  cerni  ailere,  omnia  —  noctiboa  roicare  crebris 
ignibua,  Aegipanum  Satyrorumque  laaciWa  impieri,  tibianim  ao  fitto- 
larum  cantu,  tympanorum  et  cymbalorum  sonitu  strepere. 


■BXraflPART  1007 

im  moad  den  schbrngenzaum  bähend  ?  daneben  steht  auch 
Ihmnkarpa  ( nach  Biörn  rigscnr  oris  ex .  gelu  ] ,  beide  ans- 
drfteke  fordern  genaueren  aufsehlufs,  doch  in  jedem  fall 
wird  -rida  znm  begrif  des  nftchtlichen  reitens  gehören,  ein 
diebter  (Sn.  102)  bedient  sich  der  Umschreibung  qeeldruimin 
gven  (femina  yespere  excurrens).  Gleich  dem  salischen 
gesetz  (s.  998)  kommt  auch  Vestgotalag  bei  gelegenheit 
ehrenrühriger  schelte  auf  die  hexerei  zu  sprechen,  es  heifst 
s.  38  'iak  sa  pu  r^t  a  qmggrmdu  iösharäp  ok  i  troUkam^ 
f»a  alt  var  iam  rift  nat  ok  dagher'  und  beinahe  mit  den- 
selben werten  s«  153,  wo  dem  lösharef>  noch  zugefügt 
wird  ^lösgiurff':  ich  sah  dich  mit  gelöstem  haar  und  gür- 
tet, als  tag  und  nacht  sich  schieden  (in  der  dilmmerung) 
auf  der  bürde  reiten:  dürfte  man  lesen  qvigindu,  so  wftre 
es  ein  reiten  auf  dem  kalby  wie  im  mhd.  gedieht  (s.  1000). 
Weder  in  diesem  gesetz  noch  der  edda  wird  erzählt,  dafs 
die  zauberweiber  an  bestimmten  platzen  haufenweise  zu- 
sammenkommen, doch  reiten  die  valkyrien  zu  zwölfen  oder 
zwanzigen  miteinander.  Aber  die  idee  des  fuickirUts  selbst 
darf  sogar  von  göttinnen  hergeleitet  werden :  dem  Hyndlu- 
liod  zum  gründe  liegt,  dafs  Freyja  in  finstrer  nacht  auf 
ihrem  eber^  dessen  borsten  glühen,  und  Byndla  (canicnla) 
ihre  Schwester  auf  einem  wolf  hinauf  zur  heiligen  Valhöll 
reiten  ♦). 

Im  innern  Deutschland  lassen  sich  abstufungen  nach- 
weisen, vor  dem  christenthum  mögen  auch  hier  die  alten 
rtesffifien  (eteninnen)  zauberfrauen  gewesen  sein,  wie  in 
unserm  heldenbuch  noch  eine  solche  erscheint  (s.  523). 
Seit  der  bekehrung  bindet  sich  die  Zauberei  an  die  heid- 
nischen götzen  der  heimat  wie  des  auslands,  aber  noch 
mcht  gleich  an  den  teufel,  dessen  idee  kaum  unter  dem 
volk  zu  wurzeln  begann.  Die  hexen  gehören  zum  gefolge 
ehmaliger  göttinnen^  die  von  ihrem  stui  gestürzt,  aus  gütigen, 
angebeteten  wesen  in  feindliche,  gefürchtete  verwandelt, 
unstät  bei  nächtlicher  weile  umirren  und  statt  der  alten 
feierlichen  umzüge  nur  heimliche,  verbotene  Zusammenkünfte 
mit  ihren  anhängern  unterhalten.  Wenn  auch  der  grofse 
häufen  für  die  neue  lehre  gewonnen  war,  einzelne  men- 
schen mochten  eine  Zeitlang  dem  alten  glauben  treu  bleiben 
und  insgeheim  ihre  heidnischen  gebrauche  verrichten;  bald 
aber  erloschen  .diese  paganien  in  der  Wirklichkeit  und  haf- 


*)  ein  zauberhafter  mann,  der  kTeldsTsfr  war  (abends  schlief) 
hiefs  Kvddülfir  (Egilssaga  s.  3) ;  der  name  gleicht  dem  ahd.  Nahiölff 
womit  N.  Noctnrnus  wiedergibt« 


1008  HBXWVAHff 

tetan  desto  dauernder  in  der  flbeiüefwmf  -und-  iMfcital«- 
teiuten  pfcantßsie  der  menacheii,  ab  sie  sieh  an  voüakAt 
und  ideii  erlaubten  oder  strüflicken  l»reit«h  bei  heilunfen 
oder  yergiAungen  schloaaen.  ttbung,  sage  uad  wahn  fnffea 
vielfadi  in  «imader  und  unmöglioh  kau  irgend  einem  jaiir«* 
hundert  die  vomleUung  v.erbotner  und  lakgdHischer  Bauberei 
gefehlt  haben ,  wenn  «wir  auch  flicht  aneugebett  verm^enf 
wie  sie  sioh  ihm  gealaltete«  Aber  wier  allen  Christen  gieng 
die  <kandie  davon  tniMfirottbaf  fort,  und  bildete  6ieh  zu  ei- 
nem leaeren  oder  fealare«  auasrnnkenbeng  aus,  je  nach  dem 
die  kirohe  die  begriffe  des  volks  eich  gewähren  liefs  oder 
strenger  zu  «tigelfl  unternahm,  was  sie  strafon  und  aas^ 
tilgen  woUle  muate  ütoWch  der  onilden  oinbildungskraft 
ent^gen  ^wefden  und  den  grellen  schein  «iner  achaader^ 
haften  realitäft  nnnebmen^ 

tauberer  und  «anberinnen,  davon  will  ieh  aus^efan, 
fügen  eich  j^naitehsit  «n  den  gespanetigen  ziiig  der  gotthei- 
ten,  an  jenes  wütende  beer,  dem  mm  elbisehe  und  bö^e 
wesen  aller  jnrt  sugeaellte;  in  der  Vilkinaaaga  cap»  328, 
329  d^igt  uns  des  wilde  beer  der  Ostada  (oder  Ostaqsia, 
wie  wol  lautete  die  ursprangUohe  namensform?)  bedqut*- 
same  eBknilpfung.  sauberinnen  aber  muaten  vQivBugsweM6 
göttinnen  beigeordnet  wierden,  aiis  ti^elch»n  die  bekehr^r 
eine  römische  Diana  oder  jüdische  Herodias  gefabelt  tiatteO) 
denen  jedoeb  (4as  volk  4ie  hergebrawbto»  <eiqbeim>scbie  be- 
nennung  nie  gans  ent^^.  Wie  nahe  Ji^  es,  wenp  frau 
Boldüf  jeqe  fi-e^ß,  'Od^er  4bfm4ia  (gleichviel  ob  Follß  «,  285, 
ob  eine  ceitiacbe  göttin)  vormals  In»  reuigen  der  elbe  nnd 
haUhn  eivchienen  war«  sie  nun  selbst  in  eioe  mkakte  zu 
verkehren  uqd  von  u^lden  «geleiAeB  zu  lassen»  in  dem 
jeu  d*Adans  (iahen  s.  384)  sammeln  eich  die  drei  feen  auf 
einer  ^ieae^  wo  die  ßUm  fr4mßn  um  der  stadt  ihrer  war- 
ten: 'or  hp^t  aUons  ent  par  illeue>  lee  vieUea  fem^i  de  le 
¥ile  iiiotts  i  atendent.'  es  heetend  ateo  gemein^baft  zwi- 
aiehen  den  feen  und  he^n. 

Zu  der  e«twiekeUen  ansieht  stimmt  voUkommeHy  dals 
der  lbüiingi&9be  Heidelberg  aufenthalt  der  HoUa  und 
ihres  A^erf  {ß.  424.  887.  910),  zugleich  aJt^er  sammelort  der 
hexen  war  (s.  1004).  Keiaersberg  (omeilip  3$.  40)  Ufst  die 
naohts  fahrende«  weiber  nirgend  anders  als  m  Venmberg 
(su  905)  zusammenkommen I  wo  gutes  leben,  tan/ven  und 
springen  ist.  Noch  entschiedneres  gewicht  haben  aber  die 
im  anhang  s.  xxxiii.  xxxiy.  xxxyi.  xlii  beigebrachten  stellen, 
aus  denen  hervorgeht ,  dafs  bis  ins  zehnte ,  vierzehnte  jh. 
nacht  fr  auen    im    dienst    der    frau    Hol^a    w    bes(im<nteo 


qiS:!|L]SNil^T.  A909 

iKkAtM  auf  diieren'  durch  die  loflie.  r9trei<sben,  fbr  gehor- 
chen «nd  ihr  Opfer»)  yw  eiiieio  Jbiiind  mit  dßn&.teipf^I  «ber 
durchaus  noch  kieine  rede  ist,  J9  diesig  mchtfrauefif 
bUmkem  müit^,  d^minae  imciumae^  bannet  dames  (s.  264> 
265),  hei  .Hincmar  .lamiae  i^ive.  geniciales  femmae  warcQ 
uraprQnglieh  dfimenischey  dlbisobe  wesen,  die  in  frau^n- 
gestalt  er^schieoen  und  den  menschen  wphlthaten  erwiesen; 
Bolday  Abundia^  welchen  noch  ein  dritter  theil  der  gan- 
zen weit  uRterthünig  ist  (s.  261-265),  führen  tanzende 
reigen  an,  auf  den  umziehenden  schif  der  göttin  wurden 
tanze  getreten  (s.  239);  aus  solchem  tanz  bei  heidnischeni 
göttercultus ,  aus  dem  luftigen  elbenian»  (s.  438.  439),  dem 
b4^en  der  irlichter  (s.  868.  869)*)  leite  ich  die  idee  der 
hexeniänsse  hauptsächlich  ab;  wenn  auch  festtänze  heid- 
nischer maiversamrmlungen  mit  dabei  angeschlagen  werden 
können.  Den  christlichen  eiferern  schien  aller  tan^  sünd- 
haft und  .heidnisch,  und  sicher  stammte  er  oft  aus  ge- 
bröachen  des  heidenthyms  hur,  gleich  andern  schuldlosen 
freuden  .  und  sitten  des  gemeinen  volks,  das  sich  an 
grofsen  festen  seine  erheiterung  nicht  leicht  nehmen  liefs. 
daher  die  alten  tdnee  auf  fastnachten  (s.  730),  beim  oster- 
feuer »  maifeuer  und  auf  sonnewenden ,  bei  der  ernte  und 
zu  weihuachten;  aus  einer  genaueren  Untersuchung  der 
hergSnge  bei  diesen  festen,  als  sie  bisher  gepflogen  wor- 
den ist,  würde  sich  vieles  deutlicher  entfalten«  Afzelius 
2,  5  meldet,  dafs  noch  heute  in  Schweden  sagen  von 
tänzeH  und  rei^e»  gehn,  die  das  heidnische  volk  rings 
um  heilige  götterplätze  geführt  habe:  so  ausgelassen  aber 
auch  verlockend  seien  sie  gewesen,  dafs  zuletzt  die  Zu- 
schauer von  der  wut  ergriffen  und  in  den  tanz  fortgerissen 
worden.  Wenn  in  chroniken  unsers  MA*  verschiedentlic,h 
der  entweihubg  heiliger  festtage  durch  toilden  taw^  ge- 
dacht wird,  und  der  darauf  g^olgten  strafe,  dafs  er  ein 
ganzes  jähr  lang  unablässig  fortgeführt  werden  miiste  (l>S. 
no.  231);  so  drückt  das  wieder  den  absehen  der  Christen 
vor  Überresten  des  heidenthums  aus  und  gleicht  der  Ver- 
drehung des  Wuotanzugs  in  die  jagd  des  ewigen  Jägers  **). 
Herodias  ist  jenem  kreise  der  nachtfrauen  eben  auch  zu- 
gezogen,   weil   sie  spiel  und   tcma  übte  und  nach   ihrem 


*)  das  irlicht  heifsl  hexentanz  (Schm.  2,  148),  sloyen.vefha  (hexe) 
und  selbst  die  todten  liefs  man  reigen  fähren. 

**)  die  geistlichkeit  stellte  den  tanz  als  nacbäffung  der  priesier- 
lichen  procession  dar  und  yerglich  ihn  der  jüdischem  abgölterei  mit 
dem  goldoen  kalb. 

Grimms  mytkoL    8»  musymbe,  64 


10)Ö  HEXBNFART 

tod  als  Windsbraut  darcfa  die  lüfte  saust.  In  diese  geister-* 
hafte  schaar  versetzte  nun  der  christliche  voikswahn  zu- 
gleich auch  meMchHehe  sauberifmen,  d.  h.  dem  heiden- 
thum  anhängige,  ttbelberttchtigte  franen,  alte  fantastische 
weiber:  'et  si  aliqua  femina  est,  quae  se  dical,  cum 
daemonum  turba  in  similitudinem  mnlierum  transformaia 
ceriis  nocHbus  equitare  super  quasdam  bestias,  et  tn 
eorum  (daemonum)  cansarHo  ännumeraiam  esse',  und: 
'quaedam  sceleratcte  mulieres  retro  post  satanam  conversae, 
daemonum  illusionibus  seductae,  credunt  se  nociumis  hom 
cum  Diana  Paganonum  dea  vel  cum  Herodiade  et  innumera 
multitudine  mulierum  equitare  super  quasdam  besHas,  et 
multa  terrarum  spatia  intempestae  noctis  sileniio  per* 
transire,  ejusque  jussionibus  f>elut  dominae  obedire,  et 
certis  noctibus  ad  ejus  sereitium  eeocari.'  So  dachte  man 
sich  früher*)  die  hexenfarten,  und  die  gewis  noch  heidni- 
schen benennungen  nahtfard,  nahtfrowä^  nahiriiä  kamen 
ganz  mit  jenen  altn.  qveldrida,  myrkrida  (s.  1006)  über- 
ein, ich  vermag  sie  freilich  erst  aus  dem  13  jh.  aufzu- 
weisen :  Wh.  1 ,  82*  'wil  der  (Machm^t)  helfe  spam ,  so  hel- 
fen ihn  die  nahtoam;  daz  sint  aldef  ^tbe  troume;'  L^.3,10 
'ez  konde  meinen  bewarn,  ich  mües  eine  ^%  fam  mit  der 
nahtfrouwen  (der  göttin);  dö  sprach  ich  zuo  mfme  ge- 
sellen: als  schiere  s6  ez  naht  wirt^  diu  vart  mich  niht 
verbirt,  ich  sol  Itden  gröze  not,  bezzer  w»re  mir  der  tot. 
ist  aber  daz  mir  wol  ergdt,  so  kum  ich  umb  die  hankrftt, 
des  enwäiz  ich  aber  niht.  mtn  triu,  du  solt  mir  ein  lieht 
kleiben  hin  an  etewaz,   daz   ich  kunne  dester  baz   komen 


*)  das  burchardische  excerpt  (vgl.  meine  Torr.  zur  eraten  aasg. 
I.  xxiy]  kann  weder  herrühren  aus  dem  ancjranisehen  concil  a.3l4}, 
.  dessen  drucke  und  hss.  die  stelle  nidit  haben,  noch  tod  Auguslin, 
bei  dem  sie  zwar  im  Iraelat  de  spiritu  et  aoima  cap.  28  (opera  ed. 
Bened.  AntY.  1706.  6,  525)  Yorkommen  (mit  hiozufugung  Yon  *el 
Minerva*  hioter  Herodiade),  denn  diese  schrift  ist  unlergescboben, 
wie  wot  sehr  frühe,  Biener  glaubt  (zeilscbr.  f.  gesch.  rechtsw.  12,123) 
schon  im  sechsten  jh. ,  was  ihr  also  für  unsere  Untersuchung  wenig 
an  werth  benimmt.  Aus  ihr  mag  auch  Region  (ed.  Waschersl.  2i 
371)  der  filteste  echte  gewährsmann  schöpfen ;  dann  folgen  Barchard 
im  eilften,  Iyo  (11,  30)  und  Gratian  im  zwölften  jh.  Albertus  M.  in 
summa  IheoL  2,  3l  (opp.  18, 180)  hat:  'cum  D.  P.  dea  yel  Herodisde 
et  Minerva.'  Die  stelle  soll  sich  auch  in  einer  angedruckten  vita 
Damasi  papae  finden  und  auf  eine  römische  sjnodus  von  36.7  zu- 
rückbeziehen  (Soldan  s.  75).  Mir  verschlägt  es  nichts,  wenn  bereits 
das  concil  von  Ancyra  oder  die  röm.  sjnode  der  nachifahrenden  Diana 
und  Herodias  erwinnen ,  weil  Diana ,  die  auch  den  alten  Römern 
'  wald ,  jagd  und  nacht  beherschte ,  ohne  zweifei  den  neubckehrlen 
Christen  der  ersten  jhh.  als  zaubergöttin  erscheinen  muste. 


HEXBNFAirr  51011 

her  wider  hein:  Uetb«z  an  einen  stein  oder  kleibes  an  die 
want/  in  dieser .  zweiten  stelle  ist  merkwürdig ,  dafs  die 
frau  dem' einfftitigen  mann  ihre  angebliche  ausfahrt  als  ein 
schwieriges,  unvermeidliches  unternehmen. schildert ^).  Bei 
Yintler  (anh.  lyiii)  •  heifst  es :  'so  farent  etlich  mit  der 
(nachsyar  auf  kelbern  und  auf  pecken  durch  stein  u.  durch 
stecke.*  käiber  und  bocke  sind  also  jene  ^quaedam  beiHae.* 
Wir  sahen  s.  686  sogar  auf  einen  am  himmel  ziehenden 
Stern  den  namen  nachifare  passend  angewandt.  Joannes 
saresberiensis,  der  in  England  und  Frankreich  lebte^  (f 
1182)  und  an  dämonischen  einfiufs  glaubte,  hat  im  Polier. 
II,  17  folgende  merkwürdige  stelle:  äquale  est  quod  noclj- 
culatn  (vielleicht  nocticolam  oder  noctilucam?)  quandam 
vel  Herodiadem  j  vel  praesidem  noctis  dominam  consUia 
et  caiwentus  de  nocie  asserunt  cowcocare,  varia  celebrari 
coniotoia^  mifiuteriorum  gpecies  diversis  occupationibus 
exerceri  et  nunc  istos  ad  poenam  trahi  pro  meritis,  nunc 
älos  ad  gloriam  subliihari,  praeterea  infantes  exponi  lamiis, 
et  nunc  frusiaüm  discerpios  edaci  ingkme  in  eenirem 
trqjectos  oongeri,  nunc  praesidenäs  miseraüone  rejectos 
in  cunas  reponi,  quis  vel  caecus  hoc  ludificantium  dae* 
monum  non  videat  esse,  nequitiam  ?  quod  vel  ex  eo  palet, 
quod  mulierculis  et  viris  simplicioribus  et  infirmioribus  in 
fide  ista  proveniunt.'  Ich  will  noch  andere  entscheidende 
Zeugnisse  aus  französischen  gegenden  über  die  beschaffen- 
heit  der  nachtfarten  beifügen,  alle  dem  13 jh.  gehörend, 
man  wird  ihre  analogie  nicht  verkennen.  Die  acta  sanct. 
32  jul.  p.  287^  schöpfen  aus  einer  pergaro.  hs.  des  13  jh. 
folgendes,  was  in  den  älteren  lebensbeschreibungen  des 
Germanus  fehlt,  aber  auch  in  die  legenda  aurea  cap.  102 
eingegangen  ist:  'hospitatus  (sanctus  Germanus  autissiodo- 
rcnsis)  in  quodam  loco,  cum  post  coenam  Herum  mensa 
pararetuTy  admiratus  interrogat  cui  denuo  praepararent  ? 
cui  cum  dicerent,  quod  bonis  illis  muHeribuSy  quae  de 
nocte  inceduni^^]j  praepararetur,  illa  nocte  statuit  s.  0er*«- 
manus  vigilare.  Et  ecce,  videt  multitudinem  daemonum  in 
mensa,  in  forma  hominum  et  mulierum  venientem.  Qui 
eis  praecipiens  ne  abirent,  cunctos  de  familia  exultavit, 
inquirens,  si  personas  illas  cognoscerent  ?  qui  cum  omnes 
foicinos  suos  et  eidneu  esse  dicerent   misit  ad   domos  sin- 


*)  unter  nachimar  (nachtpferd)  yersteht  man  nicht  die  ausreitende 
hexe,  sondern  eine  den  schlafenden  drückende,  reitende  elbin  (s.  262. 
abergl.  878). 

**)  lifst  sich  auf  dies  nächtliche  umgehn  der  ahd.  ausdnick  dgengun 
lamiae  (DiuU  2,  174)  deuten? 

64» 


1012  HEXBNEAKT 

galoranii  daemonibus  praeoipieng  ne  abireht.  Bi  eece, 
omnes  in  suis  leclulis  sunt  invenü  Adfurtti  igitnr  s^  dse^ 
mones  esse  dixerunt,  qui  sie  hoimttibiis  illudebant.*  Guiliel- 
mus  alvernus  p.  1066:  ^idem  et  eodean  nftodo  sentiendiin 
est  tibi  de  aliis  malignis  spiritibus,  quos  vulgus  sityges 
et  lamias  vocant,  et  apparent  de  nocte  in  domibus, 
in  quibus  parvuli  nutriuntur,  eosqiie  de  ctmabulis  raptias 
laniare  vel  igns  ossäre  videntur^].  apparetnt  antem  in 
specie  eeiulaarum.  Vetnlarum.  autetn  nostramm  desipientia 
opinionem  istam  mirabiliter  disseminavit  et  provexit  atque 
animis  mulieruro  aliarum  irradioabiliter  infixit.  Simiiiter 
-et  de  dominabus  nocturmSy  quod  bonae  mulieres  sint,  et 
magna  dona  domibus  quas  frequentent  per  aas  praestentur, 
mulieribus  potissimum  persuaserunt;  et  ut  ad  unum  dicam 
pene  omnes  reliquias  idololatriae  retinuit  et  reserv^vit  et 
adhuc  promovere  non  cessat  anilis  ista  fatüitas.'  Vineen-*- 
tius  bellov.  spec.  mor.  IIL  3^  27:  'cum  in  quadam  parockia 
homines  talibus  erederent,  quidam  ribaldi  transfiguraveruat 
se  in  similitttdiiiem  muHerum^  earum  assumto  habito,  et 
domum  cujusdam  divitis  rustici  cum  torüis  (fackeln)  in- 
trantes  et  chareas  ducenies  snppressa  voce  canebant  galiice 
hin  en  prenes,  ceni  en  rendres',  latine:  anom  accipite, 
eentum  reMitel  et  sie  in  ocniis  rustici  domiim  ejus  eva* 
euaverunt  omnibus  bonis  dicentis  uxori  suae:  'tace,  et 
Claude  oculos,  divites  erimus^  quia  bönae  res^*)  sunt,  et 
centuplicabunt  bona  nostra/  Ferner  derselbe:  'cum  quae* 
dam  vetula  volens  blandire  suo  sacerdoti  diceret  ei  in 
ecciesia:  domine,  multum  me  debetis  diligere,  quia  libe- 
ravi  vos  a  morte:  quia  cum  ego  eadebam  cum  botUs  rebus^ 
$nedia  nocte  iniravimus  domum  eesiram  cum  kmimari* 
bu$f  ego  videns  vos  dormientem  et  nudum,  cooperui  vos, 
ne  dommae  noitrae  viderent  nuditatem  yestrav,  quam  si 
vidissent  ad  mortem  vos  flagellari  fecissent.  Quaesivit  sa* 
cerdoSi  quomodo  intraverant  domum  ejus  et  camerain, 
cum  essent  fortiter  seratae?  tunc  ait  illa,  quod  bene  in- 
trabant  domum  januis  dausis.     Sacerdos  autem  vocans  eam 


*)  als  Demeter  das  kincl  Demophoon  tags  mit  ambrosia  salble, 
mit  ihrem  söfsen  alhem  anbauchte,  nachts  um  alles  sterbliche  an  ihm 
lu  Tenehren  ims  feuer  UgU  und  der  kaabe  gedieh,  endlich  die  laa- 
sehende  matter  es  gewahrte  und  laulklagend  aufschrie,  da  war  das 
wunder  unterbrochen,  hjmn.  in  Cer.  236  —  263.  ebenso  salbt  uud 
Ivrgi  im  fmer  Thetia  ihren  neugebornen  söhn  Achilles.  Tgl.  aber 
auch  das  na^tu^fffu*  ra  ß()*9^  6$n  x^q  ^loyoq  und  ponere  jusia  ignem 
oben  s.  592. 

')  guoHu  teOÜr  (t.  411),  TgL  tmredtte  ^m^  (s.  983;  >  Muherei. 


**\ 


/HEXEN  IMS 

intf»  caneellatn,   cImiso   ostio  yetberavit  etm   cum  baoulo 

cnicis  dieens   ^ex^e  hinc,   domma  sorHk^P     «(  eimi  nan 

posset  exirc;  emisit  eam  sacerdos  dioens:  'modo  videt»  i[uam 

fatuae    estis,   quae   somnioram ;  creditis   vanitatem.'    dieser 

priester  geht  recht  vernünflig  mit  der  zauberin  um  und  isl 

fern  davon   sie   peinlich  zu  hetzen.     Gervasius  tilberiensis 

%  85:   Hamiae  dicuntur  esse   mulieres,    quae  noctm  domon 

momentaneo  discursu  penetrant ^    dolia  •  vel   copbinos,    can^ 

tharos  et  oUas  perscrutantur,   infantes  ex  cunis  extrahunt, 

kminaria  accendunty   et  nonnunquam  dormientes  affligunt*- 

3,  93  versichert  er  frauen  gekannt  zu  haben  ^   welche  be-* 

haopteten:    'se  dorraientibus  viris  suis  cum  coeiu  lamiarum 

celeri  penna  mare  transire,  mundum  percurrere,  et  si  quis 

aut  si  qua  in  tali  discursu  Christum  nominaverit,   statim  in 

qaocunque   loco   et  quantovis    periculo    fecerit,    corruere.' 

so  sei   einmal  eine  in  die  Rhone    niedergefallen,     'scimus 

quasdam  in  forma  caitorum  a   furtive  vigilantibus  de  nocta 

visas    ac    vulneratas    in    crastino    vulnera    truncationesque 

ostendisse.'     Also  die  hexen  ziehen  im  nächtlichen  reigen 

gütige  frauen*),  denen  der  mensch  tische  deckt,   wie  be^ 

suchenden  feen  und  elben  (s.  379.  383.  anh.  xxxvni),   weil 

sie  glück  bringen  und  vervielfachen,    das  hausgeräthe  un- 

lersuchen,  die  kinder  in  der  wiege  segnen,    heidnisch  war 

dieser  aberglaube,    denn  Christi  name  durfte  nicht  ausge* 

sprochen  werden;    allein   für  teuflisch   galt  er  noch   nicht. 

zwar   mengt    sich    schon   die    Vorstellung    von    kinderraub 

(dessen  auch  die  elbe  geaiehen  werden,  s.  436)  unter  und 

steigert   sich   zu   grausamem  braten  und  f>er%ehren;    aber 

auch  das  hängt  an  mythen  von  elben   und   göttinnen    und 

wurde  den  zauberfrauen  von  jeher  zur   last  gelegt,     hier 

wird  noch  die  vorsitzerin  und  ordnerin  des  festes  als  mit* 

leidig  gerühmt:   sie  lasse  die   entwandten  Säuglinge  wieder 

in  die  wiegen  zurücktragen. 

Crescentia,  die  sich  zur  kinderpflege  hergegeben  hatte, 
wird  als  unholde  angeredet:  'waz  huotes  du  ddse,  ubele 
hombldsel  du  soldes  billecher  da  ce  hols&e  vam,  dan  die 
megede  hie  bewarn;  du  bist  ein  unholde  und  sizist  hie 
behangen  mit  golde.'  Sie  versetzt:  'got  weiz  wol  die 
sculde,  ob  ich  bin  ein  unholde,  oder  ie  dicheinis  zouberes 
gephlac'  cod.  pal.  361,  73^  72«'  (umgedichtet  kolocz.  261. 
262).  Man  glaubte  also  im  12  jh.  dafs  die  unholden  in 
den   wald  fahren,    zum  wilden   beer,   und  hörner  blasen. 


*)  die  auf  zaubere!  angeklagte  Jungfrau   Ton  Orleans   wurde  ge- 
fragt:   *8i  eile  B^ait  rien  de  ceux  qtd  vont  avecq  hs  fees?* 


a<»4  HEXEN 

gane  wie  Tutosel,  als  tutende,   pustende  eule^    d.i.  sirix 
im  wtttenden  beer  zieht  (s.  874) ;  sollte  hortuta,  eine  schelte 
im   Vestgötalag  s.  38  horf^ta^    Aom^to   gewesen   sein? 
altn.  f>iota   (ulülare),   goth.  {)othaürn  0txAnr/| ; .  die  genaue 
bedetttung  von  däse^  wenn  es  nicht  dwAse,  twAse  ist  (s.  867), 
entgeht   mir.      solche   unholden    sind    nachtfrauen,    bonae 
dominae,    weit  eher  als  teufelsgenossinnen.     Das  fahren  tu 
höh  und  toald  drückt  den  verwiesne,   gebannte  leute  tref- 
fenden fluch  aus,  deren  aufenthalt  in  der  einöde  unter  den 
Wölfen  ist  (RA.  733),  für  die  der  wald  mutter  wird  (schüma 
ti  mati  I) ,   vgl.   saltibus  assuetus   (oben  s.  450).     Noch   der 
heutige    schwedische    Volksglaube    schuldigt    alte,  weiber, 
die.  einsam  im  walde  hausen,   an,   wölfe,   wenn  sie  gejagt 
werden,   aufzunehmen  und  zu  bergen:   man  neiint  sie  var- 
gamödrar   ( wolfmütter )    und   eine    solche  >  meint    das   lied 
von  Sämung  (Siemtngr  s.  341):  'ihde  satt  ganUa  djuramor^ 
rörde  med  näsa  i  brande'   (innen  safs  die  alte  thiermutter, 
röhrte  mit  der  nase  in  die  kohlen)*),     hier  geht  die  lang- 
nilsige   unholdin    deutlich  iii   den   begrif    der  alruney    die 
sich    mit    waldschraten    mischt    (s.  376)    und    der    u)ü(bm 
waldfrau    (s;  403)   über,    sie    gleicht   der   altn.   iämeidja 
(s.  451). 

Was  aber  diese  mildere,  den  teufel  aus  dem  spiel 
lassende  erklärung  des  hexenwesens,  wie.  mich  dünkt  j  vol- 
lends bestätigt  sind  die  im  anhang  abgedruckten  farmein, 
gröfstentheils  geschöpft  aus  acten  der  letzten  jhh.,  als  in 
der  Volksmeinung  das  band  zwischen  hexen  und  teufel  längst 
entschieden  war,  beziehen  sie  sich  nie  auf  teuflische,  überall 
auf  elbische  oder  gar  christliche  Verhältnisse.  zum  theil 
mögen  sie  von  hohem  alter,  heidnisches  Ursprungs  und 
durch  lange  mündliche  Überlieferung  fortgepflanzt  worden 
sein,  ihre  heilende  oder  schadende  kraft  beruht  auf  dem 
glauben  an  elbe  und  ^^/er,  deren  stelle  später  engel 
und  heilige  namen  vertreten,  wie  alb  und  eibin,  zwerg 
und  %werginy  b%lm%  und  bilwisAn  (s.  441)  aufgerufen  wer- 
den, stehn  in  der  alten  ags«  formel  (anh.  s.  cxxvu)  Ha 
gescot,  ylfa  gescot  und  häglessan  gescot  nebeneinander. 
Solche  formein,  deren  werte  den  hexen ^ des  16.  17  jh. 
längst  unverständlich  sein  musten,  thun  mit  einem  mal 
die  Ungerechtigkeit  der  wider  sie  erhobnen  anklage  dar. 
Bedeutsam  scheint  mir,  dafs  die  phantasie  der  gemarter- 
ten hexen  zuweilen  noch  ausdrücklich  ein  fahren  'auf 
Venesberg    und    in   das  paradis*  bekennt  (Mones   anz.   7, 

*)  Afielius  sagohifder  1,  38.  43. 


VBXm  MU 


436)  also  den  alten  etbischien  oder  gar 

halt  der  Seligkeit,  nicht  einen  teuflischen  meint 

Die  allmäliche  eindrflngnng  des  teufels^  von  dem,  naeh 
dem  glauben  der  kirche,  menschen  besessen  wurden  (s.  967)^ 
erläutert  sich  leicht,  sein  begrif  war  den  Deutschen  ur- 
sprünglich fremd ,  sie  hatten  ihn  schon  frühe,  durch  über- 
Uraguag  auf  ein  weibliches  wesen  zu  popularisiren  gesucht 
(s.  042.  943).  Umgekehrt  aber  muste  nun  alles  was  sie 
Ton  frau  Uolda  erzfthlten,  da  mit  der  zeit  die  christliche 
Torsteilung  eines  männlichen  teufeis  überwog,  auf  ihn  an- 
Wendung. finden..  Aus  der  botmäfsigkeit  und  dem  gefolge 
jener,  unholden  nachtfrau  traten,  die  hexen  über  in  die  ge- 
Seilschaft  des  teufeis,  dessen  strengere,  schärfere  naiur  das 
ganze  Verhältnis  in  bösartigeres,  sündhafteres  steigerte.  Jene 
nächtlichen  zaoberfarten  beruhten  noch  auf  der  genieinsa- 
men Unterwürfigkeit,  welche  der  alten  göttin  gebührte,  die 
frauen  fuhren  in  ihrem,  geleite;  jetzt  holt  der  teufel  die 
weiber.ab  und  trägt  sie  über  borg  und  thal  (s.  964.  980), 
es  entsprang  die  Idee  eines  buhler%»ohen  bündnisses  zwischen 
dem  teufel  und  jeder  einzelnen  hexe. 

Faden  des  Zusammenhangs  lassen  sich  in  menge  nach- 
weisen.  Geisterhafte  wesen  konnten  in  nähere  und  ver- 
trautere läge  ZV  den  menschen  versetzt  werden;  ein  ganzes 
elbisches  geschlecht  bindet  peine  Schicksale  nachbarlich  an 
das  heil  oder  Unheil  eines  menschlichen,  hausgeister  wid- 
men sich  dem  dienst  eines  menschen,  dem  sie  mit  eigen- 
sinniger, überläsiiger  treue  anhängen  (s.  480);  allein  diese 
Zuneigungen  werden  weder  durch  förmlichen  bund  hervor- 
gebracht noch  .sind  sie  .dem  menschen  gefährlich,  ein  gleich 
zartes .  unschuldiges  Verhältnis  besteht  zwischen  ihm  und 
seinem  angebornen  schützenden  folgegeist  (s.  830). 

In  bildung  ihrer  eigemumen  sind  die  teufel  der  hexen 
den  elben  und  kobolden.  so  auffallend  ähnlich,  dafs  man 
kaum  etwas  anders  annehmen  darf,  als  dafs  fast  alle  teu- 
felsnamen  dieser  art  aus  älteren  volksmäfsigen  benennun- 
gen  jener  geister  entsprungen  sind,  eine  samlung  solcher 
namen,  die  ich  aus  den  hexenprocessen  geschöpft  habe, 
wird  uns  willkommiie  aufschlüsse  über  den  alten  elbischen 
haushält  selbst  gewähren,  manche  sind  von  heilkräftigen 
kräutern  und  blumen  entnommen  und  sicher  aus  einer 
schuldlosen,  keiner  teuflischen  phantasie  hervorgegangen: 
Wolgemut  (origanum),  Schöne  (bellis  minor,  tausendschön), 
Luzei  (aristolochia),  Wegetritt  (plantago),  Blümchenblau 
(vgL  die  Wunderblume  s.  924)  Peterlein  (petersilie) ;  gerade 
so    heifsen    in   Shakespeares   sommernachtsIr.    zwei    feen 


MM  msxmi 

PiMMBhioMm    (drbsehbiüte)    uild    Mustafdteed   (seflfmmö). 
Gleich  anmutige  werden   dem    waldleben  der  geister  ent- 
khrnt:    Grünlaub y    Gfünewald,    Lindenlaub,    lAndenMeig^ 
Eiehenlaub;     Bimbaum,     Bimbäumcken]      Raukmstrauck, 
BuehsbauMt     Hölderlin    (Holder,    hollunder),     KfänsUein, 
Springinsfeld,    Burlebusch /  Zumwaldfliehen ;   grfinrgel^ktet, 
gleich  dem  teufet  (KM.  101)  erscheinen  die  schottischeit  elbe 
(minstrelsy  i,  152.  154.  160.  164),   die   nordischen   huldre 
(Fäye  8.  42);  laub  un^  kränze  mu^en  bei  den  alten  opfern 
wie  beim  eauber  viälf^ch  vorkommen^  zumal  auf  eiohertbmb 
sind  die  hexen  angewiesen  und  brauchen  es  zum   wetier- 
brauen  (Mones  anz.  8,  129).     Da  der  teufel  oft  schön  und 
englisch  auftritt  schon  Ls.  3,  72  'in  eines  jungen   mannes 
schih')  eignen   sich  für  ihn  namen   wie  Jüngling  ^   Junker, 
SchönhanB,    und  gern  wird  ihm  federschmuck  o^  flägel« 
gestait  zugeschrieben,    darum  heifst   er  Feder,   Federhant, 
FederUng,  Federbusch,   Wei/sfeder,   Siraujsfeder ,  Sirau/s- 
wedel,  Grünwedel,  unter  allen  namen,   die  die  hexen  be- 
kennen,  ist  keiner  häufiger   als   Flederwisch   (Voigts  abh. 
62.  68.  69.  105.  109.  113,  129),   in  volkssagen  aber  wer- 
den kobolde  so   geheifsen   (Jul.  Schmidt  158);    ausgelassne 
zecher  pflegten   die    gesundheit    'allen    fiederwischen T  zu 
bringen  (franz.  Simpl.  1,  47.  57),  unter  flederwiseh  verstehn 
wir  das  erste  glied  des  flügels^   dessen  man  sich  zum  ab- 
stUuben    bedient,    daher   auch   Kehrwisch  ais    teufelsname 
vorkommt,   das  schnelle  hin   und   her  wischen  des   geistes 
geschickt  bezeichnend.    Sehr  gewöhnlich  sind  sodann  mensch- 
Uobe  eigennamen,   am  liebsten  in  der  vertrauten  keseform, 
wie  sie  auch  kobolden  zustehn  (s.  471.  472):  Hims,  Häns^ 
chen,    Junker   Hans,    Grauhanä    (vgl.  Graumann    s.  945), 
Grünhans,     Hans     vom    busch,     Heinrich,    Grauheinrich, 
Hinse,  Kum,  Kün%chen  (vgl.  Kueni  s.  955),  Konrad,  Nickel, 
Grofsniekel,   Marün  (a.  ^3),    Merien,    Kaspar,    Käsperle, 
Dewes^    Rüpel,    Rüppel  (s.  472),    Rausch  (s.  484),     Wen- 
del  (s.  349),    HemmerHn   (s.  166),    SUfphel,    Junker  Stof 
(?  Christoph,  mit  bedeutsamer  kürzung  der  ersten  silbe,  vgl 
StÖpchen  s.956);  wovon  einzelne  gleich  stark  an  das  heid- 
nische und  teuflische  anklingen;    Perlehit»  (in   hess.  acten 
auch  Berlewitzcfaen,  Berlewitchen)   wahrscheinlich  eins  mit 
pilwiz   (s.  441)*).      Bedenklicher  lauten   schon:   Leidenoth, 
Machleid,     Unglück,    Reicheher,    Hintenhereor ,    Allerlei' 
Wollust   (vielleicht  blumenname  ?) ,    Schwarzburg,   Dreifufs, 

*)  da  die  hss.  tnnnHart  R  etnzasrhieben  pflegt:    in  Casse]  macht 
da^  Volk  iUB  beilerae  baiievue. 


HBXBN  Hnfl 


Kmhfu/$f  Kuhh6mehen,  Diokbauchy  die  doch  äuoh'  aaf 
die  satyrgestail  der  schrate  oder  das  qoftleiMle,  rnikeimUdhei 
des  iddnioiiigeiiev  Umga^  überhaupt  fehn  diffen.  Das 
alte  oslerspiel  biete!  folgende  teufetenamen  *  dar ,  welobe 
mindestehs  in  den  «nfairg  des  15  jb.  gebi^ren :  Koitettm^f 
Rosenkran» ,  Kre%lm  y  Fedknoisok ,  RaffenAon ,  Binke^ 
bankj  Sfriegelgkaim  y  Sokorbranty  Schoppmsiaky  Helle** 
krug^)j  Sckeraemage;  ee  ist  leicht  nach  deai  rorherge- 
sagten  sie  2u  deuten.  Italienische  streghe  nennen  den  tea*< 
fei  MarHneliOy  Mai^Hne$to  und  wieder  Fibrin& ;  firanaös.  acten 
liefern:  maistre  Persily  Yerdeleiy  VerdfoHy  JohboiSy  Saut^ 
bimson.  ich  erinnere  noch  an  Moih  (motte)  und  Cobi»eb 
(spinnweb)  aus  dem  semmemachtstraum.  Mit  den  »amen 
des  jüdischen  oder  christlichen  teufet«  haben  sie  gar  nichts 
gemein,  aufser  mit  den  s.  941.  955  angeführten,  selbst  ko** 
boldisoben  **)«  Einzelne  der  aufgestthiten  tenfelsnamen 
scheinen  zugleich  auf  die  hexen  selbst  gereeht,  wie  auch 
unter  den  eiben  beide  gesehlechter  mehrere  geikiein  haben, 
so  passen  die  weiblichen  kräuter  und  blumennamen  mehr 
auf  zaubeHnnen. 

Liebeihftndel  unter  geistern  und  raenselran  werden 
durch  ihren  traulichen  Umgang  herbeigeführt,  niemals  ge* 
schiebt  meidung  von  koboldinnen,  nie  wird  erzählt,  defs 
kobolde  fraiien  nachstellen;  elbe  hingegen  stehlen  Jungfrauen, 
und  männer  leben  in  heimlicher  liebe  mit  dbinnen.  Aufser 
dem  dafs  Eiberich  Otnits  mutter  unsichtbar  bewältigt  erin- 
nere ich  mich  aber  keines  beispiels  von  buhlerei,  wie  sie 
allen  hexensagen  zom  gnind  liegt.  Die  Vorstellungen  von 
incubeu  und  succuben  seheinen  mir  undeutsches  Ursprungs, 
obwoi  sie  sich  nachher  mit  denen  vom  alb  und  nachtgeist 
vermengt  haben,  eine  ags.  von  Wanley  ausgezogne  hs., 
ich  weifs  nicht  ob  des  12,  11  oder  eines  noch  früheren  jh., 
redet  von  menschen,  denen  sich  der  teufel  vermische 
(monnom^  {)e  deofol  mid  hcemd).  Dem  späteren  begrif  der 
hexen  ist  unzlöchtige  buhlschaft  wesenilich,  sie  besiegelt  das 
goschlosseAe  bündnis  und  sie  verleiht  dem  teufel  freie  macht 
über  die  Zauberinnen :  einer  reinen  Jungfrau  kann  es  nichts 
anhaben  **^)«  otbne  diesen  greuel  kommt  hernacli  überhaupt 
keine  hexe  vorf). 

*)  Mones  ftchausp.  8.  131  geben  heUehruhe  für  hexe. 
**)  selten  heifst  der  bnbier  Lueifer  oder  Belzebok  (Trier.  ac(.  114, 
wo  ich  den  mmen  jamer  für  leufei  nicht  recht  Terstehe ;  der  leidige, 
von  Jammer,  leid?  oder  elend,  epilepsie?). 

***)  le  d^mon  ne  peut  faire  pacte  avec  ane  Tierge.    Michelet  hist. 
de  France  5,  6a  159.  l60. 

f)  das  griech.  alterlfaum  hatte  seine  fnAdn  vom  Umgang  der  göt- 


fDia  HBXBN 

Es  fragt  sich,  zu  welcher  zeii  hexenbündnisse  und 
buhlsohaften  mit  dem  teufel  am  frfiheaten  in  Deotechland 
erwähnt  werden  ?  ohne  zweifei  gab  ersten:  anlafs  dazu  die 
Verfolgung  und  Verbreitung  der  ketzereieHy.  die  seit  der 
mitte  des  13  jh.  ton  Italien  und  Framkreich  her  nach 
Deutschland  kam.  In  welchem  mafse  ketzer  schuldig  oder 
unschuldig  gewesen  seien ,  die  vergröfsernde,  entstellende 
sage  legte  ihren  Zusammenkünften  abgöttische  aüsschwei- 
fungen  zur  last,  deren  Verwandtschaft  mit  dem  hexenwesen 
unverkennbar  ist  Unter  den  ketzern  selbst,  .bei  ihrer  ab- 
sonderung,  Zurückhaltung  .und  dem  immer  wieder. gelin- 
genden anknüpfen  an  neue  jünger  und  theilnehmer.  haben 
sich  uralte  glaubensabweichungen  und  brauche  zäh  und 
hartnäckig  fortgepflanzt;  ebenso  untilgbar  erhoben  sich 
wider  sie  falsche  anklagen,  man  zieh  sie  der  anbetung 
eines  thiers  oder  thierhaupts,  das  in  den  teufel  flbergieng, 
der  bald  als  schwarzer  geist,  bald  als  lichter  verführen« 
scher  engel,  thierisch  am  liebsten  als  kater  oder  auch  kr5te 
sichtbar  wurde,  bei  ihren  zusatfimenkünften  sollen  sie 
kinder  geschlachtet,  deren  blnt  in  mehl  oder  asche  gekne- 
tet, und  nach  löschung  der  lichter  untereinander  fleischli- 
che Unzucht  getrieben  haben.  neugeworbne  genossen 
^chneten  sie  durch  nadelstich^  dabei  wurde  dem  schöpfer 
geflucht,  dem  bösen  feind  gleich  weltlichen  herrn  durch 
einen^  kus  huid  und  treue  geleistet*).  Es  konnte  auch  nicht 
fehlen,  dafs  in  der  uhanstöfsigeren  lehre  und  Übung  ein- 
zelner ketzer  heidnisches  und  christliches  vermischt  wurde; 
der  eifer  der  kirche  muste  sich  zugleich  gegen  neue  irieh- 
ren  und  Überreste  des  heidenthums,  die  sich  jenen  zuge- 
sellten, richten.  Den  ketzerverfölgungen  giengen  gerückte 
teuflischer  bttndnisse  und  Zusammenkünfte  zur  seite,  die 
nun  das  volk  mit  seinem  alten  aberglauben  von  dämoni- 
schen wesen  verknüpfte.  Überlieferungen  von  einem  bnnd 
des  teufeis  mit  männern  waren  schon  früher,  wenigstens 
seit  dem  10  jh.  (s.  969)  im  Occident  verbreitet;  um  so  eher 
liefsen  sie  sich  auch  auf  frauen  anwenden.  Die  älteste 
sichere  erwähnung  eines  buhlbundes  zwischen  teufel  und 
hexe  findet  sich  im  j.  1275  unter  einem  Inquisitor  zu 
Toulouse**);    die  erste   hälfte  des   vierzehnten  jh.  scheint 

ter  mit  sterblicheD  (i.  318),  unser  heidenthum  yoo  rerbinduDg  der 
heldeD  mit  schwanfrauen  und  eibinnen ;  zuletzt  konnte  die  weit  rohere 
Torstellung  eines  ttirhUchen  Terkehrs  des  teufeis  mit  menschen  glauben 
finden ! 

*]  Soldan  gesch.  der  hexenprocesse  s.  103—146. 

'*)  Soldan  a.  147. 


HBXBBf  1009 

die  aBnafame  einer  teuflischen  Genossenschaft  (seöta  stri- 
garnm]  vorzüglich  in  Italien  fester  gestellt  m  haben.  Bar- 
tolus  (f  1357)  gab  ein  gutachten  über  eine  hexe  ansOrtha 
und  Riparia  im  bisthum  Novara  %  die  anklage  war  ihm  nen 
und  ungewohnt,  er  beruft  sich  des  Verbrechens  wegen  auf 
theologen,  man  darf  nach  der  ganzen  fassung  seines  ur- 
theils  annehmen,  dafs  vorher  im  Mailflndischen  wenig  o^er 
keine  hexeilproceiBse  vergekommen  waren,  es  heifst  unter 
andern:  'mulier  striga  sive  iamia  debet  igne  cremari,  con- 
fitetur  se  crucem  fecisse  ex  paltis  et  talem  crucem  pedibus 
conculcasse:  .  •  .  se  adoroBse  didbohm  Uli  genua  fle-^ 
ctendo  ...  pueros  tactu  stricasse  et  fascinasse,  adeo  quod 
mortui  fuerunt.  audivi  a  sacris  quibusdam  theologis,  has 
mulieres/  quäe  hmiae  huncupantur,  tactu  vel  visu  posse 
nocere  etiam  usque  ad  mortem  fascinando  homines  sen 
pueros  ac  bestias,  cum  habeant  animas  infectas,  quas  dae^ 
mani  eatervfti.'  Zwischen  den  jähren  1316  und  1334  war 
eine  undatierte  pftbstliche  bulle  Johannes  des  XXII  ergan- 
gen, welche  die  gütßr  verurtheilter  zauberer  gleich  denen 
der  ketzer  einzuziehen  verordnet.  Was  nun  von  Inquisi- 
toren und  richtem  geschah  hat  Soldan  s.  160  —  210  einer 
ausführlichen  forschnng  unterworfen^  ich  brauche  hier  nur 
einzelnes  hervorzuheben.  Alfonsus  de  Spina  in  seinem  for- 
talitium  fidei  (geschrieben  um  1458)  üb.  5  berichtet:  quia 
niminm  abundant  tales  pereersae  muKeret  in  Delphinatu  et 
Gaschonia,  ubi  se  asserunt  concnrrere  de  nocte  in  quadam 
planitie  deserta,  ubi  est  operquidam  in  rupe^  qui  vulgariter 
dicitur  el  hoch  de  Biteme,  et  quod  ibi  conveniunt  cum  coh" 
delis  aceenm  ei  adorant  iUum  aprum  oscnlantes  eum  in 
ano  suo;  ideo  captae  plures  earum  ab  inquisitoribus  fidei  et 
convictae  ignibus  comburuntur;  signa  autem  combustarum 
sunt  depicta,  qualiter  scilicet  adorant  cum  candelis  praedi- 
ctum  aprum,  in  domo  inquisitoris  Iholosani  in  magna  multi- 
tudine  camisearum,  sicut  ego  propriis  oculis  aspexi.  man 
wird  fiberall  caper  f.  aper  zu  setzen  haben,  da  bock,  boc, 
bouc  deutlich  jenen  bezeichnet.  Das  anbeten  und  küssen 
des  bocks  oder  katers  wurde  gerade  den  ketzern  schuld 
gegeben ,  deren  namen  sogar  davon  hergeleitet  worden 
ist  **).    diese  parodie  göttlicher  anbetung  kann  an  bocksopfer 

*)  ffedrockt  in  Joh.BaptZiletti  consilior.  seleoU  in  criminal.  caosis. 
Francor  1578  fol.  tom.  1.  consil.  6. 

**)  *catari  (für  cathari)  dicunlur  a  cato,  quia  oaoalantnr  poateriora 
cati,  in  cujus  specie,  ut  dicunt,  apparet  eis  Lucifer.*  Alanus  ab  in- 
suiifl  (*|-  1202)  contra  Valdenses  libro  1»  ein  besserer  name  der  ketzer 
war  bofU  kominut  hon»  hammes  (Soldan  s.  t31),  ich  glaube  nicht  weä 


Vm  KBXBBF 

der  Heiden  (&46}  and  an  die  heilifkeil  dieses  tbters  (8.632) 
geknüpft,  ftbfer  nach  ans  der  uralten  bocksföfsigen  gestalt 
des  teufeis  erklärt  werden  (s.  947).  Das  Hssen  der  kröte 
(SoIdaA  s.  133. 136)  stinMnt  auffallend  eu  dem,  welches  den 
eriösnngen  weifser  fratien  vorausgehn  mufs  (s.  921);  hier 
begegnen  ketzerische  meinungen  dem  aberglauben.  Im  jähr 
13p3  wurde  ein  biseköf  Ton  Conventry  ib  England  zu  Rom 
einer  reihe  grofser  verbrechen  angeklagt,  unter  anderm 
'quod  dioMo  hamagium  feoermiy  et  eum  faerit  Mculatus  in 
tergo';  Bonifaz  VIII  sprach  ihn  frei  ^).  Die  nemliche  be- 
schuldigung  lastet  gewöhnlich  auf  den  späteren  hexen«  Hartr- 
lieb  (anh.  LIX)  redet  im  j.  1446  von  gott  entsagen  und  sich 
drei  teufein  ergeben. 

Durch  die  Inquisition  der  geistlicheD,  durch  die  zu 
gleicher  zeit  in  den  gerichten  eingedrungene  förmlichkeit 
des  canoniscben  und  römisehen  proeesses,  zuletzt  noch 
durch  Innocenz  VIII  bulle  von  1484,  den  malleus  malefica« 
rum  **)  und  die  peinliche  halsgerichts  Ordnung  wurde  seit 
dem  vierzehnten  vier  Jahrhunderte  lang  die  Verfolgung  und 
verurtheilung  der  zauberinoen  unerhört  gesteigert,  und  zahl- 
lose söhlachtopfer  fielen  in  fast  allen  theilen  Europas.  Das 
frühere  miltelalter  kannte  zauberer  und  hexen  nur  in  jenem 
milderen  sinn  als  sagenhafte,  dem  Volksglauben  heimfallende 
dbische  oder  gar  teufelbesessene  wesen,  nicht  als  wirkliche 
von  gott  abgewichne  übelthäter,  die  gerichtlich  verfolgt  wor- 
den wären,  zwar  hat  man  sich  vielfach  auf  die  annales 
oorbej.  berufen,  welche  ad  a.  914  ausdrücklich  erzählen, 
'multae  sagae  combusfae  sunt  in  territorio  nostro*,  allein 
diese  annalen  sind  erst  1464  niedergeschrieben  und  neuer- 
dings ganz  verdächtigt  worden.  Mehrere  der  alten  volks- 
recbte  setzen  auf  Zauberei  strafen  ***) ;  aber  den  fällen, 
welche  vorkamen,    lagen   doch  wirkliche    übelthaten   zum 


viele  aus  edelem  stände  ^aren,  eher  im  anklang  an  andere  hedeatan-> 
gen  dieses  ausdrucks  (ygL  oben  8.70).  die  boni  homlnes  gemahnen 
zugleich  an  die  geisterhaften  guten  fraucn ,  bonae  dominae  (s.  265) 
wie  die  francs  hommes  an  die  franches  paceles  (s.  382).  selbst  die 
guten  holden  sind  dabei  nicht  zu  übersah n. 

*)  die  balle  bei  Rjmer  2,  934  der  alten  ausg. 
**)  den  die  beiden  Ton  Innocenz  bestellten  Inquisitoren  Heinricas 
Inatitor  in  Alemannien,  und  Jac.  Sprenger  in  €öln,  mit  Zuziehung 
des  Gonstanzer  geistlichen,  Job.  Gremper,  im  jähr  1487  abfafaten. 
Bald  erfolgten  bischöfliche  mandate,  z.  b.  in  Regensburg  1491.  1493. 
MB.  16 ,  241.  243. 

***)  lex  sal.  22.  rip.  83.  Visigoth.  VI.  2,  2,  3,  4.  lex.  Alam.  add.  22. 
eapitnl.  a.  789.  cap.  18.  capil.  il.  a.  805. 


HEKflR  um 

gmnde^  mord  ttnd  vergtllong,  die:slria  ist  eine  herikaria, 
d.  h«  veaefica*);  angesduddigtes  wettermachen  haben  tvol 
wenige. mit  dem  leben  gabttfst.  Vorzttgtich  i)eMerkcttswerlh 
sind  die  gerade  gegen  solche  verhftngten.  sirafen«  weiche  loi 
Wahn  angeblicher  aauherei  rnftnner  oder  fraaen  verbrannt 
oder  got&dtet  hatten  **);  nicht  zasberei,  sondern.  töAang 
vermeinter  zauberer  nennt  das  aufgekiirte  geaetz  etwas 
teuflisches  und  heidnisches.  Wegen  btofser  nachtfart  nlt 
nnhoUen  .dächte  niemand . daran  frauea  peiakeh  za  belangen, 
und  jener  beichtvater  des  13  jh.  widerlegt  das  bekenntnis 
der  domina  sortüega  aus  vemanflgründen  (s.  1012)***). 
Seitdem  aber  durch  unselige  vermenguag  der  ketzerei  and 


*]  bei  Meichelb.  no.  683  (a.  853]  eine  Freisinger  dirne  venefica; 
ad  a.  1028  eine  maiefica  muUer  arfes  maleficas  cum  tribus  aliis  mii- 
üeribua  exereeoa  (Pertz  0,  146) ;  ai  a*  i074  Ea  Cölo  eine  mulier  ho- 
mifies  plerumque  magicU  artibu$  domealare  inlaaiaUi  (Laiah.  sehafo. 
p.  375). 

**]  capit.  Caroli  de  part.  Sax.  5:  s\  quis  a  diabolo  deceplus  credi- 
derit  secundum  morem  Pagaoorum,  tirum  aliquem  aul  femioam  slri- 
gam  esse,  et  homioes  comedere,  et  propter  hoc  ipsam  incenderii^  re\ 
caroem  ejus  ad  comedendum  dederit,  capUU  setUenHa  puniehir,  lex 
Rolh.  379 :  nuHttS  praetuaiat  aldiam  alieoaai  aat  ancSlaoh  quasi  stri«- 
gam  oecideref  quod  christianis  menHbuB  ntdUUenut  est  credtndmm 
oec  possibiie  est«  ut  hominem  mulier  tivuid  intriasecus  possit  come- 
dere.  Wie  TOrtheilhaft  sticht  diese  Weisheit  Carls  und  Rothars  ab 
gegen  lunocenz  VII  ihörichle,  grausame  bulle  I  Jene  sagae  comhaatBe 
ip  Wofitfalen,  wenn  das  gemeldete  glauben  verdient,  waren  schwer- 
lich Ton  den  gerichten  yerurtheilt,  sondern  von  dem  pöbel  selbst  aei* 
nem  heidnischen  aberglaoben  aufgeopfert,  den* die  angeführten  gesetze 
hindern  wollten,  noch  in  unsern  tagen  yersucht  di^s  Tolk  in  Frank- 
reich, England  und  fielgwn  angebliche  hexen  eigenmächHg  ioa  feuer 
oder  in  die  schwemme  zu  Werfen  (Horstt  zanberhibl.  6,  368.  &72. 
374).  Whites  Seiborne  p.  202:  the  people  of  Tring  in  Hertfordshirc 
vould  do  well  to  remember  that  no  looger  ago  than  th«  year  1751 
(hej  seized  on  two  superammaled  wretches,  crazed  with  age,  and 
oTerwhelmed  with  infirmities,  on  a  suspicion  of  witchcraft;  and  by 
Irjing  experimenls  drowned  them  in  a  horsepond.  Die  gazette  des 
tribunaox  no.  3055  4  juni  1835  erzählt  einen  procefs  zu  Arcis  sur 
Auhe  gegen  Termeinte  sauberer  angestellt,  in  deren  gescfalecht  das 
rermögeo  lause  zu  zaubern  erblich  sei. 

y*)  allerdings  Ssp.  11.  13,  7:  'svelk  kerstenman  ungelovieh  is  unde 
mit  tovere  umme  gat  oder  mit  yorgiftnisse,  unde  des  yerwunnen  wirt, 
den  sal  man  Upper  hart  bemen/  Schw.  sp.  149  Wackern.  174  Lafsfa. 
Goal.  stat.  38,  20.  die  von  Homeyer  hinter  kerstenman  aufgenomme- 
nen Worte  *oder  wif  sind  später  eingeschaltet,  wie  sie  den  übrigen 
gesetzeo  fehlen,  und  aus  dem  folgenden  relatiyom  slen'  zu  entoehmen 
isL  der  zeit  und  fassung  dieser  denkmäler  scheint  angemessner,  dafs 
sie  Zauberer  uud  noch  nicht  Zauberinnen  nennen;  merkwürdig*  aber 
▼erknüpfen  sie  schon  a postaste  mit  dem  Zauber,  vgl.  Soldan  172 — 174. 
Biener  (seitschr,  f.  geach.  rechtaw.  12«  126)  will  jene  feuersirafe  des 


1022  HEXE» 

Zauberei  die  vorsteihmg  sich  befesägl  hatte, '  daCs  jede  hexe 
gotl  entsage  und  dem  bösen  zufalle ,  gewann  alles  ein  an- 
deres ansefaa:  sie  war  als  genossin  des  teufeis,  ohne  räck- 
sicht  auf  andere  verbrechen^  die  sie  verübt  haben  könnte, 
todes  schuldig ,  und  ihre  unthat  galt  für  eine  der  gröfsteDj 
schaudervollsten.  seit  der  zeit  hörte  aber  die  frühere  Vor- 
stellung von  teufelbesessenen  beinahe  auf:  die  phantasie 
hatte  sich  anders  gewendet. 

Hexenprocesse  aus  dem  16.  17.  18  jh.  sind  reichlich 
bekannt  gemacht,  aus  dem  15  jh.  wenige  vollständig  f).  man 
braucht  blofs  einige  gelesen  zu  haben;  durchweg  das  nem- 
liehe  verfahren  in  unbegreiflicher  einförmigkeit,  immer  der- 
selbe ausgang.  anfangs  leugnet  die  angeklagte:  gefoüeri^*] 
bekennt  sie  was  alle  vor  ihr  hingerichteten  ausgesagt  haben, 
und  dann  wird  sie  aufs  schnellste  verdammt  und  perbrannt 
(incinerata,  nach  dem  ausdrnck  des  inalleus).  Diese  Über- 
einstimmung factisch  grundloser  aussägen  erklärt  sich  aus 
dem  fortgepflanzten,  die  phantasie  des  volks  erfüllenden 
wahnglauben,  ich  will  es  versuchen  alle  wesentlichen  punc- 
to hier  zusammenzufassen  ***). 

Sipi  auf  den  fall  beziehen,  wenn  dai  geistliche  gerioht  einen  solchen 
Bänder  als  unbufsfertig  dem  weldicben  nbergibt 

*)  anergibig  ist  der  tractatus  de  phitonico  contracta  fratris  Tho- 
mae  Mnrner.  Friburgi  Brisg.  1499.  Mnroer  meldet  wie  ihn  in  seiDer 
kindheit  eine  hexe  gelfihmt  habe. 

**)  die .henkersformel  lautet:  *du  sollst  so  dünn  gefoltert  werden, 
dafs  die  sonne  durch  dich  scbeint!'  RA.  95.   Diut  1,  105. 

***)  Mainzer  hexenacten  Ton  1505  und  1511  in  Horsts  zauberbibl. 
4,  210 --218;  Freiburger  tod  1546.  1627  —  35  herausg.  ron  Heior. 
Schreiber.  Freib.  1836;  Quedlinburger  Ton  1569—1578  in  Gottfr. 
Christian  Voigts  gemeinnützigen  abh.  Leipz.  1792  p.  59^  160  5  Trierer 
Ton  1581  in  der  trierischen  chronik  1825.  10.  196  ff.  Ton  1625  du. 
108  ff.:  Nördlinger  Ton  1590-94  herausg.  Ton  Weng.  Nördl.  1838; 
Elsafser  von  1615  —  35  in  den  Ht.  bl.  der  börsenhalle  Hamb.  1835  no. 
1092.  1093:  Eichstitter  Ton  1590.  1626  —  37  in  dem  EichstSU  1811 
veranstalteten  abdruck  ;  Wemdinger  Ton  1620  ausgez.  in  Mones  aos. 
7,  425  —  27;  Dieburger  too  1627  io  Steiners  gesch.  von  Diebor^. 
Darmst  1820.  p.  67—100;  Bühler  Ton  1628.  1629.  in  Mones  anz.8, 
119—132;  Siegburger  von  1636  in  Ph.  Ernst  Schwaben  geschicfate 
Ton  Siegbuig.  Cöln  1826  p.  225  —  241 ;  brandenburgische  vom  15  —  18 
jh.  in  den  markischen  forsch ungen  1,238  —  265;  Carominer  yon  1679 
in  den  neuen  pommerschen  proTinzialbl.  Stettin  1827.  1«  332-^365; 
Freisinger  Ton  1715  —  1717  in  AreUns  beitr.  4,  273—327.  Brauch- 
bare auszöge  aus  schwäbischen  verhören  des  15  jh.  enthilt  der  berüch- 
tigte malleuB  maleficarum  (zuerst  1489  gedr.),  aus  lothringischen  acten 
Ton  1583  —  90  Nie.  Remigii  daemonolatria,  übers,  von  Teucer  Annaeos 
Privatus,  Frankf.  1598,  aus  burgundischen  (en  la  terre  de  saioct  Ojsn 
de  Joux)  vom  j.  1598.  1599:  Henry  Bogvei  discours  execrable  des 
sorciers«    Rouen  1603  repr.  Lyon.  1610.  unwichtiger  ist  Sam.  Meiger 


HEXEN  1(128 

Der  tettfei  ers^eiiU  in  gestalt  eines  sMIliden  jttng- 
^ogS)  federgeichmüdU  und  buhlerisch;  erst  als  es  zu  spüt 
ist  gewahrt  die  hexe  des  pferdefu/iei  oder  gänsefufses  % 
Er  swingl.sie  dann  gott  abzusagen,  tauft  sie  um,  wozu 
sie  sich  palhen  wfthlen  muls,  und  legt  ihr  einen  namen 
beiy  so  wie  er  ihr  seinen  namen  entdeckt,  ihrem  leib  wird 
ein  »eiöben  eingedrückt,  dessen  stelle  fortan  unempfindlich 
ist,  auch  das  kommt  vor,  dafs  ihr  aus  dem  schöpf  haare 
gerissen  ifrerden.  zuweilen  naht  er  als  maus,  bock,  krfthe, 
fliege,  wandelt  sich  aber  bald  in  menschliches  aussehn  um. 
auch  bei  wiederholter  buhlerei  empfilngt  die  hexe  nur  kleine 
geldgesehenke ;  was  er  als  glänzendes  geld  gab,  war  beim 
licht  besehn  mist  und  koth  **).  Hauptsache  ist ,  dafs  an 
gewissen  tagen  der  teufel  sie  abholt  oder  bestellt  zu 
nächüichen  festen ,  die  in  gesellschafl  anderer  Zaube- 
rinnen und  teufel  begangen  werden,  nachdem  sie  sich  mit 
einer  salbe  ***)   fübe  und  achseln  geschmiert  oder  einen 


de  panurgia  lamiarum.  Hamb.  1587.  4.  ScaDdinayische  nachrichten: 
Njerups  udsigt  oYer  hexeprocesserne  i  Norden  (skand.  liUeraturselskabs 
ikrifter  19»  339-^394.20,  1—42)»  worin  lumal  lehrreich  ist  ein  ausxug 
aas  Lern  aber  norwegisehen  heienglauben  (19,  385  —  391).  trolWä- 
sendet  i  Dalarna,  Iren  1668  —  73  in  Joh.  M.  Bergoians  beskrifning 
om  Dalarne.  Fahlan  1822.  1,  208  —  219.  Aufserdem  habe  ich  gele- 
sen Girolamo  TartaroUi  del  congresso  noUurno  delle  lamie.  Royereto 
1749.  4  und  Gonst  Franc,  de  Ganz  de  cuUibus  magicis.  Vindob.  1767. 
4,  iwei  fleifsige  bucher,  des  erste  in  aller  italienischen  Weitschweifig- 
keit abgefafst;  weniger  nützte  mir  Diet.  Tiedemanns  preisschnft  de 
artium  magicaram  origin«.  Marb.  1787.  Scheltemas  gescbiedenis  der 
beksenprocessen.  Haarlem  1829  war  mir  nicht  zur  band;  Gannaerts 
bydragen  tot  bet  oude  strafregt  in  Viaenderen,  Brüssel  1829  repr. 
Gend  1835  liefern  s.  475— 491  interessante  auszuge;  einiges  aus  jenen 
gegenden  mitgetbeilt  ist  in  Scbajes  essai  historique,  Louvain  1834. 
p.  175—202.  Es  gibt  noch  eine  uozabl  anderer  werke:  Horsts  dimo- 
nomagie  Ff.  1818  2  bde.  zauberbibliotbek  Mainz  1821  —  26  6  bde, 
und  Walter  Scott  letlers  on  demonology  and  witchcraft,  Lond.  1830 
sind  Yon  mir  fast  angebraucht;  beide  berabend  auf  emfsiger  compi- 
lation  entbehren  rechter  critik  und  gelebrsamkeit,  Horsts  arbeit  ist 
daza  breit  and  geschmacklos,  Walter  Scotts  ungenau  und  fabrlissig. 
Die  meisten  dieser  Untersuchungen  sind  weit  ubertroffen  durch  Sol- 
dans gesch.  der  hexenprocesse,  Stuttg.  1843,  ein  werk  Ton  dem  ich 
in  meiner  Yorrede  noch  niber  urtbeile. 

*)  *wilde,  pflotte  föfse.*  Nördl.  bexenpr.  s.  35. 
**)  alles  gottliche  ahmt  der  teufel  verkehri  nach  (s.  938):  sein  gold 
wandelt  sich  in  unrath;  wenn  aber  götter  oder  gütige  wesen  laub, 
spSne,  knotlen  schenken,  wandeln  sich  diese  in  eitel  gold  (s.  246.  252). 
Darum  sitzt  der  teufel  verkekri,  darum  stehen  die  hexen  auf  den  fufsen 
oder  tanzen  terkehri  u.  s.  w. 

***)   unffuentum   Pbarelis,  aus  krSutern   (anb.  s.  Lvni);   doch   die 
gewöhDÜche  bexensalbe  wird  aus  dem  fett  eraordeler,   ungetaufter 


9!6U  BBxsn 

gttrtei  mngekiiiideii  hat«  beschreitel  sie  tfedfaoi^  i^echenf 
besen,  tpitmroekeny  gdkaufel,  kochUffel  oiw  vßngabel^ 
und  fährt,  eine  formel  nramelnd,  soms  homsteni  «hinais, 
«ber  bergr  and  tha»,  durch  die  ififte  *).  d  MelrÜe  .Helbl.  .1, 
1196,  gabelreUermj  besenreüerm  bedeutet  hexe  und  hei 
der  Hätzlerin  s.  Lxvn^  quosienpkiderm  qaaate  perizorne^  cktr 
guium)  nichts  anderes.  Nach  einer  beiflemi*  vonSadise»- 
heim  (Wackern.  Ib.  1005.  1006)  ersfthUen  sage  des  14  jh. 
bestreicht  ein  ahes  Weib  zu  Urach  das  kalb,  auf  dem  der 
ritt  gesehehn  soll,  mit  salbe.  Holt  der  buhler  ab^  so  sitzt 
er  Tomen  auf  dem  steh ,  die  liexe  hinten ,  oder  er  seigt 
nch  als  bock,  den  sie  besteigt,  oder  sie  fährt  mit  rossen, 
die  aus  dem  boden  kommen.  Mtere  sagen  haben,  dafs  sie 
der  teufel  tu  teinen  mantel  nimmt  und  so  durch  die  lud 
ffihrt,  woTon  die  benennung  manlelfakre^  manieifakrerm. 
Am  Sammelplatz  finden  sich  viele  hexen,  jede  mit  ihrem 
buhltenfel  ein,  meistens  laoter  nachbar innen,  zuwcilea  längst 
verstorbene  frauen,  einige  (die  vornehmeren)  verlarvt  und 
vermummt,  ihre  liebhaber  sind  aber  nur  diener  des  ober- 
sten teufeis,  der  in  bocksgesidUy  mit  scÜwarzem  menschen- 
gesicht,  still  und  ernsthaft,  auf  einem  hohen  shd  oder  ei- 
nem grofsen  $fememen  Hsch  in  der  mitte  des  kreises  sitzt, 
dem  alle  durch  knien  und  küssen  ehrfurcht  beweisen,  trftgt 
der  oberste  teufel  besonderes  wolgefallen  an  einer  Zaube- 
rin, so  wird  sie  'zur  hexenkönigin  ernannt,  die  den  ersten 
rang  vor  allen  übrigen  behauptet  **)  und  zu  jenem  nord- 
trölla  kontogr  (s.  996)  stimmt.  Das  unerfreuliche  mahl 
erhellen  schwarze  fackeln,  die  alle  an  einem  licht  entzfindet 
werden,  das  dem  grofsen  bock  zwischen  den  hörnern 
brennt,  ihren  speisen  mangelt  sah  und  brot  *^%  getrunken 
wird  aus  kuhklauen  und  rosköpfen.  sie  erzählen  sich  dann 
was  sie  Obels  gethan,  und  beschliefsen  neues  übel;  wenn 
dem  teufel  ihre  unthaten  nicht  genügen ,  so  schlägt  er  sie. 
Nach   der   mahlzeit  f) ,    welche   weder  sättigt   noch  nährt. 


kinder  bereitet:  angueotum  ex  membris  paeroram  inleremptorom  ab 
eis  «Die  baptiBmuiB.     oialleus  malef.  II.  1,  3  (ed.  1494.  5U). 

*)  Simpl.  buch  2  cap.  17.  18  ein.  soleber  aufflag  beschriebes; 
der  ihn.  belauschte  fährt  auf  einer  bank  hinten  nach  qnd  gelangt  in 
einem  hui  aus  dem  fuldischen  Bachen  wald  ins  erzatift  Magdeburg. 

**)  Lafferts  relationes  crimtnales.  Gelle  1721.  p.  S2.  54.  Horsts 
dlmoDom.  2,  376.    377. 

***)  doeh  esaen  sie  brot,  das  sonntags  gebacken,  fleisch,  das  sonn- 
tags gesalaen  ist,  und  trinken  aoiuitags  gefafsten  weio. 

•]•)  es  gilt  dabei  auch  standcsyerschiedenheit :  erst  sitsen  die  rei- 
chen lu  tisch  und  trinken  aus  silfaerschalen ,  dann  die  arn»en  aus 
holsbechsrn  oder  klauen. 


HEXER  1025 

begknl  der  /«m«;  tuf  cäfiem  bäum  sitst  der  spietmatm^ 
Beine  gmge,  sein  diuMsack  ist  ein  pferdekaypt  (s.  1002), 
seine  pfeife  ein  knüitel  oder  kateenschwanz.  sie  drehen 
beim  tanz  einander  die  rücken  zu,  nicht  die  gesiebter  und 
wenden  diese  nach  aufsen ;  morgens  aber  sieht  man  im  gras 
kreisförmige  spuren  von  kuh  und  bocksfUfsen  eingetreten, 
der  tanz  soll  (nach  hessischen  acten  von  1631)  dem  der 
scburerttänz^  (s.  281)  gleichen,  häufig  keifst  es:  eine  der 
frauen  trage  am  rechten  fufs  den  güldnem  schuh,  war  sie 
königin  oder  bauptmftnnin?  bei  Martin  von  Amberg  kommt 
vor:  'der  trut  rote  sehueehel  machen',  doch  zum  tanz  ?  wenn 
der  reigen  aus  ist,  schlagen  sie  sich  einander  mit  schwin« 
gen  und  mangelhölzern  und  treiben  buhlschaft.  Zuletzt 
bremU  sich  der  groj^e  hock  %u  asche,  die  unter  allen  hexen 
ausgetheilt  wird,  und  mit  der  sie  schaden  stiften«  Eine  jimge 
unerfahme  hexe  wird  nicht  alsogleich  zu  mahl  und  tanz 
gelassen,  sondern  beiseits  gestellt,  um  mit  einem  tcei/sen 
stechen*)  kröten  zu  hüten;  auch  daheim  ziehen  und  halten 
sie  dieses  thier,  schon  bei  der  Hätzlerin  Lxvm'*  'inhitzige 
krotensackr  schelte  einer  hexe,  eine  solche  angehende 
hexe  stellt  der  teufel  auf  den  köpf  und  steckt  ihr  ein  licht 
in  den  after.  Die  heimreise  erfolgt  wie  die  hinfart;  der 
ehmann,  welcher  unterdessen  einen  ins  bett  gelegten  stock 
för  seine  schlafende  frau  gehalten  hat,  wird  nichts  von 
allem,  gewahr.  Wer  von  ungefähr  hexentänze  zu  schauen 
bekommt,  braucht  nur  den  namen  gottes  oder  Christi  aus- 
zubrechen, so  wird  alles  gestört  und  verschwindet  plötz«- 
lieh**),  Unthaten,  welche  hexen  verrichten,  beziehen  sich 
hauptsächlich  auf  vieh  und  getraide  ihrer  nachbarn ,  denen 
sie  zu  schaden  trachten,  fremden  kühen  verstehen  sie, 
ohne  dafs  sie  ihnen  nah  kommen,  den  euler  leer  zu  mel-^ 
ken  (anh.  s.  liv):  sie  stecken  ein  messer  in  eine  eichen- 
seule,  hängen  einen  strick  daran  und  lassen  aus  dem  strick 
die  milch^  fliefsen  (Reusch  Samland  s.  66) ;  oder  sie  schla- 
gen eine  axt  in  die  thürseule  und  melken  aus  dem  axt- 
hebn;  sie  ziehen  die  milch  aus  einer  spindel  oder  aus 
einem  aufgehangnen  handiuch  ***).    gule  milch  wandeln  sie 


*)  auch  die  aUfranz.  dichter  legen  den  hexen  geschälte  stecken 
oder  rulen  bei:  *ane  vielle  barbelöe,  qui  portö  a  verge  peUe  plus  de 
qatre  tiogta  ans.'  Renart  28286,  vgl.  M^on  4, 478  ^reineat  auai  monde 
com  la  verge  qui  est  pelie.^ 

**)  DS.  no.  251.  Wolfs  nl.  sagen  no.  245.  381.  382.  Wodana 
s.  xxxyi. 

***)  ähnlich  das  zanberhafle  schlagen  des  weins  aus  der  setäe  (anh. 
s.  LYiii),  Tgl.  die  sage  von  doctdr  Faust. 

Grimms  wytkoL    8,  ausgäbe,  65 


1026  HEXEN 

in  blaue,  oder  in  blutige;  ihr  lobsprach,  wenn  sie  in  ein 
fremdes  haus  treten,  bringt  der  milch  g^ahr:  soll  eben 
milch  gestofsen  werden,  so  gerftth  keine  butter  (abergl.  823). 
darum  heifst  eine  hexe  überhaupt  mikkdiebin  (wie  der 
Schmetterling  milchdieb,  buttervogel),  miichMuberiny  mo/- 
kensiehlerin,  motkentäversche*).  Der  Zusammenhang  zwi- 
schen hexen,  elben  und  Schmetterlingen  leuchtet  von  neuem 
ein,  denn  auch  den  zwergen  gab  der  Volksglaube  schuld, 
die  milch  aus  dem  euter  der  kühe  zu  ziehen;  doergspeni 
heifst  altn.  die  papilla  vaccarum  vacua.  verzauberte  milch 
peitsche  man  in  einem'  topf,  oder  fahre  mit  einer  siobel 
darin  herum:  jeden  istreich  oder  schnitt  wird  die  hexe 
empfinden  (abergl.  540).  ein  wetterauischer  abergl.  drückt 
sich  so  aus:  wann  ein  stück  vieh  verhext  ist,  so  stellt 
man  die  schmelzpfanne  über  und  hackt  bei  verriegelten 
thüren  mit  der  grassichel  in  die  pfanne :  die  erste  welche 
dann  kommt  ist  die  hexe.  Des  Vermögens  der  Zauberinnen, 
mihh  und  hotUg  aus  dem  hause  des  nachbars  in  das  ih- 
rige zu  ziehen,  erwähnt  bereits  Burchard  (anh.  s.  xxxvni). 
Mit  ihren  besen  in  bäche  schlagend,'  wasser  in  die  lun 
sprützend,  oder  kiesel  ausschüttend,  send  gegen  Sonnen- 
untergang stäubend  vei^ursachen  die  hexen  stürm  umt  hagel, 
der  getraide  und  öbst  des  nachbarn  zu  boden  schlägt,  sie 
sollen  zu  gleichem  zweck  borsten  oder  auch  eichenlaub  in 
topfen  sieden,  oder  von  jener  teuflischen  asche  auf  die 
f eider  .  streuen,  das  sind  die  blUdiexen ,  wetterkexen, 
von  deren  geschäft  nachher  noch  näher  zu  handeln  sein 
wird,  man  sagt  ihnen  nach,  dafs  sie  den  ikau  eom  grase 
streichen  oder  streifen  ^  um  dem  vieh  dadurch  zu  schaden 
(abergl.  1118],  auch  dafs  sie  den  tbau  frühmorgens  vor 
Sonnenaufgang  von  fremden  wiesen  streifen  und  auf  ihre 
eignen  tragen,  um  deren  gras  üppiger  zu  machen;  davon 
sollen  sie  an  ihren  grofsen  plumpen  fäfsen  kennbar  sein 
und  heifsen  sie  thaustreicher  (in  Ostfriesland  daustriker\ 
doch  werden  auch  andere  verdächtige  männer  oder  freuen 
so  gescholten,  das  hängt  deutlich  mit  den  thaustreifen 
nach  nächtlichem  elbentanz  und  dem  thau,  den  die  rosse 
der  valkyrien  aus  der  mahne  schütteln,  zusammen,  ist  nur 
hier  zum  bösen  verkehrt.  Indem  die  hexen  schemelbeine 
verbinden  können  sie  ^erbrochene  knocken  abwesender 
menschen  heilen.     Sind   sie  bei   der  trauung  eines  ehpaars 


*)  am  abend  Philippi  und  Jacob!  lauft  man  in  Rügen  mik  grofaen 
feuerblasen  im  feld  umher:  das  heifsl  man  *molken0verschen  brennen/ 
Rugian.  landgebr.  243.    milchdiebin  u.  unhold.  H.  Sachs  III.  3,  5<1. 


HEXBN  1027 

tngegeaky  so  knappen  sie,  während  der  segen  gesprochen 
wird,  ein  sohlors  zu  and  werfen  es  ins  wasser:  das  heirst 
fieskllmüpfon ;  so  lange  das  schiofs  nicht  wieder  gefunden 
und  eröftiet  wird,  sind  die  ehieate  untüchtig.  Hexen  kön- 
nen menschen  tödten,  indem  sie  bildern  oder  puppen  sti- 
ebe versetzen ;  auf  kirchhöfen  graben  sie  die  leichen  jun- 
ger kinder  aus  und  schneiden  ihnen  flnger  ab  *) ,  von  dem 
fett  dieser  kinder  sollen  sie  ihre  salbe  bereiten,  das  scheint 
der  hauptgrund  weshalb  sie  kindern  nachstellen;  den  Zau- 
berinnen früherer  zeit  wurde  der  kinderraub  viel  häufiger 
schuld  gegeben  (s.  1012).  Aus  der  hexen  Vermischung  mit 
dem  teufel  geht  keine  menschliche  frucht  hervor,  sondern 
elbische  wesen,  welche  dinger  (vgl.  wihtir  s.  409),  e/6e 
und  holden  genannt  werden,  deren  bildung  aber  verschie- 
den angegeben  ist.  bald  sollen  es  Schmetterlinge  sein,  bald 
hnmmeln  oder  queppen,  bald  raupen  oder  wärmer,  schon 
eine  ahd.  glosse  bei  Graff  1,  243:  o/fta,  brucvs,  locnsta, 
quae  nondum  volavit.  die  rathselhafle  kafer  und  larven- 
gestait  eignet  sich  ganz  für  solche  wesen**).  sie  heifsen 
abwechselnd  gute  oder  böse  dinger  y  gute  und  böne  eJbe^ 
9ti/e***)  oder  böse  holden  y  holderchen^  holdiken.  ihrer 
bedienen  sich  die  hexen  zur  hervorbringung  von  krankheit 
oder  geschwulst  bei  menschen  und  vieh,  indem  sie  sie  in 
haut  und  gebein  beschwören,    sie  verweisen  sie  aber  auch 


*)  mit  fingern  ungeboroer  kinder  kann  geiaabert  werden,  an- 
geiündei  geben  sie  eine  flamme,  welche  alle  leute  des  hauaes  im 
schlaf  erhält:  ähnlichen  vortheil  schaft  der  daume,  welcher  einem 
aufgehängten  dieb  abgeschnitten  wurde.  Tgl.  Schamberg  de  jare  di-^ 
gitor.  p.  6t.  62  und  Praelorius  rom  diebsdauroen.  Lips.  1677.  die 
coutame  de  Bordeaux  $.  46  handelt  Tom  zauber  mit  den  binden 
todter  kinder.     eine  pflanze  hiefs  diebshand  (s.  981). 

**)  die  raupe  heifat  auch  tmfeUkaüB  (a.  981)  und  die  hexe  gleich 
der  libelle  teufdsbraul,  teufelsbuhle,  finnisch  ist  Ukon  koira  (Ukkonis 
cania)  papilio  oder  larya  papilionia ,  Ukon  lehmä  (Ukkonia  yacca)  ein 
andrea  insect  in  Granbunden  nennt  man  die  raupe  bahnte,  in  der 
Schweiz  nach  Stalder  palause,  waa  wiederum  jenea  pelewiae,  pilweiae 
(a.  441.  443)  ist.  auch  dem  ahd.  huntessaüd  (eruca)  Graff  6,  167 
liegt  mjthiachea  unter. 

***)  seibat  wenn  achädlich  damit  gezaubert  wird  heifaen  aie  den- 
noch die  guien  holden  (braunachw.  anz.  1815  p.  726  ff.),  im  malleolua 
finde  ich:  'Termea  nociri  qui  vulgariter  dicuntur  ju^'  und  *aleman-» 
nico  nomine  juger  nuncupantur ,  aunt  albi  coloria  et  nigri  capitia, 
aex  pedum,  in  longitudine  medii  digiti.*  iat  jug  eina  mit  dem  a.  167. 
656  angeführten  gueg?  manche  andre  benennungen  der  phalaenen 
greifen  ein  in  die  von  irliohtem  oder  wichtein ;  ao  heifaen  aie  %ünsUr 
(weil  sie  um  licht  und  feuer  flattern),  landmesser  (a.  870),  nachletileH 
u.  8.  w. 

65  • 


102B  HEXBM 

in  den  wald  auf  bättone,  graben  sie  unter  hoUnnderbfisdie 
ein,  wie  die  eibe  das  espenhoiz  abfressen,  fressen  sie  den 
nenscben,  dem  sie  zugedacht  sind,  welche  hexe  die  hol- 
den einem  zubringt,  die  muGs  sie  auch  wieder  abbringen; 
sie  geht,  wenn  sie  ihrer  bedarf,  in  den  waid  und  schüttelt 
sie  ven  den  bäumen,  oder  gräbt  sie  unterm  holhinder  (iem 
eWengrab)  wieder  hervor,  ein  mensch,  in  den  holden  ge- 
zaubert sind,  ist  erkennbar  daran,  dafs  man  in  seinen  äu- 
gen kein  männlein  oder  kindlein  (xopi;,  pupa]  sieht,  oder 
nur  ganz  trübe  (Voigt  p.  149.  152).  das  gemahnt  9n  die 
kröte,  die  der  teufel  den  hexen  in  den  Stern  des  linken 
auges  zeichnen  soll,  die  neunerlei  arten  der  holden  werde 
ich  im  cap.  von  den  krankheiten  angeben.  Nicht  selten 
erscheint  aber  der  teuflische  buhle  selbst  in  gestalt  des  olfts 
oder  schmetierUngs,  Ihre  in  menschlicher  ehe  erzeugten 
töchter  müssen  die  hexen  dem  teufel  bei  der  geburt  ver- 
sprechen und  in  seinem  dienste  erziehen;  bei  den  grofsen 
versamlungen  reichen  sie  ihm  überhaupt  ihre  kinder,  hin- 
terrücks in  die  höhe  hebend,  dar.  zuweilen  opfern  sie  ihm 
$chwane$  eiek.  Sie  finden  sich  gern  auf  wegscheiden  ^) 
zusammen,  sie  können  gleich  dem  teufel  (s.  951)  dmreh  doi 
schHUseUoch  in  häuser  aus  und  einfahren  (anh.  s.  liv  und 
Tobler  146*),  wo  drei  lichter  im  zimmer  sind,  bat  die  hexe 
gewalt;  dem  glodcenläuten^  sind  sie  gram.  Vor  gericht 
darf  man  sie  nicht  die  blofse  erde  berühren  lassen,  weil 
sie  sich  sonst  plötzlich  verwandeln;  sie  sind  unvermögend 
eine  zflhre  zu  vergiefsen,  ins  wasser  geworfen  ichwimmen 
sie  oben  **],  worauf  sich  das  in  den  gerichten  herkömm- 
liche hexenbad,  ein  altes  gottesurtheil,  gründete  (RA.  925). 
gelingt  es  ihnen  zu  anfang  der  Verhandlung  dem  richter  ins 
äuge  zu  sehen,  so  wird  er  mitleidig  und  kann  sie  nimmer 
verdammen. 

Characteristisch  ist  nun,  dafs  aHe  hexen,  ihrer  kunst 
und  der  macht  des  teufeis  ungeachtet,  in  elend  und  tiefer 
armut  stecken  bleiben;  es  kommt  kein  beispiel  vor,  dafs 
eine  sich  reich  gezaubert  und  für  den  vertust  himmlischer 
seeligkeit  zum  wenigsten  weltliche  freuden  erworben  habe, 
wie  sonst  in  den  sagen  von  männern,  die  sich  dem  teufel 
verschreiben  (s.  969],  wol  erzählt  wird.  Diese  krumnäsi- 
gen,  spitzkinnigen ,  hänglippigen ,  sohiefzähnigen,   rauchfin- 

*)  der  teofel  ist  aof  wegsckeiden  tu  errafeQ ,   ebenso  die  Alraun. 

**)  PliDias  7,  2  von  zjiuberern :  eosdem  praeterea  nan  poue  metyi 

ne  Teste  quidem  degniTatOB.    Mehrmals  wird  ersahlt,  der  teuM  Ter^ 

heifse  den  hexen  ins  wasser  eine  eisenstange  zu  bringen ,   damit  sie 

sinken  können ,    bringe  ihnen  dann  aber  nur  eine  leichte  nadel. 


HIXHI  lOM 

frigeii  weibar*)  sttfteii  übel,  oiuie  dafi  es  ihnea  nttizt, 
bMifitefifl  kj^nnen  sie  sdiadenfreade  enpfindea.  ihre  buh* 
lerei  mit  dem  bdflen,  ihre  Iheilnahme  an  aeinen  festen  sohaft 
ihnen  immer  nur  halbes  behagen**). 

Dieser  eine  zog  hfiUe  über  den  grund  aller  hexerei  die 
äugen  öfiieo  soUen.  Das  gaue  elend  gründete  sich  bloA 
in  der  einbildung  und  dem  erzwungnen  bekenninis  der  arm- 
seligen; wirklieh  war  nichts ,  als  dafs  sie  künde  heilender 
und  gifUger  mittel  hatten  und  ihre  trftume***)  durch  den 
gebranoh  yon  tränken  und  salben  erregten.  Aufgefordert 
die  namen  ihrer  genossinnen  anzugeben  y  b^eichneten  sie 
biufig  verstorbene,  aus  Schonung  o^der  um  der  Untersuchung 
auszuweicben ;  was  sie  übles  aussagten  wurde  buchstäblich 
als  Wahrheit  angenommen.  Es  kommt  vor,  dafs  hexen  ge* 
standen  leute  getödtet  zu  haben,  die  noch  am  leben  waren  f ). 
Niemals  fiel  den  richtern  ein  zu  erwägen,  wie  es  doch  ge<* 
schabe,  daCs  unzählige  ' hexen versamlungen  an  lauter  be- 
kannten, gangbaren  orten  nicht  von  zeugen,  die  ihr  weg 
dabin  hätte  fähren  müssen,  überrascht  worden  seien.  Durch 
welche  Zulassung  gottes  sollte  in  dörfern  und  Städten  des 
gMzea  landes  ein  früher  unerhörtes  zauberpack  sich  zu 
jenen  zeilen  auf  einmal  eingenistet  haben  I 

Längst  bevor  hexen  gemartert  wurden,  hatte  man  ge- 
gen schwere  missethäter  leibliche  quälen  angewandt,  die 
Urnen  ein  bekenntnis  ihrer  schuld  entreiTsen  sollten,  von 
torqnere  redet  schon  die  lex  Yisig.  III.  4,  l(k  11  und  der 
marterbalken,  auf  welchem  der  angeschuldigte  reiten  muste, 
hiefs  eqnuleus,  poledrus,  woher  unser  /b/for,  franz.  poultrei 
poutro  stammt,  jenes  altn.  erzwingen  und  erpressen  der 
vollen  aussage,  'ptna  til  sagna*  (s.  995]  braucht  nicht  aus 
den  hexenprocessen  entlehnt  zu  sein. 

In  den  hexensagen  scheint  die  tenfelsverschreibung, 
absagung  gottes  und  anbetung  des  bocks  ketzerisch,  der 
abschwörende    parodiert   zugleich   die   den    täuflingen    ge- 


*)  krumme  nase,  spilzes  kinn,  sitzt  der  teufel  ganz  darin,  ich 
vergleiche  die  altn.  namen  Hengikepta,  Gr6ttiiiUnna ,  Lodinnfingra 
(So.  220.  221). 

**)  Berthold  p.  58:  *b6  g^nt  eteltche  mit  boDsem  zöuberlehe  umb, 
das  si  waaent  eins  gebaren  sun  oder  einen  kneht  bezoubero.  pfi  dd 
rehte  toerin !  war  umbe  bezouberst  dd  einen  gr^yen  oder  einen  kunec 
niht?  a6  vasrestu  ein  köneginne!'  Man  sagt:  die  hexen  werdenr  alle 
lieben  jähr  eines  dreihellers  reicher.    Simpiic.  (,  625. 

***)  'rniter  wUte  irourne'  Wh.  1,  82>;    'kwHnga  villa'  S«m.  169. 

f )  Frommann  de  fascinalione  p.  850.  dies  bebt  aucb  Montaigne 
berTor,  Uvre  3«  chap.  11. 


toat  mxm 

botne  abrenuatiatiO  diaMi*);  in  allen  andern  elementen 
überwiegt  daa  heidnisciie.  an  alten  gdttercultns  mufs  den- 
noch der  bock  und  das  opfer  aeAtraraer  tbiere  (s.  48.  461. 
961)  erinnern;  es  ist  merkwürdig,  dafs  nach  einer  dale- 
karliachen  Überlieferung  beim  hexenfest  der  teufel  nicht 
den  hochsitz  einnimmt,  sondern  unier  dem  luch  gebm^ 
den  an  einer  kette  liegt  (ganz  wie  in  deutscher  sage  neben 
den  spinnenden  frauen,  s.  963).  ron  dieser  kette  erzAhlen 
die  dortigen  hexen  vielerlei,  wenn  sich  ihre  glieder  ab- 
nutzen, kommt  ein  engel  und  löthet  sie  neu  zusammen 
(Bergroan  p.  217.  219).  Mit  der  kraft  des  eabies  wurde 
mancher  zauber  getrieben  (abergl.  713.  846),  fast  scheint 
es,  als  dürfe  man  Zusammenhang  finden  zwischen  jenem 
salzHeden,  sahmalen,  salsutreuen,  $(üs6brennen ,  sakkokn 
(s.  999)  und  dem  verbrennen  des  bocks,  mitnehmen  und 
ausstreuen  seiner  asche^*).  gleich  heidnisch  erschien  der 
genufs  des  pferdefleisckes  (s.  1002).  Die  hexenausflfige 
wurden  gewöhnlich  in  der  mainacht,  in  der  Johannisnacht 
und  Weihnachten  unternommen,  kommen  aber  auch  in  der 
fastnacht  und  auf  ostern  oder  zu  andern  Zeiten  vor;  das 
waren  die  tage  grofser  heidnischer  feste,  der  ost^euer, 
maifeuer,  sonnwenden  und  julfeuer,  und  man  braucht  darin 
keine  parodie  der  christlichen  feste  zu  erblicken.  die 
nachtfart,  der  fackeizug,  das  durchdringen  verschlossener 
hfiuser  ist  genau  wie  bei  dem  heldischen  beer;  namen  der 
buhler,  beschwörungsformeln,  gezeugte  holden,  reihentftnze, 
alles  dies  ist  ethisch***),  die  Stärkung  der  hexe  durch 
berührung  blofser  erde  (lardarmegin  s.  608)  kann  an  heidni- 
schen riesenglauben  gemahnen,  anwendung  der  altdeutschen 
»■■■■   •  •  ■■■■    I     iiii.« 

*}  nach  den  formeln:  *ik  fate  an  disen  mtten  stock  md  teriata 
unsen  herre  gott!*  (catholiach:  'Marien  aon  u.  got*)  oder:  *her  trade 
ik  in  din  niat  (oest)  u.  yerlate  unaeu  herre  Jeaum  Christ !'  in  hessi- 
schen acten  Ton  1633:  *hie  stehe  ich  uf  dieser  oiist  und  Terleugne 
des  Heben  herrn  Jesu  Christ  !*  auf  der  misle,  die  ringsum  zu  glühen 
beginnt,  steht  die  abachirörende  und  sticht  mit  einem  weifaen  stecken 
in  eine  utache  (kröte).  daa  stehn  auf  dem  miat  haben  auch  be- 
schwörungsformeln. der  vjeifie  stock  ist  Symbol  cedierender,  und 
wird  nach  dem  anfassen  ins  waaaer  geworfen. 

**)  zauberberuchtigten  achäfern  wurde  zur  last  gelegt,  ihre  achafe 
mit  sali  SM  taufen,  factums  et  arrest  du  pärlemeota  de  Paris  contra 
des  berges  sorciers  eiecutez  depuia  peu  dans  la  proTinee  de  Brie 
sor  rimprimö  k  Paria  1605.  8.  p.  57. 

***)  das  geifsblatt,  oder  Tielleicht  eine  andere  pflanze,  heifat  in 
Niederdeotschland  täfranhej  kexentchUnge  (Rittera  meklenb.  gramm. 
p.  107.  £.  M.Arndts  märchen  p.  404).  man  nennt  überhaupt  ranken- 
des gestrioch ,  verschlungene  zweige  hexensehlupf  t  und  glaubt,  dafs 
eine  verfolgte  Aea«,  ein  verfolgter  a/6,  jedesmal  dadurch  «ntrinnen  könne. 


HEXEN  t031 

watierkmehe  auf  hexen  folgt  ans  dem  frühen  gerfchtege- 
brauch,  4er  sie  gegen  Muberinnen,  die  sich  wirklicher  ver- 
brechen schuldig  gemacht  hatten,  gelten' liefs.  ich  weifs 
flicht,  ob  man  auch  das  bkUneicken  der  hexen,  beim  eingang 
des  teuflischen  bundes  nothwendig  aus  dem  ketzerischen 
brauch  (s.  1018)  abzuleiten  hat.  blutmischung  bei  eiden 
und  böndnissen  war  uralt  und  weilverbreitet  (RA.  192. 193), 
Yom,  Stigma  wüste  man  in  Deutschland  lange  bevor  die 
hexen  verfolgt  wurden  *),  und  gebraucht  daffir  den  ausdruck 
auunäU  (Graff  2,  tl5),  mit  dem  entsprechenden  altn.  ftmieli 
finde  ich  blofs  den  ethischen  begrif  von  nota  =  vituperium 
verbunden,  aber  die  beiden  des  alten  Nordens,  wenn  sie 
auf  dem  bett  den  strohtod  (strddaudi)  starben,  pflegten  sich 
vorher  dem  Odinn,  der  nur  blutende  beiden  annahm,  durch 
ipemrit»  zu  weihen,  wie  er  sich  selbst  vor  seinem  todte 
mit  GAngnir  (s.  134)  geritzt  hatte,  das  hiefs  marka  sik  geirs 
oddi,  marka  sik  Odni  (Tngl.  saga  cap.  10.  11).  ich  möchte 
dazu  noch  das  ttres  t&cen  (s.  182),  selbst  des  Todes  zeichen 
(s.  807)  halten;  hierbei  war  kein  gedanke  an  sträflichen 
Zauber» 

Die  art  des  Zaubers,  das  herzessen,  das  wettermachen, 
das  reiten  durch  die  lüfte  gründen  sich  auf  uralte,  weitver- 
brdtete  Überlieferungen,  die  ich  jetzt  noch  näher  untersu- 
chen will. 

Vorausgehn  mag  eine  darstelluiig  des  serbischen  volks- 
g^aubens.  Vie  ejeschiUui  ist  von  einem  bösen  geist  beses- 
sen :  wenn  sie  in  schlaf  fällt,  geht  dieser  aus  ihr  heraus, 
und  nimmt  dann  die  gestalt  eines  Schmetterlings  oder 
einer  kenne  an,  dieser  geist  ist  viresentlich  eins  mit  der 
hexe,  sobald  er  ausgegangen  ist ,  liegt  der  hexe  leib  wie 
todt,  und  dreht  dann  jedesmal  den  köpf  dahin  wo  die  füfse 
sind,  so  kann  sie  nicht  wieder  erweckt  werden.  Die  hexe 
strebt  leuten  nach,  die  sie  aufifst,  besonders  jungen  hin- 
dern, findet  sie  einen  schlafenden  mann,  so  stöfst  sie  ihn 
mit  einer  rothe  durch  die  linke  brustwarze,  öfnet  seine 
Seite,  nimmt  das  her»  heraus  und  i/st  eSy  worauf  die  brüst 
wieder  zuwächst,  einige  dieser  ausgegesseiien  leute  ster- 
ben alsbald,  andere  leben  noch  eine  Zeitlang,  die  hexen 
essen  keinen  knoblauch;  viele  leute  schmieren  sich  in  der 
fastenzeit  brnst,  sohlen  und  unter  der  achsel  mit  knoblauch,  < 
um  sich  gegen   die  hexe  zu   sichern,     man  glaubt,    dafs 


*)  Berlkold  s.  381  vom.  (eufel :  froh  machen  ihn  alle  die  in  haupt- 
sünden  fallen,  da  makU  er  gleich  sein  »eichen  an  sie,  und  will  ehre 
dayon  haben  dafs  sie  feinen  scbild  fähren.     .    .  .. 


103« 

sie  in  der  fasle  mehr  leule  esse  als  aonat.  juhge  seUiie 
frauen  steh^  nie  im  raf  der  Zauberei,  hexen  siad  iauner 
alie  u>eiber^)j  aber  das  Sprichwort  lautet:  'mlada  knrfa 
stara  vjescbtitza.'  hat  die  hexe  einsial  gebei^tet  und  sieh 
angegeben,  so  kann  sie  keine  leute  mehr  essen  nud  kei- 
nen Zauber  mehr  treiben.  Wenn  die  hexen  nachts  au^üe^ 
gen^j  glänzen  sie  wie  feuer,  ihr  Sammelplatz  ist  eine  ^efuie 
(guvno),  beim  ausfahren  aus  der  küche  schmieri  tick 
jede  mii  einer  sattle  unter  die  aehsel  und  sagt  ihren  nach* 
her  noch  anzuführenden  spruch.  Sterben  in  einem  dorf 
viel  kinder  oder  leute  und  fällt  auf  eine  alte  frau  ver- 
dacht, so  binden  und  werfen  rie  sie  ins  toasser;  gehl 
sie  unter,  so  wird  sie  herausgezogen  und  frei  gelasseu, 
kann  sie  aber  nicht  untergehn,  getödtet,  denn  keine  hexe 
vermag  im  wasser  zu  sinken.  Wer  vor  llariäverkuiidi-* 
gung  eine  schlänge  tödtet,  in  ihren  köpf  ein  stflck  knob^ 
Jauch  bindet,  und  auf  Mariäverkündigung  beim  kirehgang 
den  Schlangenkopf  an  eine  müt%e  steckt^  der  kamn  alle 
wdberj  die  hexen  sind,  daran  erkennen  y  dafs  sie  sich  um 
ihn  versammeln,  und  ihm  die  schlänge  oder  ein  stück  davon 
zu  stehlen  sudien.  (Vuk  s.  v.  vjeschlitza,  pometno  und 
blagovijest). 

Diese  merkwürdige  nachricht  führt  zu  erlftulerungen. 
Auch  bei  uns  gab  es  solche  erkennungsmiUel  der  hexen, 
wer  einen  gefundenen  eggenagel  bei  sich  trägt,  oder  ge- 
traidekörner,  die  ins  brot  gebacken  waren,  oder  ein  grün- 
donnerstagsei, siebt  die  hexen  mit  melkk&beln  auf  dem 
kapf  in  der  kirche  (abergl.  539.  636.  685.  783.  808).  ge- 
rade so  in  Dänmark  (abergl.  169).  Bergman  p.  219  meldet, 
dafs  in  Dalarne  die  hexen  selten  zur  kirche  kommen ,  wol 
aber  eine  sirohgarbe  oder  ein  schweinirog  ihre  stelle  ver- 
tritt, was  jedoch  nur  die  aus  der  Blakullagesellschaft  wahr^ 
nehmen  können,  ich  weifs  nicht,  ob  kübel  oder  trog  aus 
der  milchverzauberung  oder  daher  zu  erklären  sind,  dab 
nach  nord.  Überlieferung  riesinnen,  ellekoner  und  huldre* 


*]  hauptsichlich  in  Schweden  werden  auch  umchuidige  kinder, 
knaben  und  mSdchen  in  die  hexerei  yerflochten.  Der  teufel  fordert 
Ton  jeder  hexe,  dafs  sie  ihm  kinder  zaföhre,  sie  weckt  seblafeode 
kinder  mit  den  Worten:  'komm  tenfeldcind  xum  gaslmal!*  sie  weUi 
sie  auf  das  dach ,  bis  die  EabI  Toil  ist ,  und  trigt  sie  dann  durch  die 
lüfte  dem  bösen  zu,  der  sie  fragt,  ob  sie  ihm  dienen  wollen?  und 
in  sein  buch  schreibt  er  begabt  sie  dann  mit  klugheit;  solche  kna- 
ben faeifsen  e(«^a<MM*  (kluge  Jungen),  man  erinnere  sich  der  von  Hameln 
auFgeftthrten  kinder.  In  den  Freisinger  acten  erscheinen  arme  hetkl" 
b^en  Tom  teufel  terleilet. 


mKBNNONGSlflTTBL  l»i9 

fraueh  eiiiien  ir^g  auf  dem  rügten  trigsn  (Faye  11& 
Mtileis  sagabibl.  1,  367.  Molbech  dial.  lex.  98).  Keiaer»-. 
borg  (oineOs  36«)  berichtet,  dafe  eise  aachlfalyrerio  sich  in 
eine  ündhntiUe  üetzle ,  mit  öl  salbte,  Zauberworte  sprach 
ttsd  enlseUief.  Sn.  210*  findet  sieh  unter  den  aaubei^ 
frauennamen  sehon  Bakraufy  d.  i.  fissura  dorsi,  rücken« 
apalt.  dAn.  eliekone  bagtil  huul  som  et  deiginiff  (Thiele 
4,  26).  das  sind  lauter  wichtige  analogien.  Im  anhang  ist 
eine  fonnel  abgedruckt,  worin  der  alb  angeredet  wird: 
'mit  dem  rüaken  wie  em  teigtrogT  Der  alp,  die  hexe 
zeigen  sich  nur  von  vornen  schön,  hinten  sind  sie  greuel- 
halt  und  liagestait,  wie  frau  Gurorysse  (s.  897)  oder  frau 
Welt  in  Conrads  gedieht.  Aus  dem  gründonneteiagsei,  wird 
es  ausgebrüt^  geht  ein  buntgefiedertes  huha,  das  jedes  jähr 
seine  färbe  wechselt,  hervor,  wer  am  ersten  ostermorgen 
ein  solebes  ei  mit  in  die  kirche  nimmt,  erkennt  bei  son-> 
nenschein  alle  weiber,  die  des  teufels  sind;  sie  aber  wittern 
es  und  trachten  das  ei  in  des  trägers  tasche  zu  zer* 
Fräcken,  daher  man  die  vorsieht  brauchen  mufs  es  in 
einer  büchse  bei  sich  zu  führen,  denn  gelingt  es  ihnen 
das  ei  zu  zerdrücken,  so  wird  dem  menschen  auch  sein 
herz  zerbrochen.  Tobler  102^  gewllhrt  uns  den  schwei-' 
zerisdien  abergiauben:  weme  ma  n'am  sonntig  vor  sonna 
ttiifgang  e  ntAblättlets  cklee  ine  schue  ina  thued  ond  mit 
den  schue  i  dchilacha  god,  so  sieht  mas,  wenn  e  hftx 
dinen  ist:  die  wo  hönder  för  sitzid  sönd  hftxa.  Ferner, 
wer  mch  in  der  Christnachtsmette  auf  einen  schemel  von 
neunerlei  höh  stellt,  erkennt  alle  hexen  der  gemeinde: 
sie  alle  wenden  dem  hochaltar  ihren  rücken  zu.  aber  die 
hexen  sehen  auch  ihn ,  und  wehe  wenn  sie  seiner  nach 
dem  gottesdienste  habhaft  werden;  er  ist  ein  kind  des 
todes,  hat  er  sich  nicht  mit  etwas  vorgesehn,  was  ihre 
habsueht  reizt,  das  mufs  er  stück  für  stück  von  sich  werfen 
(wie  nach  aber  sage  verfolgte  auf  der  flucht  ihren  feinden 
^old  und  ringe  ausstreuten)  und  während  sie  es  auflesen 
rennen  was  er  kann,  bis  ihn  seine  wohnung  aufnimmt. 
Einfacheres  gibt  eine  Wiener  pergam.  hs.  des  14  jh.  an 
(cod.  bibl.  graec.  ^%^  bl.  133*):  'wil  du,  daz  di  t>füiolden 
zu  dir  chomen,  so  nym  ein  kffel  an  dem  fassangtag  vnd 
stoz  in  tn  geeeten  prein  vnd  behalt  in  also  vntz  in  die 
drey  metten  in  der  vasten,  vnd  trag  den  lefiel  in  dy  motz- 
ten, so  wird  ez  dir  chunt,  war  sew  sinV  fast  einstim- 
mend in  Hones  anz.  4,  310:  wer  am  ersten  knöpfleintage 
den  löffel  ungesehn  aus  dem  teige  zieht  und  ihn  am  zwei- 
ten und   dritten  eben  so  unbemerkt  wieder  einsteckt'  und 


leSi  HBXEN.    HBRZBSSKI 

auszieht,  Ms  zuletzt  teig  von  allen  drei  tagen  daran  hängt 
und  ihn  nun  am  Christtage  mit  in.  die  kirche  nhamty  der 
sieht  daaeib^  alle  hexen  verkehrt  stehn;  er  mnk  aber  be- 
vor der  Segen  gesprochen  wird  zu  hause  sein,  es  könnte 
ihm  sonst  das  leben  kosten.  Alle  solche  erk^inungen  k5n* 
i^en  nur  beim  kirchgang  statt  finden;  doch  scheint  es  dabei 
aufs  ersUehen  anzukommen  ^  wie  g49genüber  dem  wolf  und 
basiiisk.  Eine  hexe  ist  auch  daran  erkennbar:  sieht  man 
ihr  ins  äuge  so  steht  man  verkehrt  darin ,  den  köpf  unten 
abgebildet*),  triefende  augeii  sind  ein  zeichen  alter  hexen 
(abergL  787). 

Was  aber  in  unsern  hexensagen  schon  zurück  tritt,  dafs 
sie  den  leuten  da$  herz  aus  dem  leib  essen,  steht  in 
der  allerthümlichen  serbischen  volksahsicht  ganz  voran,  in 
einem  liede  bei  Vuk  no.  363  ruft  ein  hirtenknabe,  den 
seine  Schwester  aus  dem  schlafe  nicht  erwecken  kann: 
veschtitze  su  me  izele,  majka  mi  srtze  vadila,  strina  joj 
hitschem  svetlila  (hexen  haben  mich  ausgegessen,  mntter 
nahm  mir  das  herz,  base  leuchtete  ihr).  .  Fortis  cap.  8  er- 
zählt, dafs  zwei  hexen  einem  schlafenden  Jüngling  das  herz 
wegnahmen  und  braten  wollten ;  ein  geistiicher  hatte  ohne 
es  hindern  zu  können  alles  mit  angesehn,  erst  beim  erwa- 
chen des  Jünglings  löste  rieh  der  zauber,  und  als  nun  der 
geistliche  den  hexen  näher  trat,  salbten  sie  sich  aus  einem 
krüglein  und  entflohen,  er  zog  das  halb  gebratne  herz 
vom  feuer  und  hiefs  es  eilig  den  jüngling  verschlucken, 
der  dadurch  völlig  wieder  hergestellt  wurde.  .  Mir  scheint 
diese  serbische,  in  der  fastenzeit  auftretende,  menschen  die 
brüst  öfnende  hexe  unserer  Berhta,  die  knechten  den  leib 
aufschneidet  und  mit  hecker Ung  füllt  (s.  251),  sehr  ver- 
gleichbar; aus  der  göttin  warde  das  schreckende  scheusal. 
auf  manchen  dörfern,  erzählt  man,  soll  es  böse  weiber 
geben,  die  eine  weifse  leber  haben,  deren  ehmänner  ab- 
zehren und  dahin  sterben.  Dafs  der  nemliche  wahn  unter 
den  alten  Deutschen  herschte,  bezeugi^n  stellen  der  volks- 
rechte: lex  sal.  67  'si  Stria  hominem  comederit/  und  was 
s.  1021  aus  der  lex  Roth.  379  und  dem  capit.  de  pari 
Sax.  5  angeführt  worden  ist.  der  indic,  paganiar.  (anh. 
s.  xxxn):  'quod  feminae  possint  corda  hominum  tollere 
juxta  paganos'  und  Burchard  (anh.  s.  xxxix):  'ut  credas, 
te  januis  clausis  exire  posse,   et  homines  interficere  et  de 


*)  ein  fibnlicbes  kennzeichen  fährt  Plinius  7,2  tod  Zauberern  an: 
in  altero  ocnlo  geminam  pupillam ,  in  ahero  equi  effigiem.  man 
YgL  was  8.  1027  über  die  aozaubening  von  holden  geaagl  iat 


HBltEN.    fiERZBSSBN         ?  103S 

cttotis  carnibus  eorum  vos  comedere,  et  in  loco  cardü 
eorum  siramen  aut  Ugnum  aut  aliqood  hujiiamodi  ponere 
et  comestis  iternm  tIvos  facere  et  indocias  rivendi  dare.* 
N.  Cap.  105  ambronea  ttnd  antbropofagi  (manezon)  nennend 
fttgt  hinzu:  ^alsö  man  ohtt,  taz  onh  hAM9ta  hier  in  lande 
iüen*  *).  das  zehnte ,  eilfte  jh.  hatte  die  heidnische  toi^ 
Stellung  nicht  fahren  lassen,  ja  sie  dauert  noch  späterhin, 
zum  gründe  liegt  sie  den  werten  Diomedes  bei  Herbert 
9318  ff;:  si  hat  mfti  hene  mtl  tr  ....  ich  hdn  niht  in 
dem  Itbe,  da  min  herze  solde  wesra,  dd  trage  ich  eine 
übte  eeseny  oder  rin  sird,  oder  einen  wisch*;  nur  nicht 
eine  atte  bexe^  die  geliebte  hat  ihm  das  herz  weggeholt, 
und  in. solchem  sinn  reden  die  liebenden  aller  zeiten  vom 
entführen  des  herzens  **).  in  *dem  s.  1001  mitgetheilten 
gedicU  wird  erzählt,  dafs  die  unholde  über  den  mann 
schreite,  ihm  sein  her»  ausschneide  und  stroh  hinein  siojse^ 
dafs  er  aber  leben  bleibe.  Berthold  (cod.  pal  35  fol.  28«): 
pfei,  geiawbestu,  das  du  ainem  man  sein  her»  aufs  seinem 
leUf  nemest  und  im  ain  stro  hin  wider  stofsest^  Ebenso 
wird  im  Norden  von  einer  weiblichen  manncBta  (nicht 
einem  männlichen  mann»ti)  geredet,  und  selbst  fSIr  Zau- 
berer dieser  ausdruck  gebraucht:  troll  ok  mannceta  fomm. 
sOg.  3,  214).  eine  poln.  sage  bei  Woycicki  läfst  die  hexe 
das  herz  aasziehen  und  dafür  das  eines  hasen  einlegen, 
kinderfressende  striges  altd.  bl.  1,  125.  Unsere  heutigen 
mürchen  stellen  die  hexe  als  waldfrau  dar,  die  sich  Hnder 
zur  speise  fmert  und  mästet  (KM.  no.  15) ,  entrinnen  sie, 
so  folgt  die  hexe  in  meilenstiefeln  nach  (KM.  no.  51.  56. 
113).  schauerlich  wirft  im  mftrchen  von  frau  Trnde  die 
hexe  ein  mftdchen  als  holzblock  ins  feuer  und  würmt  sich 
ruhig  daran.  Dafs  die  Römer  an  hexen  glaubten,  welche 
einzelne  theile  eines  fortlebenden  menschen  verzehrten, 
lehren  folgende  stellen.  Petronius  cap.  134:  'quae  stri- 
ges camederunt  nereos  tuos  ? '  cap.  63  'strigae  puerum  in- 
Toiaverunt  et-  suppasuerunt  stramentum,'  und  Plautus  im 
pseodolus  m.  2,  31  'sed  strigibus   vi  vis  cönvivis   intestina 


*)  daran  fugt  N.  die  bekannte  äufserung  über  die  WeleUthi  oder 
Wihe,  welche  ihre  alten  eitern  zu  essen  beschuldigt  worden  (RA. 
488).  dafs  der  rolksname  Volot,  Velei  in  den  des  riesen  also  men- 
flcbenfressera  übergieng  (nach  den  oben  s.  493  entwickelten  analogien), 
bat  Schafarik  (sl.  st.  1,  877)  vortreflich  aurgeklärt,  nur  unsere  Weli- 
sungen  (oben  s.  344)  hätte  er  nicht  s.  882  unter  die  Wilzen  mengen 

aollen. 

**}  Rubacwnij   che  il  cor  m'arete  tolto;    del  petto  mio  cayasti  il 

cuore.    Tommaseo  canti  pop.  1,  88-90. 


1036  HBXBN.    ALS  THIE»  ADSGEHN 


fiiae  exedk^.'  die  atoltoniiehe  lanre,  der  mamliicmi  ist  Ten 
maDdere^  manducare  abzoleiien,  ein  gefrifsiger,  kaaender 
buiz  ($•  474),  den  die  kinder  scheuten,  masca  (s.  997), 
ital.  moickera  läfst  sich  auf  mächer,  maaeher  oder  aia- 
sticare  zurflckfübreB,  und  die  hexe  heifst  larre,  maske, 
weil  sie  kinder  verzehrt  Auch  die  indischen  saaberfranen 
trachten  nach  dem  gennfse  des  meiMcien^tetfcAe«  (Soma- 
deva  2,  62). 

Gleich  alt  ist  die  neinong,  dafs  der  geist  aus  der 
etüMchlafenen  %auberm  ab  eclmetlerüng  gesiaUet,  fahre, 
die  Seele  wurde  überhaupt  einem  Schmetterling  verglichen 
(s.  789),  eefha  heifst  den  Slovenen  irlicht,  Schmetterling 
und  hexe,  der  alp  erscheint  als  .Schmetterling,  phalfine 
ißachUoggeU,  Stald.  1,  287),  als  teuflisches  thier  (s.  981), 
holden  und  elbe  der  hexen  sind  Schmetterlinge.  Unsere 
einheimische  sage  erwähnt  aber  noch  anderer  tfaiere,  die 
aus  dem  munde  schlafender  hervorgehen.  k(^nig  Gunthram 
war  im  wald  ermüdet  auf  dem  scbofs  eines  treuen  dienere 
entschlafen:  da  sieht  der  diener  aus  seines  herren  munde 
ein  thierlem,  gleich  einer  schlänge  laufen  und  auf  einen 
bach  zugehen,  den  es  nicht  überschreiten  kann,  jener 
legt  sein  schwort  über  das  wasser,  das  thier  lauft  darüber 
hin ,  und  jenseits  in  einen  berg«  nach  einiger  zeit  kehrt 
es  auf  dem  selben  wege  in  den  schlafenden  zurück,  der 
bald  erwacht  und  erzäblt,  wie  er  im  träum  über  eine 
eiser9^  brücke  in  einen  mit.gold  erfüllten  borg  gegangen 
sei  (Paulus  Diac.  3,  34).  Ahnliches  melden  spätere  von 
einem  schlafenden  landsknecht,  aus  dem  ein  wiesei  ge- 
laufen kam  (deutsche  sag.  no.  455).  in  noch  jüngeren  ge« 
schichten  wird  es  aber  auf  entsohlafne  teufelsbrftute  ange- 
wandt, aus  deren  mund  eine  katae  oder  eine  rodke  nums 
lauft,  während  der  übrige  leib  in  Schlummer  erstarrt  liegt 
(das.  no.  247-249)  *).  ein  mülier  machte  holz  im  Schwarz- 
wald und  schlief  über  der  arbeit  ein,  da  sah  der  knecht 
eine  maus  aus  ihm  kriechen  und  fortlaufen;  alle  suchten 
nach  ihr,  konnten  sie  aber  nicht  finden  und  der  mülier 
blieb  todt.  Hängt  damit  jenes  mause  machen  der  hexen 
(s.  1044)  zusammen  und  die  schmale  von  der  seele  auf 
dem  weg  nach  der  unterweit  zu  überschreitende  draÜnrOche 
(s.  794)?  es  wird  gerade  wie  bei  den  Serben  gemeldet, 
wenn  man   den  leib   der   entschlafnen  umdrehe,  dafs  sich 


*)  der  aaslaufenden  maMs  einen  degen  über  den.  ilufs  legen. 
Ettners  hebamme  p.  194.  Unter  Fischaiis  spielen  no,  216:  'es  lai^ 
ein  weifse  maus  die  mauer  hinauf.*  ^^ 


AUSFART.    STOGKRITT  1087 

dann  d«s  rftokkehrende  tbier  nicht  surechl  finden  könne 
und  der  tod  erfolge  (abergl.  650).  Den  zustand  jener  in- 
neren eestase,  wenn  der  leib  in  starrem  schlaf  liegt,  be-* 
zeichnet  unsere  alte  spräche  durch  irprottan  (raptus)  d.  h. 
entsttckt  *).  Aber  schon  die  altn.  mythe  hinterbringt  uns 
das  wichtigste  aller  beispiele :  Odinn  skipti  hömnm  (wandelte 
die  gestalt),  lA  ^  bührtnn  sem  sofinn  eda  daudr,  enn  hann 
yar  f»A  fiigl  eda  dJTy  fiskr  eAa  ormr  ok  f6r  A  einni  svip* 
atond  A  fiarteg  lönd,  at  stnum  erindum  edr  annara  manne. 
Yngl.  cap,  7.  sein  leib  lag  entschlafen  oder  todt  und  er 
fahr  ids  thier,  vogel,  fisch  oder  schlänge  urplötzlich  in  ferne 
linder. 

Auch  die  serbische  ansfahrformel  ^ni  o  trn  ni  o  grm, 
vetch  no  pometno  guvnol'  (nicht  an  dorn  nicht  an  eiche 
sondern  zur  gefegten  tennel)  stimmt  zu  deutschen,  gewöhn- 
lich heifst  es:  ^auf  und  davon!  hui  oben  hinaus  und 
nirgend  onT  oder  ^wol  aus  und  an^  stofs  nirgend  anP  ^fahr 
hm,  nicht  »u  hochy  nicht  «i  nieder  F  in  England :  taut  tout, 
ihrimghout  and  abouif  wenn  aber  die  hexe  leute  verfolgt: 
iHfr  mir  tag,  hinter  mir  nacht!'  dAn.  Myst  foran  og  mörkt 
bagl'  Bin  nordischer  aanberer  nahm  ein  geifsfell,  wand  es 
um  sein  haupt  und  sprach:  ^terdi  poka  ok  eerdi  skripi^  ok 
undr  mikil  ölium  fieim  sem  eptir  f>er  soekja  V  (es  werde 
nobel  und  werde  zauber  und  allen  wunder,  die  hinter  dir 
suchen  I)  NIalss.  cap.  12.  Boguet  s.  111  führt  die  von  den 
sauberem  beim  steigen  auf  den  stock  gesprochne  formet 
nur  unvollsUndig  an:  ^baston  blanc,  baston  noir  etc.'  Von 
indischen  zauberfrauen  wird  gleichfalls  erzfthlt,  dafs  sie  einen 
spmcA  %um  auffHegen  hersagen :  Kataratri  sagte  ihn  her 
und  flog  alsbald  mit  ihren  Schülerinnen  und  dem  kuhstall, 
auf  dessen  dach  sie  stand,  empor  und  fuhr  auf  dem  wol« 
kenpCad  wohin  sie  wollte;  ein  mann  der  sie  belauscht  hatte 
nutzte  denselben  spruch,  um  ihr  nachzufahren  (Somadeva 
2,  58.  59),  ganz  wie  in  unsern  hexensagen  gemeldet  ist, 
dafa  minner  den  hexen,  deren  salbe  oder  spruch  sie  er- 
kondet  haben,  nachfahren. 

Wo  zuerst  findet  sich  des  stecken  und  besenritts  er- 
wibnt?  ich  kann  wirklich  nur  ein  ziemlich  altes  Zeugnis 
für  das  reiten  auf  röhr  und  binsen ,  die  sich  aber  in  ein 
leibliches  pferd  wandeln,  beibringen.  Guilielm.  alvernus 
p.  1064:  'si  vero  qnaeritor  de  equo,  quem  ad  eectigaiio^ 
nes  suas  facere  se  credunt  malefici^  credunt,   inquam,   fa- 


*)  hinbrüien  (ecslasis)  der  laaberinnen.  Ettnera  hebamme  p.  226. 
Martin  toh  Amberg  *die  henpreügenf'  entiuelitea« 


lOBB  »TOGKRITT 

cere  de  cmma  per  characteres  nefandoa  et  seriptantii,  qms 
IQ  ea  inscribant  et  impingunt,  dico  in  hoc,  quia  non  est 
poüsibile  malignis  spiritibus  de  catma  vemm  eqmun  facere^ 
vel  formare,  neque  cannam  ipsam  ad  hane  ladificationem 
eligunt,  quia  ipsa  aptjor  sit,  ut  transfigyreiur  in  e^tnim, 
vel  ex  illa  generetur  equaa,  quam  multae  aliae  materiae. 
forsitan  autem  propter  planitiem  auperficiei  et  facilitaten 
habendi  eam  alicai  videatur  ad  hoc  praeelecta  ....  sie 
forsan  hac  de  causa  ludificationem  istam  efficere  in  caiiaa 
sola  et  non  alio  ligno  permittantar  maltgni  spiritus,  nt 
facilitas  et  vanitas  eorum  per  cannam  honunibug  insinuetar 

si  quis  autem  dicat,  quia  canna  et  c<damu9  habita- 

tiones  interdum  mali^norum  spirituum  sunt  *)....  ego 
non  improbo.'  Deutlicher  ist  die  irische  sage  von  den  Mfi^ 
seit  und  halmen,  aus  denen,  sobald  man  sie  beschreitet, 
rosse  werden  **).  von  solchem  ros  braucht  man  hernach 
nur  den  summ  aufzuheben  und  ihn  zu  schältein ,  wenn  man 
seiner  bedarf,  es  naht  dann  alsogleich  (anh.  s.  lviii.  cxxxvm). 
Bei  Hartlieb  (anh.  s.  lix)  sind  die  unholden  auf  rechen  und 
o(engabelnj  in  dem  oben  s.  1000  mitgetheilten  älteren 
gedieht  auf  besen^  dehsen^  ofemUAen  und  kälbern ,  im 
ackermann  aus  Böhmen  p..8  auf  krik)ken  und  bocken  rei- 
tend vorgestellt,  im  tkadlezek  p.  27  aber  auf  ipumrocke» 
(kttzly).  des  böhm.  ruGs  'star^  baby  na  potnetlof  (alte  wei* 
ber  auf  dem  ofenbesen)  gedenkt  Dobröwsky  im  Slavin  p.  407. 
Wichtiger  ist,  was  in  der  sage  von  Thorsteinn  bcearmagn, 
die  Mailer  (3,  251)  in  das  15  jh.  setzt,  vork^Hnmt:  Thor- 
steinn lag  im  ried  verborgen  und  hörte  einen  knaben  in 
den  httgel  rufen,  'mutter,  reiche  mir  krummst/ab  und  band' 
handschuhe,  ich  will  auf  den  zauberritt  (gandreid,  s.  1006), 
es  ist  hochzeit  unten  in  der  weltl  da  wurde  aus  dem  hfl«- 
gel  alsbald  der  krokätafr  gereicht,  der  knabe  bestieg  ihn, 
zog  die  handschuhe  an,  und  ritt  wie  kiftder  pflegen.  Thor- 
steinn nahte  sich  dem  hügel  und  rief  dieselben  werte:  so- 
gleich kam  Stab  und  handschuh  heraus,  Thorsteinn  stieg 
auf  den  stab  und  ritt  dem  knaben  nach.  Sie  gelangten 
an  einen  flufs,  stürzten  sich  hinein  und  fuhren  zu  einer 
felsenburg,  wo  viele  leute  an  tafel  safsen    und   alle  wein 


*)  'mennige  narrinDen  o.  ock  mennigen  dor  bmdei  de  d&9d  «p 
nn  ror/  Narragonia  14^  (bei  Brant  nichts  dergleichen)«  sind  teuf- 
lische pferde  gemeint?  und  wird  Wallhers  'dz  im  (dem  swarzen  buoch) 
les  et  siniu  rSr'  33,  8 dadurch  erklärbar?  ein  serb. Sprichwort  lautet: 
'lasno  je  djaboln  u  ritu   sTirati',    leicht  ists  dem  teafel  im    röhr  so 


pfeifen. 

**)  irische  elfenn.  101.  215. 


GLOGKENHASS  1039 

Iranken  aas  silberbechern,  könig  und  ktaigin  waren  auf 
einem  goMnen  thron.  Thorsteinn,  den  sein  stock  unsicht- 
bar gemacht  hatte ,  erkQhnte  sich  einen  kostbaren  ring  und 
ein  lach  zu  ergreifen,  verlor  aber  darüber  den  stock,  wurde 
¥on  allen  erblickt  und  verfolgt,  glftcklicherweise  kam  je- 
doch sein  unsichtbarer  reisegefihrte  auf  dem  andern  stock, 
den  nun  Thorsteinn  mit  bestieg,  und  so  entrannen  beide 
(fornm.  sog.  3,  176  — 178).  Hat  auch  diese  dichtung  kein 
echlttordisches  geprige,  so  lehrt  sie  nichts  destoweniger, 
welche  ansieht  man  im  14  oder  15  jh.  mit  solchen  zauber- 
ritten verband;  kein  teufel  tritt  dabei  auf.  Aber  stob  und 
Mioök  scheinen  erst  spitere  behelfe  des  hexenthums.  weder 
4ie  naöhtfrauen,  noch  das  wütende  beer,  noch  die  valky- 
rien  bedürfen  eines  getälhs  um  die  lüfte  zu  durchziehen ; 
den  nachtfrauen  wurden  schon  halber  und  bocke  beigelegt 
(s.  1011).  .  Sehr  merkwürdig  ist  die  formel,  einen  «otni- 
stecken  »u  wecken,  der  zum  back  werden  und  die  geliebte 
herholen  soll;  ursprünglich  mögen  keine  andere  stecken 
gemeint  sein,  als  die  sich  beim  beschreiten  sogleich  in  thiere 
wandelten. 

Wie  die  hexe  durch  schlüsseUöcher  und  tkürritoen 
schlüpfeH  (s.  1028),  vermögen  sie  in  den  engsten  räum,  so- 
gar ssmisohen  hob  tmd  rinde  einzudringen,  darum  schält 
der  teufel  bei  H.  Sachs  II.  4,  10  vorher  den  haselstab,  auf 
dem  er  dem  alten  weibe  die  ausbedungnen  schuh  darreichen 
will:  er  fürchtet,  dafs  sie  sonst  zwischen  hol»  und  rinde 
zu  ihm  kriechen  könne.  Iw.  1208  die  gröfste  heimlichkeit 
auszudrücken,  heifst  es:  'sam  daz  höh  undet  der  rinden, 
alsam  stt  ir  verborgen.'  Als  ein  bekehrter  Litthauer  in 
heiligem  wald  die  bäume  zu  entrinden  begann,  sprach  er: 
Wos  me  meis  anseribus  gallisque  spoliastis,  proinde  et  ego 
nudas  (sc.  arbores)  vos  faciam.'  credebat  enim  deos  rei 
suae  familiari  perniciosos  intra  arbores  et  corüces  laiere. 
bezaubernde  Sänger  läfst  das  schwed.  lied  die  rirule  vom 
bäum,  das  kind  aus  der  mutter,  die  hindin  aus  dem  wald, 
das  äuge  aus  dem  nacken  spielen.  (Arvidsson  2,  311.  312. 
314.  317). 

Auch  der  hexen  Widerwille  gegen  glochen  ist  heid- 
nisch, elbisch  und  riesisch  (s.  428.).  gebet  der  frommen 
und  glockenläuien  bindert  ihre  anschlage,  sie  nennen  die 
glocken  'bellende  hunde.'  Nach  einer  schwed.  volkssage 
(Ödmans  Bahusläns  beskrifn.  p.  228)  rief  *eine  alte  heidin, 
als  sie  die  christliche  globke  von  Tegneby  herüber  läuten 
hörte,  verächtlich  aus:  'nu  mä  tro,  Bulla  pä  Rallehed  har 
fadt  bjähra  (RuUa,   die   christliche  kirche,    hat  eine  schelle 


14)40  HAGBLUACHEN 

bekommen),  hier  ist  noch  kein  gedenke  an  hexerei.  aber 
es  wird  auch  von  sehwedisehen  hexen  eraShH,  deCs  sie  die 
ffhckem  oben  im  daehetnl  losscbafoen:  wenn  sie  avf  ihrer 
IsAlRTt  einen  ihurm  erreichen,  setzen  sie  die  entführten 
kinder  (s.  1032)  aufs  kirchendach,  die  dann  wie  kleine  doh- 
len  aussehen ,  schat>en  unterdessen  <be  glocke  loe  vnd 
schleppen  sie  fort;  hernach  lassen  sie  das  ert  darch  die 
wölke  Ton  der  höhe  niederfallen  und  rufen  :  nie  soll  meine 
seele  goit  näher  kommen,  als  dieses  erz  wieder  zur  glocke 
werde? 

In  das  höchste  alterthum  hinauf  aOer  vMker  beinahe 
reicht  das  zauberhafte  hagefmaeken  und  $a&tverderben. 
Wie  Ton  gütigen  gittern  gedeihen  der  frflchte  ausgeht ,  wie 
von  denn^hnen  ihrer  rosse  luftreiteade  Talkyrien  beflsa- 
men  thau  auf  das  gefilde  niedertriefen  lassen  (s.  393) ;  so 
trachten  bösartige,  zanbertibende  wesen  danach,  alles  was 
grün  ist  zu  vernichten.  Die  griech.  eumemden  (ein  wort 
das  schon  unsere  alten  giossen  durch  hdzasa  verdeutschen] 
verderben  mit  ihrem  gHfer  die  saai  und  mit  $chio$9en  die 
frucht  (Aesch.  Eum.  753.  768.  777.  795).  In  den  röm.  XII 
tafeln  war  eine  strafe  verhängt  wider  den  'qui  fruges  ex- 
oantanii\  sive  'alienam  segetem  pellexerit' ^).  Im  8  und 
9  jh.  legte  man  das  wettermacfaen  mehr  Zauberern  als  Zau- 
berinnen zur  last;  die  schon  s.  604v  605  angegebnen  stel- 
len nennen  nur  tempestariiy  keine  tempestariae.  Auch  bei 
Ratherius  p.  626  heifst  es:  ^contra  eos ,  qui  dicunt  quod 
hämo  makis  vel  dtabolus  ^  tempestatem  faciat,  lapides 
grandinum  spergat,  agros  davastet,  fulgnra  müttat  etc. 
Burchard  nennt  jene  zauberer  immissores  tempestahun  (anh. 
s.  XXXIV.  xxxvi).  Doch  hn  Norden  waren  Tborgerd  und 
Irpa,  weiche  stürm  und  unwetter  regemachten,  freuen  (s. 
603),  die  salzmalenden  Fenja  und  Mei^a  nesinnen;  ihr 
schif  gleicht  dem  nebelschif  der  wölken.  Wie  beim  wet- 
termachen verfahren  wurde  ist  nirgend  angeführt,  aus  weit 
späteren  Zeugnissen  sehe  ich,  dafs  die  zauberer  sich  einer 
tronne  oder  eines  kruges  (s.  560)  bedienten.  Ls.  2,  314 
sagt  meister  Irreganc: 

und  kem  ein  toann  in  min  haut, 

der  hagel  sHkeg  über  aUe%  lanL 
Im  ApoUonius  von  Tyrland  (9183.   10970.  11010  ff.)  wer- 


* 

*)  rndis  adhuc  antiquiUs  credebat  et  attrahi   imbres  cantiboa  et 
repelli.    Seneca  nat.  quaest.  4,  7. 

**)  der  teufet  macnt  stürm  uod   donnerwetter  (s.  951),  der  riese 

<lAfl<rlttif*hAn    /a     ums 


desgleichen  (s.  603) 


fiAGELMAGBBN  tMI 

den  kfüge  gmaiml,  gof»  man  ^  aiUy   so  erfolgte  schafaer 

und  bagel:   der   eine  krug  schuf  blicke  mid  donnerstralen, 

der  andere  bagel  und  scheuer,  der  dritte  regen  und  sauere 

wmde.     Ein  holzschnitt  in  Keisersbergs  omeifs,    (ed.  1516. 

36^)  stellt  drei  auf  sobemel,   Spinnrocken  und  pferdekÖpfen 

sitzende  nackende  unholden  dar,  Wpfe  in  die  höhe  haltend^ 

aus  welchen  schauer  und  stürm  emporsteigt.    Merkwürdig  ist 

eine  stelle  imRudlieb,  die  reuige  verbrecherin  bittnl  (6,48) 

post  tridunm  eorpus  tollatis  ut  ipsum 

et  comburatis,   in  aquam  dnerem  jaciaüi; 

ne  p^Htr  abseondat  sol^  auf  aer  neget  inibrem, 

ne  per  me  grando  dieatur  laedere  mundo , 

är  leichnam  möge  vom  galgen  genommen,  verbrannl  Und 

die  oiche  in$  wa$$er  gestreut   werde»,   weil,   besorg!  sie^ 

durch   mmeMlfeii  in  die  luft  iDolhehy     darre  und   hagel 

entspringen  könne.    Gerade  so  errt^gt  die  ausgestreute  /au-» 

feliuiche  stürm  und  Unwetter  (s:  1025);  das  chronicon  s« 

Bertini  meidet,  Richilde  vor  der  sehhicht  mit  Robert  dem 

Friesen  habe  gegen  die  FrläSen  unter  verwttnsdrängsformehi 

ffoifft  in  die  Infi  geworßn^    der  aber  zum  aeichen  ihres 

eignen  nahen   Untergangs  auf  ihr  haupt  zurückfällt,     sie 

wollte  gleich  Thorgehtr  und  Irpä  (s.  603)  die  feinde  durch 

Sturm  eemiekien.     Justingers  Bemerchrohik  p.  205.  erzfthlt, 

wie  eme  heimlich  besendete  irntt  einem  grafen  von  Kyburg, 

der  ihr  veriiiefs,  sie  nicht  zu  melden,   an  der  zinne  seiner 

bürg  stehend,    und    heimliche    Worte  sprechend,    wölken^ 

regen  und  weiter  machte,   die  ^eine  feinde  eerfagten  (a. 

1382).    Die  norwegischen  zauberweiber  verfahren  noch  ge-« 

rade  so,  wre  von  den  Yinlffndern  (s.  606)  gemeldet  wurde; 

sie  schliefsen  wind  und  unwetter   in  einen   Moeky    dessen 

knoten   sie  zu  gelegner   zeit  lösen,    wobei   sie  ausrufen? 

Vind,    ins  teufeis  namenl*    dann  fährt  stürm  heraus,  ver«« 

heert  das  land  und  slflrzt  schiffe  im  meer  um.     Wie  Harl^ 

lieb  (s.  Lix)  darstellt,   opfern  die  alten  weiber  den  teufein, 

dafs  sie  haget  und  schauer  machen.     Nach  deutschen  aoten 

des  16.  17.  jh.  tersammeln  die  hexen  sich  haufenweise  an 

wasierbfichen   oder  seen  und  schlafen  mit  gertem  solange 

hinein,    bis   nebel  'hervorsteigen,    die    sich    allmSiieh  -ini 

9ckwar%e   wölken   verdichten ;     auf   diesen  iöolken   fakrett 

sie  dann  in  die  höhe  und   lenken  sie  an  die   stellen,    wo 

sie  schaden  wollen,     auch  setzen  sie  ^auberläpfe  ins  was-»«' 

ser  und  rühren  um  *).     einigemal  wird  vom  windsack  ge^ 

*)  ^Sl*  oben  8.  5i64  über  sturmerregung  durch  steinwurf  uqd  was* 
lerausgiefseo. 

Crimmt  mytk^l,    3.  uutgmbe»  66 


IM2  nAGWMktUm 

redet  (Voigt  131)^  sie  sotten  Uaiie  licbtcf  m  dus  $tmteir 
träpfehüy  kie$eUiHne  in .  die  luft  werfeki»,  oder  (iiHer  XQ\r 
len^  deren  zersprengung  stürm  erzeugt  sie  lesen  ei<^- 
to«i  in  ein  tnannshemd,  und  hftngen  es,  abgefüllt  mit 
den  biftttern,  aa  eineiv  bäum:  sofort  erhebt  sich  wind,  der 
allen  regen  vertreibt,  und  schönes  wetter  erhält  Aus  iüei- 
nem  Wölkchen  machte  eine  hexe  grofses  Unwetter  (Arx 
Buchsgau  p.  103).  Ein  starkes  gewitter  wfthrte  so  lange, 
dars  ein  jftger  auf  der  landstrafse  aeHi  gewebr  mit  einer 
geweihten  kugel  lu(l  un4  mitten  in  äie.Mchuiärziesie  ¥>oIke 
Mcho/s;  de  fiel  aus  ihr  (wUi  a«  604  aus  dem  scbif)  ein 
nakteM  weibsbUd  todt  ^tur  erde  und  des  .un-wetter  verzog 
sich  augenblicklich  (M<>nes  ans.  4, 309]«  In  Kärnten  schiepA 
das  Volk  gegen  die  wet(enDolken,  um  die  darin,  rath  hal- 
tenden bösen  gmter,  su  verscheuchen. .  da  BfN9i&  dem  f^fsf*' 
rer  gewalt  zutraut  das  wetter  zu  b^sphwören,  S(0  bringen 
ihm  die  weiber  schürzeii  voll  sohlofsen;  y^  haus  geto'agen; 
^da  habe  er  seinen  gebühr^e^,  zehntieii  Tom. wetter,  weil 
er  ihm  nicht  gesteuert'*].  In  eiqigpn  gegenden  Fr^nkreicbs 
Fttht  auf  ganzen  gesehlecht^rn  d^r  verdacht,  da£i  sie  stürm 
erregen  können;  sie  finden  sich,  .wenigstens  zu  dreien  am 
see  ein  und  schlagen,  .unter  fürchterlichem  geschrei,.  da^ 
Wasser  in  die  höbe,  es  geschieht  nfichta  vor  Sonnenaufgang, 
und  heftiger  stürm  ist  die  unmittelbare  f^ige  (m^m.  d.e.l''ft6* 
oelt.  2,  206,  307).  dergleichen  leuto  bieifsen  metieurM  det 
nuies  (mäm«  den  antiq.  1,  244)»  In  Deutschland  waren 
gewöhnliche  Schimpfwörter,  gegen  hexen:,  tioettermßcherin^ 
wetterhexe  ^  wetter katsie , .  donnerk^^  ^ .  nebelhexe »  straUn 
hexe,  blMhexe^  ^eeenmaeherim,  (yom  aUeipii  zessa,  sturm]^ 
früher  auch,  foolkenffün&e  Ms.  2,  140^  ajus  einem  noch 
reinen  Verhältnis  löfst  sich  der  ahd.  frauenname  Wolchau-' 
drüt  (trad.  fuld.  2,  101)  deuten,  die  yalkyri^  (s.  394)  reitet 
entweder  in  den .  wölken  oder  sprengt  fruchtbaren  thau 
aus  ihnen:  so  n^ag  selbst  das  streuen  der  ascbe  auf  die 
ilcher  ursprünglich  deren  tragbarkeit  erhiö^bt  haben,  von 
der  hexe  findet  sich  zuweilen  feldfrau  ^ni  feldspjnnerin 
gebraucht,  weil  sie  über  fcld  upd.  wiesen  fährt  adcpr  zau* 
berföden  spinnt?  (vgl.  s.  1053).  wer  weiis,  ob  nicl^t  der 
Yolkamäfsige  ausdruck:  die  alten  weiber.  schütt^lA  ihren  rock 
aus  (de  aule  wiver  schüddet  den  pels  ut,  Strodlmann  p.336) 
für:  es  schneit,  eigentlicb  identisch  zu  nehmen  ist  mit  dem 
s.  249  angeführtea:  fra^IiQde  m«cht  iht  bett.?  güttin,  .vi|l- 
kyrie,    hexe,    nach   dem  stufengang  solcher  mythen.    den 

*)  Franz  Sarlori  reise  durch  Ostreich  2,  153.  151. 


rBLDCEADBBR  a  1043 

ChrieoüAn  war  tioeh  Zm»  selbit  vitpiXiffiph^ ,  dM  Serben 
Minmeit  üb  rüe  wölken  (oMaki).  Axich  m  Norden  geben 
hagel  mul  uiiweUaf  aus  ron  jenen  balbgdttinnen  Tborgerdt 
md  Irpa,  nicht  saatverderblioh ,  SMdern  beergefäbriiob  *), 
Bflcb  Sn.  175  fHbrl  die  zauberfra«  sogar  ien  namen  El 
(procella)  ^). 

Zttweiira  gebt  aber  die  absiebt  des  caubers  weniger 
darauf,  die  frucbt  s«  verwlisteti^  als  viehwebr  «ieb  ihrer 
au- berottebtigen ,  sie  aus  den  felde  sra  entfobre»,  sei  es 
xur  dgndn  Torralbskammery  oder  h  der  des  günstlings  ^^*)« 
des  «annlen  sebon  die  Römer:  satas  alio  Iradueere  anessee 
(Virff.  eel.  8,  99);  canius  tici«s  froges  tradodt  ab  sgris 
(SFibiiil.  I.  8,19)«  Man  wibnle,  wenn  unbolden  dnrcb  refre» 
giengen  und  die  stocke  schütteüem,  kfimen  die  InMfben  ans 
des  nacbbars  stttdk  in  das  ibre  (HartiiiaiNi  rem  segenspr. 
341).  €Ui  alter  tbalbaner  gab  seiner  enkelin  einen  steek, 
den  sie  a»  einem  gewisaen;  eri  a«i  dem  feld  tu  daa  k&n^ 
sfoetei  seilte,  unterwegs  wurde  das  lafidehen  tom  regen 
abereilty  Ittebtete  unter  eine  eicbeund  liefe  da  den  sieb 
steoken:  ab  sie  wieder  beim  kafn,  fand  sieh  ein  dichter 
benfen  etoAenfatifr  avf  des  grofsTateva  boden  (das.  p.  342). 
Aach  beenini  Tor,  da&  refteii  im.  topf  g9$Mtn  werden,' 
wabraebeiftiieh  sUm  Verderb  des  wleinbergs.  die  hexengift« 
krftiiler  sieden  und  verdunslen  uiife#  dem  bimmel. 

Es  wird  eraftUt,  data  sich  kexen  naekefBd  im  $ande-\); 
oder  im  Aon»  boikn;  ich  weifs  nicht  warum;  abergl.  519. 
nedet  von  sieb  nackt  im  flacbise  wftlien.  Drei  hexen  aak^ 
man  aam  roggenfeld  gehn ,  aich  ihrer  kleider  enfledigen 
und  splüternackend  mit  bfingeAden>  haaren  im  kern  baden« 
ab  Mttgen  nahten,  verschwandee  awei  plötsiich  mit  zu*- 
röcklassong  ihrer  kleider,  die  drMle  atttrzie  ihr  hemd  übei^ 
(Voigt  130-132).  Ist  bter  vusasBiiieiitiang  mit  kernweibern 
und  reggenmuhmen  (s.  445)? 

*)  wie  d«r  Wirbelwind  dem  teufet  beigelegt  wird  (s.  960),  so  den 
Imieo'liliel'gl.  554.  646)^  Kiliim  693  bemerkt,  dafs  er  auch  aarende 
M/if  (fahrendes  weib)  heifse ,  d.  i.  laftfahrende  zauberin  ;  tgl.  loifiib-' 
krofuk  (s.  598)  and  'wie  eins  win(|abraul  durchs  laed  f»bren.*  Sim- 
plic.  2,  62. 

**)  heifst  sie  darum  iSlar  hol  (solis  pernicies),  weil  sie  durch 
ihre  Wetterwolke  die  sonne,  rerGnsterl?'  oder  darf  man  hier  wepler 
zttfück  ins  beidsnibttm  gehn  und  der  zaubertn,  gleich  deili  wtflfe, 
^mrUhJ&nfißm  «rfsr  mum  And  dbtüiomit  bsäegea?  die«  wird  mir  Ms 
deui  nafuea  hp^U^l^  Aiiiiuiij  (coeli  ro(#m  glüüens)  wahrscheinlich.  ■ 
'***)  Tgl.  den  zutragenden  korndrachen  (s.  97!)  und  hausgeist 

W  Yon  hänern  sagt  man  dafs  sie  sich  im  sande  baden;  litth. 
ktttenas'  wisztos  iiegzarosa ;  lett  pbrriuate^s ;  polnJ  buty  «f(  w  piasku 
kapia. 

66* 


104«  ZAUBBROBEkihlH 

Hexen  und  hexenmevter  bedtenäki  noh  ecr^dUedeer 
gerätke,  VM  denen  aber  meisteniheib  keine  genaue  be^ 
sehreibung  gegeben  wird,  des  stob»,  mit  dem  die  alten 
Zauberer  gewöhnlich  anagerOstet  sind ,  finde  ich  in  nusem 
sagen  k^ne  meidung,  die  Wünschelrute  erscheint  als  ein 
höheres  edles  Werkzeug;  doch  könnten  die  hexen  den  stab 
oder  stecken,  auf  dem  sie  reiten  sollen,  ursprüngiiob  ge- 
ftthrl  haben,  auch- finde  ich  den  stecken:  den  dritten  ^ß 
des  hexemnanns  genannt  (Mones  anz.  7, 426)«  in  bairisehen 
acten  ist  oft  des  sogenanntte  mämie  oA&t  faekel  (ferkel) 
WMcheiis  erwähnt:  die  hexe  hat  ein  dunicelgelbes,  Itmrtes, 
nnbiegsames,  vierbemiffes  werk%eugj  sie  bildet  aus  einem 
tnch  die  gestalt  einer  maus  oder  eines  ferkeis,  hfilt  jenes 
gerfith  darunter,  und  spricht: 

lauf  bin  und  komm  wieder  zu  mir  I 
dann  lauft  das  thier  lebendig  davon;  wahrsoheinKch,  um 
ihr.fetwas  von  andern  lenten  herzuholen,  zuzutragen,  eine 
hexe  heiÜBl  deswegen  mau9$ßUägerin  ^  ein  zauberer  «MWi- 
sdMgeL  norddeutsche  p^ocesse  haben  den  atiisdk^uck  mtkn 
senmöher  (mttaemaker)  und  dinen  andern  hergang:  die  hexe 
siedet  zauberkrtater  und  ruft  dann  'maus  maus,  heraus 
ins  teufeis  namen!'  worauf  die  thiere  aus.  dem  poH  sprin* 
gen  *).  man  gedenkt  dabei  der  von  ApoHo  Smintbeus  im 
Zorn  geschafhen  verderbliehen  mause  und  der  feMverbee'- 
renden  leminge  in  Lappland,  so  dafs  diese  plage  mit  vollem 
fug  dem  verheerenden  wetter  und  hagel  zur  seite  steht,  ob 
schon  in  unserii  hexenäcten  kaum  von  dem  unheil  gemeidet 
wird ,  das  die  zauberlhiere  anstellen  *^).  mir  eine  niederl. 
sage  bei  Wolf  no.  401  erzfthlt,  wie  ein  junges  naädchen 
zwei  kügelehen  erde  hintereinander  hinwarf  und  plötzlieb 
das  ganze  feld  een  mäueän  wimmelte.  Die  sehwed.  Aber* 
lieferiing  nennt  ein  bjänum  oder  bare,  welches  nach  Ihre 
(dial.  lex.  18*)  ein  melkgefä/i  (mulotrale)  war  und  aus 
neunerlei  gestolnen  webknoten  zusammengeknüpft  wurde, 
man  liefs  drei  blutstropfen  aus  dem  kleinen  finger  hinein^ 
fliefsen  und  sprach:   . 

p&  jorden  skal  tu  för  mig  springa. 

i  Bläkulla  skal  jag  för  thig  brinna  I 
der  name  rührt  daher,   weil  das  gefäfs  den  Verehrern  des 
teufeis  milch  oder  andre  dinge  ins  haus  zutrug  (bar,   von 
bJlra).     Hütphers  (fierde  samlingen  om  Angermanland.    Ve- 
steräs  1780  p.  310)  schildert  er  als  einen  runden  ball^  der 


*)  Lafferlt  rslat  criiq.  p«  67.  50, 
*)  Tgl.  Klausens  Aeneas  s.  73  —  75« 


-ms  Itefien  f^werk^  •  vmAf  waeHokÜBr  u.«  il/  ih  gemaoht  onfl 
«I  mehreni  >  feairim*htliist0a<'  geitavchl  wurde:  er  lief  ä%ts 
oiid  tr«9  zu.  Jn  bewegng:feHMi*er,  -sobald  der  äusseih- 
dende  -  sieh ':in  den  liakeii' kMnea  finger  sohdeidet,  und  das 
Mut  darauf  tro)lft: 

smör  ooh  est  riud  du  arig  bringa, 
coli-  derf&f  (skal  jag)<  i  heifvetet  Munal 
Wer  erittMrt  sieh  nioM  des  wa«terbolenden  besetm  in  Göthes 
laubwlehrling? 

Ähnlich  gewesen  sein  mag  der  isländische  snackr,  was 
senst  eine  weberapule  beKeithnet.  er  wird,  nach  Biörn, 
in  gestait  einer  schlänge,  aus  eines  todten  mensche«  riff« 
gemacht  und  vori  der  hexe  in  graue  wolle  gewickelt,  daAn 
saugt  er  an  ihren  brüsten  und  kann  hernach  auch  fremdes 
vieh  aussaugen  und  dessen  milch  zutragen*). 

Verbreiteter  ist  die  Zauberei  mit  dem  sieb,  deren  ich 
hernach  gedlBiiheii  werde,  und  mit  wcieksbiMem,  denen 
man,  unter  ausspre'cftnng  geheimer  werte,  et^s  anthut, 
um  auf  abwesende  menschen  einzuwirken,  entweder  wird 
das  Wachsbild  (der  alzmann)  in  die  luft  gehängt,  ocjer 
ins  Wasser  getaucht,  oder  am  feuer  gebäht,  oder  mit 
nadeln  dui^hstoehen  unter  die  thürsehwelle  YWgraben;  der, 
auf  Weichheit  es  abgesehh  ist,  empfindet  alle  quälen  des 
bildes  (anh.  s.  lii.  lxii.  Lxni]**).  ein  fahrender  schüler  sagt 
(Aw.  2,  55): 

mit  wunderlichen  Sachen 

I6r  ich  Ue  denoe  machen 

iDoh  uiahs  einen  kobolt, 

wil  sie  d^z  er  ir  werde  holt, 

und  töufez  *^*)  in  den  bruunen, 

«rtd  leg  in  ea  die  evnneii. 
gegenmittel   bewirken   aber   dafe   die  gefahr  surQekscMagt 
und  den  zau^erer  selbst  triftf).     Auch  aus  feti^  und  kirn 


*)  hier  erwihae  kih  des"1«fpi«cbea  «aüfaergerithes  pmbdttt  {Ltiem 
idiraibt' 8.*  421  'gCYiles),  das  ■  ain< 'fichtton ,  tannen'oder  birkeohols, 
detftea  faaeni  von  der  reehtefl 'gsgea  die  Hake  laufen,  gehauen  «wird, 
ante«  hobl,  eben  mit  hautbetegen  i«r.  auf  diese  hani  seblagen  die 
laaberkundigea  liBp^pen  mit  einem  haidflier. 

*^)  ¥g1.  Pittokarts  übers,  der  daetnoabmania ,  Strafah.  1591*  fdl. 
p.  143.  1441  ,    ,     .     . 

***)-f^Ar'e9'(da8  Vacht)^  inden  brunnen;   wüi  man  Aii^  rer^ 
Bt^bn,"  asa'wliw  zu  lesen s 'in  ^embraooen.'  i      -i  • 

f )  setiimpf  uad  ernst  eap.  272  Wird  folgende  gescbiehte  ersikit-: 
gen  Rem  war  einer  gang^/s.' Peter  nnds.^Faal'zn  snehetf,  und  da 
er  hinweg' kaai; 'da' ward  eeitffrata  eim  andern  hold,  der  w«s ,  'als 
man  sie  nennt,  ein  farender  schnter,  der  begert  ir  zu  der  eke.    die 


<l«iB  WAOBMILBDl 

.httnneii  Moberhiider  geiMoken  >  #iideD ,  «ns  <  «fMI  9»- 
«diniMleiy  dodi  dag  waeht  d«r  heiTigw  biane  (iw  6M) 
aekaint  dafür  am  geeifiieMea;  ea  Itogt  darin  «im  iiM<- 
«hmting  göltiiohen  satalTena  (rgL  s«  536),  die  nur  bia  aaf 
gewissen  grad  gelingen  kann.  In  Pnlcis  INngattte  Bl,  18 
besitzt  eine  zaubertn  ein  MU  geanaehl  aus  dem  lauteren 
wachse  junger  bienien  (delle  prime  a|ie) ,  aul  dllen  gliedern 
Ms  anf  eine  rippe^):  an  dies  bild  War  ddr  sanberin  eigne 
lebenskraft  gebunden   und  als   es  Halagigi  bei  langiaineai 


Trau  sagt,  *inein  mann  ist  gen  Rom  gesogen,  wSr  er  todt  öder 
konnteBCu  ihm  oflohringen »  so  wol|  ich  dioh  haben  für  alle  nSnoer/ 
er  sprach,  *ja,  ich  kann  ihn  wol  nmbringen/  and  kauft  wol  sechi 
jrfund  wachs,  und  machet  ein  bild  daraus.  Da  der  fromme  manji 
gen  Rom  in  die  Stadt  kam,  da  kam  einer  zu  ihm  nnd  sprach:  *odn 
söhn  des  todtes,  was  gehst  du  hin  und  her?  hilft  man  dir  nicht,  so 
hki  tfn  heute  lebendig  und  todt'  4er  mann  «prai^h  *wie  moate  dai 
sQgehn?*  er  sprach  *koram  in  mein  baua,  ich  will  dSra  «eigen«'  Di 
er  ihn  heim  bracht,  da  richtet  er  ihm  ein  waaaerbad  zu,  darein  «etat 
er  ihn  und  gab  ihm  ein  spiegel  und  sprach,  'schau  darein  !*  und  safi 
neben  ihm,  und  las  in  einem  buch  und  sprach  zu  ihm,  'siehe  in  den 
Spiegel,  was  siehestn  darin?*  Der  mann  in  dem  bad  sagt,  *ich  sibe 
wie  in  mein  bau«  einer  ein  wä$hiim  UM  an  die  wand  «feJfef,  nod 
geht  hin  and  nioimt  das  armbrust,  ond  spannt  et,  Qtad  will  in  dat 
biid  schief sem.*  da  sprach  dieser,  'so  Ueb  dir  dein,  leben  ist,  $0  lack 
dich  nnter  das  wasser,  wenn  er  will  schiefsen.'  der  mann  tbat  et. 
Dieser  las  aber  in  dem  buch  und  sprach:  *sihe,  was  slhestu?*  der 
mann  sprach :  *ich  sibe ,  dafs  es  gefehlt  hat  und  ist  fast  tranrig  und 
mein  frau  mit  ihm.  der  farend  aehoier  rfiat  zu  ond  will  in  dem 
andern  mal  schiefsen  ond  gnhl  den  halben  tboil  bioza.'  Huk  dich, 
wenn  er  schiefsen  will.'  er  tuckt  sich.  Dieser  apracb:  'log,  was 
sihestn  ?'  der  mann  sprach ,  'ich  sibe ,  dafs  er  gefehlet  bat  and  ist 
sehr  traurig ,  ond  spricht  zu  der  frauen ,  fehle  ich  nun  zum  drittea 
mal,  so  bin  ich  des  todea;  nnd  rfistet  zu  nnd  sibt  nah  su  dem  bild, 
dafs  er  nicht  fehlen  mög.*  Da  apMcb  der  so  in  dem  bacb  laa:  'tnk 
dich  V  der  mann  tacket  ai^b  Tdrai  aebnCi.  -  Diea«r  anraeh  'aiba  aal^ 
was  sibestu?'  er  sprach:  'ich  sibe,  dafs  er  gefehlet  bat»  und  iti  d*r 
pfeii  in  ihn  ganaen  und  ist  todt,'  und  mein  fran  Yergrebt  ihn  nnten 
in  das  haus.'  Da  sprach  er:  *jetz  steh  auf,  nnd  geh  bin!'  dermina 
weit' ihm  viel  aohenken,  da  weit  er  niobta  neiiasen  nnd  apradb:  *biu 
f Ott  für  mich.'  Da  der  bärgar  wiederaaib  beiia  kam .  da  wall  iba 
die  fran  freaodlieh  empfabea,  aber  er  wek  ibf  kein  gaad  babea, 
'lüde  ond  beruft  ihre  &-eaad  und  sprach  zn  ibnna»  waa  aie  ifa«  lar 
ein  frau  bitten  geben  und  «agt  ea  ihnen  alles  wie  aie  gebändelt  bitte, 
die  frao  leugnet  ea  steta.  da  fahret  der  mann  die  freainde  dabin,  di 
sie  ihn  hin  gegraben  hitt  ond  grub  ihn  wieder  heraus.  Da  fing  man 
d^  fran  and  verbrennt  aie,  das  war  ihr  acabter  labn*  Die  febel 
stammt  aus  den  gestis  Rom«  (ed.  Keller  cap.  1(12)  1  nua  naaift  aber 
bei  Afzeliaa  1,  48  die  firiaeb«  fionhqppiaobe  sage  tergleiebeft. 

*)  wie  ans  der  rippe  Weiter  erschaffen  wird  •  (a.  529)  und  wen-* 
derbarea  geritb  bereitet  (a.  360.  1045)«  mai^lt  sie  «nrollaltedigar 
joböpfung. 


WACH9fiIL0.  I  WER  WOLF  IM7 

Awr' MftifKrisM  IfAfs,  ndiwimd*  «la  dikin.  Dafir  nfan  solobe 
#ftchMilM«r  KUWtfMen:  ttiafte/  sefgft  ein«  predigt  Berthehte 
(ood.  pali  36  fbK  &7^):  ^«#  tiimpt  dhi  her,  and  kiuft  mn 
wtfckiy  diu  ein  beks^  dia  ein  t6tetipein,  alles,  dae  sie  tfomit 
becouiief*^),  nnd  hienwe  geht  zisammenliaR;  des  nanber« 
miWel^  mit  abergIMibischen  tieihnittein  herver.  Wie  gene^ 
$ffnti  und  siech«  ^hl  Wachsbild  oder  waehsglted  in  kircheh 
weihen  tind  aofbiftigen  KeMeii,  ae  veitetate  imd  tödtete  die 
hexe  dorcb'MIder.  Ohne  zweifei  rek^ht  diese  eaoberei  in 
das  höchste  altertbnm;  schon  0?id  gedenkt  itwer  (amor.  lU. 

7,  «9)-: 
aagav^  punieea  defixit  mmiina  cera, 
et  fnedium  tenues  in  jecur  egit  acus? 

I  vgl.  Horat.  (epod.  17,  76):  movere  eereas  imägiMB.  bei 
,  Tbeoerit  9,  d8  ist  das  wack$gchmii$en  deutlich:  »c  vot;* 
k  to¥  TOP  nagop  iyii  ot)f  ial/tort  tcf^o),  oJp  tdxöi&*  vn 
)       i^moQ^   aber   niehr,  dafs  es  ein  bild  war;   bei  Virg.  eck 

8,  74  ff,  eobefnt  ein  z«nbeiiri(d  (tercfue  haec  attaria  cwcfmH 
^fßgiem  dwoo)  ans  lekn  und  wachs  gemacht. 

l  Gans  tthntich  solchem  aufhingen  und  bihen  des  atx-^ 

p  nanns  war  der  alte  gebrauch,  die  erde  oder  den  rosai 
i  aussuschneiden ,  anf  vnrfehen  der  fofe  eines  menschen  ge- 
^  standen  bat,  den  man  verderben  witl.  dieser  erdichtM^ 
wie  ihn  Yintler  nennt  (s.  liii],  wird  in  den  Schornstein 
gehfittgt,  nnd  wenn  er  tu  welken  oder  zu  darren  beginnt^ 
In  rnnfs  auoli  jener  menseh  abnehren  (abergL  524. 956)*  sehen 
Sarebard  fMirt  es  an  (anb.  xxxnc).  man  kann  ei«  pferd 
Ubmen  daroh  das  einschlagen  eines  nageis  in  seinen  Iri* 
sehen  fufstrltt,  einen  dieb  verrathen,  wenn  man  zwider 
hineinlegt  (abergl.  978).  Plinius  28,  20  sagt:  vesHgium 
equt  exeussirai  unguis  («I  aalet  plerumque)  si  quis  coltectum 
reponat,  singuitusremedium  esse  recerdantibus  quonam  loco 
id  reposoerinti. 

Auch  daf  verminen,  tkiergfestaU  anaunehmen  (an  sich 
eine  göttliche  eigenschaft,  vgl.  s.  302),  haben  unsere  Zau- 
berer mit  denen  der  Griechen  uncl  Römer  gemein:  mftnner 
if  werden  gern  zu  Wölfen ,  fraueti  zu  hatten ;  in  die  spräche 
'  unsers  alterthums  übersetzt:  sie  schliefseo  sich  dem  dienste 
*!       von  Wußten  und  Frouwa  an. 


^  Herodot  4y  106  meldet  von  den  Neuren,  vnter  Soythen 


"     ifii»»»  <* * 


9 

^  *)  futdam  {Jadsaoraai)  Id  similitndiaeai  ef>is«äpi  (Eberbknrdi  Utß*- 

▼erensia,    im  II  jfa.)   eeream  imaginem  \jenh  iotei^ösitsai  licieMles, 

^         elerlcani,  ni  t^m  bapiiun^e^  peeunta  eerropemat ,  qositii  ipso  sabbatq 

f        ie«etf4eni«i;  qua  JMn  eü  purta'Une^a   eontanipta  episceput  eö($pit 

gravit#r  iaflnaari  el  e^riit  (bitt/4reT*). 


.MMB  -f  •'    ••  -IWeRWQLF  -.'.ff 

m 

und; in  S^ylhien  vtr^lmhftfteii  H^Umeii/.g^Uw  sio  ftr  «mi* 
Aerer  (yotite^^   weä  sieb  jeder  von  dnw  alljäiirlich>  auf 
einige^  lag^    in  einen  1019^  wandele,    dann  aber  wieder 
manncblipbe  gestalt  annehme  [me%wß  inciofot;  avaf  %m 
a^v^mv   #iiao«off   Ai/Jinc  Yi9B%at   fj^ii^ß   oAlymi^  nd 
««Mv^  oniam  is  «outiTo  Nov/tffa««^)*     Abnliobes   berichlaB 
PlinHia  8, 34,  Pomp.  Mein  2^  1  und  A«gn«tin  (de  civ.  dei  IS, 
17).      'hi3  ego    saepe .  htpum  fieri  ol    ae    noodere    ailvis 
Moerin  . , .  vidL'    Virg,  ecl.  8,  97.    Ein  menaeh,  den  diese 
gäbe  oder  suoht  anaseiehiiele,  biefa  jbvMt^i^^wfioß*),  wel- 
cber  Wortbildung  das  ags.  veretulf  (leges  Canuti,    Scbmid 
1,  148)  engl.  lo^etDo//^  genau .  entspriobi  ^  gotb.  vairavulfs? 
ahd.  werawolf?     bei   mhd.  dicblern  kein  werwotf.     altn. 
wird  nur  vargr  (RA.  733.  Reinh.  xxxni)  gebreupht,  verftifir 
Sn*  214^  ist  scbwertonnmo,  das  sebwed.  ddn.  earulf^  earuk 
scbeinen  nach  der  roman.  oder  deutschen  form,     ich  finde 
itertoolf  zuerst  bei  Burchard  (anb.  s.  xxxyiii).     'strigaa  et 
^eiQ$  hip99  credere'  alelU  schon  BottifaGius  nusanunen  (ser- 
mon.  bei  Mart.  et  Dnr.  9,  217).    aus  warulf,  garulf  (iGerras. 
tilb«  schreibt  ^«r^pAti«)  kann  das  firanz.  toupgarou  (troroti 
kiattfranz.  gedichten)   umgestellt  acheinen,   doch  bat  andi 
der  hrelagn*  dialect-  hki%gat<m^ .  bleügam  (von  bleic,  woU) 
nnd  dem>lei6   (mannwolf,   yon'dea,  mann)  gr^kokH  (fem*- 
meloup);   bisclaveret  bei  Marie  de  France  1,  178  nag  aas 
bhiagarv  entstellt  sein,   wie  das  normandiaehe  fortoal  aus 
ffuarwolf.    poln.  finde  ieh  mlkni^y  wiihatek,  böhm.  wlkod^ 
My  das  eigentlich  wolfhaerig' bedeutet  und  an  den  haarigea 
waldgeist(s.  449)  erinnert,     das  serb.  vukMlak  bezeichnet 
einen  vampir.     die  Letten  bilden   aus*  wilks  (wolf)  toUkats 
(werwolf). 

Nach  ältesten  einheimisohen  begriffen  hingt  annähme 
der  woUsgestalt  ab  von  dem  übwwerfen  eines  wolfgikPieh 
oder  fDolfhemds  (ülfahamr),  wie  Verwandlung  in  aobwan 
vom  anziehen  des  schwanbeindd  oder  sohwanrings  (s.  390)  **]. 


*)  unter  äsopiachea  fabeln  ein  arüger  schwank  (Cor^  425.  Fur. 
423) :  seinem  wirte  macht  ein  dieb  weis ,  sohM  er  dreimat  ^/ähne, 
werde 'er  zum  werwolf  {orav  ovp  /Mtf/ii;^»  rQit^  ßoXaq,    yivöfiat^  Xvnoq 

fo&iap  dv&Qianovq),  der  furchtsame  wirl  flieht  uad  jener  beraichfigt 
neb  seioea  gewapdea.  Einer  eignen  yerwaodhuigsweiae  gedenkt  Pe« 
fron  (sat.  62) :  *ille  ctreiimiiitfia^if  yettimenta  soa»  et  sobiio  lupug  factns 
est;  «eatbnepta  lapide«  facta  auat.'  tgl.  cap<  &7:  ti  mrtmiMinrtn 
ilbuBi».  oevqiet  qua  fugiat.! 

**)  der  ^t^  ist  vetentli^es  «toak  der  bekieidangg^  von  dem  gor- 
iß\  läfat  das  alterthui»  auch  softstxauberbafte  Wirkung  abhängen,  z.b 
in  Tb6r8  gurtel  (megingiörd,  fem.)  lag  aeln«  ^iiicbe  kcaft^    Sn«  2^ 


wamour  im9 

Jb  bmidit  «b«  gtr  iii0ht  iii  d^riMch^  dM  mibfHM  n 
geatMum,  jeder  des  voUbend  eelegeede  iMid  der  demil 
imarikerte  erffekrl  iuMreMUaeg,  und  Ueibi  eeueUgelang 
woltf  erüt  em  «ikoiee  lag  derf  mp  in  mewcMieke  geetall 
MTfleiikeliräi  *),  neck  eedern  «tgen  imtti  erdtei^  sieboi 
oder  neun  jähre  in.  dem.  woUrieik  Jieheireli.  aiil  den  eiUK 
S0h0n  eieiDit  er  sugleicb  wildheil  «tod  heulen  des  w#lfi  aec 
wilder  dwehetreifend  eerfleisehl  er  eUes  was  ihm  var^ 
kofliml  ^%  A«f  solche  weise  miaeht  sich  die  f  oralellang 
waldflIlcMiiger  verteanoler  alieb  mit  der  toe  werwdfCaeL 
efn  herübrnfies  belapiel  ist  Sigmunds  und  Sinfiotlis  (fomahL 
sog.  2, 130.  131):  wenn  sie  schliefen,  Mengen  neben  ihnen 
die  wolfsheaide. 

Die  werwölfe  sind  nach  jungem  blute  gierig  und  rauv- 
hau  Rinder  und  midohen  mit  blinder  kuhnheil,  ans  vielem 
▼on  Woyeioki  1,  101  **  113.  152- 1&8  eraäUtem  enlnehmn 
ieh  nur,  dafe  eine  hexe  ihreo  gUrtel  tuaammendrehle  und 
in  einem  hoebseiuheus  auf  die  schnelle  legte:  als  die  nen* 
yi»*aiäUlen  darüber  traten ,  wurden  braut,  briutigam  und 
sechs  brnnlführer  in  werwölfe  gewandelt,  sie  entflohen 
aus  der  h^te  und  liefen  drei  jähre  lang  heulend  um  dejr 
hexe  httOs*  endlich  nahte  der  lag  ihrer  lösung.  die  hexe 
brachte  einen  pele,  dessen  hsM'  nach  eulben  gewaUdl  war, 
sobaM  sie  einen  werwolf  damit  bedeckte,  kehrte  dessen 
mepscbllehe  geslalt  aurück,  dem  briutigam  reiehte  dtedeobe 
aber  dm.  leib,  nicht  über  den  schwenk,  und  so  Wurde  er 
«war  wieder  zwn  menschen,  muste  eher  den  wolfsohwans 
beheltnn.  Schtfarik  (slow.  sl.  1,  167)  bemerkt,  dnb  diese 
weifeng«»  ganz  besonders  in  Volhynien   und  Weifsru&iend 

>■        I    I  ■  » I  I 

*)  man  .afaoM  aqah,  daTs  die  pjhoke  (mIt)  jedQti  neeota»  taf 
ihre  fiachbaol  ablegt»  ond  eiaen  ta^  meaach  wird.  Thiele  3,  51. 
Der  oeuojährige.wolf,  nahm  unser  miUelalter  an,  solle  nolfem  tragen 
(gebihren)  Ms.  2,  234^  •  wozu  sich  yergleichen  lifst ,  dafs  Loki  den 
wolf  Penrir  end  die  sehlange  iörorangandr  sengte  (r.  22^),  gändt 
aber  wiedenmi  wetf  bedeutet 

**J  ein  ebiviar  lebt«  in  araat.  aar  yerwiiaderiieg  dea  manofs 
wiiate  die  frau  dennoch  bei  jeder  mahlzeit  fleisch  aufzutragen»  lange 
▼erheimlichend  wie  sie  dazu  gelangte :  endlich  aber  Tersprach  sie  ihm 
die  entdeckung,  nnr  dürfe  er  dabei  ihren  namen  nicht  nennen.  Nun 
giengeo'  sie  mA  einander  anfa  feld ,  wo  eine  ■  beeide  aehafe  weidete, 
ZB  welcher  die  frau  ibreA  eohriU  lenkte«  nndalsaie  ihv  nahe  gekbaa« 
men  waren  warf  sie  einen  ring  über  sieh,  wurde  angenblickliehzani 
w&rwoif  ääi  m  die  heerde  fiel,  eiaa  der  aehale  grif  uad  daaoit  ent- 
floh. Der  mann  stand' wie  Tersletnert;  ala  er  alwr  hirt  Msd  hnade 
dem  Werwolf  ^Meh^eaaea  and  die  gefahr  seines  weiiea  sah,  yergafs 
jsr  BOM»  Tertprechea  uad  rief,  'ach  Margareit  V  da  Tenobwand  der  wolf 
und  die  fran  stand  sackend  tnf  dem  ieM«  (haat»  voUwnge). 


«MO  ^HßOftfÜLt 

Wä  iiti»^"ieie»  uild  BMitdinies  bBittÜyntgiNi  teitier'aff^ 
tichti  cMi  im  N«iiroa  eiii  gltviioher  v^MugUinm.  waren. 

Mach  deiti  iMiQt.  laide  MiHm:  p.  49,  60  nnA  der 
MÜrMdM^)  «rascli  orit  «iaeni  lumbiMrMi^  iMMhrl  weN 
4m:  -alsbald  voiNrandBll  er  aieb  in  aiiien  w«tf,  der  dai 
wHd  mrfolgt  Kaeh  Marie  de  ¥r..  l,  1§2  wird  ein  ritler 
wöohemlioii  drei  tage  mm  biadaferet,  and  lauft  nackend 
im  wald  uariier;  nimml  ihm  jenumd  die  beieeüa  gelegten 
menaeUicken  kleider  weg,  sa  mofo  er  w6lf  bleiben  ^ 
Hnqvet  (eonl.  pop.  15)  bemerkt,  aiikn  kenne  ihn  nvr  befrei- 
en dadnreb  dafe  man  ihn  mit  einem  aehlüsael  Unlrttnitlg 
acMage. 

Gewöhnliche  annähme  unseres  volksglaubeM  ist,  die 
terwandinng  werde  dordi  einen  im  den  Mb  gehuMnun 
wwmm  bewirkt;  der  gttilei  sei  nur  drei  finger  breit,  «ad 
am  der  haut  ein«i  menschen  geschnitten,  iren  natfirlidien 
wMfen  soll  ein  solcher  wenoolf  an  seinem  abgestmnpftea 
sehweif  m  erkennen  sein.  Lothringische  hexenacten  erge- 
ben, dab  durch  ausrupfen,  segnen  und  werfen  ron  gras- 
haimen  wider  einen  bäum  wOlfe  hervorsprangen,  die  aa* 
genblicklioh  in  die  heerde  fielen;  die  steilen  bei  Remigias 
p.  152.  162  lassen  aweifelbaft,  ob  die  graswerfenden  min- 
ner selbst  lu  Wölfen  wurden ;  nach  p.  2&1  kunn  man  nichts 
anders  dafür  halten,  mehrere  werwolfsgeschiehten  hat  Bo- 
djnadimonomanie  (naeh  Fiaoharts  Ubers.  p.  120  ffl)i  Der 
rhetniaehwestfUische  relksglaube  IfifiM  Mofs  mSnnersu  wer- 
wMfen  werden,  midchea  und  freuen  verwandehi  sieh  in 
einen  Üiterboek  (euterbock,  kermafh>dit?)  ein  altes,  unheim- 
Kehes  weih  wird  gescholten:  der  Terfluchte  üUerboekl 
Eigenthümlich  ist  der  dän.  aberglaube  no.  167,  wonach  eine 
braut,  die  sich  eines  angegebnen  eaufoers  bedient,  um  schmerz- 
los zu  gebären,  knaben  zur  weit  bringe^  die  werwölfef 
mfldchen,  die  nachimahren  werden.  Thiele  1,133  bemerkl, 
der  werwolf  sei  bei  tag  menschlich  gestaltet,  doch  so  dab 
seine  augbrauen  ttber  der  nase  antoaiaieniaawitoei»  ***), 
imehis  aber  wandte  er  sieh  zu  gewisser  zeit  in  einen  drei- 
heinigen  hund,   erst  dadurch,  dafs  man  ihn  werwolf  schilt, 


*)  er  bittet  aber  ihm  die  kleider  auftmhebea}   *imi  deepoHle  an 
g«rdei\  wie  in  jener  ifOpitcheii  fabel:  dhtmi  ow^  tim  ^lätfi^  xm  t/m' 

**)  die  illeDgl.  sage  Ten  WilKem  and  the  wer wotf  In  HarUhoraei 
anoient  oKtrioal  tales  halie  ich  oeeh  mcfat  geleaeü. 

***)  sonet  asch  aeichen  der  hexe  eder  dea  taoberera^  weiebe  ae- 
dem  den  oft  inaehiohen.  hönoes  i  aia  sohanetltriieg  geht  er  mn  dm 
augbrauen  berrer  (demsalie  ea^ea  1,  1<32|. 


wilrd«  er  ircS«    Attcb  mcbBoiiriwrdw  iuüieni»!;  «bIwhiI  Yf^ 
kNUhropie  elwM  dem  nleilsvlMii  eageboräei. 

Bt  im  n  erwarten  ^  deb  dem  feord.  eHferlimni  aaok 
«n  dber^elig  des  MeetcUkbtn  \ä\m.  m  d#n  dee  büm 
I  wUWkaiMl  wir,  4m  dies  Ulier  fitr  TemUBlIig  gall  (Reidi. 
I  mkktit.  au  aj^  Lti)  oad  hocbgehahen  wurde  (i.  633).  Firnis 
I  bogi  redet  mit  Hnaiuid. ttenpt  Hm  betn (Fittab.  sage  s. 246^ 
h  eie  däiiL  tied  MA  imnk  «mbindeii  mms  riM^nMAemd^ 
db  Terwandlwig  m  «ioen  bireii  ergebn  (DV.  1,  104).  I« 
Norwegen  .hen^dit  delr  glaabe,  dib  die  Lapf  Iteder  aicb  m 
^  hörm^  eenoaii£feAi>  voA  einem  reeht  dreiiSeni  aehftdiiükai 
bllren ' beibl  es:  ^daa  fcami  kein  ohristlicber  bir  aein^'  ein 
i  aller  bflr,  in  Ofodess  priategjdd,  der  aeeha  menachen  tl«d 
^  aber  aecliBig<i0wde  g^tödtel  haben  sofl,  stand  in  aoMiem 
I  rtff,  nnd  ab  er  endlidi  erlegt  t^urie^  will  maü  bei  ihm  eteen 
^  ^tel  gefanden  haben.  Sommerfelt  Saltdalens  priategieU 
A       p.  84. 

Die  verwandtang,  in  katse  Mfist  sich  amiftchst  mit  doiii 
Wesen  der  bansgpaialer  (e.  471.  476)  in  Terbindmg  bringen; 
niesnla  iat  Uer  von  überwertea  eines  gürteis  oder  kemdes 
die  rede.     Das  voUi  aagti  eine  awanaigjllbrige  katae  werde 
^      aar  hexe^  dine  hSindertiibrfge  hexe  wieder  siir  hataer    Viil«- 
^      kr  s.  LVn  gedenkt  der  angeBomamen  kätsmigestaH,     Wie 
iil^      bei  den  nftohtfranen  (a.  1013)  komaMit  in  fast  allen  hexmb« 
^      Processen  beispiele  vor,  und  besonders  oft  wird  veol  ver«- 
w«adeten>  kalaam  eroihity  die  alan  hematii  aH  Torbrnidnen 
weibef n  wieder  erkannte,  begegnende  JnHaen  aiiid  aweiddutig 
(abergi.  643).    fremden  katsen  aoH  man  nichts  an  leid  tknili; 
die  k^e  binnte  sidi  räehen.     eiil  baner  aieohte  seit  seH 
Bemt  hoohaeitatage :  er  Irntte.  an  ihttteinekalae,  die  §e$aMß 
ia  semen  libf  gekommen' war«  aot  einiem  atein  geWorfeik 
j     dw  geaattelte  katae  ist  eine  brt  goMiefeiteh  kaiers  (KM.  ä, 
^     2&9).    Ni.  edgefi  von  zanberbaAafn  hat  WoMa  Wodana  $.12^ 
1^1     131.    Matt  mM  abdr  aujih  der  katae  scheaeiiy  weil  sieFie«^ 
ii     waa  thier  war  (s;  BBB)s  wem  ee-  auf  den  hodiaeiltag  reg«^ 
*^     Btt^  der  bat^  beerst  es  in  der  WetterM,  die  tette  iNcil  «of 
^i      fütieriy  folglich  die  botin  oder  dienerin  der  liebesgöttin  be- 
leidigt,    nachtfranen  und  hexen  scheinen  aber  im  gefolge 
dieser  gQttbei^  zu .  ziehen. 
^  Auch  die  gan$  ist .  asuberthier  und  auf  den  -  edleren 

^^'''  seAwmi  filterer  sägen  leicht  aürttckfahrbar.  Ein  jäger  schofs 
^  aaeh  wildg^tmm  und  traf  eine,  die  herab  Ins  gebtscft  fiel; 
als  er  hinzutrat  fand  er  eine  nahte  firau  unverwundet  darin 
ik^'  sitzen^  die  ihm  wbl  bekannt  war  und  die  ihn  dringend  bat 
r^'     sie  nicht  zu  verratben  und  ihr  aus  ihrem   hauae   kieider 


deckung  zu  und^Iiefis:  dieJKlcMtrlioienit  >(MMrai>aBiifi^30&). 
KAihis  von  Wyle  (ini  lier^Blieigiiugiisrtiitr'fiberseiettiig  des 
Apntejw)  hintorbnngl  iiiis.  dhiM  -veMthieäkieR  :f«U,  den;  er 
JMS  dem  munda  dmr/ kaiieriioheiF'kaiiHftersobfeikm  Mldwl 
Yon  Ffullendorf  vernonmea. halte.  einiwirtiUBd.fastgeiNir 
«eiy  duFiA  »auberei*)  emer  fram,  lingier  ül»-  ein  ganses 
^«hr  vMde  §än8  gewesen^  ond  untite^r^sdlcäen  gfftnien  heran* 
gieflogen,  bis  er  skdi  .eiBirail  mit  .einör  »dem  gans -gezaiAt 
ond  gebiaeen  «od  dteise  Ihm  zufMIg  daa  mcMein,  .worin  der 
iSBatiber  Terstriokt  vrar,  vom  hob*  abgerisM^  fadie;  wieder 
«bo  ein  «shmüimimg,  nnr  däCi  ihn  hier  die  lanberm  nicht 
selbst  tlrägt,  sondern  einen  nnsehahijgea  maitn  in  das  tiiier 
'i^rvraiideK,  wie  audi  die  werwölfe  theils  Banker  er  Iheils  be*- 
nwberle  sind,  im  KM.  193  stellet  i0«t/se  -^lappem  das 
isehwanheind  vor. 

Wie  dem  wolfe  der  rabe  gleicht,  dürfen  auch  wand«- 
tailgen  der  saoberer  in  raben  rermutet  v^enden , '  doeh  fällt 
:mir  kein  beispiel  ein ,  trolde  erscheinen'  in  diai.  lieder»  oft 
«Is  raben  (s.  945).  vielleicht  lassen  sich  eher  HbergiBge 
4ler  hexen  in  die  Aräikengestall'-aufweiseli,  da  eis  schon  von 
einer  öskmey  (¥öhi.  ea]».  ^  keiM:  ham  brI'Ä'Sik  krtk^hm 
oh  fl^^gr«  im  Weifdietrieh  sobUlgt,  naeh  abgelegten  hieideni) 
Maspa^die  bftnde  z«samm<in  (i.  978)  und  wandelt  sieb  in 
-eine  krähe* 

1  Wenn  die  Abgelegte  ideidmg  (isenschiKohe  od^  Ifaie» 
risehe)  weggeaominefi  wird  (s.  d99.  itöl)/so  ist  keine  #ie^ 
ilerherstelluig  der  rmrlaslsenen  gestah  mö^ch:  daher  Meh 
tn  sagen  und  märchen  die  abgestreifte  thiMhacit  hettnüdi 
i^flegt  verbrannt  in  wvrddn  ^).  Dich*  kann  4ie  tnenechen»» 
festall  unter  'der  Imdiilgvng  snrOobbebpK^ny  'daTs  tm'  u»*' 
ichUdigee  MIdehidn  si^en  ^ro'  lan^;  sWmm  und  sebwen 
gendj  ein  ketnä  fertig  spinne  und  n*he;  das  tber  deA 
vwzauberten '  geworren  w^de.  (KM.!,  :58*  246.  8^  84). .  •Ka 
solches  hemä  lösl  nicht  nor '  den  zauber,  es  madit<  auoh 
lest  «t»d  sie^eich  (abergl.   6S6.  TO&^«i*);  In 'dier  letzten 

*)  'dnrch  getnecM',  Tgl.  s.  984  machen,  zaubern.       , 
**}  Aw.  1,  165.  KM.  2,  264.  S^raparola  2,  1.  pentamerone,  2,  5, 
O^taV  1,  xrtn  ff.  Tornald.  sdg;  2,  190.  151. 

'"V  ein  sdlefaee  tUtfb&md  gemshM  an  das  mitfebonMi  ylSaiafcflwrf 
.(A.  .9211)  der  kindAr,  wekhes  In  Dasmark  aaeb  fe^rfTfAn^  iiey«r«|iM^ 
seyerstetk  beifst.  l^-ant  man  der  reden^r^  *mift  4QinAeki  geboren, sein' 
ein  hohes  alter  zu,  so  weidsagt  dieser  «te^«Ae/m  den  künftigen  helden. 
Tgl.  Bnlenger  3, 30  über  die  amniomanHa,  d.  i.  dfridatio  per.  amniam 
Beu' merobramiih  a^riiaiH  etfibryonis.  '      •:>v    • 


ZADBERHBMDi    BLICK  MSSf 

stdie  ist  sltfef  vor  gericbl  für  das  Altere  siegen  im  kämpf 
gttsetxt.  bn  MA.  hiMs  es  s.  Gw^rgen^  h^mde  (Vintler  iiti«iih..' 
s.  Iit);  Welfdielerioii  ei^pftngl  es  von  ^egmimie,  ^  d.  h. 
einer  weisen^  splnnendeii  norn  oder •  valkyrie  ' (s.  405); 
sichtbar  ist  die  altbeidirische  idee  liemareli  auf  ddn  siegrcn-* 
ohen  «heiligen  der  oliristlichen  kireiie  ttberlragen.  fthnlich 
ist  das*  gegen  ertrinken  sohtttzende  gMne  hemd  BeovJ 
1085-1100  wd  das  fHdhemede  (anh.  s.  cxxxiv];  -von  einer- 
gewebten  siegshiine  wird  im  verfolg  die  rede  sein,  mir 
sdwinen  diese  gefeierten  sehieksalshemde  zvsammenUingenA 
mit  den  gespinsl  «id  gewebe  der  nomen  und  der  flrau 
Holdil.  Wahrscheinlich  sehrieb  man  den  hexen ,  welche 
fkUspümeiwnem  hiefsen  (nbergi.  824) ,  miaberhaftes  w^ben- 
und  slrinnen  ku;  ftirebards  steHen  vom  aherglanben  in  I»«! 
Dificiis*  et  ordiendiB  teUs(s.  xadi.  xxzvi)  sind  tu  vergieichenv 
Hinemar  vdn  Rheima  (bpp.  1,  6M)  gedenkt  der  säl^hereieii' 
'foas  stqimTeiitfas'  fendnae  in' «iiis  lanificiis  vel  texlilibug 
speHbus  nonii»atti'.  und  f.  654  sagt  er:  ^uidam  etiam' 
teiHbuB  carmmaüs  indnebanlar  vel  cooperiebanfnr '  ^)J 
ibnlicb  ist  der.  zaidier  und  sogen  bei  sckt^eftem  (^rgl.  oben 
8.  658).. 

Es  ist  zwher  dtordi  hhfsen  hHtity  ohne  alte  leiUioh» 
beriihrvBg  möglich ,  was  man  ib  der  allen  spräche  entielmik 
iMnnte  (s.  987),  itaL  ^etiare  gll  sguardi,  iteapol.  jetiaturaf 
fascina  däi  malvagi  ocohi.  das  triefend^,  neidische,  4Me 
äuge  ^^)  der  eintretenden  hexe  (abergl;  78?)  geschwelge  ihr 
lumeh  und  grafs  kann  plOtfllwh  verletzen,  säugenden  fraaen' 
die  milch  entaiehen,  Säuglinge  schwindsüchtig  machen,  -ein' 
Uetd,  eio6B  apfel  verderben:  «fM  obfasdnare  (s.  1010  und 
anh.  s.  xxxix);  <der  rock  ist  so  seh(y«,  dar  apfel  so  rolh: 
dafs  ihn  kein  bä^ä  amge,  ^mda  i^  (sohwed.  ab>^gl.  57) 
ansehen  soli.^  sdMUieher  iUek  abergl.  753.  674 ,  ^bUquw 
octtliM,  Horai  epist.  I.  14,  37!  Yorzöglich  helfet  es  von; 
kränkelndem' vieh:  ^es  ist  ein  iätes  ottj^e  dabei  gewesen,' 
ein  vieh  mit  scsbarfem  äuge  ansehn.  Virgil  ed.  3;  lOS:- 
'neseio  ^is  teneres  oculm  mihi  faseinai  agnos.'  Henvr;^ 
18014  sagt,  der  augenblick  tödtösdilangen,  schrecke  wölfo/ 
brüte  straufseneier,  erweolEe  aussatz.     Radulfi  ardratis  ho- 


*)  4en  eoMavbemdeD ,  'siohiemden  heikiden  «tc^n   hetnMhtmdey' 
wrierbUcke  entgegen,    in  einem  serbischen  lied  (Vuk  3, 30  z.  786  ff.), 
ein  gMhemd  weder  gesponnen  noch  gewoben,  sondern  gestrickt,  eine 
leblange  in  Minen  mgen  geftochten-.    bekannt  ist  das  dem  Herakles 
gesandte  mit  drachenblat  getrSnkle  bttnd. 

*y)  «4el  cufm  Pan.  407,  S  tied  nefdfsehe,  tibelwbU«ede.    dkge-* 
gen:  ein  bm$«k  ouge  l^aTi^tTI)  16  ein  kranket, -tehwa^hes. 


lOH  .  ..    MißK 


m  • 


iiriKae  48*  t  ^cftvele  ib   üKs,  q«i  dminlv  fMadamocvlif 
tiTMiljJrt»  alios  fasoiMrou'     üTm^«  i0o»fi  hal  iPeraius  2,  34 
und  foMcimmte  ßunnmimiv  gali  4m  alten  T^raogtweise  ¥oa 
dieser  art   zaulierei.     der .  aim.  awdraek  ist  Hmthoerßng. 
^svndr  stank  sAia  for  «iea  iMaiis'  Smm.  5A\  vor  des  riesen 
bltck  sprang  die  senie  enftiwei.    Stlge«di  kaifln  dnreh  seiaett 
bUck  aliea  verderben;  dem  gefangengemmmeneo  tiehea  sie 
eMm  saok  Hhers   gesiebt  (4re«imi  helgr  A  höfatl  hondm): 
er  schanl  durch  ein  loch  im.  sadc,  ttad  verdirbt  mii  einem 
blick  ein  grasfeU  (Laxd.  p.  152.  iSfi).     Verschieden  «ad 
doch  fthnlioh  sind  die  eeharfem  aufen  einaeteer  beUen  (s. 
3ft4)  und  jangfrauen,  die  gebuiuioe  Svanhildr  soll  von  .pfer* 
den  todt  getreten  werden:  'er  ten  brd  I  eueukf  0»gmm^  ^ 
^dn  eigi  bestamir  ei  spaora  hana;  ek  er-fiikki  et  ^ 
mmiti  kam,  ai  balg  abyldi  dvaga  A  höfn«  kMMi'   (fornaU. 
a6g.  1,  226).    Und  von  einem  Signrdr  hetfsf  es  farmL^. 
2,  174:   'at  hana  bef£  enari  mugmabrajud^  et  aUir  hnadsr 
hnrfn  frft  bonnm^   ok  var  engim  svi  gtianMr,  et  ^yrdi  i 
bann  al  rMa,   er  haitn.AeeaSi  laijrnn  tmAI  ^ein/     wie  die 
bnnde  den  Mick  4ar  gdater  md  gMlerniehl  ertf agen(s.  632). 
Wer  solch  ein  gefährdendes  äuge  hat,  eeileyed  ist ,  kann  die 
sebftdBehe  wirkmg  seines  Uksks  dadnrek  afcwendeliy  daTs  er 
ihn  auf  etwas  lebloses  richtet«    man  sagt:  'no  wem  shall 
say    black  is  yonr  eye/   d.  h.   idemaM  kann  dir  gorade 
ttktes  nai^hnagen.  Brooketl  p.  66.     Steht  ant  der  hexe  bft- 
Sern  enge  jene  seltsame  gestakaig  ihres  angapfela  (s.  1034) 
in  Verbindung?     als  siobeningsmittel  gegen  seinen  eiaflab 
wird  die  pfeite  des  Umdem  manhrorfs  getragen  % 

Wie  aber  hohe  sehönheit  mit  dem  strahleBbiick  der 
äugen  säubert,  hat  sie  auch  aaubergewalt  in  den  lächele 
ihres  muiMles.  Nach  einem  neagrieok  liede^  wenn  die  r&^ 
aende  jnngfra«  Aicftl,  faUm  rasen  im  Me  seMne  {inei 
yeli  nai  ndqieo^n'i  ta  gaUa  'e  r^^  no^ap  vfc)  Faoriel  2^ 
3821  In  Heinrichs  von  Nenenstadt  ApoUonius  von  Tyms,  der 
um  1400  gediohlet  wurde,  heifst  es  a.  182«  V4  sach  man 
risen  lachend  mid  dann  wird  ein  mflroken  ersähl^  in  dem 
ein  rdeenlackender  man  anfUrUt: 

'der  höhet,  da»  ea  pol  röeen  im», 

perg  und  tal,  laub  und  gras.* 
ein  nieder].   Sprichwort  (Tuinman   1,  .306)  iaiitol:   'als   hy 


*)  anderes  iat,  dafs  sauberer  durch  ihre  gaukelei  die  auf^m  der 
menschen  fterbUnden:  sunt  e(  ^aettigialores ,  qui  alie  nomine  •&* 
MirigUk  vocaatnr,  quod  praeatringaai  Tet  obeüEitigani  hamenonim 
aciem  oculorumi    nino».  i^m.  ed.  1649.  U  fiAS. 


LAGHBM    1((?99B9.    (TRANK  10» 

lacUi  4tD  Mnßmioi  kei  rmm!  dieser  m^tbus  imGi  s#hr  ganc^ 
bar  gewesen  sein,  da  ich  in  Urkunden  (z.  b.  Böhmers  cod. 
fraocef.  1,  185),  und  noch  heute,  dep  eigennameii  Rosen- 
lachery  Roseßlächfery  BbtmlOQher  öfter  ftoito.  <las  nemlifto 
gedieht  vQjp  Apofioflius  hat  z.  2370 

er  kuste  sie  wal  drei£»ig  stunt 
an  iren  rdsenlackende»  munt, 
andere  hierher  gehörige  stellen  sind  Aw.  1,  74.  75  enge« 
zogen*  B^abte  glQ/akskinder  haben  das  vermöge»  rosen. 
zu  laclieii,  wie  Freyja  gold  weinte;  vermutlich  waren  es 
uraprQngJiich  heidnische  lichtwesen^  die  ihren  glänz  «m  him* 
mel  über  die  erde  verbreitelen,  rasen  und  sani^^nkifide^ 
(Georg  48.  49),  lachende  morgenröthe .  (s. .  708) ,  r^^ßiiireßtr 
ende  Kos  (s.  710). .  nafchMar).  Cap.  biefs  eine, silberne  urne, 
quae  praeferebat  aereiia.fidgwtia.  et  vernantia  ooeli  teiep^M» 
renidebaty  rittw  Jopie^ 

Noch  höhere  gewalt  als  der  l4ohelnde  hat  der  itit*. 
Meade  nmnd.  in  iinaern  kindermftreh^n  kehrt  wieder,  daCi. 
ein  kus  alles  ter^e$$en  macht  (2,  168.  508),  aber  a^oh  die 
erinnerung  erstattet  (2,  463).  «m  km  bftngt  die  iösuiig. 
dee  bannes  (s.  921).  in  den.  noird.  sagen  wird  die  ifßr^. 
^urch  einen  traak  bervergebraobt,  welcher 
dmitmiedr^cbr  hellst  und  dem  mimdsöl  (s.  53) 
en^egaqstebt ;  solch  ein  ömiiifiiaöl  reichte  Grimbild  dem 
Sigiurd,  worauf  er  Brynhild  v^rgafs,  und  auch  der  GoAruQ. 
moate,  eh  sie  Sigurd  vergessen  und  Atli  «rflhleo  konnte, 
ein  dminniweig  gegeben  werden,  dessen  zauberhafte  be* 
reitqng  das  lied  schildert  (Smm.  233>'  234«).  so  bieteii) 
valkyrien,  elbinnen  und  zauberfrauen ,  den.  beiden  ihre  trink-* 
höroer  (a.  391)  dafs  sie  bei  ihnen  bleibea  und  alles  andere 
vergessen  sollen,  man  vgl.  die  sch^wed.  sage  bei  AG^^Uufk 
2,  159.  160  und  das  lied  bei  Arvidsson,  2,  179.  282,  wo 
der  bergm^uA  die  Jungfrau  aus  dem  giöm^oM  hom  triaK 
ken  Ufst,  dals  sie  vater  uad  mutler  ^  himmel  und  erdCi 
sonne  und  mond  vergifst.  Da  nun  in  den  sohwed.  volks-. 
liedern  mmna  küssen  ausdrückt  (minna  uppa  munnen,  sv» 
vis.  3,  123.  124),  in  den  dftn,  minde  (d.  vis.  1,  256.  298),. 
wie  (gpiAe/>  amare  und  osculari,  bei  uns  im  16  jh.  ^daa 
Uebmahl  ausetzen'  den  kos  mnscbreibt ;  so  liegt  küssen  und. 
miqnetria^n  beim  opfer  .und  zauber  einander  sehr  nah^*). 
Zotthertrflfil^e  sij^  aber  m^foiigfolter  art  und  von  böchst^i^ 


•  *]  sninna  osculari  kann  freilich  aus  mvuna  (den  mund  geben) 
alln.  mynnaE  Terderbt  scheinen ;  doch  behliit  auch  jene  deutun^  ihr 
gewicht. 


105^  6B<3ft<Hrr*rBL 


.1 


alter,    ihr  zubereiten   greift   in   heilkunst  und  gRImiflctie- 
rei  ein. 

Bs  gibt  einige   allgemeine  sichenmffsmütel  gegen  den 
eiffiflurs  der  siauberei.     Anf  eine  frage  der  hexe  darf  man 
nicht  atUw&rten  (abergl.  59),   auf  ihre  anrede  niäht  «hm- 
im  (abergl.  568);   überhaupt  ist  es  rathsam  für  gewisse 
dienstleistungen  und  gescherike,    wenn    sie   nützen  sollen, 
mehi  M  danken  (abergl.  398.   achwed.  35.  52.  ehstn.  94). 
Mne  heute  ist  daran  erkennbar,  dafa  sie  för  geliehene  dinge 
danki  (abergl.  566),  keine  hexe  afUiöoriet  dreimal  (abergl. 
563).    Lobi  sie  etwas,  so  misrüths  (abergl.  883),  man  ent- 
gegne ihr  denn  schnell   durch  sehimpfen,   schelten,  'eben 
soviel'  anwünschen  (abergl.  976)  oder  ausspeien.     ins  ge- 
siebt Men  schadet.  Plin.  28,  2;^5i  ultra  plaeitum  laadarit, 
baccare  frontem   clngitä,  ne  Tati  noceat  maki  Ungua  fu-* 
turo.'     Virg.  ed.  7,  27;   daher   wurde  beim  selbstrübmen 
ein  praefiscini  (prae  fascino  ?)  zugefügt»     Plaut.  Asniar.  II. 
4,  84.     schelte  und  Verwünschung  hintertrieben   die  alten 
anit  den  Worten:  £/c  leeginXi^v  nor,   d«#  möge  dein  havpt 
treffen!     Auch  Neugrieohefn  und  Slaven   fürchten  lob  und 
suchen  sich  durch  $peien  zu  retten:  die  russische  amme 
speii  einem  dHtten,  der  ihr  kfnd  rühmt,  ohne  ein  schützen- 
des gott  behüis  I   hinzuzusetzen ,   auf  der  stelle  ins  geriekL 
vor  einer  hexe  haus  wird  dreimal  ausgespuckt  (abergl.  756), 
desgl.  bei  nüchtlidiem  überschreiten  eitles  unheimlichen- Was- 
sers (schwed.  aberg^.  40);   die  Griechen  spien  beim  anbliek 
eines  rasenden  menschen  dreimal  in  den  busem.     Theoer. 
6,  39.  21,  11.     Her  drctis  despue  carminibus:'    TibulK  I.  2, 
55.    hansgeister  lassen  das  ausspeien  (s.  481).    vgl.  abergl. 
317.  453.    von  solchem  ckspuere,  adspuere^  inspuere,  ear- 
sptiere  hat   Plin.  28,  4  lesenswerthes   und  einstimmendes. 
Nöthigenfalls   soll   man  unbedenklich   die   verdächtige  hexe 
schlagen,    daft  blut  fliefst  (s.  1050),  oder  einen  feuerbrand 
nach  ihr  werfen  (schwed.  abergl.  96).    Brot,  sah  und  kohks 
sind  Schatzmittel  gegen  den  zauber  (abergl.  564.  713),  wie 
die  hexen  brotes  und  sahes  entrathen  (s.  1024).    mir  scheint 
das  den  hoksweibchen  widerwürtige  pipen  des  brots  (s.452. 
453)  ein  heiliges,  zauberabwendendes  zeichen,  vgl.  placenti 
digito  notata  bei  Las»cz  49.     Wirft  man  über  verzauberte 
thiere   einen  stahl,  so  müssen   sie  ihre  naWrKdhe  gestall 
annehmen  (abergl.  886)*);  wer  über  die  hexe  ein  ^eüf^tislef 


*)  ein  baoer  fahr  nachts  mit  seinem  wageA  and  ein  werwolf  nahte, 
ihn  zu  enlzaubem  band  der  besonnene  mann  unverweilt  seinen  feuef 
siakl  an  die  geisel  und  schleuderte  ihn,  die  gebel  in  der  hano  bal- 


ZADfiBR  1057 

meiner  wirft,   erkeniit  sie   (abergl.  554);   einer   warf  «fa&/ 

zwischen  die  eibin  mid  den  ber^f,    wodurch  eie  verhindert 

wurde  hinein  ea  gehn  (s.  426) ;   sUAl  sichert  das  Irind  in 

der  wiege  gegen  rerwechslung.    von  solchen  anwendnngen 

des  sUMi  gegen  den  sauber  hat  beispiele  Faye  p.  20.  24. 

25.  26.  51.  141,    Tgl.  schwed.  abergl.  71.     Dem  kreuMep- 

chen  weichen  hözen  und  teufel  aus:  in  der  ersten  mainacfat 

sieht  man  darum  so  viele  kreuze  an   den  thttren.     in  die 

vier  Winkel  seines  ackers  pflflgl  der  bauer  ein  kreu%.     an 

den  wiegen  neugebomer  kinder,   solange   die   taufe  nicht 

erfolgt  war,  wurde  das  Aren«  nicht  gespart  zur  Sicherung 

gegen  elbe  und  teufel ;  die  Heiden  brauchten  so  ihren  kam" 

mer^   und  davon  ftufsert  sich  eine  bedeutsame  spur:   mal-- 

kmn,  ubi  puerpera  decumbit,  obvohtmi  candido  Unieo  (Gisb. 

Voetii  sei.  disput.  theol.  Ultraj.  1659.  pars  3  p.  121).    Nicht 

weniger  hassen  und  scheuen  die  bösen  geister  alle  ghcken 

(s.  973.  1028)  und  glockenlttuten  stört  ihren  tanz  auf  den 

kreuzwegen  (abergl.  542).    Hierher  gehören  auch  die  s.  1032 

aafgezfthlten  mittel,  hexen  zu  erkennen  und  sich  vor  ihnen 

zu  baten. 

Dies  sind  die  eigenthttmlichsten  erscheinungen  im  ge- 
biet des  Zaubers.     Viele,   die  meisten  zaubermittel   laufen 
Ober  in  aberglauben,   zwischen  welchem  und  der  eigentli- 
chen Zauberei  feste  grenze  abzustecken  unmöglich  ist.     als 
merkmal   fttr  den  begrif  der  Zauberei   habe  ich   zwar  den 
bösen  willen  schaden    zu  stiften  aufgestellt,   und   aus  der 
umkehrung  des   heilsamen   gebrauchs   geheimer  naturkrttfte 
scheint  sie  hervor  gegangen  (beinahe  wie   der   teufel  aus 
gottes    umkehrung,    s.  938);    die   einzelnen   anwendungen 
der  rechten  und  falschen  kunst  lassen  sich  aber  nicht   im- 
mer sondern.     Wie  ein  kraut,    ein  stein,    ein  segen  zum 
heilmittel  gereicht,   so  können  sie  auch  verderblich  wirken ; 
gebrauch    war   anstftndig   und    erlaubt,    misbrauch    wurde 
verabscheut  und  strftflich.     Eine   giftmischerin   ist  an    sich 
keine  Zauberin,  sie  wird  es  in  den  äugen  des  volks,  sobald 
sie   sich    übernatürlicher  mittel    bedient,      eine    siechthum- 
heilende,    wundensegnende  weise  frau  fängt  dann  erst  für 
eine  hexe  zu  gelten  an,   wenn  sie  mit  ihrer  kunst  übeles 
Ihut;    ihre  mittel  seien  so  natürlich   wie  das  gift  der  mör- 
derin.      Hexen  waren  dem  höheren  alterthum  priesterinnen, 
Ärztinnen,  sagenhafte  nachtfrauen,  die  man  ehrte,  scheute, 
endlich  gering  schfttzte,   aber  noch  nicht  zu  verfolgen  und 


tend ,    aber  den  köpf  des  wolfet  her.     aber  der  wolf  erhaschte  den 
Biaklf   und  nun  mäste  sich  der  bauer  darch  eilende  flacht  retten. 

Grimums  wnjftk^L   $.  tmsgmh*.  67 


10S8  UVWH 

hinsuricbien  trachtete.  Wie  Jungfrauen  in  schwftne  wan- 
delten helden  sich  in  werwMfey  ohne  in  der  öffentlichen 
meinung  dadurch  zu  leiden.  Als  im  verlauf  der  seit  ein- 
mischung  des  teufeis  bei  jedweder  art  von  saubere!  ange- 
nommen wurde,  fiel  auf  alle  persönUchen  Verhältnisse  straf- 
bare schuld;  seine  althergebrachten  zaubermjttel  behielt 
aber  das  volk  noch  grofsentheils  bei  in  dem  unschuldigen 
sinn  des  aberglaubens,  den  nur  leichter  als  vorher  ein  an- 
fing von  hexerei  treffen  konnte. 


m 


ABERGLAUBE  ilOQO 


GAP.  XXXT.      ABERGLAUBE. 

Unter  aberglanben  ist  nicht  der  gesamte  inhalt  des 
heidnischen  glaubens,  der  ein  wahn,  ein  falscher  glaube  er- 
scheint, zu  ¥erstehn,  sondern  die  beibehaltung  einzelner 
heidnischen  gebrauche  and  meinangen.  der  bekehrte  Christ 
verwarf  nnd  verabscheute  die  götter  der  Heiden,  in  seinem 
herzen  blieben. aber  noch  TorsteHungen  und  gewohnheiten 
haften,  die  ohne  offenen  bezug  auf  £e  alte  lehre  der  neuen 
nicht  unmittelbar  zu  v^iderstreben  schienen,  da,  wo  das 
christenthum  eine  leere  stelle  gelassen  hat,  wo  sein  geist 
die  roheren  gemttter  nicht  sogleich  durchdringen  konnte, 
wucherte  der  aberglaube  oder  Übergbmbe.  Niederdeutsch 
sagt  man  biglaoe,  beiglaube,  nnl.  overgeidf,  Mgeldf,  dän. 
overlroy  isl.  Atolrd,  die  alle  dem  lat.  sttpersHiio  nachgebildet 
wurden,  das  selbst  aus  superstes  abzuleiten  ist,  und  eüi  in 
einzelnen  menschen  fortbestehendes  verharren  bei  ansichten 
bezeichnet,  welche  die  grofse  menge  vernünftig  fahren  Iftfst. 
ein  Weissager  hiefs  den  Römern  superstitiosus  homo.  auch 
der  schwed.  ausdruck  eidskepebe  scheint  ursprünglich  eine 
art  des  zaubers,  nicht  den  aberglauben  zu  bezeichnen 
(5.  988)*). 

Es  gibt  zwei  arten  des  aberglaubens ,  einen  thähgen 
and  leidenden,  jener  mehr  das  augturium,  sorli/e^iifii ,.  die- 
ser mehr  das  amen  der  alten  Völker**).  Wenn  dem  men- 
schen, ohne  sein  zuthun,  von  höherer  band  ein  auffallendes 
zeichen  gegeben  wird,  folgert  er  daraus  heil  oder  unbeil. 
Entspringt  das  zeichen  aber  nicht  von  selbst,  lockt  er  es 
erst  durch  seine  Verrichtung  hervor,  so  besteht  ein  positiver 
aberglaube.  Das  christenthum  hat  natürlich  dem  positiven, 
der  mit  heidnischen  brftuchen  vermischt  war,  eher  zu 
steuern  vermocht,  als  dem  schuldlosen  negativen  aberglau- 
ben, der  wie  gespensterfurcht  auf  das  menschliche  gemüt 
wirkte. 

Gebräuche    des    thfttigen    aberglaubens-  haben   imn«r 

f-  -   r  will  -  n 

*)  schwed.  auch  skrok,  skilk  supentitio ;  das  altn.  skrök  figmen- 
tom.  ahd.  gameUheii  tuperslitio ,  TaDitat  (Graff  2,  702).  nhd.  finde 
ich  Hpfelgfaube,    Schmid  schwlib.  id.  547. 

**)  die  göttliche  allmacht  bringt  wunder  (s.  983)  herTor,  eine  zu- 
fällige naturerscheinung  blofse  vorbedetUungeHf  ominat  portenta,  wofür 
lllfilas  den  ausdruck  fauratanja  tigaTu  hat,  Marc.  13,  22.  Job.  6,  26. 
il  Gor.  12,  12.  zu  tani  weifs  ich  etwa  nur  das  altn.  tentngr  talua, 
daa  ahd.  zeno  protoeo  (Graff  5|  673)  zu  halten. 

67  • 


I«e0  WEISSAGUNG 

practische  zwecke,  der  mensch  will  sich  von  einem  gegen- 
wftrtiffQp  Qbe|  frei  machen,  z.  b.  ein  siechthum  entfernen, 
seinen  fbind  "wegschaffeti^  oder  er  n^ill  sein  künftiges  gl&ck 
wissen  und  sichern.  Hierbei  ist  nicht  zu  flbersehn^  wie 
oft  nach  Terscbiedenheit  der  zelten  und  vOlker  die  nemli* 
€hen  brauche  veränderte  beziehung  und  deutung  empfan- 
gen; diese  bewandtnis  hatte  es  auch  bei  den  absiebten  der 
zaub^ei.  Was  unsere  yorfahren  hoflen  oder  fürchteten 
bezog  sich  mehr  auf  krieg  und  sieg,  der  heutige  landmann 
sorgt  um  sein  getraide  und  sein  vieh.  Wenn  die  heid- 
nische Zauberin  durch  ihren  hagel  das  feindttiehe  heer  ver- 
dirbt, so  macht  die  hexe  wetter  für  des  nackbars  acker. 
Ebenso  prophezeiht  sich  der  bauer  gedeihlichen  acker  aas 
dem  zeichen,  das  in  der  vorzeit  sieg  bedeutete,  aber  auch 
landban  und  Viehzucht  reichen  in  ein  hohes  alterthum  und 
eine  menge  abergläubischer  gebrauche,  die  mit  ihnen  zd- 
sammenhängen,  zieht  sich  unverrückt  durch  lange  Jahrhun- 
derte. Daneben  sind  alle  richtungen  des  aberglaubens  aaf 
häusliche  Verhältnisse,  auf  geburt,  freien  und  sterben,  na- 
türlich und  fast  unwandelbar  in  dem  lauf  der  Zeiten;  der 
aberglaube  bildet  gewissermafsen  eine  religion  für  den  gan- 
zen niederen  hausbedarf. 

Ein  hauptstück  des  aberglaubens  sind  die  weütagun^ 
gen,  der  mensch  möchte  den  Schleier  lüften,  den  zeit  und 
räum  über  srine  wichtigsten  angelegenheiten  geworfen  ha- 
ben ;  durch  anwendung  geheimer  mittel  glaubt  er  anskuafl 
zu  erlangen,  erlaubte  und  unerlaubte  Weissagungen  waren 
von  jeher  ein  geschäft  des  priesters  (oder  hausvaters)  und 
»amberen  (s.  985.  986):  jene  gehören  zur  religion,  diese 
zum  aberglauben. 

Die  ausdrücke  für  weissagen  und  wahrsagen  wurden 
schon  zu  eingang  des  vorigen  cap.  angegeben,  als  der  be- 
grif  des  Zaubers  festzusetzen  war.  Nachzuholen  ist  hier 
das  abd.  heiUiän  augurari,  ags.  hälrian;  heitisdd  onen, 
augorium;  heilUari  augwr,  ags.  hälsere,  heilisara  augu- 
ratrix.  mhd.  sind  diese  Wörter  schon  ausgestorben»  man 
unterscheide  ahd.  heilizan  salutare,  ags.  hftletan. 

Jene  priesterliche,  heilige  Weissagung  scheint  wie  der 
heidnische  priesterstand  selbst  (s.  83)  in  geschlechtern  fort- 
geerbt worden  zu  sein,  eine  Wahrsagerin  gab  vor,  dafs 
die  kunst  lange  zeit  in  ihrem  geschlecht  gewesen  sei  und 
nach  ihrem  tode  die  gnade  auf  ihre  älteste  tockter  über- 
gehe (anhang  s.  lxv)  ,  also  von  mutter  auf  tochter^  von  eater 
auf  söhn;  anderemal  wird  behauptet,  dafs  Weissagung  und 
heilkraft  von  frauen  auf  mätmer,   von  fnätmern  auf  firauen 


GHEHGANG  lOfrl 

fortgapflanxl  werden  intlsse.  Es  gibt  noch  heute  ge$ehlech- 
ter,  denen  die  gäbe  eigen  ist,  was  geschieht  vorauszusehn, 
aamentlich  sterbffille  und  leichen:  solche  leute  heiTsen  in 
Niederdeutscblaacl  vorUekers,  d.  i.  vorschauer.  man  sagt 
auch,  sie  können  quad  sehn^  d.  h.  jedes  nahende  unheil 
wittern 4  ja  dies  vermögen  wird  pferden,  scbafen,  banden 
beigelegt:  pferde  sind  weissagend  (s.  624),  htmde  geister*- 
sichtig  (s.  632).  Das  ist  a^er  besonders  zu  beachten,  dafs 
solche  menschen  ihre  gäbe  dem  übertragen  Können,  der 
ihnen  auf  den  rechten  fu/s  tritt  und  über  die  Unke  schütter 
schaut;  dies  scheint  uralte  und  noch  heidnische  gebfirde, 
die  auch  als  rechtsbrauch  bei  anfahung  des  viehes  galt 
(RA.  589)  und  vielleicht  sonst  unter  Christen  geduldet  wurde, 
ich  finde  dafs  ein  bufse  ihuender  dem  einsiedler  dabei  auf 
den  rechten  fu/s  treten  mufs  (Ls.  1,  593).  Das  erste  auf 
neueingesegnetem  taufstein  getaufte  kind  empfängt  die  gäbe 
geister  und  Vorgeschichten  zu  sehn,  solange  bis  ein  andrer 
aus  Vorwitz  ihm  auf  den  linken  fu/s  tritt  und  iiber  die 
reifte  schütter  sieht  y  dann  geht  die  kunst  auf  diesen  über 
[abergl.  996);  wer  aber  durch  des  weisen  matmes  armring 
schaute  (s.  891)  wurde  geistersichtig,  er  sieht  das  geheure 
und  das  ungeheure :  selbst  auf  den  hund  geht  die  gäbe  über, 
wenn  man  ihm  auf  den  rechten  fu/s  tritt  und  ihn  sich  über 
die  rechte  schulter  sehn  Ififst  (abergL  1111).  Auch  mit  dem 
heim  geborne  kinder  seheß  geistsTy  gespeoster  und  hexen 
(s.  829).  In  diesem  allem  zucken  noch  brftuche  des  heid- 
nischen priesterthums  nach ,  die  zuletzt  nur  auf  zauber  und 
hexerei  bezogen  werden. 

Alle  Weissagung  richtet  sich  hauptsächlich  auf  erfor- 
schung  künftiger  dinge,  denn  sie  sind  die  ungewissesten, 
das  vergangne  ist  geschehen  und  erfahren,  seiner  kann 
sich  auf  vielen  wegen  versichert  werden;  was  in  der  ge^ 
gemoartj  in  fernem  räum,  geschieht,  spürt  der  mensch 
am  seltensten  reiz  zu  erkundigen;  ein  beispiel  ist  s.  1046 
vorgekommen:  der  pilgrim  wird  durch  Zauberkunst  in  den 
stand  gesetzt  zu  sehen,  was  in  seiner  heimat  vorgeht,  doch 
hat  auch  die  gegenwart  ihr  ungewisses,  wenn  art  und 
weise  entschieden,  vorzüglich  wenn  etwas  getheilt  werden 
soll. 

Waren  ereignisse  und  handlungen  der  tergangenheit 
io  dunkel  gehüllt,  so  kannte  das  aherthum  ein  geheiligtes 
mittel  der  entdeckung,  die  gottesurteile :  rückwärts  ge- 
kehrte Weissagungen  von  sicherem,  unausbleiblichetn  erfolg, 
dessen  die  gerichtsverhandlung  bedurfte,  allen  deutschen 
gottesurtheilen  ist  aber  wesentlich,   dafs  der  angeschuldigte 


iixa  wmssACDüG 

selbst  ihren  ritas  vornehmen  mäste;  niemals  konnte  er  in 
die  hand  des  richters  gelegt  sein.  Von  diesem  begrif  un- 
terscheidet sich  also  das  seit  dem  mittelalter  gebrfluchfiche 
Hebireiben  oder  siebdrehen  ^  welches  durch  weise  frauen 
oder  hexen  ^  zanberer ,  aber  anch  durch  ehrliche  lente  ge- 
ftbt  wurde  9  um  einen  yierborgenen  fibelthfiter  heranszo- 
bringen :  das  weih  fafste  ein  erbsieb  zwischen  ihre  beiden 
mittelfinger^  sprach  eine  formel,  ans  and  nannte  nun  die 
namen  der  verdächtigen  her:  bei  dem  des  thfiters  fieng  das 
sieb  an  sich  isn  schtoingen  und  um^uireiben^).  man  wandte 
dies  gegen  diebe  oder  solche  an,  die  im  auflauf  wunden 
geschlagen  hatten;  zuweilen  auch  auf  künftige  dinge,  z.b. 
wer  ^  der  freier  eines  mfidchens  sein  würde...  frühste  er- 
wfthnung  finde  ich  in  dem  s.  1001  mitgetheilten  gedieht: 
'und  daz  ein  irip  ein  sib  iribej  sunder  vleisch  und  sunder 
ribe,  dft  niht  inne  wsere',  das  halte  ich  für  erlogen,  sagt 
der  Verfasser ;  sein  Unglaube  mag  sich  auf  den  Umschwung 
beziehen,  das  sieb  ist  leer,  ohne  fleisch  und  bein.  Man 
liefs  auch  das  sieb  auf  eine  zange  legen,  diese  zwischen  bei- 
den mittelfingern  in  die  höhe  halten.  In  Dänemark  nahm 
der  hausherr  selbst  die  prüfong  vor,  indem  er  das  sieb  im 
gleichgewicht  auf  die  spitze  einer  scheere  stellte  (dfin. 
abergl.  132).  Dieses  sieblaufen  (siebjagen,  siebtanz]  mafs 
im  16  und  17  jh.  in  Frankreich  und  Deutschland  sehr 
üblich  gewesen  sein,  viele  bücher  reden  davon  und  stellen 
siebdreher  und  segensprecher  zusammen**);  vielleicht  ist  es 


*)  anders  geben  das  sieblaufen  die  meklenb.  jb.  5,  108  an :  man 
nimmt  ein  von  yerwandten  geerbtes  sieb,  stellt  es  auf  den  raod  hio, 
spreizt  eine  erbscheere  und  sticht  ihre  spitzen  so  tief  in  den  rand  des 
siebs,  dafs  man  es  daran  tragen  kann,  dann  gehen  zwei  Terschiedoes 
geschlechts  damit  an  einen  Töllig  dunkeln  ort,  halten  den  mittelfioger 
der  rechten  hand  unter  den  ring  der  scheere  und  heben  so  das  sieb 
auf.  sehr  erklärlich  gleitet  bei  der  geringsten  bewegung  der  ring 
Tom  finger  und  das  sieb  fällt  nieder,  weil  man  es  im  finstem  Dicht 
wagerecnt  halten  kann,  nun  beginnt  der  eine  den  andern  zu  fragen: 
*im  n.  g.  d.  t.  etc.  frage  ich  dich,  sage  mir  die  Wahrheit  und  luge  nicht, 
wer  hat  das  und  das.  gestolen  ?  '  hat  es  Hans ,  Fritz ,  Peter  getbaof 
beim  nennen  des  yerdächtigen  gleitet  der  ring  ah^  das  »eh  faul  w 
boden  un(i  man  weifs  den  dieb.  Die  übrigen  beschreibungen ,  welche 
ich  gelesen  habe ,  lassen  die  sache  im  hellen,  nicht  im  dunkeln,  ge- 
schenn,  auch  das  sieb  nicht  niederfallen,  sondern  sich  drehen. 

**)  Pischarts  dämonom.  p.  71 .  Hartmann  von  segenspr.  99.  SimpKc. 
2,  352.  Ettners  apoth.  1187.  Job.  Praetorina  Tom  sieblaofe.  Guriae 
Varisc.  1677.  4.  Rommels  hMs«  gesch.  6,  61.  in  Burgund  tooai  le 
iaimi,  noels  borg.  s.  374.  taimi  ist  das  franz.  tamis,.  nnl.  teenUf  iva 
Teutonista  tempse,  aber  Diut.  2,  209  tempf.  wenn  hier  Graff  nicht 
verlesen  bat,   so  liefse  sich  aus  TamfaiM  (s.  70!  236.  256}  eine  tood 


SKBORBdEN.    BRBSGHLtfSSEL  1063 

noch  jelKt  hier  und  da  in  anwendnng,  vgl.  Stender's.  v. 
seefinn  tezzinaht  (sieb  taufen  lassen)  and  dessen  gramm. 
s.  299.  die  Letten  stecken  es  an  eine  schabcheere.  Es  war 
aber  schon  ddn  Griechen  bekannt,  Theocrit  3, 31  nennt  eine 
Koantpofiavvie ,  und  Lucian  1,  753  hat  noaxtvo»  ßtavtev^ 
sa&atj  den  hergang  der  HOüHiroftavr$ta  schildert  Petter 
l,  766  so:  das  sieb  wurde  an  einem  faden  in  die  hohe 
gehalten,  man  betete  zu  den  gOttern  und  sprach  die  ver- 
dächtigen namen  aus;  bei  dem  des  thaters  gerieih  dv^s  sieb 
m  drehung. 

Auf  ähnliche  weise,  wie  das  sieb^  liefs  man  einen  erb^ 
schlüisel,  der  in  die  bibel  (zwischen  das  erste  cap.  Johan- 
nis)*),  oder  ein  beily  das  in  eine  kugel  gesteckt  wurde^  bei 
nennsng  des  rechten  namens  in  bewegung  gerathen  (abergl. 
932).  Ich  vermute  das  umlaufen  de»  lotterhoheB,  welches 
sprnchsprecher  (lotterbuben ,  freiharte)  trugen  (H.  Sachs.  IV. 
3,  58*),  geschah  auch  um  zu  weissagen;  fragm.  15*  heifst 
es  schon :  'louf  umbe  lotterholz ,  louf  umbe  gedrftte  V  ich 
werde  darüber  anderswo  ausführlicher  sein. 

Als  Überrest  des  Judicium  offae  oder  casei  (RA.  932) 
kann  betrachtet  werden,  dafs  man  des  diebstals  verdäch- 
tige von  einem  gesegneten  käse  essen  liefs :  dem  wahren  dieb 
bleibt  der  bissen  im  hals  stecken.    Hartlieb  im  anh.  s.  lx**). 


sieb,  das  sie  in  der  haäd  trage,  genannte  göttin  machen;    das  sihe 
heidnisch  aus. 

*)  in  H.  Stahls  westf.  sagen,  Elberfeld  1831   s.  127  nihere  an- 

Sähe:  der  erbsohlüssel  wird  in  eine  erbbibel  gelegt,  so  dafs  das  kreui 
es  schlässels  auf  die  stelle  Johannis  *im  anfang  war  das  wort*  zu 
liegen  kommt,  der  ring  des  Schlüssels  aber  aus  dem  buche  hervor- 
stent.  nun  binden  sie  dieses  fest  mit  faden  za  und  hingen  es  mit 
dem  ende  des  fadens  oben  an  die  decke  des  zimmers  auf;  dann  fafst 
jeder  Ton  zweien  untiar  den  ring  des  achlnssels,  hält  ihn  lose  und 
der  beschidigte  fragt ;  ist  eine  hexe  an  meiner  kuh  gewesen  ?  hier- 
auf mufs  der  andere  nein  antworten ,  der  beschädigte  aber  ja  er- 
widern, und  so  setzen  beide  der  eine  ja,  der  andere  nein  eine  Zeit- 
lang fort,  ist  nun  die  kuh  wirklich  behext,  so  beginnt  die  bihel  Mich 
im  kreite  an  drehen,  und  darauf  wird  weiter  gefragt,  fiel  aber  keine 
hexarei  vor  oder  wird  nach  der  unrechten  hexe  gefragt,  so  bleibt 
die  bibel  unbeweglich  und  dreht  sich  nicht 

**)  die  obserTationes  ad  iTonia  epistolas  p.  157  enthalten  folgendes: 
formulae  in  codicibus  monasteriorum,  quibus  ad  detegenda  furta  jube- 
batur  oratio  dominica  scribi  in  pane  et  caseo,  postea  fieri  eruces  de 
femtdo,  quarum  una  aub  dextero  pede,  alia  super  caput  suapecti  Tiri 
poneretur,  deinde  post  yarias  numinis  invocatiooes  imprecari,  ut  linsua 
et  guttur  rei  alligaretur,  ne  transghaire  vouei,  aed  eoram  omnibus 
k'emerei,  nee  heberet  quo  requiesceret.  er.  formulam  Dunstani  cantua- 
rienia  editam  a'  Pittheeo  in'  glossärio  capitulariorum.  Gegen  die  be^- 
krenzten  kiae   (de  emeis  eruee  nan  iignandi»)    erschienen  m  15  jh. 


1064  '      WHSSAfiUNG.    L0S8 

Noch  andere  mittel  kttnftige  dinge  tn  wahriagen  konn- 
ten auch  auf  erforschung  der  diebe  oder  niissethäler  über- 
haupt gerichtet  sein. 

Das  lofs  [ahd.  hlöz^  goth.  hläuts,  ags.  hieät,  altn.  hlautr] 
war  die  ehrwürdigste  und  gerechteste  art  alier  Weissagun- 
gen, ein  schwieriges^  bedenkliches  geschftfl  sollte  dadurch 
über  Willkür  oder  leidenschaft  der  menschen  erhoben  und 
geheiligt  werden ,  z.  b.  bei  austheilung^  des  erbes,  ausmit- 
telung  des  Schlachtopfers  (vgl.  s.  210)  u.  s.  w.  Lofsen  ent- 
scheidet also  über  eine  Unsicherheit  der  gegemoart^  kann 
sich  aber  auf  die  sukunft  erstrecken«  Anfangs  in  der 
hand  des  priesters  oder  richters  gelegen  wurde  es  hernacb 
behelf  der  Zauberei  (s.  986.  989)  und  von  sors  ist  sortilegus, 
sorcier  hergeleitet,  auch  das  ahd.  hHourn  wird  schon  aus 
der  bedeutung  sortiri  in  die  von  augurari,  incantare  über- 
gehn,  wie  sie  noch  das  mM.liezen  hat,  Hoflin.fundgr.2,67. 
Er.  8123. 

Es  gab  zwei  weisen :  der  priester,  der  hausvater  warf 
das  lofs  und  deutete  das  gefallene,  oder  er  hielt  es  der 
partei  zu  ziehen  hin;  jenes  gieng  auf  das  künftige,  dieses 
auf  Schlichtung  des  gegenwärtigen.  Tacitus  beschreibt  uns 
die  erste  art. 

Sortium  consuetudo  simplex.  virgam,  frugiferae  ar- 
bori  decisam,  in  surculos  amputant,  eosque  notis  quibusdam 
discretos  super  candidam  eestem  temere  ac  fortuitu  spargunt. 
mox  si  publice  consuletur,  sacerdos  civitatis,  sin  privatim 
ipse  pater  familiae^  precatus  deos  coelumque  suspiciens, 
ter  singulos  follit,  sublatos  secundum  impressam  ante  notam 
interpretatur.  Si  prohibuerunty  nulla  de  eadem  re  in  eundem 
diem  consultatio;  sin  permissum^  auspiciorum  adhuc  üdes 
exigitur.  Germ.  10.  Hier  macht  das  lofs  nur  die  erste 
einleitung  des  geschäfts,  und  ohne  seine  Zustimmung  unter- 
bleiben weitere  Weissagungen.  Ich  schreibe  die  wichtigen 
erläuterungen  nicht  ab,  die  mein  bruder  in  seiner  schrifl 
über  die  runen  s.  296-307  gegeben  hat.  Ein  gewisser 
Zusammenhang  dieser  lofse  mit  runen  und  geheimscbrift 
findet  statt;  der  lofsbücher  thut  schon  das  13  jh.  meidung. 
Ls.  3,  169.   kolocz  70. 

Die  Armenier  weissagten  aus  der  bewegung  Ton  cy- 
pressenzweigen :  quarum  cupressorum  surculis  ramisque 
seu  leni  sive  violento   vento   agitatis  armenii  flamines  ad 


mehrere  Verordnungen  (urk.  von  1430.  1448.  1470.  1477  in  ffiODOin. 
boic.  16,  50.  55.  5a  61). 


SiEBTRAGBT  1063 

iMgsiD  tempas  in  auguriis  uti  cansueveruiil.  Moses  cho« 
renensis  ed.  1736.  p.  54. 

Eine  ganze  reihe  von  Weissagungen  scheint  durch  Grie- 
chen und  Römer  in  das  übrige  Europa  verbreitet  worden  *) ; 
dabin  gehören  auch  Hartliebs  nachrichten  von  der  hgdra^ 
tMuUia,  pjfromanüa  (dem  fiursehen,  altd.  bl.  1,  365),  cAtrcH 
wumHa  (mhd.  der  tisch  in  der  hani.  Er.  8136);  worüber 
andere  steiten  in  Haupts  zeitschr.  3,  271).  das  christaU- 
schauen  des  reinen  kinds  (s.  lxiy)  ist  die  gasiramanüa  ex 
vase  aqua  pleno ,  cujus   medituUium  vocabatur  yaatQtj^^). 

Wichtiger  sind  die  eigenthömlichen ,  nicht  aus  dieser 
quelle  fliersenden  gebrauche  europfiischer  Völker:  entweder 
giengen  dabei  besondere  Verrichtungen  vor,  oder  die  Weis- 
sagung wurde  natürlichen  dingen  tAgelauscht,  abgehorchi, 
abgesehm. 

Unsere  vorfahren  wüsten  nach  Tac.  Germ.  3  den  aus- 
gang  der  schlachl  aus  dem  kräftigen  oder  zagenden  er- 
schallen des  kriegsgesangs  zu  deuten. 

Die  alten  Polen  weissagten  sieg  aus  dem  wasser,  das 
tu  ein  sieb  geschöpft  ihrem  beer,  ohne  dwrchmlaufen^ 
voraufigetragen  wurde,  ich  schalte  die  werte  des  chronicon 
montis  sereni  (Menken  2,  227.  Hoffmann  script.  rer.  Ins. 
4,  62)  ein:  anno  1209  Conradus,  orientalis  marchio,  Lu- 
bus  castrum  soceri  sui  Wlodislai  ducis  Poloniae  propter 
multaSi  qnas  ab  eo  patiebatttr,  injurias  obsedit.  Wlodi- 
slaus  vero  obsidionem  vi  solvere  volens  collecto  exercitu 
copioso  Biarohioni  mandavit,  se  ei  altera  die  congressurum. 
Vespere  autem  diei  praecedentis  Oderam  fluvium  cum  suis 
Omnibus  transgressus  improvisus  supervenire  hostibus  mo- 
liebatur.  Unus  vero  eorum,  qui  supani  dicuntur,  vehe- 
menter ei  coepit  obsistere,  monens  ne  tempus  pugnae  sta- 
tutum  praeveniret,  quia  hoc  factum  nullius  rectius  quam 
infidelitatis  posset  nomine  appellari.  Quem  dum  dux  timi- 
ditatis  argneret  et  fidelitatis,  quae  ei  teneretur,  commone- 
ret,  respondit,  ^ego  quidem  ad  pugnam  pergo,  sed  scio  me 
patriani  meam  de  cetero  non  visurum.'  Habebat  autem 
[sc.  Wlodislaus)   ducem  belli  pyihonissam  quandam,    quae 

*)  alpbabetitcb  yeneichnet  in  Fabricii  bibliographia  «Dtiquaria. 
ed.  3.  Hainb  1760.  4.  p.  593*613.  Tgl.  Potters  archiol.  1,758-769. 
**)  Melber  de  Geroluhofen  ira  Tocabularius  predicanlium  (bogen 
R  4)  hat  folgendes :  ^niaromanHa,  scfawartz  kuD8t  die  do  ist  mit  v/f- 
»ekwng  der  dotten,  mit  den  der  nigromanticus  zaubert ,  oder  mit  den 
dryen  ersten  eckoUen ,  die  der  pfaff  wirfft  ynsz  grab ,  oder  mit  den 
wgdkapgen,  dU  do  iauffen  6y  de»  grebem.'  diese  stelle  schöpft  auch 
Jodocus  Eychmans  vocab.  predicantiam  (Närnberg  1483}  aoft  Melber, 


1066  SIEBTRAGHT.     SIEGSFAHNE 

de  flumme  cribro  haustam,  nee  deflueniem^  nX  fcrebatiir, 
ducens  aguam  exercitum  praecedÄat^  et  hoc  signo  eis 
friciarialn  premiUebat.  Nee  lütiiil  marchionem  ad?entU8 
eoinm^  sed  maiore  suis  armatis  et  ordinatis  oecurrens,  forti 
congressQ  omfiös  in  fugam  veriit,  pylhonissa  pnmUits  tnler- 
fecta.  ille  etiam  supanus  yirititer  pngnans  cum  multis  aliis 
interfectus  est.  Was  hier  auf  glück  und  heil  wird  sonst 
auf  reine  Unschuld  gedeutet,  ein  frommer  knabe  trägt 
Wasser  im  sieb,  ohne  dafs  ein  tropfen  durchfliefst  (KM.  3^  254), 
nach  dem  indischen  glauben  vermag  der  unschuldige  wasser 
als  kugel  zu  ballen,  'exstat  Tucciae  vestalis  incestae  pre- 
catio,  qua  usa  aquam  tn  cribro  tuUt^  PKn.  28,  3;  einem 
mfldchen  gibt  die  hexe  auf,  wasser  im  sieb  jsu  holen,  norske 
ev.  1,  08,  die  vestalin  muste  auch  feuer  in  ehernem  siebe 
tragen  (oben  s.  577) ,  und  ein  dfin.  mfirchen  in  Moibechs 
ev.  s.  22  redet  sogar  von  tragen  der  sonne  im  sieb.  Das 
sieb  erscheint  ein  heiliges,  alterthümliches  gerfith,  dem  man 
wunder  beilegte,  was  der  mythus  begreift  sind  dem  sprich« 
wort  Unmöglichkeiten:  'er  schöpfet  wazzer  mit  dem  sibe 
swer  dne  vrte  milte  mit  sper  und  mit  schilte  ervehten  wil 
6re  und  lant.'  Troj.  18536.  'iympham  infundere  cribro.* 
Reinard.  3,  1637. 

Nach  ags.  Überlieferung  liefsen  die  Normannen  ihrem 
beer  eine  wunderbare  fahne  vortragen,  aus  deren  zeichen 
sie  sieg  oder  besiegung  entnehmen  konnten.  Asserius  in 
vita  Älfredi  p.  33  ad  a.  878:  ' .  .  .  vexillum  quod  reafan 
(1.  raefan,  hräfen,  altn.  hrafn)  vocant.  dieunt  enim  quod 
tres  sorores  Hungari  et  Habbae,  filiae  videlicet  Lodebrochi 
illud  vexillum  texuerunt,  et  totum  paraverunt  iliud  uno 
meridiano  tempore^),  dieunt  etiam,  quod  in  omni  hello, 
ubi  praecederet  idem  Signum,  si  eictoriam  adepturi  eS" 
senty  appareret  in  medio  signi  quasi  corpus  viüus  eo- 
Hians ;  sin  vero  vincendi  in  futuro  fuissent,  penderet  di- 
rede  nMl  movens:  et  hoc  saepe  probatnm  est.'  Im  en- 
comium  Emmae  (Duchesne  script.  norm.  169)  heifst  es,  die 
fahne  sei  aus  weifser  seide,  ohne  bild,  gewesen^  in  kriegs- 
zeiten  aber  ein  rabe  mit  ofnem  schnabel  und  flatternden 
flügeln  darin  sichtbar  geworden,  sobald  sie  Sieger  waren; 
hingegen  habe  er  still  gesessen  und  die  flügel  hftngen  las- 
sen, wann  ihnen  der  sieg  entgieng.  Ailredus  rievallens. 
p.  353  erklärt  diesen  raben  für  den  leibhaften  teufel/  der 
freilich  in  rabengestalt  erschien  (s.  945);  näher  Hegt  es  an 


*)  das  tpinnen  einet  fadent  zwischen  XI  und  XII  (abergl.  848) 
stimmt  sehr  merkwürdig; 


GEWIEHER.    SCfiDLtERBLATT.    GANSBEIN     1067 

den  ro^el  des  heidnischen  siegesgoiles  zu  denken  (s.  637), 
▼ielleicht  gab  Odinn  dem  siegreichen  heer  das  zeichen,  dafs 
er  seinen  boten  herabsandte?  ab^  keine  nord.  sage  thul 
solcher  kriegsfahne  meidung. 

Von  der  Weissagung  aus  heilbringendem  rosssegewie^ 
her  ist  s.  624  gehandelt.  Dempster  (antiq.  rom.  3,  9)  sagt: 
equos  hinnitu  alacriore  et  ferociore  fremitu  victoriam  omi- 
nari  etiamnunc  militibus  persuasum  est.  Abergifiubische 
horchen  weihnachts  zwölf  uhr  auf  Scheidewegen,  an  grenz- 
steinen:  vermeinen  sie'^nun  schwerlergeklirr  und  pferde^ 
gewieher  zu  hören,  so  wird  im  künftigen  frtthjahr  ein 
krieg  entstehn  (wie  man  aus  dem  pferdegewieher  des  wü* 
tenden  heers  krieg  weissagt,  s.  892.  893).  m^gde  horchen 
um  jene  zeit  an  der  schwelle  des  pferdestaUs  auf  wiehern 
der  hengste,  und  vernehmen  sie  es ,  so  wird  bis  zum  24 
juni  ein  freier  erscheinen.  (Liebuseh  Skythika  p.  143). 
andere  legen  sich  Weihnachten  in  die  pferdekrippe ,  um 
künftige  dinge  zu  erfahren  (Denis  lesefrüchte  1,  128).  Un- 
heil naht  wenn  das  ros  stolpert^  z.  b.  der  serbische  Scharatz. 
Vuk  1,  240. 

Spatulamancia  bei  Hartlieb  (anh.  lxv)  ist  verderbt  aus 
scapulimanUtty  und  die  kunst  scheint  nicht  blofs  von  Römern 
oder  Byzantinern  herzurühren,  nach  Lambek  7,  224  findet 
sich  auf  der  Wiener  bibl.  eine  abhandlung  des  Michael 
Psellus  (ich  weifs  nicht,  welches)  negi  wiiionXaToononiac. 
auch  Vintler  (s.  liv)  gedenkt  des  ansehens  der  schulter^ 
beine.  divinationes  sculterrenblat  altd.  bl.  1,  365.  Jor- 
nandes  cap.  37:  Attila  diffidens  suis  copiis,  metuens  inire 
conflictum,  statuit  per  aruspices  futura  inquirere.  qui  more 
solito  nunc  pecorum  fibras,  nunc  quasdam  eenas  in  abrasis 
ossibus  intuentes  Hunnis  infausta  denuntiant.  Unter  den 
Ealmüken  gibt  es  zauberer,  dallatschi  genannt,  weil  sie  aus 
dem  Schulterblatt  (dalla)  der  schafe^  schwane  und  hirsche 
weissagen,  sie  lassen  diese  knochen  eine  Zeitlang  im  feuer 
brennen  und  verkünden  dann  aus  dem  anblick  der  darauf 
entstandnen  streife  und  Züge,  läfst  das  feuer  auf  den  blät- 
tern viel  schwarze  spuren,  so  machen  die  dallatschi  auf 
gelinden  winter  hofnung;  viel  weifse  spuren  aber  bedeuten 
schnee  •). 

Dies  trift  nahe  zu  der  Wahrsagung  aus  dem  gansbein 
(ex  anserino  sterno]  Hartlieb  lxvi,  die  in  späterer  zeit, 
wahrscheinlich  heute  noch,  unter  dem  volk  vorkommt,  vgl. 
abergl.  341.  dän.  163.     ich  habe  mir  folgende  stellen  dar- 


*)  Beoj.  BergmaDDS  nonoad.  streifereien  3,  184. 


1068  WETTERKKSER.    nSGHRBüSflN 

über  angemerkt.  Ettners  ungew.  apotb.  p.  1144:  ^and  was 
müssen  nicht  die  brustbeine  der  coyipAaiieii^  gänse  oadenteii 
vor  prognostiea  herlehnen?  sind  dieselben  roth^  so  arthei- 
len sie  eine  anhaltende  kälte,  sind  sie  aber  weifSy  klar  und 
durehsichtigy  so  werde  das  weiter  im  winter  erleidlich  sein.' 
Martinsgans  durch  Job.  Olorinus  variscus  (Hagdeb.  1609.8.) 
p.  145 :  Ur  guten  alten  mütterlein ,  ich  verehre  euch  das 
brusibeinj  dafs  ihr  calendermäfsig  daraus  warsagen  lernet 
und  Wetterpropheten  werdet,  das  förderste  theil  beim  hals 
bedeutet  den  Vorwinter,  der  hinterste  theil  den  nachwinter, 
das  weifse  bedeutet  schnee  und  gelinde  wetter,  das  andere 
grofse  kälte.'  Ganskönig  von  Lycosthenes  Psellionoros 
(Wolfg.  Spangenberg)  Strafsb.  1607.  CUI:  'das  irustbem,  so 
man  nennt  das  ros  (kindern  zum  selbspringenden  röslein 
vermacht),  und  auch  den  alten  mütterlein,  die  daraus  pro- 
gnosticieren  fein,  und  an  der  färb  wissen,  on  gßrden, 
ob  werd  ein  kalter  winter  werden.'  rhythmi  de  ansere 
(bei  Dornau  1,  403):  'wie  dann  das  bein  in  meiner  brust^ 
das  trag  ich  auch  nit  gar  umbaust,  denn  wau  darin  kan 
sehen  wol,  wie  es  den  winter  wintern  soll,  und  mancher 
sich  danach  fast  helt,  und  mich  für  ein  propheten 
zeit.' 

Die  so  aufs  wetter  achteten  hiefsen  toetersorgwre  Er. 
8127  oder  weterkiescBre  ^  woher  der  eigenname  Kiesetcetter 
(gramm.  4,  848) ;  in  Rauchs  Script.  1,  430  finde  ich  einen 
ort  'bei  der  weterchiesen/  es  scheint,  dafs  gewisse  plätse 
dafür  gelegen  waren. 

Die  Ehsten  weissagten  sich  foetter  und  fruchibarkeü 
aus  fischreusen.  Gutslaffs  worte  (in  seinem  buch  über 
Wöhhanda)  p.  209-211  sind  diese:  'zwar  es  ist  mir  neu- 
lich erzehlet  worden,  das  die  bauren  vor  diesem  an  die- 
ser bäche  ihr  augurium  wegen  des  wetters  gehabt  betten, 
welches  sie  also  verhandelt,  sie  betten  in  diese  bäche 
drei  körbe  gesetzet  neben  einander,  und,  ungeachtet  der 
eufsersten  beiden,  betten  sie  nur  auf  den  mttebten  korb 
alieine  achtunge  gegeben,  was  für  gattunge  von  fischen  in 
denselben  köme.  denn  so  in  den  mittelsten  ein  vmchup' 
pigter  fisch,  als  ein  krebs  oder  quap  oder  dergl.  hinein- 
gekommen were,  betten  sie  sich  eines  bösen  wetters  und 
unfruchtbaren  jahres  zu  besorgen  gehabt:  darumb  so  het- 
ten  sie  einen  ochsen  geopfert,  umb  gut  wetter  zu  erlangen, 
darauf  betten  sie  die  körbe  wiederumb  also  eingestellet, 
und  da  abermahl  ein  unschuppiger  fisch  in  demselben  be- 
funden worden^  so  betten  sie  zum  andern  mal  einen  ochsen 
geopfert y   und    darauf  zum  drittenmale  die   körbe  wieder 


HEILIGE  SAAT.    WBGSCHEIDE.  1068 

eingeselzet.  heUe  sich  nun  wieder  ein  unsckuppiger  fisch 
darin  befunden,  so  betten  sie  vors  dritte  ein  Ainä  geopfert, 
umb  gnt  Wetter  und  fruchtbare  zeit  zu  erlangen,  und 
darauf  zuletzt  die  körbe  wieder  eingesetzet.  wenn  sie 
denn  nun  nMitschüppichte  fische  im  mittelsten  korbe  ge- 
fandea,  so  betten  sie  es  ihnen  gefallen  lassen  und  betten 
sieb  mit  gedult  darin  gegeben.  Letten  sie  aber  Bchuppick^ 
te  fische  darinnen  gefunden,  so  hetlen  sie  sich  eines 
guten  Wetters  und  fruchtbaren  jahres  vermutet,  welches  sie 
mit  freuden  wargenommen/  Ganz  verschieden  war  die  gr. 
ix^ofiavreia  aus  4er  fische  eingeweiden  (Potters  arehüol. 
1,  703). 

Wie  dem  rossewiehern  (s.  1067]  gehorcht  wurde, 
lauschte  man  nachts  in  den  Saatfeldern:  Weihnachten  in  die 
Wintersaat  gehn  und  die  zukunft  erhorchen,  mainachts  in 
das  grüne  kom  (abergl.  420.  854).  Das  getraide  war  hei- 
lig, der  heilego  e%esg  N.  ps.  140,  7  (gotb.  atisfcs),  das  liebe 
körn  (gramm.  3,  665).  wahrscheinlich  vernahm  man  nun 
in  der  saat  sitzend  stimmen  oder  reden  der  geister  über  die 
bevorstehenden  ereignisse.  Man  horchte  auch  auf  krewA^ 
wegen  (abergl.  854.  962),  wo  grenzen  zusammenstiefsen: 
solche  wegscheiden  *)  galten  für  sammelörter  der  geister 
und  hexen  (s.  1028  und  abergl.  647),  vgl.  das  altn.  ^ar 
aem  gOtur  moetast'  (forum,  sog.  3,  22).  standen  an  weg- 
scheiden götterbilder  der  Heiden?  es  heifst,  dafs  man  ad 
6teia  gebetet,  geopfert,  lichter  angezündet  habe  (anh.  xzxvi). 
ebenda  ist  auch  die  rede  von  sitzen  auf  der  wegscheide  **), 
ohne  dafs  der  saat  erwähnt  würde:  tu  Meto  sedisti  swpra 
taminam  outem,  ut  ibi  futura  tibi  intetligeres  (xxxvi).  die 
oehsenhaut  deutet  mir  gleich  der  iärei^aut  (s.  962.  vgl 
Reinh.  s.  lvi)  heidnisches  opfer  an.  Wichtigen  aufschlufs 
scheint  hier  ein  galischer  brauch  zu  gewähren,  den  ich  aus 
Armstrong  schöpfe:  einer  wird  in  die  warme  haut  eines 
frisehgeschlachteten  thiers  gewunden,  im  wald  an  einen 
Wasserfall  hingelegt  und  allein  gelassen;  aus  dem  rauschen 
der  weilen,  glaubt  man,  werde  ihm  das  zukünftige  offenbar, 
diese  art  der  Weissagung  hiefs  taghaim.     auch  der  Strudel 

*)  persi&cher  aberglaube:  sitting  down  at  the  juncHon  of  fovr 
erossroads  oo  a  wednesday  night,  and  applying  everj  sentence  spo- 
ken  bj  the  passers  to  yourself  and  considering  it  as  a  good  or  bad 
omen.    Atkioson  p.  11.  12. 

**)  wenn  ein  m£dchen  am  Christabend  nach  dem  abendessen  das 
Hsehhtek  auf  einem  hretuweg  ausschauet  ^  so  begegnet  ihr  ein  mann, 
der  ihr  guten  abend  bietet,  ron  seiner  art  ond  gestalt  wird  ihr 
künftiger  brfiatigam  sein.  Das  ansgeschüttete  ist  an  die  stelle  des 
gebreiteten  tochs  oder  der  thierhaut  getreten. 


1070  DACH.    WG6BN 

war  geweihter  ort  gleich  dem  Scheideweg;  dieses  letzten 
gedenkt  die  edda  'opt  bölvtsar  konor  sitja  brauio  fUBr  ^oer 
er  deyfa  sverd  ok  sefa.'  Sem.  197^.  Einige  setzten  sich 
neojahrs  auf  das  hawdach^  schweriumgürtetf  und  erforschten 
die  zakunfl  (xxxvi).  diese  stelle  mufs  wiederum  heilig  ge- 
wesen sein,  da  man  auch  kranke  kinder  auf  das  öaiA 
setzte  zur  herstellung  (xxxv.  xxxvn).  bezieht  sich  darauf, 
dafs,  wenn  einer  nicht  sterben  kann,  schindeln  aiuf  dem  dad 
umgewendet  oder  ausgehoben  werden  (abergl.  439.  721)? 
auch  wenn  ein  kind  Verzückungen  bat  kehren  sie  eine 
Schindel  um  (Jul.  Schmidt  121).  Eigenthfimlich  wird  unter 
Zuziehung  eines  erbschlüssels  und  knäuels  zum  fenster  hin- 
aus gehorcht  (abergl.  954). 

Niesen  (ntalgeip,  sternuere)  war  schon  in  ältester  zeit 
bedeutsam,  einige  halten  es  für  gelinden. schlagfiuss,  für 
augenblickliche  lähmung,  während  welcher  der  mensch  des 
freien  gebrauchs  seiner  gliedmafsen  beraubt  ist  (anh.  Lxn). 
Die  Griechen  riefen  dem  niesenden  zu:  Cv^^*  ^<v  owaov* 
vgl.  anthol.  gr.  II.  13 ,  11.  Cur  sternrnnentis  salutamus? 
quod  etiam  Tiberium  caesarero,  tristissimum  (ut  constat)  homi- 
num,  in  vehiculo  exegisse  tradunt.  Plin.  28 ,  2.  Giton  ter 
continuo  ita  sternutavit,  ut  grabatum  conculeret,  ad  quem 
motum  Eumolpus  salvere  Gitona  jubet.  Petron.  sat.  98  *). 
auch  die  Araber  grüfsen  beim  niesen  ( Rücker ts  Hariri  1, 
543).  aus  den  dichtem  des  HA.  folgende  stellen:  die  Hei- 
den nicht  endorflen  niesen,  dft  man  doch  sprichet  'nu  heißu 
gotr  Turl.  Wh.  35;  Christ  in  helfe,  so  sie  niesen.'  Ms. 
2y  169^;^duch  daz  solte  ein  schilt  gesellen  kiesen,  daz  im 
ein  ander,  heiks  wünschte ,  ob  dirre  schilt  künde  niesen.' 
Tit.  80;  so  foünseh  ich  dir  ein  niesen.  Ms.  2,  21 7^;  wir 
sprechen,  swer  niuset,  got  helfe  dir.'  Renn.  15190;  'deas 
te  adjuvet'  (a.  1307)  Pistorius  Script.  1,  1024,  vgl.  Königs- 
hoven  p.  302.  Unter  den  brücken  niesen  verwünschte  gei- 
ster,  damit  helf  gottl  gesagt  werde  und  ihre  lösung  erfol- 
ge. DS.  no.  224.  225.  226.  Mones  anz.  4,  30&  'dir  hftt 
diu  katze  niht  genam:  Helbl.  1,  1393.  Den  Griechen 
schien  das  niesen  etwas  göttliches:  tovntag/uov  ^bov  ^foi- 
ßie&a.  Arist.  probl.  33,  7.  vgl.  11,  33.  Xenoph.  exp.  Cyri 
3,  2,  9.     Theoer.  7,  96.  18,  16.     beniesle  werte  werden 

*)  sternotaolibos  saWere  dictom  antiqnior  mos  quam  potatur. 
ValesioB  in  Valesianis  p.  68.  poarquoi  on  fait  des  Boi^haits  en  fayeor 
de  cenx  qoi  6teroaent  Morin  in  den  niöm.  de  Facad.  des  inacr.  4, 325. 
Job.  Gern,  Mäuschen  de  anüqao  et  moderne  ritu  salatandi  stemaUo- 
tes.  Kilon.  1704.  geach.  der  formet  *gott  helf  dirT  beim  niesen, 
herausg.  yon  Wieland.    Lindau  17S7. 


QBRKUNGEN.    FRBIKfU    FORSCHEN        107)1 

wahr.  Od.  17,  541.  545.  stermUationea  nolite  observare. 
(Eligius  anh.  xxix).  wenn  jemand  wfthrend  einer  erzählung 
niest,  so  mufs  er  ihre  warheit  beweisen,  in  den  Christ- 
nachten nie9t  man  nicht,  so  stirbt  das  vieh  nicht  (anh.  l). 
merkwürdig  ist  HartUebs  stelle  (lxu),  vgl.  abergl.  186.  266. 
437.  ebstn.  23. 

OkrenklingeHy  garrula  auris,  ßo/iftoc,  wenn  am  rechten 
ohr,  glücklich,  ^absentes  tifmUu  aurium  praesentire  sermones 
de  se  receptum  est.'  Plin.  28^  2,  damit  vgl.  abergl.  82, 
802;  Ohrensausen  anh.  xlviu.  siiiiem  des  auges.  aXXetai 
ofp&aXfAOQ  juoi  0  dsiioQ.  Theoer.  3, 37.  brauen  und  wan^ 
get^ucken.  anh.  s.  xl^  xu  und  abergl.  141.  ^si  vibrata 
salitione  insuetum  alter  oculorum,  dexter  vel  sinister  palpita- 
ret,  si  concuterentur  ac  veluti  exsilirent  aut  trepidarent 
mosculi,  humeri  aut  femora  etc.  mali  erant  ominis.'  Dempster 
antiq.  rom.  3,  9.  vgl.  Suidas  s.  v.  otcavtatiuf}^.  auch  den 
Indern  war  xucken  des  rechten  auges  flbler  Vorbedeutung 
(Hirzels  Sakuntala  s.  65).  wenn  das  rechte  äuge  juckt ,  be- 
deutet es  gutes,  wenn  das  linke  übles (Tobler  30).  Hier- 
hm*  auch  nasenbbtten;  wenn  an  der  linken  seite,  unglück- 
lieh (abergl.  825).  wer  an  der  Atir  beim  ausgehen  hängen 
bleibt,  an  die  schwelle  stöfst,  stolpert,  ist  zurückzutreten 
gewarnt  (abergl.  248.  895). 

Unverwandt  römischem  oder  griechischem  aberglauben, 
so  viel  ich  sehe,  sind  die  manigfalten  weisen,  künftige 
freier  oder  liebhaber  zu  erforschen.  Das  mädchen  lauscht 
dem  gackern  des  hahns  (abergl.  101]  oder  sie  wirf t  den 
bhmenkran»  (abergl.  848.  1093.  vgl.  867)  oder  sie  zieht  in 
bestimmter  nacht  ein  scheit  aus  dem  hohhaufen,  einen 
stecken  aus  dem  sami  (anh.  s.  xlvi.  l.  abergl.  109.  958) 
und  zwar  rücklings  hinzugehend;  oder  bei  dunkler  nacht 
greift  sie  in  die  heerde,  um  einen  widder  heraus  zu  zie- 
hen (abergl.  952).  das  rückwärts  gehen  und  nackend 
stehen  ist  dabei,  wie  in  andern  fftllen,  gewöhnliches  erfor- 
demis  (abergl.  506.  507.  928  und  s.  lvi).  Auch  wirft  sie 
das  hemdj  nackend^  zur  thür  hinaus  (abergl.  955),  oder 
greift  rtfcMtfi^s  aus  der  thüre  nach  des  liebsten  haar  (abergl. 
102),  oder  deckt  ihm  (wie  nornen)  den  tisch,  an  dem  er 
nachta  erscheinen  und  essen  mufs.  Harrys  (volkss.  2,  28) 
beschreibt  den  sogenannten  nappelpfang:  man  setzt  auf  ein 
geflUs  mit  reinem  wasser  leichte  näpfchen  von  silberblech 
mit  den  namen  derer  bezeichnet,  welchen  die  Zukunft  er- 
forscht werden  soll;  nähert  sich  das  näpfchen  eines  jüng- 
Ungs  dem  «ines  midcben,  so  wird  daraus  ein  paar,  ander- 
wärts bedient  man  sich  dazu  einfacher  nu/eschalen. 


i012  SGBÜHE.    SÄLE.    BLBL    AN6AN6 

Gleich  der  erforscbung  des  bräutigams  war  «s  wich- 
tiges anliegen,  das  gesehlecht  des  kmdes  voraus  zn  wissen, 
das  eine  mutter  zur  weit  bringen  wird.  Man  weissagte  es 
ans  der  begegnung  beim  kirchgang  (483),  aus  früheren  kin- 
dern  (677.  747),  aus  dem  niesen  (ebstn.  23).  daTs  eine  frau 
lauter  töchter  gebfthren  werde,  liefsen  andere  zeichen  schfie- 
Tsen  (678.  ehstn.  22).  Ein  altfranz.  gedieht  bei  M6on  3,  34 
hat  folgende  stelle: 

voire  est  que  je  sui  de  vous  grosse, 

si  m'enseigna  Ton  ä  aler 

entar  le  mostier  sans  parier 

irois  torSy  dire  trois  patenostres 

en  Toner  dieu  et  ses  apostres; 

nne  fosse  au  talon  fiftisse, 

et  par  tr<MS  jors  i  rerenisse: 

s'au  tiers  jorz  ateri  k  irotoie 

ieUrit  tm  fUs  qu^aeoir  devote, 

et  ^il  etoU  elos,  c*eioU  fiUe. 
Schuhe  über  das  haupt  werfen,  und  sehen,  wohin  sich 
die  spitze  kehrt,  erforscht  den  ort,  an  weichem  ein  mensch 
länger  bleiben  soll  (s.  lvii.  abergl.  101).  die  sermones  diso, 
de  tempore  nennen  unter  abarglftubischen  weihnachtsbri&a- 
eben  das  calceos  per  caput  jactare.    (sermo  ja). 

Sie  führen  auch  an,  'qui  cumulo»  saUspommi  et  per  hoc 
futnra  pronosticant.'  (abergl.  1081).  im  sterbhaos  werden 
wiederum  drei  $abhaufen  gemacht  (abergl.  846).  dieses 
bezieht  sich  auf  die  heiligkeit  des  sai^s  (s.  999. 1030).  Orie* 
cbisdier  herkunft  scheint  das  weitverbreitete  bieigie/sen 
(abergl.  97.  579.  anh.  s.  lxv)  ;  auch  Ihre  (de  superstit.  p.  55) 
erwähnt  seiner,  vgl.  die  moü/bdauuuUia  ex  plumbi  liquefacti 
diversis  motibus  (Potters  archäol.  1,  339). 

Keine  art  von  aberglauben  hat  aber  durch  das  ganse 
mittelalter  tiefere  wurzel  geschlagen  als  die  vorbedetitungen, 
die  man  unter  den  benennungen  anegancy  mderganCf 
toiderhmf  verstand,  thier,  menscb,  Sache  ,^  auf  die  man 
frühmorgens,  wenn  der  tag  noch  frisch  ist,  beim  ersten  aus* 
gang  oder  unternehmen  einer  reise  unerwartet  stieEs ,  be- 
zeichneten heil  oder  unheil  und  mahnten  das  begonnene 
fortzusetzen  oder  wieder  aufzugeben.  Saxo  gramm.  a.  84 
sagt  congre»9umum  initia,  wjelcben  nord.  auadrlick  hatte  er 
dabei  im  sinn,  etwa  vidrgängr?  Wie  der  beginn  eines 
jeden  werks  bedenksam  ist  (omina  principiia  iiiesse  solenl, 
Ovid.  fast.  1,  178),  wie  der  erste  eintritt  in  ein  neues  haus, 
über  die  neue  brücke  vorsichtig  unternommen  wird  (vgl.  s. 
972)^  der  gott  odeir  dämon  das  erstbegegnende  für  sieh  fordert 


ANOANO  1Q73 

(s.  1094);  so  beachtete  man  alle  ^eiobeiiy  die  sich  bei  be- 
stimiiiten  ausfarten  und  reisen  ergaben,  d^r  mlat.  ausdruck 
dafür  ist  wpertenta  sc.  res,  die  überrascht^  superrenit  (franz. 
sarvient);  oder  lieber  sinnUch  gefafst,  was  oben  in  der  lufl, 
über  uns  schwebt,  wodurch  freilich  nur  der  vögelflug  be- 
zeichnet wäre.  Hincmar  de  (Uvortio  Lotharii  (oben  s.  1053] 
sagt:  ad  haec  .  .  .  pertinent,  quas  superventas  feminae  in 
suis  lanificiis  vel  textiiibus  operibus  nominant.  ivoiia  av/i^ 
ßoXa  nannten  es  die  Griechen,  und  mit  ihnen,  den  Römern, 
ja  morgenländischen  Völkern  haben  wir  die  meisten  gemein, 
bei  fast  durchgreifender  ausbreitung  dieser  angänge  ist  es 
kaum  glaublich,  dafs  sie  erst  im  gefolg  der  latein.  literatur 
zu  den  deutschen  gelangt  seien:  sie  beruhen  auf  älterer 
Verwandtschaft  aller  europäischen  Völker,  und  schon  der 
frühste  beobachter  unserer  vorfahren,  Tacitus,  bemerkte 
diese  art  der  Weissagung  bei  ihnen:  ^mtspida  sortesque, 
ut  qui  mazime  observant  ....  et  illud  quidem  etiam  hie 
notum,  atrium  voces  eobUusque  interrogare,'  von  den  pfer- 
den  s.  624.  In  vielen  unsrer  alten  mythen  wird  auf  die 
primitiae  gewicht  gelegt;  es  sei  nur  an  Wodan  erinnert,  der 
denen  sieg  verleihen  wollte,  welche  er  zuerst  bei  Sonnen- 
aufgang erblicken  würde  (s.  122). 

Ich  will  erst  stellen  angeben,  welche  mehreres  zusam- 
menfassen, dann  das  einzelne  erläutern. 

^  Aus  Xenophons  memorab.  I.  1 ,  4    mag    vorausstehn : 
«AA*  ol  f^v  nXelOTOi  tpaalv  vno  %€  Ttiv   ogpid-mv   nai 

I.  1,  14:  %ovQ  dh  uai  ki&ovQ  nal  ivXa  nai  %d  %vxov%a 
&^Qia  ofßio&ttif  die  obvia  animalia,  nicht  wie  man  es 
wol  aufgefafst  hat  vulgaria  ubivis  obvia. 

Das  frühste,  aber  sehr  allgemein  redende  Zeugnis  aus 
unserm  mittelalter  findet  sich  bei  Eligius  (anh.  s.  xxxi): 
'nuUtts  observet  egrediens  aut  Ingrediens  domum,  quid  sibi 
occurraty  vel  si  aliqua  vox  reclamantis  fiat,  aut  qualis 
aots  canius  garriat,  vel  quid  etiam  portantem  videat/ 
Gregor,  turon.  7,  29:  ^et  cum  iter  ageret,  ut  consuetudo 
est  barbarorum,  awpicia  mtendere  coepit  ac  dicere,  sibi 
esse  contraria.'  Bestimmter  redet  Johannes  sarisberiensis 
(f  1182)  im  Polycraticus  sive  |de  jnugis  curial.  1,  13,  den 
ich  jedoch  nicht  vollständig  ausziehe:  'si  egrediens  limen 
caicaveris  aut  in  via  offenderis ,  pedem  contine  ....  cum 
processeris,  abscondita  futurorum  aees^  quas  ominales 
vocant,  tibi  praenunciabunt.  quid  comix  loquatur,  dili- 
genter  auscultä,  situmque  ejus  sedentis  aut  volantis  nnllo 
modo   contemnas.     refert   etenim   plurimum,   a  dextris   sit 

^MNiiM  iMjffAol.    8,  ausgäbe,  Do 


10t4  ANGANG 

an   a  ainistris,   qua  poaitione  respiciat  cubilum  gradientiSj 
loquax  Sit  an   clamosa,   an  ailens   omnino,    praecedai  an 
sequatur,  tranaeuntis  exspectet  adventom,  an  fagiat,  qaove 
discedat.     careus  vero,   quem  non  minor!  diligentia  obser- 
vabis,  rebus  majoribus  auspicatur   et  usquequaque  cornici 
praejudicat.      porro    cygnus  .  in    auguriis    ales    gratissima 
nautis,  utpote   quae  aquarum  domestica  quadam  gratia  fa- 
miliaritatis   eorundem   secreta   praenoverit.      Si    avis    quae 
Tulgo  dicitur  albaneUus  (albanel  s.  1084. 1085)  praetervolans 
Yiam  a  sinistris  feratur  ad  dextram,   de  bospitii  hilaritate 
ne  dubites,  si  contra,   contrarium  exspectabis.     leporü  ti* 
mebis  occursum,   lupo  obvio  congratulaberis ;   ovibus  gra- 
tanter  obviam  gradieris,   dum  capram  vites.     bobus  IriAi- 
rantUnUy   libentius   tarnen   aranMus  obviabig.     nee  dispii- 
ceat  si   viam  ruperint,    quia  mora  itineris   bospitii  gratia 
compensabitur.     mulus  infaustus  est,   arinus  inutilis,   eqim 
quandoque   bonus   est.     habet   vero  jurgim'um   et   pugnae 
significationem ,  interdum  tarnen  ex  eolore  et  visu  mitiga- 
tur.      locusta  itinerantium  praepedit  vota,    econtra  dcada 
Viatoris    promovet   gressum.      aratiea  dum   a  superioribas 
filum  ducit  spem  venturae  pecuniae  videtur  afferre.     sacer^ 
dotem   obvium    aliumve   reUgiosum   dicunt   esse   infaostum; 
femmam  quoque,    quae  capUe  (Useooperto  incedit,    infeli- 
cem  crede,  nisi  publica  sit.'    Petrus  blesensis   (f  um  1200) 
epist.  65:    'somnia  igitur  ne,  eures,    nee  te  illorum  errore 
involvas,    qui  occursum  leporis  timent,   qui  muüerem  spar- 
$is    crinibuSf    qui   haminem   orbaium    oculiSy    aut    miUUar 
tum    pede,    aut    cuculatum    habere    obvium    detestantur; 
qui  de  jueundo   gloriantur   hospitio,    si   eis    htpus   occur- 
saverit  aut  columba,  si  a  sinistra  in  dexteram  aeis  s.  Mar'- 
Hni  volaverit,   si  in  egressu  suo  remoHim  audiant  ianürum; 
si   hominem  gibbosum    obvium   habuerint  aut   /eproaiim' *). 
Hartmann  Mst  seinen   mutfesten   Erek   der  gefahr   entge- 
gengehn : 

8122  keins  swachen  glouben  er  phlac. 
er  wolt  der  w!be  lie^ben 
engelten  noch  geniezen. 
swaz  im  getroumen  mähte 


*)  hierzu  mufs  man  Ghryaostomat  (geb.  354  f  407)  ad  popnL  an- 
doch.  hom.  21    (opp.  Etonae  1612.   6,  610)   nehmeo:   nollumq  »S«X- 

if  X^^*^ ovra^    nal    olatviaaro  —  iav    unavTr^a^    n  9tQ  &t9o<;f    tfijai*^ 
angaxroq  tj  t^fifga  ylyvtTtti,.     fuv  SI  dnavx^ajj  nog^ij^    dt^tu   xal  /('y- 


ANGANG  1075 

dar  üf  het  er  kein  ahte ; 

er  was  kein  toefersorgcBre: 

er  sach  im  als  m»re 

des  morgens  über  den  wec  eam 

die  iuweln  sam  den  müsam: 

ouch  hiez  er  selten  machen 

dehein  fiur  tfs  der  spacken 

daz  man  in  dar  an  ssBhe, 

er  phlac  deheiner  spshe. 

ez  was  umbe  in  s6  gewant, 

im  was  der  tisch  in  der  hant 

als  m»re  enge  so  wlt, 

und  swaz  ungelouben  gtt 

dftne  k6rte  er  sich  nicht  an. 
diese  stelle  ahmt  Wirnt  nach,   dem  auch  Wigalois   auszieht 
6182  dahein  ungeloube  in  muote 

in  dem  hüse  noch  üf  dem  wege, 

er  lie  ez  allez  an  gotes  pflege. 

Swaz  im  des  morgens  mder  lief, 

oder  swie  vil  diu  krä  gerief, 

swie  vil  der  müsäre  umbe  geflouc, 

der  ungeloube  in  niht  betreue: 

wander  niht  dar  üf  ahte. 

Wir  haben  maneger  slahte 

bösheit  unde  gelouben, 

d&  mit  wir  uns  nü  rouben 

aller  unser  saelecheit. 

ez  ist  vil  manegem  manne  leit, 

swenne  im  ein  wtp  da%  swert  git, 

daz  lie  der  riter  ane  ntt, 

ern  ahtet  niht  dar  üf  ein  hfir, 

ez  wflsre  gelogen  oder  war: 

er  het  in  gotes  gnflde  gegeben 

beidiu  s61e  unde  leben. 

zwaz  im  des  morgens  ioider  gie 

daz  engefl6ch  der  riter  nie, 

wan  guoten  gelouben  het  er  ie. 
Berthold  p.  58:  'so  gloubent  eteltche  an  b(Bsen  aneganc, 
daz  ein  toolf  guoten  aneganc  habe ,  der  aller  der  werlte 
schaden  tuet,  und  ist  halt  so  unreine  daz  er  die  liute  an 
stinket,  daz  nieman  bt  im  genesen,  mac,  und  daz  ein  ge-- 
wihter  priester  bwsen  aneganc  habe,   an   dem   aller  gloube 

11t sA  gloubent  eteltche  an  den   nUuseam,    s6   ist 

dem  der  hase  übern  wec  geloufen.    Als  ist  ir  unglouben  als 
vil,  daz  sin  nieman  ze  ende  komen  mag.'    hierzu  vgl.  man 

68» 


,  I 


1076  AI^G^NG 

aberg].  128.    Den  ausdrock  anegano  beslätigl  Rudolfs  welt- 
chron.  (cod.  zeisb.  114^)  von  Moses  redend: 

er  verbot  allen  anegancy 

vogelvluc^  stimme  oder  sanc, 

daz  d&  geloupte  nieman  an; 
und   Walth.  118,  16  heifst   es   von   einem   unglückseligen: 
'wizzet,  swem  der   anegenget  an  dem  morgen  fruo,    deme 
g^t  ungelücke  zuo.'     Reinaert  1055   steht  dafür  teMn  ende 
ghemoet   (zeichen   und   begegnung)  *),   Reineke  (Hakemanns 
ausg.)  p.  52  gemöte,   was  man  noch  heute  nennt  Ho  möte 
komen.'     allgemeiner  ist   der  altn.   ausdruck   heiU   (omen). 
Aber   in   einem   eddischen   lied    (SsBm.  184^)   werden   drei 
glückliche  zeichen  für  den  krieger  (beim  schwerleschwin- 
gen ,  at  sverda  svipon)  genannt :  das  erste ,  wenn  ihm  der 
dunkle   rabe  folge  (fylgja   ens  deyqva  brafns)**),    was  an 
den  raben  der  glücksfahne  erinnert  (s.  1066);    die  beiden 
andern  sind  deutlich  angänge,   da    gesagt '  wird  ('ef  ^ü  ert 
üt  umkominrif   ok  ert   ä  hraut  büirm'   (wenn   du    hinaus- 
gekommen und   auf  dem  weg  begriffen  bist),     das  zweite 
nemlich:    Uf)ä  ^A  lltr  fl  tdi  standa  hröirfüsa   halV  (wenn 
du  zwei  ruhmgierige  münner,    d.  i.   zwei  krieger   auf  dem 
Sprung***)  stehn  siehst);  das  dritte:  'ef  I>ü  piota  heyrir  iüf 
und  asklimom,   heilla  audit  verdr  ef  {)ü  ser  f)&  fyrri  fara' 
(wenn  du  einen  wolf  unter  der  esche  Osten  heulen   hörst, 
glück   beschieden  ist  dir,    wenn  du  ihn  dannf)   vorwfirts- 
laufen  siehst),    diese  drei  zeichen  gibt  Hnikarr  (Odinn)  dem 
Sigurd  an.     den  drei  glucks  werden  aber  noch  zwei  un- 
glückszeichen  beigesellt,  das  eine  wenn  der  held  gegen  die 
niedersinkende   sonne    (sldsktnandi    systor   mftna)    kämpfen 
müsse,  das  andre,  wenn  er  beim  ausgang  zum  streit  mii  dem 
fnjse   Btrauchle   (ef  ^ü  foeti  drepr).     Bemerkenswerthe  an- 
gftnge  scheinen  mir  auch  in  den  gesellensprüchen  die  frösche 


*)  Rein.  1107:    salc  mochte  ona  d&er  ghemoelen^ 

hi  90ude  ops  quedden  eode  groet$u^ 
die  ons  Demmerro^  dade  goet. 

**)  Nialssaga  cap.  8.  haben  zwei  blutrficher  glück,  weil  ihneo 
anterwegs  Moei  raben  folgen  (hrafnar  irelr  flugo  med  beim  alla  leid), 
begleiten  sie  altOdinns  boten?  oder  weil  sie  die  nahe leiche  wittern? 
Eb  gibt  noch  andre  «teilen:  krafn  at  meidi  bdtt  kalladi»  S9m.208^; 
hrafn  fl^gr  austan  af  h4  meidi  ok  eptir  honnm  öm  1  sinnL  fornald. 
sog.  i,  428. 

***)  was  heifst  ^  t^i  standa,  sitja  (Saem.  266^»)  spretta  (Sem. 269*) 
genau?  dat.  sg.  oder  acc«  pl.  des  fem.  tä  (digitns  pedis)  kann  es  der 
form  nach  schwerlicb  eein,  ond  scheint  eher  ein  casofl  masc«»  und 
ein  örtlicher  begrif. 

f )  PA  uehme  ich  für  tum  >   eo  momenlo. 


ANGAN6  1077 

im  teich,  die  ruft««,  die  drei  aUen  weiber,  die  Jungfrau  mU 
der  viege  (t.  w«  1,  91.  107.  111).  Ihre  de  superstit.  p.  82: 
ejttgdem  indotis  est,  qaod  Iradunt  nostrates  de  occursu 
hommam  el  animalium,  e.  gr.  ai  cai  domo  aua  mane  egre- 
dienli  ocemrat  mendioue ,  tehria ,  claudus ,  aut  feKi ,  cOr- 
»Ml  eulpetf  lepuSf  scktrue,  \s  dies  inauapicataa  habetur, 
observant  haec  prae  aiiis  sagittarii  et  piacatores,  qui  ejos-^ 
inodi  ominibus  oblatia  haud  raro  domuin  rerertontur  el  a 
proposito  abstinent.  Lasiez  48:  quin  ipse  quoque  res 
Wladislaus  gente  Lituanus  has  a  matre  superstitiones  didi«* 
cerat,  ut  eum  diem  infaustum  sibi  futurum  crederet,  quo 
primum  calceum,  einisirum  fortuito  accepisset.  ad  hoc 
movebat  se  interdum  in  gyrum  gtans  pede  uno,  foras  e 
cubili  proditurus.  quornm  similia  multa  observantur  a  Sa-* 
magitis;  quidam  infeliciter  se  venaturos  sibi  persuadent  si 
domo  egressis  muHer  oceurrat,  seu  quis  certum  numerum 
capiendorum  leporum,  vulpium,  luporum  nominet.  Lucas 
David  (chron.  1,^146.  147)  meldet  von  den  alten  Preursen; 
dafs  sie  den  angang  eines  kranken  fflr  Übel,  eines  reiten- 
den manne»  für  gut,  eines  fuehsee  und  kosen  fOr  flbcfl 
hielten. 

Schwierig  ist  es  in  den  sinn  aller  dieser  einzelnen 
Vorbedeutungen  zu  dringen. 

Zuerst  von  menschlichem  angang,  für  unheilbringend 
gehalten  wird  der  eines  alten  weibe$y  einer  frau  mit 
ßiegenden  kaaren  oder,  was  dasselbe  sagen  will,  aufge" 
töster  hopfbinde  ^).  wem  frühmorgens  ein  oft  it>eib  be- 
gegnet, wer  zwischen  zwei  aüen  tteibem  gehen  mnfs, 
dessen  tag  ist  unglücklich  (abergl.  58.380.791.976).  stOfst 
ein  jfiger  morgens  auf  eine  aUe,  so  legt  er  sich  zu  boden, 
und  sie  mufs  über  ihn  herschreiten,  um  den  schaden  zu 
verhindern  (Volksgebrauch  in  Hessen),  in  der  Schweiz  ist 
wenigstens  auf  neujahr  der  angang  eines  u>eibes  unglücklich 
(ToUer  447^).  Nach  schwed.  abergl.  (53)  ist  alles  begeg- 
nen der  frauen  schlimm,  nur  nicht  das  einer  Afire,  wie  bei 
Chrysostomus  die  nnQ&ipoe  unglücklichen,  die  nogvv  glück- 
lichen tag  bedeutet,  hierzu  stimmt  abergl.  177:  jungfram 
und  ptiesier  sind  übles  zeichen ,  kure  gutes  **).  ihre  redet 
aber   ausdrücktieh   von   einer  tetulaj    womit  Arndts  reise 


*)  oooperire  bedecken ,  discooperire  aufdecken ,  enthüllen ,   ital. 

scoprire. 

**)  gilt  wenigstens  nicht  von  Theodors,  die  den  Byzantinern  ein 
übler  angang  war:  ijv  yt»^  rovq  ogSaiv  uXX»^  t«  nal  n^x^iMiwtjq  ^V^^^c 
ßhoiQ^t»9%  o)«r«c.    Pro«op  bist  aro.  0  (ed.  bonn.  p.  63). 


im  ANGANG 

nach  Schweden  1,  44  stimmt,  und  das  finnische  lied  (Scbrd- 
ters  runen  p.  67);  ^frühmorgens  ausfahren,  dafs  nicht  alte 
toeiber  tnU  krummem  kinn  anschielen.*  Diese  letzte  bezeich- 
nung  führt  oflfenbar  auf  den  begrif  einer  hexe^  das  fliegende 
losgelassene  haar  (s.  1043]  mehr  noch  auf  den  einer  nodU- 
frau  (abergl.  878),  toahreagerinj  heidnischen  priesterinf  vergl. 
die  cimbrische  noXio^^ti  (s.  49).  Veldek  2P  schildert  Si* 
bylla  andfas  (horrida  crinibus),  ^daz  mies  lockehte  hienc  ir 
Oz  den  6ren'  (non  comptae  mausere  comae.  6|  48).  be- 
stätigt wird  diese  ansieht  auch  durch  den  bösen  angang  des 
spinnenden  toeibes  (abergl.  135),  da  die  hexe  feldspinnerin^ 
d.  h.  norn,  parze  ist  (s.  1042).  Schon  Plinius  28, 2 :  pagana 
lege  in  plerisque  Italiae  praediis  cayetur,  ne  mulieres  per 
itinera  ambulantes  tarqueant  fusos,  aut  omnino  detectos 
ferant,  quoniam  adversetur  id  omnium  spei  praecipueque 
frugum.  das  sieht  wieder  recht  nach  den  erkundigungeo 
aus,  die  unsre  göttinnen  über  besponnene  oder  unbespon- 
nene  spindein  anstellen  (s.  247.  252). 

Noch  mehr,  wie  mich  dünkt,  erläutert  sich  dies  durch 
die  gleichstellung  des  geistlichen:  auch  ein  geweihter  prie» 
ster  ist  begegnenden  yon  übler  Vorbedeutung,  dafür  habe 
ich  noch  ein  älteres  Zeugnis  aus  Hincmar  1,  656  beizu- 
bringen: 'sunt  etiam  qui  dicant,  quando  in  venationem 
pergunt,  quqd  Qbvium  sibi  non.debeant  habere  clericum'; 
und  aus  jüngerer  ^eit  führe  ich  an  Reginald  Scotts  witch- 
craft  (Lond.  1665  fol.)  p.  114:  'If  any  hunters,  as  they 
were  a  hunting,  chanced  to  meet  a  frier  or  a  priest^  they 
thought  it  so  ill  luck ,  as  they  would  couple  up  their 
hoonds  and  go  hom,  being  in  dispair  of  any  further  sport 
that  day.'  Paulis  schimpf  und  ernst  cap.  358:  'zu  der  kir- 
chen  gieng  ein  altes  weih  am  morgen  &u,  da  begegnet 
ir  ein  pf^,  da  thet  sie  wol  sechs  creuz  für  sich,  der 
priester  sprach,  warumb  segnet  ir  euch  also  vor  mir?  ich 
bin  doch  nit  der  teufel.  .  die  firau  sprach,  es  hat  mir  mcht 
gefehlet,  wenn  mir  ein  pfaff  bekam  an  einem  morgen  frfi, 
das  mir  den  selbigen  tag  nit  etwas  widerwertigs  ist  zu 
banden  gangen.' 

Wenn  in  einem  kreise  von  leuten  unerwartet  stille 
entsteht,  sagt  man:  'es  geht  ein  priester  vorüber,'  nnl.  'er 
gaat  een  predikani  voorby.'  jedermann  ist  von  dem  omen 
betroffen.  So  heifst  es  auch  in  besserem  sinn:  ein  enget 
flog  durch  das  zimmer,  ^Eg/urjc  ineioiß&e.  in  der  Schweiz 
sagt  man,  es  gibt  schlecht  wetter,  wenn  ein  geistlicher 
ausgeht  (Tobler  436>'). 

Die  plötzliche  erscheinung  eines  .heiligen  roannes  onterr 


ANGARG  1079 

bricht  «od  vereitett  irdisdie  gesdiäfte.  begegnende  waren 
gehalten  ihnen  ehre  zu  erweisen,  vielleicht  schrieb  das  hei* 
denüium  in  diesem  fall  die  sofortige  erfüUung  eines  ritus 
vor?  das  omen  des  heidnischen  priesters  übertragen  die 
Christen  auf  den  christlichen;  das  der  heidnischen  prieste- 
rin  oder  weisen  frau  muste  auf  nachtfrauen  und  hexen 
übergebn,  weil  der  clerus  frauen  von  sich  ausschlofs. 

Warum  eines  blinden  (oder  einäugigen),  hinkenden  und 
betüers  angang  übel,  eines  höckerichten  und  aussätsdgen 
aber  för  gut  galt,  warum  eines  gehenden  begegnung  un- 
günstiger ausgelegt  wurde  als  eines  reitenden  (dän.  abergL 
129),  die  eines  toasser  tragenden  ungünstig  (abergl.  257)? 
der  blinde  und  gemantelte  mahnen  an  Wuotan.  Deutlicher 
scheint,  dafs  man  sich  von  keinem  tret6  das  schtoert  reichen 
lassen  mochte,  und  dafs  in  der  edda  die  begegnung  ^freier 
kriegsmänner  sieg  verkündet. 

Liebenden  muste  der  geliebten  angang  das  erwünsch-* 
teste  zeichen  sein:  Wer  si  des  morgens  angesiht,  den  tac 
im  ttiemer  leit  geschiht.'    Ms.  2,  23^. 

Thierangänge  haben  ihren  Ursprung  in  dem  hirten 
und  jägerleben,  sie  sind  auf  naturanschauung  und  sagen-* 
hafte  meinungen  von  dem  treiben  der  thiere  gegründet, 
über  sie  wird  sich  auch  slavischer,  ehstnischer,  finnischer, 
litthauischer  volkstradition  vieles  sammeln  lassen,  was  mir 
jetzt  entgeht.  selbst  die  nordische  scheint  in  diesem  be* 
tracht  nicht  genau  aufgezeichnet.  Saxo  gramm.  p.  321 
sagt  von  Slaven,  nicht  von  Nordmannen,  'ad  varia  quoqne 
negotia  profectnri  ex  primo  animalis  occursu  votorum 
auspida  capiebant:  quae  si  laeta  fuissent  coeptum  alacres 
iter  carpebant,  sin  tristia,  reflexo  cursu  propria  repetebant.* 
die  thiere  selbst  zu  nennen  unterläfst  er.  Vor  allem  wich-* 
tig  ist  das  eddische  omen  des  heulenden  und  fortgehen^ 
den  wolfs,  den  man  als  siegbringendes  thier  des  Odinn 
ansehen  darf  (s.  634).  damit  treffen  alle  übrigen  Zeugnisse, 
and  noch  der  heutige  aberglaube  zusammen,  dem  tapfe- 
ren, unersohrocknen  walf,  dessen  begegnen  mut  und  hof- 
Rung  einflöfst,  steht  der  feige,  furchtsame  hase  als  nach- 
theiliges, entmutigendes  zeichen  überall  zur  seite.  Sigeb. 
gembl.  ad  a.  1143:  obiit  etiam  Fulco  rex  Hierosolymorum. 
qui  dum  venationi  insistens  leporem  insequitur  ex  improeiso 
sibi  apparenlemy  equus  cui  insidebat  se  super  ipsum  prae- 
cipitem  dedit,  ipsumque  vita  et  regno  privavit.  Yintler 
s.  ui.  'unterwegens  lief  ihnen  von  ungefehr  ein  hase  über 
den  weg;  der  kutscher  ward  betrübt  und  sprach,  dises 
bedeutet  nichts  gutes,     hingegen  wann  ein  wolf  über  den 


low  Arnim 

weg  laafety  ist  es  ein  gutes  zeichen.'  Bttners  unw.  doct. 
575.  576  y  vgl.  Simplic.  2,  74.  Paulis  schimpf  und  ernst 
cap.  138 :  'morgens  furen  sie  hinaus  und  da  sie  schier  su 
dem  wald  hin  kamen ,  sprach  der  knedit,  meister^  es  ist 
ein  wolf  vor  uns  gelaufen ;  der  meiste  sagt ,  er  hat  ihn 
wd  gesehen  y  es  wäre  eitel  glQck*'  Albertini  narrenhatz, 
Hünchen  1617  p.  96:  'abergläubische  stocknarren  erschri- 
cken^  wenn  ein  haas  Über  den  weg,  dartlber  sie  gehen 
oder  reiten  mtissen,  laufet,  denn  sie  vermeinen ,  dafs  sie 
an  selbigem  tag  ein  unglück  ausstehen  müssen.'  Göz  y. 
Berlichingen  in  seinem  leben  p.  179:  'und  wie  wfar  anzo- 
gen, so  hüt  ein  schdfer  allernechst  darbei ,  und  zum  wahr- 
Aetchen'i  so  fallen  fünf  wolf  m  die  schaaf,  und  griffen 
auch  an,  das  hört  und  sähe  ich  gerne,  und  wünscht  ihnen 
glück  und  uns  auch,  und  sagt  zu  ihnen,  glück  zu  lieben 
gesellen,  glück  zu  überall,  und  ich  hielt  es  für  ein  gluck, 
dieweil  wir  also  miteinander  angriffen  hetten'*).  hier  wird 
kein  eigentlicher  angang  beschrieben,  aber  der  sinn  erheilt, 
den  kriegerische  Völker  ursprünglich  hineinlegten,  wolf, 
hirschf  eher,  bär  stehen  einander  in  dieser  bedeutsamkeit 
völlig  gleich  (abergl.  128).  einem  hosen  zu  begegnen  ach- 
tet der  Norwege  für  ein  schlimmes  zeichen,  einem  baren 
oder  wo^  für  ein  gutes.  (Danskes  reiseiagtagelser  1799. 
2,  297).  füglich  geht  hier  der  bär  (den  das  lied  von  der 
rabenhochzeit  den  'ypperste  karl  i  skoven'  nennt)  dem  wolf 
noch  vor**),  des  baren  gedenken  römische  nachrichten 
nie,  wol  aber  des  wolfes;  Plin.  8,  22  sagt:  4nter  auguria 
ad  dexteram  commeantium  praeciso  itinere,  H  pleno  id 
ore  tupus  fecerit^  nullum  omnium  praestantius.*  Plinius 
meldet  auch  welche  Wirkung  die  fufsspur  des  wolfs  habe, 
wenn  ein  pferd  darauf  trete:  tanta  vis  est  animalis,  ut 
vestigia  ejus  calcata  eqiris  afferant  torporem,  28,  10  und: 
rumpi  equos,  qui  vestigia  luporum  sub  equite  sequantur. 
28,  20.  Occursum  leporis  timere  heifst  es  bei  Johann  von 
Salisbury  und  Peter  von  Blois.  aufser  Berthold  und  Hart- 
lieb (s.  Lxi)  gehört  hierher  noch  eine  stelle  aus  cod.  pal. 
841.  163*: 

dar  zuo  sfth  wir  einen  hosen  y 
der  widerfuor  uns  on  dem  weg\ 
dö  d&ht  ich  deiz  niht  eben  teg: 


*)  den  poetischen  eiodruck   dieser  werte  nicht  verkennend   bat 
sie  Göthe  in  seine  dicbtung  aufgenommen. 

**)  auch  dem  reisenden  Türken  ist    der  iroJ/' gunsiiges ,    der  htm 
nachtheiliges  seichen.    Wien  lit  xtg.  18lO.  p.  1257. 


ANGANG  1061 

er  tet  uns  den  Srsten  aneganc, 

wan  das  er  snelle  für  mich  spranc. 
Griechen  und  Römern  scheint  er  gleichwoi  nach  den  um« 
ständen  anch  guter  Vorbedeutung  [aiaios)  su  sein*).  Die- 
sen war  das  fotetel  [YctXfj)  übelberufen:  wenn  es  über  den 
weg  lief,  wurde  eine  öffentliche  versamlung  aufgeschoben 
(Potter  1,  746).  Theophrast  (charact.  16)  sagt,  wem  ein 
wietel  vorbeiläuft ,  der  darf  nicht  weiter  gehn ,  bevor  ein 
dritter  den  weg  beschritten,  oder  er  selbst  drei  steine  vom 
weg  aufgehoben  hat.  auch  centonovelle  cap.  31:  quando 
raomo  trova  la  donnola  **)  neUa  ota.  Des  fuchses  angang 
wird  verschieden  ausgelegt^  nach  jener  stelle  bei  Ihre  für 
Obel,  nach  dem  litth.  abergl.  9  fOr  gut.  Hausthiere,  die 
der  ausreisende  in  seinem  hof  hält,  die  ihm  nicht  erst  im 
wald  aufstofsen,  dienen  kaum  zur  Vorbedeutung:  sie  sind 
2U  gewöhnlich,  zu  zahm  und  abhängig  vom  menschen,  um 
für  ihn  zeichenhafl  zu  werden,  doch  sagt  man,  wer  bei 
frühem  ausgang  sckwemen  begegne,  werde  da,  wohin  ihn 
seine  schritte  führen,  unwillkommen  sein,  wer  aber  scha^ 
feHy  willkommen,  nach  andern  ist  der  wandrer  Willkomm- 
Der  gast,  wenn  ihm  die  schafe  rechter  hand,  unwillkomm- 
ner,  wenn  sie  ihm  linker  hand  aufstofsen.  Bei  den  Etrus- 
kern  wurde,  wenn  der  neue  magistrat  in  die  provinz  zog, 
auf  die  begegnung  von  pferden  und  ochsen  geachtet.  (0: 
Hüller  2, 118).  man  vergleiche  die  Weissagung  durch  p/isrds 
(s.  627.  628),  die  freilich  auf  keinem  zufälligen  treffen  des 
thiers  beruhte,  wobei  es  aber  auf  das  ansetzen  seines  rech'- 
ten  oder  IMen  fufses  ankam,  ein  beispiel  ist  aus  Procop 
de  b.  pars.  2,  5  p.  172  beizufügen. 

Noch  feiner  ausgebildet  als  der  angang  vierfüfsiger 
thiere  war  die  beobachtung  der  tögel^  denen  freiere,  un- 
gehemaitere  bewegung  durch  die  luft  an  sich  schon  etwas 


*)  Gastias  Dio  62,  6  (Reim.  1006.  \007):  Tuvra  linovaa,  Xaymv 
ßtiw  in  Tov  xoXffov  nQ^tjumro   (j/  Bovt^ovtma^    eine  Britio)    fiarttUf  Ti»l 

^o&^v  avtßQifOt*  sonst  bei  Suidas:  ^avti^  q  lay^^  dvazvxt^i  noitV 
xq  ißov  q.  Als  die  Deutseben  anter  könig  Arnalf  einen  aufgesehreck-^ 
ien  hosen  jagten,  nahmen  sie  Rom  ein  (Liutpr.  1,  8),  doch  hasenja- 
gende Dänen  geriethen  in  die  flacht  (Neooorus  1,  353;  eine  kaiie 
nennt  hier  Detmar  1,  164).  Vom  basen  geleckt  zu  werden  gilt  für 
gänstig :  *meinete  es  habe  ihn  ein  ha§e  geleiAet'  tr6delfraa  1682  p.7l. 
**)  das  fräMin,  bair.  miieiiieMi»  (Schm.  2,  576),  $ehönihierU 
(Schm.  3,  369),  span  comadr^a  (Reinb.  ggxxiy),  dfin.  dm  kj&nme  (pal- 
chra);  alle  diese  namen  bezeugen  die  heimlichkeit  des  thiers.  serb. 
heifat  sie  lasitza,  man  redet  sie  aber  mit  der  koseform  lasa  an :  laso 
laaitsohilse  \ 


1082  ANGANG 

wunderbares  und  geisterhaftes  verlieh.  Die  Griechen  hat- 
ten eine  umfassende  olmvioiiHtj  (Soidas  s.  v.),  die  Römer 
systematische  ampidennM  ati^urjen  *).  böhm.  ptaAopro^ 
fßM  augurari,  ptakowestec  aogur,  poln.  ptaszewiessczek. 
Auch  den  deutschen  Heiden  galten  vögel  für  boten  der 
götter  and  ffir  verkündiger  wichtiger  nachrichten.  ^welcher 
togel  hat  dir  das  in  die  obren  getragen?'  heifst:  wer  hat 
dir  das  weis  gemacht ,  in  den  köpf  gesetzt  **)•  Mas  hat 
mir  ein  togel  gesungen',  ^jag  hörde  en  fogel  sa  sjunga,  en 
fogel  var  hfir,  och  sade  för  mig  det  eller  det/  Ihre  de 
superst  p.  51.  Neugriechische  und  serbische  Volkslieder 
werden  nicht  selten  erüfnet  durch  fliegende,  sich  nach  ver- 
schiedner  sette  drehende  und  unterredende  f>ögel  (Wb. 
Müllers  saml.  1,  66.  102.  2,  164.  178.  200.  Yuk.  3,  326). 
zwei  schwarze  raben  (dva  vrana  gavrana)  krächzen  auf 
dem  weifsen  thurn  (Vuk  2,  151).  Von  dem  weissagenden 
rufe  des  kukuks  ist  s.  640  ff.  gehandelt ;  er  gehört  auch  zu 
dem  angang,  da  reisenden  seine  stimme  unvermutet  im 
wald  erschallt,  erschallt  er  rechts,  so  ist  es  gutes  zeichen, 
wenn  links  ein  übles.  Plin.  30,  10:  aliud  est  cuculo  mira- 
cuium,  quo  quis  loco  primo  audiat  alitem  illam,  si  dezter 
pes  circumscribatur  ac  vestigium  id  effodiatur,  non  gigni 
pulices,  ubicunque  spargatur;  man  vgl.  s.  1047  über  das 
ausschneiden  der  vestigia.  Augwia  aeinm  berührt  der 
indic.  superst.  XIII.  bei  Eligius  (s.  xxix):  'nee  in  üinere 
posiH  aliqnas  aoiculas  cantantes  attendatis.'  vögel,  deren 
begegnen  weissagsam  ist,  heifsen  wegeögel  (abergl.  600), 
vorzugsweise  geschickt  dafür  waren  aber  die  krimmenden 
raubeögel  (rapaces  aves),  die  über  andere  vögei  ^eg*  er- 
rangen, folglich  auch  den  beiden  siegeserfolg  weissagen 
konnten***);  weshalb  auch  in  träumen  raubvögel  die  erste 
rolle  spielen.  Eine  stelle  bei  Procop  de  hello  goth.  4,  20 
(ed.  bonn.  2,  560.  561)  zeigt,  wie  früh  dieser  aberglaube 
unter  deutschen  Völkern  statt  fand.  Hermigisel,  könig  der 
Warner  erblickte  über  feld  reitend  einen  vogel  (der  nicht 
näher  angegeben  ist)  auf  einem  bäum  und  hörte  ihn  krä- 
hen (es  war  also  wol  rtAe  oder  krähe),  auf  vogelgesang 
sich  verstehend  sagte  der  könig  seinem  gefolge,  es  werde 
ihm  sein  tod  nach  vierzig  tagen  geweissagt  f ).    Dem  Sigurdr 

*)  Jnl.  Gaes.  Bolenger  de  aagoriiB  (Graeyii  thes.  5).  . 

**)  westpbäl.  *wecker  vaugel  heft  dik  dat  inoer  aoren  ebangea?* 
SIennerhinke  p.  8. 

**')  Frid.  Gull.  Schwarte  de  aDÜqnisa.  Apollinis  natura.  Berol. 
1843  p.  1^6.       ^         ^ 


ANOANO  1083 

weissagen  igSer  auf  den  bflumen  (a.  637),  es  ist  unausge- 
macht  ob  es  schwalben  waren,  vielleicht  adlerinnen?  Dagr 
hat  einen  klugen  Sperling  (Ingl.  saga  cap.  21).  Im  altspa- 
nischen Cid  bezeugen  uns  mehrere  stellen  die  Wahrnehmung 
der  ¥ögel:  867  al  exir  de  Salon  mucho  ovo  buenas  aoes; 
2376  con  dios  e  con  la  euesira  auce;  2379  con  ia  buen 
auce. 

Und  wie  bei  den  alten  die  rechte  oder  linke  seite  des 
anflugs  hauptsächlich  berücksichtigt  wurde,  erklärt  auch 
Hartlieb  (s.  lxi)  fliegen  stir  rechten  hand  für  glücklich,  zur 
linken  für  unglücklich.  Der  cuiler  müsse  dem  wandernden 
taschenhalb  fliegen,  d.  h.  zur  seite,  wo  die  reisetascbe 
hängt,  aufser  dieser  stelle  finde  ich  den  ar  nicht  genannt, 
wol  aber,  bei  Hartmann,  Wirnt  und  Berthold,  den  müsar, 
nach  Beneckes  wb.  zu  jenem ,  eine  art  kleiner  raubvögel, 
welcher  bei  Burchard  (xxxvhi)  muriceps  genannt  und  erklärt 
ist.    im  gedieht  von  dem  übelen  wlbe,  297-301: 

swenne  ich  nftch  gewinne  var, 

so  ist  dürft  daz  mir  der  müsar 

über  die  siräte  tliege 

und  mich  des  niht  entriege, 

ob  ich  ir  niht  enbringe, 
d.  h.  wenn  ich  nichts  bringe,  kann  ich  mich  nur  damit 
entschuldigen,  das  über  weg  fliegen  dieses  vogels  ist  gün- 
stiges zeichen.  II.  10,  274  bringt  ein  rechts/Uegender  rei^ 
her  (iguiioc)  glück.  Der  rabe,  ein  siegvogel  der  Heiden, 
wird  aufser  jenen  nordischen  stellen  (s.  1076)  als  begleitend 
beim  angang  nicht  genannt,  desto  häufiger  die  krähe. 
glücklich  war:  si  comicula  ex  sinisira  in  dexteram  cantave-* 
rit  (anh.  s.  xxxvni),  bei  Petrus  bl.  ebenso,  nur  volaterit 
statt  cantaverit;  kolocz.  146  heifst  es,  von  hindern,  die  in 
stetem  wolleben  erzogen,  nie  die  macht  des  Schicksals  em- 
pfunden haben:,  'si  enwizzen  toannen  die  krän  sint  ge- 
flogen'  Walth.  94,  39  'ein  unsceligiu  krd  begonde  schri- 
en.' HS.  2,  80*  ^ez  hab  ein  swerüu  krd  gelogen.'  hin- 
gegen: 'alba  solet  eomix  aSectum  seire  tacentis.'  Reinard. 
2,  657.  auf  die  krähe  hat  man  den  Martinseogel  gedeutet, 
dessen  flug  bei  Petrus  bles.  und  Renart  10472.  Reinaert 
1047.  Reineke  942  bedeutsam  geschildert  wird.    nachNem- 


ie64  ANOANO 

nidi  wftre  jedoch  der  faico  cyanc^us,   ein  kleiner  raubvogel 
MarUns  vogel,    nnL  g.  Härtens   TOgel|   franz.   roisem  s. 
Martin y   span.  pajaro  s.  Martin;   das  wiirde  sich  auch  zum 
albanelbis  (franz.  hanbereau)   des  Job.  sarisb.   fügen,   der 
gerade  auf  hospilium,  wie  Martinsvogel  im  Reinh.  bezogen 
ist.      in   den    gewöhnlichen  legenden  von  Martinns,   dem 
doch  der   vogel  etwas  augetragen   haben  mufs,   finde  ich 
keinen  aufschlufs.     auch  dem  Vintier  (s.  lv)  ist  samt  Mar-' 
Htvogel  heilbedeutend;    fast  darf  diese  lesart  zu  der  Ver- 
mutung  führen  Martini  avis  sei   aus  Mortis  avis   verderbt^ 
dann  wäre  es  der  specht,    das  MänafülK  (s.  638)?  Ls.  3, 
543  heifst  es:    satU  Martins   vögalin  diu  machent  mangen 
umbecreiz;  in  einer  andern  (schon  Reinh.  cxzvn  ausgehob- 
nen)  steile  einer  pfälz.  hs.  steht  wiederum  MerHfs  vogelin 
und  es  wird  angeführt,  dafs  es  zum  frau  Venus  borg  weise, 
was  seine  mythische  natur  steigert,    unsre  kinderlieder  ge- 
ben dem  s%Me  Martens  eögelken  bald   rothen   rock,   bald 
goldnen  flügel;   sie  werden  aber   auf  den  Vorabend  Hartini 
gesungen  und  weisen  wieder  auf  den  heiligen,    ich  erlange 
also    über    den   vogel    keine   Sicherheit.     Von    der  krähe 
zeugen  andere,   alte   und  neue  stellen.     Virg.  ecl.  9,  15: 
ante    sinistra  cava   monuisset  ab  ilice  comix.     im   poema 
del  Cid  11.  12:   ovieron   la  cometa  diestra  und  siniestra. 
in  jener  stelle  vom  oiseau  s.  Martin  heifst  es  Renart  10473: 
assez  si  le  hucha  i  destre^   et  li  oisiax  vint  ä  senestre,^ 
die  alten  gedenken  auch  des  raben:  'non  temere  est,  quod 
careus  cantai  mihi  nunc  ab   laeta  moiitf,   semel   radebat 
pedibus   terram  et  voce  erocibat  sua.*     Olaf  Tryggvason, 
wenn   gleich  Christ,   beachtete,  ob   die  krähe  (krftka)  auf 
dem  rechten  oder  auf  dem  linken  fufs  stand,  und  weis^ 
sagte  sich   daraus  gutes  oder  bOses;  seine  feinde  nanntea 
ihn  darum  kräkabein.     hüngrkräka  altn.  eine  hunger  weis- 
sagende   krähe,   ülmtriskrdka  die  schlechtes   wetter  an- 
kttndet.     oento  nov.  ant.  32:  segnor,  je  vil  una  camaC" 
ehia  in  uno  cieppo  di  salice.  or  mi  di,   donna,  verso  quäl 
parte  teneta  f>olta  la  eoda  f    ^segnor;  ella  avea  volta  verso 

ii  cur  •). 

Auch  der  sipeokt  war  ein  heiliger  vogel  (s.  638);  in 
Lindenblatts  chron.  p.  31:  'ir  jpeJU  hatte  ntcAl  rechJt  (d.  h. 
nicht  zur  rechten  seite)  geflogen.'  den  Römern  galt  die 
schreiende  forra  (grünspecht?  kibitz?]  für  unheilvoll:  im- 
pios  parrae  recinentis  omen  ducat.     Hör.  carm.  lü.  27,  1 


*)  me  rba  Taticinato  la  optimccAms  che  la  mia  belia  doQua  m'iQ- 
finoccbia.    Tommaaeo  1,  224« 


ANGAMG  10S6 

ond  Plant  As.  II.  1,  12;  picos  et  cornix  est  ab  laeva,  cor* 
vus,  pwra  ab  dextera.  In  Schweden  ist  der  fing  des  hm 
(nach  Ihre  einer  art  reiber)  yorbedeutsam  (abergl.  94).  Sieht 
man  die  ehter  eon  tarnen ,  so  ist  das  zeichen  gnt,  von 
hmteny  schlimm  (abergl.  158).  Wer  frühlings  die  erste 
schwalbe  erblickt,  steht  alsbald  (auf  seinem  weg)  still,  and 
gräbt  eine  kohle  aus  der  erde  (anh.  s.  uii.  abergl.  217), 
wie  man  die  fufsspur  auf  der  stelle,  wo  man  den  kukuk 
vernahm,  ausschnitt  (s.  1082)*).  Hs.  2,  118»  208^:  'nu  jär- 
lanc  stdt  vil  hoch  mtn  muot,  ich  h6rte  den  sttezen  sanc  von 
einer  swahoen  da  st  flaue.'  in  Dänmark  schaut  das  dienst- 
volk,  ob  sie  den  storch  zuerst  im  jähr  fliegend  oder  stec- 
hend treffen  (abergl.  130).  Beim  frosch  kam  es  darauf  an, 
ob  man  ihn  zuerst  auf  dem  land  oder  im  wasser  hüpfen  sah 
(abergl.  237).  Auch  einer  kalUen  oder  gerupften  hinne  zu 
begegnen  galt  für  übel: 

enmi  sa  voie  a  encontr^e 

une  geUne  pielie^ 

qui  pasturoit  en  la  charriere; 

a  poi  ne  sen  retame  arriere, 

por  ce  quil  t  entendait  sart; 

k  ses  piez  trueve  un  baston  tort, 

k  la  geline  lest  aler, 

et  ele  sen  prist  &  voier, 

en  son  gelinois  le  maudist 

'honte  li  viegnel',  et  il  si  fisl. 
zu  dem  angang  gehörige  stellen  aus  provenz.  dichtern  hat 
Diez  (leben  der  troub.  p.  22.  23)  gesammelt;  sie  beziehen 
sich  auf  rabe,  krähe  und  mehrere  falkenarten  [dlbanel, 
gaoanh)^  ihr  rechter  oder  linker  fflug^  ihr  gehen  oder  honh- 
men,  schreien  oder  schweigen  entschied: 

los  destres  e'ls  senestres,  los  anans  eis  venens, 
(falbanel,  de  gatanh,  d*autras  auzels  ferens, 
del  corp  e  de  la  gralha,  los  cridans,  los  tacens. 
(poes.  der  troub.  p.  221).    Man  möchte  ausführlichere  künde 
dieser  vogeldeuterei^   wie  sie   im   mittelalter  geübt  wurde, 
haben  •*). 

*)  quam  ^mo  hirundinBm  tidmis,  hoc  die  ter :  *rogo  te,  hiraudo, 
ut  boc  anno  oculi  mei  non  lippeantl*  fundgr.  1,  325. 

**)  die  heidnischen  Araber  beachteten  den  Togelflng,  »eoer  und 
Ijavet  sind  zwei  fast  gleichbedeutende  ausdräcLe,  «#yer  wird  gebraucht, 
wenn  man  mit  einem  stein  nach  dem  TOgel  wirft  und  ihm  zuschreit : 
fliegt  er  dann  ein«m  zar  reehUn  band ,  so  ista  ein  gutes ,  wenn  mr 
Üniem  ein  böses  zeichen,  'i^aoet  ist  allgemeiner  die  deutnng  der  nah- 
men anfstofsender  Tögel,  ihres  niederlassens,  ihrer  rufe«  gipfel  dieser 
Wissenschaft  scheint  die  vogehprachkundcf  die  Yon  Salomos  Zeiten  her 


1086  ANGANG 

In  unserm  alterthum  scheint  aucb  der  überflug  einigelr 
Vögel  bedeutsam.  Ms.  2,  P  von  der  Ddringe  herren:  *ob 
ime  ein  adelar  zailen  ztten  ist  mit  hSken  fügen  gewesen.' 
gefeierten  helden  gaben  adler  schatten  vor  der  sonne  durch 
überbreiten  ihrer  flügel:  als  die  heidnischen  boten  zu  Carls 
halle  *)  kamen,  sahen  sie  ^daz  die  adelaren  dar  zu  gewenit 
wAren,  daz  si  scate  bdren.'  Rol.  21,  20.  dies  verbindet 
sich  offenbar  mit  dem  adler  fiber  Carls  palast  (s.  600),  viel- 
leicht auch  dem  in  Odins  saal(S£em.  41").  der  überschwe- 
benden taube  wurde  s.  135  erwähnt,  supervenire  und 
obumbrare  ist  selbst  biblischer  ausdruck.  dem  'drüpir  örn 
yfir'  zur  Seite  setze  ich  eine  wichtige  stelle  HävamAls 
S©m.  12*); 

dtninnis  hegri,  sA  er  yfir  öldrom  firumir^ 

haiin  sXelr  gedi  guma ; 

f)ess  fugis  fiödrom  ec  fiötradr  varc 

!  gardi  Gunnladar, 
(oblivionis  ardea,  qui  super  symposiis  stridet  mentemque 
hominum  furatur;  ejus  avis  pennis  captus  sum  in  domo 
Gunnladae).  es  sind  werte  Odins,  der  sich  bei  Gunnlöd 
in  vollen  Zügen  nectars  berauscht  hatte  (s.  856]  und  als 
adler  entfliegt,  öminnis  hegri  umschreibt  den  göttlichen 
vogel.  hegri  steht  für  hdgri,  hrögri,  ags.  hrAgra,  ahd.  hei- 
giro  und  hreigiro,  iQujdiog,  ein  grofser  vogel  statt  des  an- 
dern. Als  Odinn  den  ersehnten  trank  schlürfte  und  der 
schönen  riesin  theilhafl  wurde,  fesselten  ihn  adlersschwin- 
gen,  d.  h.  erschien  er  in  adlergestalt;  wie  ähnlich  ist  alles 
das  dem  mythus  von  Zeus,  der  in  adler  verwandelt  Gany- 
medes  raubt,  und  sich  von  ihm  den  nectar  einschenken 
Ififst  ••). 

Bei  den  Römern  hatte  sich  ein  eignes  System  von  vo- 
gelweissagung  ausgebildet,  das  nicht  auf  den  flug  des  wil- 

im  Orient  noch  nicht  in  Tergesseoheit  gerathen  ist.  der  rabe  gilt  für 
eineo  uoglücksboteD.  (Rückerls  Hariri  1,591.592).  Auch  über  indi- 
sche augurien  wären  ?iele  stellen  mitzutheilen.  im  Ramajana  einmal : 
hae  aves  tibi  declarant  horrendum  pericalum  imminere.  [Schlegels 
ind.  bibl.  2, 225).  Ein  schaler  schrieb  alle  yerdriefslichkeiten,  die  ihn 
den  ganzen  tag  über  Terfolgt  halten,  dem  umstände  zo,  dafs  früh^ 
morgen»  eine  schlänge  TOr  ihm  über  den  toeg  gekrochen  war. 

')  die  Schilderung  dieser  halle  und  der  eindrucke  den  ihre  pracht 
auf  die  fremden  machen  moste,  gleicht  aufserordenüich  dem  was  bei 
Gjrifis  besuch  in  Asgard  rorgebt.  Sn.  2. 

**)  und  aus  jenen  Worten  HAramAls,  in  welchen  der  erhabenste, 
rausch  der  Unsterblichkeit  und  zugleich  dichtkunst  geschildert  wird, 
machen  die  nordischen  ausleger  eine  bescbreibung  gemeiner  trunken« 
heit,  Tor  deren  folgen  ein  isflind.  unter  dem  titel  öminnis  hegri  ab- 
gefafftea  gedieht  warnt. 


HONER.    LE1GHV06EL  1067 

1 

den  gcvögels,  vielmehr  das  hausgeschleeht  der  hüner  be- 
rechnet war.  Die  Griechen  übten  eine  aXeHtgvo/navtelay 
so  dafs  man  körner  auf  die  buchstaben  des  alphabets  legte 
und  von  einem  hahn  wegfressen  liefs.  Einfacher  war  die 
römische  Weissagung  aus  gierigem  und  trägem  fressen  oder 
nichifressen  junger  hüner,  jede  legion  hat  ihren  pullarius, 
der  die  hüner  erzog,  fütterte  und  bewahrte;  der  consul 
stellte  das  augurium  in  seinem  haus  oder  zeit  an:  'puIlis 
regitur  imperium  romanum,  hi  jubent  acies'  sagt  Plinius 
10,  24*).  Man  beachtete  aber  sonst  auch  geschrei  des 
hahns  und  der  henne.  ^gallina  cecinif  wird  in  Terent. 
Phormio  IV.  4,  30  unter  andern  Übeln  zeichen  für  den 
hocbzeiter  genannt:  nach  Donats  glosse  bedeutete  es,  supe- 
riorem  marito  esse  uxorem.  unserm  abergl.  (83.  franz.  23) 
schien  eine  wie  hahn  erkrähende  henne  gleichfalls  ein 
greuel.  Vernahm  die  lauschende  unter  dem  hahnbalken 
den  krat  des  hahns,  so  war  die  Weissagung  günstig/  schrie 
die  henne  ^  ungünstig  (abergl.  105.  1055);  gleiche  bewandt- 
nis  hatte  es  um  den  fallenden  mist  des  hahns  oder  der 
henne  (230).  Auch  den  gänserich  liefs  man  weissagen 
(abergl.  847).  Die  Ehsten  unterscheiden  geflügel  mit  räu- 
chern und  unbedecktem  fufs  (abergl.  95). 

Oft  ist  es  auch  nicht  der  wegvögel  fing,  der  vierfüfsi- 
gen  thiere  angang,  sondern  ihr  erscheinen,  ihr  aufenthalt 
an  der  wohnstätte  der  menschen,  die  ihm  heil  oder  Un- 
heil weissagen.  Schwalbe  (franz.  abergl.  9)  und  storch 
sind  glücksvögel  (s.  638),  storche  sieht  man  gern  auf  dä- 
chern  nisten  (abergl.  215).  wer  frühlings  den  storch  zuerst 
fliegen  sieht,  soll  eine  reise  unternehmen.  Den  Letten  war 
die  meise  günstiger  Vorbedeutung,  sie  heifst  sihle,  und 
sihleht  ist  weissagen  (s.  648).  Wiesel  oder  schlänge  auf 
dem  dach  sind  nachtheilige  zeichen  (Suidas  s.  v.  Sivongd- 
717$:).  'anguis  per  impluvium  decidit  de  tegulis.'  Terent. 
Pborm.  IV.  4,  29.  Nagende  maus  (abergl.  184).  Ungün- 
stig oder  zweideutig  sind  rabe,  krähe y  elster  auf  kranken^ 
häusem  (abergl.  120.  158.  496). 

Es  gab  leichcögel^  trauervögel,  deren  erscheinung  tod 
und  sterben  verkündet,  ich  vermute,  den  Gothen  war  die 
turteltaube  mit  ihrem  weheruf  ein  solcher,  weil  sie  sie 
hrdivadubd  (leichentaube)  nennen,  rgvywv  und  turtur  geben 
nicht  diesen  nebensinn,  dervogel  trauert  nur  um  den  todten 


*)  ark.  TOD  788  bei  Marini  no.  56  p.  94 :   et  all»  multa  de  vestra 
iDfidelitate  cogooTimiiB  ad  pullorum  comium  (I.  cantum). 


14)68  LBIGHBNVOFBL 

gatten  *) ;  sagen  von  ihr  sasammengestelU  sind  Aw,  3,  34. 
Vor   allen  gehört  hierher,   auch    ein   wegvogel,   die  euk 
(abergl.  789.  franz.  8).    Hartmann  stellt  ihren  flug  über  den 
fcec  dem  des  müsarn  entgegen,  wie  dieser  heilsam,  scheint 
er  Unheil  gewesen  zu  sein,  Ms.  2,  174  heifst  es,  dafs  der 
iuweln  fluc  der  weit  nicht  fromme.  Ovid  met.  5,  550: 
foedaque  fit  volucris,  venturi  nantia  luctus 
ignavus  bubo^  dirum  mortalibus  omen. 
hier  greifen  Verwandlungen  ein.     die  eule  war   ein  ver- 
wünschter mensch,    und  striXf   eirinx  (*e   tecHs  strix  vio- 
lenta  canat.'  Tibull  t.  5,  52),  bruxa  bezeichnen  zugleich  den 
vogel   und  die  nachtfliegende  hexe  (s.  992).     ^uMae^  upu- 
pae,   buboneSf   toto   anno  in  tecHs   funebria  personantes\ 
oben  s.  449«     'male  ominatos  canhu  ulularwn.*  chron.  s« 
Trudonis  s.  379,   das  ahd.  hokrüna,  hokmucja,  hobmuwo 
(gl.  flor.  988»>  996»»  sumerl.  10,  65.  27,  44.  29,  74)  über- 
tragen  lamia,  drücken   aber  mehr  klagende,   weissagende 
Vögel  oder  geister  (beiderlei  geschlechts)  aus,  deren  stimme 
im    wald ,    flüsternd ,    raunend    und    muhend    vernommen 
wird  (s.  404).    daher  nun  auch  die  benennung  klagmuAmsj 
klagmuttcTj   klageweib  ^*).     im   ackermann  von  Böhmen  p. 
38  (Hag.  ausg.)  ist   klagmut  in  klagmuoter  zu  bessern;  am 
Oberbarz    bedeutet    kSigmuiier,    klagtoeib,   kUigefrau    ein 
gespenstiges,  aber  fliegendes  wesen  (Spiels  archiv  2,  247). 
anderwärts  heifst  es  die  wehklage  (abergl.  863),    leichkuki^ 
grabeuhf   todtencogelf   im  Braunschweigiscben   der  täpsch^ 


*)  die  Langobarden  errichteten  aaf  ihren  kirchhöfen,  neben  den 
gribern,  Stangen  (perlieaa)  för  tbre  blatsTerwandten,  die  im  krieg 
oder  in  der  fremde  gefallen  waren:  auf  die  spitze  der  atange  wurde 
das  hölzerne  bild  einer  taube  gestellt,  die  (mit  dem  köpf  oder  schna- 
bel)  in  die  gegend  schaute,  wo  der  geliebte  begraben  lag.  Paul. 
Diac.  5,  34,  das  gemahnt  an  die  drehnng  des  adlers  aaf  dem  dache 
(s.  600].  die  taube  stellte  den  wehklagenden  verwandten  Tor,  der  die 
Stange  aufrichtete,  statt  der  taube  dient  den  Serben  noch  heute  ge- 
rade so  der  klagende  hukuk  (s.  646).  auf  dem  klafterbohen  hölzer- 
nen grabkreuze  werden  so  viele  kukuke  abgebildet,  als  angehörige  uod 
besonders  Schwestern  um  den  todten  trauern,  ein  mädchen,  dem  der 
bruder  gestorben  ist,  kann  den  kukuk  nicht  rufen  hören  ohne  in  hef- 
tige Ihränen  auszubrechen ;  kukumene !  ist  wehklagende  interjeclion. 
Montenegro ,  SluUg.  1837  s.  99.  tOO.  Die  ganze  anfsleckung  der 
tauben  und  kukuke  erinnert  an  die  der  pferdehäupter  auf  Stangen 
und  dfichern  (a.  625.  626),  der  adier  auf  dächem  (s.  600), 

**)  den  lausitzischen  Wenden  heifst  die  wehklage  boie  sedleike 
(gottes  stülcfaen,  sitzchen)  und  erscheint  entweder  als  u>eifee  kenne 
oder  als'  schönes  weijses  kindf  das  durch  klagendes  geschrei  und  wei- 
nen bevorstehendes  ungluck  verkündet,  auch  den  Böhmen  ist  seeBitho 
sitz  und  zugleich  alp,  Irud,  vielleicht  weil  der  dämon  aufsitzt  (incnbus). 


LEIGHENTOGEL.    TQtlZEIGHBN  lOM 

seines  fanlen,  langsamen  flopi  wegen  (breunschw.  am.  1746. 
p.  236),  ignacus  babo,  was  auch  an  den  sinn  des  alten 
feig  (moribandus)  erinnert.  Leichenverkändend  ist,  wenn  der 
rabe  koppt  (anh.  lv),  wenn  ht^n  und  huhn  streb  schleppen 
(ehstn.  abergl.  77),  wenn  der  gahdroi  sein  haupt  vom 
kranken  abwendet  (s.  813). 

Auf  ähnliche  weise  zeigen  andere  tbiere  den  todesfall 
an.  wenn  das  pferd  des  gerufnen  geistlichen  sein  haupt 
senkt  (ehstn.  abergl.  35);  wenn  ochs  und  kuh  von  schwar- 
zer färbe  im  haus  geschlachtet  wurden  (abergl.  887),  was 
noch  mit  altem  opferbrauch  zusammen  hängt,  der  in 
menschlicher  wohnung  aufwühlende  maubourf  (abergl.  555« 
601.  881),  die  zirpende  griUe  (555.  600.  930)»),  der  ti- 
ckende holiwurm  (901),  wenn  mause  schlafenden  am  kleid 
nagen. 

Weissagende  ameisen  (schwed.  abergl.  88.  ehstn.  99). 
anlauf  der  spinne  frühmorgens  ist  ungünstig;  es  gibt  aber 
auch  glückspinnen  (abergl.  134).  Bienenschwärme^  an 
bäu^r  sicli  anhangend,  bedeuten  feuersbrunst  (s.  160)  oder 
Unheil^*),  bekannt  sind  die  schon  im  iager  des  Drusos 
erschienenen  (Plin.  11,  18.  Gassius  Dio  54,  33.  Jui,  Ob«« 
sequens  de  predig.  1,  132).  auch  dem  herzog  Leopold 
von  Ostreich  verkündeten  sie  1386  den  Verlust  der  Sempa-» 
eher  Schlacht  voraus:  'da  kam  ein  imb  geflogen  in  dlinden 
er  genistet  hat,  ans  herzogen  waffen  er  flog  als  de  der 
aelbig  herzog  wol  für  die  linden  zog:  das  (Uiuiet  främbde 
gtste,  so  redt  der  gmeine  man.'  Wackern*  leseb.  703« 
Heuschreckenaiige  lAnd  sonst  Vorzeichen  /r^M»£fer  gaste  (Ju«^ 
stinger  p.  160,  vgl.  271)  und  reicher  sabnenfcmg  (das.  379). 
andere  anzeichen  nahender  gaste  abergl.  71.  72.  73.  889» 
I0t8.  schwed.  63. 

Oft  können  leblose  dinge  zumal  elemente  onen  erge*» 
ben.  flammen  j  die  sich  den  kriegern  an  hebn  oder  speer 
ipetzten  (s.  868),  waren  sieges  Vorzeichen  (rh^Q  ovft^ßoXov). 
ein  solches  feuer  nennt  Sasm.  110"*  ^,  ohne  seinen  sinn 
anzugeben:  ^hyr  leingi  mnn  A  brodds  oddi  bifaz.'  deutli- 
cher S©ro.  151* :  '^af  geirom  geislar  slööo.'  Tac.  ann.  12,64 
^signa  militum  arsere';  15,  7  'pila  nülitum  arsere.'  Pröcop 
de  b.  vand.  2,  2:  läv  do^dt^av  amois  fd  anga  nvgl 
noXXtp  natsXdßtneto  nal  titvtmv  al  o/j(/iai  ««cco^a« 
in)  nXeioTOv  o(piaiV  idoxovv*  Greg.  tur.  mirac.  MaH.  1, 10: 

*)  mweiUn  bedenten  die  kdmem  odar  piüm  9moh  fatadiche«  ga* 
deihen  fabergl.  3t8.  609). 

**)  examMi  Bfßam  id  arbor^  praetorio  imminente  consederat.  Lnr. 
21,  4^.     fiatlghim  <sapilolii  exanran  apium  JDaedit«    Tao.  ano.  1*2,  $4. 

Orimms  mythol.    3*  auggahe,  69 


190«  -/    '  '      YORZBiepfil^/ 


1.  I .  I 


^Aiim  hg8C  ager^entttr  diiae  puerorum  lanceoß  em^sk  ßtm" 
mis  lumen.  euiUibus  praebuerunt,  ibantque  fulgurantes 
kastae*  im  j.  1620  vor  de^r  Prager  schlacht  setzte  sich  ein 
irtoücft  auf  das  obersten  fabne  und  galt  für  ein  Vorzeichen 
des  sieg9»  das  ist  auch  die  fianune  der  I^ioskuren.,  die  auf 
den  mästen  der  schiiTe  erscheint,  ein  rettendes  zeichen  in 
Sturmes  noth.  Das  niesende  licht  ^  der  überspringende 
br<md  (abergl«  889)  bedeutete  wieder  gaste;  erlöschendes 
lichl  tod  (abergl.  150),  rosenbrennendes  glück  (252).  ö( 
oder  wein  terschüttet,  wasser  unter  den  tisch  gegossen 
war  den  alten  jenes  ^ein  günstiges,  dieses  ein  ungünstiges 
zeichen,  wenn  der  tisch  krachte,  die  balken  knarten^  zog 
man  ;daraus  die  schlimmste  Vorbedeutung  [Dempster  3,  9). 
versiegendes  oder  steigendes  wasser  bedeutet  sterbfall  oder 
hungersnoth  (s.  558).  prasselndes  feuer,  verschüttetes  sab 
y erkundigen  streit  (abergl.  322.  534.  64.  535).  man  halte 
die  mythische  auslegung  der  knisternden  flamme  (s.  222) 
dazu,  der  gott  ist  in  der  flamme  gegenwärtig  wiß.  in  dem 
vorbedeutenden  donner.  Einstürzende  erdlöcher  (gropar) 
weissagen  todesfall  (schwed.  abergl.  95)^  aus  dem  klang  der 
aufs  grab  geworfnen  drei  ersten  schallen  entnimmt  man, 
ob  andere  bald  nachsterben  oder  nicht,  losspringender 
splittet  kfiadet  gdste  (abergl.  71. 1032),  reif  vom  fafs  sprin- 
gend tod  (a.  149)*). 

Den  brauch  gerstenkömer  auf  heifsen  hierd  zu  legen 
und  zu  beobachten,  ob  sie  aufspringen  oder  liegen  bleüteUf 
finde  ich  nur  bei  Burchard  (xxxvii),  bei  keinem  spätem; 
verschieden  war  die  griecb*  ugt^ofsavisia; 

Wenn  in  kriegszeiten  zwei  ähren  an  einem  getraide-- 
halm  gefunden  wurden,  sah  ipan  darin  Vorzeichen  des 
wieder  nahenden  friedens**);  umgekehrt  soll  es  krieg  be- 
deuten, wenn  der  kirschbaum  »weimoi  im  xahre  bUiht 
^bergl.  1116). 

Andere  sacken,  ohne  dafs  Vorzeichen  oder  zauber  darin 

I     II  I  ■ ■!!■    -.  .11 

*)  SuetoDittfl  in  Octavio  92 :  auspicia  quaedam  et  omina  pro  cer- 
tissimis  obseryabat  -  si  mane  sibi  calceus  perperam  ac  sinuter  pro 
dextero  induceretur,  iit  dirum  (wie  Wladislaas  8.  1077);  si  terra 
fnariye' iogrediente  se  longinquam '  profectloDem  forte  rortusei,  at 
laetum,  maturique  et  prosperi  reditui. 

^  **)  Elisabeth  Charlotte  yon  Orleans  schreibt,  am  15juli  1695:  'ich 
bin  des  kriegs  wol  imüde,  ich  bitte ,  liebe  Louise ,  iDformirt  euch  doch 
obs  wahr  ist,  dafs  man  bei  Giefsen  einen  halm  gefunden,  so  der 
llifndgraf  TOn  Damfstatt  bewachen  isoll  lassen,  worauf  II.  Uhren  sein 
sollen,  und  ob  man  einen  dergleichen  gefunden  xa  ende  des  SOjIb«* 
rigen  kriegs.'  Sonst  gilt  der  aherglauhe«  dafs  in  ein  haus  kein  wet- 
fiEfr  schlage,  wo  ein  kornhalm  mit  zwei  ähren  aufbewahrt  werde. 


GUTE  BÖSE  SAGHBN,     TAGWÄHLER        1Q9|1 

begrAüdet  wftre,  gelten  fttr  beikam  oder  schädlich,  nament^ 
lieh  gefmndne,  gebettelte  und  gestobie.  Dahin  der  gefundne 
Uee' mit  vier  blättern;  drei  <  getraideköraer  in  gebacknem 
brot  (abwgh  685) ,  der  eggennagel  oder  eggezahn  (539. 
636),  dessen  besitz  hexen  erkennen  lehrt  (s.  1032) ,  in<- 
ventio  acua  yel  oboU  reservat!  (anb.  s.  xlt),  gefundne  na*- 
del  (schwed.  abergl.  46),  je  nachdem  sie  köpf  und  spitze 
kehrt  (235),  gefundne  radfeige  (351),  gefundnes  hufeisen 
(129.  220},  gebetteltes  brot  (13),  ring  von  gebettelten  Pfen- 
ningen (352),  gestolner  wisch  (431),  gestolnes  band  vom 
mehlsak  (216),  brot  (183.  188),  bauholz  (1000),  fischer- 
gerälh  (schwed.  abergl.  48),  gestolne  webknoten  (s.  618). 
Bei  gefundnen  dingen  ist  die  gunst  des  zufalls  im  spiel:; 
gebeMelten  gibt  die  mühe,  gestoben  die  gefahr  des  erwerbe 
gesteigerten  werth.  drei  schlucke  gebettelten  weins  ver- 
treiben den  schlucken.  Aber  nicht  blofs  gestolnes  gut  in 
gewissem  fall,  auch  die  diebshand  (s.  1027),  der  ans  einer 
galgenkette  geschmiedete  sporn  (386),  der  galgenstrick,  dieb- 
Strang  selbst  (anh.  s.  lvu.  386.  921)  haben  eigenthümliche 
kraft;  man  vergleiche  die  entstehung  des  galgenmännleins 
(deutsche  sag.  no.  83). 

Ein  rad  über  den  thorweg  zu  setzen  bringt  glück 
(abergl.  307);  wirkt  hier  die  Vorstellung  vom  glücksrad  (s. 
825)  oder  sonnenrad  (s.  586.  664)?  Donnerspütter ,  earg^ 
9pMer  taugen  (abergl.  171.  208).  Ans  brantbett  darf  nur 
itocknee  höh  ton  lebendem  bäumen  kommen*);  andern 
aberglaubfSii  vom  braulbett  486.  487.  Aufgelesne  federn, 
hilMrfedern  8<dlen  in  kein  bell  (281.  346.  593). 

ToffWähkrei  ho-schle  bei  Juden  (Mos.  III.  19.  26.  V. 
18,  10),  Griechen  und  wahrscheinlich  allen  Heiden.  Hesiod 
unterscheidet  mütterliche  und  stiefmütterliche  tage,  er  geht 
alle  guten  tage  des  Zeus  und  alle  bösen  durch  (haudehren 
76&-829).  Wurden  auch  die  namen  der  Wochentage  aus 
der  fremde  bei  uns  eingeführt  (s.  115),  so  konnte  sich  doch 
schon  sehr  frühe  einheimischer  aberglaube  damit  verbinden. 
'Nullus  obs^vet,  predigte  Elfgius,  qua  die  domum  exeat,  vel 
qua  die  revertatur,  nullus  ad  inchoandum  opus  diem  vel 
lunam  attendat.'  Hincmar  1,  656:  ^sunt  et  qui  obsetrant 
cfie^  in  motione  itineris  et  in  inchoatione  aedificandae  do- 
mus.'  Suetonius  in  Octavio  92:  'observabat  et  dies  quos- 
dam,  ne  aut  postridie  mmdinaB  quoquam  proficisceretur  aut 


*)  Odofredus  iq  1,  legata  digest.  de  supellecU  \ptt,;  mulieres 
qnando  nubunt  Tolunt  lectum  de  lignis  siccis,  sed  de  aroore  Tireale. 
sed  in  omnibna,  Ofüpionibua  auia  fatuae  aunt 

69» 


lOfö  TA&WÄHLfiR 

nonis  quidquam  rei  seriae  inchoaret/  TUn*  18,  3:  ^mgues 
resecari*)  nundmw  romanis  tfteetiti  alqae  a  digito  indice 
muitarum  pecuniae  religiosum  est.'  auch  bei  uns  lebt  der 
aberglaub«  fort,  dafs  man  nägel  nur  an  bestinrnitem  Wo- 
chentag, namentlich  freitags  schneiden  dürfe.  Ein  unglöck- 
bringender  tag  heifst  ein  eentoopfner  (Vintler  s.  ui)  **).  Die 
alten  Deutscheh  scheinen  vorzüglich  den  miitwoch  und 
dofmeMag  geheiligt  zu  haben,  nach  ihren  gröfsten  göttern, 
Wuotan  und  Donar,  'de  feriils,  quas  faciant  Jovi  vel  Mer- 
curio',  hat  der  indic.  superst.  Späterhin  finde  ich  keinen 
wochelitag  abergläubisch  mehr  geehrt  als  den  donnerstag 
(oben  8.  173);  auch  bei  den  Ehsten  (abergL  59).  dontiers- 
tags  darf  man  keine  ivohnung  beziehen,  weil  an  diesem 
tage  kein  Togel  zu  neste  trägt.  Dagegen  gelten  Müieoch 
und  freitmg  Mr  t^rwmfne  hexentage  (abergl.  613.  65B.  745) 
und  einzeln  mittwoch  (567),  freitag  (24L  800.  ehgtn.  59. 
60).  Nach  den  h^kenacten  erscheinen  die  teufel  zumeist 
donnertiags  und  dienstags  (ygl.  die  OuedliHburger).  aber 
auch  mmtag  gilt  für  unglücklich  zu  neuem  beginn  (771. 
821).  am  dienstag  soll  mafi  ausreisen,  an  ihm  eben  soUie- 
fsen***).  der  feiste  dienstag,  schwed.  fettUdag,  franz. 
mardi  grai  begünstigt  unterncihmungen  (schwed.  abergl. 
79.  84).  glücklich  ist  der  &onntag  (243.  634).  Untär  den 
Christen  wurden  eiAe  menge  läge,  im  juhr  ausgezeichnet, 
aufser  deti  hohen  festen,  zum&l  Johannistag ^  und  fast  j^eder 
heiligen  tag  hatte  seinen  eigeneh  Miug  auf  säen,  pflanzerl, 
viehtreiben,  ederlassen  u.  dgl.  der  dfin.  äkjerstordag  (abergl. 
168.  169]  ist  grüiidonnerstagi  kaum  bat  bM  einem  andern 
Volk  menr  tagwählerei  gegolten  als  bei  den  Cfarisfen  im 
mittelaiter.  die  altheidriischen  juttage  und  soiinwetidtage 
fielen  zusamitien  mit  Weihnächten  und  Johannis. 

Mit  angang  und  tagewahl  steht  ein  änderet*  weit  ver««- 
breiteter  aberglaube  in  verbMidung.  wie  der  tagesarbeit 
erfolg  davon  abhieng,  ddfs  am  frühen  morgen  eine  günstige 


*)  tibf  die  nSgel  überhaupt  wil'd  BJorgsam  geaehtet:  wdon  sie 
blühen ,  d.  h.  weifve  fleeken  «eigen ,  bliäht  auch  daa  glüek.  die  re- 
segmina  unguium  erwähnt  Plinius  öfter,  28>  7:  e  pediboa  manibaaqae 
Gera  permixta  ante  solis  orlüm  alienae  januae  affigi  jobent  .  •  .  •  di- 
gitorum  resegmina  onguium  ad  caTernas  formicarum  abjici  jubenl, 
eamqbe  quae  prima  coeperit  trahere.  correptam  subnecti  collo.  diese 
bedeutsamkeit  der  nägeUebmU^e  ist  darom  herrorztihebenv  weil  ihiSen 
in  unserm  heidenthum  noch  gröfsere  beigelegt  und  der  Weltunter- 
gang darauf  bezogen  wurde  (s.  775). 

**)  stellen  aus  einer  homilie  des  8  jh.  über  diesen  aberglaubeo 
in  Peru  arcbir  6,  500.  501. 

***]  so  in  Böhmen ,  Mlibren.    Löws  denliw.  und  reisen  72. 


WmSSNDB  TiilBRB  im 

bagegmasg/Qinjyriily  wie  der»  yfolfes  oder  rßb^  geleii  sieg 
weissagte  i  so  pflegte  dem  wanderndeo  beer  ein  gOttUch 
gesandtes  thier  det^  weg  und  den  ort  der  oiederlassung 
luiSQzeigea.  colonien  wurden  nach  dieser  anfi)brnng  g^grtin« 
det,  aUldte,  bürgen ^  kirchen  gebaut;  den  beginn  neu^r 
sliftang^a  und  reipbe  heiligen  tbiere^  die  menschlichßn  ab* 
sichten  fremd  höheren  rathschlufg  der  götter  l^nndg^en. 

Die  griech.  und  röm.  sage  ist  voll  solcher  beispiel^« 
ein  rabe  führt  des  Battus  ansiedelufig  nßqh  Cyr^e  (jcof«£ 
^jr^o^fo.  Callim.  hyn^n.  in  Apoll.  66).  die  Irpiner  beifsen 
von  irpus,  dem  wolf^  der  sie  leitete  (Strabo  2,  208)*). 
FI6ki  opferte  um  wegweisende  raben:  %^n\\.  f6kk  at  bl6ti 
mikhi,  ok  bl6tadi  hrafma  priä,  pä  er  hofium  ^kyldu  kii 
Visa,  fivlat  pi  böfdu  hafsigltngarmenn  engir  leidarstein  t 
|>ann  ttma  t  NordrlOndiim.*  Islend.  sögur  1,  27.  des  gpt(e^ 
voge}  erseUte  den  schiflern  den  n^agnet  (leidarsteiq).  Es  ist 
wol  nicht  zufällig,  dafs  rabe  und  woff,  Wuotaqs  Ueblinge^ 
sieg  und  heil  vorbedeutend,  hierbei  vorzugsweise  genannt 
werden  **).  in  der  vita  Severini  c.  28  yfb^d  der  bär  Weg- 
weiser. Auch  hirsch  und  hintut^  %^ig£IU  ^^^  ^^Sf  nach 
Procop  4|  5  cimmerischen  Jägern  ^ie  ^i^4in,  Jornaudes 
von  der?  hunnischen  j&gern:  'dum  in  ultefiori  Hapotidü;  ripa 


*)  die  Azteken  in  Mexico  ermahnte  ein  Jf$e\  f ur  «oswandernng, 
indem  er  vom  bäum  herunter  rief  Hihui  !*  d.  i.  lafst  uns  gehen !  Ma- 
jers  mjth.  tascfaenb.  1813  p.  63. 

**)  faeldenname  der  glucklichsten  Torbedeutung  war  also  das  afad. 
Wolfhrahan  (spiter  Wolfram),  dem  beide  thiere  sieg  weissagen ;  her-t 
Torhebe  |ch  aach,  dafs  kein  andres  thiav  mit  gang  lusammaiiiafügt 
wird,  als  der  volf:  W^fatmg  (LapambU)iifl  im  j.  1000 1  #0t.  Veaed. 
sec.  6  pars  1  p.^  3)  bezeichnet  eioep  h?l<lcn>  dem  ^er  ifolr  des  sjegs 
Torangefat,  ähnlicher  yorbedeulung  köpnt^  Wisan^^ang  (goth.  Visan- 
dayandalareis ,  bei  Procop  de  b.  gotl).  j,  18  Oviauv^oq  pav^aXagioq) 
gewesen  aein.  Erst  der  keidnisebe  claube  verstSndigl  uns  den  sinn 
alter  aigennamen,  die  keia  roher  iumU  henrm'braflkte.  Vielleicht  iat 
got  begründet,  dafs  in  der  alter|lhümlie)ien  segepsfl^iy^H^l  X|V  MorUm 
Qjid  Wolfgang  als  birtenbeilige  angerufeq  werd,en.  jenem  war  die 
krähe  (der  rabe],  diesem  der  wolf  unterworfen.  Die  Serbinnen  nen- 
nen einen  ersehnten  söhn  Vuk  (wolf):  dann  können  ihn  die  hexen 
nicht  aufessen,  auch  den  Griechen  und  Rdmem  war  Av*ionoqt  Ly^ 
ciseus  guter  Torbedeutunc ,  ahd.  gloasen  Terdentschen  lyci^ns  (das 
thier)  wolf  biso,  und  nelTeicbt  war  auch  lfoi/&i^o,  an  dem  d^r  wolf 
gebissen  hat,  der  dadurch  gesichert  ist,  eigenname.  Vuk  s.  v.  tu-t 
kojedina  meldet,  wenn  eine  schwangre  ?on  einem  lamm  oder  einer 
ziege  Ifst,  die  der  wolf  todt  gebissen  hat,  so  erscheint  am  kind ,  das 
sie  zor  weit  gebiert,  eine  wunde,  die  man  päkqjßdma  4*  i*  wolfblzo 
neiwt.  man  sdbneidat  auch  am  lamm  und  siege  den  wolfsbifs  auii 
r&ttchert  und  bewahrt  ihn  als.  heilkräftig. 


mi  WEtSENDB  'THIERB 

T^üfitiones  iiiqairunt,  animad¥ertoYit  qtiomodo  ex  improviso 
certa  se  illis  obtulii,  ingressaque  palude  nunc  progrediens 
nunc  subsistens  inckcem  se  tdae  tribuit  .  .  .  mox   quoqoe 
ut  scytbica  terra  ignotis   apparuit,    cerea  tUsparuii/     Statt 
der  jttgersage  hat  Sozomenus   (bist.  eccl.  6,  37)  hier  eine 
hirtenüberlieferung ,  kennt  aber  doch  auch  jene:  'forte  for* 
tuna  bos  oestro  perciius  lacum  transmittit,  sequitur  bubulcus: 
qui  cum  terram  trans  lacum  vidisset  tribulibus  suis  nuntiat, 
sunt  alii  qui  dicunt  cerf>wn  quibusdam  Hunnis   venantibus, 
eum  per  lacum   ab  illis  fugeret,   monsfrasse  tiam,*     Jftger 
geleitet  der  hirsch,  hirten  der  stier,  helden  der  wolf.    aber 
auch   die   christlichen  helden   lassen   sieh  lieber  von   dem 
hirsch  führen,   als   dem   heidnischen  wolf:    eine  hirschkuh 
zeigte  den  Franken  die  rettende  fürt  durch  den  Main  (Dit- 
mar.  merseb.  ed.  Wagn.  245.    vgl.  Otto  fris.  de  gest.  Frid. 
1,  43).     Den  raben  hätten  die  Christen  für  einen  boten  des 
teufeis  angesehn.    Flodoardus  erzählt  in  seiner  bist,  remens. 
1,  24  (ed.  duac.  p.  145)  ein  beispiel  vom  adler:  'conscenso 
silvosi  montis  vertice,   dum  circumferentes   oculorum  aciem 
de  monasterii  corde  volutant  positione,   subito  sublimi  coe- 
lorum  mittitur  aliger  index  a  culmine,   per  quem   coelos 
scansuro   locus   in  terris    beato   depromeretur  Theoderico. 
nam   mysticus   ales    aquila    spatiando    gyrans    et   gyrando 
circumvolans  locum  monasterii  capacem  secans  aära  desig- 
navit.      et  ut   expressius    ostenderet   quid    dominus   vellet 
unius  fere  horae  spafio  supra  ubi  ecclesia  construi  debuit 
lentis  volatibus  stetit,  et  ne  hoc  ab  incredulis  casu  contigisse 
putaretur,  ipso  natalis  domini  die  quadriennio  continuo  su- 
pervoiando    monasterium    circumire ,    mirantibus    plurimis, 
eadem  aquila  cernebatur.'     Eine  fliegende  kenne  zeigt  die 
baustätte   der  bürg   an   (deutsche  sag.  no.  570).      Grenzen 
werden  durch  den  lauf  oder  gang  eines  blinden  pferdes^ 
eines  kreb9es  geheiligt  (BA.  86).     da  wo  die  fratres  Phi* 
laeni  die  neue  grenze  erlaufen  hatten,    liefsen  sie  sich   fe- 
bendig  begraben  (hie  se  vivos  obrui  pertuleront)  Pomp.  Mela 
1,  7;   die  eigentliche  Ursache  dieses   festigenden  eingrabens 
wird  aber  gleich  näher  enthüllt  werden.     Dem  Remus  wa- 
ren sechs,   dem  Komulus  »wölf  geier  günstig  geflogen  bei 
gründung  der  Stadt  (Niebubr  1,  248). 

Bekannt  ist,  wie  die  alten  Nordländer  ihre  auswande- 
rungen  und  niederlassungen  unter  göttlichem  geleite  ein- 
richteten, sie  warfen  die  aus  der  alten  heimat  mitgenomm- 
nen  ändcegi$sühur  oder  »eisiokkar  aus  dem  schif,  und  lan- 
deten da  wo  diese  antrieben,  an  solefaen  hölzenien  seulen 
war  des  gottes  bild  geschnitzt|  auf  den  si6  trauten ,  und  er 


ElNMAtmUN  108S 

wies  ihnen  die  neue  wohnstätle  tu.     heupIsteHen  fal.  süg. 
I,  76.  77.  «34. 

Thiere^  zeigten  aber  nicht  btofs  den  ort  des  bans,   ei 
fronte  aueh  oft  für  nöthig  erachtet,  lebendige  Mere,  selbil 
mmse^fefiy    in  den  grnnd  einznmanem,  auf  weieiiem   das 
gebflude  errieklet  werden  sollte,  gleiohsam  ein  der  erde  ge^ 
brachtes  opfer,  welche  die  last  auf  sieh  duldet:   dureh  die- 
sen gransamen  brauch  wfihnte  man  unerschtttterliche  hah- 
barkeit   oder   andere  vortheile  zu  erreichen;     Nach  dftni«^ 
sehen   Überlieferungen  mauerte  man  unter   den    altar   der 
kirche   ein  lamm,   damit   sie   un verrückt  stehn  sotUe,   anf 
jedem  kirchbof  abl^r,   bevor  eine  leiche  in  ihn  eingesenkt 
wurde ,  grub  man  ein  lebfendiges  pferd  ein  [s.  804).    beide^ 
lamm  und  pferd,   lassen  sich  zuweiten  in  der  kirche,   oder 
auf  dem   kirchhof   sehen    und    bedeuten    dann    todesfdte 
(Thiele  1,  136.  137).      auch  unter  andere   hISuser  werden 
sehweine    und    k&iner   lebendig   eingegraben   (das.  1,  196)^ 
Nach  abergl.  472  kann  langes  gutes  Wetter  durch  einmaue« 
rung  eines  hahns  zuwege  gebracht  werden,   nach  75S  das 
laufen  der  kuh  verhindert  durch   einmauern  eines   lebendig 
gen   bUnden  Amub  unter  der  stalltbür.      bei   Viehseuchen 
graben  die  Ehsten  ein  iH^k  der  heerde  unter  die  stalltbür 
um  dem  tod  sein  opfef  zu  bringen  (abergl.  69)*).  Bei  dem 
neuen  brttckenbau  zu  Halle,  der  erst  voriges  jähr  (1843) 
voRfÜhrt  wurde,  wähnte  noch  das  volk  dafs  ttian  eines  kindes 
»um  eimnanem  in  den  grund  bedürfe.    Auf  der  bürg  Lieben- 
stein,   um  sie  fest  uud  unüberwindlich  zu'  machen,  wurde 
ein  kind  eingemauert,   das  eine  mutter  um  schnödes  gold 
bergab ;  der  sage  nach  soll  es  beim  einmauern  eine  semmel 
gegeseen  und  gerufen  haben:  'mutter  ich  sehe  dich  noch', 
danii  apläter:   'mutter  ich  sehe  dich  noch  ein  vranig',  und 
als  der  letzte  stein  eingefügt  wnrde:  'matter  ich  sehe  dich 
nun  nloht  mehr.'    (Beohsteins  thün  sag.  4,  157.  vgl  206), 
In  der  ringmauer  des  Schlosses  Reichenfeis  ist  ein  kind  \ef^ 
benrfig  eingemauert  worden:  ein  vorragender  stein  be&Eeich<» 
net  die  ateHe ,   wollte   man '  ihn  heraus  reifsen ,  würde  die 
mauer    alsogleich  zusammenstürzen   (Jul.  Schmidt  p.  153). 
Ähnliches  wird  in  Spiels  archiv  1,  160   erzählt,   auch  dafs 
man  spftierbin  wenigstens  symbolisch  leere  sarge  einmaaerte. 


*)  and  hadden  de  delrer  sieh  mit  grolen  unkoslea  an  holt,  bal-. 
ken,  s^truk  daran  vermocht,  d^n  ort  to  dempen,  konden  nicht,  de  olden 
seden:  adimam  qoaeri^  men  scholde  ein  W  edder  hunt  daritt  drenÜen. 
ala  ^iaer  gebieten,  wert  it  mit  der  lichte  tögeslagen.  Neoconis  ^, 
340.     man  Ygl,  cap.  mvt  dtisempfiochm  der,spUMu»M$  in  die  etche*  . 


ItM  EmMAUBRM 

Um  Gof^enhageB  sollte  /m  wall  mfgefllbri  w^itden,  go  qfk 
man  ihn  begann   sank  er  wieder  ein:  da   nilmieri  sie  eil 
kleines,  vn$ehul(üge$  mcMutn^  setzlen   es  an   eioea  tisch 
auf  einem  aluU,  gäbe«  ihm.  Spielzeug  und  eiswafen.    wfth^ 
rend  es  nun  vergnügt  spieUe  und  afs,  bauten  xwölf  meister 
eine  Wölbung  aber  Uim,  und  warfen  unter  musik  und  klin« 
geadem  spi^  einen  wall  auf,  der  seit  der  zeit  onverrückt 
gestanden  bat  (Thiele  1,  3).     Wanim  man  das  Und  spi^ 
tond  und  freudig   erhielt    und  seine   thrlUien   verhinderte, 
habe  ich  schon  s.  40   gesagt.      In  Griechenland  lebt  der 
volksglauhe,  wer  zuerst  vorübergehe,   wo  der  grundsteia 
eines  neuen  gebftudes  gelegt  wird,  müsse  bina^  Jahresfrist 
sterben,  weshalb  die  maurer,  um  das  uaheil  zu  verhüte» 
auf  dem  stein  ein  Umm  oder  einen  scAtrarjse»  hahn  ab- 
sehlachten,   wie  onau  zu  Frankfurt   einen  kakn  über  die 
neugebaute   brücke  laufen  liefs  (DS.  no.  185).     Zu  Arta 
mauerten  tausend  maurer  an  einer  brücke,  was  sie  den  tag 
aufführten  stürzte  abends  ein.      da  erscholl  des    erzeogete 
stimme  vom   himmel:    ^wenn    ihr   nicht   einen    mensehm 
eingrabt^  fafst  die  mauer  nicht;    aber  keinen  weisen  noob 
firemden  sollt  ihr  eiiigraben,  sondern  des  baumeisters  eh* 
&rau«'     als  die  freu  ra  den  maurern  kam,   gab  der  meister 
vor,   sein  ring  aei  ihm  in  den  grund  gefiiUen,   da   erbot 
sl(A  die  firau  üio  beryorzuholen  und  schnell  begannen  sie 
sie  etm^mauem;  sterbend  sprach  sie  einen  fluch  aas  über 
die  brücke,   dafs  aie  zittern  fsolle,   wie   ein  blumiNMteagel 
(Tommaseo  canti  pop.  3,  178).     Noch  rührender    ist  eine 
serbische»  sage  von  Scutaris  erbauung;  drei  jähre    bauten 
dreihundert  meister  vergeblich  an   dem   grund    der  feste; 
was  sie  bei  tage  aufgemauert  ballen,   rifs  die  vile  (a.  407) 
naohts  wiader  ein.     endlich  verkündete  sie   den   kdnigen, 
nur  dann  werde  der  bau  halten,  wenn  man  zwei  leiblU^ke^ 
gMehaamig^e    geschwisier.   in    dem  gnmd  l^ge.      nirgends 
waren  sie  aufzufinden»     da  verlangte  die  vile  von  den  dr^ 
ehfranen  dev  könige  die,  welche  nächsten  tags  den  meistern 
das  essen  hinaustragen  werde,    in  dsn  gnmd  getnauerL 
ÜB  des  jüngsten  kOnigs  gattin,  ohne  von  diesem  rathacUub 
zu  ahnen,  das  essen  hinaus  bringt,  werfen  die  dreihundert 
meisler  steine  um  sie  her  und  fangen  an  sie  einsianMiuern ; 
auf  ihr  flehen  lassen  sie   eine  kleine   öfnung,    an    der   sie 
noch  lange  zeit  ihren  Säugling  stillte,   den   man  ihr  tfiglich 
vorhieU.    (Yuk  9,  5).    Zur  zeit  da  die  Slaven  an  der  Donau 
eine  neue  Stadt  anlegen  wollten,   sandten  die  bfiupter  des 
Volks,  nach   altheidnischer  sitte,   frühmorgens  vor  Sonnen- 
aufgang männer  aus,  welche  den  ersißH  knaben,  der  lAn^ 


EINFDtCBEN  HHI1 

kagegne»  wflßde  ^  mkmw  •  und  m  den  grund  des  baw, 
legen  sollten.  ?0Q  (fipfieiii  knubeo  («erb.  dijeie»  kdbm.  djte, 
rnis,  4ä|ft,  ,f9lo»  <teieoie)  erhipU  4ie^  sladi  den  nitmcui  D«- 
/^«^  (P4>fkow  $Uy.  mythal  p*  i5)^  Auch  ia  Meriinis  ge^ 
sobiphle  p«  ^6t73  wird  ersfthlt,  wie  könig  Vortjgern  einen 
feslea  tborm  baven  biaseo  wollte^  der  imaier  wieder  ein- 
»Wrste,  eh  er  vollendet  wi^r.  die  weifiseger  erkliirten,  der 
tburn  werde  nieht  si^u,  bevpr  der  gnumkiein  mit  eines 
Undes  bMe  beneUU  sei,  das  von  einem  weibe  geboreui 
aber  von  keinem  mann^  erzeugt  worden.  Können  auf  die- 
sen aberglauben  nicht  auch  Bertholds  werte  in  einer  pre^ 
digt  b^ogen  werden  (p,  167):  'und  wiz«e,  wanne  dt  kint 
gewinnest  I  daz  der  tiuvel  rebl  ei^en  tarn  mit  den  AtiMmi 
bäi  <kf  dich  gm^^t?' 

Der  S*  23  des  indip.  superst*  de  suicis  circa  ritfos  läfst 
schliefsdn,  dafs  man  um  neugegründete  stftdte  furchen  i^tlgtei 
deren  Jbeiligkeit  allem  übel  eindrang  wehren  sollte.  Eben 
dies  war  elruskisoher  brauch;  Varro  sagt:  ^Qppida  eonde* 
bant  in  Latio,  etrusoo  ritu  multa^  id  est  junctis  bobus  tauro 
et  vaocia  intßrJDre  ar^tro  circumagebant  suicum,  hoc  faca^ 
bant  religionis  eausa  die  du^pipatO|  ut  fossa  et  muro  essent 
muQitaif  tfrrem  und^  exscalpfierant .  feesam  vocabant,  et  io*^ 
trersuni  faotum  mnrum,  postea  quod  fiebat  orbis  «rbs/  die 
rinder  waren  weifs$  Ovid  fastr  4«  825  vom  pomterium  dei 
Ramiilps: 

inde  previen9  stivam  signavU  moenia  sulcoy 
alba  jugum  niveo  cum  bove  vacca  tulit. 
im  cj^mitiuin  wnrd  ein  gewolbe  ^fenumsrt  und  mit  den  erst^ 
lin§(m  aller  nah^rf^/^^  die  der  menschen  leben  erhalten, 
angefüllt  *). 

Gewisse  abergUlubisc^be  gebrttfcbei  wie  es  sche^il  von 
hohem  alter,  kommM  früh  und  spät  bei  ganz  verschiednem 
anlafs  vor,  mi  de$to  ßchw^rej^  i^  ßs  ihren  sin»  zu  fassen* 
Nach  Burchard  wird  ein  wog^  entsmei  geiheili  (jpcxvn)  und 
eine  leicbbehre  zwischendurch  getragen,  stb^gl«  029  ein 
der  scbwanger^M^haft  verdächtiges  mädcheo  genöthigt,  zwi* 
sehen  fvi^m  ae  getheiUen  wf gen  hind«rch  zu  gehu.  Wa^ 
g^  .mid  pflüg  gelten  für  heiMge  geräthe ,  ia  deren  mitte 
aller  ^trug  und  sauber  wich*    . 

Von  dem  geb^  durch  g^ltßn  erdbaden  und  gß^ 
epaUn^  bämuie  m  fpig^pden  cep*  bei  den  heilmitteln.  In 
anderm    sinn    geschieht    das    kriechen    durch    die    aufge^» 


a       ■* 


*)  Fettns  a,  t.  mondut.    Niebohc  1,  251« 


1098  nÜLOHB 

$pannte  haut  eines  neogeworfnen  ftlien,   eder  dwreh  ein 
pfsrdekwmmet,  schwed.  sein  (dfin.  abergl.  16T). 

'  Sonst«  soii  man  weder  über  andere  sehr^üm  (ftbergl.45) 
noch  tmier  einer  dehhsel  durthsoMüpfen  (618)  nodi  itftcr 
deichsei  wid-MHiffenstanff^  steigen  (729.  ^25);  eine  schwan- 
gere bat  alles  hknffende  uM  tfersiHekte  über  sich  att  meiden 
(6d8.  98^).  Das  erinnert  daran^  dafe  ftian  in  ChrJstnSchten 
kein  höh  drehen  (xtix)  nnd  mit  gedrehtem  höh  nicht  schla- 
gen soU  (schwed.  abergl.  56) ,  weil  sonst  dergleichen  Win- 
dungen und  convulsionen  in  menschen  Terursacht  werden 
würden. ' 

¥en  der  ira^mdeuiung  hier  nur  \^eniges.    dredm  hiefs 
deii  Angelsachsen  jubilMv,   entxücl^ung  (s.  854)  und  so  ist 
auch  das  alts.  drohtines  (i^rdm  =  himmel  Hei.  S4,  11.  63, 14. 
85, 21  als  dei  jubiiom,  gaudium  aufzufassen,  gegenüber  dem 
manne,  liudo  drdtn  (s.  753),  dem  vergänglichen  träum  der 
weif,      ftlr  den   begrif  von  somnium  galt  ags.  svefen^  alts. 
suebhan;  altn.  ist  svefn  somnus,  mhd.  entsweben,  einschlfi- 
fern,  wozu  auch  das  ahd.  su^p  (aer)  gehört,  so  dafs  scbla- 
feti  und  träumen  eigentlich  entzücken,  entschweben  des  gei- 
sles  in  die  luft  aussagt  (vgl.  s.  1037  arprettan).    nahe  liegen 
die  lat.  sopor  und  sompnus,  eomnus,  sommum.  ahd.  wie  altn. 
söheihi  troumy   draumr  auf  somnium    eingeschränkt,     das 
göthi  wen  für  oi^ugof^  entgeht  uns.     Statt  des  Sprichworts 
Hräume  sind  schäume  finde  ich  das  reiner  gereimte  Hrfinme 
sind  gäume*  (Ettners  Chemiker  469.  apolb.  132)  d.  h.  Wahr- 
nehmungen (mhd.  goume:  trouihe:  schdme)  ^).     Schon  das 
altertbum   glaubte  nicht   an  alle  träume,    sondern    nur  an 
schwere  zu  bestimmter  zeit,  an  bestimmtem  ort  geträumte, 
träume  auslegen  hiefs  ahd.  antfristön  N.  Bth.  51  >  einfacher 
lioeidäH,  mhd.  scheiden  (Dint.  3,  97),  bescheiden  (Wallh.  95, 
8.  9iih\  14,  2),  traumschetder  war  gleichviel  mit  Wahrsager, 
ags.  sngte  man  sveferi  reccan^  altn.  draum  r«Ml.    ' 
•    ''  Die  träume  sind  Vorzeichen  des  künftigen,  aue  bildem 
und  eindrüOfcen   des  zergangnen  aufsteigend;  man   könnte 
sie  und'  ihre  figuren  schrift  oder  rune  des  Schicksals  nen- 
nee  (vgl.  *s.  378),  schön  sagt  Wolfram  von  Parzival  245,  8'. 
*sus  wart  gesteppet  (acu  pictus)  im   stii  troum  mit  swert- 
siegen  umbe  den  soum.'     träume  sind,    gleich  den  vögeln, 
baten  der  gätter^  und  verkündigen   deren    befehle  ;    aber 
toch    andere   dämonische   wesen  entsenden  sie:   4r   baten 


I' 


*)  merkwürdig  Diut.  3,'  96:  waz  iuwe  wAre  gescümet,  d.  b.  ge- 
träumt, schäum  wird  bestätigt  durch  den  noch  schlechtem  reim: 
Hrlume  sind  fävme'  [Eltdikchn  'Sprichw/  34ft)^'  för  /Wme. 


r 


ktfnftigm  leit  sanden*  im  sMfe  dar',  Pars.  945,  4.     Wief 
ifl  sohiaf  und  treiiid  begeisternde  gäbe  der  diobiltttnst  imt-' 
geiheüt  wüH^^  ist  s.  859  atigeflülilrl.    Da  bemi  angatig*  M-^ 
gel  die  haupirolle  spielen  und  die  Miime  selbst  als  ¥ögel 
safliegen,   verateht  es  sieh,  waroiin  auch  den  Inhalt  der 
träume  gewöhnlich  gesiebte  yon  ifögeki  bilde»,  biafii  Mnnte 
in  einseinen  solcher  trftiiaie  den  naehhall  alter  mytheri  fin- 
den.    Kriembild  trftumte,   dal^  ihr  zwei  adlet  vor  ihren 
aügen   den  wilden  falken  raubten  (ericmmmen),   den    sie 
aufgezogen  hatte ;    so  wurde  Idunn   (?  die  schwalbe)  von 
dem  aSer  Thrassi   ergriffen,   OAtnn,   der  göttliche  retAer 
Vom   adler   Suttängr   verfolgt,     solche  bilder  erfüillten  dHr 
Phantasie   des  alterthums ;   als  im  Rudlieb   zwei  tanzende 
gesciuldert  werden,  heifst  es  schön  8,  49:  ^lle  velut  falco 
se  girat  et  haec  ut  Mrundo.'     Roth.  3845:   'mir  trounite 
nähte  von  dir,   wie  ein  valke  quAme  gevlegin  n.  vuorte 
dich  widir  over  mere.'  sv.  forns.  2, 64 :  'jag  drömte  att  min 
herres  falkaty  de  spände  mig  med  sina  ktor,  de  togo  mitt 
hjerta  utur  mitt  bröst  och  gjorde  sig  deraf  ett  bo.*     auch 
von  baren,  Wölfen,   ebem  gebn  schwere  träume   (s«  873« 
875). 

Es  kommt  darauf  an,  an  welchem  ort,  zu  welcher  zeit 
die  träume  geträumt  werden,    nach  mittemacht  gegen  mor- 
gen sind  sie  am  wahrhaftesten:  'post noctem  mediam  quando 
sunt  sonnnia  vera'  ecbas.  227  vgl.  Eracl.  3723 ;  geister  erschei- 
nen wann  der  tag  eben  anbrechen  will  (ein  beispiel  s.  847.) 
Herzeloide  träumt  aber  'umb  einen  mitten  tac'  Parz.  103, 25. 
Wie  für  brautleute  bedeutsam  ist,  wessen  licht  beim 
hochzeitsmal  zuerst  erlischt,  wer  in  der  hochzeitsnacht  zu- 
erst einschläft,  oder  aus  dem   brautbett  steigt  (abergl.  15. 
485.  717.  ehstn.  17);   sind  auch   die  träume   und  gesicUe 
der  hochieitsnachl  weissagend  (vgl.  Childerichs  bei  Aimoin 
1,  8).      eines  solchen  traums  der  Hvttastierna  in  Gothland, 
der  ihre  nachkommenschaft  anzeigt,  gedenkt  Gutalag  p.  106. 
Der  erste  träum  in  dem  neuen  haus  ist  nicht  minder  wichtig 
(deutsch,  abergl.  122.  schwed.  61),  doch  vor  dem  einschla- 
fen müssen  alle  balken  gezählt  worden  sein,     könig  Gorm 
wird  aufgefordert,   ein  haus  an  einer  stelle  wo  noch  keins 
stand  aufzubauen,  darin  zu  schlafen  und  zu  träumen  (forum, 
sog.    11,  4-6   vgl.   Saxo  gramm.    179)*).      Halfdan   der 
schwarze  (saga  cap.  7).     empfangt  aber  den  rath  in  einem 
schweinstaU  zu  träumen,  der  träum  werde  eintreffen.    Auch 


*)  'du  hast  einfllle  wie  ein  aUes  kau»'  sagt  man  umgekehrt  Ton 
eiaeoDy  der  antreffende  dinge  vorbringt 


1190  TfOiTMB 

tramn  m  einer  netg'ahfsMchi  trift  ein  (abergl.  528).  Im 
Beiah.  68  naehdem  Cbantekldr  mnea  yof 4reflicl|  orspon^neq 
IrAum  ersäbll  bal,  wird  hjiuugefügt:  'man^c  irown  ei^cb^i- 
Bei  sich  (trift  ein)  über  siben  j|^.'  Eine  qneiige  trauiii<iei^- 
tungeo,  die  noch  das  heutige  yolk  festbält,  sipid  fachen  in 
frühster  ^eil  nacbzuweiseflu 

Einaelne  träume  wiurzelo  in  der  deutschen  volHssage 
so  tief,  dafs  man  ihren  Ursprung  weit  zurück  seta^en  miib, 
z.  b.  der  von  dem  schätz i  welcher  einem  ßi/f  (ter  brüchß 
angezeigt  werden  soll  *). 

Wie  träum  und  angapg  s^  borüben  au^b  allere  der 
ajBtgeführten  brauche  deutlich  auf  der  u^cbt  des  er^tßo 
firischen  eindrucke. 

Wir  sind  froh  des  vielen  aberglaubens  )edig  TO  g^hoi 
doch  erfüllte  er  das  leben  unsrer  vorelt^fn  qjcbt  allein  mit 
furcht|  sondern  auch  mit  tfost. 


*)  Agrioola  sprichw.  623.  Praetoriut  wnasch^r.  37!}.  Abrah.  a 
8.  Clara  iudas  1,  4.  Ettoers  ong.  apoiheker  a.  i32.Muaän9  Tolksm. 
4,  65.  Rob.  Chambers  Greside  stories  s.  12,  wonach  die  sage  in  meh- 
rern schottischen  gegenden  nmgeht 


ÄtlTTE.    »1  UM 


CAP.  XXXVl.    KRANKHEITEN. 

Dei*  göUer  Born  verhängt  (keuchen,  ihre  gnade  offlsii^ 

bdrt  aber  aach  den  menschen  rettende  heilmiitel.    alle  gött* 

heiten  können   heilende   s^in,    nach  ihren  namen  scheinen 

kräater  und  Mumen  benannt,  deren  heilkraft  sie  zeigen,    bei 

den  Griechen  stnd  es  besonders  ilpoffo  und  seine  Schwester 

Artemis f   von  denen   diesä  künde  hergeleitet  wird;  unser 

Wuotan^  da  wo  er  dem  Apollo  mehr  ais  dem  Hermes  gleicht, 

vertritt  ihn   auch   als  heilenden  gött  (s.  136] ;  mit  Artemis 

und  der  heilerfahrnen  Athene  lassen   sich  hier  Holda   und 

Frouway  i\h  in  späterh  sagen  durch  Maria  ersetzt  werden, 

zusammenhalten.     Asklepias  oder  Aeseutapim,   ein  eig^t- 

lieber  heilgott,  ist  wie  Apolls  sdhn  nichts  als  dessen  aus<- 

flttfs.      Utiter    den  göttlichen   beiden  pflagen  HeraMes^  und 

Prometheus^  der  das  heilende  feuer  gab,  und  Chiron  dieser 

kurtst:    ihnen  dÜHen  schon  der  nord.     Mknir,  unter  Wate 

und  IVieiand  Mh  zur  Seite  Stellet!,  ein  heilkraut  heifst  Wie- 

landswtkrk  uAd  ih  ttbuttg  der  schmledekunst  steht  Wielatid 

Prometbetts  gftefch. 

Wie    bei  Homei^  Pae&ns  und    Mächaons    ütmei  und 
woddetikenntAis  gelUhMt  ^rd^   hdO»  im  Gudrunlied  voti 
Wate: 
si  hasten  in  langer  ztte  dtt  Vor  wol  vernomen, 
daz  Wat^  at^et  w«re  von  einem  ttiläm  artbet 
Wate,  der  vil  mere,  gefttimete  manegem  an  dem  Itbe. 
das  wilde  itreib  aber  darf  noeise  frau  oder  halbgötiik  sein 
(s.  403.  404).     aueh  nach  schottisohär   fiberlieferqng  (bei 
Rob.  Chambers  s.  34)  seigl  die  meerfrau  heilkrfiuter  an.    In 
der  edda  erscheinen  mehrere  soldier  frauen.     Eir  gehört 
unmitti&lbar  in  der  gOttinnen  reihe:   'hon  er  keknir  betUr' 
Sit.  36.    ich  bringe  ihren  namen  in  verband  mit  dem  geth. 
Airus  nundus,  agi$.  ftrjan,  ahn.  eira  parcere,  und  dem  ahd. 
Irinc  (goth.  Eiriggs?),  Eir  wird  die  schonende,  helfende  gmiin 
und  botin  sein,    in  einer  andern  stelle  Siem.  111«  steht  sie 
aber  bedeutsam  unter  d<en  neun  frauen  der  weisen  Mmg^ 
lad  {8.  395); 

BlffheiXir,  önnur  Blffpvrsa, 
f>Hdja  Thiöd^arta, 

Biöf^i  ok  BM,  Bttdur^  frtt, 
Eir  i}C  ÖrbaAa. 
das   scheinen  zum  theil  riesrnnen^   Hltf|iursa  und  Örboda, 


im  IPWIBE  FRADEN 

die  Sn.  39  frau  des  G^mir  ist^  nnd  sie  schicken  sich  za 
jenen  fg>ilden  weitem;  die  meisten  sind  jedoch  kennbare 
personification  sittlicher  Vorstellungen^^  Friä  mansneta,  HUf 
tutela  oder-  parca,  voii'^^ltfb'-parcere,'  Vas  vöHlg  *intf  mit 
EHr  ist  und  erwünschtes  licht  auf  den  namen  parca  selbst 
WiftL  um  so  mehr  darf  fijär/,  wie  schon  s«  250  gdmut- 
nafst  wurde,  unmittelbar  zu  Berhta  uad  Bltd  (blanda,  mitis) 
zu  Heida  gestellt  werden:  die  heilfrauen  leiten  auf  weise, 
göttliche.  Dafs  aber  hier  m  heilgabe  zo  denken  ist,  ergibt 
die  vorausgehende^  nicht  minder  wichtige  Strophe: 

Byßaberg  {»at  heitir,  en  |>at  b^Gr  leingi  verjt 

siukom  ak  sAri  gaman: 

heil  verdr  hver,  ^Mt  hafi  ftrs  s<ktty 

ef  pui  kltfr  hona.  . 
ich  übersetze:  HyQabeng  heifst  der  fels  und  lange  war  er 
den  siechctn  und  der  wunde  .  freode  (d.  i.  hilfe)  ,*  hell  wird 
jede  frau ,  die  ihn  erklimmt ,  und  wfire  sie  schon  ein  jähr 
krank,  der  fels  ist  also  ein  heiliger,  der  Henglöd  und 
ihren  Jungfrauen  geweihter  ort,  aiüf  welchem  jede  kranke 
•ihn  ersteigende  frau  rettnng  fand«  was  Hyfjal^erg  oder  nach 
andrer  lesart  Hyfvja,  Hyfaraberg  bedeute  kann  ich  noch  nicht 
umgeben ;  es  genügt  una^  dafs  solche  beiUelaen,  vortreflich 
zu  dem  begrif  stimmen,  den  man  sich  von  den  klugen 
:fmoen  d^r  ywrtnef^  m  bilden  ^t..  alle  wei^agerinnei^  par- 
nen  nnd  muaen  wurden  auf  bergw  bansend  gedacht  Meti^löi 
könnte  geradzu  für  Frm/ja  (s.  284)  erklärt  werden,  und  im 
dienst  der  hüohsten.  gdilin  atäpden  die  ührigm  ihr  gleich- 
artigen freuen,  und  der  beilkunst  ist  eüi/ruhm voller  Ursprung 
nachgewiesen*  Nun  wird  es  anch  beigreiflich  sein,  warum 
BryfiiUf  der  auf  dem  borg  wdinenden  ,  valkyrie  4if  med 
tekntng'  (pbarmaca  cum  medela)  S^^jn,  174>>  ziikapn ;  sie  ist 
weise  zauberknndige  frau,)  phannpceutriai  berbaria,  versteht 
sieh  aber  auf  wunden  binden  (undir  4reyrgar  .yfir  binda, 
Svm,  2201»)  gleich  Biltgund  (WaUhar«  1403).  Oddrün  hilft 
bei  schwerer,  entbiadung  (S^n.  239)  und  berühmt  ist  »us 
dem  Tristan  Isotens  araneikenntni«.  An  heilqueU^n  und 
gesnndbrunnen  erscheint  aber  die  weiße  frau  mit  der 
schlänge  (s.  554),  dem  heilkräftigsten,  ej^en  unter  Aesculap 
dienenden  tbier.  Auch  die  serMsohe  mia  ist  ärztin  und 
heilt  wunden  für  hohen  lohn  (Vuk  no.  321). 

Die  arzneikunde .  des  h^entbums,  moste  nach  allem 
diesem  halb  priesterlich  und  halb  aauberiach  aein.  •  priestern 
verschafte  erfahrung  Und  höbeites  wjaaefi  kanntnia  der  natür- 
lichen heilkräfte,  von  der  weihe  ihres  atandes  giiingen  hilf- 
^r^iche  aegensprüche  aus^  opfer  schlössen  sich  aq  b^iimittdi, 


ja  grobe  heibmgen  undabwehr  der  Beuchen  gelangen  aur 
(durch  opfer.  m)eh  des  gaose  mitteleUer  hiadmrch.  $^kfß 
wir  gqcli  christtiche  geistiiche  voreugsweise  im  besitz  der 
aranieieii  iiad  der  gab^  ihrer .  enwepdung.  Ein  theil  jener 
heidniachen  lehre .  gieng  aber  auf  die  weisen  mAnner  «uhI 
frauen  ttber^  die  sich  durch  beibehaRung  aberglliubischer 
gebrauche  und  miabrauch  wirklicher  heilmiUel  den  ruf  der 
Zauberei  zuzogen.  Gleich  der  bexerei  (s,  991)  fillU  auch 
die  alte  heilkunde  hauptsi&chlich  frauen  zu,  und  aus  derasel«- 
ben  grund. 

Ein  arzt  hiers  gotb.  likei$9  abd.  Idhhi,  ags.  Imee^  ahn. 

kelaUr^y,  kBkMorif  sohwed.  läktMre^  dän.  lägß;    das  eogL 

leech  ist  zum   begrif  eines  heuern  oder  vieharztes  berabr 

geeunkeu.     das  mhd.  lächeneßre,  tdchmwritme  drückt  zai;^ 

berWy   Zauberin  aus  (s.  989),  yjelleioht  noch  mit  dem^ger 

danken  an    heilmittel,  vgl.  'Mchenen  und  fOrseben'  (anh.  a. 

n.)  **).    Von  den  Deutschen  hat  sich  dieses  wort  schon  in 

früher  seit  den  Slaven,  Litthauern  und  Finnen  mitgetheilt: 

altsl.   uad  böhm.   lekar\   serb.  ^ekar  poln.   lekag%y  \\MK 

kkonu,  finn.  lä&käri;  oder  hätten   die  Deutschen  ee  von 

den  Slaven  her?     eme  deutsche  wurasei  habe  ich  no.  300 

nadiXDweisen  gesucht,  eine  slavisdie  scheint  mir  schwieriT 

ger.      dem  slav«  Ijek,  lek  (remedium)  entspricht  unser  ah4. 

Mbbao.     Andere  henemningen  sind  vom  begrif  des  helfens^ 

beaaerns  hergenommen,  vgl  bfttan,  hüten,  mederi  (s.  988); 

ahn.  groeda  (sanare)  grcodari  (chirurgus,  medicus)  voai  gröd 

(lucrum,  auxilium);  mhd.   heitere  (medicus)  Karl  45,.    aber 

schon  nhd.  tanät  (k  III.   14,   11.  mhd.  ainket^   nhd.  o>r%t 

mnl.  erseite  Dint.  2,  223«.  aitfranz.  ar/ot«s,  artox;   wurz.^ 

scheint  des  ist.  ars,  obgleich  ar^t  nidit  unmittelbar  aus 

artista    erldfirbar  ^^*).     das  provenz.  metges  Ferabr.  547. 

1913,  mege  (Raynooard  3,  173)  altfranz.  nitre«,  mirre  sind 

aoa  mediGus  f).    Jenes  altn.  lif  ist  besaer  zu  schreiben  fyf, 

denn    es  entspricht  dem   goth..  bM  (das   ich   aus  lubjaiei- 

aeti  ^a^/masio  6al.  5,  20  entnehme),  ahd.  I^fpi,  mhd.  Üppe; 

ans  der  bedentung  des  erlaubten  beilsamen  gM^fidCHov  gieng 

hernach    die   des    schttdliahen,    zauberbaßen  hervor,   wAe 


*)  IsBkois  hendar  Ssm.  194*  Iskiiir  ver«   ok   knona  slr  at  .iiA. 
Sasm.  195«. 

.    **)  Q^adlinb«  bexenaoten  p.  77:  die  kranke  ^lecken/ 
***)    iemperie  (arznei)  Parz,  643,  23.     Uhhin6nto   Umperando   ygl. 
raona*  393. 

•]-)  der  herauflgeber  des  Garin  will  2,  89  mire  aus  dem  arab.  emir 
(herr)  leiten,  doch  fran^.  R  entwickelt  sieb  oft  aus  D,  T  vgl.  lerre 
lairo^  beorre  butjrrom. 


IlM  ÄlUtTfi 

mch  gift  ursprflnglidi  gtbe,  domim^  dann  venenom  aus- 
drflekte.  dem  luppari  (veiiefieii»)  steht  die  lupparA  (venefica) 
tut  seile,  dem  krftatermafin  die  kriMerfra»^  herboHa, 
pharmaeeuiria.  bei  Saxo  gramm.  16  heill  eiM  JQniffNto 
wMden  und  25  nennt  er  Weeha  medtca^  andere  beispiele 
heilender  fraoen  hat  Thoriacisa  obs.  4,  279  gesammelt*). 
Unter  dem  volk  gibt  es  noch  alie  ftauen^  die  das  bdten, 
streichen,  giersen  und  segnen  treiben  (abergl.  515.  864). 
Merkwürdig  ist,  dafs  heilformeln  von  frauen  nur  auf  man- 
ner,  von  männem  nur  auf  frauen  übertragen  werden 
sollen  (abergl.  793  vgl  s.  1060)  und  wir  sahen  eben,  dafs 
schon  Wate  von  einer  ^diisoine  kuUst  erlerat  hatte.  Vor- 
zflglioh  sind  es  ichäfer^  die  Air  kluge,  &r»ieikuiidige  min- 
ner gelten  (franz.  abergl.  35) ;  frol^rhin  auch  andere  Mr- 
ten  und  jd^er  ('bnbnlcits ,  gabulcus,  veMitof'  nidi;  s.  xxxm). 
Im  mittetaHer  zogen  aber  wandernde  ät^Ue  im  land  heTom, 
die  dem  velke  kunst  und  heilmittel  feilboten  ^  ^ewöhnliek 
in  begleitung  eines  ergötzliche  possen  treibenden  hneehtes; 
ich  verweise  auf  Rutebeufs  diz  de  tWberie  (M6011  nonv. 
ree.  1,  185-191)  und  a<uf  das  oslerspiel  in  Hoftm.  fnndgr. 
2  und  altböhm.  bei  Hanka  7,  198.  Diese  landstreichendeB 
krfttitermanner ,  quaksaTber,  harnstehmobneider  gewahren 
vielfachen  aofschlufs  über  art  und  weise  der  voihsmäfsigen 
heilmigen.  Greg.  tvr.  9,  6  gödeiriKl  ern^s  Eauberers  und 
arztes  Desiderius,  der  einen  rock  «us  BiegenhtAren  trug; 
das  ahshiv.  baU  bedeutet  atzt,  eigentlich  abei^  aauberer 
(gtogolita  67>>). 

Crescentia,  eine  verfolgte  frbidnMf  heittge,  empftagt 
von  Petrus  oder  Maria,  die  ganz  an  dar  atelle  fefeidnischer 
gOtter  auftreten,  die  gäbe  aUe  bankbeiten  lU  heileai  (ko- 
locz.  267),  nach  dem  altfranz.  gedieht  (M6oti  i«  p.  2,  71. 
7^  blofs  den  eussatz.  sie  selbst  kömite  gerade  zu  für 
eine  weise  fran  gelten  ulid  v^ird  gar  zilibeHn  gebobollen. 
Auch  königinnen  des  »ilefthiikia  ist  das  vetmögen  zöge** 
schrieben,  bestimmte  kranhheitcfn  durch  ihlre  berührung  za 
tilgen:  im  Rother  32^  33^  bestreicht  die  höhigin  lahme 
und  krmnme  mit  einem  stein»  erbkttnigen  Von  Frankreich 
und  England  wird  eine  ähnliche  kraft  beigelegt.  Gebiert 
eine  freu  sieben  söhne  htoitilr  einander,  so  kann  der»«- 
bewte  durch  einen  schlag  mit  der  hand  allerlei  tfcheden 
heilen  (abergl.  786),  nach  Ettherd  hebamme  906  heilt  seine 

*)  Pomp.  Mela  3,  6  von  gallischen  frauen:  putabanto^  iDgenifs 
singularibaä  praeditae  et  aanare  qnae'apnd  aKoa  iovanahifia  saoL 
umgekehrt  erscbeioen  bei  den  Remei'n  fraoen  ton  der  b<^hand1oof 
gewisser  krank  heilen  anageacMosaen. 


KRANKHEITEN  1109 

berOlinuig  kröpfe,  nach  franz.  abergl.  22  ist  es  der  fikifie 
«oha.  von  diesem  siebenten  oder  fünften  söhn  geht  noch 
viel  andrer  aberglaube,  in  Ostfriesland  sagt  man  es  werde 
ein  'u>abider\  heifst  das  einer  der  auf  die  wahlstatt  reitet? 
Tgl.  welrecke  s.  389;  entsprechend  scheint  aber^  dafs  von 
sieben  in  einer  ehe  hintereinander  gebornen  mädchen  eins 
ein  foerwolf  werden  soll  (abergl.  1121).  Ein  kind,  das 
seinen  vater  nicht  kennt,  vermag  geschwülste  aufzulösen 
(fondre  les  loupes).  das.  21.  Das  erstgeborne,  mit  zahnen 
auf  die  weit  gekommne  kind  kann  bösen  bifs  heilen  (schwed. 
abergl.  29.  37).  Dies  alles  berührt  sich  mit  dem  s.  1042 
und  1060  von  der  erbiichkeit,  dem  Übergang  der  weissa- 
gungsgabe  und  der  kunst  des  wettermachens  gesagten,  die 
beilkunst  war  ebenso  priesterlich  wie  das  geschafi  wahr- 
zusagen. 

Zwischen  apfer  und  heiJung  wird  sich  der  unterschied 
am  richtigsten  vielleicht  so  fassen  lassen ,  dafs  jene  mehr 
gegen  die  drohende,  diese  auf  die  ausgebrochene  krankheit 
gerichtet  waren,  abwehrende  opfergebräuche  haben  sich 
ohne  zweifei  im  hirtenleben  zulangst  bewahrt:  die  hirten 
liefsen  ihr  vieh  durch  die  flamme  springen,  alljährlich  *)  oder 
sobald  die  seuche  anrückte,  doch  wurde  auch  in  schwe- 
ren fällen  der  krankheit,  die  schon  getroffen  hatte,  ge- 
opfert. 

Unsere  heutige,  nicht  aus  dem  volk  hervorgegangne 
arzneigelehrsamkeit  hat  allmfilich  beinahe  alle  deutschen 
benennungen  der  krankheiten  verdrängt  und  durch  griech. 
oder  röoi.  Wörter  ersetzt,  da  jene  oft  noch  auf  Vorstel- 
lungen des  alterthums  von  den  krankheiten  und  ihrer  hei- 
lung  führen,  wird  es  nöthig  sein  wenigstens  die  bedeutend- 
stea  anzuführen. 

Krank  hat  im  MA.  nur  den  sinn  von  debilis,  infir- 
mus,  ahd.  wanaheil^  nicht  von  aeger,  und  für  dieses  gilt 
siech,  goth.  siuks,  ahd.  sioh;  morbus  wird  folglich  nicht 
durch  krankheit  ausgedrückt,  sondern  durch  sucht ^  goth. 
saühis,  ahd.  9uht,  altn.  $6tt,  während  wir  mit  sucht  jetzt 
den  sittlichen  begrif  von  hang,  heftigem  verlangen  verbin- 


*)  einen  romischen  brauch  schreibe  ich  aus  Cato  (de  re  nist  83) 
her:  «oltim  pro  bidftUy  ut  yaleant,  sie  facito.  MarH  Silvano  in  sil?a 
interdius,  in  capita  singula  boum  TOtum  facito  farris  adorei  libras  iii. 
et  lardi  p.  iv.  s.  et  pnlpae  ly  s.  yini  sextarios  (res.  id  in  unum  yas 
liceto  conjicere  et  yinum  item  in  unum  yas  liceto  conjicere.  eam  rem 
diyinaai  yel  seryns  yel  über  licebit  faciat.  ubi  res  diyina  facta  erit, 
flCatim  ibidem  consumito.  rnuKer  ad  eam  rem  ditinam  ne  adeU  neve 
videal  quomodo  fiat,  hoc  yotum  in  annos  singulos,  si  voles,  licebit  yoyere, 

Griinms  mythoL    8,  ausgäbe*  70 


den ,  und  nnr  noch  in  den  Zusammensetzungen  sehwind** 
sucht,  gelbsucht  u.  a.  seine  alte  bedeutung  behalten.  Ana- 
log verhalten  sich  das  altn.  prd  (desiderium,  aegritudo  animi) 
und  M^rd  (lepra),  vgl.  schwed.  tra,  helleträ,  dfln.  traa,  bei- 
letraa.  DY.  2,  180.  Allgemeine  Wörter,  die  auch  den 
leiblichen  schmerz  des  siechthums  ausdrücken,  sind  ahd. 
suerOj  mhd.  swer,  ahd.  mhd.  toS,  toitago,  ioStage  (wie  siech- 
tage).  Sonst  heifst  ein  siecher  auch  ahd.  betUriso  (bettlä- 
gerig, clinicus)  0.  III.  14,  67;  mhd.  betierise  Parz.  502,  1, 
813,  16;  ags.  beddrida^  engl,  bedridden;  eine  name  zumal 
für  alterschwache  greise  geeignet,  'der  alte  betterise',  der 
sich  nicht  mehr  vom  lager  erhebt,  im  Norden  hiefs  diese 
schmerzlose  alterskrankheit  Ana  sdtt,  nach  könig  Ani,  der 
durch  das  opfer  seiner  söhne  (s.  40)  das  höchste  Ieben&- 
ziel  erreicht  hatte  und  zuletzt  gleich  einem  kinde  wieder 
milch  trank.    Yngl.  saga  cap.  29. 

Christlich  war  es,  die  sucht  für  Schickung  goiies,  heid- 
nisch, sie  für  einwirkung  der  geister  und  etwas  eUrisches 
zu  halten.  Sie  wird  darum  auch  personificiert:  sie  stöfst 
an,  mit  an,  überflBlIt,  überlauft,  packt,  greift  an,  überwältigt 
den  menschen:  iaiftwv  inty^gae^  atvyegoQ  ^i  oi  €yQas 
daljitwv.  Od.  5,  396.  Hei.  92,  1  heifst  es:  'mid  suhtiun 
bifangan,  bedrogan  hebbiad  sie  demea  mhtP;  'fugit  pestis 
ab  homine,  quam  daemon  saetus  miserat*  (versus  Hart- 
manni  bei  Canisius  II.  3, 203).  kein  wunder  dafs  den  krank" 
heitenj  wie  lebendigen  wesen,  in  der  edda  ein  eid  abge- 
fordert wurde,  Balder  nicht  zu  schädigen  (Sn.  64).  gleich 
dem  tod  und  Schicksal  (s.  377)  nimmt  die  Seuche  weg, 
^suht  farnam.'  Hei.  125,  20;  bei  der  schwed.  betheurung 
trä  migl  ist  tage  zu  verstehn:  ita  me  morbus  auferat !  im  cod. 
vind.  th.  428.  no.  94  finde  ich  die  redensart:  'eine  suht  ligen, 
zwo  suht  ligen.'     'sich  in  die  suht  legen',   Rein.  302,  320. 

Die  dämonische  natur  der  krankheiten  macht,  dafs  man 
ihnen,  gerade  wie  unheimlichen  gefürchteten  thieren,  um 
sie  abzuwenden,  freundliche,  schmeichelnde  namen  beilegt 
und  sich  hütet  ihren  rechten  auszusprechen,  so  heifst 
es  das  gute,  das  gesegnete,  das  selige  (Schm.  2^  87. 
3,  212.  222)  oder  die  seuche  wird  gevatterin  angeredet, 
mehr  beispiele  werden  bei  den  einzelnen  krankheiten  an- 
zuführen sein. 

Fieber,  ahd.  fiebar,  ags.  fefor.  goth.  heitd  Mattfa.  8, 15. 
brinnd  Marc.  1,  31.  Luc.  4,  38^  beide  für  nv^aog,  und 
beide  weiblich;  kein  entsprechendes  ahd.  hlzä,  prinnA.  in 
der  Schweiz  hits  und  brand  für  fieber  (Tobler  74«),  auch 
das  ags.  ddl  Beov.  3469.  3692  scheint  hitziges  fieber,   von 


KRANKHEITEN  1107 

td  igfnifi  ma  leiten,  würde  ako   a(id.  eitel  lauten,    ahd.  riiö 
(maso.)  gl.  mens.  391,   von  rttdn  (reiten],   nicht  von  rfdan 
(torquere),  weil  das  fieber  nicht,  wie  der  krampf,  verdreht, 
und  ags.  rida  (nicht  vrida)  geschrieben  werden  mufs,    Lye 
hat  riderod  (rebris).     Es  wird  wie  ein  alb  betrachtet,   dßr 
den  menschen  reitet,   rtittelt  und    schüttelt  'der  alp  zoutnet 
dich',   ^der  mar  Htet  dich'  (s.  433);   altn.  'mara  trad  hmn,' 
Yngl.  saga  cap.  16;  'der  rite  bestuont  in.'  Alex.  2208.    En. 
10834    und    Eracl.  3166   werden    'suht,  fieber,  rite'   neben 
einander  genanht,  also  unterschieden,   En.  10350  'suht  und 
rite%    9694  'suht  und  fieber'   und   das.  9698:   'diu   minne 
tuot  kalt  und  heiz  mdr  dan  der  eiertage  rite^  (febris  quar- 
tana),     'habe   den   riden  und    die   suht  umb  dtnen  halsl' 
Horolf  715,    wie  Reinh.  s.  302,  312   'die  suht  an   iwern 
(Ösen  kragen!';  'nu  muoze  der  leide  ride  vollen!'   Karlmei* 
net  110.    rite  scheint  vorzüglich  das  kalte  fieber,  was  sonst 
auch  der  frörer  (abergl.  183)  helfet,  wiewol  von  'ritten  frosl' 
und  'ritten  hitze'    die   rede  ist.      im  15.  16  jh.  waren   ge- 
meine Verwünschungen:  'dafs  dich  der  ritt  schütte,  der  jar-^ 
ritt  (das  ein  jähr  lang  dauernde  fieber),  der  gwhe  rite  gehe 
dich  an  I'  'das  dich  der  ritt  in  die  knoden  schütt  I'  Garg.  96"*. 
'ins  ritt  namen  habt  rhu!'    H.  Sachs  III.  3, 10^  man  sagte: 
'wo  führt  ihn  der  ritt  her?  wie  der  teufel  (s.  964).     Merk- 
würdig ist  Boners  fabel  48,  worin  der  rite  persönlich  (aber 
wie  gestaltet?)    auftritt  und  sich   mit  dem   floh  unterredet: 
sie  ist  deutlich  erst  im  mittelalter  erfunden.    Petrarch  epist. 
3,  13  von   der   spinne  und  dem  podagra,    und  nennt  sie 
anilis  fabella.     In  Baiern   wird   das   fieber   als   beutelmanü 
(der  beutelt,   schüttelt)  personificiert  (Schm.  1,  219);   in  ei- 
nem fiebersegen  werden  72  fieber  angenommen,     nach  dem 
russischen  Volksglauben  gibt  es   neun  Schwestern,    die  das 
menschliche  geschlecht  mit  fiebern  plagen  und   in   erdhölen 
an    ketten   gefesselt    liegen:    los    gelassen   fallen  sie    ohne 
gnade  über  die  leute  her  (Götzes  russ.  volksLs.  62). 

Jene  auslegung  erlangt  Sicherheit  durch  die  ehstriische 
redensart  ^ajan  walged,  ajan  halW  (ich  reite  den  weifsen, 
ich  reite  den  grauen)  d.  i.  ich  habe  das  kalte  fieber.  (Ro- 
senplänters  beitr.  12,  42.  43).  Den  Griechen  war  en/aA- 
T^c,  iq)iaX'irjQ  wörtlich  aufsprfnger,  ein  dämonischer  in- 
cubus,  alb,  der  das  nächtliche,  fieberhafte  alpdrticken  ver- 
ursacht, gleichviel  ist  TjniaXtjg,  fjntoXi^s  alp,  und  t/n/a- 
Ao^9  rjTtioXoQ  fieber,  fieberfrost,  ausdrücke,  welche  die 
gramoiatiker  durch  verschiedene  betonung  zu  sondern  trach- 
teten, es  kommt  dazu,  dafs  ^nioXog  bei  Aristot.  bist.  an.  8,26 
wiederum  Schmetterling,  papilio  bedeutet,  die  begriffe  geist, 

70» 


ttoa  KBANKHBITBN 

alb  lind  Schmetterling  aber  vielfach  in  einander  anfgehn 
(g.  789,  869),  litth.  ist  drugis  Schmetterling  und  fiebervo- 
gel,  letl.  drudm  fliegende  motte  und  fieber.  Utth.  dinggis 
kreczia,  lett.  drudsis  Icratta,  das  fieber  schüttelt. 

Eine  ags.  von  Wanley  s.  176  - 180  (vgl.  oben  s.  220) 
ansgezogne  hs.  von  krankheiten  und  heilmitteln  hat  s.  180 
älfädle  Ifl9ced6ni  (arznei  wider  die  elbkrankheit) ,  iüfcymß" 
nealf  (elbsalbe)  und  nihtgengea»  sealf  (nachtfrauensalbe)  *j. 
sonst  finde  ich  auch  eine  krankheit  älfsidenne. 

Unter  dem  roihen  und  toei/sen  hund  (Ettners  unw.  doct 
436)  wird  man  masern  oder  rötbeln  sich  zu  denken  haben, 
auch  im  Leipz.  avanturier  1,  86  der  rothe  hund.  Die  Per- 
ser nennen  das  scbarlachfieber  al  und  steilen  es  sich  vor 
als  rosenroihes  mädchen  mit  flammenlocken.  Atkinson 
g.  49.  50. 

Unter  gichi  verstehn  wir  gliederweh,  arthritis,  die 
filtere  spräche  braucht  es  neutral:  'daz  gegihte  brichet  sie' 
a.  Heinr.  886.  Ulr.  Trist.  1461.  'daz  gegihte  brach  ir  hend 
und  faeze'  Rftb.  1060,  daher  gicht&rttoAi^.  ^daz  wüetende 
gihte.'  Renner  9904.  da  man  auch  darmgicht  für  colik 
findet,  und  oben  s.  584  sungiht  gehen  und  wenden  der 
sonne  bezeichnet,  so  scheint  mir  gicht  allgemein  das  ge- 
hen,  wenden  und  rei/sen  des  schmerzens  im  leib  zu  be- 
zeichnen und  dem  goth.  giMs  (innagahts  gramm.  3^  518) 
vergleichbar,  mnl.  jickt^  isl.  t&/,  schwed.  gM,  dfin.  gigi» 
goth.  ist  usliffa  nagcckviixoc,  gleichsam  aus  den  gliedern 
gesetzt,  seiner  glieder  nicht  mächtig;  kein  ahd.  vrKdo, 
'ein  siechtuom  heizet  pdgräf  =  leme  Parz.  501 ,  26  aus 
podagra,  das  man  auch  in  podagram  verdrehte,  entstellt.^ 
deutscher  ist  fuoü9uhij  ags.  ßiädl  (podagra);  »ipperlem 
finde  ich  nicht  vor  dem  16  jb.  mnl.  fledersin,  flederdne 
(arthritis)  leven  van  Jesus  s.  52  und  'fl.  in  vote  ende  in 
jede'  doctrinale  3,  1030;  im  woordenboek  von  d'Arsy 
Amst.  1699  flededjny  flerecyn  ia  goutte  (chiragra).  meint 
das  wort  einen  flatternden,  die  kranheit  erregenden  Schmet- 
terling? 

Die  herumziehende,  an  keiner  bestimmten  stelle  haf- 
tende, fliegende  gicht  (arthritis  vaga)  wurde  wenigstens  noch 
im  17  jh.  in  Norddeutschland  (Holstein,  an  der  Ostsee)  dat 
f>arendey  hpende  deer  (das  fahrende,  laufende  thier)  ge- 
nannt,  in   andern   niedersächs.  und    wefstföl.  gegenden  de 


*)  daselbst:  'yid  Slfeyniiesealf  and  Tid  nihtgeogan,  and  j^m  moo- 
nom,  pe  deofcl  md  h«Bmd\  gegen  elbttMe,  gegen  nachtgeogen  und 
gegen  die  mfinner,  mit  denen  der  tenfel  yerkebrt  (oben  s.  101 7j. 


KRANKHBITBN  1 109 

tarm,  de  t>arende,   de  hpende  varen,   d.i.  die  fahrenden, 
Bmiaafenden,  gehenden  (geister  oder  dinger).    Die  krankheil 
galt  also  wiec^rum  fttr  ein  in  den  ieib  gewiesenes,  gezau- 
berCea  geisterthieriscbes   wesen.     Noch    deolticher   ist   die 
benennung   'die  fliegenden   elbe',   'die  gute  kinderen*   (im 
Braunschweigischen)  'die  guie  holde*  (im  Göttingischen),  ge-* 
rade  wie  die  von  den  hexen   eingezauberten  elbischen  din- 
ger heirsen  (s.  1027).     gedacht  wurden  sie  gleichfalls  wie 
tchmeüertinge    oder    Würmer    gestehet,    welche    nagenden 
schmerz  und   geschwulsi  'an  den  gleichen  (articHlis)   oder 
(rewerben'    der  hdnde  und    fttfse   hervorbringen   sollten*). 
Weil  die  krankheit  hartnäckig  und  oft  schwer  zu  heilen  ist» 
pflegte  sie  das  gemeine  voIk  dem  einflufs  der  hexen  zuzu- 
schreiben,   sie  beifst  auch  der  hcutrwurm,  und  in  den  Nie- 
derlanden die  springende  gicht.     In  einem  Segen  wird  un- 
terschieden laufend  gegicht^  anhaltend  g.,  Httemd  g.,  abend 
g.,  das  toerde  gegicht. 

Die  einwirkung  der  holden  mufs  aber  viel  manigfalter 
gewesen  sein  und  auf  mehrere  krankheiten  bezogen  werden, 
von  dem  HaUenwpf^  Wichtebopfy  der  plica,  war  s.  433. 
442.  443  schon  die  rede.  Eine  hexe  bekannte  (Voigts  abh. 
p.  122),  dafs  es  neunerlei  hokUchen  gebe:  ritende,  sputende, 
blasende,  zehrende,  fliegende,  schwillende,  taube,  stumme, 
blinde. 

Aach  die  Polen  nennen  biäte  lud^ie  (weifse  leute,  d.i. 
elbe)  Würmer,  die  in  den  menschen  krankheiten  verursachen 
(Biesters  neue  berl.  mon.  sehr.  1802.  8,  230). 

Eine  brennende  geschwulst  am  fingernagel  (ntLQmwxh) 
heifst  der  wurm,  der  umtaufende  wurm,  das  U9igena$mte 
(weil  man  den  namen  des  wesens  auszusprechen  scheut), 
das  böse  ding.  engl,  ringwarfn,  schott.  ringwood^  bei 
R.  Chambers  s.  37  sind  zwei  beschwörungsformeln  mitge- 
theilt. 

Fhi/e  (rheuma)  wird  von  mehrern  krankhaften  zufal- 
len gebraucht,  leichteren  und  lebensgefährlichen,  z.  b. 
»Hckflu/s,  echlagftufs  (apoplexia).  der  schlag  rührt,  trift^ 
sehlikgX.  mhd.  der  gote$  slac.  spftter:  die  gewalt  gottes, 
die  hand  goües  (Bttners  unw.  docU  224).  'traf  mich  goitee 
gwaU^  (rtthrie  mich  der  schlag),  braunschw.  anz.  1745 
p.  2022  (aus  Matlh.  Schwarz  leben,  a.  1547).  vgl.  oben  s.  17. 


*)  Job,  Wevers  (Job.  Wier,  Piscioariuii,  gb.  in  Gra?e  in  Brabant 
1515,  gest  za  Teklenburg  1588)  arzaeibucb.  Ff.  1583  p.  27.  Heor. 
Meibom  de  arthriüde  vaga  scorbulina.    Helmest.  1668    i.  cap.  i . 


g9iies  schlagt)  bezeiohnet  aber  auch  das  ichnelk  und  sanfk 
dieser  todesart  (mors  lenia  repentina),  im  gegensatz  zu  dÜBii 
auf  sohmerzenvolles  iager  liwge  feaselndea  krankheiten. 
darum  sagte  man  auch  für  apoplexie  'das  selig.*  Vergleich- 
bar der  zwergscblag,  doergslagr^  lähmung  (s.  430).  Die 
Böhmen  unterscheiden  zwischen  bw^  moc  (gottes  macht) 
epilepsie  und  bo^/  '^^  (gottes  band)  apoplexie. 

Die  fallende  sucht  (epilepsia)  schon  Diot.  2,  193^  va/- 
jandia  iuht  (caducum  morburo);  daz  fallende  übel  (fundgr. 
325).  fallender  siechtag  (Hütten  5,  171).  sonst  auch:  der 
Jammer  y  das  elend ,  die  schwere  noth,  das  böse  wesen^  die 
Staupe  y  das  unkraut  (Jul.  Schmidt  s.  136).  mnl.  vollende 
eeelf  nnl.  f^ällende  ziekte,  sint  Jans  evel^  grdt  evel^  grcm- 
schap  goods  (Huyd.  op  St.  1,  569).  'dafs  dich  die  gni^ 
cken  rubrer  (Helanders.jocoser.  1,  434),  gnuk  ist  nd.  ein 
stofs.  'der  tropf  hat  ihn  gerürt'  Erasm.  Alberus  39,  d.  i. 
der  schlag,  ml.  gutta  ^  gutta  cadwa,  altfranz.  la  goute; 
cheent  de  gote.  Ren.  25203.  durch  halten  der  plumpe  in 
der  band  erregt  (s.  620).  Es  kommt  eine  besondere  art 
des  tropfs  unter  dem  namen  nesch  oder  neschtrapf  vor. 
Schmid  im  schwäb.  wb.  hat  aus  einer  hs.  nasch  für  schlu- 
cken, schluchzen  singultus,  den  man  wol  gleich  dem  nie- 
sen (s.  1070)  für  einen  gelinden  schlagfall  hielt,  auch  bei 
Popowitsch  s.  511  ist  naschen  für  schluchzen  aufgeführt 
und  abd..  findet  sich  nescäian  neben  fnescazan  singultire 
(Graff  3 ,  782).  ich  leite  alles  vom  goth.  bnasqus  moilis, 
delicatus,  ags.  linesc,  wozu  auch  ahd.  bnascAn,  nascön,  nbd. 
haschen  catillare  gehört,  in  Mones  anz.  6,  463  wird  ein 
nöschsegen  mitgetheilt  und  nöschtropf  für  die  laufende  gicht 
erklärt;  es  heifst:  Mob  gebeut  dir  nöseh  mit  allen  deinen 
gesellen,  dann  mit  dir  ist  der  siech  und  der  krampf  und 
gespat  und  geschofs  und  g^ht  und  gesteht.''  ein  weiterer 
nöschsegen  spricht  von  77  nöschen:  ^wir  wend  gohn  in  das 
haus  des  menschen  und  ihm  sein  blut  saugen  und  sein  bein 
nagen  und  sein  fleisch  essen.'  sie  werden  in  einen  dürren 
bäum  gebannt,  hier  scheint  ein  heftigeres,  längeres  übel 
als  der  schlacken  gemeint;  Hone  stellt  nösch  zum  nesso 
der  alts.  formel,  doch  entspricht  nd.  SS  dem  hd.  HS,  nicht 
dem  SK,  SCH;  mir  scheint  der  Zusammenhang  des  worts 
mit  naschen,  wie  man  ihn  auch  auslege,  unabweislich :  bei 
•  Seifr.  Helbl.  1,1202  's6  dich  diu  suht  benasche,  daz  dir  hüt 
und  bftr  abe  gdl' 


*)  Jk^q  f$uoTty^  IL  i2i  37.  13,  812,   wo   aber  keine  seocbe  ge- 
meiot  ist, 


KRANKHBiTBN  IUI 

Krampf  (spasmai   convukio),   bei  kindern  gewöhnlich 
freise,  freifig,  gefrais  (abergl.474.  722),  fräsel  {JuL  Schmidt 
p.  121.  137).    schäuerchen  (zahnkrampf)  nd.  schürken,  d.  h. 
kleiner  schauer,   zuckung.     doch  bedeutet  die  freis^  frais 
auch  häufig  epilepsie  (Abele  gerichtsh.  2,  429.  4,  218.311). 
Leibwehy   grimmen   (krimmen,   reifsen,    nnL  krimpen). 
^  die  obere  grimme  ^   manmmuHer  (Wier  107"*).     hacbmutter, 
'  bärmund^   bärmutier  Stald.  1,  136.    'die  bermtUter  hat  mich 
gebissen*  (ich  habe  colik)  Schm.  1,  207;   östr.  bervater  und 
bermutier  (Höfer  1,  77.  78) ;   teärmund  Stald.  1,  334.     tribe 
fundgr.  321,  9  soll  nach  Hoflfm.  erklärung  auch    colik  be- 
deuten.    Ruhr  (dysenteria),  durchlauf y  darmgichi  (nach  gloss. 
flor.  984«)  Ützmht,  gl.  flor.  984«  zuzsuht ;  noch  Stald.  2,  417 
amssuchi  durchfall.    roihe  rühr,  der  rothe  schaden  (Anshelm 
3,  236). 

Lungensuchiy  ags.  /t«n^ei»dd/(pneumonia);  schwinge  oder 
langesucht  (Schweinichen  2,  256)  steht  wol  für  schwinde? 
in  Ostreich  der  Schwund,  nhd.  Schwindsucht;  nach  Abeles 
gerichtsh.  2,  303  greift  sie  alle  jähr  ein  eilen  därme  an. 

Seitenstechen,  pleuritis.  ahd.  stechido.  mnl.  lanceeel 
Rein.  5401.  Huyd.  op  St.  1,  569  von  lanc,  franz.  flanc, 
ahd.  lancha  ilia  ^  lumbus ,  ein  ahd.  lanchupil  morbus  ilium 
habe  ich  nicht  gelesen. 

Wassersucht,  ahd.  auch  wasuwchalp  (hydrops)  Diut. 
3,  181,  vgl.  mandkalb  (mola,  caro  in  utero  nascens)  Me- 
lander  joc.  1  no.  450,  engl,  moancalf  (ungestalte  misgeburt) 
wobei  wol  mythische  Vorstellungen  obschweben,  da  sich 
auch  sonnenkalb  als  eigenname  findet,  und  aberkalb,  af- 
terkalb, eberkalb  ein  unechtes  kind  bezeichnet,  abortus 
heifst  misgeburt,  miskram;  abortieren:  umschlagen,  um- 
stülpen, verschütten,  umwerfen,  umkeipeln.  'zy  hefl  de 
kar  omgeworpen'  (Tuinman  spreekw.  1,  88),  es  ist  ihr 
unrichtig  gegangen,  deinem  weihe  geht  es  unrichtig'  (Schwei- 
nichen  2,  314  vgl.  321),  geht  ungerade  (Kantzow  2,  30). 
dfin.  at  giöre  omslag  (abortieren),  richtig  gebfiren  heifst: 
das  kind  an  die  statt  bringen,  ehstn.  tüjad  nurgad  (leere 
ecken)  mondkalb.  ülle  kätte  minnema  (über  die  bände 
gehn)  gegensatz  zu  last  pölwede  peälet  töstma  (kind  aufs 
knie  heben,  ordentlich  gebäbren).  'es  lärmt',  'das  haus 
knakt'  (die  geburtsstunde  naht)  'das  haus  ist  eingefallen' 
[die  geburt  ist  erfolgt),  sächs,  prov.  blätt.  14,  127.  'der 
ofen  fällt  ein.'  Schm.  1,  33.  mhd.  'diu  kamer  wart  entlo- 
chen.* Mar.  46.  bermutter,  das  von  der  kolik  gebraucht 
wird,  bezeichnet  eigentlich  die  mutterkrankheit,  und  sie 
wird  nicht  nur  als  kröte  (Schm.  1,  188),   sondern  auch  als 


1112  KRANKHBITBN 

ffioi»  dargesteIH,  die  aus  dem  leib  gelaufen  komml  und 
der  ein  degen  Aber  den  flafs  gelegt  ist  (Bttners  hebamme 
8.  194.  195^  nach  dem  oben  s.  1036  geschilderten  Tolks- 
glauben. 

Her%gespan  (cardialgia]  herzspann  (abergl.  873.  949), 
sonst  herzweh,  berzkulk  (ventriculi  colica),  ^e$  lieget  und 
steht  mir  für  dem  herzen.'  mhd.  Aens^ttper,  auch  swermaffe 
(Diut.  2,  273).  etwas  anders  ist  der  kenwurm,  von  dem 
der  gemeine  mann  glaubt,  jeder  mensch  habe  einen  solchen 
und  mttsse  sterben,  wenn  der  wurm  aus  dem  mund  krieche 
(Ettn.  hebamme  s.  890],  auf  die  zunge  trete.  Den  alten 
hiefs  eine  zungengeschwulst  ßdtgaxoe  und  rana.  Auch 
den  heifshunger  ßovXifioCf  appetitus  caninus  deutete  man 
aus  einem  thier:  f>ermi8  iaceriae  simiUi  in  stomacho  hominis 
habitat.  gl.  Jun.  381.  Seifr.  Helbl.  3,  247:  'wir  suln  uns 
alle  brcBten,  den  »adeheurm  tosten,  der  uns  dicke  hAt  genagen.' 

Kopfweh  j  houbiiwi  fundgr.  320.  321.  houbitsuht  Diut. 
2,  270.  farren  abergl.  865  vielleicht  faren  (s.1109).  tobestM 
(amentia)  Iw.  3233,  himsucht.    wirbeUufU  abergL  436. 

Ahd.  huosto  (tussis),  mhd.  huosfe,  nhd.  huste  (in  Zürich 
u>üeste)y  altn.  hösii,  ags.  hcösta,  engl.  tohoosL  schrmpfe, 
schnaube,  schnuder,  in  der  Schweiz  pfnüsel;  bei  Hildegard 
nasebö»  coryza.  mhd.  strüche  fundgr.  321,  1.  Ls.  1,  403, 
404.  kramme  (rauher  hals)  fundgr.  322.  für  catarrh  ahd. 
tampho  (Graff  5,  142)  bei  Hildegard  dumpho;  roMauf  in 
der  Schweiz  wölken  fliegende  walke. 

Gekuuht  (elephantiasis)  gl.  mens.  384,  jetzt  ist  gelb^ 
9uchi  icteris.  ^den  leuten  gelbe  kittel  anhftngen'  (Hartm. 
vom  segenspr.  176.  290)  heifst  das  gelbsucht  anzaubern? 
gelesuht  und  ftch  ist  ficus  morbus,  ags.  ficädl;  altd.  bl. 
2,  199  'der  rot  frich'  für  hämorrhoiden;  bei  Helbl.  2,  1190 
'der  r6te  siechtuom  und  daz  vtc  macht  iuch  bleich  unde 
gel.'  ahd.  misabuhi  (lepra),  goth.  pmis^L  ahd.  hriupt  (Sca- 
bies) r6da  (Impetigo)  gl.  flor.  988^  zittarUs  (Impetigo)  Diut. 
1,  496^.  ein  neuer  volksausdruck  ist  schneidercoorage 
(Adelung  v.  krfitze).  schneiderkurzweil  (Bttners  unw.  doct 
349).  das  ags.  gicaä  (scabies,  Impetigo)  engl,  üeh  ist  das 
ahd.  juchido  (Graff  1,  693).  die  rose  (erysipelas) ,  das  Ann 
fende  feuer,  ignis  sacer  (tvonis  epistolae  p.  85*  184^)  ahd. 
omoj  ags.  oma,  altn.  dma.  Von  rothen  flecken  im  geeicht 
der  kinder  sagt  man:  'das  jüdel  hat  das  kind  verbrannf 
(abergl.  473).  ags.  ist  peor ,  peorveorc  entzündung ,  peor^ 
vyrm  impetigo  vermicularis  *). 


*)  auch  die  Griechen  w&hnten  die  impetigo  Ton  kleinen  kifera 


KRANKHEfTEM  1113 

8(emsek$nm% ,  calcnlorum  dolor,  bei  Göti  Yon  Berlioh. 
103  'der  reifsende  stein.' 

Eine  art  auswuchs  oder  schwamm  hiefs  nuüannus  (das 
übel  jAr),  anh.  s.  cxxxti;  Ratherii  opp.  ed.  Ballerini  p.  15): 
carbnnculi  vel  malae  pnstulae,  quem  malum  vulgo  dicunt 
nuUampmtm.  auch  die  dagegen  gebrauchte  pflanze  führte 
den  namen  malannuiy  ahd.  achalm  (Graff  1,  132). 

Viele  andere  krankheitsnamen  lasse  ich  unangeführt^ 
eine  noch  gröfsere  menge  wird  meiner  samlung  entgangen 
sein,  es  kam  mir  darauf  an ,  aus  diesem  verachteten  reich- 
thum  unserer  spräche  solche  beispiele  zu  heben,  welche 
erkennen  lassen,  wie  das  volk  mythische  Vorstellungen  mit 
dem  Ursprung  der  krankheiten  verband,  gleich  andern  Übeln 
schienen  sie  ihm  durch  götter,  geister  und  zauberer  ver- 
hängt und  verursacht,  ja  selbst  lebendige,  feindselige  wesen 
geworden  (s.  1106).  Manches  ist  dunkel:  was  bedeutet  ülf^ 
heii,  jene  seuche  über  alle  Seuchen  (s.  411)?  was  das 
hauptgeschein  ?  welches  in  Äyrers  fafsn.  sp.  s.  148.  149  be- 
schworen und  auch  in  andern  sagen  genannt  wird  (Schm. 
3,  366).  Renn.  12180  steht  aber  'ir  habt  daz  houbtgescMde 
(:vermtde)  und  scheint  unsinn,  bethörung  darunter  gemeint, 
wäre  hauptschein  recht,  ich  erklärte  nach  dem  ahd.  hou- 
betsktmo  (capitis  radii)  N.  Cap.  63;  denn  es  ist  die  krank- 
heit,  wobei  einem  schein  oder  nebel  um  das  haupt  ent- 
steht, dafs  er  alle  dinge  doppelt  sieht,  H.  Sachs  nennt  es 
der  plerr,  augenplerr  (II.  2,  27»*  III.  3,  9^  IV.  3,  13«»»)  und 
und  wir  sagen  noch  heute:  die  blerr  kriegen,  vor  staunen 
verwirrt  sein,  solche  doppelsichtigkeit  soll  der  genufs  des 
kerbels  bewirken  (fragm.  37***  «•  Garg.  148"). 

Ein  finnisches  lied  (Schröter  s.  48  ff.)  l^fst  von  Launa- 
watar,  einer  alten  frau,  neun  knaben  (wie  jene  neun  holden) 
geboren  werden:  werwolf,  schlänge,  risi(?),  eidechse,  nacht- 
mar,  gliedschmerz,  gichtschmerz,  milzstechen^  bauchgrim- 
nien.  diese  krankheiten  sind  also  geschwister  verberblicher 
ungeheuer;  in  dem  lied  wird  dann  die  letzte  derselben 
hervorgehoben  und  beschworen. 

Die  Neugriechen  stellen  die  blauem  dar  .als  kinder- 
schreckende frau,  welche  sie  avy^^Q^f^^^V  (^^^  schonende, 
erbittlichei    vgl.  jene   altn.  Eir)    oder   noch   gewöhnlicher 


vernnaoht  Plin.  27,  11:  lapii  rulgarii  jnxta  flumina  fort  muscum 
siccuin ,  canum.  hie  fricatnr  allero  lapide ,  addita  hominis  saliya ; 
illo  lapide  tangitar  Impetigo,     qui  tangit,   dicit,   9tvytTt  »mf^aqiötq^ 


1114  KRANKHGiTBN 

ivXoyla  (die  2U  rühmende^  segnende)  euphemislisch  nennen. 
Fauriel  disc.  pröl.  lxxxv. 

Noch  eine  seuche  mufs  genannt  werden ,  die  schon 
das  frühe  MA.  dämonischen,  teuflischen  einflüssen  beimafs. 
zum  grund  lege  ich  eine  stelle  aus  der  vita  Caesarii  are- 
latensis  (f  542],  welche  von  seinen  Schülern  Cyprianus, 
Messianus  und  Stephanus  verfafst  sein  soll,  lib.  2.  cap.  14 
(acta  Bened.  sec.  1  p.  673):  ille  autem  quid  infirmitatis 
haberet?  interrogavlt.  dixerunt,  daemonium,  quod  rustici 
Dianam  appellant,  quae  sie  affligitur,  ut  paene  omnibus 
noctibus  assidue  caedahir,  et  saepe  etiam  in  ecclesiam 
ducitur  inter  duos  viros  ut  maneat,  et  sie  flagris  diaboü- 
ds  occulte  fatigatur,  ut  vox  continua  ejus  audiatur  .... 
oculis  meis  vidi  piagas,  quas  ante  aliquos  dies  in  dorsum 
et  in  scapulas  acceperat,  in  sanitatem  venire,  pridianas 
autem  et  in  ipsa  nocte  impressas  recentes  inter  illas  in- 
textas,  quas  prius  perpessa  fuerat.  Greg.  tur.  mir.  5.  Hart. 
4,  36:  cum  de  cultura  rediret,  subito  inter  manas  delapsa 
comitantium  terrae  corruit,  ligataque  lingua  nullum  verbum 
ex  ore  potens  proferre  obmutuit.  interea  accedentibus  ac- 
colis  ac  dicentibus  eam  meridiani  daemonis  incursum  pati, 
ligamina  herbarum  atque  incantationum  verba  proferebant. 
noch  andere  stellen  bei  Pucange  s.  v.  daetnon  meridianus 
und  dieser  name  scheint  aus  ps.  90,  6  entsprungen,  wo  N. 
mittetagigo  tiefel  verdeutscht,  griech.  Schriftstellern  heifst 
er  fAsorjfißgivo^  äal/uwvy  die  krankheit  uiufs  epileptischer 
natur  gewesen  sein,  von  den  Böhmen  wird  sie  polednice 
(meridiana) ,  den  Polen  aber  Daietoanna  (oben  s.  885.  886] 
genannt,  was  wieder  Diana  ist,  und  da  Diana  oft  mit  Holda 
zusammenfällt,  so  l^ann  nicht  übersehn  werden,  dafs  auch 
diese  göttin  gern  in  der  mittagstunde  erscheint  (Praetors 
weltbeschr.  1,  476)  und  die  wei/sen  frauen  sich  zu  dersel- 
ben zeit  zeigen  (s.  916.  918],  welchen  Berhta  gleicht  steht, 
die  seuche  darf  also  göttlicher  eibischer  einwirkung  beige- 
messen werden.  Dafs  hier  Holda  und  Berhta  eingreifen  ist 
aus  andern  gründen  schon  s.  446.  447  gefolgert  worden, 
wo  von  der  roggenmuhme  und  dem  komweib  die  rede  war, 
welche  gleich  der  wendischen  pscMpotnit^a  zu  mittag  durchs 
getraide  zieht,  einige  nennen  sie  pschipcftowMi,  sie  erscheint 
von  12  bis  1  uhr  in  haidegegenden  den  arbeitern,  beson- 
ders weibern  beim  flachsjftten,  ist  weifsgekleidet  und  redet 
vom  flachsbau,  wie  er  gesät,  gezogen,  bereitet  und  gespon- 
nen werde;  weibern,  die  ihr  nicht  antworten,  soll  sie  den 
hals  umgedreht  haben ;  das  volk  fürchtet  sie  und  ist  froh,  dab 
sie  nun  schon  lange  nicht  mehr  sich  gezeigt  bat,    Merkwürdig 


THIERKRANKHBITEN  11 U 

aueh  bei  Gregor  der  dftoion  dem  weib  M  der  tM^ 
arbeit  erschien,  sie  stttrzie  zu  boden,  wie  die  russischen 
feldbaner  vor  der  vida»  logens,  die  ihre  belne  zerbricht; 
was  man  in  Gallien  als  geistige  kranicheit  auffasste.  Aber 
in  allen  diesen  Schrecknissen  ist  die  alle  mütterliche  goftt- 
beit  der  Heiden  nicht  zu  verkennen. 

Es  versteht  sich,  dafs  aach  bei  thierkrankheiten  geister 
walten,  in  einer  alts.  formel  wird  der  nesso  mit  seinen 
neun  jungen  beschworen  aus  fleisch  und  haut  des  sporlah- 
men  rosses  zu  weichen.  Die  wut  des  hundes  soll  von 
einem  wurm  herrühren,  der  ihm  unter  der  zunge  sitzt :  die- 
ser toUwurm  kann  ausgeschnitten  werden.  Eine  pferde- 
krankheit  heifst  der  bläsende  wurm  (anhang,  formel  xv), 
Mras  an  die  blasenden  holden  (s.  1109)  erinnert.  Eine  an- 
dere krankheit  der  pferde  oder  rinder  heifst  die  kUnsche, 
nach  Stald.  2,  61  milzbrand  oder  kalte  geschwulst,  sonst 
auch  'der  böse  wind'  genannt  (Tobler  s.  70),  in  Nieder- 
hessen der  geschwollne  euter  der  knh,  wo  dagegen  folgen- 
der segen  gemurmelt  wird: 

die  hütuche  and  der  drache 

die  ipengen  über  die  bache: 

die  känsek9  die  Tortrank  (al.  Tenchwank  =s  Torichwand), 

der  drache  der  reraank. 

ein  segen  bei  Hone  anz.  465  beginnt:  'es  giengen  drei  se- 
liger junkfrauen  über  einen  hüntschen  berg,  da  begegnet 
ihnen  die  hüntschen,  die  eine  sprach,  die  hüntsche  ist  da.* 
allerdings  scheint  dieser  name  das  ahd.  adj.  hünisc,  mhd. 
hionisch  zu  enthalten  und  man  darf  an  riesen  oder  Hunnen 
denken  (s.  489.  490),  für  ersteres  entschiede  der  hünische 
berg,  wenn  ein  riesenberg  gemeint  ist.  Adelung  schreibt 
der  hinisch  und  deutet  keichen.  eine  nd.  formel  setzt  für 
hünsche  sHe  (schleihe,  tinca).  Nach  dem  Volksglauben  kann 
die  hexe  ihre  elbe  oder  holden  sowol  in  menschen  als 
thiere  zaubern.  Meül  heifst  den  Serben  eine  unheilbare 
krankheit  der  schafe.  sie  erzählen ,  dafs  die  Deutschen 
einmal  den  teufel  gefangen  und  nach  einem  mittel  gegen 
das  metil  gefragt  hätten,  der  teufel  sagte :  wenn  alle  schafe 
bis  auf  eins  umgekommen  seien,  solle  man  das  übrig  blei- 
bende um  die  bürde  tragen,  dann  werde,  aufser  ihm,  keins 
mehr  verrecken.  Vuk  s.  v.  Übrigens  soll  man  das  erste  ge- 
fallne  yieh  verscharren  und  ein  weidenreis  auf  dem  hügel 
pflanzen. 

Wie  nun  die  einzelnen  krankheiten  und  Seuchen  von 
göttern  oder  dämonen  verhängt  und  gesandt  wurden,  gab 
es  auch  besondere  m^tel  und  heilungeny  die  zunächst  von 


1116  HM8BN 

solchen  höheren  wesen  ausgiengen.  im  oitholischen  volks«- 
glanben  des  spftteren  milteblterB  hatte  sich  eia  fönnliohes 
System  ansgebüdet,  welche  einzdne  heilige  und  heiliginnen 
in  besondern  schmerzen  und  nöthen  fast  Ulr  jedes  glied 
des  leibs  angerofen  werden  sollten^). 

Unter  der  menge  aberglftnbischer  heUariem  zeichne  ich 
folgende  ans. 

Uralter  brauch  war  es,  den  siechen  zu  messen,  theib 
zur  heihing,  theils  zur  erforschung,  ob  das  übel  wachse 
oder  abnehme.  Hierher  könnte  man  schon  ans  dem  buch 
der  könige  1. 17,  21.  II.  4,  34  nehmen,  daCs  Elias  und  Elisa 
über  dem  entseelten  kinde  sich  mcMsen^  und  es  dadurch 
wieder  beleben,  auch  das  megsen  dergkeder  beim  lichter-* 
geben  auf  den  altar  (Diut.  2, 292),  obgleich  es  mehr  künfiige 
übel  abhalten  soll,  ist  zu  erwägen.  Im  bthtebuoch  p.  46 
wird  gefragt :  'ob  du  ie  geloubetöst  an  hecse  und  an  Idche-^ 
nerin  und  an  segenerin,  und  ob  du  tste  daz  si  dir  rieten? 
und  ob  du  ie  gesegnet  oder  gelichent  wurde  oder  gemezen 
wurde,  und  ob  du  ie  bekort  wurde?'  Zu  ihrem  mann,  den 
sie  bethören  will,  sagt  eine  frau  (Ls.  3,  9):  'tuo  dich  her, 
lä  dich  mez^en';  also  lang  ich  inmaa,  unz  er  allex  vergaz. 
eine  andre,  die  ihrem  mann  einbilden  will,  dafs  er  'niht 
guoter  sinne'  habe,  sagt  zu  ihm  cod.  kolocz.  141  : 

*u6  habt  her  und  Alf  imeh  meuenp 

ob  ihtei  an  in  it  Tergeizen.' 

sie  was  ungetriuwe, 

sie  Dam  ir  risen  niuwe. 

sie  ma*  in  nach  der  lenge, 

dö  was  ec  im  ze  enge, 

sie  mifs  im  iwerhea  über  houpt: 

'swaz  ich  spriche  daz  geloupt, 

bUsel  dar  doich  mit  gewalt,* 

si  nam  die  rtsen  zwiTalt, 

'und  tret  mir  üf  den  rehten  faoz, 

%6  Wirt  iu  iuwer  suhte  buo> ; 

ir  sah  iuch  io  daz  bette  legen 

und  sah  iuch  niergen  regen, 

biz  daz  ir  derhitzet 

und  ein  w^nc  erswitzet, 

s6  ezzet  drithalp  rockenkorn, 

•6  Wirt  iuwer  suht  gar  terlom.* 

Dieses  messen  wird  auch  anh.  s.  xl.  xli  unter  den  übrigen 
Zaubereien  angeführt.  Schwangere  messen  einen  docht 
nach  der  länge  des  heiligen  bildes  und  gürten  ihn  um  den 
leib  (anh.  XLvin).  Nach  Wiers  arzneibuch  p.  31.  33  heifst 
im  Trieri^chen   eine  krankheit   der  naehtgrif   (durch  den 

*)  HaapU  zeitachrift  I,  143«  144;    Ro^aefort  s.  t.  mtl. 


MS88BN.  A8CHE  STREUEN       1117 

angrif  roa  nachtgetetern  hervorgebracht?);  am  sich  ihreg 
daseiDs  su   vergewissern   verßhrt  man  so:   dem   kranken 
wird  sein  gttrtel  um  den  blofsen  leib  gesogen,  in  derlftnge 
und  breite,  dann  abgenommen  und  an  einen  nagel  gehängt 
mit  den  werten :  'ich  bitte  dich ,   herr  gott ,   durch  die  drei 
Jungfrauen  Hargaritami    Hariammagdaienam   und    Ursulam, 
du  wollest  doch  an  dem  kranken  ein  zeichen  geben,  ob  er 
den   nachtgrif  hat.'     hierauf   wird    nachgemessen^   ist  der 
gflrtel  kürzer   als   zuvor,  so  gilt  es   für  ein   zeichen  der 
krankheit.     Nach  den  schles.  provinz.  bi.  1798.  27,  16-20 
hat  im  Liegnitzischen  fast  jedes  dorf  eine  messerin:  immer 
ist  es  eine  ahe  frau.    will  man  nun  wissen,   ob  bei  einem 
schwindsüchtigen  lebensgefahr  vorhanden  sei,  so  nimmt  sie 
einen  faden  und  mi/st  den  kranken  vom  Scheitel  zur  sohle 
und  an  den  ausgespreizten  armen  von  einer  handspitze  zur 
andern,     findet  sich  die  länge  vom  köpf  bis  zum  hacken  kür- 
zer als  die  der  arme,  so  ist  eine  auszehrung  da:  je  weni- 
ger der  faden  für  die  armlänge  zureichen  will,  desto  weiter 
ist  die  krankheit  vorgeschritten  (vgl.  s.  Uli),  reicht  er  nur 
zum  elbogen,  so  ist  keine  hiife  mehr.     Die  messung  wird 
öfker  wiederholt:  nimmt  der  faden  zu,  und  erreicht  wieder 
die  rechte  länge,  so  ist  die  krankheit  gehoben,     für  ihre 
mühe  darf  die  weise  frau  nie  geld  fordern,   sie  nimmt  was 
man  ihr   gibt.     Nach  den    mark,    forschungen  1,  247  wird 
ein  weib   nackt  ausgezogen   und  mit  einem   sonntags  ge- 
wobenen   rothen    gamfaden    gemessen.      Man    vergleiche 
das   getraide   und  wassemtessen  (abergl.  258.  953,   und  s. 
558.  564). 

Viel  vermag  das  streichen  und  binden,  gemeinlich 
wird  mit  der  band,  dem  kleidermel  oder  messerrücken  der 
leib  der  siechen  gestrichen,  oft  auch  ein  faden  um  das 
kranke  gtied,  oder  das  heilmittel  daran  gebunden,  von 
diesem  binden  nachher  weiteres. 

Wenn  einen  kranken  die  weifsen  ieute  (biate  ladzie  s. 
1109)  quälen,  wird  in  Polen  freitags  ein  lager  von  erbsen- 
Stroh  gemacht,  laken  gespreitet  und  der  kranke  darauf  ge- 
legt, dann  trägt  einer  ein  sieb  mit  asche  auf  dem  rücken, 
geht  um  den  kranken  herum,  und  läfst  die  asche  auslaufen, 
so  dafs  das  ganze  lager  davon  umstreut  wird,  frühmor- 
gens nählt  man  Me  striche  auf  der  asche,  und  stilisch wei- 
gends,  ohne  unterwegs  zu  grüfsen,  hinterbringt  sie  einer 
der  klugen  frau,  die  nun  mittel  verschreibt.  Diesters  mon. 
sehr.  a.  a.  o.  In  der  asche  drücken  sich  die  spuren  der 
geister  ab,  wie  man  auch  den  erdmännlein  asche  streut  (s. 
420).     vgl  ehstn.  abergl.  40. 


1U8   DURCH  BRDE  UND  BADM£  KRIECHEN 

Von  dem  toasserschäpfen  und  gie/sen  der  klBg^n  fran, 
abergl.  515.  865.  Segnen  des  schiags  (der  apoplexie)  mit 
einer  hacke  auf  der  schwelle,    ahh.  s.  Lm. 

Heilkraft  des  feuers  und  der  flamme  bewährte  sich  an 
giftigen  wunden,  die  ausgebrannt  wurden;  schon  Saem.  27^ 
ist  genannt  ^eldr  Tidsöttum',  feuer  gegen  krankheiten.  auf 
den  rothlauf  wurde  feuer  geschlagen  (abergl.  710).  um  es 
gegen  feuer  zu  schützen  wurde  das  vieh  über  das  heilige 
nolfeuer  getrieben  (s.  570  ff.). 

Alte  fieberkur  war,  das  kind  auf  den  ofen  oder  das 
dach  zu  legen:  mulier  si  qua  filium  suum  ponit  supra  te- 
ctum  (vgl.  s.  1070)  aut  in  fornacem  pro  sanitate  febrium 
(anh.  s.  xxxv)*  posuisti  infantem  tuum  juxta  ignem  (xxxix). 
Nimmt  das  kind  nicht  zu,  so  hat  es  das  elterlein,  man 
schiebe  es  in  den  backofen,  so  weicht  das  eiterlein  (abergl. 
75).  Diese  heilart  gehört  zu  dem  verfahren  der  göttinnen 
und  nachtfrauen,  wenn  sie  kinder  an  die  flamme  legen 
(s.  1012). 

Man  heilte  aber,  auch,  indem  man  kinder  oder  tieh 
durch  ausgehölte  erde^  hole  steine  oder  einen  gespaUnen 
bäum  gehen  und  kriechen  liefs.  Das  hielt  allen  zauber  ab, 
oder  vernichtete  ihn  oder  wirkte  sympathetisch,  schon  die 
canones  Edgari  nach  der  ags.  übersetzui^  bei  Thorpe  p* 
396:  'treovvurdunga  and  stftnvurdunga  and  ^one  deofles 
cräft,  f>aer  ma  j^a  dld  purch  pa  eorian  Hhd,*  'mulieres, 
quae  babent  vagientes  infantes,  effodiunt  terram  et  ex  parte 
periusant  eam  et  per  illud  foramen  pertrahunt  infantem' 
(anh.  xxx).  ammen  nehmen  das  neugeborne  kind  und  sie- 
fsen  es  durch  ein  hol  (liv)  :  will  es  nicht  gehen  lernten,  läfst 
man  es  durch  ranken  des  brombeerstrauchs  kriechen,  die 
10  die  erde  gewachsen  sind  (abergl.  818).  Kraiike  sehafe 
müssen  durch  eine  gespaltne  junge  eiche  kriechen,  'nollas 
praesumat  pecora  per  catam  arborem  aut  per  terram  foror 
tarn  transire^  (xxx). 

Grelöcherter  steine  gedenken  die  Urkunden  verschie- 
dentlich: 'from  Pyrelan  st&ne'  Kemble  2,  29  (a.  847);  'du- 
rihiltn  stein.'  MB.  2,  296  (a.  1130).  ital.  pietra  perfusa. 
sie  heifsen  auch  nadelöhr^  ein  solches  stand  z.  b.  zwischen 
Hersfeld  und  Vacha  bei  Friedewald,  sie  scheinen  auch  an 
die  stelle  alter  holer  bäume,  die  man  hoch  hielt,  nach 
deren  aussterben  gesetzt:  nadelöhr  est  lapis  perforatus  in 
locum  arboris  olim  excavatae  in  media  silva  venatoribus  ob 
ferarum  silvestrium  copiam  frequente  a  Mauritio  Hassiae 
landgravio  ad  viam  positis^  per  quemr  praetereuntes  joci  et 


DDIICH  fiRDE  Üim  BÄUHB  KttlECHE         911» 

vexationis  gratis  proiU  pmrepere  solent  ^).  Das  hänseln  der 
jfiger  und  reisenden  blieb  noch  als  der  glauben  an  die 
heilkraft  lange  geschwunden  war.  In  Gallien  mag  er  fester 
gehaftet  und  weiter  umgegriffen  haben.  Mes  enfans  trop 
faibles  reprennent  des  forces,  lorsqu'ils  ont  ^t6  as$is  dans 
le  irou  de  la  pierre  Saint  Fess6,  cette  pierre  informe  plac^ 
aa  milieu  d'un  champ  est  respect6e  par  les  laboureurs,  et 
la  charrue  laisse  un  espace  libre  ä  Tentour'  (in  Poitou.  m^m. 
des  antiq.  8,  455.  ähnliche  Überlieferungen  daselbst  I; 
429.  430). 

Dieses  schlüpfen  durch  eichspalt,  erde  oder  stein 
scheint  auf  den  genius  des  baums,  der  erde  das  siechthunk 
oder  den  zauber  zu  übertragen**).  Aus  dem Magdeburgi* 
sehen  vernahm  ich  folgendes:  wenn  zwei  brüder,  am  be*^ 
sten  Zwillinge,  einen  kirschbcmm  in  der  mitte  spalten  und 
das  kranke  kind  hindurchziehen,  dann  den  bäum  wieder 
zubinden,  so  heilt  das  kind  wie  der  bäum  heilt.  In  der 
Altmark  bei  Wittstock  stand  eine  dicke  krause  eiche,  de* 
ren  äste  in  einander  und  löeher  hindurch  gewachsen  wa*^ 
ren:  wer  durch  diese  löeher  kroch,  genas  von  seiner 
krankheit,  um  den  bäum  herum  lagen  krücken  in  menge, 
die  die  genesenen  weggeworfen  hatten  (Temme  s.  116.117). 
In  Schweden  heifsen  solche  runde  öfnungen  zusammenge* 
wachsner  äste  elfenlöcher,  und  frauen  werden  in  kindes- 
nöthen  hindurch  gezwängt.  Von  welchen  krankheiten  man 
auf  solche  weise  genas,  wird  nicht  immer  berichtet,  fol*^ 
gende  stelle  lehft,  dafs  noch  im  vorigen  jh.  das  engl.  land* 
Volk  so  die  brüche  heilte:  'in  a  farmyard  near  the  midie 
of  Seiborne  (a  village  in  the  county  of  Southamptön),  Stands, 
at  this  day,  a  row  of  poUardashes  (gestutzten  eschen), 
which,  by  the  seams  and  long  cicatrices  down  their  sides, 
manifestly  shew  that^  in  former  times,  they  have  been 
clefl  asunder.  these  trees,  when  young  and  flexible,  were 
severed  and  held  open  by  wedges,  while  ruptured  chil- 
dren,  stripped  naked ,  were  pushed  through  the  apertures, 
under  a  persuasion  that,  by  such  a  procefs,  the  poor  ba- 
bes  would  be  cured  of  their  infirmity.  As  soon,  as  the 
Operation   was  over,  the  tree  in    the   suffering  part,  was 


*)  Pauli  Hentzneri  itiDerarium  (1598.  1599).  Breslau  1617.  p.  5. 
**J  merkwürdig,  dafs  im  altfranz.  Tristran  der  zwerg  Frocioe,  als 
er  das  gebeimDis  tod  Marks  pferdeobren  dem  schwarzdorn  beichtet, 
seinen  köpf  utUer  der  holen  tounel  des  baums  durchsteckt,  und  dann 
erst  redet.  1321  --  1334.  sein  geheimnis  geht  dadurch  über  auf  den 
dorn. 


im  MAUSB  BnVPLÖGKBN 

* 

jplasiered  with  ioam,  and  carefuUy  iwutbed  up.  If  the 
pari  coalesced  and  soldered  together,  as  usually  feil  out, 
where  the  feat  was  performed  with  any  adroitnefs  at  all, 
the  party  was  cured;  but  where  theclefi  continuedto  gape, 
the  Operation,  it  was  supposed,  would  prove  ineffectual. 
We  have  several  persons  now  living  in  the  village,  wbo, 
in  tbeir  childbood,  were  supposed  to  be  healed  by  tbis 
superstitious  ceremony,  derived  down  perhaps  from  cur 
saxon  ancestorSi  who  practised  it  before  their  conversioq 
to  christianity.  Ät  the  south  corner  of  the  area  neer  the 
charch,  there  stood  about  twenty  years  ago^  a  very  okl 
grotesque  hollow  poUardash,  which  for  ages  had  been 
looked  on  with  no  smali  veneration  as  a  sbrewash,  now 
a  shrewash  is  an  ash  whose  Iwigt  ot  branches,  wken 
gently  applied  to  the  ümbs  of  catile ,  will  immediately  re« 
Ueve  the  pairs  which  a  beast  suffers  from  the  rmumg  of 
a  shretDtnouse  (spitzmaas]  over  the  part  affected.  for  it 
is  supposed  that  a  shrewmouse  is  of  so  banefui  and  de- 
leterious  a  nature,  that  wherever  it  creeps  over  a  beast, 
be  it  horse,  cow,  or  sheep,  the  suffering  animal  is  afBicted 
with  cruei  anguish,  and  threatened  with  the  iofs  of  the 
use  of  the  liinb.  against  this  accident,  to  which  they  were 
continually  liable ,  our  provident  forefathers  always  kept  a 
shrewash  at  band,  which,  when  once  medicated,  would 
maintain  its  virtue  for  ever.  a  shrewash  was  made  thus*); 
into  the  body  of  the  tree  a  deep  hole  was  bored  witb  an 
auger,  and  a  poor  devoted  shrewmouse  was  Arust  in 
aHte,  aud  ptugged  in^  no  doubt,  with  several  quaint 
incantations  long  since  forgotten.  As  the  ceremonies  ne- 
cessary  for  such  a  consecration  are  no  longer  understood, 
all  succession  is  at  an  end,  and  oo  such  tree  is  knowo  to 
subsist  in  the  manor  or  hundred.  as  to  that  on  the  area, 
the  late  vicar  stubbd  and  burnt  it,  when  he  was  waywar- 


')  Rob.  Plot,  natural  historjr  of  Staffordshire  Oxford  1686  p.222: 
supersütious  custom  tbe^r  have  in  Ihis  countj  of  makiog  fiursrow  tree$ 
for  the  eure  of  unaccoanlable  swellings  in  their  cattle.  for  to  make 
anj  tree,  whelher  oaok,  ath  or  elm,  a  nursrow  tree  they  cateh  one  or 
niore  of  theae  nurarowa  or  fieldmice,  which  they  fancj  bite  their 
cattle  and  make  them  awell,  and  ha?ing  bored  a  hole  to  the  cealer 
in  the  body  of  the  tree,  they  put  the  mice  in,  and  (hen  drire  a  pegg 
in  afler  them  of  ihe  same  wood ,  where  they  alarving  at  Taat  com- 
rounicate  foraoolh  auch  a  yirlue  to  the  tree,  that  cattle  thoa  awolo 
heing  wipt  vnth  the  haucht  of  U  preaently  recorer :  of  which  treea  they 
haf  e  not  so  mauy  neither,  but  that  at  aome  places  they  goe  8  or  10 
milea  to  procure  thia  remedy. 


m  BUDSOBABÜN  IUI 

den,  regardless  of  tlie  remönstrances  of  the  bystanders,  who 
iaterceded  in  vain  for  ita  preaervation*). 

Dieaer  aberifhiHb«  von  der  ma^esche  schlägt  in  an- 
deres ein^  was  schon  vorher  berührt  wurde,  einmal  gleicht 
die  eingepflöckte  maus  dem  in  die  hole  eiche  eingepflihlten 
Unglück  (s.  632),  und  es  kommt  uns  zu  statten,  was  Luthers 
tischreden  (ed.  1571  bl.  58*)  melden:  <ea  wird  einr  loch  in 
einen  bäum  gebohrt,  die  seele  darein  gesetat  und  ein  pflock 
dafür  geschlagen,  dafs  sie  darjnne  bleibe.'  dann  aber  neh*^ 
men  seele  oder  geist,  indem  sie  den  leib  verlassen^  auch 
andremal  die  gestalt  einer  mau$  an  (s.  1036). 

Raibikt  nennen  die  Letten  eine  afoergiftubische  knr  bei 
kopfschmerz:  der  leidende  wird  einigemal  mit  Kndenbast 
um  das  haupt  gemessen  und  mufli  hernach  durch  diesen 
bati  kriegen.  Es  kommt  auch  vor,  dafs  durch  gebohrie 
lächer  des  heilsamen  baums  wasser  gegossen  und  getrunken 
werde  •♦). 

Sine  art  angang  ist  es,  dafs  die  drei  ersten  kam  oder 
seUekbHUenf  deren  man  im  jähr  ansichtig  wird,  heilmittel 
wider  das  fieber  abgeben  (abergl.695.  718.  784.  1018),  vgl. 
die  drilthalb  rockenkorn  (s.  1116). 

Am  Vogebberg  tragen  die  giditkraQken  eiserne  ringe^ 
aus  nageln,  an  welchen  menschen  sich  erhängt  haben,  ge-» 
sehmiedet,  an  ringfinger  der  rechten  band,  gichtsegen 
werden  in  ungeMeicbter  leinwand  mit  Idnenen  fäden  ohne 
knoten  auf  der  brüst  getragen,  beides  gehört  zu  den  amu-^ 
leten  und  bindungen. 

Krankheiten  und  heilmittel  werden  auch  tu  die  erde 
vergraben,  in  den  ameisenhaufen  (abergl.  864).  Hierher 
gehört  eine  heilung  der  epiiepsie  ini  10  jh.  durch  einge* 
grabne  pfirsichbiüten ,  wie  sie  Ratherius  in  seinen  praelo* 
quiis  üb.  1.  (ed.  Hart,  et  Dur.  p.  808.  ed.  Ballerini  p.  31) 
ungläubig  meldet:    factum  sit,  infectum  ait,    narratum  est 


*)  Gil.  White:  tbe  natural  hittorjr  and  antiquities  of  Selbome. 
Londoa   1780.  4.  p. 202— 204. 

**)  phjruca  Hildegardia  3,  10  de  cupreaao;  q«od  ai  aliquia  homo 
a  diabalo  Tel  per  noagica  irretitaa  eat,  praefatum  lignum,  quod  cor 
dicilur,  cum  terebro  perforei  et  id  ficlili  Tase  aquam  Tiyi  fonüs  tollat 
et  eam  per  idem  foramen  id  aliud  fictile  yas  fundat,  et  cum  jam 
iofaiMiil  dieat :  <ego  fände  te ,  aqua ,  per  foramen  istvid  in  tirtuoii 
Yirtate»  qnae  deua  est,  nt  cum  fortitudine  quae  tibi  adiMt  in  natura 
tua  fluaa  in  hominem  i&tum,  qui  in  senau  suo  irretilua  eat,  et  omnea 
contrarietates  in  eo  deatruas,  et  cum  in  rectitudioem ,  in  quam  deua 
eum  poauit,  in  recto  aensu  et  acientii  reponas.*  Et  aquam  istam 
per  noTem  diea  jejunua  bibat,  et  etiam  tociens  hoc  modo  benedicatur, 
et  meliua  habebit. 

Grimms  my tküL    8»  mugmke.  71 


im  IN  ERDE  «TSCKJW 

qnod  refero.  Cujusdam  divitis  fitiu^  gutia,  quam  cadittm 
dicunt,  laborabat.  medicoram  amne  probatissimorum  erga 
eum  inefficax  ingenium  ad  desperatioa^m  aaiutis  paternum 
atque  ipaternum  deduxerat  animum,  cum  ecce  unus  ser- 
vorum  suggerit,  ut  flores  arboris  persicaa  optime  munda- 
toa  primo  lunis  (l  e.  lunae)  die  aprilis  mendis  in  vase  yi"* 
treo  colligerenty  quod  9ub  radice  qjusdem  arbori9,  mtdü 
omnibußf  ab  uno  quo  vellent  9uffbderetur,  eodem  die 
reversuro  ip$o ,  a  quo  positum  est ,  anno  y ergente ,  si  fieri 
passet,  hora  quoque  eadem,  et  efiosso  vase  flares  in  oleum 
coneersos  arborem  siecMim  inveuturo,  quod  sub  altare 
positum,  presbytero  quoque  ignorante,  nooem  misiis  super 
eo  oelebratis  sanctificaretur,  et  statim  post  accessum  ejas- 
dem  morbi  noeem  t>tct&uf  in  haustum  diatim  scilicet  aegro 
daretur^  cum  oratione  dominica,  ita  duntazat,  ut  post  Ribera 
nos  a  malo'  a  dante  diceretur :  'Ub^a  deus  istum  hominem, 
nomine  ill.,  a  gutta  cadiva',  et  quibus  novem  diebus  missam 
quotidie  audiret^  azynium  panem  cibumque  quadragesi- 
maleai  post  jejunium  caperet,  atquei  Ua  deo  miserante  eon- 
yalesceitet«  Factum  est,  si  tamen  factum  est,  ille  o^nvaluit, 
servus  emancipatus  est,  etiafn  bares  adscriptus,  medicina 
ab    inaumaris    adprol^ata    multis    quoque    salutis    eontulit 

remedia. 

Flieder  oder  hoUunder  hilft  gegen  zahnw^  und  fieber: 
dei;  fieberkranke  steckt,  ohne  ein  wort  dabei  au  sprechen, 
einen  fliedenweig  in  die  erde»  da  bleibt  das  fieber  am 
flieder  haften,  und  hängt  sich  dann  an  den,  der  zufällig 
aber  die  statte  kommt,  dän.  ebergl.  162.  Besonders  ist 
flieder  heilsam,  der  über  bienenstdckea  (op  bjintjekoven) 
wächst;  man  schält  seinen  hast  nach  oben  (nicht  nach  unten) 
»u,  und  gibt  dem  kranken  den  absud  zu  trinken^). 

Beachtraswerth  ist  dies  übertragen  der  krankheit  auf 
bäume  y  d.  h.  auf  den  geist^  der  in  ihnen  -wohnt.  Unter 
den  beschwörungsformeln  beginnt  xxvi  mit  den  werten: 
'j^eig  ich  biege  dich,  fieber  nun  lafs  mich!'  ^hollerast 
hebe  dich  auf^  rothlauf  setze  dich  drauf,  ich  bab  dich  ei- 
nen tag,  habe  dus  jähr  und  tagP  Wer  die  gicht  hat  gebe 
drei  frcitage  hinter  einander  nach  Sonnenuntergang  unter 
einen  tannenbaum:  Hannenbaum  ich  klage  dir,  die  gicht 
plagt  mich  schier'  u.  s.  w.,  die  tanne  wird  dörren  und  die 
gicht  'aufhören,  'deus  vos  salvet  sam&tiee,  panem  et  sal 
ego  vobis  adduco,  febrem  tertianam  et  quotidianam  acei" 
piatis  vos,    qui  noio  eam.*    Westendorp  s.  518  verzeichnet 

*)  lapekoer  fen  Gabe  8cr6ar.  p.  31.  32. 


:   I 


ÜBiaTRAQEN  1123 

folgesden  niederländtechw  brauch.  Wer  vom  kattaa  fleber 
genesen  will,  gehe  firühnnorgens  (in  der  uohte)  zu  einem 
alten  weidenbaum,  hUipfe  drei  knoten  in  einen  a$ty  und 
spreche  dazu:  'goe  morgen,  oUe^  ik  geef  oe  de  kolde,  goe 
morgen  oldeP  dann  kehre  er  um  und  laufe,  ohne  sich 
umzusehen,  eilends  fort.  abergK  1074  heifst  es:  wer  fie* 
berfroflt  hat  gehe  stillschweigends  und  über  kein  wasser 
zu  einer  holen  weide  ^  hauche  dreimal  fernen  athem  Am- 
ein,  keile  da9  loch  »ckneü  xu  und  eile  ohne  sich  umzu- 
sehn  und  ein  wort  zu  sprechen  heim,  so  bleibt  das  fieber 
fort,  fbrmd  xuv  wird  die  gicht  auf  frau  fichte  über" 
(ragen. 

Es  können  krankbeilen  ebenwol  auf  thiere  übertragen 
werden,  'praecordia  yocamus  uno  nomine  exta  in  homine, 
querum  in  dolore  cujuscunque  partis  si  caiulus  laciens  ad- 
moveatur  apprimaturiiue  bis  partibus,  transire  in  eum  mor- 
bus dicitur,  idque  in  exenterato  perfusoque  vino  deprehendi, 
vitiato  viscere  illo  quod  doluerit  hominia;  et  obrui  Uües 
religio  est'  Plin.  30,  4.  'sunt  occulti  interaneorum  morbi, 
de  quibus  mirum  proditur.  si  caiuUy  priusguam  frideant, 
applicenftur  triduo  stomacho  maxime  «c  pectori  et  ex  ore 
aegri  suctum  lactis.  accipiant,  transire  f>im  marin,  postremo 
exanimari  dissectisque  palam  fieri  aegri  causas.  mori  et 
humari  del^re  deos  obruios  terra,'  30,  7.  'quod  prae- 
terea  traditnr  in  torminibus,  mirum  est,  anofe  apposita  ventri 
tran»ire  merbum  anatemque  emori.'  30,  7.  So  bat  man 
noch'  bis  in  den  letzten  jbh.  junge  weife  angelegt  und  sau- 
gen lassen.  Wenn  der  leichdom  (clavua,  ^Xog)  hünerauge, 
elsteraugey  nnl.  exterög,  krähenaugey  böbm.  hifj  oko  heifst, 
so  dachte  man  si^ .  dabei  auch  Übertragungen  .  als  thunlich. 
Tobler  18^  meldet,  wer  da  wo  eine  elster  safs,  ausrufe: 
'zigi,  aigi,  ägesty  i  ha  dreu  auga  ond  du  gad  zwä!'  ver- 
treibe sein  elateiraüge. 

Die  fliegende  gicht  wird  so  geheilt,  dafs  man  den 
kranken  ganz  und  gar  in  sauberen  flachs  wickelt:  liegt 
er  dann  d«rin,  wie  ein  jüngferchen  in  rosen,  so  wird  ein 
sdiaffeU  über ,  ihn  gebreitet  und  ihm  nun  •  die  arznei  zum 
schwitzen  eingegeben.  Dieses  einwickeln  ist  ein  in  der 
alten  thiersage  berühmtes  mittel,  der  ißeberkranke  löwe 
soll  sich  in  die  haut  eines  lebendig  geschundnen"  vierthalb- 
jährigen wolfs  winden  und  schwitzen;  das  lehrt  schon  die 
äsopische  fabel  (Reinh.  cülx).  ausführlicher  handelt  davon 
das  altdeutsche  gedieht:  dem  löwen  war  eine  ameise  ins 
hirn  gekrochen  und  hatte  sein  siechthum  verursacht;  Rein- 
hart   verordnet   ihm    die  haut  eines   alten  wolfs  umzuthun, 

71* 


112«  EIN  WINDES : 

ein  bärenfett  aufzulegen   und   einen   kaiiienhut  aufsusel&en: 
in  die  erwflrmten  Icatzenhaare  kriecht  die   ameise  aus  des 
kranken    haupt.      Solches    einwinden    in    frischabgezogne 
thierhaute  ist  im  mittelaiter  wirklich  far  mehrere  sniAlle  an- 
gewendet worden,    s.  b.  bei   zufrtthfifebornen  schwäehiichen 
kindern^  bei  ungebornen  ausgeschnittnen  (s.  362),  bei  men- 
schen,  die  einen  geMirlichen  stürz  gethan.    In  einem  nie- 
derd.  iusfspiel   des  16  jh*   betitelt  'de  böse  frouwens'  soll 
man  die  kranke  ^in  eine  miske  pagenkut  beneijen.'    Schmidt 
Ober  Ostmongolen  s.  229  bemerkt  ^    dafs  aoch  diese  Völker 
zur  heilung  einer  krankheit  die  füfse  in  die  ofoe  brüst  ei- 
nes   frischgeschlachteten    pferdes    stellen.       Auflegen    des 
warmen  thierfleisches  wird  verschiedentlich  erwähnt:  'oi- 
tmm    gaUinaceum   pullum   per    medium    dividere   et   proti- 
nus   caKdum  super   tidnus  imponere,     sicut  pars   interior 
corpori   jungatnr.'     Celans  5,  27;    'eine  sdnoaru  hemu 
aufschneiden   und   aufs  gesokime   hmupt  legen,'     (Ettners 
hebamme  795);  frisches  ßeiseh  auf  die  wunde  (belg.  mus. 
7,  446)  ♦). 

Auch  der  fbr  den  siechen  löwen  aus  Randolts  haut  ge- 
schnittne  hintn  rieme  (Reinh*  1951)  stimmt  zu  einem  al- 
ten heihnittet  (Brest,  hs.  des  14  jh.  in  den  fundgr.  1,  325): 
für  daz  vallende  übel,  du  salt  warten,  swenne  iz  en  an 
ge,  so  nim  einen  Atrstnen  riemen  nnde  bint  im  den  umbe 
den  hals  di  wile  im  we  ai,  unde  sprich:  in  nomine  etc. 
so  binde  ich  hie  den  siohthum  dises  mensohen  in  disem 
knöpfe,  unde  nim  den  selben  riemen  denne  unde  knüpfe 
einen  knoten  dar  an.  den  selben  riemen  sal  man  denne 
binden  dem  siechen  umbe  den  hals,  unde  derselbe  nnensche 
sal  sich  denne  enthalden  von  dem  wine  nnde  von  dem 
fleische,  biz  daz  er  kume  da  man  einen  toten  man  begrabe, 
da  sal  man  den  riemen  losen  dem  siechen  von  dem  halse 
unde  sal  den  selben  riemen  begraben,  mit  dem  toten  manne, 
wan  der  selbe  rieme  sal  dem  toten  geleget  werden   linder 


*)  bis  diebut  oooulto  dki  judicio  idem  Braclias  (episcopus  leo- 
diensit,  f  971)  morbo,  qiii/iiptf«  dicitur,  miMrabiliter  laborabaL  pa- 
liebalur  autem  in  oatibas.  erat  igitnr  Tidere  miseriam.  tarn  graviter 
eoiin  TIS  yaleludinia  grassabatur,  ut  mirum  in  modum  carnes  yiri  lu- 
pino  modo  consumeret,  corroderet,  devoraret;  solamque  solatinm, 
non  quidem  ipet  etadendae  aegritodinia.  ted  aahem  dilatio  mords 
erat,  qaod  qnotidie  dao ijNtIK  ^aXUmarum  eplamea  et  eviseerftli  mane, 
dooque  Teipere,  Tice  carniom  yiri  oonaameDdi  morbo,  ao  si  lopinae 
rabiei,  opponebantur.  die  hüner  wurden  an  der  stelle  mit  blndea 
befestigt.  Gbapeaville  1,  191  —  194.  Hautentzündung  und  fressende^ 
geschwfir  heifst  wolf  (lupns):  sich  einen  wolf  gehen,  reiten,  lat  »n- 
itririgo,  gr«  naQurgt/ifua* 


HBiLMITTBIi  USS; 

di  tehuUer ,  unde  sol  einer  gpreehen ,  der  den  riemen  le- 
get etc.  der  sichlnm  gewirret  im  nimmer  mere.  Ander- 
wfirts  wird  angerathen  gegen  die  epilepsie  sich  mit  einer 
wolfthaui  ftt»  gürten  (belg.  mus.  6,  105). 

Wfthrend  die  heutige  heilkunde  fast  auf  vegetabilische 
und  mineralische  mittel  eingeschränkt  ist,  brauchte  die  äl- 
tere manigfachen  thierischen  stof.  hersen  gewisser  vögel, 
fleisch,  blut  und  fett  gewisser  Uiiere  hatten  sehr  eigentbüm- 
liehe  heilkraft  *).  dem  kranken  löwen  hilft  genufs  des  affen^ 
ßeisches  (Reinh.  gglx),  doch  der  unwissende  wolf  räth  ihm 
das  des  becks  und  widders  an**),  btut  der  vögel  und  des 
fuchses  heilt  wunden  (pentam*  2,  5).  krähenblut  zaubert 
(anb.  s.  Lvi).  blmi  aus  dem  hahnkamm,  gehim  einer  häsin 
hilft  (Ettners  hebamme  875). 

Hieran  reiht  sich  die  abergläubische  heilung  des  aus- 
satzes  durch  das  bM  unschuldiger  kinder  und  reiner  Jung- 
frauen ;  die  der  fallenden  sucht  durch  das  bltU  hingerichteter 
(abergl.  1080).    spetckel,  ja  reiner  athem  sind  heilkräftig***). 

Eine  menge  sympaSkeüscher  mittel  heilen  oder  scha- 
den. So  wird  gelbsucht  unheilbar,  wenn  eine  gelbfüfsige 
henne  über  den  siechen  fliegt  (abergl.  549),  geheilt  aber 
durch  schauen  in  schwarzes  wagenschmer  (66).  Überspan- 
nen der  kanne,  des  bechers  bringt  herzgespann  hervor  (11. 
949);  weidedrehen  krummen  hals  oder  leibschneiden  (373, 
vgl.  oben  s.  1098).  Das  fieber  wird  gewendet  oder  ange- 
baut, indem  man  leinsamen  unter  hersagen  eines  segens 
auf  dem  acker  anbaut :  wie  der  same  aufgeht  mufs  das 
fieber  weichen  (HOfer  3,  131).  Auf  rosa  oder  rothlauf  spU 
man  funken  schlagen  (383.  710),  das  böse  vom  leib,  wie 
mülradwasser  (s.  559)  abspringen  lassen  ^  über  dem  köpf 
schwer  redender  kinder  ein  brot  brechen  (415),  den  ausge-* 
rissenen  zahn  in  eines  jungen  baumes  rinde  schlagen  (630). 
wider  schlucken,  ohrenzwang,  zahnweh  bestehn  unter  dem 
volk  viel  solcher  mittel  (15h  211.  280.  581.  584.  721 
950). 

Sehr  oft  werden  heilkräftige  mittel  angebunden,,  um^ 
geknüpft  um  den  arm 9  hals,  leib  getragen,  dies  nennep 
die  lau  quellen  des  frühen  MA.  tigamenta^  Ugaturae^  phfr 

-  ■  ■■  ,1         i 

I 

*)  Wanlej  p.75  (Tgl.  220)  fährt  einen  tracUtus  Idparti  fabulosus 
an:    medicina  ex  quadrapedibui. 

**}  'mit  der  hekhen  (fulica  atra)  füexen  wirt  dem  man  mazleide 
Inioz.'    La.  9,  $64. 

***)  Herodot  erzählt  2»  1 1  i  wie  ein  blinder  herstellung  seines  ge- 

sicfata  erlangen  soll  ^vwatniq  ov^^  y«^a/4<y«9  Tov^  Qf&dikfAovqf  i^T^q  na{/ia 
TW  iutvT^q  avdqu  fnovvov  nt^^ijtiM^f   ^^^Y  ^*i^^  hvaa  an^qoq. 


11261  AN6ßBIN0B 

lacteria.      qiv\ct%%riQiu    sind  *  solcke    sichernde    schützende 
angehänge,  amnlete,  hfiufig  von  blech,    daher  sie  in  ahd. 
glossen  plehy  plehhir  heifsen,   aber  auch  von  glas,  holz^ 
knochen,    kräutern,    silber   und    gold;    Hgaturae  scheinen 
blorse  fadenknüpfungen.     der  neuere  name   ist  on^eAenke 
(abergl.  869.  870].    audi  geheime  Schriften  und  ranen  wur« 
den  angehängt,    der  zweck   war  aber  nicht  immer  heilang, 
sondern  umgekehrt  auch  Zauberei  und  Verletzung.    Hi^  sind 
Zeugnisse   für  beide  aHen:    ut  derici  vel   laici  phylactem 
vel  falsiis  scripHones  aut  ligatvras^    quae  imprudentes  pro 
febribus  aut  aliis  pestibus  adjuvare  putant,   nullo  modo  ab 
illis   vel   a    quoquam   Christiane  fiant ,    quia  magicae  artis 
insignia  sunt.'    capitul.  6,  72;    'admoneant  sacerdotes   non 
ligaturas  ossium  vel  herbarum  cuiquam  adhibitas  prodesse, 
seä   haec   esse   laqueos  et  insidias    antiqui   hostis.'     capit 
add.  3,  93.     Greg.    tur.  mirac.  2,  45  berichtet  von  einem 
kranken  knaben,    zu  welchem  man  den  klugen  mann  (ario- 
lus]  berufen  liefst   Hile   vero  venire   non   differens   accessit 
ad  aegrotum  et  artem  suam  exercere  conatur,   incantatio- 
nes   immurmurat,    sortes  jactat,    ligaiuras  colh    suspendit' 
lex  Visigoth.  VI.  2,  4:    'qui  in  hominibus  vel  brutis  anima- 
libus,   seu  in  agris  seu^in  vineis  diversisque  arboribus  ma- 
leficium   aut  diversa   Hgamenta   aut    etiam  scripta  in   con- 
trarietatem  alterius  excogitaveril  facere.'  lex  sal.  22,  4:  'si 
quis   alteri    aliquod    maleficium    superjactaverit)    sive    cum 
Ugäturis  in  aliquo  loco  miserit.'    im  anhang  s.  xxxn.  xxxin. 
xxxvn  werden  solche   bald   heilsame   bald    schädliche   liga" 
furae   und   nefaria   Hgamenta  angeführt;    Kopps    palaeogr. 
3,  74  fr.   hat    andere    stellen    über    amulete    und    ligaturen 
verzeichnet.     Hincmar  1,  654  sagt:   'turpe  et  fabulas  nobis 
notas  referre,  et  iongum  est  sacrilegia  computare,  quae  ex 
hujusmodi   de   ossibus  mortuorum   atque    omeribus    carbo- 
nibusque  extinctis   (oben   s;  588)   .  .  .  cum  fiiuHs  cohrum 
fnultiplidum,    et   herbis   varii»   ac   cocleolis   et   serpentnm 
particulis   composita,    cum   carminibus  incantata    depreben- 
dentes  comperimus.'     diese  bunten  faden  gemahnen  an  den 
virgilischen  vers:   Uema  tibi  haec  priitium  tripHci  diversa 
colore  IMa  circumdo'  und  an  das  ^necte  tribus  nodis,  ter- 
nos  Amarylli  colores'  (ed.  8,  73.  77)*).     Sollen  dergleichen 
angehenke  unsern  vorfahren  von   den  Römern  zugebracht 


*)  die  lettische  braut  zur  trauung  fahreud  mufs'  in  jeden  graben 
und  teich,  den  sie  sieht,  und  an  jede  hausecke  ein  bnndel  gefärbte 
faden  und  eine  münze  werfen  zum  opfer  fnr  wasser  und  hattsgeisler. 
Merkels  Letten  p.  50  (TgL  ehsto.  abeingl.  11]. 


AN6BBIN0B.    NEStfiLKNÜPFBN  112t  ^ 

sein,  80  gfeschall  es  schon  in  früher  zeit ,  die  episl.  Boni- 
fiioii  51  (a.  742)  sagt;  Micnnt  quoque  se  vidisse  ibidem 
muUeres  pagano  rUu  pkylacteria  et  ligaturas  in  braehiis 
et  crunbns  ligiatas  hiabere  et  publice  ad  vendendum  yenales 
ad  comparan<him  alüs  offerre/  Beda  4,  27:  'nam  et  multi 
...  ad  erraüca  idohiriäe  tnedicamina  concurrebant,  quasi 
missam  a  deo  conditore  plagam  per  incantationes  vel  phy- 
laeteria  .  .  .  cohibere  valerent/  ein  phylacterium  mit  reli- 
quien  vom  hals  bis  £ur  brüst  erwähnt  Sigeb.  gembl.  828. 
Bonaventurae  centiloquium  1^  29  (opp.  ed.  venet.  5^  130]: 
'maleficinm  est  peritia,  per  quam  muUeres  faciunt  aliquas 
ligaiuras  in  damnuoi  vel  in  commodum  alicujus^  ut  de 
crista  gcMi  et  de  r<ma  et  de  imagine  cum  eis.'  Schon 
Plinius  30,  1  nennt  anbindsei  von  käfem,  des  fülwant 
Ms.  2,  160^^  gedachte  ich  s.  624,  auch  diesen  brauch  weist 
Piin.  28^  19  auf:  dentes  qui  equis  primum  cadunt  facilem 
dentitionem  praestant  infanübm  adaltigaH.'  der  neben  dem 
fülisant  geiiamte  gevater  soll  ihn  wol  dem  pathen  eigen- 
htodig  umthun?  vom  anbinden  der  heilliräuter  redet  das 
folgende  cap.  umständlicher. 

Der  Verzauberung  neuvermählter  ist  schon  s.  1027* 
1049.  erwähnung  geschehen,  die  hexe  kann  durch  blofse 
hermurmelung  eines  Spruchs  während  der  trauung,  wenn  sie 
dabei  zugegen  ist,  den  mann  zum  zeugen,  die  frau  zum 
empfangen  untüchtig  machen.  Hincmar  1, 654  erzählt  einen 
fall,  und  gibt  die  Zusammensetzung  des  mittels  an,  das 
neben  der  beschwörung  angewendet  wurde;  auf  Hinemar 
gründet  sich  eine  steUe  in  Gratians  decret  II.  33,  1.  $.4« 
diese  sauberei  beifst  senkelkmüpfen  ^  nesksUmüpfen,  schloß'* 
Mohlieflmn^  binden  y  weil  dabei  heimlich  ein  knoten  ge*- 
knüpft,  ein  scfalofa  zugeschlagen  wird*),  nestel  bedeutet 
einen  bendel  (ligula),  senket,  wenn  er  oben  an  der- spitze 
mit  blech,  zum  leichtem  einsenken,  gefafst  ist.  man. sagte 
auch  brueheerknüpfen j  niederkleid,  nackmäntel  knüpfen, 
franz.  nauer  raiguiUette,  es  soll  funfzigeriei  arten  solcher 
Verknüpfungen  und  eine  menge  unverständlicher  knüpf- 
Sprüche  geben**),  das  zugemachte  schlofs,  der  geknüpfte 
knoten  wurde  weggeworfen,  nieht  an  die  bezauberten 
gehängt. 

Vieles  wird  bei  schwangeren  und  gebührenden  beobachtet, 
vgl.  abergL  41.  176.  293.   337.  364.  489.  561.  654.  674« 


")  hÜfemittel  dagegen  in  Ettoers  hebamme  b.  294. 296.    Wegneri 
sehanplati  p.-  625  ff. 

**)  Bodin  Obers,  von  Fiiohart  p.  74.  75. 


1)29  ,  GSmiRTS9IL|!B 

688.  691.  702.  724—732.  815.  859.  924.  933.  ehsln.  U. 
18  —  23.  Legt  die  frau  des  mannes  pantoffel  an,  bindet  am 
hochzeitstag  der  bröutigam  der  braut  die  Strumpfbänder^  so 
wird  sie  leicht  gebähren.  Bezaeht  sich  hierauf  auch  die 
Sitte,  deren  alter  ich  gleich  beweisen  will,  dafs  die  braut 
in  der  braatnacht  heimlich  ihr  hemd  mit  dem  des  mannes 
wechsele?  Vintler  sagt  s.  hs:  das  sint  dan  eüich  briute,  die 
legent  ihr  hemd  an  irs  mannes  ort.  Deutlicher  in  Turlios 
Wh.  148;  diu  künigtn  wart  gebrtset  in  ein  bemede: 

'aiser  dir  st  gelegen  bt, 

und  er  dar  nAch  entslAfen  st, 

s6  lege  tougen  sin  hemede  an; 

und  ob  dtn  sfn  gesuöcbeii  kan, 

dai  ez  werila  heimliok  getAn, 

sich,  dat  dich  iht  TerdrieKe, 

<ßfi  Hemde  sin  houpt  beslieie; 

daz  sol  an  dlnem  yltze  sl^n: 

dar  n^ch  soldn  über  in  g^n 

an  sime  hemde,  daz  wirt  dir  nomen.* 

Den  Griechen  förderten   oder  hemmten  höhere   göttli- 
che Wesen    gehurt,    die  Eileiihyienj    botinnen    der    Hera, 
woraus  allmälich  eine  einzige  Eileitkyiay  die  römische  Lu^ 
cinOf  wurde,     in  unsrer  edda  ist  Oddrän^  Atlis  Schwester, 
der  entbindungen  kundig,  sie  reitet  über  feld  zu  der  krei- 
fsenden,    wirft   den  sattel  vom  rosse  und  schreitet  in  den 
saal  (Siem.  239) ,   kniet  vor  der  Jungfrau  nieder  und  spricht 
ihren  Zauber,    man  sagte:   Inosa  ma^r  fr&  mögum  (exsol* 
vere  matres  a  pueris)    S®m.  187^  und  legte   das   amt    den 
nornen  zu.     Es  mufs  dabei  uralte  lösende   und  hindernde 
noch  heute  beobachtete  sympathetische   mittel   gegeben  ha- 
ben; ttbereinanderschlagen  der  beine,  falten  der  bände  vor 
der  gebährenden  hinderte,   von   einander  lassen  und    los- 
machen förderte,  wahrscheinlich  half  jenes  rasche  absatteln 
des  rosses. 
Ov.  met.  9,  298:  dextroque  a  poplite  laevum 
pressa  genu,  digitis  inter  se  pecüne  ßmeüs 
sustinuit  nixus.    tacita  quoque  carmina  voce 
dixit,  et  inceptos  tenserunt  earmina  partus. 
310  divam  residentem  vidit  in  ara, 

brachiaqne  in  genibus  digitis  connexa  tenentem. 
314  exsiluit,  junctasque  manus  pavefacta  remisit 
diva  potens  uteri. 
Assidere    gravidls,    vel    cum    remedium    dicui    adhibea«* 
tur,     digitis  pectinatim  inter  se    implexis   veneficium    est, 
idque  compertum  tradunt  Alcmen»  Herculem  pariente.     pe- 
jus   si   ctrca   unum    ctmbote  genua;    item    poplites   alternis 
genibus  imponi.  Plin.  38^  6;  ferunt  difficiles  partus  statim 


HBILWASSBR.    RBLIQDIBN  Ill$ 

9obif  com  qiiis  tectaRi,  in  quo  sit  graTids^  transmigeril 
lapide  vel  missiH  ex  bis,  qoi  tri«  animalia  singfulis  ictibus 
ifiterfecerint  bominem^  aprum,  uraaoi.  probabiNus  id  facit 
hasta  veiitaris,  eTulsa  e  corpore  hominis,  ai  terram  non 
attigeril  28,  4. 

Vergiftungen  wurden  zuweilen  grewaltsam  geheilt:  man 
hieng  den  kranken  an  den  belnen  auf,  und  rirs  ihm  nach 
einer  wette  ein  aug  ans,  im  glauben,  das  gift  werde  durch 
diese  öfiiung  fiiefsen:  'tarnen  intoxicatos  Albertus  in  Austria, 
et  diu  per  pedes  suspensus,  oculum  perdens  evasit/  Alber* 
tus  argent.  (ed.  basil.  1569)  p.  167. 

naner,  fueUen  und  feuer  haben  kraft  die  gesondbeit 
zu  erhalten  oder  herzusteilen  (s.  552.  554.  572.  585.  588. 
590);  besonders  aber  die  quelle^  welche  der  gott  oder  der 
heilige  in  dett  fels  gesprengt  hat.  die  um  den  heilquell 
gewundne  oder  dabei  erscheinende  $6klange  (s.  551.  554) 
darl  dem  schlangenstab  Aesculaps  verglichen  werden.  Aus 
felsen  und  mauern  trieft  heilendes  wasser  oder  Ol.  Die 
eingemauerte  mutter  (s.  1096)  reichte  noch  eine  Zeitlang  aus 
einer  öfnung  der  wand  heraus  ihrem  sdugling  die  brüst, 
bis  sie  mdlioh  starb,  an  dieser  stelle  tropft  es  beständig^ 
Weiber  denen  die  milch  vergangen  ist,  treten  dahin  und 
werden  geheilt »  die  muttermilch  hatte  so  lange  geströmt, 
dars  sie  auch  fremde  brüste  in  flufs  bringt.  Aus  Italien 
kenne  ich  eine  ähnliche  sage:  ^est  quoque  non  procul  ab 
l  hoc  oppido  (Veronae)  in  valle  quadam  Polioella  dicta  locus 
^:  Negarina  nomine,  ubi  eaxum  dnrissimum  visitur,  in  quo 
^.  mammae  ad  justam  muliebrium  formam  sculptae  sunt,  ex 
^  guarwm  papiUis  perpetuae  etillmU  aqnae,  quibus  si  lactans 
>^  mulier  papillas  aspersit  et  laverit,  exsicoatus  aliquo  ut  fit 
'^  vel  morbo  vel  alio  casu,  illi  lacteui  hwnar  revocatur. 
Hentzneri  itinerar.  p.  201. 

Den  gräbem  der  heiligen  wurde  im  MA.  unmittel- 
bares heilvermögen  beigemessen  und  alles  was  mit  ih- 
nen in  berührung  stand  gewährte  hilfe,  sogar  d^  trunk 
des  über  knochen,  kleider,  holssplitter  und  erde  ge- 
gorsnen  wassers.  rasen  und  thau  auf  dem  grab  heilen 
(Greg,    turon.  vitae  patr.  6.  .7  %     Beda  3,  9  erzfihlt   von 

*)  Greg.  tar.  mirao.  1,  21  theilt  ans  fintebiui  ^7,  18)  die   sage 

Yon  eioem  eribHde  des  heilandi  und  der  frao,   lu  Caesarea,    deren 

bkaUauf  gestillt  worde»  mit:   hi^ua  ad  pedeai  atalsae  in  basi  herba 

^^      qaaedam  nota  sp<^eie  aaseitur.    quae  cam  exorta  faerit ,  creteere  «f- 

^      que    ad    shlae   iUms    aerea»  tndumtnfi    fimirimm.   solet      quam    cum 

^      summo    TCirtice   cresCeos    herba   conHgerit^   Tires  inde  ad  dtpeüendos 

4      omnea  morbos  langQoreaqae  oonquirit,   ita   nt   quaecnnqne  faerit  illa 

infirmitas  oorporia,   hanatu  ezigao    madefaota  salutaris  graminia  de- 


im  RELIQDieN 

dem  hailigien  Oswald:  in  loco,  nbi  pro  patria  dimicans  a 
paganis  mterfectus  esl,  i»»que  ihodie  ionUaies  infirmanm 
et  homimm  et  pecarum-  celebrari  non  deainont.  iinde 
coAtigit  ut  puherem  ipsumy  ubi  coi^s  ejus  in  terram 
corruit^  multi  auferentes  et  in  tiquam  mittente»  suis  per 
haec  iiifirmia  maUttm  commodi  afferrent,  qui  videlieet  mos 
adeo  increbuity  ut  paulatim  ablata  exinde  terra  fossam  ad 
mensuram  statnrae  virilia  reddiderit.  3^  11:  de  puhere  pa- 
vimenti,  in  quo  aqua  lavacri  iilius  effusa  est,  multi  jam 
sanati  infirmi  3,  13:  habeo  quidem  de  ügno^  in  quo 
Caput  ejus  occisi  a  paganis  infixum  est  ...  .  tunc  bene- 
dixi  aquam,  est  aiittkun  roboris  praefati  immittens  obtuli 
aegro  potandam.  nee  mora,  melius  habere  eoepit.  4,  3 
von  dem  h.  Ceadda  (f  672):  est  autem  locus  idem  sepul- 
cri  tttmba  lignea  in  modum  domunculi  facta  coopertus, 
habentß  forameu  in  pariete,  per  quod  solent  hi,  qui  causa 
detotionis  illo  adveniunt,  manum  suam  immittere,  ac  par" 
tem  puheris  inde  ässumere^  quam  cum  in  aquas  mUerint 
atque  has  infirmantibus  jumentis  sive  homtnibus  gustandas 
dederint,  mox  infirmitatis  ablata  molestia  cupilae  sanitatis 
gaudia  redibunt.  4,  61  von  Earconvald:  etenim  usque  ho- 
die  feretrum  ejus  oaballarium,  quo  infirmus .' vehi  solebat, 
servatum  a  diBcipulis  ejus,  multos  febricitantes  vel  alio 
quolibet  incommodo  fessos,  icmare  non  destitit  non  solum 
autem  suppoaiti  eidem  feretro  vel  appoBM  curantur  aegroti, 
sed  et  astulae  de  illo  abst^sae  atque  ad  infirmos  allatae 
citam  illis  solent  atTerre  medelam.  Reliquien  heilen  nicht 
allein,  sondern  bringen  glück,  ruhe  und  fruchtbarheit,  un- 
geflihr  wie  hleinode  der  elbe  Und  zwerge  in  einzelnen  ge- 
schlechterp ;  ubiounque  hae  refiquiae  fuerint,  iUic  pax  et 
augmet^um  et  khitag  aeris  semper  erit  (Pertz  1,  71)*). 

pelUtur :    nihili  omnino  yiriuni   g^reos ,    si.  anlequam  aereae  fimbriae 
summitatem  crescendo  contigerit,  decerpalur.    hanc  statoam  ad  simi- 
Ktudittem  yultus  Jesu  tradebant,  qaae  permansit  etiam  ad  nostra  (Ea- 
sebii)  usque  t&mpora,.  ticot  ipsi  oculis  nostrls  mspeximu«.    den  sohö* 
nea  mythus  ersähU  aqoh  Agobardus  nach  (opp.  ed.  Baluie  Par.  1666 
1,  248.  249),    ea  kam  darauf  an,    dafs  das  kraut  bis  zum  saun  des 
kleides  emporwuchs,  erst  durch  dessen  berührung  erlangte  es  heilkraft. 
*)  les  reliques  sunt  fön,  deus  i  fait  grant  Tertuz, 
iloc  juit.un  oontraift,  aet  am  out  ke  ne  se  mut, 
tut  H  OS  H'crussirent,  U  ners  li  sunt  estendut: 
ore  sailt  sus  an  peez,  uukea  plus  saiii  ne  fad.  rom.  de  Ghar- 

lemagne  192—105. 
lea  reliques  suol  forz,   granz  rertuz  i  fait  deua, 
que  il  ne  venent  a  ewe,  neu  partissent  les  guet, 
nencuDtrent  a?eogle  ki  ne  seit  reluminet, 
les  cuntrez  i  redreaeent  e  les  muz  funt  parier^  255—258. 


eUOSDCaiAlUFHlflrCBR  1131 

Die  legen«)«»  sind  TCtll  wunderbarer  rettungen,  weioke  w&IM 
fartenden  siechen  am  grabe  des  heiligen  zu  theil  wurden« 
eine  unglaubliche  menge  von  kranken  nahm  zn  diesem  mit- 
tel ihre  Zuflucht;  treflich  aber  wird  es  in  der  thierfabel 
parodiert  (Reinh.  s.  ct.  cxxyi):  der  fieberkranke  hase,  der 
ohrenzwfingige  wolf  genesen,  sobald  sie  sieh  auf  das  grab 
der  gemarterten  benne  gelegt  haben.  Von  solchem  wahn 
waren  die  Heiden  frei ;  ich  finde  nie  gemeldet,  dafs  sie  tob 
reliqiHen  und  bei  den  hageln  ihrer  könige  und  riesen  hei- 
lung  suchten*),     aber  heilige  wälder  heilten  (s.  64). 

In  Griechenland,  namentlich  Böotien,  war  es  gebräuch- 
lich, dafs  genesene  die  metallene  abbildung  des  erkrankW 
gewesenen  gliedes  im  tempel  aufstellten,  als  uva^tj/Lm^a 
nennt  eine  inschrift  ngoownov ,  Tn&og,  aiSoiov^  ^bIjq 
u.  s.  w.  **),  aus  solchen  weihgeschenken  wurden  hernach 
heiHge  gefsfse  gemacht.  Die  sitte  der  votivtafeln  mit  nach«« 
gebildeten  gliedern  können  nun  schon  die  beidnisohen  Römer 
nach  Deutschland  übergeführt  haben,  wenn  man  nicht  zu^ 
geben  will ,  dafs  unsere  Torfahren  früher  selbst  damit  be*« 
kannt  waren.  In  der  s.  71  aus  Gregor  mitgetheUlen  stelle 
heifst  es  ausdrücklich :  membra,  secundum  quod  unumquem-* 
quef  dolor  attigisset,  tculpebat  in  Hgno;  und  dann  weiter 
'visi  enim  in  eo  barbari  gentili  superstitione  modo  auri 
argentique  dona>  modo  fercula  ad  potum  yomitumque  ebrii 
olFerre^  cultumque,  quo  nihil  insanius,  istie  simidacirum 
inanis  dei ,  ac  ut  quemque  affeeü  membri  dolor  pre$serat^ 
sculpebat  in  ligno  suspendebaiqtie  ppitulaturo  idolo.!  das 
geschah  hi  Ripuarien,  im  6  jh.  Darauf  bezieht  sich  auch 
bei  EUgius  s.  xxxi:  ^pedum  rimiKhidines ,  qQOsper  bima 
poninit,  fieri  vetate,  et  ubi  invenerit  igni  cremate,  per 
nuHam  aliam  artem  salvari  vos  oredatis  nisi  per  invoca-^ 
lionem  et  crucem  Christi;'  und  im  indiculus  §.  29  ^d$ 
ligneis  pedibm  vel  manibus  pagano  ritu.'  einer  gdtthm- 
ten  wird  im  l^ouin  bedeutet,  *ut  instar  semivivae  manum 
ceream  formtodo  •  exprimerel  et  ad  sanctae  Idae  tumulum 
deferret'  (im  anfang  des  10  jh.  Pertz  2,  573).  Zugleich 
aber  lehren  diese  Zeugnisse  eine  bedeutende  verschieden-* 


*)  den  arfprang  des  reliquiencuhus  werde  ich  ao  eiDem  andern 
orte'  untersiiGhen.  . 

'*)  eorp.  inscript.  1,  750  no.  I5it0  woBockh  sagt:  doMria ikicdi*«- 
calionit  causa  Ampbiarao  oblata«  qui  ex  oraeulo  per  tomiiium  dato 
restituti  in  fSDitatem  eranl,  ii  partim  membri,  quo  labararantf  effi^ 
giem  dicabant  (p.  474.  no.  497.  498)  partim  alia  donaria,  quemad- 
modum  etiam  in  fontem  Amphiarai  dejicere  nammos  lolebant.  ygl. 
Pausan.  t,  3. 


1132  OUBDERAüFKiNCBN 

heit  cler  Grieche  brachte  da0  dpa&rif$a  j  weM  das  übel 
geheilt  war,  aas  dankbarkeit;  der  Deutsche  stellte  das 
glied  im  tempel  öder  an  der  wegscheide  auf,  um  dadurch 
erst  g^esung  zu  bewirken:  opiiulaturo  idohy  und  per 
nullam  aliam  artem  sahari  vos  credatis.  darum  reichte 
auch  ein  höhemes  oder  vielleicht  wächsernes  abbikl  hin, 
das  ein  unstattliches  geschenk  für  den  hilfreichen  gott  ge- 
wesen wflre.  man  vergl.  die  aus  einer  andern  stelle  Gre- 
goffs  RA.  674  angelegnen  werte  und  Ruinarts  anmerkung 
dazu.  Diese  deutsche  paganie  berührt  sich  also  mit  dem 
sauber  durch  Wachsbilder  (s.  1045)  und  mit  heidnischen 
opfern ,  die  zwisöhen  dem  was  erfleht  werden  soll  ^  und 
dem  geopferten  gegenständ  analogie  beachten,  kinder- 
lose eitern  brachten  ein  kind  aus  wachs ,  hob  oder  sttter 
dar,  wahrend  umgekehrt  wftchserne  oder  silberne  bilder 
auch  zur  bufse  für  den  getödteten  leib  dienten.  Was  aber 
den  bekehrern  greuelhaft  heidnisch  vorkam,  duldete  und  ge- 
atffttäte  später  die  kirche.  Eine  AltOttinger  votivtafel  stellt 
einen  v^unglückten  dar,  dem  ein  pfeil  durch  die  augbraue 
in  den  augapfel  gegangen  war  (Schm.  1,  842)  *).  An  be- 
rühmten wallfartsorten  findet  man  hünde,  füfse  u.  s.  w.  aus 
holz  oder  wachs  angeheftet  und  vor  den  kirchen  wurden 
die  krüoken  aufgehängt,  mit  welchen  der  sieche  gekommen 
war,  deren  er  geheilt  beim  Weggang  nicht  mehr  bedurfte: 
ut  ineredibilis  materies  scabeUorum  atque  oscUlorum  post 
perceptam  sanitatem  a  redeuntibus  ibi  remaneret.  acta 
Bened.  sec.  Y.  p.  102,  vgl.  Pertz  2,  574.  Bei  den  Grie- 
chen schliefen  kranke  oft  in  dem  tempel  der  gottheit,  auf 
die  sie  ihr  vertrauen  setzten,  und  empfingen  m  iraium  an- 
zeige des  heilmittels  **);  ühnliches  kommt  in  legenden  des 
MA.  vor,  K.  b.  in  der  angeführten  stelle  aus  der  vita  s. 
lUae/  man  halte  dazu  den  träum  im  neuen  haus  oder  stall 
(s.  1099). 

Es  gab  abergläubische  zeichen,  aus  deren  beobachtung 
man  abnahm,  ob  ein  gefährlich  kranker  unterliegeA  oder 
genesen  werde,  des  geichreis,  flugs,  wendens  der  vdgel 
ist  s.  1089  gedacht.  Barchard  s,  xxxvn  führt  an,  dafs  man 
steine  aufhebe   und    nachsehe  ob  ein  lebendiges  thier  dar- 


*)  man  hieng  aach  bildlich  die  krankheit  auf.  so  findet  «ich  bei 
woadertbitigen  gnadebbildera  in  Baiern  uod  öalreich  uater  den 
wäcbaeraen  händen  und  füften  eine  kr^bs  oder  krdtenähnliohe  fe-» 
al^lt,  worunter  die  im  leib  lunkrieohende  bormoiter  Terataaden  wird. 
Schm.  1,  188.    Höfer  1,  78. 

**)  Jac.  Phil.  Tomaaini  de  donarüa  ac  tabelUe  volivia.  PataYÜ 
1654.  4.  cap.  34  p.  214—226  tota  pro  aegrotanlium  salutf. 


STERBBNSZBHIHEN.    PEST  1131 

unter  «ei:  ähnbcb  ist  das  aufgreifen  einer  handvoll  erde 
und  forschen  naob  einem  lebendigen  wesen  darin  (s.  xlvi, 
9).  Der  bück  des  vogeis  Galadröl  nnd  die  Stellung  des 
Todes  zu  häupten  oder  zu  füfsen  (s.  813)  waren  bedeutsame 
zeichen,  dafs  das  stehen  »u  ß/sen  frommte,  wusle  schon 
PtiniusäO^lO:  'eundem  (ricinum)  in  augurie  vitaiium  habent 
nam  si  aeger  respondeat  qui  intulerit,  a  pedibus  sianU 
interrogantique  de  morbo,  spem  vitae  certam  esse;  mori-^ 
Inrum  nihil  respondere.  adjiciunt^  ut  evellaUir  ex  aar« 
laeva  caws,  cui  non  sii  alias  quam  niger  color.'  Noch 
heule  isl  schottischer  glaube,  wenn  m^n  in  des  krankes 
aoge  die  mMnnlein  nicht  mehr  sehe ,  müsse  er  sterben :  ia 
der  glanzlosen  pupille  des  brechenden  auges  spiegeil  sich 
des  gegenüberstehenden  menschen  bild  nicht  melir.  Schon 
im  ags.  dialog  zwischen  Adrian  und  Rithens  (Thorpe  p.  48); 
'S8ga  me,  on  hvAm  mäig  man  man  geseon  raannas  deäd? 
ia  f»e  seoge,  tvege  manltoan  beo^  en  manf|es  eä§um< 
gif  ^A  fid  ne  gesibst,  fionne  svilt  se  man,  and  bid  geviteB 
mr  firim  dagum.'  Hierau  mufs  verglichen  werden ,  dafs 
man  nvch  in  eines  verzauberten  menschen  äugen  die  nigt} 
nicht  sieht  (s.  1028),  und  sie  in  einer  hexe  aug  verkehrt 
oder  doppelt  stehn  soll  (s.  1034).  Kann  ein  todkranker 
nicht  verscheiden,  so  soll  man  eine  schmdel  anf  dem  dach 
wemäem  (abergl.  439),  drei  siegeln  amfheben  (721)  oder 
anderes  holes  hausgerfttbe  mmkehren  (664).  das  gidiche 
mittel  wird  bei  epileptischen  (853)  und  kreifsenden  (561) 
angewendet:  'wann  es  im  kreifs^i  schwer  hergehet,  läfcrt 
man  den  man  drei  schmdeln  aus  dem  daoAe  »iehem 
und  v^kdirt  wieder  einstecken.'  Etteers  hebaonne  p«  663. 
vgl.  oben  s.  1070. 

Ich  habe  bis  zuletzt  verspart  von  der  pest  und  den 
vielfachen  Überlieferungen  zu  reden,  die  sich  an  ihr  er«- 
scheinen  knüpfen,  wann  nach  grofsen  Überschwemmungen 
feuchte  nobel  und  schwüle  dünste  die  luft  vergiften,  bricht 
sie  plötzlich  aus  und  verbreitet  sich  unaufhaltsam  über  die 
erde. 

Dem  gr.  Xoi/uog  (s.  842)  entspricht  auch  im  genus  das 
ahd.  sterpOf  scelmo  (nihd.  schelme),  gl.  jun.  219  scälmo, 
fihusterbo,  altn«  skelmisdrep;  ahd.  touol  {Di\x\.  1.  50P),,  ags. 
eöl^  gen«  ytA^s.  die  laf.  benennungen  pestis^  lues  sind  weib- 
lich, wie  das  serb.  kuga^  morija.  masc.  aber  das  b6hm. 
poln.  mar,  Ktth.  moros ,  lett.  mehris.  das  serb.  und  slov. 
knga  ist  das  mnd.  koghe  (Detmar  1,81.113.  127.148.377), 
ja  in  einem  mhd.  gedieht  (bei  Heyer  und  Mooyer  s.  46"^) 
•     steht   koge.     man  sagte  mlid.  der  gähe  t6t  WigaJ.  3729»; 


1134  PB8T 

Mni.  gäddt  Maerl«  1,  230.  aber  auch  de^  gro/$e  töd^ 
sohwed.  digerdöden  (altn.  digr  crasaua,  tanidus),  attn.  searH 
daudi,  dän.  den  sarte  dödy  der  schwarze  (od,  vielleicht  gar 
mil  bezug  auf  Svrtr  (s.  769)  *). 

Den  Griechen  sandten  des  zürnenden  ApoUo  klingende 
pfeile  die  pest:  schnell  sterbende  münaer  tödtet  ApaUauSf 
schnell  sterbende  freuen  der  Artemis  geschofs;  vergleich- 
bar ist  der  jüdische  würgef^el  (II  Sam.  24,  1$).  HermeSf 
beschttizer  der  heerde,  trägt  um  sie,  seuchabwehrend^  den 
mdder;  hernach  trägt  ^  ihn  auch  um  die  etadt  u^to^ 
<p6go6^.  Jungfrauen  wurden  geopfert,  der  verheereiuien 
krankheit  einhält  zu  thun.  Nach  Plinius  26,  9  kann  eine 
Jungfrau  mit  aufigelegtem  varbascum  gesohwulst  (panos) 
heilen:  experti  af&rmavere  plurinun  referre,  si  virgo  im- 
ponat  nuda  jejuna  jejuno  et  manu  sopina  tangens  dicat: 
'negat  ApoUo  peetem  po»$e  crescere^  oui  fttida  wgo  resümr 
guatr  atque  ita  retrorsa  manu  ter  dicat^  totiesqu«  despu- 
•fltambo.  die  formet  ist  von  der  schweren  seuche  auf 
di^  geringe  übertragen :  so  wird  auch  entkleidung  der  jung^ 
frau  bei  abwendung  der  dürre  (s.  560.  561)  und  noch  an* 
dremal  erfordert. 

Jener  todeeengel  ist  der  Tod  selbst,  der  seine  leute 
abholt.  Bme  langob.  sage  redet  von  zwei  engeln,  einem 
guten  und  bösen,  die  das  land  durchziehen:  pari  etiam 
modo  haec  pestilentia  Ticinura  quoque  depopulata  est,  ita 
ut  cuncäs  civibas  per  juga  montium  seu  per  diversa  ioca 
fugientibtis  in  foro  et  per  plate«i  civitatisr' herbae  et  fru* 
cteta  nascer^ntur.  tuncque  visibiliter  multis  apparuit,  quia 
bonus  et  malus  angeius  noctu  per  deitatem  pergerenty  et  ex 
jussu  boni  angeli  malus  angeius,  qui  videbatur  venabulum 
manu  ferro,  quaHensde  eemAuh  ostium  oujuscunque  domus 
percuisisset  y  tot  de  eadem  domo  die  sequenti  homines  in- 
terirent.  tunc  per  reveiationem  cnidam  dictum  est,  qood 
pestis  ipsa  prius  non  quiesceret,  quam  in  basilica  beati 
Petri,  quae  ad  viacula  dicitur,  sancti  Sebastiani  martyris 
altarium  poneretur.    factumque  est,  et  delatis  ab  urbe  Roma 

*)  Paul  Diac.  2,  4  schildert  eine  Terheerende  seuche  in  zägeo, 
die  BD  das  lebendige,  Ton  Boccaccio  la  eiogang  des  decamerone 
eotworfDe  bild  erinnern,  wie  Terödet  Schweden  und  Norwegen  zur 
zeit  der  grofsen  pest  waren  beschreiben; Afzelius  4,  179.  180  nnd  be- 
sonders Faje  8.  135  —  148  naeh  schönen  Tolkssagen, 

**)  Massilienses  quodea  peslUentia  laborabant,  iiiuw  se  e»  ptnff' 
rwribui  oferebai  alendna  anno  integro  publicis  et  purioribus  cibis. 
hie  postea  ornatus  rerbenis  et  yestibus  sacris  circumducebahir  per 
Mam  cwUalem  cum  exsecrationibus ,  ut  in  ipsnni  reciderent  mala 
-civitatis,  et  sie  projiciebat^r.    Petron.  cap«  141. 


RST  IISS 

beati  Srbtfltiani  reliquis,  moxnt  id-jam  dicia  baaitioa  alta- 
rium  constitutum  est ,  peius  tpsa  quieeU.  Paul.  Diac.  6,  5. 
Als  im  j.  589  xu  Rom  die  Tiber  ausgetreten  und  eine  Seu- 
che entsprungen  war,  die  viele  menschen  rafte,  ordnete  der 
heil.  Gregor  feierliche  kreuztracht,  achtzig  leute  stürzten 
'allen  gfthes'  vor  seinen  füfsen  in  der  kirche  nieder  und 
starben;  vom  gebet  sich  aufrichtend  'sach  er  sldn  üf  dem 
Dietriches  hüse  einen  engel  mü  phtotigem  noertey  der  idis- 
keie  da»  selbe  swert  durch  stnen  gSren.  do  verstnont  sich 
der  heilige  man,  daz  der  6wige  vater  stnes  zomes  hin  ze 
den  fiuteu  erwinden  wolte'  *). 

Gleicb  solchem  todesengd  zieht  dienord.  ffW  mit  ihrem 
rosse  umher  (s.  290.  804),  es  ist  das  auf  dem  kirchhof  er- 
scheiaende  tadiempferd  (s.  1095). 

Nach  einer  voigtländischen  ttberlieferung  kommt  die 
pest  als  blauer  dunst,  in  gesiaU  einer  ioolkey  gezogen.  JuL 
Schmidt  p.  158.  das  bezeichnet  jenen  schwülen  nebe),  der 
Seuchen  voranzieht,  und  der  blaue  dunst  gemahnt  an  des 
donnergottes  feuer  (s.  162).  Einst  wtitete  die  pest  im  Oden- 
wald und  zeigte  sich  als  blaues  flämmchen  an  der  sacristei 
der  statUkirche  zuErbach,  wo  sie  ein^emoiierl  wurde.  Amm. 
Marc.  23^  6  (a.  363):  fertur  autem  quod  post  direptum  hoc 
idem  figuientum  (ApoUinis  simulachruro)  incensa  dvHate 
(Seleuoia)  «milites  fanam  sorutantes  invenere  foramen  an-- 
gustum:  quo  reserato  ut  pretiosum  aliquid  invenirent,  ex 
adyto  quodara  concluso  a  Cbaldaeorum  arcanis  labes  prmor" 
dialis  eaßsUuüy  qnee  insanabilium  vi  oonceptd  morborom  ejus« 
dem  Veri  Marcique  Antonini  temporibus  (A  ipsis  Persarum 
fimbus  ad  usqüe  Rhemm  et  Gallias  cuncia  contagiis  pol" 
hiebai  et  mortUms,  Auch  im  j.  1709  wurde  die  pest  zu 
Conitz  in  Preuben  in  ein  loch  der  Hnde  auf  dem  kirohhofe 
gebannt  und  ein  dazu  bereit  gehaltner  pflock,  der  genau 
fügte,  eingeschlagen:  seitdem  hat  sie  sich  nicht  wieder  im 
lande  zeigen  können  (Tettau  und  Temme  s.  222).  dies 
stimmt  zum  einpfählen  der  Unsaelde  und  der  maus  (s.  832. 
1120)^  aber  allgemein  zu  der  Vorstellung,  dafs  krankheiten 
auf  bftume  übertragen  werden  können,  das  einschliefsen 
der  seuche  in  tetnpel  und  kirche  bezieht  sich  auf  ihren  aus- 
gang  von  der  gottbeit. 


*)  denUehe  predigten  heräosg.  Ton  Karl  Roth  s.  76.  rgl  HofTm. 
fomdgr.  1,  77  and  -Greg.  tar.  10,  1.  2.  das  Digtriehshaus  war  die 
moles  Hadriani,  apfiter  die  EngeUburg,  ebeo  nach  dem  enge!,  der 
aich  anter  den  bittgängen  blicken  liefs.  unsre  Tolkssage  schrieb  aber 
grofae ,  römische  gebäude  lieber  Dietrich  zu ,  namentlich  auch  das 
Amphitheater  zu  Verona  (deutsche  heldensage  a.  40.  203). 


Id86  PBBT 

Augttstiniu  de  ¥erbo  «postoL  168  stellt  die  pest  als 
vnmehkichende  frau  dar,  welche  sich  mit  göld  abfinden 
tüfsl:  'proverbium  est  panieam,  qood  quidem  latine  vobis 
dicam^  quia  punice  non  omnes  nostis.  punicum  enim  pro- 
verbium  est  antiqua«:  numum  tmlt  PesHlenüa?  daos  Uli 
da,  et  ducat  se.' 

Ais  zu  Jastiniaos  zeit  die  grorse  pest  wütete,  sah  man 
auf  dem  meer  eherne  barlieD,  worin  schwarze  männer  aon* 
der  haupt  saGsen:  wohia  sie  fahren  begann  die  pest  ausza- 
brechen,  in  einer  stadt  von  Ägypten  waren  von  allen  ein- 
wohnern  nur  sieben  männer  und  ein  zehnjähriger  knabe 
übrig,  sie  wollten  sich  mit  ihren  schätzen  retten,  die  männer 
fielen  aber  in  einem  hause  vor  dem  thor  todt  hin ,  da  floh 
der  knabe  allein,  doch  unter  dem  thor  fafste  ihn  ein  ge- 
spenst  und  schleppte  ihn  ins  haus  zurück,  bald  darauf 
kam  der  Verwalter  eines  reichen  mannes,  um  geräthe  aus 
diesem  hause  zu  holen,  und  der  knabe  warnte  ttin  fortsnei-* 
lau:  in  demselben  augenblick  sank  er  mit  dem  knaben  todt 
zu  bodeQ.  so  erzählte  bischof  Johannes.  (Assemanni  bibli- 
oth.  Orient.  2,  86.  87). 

Neugriechen  denken  sich  die  pest  als  bimde  frauy  welche 
die  Städte  von  haus  zu  haus  durchwandert,  alles  was  sie 
berühren  kann  tödtend.  sie  geht  aber  tappend  und  tastend 
die  mauern  entlang,  und  wer  sich  vorsichtig  in  der  mitte 
des  gemachs  hält,  den  kann  sie  nicht  erreichen.  Nach  einer 
andern  volkssage  sind  es  drei  fürehterliche  frauen,  die  in 
gesellschaft  durch  die  Städte  ziehen,  und  sie  verheeren,  die 
erste  ein  grofses  papier,  die  andere  sdieeren^  die  dritte 
einen  besen  tragend,  sie  treten  zusammen  in  das  haus^  wo 
sie  Schlachtopfer  suchen:  die  erste  schrnbt  die  namea  in 
ihr  register  ein,  die  zweite  verwundet  sie  mit  der  scfaeere, 
die  dritte  kehrt  sie  weg.  (Fauriel  diso.  pr61.  lxzxiii.)  Hier 
sind  die  drei  parzen  [a*  385)  oder  furien  und  euoieBiden 
todesgöttinnen  geworden. 

Schön  ist  das  bretagnische  lied  *  bösen  EUiant',  die 
pest  von  EUiant  bei  Yillemarquö  1,  46-51.  Eia  müller 
gieht  die  sage,  sah  am  fürt  des  flufses  eine  weifigekleidete 
frau,  mit  flem  stab  in  der  band,  sitzen,  die  übergefahren 
sein  wollte,  er  nahm  sie  aufs  pferd  und  brachte  sie  hin- 
über, da  sagte  sie  'junger  mann,  weifst  du  auch,  wen  du 
überführtest?  teh  bin  die  Pest;  schon  -habe  ich  meinen 
Umgang  durch  Bretagne  geendet,  jetzt  will  ich  in  die  kir- 
che  von  Elliant  zur  messe  und  wen  mein  slftb  berührt, 
der  wird  schnell  sterben,  dir  aber  und  deiner  mutter  soll 
kein  leid  geschehn.'    so  geschah  es,  alle  leute  in  der  bürg 


1931 

8tgriien<j  tweitwäffentmimm  ^die^mtne  wiüke  Audi i ihr  kohtli 
Naoh'.ein^ft  tolkämdiii^gt  er  ne«  m^>  dm-sckuUeftn...  mm 
tin^m  'einBigenr  -haBA-  ilicrdeii  neun  i  Kinder  begraben  /  >iMr 
kindihof  war  aageCilli!  bis  xii  den.  maiierii.  /neben  -ttem 
MrcAAfl/)  .Mehl- eine  -eid^j  bn-  ihreh  ^pfel .  ist -ein  weifees 
Uich  gebunden;  •  die >: Pest : hat- aile 'tettle  hingeraft/.  -KUm 
vertrieb  sie  endlich  :.dainil  dafe.  man;  »sie  besang;  als  siMp 
ihran^tiameniii'  den  biedern  geftaimt  und  entdedsl  sah/  wich 
sie  aus  dem.slaiad  undrfcebrlentiDnier'Zurficki  >  Das  b^ehveik 
<ider»iqfaAfte«T  isl  )gans  >wie  bei.^der  gfttlki.Berhta:  oder,  bei 
ciMsdheil  wäse».  • 

Voiirden  iitth.  tiSMne,'  der.  pest  «oder  tedesgdttM  «lüehte 
lebMjiAsfilhrlicheile  sagen  wisaeni    sie  würgt  Aerbarmnnfslosc 
4iid .  taiwe  MGüAkie  fcsmMigtttr.  (dab.  dieh   die  pest  würge^ 
ieti  ein  :bekahiiler  flueh,     (Mieieke  s.  v.  DbnaleUis  i41*)i  aber 
atibh  Magita  öden  bloss  dMbei  (gbUi»)  heifst  die  illtth;  pest 
und  man  fludht  f^miM  ji/  Hagilofiy  imma  }i(  diewaiP     Aus 
den»  pohMchen  i  Litthailen'  lerzäfalt  Adiih   Ifiekieiiücx'*^}  von 
dbr  Mordiea'ldsiemae  (pesJjungfraM)  folgendes  c 
kiedy :  zarasa/ Lit^e  »«■•  uderayc , 
j^  prayjsoiec-.wie88C(ta  )0dgadme  zrseAioa  ; .       ' 
bä  jes'li  sljnsena  iwaideiofom  ^ribrayc^ 
nicetie  nftipustydh'^ancttaiadach.  i  b^oniabh       • 
staje  widomie  morotca  dmetoica^     f 
; .   . :  w  bieliznie/  z  wiaiiHieni  egbistymi  na  ekroniaeh^ 
«coljem  przenoisi>bifltjewie^kBB"drziesnt ' 
.  «  w  reku 'chustka  skrwawioni; -pofwi^wa. 
.    Dtfiewioa  slapa  kruki  etjowieazozeuii: 
;  '   na 'SiellA^  zamki  i  liogate  aiiasta;  (      n' 

u  üe  re^y  krwawe  chuMa  skinie, 
t     vtyie  patacfMr  aniieaiia«aie  w  pustynte; 

gdzianega  elapi,  s^i^zy  gvöb»  wyrastal^^)»  .     .        ' 

WoyißtQki  Ij  .51  nennt  sie  iPotoMTrw,  mms  eigentlich  lufl, 

dttnst  {s.  1135)^  dann  aber  auch  pest  bedeutet-   in  weirseai 

gewand  auf  steleeii  schreHet  sie  einher,    nennt  sioh  einem 

imnhe,  dem  *$ie  befe^net,   und  will  auf  seinen  schultern 

*)  Roqrad  Walknrod  poezye.    (Warszawie  1832  p.  96). 

***]  wenn  eine  aeüche  Litthauen  trift,  so  steht  (man  darf  den  ^ai- 
deloten  glauben  {»^iinessen)  sicfhtbar  auf  einsamen  ^ottesSckern  und 
leMern  die  ptittjanffrsii  in  w^iftem  kleid;  einen  fenrigety  kränz  tnk 
^k^  $cUife4  .an  dtr  stirne  tra^i  sie  sairi^drslihe,  mU  d«r  band  mMii^ 
«je  etn  kfuHg^  J^h.  lansaan^eQ  acbrittes  geht  sie  in.  dörfer,  schlölser 
und  reiche  Städte;  so  oft  sie  mit  dem  tucbe  winkt,  wandeln  sich 
jpai&ftte  in  wüsten«  w^^kio  ibr  fufa  tritt»  äfnet  sich  ein  frisches  grab. 
Ufa  iretf»  nichts  ob  »ob  bia^owsctkie  drzewa  richtig  übertrage,  norh 
ob  dies  adj.  mit  bialjowieszczka  (»•.  449)  T^rbuaden  ^erdeä  dirt  >^ 

GrinuM  myMol.    S.  musgmbe,  •  ^ 


•1    t|  « 


tua 

dufercb  ^lA  Keuft^fr  ff^/timgeätspmumr  i8«|hiti'iiHtteqiviilii0p 
den  todiett  JoHe  fldsuiMb  Ueiben.  ,  Mr  t  iraiiii  >  Irigt • .  ne  'nsa 
durch  stfidte  und  döffferywo  fWi  nilr  dBMt/tfi:A0.iaia^  igtiiM 
attte  dabin,  und  TW*  ihnm.flicheik.dll^neBflcheik'/  AniHrai 
däobe  et'Sid  zu  eptfänkeai  und  spiw^  4n<  delii  6träp\^'si6 
dMr  hob. sieb. fedetlekhtift  die.:höhi^tuml  eilta  im  dia.wahi»^ 
|}9biii|^,:  lüftbvöndi.deff.  manai  mttvgkngi.  •  .  i  >  ••  /  !;.;./ 
'  In.  €ifi^  andehh  ;eiiBiUo«g:  1;  IST-beifstMsie  iDmui 
(maa.  ««h-bwi  Uchuma),  soiangec  sie.lierf^sbfaii,  atafh«;  die>ddrfer 
ikte,  .iUe  hähiMiisiMi}  heiseil»  uiidj  kümieiiitiiichli  nehit^lpräheD; 
die  hunde  bellen  nicht  mehr,  doch  wittern  sia-di«  Fest-fM 
minima  i/fgl  8.  632)  und  lqiunriBn.s  ^ - ^BÜi  UiiieB  sah«  iie  in 
VBt€if%nageuiand$  .mit  tLMssmAäm  ihwr^  friieii»einbn stehen 
2tawi>aetaeni.uflui  di)&;leilsE-  biiiairf  »Uinwf  n,  m^  deii'teob«n> 
itan  huiildien'.  eu.  entgebn.  <  risbh:  iiähatli  ler 'aaih>  der  leittti 
ttn(}  atttftt  um,:  daß;  ^  p^st.  Mitob  viitBr  die  \hiq«N^  fUktq 
A9U  droht  aw^inocih  imiti  räche.  unA  versdMrindati.ü  .-d.  * 
c'w  pift  •  Auufesa;  fahrt '  ailbh  :  au  weilen  auf:  einem ->^ageo 
durch  den  wald|  von  gespen^n^  ef|leB)tnHl  iihii»ib«gfeitet': 
dieser  geisterzug  h^ifti  Uwmmi  y  W^ycnlii <n1  ^  130-  133. 
159- 163.  :die.ff68t  IcohiUejMoeh  «iwiMssfaiiiie^alividaaemj 
dann  ziehen  dia')eotfioineni  «liiensoheRi  c^vietter  ^ii|  ibire  hSu- 
ser,  hüten  sU;h>:abean  wol>diiifdb<dieiitb[lKi«pnflnigBlHiy  sondern 
steigen  durchs  fenstei\»  .*  ^   -vosiv  •  ,.i    :.//         - 

piYKan.Jn.'die.  naittfr  d^e  17/ Jh..  Mit:  wiäaxJohämi  Paruni 
Schulze,  ein  \WMidiaeheff  bane«*)  mähte«:  -ßs^  t^l  m  zuge- 
gangen, das..4fid.  nan^  wie  es  daitlHi  allcnMt  fenedet  ist 
worden,  der  ist .  gewMMB. urid  bat' gehjeifiieii  Niebtihr,  da 
anitzo  Kuffalen  auf  wohiMniy  wddiei^  nachb^r*  Loohan  ist 
gewesen,  wie  er  von.  der«  jäkadt  fahrt,  iflompit  am  man  bei 
ihm  unter  wegens^  bHM  eint  wen^  auf  den  wagen/  zu  tre- 
ten, sprichr  eR  aeiYsehr^auide.'  faagt  iba  der  Hans  Niebuhr 
auf  weedisQbe,  wie  «ax^m  dörszeit  diei  s^rapba  ffei^ftöcblich 
fawtesen,  wohin  tiod  ber(?i  und  Bibipk  ihn  auf  deu'  wafaa. 
wil  er  vorerst:  aich  eicht  kond  ^tben.  dieaeit^jebubr  aber, 
•waa  t)*.ttnkMt^  beginneti  bariieiii  zpj  fragieiK  gibt  er  sich  kund 
und  spricht,  'ich  wil  mit  ip  deinen  dorf,  dg  bin  ic*  noch 
nicht  gewesen,  denn  ich  bin' der  Pest:  Da  bat  dieser 
Niebuhr  um.  sein  lebent,,  gßb  dpr  Pest  ihn  eip.  lebr,  er 
Mit  iba  vor  diorf  sttahen»  lasaen-  mit  dean.  wagen»  und  sioh 
^Mokend  alisniekm  m&  überal  baih  Meid  ae  seinem  leibe 
baben,   und  so.l   sein  keiielhaken  nehtni^n,   fi)>rte  nus  seim 

*)  aus  dem  dorfe  Soten,  kircbspiela^KäBlea,  im  LäaeburaiMhen 
um  1740  «ohrieb  er  «ine  cbTÖniit  a«f  ami.  der  br.lädeb«  ebnrbiadt. 
jahrg..  a  Hinnarrer .  1 794 .  p.  282^  283. 

0 

- »  .  :       .     .      •       \  .         . 


&MS  «\i8g«ihan' ititf4e#f  idottfieB  amb-sdin  hcferumb  laufen, 
de»  MUe  i¥  -unt»r  di»  'ÜüiMMsfmeU»  ^ergri^im,:  hika  nur 
nidmfiniiA  niir   ereiH"  frfigt',    spricht  <deif:=  F^9ty  ^diirchl  .^ebi 

ger«eiii,  die  in  de«  tränken  kXM^t  ist.'  Der  Kiebuhr  aber 
\M  ihn  'ihit  dem*  >waf  en  eiM  ^^ut«  eeke  vom  Aorf>'  deM 
es  h^  Httchis;  nahm  den  hffs$6lfMk^,  lief  lisdkefid'  «iis 
iiflm  dorf  «urf  i^ifitd  ihm  und  stalb  das  ^is»  avrter  die  hrv^ 
icken,  Welebes  ütt  a^  1690  ie9i  seftt>>er  gesehen  harbe^  da 
tHebraok'isi:  gpebesseri  worden^,  aber  iron  rost  baids  wr^ 
^ehrl.  Wte^  dü^ser  Nietiiibr  nlich  s^n  pf^d  nM  nwgm 
-koflipt;  sagt  »der  Pesi:  ^^eficU  das  gewust,  soil  ich  dir  das 
nicht  kund  gethan  haben,  das  du  ein  solciies  in  deinem 
siM  dieh  hast  ntr^noitim«^n,  m*  hast  nt^  dm  gAnvi  dorf 
im  gismachh^  wtvittei^  Ni^bdlif  voi«  dem  dorf  kemfit,  spaii^ 
^r  seitie  pfei^ei  «TMi  wag^ffi  ntfd  JMt  ifcn  'dranf  sitsen.  isl 
;iBiooh  kein«  4(rflnhbfeit>  ^ttn  pl^^rfli^lWiili  dorf  gespürt  wordeA; 
(sa^slentiti  tftlen  «nvIie^eiMtofi  dörl)^  liat  die  senohe  lieft^ 

y^oyt^X  S&httl»eS'ung«sfelilaeKter,  fvtöfeit  Bricht.  Dai 
wegsebaffsn  des  JtesseWUt/lens  iotin  berdb'^eibt*  ailflassüng 
de^!  hause»  'SuMildi^üokisri'f  'Hn^'leei'eü  hflusern  haft  d^r  \m 
nlohts  'zu  JHoien.  m^  di^r  äWr^teifde ,  «iiistieberttf«  ^ig%n^ 
«Mtmer  ^ymbeliseh  '^s  Mai  ^  ^m  Kbi^  tiiedef  ^Ütt^^^i*; 
so  mufs  es  der  neue  besitzergreifer*  ^aufecbirrzen'*).  ;  Dfti^ 
laufen  HAI  dai9  baes,  rnndi^s^  &rf  gWIcbt  ^eneni  frageh  des 
Wfddets  um  die  etadi,  md  die'  entkteldnng  stimiiil  M  dem 
Fömisehen  bpaoah.   •  * 

Weil  aber  die  Pest  schleicht  zn  fnb  ist,  Iftfet  ^  sieh 
enf  .dem  wagen  in  dlis  dOrf  einfabreri,  öder  auf  dem  rü- 
cken ,  gleich  bocke^di^n  bausgetstern  und  irwhdben  fs.  489. 
868)  einschleppen. : 

Nach  schwtedlsoben  sageft  Karti'  die  <  Pest  Vbn  süderi  faef- 
ins' dorf,  biieb  vw  dem  ersten  höf  ^ehtv  ufid  issih  yM  ein 
khki^  sehoner  knabe  wx^^  ü&t  eiti  reibeis^n  (rifva)  ih  derr 
band  hatte-  nnd  tianvnf  rieb,  wenn  das  geschah,  Ml^  t|oeb 
einer  oder  der  andere  im  Imis  leben^  d'a  die  feAe  nicht 
iBiltes  mit  sich  wegnahm:  kam  er  aber  ins  nächste  dorf,  so 
fblgte  hinter  ihm  die  Pestjunfffrm  (pestflidka) ,  die  kehrte 
mit  einem  besen  vor  dem  thor,  dlBinri  starben  eile  im  gan^ 
«am  dorf.  man  evbiiokte'  sie-  ibtr  nur  sehr  seHien  und  im- 
mer, bei  ttig^ftanbroeh.  « (Af2<älins  4,  tV9). 

In  Vestergötland  beschlofs  nian  -  ^gen  den*  digerdöd 
ein  meVieehenopfer/  und  «teei  arme  heti^Vsind^^  die  ge- 


I  a  «j  >  I  I  *^ 


*)  Wnlfter  dedaction ,  beiL  no.  4.  5.  135. 

72* 


<tl«0  f«tT 


nie  daber  «ega&gfln -kMen  !y  aolllen  ißbrn^rin  diß^ettde 
gegrmben  w«v4m^  .  mau  winrf  ^bneU  4ieA^frHbe  loit,  «ab 
den  kind6rn,.di«^  hungrig  waren;  «Akmula;  auf;  kuobi^A. uml 
liefs  816  3u)li  nieder  set4«n:  .wtylirDnd  isi^  .«rsan , .  scbtaafßlte 
dfls  volh  die.  erde  in  dm.  höii^  'poV^/rißf  daa  kl^e  kind, 
al»  die  eiwte  scbauf«!  iibßr  m  g^Vforfm  ward)  '4ß  M  mv 
^de  a«f  mewi  spMNiab^rol.'  der*  bttgel  w.urd«  l^b^r  den 
londern  zuaaafiinen  geworfen  und  tian  hiVrte  niqbi«  vMeiier 
^on  ihttea.  (Af^us  .4,  J81).  Hieran  Jialie  man  das  ein^ 
■MLUnrn  der  kiiider  in  dieigriindfoalie  des  .neu^n  hA^S  (s.  1095i) 
und  das  opfer  der  jungen  kub  ;in>  keilig^  fauer  bei.yieh- 
ataffben  (a.  57&). 

In  Morwagea  ,stom.mw  sif^b.  die  ^Peß^\,Y0r:Bi$  «to, 
bkichei  frauj  die  m  land.  uii^fuhr  ifiit  #in«r  reik^^  (rivey  ei- 
nem gesabnlea  werkzailg,  womit  erde;  joder  hell:  und  ge* 
jfiaid^,  auaeinander  geMgw  wirdj.uad;  eiMn»  :bas0n  (lima); 
wfP  .üiedia  Feibe  brauqkte,  kämm  einaiftoe.aiU  d^m  ieken 
davon,  wo  sie  aber  mit  dem  besen  fegte,  starb. jede  mut«- 
ler^eel^,; )  Zu  ^inem^  maiva,  dec^aie  über  ein  kMnes^asser 
«ets^eitjj^nd.be^lufig.fQr^^rte^.  aagle  aie\  /daheim  auf  der 
))Apk,.\Tirat  :dtt  d^in  .fer.g^g<«fd  : finden',  kaum  war  er  •  nach 
Iwius  gel^ng^,  aei  siechte  ^r  und. starb  aisogieich.  Oft  er^ 
spMn^  &ie  ancb  in  r^them  klfiid^j^A  wer  ^  aijiiattl,  gerftlk 
Hi'Bngsl^' .(F4^ye,.s<  135).  -  .  ■.;•.,,   • 

,Diie  Serben  sagen«  Kugß^  sei  em  leibbdfte  frau^  die  ia 
nteii/sßu  ^cfii^  g^nUU  ge^e,  vjeÄe  \m^  Ae  so  gefiehn, 
einige  getragen,  sie  kam  zu  einem  mQiiacJieil  .ottfe  feld 
oder  hß^^fiaeie  ihm  unterwegi^  .und  '^agteii  Heb  Mik  die 
Kuga^i  trag  mich  dort  bin!'  der. mann  nahm  sie  huckepack 
und  trng.^ie  ohne  mühß  dahin  wa  sie  wOUte.  \>h^  Kugen 
(pesten)  haben  ihr  land  beim  meer,  aber  gojtt  schickt  aie, 
wenindie  li^ute  i^rel  tbun.und  viel  aüifdigiett.  '  Zur  seit  wo 
die  ppat  würgt,  nenat  nMia  ^ie  nicht  kugat^  sondern  ftuaia 
^evi)(terio)^  um.  sie  gen^ig^:  zumacbM.  dann  wagi  MA 
au^b  nichit^  upgewas^fiepie  gefäJCie  siehn  zu  lassen  ^  denn 
napbts  g^t  sie  durch .  di^  ktt^ ,  und  wo  sie  deifgleiehen 
orblipkl^  scheuert  ^nd  fegt , sie, alle  löffel  und  stihttssolo  (und 
wird  dadurch  im  haus;  aitfgekaUen), '  zuweilen  trftgt  sie  auch 
den  speck  aus  d^m  böden  weg. 

Pier  :er,scbeint.  sie  iwiedfrufla  n^oh  ari  der  alten,  igöttis^ 
nen,  unserer  Holda.ufid  Berbta,;  die  keitfe  unordiwig  in 
Mn^balt.  i^»n  (s.  247.  2^0).  -  ' 

Den  SJovenen  i^  di^v  viebaßjiche  (ktigi)  ein  a«Aec!A»^ef 
kalb,  das  durch  sein  geschrei  rinder  und  schafe  tödtet 
(Hurko  p.  784). 


:m'/i:«'!>  <pb8t  ü'i/  'H 


aati 


Der  teufei  soll  gesagt  haben,  gegen  die  kuga  gebe  es 
nur  ein  mittel ,   hacke   und   haue  d.  h.  begräbnis.     (Vuk  s. 

^'  ^h  linhisfc^iel^^^^^^^        ^mySieiM/t  aU'tlst 

schnell  fortzuwandern  in  stahlharte  berge,  in  den  dunkeln 
Ni^rdiM:'  relc^ferdiiind  wtf^^pfcflrri  soH  ihi^^dazu  gl^|eben 
if^den.^  Sie  keiSsi  ruii^,  die  pUHzlich«,  wie  jenes  nihd. 
der  ffiAhe  tötl  -  ,   :   ,       . 

Man  hat  in  Niederdeutscbknd  volkssagen  von  dem 
Bridnuum,  wekhier  naehts  den  leuten  in  itas  fensler  hinf 
emgueki:  wen  er  dann  ansieht,  der  murs*  ite  jähr  und  tag 
sterben,  gerade  so  schant  Berhta  ins  feilster  (s:  252)  bder 
der  Tod  (s.  732)<  auch  in  Tirol  erzfihlt  man  voiti  gespenst, 
das  ift  sterbensaeiten  umgebt :  zu  welchem  fenst^  es  ein- 
s^hauif    in  dem  hause  sterben  die  leute  (DS.  no.  266). 

.In  der  Lausitz  sohleteht  Smerinitssa  voeißgesiaUet  in 
dm  ddrfera  um :  auf  welches  haus  sie  ihren  schritt  kehrt, 
da  gibt  es  bald  eine  leiche.  im  hause  selbst  thut-  sie  ihre 
gegenwart  kund  durch  pochen  und  bretwerfen.  Zuckungen 
stek*bender  sind  keanzeichen ,  dafs  sich  Smertnitza  .  ihrer 
bemächtige,    (laus,  mon;  sehr.  1797.  p.  756). 

Es  kann  im  mindesten  nicht  zweifelhaft  bleiben,  dah 
alle  diese  Yerschiedenartigen  personificationen  der  pe^ 
als  ausflüsde  bdherer  gottheiten  des  alterthums  zu  betrach- 
ten sind,  deren  mitleidige  und  furchtbare  gewalt  dabei  wech«- 
selsweise  vortritt.  weifsgescMeiert  schreiten  sie  eitiher 
^teich  Berhta  und  der  zu  mittag  im  getraide  wandelnden 
mutteh  pestjungfrau  und  schicksalsjungfrau  berühren'  sich 
nahe,,  morowa  dziewica  und  Marena,  Horena  {&  '^^^)i  die 
Tersehrende  göttin  und  die  heilende,   schonende  Bir.    • 


.> 


, '  . 


«^  • 


ii 


litt  KRÄÜTBRimP  STEINB 

•  •  1  .  '  '  '  *  . 

M  I  '    •     .  '  '  1    '     1    •  ■  •     ,    I         I  •  •   1   I  t  «1 

.  Pliniiia  hflifiber  s^6  inaHirgesKilii^htt  ^uvch  ^,^^ 
reia  gebor^itet  j- dab  er  awch  die  alAHrglfliibiscbeir  ineiiiiin|en 
des  volks  von  thieren  und  pflanzen  umständlich'  anaUftfaren 
nicht  verschmftfai. '  wie  Jleohte  seine  ehiifuFcUt  tot  dem 
aHerthtuii/  seitie  sprachgewandte-  iknrsteiiäiig  ab  .vmi  dem 
trocknen  ernsl:  unsror  heutigen  naturfbrseher,  die»  hieiiieii 
bück  auf  den  braiaeh  der  hdaifat-veHrenden^  md  alle^kraft 
und  ^er  des  deuischtin  ausdrtiti(s!füir  geringfügig  achlen. 

^Krüt,  «^(ßtfie  unde  foarfhitat  an  .fereften  grdzea  bort' 
sagt  uns  Freidank  111,  6,  und  da' den  zweiigen  hesondere 
fcunde  der  in  kräuterii  verborgnen  heügabe  beiwohnt  (d.  420* 
426),  so  ist  zu  beachten,  dafs  gerade  einem  hOnige  ihres 
g«8chlecht8  GoMemar  (s.  422.  435.  477)  der  ausspruch  in 
.den  mund  gelegt  wird:  'Christianos  fidem  in  eerb^,  Judaeos 
-tu  lapidibui  pretiosis-j  et  Paganos  in  herbis  penere.'  Mei- 
bom Script.  1,  186.  Dai9  heidenthum  bietet  •  eine  fttlie  my* 
ihischer  vorirtellongen  von  d«in  urapruiig  und  den  manig- 
fachen  tugenden  der  hräulier.    . 

Wie  unter  den  menschen. ragen  unter  deai '  KRÄUTERN 
•edle  vor  gemeineff.  sie*  sind  von  göUern  an  einsaiher  heiliger 
atiltte  geischaffen ,  aus  dem  hliit  unschuldiger  gesprossen, 
<von-  vögehi  herangetragen,  unter  dend  fufatrill  der  gOttia 
ikeimt  die  bidme,  wie:  diei  i^o  sich  Ikbende  traurig  scholdea 
gha&  üAd  gewächse.  dorren,  am  giplel  des  bergs,  auf  wel- 
chen der  liebende  die  geli&btl^  ätetbend  empor .  getragen 
hatte  und  ihr  letzter  labetrunk  gegossen  war,  wuchsen  bell- 
kräuter,  die  dem  ganzen  lande  zu  statten  kamen  (Marie  de 
France  1,  268).  berge  hegen  das  seltenste  der  pflanzenweit, 
oben  auf  der  Ida  lagerten  Zeus  und  Here  (II.  14,  347): 
foiai  d^  vno  '^&wv  dia  qivtv  veo&rjXia  noirjv^ 
Xiüxov  &*  igaijevTa  lih  hqohov  ^^  vaKtv&ov, 
nvHvov  Kcil  fiaXanov ,  os  dno  'i&ovog  vif/6a  iegye. 
Solch  ein  blumenbett  schwebt  noch  den  minnesftngern  in 
gedenken  (Walth.  39.  40),  aber  die  menschen  müssen  sich 
blumen  und,  gras  unter  vogelsang  dazu  brechen.  Der  an- 
sieht des  mittelalters  lag  es  nah  heilende  kräuter  aus  dem 
grabe  heiliger  männer  spriefsen  zu  lassen,  wie  wir  blumen 
auf  grabhügel  pflanzen  und  davon  zum  angedenken  pflü- 
cken, auch  an  dem  hügel  des  huorco  wächst  wundenhei- 
lende rosamarina,  deren  brechen  menschen  in  tauben  wan- 


nütDtjn  1143 

ihU;  (liealinnj'4^  8^  -im  frab^  des  heiligen  (fflgl  bineif 
binMbBiiaiy  ..voit  dessen  früditeH  kranke  alsbald  genesen 
(Gifeg;^  tor.  mirae.  1^  4^).  Hr^Cfrinli  8.1120  ist  »ngeführt,  wie 
am.  fufft  einesi  bäüigen  >  bildt^s  eine  fUwa  9petiefi  (das  isl 
|eiM^)  hpinenaeKe  ^^o^kt;^)  fluni  )sa«in  des  kIeid6S')keran«J 
aprors  .«iid>  dann.:heitkrä{Ugf  Wurde;  hierzu  kalte  loh  was 
Biia  £4,<  19  mdldet:  herba  m  capAe  stahmd  Haia  e^ttecta-* 
q«e 'alieajus  in  reatia  pernio  et  alligiita  va  lino  ruff  capitis 
dolorem  confestim  ee<hire  traditur. 

:  Viele  krttuter  und  blumen  .sind  aaeh  göäem  befiaimi^ 
daiek  dis  ahldsiie  der  namen  selten  bi^riehtej^  daher  sm  ma-" 
nigfaoher'.nuatefuof  unterliegen,  der  gott  bat  die  pflanz 
zen  .henrorgebralokt  und  sieb  ihrer  bedient,  sie  sind  ihnl 
lieb  oder  verhafst,  ihre  gesteh  und  färbe,  wird  eineeinen 
güederh'dea  fMtlichen  leibs,  dekn  gewande  oder  geräthe 
das  goUa  vergiioben.  so  faeifst  BtMn  brä  (s,  203,  vgL 
aoperoilium  V4ilefis)y  Freyju  här  (s.  280)  nach  dem  leuch-n 
kenddR  glänze  der  blume,  fbmeotes  foUme  (s;  220)^  Kiarda^ 
9öttr  (fi.  198)  nach  den  blättern,  die  wie  fünf  finger  neben 
einknckT  steha.  Dotmerrebe  ist  lett.  Pehrkones.  Donner-^ 
kraut f  D&nnepbesen  (s.  168)  können  wie  barba  JoTia  aui 
dem  struppigen  geflecht  der  ranken  gedeutet  werden ;  ich 
weifs  i(ber  nicht  wie  sich  Perumka  (s.  166)  au  Perun  ver-» 
hftit  Tettfebbifs  ist  von  dem  eindruck  der  afthne  genannt) 
den  «tan  an  der  pflaoae  Wurzel  zu  gewahren  glaubte  und 
dem  bösen  geisle  zuschrieb.  Eine  menge  andrer  benen-^ 
nrngenaind  von  tiiieren,  vonEüglicb  denen  der  einheimi-^ 
sehen  tebel  hergenommen,  bfei  weichen  die  phanlasie  atif 
AhnKehe 'Weise  gesehiftig  war. 

kki:  6aMri(rit  wird  an  bltimen  und  kräutelm  das  heilsame 
dot^i'dea  beitota  freund,  das  sebfidliohe  dvrck  feind  be-i« 
iseictinet,  z.  b.  Ramäprija^  der  Laksohmi  Heb  ir=  letni^; 
JdmapfHja  dem  Jartia  lieb  =i=  ficua  indica^  v|l.  Potts  forsöM. 
2«  424:4427.  Hierzu  halte  ich  daa  abd.  g^aafwtge^zam 
marrabinm  altiuns  (Graff  4,  279),  mnA.  gotedtghetknei^Tv^m 
beitrl/^  s.  48)  uiid  die  l'edensert  ^ergaz  im  got*  (gramm. 
4,  195)  VgL  oben  g.  17;  das  kraut  heifst  nhd.  andern. 

Ohne  Zweifel  führen  aodere  kridter  ihren  götiliohen 
nam^n  dab^r,*  dafa  sie  zuetat  von  götlern  den  Üerbliehen 
ata  heilkräftig  getüie^m  wurden,  bei  den  Griechen  sMei*^ 
nön  Mhewe  und  Artemis  in  dieser  bezlehung  tbfttig:  ich 
gUmbe  dafa  voai  uaaerh  göttinnen  fHgg  und  Fregja^  oder 
wer  a)e^ap4ter  zu  terlreten  hat,  vor  allein  Jfafio,  ihfe  stelle 
eiimeluAen.  WahraGheinlicb*  wurde  ArtemUia  yoa  Artemis 
gründen   oder*  geäeigt,   iVo^en^tfiaera  (Fun;' 27,  12/  104) 


1144  niDtra 

VNinPro«erpina; '^datf  ma^&imtw  ndes  di«  (nUtKoto  •|]a0M<> 
ffoß,  Plin.  22f  17  erAäUlf:  verMUiKtams^färioM^Athenieonaiil 
prificipi,  onm  ü»*  ili.  ktoe  lieinphiia  ;^edifica»at:'rei»issQtqa£i 
iuper  altiiudiiiQin  faaligiitetiiniteljßkcidMfiät,!  hac  herbb:  dici« 
tur.  satnatds ,  iii(ifM(r«ta  ifetioli  $ofknio^  .a  IfM^roaiy .'  qnara 
Air^Atfhttiffi;  vöcariiCöepta!  eat^  assigaaiQr<|uei  ei  dea«.  voii 
der  lirppa  heifst  es. 24,  18 :  > mi^det^ir  .ek  süibus  effo^äa  sine 
ferm:  «piidan  iadjieiual  et  fodieiiteiii<;d«cttre  opoptere:  'haep 
est  herba  argemoti,  quam  .MmienDa  r^^m^^nsiiibiis  remeriiaiti 
qui^  de  illa  gtistaverint.'  a^ye/iov  bedeutet!  albug^.  ob  der 
Ms  näme  von  der  götterbotin.,  die  sie  verktiridigte,  oder 
von  der  weifsen  färbe  der  lilie,  oder  aus  ««dem  giUnden 
herzuleiten  ist?  auch  eia  engel  offenbarte  im  tcaum  die 
angelica  (Aw.  1,  159). 

Jene  von  thieren  herstammenden  beneDBungen  köonea 
dadurch  noch  sinnvoller  werden,  dafs  maii  solche  thiere 
auf  den  göttercultus  zurückführt«  so  brauchte  den  naaun 
bärenktaue,  Wolfsmilch,  abd.  wolveszeisala «  ags.  vulfestifesel, 
ags.  hrüfnesleäc  (rabenlauch)  nur  ein  mythus  unter  2u  lie- 
gen, aus  welchem  sich  ein  Verhältnis  des  krauts  zu  dem 
tagesanbruch  (s.  705),  dem  von  der  wölfin  aufgesängtea 
beiden,  dem  von  dem  ;gdtterboten  hergelragneii  heilmittel 
ergäbe«  ein  überzeugendes  heispiel  gewährt  die  speekU^ 
tMirfte/,  die  der  heiligte  Vogel  (s.  638)4  nach  dem  vermut- 
lieb  einer  der  hehren  wälder  unsrer  vorzeit  Spekieshart 
brefs,  herbringt,  nicht  blofs  die  .  zum  sprengen  dar  keile 
taugende,  sondern  vor  dem  abbrechen  schützt  und  ver- 
theidigt  er  zumal  die  paeonia  [ü,  925).  die  heilende  natuWa 
wird  auf  llamv  den  göttlichea  arzt  bezogen,  der  gerade 
dem  verwundeten  Ares  beisteht  (IL  5,  900),  so  dais  mir 
hieraus  zusamnenhang  zwischen  Ares  und.  diam  römischen 
Mars,  desäen  vogel  der  specht  ist,  durchbricht.  auch 
Athene  hiefi  Ilamvia,  aber  nicht  ungahüfig  seheint,  dafs 
wiederum  nach  unserm  Zia  ein  ja*aut.  genannt  ist:  altn. 
Tfoitr^  dftn.  Tyned,  daphne  me;lereun(i  (s«  180),  was  sich 
ahd;  übersetzen  liefse  Ziowilu,  ZioWeswitu,  d.i.  Martis 
arbor,  lignum,  frutex  :  statt  dieser:  ahd.  ibeneniiung  fiadel 
sidi  eine  andere  entsprechenAe ,  die,  ich  jetzt  riohtiger  als 
oben  s»  399  zu  i  erklären  glanibe. .  damute  d^ohte  ich  an 
Sigelint,  weil  aber  die  Schreibung  dgeliwla^  d<  i.  Zigiriiala 
überwiegt  (Graff  5,  627),  Zihnt  (Graff  5,  659)  dasselbe 
scheint,  und  neben  ZniUmd .  noch  : heute:  in  Ostreich  ZU- 
Undy    Zwilmd ,     ZwUinde  •   daphne    mezeKeum . '  Meutet  *)) 

*)  also  in  landstricfa^B,  die  eilag  usd  nicht'  tieUg  geb^Mebea  (<. 
113b  193);  in  dem  pianaBennam^Q  fo%lich  grif  derZiaeullps  weiter  am. 


J 


lEKlSni  «141 

{Ön|i''>0|i*;'iaqli8  sd»i  alte  Tj^r-'stlHBtL  i  (Ma.  iai  müht 
aMii  tiiiä^  sondMi  ateh  über  •Usl'^iiiM  die  ipflan*keiftl 
]Mai^baMi:'MiMiMMnn<^  Mid  aeidettast  {iür  » seHindebiEittiii^ 
seiliwIelMNit);  den  nraii:  ala  beilendeii' gifl  tnifsrief  eti  (pfflei^ 
(Wfer  .»/ 335)^  'i^intffs/Tiirasvudsi  Vifesvjadä,  TSgeaKMd 
ist ')eieht:eu!  NiifelMBraieiiu-  SeMn  tan  datiliM  !  und  pai^onia 
iwrWaiidt  oder .  untorachieden;  ibror  mytbiadien  «maiogie 
bAirima»!.  es  i  nichta;  naeii-  Pllmiis  hieb  letaterei  auob  peli-r 
(oroben,  n^yto^of^o»,  weil  sie  vier  ader  fiiitf  (oHwienlrägl^ 
ihr  Mbm.  natne  lavtet  wlSi  lyko,  d^  i.  woMabatA,  ibv  francv 
^poii,  d.  wenreif,  loepgarou.  Aus  F<  Hagn.  lex.  7S& 
75&  b&te  ieb  »ber  neob  einige  andere  merkwürdige  fflda- 
sennamen  naeb.  die  viob  ^Sarüs,  franz.  violette  de  Jüan», 
beifst  •  in  Island  r^61a ,  T^rsMIa ,  was  ba«re  üheraeüun^ 
des  lat  namens  scheint,  der  weniger  den  gott  als  den 
monnt  ansdrückt,  nhd.  aernvidev  wichtiger  ist  das  ndrweg. 
lyrihialm  (Tyris  gniea)  oder  Tharabn,  Tkorhiaim  (Thori 
galea),  Tkorkat.  (Thori  pUens)  für  aconiUini,  wo^n  das  nbd. 
MeiiM/Miij  sebwed.  dtn.  stormhat  (stiinnhut)  Zinnat,  es 
sdieint  einer  ähnlichkeit  der  blnmengeslalt  mit  dem  betn» 
oder  bm  abgesebn;  die  pflanae  beiG^t  aber  anch  wolfskraot^ 
düfn.' otveurt)  engl,  welfbane,  dän.  nlvebane,  nlv^dttd,  was 
sich  auf  T^s  kämpf  mit  dem  wolf  deuten  und  wiederum 
mit  jenem  wolfsbast,  garou  vergleichen  lädst,  da  auch  andre 
benennuilgen  nwischen  daphne  und  aoonitmn  schwanken, 
ja  wolfsbast  darf  an  die  de«  Fenrisftlfr  angelegte  fesaelii 
liedtng  (dftn.ieding,  Molbechs .  cfial.  lex.  s.  dl7),  dr&mi  und 
gleipnir  (Sa.  33«  34.  35)  gemahnen.  Noch  ein  nantfe  filr 
daphme  warde  8.  SSO  angegeben:  Wiehndibeere ,  «ebeli 
dem  novd.  YekmdtuN  fttr  defei  bedkrttfUgen  baldrian  (di^ 
valisri^tia^,  so  dafa^die  deolang  wieder  auf  einen  der  gröfs«* 
ten  hdden  mners  allerthums  führt,  dessen  vater  der  heUr- 
kimdige  Wate  War. 

Be  >  ist  Haber  tilip  eine  gäringe  zahl  von  kräatern  nach 
g^Herni'Oder  |ielden  genannt,  gegendber  den  vielen  auf 
göitinnen  und  weise  frauen  zurttckführbaren.  upter  'ihnen 
follen  'iM  UAeisten  heiltzutige  auf  üforMi »  die  wie  bei  klei- 
nen, zierlicben  käfern  (s.  658)  oder  glänzenden  Sternen 
(«."^O)  die  ältere  A*o«iri»  ersetzt.  FrauensehühU  ist  tri^ 
folinaä  melilotiis ,  weil  die  Uome  einem  weiberschuh  gleich 
sieht,  sonst  auch  Marienpaniäffelehen';  ist  Ciffnipedium  cal-r 
eeolns  Veneria  danaeh  gemacht?  FrauamenieUy  äta  fraua 
maUeü  (Tobler'  204^)  alchemüla .  if olg. ,  von  ihren  maniel- 
artig  gefalteten  blttttern.     Frauoßecheli  geum  rivale  (Teibl. 


Ulf  Kx&ijm 

(dkm  tk  2801);  Btkamk^es.iUMi  mi  hetbt  eipUkiris^  c4|pMn 
faff  fmeris  l>ei  A^vteJMS-lierbii  47  lote*  nl'  e*.  d^her  .M« 
lehnt?  ^  Riouenirän,  MaHmihHm^  orafcis  MMCola  (StaM« 
1,  S96)  erinnisrl  M  Heleaianni,  4  laonmis sHeienMi  Müm 
(Piia.  21,  10),  nocb  rnehr  um  Freyfas:  f  oldthrflne«,  gMr 
Freyjv  (Sn.  .126.  133,  .ir«i  oben  s.  301)'  umI  an  das  Bioler- 
Mlen  von  blttnidn  und  edelsteinen/  w«iin  *  gölfimietk  lidien 
odet  w'einen  (s.  1055);  ein  koslbbrer'  weiniheiftit  wiaar  tielh 
frauenmUük  wie  der  btamenname  muHfsrgoUesgläicbem  «nt^ 
gtand  erzähh  die  ktriderlegende.  flrauemschlä/M,  JihNMH 
schlüs8ei)fnmulü  veris  (Stald.  1, 124),  sotist  iwA  himmdsschMs- 
sel,  flchUteselblome ,  weil  sie  den  friUing  isrseUiebt  oder 
jM^Utze  öfnei?  sie  trägt  aueii  andre  harnen  und  ist  die 
heilkrftftige  betonica,  von  welcher  naohhef  noch.  Da  alle 
solche  gewdchse  auf  unsern  wiesen  heimisch  sind,  ist  es 
unwahrscheinlich ,  dafs  ihre  benennnng  aus  dem  Intein  ge* 
schöpft  und  erst  in  den  letzten  Jahrhunderten  aufgekracht 
wurde;  obgleich  ahd.  giossen  kein  mit  frouwa  xUsammen«' 
gesetztes  kraut  darbieten.  Auf  Ostara  die  oiterbhtm6  (Aster-* 
gloie  Ms.  2,  61*)  zurückzuleiten  wUre  allzukühn  ^  weH  sieh 
der  äu^drack  wie  maiblume  von  der  zeit  ihrer  bitte  ver- 
stehn  lafst;  geopfert  wurden  maiUunien  (s.  52)  von  weifsen 
frauen  getragen  (s.  914)^  und  abergl.  1075  rüth  sie  vor 
Sonnenaufgang  zu  pflücken. 

Bhmen  sind  frftulioher  sohmnck,  kränze  werden  von 
Jungfrauen  gewunden,  kräuter  von  erfiahrnen  franen  gele-* 
sen.  schön  sagt  Mamer  Jls.  2;*  174*:  .'ez  rinohet  als  ein 
edel  krüi  üz  einer  megde  hknt.'  Warum  solBe  nicht  sohOB 
den  weisen  freuen  unseres  frühstes  atterthums  kräuterbunde 
beigewohnt  haben?  nodh  kexen  uitd*  alteit  4ireibern  wird 
sie  zugeschrieben  und  nicht  ahme  bedetatuiig  soheinty  dtifs 
die  hexen  ihrem  bnhler.odbr  sich  setbst  nanwn '.att^  beil^ 
kräutern  entnehmen  (s.  1015).  hexenkrinter  dOffen  aber 
ganz  eigenffieh  \betchteArcna ^  bemfkraut  heifSen ,  obgleich 
man  diese  benennang  auch  anf  einzelnä  pflanzen .  ange- 
wandt hat. 

Das  brechen  und  holen  der  krftiiter  muste  im  feitetimtb«* 
ler  zeit  und  aaeh  hergebrachtem  braooh  ^esebeüft; 

Meist  vdr  Bonnetaaui)|;attg  in.  tegesfrühe;  iM*ba  fu»- 
cnn^e  a  rivis  aut  fiuminibus  anie '  ioKs .  artmn  eottccta, 
ita  fii  nemQ  coHigentem  mdeat,  PtiiL.  24^  10;  praecipiunt 
Biiqvi  eibssoris  («HNTgallid^)  ante  saUe  arimm  prtuiqiimn 
gvUfuam  aSud  ioqucmiur,'.  fer  tfabUare  eam^  itdin  silUa- 
tnm  ex|krmierey>  ita  pmeeipuas^  esse/ vires.  26.  l<9j  lyunt  si 


iilffn  aur 

ttHraginep^^  oailoraiiiriSfii''CBpere^.adaUi|p«a  üdüMK  Ifali  ^Htaitii 
34/ 14r'Mvb«Q0^(S«iMltiin.*lrarbMii)  sinülra  »aliu  Itgt  ^ 
jMgrifiwJ  !rB4},  11;  .ridfMin  {pistMoAlaft  (tmie.söks  otImhi 
«viitfltai  uKfolintfitikind.  20,  4«  Den  witeas-  suohto  i^an  in 
filBummnty  ptmä  Imm^  Plin.  i)4,  4;  tdie  ▼Mbenacii«  oiroa 
taenia  lOrlnin^  ita^  ut  m>kma  mU  ^ol  eompidai.  85>  A«  Von 
nMinadiBii  «nd'geiftirnen  lingeseki,  ungefifrobhen  xani  ud<» 
fegesseiy  aoilderfiaiiMnler  sidb  den  heüigei  kriltttern>paheh. 
MMbiflineB  aind  «dr  soimenaufgafig,  Mtfelsabbiff  odr  Joia»^ 
nMuffemodU  zo  breehen  (abeirgL  140.  1G7S).   : 

f  lifei.  25)  d  gibt  nacfaffieht  you'  dneü  kraflt,  wetebeb 
ittd  Rdncff  Aar&a  iMAminca  nannten  ^  weii  sie  aua  dm 
awi^eA  Germanien  und  Britannieil  gelegnen  inaein  {iBk 
doeani  kmilis  extra  terras  potitis  27,  1)  gebracht  warde: 
flerem  eibenes  vocatit ,  qui  oolleotuft  priusquam  tänürua 
mMoMiur  .eX  devoratua  seciiros  e  fiiloiintbFUS  in-  fotuoi  red-* 
dit.  Friaii,  qua  easira  erant,  noslria  deaienatratere  iUan^ 
mirorque  nominia  eanaam,  niai  forte  conlinea  oeeano  Bn^ 
tanniae  Irelut  propinqoae  dicavere.  non  enim  i^de  appel*» 
latam  eam  quoniam  ibi  plorima  nasceretur  cerfiun  est, 
etjamoum  Britannia  libera*  Hier  haben  mr  eine  schon 
von  den  alten  Germanen  beachtete  pflanze,  und  die  beatim;«- 
BMing,  dafa  sie  vor  dem  ersten  im  jähr  gehörten  donner- 
soUng  gebrochen  werden  müsse,  klingt  ganz  deutsch,  sie 
schotete  gegen  blitz,  war  also  dem  donnergott  beilig,  gleich 
der  baiisworz  (s.  167),  die  auch  donnerwehr  heiCst.  aga. 
glossen  übersetzen  die  britanniea  kasven  hjäek;  hieren  ist 
giaiicn^,  da6  zweite  wert  entw,  von  büd  praeda  oder  h^de 
portiis  >  abzuleiten ,  im  letzten  fall  läge  der  begrif  einer 
bläiien  «^eblume  neb.  ein  w^ssergewä^  war  es  auf  jedep 
Xalli  man  jneintnhydirolapathum^ .  gern  möchte  ich  darin  da|( 
4<ßB  Friesen  und  Seelftndern  heilige  seeblau  (s.  620}  wieder 
erkennen,  dessen  blume  weifs  oder  gelb  .sein  soll;  der 
name  nixbfumej^  triummel  kfinrtXe  an  die  indischen  des 
loius  gemahnen:  llamiprija  (der  Hama,  d.  i.  Lalkschmi  lieb], 
SrtvAs^  (hau^  der  Sr!  =  Lakschmi^  der  aus  dem  meer  ge-* 
sliegnen), 

Wurde  ein  kraut  ausgegraben^  so  war  es  römischer 
geirtucb,  vorher  rings  um  in  die  erde  meth  und  honig, 
gleichsam  ^uf  sbh^^e,  einzugiefsen,  dann  die  wurzel  mit 
dem  Schwert  zu  umschreiben,  gegen  morgen  (oder  abend] 
zu  schauen,  und  die  gegrabne  alsbald  in  die  höhe  zu  heben, 
ohne  dafs  sie  die  erde  berührte^,  faf>i8  ante  et  m^ife- ter- 
rae  ad  piamentum   datis,    circumseripiam  ferro  (verhlena-^ 


1148  niurn 

b«n)  iirffodi  üWKra  «Mmk'  et*  iuUime^tdm,  Wm  M^  »; 
0t'ifO98iiri  ;(irMi^)'  Miilsi  'anlern|eiisibu8!>i^^  agua  mtn 
üumfiäa  hie  ^veliili-^  flmeamHtio  4krrae  bhmähMur,  dr^ 
tmmweripi»  müerone  glmdm  arbe  fri^Moiy^  ek  edtn  legeriat 
eam*  prolMtif  tfii'irai0Afm^A!^(fcni;'  21yi^;t'«ig!nm  elMi^ 
raM'metoiRpMren'vocaät,  -^o'^tt  Aaimä  Mffii|nt  fiwgaiiU 
qu(^  spirgBüte^  el  psoorki  -clm  prakatwnb  sdlemni,  hoc  et 
reügÜMios  cöiUg^r«  priiMRn  eniiii'  ghMo  drammcribiimry 
dein- (|ui  isucd^uros  euty.opiutn  gpeciat  et  preoatur,  v\  id 
lieedt  sibi.  eoncedenlilMis  dns  flMere,'  observatqve  aqmüae 
i^olaius;  fere  enim  secnnlibiia  interMy  ei  s\  prßpe  adoo^ 
MUy  moritvram  illo  anno  qui  succedet  augurium  est.  25,  5; 
«airent  effossuri  (mandragoram)  *  oontreriaBi  ventvati  0t  tri- 
ins  cireulis  anie  gladio  drcumscribimt ,  po^ea  fodiimt 
ad  ifceasum  gpectantes.  25,  13.  Aach  wurde  Boweileodie 
gegrabtie  worzel  nach  gemachtem  gebrauch  vrieder  einge- 
graben, damit  sie  leben  bleibe:  haue  (senecionem)  si  ferro 
ärcumseripttlm  effodiat  aKqois  tangatqae  ea  deatem  et  alter- 
nis  ter  despuat,  ac  reponat  m  mmdem  heum  ita  ut 
9wai   herba,    ajunt   dentem    eum    pojstea    non   doUturun. 

26,  la 

Es  galt  zu  verhüten  ,  dafs  kaltes  eisen  an  die  Vrarzel 
komnfi^  (daher  man  sich  des  goldeSy  oder  geglühten  eisens 
zum  Schneiden  bediente)  und  dafs  das  ausgezogne  kraut, 
der  geschhittne  zweig  die  erde  berühre  *):  radicem  (pisto- 
lochiae)  ante  isolis  ortunl  erutam  invöhunf  lana  coloris, 
quem  nativum  yoeant.  quidam  auro  e/fodiendam  consent, 
cavendnmque  ne  terram  adtmgat  20,  4 ;  (riscum)  collectum 
e  robore  sine  ferroj  «i  tetrarn  non  attigity  comitlalibus  me- 
deH  (pufaht).  24,  4;  virgam  e  myricis  defractaiti,  ut  neque 
iertamy  "neque  ferrvm  atHngefet,24,  9:  cavendnm  ne  avulsa 
herba  terram  tangat.  25;  13;  herba  juxta  quam  catles  uri- 
nam  ftinduht,  evulsa  he  ferro  ättingatur,  luxatls  celerrime 
medetur.  24,19. 

Mit  der  ,  linken  hand  wurde  gebrachen  oder  ausge- 
zogen ;  zuweileil  geschah  es  entgürtet  und  entschuht ^  und 
in  dem  brechen  niustd  at^^^^oc^en  werden  für  wen 
und  £11  welchem  behuf:  si  quis  unum  ex  bis  (pomis  pn- 
nici  uiBili)  solutus  foinculd  omni  cinctus  et  calceatus  atque 
etiam  anuli  decerpserit  duobus  digitis^  pollice  et  quarto 
sinistrae  manus  atque  ita    lustratis  levt   tactu  oculis^   mox 


1  ^11'  »»iii»p 


I  • 


im: 


*)  wi^   ibun    der   hete    die   erde   zu   berühret   ttfcbt  gestaUete 
<«•  l'CI28]$  dM  ijir^tfr.ii^egio. 


I'MK^ 


hm 


aiiiliMi  < owlßnt^m  < linibecilUiM^wl  piaa^ruS'  -  eQ. t  «nno.  äji^:  6.; 
jivAoci{iiiMr  ^m  ;mM<rfii«imafii^i  ad  .  bps.  üw».!  Qru^tiif(|  (im 

vDJamaQU  l2i^,  aO<;  paribenium  ;  •.  «  .  magi  OQpIfaoAertifinatf 
fiHM^rfaiiiNMui  .«valli  eaiu^ube.Q^i . di<?jqqe  ^^ujuii  paiwa  y^l-r 
Uluit^  ne^  :ir0spi«er^.  21^  36;;  ,p9«wd«^iicbi^a.  •  .  .,  fiolium 
fijßs^  misirm  doüttfi  jnbentl  Mtgi  et  i^itf't^ -cf ttt^  sfuMaMv 
dici..  i%  20  :  i4ir«^Uur  ui  qui .  MUigiijt  M/a^^;i(i^o«^Haif^ 
«10:^  86  .  CQQlrif  JBgjaiot:  «l>  coiUra  .  #mp^  coUeciipnes  et 
contra  vulnpra^  iiiM$iiie  ifiaiMi  #0i2/a(,  2?,.](3;.  autüainalis 
uriteae  f adiaein .  «alUeatam  in  iterti^nis,  jta.nr  M^iri.iii4ii>* 
c^^n^  «u«i:i$ruüar.  eat.radii;;,!  6ii(}4/t4r«p<9  ct|i  «et  i lytioriMf 
ßüa  e^imaturr.liberane:  miftrj^  tradid.eruojti  .:92,  ,}4;:  bttr 
gloaao  iiiarea^mi»,  aii-quia  medullam ^ «^  leitile  ejpfdli^  /din 
:c»^qiie  «d  gtMii  \tib0ratHkm  föbr^üid  t&|ciH  i2@^:  IL  Cor 
^WtoUaJft,  &^  von  ,der  radtfintai*  4»Wtt;  |i«3(«f e«  eoiMi/tT 
>$HWMw  ¥0€a[nt.  ,  .tea .  iii  Mac^ia^  mantibiift  pl^riiaa.  vAaaoiiiir) 
oiiiiii(|va.!pf«ori  ia$ixi«iia;  ef4  <salutßW(i;  ta^M' tnMti  .«Aodilii^ 
ante  splis  ifPium,  'Sic  enim  Mf^  «lyareiaa  vim  cmdiiiiur 
babelre*  .  -,...•••  -/•  ,  .••-  '.   ; 

Oergleioheii  «ä^pab^n*  verurag  ,iQb  fcoiiUch  ^av«  unaerer 
Qinb^iip^lßQheii  armen  nnA  ^abg^blafstetn  überliefQruAgi.weaig 
gegeiiüb^  au  ate^Uen.  tedevl^nd .  itf  Buraarda,  laa^bricht 
yo^  der  ;M/i«a)  (dfeifi  hyOso^tanula)^  quam  virgiMm  ntidam 
wMütfli^,  difiit0*  dewkve  manm  er«ere.  Dp<eiimt -^t  ^fUdtpitils 
joriMaht .  oiun  Ugamin^e^  aliquo  ad  mmkmmr^isAMn  .den^ 
p^4U^  UgiaT^.;  dftr  .  zireck  .  wiurde  «eben  s.:  5^  mg^mgk 
dia  naoktbpit  des  sie  auitreirsänden  mAd^beiMt  atinftrail  zUje^ 
nem  gürtelablegen  und  entadbubea ,  dock  die  rechte  band 
und  der  recbte  ftifs  weieb^n  ab  Von  der  yerwendang  linfcei 
giiedof  bei  den  Römern,  der  ganze  gebreui&h .  scbeiQt^  »b&t 
aiKt»  in  .Gallien  .  bekannt  gewei^^  wo  bereiiKtf  dier  HOmec 
auagebitdeten  kräutercultiis  wahraabaaen,  wie  sidb  -naobber 
noeb  zeige»  $oll.  Ein  aga.  kräut^rbuch  hat  folgendes  ger 
gott  aqg)B(hsekmerz,  ¥id  eägena  s&re:  cer  >iunMm  upgoAge 
oMe  hvemmtMipo  fuUiöe  gesigan  Onginne,  gS  16  ^e^« 
ytenn  yyrte  Pna^erpmaeam  and  bevrit  hi  äbdtan  mid.  äm^n 
gjßU^fium  krmge  and  cVed  frät  ^  b!  16  eägena  l^oeüan^ 
mndn  ville,  üfter  ^rm  dagon  gä  )k(i  fiaBr  tö  »r  sunnan-* 
gancge  andf  geniiti  ht  and  hob  onbftlail  ^äs  «annes  avy- 
ran.  heo  fra«iiild  vol.  Gegeili  üUftdle:  gaag  an  Irnnresa-* 
fenj'  f>o«iBe  M$nne.  an  seile  sie,  ^«^  f^ü  yile  Ehnam  stan« 
das,  sing  fionne  beneifeite  et  pater  soster  aOid  .ating  |>tn 
aeax  op  jil  vyrte.     tot  atician  eft  t6.{ioa£no  däg  and  niht 


riM  msüfpm 

ähd  ^  g^Mim  and^  ifonM  bebiMd.  ig«ng>fi>^tt^  svl|fetide 
Md  {)#«h  >{yo  bväthvega  egesttie»  oiigreio  «aüis  inM^'timi, 
tie  ctedfid  ^kim'^nf]^  vord>l6,  kft  ^  owmeM  fübr^  vfHld, 
^  j^ft  dn  >  ibren  8^  gemeftrGo4es4s  ding  -^Ihiqö  -  Mfiedidte 
pater  nfCMeri  Adelf  j^*  vyrtf.  toi  «Itcuut  >dr  «tttc  f^nUMi. 
gniigtd  eft  svd  frü  rtdi^H  :inil|^  Uciiiüotfn.'iiiid  lege  Uiider 
r^ofdd  mid  f»Am  geexte»,  teti  liogeen  bfldät  sti«Mi4^  mipe' #fo. 
Awdde  eiddMr;  d6  t6  drenoei' dAd  bistte^pv^rt  ^8ii#Cri6t«8 
iti»t08  NgO)  ävyl  f»rtta  ew  flu^oleaiii,  geoi  |>rivtf  hftlig  nm 
on:  eing  on*  pater-  noMer  eitd' crediw  etc«  atid  hifii^eäc 
pml»rit  wUd'  9tmard&  oti'  mi  kealfei  o»  eroce)*  and  driAtie 
fKHie  drenoy  sMHta»  Mn^  h\A  sena  »sah  >  Hier'  actelnt  dte 
iateiiu^ohe  grundlege,  difiH  ektfs^altong  cfaHstKeber  febPttiH 
ehe,  öSbnbar.  ^  Ttiiers  im  traitö  defifsuperstitieiis  eügt:  qeel- 
qees  ans:  poer  ee  garatitir  M  iMMfoweti  «to-  i^barmae'Yoet 
coeiHfir  de  grand  tmalii^,  aiavi^  sam  avair  4a€^  Um-s  maim, 
sam»  mfoir  prU  diM^  mm  paHsr  ä  perBmine-ei  iMs  mkier 
peraewfffe  eil  leiH"  «iiemifi^  ütii»  cerlaiiiie  ffieete^  et  Jar  aieMeirt 
eiMeiCe'siir  ia  yeraojnwe  iiiaMficiiie  «ou  ensairsbMe.'  Ils  fw- 
tent  sur  eux  une  racine  de  chicor6ey  qu*ils  ont  toueMe*i 
genom»  ai*ec  ide  Pöt  et  c/efai^^Miti:!«!  jo«r  de  la  ti4itf^it^  de 
saint^  Jean  bapttste,  vm  peu  emunt  ie  4ok%l^  li^S  et  qo'H^ont 
ensuit;e  arracb^e  de  lerre  ati^  un  fe^renrefit  et  a^ve^bean^ 
eoop*  deetir^moniesi^.  apr^«  l'livoir  eXDi«eizöe  a^eü  tep^ 
de  Judas  Maehab^.  4a»  aMig"  wietfef»  eeltMeb  sei»  mid 
gleiobt  dodh  den-  rtMnmehefi  hergjingen,  Judaa  heldensdiwert 
vertritt  das  kreisziehende  fernim.  ndlta^id  statf  eisen  ab- 
geschnitten wird  auch  abergh  581.  Als  Reiiart  aoP  der 
wiese  die  gesuchte  pflanze  fiadel  und  behutsam' atiszieht, 
heifst  ea  'ne  t'a  tHbUe  riesquaekie^  en^s  h  m^nja  mw« 
kibier^  del  remanant  ala  frotar  trestetes  lea  plales*  (}tt*il  ot 
et  li  cuir  maintenant^  reclot  et  Aig«iria  et  Iresfoz'  saiM.' 
(25105-11).  das  hra«l  gellte  wt^)&p  gerieben  »oeh  ge- 
quetscht werden  (vgl.  Micttels*  Tristi  2,  £0).  We«n  iit  Thur- 
neissers  erM^  der  archidexen,  Bei4iif  1575'  61.-  76  gesagt 
wird:  ^verbeen,  agrimenia,  modeiger  charfiteytags' gnA»«a 
hilfit  dich  sehr,  das  dir  die  frawen>  werden  holdf,  doch 
brauch  kein  eisen,  grabs  wUt  goldtf  so  schvhit  das  aus  Ist. 
quelle  geflossen.  Viel  merhwttrdiger  beiM  es  in  eineai 
Kede  des  hitzlerischen  bachs'  von  dem  ^kr««t  herfen'  137. 
294:  <daz  ist  gar  ein  edei  hHU,  grabez  Uükynieki  %e  t^ 
sehäizen  eikd  dttrübet  gesetzt^  begrif  man»  dk;b>d«' wardst 
geletzt  an  dinep  s«Men  b6hstei0  pfamt:'  seiokie  aehfltaan 
ttnd  httler  des  krapts  vergleicbea  skh  jedein  di^  paeooit 


IHXOtBI  %Ul 

hvpaoiiänden    f^edM f '  ferh   iA>er(-4nöofate 'ifMn'VM  ihnen 

-  , .  Ütter  dasiottöfMAffi  («tfii^Mrd  y  gi9W(itbnHch  adalügare  ^)) 
det»  gebroishneü'  «iler  geg^atoeR'  hräuler  j^erth^ill  Himiiii 
fddgieifide  vorsdxriften?  herba  AÜattigaU  iae&o  hrachio  Ua^  «t 
0»^  ^ü^'^t^'i/Aitf  lignoreV  94^19*;  inagi  heiio4ropiuin|  qttar- 
Htti^  ^ar(?r/iti  ierti$fkmtor  Migari  -  jnbeni  a<>  ipso  aegrO', 
pvecariqae  cmv  soliitivrinn  ae  nodos  liberatum,  et  ita  fasere 
Hentiiejdearttff  HeriMi.  %S^;  21;  suni  qdi  gemküta  ißotmn  <<rel 
Hdinsii vöL  €  diiatars  li4bU9iretlierbi8i  ad  hancartic^aiortfm  nii^ 
ineBfiiii '  mtt&it^  iamir  iucididtt  nigra  jubeanlad  Demedia  slru^ 
mae  paitoruNvre.  jBjumUn  liebere  esaci  quii  coiNgat,  Ita  ire 
in 'doipiin  «bseiiti»  «cnin medttatur ,  sup0rvenieiiti((«#  ter^di-^ 
tefe,! ^jeflmo  jbjVntif»^:  medicainentiiniidare^'  atque  ita  M^K^ 
joKi?,  ti^odiue  tid  Meere.  ''Ciudd  ei  gramiiitHii'igeiifere  neptmn 
nWarwpnüwi'tofcätvt  eflkaeisirime'  oapMl>iiiträr>doiore6  adfaltiga-- 
tur.  24,  19;  alliget  ei  Septem  folia.  26,  11:  verbenaca  Ju^ 
nieotorom' febribus  äi  vino  medetnrj:  sed  in  terticinis  a  tertio 
gemcuhimmAt  quai'taais  af  qoarlm'  26,  ii  ^/  slatl  dei 
anUhdem» legte  man  iflwob^  util^i  >db8'  kranken  hattpAvssdn*: 
aoiaw^  Bhin^oiatUfn'piknno^  nfigro^  ignöPanHs;fmMn0  subjfdla** 
tiir.  -S|B;  i1>;  •s^atnosaUfoit  olf(ielam,  *^n\  inseia  ^h  capUn 
posilaoK  27<;  7.  0er  kranke  aollte  >in  der  •  regel  niobt 
Hiisset»)  was  ihm  aag^baadew  od«r  ikttergeteg4'i4ii|irdie^;  g«-« 
lenke*  und  knoten  i  der  kräuler«t<inden  in  betag  a«f  art  und 
wtedephoiniig  desbandes;  Oft  r^ebt  esihin,  das  iscbüftzehde 
fawicks  m  det  hand  sfi  Aa//^^  oder*  bei^  sreli  im>güine^'w 
bmg^ny  m%%m  poipuli  m  manu  iewmtihw  inte?tHgo>  Don 
m«inatttiij  24^  8 ;  virgam  qiir  in  manu  kaheani  Mt  in  eAicft^ 
negantiir  intertriginem  sentire.  S4,  9i?  Ytt^erMk^ne»  me^ 
fi^i  Catö  absiatbnmi'  pofMicttib  seeum  kabentib^,  t^\  8; 
aber  aaoh  wer  die  ttfoiphaea  in  der  hand  haltend  fielj  Wurde 
epileptisch' (s.  620}« 

Man  piegte  aber  in  vielen  gegendea  Deutschlands  kfiüf^ 
tige  kriMilef  oben  an  der«  bühne  an  dem  hauptbalken,:  öder 
liber  tbttr  und  tkorweg  au/kuhängen,  wo  sie  das  jaAr  hin«- 
durch-  blieben^  bis  sie  dlM'ch^  frisehe  ersetzt  wurden.  " 


*)  eine  merli würdige  Zusammensetzung =<t(fa(2%are,  man  moste 
den  ursprang  der  durehgedmngnen  asstmilatioa  nicht  mehr  fühlen, 
weil  «oeh  ein  ad  f ortrat.  fthnliä,  doch  nidit  ganz,  wiare  naser  bd. 
part«  gfgläekl  (I.  gegelikkt),  ToUkommAQ.  aber  gUicbt  akfraoz.  con^ 
ciieillir  s;;:  cencollig^i-ei  copGonlig.ere, 

**)  yid  keäfodece  (kopfweb) :  ^delf  vegbrcedan  (plantago)  butan 
Isene  »r  suonan  upgange,  bind  hi  moran  (die  beeren,  den  samen) 
ymb  ^it  ketf^d'  mid  >TT»fere*<M  {yrnd^.    «ona  faftn  bid'«e}/ 


tl9S  IRlDTn 

I  :Seite«m.ivflr  dar  •nimiMibe  brfifch  ^  MebAn  den  iwg 
zo  legen  und  mit  den  hitukirch  wachsenden  grashälmentmheh' 
ieh:  cjribro  in  limite.adjecio  h^bMte  min«  onUintes-rdeeerp- 
lue  tdaUig^atoeque  gßtamdw  *  pirliis  acoeleranl.  24^.  19.  das 
sieb ,  war  beilig««-  gerilh  (s.  1062.  1€66).  eixstare  ist  ^dra 
atarcL  paomitere.  mich  eriimert  da8.an^uaaer^.i«eifl|hämer, 
welche  dii^  diiine  einißs  gevrobenen.  l«<As'  danach  bestim«- 
mea,  dafe  die  halme  (wie  hei  jeneahtaiab)  hiidarch  ateehan: 
item  e»  apreeUai  oudi;diehafläl/  das  ^ikandkrt.md'aibeo«* 
taig  fil«  httobtttochs  gäbinf  deaft  ^vi^n  ittnmi,  das  Msdlbr  hacb- 
taoHßh  aUli  so  awach  ain^  .wenn  flUan  daaapiNeil  «feinwasea, 
das  gens  gras  und  hotten  dut^  dM  .  tuoch  nfligiot .  fsseoi 
1/12;  und  daa^aelb  tuch  sol  man  auf  «ineai  wasen.isfseiten 
und  m1  dag  in  der  mafa  aein,  das  die.  gelMi  dadurch  wal 
gras  mögiaNi  eas«n.  aud  nicht  Ifunger  slarhind.  ]^2S4.  Mar 
ist  TOft  keiaen .  heilen  die  reda^  aber,  di»  belitcktakigBimlse 
ähnlich.  .        :  \  '  . 

J^ach  .di0sen  allgem^vail^  eröitt0i?aigeQ:  will  ich<  einaehie 
berühmte  heükrüter  .duaebgebn^  -  einige  schehMin  jedach 
abaichtfieh  keinen  beatimMen-  iHtaMtn  an  fttfhrea;.  dahia 
geMrt  das  kraut,  welches  die^dgai  ven.hivfteuxund  pctaidi 
abhielt:  .  peatem  a  milio  atque  psinicoy  sAnrnoiraln  passe*- 
r«mque  agmina ,  scio  :  abigi  herba  ot/t»  notnien  iffn^tum 
e$tj  in  fttatnor  anguiia  segetia ;  deCbSßa ,.  mirum'  did»  ut 
pmniru»  a«ila  avis  intnai:  PJin.  18,  17.:  Ein.  gadiiaht  Ls.  1. 
211'^  18  eratthlt  vdn  eia^r  juiigfrau,  däa  sich  anf.  dem  anger 
bkimen  zum  krant  gehrochen  und  vtan.  i]iig)sßbr  eiu  tir 
wdieluumieB  krami  ergriffen  habe:  kaum  war  daa  kraut 
in  ikner  htmdy  so  sah  sie  vot  sich  alle  ihpe.  liebhaber, 
vernahm  ihre  rede  und  wQste  aUe  ihf e  gedaukeu.  nuletat 
aber  schlug  ihr  eine  gefärtin  daa  •  wunderbare  kraut  aus 
der  band,  dafa  es  in  «inea  ¥ortlbei?flie(seiMlen  baeh  fiel 
und  fortschwamm;  da  war  alle  Weissagung  wieder  ent- 
schwunden. Auch  die  uugenna%te  blaue  mtfnderbhime 
ifi.  916.  924),  die  dem  hirlen^  wenn  er  siiB  «umnereehens 
aufgesteckt  hat,  plötalich  seine  äugen  i^fuel  und  den  bisher 
verborguen  eingang  aum  schätz  entdeckt  (js.  923),  orscheial 
desto  geheimnisvoller,  weil  sie  gar  nicht  angegeben  wer- 
den kann,  der  name  vergifsmeinnicht,  den  sie  sich  gleich- 
sam selbst  beilegt,  soll  blofs  ihre  bedeutsamkeit  auadrüpken, 
und  mag  erst  im  veriauf  der  aeit  auf  myesotis  angewandt 
worden  sein.  Solch  einen' imperativiscbea  krAutnameu weist 
uns  auch  Plinlus  27, 12  auf;  circa  Atiminom  uota  ^st  herba 
quam  resedam  vocant^  discutit  collectiones  inflammatio- 
nesque  pmnea,    i|ui.  curant  aa^  adduui  baep  verb«:  'Aeie(Ai 


KRÄUTBR.    ALRAUN!  115S( 

morbos  reuda^  scisne,  scisoe  qau  hie  pulloto  egerit?  ra- 
dicea  nee  oapat  nee  pedes  habeanti'  haeo  ter  dicunt  toties- 
qae  despuunt  collectio  ist  geschwalst  und  darauf  oder  die 
entzttndiing  mufs  das  pullos  agere  gehn.  was  wir  jetzt 
reseda  (odorata)  nennen  mag  ein  andres  kraut  sein. 

Unter  allen  berühmten  wurzeln  steht  die  Alrw^  oben 
an.  sohon  ahd.  gl.  liefern  alrUmay .  alrün  für  mandragora. 
(Graff  2,  523.  Sohm.  3,  97)  und  ieh  habe  s.  375.  376  den 
namen  der  persönlich  gedachten  pflanze  wol  befugt  mit 
dem  der  weisen  freuen  unsers  höchsten  alterthums  zusam- 
mengestellt. H.  Sachs  IV.  3,  34  schildert  noch  die  Abraum 
als  eine  am  Scheideweg  begegnende  göttin  *).  dazu  kommty 
dafs  die  würzet '  selbst  menschlich   gestaltet   und  ihr   aus- 


**)  diese  persÖDlichkeit  der  Alraun  geht  deutlich  aus  einem  schwank 
hervor,  den  eiiie  hs.  des  15  jh.  überliefert:  Dieitur  de  quadam  mu- 
liere,  ^oae  babuit  ^irum  nimis  darum,  quae  quandam  Tetnlam  in 
sortilegUB  famosam  consuluit.  yetula  Tero  ezperta  in  talibus  Talde 
dixit,  se  optima  sibi  scire  et  posse  (sub)  yenire,  si  suum  Teilet  con- 
silium  imitari.  et  dum  ipsa  promilteret  se  Teile  imitari,  Vetula  ad- 
jeeit:  'babesne  in  horto  (uo  canapum  spissum  et  longumT*  quae  ait 
*babeo  yaMe  optatam.'  cui  yetula  'vade!  inquit  Uribus  noctibus  su&« 
eeasire  in  creposculo  serotino  ad  ipsum  bortum  tali  modo  et  forma, 
prima  namque  nocte  accipe  unam  libram  lardi  spississimi  et  optimi, 
quam  poteris  habere,  secunda  nocte  duas,  tertia  vero  nocte  tres,  et 
semper  ponas  dextrom  pedem  ad  canapum,  ac  projiciendo  lardum 
nsque  ad  medium  canapi  yel  eitra  haec  dioes  yerba: 

Ahattn  du  til  güet, 

mit  trawri^m  möet 

ruef  ich  dich  an; 

dastu  meinen  leidigen  man 

bringst  darzue , 

das  er  mir  kein  leid  nimmer  tue.' 
Tertia  igitur  nocte  cum  muKer  haec  Terba  repKcaret,  yetnla  abscon- 
dita  in  canapo  jacebaU  prius  autem  informaTerat  praedictam  mulie« 
rem,  quod  attentissime  ausoultaret,  qnae  sibi  tertia  nocte  dicta 
Ahraum  insinuaret.  unde  in  haec  Terba  suh  voce  rauca  ei  valde  aUena 
abscondita  in  canapo  respoodebat: 

fraw,  du  solt  baim  gan 

und  solt  güeten  müet  hau , . 

und  soll  leiden,  meiden,  sweigen; 

thuest  du  das  Ton  allen  deinen  sinnen, 

Bo  maobtu  wol  ein  gäeten  man  gewinnen. 

Et  sie  mulier  ?erba  illins  relulae  imitabatnr,  et  Wri  amaritudo  in  dul- 
cedinem  et  mansuetudinem  ?ertebatur.  Äbnlich  ist  ein  mbd.  gedieht 
(altd.  wäld.  3,  160-163)  und  ein  märcben  {KM,  no.  128),  wo  aber 
der  mann,  statt  der  frau,  sich  am  holen  bäum  oder  Spindelbaum  (fu- 
sarius)  im  sarten  weissagen  läfst  (s.  618).  Der  anruf  <Alrün,  du  vU 
guou'  gemahnl  an  Walthers  stelle  ron  der  kleidenden  und  schroten- 
den frö  Solde  43,  7,  wo  gleichfalls  gesagt  ist:   'si  «•/  guote.' 

Grimms  mythoL    9*  tmigmbe,  •  v 


1154'  KRADTBR.    ALRAUN 

reirsen  foigenderaiarsen  beschrieben  ist:  wenn  ein  erbdieb, 
der  noch  reiner  Jüngling  ist,  erhängt  wird  und  das  wasser 
oder  den  samen  fallen  Iftfst,  wächst  unter  dem  galgendie 
breitblättrige,  gelbblumige  alraun.  beim  ausgraben  ächzt 
und  schreit  sie  so  entsetzlich,  dafs  der  grabende  davon 
sterben  murs.  man  soll  also  freitags  vor  Sonnenaufgang, 
nachdem  die  obren  mit  baumwolle  oder  wachs  verstopft 
sind,  einen  ganz  schwanen  kund,  an  dem  kein  weifses 
faärchen  sei,  mitnehmen,  drei  kreuze  über  die  alraun  ma- 
chen und  rings  herum  graben,  dafs  die  wurzel  nur  noch 
an  dünnen  fasern  hänge,  dann  werden  diese  mit  einer 
schnür  an  den  schuxm»  des  Hunds  gebunden,  dem  hond 
ein  stück  brot  gezeigt  und  eiligst  weggelaufen,  der  band 
naph  dem  brote  gierig  folgt  und  zieht  die  wurzel  aus,  fällt 
aber  von  ihrem-  ächzenden  wehruf  getroffen  todt  hin.  hier- 
auf wird  die  wurzel  autgehoben  (das  ist  jenes  in  sublime 
tolli)«  mit  rothem  wein  gewaschen,  in  weifs  und  rothe  seide 
gewickelt,  in  ein  kästlein  gelegt,  alle  freitage  gebadet  und 
alle  neumonde  mit  neuem  weifsem  hemdlein  angethan.  fragt 
man  sie  nun,  so  offenbart  sie  künftige  und  heimliche  dinge 
zu  wolfart  und  gedeihen ,  macht  reich ,  entfernt  alle  feinde, 
bringt  der  ehe  segen,  und  jedes  über  nacht  zu  ihr  gelegte 
geldstück  findet  man  frühmorgens  verdoppelt,  doch  über- 
lade man  sie  nicht  damit,  stirbt  ihr  eigner,  so  erbt  sie 
der  jüngste  söhn ,  mufs  aber  dem  vater  ein  stück  brot  und 
geld  in  seinen  sarg  legen,  stirbt  er  vor  dem  vater,  so 
geht  die  alraun  über  auf  den  ältesten  sobn,  der  aber  sei- 
nen jüngsten  bruder  eben  so  mit  brot  und  geld  begraben 
soll.  Alle  diese  bestimmungen  klingen  alt  und  können  hoch 
hinauf  reichen.  Schon  jene  abd.  glossen  halten  alrüna  für 
die  in  der  vulgata  Gen.  30,  14  mehrmals  vorkommende 
mandragora^) ^  wo  der  bebr.  text  dudaim  liefst,  die  mhd. 
dichtung  aber  erdephil  verdeutscht  (Diut.  2,  79).  vom  man^ 
dtagoras  (gr.  /lavögayogag)  aber  meldet  Plin.  25,  13:  man- 
dragoram  alii  circaeum  vocant,  duo  ejus  genera,  candidus, 
qui  et  mas,  niger  qui  femina  existimatur  ....  carent  ef- 
fossuri  (album)  contrarium  ventum  et  tribus  circulis  ante 
gladio  circumscribunt,  postea  fodiunt  ad  occasum  spectan- 
tes.  wichtiger  sind  diesmal  zwei  verse  bei  Columella  10, 19 
quamvis  semihominis  vesano  gramine  foeta 
mandragorae  pariat  flores,  moestamque  cicutam. 
der  semihomo  mandragoras  entspricht  jener  sage  und  selbst 

*)  ei  steht  der  weibliche  pl.  mandragorae,  die  LXX  haben  ft^lm 
fiavdQuyogwp,  erdSpfeL 


KRÄUTER.    ALRAUN.    SCHLAFDORN         1155 

das  vesanum  gramen  könnte  ihr  näher  entsprechen,  als  aus 
den  Worten  erhellt.  Auch  Hildegard  phys.  2,  102  sagt: 
mandragara  de  terra,  de  qua  Adam  creatus  est^  dilatata 
est,  et  propter  aimilitudinem  hominis  suggestio  diaboli  huic 
plus  quam  aliis  herbis  insidiatur.  et  ideo  cum  de  terra 
effoditur,  mox  in  salientem  fontem  per  diem  et  noctem 
ponatur.  Da  franz.  mandaghire  für  mandragore  steht,  ist 
8.  384  gemutmafst,  dafs  die  Ke  Maglore  aus  Handagloire 
entsprungen  sei,  und  das  wäre  als  bestätigung  des  analogen 
Verhältnisses  zwischen  Alrüna  und  alrüna  nicht  zu  verach- 
ten. Ich  schliefse  mit  einer  ags.  Schilderung  aus  Thorpes 
anal.  s.  94,  die  doch  wol  ins  10.  11  jh.  zu  setzen  ist  und 
jene  Zuziehung  des  hundes  beim  ausziehen  bestätigt:  deos 
vyrt,  fie  man  mandragoram  (engl,  mandrake]  nemned  .... 
fionne  f»ü  t6  hire  cymst,  ^onne  ongist  ^u  h!  be  ^äm,  ^e 
heo  on  nihte  sctned  ealsvA  leohtfät.  j^onne  f)ü  hire  hedfod 
»rest  geseo,  fionne  bevrtt  f)ü  ht  vel  hrade  mid  tserne,  f>y 
Ifles  heo  ^e  ätfleo.  hire  mägen  is  svä  micel  and  svä  m»re, 
fifit  heo  unctenne  man,  ^onne  he  t6  hire  cymed,  vel  hrade 
forfleon  vile.  fordy  f)ü  ht  bevrtt,  svä  ve  mr  cv»don,  mid 
tserne,  and  svä  ^ü  scealt  onbütan  ht  delfan,  svä  ^ü  hire 
mid  j^äm  tserne  nä  ätfarine;  ac  ^ü  geornlfce  scealt  mid 
ylpenbsmenon  stäfe  ^A  eordan  delfan,  and  f^onne  f>ü  hire 
handa  and  hire  fSt  geseo,  f>onne  gevrtd  ^ü  ht.  nim  fK)nne 
bone  oderne  ende  and  gevrtd  t6  Anes  kimdes  svtran,  svA 
pAt  se  kund  hungrig  st^  vurp  him  siddan  mete  t6  foran,  svA 
pikt  he  bine  ähräcan  ne  mäge,  büton  he  mid  him  f>a  vyrte 
upäbrede.  Sie  scheint  bei  nacht  wie  ein  licht,  es  wird  ihr 
haupt,  bände  und  füfse  beigelegt,  sie  soll  erst  mit  eisen 
umschrieben  werden,  damit  sie  liicht  entweiche,  nicht  mit 
eisen  angerührt,  sondern  mit  elfenbeinernem  stab6  gegra- 
ben;  vieles  gemahnt  an  lat.  grundlage  (bevrttan  circum- 
scribere).  statt  an  den  schweif  soll  an  den  nacken  des 
hundes  gebunden  werden  (vgl.  belg.  mus.  5, 114).  Plinius 
legt  dem  mandragoras  vim  somnificam  bei. 

S»m.  194«  wird  ein  wefnpam  (schlafdorn)  erwähnt, 
mit  welchem  Odinn  Brynhild  sticht,  dafs  sie  entschläft,  wie 
im  märchen  Dornröschen  auf  den  stich  mit  der  spindel. 
die  domroMe  ist  hier  bedeutsam,  da  eben  ein  moosartiger 
auswuchs  am  wilden  rosenstrauch  oder  am  hagedorn  uns 
noch  heute  schlafapfel  oder  schlafkum  heifst,  also  schon 
in  dem  namen  Dornrose  bezog  auf  den  mythus  liegt,  man 
sagt  auch  blofs  kuewi  (Schm.  2,  314],  welches  kaum  als 
Konrad,  vielmehr  aus  kfienzel,  küenzen  (ansatz  unter  dem 
kinn)  erklärbar  scheint,     legt   man  ihn  schlafenden  unters 

73» 


1156  KBÜDTEft.    MI9TEL 

hauptkassen^  so  erwachen  sie  nicht,  bevor  man  ihn  wegge- 
nommen hat*). 

Der  Schlafapfel  soll  aus  dem  stich  einer  wespe  in  den 
dorn  hervorgehn;  gleich  wurzellos  entsteht  auf  eichen  der 
weissagende  gallapfel  (abergl.  968)  durch  solchen  stich,  ital. 
gaUo%%My  neapol  gliantraj  vgl.  pentam.  2,  1  Hre  gliantre 
mascole.'  gewächse,  deren  Ursprung  aus  samen  und  Wur- 
zel nicht  nachgewiesen  werden  konnte,  erschienen  wunder- 
bar und  zauberkräftig,  man  hängt  gallapfel  zu  des  hauses 
Sicherung  am  küchenbaiken  auf. 

Namentlich  galt  der  mstel  für  heilig,  den  man  Tom 
himmel  auf  die  äste  andrer  hehrer  bäume,  zumal  der  eiche 
und  esche,  niedergefallen  wähnte,  ahd.  misHl  (nicht  weib- 
lich mistila)  Graff  2,  890.  mhd.  mi$tel,  Martina  161  <>  jAmers 
mistel.  mit  einem  zweige  dieses  krauts  wurde  Baldr  er- 
schossen: als  Frigg  allen  pflanzen  eide  abgenommen  hatte, 
war  es  ihr  noch  zu  jung  erschienen :  vex  vidar  teinüngr 
einn  fyrir  austan  ValhöU,  sä  er  MisHUeinn  kalladr,  sA  |>6Ui 
mer  üngr  at  krefja  eidsins.  Sn.  64,  und  in  Völuspft  wird 
gesungen  Saem.  6^ 

stöd  umvaxinn  vöUom  haerri 
mior  ok  miök  fagor  MisHlteinn, 
hoch  über  das  feld  hinaus  stand  gewachsen  der  zarte 
schöne  mistelstab;  teinn  ist  der  aufgesehofsne  ast,  goth. 
tiins,  ahd.  zein,  und  man  dürfte  ein  goth.  mistilatäins,  ahd. 
mistilzein  annehmen,  wird  nun  ein  ags.  mi$mtä  angegeben, 
so  kann  es  leicht  aus  misiiltän  verderbt  sein,  dessen  Über- 
einkunft mit  dem  eddischen  mtstiUeinn  willkommen  und 
wichUg  wäre;  doch  läfst  sich  auch  tA  zehe  hören,  und 
scheint  durch  das  engl,  misseltoe  bestätigt.  In  Schweden 
soll  die  immergrüne  parasitpflanze  gewöhnlich  einen  oder 
zwei  fufs,  aber  auch  bis  zu  drei  eilen  hoch  aufwachsen 
(Geijer  häfd.  1,  330).  F.  Hagn.  lex.  512  führt  an ,  dafs  sie 
in  Vestergötland  vespelt  heifse,  heiliger  spelz,  triticum  sa- 
crum.  ein  kraut,  von  dem  der  tod  eines  der  gröfsten, 
geliebtesten  götter  abhieng,  mufs  für  hochheilig  erachtet 
worden  sein,  doch  seine  heiligkeit  war  wiederum  deutschen 
und  celtischen  Völkern  gemein.  Des  celtischen  glaubens 
versichert  uns  Plinius  16,  44:    non   est  omittenda  in  ea  re 

*}  sHnga  ttefnftom  auch  fornald.  sog.  1,  la  19.  3,  303.  306. 
im  Trietan  wirkt  blofses  küsseUn  schlaf,  Ulr.  1672.  1693,  der  xoube- 
raere  küsseltD.*  Heior  4911.  nach  eioem  mSrcben  (altd.  bl.  1,  145) 
Schrift  and  briefe  (d.  h.  runen),  oder  federn  ron  den  wilden  rauben 
leoten  (s.  404.  454),  die  man  sieb  also  auch  geflögelt  oder  befiedert 
dachte. 


KRÄUTER.    HISTBL  1157 

H  Ckillianiiii  adniiralio.  nihil  hubent  droidae  (ita  soos 
•ppellattt  magos)  nitco  et  arbore,  in  qua  Signatar  (si  modo 
Sit  roter],  aacratiiis.  jam  per  se  robantm  eligunt  hscoi, 
nee  olia  saera  sine  ea  fronde  confieinnt,  ut  inde  appeliati 
qaoqne  interpretatione  graeca  possint  druidae  Tideri.  enim- 
▼ero  quidqvid  adnascahir  Ulis,  e  eoelo  musum  patant 
signomque  en»t  electae  ab  ipso  deo  arboris.  Est  antem  id 
ramm  admodom  iDTentu  et  repertam  magna  religione 
petitur^  et  ante  omnia  sexta  luna,  quae  principia  mensium 
annorumque  iiis  facit,  et  secnli  post  tricesimum  annum, 
quia  jam  virium  abunde  babeat,  nee  sit  sui  dimidia.  omnia 
MnanOem  appellantes  suo  Tocabolo,  sacrificiis  rite  siib 
arbore  praeparatis,  dnos  admorent  candidi  coloris  tamvs, 
quorum  comua  timo  primum  emcianiur  ^),  sacerdos  can^ 
dida  eesie  cultas  arborem  scandii,  falce  aiurea  demeiUf 
eandido  id  excipitur  sago.  tum  deinde  viotimas  immolant, 
precantes  ut  suum  donum  deus  prosperum  faciat  bis  quibus 
dederit.  foecnnditatem  eo  poto  dari  cuicunqne  animalium 
sterili  arbitrantur,  contra  venena  omnia  esse  remedio.  tanta 
gentium  in  rebus  frivolis  plerumque  religio  est.  Dieser 
scbönen  beschreibttng  läfst  Plinius  andere  nachrichten  vor- 
angehn,  aus  welchen  hier  noch  einiges  auszuheben  ist: 
rttei  tria  genera.  namque  in  abiete  ac  larice  stelm  dicit 
Euboea  nasci,  hypkear  Arcadia,  tucnm  autem  in  quercu, 
robore,  pruno  silvestri,  terebintho,  nee  aliis  arboribns  ad- 
nasci  plerique.     copiosissimum  in  quercu,   quod  dryos  hy^ 

phear adjicinnt  discrimen,  frisco  in  bis  quae  folia 

amittant  et  ipsi  decidere,  contra  inhaerere  nato  in  aetema 
fintmde^.  omnino  antem  satum  nnllo  modo  nascitar,  nee 
nisi  per  akmm  oottim  reddUnmy  maxime  pahmMs  ac 
turdis.  haec  est  natura,  ut  nisi  maturatum  in  ventre  avium 
non  proveniat.  altitudo  ejus  non  excedit  cubitalem,  semper 
frutectosi  ac  vnridis.  mas  fertilis,  femina  sterilis.  aliquando 
non  fort.  Auch  bei  uns  heirst  eine  drossel  der  mistler 
(Schm.  2,  645,  mhd.  misteltere?),  engl,  misselbird,  und  das 
wegtragen  des  samens  durch  eögel  steigert  in  andern  uns- 
rer  mythen  die  heiligkeit  des  frischen  gewächses  (s.  920); 
es  ist  dann  keine  mensehenhand  im  spiel  und  die  göttliche 


*)  itiere  die  nie  im  joch,  roiie  die  nie  angespannt  waren,  RA. 
547,  der  heilige  branch  fordert  alles  frisch. 

**)  Virg.Aeo«6,205:  quale  seiet  sU?is  bramali  frigore  vwonfn 

fronde  Tirere  nova,  quod  non  sua  seminal  arbos, 
et  croceo  fetu  teretes  circumdare  truocos; 
(alis  erat  species  auH  frondentis  opaca 
llice,  sie  leni  crepitabat  braetea  rento. 


llSe  KRÄUTER.    MISTEL 


ßlfung  offenbar.  Vimmm  ist  4«8  franz.  gtri,  und  noch  Iris 
auf  heute  hat  sich  die  Verehrung  des  krauts  in  dem  freu- 
denruf  agmUumeuf  (s*.  716)  erhalten,  in  Wales  pflegt  man 
2tt  Weihnachten  den  mistel  ilber  den  thüren  aufzustecken, 
er  heifst  nach  Davies  pren  awyr  (der  lustige  bäum),  pren 
uchehar  (bäum  des  hohen  gipfela),  pren  puraur  (banm 
des  reinen  golds)  und  die  zweite  benennung  erinnert  an 
das  eddische  völlum  hierri»  sonst  aber  wird  das  welsche 
olhiachy  bretagn.  oUyiach,  ir.  uUeiceach,  gal.  uileicey  d.  i. 
allheilend,  von  ol,  uile  universalis,  als  benennung  des  mi- 
steis angegeben.  Ein .  bretagnisches  lied  (barzas  breiz  1 , 
56)  läfst  den  Merlin  frühmorgens  den  hohen  ü$t  tmf  der 
eiche  (warhuel  ann  derwen)  holen.  Unsre  alten  kräuter- 
bücher  unterscheiden  eichenmistel ,  heselinmistel  und  bim^ 
bäuminmistel  und  keine  darf  die  erde  berühren;  einige 
hängen  sie  in  silber  gefafst  hindern  um  den  hals.  Im  preufs. 
Samland  heifst  der  mistel  ttispe  (was  dem  viscum,  gui  gleicht, 
doch  verwechselt  man  auch  sonst  mistel  mit  mispel);  an 
birken,  kirschen,  linden  ist  sie  häufig,  selten  und  wunder- 
bar an  haseln.  sie  wächst  schnurstracks  aus  dem  stamme, 
und  trägt  zwischen  den  glatten  immergrünen  weidenartigen 
blättern  silberweifse  beeren ,  wie  kleine  nüsse  oder  wie 
erbsen.  wo  die  hasel  wispen  hat  ist  sicher  ein  schätz  ver- 
borgen. (Reusch  no.  10).  Bei  den  Slaven  finde  ich  die 
namen  böhm.  melj,  gmelj,  omeli,  russ.  omela,  litth.  amalai, 
lett.  ahmals,  doch  keine  sagen. 

An  das  viscum  fügen  sich  zwei  andre  druidische  kräu- 
ter,  Plin.  24,  11:  Selago  legitur  sme  ferro  desOra  manu 
per  tunicam,  qua  Hniitra  exuitur  velut  ä  furante^  can^ 
dida  ee$te  vestito  pureque  lotis  nudis  pedibus,  sacro  facto 
priusquam  legatur  pane  vinoque.  fertur  in  mappa  nova. 
haue  contra  omnem  perniciem  habendem  prodidere  druidae 
Gallorum.  lidem  Samobim  herbam  nominavere  naecentem 
in  humidis ,  et  hanc  einisira  manu  legi  a  jejunis  contra 
morbos  suum  boumque,  nee  respicere  legentem  nee  alibi 
quam  in  canali  deponere  ibique  conterere  poturis.  Das 
pflücken  der  selago  ist  eigenthümlich,  mit  der  rechten ,  aber 
nicht  der  blofsen  sondern  von  einem  kleid  bedeckten  band 
(vgl.  s.  923)  soll  sie  gelesen  und  dann  mit  der  linken  ver- 
stolnerweise  ausgezogen  werden,  nach  Davies  br.  myth. 
280  ist  es  das  von  den  Welschen  gras  duw  (gratia  dei) 
genannte  kraut  Villemarquö  hält  es  für  aour  g^oten  (an- 
rea  herba)  bretagnischer  lieder  1,  58.  96,  es  müsse  bei 
Sonnenaufgang  barhaupt  und  barfuls  auf  der  wiese  ausge- 
zogen .werden  und  leuchte  von  weitem  wie  gold.     es  läfst 


KRAUTES.    BALDMAN.    BETONIE  1159 

rieh  nur  selten  und  ven  haüigeii  leaten  auffinden,  nach 
einigen  ist  es  unser  bärlapp  (lycopodiam).  Samolus  soll 
anemone  polsafilla  sein,  nach  Davies  s.  274  heifst  er  mit 
welschem  namen  gwlydd. 

Baldrian  ist  entsteRt  ans  täleriana  und  nicht  zu  ziehen 
auf  Baldr,  nach  dem  ein  ganz  verschiednes  kraut^  die  an- 
themis  cotula  Baldrs  brd,  schwed.  Baldersbrä,  zusammen^i- 
gezogen  Barbro  hiefs.  aber  Valeriana  fährt  einen  andern 
mythischen  namen  VeUmdnartj  Wielands  wnrz  (s.  360),  und 
ihre  heilkraft  ist  berühmt,  pie  Serben  nennen  sie  odoljan 
(von  odoljeti  überwältigen] /die  Böhmen  odolen,  und  unter 
den  serbischen  viline  pjesme  (von  der  vila  selbst  gelehrten 
Uedeni)  findet  sich  bei  Vuk  (1^  149  der  neuen  ausg.)  ein 
Spruch : 

da  zna  sbensk^  gl^Ta, 
schto  j'odoljan  trava, 
tTagda  bi  ga  brala, 
o  paa  osehiTala 
Qza  86  nosila, 

d.  h.  wüste  jede  firau,  was  odoljankraut  ist,  sie  würde  es 
immer  lesen,  in  den  gürtel  nähen  und  an  sich  tragen,  dies 
kostbare  kraut  zu  vernachlässigen  warnt  die  vila. 

Bilsenkrauiy  ahd.  pilisa,  belisa  (hyoscyamus)  s.  560  und 
8.  1149. 

Beionica,  Plin.  25,  8:  Vettones  in  Hispania  eam,  quae 
Veikmica  dicitur  in  Gallia,  in  Italia  ante»  serraMa,  a 
Graeeis  cestros  aut  psychomorphon,  ante  cunotas  laudatis- 
siraa.  exit  anguloso  caule,  cubitorum  duüm,  a  radice  spar* 
gens  folia  fere  lapalhi,  serrata,  semine  purpureo  .  .  .  tan« 
tum  gloriae  habet,  ut  ddmtM,    in  qua  sata  sit,  hda  existi^ 

nmtwr  a  friaculü  omnSbw morstbus  imponitur 

9eUonkea,  cui  vis  Uinta  perhibetur,  ut  indusae  draUo  efus 
Berpefitef  ipsae  sese  interimant  fiagellando.  franz;  betoine, 
mhd.  baOme:  ^altiu  wtp  grabent  poldni.'  MsH.  3,  193>»; 
^86  gdnt  eteliche  mit  bcesen  baiänien  umb!,  Berth.  58; 
^ettiich  kvndent  paiamken  graben'  Vintler  anh.  s.  ui;  Mie 
Mr  ich  batdnie»  graben.'  Aw.  2,  56.  ein  italien.  sprach 
empfiehlt,  um  jeden  preis  sich  ihrer  zu  versichern :  Wenda 
la  tonica  e  oompra  la  beUmica.'  Wenn  sie  Martina  27* 
(Diut.  2,  129)  beschrieben  wird  'diu  gelwe  batdnie  hol*,  so 
stimmt  das  nicht  zu  jener  purpurfarbe  (blofs  des  samens?) 
in  der  Schweiz  ist  badönikli  fliüiblume,  Schlüsselblume,  hir- 
len  bringe»  I  sie  ihren  mädchen  mit  von  der  alp  (Stald.  1, 
124.  386).  vermutlich  sind  mehrere  arten  zu  scheiden, 
poln.  hukwica,  bObm.  bukwice  bald  betonioa,  plantago,  bald 


1160  MADBLOBB.    FAIR 


priamfai.    Did  Angelnchi0B  nanntaa  die  betonie«  bmeopnfH, 
herb«  epiecopi,  was  auf  heiligkefl  achVeÜMii  libt. 

MadalgSr  in  ahd.  giosaen  basilioiHn^  in  den  krtaler« 
bfichern  auch  aenedo.  der  apradi  laatel  ^Modelgeer  ist 
aller  wnrzel  ein  eer.'  Im  Wealerrfek,  aobald  ein  alerben 
onter  den  achweoMn  anabriebt,  backen  aie  ihnen  die  war- 
ssel  in  daa  ab  und  murmein  gebedein;  daa  behfitel  die 
achweine,  dafs  der  schehn  (die  aencbe)  nicht  nnter  aie  kenmie. 
Da  in  nnarer  heldenaage  Heimea  Täter  MadelgSr  genannt 
iai  (a.  360)  y  nnd  ebenao  einer  ^enninne  aohn,  der  die  ne» 
beikappe  anlegt  (Horolt  a.  40.  4l);  wird  die  mythiaehe  be- 
dentaamkeit  dea  pflanzennamens  glanblieh. 

Auch  Mangold  lapathnm  ziehe  ich  aitf  den  uralten  na- 
men  der  rieain,  welche  gold  malen  konnte  (a.  498). 

Ahd.  faram  filix,  mhd.  eann,  vamy  ags.  feam^  engl. 
fem.  von  der  filix  meldet  Plin.  27,  9  nichts  mythisches. 
Hildegard  phys.  2,  91 :  in  loco  iUo,  obi  crescit,  diabolos 
illusionea  suas  raro  exercet,  et  domum  et  ioeom,  in  quo 
eat,  diabolua  devitat  et  abhorret,  et  fulgura  et  tonitrua 
et  grando  ibi  raro  cadunt.  ein  krSoterbnch  sagt:  fwnir 
kraut  ist  auf  dem  felde  schwer  zu  tilgen,  aufser  man  reiTse 
es  um  auf  den  tag  Johannis  enthanplung,  dann  vergeht  der 
fam.  er  seheint  weder  blnmen  noch  samen  zu  tragen; 
wer  farnsamen  holen  will,  mafs  keck  sein  nnd  den  teufel 
zwingen  können,  man  geht  ihm  auf  Johannisnacht  nach 
Tor  tagesanbrnch ,  zündet  ein  fener  und  legt  tücher  oder 
breite  blätter  unter  das  famkraut,  dann  kann  man  sdnen 
Samen  aufheben.  Manche  heften  bitthendes  farnkraut  Afer 
die  hawthüre,  dann  geht  alles  gut,  so  weit  die  peitsdia 
beim  fuhrwerk  reicht  (etwa  auf  fünf  achritte  hin).  abergL 
988.  Redekers  westfäL  sagen  no.  46  enthalten  einige  i^ 
here  auskonft:  der  farnsamen  macM  tmsicAlbiir ,  ist  aber 
schwer  zu  finden ,  denn  nur  in  det  mittsommersnnobt  voa 
zwölf  bis  eins  reift  er,  und  füllt,  dann  gleich  ab  und  ist 
verschwunden,  einem  manne  der  gerade  in  dieser  nacht 
sein  verlornes  füllen  suchte  und  durch  eine  wiese  kam,  in 
welcher  famsamen  reifte,  fiel  er  in  die  echuhe  (wie  die 
knotten^  s.914),  des  morgens  kehrte  er  wieder  nach  hause, 
trat  in  die  stube  und  setzte  sich:  es  dapobte  ihn  aettsaai, 
dafs  frau  und  hauale.ute  gar  nicht  auf  ihn  achteten,  da 
sprach  er ,  '  das  fohlen  habe  ich  nicht  gefunden.'  alle  ia 
der  Stube  anwesenden  erschraken  sichtlidi,  jsiie  hörten  des 
mannes  stimme  und  sahen  ihn  nicht,  als  ihn  nun  die  frau 
bei  namen  rief,  stellte  er  sich  mitten  in  die  sUibe  und  sagte: 
Vaa  rufst  du,  ich  stehe  ja  nahe  vor  dir.'    da  wurde  der 


VAm.   BBIFIIBS  1161 

scbtedk-  noch  gröfser,  und  dem  mamfh  iei  ein,  daft'Hin  el^ 
was  in  den  Behohen  drückte ,  als  wäre  eand  darin^  kaum 
halle  er  aie  abgezogen  und  ausgestaubt,  so  stand  er  sieht«»- 
hat  da  vor  aller  äugen.  Das  ist  der  wiMeheltäme  de$ 
varmen  (oben  s.  926).  Conrad  von  Wttrzburg  in^  einein 
liede  MaiL  3,  458^:      , 

hol« ich  sdmeii  een  datnvant, 

den  wttrfe  ioh  dar  den  scheiden , 

da«  sin  yersittiiden,  d  mtn  dienest  von  ir  solde  scheidM. 
die  scheiden  sind  grofse  fische,  silari,  und  öfter  zu  Wortspiel 
gebraucht  (Schm.  3,  324.  Höfer  3,  65).  ihhen  soH  farnsame 
im  verschüngen  dargeworfen  werden,  eh  ein  liebender  aus 
dem  dienat  seiner  frau  scheide ;  der  same,  schmt  es,  würde 
ihm  anderswo  glück  zu  wege  gebracht  haben,  er  gibt  ihn 
fort,  um  ihr  treue  zu  halten,  unsicfatbarkeit  ist  hier  nicht 
gemeint.  Nach  Thiers  soll  die  fougire  (filix)  'cueillie  bi 
▼eiUe  de  la  aaint  Jean  justement  k  midi'  glück  im  spiel 
bringen  dem,  der  sie  bei  sich  trflgt. 

Dies  famkraut  heifst  im  Thfiringerwalde  irrkraui,  man- 
che nennen  es  auch  atterkreutich ,  oUerknmi,  wenn  man 
ohne  es  zu  sehn  darüber  schreitet,  so  macht  es  irre  und 
wirre,  und  man  kennt  weder  weg  noch  steg  mehr,  selbst 
wenn  man  auf  den  bekanntesten  stellen  des  waMes  ist.  um 
das  irregekn  zu  verhüten  oder  aufzuheben  mufs  der  wand* 
rer  sieh  niedersetzen  und  die  schuhe  wechseln,  oder  wenn 
es  ein  fraueiizimmer  ist,  die  schürze  abbinden  und  umge- 
dreht anbinden,  alsbald  weifs  man  wieder  den  rechten  weg. 
(Haupts  zeitschr.  3,  364.  Bechstetns  Franken  s.  269.  286). 
Sicher  war  der  irrsame  in  den  schuh  oder  gürtel,  beim 
entschuhen  und  entgürten  wieder  heraus  gefallen.  Man  sagt 
auch,  wer  otterkraui  bei  sich  trage,  den  verfbigen  die  Ot- 
tern so  lange  bis  er  es  wegwerfe.  An  einigen  orten  h^frt 
es  WcMurgitkraui.  Sein  russ.  name  ist  paporotj  pohi.  pa- 
frocy  altböhm.  papnU,  jetzt  papradf^  kapradj,  sloren.  pra^ 
ftatj  praprot^  litth.  papeuüs,  lett.  papardL  Auch  nach  Woy- 
cicki  1,  94  erblüht  es  gerade  auf  Johannis  mütemacht  und 
schwer  ist  diese  blume  (kwiat  paproci)  zu  erlangen,  weil 
unter  dem  brechen  stürm  und  donner  sich  erhebt;  wer 
sich  jedoch  ihrer  bemächtigt,  wird  reich  und  kann  weissagen. 
Ahd.  ptpö»  artemisia  (Graff  3,  22  an  unrechter  stelle 
und  falsch  geschrieben),  mhd.  btbo»  (:gröz)  Ls.  2,  526,  nhd. 
verderbt  in  betfu/s,  und  danach  nnl.  bitoet;  schon  gl.  Jun. 
406  bifu»,  der  name  scheint  echt  deutsch  und  von  p6zan 
cudere  gebildet  wie  anapöz  incus,  mhd.  aneböz,  nhd.  am- 
bofs,  so  dafs  nhd.  beibob  gesprochen  und  geschrieben  wer- 


liee  KRÄDTSR.    BBIFVSS 

den  sbllte.  die  badeolMig  murs  ungeflihr  die  des  nhd. 
ichlag  sein,  was  bei  Legau  eioen  bastard  ausdrückt.  muW 
mafsltche  alta.  form  wäre  btbAt,  woran  der  lett  name  MA- 
öofe«  erinnert,  das  beutige  ad.  buk,  biteke  seheint  trauliche 
Verharzung*);  dän.  bj^e,  sdiwed.  aber  gribo  (graunes^. 
Wer  beifuTs  im  hause  hat,  dem  mag  der  teufel  nicht  scha- 
den, hängt  die  wurzel  Mer  dem  Üwrj  so  ist  das  haus  ge- 
gen alles  Oble  und  ungeheuere  geschützt.  Johannistag  gär- 
tet man  sich  mit  beifufs  und  wirft  ihn,  unter  sprttchen  und 
reimen  ins  feuer  (s.  585),  daher  die  namen  Johannisgüiiely 
saimemoendgüriely  gürtetkraut,  franz.  herbe  de  s.  Jean,  die 
Wurzel  wird  feierlich  gegraben,  in  kränze  gewanden,  um- 
gehangen und  von  jedem,  mit  dem  Unfall  den  er  an  sieh 
hat,  in  die  flamme  geworfen.  Wer  beifufs  an  sich  hängt, 
ermüdet  nicht  auf  der  reise,  dies  letzte  ist  nach  Plin.  26, 
89:  artemisiam  alligatam  qui  habet  viator  negatnr  lassitudi- 
nem  sentire.  auch  die  ig/Ltfjpsiai  nuXaiai  (ed.  Sillig  s. 
212):  agte/uialav  %ri¥  ßoxavvjv  el  Tis  s'j^et  iv  iävi ,  Xvsi 
vov  HiifiaTov.  ags.  heifst  die  artemisia  mmcgtyrt,  engl. 
mugwerty  muggon:  vid  nrictum  gonge  ofer  land  ^^\z&s  he 
teerige,  mucgvyrt  nime  him  on  hand^  odde  dö  on  hü  sc6j 
fi^lies  he  mMge,  and  fionne  he  niman  ville  ler  sunnan  up- 
gange,  cvede  fäs  vord  «rest:  tollam  te,  artemisia,  ne  las- 
sus  sim  in  via.  gesegna  hie  fionne  f>ü  upteo.  Rob.  Cham- 
bers theiit  s.  34  schottische  sagen  von  ihrer  heilkrait  mit. 
Als  ein  mädohen  in  Galloway  beinahe  der  Schwindsucht  erlag 
.und  alle  an  ihrer  rettung  verzweifelten,  sang  eine  naeerfrau, 
die  dem  volk  oft  heiteamen  rath  ertheilte: 

wad  ye  let  the  bonnie  may  die  i'  your  band, 

and  the  mugwort  flowering  in  the  landl 
alsbald  pflückte  man  das  kraut  und  gab  der  kranken  den 
saß  davon,  und.  sie  ^ard  hergestellt.  Eine  andere  Jung- 
frau war  an  dieser  krankheit  gestorben  und  ihre  ieicbe 
wurde  am  hafen  von  Glasgow  vorbeigefahren,  da  streckte 
die  mermaid  das  häupt  aus  dem  wasser,  und  rief  mil  lang- 
samer stimme: 

if  tlp«y  wad  drink  nMes  in  march, 

and  eat  nwggons  in  maj, 
sae  mony  braw  maidens 

wadoa  gang  to  the  claj. 

Warum  sollte  nicht  schon  ein  goth.  bibitrts  gegolten 
haben  ?  dafs  die  Gothen  eigne,  bedeutsame  namen  der  krSn- 
tef  und  Sträuche  besafsen,    erhellt  aus  den  vom   gr.  wort 


*)  oder  ist  der  flau,  name  pt^o,  esthn«  poio,  fu^fo  terwaadt  ? 


KRÄUTER.  GDNOBLREBB.  TBUPBUBISS     1168 

abwdieheiiden  abertragmigeii  bei  UlfHas«  /9«roc»  rubos  gibt 
er  diurcb  aihvahmdi  Marc.  12, 26.  Log.  6,44.  20,37,  worin 
afhws  equtts ,  tondi  fomes  (vgl.  ahd.  zunlara ,  nhd.  xander) 
stecken  mögen;  avxafuvoe  bdhuAagm$  Luc.  17,  6,  was 
beinbaum  sagt,  und  noch  heute  heifst  der  hartriegel  bekH- 
holz.  die  Ursache  beider  benennungen  ist  uns  aber  ver^ 
loren. 

Hederich  ist  iiein  alter  name,  sondern  erst  dem  lat 
hedera  nachgebildet,  nur  dafs  darunter  nicht  epheu,  viel» 
mehr  hedera  terrestris  gemeint  wird,  Linn^s  glechoma  be* 
deracea,  ein  unkraut  mit  kleinen  blauen  blumen.  seine  echte 
benennung  lautet  gtmderebe,  gundebrebe,  donnerrebe,  gu»^ 
dermanny  ahd.  gunderreba  acer  (Graff  2,  354),  was  nicht 
ahorn  sein  kann,  auch  steht  gundereba  immer  unter  den 
kriutera.  sie  galt  fOr  heilkräftig  und  gegen  sauber  schützend, 
beim  ersten  austrieb  auf  die  weide  werden  die  kähe  durch 
einen  kroM  ven  gundemuum  gemolken,  und  wer  einen 
solehen  auf  dem  haupte  trügt  vermag  die  hexen  zu  erken« 
nen  (abergl.  462.  463).  gund  führt  auf*  die  alte  valkyrie 
(s.  393) ,  donner  -  auf  die  blaue  färbe  des  blümchens  und 
auf  Donar,  dazu  tritt  dafs  den  Letten  der  hederich  pehr^ 
hanes  heifst  nach  Pehrkon  dem  gott  das  böhm.  ohnica 
(von  oben  feuerj  gilt  dem  gelben,  ganze  äcker  überziehen- 
den hederich;  ruft  man  den  biluerinnen,  die  ihn  im  feld 
jftten,  hederich  zUf  so  schelten  sie. 

Eine  art  der  scabiosa  heifst  suceisa  und  tnanus  diaboä^ 
teufelsbifs,  tetifebabbi/$,  engl.  deüUs  bit,  dän.  diäeels  Md, 
böhm.  dertkus,  (Sertuw  kus,  russ.  djabolskoe  ukuschenie, 
sonst  auch  rasa,  tschertow  paletz  (tenfelsdaume),  poln.  czar* 
towe  zebro  (teufelsrippe).  die  wurzel  ist  unten  stumpf,  wie 
abgelassen.  Of  ibasius  sagt,  dafs  mit  diesem  kraut  der  teufel 
solchen  unfug  trieb,  dafs  die  mutter  gottes  erbarmen  hatte 
und  ihm  die  macht  benahm,  ergrimmt  bi/s  er  die  fDwr»el 
tmlen  oft,  und  so  wuchst  sie  noch  heute  des  tages.  wer 
sie  bei  sich  trägt,  dem  vermögen  teufel  und  böse  weiber 
nicht  zu  sehaden«  Nach  andern  bifs  der  teufel  sie  ab,  weil 
er  ihre  beilbaft  den  menschen  nicht  gönnte.  Gräbt  man 
sie  mitternaeht  vor  Johannis,  so  sind  die  wurzeln  noch  tm- 
abgebiseen  und  verjagen  den  teufel.  unter  den  tisch  gewor« 
fen  bewirkt  sie,  dafs  die  gaste  sich  schlagen  und  zanken. 

Einige  kräuter  heifsen  nach  menschlichen  eigennamen. 
Bertram  und  schon  ahd.  PerMram  (Graff  3,  349),  mhd. 
BereUram  Ls.  2,  526  entspringt  aus  pyrethrum  und  soll 
dem  fremden  wort  deutschen  klang  verleihen,  merkwürdi- 
ger  scheint  die  herba  boni  Henrid  (chenopodium) ,    auch 


1164         GOTBEINRIGH.    SSLim&L,    DOSTB 

« 

Mors  bama  Henricui  genannt,  gui  Heimieh;  st&h  fiMnricA 
(«tripiex);  roih  Hemrtoh  (abergl.  1002).  ich  erküre  sie  ans 
den  vorstellunfen  ton  elben  und  kobolden,  die  gern  Heinz 
oder  Heinrich  heiben  (a.  471.  472),  waa  hernach  auf  tenfel 
mid  hexen  übergieng  (a.  955.  1016),  aoiohen  dümomgchen 
weaen  schrieb  man  die  heilkraft  des  krautea  za.  selbst  die, 
ihrem  ursprang  nach,  unerforschte  sage  vom  armen  Hein- 
rich könnte  mit  einem  kraut  sust^mmenhängen ,  das  den 
aufsatz  heilte,  die  herba  boni  Henrici  soll  gerade  gegen 
diese  sucht  angewendet  worden  sein. 

Wurde  einem  kraut  allgemeine  heilgabe  für  alle  übel 
zugeschrieben,  so  hiefs  es  wie  Galliern  der  mistel  o/Modi, 
uileiceaehy  den  Griechen  to  ndvauts,  17  napaneicc,  woraus 
eich  eine  tochter  des  Asklepios  napdueia  personifi6ierte. 
in  unsrer  spräche  finde  ich  keinen  pflanzennamen  allheil, 
allheila,  wol  aber  seipheila  (euphrasia)  Graff  4,  864  und 
die  kräuter  heilallenoelt  (Achillea,  millefolium),  keUaUenekor 
den  (supercilium  Veneris) ,  auch  aUermamkarm$ch  und  newi- 
manmhrcft  bedeutung  der  neunzahl  zeigt  sich  nicht  min- 
der darin,  dafs  man  neunerlei  blumen  zum  kränze  wand. 
heilhoMto  (Graff  4,  759)  ist  bermodactylus,  ich  weifs  nicht 
weiche  pflanze,  sie  heifst  aber  auch  huniUmch  (GraiT 
2,  143). 

Zwei  krfiuter  stehn  in  der  formel  alliterierend  neben 
einander:  doste  und  dorant  (origanum,*antirrhinum).  ahd. 
döBto  (Graff  5,  232) ,  'der  echte  ausdruck  für  das ,  was  wir 
jetzt  wilden  majoran,  thymian  nennen  oder  toolgemuij  böhm. 
dobrdmy$l.  für  dorant  kommt  auch  vor  aranij  nach  eini- 
gen soll  es  nicht  antirrhhium,  vielmehr  marrubiom  sein, 
ahd.  goifarge%»an.  vor  beiden  kräutern  fliehen  wichtel  and 
nixen;  darum  heifst  es:  'hftttestu  nicht  dorant  und  <losfeii, 
wollt  ich  dir  das  hier  helfen  kosten!'  ^hebauf  dein  gewand, 
dafs  du  nicht  fallest  in  dosten  und  dorandP  ^stofs  mir  nicht 
an  den  dmrant,  sonst  kommen  wir  nimmer  in  unser  Vater- 
land.'   DS.  no.  65.   Jul.  Schmidt  s.  132.    Redeker  no.  45. 

Neben  doste  pflegt  auoh  hartheu  (hypericum),  daa  ei- 
trige harämn  nennen  (s.  981)  die  geiater  zu  scheuchen: 
'doste,  harthau,  weifse  heid  thnn  dem  teufet  alles  leid.' 
hypericum  perforatum,  fuga  daemonrnn^  teufelafluoht, 

Widertän  (adiantum)  mit  dem  part.  von  tuen  gebildet, 
spftter  in  mderäMn,  widertod  verderbt,  die  echte  form  bat 
noch  6.  Frank  bei  Schm.  4,  34.  das  kräuterbuch  sagt:  damit 
wird  viel  abenteuer  getrieben,  das  lassen  wir  als  narren- 
werk und  teufelsgespenst  fahren,  heifst  auch  Jungfrau^ 
haar  und  ist  schön  goldfarb.     es  haben  die  alten  weiber 


WEGBKJSITB,    LAUCH  UßS 

viel  fantasei  mit  krfitttern  und  sprechen,  das  reibe  steiabrech- 
lin  (saxifraga)  mit  den  linsenblättlin  heifse  (Äthan,  das  nacket 
jungfraohaar  heifse  uriderthon  und  mit  beiden  können  sie 
nach  ihrem  gefallen  'abthon'  und  'widerthon.'  Soll  das  sa-^ 
gen:  mannbeit  nehmen  und  geben?  dann  stünden  sich  abe^ 
tän  und  wiederiän  gegenüber,  wie  zubringen  und  abbrin- 
gen s.  1028;  Frisch  hat  1,5^  abthon  trichomanes,  polytri- 
chon,  und  2,  446^  widerthon  lunaria,  thora  salutifera. 

Einige  kräuter,  plantago  und  proserpinaca,  heifsen  da-« 
nach,  dab  sie  am  wege  spriefsen  (proserpunt)  und  den 
fufstritten  ausgesetzt  sind,  ahd.  wegarih  (Graff  1,  670)  nhd. 
Wegerich;  ahd.  wegapreita,  ags.  eegbrtBde,  engl,  waybrede, 
dän.  9eiWed;  ahd  wegckspreüi  (Graff  6,  395) :  ahd.  toe^o* 
treta;  mMtreta  (Graff  5,  522)  nhd.  wegetritt;  ahd*  ^ega^ 
warta,  nhd.  wegewarle,  was  man  auch  auf  Cichorium  zieht. 
Es  gibt  davon  einige  mythen :  das  kraut  soll  eine  Jungfrau 
gewesen  sein,  die  ihres  liebsten  am  wege  wartete  (s.  787), 
gleich  Sigünen  (Tit.  117.  118).  Paracelsus  (opp.  1616.  2, 304) 
bemerkt,  dafs  die  blumen  der  Wegwarte  sich  nach  der  sonne 
neigen  und  ihre  kraft  im  Sonnenschein  am  höchsten  sei^ 
ihre  wnrzel  aber  nach  sieben  jähren  sich  in  eines  cogels 
gestalt  wandle. 

Lauch,  ahd.  louh,  ags.  leic,  altn.  laukr  ist  allgemeine 
benennung  saftiger  kräuter ;  einige  arten  scheinen  heilig  ge- 
wesen zu  sein.  aUium  caepasque  inier  deos  in  jur^urando 
habet  Aegyptus.  Plin.  19,  6.  Als  Helgi  geboren  war  und 
Sigmundr  sein  vater  aus  der  schlacht  kehrte,  heifst  es 
S»m.  150^: 

sialfr  g^ck  vtsi  or  v!g]^ymo 
üngom  fcsra  Urlauk  grami. 
Völs.  saga  eap.  8:  Sigmundr  var  ^ä  kominn  frä  orrostu  ok 
gekh  mei  einrnn  tauk  tm6t  syni  stnum,  ok  hermed  gefr 
hann  honum  Helga  nafn.  itrlaukr  ist  allium  praestans,  aili- 
um  victoriale;  es  erhellt  nicht,  ob  der  könig  als  heim- 
kehrender Sieger  lauch  trug,  oder  weil  es  sitte  war  beim 
namengeben  ihn  zu  tragen,  keinen  dieser  gebrauche  erläu- 
tert das  übrige  alterthum.  man  warf  lauch  in  den  gesegne- 
ten becher.  Sa^m.  195*. 

Die  sorbus  heifst  altn.  re^mr,  schwed.  r^nn,  dän.  r^nn^; 
es  ist  ein  heiliger  Strauch,  weil  ihn  Thörr  im  ström  fafste 
und  sich  daran  hielt,  weshalb  gesagt  wird:  'reynir  er  biörg 
ThArs  sorbus  auxilium  Thori  est.  Sn.  114.  Noch  heute 
glaubt  man  in  Schweden,  dafs  ein  Stab  von  diesem  rönn 
gegen  zauber  sichere,  und  am  schif  hat  der  gemeine  mann 
gern  irgend  etwas  von  rönnholz  gemacht,  zum  schütz  gegen 


1166  KRÄUTER 

Sturm  and  wasserffeister^  fflögrönn  dient  zn  geheimen  kün-« 
sten.   Afzeiius  1,  19. 

Den  Serben  sind  samdokas  und  okoloUchep  IcrSuter, 
die  in  liebestrftnlie  gemisclit  den  liebhaber  zwingen  zu  der 
geliebten  zo  kommen,  ustuk,  ein  liraüt  und  der  spruch, 
den  die  Zauberin  hersagt,  um  ein  fibel  zum  weichen  (ustn- 
knuti)  zu  bringen.    Vuk  s.  vv. 

Troj»iele  (dreikraul)  h^Cst  den  Polen  eine  wunderbare 
pflanze  mit  blauen  blftttern  und  rothen  blumen:  sie  flörst 
liebe  ein,  macht  vergessen  und  versetzt  schnell  wohin  man 
will  •). 

Im  gedieht  von  Elegast  763  ff.  kommt  ein  ungenanntes 
kraut  vor,  das  man  nur  in  den  mund  zu  legen  brauchte, 
um  zu  verstehn  was  die  hähne  krähen  und  die  hunde  bel-^ 
len.  Wer,  nach  Villemarquö  1^  62,  zuRUlig  auf  das  goldne 
kraut  (s.  1158)  tritt,  entschläft  alsbald  und  versteht  die 
spräche  der  hunde^  wölfe  und  t>ögeL  Anderwärts  hängt  das 
Verständnis  der  vögebprache  ab  vom  genufs  einer  weifsen 
Schlange  (s.  934),  in  der  edda  von  dem  des  drachenherzens. 
ein  märchen  läfst  einen  drei  jähre  lang  erlernen  was  die 
hunde  bellen ,  die  vögel  singen ,  die  frösche  quaken  **). 

Viel  weniger  mythisch  als  kräuter  sind  STEINE,  ob- 
schon  edle  von  den  gemeinen,  wie  bei  jenen,  unterschie- 
den werden,  denn  die  steine  wachsen  nicht  so  lebendig 
und  sind  nicht  so  zugänglich  wie  die  pflanzen;  der  Mnme 
kann  jeder  hirte  und  wandersmann  in  wald  und  auf  wiese 


*)  Tolkslieder  der  Polen  gesammelt  tod  W.  P.  Leipx.  1833.  s.  90. 

**)  ags.  kräuternamen,  so  bald  sie  einmal  aus  den  handschriften 
critisch  herausgegeben  sein  werden ,  versprechen  reiche  ausbeute  für 
die  mjthologie,  wie  ich  schon  in  einzelnen  beispielen  dargelegt  habe, 
hier  noch  einige  dunkle  narneo.  pulegium  (polei)  doeorget  dmntU 
(dTOsle«  dTjsle)  fährte  ich  s.  4t7  an,  wenn  das  altn.  dusü ,  Ictis 
opera,  yielleicbt  quisquiliae,  duslla  everrere  hinzu  genommen  werden 
darf,  Zwerges  kehricht;  eoÜanerSg  ist  achillea  oder  njmphaea,  womit 
ich  Collen  ferhd,  stolzmutig,  aus  den  gedickten  Tergleiche,  also  stol- 
zer crocus  (ahd.  kruogo)  oder  krug  (lagena),  jeoachdem  man  das 
zweite  wort  versteht;  ä^fpana,  ich  weifs  nicht  welche  pflanze;  vulfu 
comb  (lupi  pecten ,  crista)  chamaelea ;  foxes  glöfa  (vulpis  chirotheca) 
ist  buglossa,  ahd.  hrindeszunga^  hindkelede  paeonia,  engl,  hindhele, 
scheint  cervam  celans,  defendens  und  helede,  oder  heolad,  wie  auch 
geschrieben  steht,  mit  heolodhelm  (s.  432)  vergleichbar,  Lre  fährt 
ein  beiihheolode  auf;  eneo^hoien  bald  ruscus ,  bald  victoriale ,  d.  i. 
herba  victorialis,  idaea  daphne,  engl,  kneebollj,  kneeholm;  kv^tettd 
iris  illyrica,  erinnert  an  hv^tunga  omina ,  auguria.  geormenledf,  eor- 
me$äedff  malva.  wäre  ahd.  irmanloup  (oben  s.  326).  Die  ahd.  nameo 
bei  Graff  3,  863-72  ziehen  minder  an,  und  sind  unvoUstSndiger  auf 
ans  gekommen. 


STEINS.    WAISE  1167 

iittken,  die  edektdne  werden  nicht  in  unsefm  boden  ge- 
zeugt, sondern  dem  schofs  der  erde  abgewonnen,  aus  wei- 
ter ferne  eingeführt,  bedeutsam  galt  daher  krauterkunde 
für  heidnisch,  steinkande  für  jüdisch  (s.  1142);  jüdische, 
maurische  handelsleute  holen  die  edelsteine  aus  dem  mor- 
genland.  wunder  und  heilkraft  der  edelsteine  waren  im 
mittelalter  frühe  bekannt,  nie  aber  volksmäfsig,  und  darum 
gibt  es  fast  auch  keine  deutschen  namen  und  sagen  dafür, 
dies  Verhältnis  kann  also  zur  bestätigung  der  heimischen 
mytben  von  den  pflanzen  gereichen,  aus  Harbods,  Erax, 
Albertus  magnus  und  anderer  weitverbreiteten  werken  über 
die  edelsteine  gieng  so  wenig  haftende  sage  unter  das 
Volk  als  ans  Walahfried  oder  Macer  Ploridus,  die  von  kräu- 
tern  gelehrt  und  trocken,  wie  ärzte,  meldeten,  auch  des 
Plinius  nachrichten  im  36  buch  scheinen  auf  unsern  aber- 
glauben  gar  nicht  eingeflossen  zu  sein  *). 

Dennoch  gibt  es  einzelne,  althergebrachte  mytben.  die 
edda  nennt  einen  heiligen  iarknasieinn  Ssem.  137^  139* 
213*  238*,  der  beim  kesselfang  in  das  heifse  wasser  ge- 
worfen wurde,  und  den  der  künstliche  schmied  Völundr  aus 
kinderaugen  fertigte,  das  ags.  eorcanstdn  glossiert  mar- 
garita  und  topazion,  im  cod.  exon.  73,  27.  238,  12.  478,  7 
hat  es  den  allgemeinen  sinn  von  edelstein,  eorcnanstdn 
scheint  verderbte  form,  der  entsprechende  goth.  name  air-' 
knMtdins,  ahd.  erchanstein  darf  sicher  vermutet  werden, 
da  goth.  airknis  echt,  heilig  ausgedrückt  und  ahd.  erchan 
in  andern  Zusammensetzungen  übrig  ist  (Graff  1,  468).  es 
scheint  aber  der  eirunde  milchweifse  opal,  der  sonst  auch 
orphanus,  pufriUus,  mhd.  weise  heifst,  und  so  köstlich  war, 
dafs  er  die  deutsche  königskrone  schmückte.  Albertus  M. 
sagt:  arphanus  est  lapis,  qui  in  Corona  romani  imperato- 
ris  est,  neque  unquam  alibi  visus  est,  propter  quod  etiam 
orphanns  vocatur.  est  autem  colore  quasi  vinosus ,  subti- 
lem babens  vinositatem ,  et  hoc  est  sicdt  si  candidum  nivis 
candens  seu  micans  penetraverit  in  rubeum  darum  vinosum 
et  Sit  superatum  ab  ipso,  est  autem  lapis  perlucidus  et 
traditur  quod  aliquando  fulsit  in  nocte,  sed  nunc  tempore 
nostro  non  micat  in  tenebris.  fertur  autem  quod  honorem' 
servat  regalem.  Hatte  das  ahd.  toeiso  schon  die  bedeutung 
des  Steins  gehabt,  so  würde  sie  kaum  den  glossen  fehlen. 
desto  gangbarer  ist  sie  den  mhd.  dichtem,  seit  die  sage  von 
herzog  Ernst    erscholl,    der  im  fernen   ausländ  mit  seinem 

*)  man  erwäge  die  darren  aufzablungen  Parz.  791  und  fragm.  45^^. 
anziehender  ist  ein  gedieht  ron  Stricker  (b.  Hahn  44-52);  dem  EracUuM 
wohnte  steinkande  bei  (Mafsm.   a.  468-473). 


1166  STEINE.    WA19E.    PKRLE 

Schwert  4en  edelstoiii  tob  einem  feigen  schlug  und  dem 
könig  zur  gäbe  darbrachte  (z.  3604-23  uod  5643  des  lie- 
des  und  in  Ödes  lat.  gedieht  6, 357).  Thilippe  setzen  weir 
sen  üf  I*  Wahb.  9,  15 ;  'schouwe  wem  der  weise  ob  siroe 
nacke  std,  der  stein  ist  aller  fürsten  leitesterne.'  Wallh. 
19,  3  vgl.  Helbl.  2,  881 ;  'der  künec  also  den  weisen  hkV 
Ms.  1,  15*;  'wie  si  durch  den  berc  bar  wieder  kämen,  ii 
sie  der  kröne  weisen  inne  nftmen.*  Ms.  2, 138*;  'den  weisen 
ie  vil  höhe  wac  der  keiser  und  daz  riebe,  dur  daz  nie  stn 
geitche  wart  unter  manigem  steine«'  Tr(U.  20;  'ich  stich  im 
abe  den  weisen.'  Otto  bart  314.  man  sehe  auch  die  in 
Heinr.  von  Krolewitz  V.  U.  bei  Lisch  s*  208  geaammelten 
stellen.  Albert  und  Conrad  erklären  den  namen  daher,  dab 
der  stein  ohne  gleichen  sei  und  wie  der  waise  ohne  ver- 
wandten stehe;  so  auch  die  glosse  zu  Ssp.  3,  60.  in  der 
spanischen  kröne  befand  sich  ebenfalls  eine  pächtige  perle, 
welche  Auerfana  (waise)  oder  sola  (einzige)  biefs  und  bei 
der  feuersbrunst  des  palastes  1734  verbrannte,  franz.  ist 
solitaire  ein  einzeln  gefafster  diamant.  Doch  bricht  eine 
tiefere  mythische  idee  durch,  pupillus  bea^ichnet  ursprüng- 
lich den  kleinen,  unmündigen  knaben  UQd  gebt  dann  in  den 
begrif  von  orphanus  über,  pupilla  und  xopi;  hingegen  drü- 
cken mädchen  und  augapfel  aus,  in  dem  man  das  bild  ei- 
nes kindes  wahrzunehmen  glaubt  (vgl.  s.  1131).  Yölundr 
schmiedet  nun  den  iarknasteinn  aus  äugen  der  getödteten 
knaben,  der  stein  konnte  pupilla  oder  pupillus  heifsen,  also 
jenem  orphanus  begegnen,  und  so  ward  erchanslein  zum 
weisen.  Aus  Tbiassis  äugen  wurden  leuchtende  Sterne,  alle 
Sterne  sind  edelsteine  des  himmels ;  Übergang  auf  den  fun- 
kelnden stein  ergibt  sich  leicht.  Heinr.  von  Krolewiz  will  den 
himmel  als  ein  haus  schildern  und  bringt  wiederum  die 
äugen  mit  dem  weisen  in  beziehung  (z.  1194.  1203.  1216). 
Die  perle  schon  in  den  träumen  vorbedeutsam  mit  der 
thräne  verglichen  entsprang  nach  dem  mythus  aus  der  Ve- 
nus thräne,  wie  sich  Freyjas  thränen  in  goldtrapfen  wan- 
delten (vorhin  s.  1146)  auch  Väinämöinens  zäbren  fallen  als 
perlen  ins  meer  (Kalew.  rune  22).  die  perle  ist  folglich 
metall  oder  stein,  unserm  alterthum  galt  sie  für  einen  im 
meer  gefundnen  stein,  daher  auch  eorcanstän  sie  bedeutea 
konnte  und  selbst  der  lat.  name  unio  an  jenen  sinn  des  unver- 
gleichlichen Waisen  erinnert:  in  tantum  ut  mUli  duo  repe- 
riantur  indiscreH,  unde  nomen  uniowum  romanae  impo- 
suere  deliciae.  Plin.  9,  35,  59;  ideo  uniones  dictos  qoia 
nnnqtiam  duo  simul  reperlantur.  Isid.  or.  16,  10.  Plinius 
fährt  fort:  nam  id  (nomen  unionum)  apud  Graecos  non  est, 


STEINE  1169 

ne  apud  barbaros  quidem  inventoras  ejus  aliud  quam  mar^ 
garüae.  war  aber  perlfischenden  barbaren  das  wort  mar-' 
garita^  /Ltugyagh^g  gelftofig,  so  könnten  es  diesmal  Römer 
und  Griechen  von  deutschen  stammen  entnommen  haben, 
in  deren  spräche  abd.  marigreo»,  mhd.  mergriez,  alts. 
merigriota,  ags,  meregreot,  meregrot  völlig  verständlich 
klingt  und  sabulum,  calculus  maris  aussagt,  zwar  erscheint 
jetzt  das  goth.  markreiius  I  Tim.  2,  9  nach  /nagyagit^Q 
und  mit  lautverschiebung  gebildet,  welchem  ahd.  marchrtz 
zu  entsprechen  hätte,  entweder  strebten  die  ahd.  alts.  ags. 
ausdrücke  das  fremde  mort  unsrer  spräche  nah  zu  bringen 
(was  sonst  gewöhnlich  nur  in  einem  dialect,  nicht  in  dreien 
zusammen  versucht  wird),  oder  dem  Gothen  war  ein  ma- 
rigriuts  unbekannt,  vielleicht  ungefällig,  so  dafs  er  den 
ausländischen  namen  nachahmte,  der  nun  gar  in  unserm 
frauennamen  Gretchen  steckt.  Das  ahd.  perala,  berala, 
ags.  pearl  scheint  aus  beryllns,  und  trägt  wieder  den  be- 
grif  gemmula  auf  das  muschelgewächs  über,  man  dürfte 
zu  margarita  auch  das  skr.  marakata  halten^  weiches  apd- 
Qaydoß,  fiagaydog  bedeutet  und  diesem  unmittelbar  ver- 
wandt ist.  die  mhd.  dichter  brauchen  mergrieze  bald  von 
sand,  bald  von  perle:  'üz  der  bühsen  giezen  stöubtne 
mergriezen'  Trist.  4669;  'von  glänzen  mergriezen'  Troj. 
1446. 

Wie  erchanstein  aus  dem  menschlichen  äuge  entsprun- 
gen war,  perle  aus  der  muschel,  scheinen  auch  andere 
edelsteine  die  phantasie  des  HA.  angeregt  zu  haben,  die  in 
und  aus  thieren  wuchsen,  was  Harbod  cap.  24  vom  lyn^ 
curius  berichtet,  ist  Rudlieb  3,  101-127  weit  ausführlicher 
zu  lesen,  auch  diese  leuchtenden  luchssteine  geziemen  in 
den  fingerring  der  königin,  in  die  kröne  des  königs.  An- 
dere sagen  reden  von  kräftigen  steinen,  die  sich  im  haupte 
des  hahn9,  der  natter  und  kröte  erzengen,  im  leib  eines 
verschnittnen  dreijährigen  hahns  wächst  der  alectorius  (Har- 
bod cap.  3):  'invictum  reddit  lapis  hie  quemcunque  geren-» 
tem,  extinguitque  sitim  patientis  in  ore  receptus.'  nach  dem 
mhd.  gedieht  mufs  der  kapaun  sieben,  nach  Albertus  neun 
jähr  alt  sein.  Das  gedieht  des  Wiener  cod.  428  no.  136 
von  edelsteinen  nennt  aber  den  sehlangenttein  als  eigentlich 

siegeerleihenden : 

ich  hoBre  Ton  den  steineo  sagen, 
die  naiem  und  kroten  tragen, 
daz  gr6ze  tagent  dar  an  lige, 
8wer  si  habe,    der  gesige; 
mohten  daz  tigeMteine  wesen, 
86  toh  ein  wurm  tU  wol  genesen, 

Grimms  mjftk^L    S,  musguht»  74 


1170  STEDfl 

den  in  stnem  Itbe  Meg«» 
dax  in  niemaii  enlöege; 

den  hahngtein  den  durstotUlenden: 

man  sagt  Ton  kanensieinen 
swer  ir  in  munt  nem  einen, 
dax  er  guot  tur  den  dnrat  im  st 

der  heiligen  schlänge  und  natter,  die  goldkronen  trSgt  (s. 
650.  651)  und  edelsteine  (gesta  Rom.  ed.  Keller  s.  68. 152), 
scheint  der  siegstein  mehr  als  dem  hahn  beizulegen.  Al- 
bertus führt  einen  stein  borax  an,  den  die  kröte  auf  dem 
köpfe  trage,  ohne  ihm  Wirkung  des  siegs  zuzuschreiben: 
borax  lapis  est  qui  ita  dicitur  a  bufone  quod  in  capite  ip- 
sum  portal.  Otnit,  Hone  557.  558.  Ettm.  s.  91  heifst  die 
kröte  hebräisch.' 

ez  ist  üz  dem  garten  ein  abrahemsche  krot, 
swenne  diu  gewehset,  si  bringet  einen  stein 
daz  diu  sunne  üf  erden  niht  bezzers  überschein, 
deutlicher  wird  im  Dresd.  gedieht  gesagt,  dafs  der  stein  auf 
ihr  wachse  und  unter  allen  steinen  der  höchste  sei.  Nach 
pentamerone  4,  1  wächst  die  preta  de  lo  gallo  im  köpf 
des  hahns  und  ist  ein  wünschelstein,  mit  dem  man  alles 
erlangt.  Die  morgenländische  fabel  yon  den  drei  lehren 
des  gefangnen  vogels  (Reinh.  gglxxxi  und  Ls.  2,  655]  er- 
wähnt eines  ähnlichen,  in  der  lerche  oder  nachtigall  her- 
zen oder  magen  wachsenden  Steins.  Dem  schlafenden  Si- 
gurdr  grikr  entwendet  seine  tochter  den  siegstein  aus  der 
lasche  und  gibt  ihn  an  Dietleib  (Vilk.  saga  cap.  96.  97); 
einen  solchen  besafs  auch  könig  Niiiung  (das.  cap.  25),  doch 
in  beiden  stellen  ist  die  natur  des  steins  näher  nicht  ange- 
geben, auch  Vintler  (anh.  s.  lui)  beschreibt  ^den  sigelstein* 
nicht,  es  scheint  aber,   dafs  er  künstlich,  heimlich  wie  glas 

Seblasen,  wie  erz  gegossen  werden  konnte:  'ze  samen  si 
ö  sAzen  sam  sie  einen  sigstein  bliesen*  Seifr.Helbl.  4, 124 
von  verschwornen ;  *gar  taugenlichen  vor  dem  rat  zusamen 
giengen  fru  und  spat,  pis  sy  gussen  ain  sigelstain/  Mich. 
Behairo  22,  11.  ;iach  Hagens  Cölner  chron.  1003  ist  der 
diatnani  gemeint,  mit  dem  man  siegen  soll.  Die  gedichte 
melden  siegbringender,  unsichtbar  machender  fingerrioge 
(z,  b,  Troj.  9198),  deren  kraft  immer  von  dem  in  sie  ge- 
fafsten  stein  abhängt.  Harbod  cap.  27  vom  gagathromeus: 
'quem  qui  gestarit  dux  pagnatums  in  hostem,  hostem  de- 
pulsum  terra  marique  fugabit' 

Des  vom  himmel  fallenden  ceraunius  {Ksgawiag)  erwähnt 
Marbod  cap.  28:  'qui  caste  gerit  hunc,  a  fuhnine  non  ferietor, 
nee  domns  aut  ville,  quibus  afiberit  lapis  ilie.'    was  er  hinzu- 


DONNERSTEIN  1171 

fltgi:  ^crystallo  similem  Oermania  miiXere  fertor,  coeruleo 
lamen  infectum  nitiloque  colore*,  staromt  aus  Plin.  37,  9, 
51:  est  inter  Candidas  et  quae  cermmia  vocatar,.  falgorem 
siderun  rapiens y  ipsa  crystallina,  splendoris  coerulei^  m 
Qermama  nascens;  die  aufgenommne  lesart  hat  jedoek 
Carmania.  an  cker  deutschbeit  Aes  donnerstems  (s.  164)  ist 
nicht  zu  zweifeln,  und  Miölnir  wird,  gleich  dem  heinn 
(s.  856),  den  Odinn  warf  und  der  in  Thors  haupt  steckte 
(s.  346),  über  alle  andern  steine  hinaus  heilig  gewesen  sein. 
Hiölner  klingt  bedeutsam  an  die  slavischen  benennungen 
des  blitzes  tnolnija  und  munja,  in  den  serbischen  liedern 
wird  letztere  zur  personificierten  Munja,  und  als  Schwester 
des  Donners  (Grom),  als  braut  des  Mondes  (Miesetz]  dar- 
gestellt (Vuk  1,  151.  154  der  neuen  ausg.),  was  der  per- 
sonification  des  Hammers  (s.  166.  951)  begegnet,  um  so 
mehr  ist  Holnija  dem  Miölnir  identisch.  Auch  den  Römern 
mufs  der  donnerkeil,  silex,  ein  Jovis  lapis  gewesen  sein: 
iapidem  silicem  tenebant  juraturi  per  Jovem  haec  yerba 
dicentes:  'si  sciens  falle  tum  me  Dispiter  salva  urbe  arce- 
que  bonis  ejiciat,  uti  ego  hunc  Iapidem  I'  aus  des  Juppiter 
feretrius  tempel  holten  schwörende  stab  und  Rapidem  si- 
licem  quo  foedus  ferirenf,  gerade  wie  Thors  hammer  bünd- 
nisse  weihte.  Nach  Livius  1,  24  wurde  das  geopferte 
Schwein  mit  diesem  stein  getroffen:  'tu  illo  die,  Jupiter, 
populum  romanum  sie  ferito,  uti  ego  hunc  porcum  hie 
hodie  feriam,  tantoque  magis  ferito,  quanto  magis  potes 
pollesque.'  id  ubi  dixit  porcum  saxo  silice  percussit.  das 
gleicht  unserm  fluch:  'das  dich  der  Hammer  schlage!'  Nicht 
anders  hiefs  den  Finnen  der  donnerstein  Ukonkiwi,  des 
Ukko,  des  altvaters  stein;  den  Indern  hira,  htraka,  Indras 
donnerstein  (Potts  forsch.  2, 421]  oder  vadshra,  was  zugleich 
donnerkeil  und  diamant  bezeichnet.  Wie  ihm  hier  die  natur 
des  edelsten  aller  steine  beigelegt  ist,  sahen  unsere  vor- 
fahren den  harten  flins,  die  Römer  den  silex  darin,  mythe 
und  aberglaube  messen  ihm  die  gröfsten  kräfte  bei:  malleum 
aut  silicem  aäritun,  ubi  puerpera  decumbit,  obvolvunt  can- 
dido  linteo  contra  infestationem  fearum,  albarum  feminarum, 
strygum,  lamiarum.  Gisb.  Voetii  sei.  disputat*  theol.  Ultraj. 
1659.  3,  121. 

Wie  es  einen  stein  der  weisen  (lapis  sapientum)  geben 
soll,  von  dem  Weisheit,  oder  die  kunst  gold  zu  machen  und 
leben  zu  verlängern  abhänge  ( öskasteinn ,  wünschelstein, 
s.  131),  kannte  der  Norden  auch  die  sage  von  dem  lifsteinn» 
in  Kormakssaga  cap.  12.  s.  116.  118  trägt  Bersi  einen  sol- 
chen am  hals^  der  beim  schwimmen  heil  bringt. 

74* 


1IT2  STEiNB 

Nur  grorse  steine,  d.  i.  berg^e  und  (eisern  beifsen  nach 
göttern,  beiden,  riegen,  die  auf  ibnen  hausen  oder  sie  ge- 
scbieudert  haben;  kaum  einzelne  sleinarten,  wenigstens 
keine  heilkräftigen,  so  wurde  ein  gewisser  sehtefer  riesen- 
brot,  fyeriklmff  (s.  513),  ein  tufstein  näckebröd  (s.4i7)^  eia 
verkohlter  stein  Swrtarinmdr  (s.  770)  genannt. 


SPRUCHS  1173 


GAP.  XXXYm.     SPRUCHE  UND  SEGEN. 

Noch  stArkere  macht  als  in  kraut  und  stein  liegt  in  dem 
wort,  und  bei  allen  Völkern  gehen  aus  ihm  segen  oder  fluch 
hervor*),  es  sind  aber  gebundne,  feierlichgefafste  werte 
(verba  coacepta),  wenn  sie  wirken  soUen,  erforderlich ,  lied 
und  gesang;  darum  hingt  alle  kraft  der  rede,  deren  sich 
priester,  erst,  cauberer  bedienen,  mit  den  formen  der  poesie 
Bttsammen. 

Ausdrücke  des  sagens  und  singens  treten  über  in  den 
begrif  des  zaHberns,  die  aof#i;  (s.  852)  wird  inaoidi^  Od. 
19,  457,  knmd^,  sprechen,  singen  wird  besprechen,  6e- 
smgemj  schwören  (goth.  svaran  respondere)  beschwören 
(goth.  bisvaran  opirfj>ff/),  wie  jurare  cornjurare,  cantare 
incatUttre,  akd.  galstar^  ags.  gaUor^  gealdor,  altn.  galdr 
(incantatio)  leiten  sich  ab  von  galan  canere;  das  ags*  spell^ 
eigentlicb  dictum,  fabula,  goth.  spül,  schftrft  sich  au  Zau- 
berspruch. 

Dem  segen  gegentber  steht  der  fluch,  dem  heil  der 
schade,  für  jenen  brauchte  der  Gothe  noch  das  deutsche 
wort  ^wpems  evXoylu^  von  ^iuf>jan  ivkoyelv;  das  ahd. 
segan  dieatio,  dedicatio,  benedictio  rührt  aus  lat.  Signum, 
das  ags.  segen  drückt  blofs  Signum  =  vexillum  aus;  mhd. 
nhd.  gelten  segen  auch  von  zaubersegen.  nauBkaysiv  ist 
bei  Ulf.  ubilqi^an,  maledicere,  fl6kan  aber  plangere,  das 
ahd.  fluochön,  mhd.  vluochen,  nhd.  fluchen  maledicere,  im- 
precari,  ahd. /ImoA  maledictio  (männlich  und  ganz  verschie- 
den vom  fem.  fluoh  rupes).  alts.  farflöcan  maledicere,  harm- 
guidi  naledictum.  ferner  ist  fluchen  ahd.  farhudsbon,  mhd. 
eerwd»en^^)y  detestari,  condemnare,  verwandt,  scheint  es, 
dem  ags.  hvMung  (divinatio)  poenit.  Ecgb.  2,  23.  4,  19. 
tgSk  eergau  (schlecht  geschr.  virgan,  vyrgan)  maledicere, 
detestari,  eigentlieh  damnare,  goth.  vargjan,  alts.  waragian. 
agSv  cursumf  engl*  eurse.  altn.  bcßn  (precatio)  ags,  bin  (oben 
s.  27)  streifen  an  imprecatio. 

Zwar  gilt  lautes  besdureien,  berufen  und  fluchen,  doch 


*)  Plioias  28>  2  untersucht  die  gewalt  der  wrha  et  incania$nenta 
earminum  in  fielen  merkwürdigen  beispielen. 

**)  var  hin  verwIUen  n\  .gar  verteilter  snA!  Mi.  1,  23*;  nu  tw 
Ton  mir  vencd»en!  La.  3,  77;  ww  Ton  mir  verstöten!  MaH.  3,  441^; 
fi«r  t^n  mir  Gedieh  9erhml    La.  3,  77, 


Uli  SPRÜGBB 

in  der  regel  verlangen  segen  und  auch  fluch  leise,  lispelnde, 
flüsternde  rede.  ahd.  huispalön  sibilare  GraS  4,  1239,  ags. 
hvistUan  fistulare,  sibilare,.  «ngU  whistl^,.  wie  man  der  be- 
zaubernden schlänge  pfeifen  und  2ischeri  ^beilegt ;  mhd.  t^t- 
speln:  wispeln  wilde  vogel  zemt,  hunde  ez  letzet  und  lernt. 
Renn.  22370;  aspis  will  keine  u>ispelu>art  vernehmen  Ms. 
2,  202^;  'aller  wtirnrel  toispel  unde  mürmeV  Hart.  74«. 
denn  auch  murmeln  ist  daföelbe,  ahd.  mfinntt/dii,  mtirflnfrdn, 
nhd.  zuweilen  mummehUj  tin).  tnompekn.  Paul.  Diac.  1,  13, 
der  freilassung  per  sagittam  gedenkend  fügt  hinzu:  nmtmr- 
muranteSy  ob  rei  firmitatMi,  q^aedam  patria  verba,  das  war 
ein  langobardischer  segensspruch  *).  ähnliche  ausdrucke 
sind  ahd.  muHlön  (Graff  2,  707)  nhd.  prot»elny  preHeln, 
fMTöpeln,  ursprünglich  vom  geräusch  des  siedenden  wassers 
(das  v^asser  brutzelt,  pröpelt,  pripelt,  singt],  dann  sehr  pas- 
isend  auf  segensprechen  angewandt:  'über  eine  krankheit 
pro^ln  und  teispeln'  d.  h:  heinilich  segen  sprechen,  an  ei- 
nigen orten  sagt  man  prebeln,  nnl.  preetelen  ;  Frankes  weit- 
buch  134*  hat  preü^ln. 

Allein  es  gibt  noch  ein  echteres,  älteres  worl,  das 
goth.  rtffta,  welches  meist  [nvoxfjgiov ,  einigemal  ß&vlt^, 
ovftßövXiov  aussagt,  wie  mich  dttnkt  ursprün^ieh  das  leise, 
feierlich  gesprochne,  hernach  erst  geheimnis.  ovfißovhov 
ist  geheimer  rathschlag.  dem  geheimen  wort  lag  nahe  die 
geheime  Schrift,  wie  auch  mal  rede  lind  zeichen  war.  Ulf. 
setzt  für'^'pa^i^,  ygiftiLta  nur  mi§I,  nicht  runa,  weil  in  den 
vorkommenden  stellen  keine  geheimschrift  gemeint  wird, 
man  dürfte  wetten,  dafs  ihm  fär  diese  runa  geläufig  war, 
wie  die  Franken  frühe  rüna  =  litera  kennen,  ahd.  rüna, 
ags.  rün  character  magicus,  mysterium.  C»dm.  211, 12.  250. 
6.  262,  9,  in  der  letzten  stelte  mit  deutlichem  besag  auf 
böcstafas  262,  7;  altn.  rfln  litera,  neben  runa  linea,  aus 
welchem  Verhältnis  zwischen  ü  und  u  die  ablautende  for* 
mel  riuna,  raun,  rurium  erhellt,  wozu  auch  altn.  raun 
(tentamen,  experiinentttm),  reyna  (tentare),  vieUeicfat  reynir 
(Morbus,  oben  s.  1165)  gehört,  im  ahd.  verbum  rimih^  su- 
surrare,  rünazan  marmurare,  mhd.  rünen,  nhd.  raunen, 
ags.  rünian  dauert  die  Urbedeutung  des  geheimen  flüsterns, 
ahd.  6rr(lino  ist  ein  vertrauter,  der  ins  ohr  raunt,  das  altn. 
transitiv  r^na  bezeichnet  secretum  scrutari,  literas  scrutari 
und  vermittelt  jenes  raun  tentamen,  scrutatio.  Ben.  378  steht 
sanfte  irünen  entgegen  'dem  Öfibnf Höhen  singen.  '  finnisch 
drückt  runo  Ued  aus  (s.  854).     Jetzt  wird  uns  eine  schon 


*)  ter  noyies  Carmen  magido  demufinwrüi  ore.     Ot.  intet  14,  57. 


»Ktüciie.  «DifBN  iirs 

^  vorfehibie  bdnennimg  volikoBinen  klar,  ja  sie  erscheint 
«ach  allen  seilen  hin  zutreffend.  Aliruna  heirst  die  ger* 
manische  weise  frau,  weil  sie  aljarufM  und  in  geheimen, 
dem  gemeinen  volk  unversittndiichen  werten  redend,  zu- 
gleich der  Schrift  und  des  zauhers  kundig  ist;  die  goth. 
runa,  die  ags.  rüncräft  war  ihr  eigen,  ali-  kann  nur  be- 
deuten: anders,  fremd,  was  nicht  vulgär  und  profan  ist, 
also  den  begrif  von  runa  noch  erhöht,  auch  auf  das  hei- 
lige, vielleicht  zum  cuitua  der  prieslerinnen  gehörige  kraut 
(s.  1153)  durfte  der  name  selbst  übergehn. 

Das  alterthum  unterschied  eine  menge  runen,  und  wft- 
ren  uns  ihre  benennungen  dem  ganzen  umfang  nach  ver- 
stündlich,  so  liefsen  sie  schnell  übersehn,  was  insgemein 
durch  Zaubersprüche  ausgerichtet  wurde.  maU'  mahlte,  ritzte 
oder  schnitt  sie  gewöhnlich  auf  stein  oder  Aob,  rtmsteme, 
nmstäbe;  auch  rokr  diente  dazu  (s.  1038).  die  ahd.  na- 
men  kahabünaf.  ttrüna,  lagorüna  sind  nach  den  huch- 
staben  hahal,  is  und  lago;  clofrüna  und  stofrüna  bleiben 
unsicher,  letztere  scheint  der  blofse  stupf  apex.  heUirüna 
bedeutet  necromantia,  todesrune,  in  klarem  bezug  auf  Haija, 
Hella;  ich  halte  dazu  das  nhd.  höUen»w<mg,  worunter  man 
die  mächtigste  Zauberformel  versteht,  wie  sie  dem  doctor 
Faust  eigen  war.  hal%rüna  ist  nicht  sächlich  sondern  per- 
sönlich zu  nehmen,  waldfrau,  lamia  (s.  404),  nicht  ohne 
die  nebenvorstellung  des  klagens  und  flüsterns.  die  abd. 
frauennamen  Kundrün,  Hiltirün,  Sigirün,  Fridurün,  Paturün 
sind  walkürisch,  aber  auch  auf  sächliche  kundrüna^  AtM- 
Htita,  sigurümiy  fnäurAna,  paiurüna  zurückfflhrbar,  wobei 
noch  zu  beachten  scheint,  dafs  den  personen  der  aus- 
gang  -a  mangelt,  sie  wurden  einer  andern  decl.  überwie- 
sen. Aus  dem  mhd.  knierünen  (heimlich  übers  knie  reden) 
Ms.  2,  137*  läfst  sich  ein  subst.  knierüne  folgern.  Ags.  ist 
beadorüm  Beov.  996  litera  belli  =»  bellum,  rixa;  AeMne 
Beov.  324  aber  persönlich  furia,  parca,  todesbotin,  in  einer 
glosse  bei  Lye  pythonissa.  Sa?m.  194.  195  zählt  Sigrdrifa, 
d.  i.  Brynhildr,  selbst  eine  valkyrja  dem  Sigurd  die  runen 
auf,  deren  künde  ihr  vor  allen  beiwohnen  muste:  ihr  dar- 
gereichter becher  ist  'fuUr  lioia  ok  Itkrutafa,  gödra  galdra 
ok  gamanränay  voll  Heder,  heilstäbe,  guter  zauber  und 
wonnerunen.  dann  führt  sie  auf  Hg^änar,  öbrAnar,  biarg* 
rdnar^  brimränary  mälränary  hugränavy  von  sigr  victoria, 
ölr  cerevisia,  biarg  saxum,  brim  mare,  mAI  sermo  und  hugr 
animus  zu  leiten,  blofs  bei  Ölrün  bin  ich  unschlüssig,  das 
im  eigennamen  Öbrun  offenbar  dem  Aliruna  bei  Tacitus 
entspricht;  kaum  sind   alle  alirünen .  auf  alus ,  ölr  cerevisia 


1176  RDNBN.    PLOCHB 


surückzttbringen ,  eher  mntinafBe  ich,  iuta  ÖlrAn  entweder 
für  Elrüft,  Elirün  stehe  und  mit  ölrün  vermischt  wmrde,  oder 
dafs  das  ü  der  zweiten  silbe  das  a  der  ersten  in  5  |^e. 
wandelt  habe,  gakränar  (contentiones)  S«m.  165^.  in  den 
dftn.  Volksliedern  sind  oft  rantme  runery  starke  nnd  krftflige 
genannt  (1,  235.  280.  2,  33.  3,  335.  4,  47). 

Ffir  den  erfinder  aller  runen  galt  aber  Odinn  (s.  136). 
und  ihm  wohnt  die  gröfiste  gewalt  der  worte  bei.  YngL 
sage  cap.  7:  f>at  kunnt  bann  enn  at  gera  med  ordum  et- 
num,  at  slöckva  eld  ok  kyrra  siA ,  ok  snüa  vindum.  Odinn 
vissi  of  allt  iardfd,  hvar  fölgit  var,  ok  kann  kunni  f>au 
liod,  er  upplaukz  fyrir  hönum  iördin  ok  biörg  ok  steinar 
ok  haugarnir,  ok  batt  bann  med  ordum  emum  fift  er  fy- 
rir biuggtt,  ok  gekk  inn  ok  tök  {Mir  sitkt  er  kann  vildi. 
Afzelitts,  sagoh.  1,  4,  erwähnt,  aber  zu  kurz  und  undeut- 
lich, einer  seltsamen  schwedischen  volkssage  von  einem 
mann  Kettil  Runske  zu  Kettilsäs  in  Abheda,  der  Odins  rtm- 
Stäbe  (runekaflar)  stahl  und  damit  dessen  hunde  und  stiere, 
ja  zuletzt  die  meerfrau  festband,  die  Odin  zur  failfe  kommen 
wollte,  unter  diesem  Odin  scheint  ein  hirt  oder  riese  ge- 
meint, der  den  älteren  gott  vertritt,  sein  beiname  runske 
geht  offenbar  auf  den  erwerb  und  besitz  der  stftbe. 

Lieder  und  runen  vermögen  also  die  gröfsten  dinge, 
sie  können  tödten  und  vom  tode  wecken  wie  gegen  den 
tod  sichern;  heilen  und  krank  machen,  wanden  binden, 
blut  stillen,  schmerzen  mildern,  schlaf  erregen;  feuer  lö- 
schen, meersturm  sänftigen,  regen  und  hagel  schicken; 
bände  sprengen,  fessel  zerreifsen,  riegel  abstofsen,  berge 
öfnen  und  schliefsen,  schätze  auflhun;  kreifsende  entbinden 
oder  verschliefsen ;  waffen  fest  oder  weich,  Schwerter  taub 
machen;  knoten  schürzen,  die  rinde  vom  bäum  lösen  (s.l039); 
saat  verderben  (fruges  excantare) ;  böse  geister  rufen  und 
bannen,  diebe  binden.  Diese  wunder  sind  schon  im  weseo 
der  dichtkunst  gelegen  (s.  861).  im  rihiatal  S®m.  28-30 
sind  achtzehn  Wirkungen  der  runen  angegeben. 

Besondere  gewalt  wohnt  aber  den  fluchen  und  Ver- 
wünschungen bei.  unsere  mhd.  dichter  sagen  ^Hefe  fluo- 
chen'  Ms.  2,  188«;  'swinde  fiuochen'  Helbl.  2,  518;  zoni- 
ehioch  Helbl.  1,  656.  bedeutsam  heifst  es:  'ich  brach  des 
vluoches  Aer^en  kisef  MsH.  2, 339^,  seine  Wirkung  ist  kiesel- 
hart, und  kann  nicht  leicht  gebrochen  werden..  Waltk73,29: 

xw^ne  her»eiiehe  fiüeehe  kao  ich  ouch, 
die  flaochent  nAch  dem  willeo  min. 
hiare  müezens  beide  esel  und  der  gouch 
gehoBren  i  n  enbmen  jCii. 
w^  in  deone,  den  yil  armen! 


J 


FLÜCHE  Uli 

der  nflohtern  vernomnme  fluch  wittt  desto  heftiger.  Nach 
irischem  Volksglauben  mufs  jeder  ausgesprochne  fluch  auf 
irgend  etwas  niederfallen:  er  schwebt  sieben  jähre  tu  der 
bift  und  kann  jeden  augenblick  auf  den,  wider  den  er  ge«* 
than  wurde,  sich  herabsenken ;  verlttfst  diesen  sein  Schutz- 
engel, so  nimmt  alsbald  der  fluch  die  eines  unglttcks,  ei- 
ner krankheit  oder  Versuchung  an  und  stürzt  auf  den  ver- 
fluchten. Auch  pentam.  2,  7  wird  gesagt,  dafs  der  fluch 
flügel  gewinne  und  gen  himmel  steige:  mesero  W  mardet- 
tiune  dessa  vecchia  Fascelle,  che  sagUeüero  subeio  *n  ctelo. 
einem  verwünschten  pferd  soll  das  haar  leuchten:  a  cavallb 
iastemmiato  luce  lo  pilo.  (ebenda). 

Aus  der  alten  poesie  lassen  sich  beispiele  der  krSftig- 
slen  fluche  sammeln;   der  eddische  Seem.  144« 
nie  röstom  er  ^ü  skyldir  neAar  vera, 
ok  vazi  f>er  ä  badmi  barri 
gemahnt  an  die  s.  164.  904   aus  unsrer  Volkssprache  mit- 
getheilten  formein.    auch  Saem.  165"  ^  hebe  ich  hervor,    in 
einem  minnelied  (Ben.  82)  heifst  es:   'der  ntder  schar,  daz 
die  vor  kUchen  liegen  I'  auf  ungeweihtem  bodem  begraben*), 
'der  bluomen  schtn  sol  iemer  sin  von  ihr  gewalt  gescheiden.' 
Die  mnen  auf  grftbern  fügen  zuweilen   am   schlufs   einen 
fluch  gegen  den  bei,  der  den  stein  abwälze  oder  forttrage: 
at  rydi  sa  verdi  sa  stain  f>ansi  velti,  er  werde  zu  rost,  Un- 
heil treffe  ihnl  so  endigen  auch  die  lat.  Urkunden  des  MA.  mit 
Verwünschungen  des  Übertreters,  aber  biblischen,  kirchlichen. 

Ein  mhd.  gedieht  hat  diese  fluche:  daz  dtn  wtp  got 
von  dir  loBse!  vische,  vögele,  würme,  tier  mit  liuten  dtner 
vrOuden  burc  erstürme!  gnAde  in  allen  landen  sol  dir  stn 
gehazi  dich  mtde  gruoz  von  alten  guoten  vrouwen,  dtn 
sAme  und  euch  dtn  sät  verdorre  unsüeze,  sA  6elbo6  der 
berc  von  allen  touwen  verteilet  ist,  der  vlouch  dir  haften 
müezel   HsH.  3,  52. 

Wie  sonst  beim  sSen  gebetet  und  gesegnet  werden  soll, 
gibt  es  einige  kräuter,  die  uiUer  fluchen  gedeihen:  nihil 
ocino  foecundius,  cum  maledicHs  ac  probris  seren(him 
praecipiunt,  ut  laetius  proveniat,  sato  pavitur  terra,  et  cu- 
minum  qui  serünt,  precaniur  ne  exeat.    Plin.  19, 7  **).    na- 

*}  aouehfiefioog  ron  christlicher  gemeioichaft  mors  arspräoglieh 
in  dem  beinameo  'vor  chilchon*  gelegeo  haben :  Radolphus  de  Solo* 
doro  copiomioe  eor  ehUehim^  Bartmannas  dictas  vor  kUchon  (eh.  a 
1260).    Solotharoer  wochenbl.  1827  s.  12a  160. 

**)  Fiacharl  Garg.  244^:  difs  förmana  gebett  treibt  schif  und  wa- 
gen, ein  kauptmananuch  etik  darch  nenn  hämisch,  iek  kdat  danoock 
wol  baailien,  quendel  and  kreasen  setzen,  dann  dieselben  rom  flachen 


im  HELLIRDNA 

pos  serere  nudum  vokmt,  precantem  sibi  et  vieinig  serere 
se.  18,  13. 

Einen  feierlich  beschwören  hieb  ahd.  mumigdn  inti 
numSn  (hortari  et  monere],  ags.  mynegian  and  manian.  'sfs 
bmumgdt  thuruh  then  himilisgon  got,  Usuoran  thuroh  thes 
forahta,  ther  alla  worolt  worabtol'  0.  IV.  19,  47;  'ih  U- 
munUtn  dih'  beginnt  die  formel  (anhang  gzxjcii).  nochmhd. 
Troj.  10519;  Mes  wart  vil  manec  wilder  geiat  von  ir  ge^ 
muniet  und  gemanU! 

Jene  helUruna,  necromantia,  stellt  sich  in  den  liedem 
dar,  welche  nach  heidnischem  brauch  auf  todtenh&geln 
und  gräbem  ausgesprochen  wurden,  damit  ein  todter  rede 
stehe  oder  etwas  herausgebe,  der  indiculus  superstit  un- 
terscheidet sacrilegium  ad  sepulcra  mortuorum  und  sacrile- 
gium  super  defunctos,  id  est  dadsisoi,  AM  steht  für  död 
oder  ddd  (vgl.  nedfyr,  nodfyr  s.  570),  das  alts.  sisas  stelle 
ich  zum  ahd.  sisuwd  neniae .  dessen  sg.  sisu ,  siso  haben 
würde,  9%$e$ang  ist  Carmen  lugubre  (Diut.  2,  283^  Graff  6, 
281),  eine  alts.  beichtformel  liefert:  ^ik  gihörda  hetlunnussia 
endi  unhrdnia  sespilon\  wfire  das  sesespilon  ?  die  dunkle 
Wurzel  erscheint  auch  in  den  eigennamen  Sisebutus,  Sise- 
nandus  u.  a.  m.  (gramm.  2,  476).  hetbmnussia  müssen  Ver- 
wünschungen sein,  vgl.  alts.  hatol  dtrus,  Heh  110,  8.  ahd. 
hazzal  malitiosus,  gl.  Hrab.  957^  neniae  sind  carmina  fune- 
bria,  preislieder  zur  ehre  der  todten.  in  Britferthi  vita 
Dunstani  (gb.  925)  cap.  1  (acta  sanct.  19  mai)  heifst  es  von 
diesem  heiligen:  'aoitae  gentiliiatis  vanissiraa  didicisse  car- 
mina et  historiarum  frivolas  colere  incaniaHonum  nenias.* 
gerade  so  sagt  Gregor,  tur.  mirac.  2,  1 :  ^ad  vicum,  in  quo 
fanatici  erroris  naeniae  colebantur.'  das  ags.  bgrgensang 
verdeutscht  epitaphium,  Hones  glossen  943.  944  geben  fe- 
sang,  /icfeo4' epicedium ,  byriensang^  bergekleody  bgrgkod 
Carmen  super  tumulum.  in  Hroswithas  Proleriüs  heifst  es 
bei  einer  beschwörung:  'supra  genüUs  tumulum  sub  tem- 
pore noctis  stans^  herebi  domino  suplex.'  Der  altn.  ans- 
drnck  ist  aber  ealgaldr  qveda  (leichenzauber  singen)  Siem. 
94*,  Odinn  zwang  damit  die  beschneite,  beregnete  und 
bethaute  vala  (s.  290).  aus  dem  hügel  zu  steigen  und  ihm 
zu  antworten.  Gröas  söhn  und  Hervor  sprechen  fast  die- 
selbe formel  aus:  'vski  fiü  Gröa,  vaki  fiü  göd  kona,  vek 
ek  ^ik  daudra  dural'  S«m.  97* ;  'vaki  t>ü  Angant^r,  vekr 
^ic  Hervor  einka  döltir  ykkar  SvftfuT  (fornald.  sog.  1,435). 

gerfeien,  däramb.  wirds  jenes  manDes  entschuldigmig  bei  dem  richler, 
■warttOib  er  sein,  weib  gereuft  bette,  nemblich  darumb  weil  er  bat 
ffauten  setien  müssen. 


8PRENGCN.    STÜRMEN  »179 

dann  vreehsek  Hervor  mit  dem  vater  schauerliche  gfrsprfiche 
und  zuletzt  wird  ihr  das  begehrte  schwert  aus  dem  hügel 
herausgeworfen.  Nicht  anders  erfolgt  die  hergäbe  des 
eohwerts  aus  dem  grab  an  den  beschwörende!!  söhn  in  dem 
volksfied  Yon  Orm  (sv*  fornsanger  2, 446.  447.  danske  viaer 
1,  59.  eO)  oder  in  dem  färöischen  von  Virgar  d.  i.  Wittich 
(Lyngbye  s.  369).  Wolfdietrich  zwingt  die  todte  zunge  seines 
begrabnen  vaters  sieben  werte  zu  reden.  (Cod.  dresd.  313). 
Wie  beschwörung  die  gräber  sprengt,  weichen  ihr 
adilofs  und  riegel.    Ferabras  2759: 

veno  a  Tus  de  la  cambra,  si  la  trobat  tancada^ 
et  a  dit  son  conjur:  tota  s'es  desfermada. 
in  folgender  stelle  aus  meier  Helmbrecht  1205  wird  zwar 
nur  des  hinzutretens  gedacht,  der  viehdieb  mufs  aber,    als 
er  sich  näherte,  lösende  werte  gesprochen  habdn: 

nln  geselle  WolveadnizKel 

uf  luot  er  ^ne  slüzzel 

alliu  sldz  und  tseohalt: 

in  einem  jAr  h^n  ich  gezalt 

hundert  tsenhaUe  gr6z, 

daz  ie  daz  sl6z  dannen  ichöz, 

als  er  von  verre  gie  dar  *uo  ; 

ros,  ohsen  und  manic  kuo, 

die  ungezah  sint  beliben, 

die  er  üz  dem  hoye  hAt  getriben , 

daz  ie  daz  sl6z  von  stner  stat 

tch6z,  siDafifi  er  dar  suo  irai. 

noch  jetzt  stehn  einzelne  rauher  und  gauner  im  ruf,  ihre 
ketten  und  Schlösser  besprechen  zu  können,  dafs  sie  ihnen 
abspringen. 

Götter  und  dämone  konnten  durch  ihre  blofse  macht 
wind  und  stürm  erregen,  Zauberer  thaten  es  durch  lieder. 
Saxo  gramm.  s.  71  von  einem  Oddo,  vir  magicae  doctus, 
ita  ut  absque  carina  altum  pererrans  hostilia  saepe  navigia 
concitaHs  carmine  procellis  everteret.  diese  tempestarii 
sind  schon  s.  604.  605  verhandelt  worden,  carminibus  in 
nimbos  solvere  coelum.  Saxo  gramm.  17.  die  lieder  wand- 
ten aber  auch  unwetter  und  hagel  ab,  wie  sie  sie  heran- 
lockten« 'cum  averti  carmine  grandines  credant  plerique, 
ciyus  verba  inserere  non  equidem  serio  ausim,'  Plin.  17,  28. 

Wie  die  gesamte  Zauberei  auf  alte  weiber  herab  sank 
und  der  vorzeit  glaube  kerlinga  eilla  hiefs  (Saem.  169),  'alter 
foibe  träume'  Turl  Wh.  1,  82»,  ygaddeiß  fiV&oi  l  Tim.  4, 
7  oder  goth.  ttsalf)anäizö  spilla ;  ergieng  es  den  altüber- 
lieferten heilformeln  nicht  besser,  schon  die  miracula  s. 
Matthiae  (von  einem  Trierer  benedictiner  des  12  jh.)  cap. 
34  drücken  sich  so  aus;  cujus  dolore  mater  affecta^medir 


IIS«  HAFTLIBDBR 

cinam  et  anUiä  adhibah  eormina.  (Pek.  thes.  niiee.  2,  3 
p.  234). 

IHese  abergläab»chen  formein  frommen  der  gescluchte 
unsrer  mythologie,  und  enthalten  nachrieklen  Ton  göttern 
md  gebrfinbhen  des  heidenthums,  die  ohne  sie  verschollen 
wftren.  sogar  geistliche  bficher  gönnten  ihnen  räum,  weil 
man  ihre  anwendbarkeit  in  gewissen  fällen,  wenigstens 
krankheiten  des  viehs,  noch  für  nlltdich  und  statthaft  er- 
achtete, eine  imsichtige  samlung  derselben,  die  zu  man- 
chen aufschlüssen  leiten  mtiste ,  scheint  jetzt  noeh  nidit  an 
der  zeit,  da  sie  zerstreut  und  aus  dem  munde  des  volks 
oder  den  hexenprocessen  erst  langsam  zu  gewinnen  sind  *]. 
Einige  bedeutende  beispiele  sollen  aber  hier  nidit  allein 
ihren  werth  sondern  auch  ihre  zfthe  Verbreitung  durch  bei- 
nahe ganz  Europa  aufser  zweifei  setzen. 

Das  erste  gedieht  der  Merseburger  hs.  ist  ein  hafüied, 
beim  knüpfen  und  lösen  der  bände  zu  singen,  hier  aaf 
eines  gefangnen  erledigung  gehend: 

eiris  sAzan  iditi^  sAzun  hera  duoder, 
sama  hapt  heptiduo,  suma  heri  lezidua, 
suma  clüb6duo  umbi  cuoniowidi: 
inspriDCg  haptbaodum ,   ioTar  yigandain ! 

d.  i.  olim  sedebant  nymphae,  sedebant  huc  illuc  (ags.  f)ider, 
engl,  thither),  aliae  vincula  vinciebant,  aliae  exercitum  mo- 
rabantur,  aliae  carpebant  redimicula:  exsili  e  vinculis,  ela- 
bere  hostibus!  den  sinn  der  letzten  zeile  hat  zuerst  Wa- 
ckernagel eingesehn,  wodurch  sich  auch  die  vorletzte  er- 
läutert, das  pflücken  der  binden  löst  den  haft  und  nun 
kann  der  gefangne  entschlüpfen.  Von  dem  haft  heften 
wurde  schon  s.  373  geredet,  des  bindens  und  entbindens 
gedenken  auch  die  minnelieder.  Beda  4,  22  erzählt  von 
einem,  der  nicht  gebunden  werden  konnte:  nee  tarnen 
vinciri  poiuii  ^  nam  mox  ut  abiere  qui  vinxerant  eadem 
ejus  sunt  vincula  soluta  .  .  .  interea  comes,  qui  eum  te- 
nebat,  mirari  et  interrogare  coeplt,  quare  ligari  non  pos- 
set,  an  forte  Uterai  solutoricis,  de  qualUms  fahulae  feruntf 
apud  se  haberet,  propter  quas  ligari  non'posset?  at  flie 
respondit,  nihil  se  talium  artium  nosse.  er  wurde  einem 
dritten  verkauft:  sed  nee  ab  illo  uUatenus  potuit  alligari. 
Beda  erklärt  das  wunder  daher,  dafs  weil  man  ihn  für  todt 
geglaubt  hatte,  für  die  entbindung  seiner  seele  messen  ge- 
lesen worden  seien,      nicht   unwichtig    scheint  die   etwas 


*]  Horst  bekam  für  aein  buch  eine  pergamenths.  des  15  jb.  toII 
Segensformeln,  Ton  welchen  er  nichts  mittheilt  (cauberbibl.  4,  363)i 
und  die  seitdem  xo  Trier  fehlt. 


E1NR6KK«N  1181 

weiter  gehende  tgs.  Übertragung :  aod  hine  ftceftde)  hvtlde^ 
he  {mi  dl^sendltcan  H^e  cude  and  fia  stdnas  mid  kirn  dvrt» 
tene  häfde,  be  svylcam  mmi  leäs  spell  seogad;  doch  wel-» 
cherlei  steine  stellte  sich  der  übersetBer  unter  den  biü  runen 
beschriebnen  vor? 

Man  hat  drei  kaufen  von  frauen  anzunehmen,  deren 
jeder  ein  besonderes  geschäft  verrichtete. 

Die  andre  Merseburger  formel  soll  ein  erlahmiee  pferd 
heilen : 

jRM  eode  Wödan  yuorun  zi  holca» 

d6  wart  demo  Balderu  Tolon  sto  tuox  birenkit; 

d6  biguolen  SinihgurU,  Sunnä  era  suister, 

d6  biguolen  Frudf  Foüd  era  suister, 

d6  bigaoleo  Wödan,  ad  be  wola  conda, 

sdae  hAnrenki,  s6ae  bluotrenki 

adse  lidirenki 

b^n  zi  bdoa,  bluot  zi  blaoda, 
lid  zi  giliden,  s^se  geltmida  stn. 

hier  wird  ein  den  göttern  zugestofsnes  abenteuer  besungen, 
wie  Wodan  Balders  ausgerenktes  füllen  durch  besprechen 
(bigalan)  geheilt  habe,  die  hersagung  des  lieds  heilt  nun 
auch  andere  lahme  rosse.  Was  die  Übrigen  götter  nicht 
vermögen,  vermag  Wödan,  gerade  wie  es  Tngl.  saga  7 
heifst:  Odinn  kunni  at  gera  med  ordum  einum  at  slöckva 
eld  ok  kyrra  sid,  ok  snüa  vindum  hverja  leid  er  bann  vildi. 
er  ist  also  der  gröfste  zauberer  oder  wunderer  von  allen. 
Nun  höre  man  unter  welchen  gestalten  diese  beschwö- 
rung  in  dem  heutigen  volksaberglauben  fortgepflanzt  er- 
scheint,   in  Norwegen: 

Je«tfff  reed  aig  tit  hede, 

da  reed  han  sdoder  sit  foIebeeD. 

Jesus  stigede  af  og  llgte  det: 

Jesus  lagde  onarv  i  oiarr, 

been  i  been,  kjöd  i  kjöd, 

Jesus  lagde  derpaa  el  blad, 

at  det  skulde  bliTe  i  samme  stad. 

in  Schweden    gegen  die  pferdekrankheit  flSig  (flog,  anflog): 

Oden  slar  pa  berg«t, 

han  spörger  efler  sin  fole, 

flöget  bar  han  fält.  — 

spotta  i  din  .band  och  i  bans  mun, 

ban  skall  fa  bot  i  samma  stund. 

eine  andere  hingegen  hebt  an : 

Brygge  frlgade  fra: 

bura  skall  man  bola 

den  flaget  fir? 
beide  schwedische,  ofl'enbar  unvollständige  weisen  theilt  P. 
Magnusen  im  dagen  1842  no.  119  mit.     Dafs  in  den  Nie- 
derlanden ähnliche  reime  fortleben,    ersehe  ich  aus    ein^m 


1182  EINRBBIKEN 

biiefe  Haibertsmas,  worin  qs  heifit:  een  nijner  boeven  gtf 
my  Toorleden  jaar  een  rijm,  dat  de  toverdokters  prevelden 
terwijl,  zij  den  Terroklen  voet  van  een  paard  met  de  band 
▼an  boven  naar  beneden  stroken  en  alzo  genazen.  er  hätte 
mir  den  reim  selbst  sollen  mittheilen. 

Bedeutsamer  klingt  die  schottische,  aus  den  fireside 
stories  by  Rob.  Chambers,  Edinb.  1842  p.  37  entnommne 
tiberiieferung.  When  a  person  has  received  a  sprain,  it  is 
customary  to  apply  to  an  individual  practised  in  casting  the 
toresüng  Üiread,  this  is  a  thread  spon  from  block  woolf 
on  which  are  cast  nine  knoUy  and  Hed  round  a  sprained 
leg  or  arm.  During  the  time  the  Operator  is  putting  the 
thread  round  the  affected  limb,  he  says,  but  m  such  a  tone 
of  voice  OS  not  to  be  heatd  bg  the  bystanders,  nor  even  by 
the  person  operated  upon: 

the  lord  rade, 

and  the  foal  slade; 

he  lighted, 

and  he  righCed. 

■et  joiot  to  Joint; 

bone  to  hone, 

tnd  sinew  to  sinew. 

heal  in  the  holj  ghosts  name! 

hier  dient  der  spruch  noch  für  Verrenkungen  des  mensch- 
lichen leibs,  obgleich  von  dem  gleiten  des  fohlen  ausge- 
gangen wird;  zu  den  geraunten  werten  tritt  aber  noch  eine 
iigatur  des  wollnen  fadens  in  neun  knoten. 

Wie  genau  stimmt  in  diesen,  von  einander  ganz  unab- 
hängigen fassungen  das  bdn  zi  btoa,  been  i  be^n,  bone 
so  bone,  das  lid  zi  giliden,  kjöd  i  kjöd,  sinew  to  sinew; 
wer  an  die  treue  dauer  des  im  volk  Überlieferten  nicht 
glauben  kann,  empfangt  hier  beispiele  vom  zehnten  jh.  bis 
auf  heute  in  Deutschland,  Schottland  und  dem  Norden, 
sicher  sind  dieselben  werte  oder  ähnliche  zahllose  mal  in 
a'lien  Iftndern  deutscher  zunge  abergläubisch  angewandt 
worden,  der  cod.  vatic.  4395  enthält  bl.  BA^  folgendes: 
'gott  wurden  IUI  nagel  in  sein  hend  und  fuez  geslagen,  da 
von  er  IIII  wunden  enphie,  do  er  an  dem  heiligen  chreuz 
hing  (I.  hie),  die  fünft  wunden  im  Longinus  stach,  er  west 
nicht  waz  er  an  im  räch  ...  an  dem  dritten  tag  gepot 
got  dem  lichnam^  der  in  der  erden  lag,  flßisch  zu  fleisch, 
pluet  zu  pluei,  ädern  zu  ädern,  pain  zu  pain,  gelider  zu 
gelidern,  yslichs  an  sein  stat.  pei  demselbigen  gepeut  ich 
dir  fleisch  zu  fleisch  u.  s.  w.' 

Aber  noch  mehr,  weit  höher  hinauf,  schon  bei  den 
ältesten  Römern   hafteten    verrenkungssprüche  ^   voll  dunk«* 


BINRENKBR'  IM3 

lor  Worte,  der  bereits  s.  205  aus  Ceto  angefahrte  mag 
jetzt  ganz  folgen,  weil  er  aaf  art  und  weise  der  deutschen 
iormelo  lichi  wirft.  Luxum  si  quod  est,  hac  canthne 
Sanum  fiet.  harundinem  prende  tibi  viridem  pedes  IV  aut 
V  longäm.  median)  diffinde  et  duo  bomines  teneant  ad 
coxendtces.  incipe  cantare  'in  alio.  s.  f.  motas  va^ta  daries 
dardaries  astataries  Dissunapiter' ,  usque  dum  coeant»  fer* 
rum  insuper  jactato.  ubi  coierini  et  altera  alteram  tetigerit, 
id  manu  prende  el  dextra  sinistra  praecide.  ad  iaxum  ^ut 
ad  fracturam  aliiga,  sanum  fiet,  et  tarnen  quotidie  caniaio 
*in  alio  s.  f.  vel  luxato.  vel  hoc  modo,  huat  hanat  hua( 
ista  pista  si^ta,  domiabo  damnaustra,  et  kkcato.  vel  hoc 
modo,  huat  haut  ista  sis  tar  sis  ardannabon  dunnaustra.' 
Auf  diese  beschwörung  geht  was  Piinius  am  schlufs  von 
buch  17  sagt:  cartninis  verba  inserere  non  equidera  serio 
ausim,  quanqqam  a  Catone  prodüa,  contm  Iii^ata  membra, 
jungenda  arundmwn  fissurfte.  Die  worte  erscheinen  uns 
jetzt  unsinn  und  mögen  auch  verderbt  sein;  warum  sollten 
sie  aber  nicht  ursprünglich  der  sabinischen  oder  einer  be- 
nachbarten spräche  des  alten  Italiens,  von  welchen  wir  nur 
wenig  wissen,  zugehören,  die  reime  ista  pista  sista  oder 
die  alliteration  domiabo  damnaustra  (im  folgenden  daiina- 
bon  dunnaustra  erscheint  das  nemliche  wieder,  weshalb 
nochmals  ista  pista  sista  zu  lesen  sein  wird)  erinnern  an 
die  reime  des  Spruchs  bei  Virgil:  limus  ut  hic  durescit  et 
haec  ut  cera  liquescit  uno  eodemque  igne,  sie  nostro 
Daphnis  amore  (ecl.  8).  in  Dissunapiter  steckt  der  golt, 
gleich  dem  Phol  und  Wodan  unsrer  spräiche.  Marcellus 
Empiricus,  ein  arzt  des  4  jh.,  hat  in  s^nem  buche  de 
medicamentis  eine  forme!  gegen  herzweh:  in  lamella  stan- 
nea  scribes  et  ad  Collum  suspendes  haec,  antea  vero  etiam 
cane :  corcu  ne  mergito ,  cave  corcu  ne  mergito  cantorem, 
utos,  utos,  utos,  praeparavi  tibi  vinum  lene,  libidinem, 
discede  a  nonita,  in  nomine  dei  Jacob ,  in  nomine  dei  Se- 
baoth  I 

Im  cod.  vindeb.  theol.  259  werden  lateinische  und 
deutsche  formein  zusammengestellt.  {De  eo  quo)d  spUrihalz 
dtctmiM)  *).  si  in  dextero  pede  contigerit,  in  sinistra  aure 
sanguis  minuatur,  si  in  sinistro  pede,  in  dextera  aure  mi- 
nuatur  sanguis.  Äd  nermes  occideridos.  Feruina  (?)  dei 
gracia  plena.  tu  hiabes  triginta  quinque  indices  et  triginta 
quinque  medicinas.  quando  dominus  ascendit  ad  coelos, 
ascetidit    memorare    quod    dixit.      Äd   apes  conformandos, 

*)  mhd.  spurhalz  Diul.  2,  140,  vgl.  diu  »purgalze  M»H.  3,  278«>. 


1184  PFERDEHBILUN6.    HIRTBNGBBET 

¥08  estis  anciii«  domini  (vgl.  8.  659.  858],  adjuro  tos  per 
nomen  domini  ne  fugiatis  a  fiiiia  hominum.  Ad  puttos  de 
nido.  crescUe  e^  muitipiicamini  et  vivite  et  implete  terram. 
Contra  sagittam  diaboli.  palamiasit.  palamiasit  calamia 
insiti  per  omne  corpus  meum.  per  iata  tria  nomina  per 
patrem  et  filium  et  filium  sanctum.  aiua  aiua  aias  sanctas 
sanctus  sanctus.  in  dei  nomine  cardia  cardiani  de  necessa 
(?  receasu)  propter  illum  malamman  quod  domnus  papa  ad 
imperatorem  transmisit,  quod  omnis  homo  super  se  portare 
debet  amen,  tribua  vicibus.  De  hoc  quod  9purikah  dicunt. 
priraum  pater  noster. 

Tifc  fl6t  aftar  themo  watare,  Terbrastnn  stna  Tetherun, 
th6  gih^lida  ina  nae  drohtin»  the  selyo  druhtia 
thie  geh^Ie  that  hört  thera  spurihelti! 

Contra  eermes: 

gang  6t  neiso  mid  nigun  nessiklinon, 
üt  fana  themo  margf  ao  that  b^o.  fao  themo   b^ne  aa  that  fl^tg,  M 
fao  themo  fl^sge  an  thia  hdd,  öt  fan  ibera  büd  an  tbeaa  aträla !  drahtin 
weithe  töl*) 

Der  neaso,  mit  seinen  neun  jungen,  ist  das  auszutrei- 
bende gewürm. 

Petrus^  Michahel  et  Stephamu  ambulabant  per  viam,  sie 
dixit  Michahel:  ^Stephani  equus  mfiuus,  signet  illum  deus, 
Signet  illum  Christus,  et  erbam  comedat  et  aquam  bibat. 
Zwei  dieser  formein  betreffen  wieder  das  lahme,  die  letzte 
das  kranke  pferd  (Ducange  s.  v.  infusio).  die  Übergänge 
von  marg  an  bdn,  flßsg  und  hAd  gleichen  aber  dem  ein- 
richten der.  Verrenkung. 

Die  ältesten ;  schönsten  segen  bei  allen  Völkern  laufen 
über  in  gebete,  welche  bei  opfern  hergesagt  wurden,  und 
die  einfachsten  sind  im  birtenleben  aufzusuchen,  wie  fri- 
sche Unschuld  klingt  in  jenen  gebeten  an  den  donnergott 
(s.  160).  Wenn  die  Tscheremissen  ihr  hehrstes  fest  Schu- 
rem  begehn  und  stille  friedliche  opfer  darbringen,  bei  wel- 
chem sich  kein  weibliches  toesen  blicken  lassen  darf  (vgl. 
s.  1105),  sprechen  sie  ein  gebet,  aus  dem  ich  wenige  sätze 
ausHebe:  wer  gott  opfer  gebracht  hat^  dem  gebe  gott  heil 
und  gesundheit,  den  kindern  die  zur  weit  kommen  schenke 
er  geld,  brot,  bienen,  vieb  die  fülle,  er  lasse  die  bienen 
heuer  schwärmen  und  honig  in  fülle  wirken,  wenn  der 
frühling  naht,    lafs,   o  gott,   die  drei   arten  vieh  auf  die 

*)  ein  cod.  tegenia.  524.  2  zu  München  hat  eine  ahd.  etwas  ab- 
weichende fassong:  gang  dx  nesso  mit  mim  nesdftcUnoH  tt  fonna 
marga  in  deö  Adra,  ronna  d^n  Adrun  in  daz  fleisk,  fonna  demu  fleiske 
in  daz  fei,  fonna  demo  Teile  in  diz  tulll.  ter  pater  noster.  auch  ahd. 
nesso  mit  SS.  tuilli  wie  strAIa  ein  geräth,  rgl.  mhd.  tulli  Nib.  897,  3 
und  Haupt  zu  Engelh.  1916. 


HIRTBNOBBET.    ACKERSEGEN  9185 

drei  wege  hiaatas,  schütze  sie  vor  tiefem  sohiamm,  bttren, 
Wölfen  dieben:  wie  der  bopfen  prall  ist  und  voll,  s^  sbgne 
uns  mit  glflck  und  verstand  I  wie  das  licHt  hell  brennt,  so 
lafs  uns  leben  I  wie  das  wachs  sich  ansetzt^),  verleih >'Uns 
heiti  (aus  Aleks.  Foks  o  Tschuwaschach  i  Tscheremisach« 
Kasan  1840^  mitgeth.  in  Brmans  archiv  184L  heft  2). 

Dapem  pro  bubns  piro  florente  facito.  dapem  hoc 
modo  fieri  oportet  Jovi  dapali  culignam  vini  quantuum  vis 
polluceto.  eo  die  feriae  bubus  et  bubulcis,  et  qui  dapem 
facient.  cum  pollucere  oportebit,  sie  facias.  Jupiter  da- 
paliSf  quod  tibi  fieri  oportet,  in  domo  familia  mea  culignam 
vini  dapi,  ejus  rei  ergo  macte  hac  illace  dape  pollucenda 
esto.  macte  vino  inferio  esto.  Vestae,  si  voles,  dato,  daps 
Jovi  assaria  pecuina,  urna  vini  Jovi  caste.  profanato  sine 
contagione,  postea  dape  facta  serito  milium,  panicum,  alium, 
lentim.    (Cato  de  re  rust.  132). 

Hieran  reiht  sich  eine  ags.  bot  d.  i.  puoza  des  un- 
tragenden, durch  Zauber  verderbten  ackers  aus  cod.  exon. 
5214.  Her  is  seo  bot,  hü  f>ü  meaht  f»!ne  äceras  betan, 
gif  hl  nellad  vel  veaxan,  odde  f)aBr  hvilc  ungedofe  {>ing 
onged6n  bid  on  drj^  odde  on  lybiäce. 

Genim  ^onne  on  niht,  csr  hit  dagige,  feoeer  tyrf  im 
feover  healfa  j^äs  landes,  and  gemearcä,  hü  ht  »r  stödon. 
nim  j^onne  ele  and  hunig  and  beorman,  and  selces  feos 
meolc,  j^e  on  f)8Bm  lande  st,  and  selces  ire(yocynnes  da&l, 
f>e  on  f»8em  laqde  s!  geveaxen,  bütan  heardan  bedman; 
and  edlere  namcudre  t>yrte  dsel ,  bAtan  glappan  änon;  and 
dö  {>onne  hftlig  väter  {>«ron,  and  dr^'pe  fionne  f)riva  on 
{>one  stadol  fidra  turfa,  and  cvede  f)onne  fifts  vord:  'cre- 
Seite,  veaxe,  et  multiplicamini^  and  gemänigfealde,  et  replete, 
and  gefylle,  terram,  f>ds  eordan,  in  nomine  patris  et  filii 
et  Spiritus  sancti  benedicti,  and  pater  noster,  sv4  oft  svft 
f>at  oder.  And  bere  siddan  f»ä  iwrf  tö  cyrcean ,  and  mes- 
sepreost  4singe  feover  messan  ofer  f>ftm  turfon,  and  t>ende 
man  ffät  grine  tö  ^am  veofode.  and  siddan  gebringe  bian 
^ä  turf,  par  hi  cbt  etBron  cer  sunnan  setigange,  and 
hftbbe  him  gevorht  of  cvicbedme  feover  Cristes  m»lp,  and 
ftvrlte  on  ®lcon   ende  Hattheus   and   Marcus,   Lucas   and 


*)  quidquid  tangebam  crescebat  tanquam  favus.  Petronias  cap. 
43.  79.  man  kennt  das  anablässige  steigen  der  wabe  im  bienenstock. 
Wenn  den  Serben  weihnachts  der  badnjak  brennt,  tritt  der  eingela- 
dete  polatnik  hinzu,  schlägt  mit  einer  feuerschaafd  auf  den  brand, 
dafs  die  funken  stieben,  während  er  spricht:  so  Tiel  schafe ,  so  viel 
siegen,  so  fiel  Schweine,  so  Tiel  rinder,  so  fiel  gluck  and  segen,  o£r 
hier  fwdsm  fliegen!  Vuks  Montenegro  s.  106. 

GrimuM  mijftkeL   8,  tmtgube.  75 


1186  .      A€KfiRSBOBN 

Johannes,  lege  ^ftt  Cristes  mari  on  f>one  pyt  neod^veardne, 
ovede  ^nne:  crtix  Malthetis,  crux  Marcus,  crux  Lucas,  crux 
Johannes,  nim  f>onne  f)ä  lur/*  and  sette  fiier  ufon  on  and 
evede  fionne  nigon  sidon  {)As  vord:  crescite  and  svä  oft 
pater  noster.  and  pende  {)e  f)oniie  edsiveardj  and  onlüt 
nigon  sidon  eädmddlice,  and  cved  f>onne  fite  vord: 

«4fttYeard  iu  Blande»   Arena  iQ  me  bidde. 

bidde.  ic  hone  meran  dryfaten ,   b.  i.  {>.  midan  dryhten , 

bidde  it  pone  b^ligan  heofonrices  yeard. 

eordun  ic  bidde  and  upheofön, 

$md  hi  södan  sancta  Marion, 

and  beofenes  meaht  and  he^breoed,   . 

^ftt  ic  mdte  fds  geMor  mid  %\(e  drjbtnes 

tödum  ont^nan  ^urb  trunne  gebanc, 

Iveccan  häB  Tästmas  us  t6  voruldnvtte » 

gefvllan   lAs  foldan  mid  faste  geleäfan ; 

▼litigian    »As  iMmg$mrf,  sfA  se  vUega  ctM, 

{>it  se  bSfde  Are  on  eordrlce  se  ^e  «Imyasaa 

dslde  d6mlice  drybtnes  ^ances, 

Vende  {)e  f)onne  {)riva  sungange^*  ästrecce  pe  ponne  on 
andlanff,  and  Arin  {isar  letanias,  and  cved  {)onne  'sanclus, 
sanotus,  sanctus'  od  ende,  sing  ^onne.  benedicite  äpene- 
don  earmon  and  magnifieat  and  pater  noster  III,  and  be- 
beod  hit  Criste  and  sancta  Marfan  and  |>sere  hftlgan  rode, 
16  iofe  and  to  veordinga,  and  f>am  16  &re  f>e  {lüt  land  ige 
and  eallon  f>&m  fie  bim  underfieodde  sint  ^pnne  ^ät  eall 
st  ged6n,  ^onne  nitne  man  tmcüi  swd  äl  (Bbnesmannumf 
aiKd  seile  him  tvA  svylc  svylce  man  fkt  him  nime,  and  ge- 
gaderie  ealle  bis  sulhgeteogo  16  gftdere.  Uorige  t>onne  on 
§am  beäme  stör  and  finol  and  geh&lgode  sdpan  and  gehdlr 
god  teaU.  nim  f)onne  f>äl  s®d ,  sete  on  fiäs  m^I^  bodig. 
cved  {)OBoe: 

Erce^  erce,  erce,  eardan  fn$dor*), 
geunne  l>e  se  alvealda  ^ce  dryhten 
ieera  teaxendra  and  vridendra, 
eAettiendra  and  elnien«lta, 
.  sceif  tiece  **)  si  sctra  yästma , 
and  bcre  brAdan  bere  yfislnia, 
and  pSBre  byttan  bysBte  yfistma, 
and  ealra  eordan  yästma. 
geanne  bim  ^ce  drybten 
and  bis  bilige  ^  an  faeofonam  sint, 
|Ȋt  bis  yrd  st  gefridod  yid  ealra  feonda  gehySne, 
and  beo  st  geborgen  yid  ealra  bealya  gehyylc, 
l>Ara  lybiAca  gednd  land  slyen. 

*)  die  s.  232  versachto  deutnng  dieser  «eile  bleibt  ein  yragstäcfc. 
aucb  ein  andrer  ags.  gealdor  gegen  natternbifs  beginnt:  serre  «rore 
aurnem  nadre  »rcuad  bei  ernein  nifkasrn  etc. 

**}  cod.  sceafltahen.    ich  veraiehe  mampuluni  oapiat» 


ACKEimjsGjEiH  im 

DO  bUde  ic  ^pe  Tealdend»  te  ^e  päs  reoruld  gesoeöp, 
Ht  ne,  st  nin  tö  {»äs  cTidoI  ytf ,  ne  16  f>Ss  crliflig  man , 
{>fit  ^Tendan  oe  mäge  yord  hus  gecvedene. 

t)onne  man  f>ä  sulh  fori  drtfe  and  j^ft  forman  furk  on*- 
iceote,  cved  ^onne 

hAI  fes  |>il^  folde  ßra  mSdar! 
beo  f»a  grörende  od  godes  fadme, 
f6dre  gefylled  firnns  t6  njU6! 

nim  ^nae  iUces  cynnes  meto,  and  äbace  man  innetear- 
dre  handa  brädtw  hläf,  and  gecned  hine  mid  meolce  and 
mid  bälig  vilere^  an<i  kcge  undßr  pä  forman  furh.  cved 
{»onoe: 

ful  Xcer  f6dre8  fira  cjBoe 

beorht  bldyende,  f>d  gebl^tsod  yeord 

j^Ss  h^Iigan  naman,  j^e  ^än  heofon  g^sce^p, 

and  pAa  eordan  {>e  ve  on  1i6ad. 

ae  god  ^  |»Aa  grandaa  gereorfate  geunne  os  gr6¥eiid6  gife, 

Mt  aa  oornn  gehyyle  cutne  tö  njrtte; 

cve4  ponn4)  {»riva  cresoite  in  nomine  patris  benedicti  amen, 
and  puter  noster  ^riva. 

Diese  merkwürdige  nachricht  acheint,  obgleich  ihr 
gchoa  christliche  brduche  beigemischt  werden,  weit  in  das 
alterth^iHn  heidnischer  opfer  und  ackerbestellung  hinauf  zu 
füjiren.  wie  dem  Jupiter  die  daps  bereitet  und  die  wein- 
$ch9le  ausgegossen,  hernach  hirse,  fenich,  iauch  und  linse 
gesftt  wurde,  gehn  auch  hier  dem  pflügen  opferbräuche 
vorher,  aus  des  ackers  vier  windeln  werden  rasen  ge- 
schnittea,  .51,  honig,  hefe,  von  alles  yiehes  milch,  von 
alles  baumes  ast  (aufser  hartbäumen,  d.  i.  eiche  und  buche, 
RA.  506),  von  aUem  namhaften  kraut  (aufser  kletten)  auf 
die  rasen  gelegt  und  heiliges  wasser  gesprengt;  dann  die 
rasenstücke  zur  kirche  getragen,  so,  dafs  d^s  grüne  gegen 
den  altar  gewendet  ist,  vier  messen  darüber  gelesen,  und 
die  rasen  noch  vor  Sonnenuntergang  wieder  auf  den  acker 
gebracht,  nun  geschehen  die  segensprüche  und  unbekann- 
ter von  bettlern  erkaufter  samen  (vgl.  s.  1091)  wird  geholt, 
auf  den  pflüg  gesetzt  und  ein  andrer  spruch  hergesagt, 
dann  die  erste  furche  geflügt,  allerlei  mehl  genommen, 
ein  laib  mit  milch  geknetet,  unter  die  erste  furche  gelegt 
und  noch  ein  sogen  gesprochen.  Es  ist  bekannt,  dafs  die 
Rdmer.  mehlkuchen  und  fruchte  auf  den  ackern  opferten, 
mir  scheinen  aber  auch  unsre  weisthümer  noch  unverstandne 
spuren  jener  heidnischen  sitte  zu  bewahren:  kommt  der 
pflüger  an  ein  enda  der  furche,  soll  er  da  finden  einen 
iopf  mit  honig  und  am  andern  ende  einen  topf  mikh,  so 
er  schwach  würde  sich  daran  zu  erlaben  (weisth.  2,  547, 
wo  für  milch  melts  steht,  was  weder  mehl.  noch  malz  sein 

75* 


kann),  ferner^  beim  pfltigen  soll  ein  brot  so  grofis  gebracht 
werden,  dafs  man  es  in  eine  achse  des  pflugrads  stecke 
und  eine  furche  damit  ackere;  breche  das  brot,  wenn  die 
furche  aus  sei  und  habe  der  pflüger  nicht  ein  andres  rad 
bereit,  das  er  an  die  stelle  setze,  so  solle  er  büsfen; 
breche  aber  das  brot,  eh  die  furche  fertig  sei^  möge  er 
ohne  bufse  heimfahren  (2,  356).  Anderem«!  lautet  die  be- 
stimm'ung  so:  breche  dem  pflüger  ein  rad^  so  habe  er  eur 
bufse  ein  brot  zu  entrichten,  das  gleich  hoch  mit  dem 
pflugrad  und  von  aller  frucht,  die  der  pflüg  gewinnt,  ge- 
backen, und  so  gemach  solle  er  mit  dem  pflüge  tahven, 
dafs  ein  flnke  seine  jungen  auf  dem  rade  fitzen  könne  (2, 
179,  180).  auch  2,  547  heifst  es,  wenn  ein  körn  haber 
in  das  pflugrad  falle,  dafs  die  tögel  in  der  bift  es  ge- 
niefsen  sollen.  2,  120  ist  blofs  die  gröfse  des  brots  nach 
der  des  pflugrads  ausgedrückt,  2,  128  wird  aber  wiederum 
gesagt,  aus  der  frucbt,  die  die  hübe  trägt,  und  die  iiMe 
bricht,  soll  ein  kuchen  von  der  gröfse  des  pflugrads  ge* 
backen  werden  und  nun  der  pflflger  damit  pflügen:  breche 
das  rad,  eh  er  ans  ende  komme,  so  sei  er  brüchig,  breche  es 
nicht,  so  sei  er  dennoch  brüchig,  den  kuchen  von  allet  fruchtj 
die  die  müle  melt,  nennt* 2^  147  und  das  an  die  stelle  des 
auslaufenden  pflugrads  einzusteckende  rockenbrot  2,  262. 
412.  587.  Was  sollen  diese  seltsamen  Vorschriften  ?  nie 
werden  pflüger  mit  honig  und  milch  gespeist,  nie  brote 
und  kuchen  an  die  achse  gesteckt  worden  sein,  die  erste 
furche  zu  ziehen,  es  scheinen  alte  opf^rlaibe,  die  mit  ho^ 
nig  und  milch  begossen  in  die  furche  (ad  piamenlum  s.  1147) 
gelegt  und  den  pflügern  ausgetheilt  wurdet!,  an  welchen  man 
auch  die  vöglem  picken  liefs;  dafs  sie  aus  allerlei  fruchi, 
um  den  ganzen  ertrag  des  ackers  zu  umfassen,  bereitet 
waren,  wie  in  der  ags.  formet  der  iaib  aus  aller  arl  mehl 
gebacken  ist,  entscheidet  beinahe. 

Verelius,  in  den  anm.  zu  Hervararsaga  s.  139  meldet, 
dafs  die  schwedischen  bauern  den  gebacknen  julagalt  (s. 
45)  trocken  werden  lassen  und  bis  zum  frühjahr  aufheben, 
dann  aber  einen  theil  davon  unter  die  frucht  reiben  und 
den  pflügenden  rossen,  einen  theil  den  pflughaltem  zu  es- 
sen geben:  verrem  istum  Actum  siccant,  et  ad  veris  tem- 
pus,  cum  semina  sulcis  sunt  credenda  servant.  tum  partem 
ejus  comminutam  in  vas  vel  in  corbem^  ex  quo  serofna 
sunt  dispergenda^  immittunt,  hordeoque  permiztam  eqois 
aratoribus,  alteram  servis  stivam  tenentibus  comedendam 
relinquunt,  spe  forte  uberioris  messis  percipiendae.  Das 
ist  also  auch  ein  opl'erkuchen ,  der  unter  die  saat  gemischt 


FI:ACB99B0BN.    ;WOLFBE«BN  <|189 

ttnA  vte  den  <  pM^mden  Hkiwm  utid  meitsdidii  gakostot 
wurde ;-  wer.  weife  ob  nicht  dw  verbrennen  des  teufeis,  das 
veribeilen  und  ausstreuen  seiner  tsche  auf  den  ackern,  des« 
Ben. matt  die  hexen-  sieh  (s.  1025.  1026),  aus  denli  gebäck 
«ides  #plerkuchens  in  götzengestalt  entsprang?  auch  zum 
baaltftie  wurde  ein  ku^en  gebacken  und  unter  die:  menge 
vertheilt  (s.  579). 

Bei  dem  flachsbam  wird  es  mcht  an  Segensprüchen 
und  brauchen  graaangelt  haben,  noch  heute  singen  die 
midokein  luHer  dieser  arbeit  mancherlei  lieder.  Wenn,  der 
lein  gesät  wurde,  stieg  an  einigen  orten  die  hausfrau  auf 
den  tisch,  tanzte  und  sprang  rücklings  herab:  so  heeh  sie 
niedenprang  i  so  hoch  sollte  der  flachs  wachsen^  (vgl. 
abergl.  510).  Lasicz  s.  50  von  den  Samagiten:  tertio  post 
ilgas  die  deum  Waizganthos  eolunt  virgines,  ut  ejus  bene- 
ficio  tarn  lini  quam  cannnbis  habeant  copiam.  ubi  altissima 
illarum,  impleto  ptecentulis,  quas  sikies  vocant,  sinu,  et 
^ianf  peile  nna  m  sedM  manuque  sinistra  sursum  elata 
iibrum  proli^oim  tiliae  vd  nkno  detractum,  dextera  vero 
craterem  cerevisiae  baec  loquens  tenet:  'Waizganthe  pro<- 
•duc  nobis  tarn  altum  Itman,  quam  ego  mmc  alta  sum^ 
neve  nos  nudos  incedere.  pemittasl*  post  haee  craterem 
exhaurit  impietumque  rursum  deo  in  terram  effundit,  et 
plaeentas  e  sinu  ejicit,  a  deastris,  si  qui  sint  Waizgantho, 
comed'endas«  Si  haec  peragens  firma  perstet,  boAum  lini 
proyentum-  anno  sequenti  futurum  in  animam  inducit,  si 
fopso  pede  aitero  nitcOur,  dubitat  de  futura  copia,  fidem- 
que  effectus  sequitur.  In  der  Wetterau,  beim  sfien  des 
krauts;  mdfs.  die  frau  amf  den  heerd  springen  und  rufen: 
^häopter  wie  mein  köpf,  blfttter  wie  mein  schürz  und  dor^ 
sehen  (Strünke)  wie  mein  bein!*  so  wird  das  kraut  ge- 
rathen« 

Wie  die  Römer  den  wolf  von  den  ackern  abwehrten, 
berichtet  Plin.  26,  20:  hipos  in  agrum  non  acoedere,  si 
capti  unius  pedibus  inCractis  cultroque  adacto  paulatim  son- 
guis  circa  fines  agri  spmgafur^  atque  ipse  defodiatur  in 
eo  loce ,  ex  quo  coeperit  trahi ;  aut  ri  pamerem ,  quo  pri- 
ivttis  suhus  eo  anno  in  agra  ductus  sit,  excussum  aratro 
föens  huium,  qto'  famiüa  eonventi,  (Asumat;  ae  Uipvm 
nuHi  anitaali  nocitnrum  in  eo  agro,   quam  diu  id  fiat. 

Der  folgende  hirtensegen  aus  einer  hs.  des  15^jk. 
verrftth  weü  Mteren  Ursprung:  ich  treip  heut  aus  in  unser 
Heben  flrauen  haus,  in  Abrahams  garten  (vgl.  s.  1170),  der 
lieber  herr  sant  Mertein,  der  sol  heut  meineS'  (vihes)  pflegen 
und  warten,   und  der  Heber  herr  sant  Wolfgang ^  d^r  lieb 


1190  WOLF  UND  BnURNSIGfiN 

bdrr  sant  Pdter,  der  tut  <ten  himeliseben  sIumniI,  die  ret^ 
gperrent '  dem  waif  und  der  i>ohin  ivn  dritssel,  daft  si  weder 
^ui  lassen  noch  bein  schroten,  des  helf  mir  der  ma»,  der 
Chain  übel  nie  hat  getan  (d.  L  Christus ,  vgl.  oben  s.  22 
und  den  gegensatz  s.  940),  und  die  heiligen  V  vnuiden  be^ 
hüten  mein  vieb  vor  aHen  hokhtmdem;  V  pater  et  V  ave 
Maria. 

AUe  reime  brechen  unsichm*  dorob*  die  hoUhunde  sind 
Wuotans  waldhunde  (s.  134);  die  holtes  gehlMan,  silvae 
latrones  (El.  223),  die  hölsinge  (Reinh.  s.  iv)  and  dafe  ne- 
ben dem  wolf  die  weibliche  eoAe  (vulpes)  genannt  ist, 
stimmt  sogar  zam  goth.  faüh6,  ahd.  fohA.  Wolf  gang  aber, 
der  hier  die  heerde  schützen  soll,  heHst  so  entweder  weil 
er  dem  wolf  entgegengeht,  oder  ihm  als  beiden  der  wolf 
zu  glücklicher  stunde  begegnet  ist  (a.  1093). 

Da  ich  keinen  deuttschen  biet^emsegen  angetroffen  habe, 
will  ich  einen  lateinischen  aps  Balnze  eapitul.  2,  663,  nach 
einer  Sangaller  hs.,  geben.  Ad  rerecandum  examen  apnm 
dispersum :  adjuro  te  mater  miorum  per  denm  regem  coe- 
lorum  et  per  fllum  redemptoirem  filium  dei  te  ad^ro,  ut 
non  te  in  altum  levare  nee  longe  volare,  sed  quam  plus  oito 
potes  ad  arborem  venire  (veiis):  ibi  te  alloces  cum  omni 
tuo  genere  vel  cnm  socia  tua,  ibi  habeo  bona  vasa  parata, 
ut  vos  ibi  in  dei;-  nomine  laboretis  etc«  mater  amorum 
(für  apmn]  ist  die  ags.  heomddor  (s.  660),  die  wagende 
wabe  (vorhin  s.  1185)  hiefs  beobredd  eod,  exon.  425,  20, 
mhd.  biebrdt  (gramm.  3,  463),  sonst  auoh  td»  und  wdbe 
(vom  weben ,  wirken ,  vgl.  s.  660) ;  .  der  stock  biehat  (vas, 
gioth.  kasi) ,  das  fluglooh  ahd.  flop^iar  (Oraff  3,  163)  \  unse- 
rer Sprache  standen  vordem  viel  mehr  beBenaunigan  finr  die 
bienensucht  zu  gebot  und .  sohdnere* 

Weil  runen  auf  hast  geschrieben  wurden  (limrünar  & 
berki  rtsta  ok  ä  badni  vidar,  Sem.  196"»,  cortex  carmini- 
bus  adnotatus,  Saxo  granuii.  44),  mag  das  altertbum  auch 
mnen  gekannt  haben  die  den  biat  tom  hafne  lö$tem.  zau- 
beriieder  vermögen  das  khad  ans  der  mutier  sohoÜB,  die 
rinde  vom  hast  zn  lösen.  :  Bei  nnsern  hirtenbuben  haben 
sich  fast  durch  ganz  DeittscUand  reime  ernalten,  die  sie 
einen  weidenasi  auf  dem  knie  oder  mit  dem  wesseratiel 
klopfend  tactmftfsig  singen ,  um  den  ftoal  ftur  pfeift^  tfneer- 
leM  (ibssuirennen.  die  einfachete)  aber  nicht  ülteate  fas- 
snng  lautet :  Fabian  Sebastian ,  lat  mi  de  ieidet^t  afyami 
(Voss  zu  Idylle  6,  179).  in  Ditsnarsen:  Fabian  Sebastian 
lat  den  saft  ut  holt  gani  man  wähnt,  auf  die^r  heiligen 
tag  (20  Jan.)  trete  der  safk  in  die  weide,    anderwärts  man- 


BAST  LÖBBN.    üffiXBIfPFEIFE  11(91 


f «In  b^de  MflMiii ,  dkfür  ist'  4er  Spruch  Iftngir:  »a  «d  pipfi 
(waluscheiiilich  sappipe,  saftpfeife)  up«  mölendike  dar  sit 
en  man,  de  heet  Johan,  de  har  dre  rode  alöveln  an,  de 
ene  hörde  mi  to,  de  anner  hörde  di  (o,  de  drudde  h$r- 
dem  papen  to,  do  kam  de  die  besäe  (hiNce)  mit  es  bian*- 
ken  meste,  sneet  den  küken  den  kop  af,  amcieten  inboseh, 
plamps  sä  de  kusch,  U  ie  wpipe  »oek  nicM.good?  Hai* 
bertsma  im  overijsselsohen  almanak  für  1836  sagt:  de  twijg 
rijp  en  gesneden  zijnde  slaan  de  kinderen  met  hei  hecht 
van  een  mesje  on  een  der  groene  rijsjes,  tot  dat  de  hast 
loslaat,  dien  zij  er  dan  heel  aflrekken  en  als  een  pijp  ge- 
bruiken  om  op  te  fluiten  of  er  erwten  door  de  blazen.  zoo 
lang  het  kind  met  zijn  mesje  op  den  ba$t  tikte^  plag  het 
ottdtijds  de  volgende  regelen  te  zingen:  ^Umge,  kmge  pipe^ 
toenneer  bistau  ripe?  te  meye,  te  meye^  as  de  veugeltjes 
eyer  lekt.  H  ketjen  op  den  dyk  z(^t,  sute  melk  met  brok- 
ken  at.  doe  kwam  de  voele  hease  al  met  de  saharpe  messe, 
wold  et  ketjen  et  oor  afsnien;  it  ketjen  ging  ant  iopen  to 
hope,  to  hopel  de  voele  hesse  ging  Iopen.  heel  of,  half 
of,  houwe  dijn  den  kop  af,  so  dood  as  en  piere^  kump 
sün  levendage  net  weer  hiere.'  Aus  der  Neumark  gibt  Fir- 
menich s.  121  diesen  sprach:  9%pp  sapp  seepe,  moak  mi 
'ne  flöte,  wovon  denn?  von  meieroan,  von  thymegoan,  det 
se  balle  mag  afgoahn*  s.  131  aus  der  Priegnitz :  ^sibbe 
sibbe  sibbe  säubken,  loat  mi  det  kleine  fleutken  goot  af-- 
goahn,  goot  af  goahn  bes  up  den  letzten  kooaken.'  Man 
sieht,  wie  Sebastian  aus  sappipe,  sibbe  sabbe  und  vielleicht 
hast  hinein  gerathen  ist.  Im  Böhmerwald  wird  der  weiden 
oder  erlenzweig  so  beschworen  (Jos.  Rank  s.  168):  pföfferl 
gel  owa,  sist  schloga  dö  owa,  lei's  rintt  o  drahd5  eiz, 
heargotl  pfeizi  (pfeiflein  geh  ab,  sonst  schlag  ich  dich  ah, 
liebes  rindlein  ja  zieh  dich  jetzt,  herrgöttlein  p^feif).  Woy- 
eicki  kl.  1,  92.  I5l  meldet,  um  eine  wunderbare  pfeife 
(fujarka)  zu  erlangen,  die  alle  leute  tanzen  mache,  ratlsse 
man  im  dunkeln  wald  die  grüne  weide  aufsuchen,  welche 
niemals  toasser'  ramohen  noch  den  hahn  krähen  hörte: 
CO  by  nigdy  niestyszata  sznma  wody,  ni  piania  koguta. 
dieser  ausdrflcklich  vom  landvolk  am  Prut  und  Dniester 
entnommne  zug  stimmt  wunderbar  zu  Plinius  angäbe  16, 
37:  ex  qua  (sambuco)  magis  canoram  buceinam  tubamqne 
credit  pastor  ibi  caesa,  ubi  gallorum  cantum  frutex  ille 
non  exaudiat.  von  schalen  der  weide  wird  nichts  be- 
richtet. 

Aus  dem  Harleyms.  no.  585  fol.  186  theilte   mir  Price 
ein  altes  ags.  speU  gegen  fcersüce^  d.  i.  unversehens  enl- 


•1192  SKITRIfSTiaHSBfiBR 

«tandnen  stiek  mit.  man  soll  die  drei  krioler  feferfk^ 
(engl,  feverfew,  im  capit.  de  TilUs  b.  Perix  3,  186  febriAigia 
SS  febren  fugami) ,  rolke  messel  die  durch  den  hof  wichst 
{ygi  1152  durchs  sieb)  xaid  wegireUe  (ahd.  wegabreita  plan- 
tage)  dazu  in  butter  sieden«  vid  farstiee  feferfuge  and  seo  re€Ue 
neiek,  f>ö  j^rh  mm  invyxd;  and  veffbrwde^  rytte  in  bnleran. 

Hl  Ade  Vttron  ht  \ä  hMde,  fbA  ht  ofer  j^one  hlar  ridon, 

veroQ  inmöde«  hä  ht  ofer  und  ridon. 

fcjid  bd  ^e  na  pA,  ^ifoe  .ntd  genefsn  m6ke. 
-  üt  Ijtel  spere^  gif  her  inne  sie! 

st6d  uoder  linde,  noder  leobtum  scjlde, 

^cer  hA  mihtigan  tif  hjra  mSgen  berftddon , 

and  nt  gyliende  gStrat  sendon. 

10  him  odeme  eft  Tille  sendan 

fleogeode  ilAn  forane  iö  geanes. 

üt  Ijtel  spere ,  gif  hit  her  inne  sie  1 

8fit  smid,   8l6h  8eax  Ijtel 

.  .;....  tsema  Tand  STide. 
•  üt  lytel  apere ,   gif  her  inne  aie  1 

eez  amidas  aeton,  Tülspera  Totbton, 

ütspero  niea  innapere 

gif  het  inne  sie  tsernes  d«], 

hägtessan  geveorcj  hit  aceal  gemjltan, 

gif  ^a  Tiere  on  fei!  scoten,  odde  T»re  on  tnse  acoten, 

odde  Tsre  on  blöd  aeoten 

odde  Tsre  on  lid  scoten ,  naafre  ne  at  ^tn  Itf  ^taBsed, 
.    gif  hit  Tflsre  ita  ge$cot,  odde  hit  Tiere  ylfa  gescat^ 

odde  hit  T»re  hägiessan  gescoiy  na  ic  Tille  ^tn  helpan: 

*!«  be  t6  b6  böte  isa  gescotes,  ^is  ^e  tö  böte  ylfa  getcoteSf 
18  pe  tö  böte  hägiessan  gescotes,    ie  |»tn  Tille  helpan. 
leo  bttr  on  fjrgenl 

heAfde  hAl  Testn,   helpe  ^ia  drjhtenl 

nim  f)pnne  f^ftt  seax,  Ad6  on  viBtan. 
Einige  lücken  stören,  zum  gründe  liegt  die  annähme ,  daTs 
die  Stiche  des  kranken  vom  geschofs  der  geister  verursacht 
werden,  mächtige  frauen,  hägtessan  (s.  992}  seien  laut 
über  das  land  geritten  und  haben  gellende  Speere  gesen- 
det^ hernach  aber  wird  genauer  6sa,  ylfa  und  hägtessan 
gescot  unterschieden  y  geschofs  der  götter  (s.  22),  elbe  (s. 
411)  uqd  der  hexen  (doch  steht  der  gen«  sg.  hägtessan, 
nicht, pl.  hä^tessena).  der  bescliwörende ,  indem  er  den 
hergang  erzählt ^  ruft  dem  kranken  zu,  dafs  er  sich  decken 
solle;  dann  werde  er  genesen*),  immer  wird  dazwischen 
gerufeo:   heraus  kleiner  speer,   wo  du  in  dem  leibe  bisti 


*)  {»isne  ntd  genesan;  eigenthümlich  fügt  die  ags.  spräche  lu  die- 
sem Terbo  den  acc,  atatt  des  ahd.  gen.,  Tgl.  pA  ajcce  genjs.  BeoT. 
3950;  ntda  gehTane  genesen  häfde.  SeoT.4789;  fela  ic  gadrieaa  genia. 
BeOT.  4848;  se  pä  göde  genas.    Gsedm.  121,  33.. 


SBGBN  WIDER  ZAUBER  11S3 

liann  flilin  der  beschwörer  fort,  er  habe  «nter  gchflde  ge- 
deckt gestanden,  als  die  weiber  ihre  geacbofae  fliegen  lie«- 
faen,  and  bereite  sieh,  ihnen  den  gegenwurf  zn  senden^ 
ein  mesaer,  dessen  schmieden  durch  einen  schraied,  so  wie 
das  TOn  schlaehtspeeren  durch  sechs  schmiede  gemeldet 
wird,  das  saubereisen  solle  schmelzen,  wohin  es  auch  ge^ 
schössen  sm,  in  haut,  fleisch,  blut  oder  glied,  die  hilfe 
komme,  zuletat  heifst  es:  (die  zauberio)  fliehe  in  die  wild<- 
nis,  du,  der  kranke,  sei  am  haupte  heil,  gott  helfe  dir. 
nach  beendigung  des  spells  soll  das  messer  (jenes  vom 
Schmied  geschmiedete?)  in  wasser  gethan  werden,  hinter 
scoten  scheint  ausgefallen:  odde  v»re  on  bftn  scoten,  hin«- 
ter  fyrgen  vielleicht:  seo  ^one  flftn  sceät  (oder:  sende). 

Andere  bisher  ungedmckte  formein  danke  ich  Kembles 
mitthetlung.  Cvid  ymbe.  nim  eordan^  oferveorp  mid  fitnd 
svtdran  handa  under  ^Inum  svtdran  fdt  and  cvet: 

f6  ic  ander  fdt,   fnode  ic  btt 

hTJt,  eor^9  mag  M  $aha  vikia  gehoykef 

and  yid  andan  aod  ▼idsnuinde, 

and  Tid  ^A  micelan  mannea  tangan. 

and  vid  on  forveorp  ofer  greot  f^onne  bis  virman  and  cved: 
Sitte  ge  etc.  (folgen  die  schon  s.  402  gegebnen  verse). 
Gegen  väterälfddle  (wasserelbsucht) :  gif  mon  bid  on  väter- 
Slfädle,  {)onne  beod  him  f)ä  handnäglas  vonne  and  f)ft  ei^ 
gan  tearige,  and  vile  locian  nider.  d6  him  f>is  tA  tece- 
dorne:  eofoi^rote,  cassuc,  eovberge,  elehtre^  eolone,  mersc« 
mealvancrop,  fenminte,  dile^  lilie,  Attorldde^  polleie,  mar- 
robie^  docce,  eilen,  felterre,  vermftd,  strdvbergean  leif, 
consoldc.  ofgeot  mid  ealad,  dö  hftlig  väter  t6,  sing  |»is 
geaUor  ofer  |»riva: 

ic  benne  ävrftd  betest  beadovneda, 

svä  benne  ne  burnon  ne  burston, 

ne  fundian  ne  feologan  ne  hoppettan, 

ne  vund  vaxian,  ne  dolh  diopian, 

ac  him  seif  healde  hftlevsge, 

ne  ace  |ie  f>on  mA,  f)e  eoraan  on  eäre  ace  (?Age]. 
sing  fiis  manegum  stdum.  eode  ^e  onbere  mid  ealbm 
hire  mihium  and  mägenum.  fifts  gealdor  mon  mag  singan 
on  vunde. 

Die  unter  dem  rechten  fofs  mit  der  rechten  band  auf- 
gegriffene erde  ist  heilend  und  schützend,  der  erde  wird 
miht  and  mägen  beigelegt,  häleecege  stimmmt  zu  heilawAc 
s.  551. 

Über  die  el  bischen  mare  und  nachimare  reicht  wenig 
ftus,  was  s.  433  gesagt  wurde;  sie  reiten  nicht  allein  men- 
schen,  sondern  auch  pferde,    deren  mahne  morgens  von 


1194  T^ACBTHAK 

schweifo  trieft'  wfii  Terworren  ist,  yffß.  Svratttewits  rotf  ^. 
688).  Caime^iciter  in  e|^ist«ri«  de  ara  ad  Noviomagum  re- 
perta  p.  25  sagt:  abigmit  eaa  njfmpkoi  (matres  deas,  mai- 
ras) hodie  nistici  &$se  eepitis  eqmmi  ieotU  n^'et^y  eujvs- 
modi  ossa  per  has  traras  in  rustieonm  vülte  crahra  est 
aiumadrertere  (vgl.  8.626)^  nocte  aiiteai  ad  concabia  equi- 
tare  creduntur  et  eqnos  fatigare  ad  longinqua  itinera.  iihid 
namque  datum  decUiu  litis  moffisqüe^  si  rusticoram  labulis 
credimus,  Bt  manentes  loca  peregrina  adeant  ia  eqm$  ma^ 
neuHbuSy  qui  tarnen  viae  labores  sudore  testaiitur.  Nuper 
confebulatus  mecum  villicos  aegerrime  ferebat  eqnos  sqos 
proxima  nocte  exagitatos  defluente  per  corpora  sudore; 
causam  cum  quaererem  req)OBdil  iratus,  makram  nocimmam 
equitasse.  Aus  diesem  maira  nocturna ,  sei  es  nun  mit 
fnat'ana  (s.  388)  oder  gar  juclga  verwandt,  möchte  man 
wol  den  namen  nacMmarj  engl,  nüghimore  leiten,  lüge  uns 
eine  andere  deutung  nicht  noch  näher,  dem  ahd.  masc. 
marah  (equus)  ags.  mear,  altn.  marr  scheint  das  ags.  fem. 
meare  (so  wird  besser  zu  schreiben  sein  als  m®re)  altn. 
mara  zur  seite  stehend,  zwar  das  ahd.  meriha  bedeutet 
nur  equa,  nicht  ephialtes,  und  nhd.  unterscheiden  wir  zwi- 
schen mähre  und  mahr;  aber  dem  altn.  mara  wohnt  gerade 
umgedreht  der  begrif  des  daemons  bei,  schon  Yngi.  saga 
cap.  16  wird  könig  Vanlandi  von  einer  mara  im  schlaf  todt 
getreten:  ^mara  irad  hann\  und  als  ihm  seine  leute  zur 
hilfe  sprangen  'trad  hun  fötleffgina*,  zuletzt  'kafdi  hun  hö- 
fudity  svA  at  ^ar  dö  hann,'  die  Vorstellung  mag  also  zwi- 
schen dem  gerittenen  thier  und  dem  reitenden,  tretenden 
schwanken,  wie  auch  der  teufel  bald  reitet,  bald  als  pferd 
erscheint  und  auf  sich  nimmt.  Gleich  der  fnara  hiefs  es 
s.  255,  dafs  die  Stempe  tritt.  Gute  marsagen  hat  Wolf  no. 
249-254  aus  den  Niederlanden;  zumal  merkwürdig  ist  mir 
eine  von  ihm  s.  689  mitgetheilte  beschwörung  gegen  den 
geist : 

o  maer,   gjr  lelyk  dter,  . 

komt  tock  dezeo  nicht  niet  w6er, 

alle  uMters  xult  gjr  waejen. 

alle  boomen  zult  gy  blaeyen, 

alle  tpieren  gerat  zult  gj  teilen , 

komt  my  toch  dezen  nacht  ntet  kweHen! 

WOZU  man  den  hcnnebergischen  Spruch  (in  Haupts  zeitscbr. 
3,  360)  halte: 

das  waüala  alle  berge  durchtra, 
alle  mnMer  dorchblt, 
alle  bletlkh  abllt, 
ofwerdfisie  tpörd*  iah! 


NAGHTMAV.    BUrrBBGEN  1196 

die  niiöblfahrt  des  geistes  ^ird  gembint ,  es  tnbt  iber  alle 
berge^  watet  oder  badet  durch  lUe  wasser,  blatet  dia  bäume 
«b,  zählt  dto  halme  der  gerate,  bis  tag  aabrioht.  auf  den 
maerentahkeu  (migfeln?)  soll  die  mar  ausruhen.  Der  name 
waUata  mag  sich  aoa  waHen,  wadebi,  odear  eineiu  wefarof 
(gramm.  3, 293)  erklären,  da  die  nftchtlicheu  geister  (abergi. 
876)  als  klageintiiler  (s.  403.  404)  eracbeinen.  Sehm.  4,  54 
waulen,  jammen,  winaebi.  Den  dritten  sprueh  gewährt 
Sehreibers  tb.  1839  s.  321:  drudmUtopf,  ich  verbtele  dir 
haus  und  hof,  ieh  verbiete  dir  meine  be^stWe,  dafs  du  nicht 
Ober  mich  tresteat  (?  trottest ,  trittst),  tröste  m  ein  ander 
haus,  bis  du  über  alle  berge  und  wasser  steigest  und  alle 
tamsteeken  ehiest  (? zehlest).  $o. kommt  der  liehe  tag  teier 
der  in  meim  hmm.  Drute  ist  eins  mit  HiahrO;  wie  druten- 
Bopf  eins  mit  marenzopf,  alpzopf,  drutenfufs  mit  maerenvoet. 
das  wichtigste  aber  sdieint,  dafs  tagesanbrueh  den  tag* 
acbeubn  gtist  vertreibt  (s.  435),  und  gerade  wie  diese 
aprüche  scbfiefat  AlviismAl :  ^n#  ectm^  mmna  i  salV  ich  ver- 
mute die  formel  noch  anderwärts,  und  r^ner  gefa&t 

Gern  pflegen  eingänge  der  sogen  etwas  erzählendes 
voran  zu  stellen,  eine  handlung,  aus  welcher  sich  dann  die 
kraft  der  kiUe  ableitet,  und  M>ei  haften  vorzüglidi  beid- 
niaehe  wesen,  z,  b.  wfim  ein  sprach  beginnt: 

sprach  Jungfrau  BUU 
*blut  slaod  Blille  !*  *) 

wer  erkennt  hier  nicht  augenblicklich  die  alte  walküre  £K/d!a, 
die  blut  vergiersen  und  wieder  zum  stillstand  bringen  kann  ? 
Wird  aber  nun  angehoben:  Maria  gieng  über  land,  Chri- 
stus, ^ieng  über  land,  oder  heifst  es  in  einem  sprucb  ge- 
gen den  fingerwurm :  Gott  t>ater  fährt  zu  acker,  ackert  fein 
wacker,  ackert  alle  würme  heraus,  der  eine  war  weifs,  der 
andre  schwarz,  der  dritte  roth;  hier  liegen  alle  würme 
todtl.so  liegt  am  tage,  dafs  solche  formein  nicht  in  der 
christlichen  zeit  entspringen,  wol  aber  unter  dem  volk, 
welches  nur  heilige  namen  einschaltete,  fortdauern  konn- 
ten, die  heidnischen  anlasse,  die  den  dunkeln  oder  läppi- 
schen sinn  der  worte  aufschliefsen  würden,  sind  uns  ver- 
borgen, so  tritt  Jesus  und  the  lord  an  Wuotans  platz  (s. 
1181.  1182), 

Christus  in  petra  sedebat, 

et  virgam  manu  tenebat 
(Mones   anz.  7,  609).      sonst  auch:  Hiob  gieng  über  land, 
hatte   den   stab   in  der   band«     Jestis  und  Petrus   giebgen 
wandern t  aus  einem  land    ins  andere;  das  gemahnt  an  die 

*)  hpoit^S  iifta  Mlaivip  It^t&w.    Od.  19»  467. 


■LDT  ÜN»  SUGBT  SBOHBN 

weit  Terb^Mlet6  Tonrtdlong  (s.  S18);  es  ist  «her  nicht  im- 
nier  sa  ieioht,  wie  io  diesem  telslett  MI,  der  ziub  gnnde 
liegenden  keidnisehen  nttten  ra  gewahren.  Am  liebstes 
wird  von  drei  wesen  asgehoben ,  wie  die  idisi  sich  in  drei 
sohaaren  theilen  (s.  1181),  schauen  diret  Marien  aas  (s.368) 
gleich  drei  nomen  und  feen, 

es  giengen  dIret  hfilder  Aber  feld 
(Keisersbergs  ameis.  50*,  vgl.  anbang  s.  cxu).  Es  sUigen 
drei  jvnfffem  vom  hknmel  zur  erden,  die  erste  beirsl  BkU- 
gülpey  die  andere  Bhüsmlpe,  die  dritte  BhOsUhutiü.  (mark. 
forsch.  1 ,  262).  die  letzte  ist  jene  irh  anddni  spruch  allein 
genannte  Jungfrau  Hilde.  '  Aus  Roth,  de  llominibus  vel. 
Germanor.  medic.  Heimst.  1735  p.  139  schreibe  ich  aodi 
her:  juvat  subnectere  incantationis  fefmuten,  qua  in  mar* 
chia  brandenburgensi  atque  adjacentibus  regionilnis  in  o- 
phthalmia  euranda  uti  sotent  anus  decrepitae,  insanos  ritus 
deperientes,  quam  qaldem  factis  variis  gestieulationibus  ac 
digitis  ante  dolentes  ocutos  ter  decussartim  motis,  touko  Ph- 
iurramine  semel  atque  itemm  twmtire  consuescunt,  ita  autem 
habent:  Ibant  aliquando  tre$  pueUae  in  via  virenle,  prima 
noverat  remedium  aliquod  contra  suflhsionem  oeuloruin, 
altera  noverat  remedium  aliquod  contra  albuginem,  et  tertia 
profecto  contra  inflammationem,  eaeque  sanabant  una  ratiene 
omnia.    in  nomine  patris,  filii  et  spiritos  sancti.  amen. 

Einzelnen  krankheiten  wird  die  heilende  sache,  als  im 
streit  begriffen,  entgegengestellt:  'de  ros  un  de  toiedy  de 
stan  in  strid,  de  ros  verswann,  de  u>ied  gewann';  oder  'de 
flecht  un  de  toiedy  de  krakeelten  sik;  de  wied  de  gewünn, 
un  de  flecht  verswünn'  (mekl.  jb.  5,  102.  103);  oder  'de 
flockasch  (flugasche)  un  de  flechte  y  de  flogen  wol  over  dat 
wilde  meer;  de  flockasch  de  kam  wedder,  de  flechte  nim- 
mermeer.'  (abergl.  811). 

Sprüche  für  die  wunschelruthe,  wenn  sie  schätze  oder 
erzadern  anschlagen  soll,  s.  927.  eine  formel  beim  aufsu- 
chen der  thongrube  in  Haupts  zeitschr.  3,  190. 

In  den  zurufen  an  thierey  deren  angang  weissagt,  de- 
ren treiben  geheimnisvoll  erscheint,  dürfen  uralte  formein 
erkannt  werden,  ob  schon  ihr  ausdruck  vielfacher  entstel- 
lung  unterlag;  dahin  gehören  die  reime  an  den.schwan  [s. 
400),  storch  (s.  638),  kukuk  (s.  641),  Martinsvogel  (s.  1083], 
Marienkäfer  (s.  658)  und  ähnliche,  deren  Übereinkunft  bei 
den,  verschiedensten  stammen  unseres  volks  anzieht. 

In  Scandinavien,  wo  die  herschafl  des  heidenthnms 
länger  anhielt,  müssen  die  meisten  solcher  sprttche  theils 
schriftlich  aufgezeichnet,  theils  noch  unteE  dem  volke  vor- 


SEGBNSrCHlMBLN  llSffi 

>  banden  sein,  und  aus  ihnen  würde  sich  der  Zusammenhang 

I  der  werte  wie  des  Inhalts   mit  heidnischer  fassung  am  be- 

ä  stimmtesten  ergeben.     Den  sprach,   mit  welchem  Gr6a  den 

r  stein  aus  Th6rs  haupte  lösen  wollte  (8.348),  überliefert  uns 

f  die  edda  nicht,  aber  ganz  ähnliche  können  später  bei  men* 

sehen  und  thieren  afigewandl  worden  sein.    Sehr  zu  wün- 
schen ist  die  baldige  bekanntmachung  einer  über  2000  stücke 
¥  begreifenden  in  Schweden  ron  L.  F.  Rääf  veranstalteten  sam- 

'»  long 9    welche  in  der  monatsschaft  Ntmer  (Ups.  1839-40) 

c  s.  271-77  vorläufig  angezeigt  wird.    Unter  diesen  aufgezeich- 

i!»  neten  segensformeln  lassen  sich  hin  und  wieder  auch  noch 

I  einzelne  runen  erkennen  und  ihr   gebrauch  wird  einigemal 

I  ausdrücklich   erfordert:    so   findet  sieh   folgende  vorsobrift 

3  Ober  die  art  und  weise  einen  dieb  zur  erstattung  deg  ge- 

jr  stolnen,  bei  Verlust  seines  auges,  zu   zwingen:   man  soll 

<  sonntagabends  bei  Sonnenuntergang  sich  auf  eine  hochge- 

B  leg»e  steile,  mit  einem  eimer  voll  wasser«  begeben,  die  rane 

fi  S  schneiden   und  de«  dieb   auflegen   innerhalb   bestimmter 

^  zeit   das   gestolne  gut  zurückzubringen  oder  sein  rechtes 

,^  m^e  zu  verlieren,     die  rune  S   scheint   sich  auf  sonntag 

^^  und  Sonnenuntergang,  vielleicht  aufsyn  (visus,  äuge)  zu  be- 

^  ziehen;  ist  auch  bei  dem  wassergefäfs  das  wort  sä  (situU) 

gemeint?     wahrscheinKeh   wurde  das  wasser  ausgegossen, 
dflfs  es  den  hügel  herab  lief. 


iD« 


naa  .  nacmtkäob 


« • 


NACHTRAGE. 

t.  1.  10  einem  backe,  diae  fioh  soviel  nit  heidenthon  befsCtt, 
darf  detseo  wortbegrif  nicht  onbesprochen  bleiben,  für  eodengläu- 
bige  Tölker  hettea  ij riechen  und  Römer  iLeinen  eignen  nameo  (dena 
h^dodolotf  /9cf^/3«pot  galten  nicht  in  solchem  sinn);  aber  den  Juden 
und  Christen  des  NT.  stehen  V&voq,  V&tta,  l&ttMol  entgegen ;  lat.  gen- 
fei  ond  ^niUes,  Ulfilas  brancht  den  fi.  fnüddi,  und  gern  im  gen. 
neben  pron.  pki  ^iud^  somAi  ^iud4  (gnmm.  4,  441«457L  ^iodisköi 
Terdentscht  iä*mm^  Gal.2,  14.  da  ToriugfWeiae  griecbiacher  glaube 
dem  jüdischchristlichen  gegenüberstand,  nahm  auch^if^Af^y  die  bedeu- 
tung  ^&piMoq  an  und  wir  trafen  s.  95  fXlrfvtKÖjq^^f&inKaiq,  was  dem 
Gothen  wiederum  biudiskös  gewesen  wSre ,  wie  ihm  *EXXr;vfq  fnudöi 
find  Job.  7,  35.  12,  20.  I  €or.  1,  24.  12,  19;  nur  I  Gor.  1,  22  tieht 
er  Kr^kfte  Tor.  diei*'i&iiiyvs=gentilis  stioMit  aiidi  zum  begrif  voa 
rieae,  der  aicb  aoa  mehr  ala  einem  Tolksqamen  (a,  493.  494)  eol- 
wickelte:  die  griechischen  mauern  wurden  au  heidnischen,  riesischeo 
(s.  501).  Ahd.  Terwendet  noch  N.  den  p1.  diele  für  gentiles  (Graff 
5,  128).  Unterdessen  war  der  engere  begrif  too  pagns  n^ßtj  allge* 
meiner  geworden  (ager,  eampus) ,  wie  er  no6h  im  it  pneite ,  frans. 
pajFa  lebt,  ond  pn^nti«  begann  gmiiUsy  daa  in  den  sinn  ron  nobilii 
auswich ,  zu  yerdräogen ,  in  allen  roman.  sprachen  gilt  nun  ptiganot 
payen,  ja  es  ist  ins  böbm.  pohan,  poln.  paganin,  littn.  pagonat  Tor- 
gerückt.  Frühe  schon  wurde  aus  dem  gotb.  hÄibi  campus  ein  adj. 
kdipns  agreslis,  campestris  ^  paganus  gebildet,  Ulf.  überträgt  Marc. 
7,  26  «AJl^Wc  durch  keUpnd,  und  ahd.  entsprang  ans  heidi  heidattt 
nihd.  aus  beide  heiden,  ags.  ans  hed  hteäen^  engl,  aua  heaih  AcoMeii, 
nl.  aua  beide  keiden^  alto.  aus  heidi  heidinn;  schwed.  dio.  sagt  man 
Kedmnq,  das  ahd.  wort  behauptet  adjectiyische  natur  und  bildet  den 
gen.  pl.^  heidao4ro  (paganorom).     das  nhd.  Keide  gen.  heiden  f.  heiden, 

gen.  neidena  ist  falsch,  aber  schon  seit  Luther  im  gang.  Zur  yollen 
estitignng  gereicht  das  mlat  nere^fif  =  pag^anus ,  z.  b.  in  einer  s.  73 
angezognen  stelle,  nnd  der  'wude  heiden'  in  unserm  heldeobuch  ist 
deutlicher  pleonaamus. 

8.  2.  wenigstens  150  jähre  Tor  den  Mähren  waren,  nach  Kopi- 
tars  forschung,  die  Carenkmer  Christen,  und  wie  Conatantinua  por- 
pbyrog.  meldet  seit  Heraclius  (f  640)  die  Croaten. 

8.  6.  hätten  wir  Terzeichnisse  alter  und  Tolksmäfsiger  hw^- 
nament  so  wurde  sich ,  glaube  ich ,  ergeben ,  dafs  dem  thier  die  be- 
nennungen  Terschiedner  götter  zur  herab  Würdigung  beigelegt  wurden. 
Vilk.  sage  cap.  230.  235  überliefert  uns  Thor  und  Paron,  jenes  iit 
der  ahn.,  dieaea  der  sUt.  name,  in  der  slowakischen  form  Parom  f. 
Pernn  (s.  156).  den  sächsischen  hirten  oder  Jägern  war  wol  Tkm^ 
fMtr,  yielleicbt  ist  Donner  noch  jetzt  für  hunde  gangbar,  ein  steo- 
berhund  heifst  den  Polen  GnmUoi  (Linde  2,  798),  den  Böhmen 
HfmUes  (Jungm.  1  ,  759)  =  Donner,  Walddonner,  bei  Helbling  4, 
441  ff.    finde  ich  einen  hund   Wunsch  (nicht  Wünsch).     Ähnlich  ist 


NACHTRÄGE  ItfiSl 

der  äJbergaoig  t/Oh  yoiksiliiiieli  «nf  hiwdlee  das  böhm.  Bedroh  be- 
zeichnet einen  Obotriten  und  benennt  einen  hond  (Jangm*  1,  150); 
iSdflir  in  der  Nialsfi«ga  ein  bandentaie  aeheinft  Same,  Sabme  s=:  Läpp- 
liader;  HalbliB«  4»  458  hat  Ftm^ 

a.  12.  das  proaomen  d«r  vor  got  Ms.  2  >  260^  gilt  von  .eioAiii 
heidniscben. 

8.  12.  GoU  JMi  geber  des  höchsten  pulf  und  selbst  das  höchste 
0uif  flumoium  bonnm.    so  nennt  ihn  auch  Plato  td  aya&iv, 

s.  13.  6  1.  ttadaUäf  und  mit  diesem  particip  werden  nele  namen 
gebildet,. E.  b.  D4(vada4ta  dc«doso«,  Mitradalla  (Mithradates)  =s; 'HA*Ö. 
4w9Q,  Srtdatta  o.  Sw  w.  die  Serben  reden  gott  an  samouutdam  boshe ! 
selbsterachafner  gottl 

8.  13,  42.  Snorri  119  sagt  von  Sif:  t<  hArfagra  god,  ich  weib 
sieht  ob  ein  Heide  ea  gesagt  haben  würde, 

e.  14,  1^  solche  scheu  kann  swiefacben  grund  haben:  der  bjB^* 
lige  »ane  aoll  niohl  misbraucht,  der  «nheilige«  forchtbiure  durch  Ter* 
nnsialtiing  gemildert  werden,  Tgl.  s.  939  über  tevifel.  wie  das  folk 
gefürobtete  thiere  anders  benennt,  sagt  es  statt  Donner  lieber  doniier- 
wctier  (dan.  tordenveir),  donnerstag,  donnerwetlatein  (wetteratein  oder 
Wetzstein?)  donnerkeil,  donnerw&aehe,  dummer  (s.  166).  forum,  sog« 
10,  283  steht  OMimer  f.  Odino ,  neUekht  wurde  WuoUns  beer  eb-- 
sidiUieh  rerindeit  in  Muie$  he^r  (s.  883);  aiicb  Fälani  i^J^hal  nnd 
ähnliches  zu  erwigen. 

8.  15.  der  berohigenden  rerbindttog  des  ick  mit  goU  steht  ent- 
gegen die  aoheHende  des  dw  mit  ieufel  (s.  966). 

8*  15.  ich  wsn  gat  selbe  worble  dich  mU  nner  goüitfk^  kani. 
WigaK  9723;  iwAre  got  4w  h4t  geleit  stoe  kunst  und  stne  krAft* 
stnen  ritz  und  stne  meisterschaft  an  disen  loblloheu  Up^  .lw..l665; 
bei  ChrAtien  .«je  la  fiat  dMP  «is  sa  eun«  nue  >  por  nature  fere  muser, 
tout  ie  mont  i  porroit  user ,  s*ele  la  Toloit  contrefere  •  qoe  ja  neu 
parroit  a  cfaief  trere;  no  dex^  B*il  sen  Toloit  pener«  ni  ponoit,  ce 
cnit,  aeseoer>  qve  ja  uoe  teile  feist,  por  peine  que  il  i  meist 

8.  16.  Seh  weic  das  wol  das  sin  .goi  mihi  verdrütMi\  Ms.  2* 
127^;  <ir  b4r  gelteb  dem  golde  als  «x  got  ummd^en  $0lde.  Ms.  2, 
%2P;  *sta  swert  d|it  geinc  an  stner  hant,  dat  gQi  »ehe  wäehde  m^re, 
we  der  ritter  w^e  ?  dej  engele  muosten  lachen,  dat  bej  is  sua  künde 
machen.*  Haupts  seitsehr.  3,  24.  diese  Zufriedenheit  der  geleiten- 
den achaizengel  (s.  830)  oder  walküren  n«fa  zom  lachen  der  geisier 
SL  898  gehellen  werden. 

8.  17.    Parz.  43,  28:  ein  somie  got  in  daz  geb4t. 

8.  20.  den  tollen  sinn  yon  msfod  Hei«  4,  13.  15,  17  wird  uns 
erst  eine  genauere  aoskunft  über  das  yerblltnis  «wischen  goth.  mitan 
nnd  miiitan«  ahd.  mezan  und  meizan  erachlieüsen ;  die  lat.  metiri  u|id 
m^tere ,  anfser  dafs  sie  nicht  lautyerschoben  sind,  drehen  die  quan* 
tilit  am.  das  alte.  mUitu^  scheant  eioigemal  sector,  meaaor«  Sa. 
104.  105  beifaft  das  hanpt,  womit  Heimdali  erschlagen  wurde  'miö* 
tndr  Heimdallar*  und  das  schwert  'mans.miötudr*,  Henrar.  sage  s.  441 
'aenna  miötudr*. 

s.  20i  'got  het  gegonen  ^  ir  Tel  ir  omndeL  r^  und  wiz  ir  kel*. 
Sachen w.  24,  154. 

s.  23  zur  stelle  aua  Landn.  4,  10  Tgl.  Völs.  S|iga  cap-.26  tou 
Sigord:  *f>at  hjgg  ec  at  her  fari  einn  o/"  ^di^uei';  jPari.  36.  18 
'ald4  wtp  und  man  Terjach,  sine  gesshen  nie  helt  sd  irünneclich,  tr 
5Wls  t»   jsAiBi»  iCfi  gdtüh\     um  so  begründeter  iBi  die   nnmerkun^ 


ISOO  NACHTRÄGE 

•  • 

ober  Siegfried  s.  359,  Ten  dMi  es  noch  Nib.  87»  4  beifoC:  »der  dort 
$6  hirlUshen  $6i, 

•«  26 --30.  g«liird«n  des  hämdefaUeH$y  Uimt,  havpietUbiöftem 
erwachsen  aus  kindlichroher  Tonteihnig  des  alterihoBM,  wonaob  d^ 
flehende  nena^h  dem  nachtigea  golt,  acinem  aieger,  aich  als  wehr- 
lose* ^/^  darbietet  and  anterwirft 

s.  30.  achdn  iat  das  alle,  gebet:  bidjoni  herjafödr  I  hogom  sitja 
(rogemus  denro  in  aDimis  sedere  noatris)  Sam.  113*,  wie  die  Cbri- 
aten  den  heiligeo  geist  flehen  herab  so  kommen. 

a.  31,  8.  'in  (den  nonnen)  wiren  de  mJknde  ad'vojt,  b6  wea  st 
got  büden,'  of  aijt  mit  Tltse  diden,  he  id  in  nnmmer  inkünde  dem 
rosenroten  m&nde  hedelicher  dinge  Teraagen'.  ged.  Ton  der  yronwen 
aperwere  (cod.  berol.  184,  54a). 

8.  31.  seheinfränmiigkai  und  tuMehleln  bezeichnete  acbon  daa 
IIA.  durch  die  krXftige  redenaart  'er  wil  gole  dU  fü^^e  ahea>%en\ 
La.  3,  421.  fragm.  28».  liones  am.  3,  22;  'nnaerra  herrgoll  die 
fäefo  «bbeifaen  wetten.'  Schm.  2,231;  *den  heiligen  die  fäfii  abbeten 
wollen'.  SimpKc.  4,  17;  berrgottbeifaer.  Hdfer  2,  48;  berrgotlfisler 
(füfaler)  Sebmid  103;  heiligen fresaerin.  10  eben  a.  62;  itaL  maagia- 
paradiso,  franz.  mangeorde  crucefix;  böhm.  hrjzipÄter,  poln.  gryai- 
paeierz  (heiligen fresaer) ;  bdhm.  nein,  liziobrazek  (heiligenlecker)  eine 
belachweater  heifat  gleiehbezeithnend  kaptUrttey  fampaftrste,  Igwygf- 
rinne  (Monea  achanap.  a.  123.  137). 

a.  36,  6.  was  bedeutet  Lanz.  5028  'Tor  crdzem  vmigeviheie  ( :  ge- 
nibele)?    im  Tit.  5198  iat  ungeubere  aoviel  als  ongeheuer. 

8.  37.  daa  epfer  berabt  anch  auf  dem  gedenken,  dafs  den  göt- 
tem  menachlicbe  speise  angenehm  aei,  getneinaehap  zwischen  göttem 
und  menschen  stattfinde. 

a.  38.  die  osierfemer,  mmfmtr^  «omusafu^atiar  mit  ihaen  man- 
nigfachen gebriochen,  leiten  auf  heidnische  opfer  zurück,  zumal  iat 
das  reihen  der  heiligen  flamme,  laufen  durch  die  brande,  werfen  tob 
bluroen  in  daa  feuer,  backen  und  anatheilen  grofaer  brote  oder  kochen, 
und  der  reihentanz  zu  erwfig^i.  tinze  giengen  in  spiel  und  dramatiache 
Yorstellung  ober  (Tgl.  s.  239.  730.  1009).  Afzellua  1,  3  schildert  ein 
noch  jetzt  an  gothtändischen  orten  eiogefuhrtea  opferspiel  des  Ton 
Terkleideten  burschen,  die  sich  ihr  gesiebt  schwärzen  ond-achminken 
(Tgl.  8.  483.  484),  dargestellt  wird,  einer  als  epferthirr  in  pelz  gehüllt 
sitzt  auf  einem  stul  und  hilt  im  munde  einen  büsehel.  scharf  abge- 
achnittner  kaJbney  die  ihm  bis  zu  den  obren  reichen  und  ein  ansehn  Ton 
Schweinsborsten  haben:  daa  bedeutet  den  dargebrachten  juleber,  den 
in  England  lorbeer  und  rosmarin  achmucken  (s.  195),  wie  daa  teu* 
felsopfer  rante,  roamarin  und  pomeranze  (a.  962).  Der  alten  Saeh- 
aen  grofses  opferfest  war  den  1  oct, ,  und  wird  auf  einen  534  über 
die  Thüringer  daTongetragnen  aieg  (a.  100)  bezogen ;  noch  in  urk.  dea 
IIA.  führt  diese  hehre  zeit  den  naroen  der  gem^mo^vehe  (Würdtwein 
dipl.  magunt  1  praef.  111  ^V.  Scheffera  Haltaus  s.  142  Tgl.  Höfera 
östr.  wb.  1,  306),  eine  andere  chronik  gibt  25  aept.  an  (Eoc.  fr.  or. 
1,  59),  und  Zisa  (s.  275)  wurde  29,  Michael.  28  sepL  gefeiert,  ao  dnfr 
überall  begang  eines  kerb$iapfer$  gemeint  aein  mufi.  Aulher  den 
grofsen  festen  opferte  man  bei  besondem  gelegenheiten,  zumal  faun-» 
gersnoth  und  Tcrbeerenden  krankheiten;  auch  für  langea  leben:  bl6ta 
til  Unglifis  (Landn.  3,  4)  und  für  beliebtheit  (bockaanfd)  beim  Tolk: 
Grlmr,  er  hl6tinn  Tar  daudr  für  ^okkaattld  ok  aaUadr  kamban  (Landn. 
if  14.  3,  16).    dieaer  beiname  kamban  mv^  auf  daa  opfer  dea  todlen 


MQBÜtRJClGnr 

•UiMMtiinf  iftka  Midf  wli  a^boid   4ato  ^to«  «M.  ))pcMii|iiia  funoi, 
.mal.JBRnben  (coikMK)  Divt.  2^  207«,  vgl^  aMU»»  z«  AndK  4. 

t<  99«  Oroslui  7,  87"  tiftir  kada§aium,  4ea>  er  «inea « Seytbeii 
Jittlinit'  aber  Goikcn.dMch  Jtalieii.  füte^n  lafM:    ifl&i  (ut  moi  esl  bar- 

TOD  ibm  «agt  Augustinus  im  sermo  105  ca^.  10«  .Rb4daga>)r#us..rex 
Gotborum  .  .  .  «  Romae  .. «  .  •/pvi  sacrificabai  qiiotidie  >  nundabatur- 
que  abique »  quod  a  sacrificiis  non  desl^teret 

s.  40.    Tboro  opfert  seinen  soho  den  eöttern.  Worm  nion.dan.  285. 

8.  44.  in  oiebrerea  gegenden  Deutschlands  und  Frankreicbs  pile- 
gen  zu  bestimmter  jabrszeit  die  scbläcbler  einen  mit  blumen  und 
bändern  geachmuckten  masl0chsen ,  unter  dem  geleite  von  irommela 
und  pfeifen  durcb  die  strafsen  zu  fubren  und  trinkgeld  einzusanv- 
mela.  lo  Holland  nennen  sie  den  ocbsen  beider  und  bangen  ibm 
vergoldete  äpfel  an  die  börner,  voraus  geht  ein  scbläcbter  mit  dem 
beil.    das  alles  scbeint  Überbleibsel  einer  allen  opferfeier. 

a«  45,  19.  der  stelle  aus  dem  Lauterbacber  w.  kann  icb  jetzt 
nocb  eine  andere  aus  dem  Vinkbucber,  in  alemannischer  gegend* 
zur  Seite  setzen.,  es  beifst  1,  436,  der  scbultheifs  solle  in  dem  kl»- 
ster  ein  scktoein  t  $cbiUing  Pfenning  werth  auslesen  und  sobald 
die  erqte  angeht  auf  den  klosterbof  lassen,  wo  man  ibm  gütlicb  kost 
und  freien  zutritt  zum  körn  gewähren  müsse  da  bleibe  es  bis  zum 
dönnersiag  nach  sapci  Adolf,  wo  es  gescblacbtet,  und  halb  dem  raeier, 
halb  der  gemeinde  ausgelbeilt  werde,  auf  denselben  tag  empfangt 
die  gemeinde  auch  herrenbrot  und  Ifiise.  der  preis  von  sieben  Schil- 
lingen entspricht  den  im  Lauterbacber  w.  bestimmten  acbthalben  und 
ist  ein  sehr  hoher,  den  gewöbnÜchen  werlb  übersteigender  (vgl.  GöÜ. 
anz.  1827  ».  336.  337);  es  war  ein  in  den  weisthüm^rn  ]an,ge  forjt- 
j;efübrler  und  oft  gebrauchter  ansatz,  der  sich  für  ein  ausgewähltes 
opXerihier  ziemte,  das  Lauterbacber  goldferch  wird  gleicb  dem  Vink- 
bucber  ausgetheilt  und  in  feierlichem  mahl  verzehrt;  das  ganze  ge-- 
richt  führt  davon  seinen  namen  (3, 370).  zu  Vinkbuch  hat.  man  blofs 
den  heidniscben  ausdruck  tergessen  odef  verschwiegen;  sicher  gsib 
es  noch  in  andern  deutschen  gegenden  solche  gerichtsmaWe*  der 
heil.  Adolf  war  bischof  zu  Strafsburg  und  sein  Xag  fällt  auf  d^n  29 
oder  .30  august  (Gonr.  v.  Dankr.  namenb.  s.  U7),  das  geriebt  also 
in  den  anfang  sept  In  den  haushält  pflegt  man  8c;hwein^,  bei  /eip.- 
^ehendem  winter,  im  nov.  oder  dec.  zu  schlachten,  und  wenn  dies^e 
beiden  wecbselsweise  tcA/acA/monat  beifsen,  dürfte  auch  darin  bezug 
auf  heidnische  opfer  fortdauern,  zumal  ein  ags.  name  des  nov.  bjät^ 
mönad  lautet  der  gemeine  mann  stellt  bei  diesena  schlachten  ein 
gasimal  an  und  sendet  fleisch  und  wurste  seinen  nachbarn ,  was  von 
der  alten  opfergemeinscbaft  und  fleicbvertbeilung  übrig  sein  mag. 
Merkwürdig  ist,  dafs  auch  in  Serbien  an  dem  feierlich  brennenden 
badnjak,  der  vöjlig  dem  weihnacbtsklotz  oder  julklotz  (s»  594)  gleicht, 
ein  gflmes  «c4«7etn,  oft  daneben  noch  ein  Spanferkel  gebraten  wird. 
Vukf  Montenegro  js.  103.  104. 

8.  50.  mit  erfordernissen  heiliger  opferthiere  In  Verbindung 
stehend  scheinen  auch  die. bunten  oder  fahlen  rinder,  geifse,  bocke, 
di^  haubichten  hennen  samt  zwölf  hünkeln,  die  für  erleguog  gehegten 
wildes  zu  entrichten  wareti  (RA.  s.  58t). 

8.  55*.  trinken  in  gou»  miwhie.  Helbl.  2,  1376.'  fimofiä  safufti- 
•qUe  mei  M&aasa  bibit».  LiodprMidi  anUrpod.  2,  70;  dtoMi  m  ümor^itn 
▼itfMi  biMaie.  Midpr.  biat  Ott  11.  12;   äon  ptoderit  tibi  baloaBdi, 

Grimms  mjftkoL    8.  ausgäbe,  76 


Vm  NACSBTIliOB 


ms^  te,;MM4«i  pottt  m  mmon  ieaii  Joktmtm  prmc^H^lu  IMjft. 
legalio  65»  hier  ift  •!••  der  Uafer  gemfiAt ,  «ithi  der  et «Bgeliil ; 
.io.ded  Fei.  Faber  •ragatoriom  1,  148  aber  .beftinilBl  der  letetere. 

f.  56.  ebetfeUek  mofs  ti«!  ireiter -alt  im  Norden  (s.  194)  fi^ 
•lieb  ge^eien  aein;  aaeh  in  Frankreieh  buk  man  e&eheüns  auf  neu- 
^br.  m^oi.  de  fac.  ceN.  4,  429. 

s.  56.  aofser  den  gebeten  und  opfern  bitte  ein  wesentficber  be- 
atandtbeil  des  heidniscben  caltns  berrorgehoben  werden  sollen:  das 
feierUche  umtragen,  umführen  der  götterhilder;  niqbt  blofs  an  einer 
stfttle  sollte  die  goltbeit  weilen,  sondern  sieb  ron  zeit  zu  zeit  dem 
ganzen  umkreis  des  landes  yergegenwSrtigen  (s.  312).  so  fuhr  Ner- 
tbos  iBinher  (inrehebatur  populis)  nnd  Berecjnthia  (s.  234),  so  zog 
Ft6  im  fruhliDg  ans,  so  wurde  das  beilige  schif  (s.  242) ,  der  beilige 
pflüg  umgefübrt.  des  ungenannten  gotbischeo  ffottes  bild  zog  auf 
dem  wagen  (s.  96).  einholen  des  Sommers  oder  Mais,  austragen  des 
Winters  oder  Todes  beruben  auf  gleicher  rorstellung.  Holda,  Berbta 
nnd  alle  ähnlicben  wesen  halten  zu  bestimmter  jahrszeit  ihren  Um- 
gang, den  Heiden  zur  freode,  den  Christen  zum  schrecken;  selbst 
Wuotans  heerszug  kann  so  aufgefafst  werden  (Tgl.  frau  Ganden  s.  879). 
Seit  Fro  nicht  mehr  erschien,  zeigte  sich  noch  Dietrich  mit  dem  her 
(aper)  und  Dietrich  Bern  (s.  194.  8B9)    oder   man   führte   den  s6nar- 

föhr  zum  heldengelag  (s.  195),  den  eher  durch  die  bänke  (s.  45). 
n  den  öfTentlichen  rechtsgebrSucheu  ist  der  umritt  neugewihlter  kd- 
nige  durch  die  landesstralsen,  die  feierliche  Instration  der  wege,  der 
grenzbegang,  wobei  tor  alters  götterhilder  nnd  priester  kaum  gefehlt 
haben,  ganz  zu  yergleicben.  Nach  der  bekehrung  gestattete  auch  die 
kirche  solche  umznge  fortwährend,  nur  dafs  ein  Siarienbild  oder  hei- 
ligenbHder  getragen  wurden,  namentlich  wann  dürre,  miswachs,  seuche, 
'oder 'krieg  ausgebrochen  war,  um  regen  (s.  562),  fruchtbarkeit  der 
icker,  genesung  und  sieg  znrnckzufohren ;  selbst  einer  fenersbrnnat 
trog  man  beilige  bilder  entgegen.  Der  indicul.  paganiar.  meldet 
"XXVIII  'de  simulacro  qnod  per  campos  portanf,  wozu  Eccard  |,  437 
ans  noch  ungedruckter  yita  MarcsTidis  (nicht  Maresndis)  eine  wich- 
tige stellt  teittheilt:  statnimns  nt  annualitta  secunda  feria  pentecostes 
patronum  ecciesiae  in  parocbiis  yestris  longo  amhiiu  etreumferenUs 
et  domos  Testros  lustrantea ,  et  pro  genüliiio  ambartMÜ  in  lacrjmia 
et  Taria  derotione  tos  ipsos  mactetis  et  ad  refectionem  panperum 
eleemosynam  comportetis ,  et  in  hac  cnrti  pemoctantes  super  reK^ 
quias  TigiKis  et  cantibos  solennisetis ,  ut  praedicto  mane  determina- 
tnm  a  tobis  ambitum  pia  lustratione  complentes  ad  monasterium 
cum  bonore  debito  reportetis.  confido  aotem  de  patroni  bujns  mi- 
sericordia,  quod  sie  ab  eo  gyrade  terrae  semina  tiberius  proveniant 
et  tariae  ahis  in<^emenHae  cesseni.  Die  römischen  ambarvaUa  wa- 
ren entsnndignngen  der  felder  und  es  wurde  bei  dem  terminns  publi- 
cüs  geopfert;  maigänge  und  beriite  der  grenzen  und  wege  zur  zeit 
des  deutschen  heidentboms  mässen  ihnen  sehr  fihnlicb  gewesen  sein. 
Auf  der  Gabelheide  in  Meklenburg  zogen  noch  im  15  jb.  die  Wen- 
den mit  lautem  geschrei  um  die  grünende  saat  (Giesebrecht  i;  87). 

s.  59.    merkwürdige  stelle  S»m.  ]14i>:    korgr  hladinn  steinom, 
gilot  at  gleri  ordit,  rodit  1  nyio  nauta  blödi. 

8.  59«    dem.  Uit^  I4cua  entspreche   gotb.  Uniha,  das  auch  durch 
•hd«  löh^  «g».  kdh  bestütigt  wird. .   daa  engl.  Uy  gebt  aebon  in  den 
~  ifoajwieae,  .{^d  über,  jundf  ascb  d««.  aki«.  %,  Mkm.  Mr  iat 


*UMn^ß^$  .1203 

ii^leifili  Imia,  «ne  «Bd  wiese,  niclil  hHoU  <lev  weld,  «och. die  wald- 
aoe  war  gÖUero  heilig. 

fl.  00.  4eos  nemorm  ineolere  penaasani  habe«!  (Semogitae). 
JLasicx  46.    Jiabitarunt  dt  quoque  ayhag*. 

s.  60.  Tacitufl  worte  darf  man  sieht  anders  nehmen  als  tie  lau- 
ten, zu  »einen  tagen  besafs  Germanien  keine  meister,  die  tempel 
gebaut,  bilder  gemei£ielt  bitten ;  da  war  der  hain  aufenthalt  der  göt- 
ter  und  ein  beiliges  zeicben  Tertrat  das  bild.  Moser  %,  ^  will  die 
stelle  so  fassen,  dafs  man  die  allgemeine  Tolksgpitbeit  nnaichtbar 
verehrt  habe,  um  nicbt  der  landscbaft  dureh  Terleibung  des  tempels 
einen  Torzug  zu  geben ;  besondere  götter  seien  aber  abgebildet  wor- 
den, diese  yorstellupg  ist  an  politisch  und  schon  der  damaligen  ah- 
gescblossenheit  der  volksslämme  unangemessen,  ohne  Zweifel  er- 
wuchs auch  der  gegend,  wo  ein  götterberg  lag,  ehre  und  heilighält 
daTon » .wie  z.  b.  den  orlern  Rhetra  oder  Loreto ,  weil  sie  das  slavi- 
sche  heillbum  oder  ein  marienbild  eolhielten;  das  hinderte  nicht, 
dafs  anderwärts  derselbe  cuhus  sitze  gewann. 

s.  66.  leicht  ist  Übergang  von  dem  begriffe  des  waldlempels  auf 
den  einzelnen  göttlich  Yerehrten  bäum.  Festua  ha^:  delubrum  fus^is 
deübraUis,  ouem  Tenerabantur  pro  deo.  die  namen  einzelner  bäume 
aind  zugleich  namen  Ton  gdttionen,  z.  b.  alta.  Hltn,   Gn4. 

a.  67.  den  Polen  hiels  der  heilige  hain  rok  und  wroe9ifMkQ,  Tgl. 
rosa,  roschlscha  hain.  drohte  feiodes  einfall,  so  schnitt  man  gerten 
(wicie)  des  hains,  und  sandte  sie  den  nachbarn  zum  aufruf.  Mickie- 
wic»  1,  56. 

8.  74. .  Folcuini  gesta  abb.  lobiensium  (um  980)  b.  Pertz  6,  55. 
est  locus  ubi  inlra  termiuos  pagi,  quem  veCeres  a  loco,  ubi  wper^- 
iiom  $eiUUiUu  fanum  MarA  sacrtweratt  Fafmm  martin$e .  dixerunt. 
Famara  ^^  Hepnegau,   unweit  Valenciennes. 

a.  78.  bedeutet  hanui  wald,  fels,  karuffon  priester,  ao  gleicht 
das  ir.  earn  steinbaufe  und  cairtieae  priester.    O'brien  77*. 

s.  79.  in  Ulrichs  Lanzelet  heifst  ein  abt:  der  ^%toU  nuLn  4613. 
4639  TgL  3857  und  4620  (ftwarte,  4626  priester.  dazu  gehört  aber 
Sm  gHote  frouwe  (a.  401)  d.  b.  ursprünglich  bona  socia,  so  dafs  auch 
in  dem  guten  mann  etwas  heidnisches,  ketzerisches  durchblickt  das 
heiraohen  ist  in  der  tbierfabel  ein  geistlicher  und  beilst  Reo.  8125 
freudmnsy  und  Frobert  ?==  Fruotbert 

8.  81.  equo  vehi  Qamii^i  diali  uon  lioebat,  ne  si  longiua  digre- 
deretur  sacra  neglegerentur.  Festus. 

8.  82.  noch.  Ton  mhd.  dichtem  wird  goUi  friunit  goies  degen 
einsiedlern  udd  mönchen  beigelegt  im  Renner  24587  heifst  sanet 
Jost  'heiliger  goies  kauhi/ 

8.  83.  klöstern ,  aber  auch  landroeiern ,  zumal  inhabern  alter 
freibtitten  (s.  75)  scheinen  noch  im  HA.  einzelne  recMe  zu^ndig, 
die  sich  auf  den  tMeidnisehen  fniesterstand  zarückleiten  lassen,  wt>- 
Ton  ich  bei  abhandlung  der  weisthumer  attsfnhrlich  reden  Werde;  So 
•oUen  sie  für  die  fanle  mark  einen  keßael,  oder  «n/t  ndd  gewiekif 
samemlich  aber  di«'  »uehi  oder  wmeherihiere  halten,  -denen  öberall 
grofse  |OB«r  ermaen  wird. 

a;  §5.  •  wie  Gasaandra  den  Untergang  von  Troja  f  erkunden  unire 
Weissagerinnen  das  ende  der  weit  (s.  773)  und  Tacitus  ano;  14,  32 
(»ritiscfoer  driMfdinncjn  erwähnend:  feminae  in.fnrore  turbatae  adesse 
.tasUium  cimik^^'»  Tgl.  14,  30«  m  Völuspä  liegt  .uns  aber  das  erha- 
benate  beispiifl  Y^r. .      .    .... 

76  • 


priesterlichei,  miin  erwäge  ihre  juiigfrSalichk(4t''(fc^.^  390).  ' 

'-».91  M» /brMtidiefi'ftdtaeil  äi)l1i\«n  «tt^Mtsoklfdll  ekilifeiftiitche 
götler  zutraute,  folgt  aus  os]^.  tO:'Uliiie''et  «««ertf^^t«»  kjolNorilm  tK- 
^i/iNi  titui  pfii  y««ab«rtlttlr/'  9«bi(6  patefuclU  pToHAl  ^m  citbfris  et 
>  TeMibuflr  cand^dift 'db^ad  Mtlt>  tffft^i  pMetnvi  SHi,  W  fiibi  profntü 
Micedones  repdlereni  ytic&  Aupplid  tnödaltfntel  was  bier  feotn 
l^utide  Kegt,  lalfti  den  wabftHi  Göth^n  bogftrf  ^dfi%  fremd  sefin,  und 
docb  ^ibt  «Ich  daraäs  dba  Jornandeti  tusi^bt. 

s.  94.  lelt.  ttks  gatfee  Udd  elba  tikzib«,  glaube  an  jgMzeii,  ab- 
gdtterei. 

8.  95.    Ariboilis  tita  «:   BmmeririmMi  t^dla  sanct.  sept;  6«  483): 

-  *fradidero  te   genti  Satoouid ,  ouae  foi  idbh^m '  tiklt&r  eaiUHf,    vm- 

'  abweisbafeif  zteugnis  d&Mr,   dafs  die  beMoisi[ib)!ii  Sabh6e^  ftn  aebten 

jh^.   (der  freisingisdie   b^cbof  Aribo   fälK   ili  'die  jähre   T94-^7fö) 

tü/bfn  ähgffttem  dienten. 

s.  102,  7.  skvrda&i  in  den  atig^tibrlieii  «tdlen  fsl  ein  göHerbtId 
tind  tiinif  ein  Itknesfi  ^les  Fre^r;  Blöi^  bat  ^4rgo(t  fdolum,  scul- 
ptiie,  von  sktir  sttb^rundium,  wdt  es'  glf^ich^am  ibscfatoilter,  iftiter  dach 
gestell!  werden  inttss«,  wbzu  die  «hd.  gl.  iftür^tf'lat^  (Graff  6,596) 
zu  passen- st^bt&inf.   doch  ileiii  attn.  ftliArgonf  mang^t- tl^  nihere  ««is^lfn. 

s.  102;  6.  Aber  netiftdb  «üfgefundne  OdiVisbilder  s.  näditrag  zn 
s.'184'.  i^t^die^.  501  gedachte  bitd^eüle  Mnea  ilbrfyert  htufteAde  er^ 
inneHing'ait'^ii'h^idtfisebea  g&t^enbitd?  ' 

s.  103-  die  aus  M^on  und  Maerlant  angeführten  IMWiebsügen, 
ftn  ^rtind  eiderlnii,  sitid  sebr  verNcbie^fM  ^ewebdcft.  nath  der  leuten 
l*fe4lT  ein  jtinglikig  'beim  bdispiel  d^n  ring  yöxA  Brtger  dnd  steckt  ihn 
•'aä'die  hattd  eines 'Ifarienbilds,  naifrfa  der  ersteit  legt  einer  zu  Rom 
im  Golosseum  den  ring  beim  flifQs!%anipf  ab  untt''in''den  finger  eines 
heidfli^t^en  bilde»,  das  ihn  eitikrihiimt.  '  bei^e  bfl<lef  machen  dod 
die  yerlöbnis  geltend,     das  liltfrUbZ.  gedidht  l&fet  aber  dbn  gequihen 


tithtet  diese  Rabelais  ^n  er^ignisr  des  1}  Jb.,    eita  eiMmann  Meekt 

*  befm 'trallspieleti  lieb  ^ix^  atf  den  fingtf  ehrar  zbbh>cbft]eti  Vena»- 
bildseule,    und  erlangt  ihn  nur  miV  hilf6  ein^s  zaübeHdlndig«!!' prith 

'isters  Palämbu^  witidef.    IWe  «ärge'irak', 'W2e "äan  <i6H  früh  yerbrei- 
tet^  ursprünglich  aber  undeutscfar.  >     - 

's.  IO4.  ..Mder' Yoh  Frear  und  Tborj/Prigg'  uW^re^Ja  neben 
'(einander.'    Füllers  sagabibf.  1,  92.     ' 

n    a«  10$* .,  dafs  Otnin^  in  A^hrepi. fegenden  forkpoimt  2eugt  fär 
eijD^  allgemciaeren  begrif,  es  is^  wie, 4^1-  *»>  ^od  fairguni  der  hei- 
lige berg  und.  wald.     Ledebur  hält  den.  Teutoburgerwam  für  Osaiog. 
oOffuvk^ruiski  ^nebniggi. scheint  oali  T€;n^apdt. 

a^  114*.    da»  alt».  •  «ummmEb^  kt  berrorzuiicbgany  d«  aonet  lieber 

!  a41  als  aunila  gusagt.wird,  aonniidagr  laelmint  tos.  dea  bek«lii;ean  dev 

Sprachgebrauch  der  übrigen  Deutschen  iiaohgeahät<>  •  toU«Qdam«{i 

•  das  sch^ied.'  dXn/  tdtaäatf  (statt  aoldag):  .iua;  iMer  «ptatldautaclieji  form 
entipniBgien  mm.- 

8.  tf  5;  Jos.  Mchk  gesch.  joid  Maitiz  2;  27  ff!  (iMpfert.  %  m.  ^) 
beschreibt' elneutömiiicbetanindMi  altar,'  Vifhfsclieiislfet  am  dem 
dritten  oder  yierten  jb.,    an  welchem  die  sieben- 'WoMÄwl^ggdller  (1 


.4 


fhfmnh  9t  Apollo». 9  Djaim  4  HWf  ^  Mercur,  6  Jipitcf  ».T.Vjjdqb) 
und  9ßi  Mhler  »t^Ue  ein  gßiuitt  auigeliAa^ii  siod.  ...  1 

...  8.  tl8.  auch  die  Finiiei^  hüh^n  I^Aupgck«  (halhe  yo<;liQ  von 
keski  mediam),  wie  SlaTen,  Litthauer  und  HochdiefiUc.he..  efi  wto 
•iicfil  unwiifbUg  «ufizpaiueli},  wann  sueiwt  und  4|os  Wlcboruiißache 
nRcbdeitaGhe  tM9d  Sln^eir  die  absiraclfl.  bepeiiQung  miUawooh«  upd 
sreda  (böhm.  atreda)  ai^fuMeiit  «libi^nd  Niddeideutsche  und  Hor 
nanen  Wodapnwid  Mßccur  babieken«   :  .       . 

a,  (20.  9tn  friea.  gott  ITarM  isl  einfältig  ^acb  den  geo,  in  der 
jKuaaaaqieiiaoCzqog  Warosdei,  Wernadei  (Ricbib.  a.  tt42)  erfundep 
wi^mkt  wo  W^roa  deuÜAcb  ana  Wadena,  Woden«,  das  r  aua  äniitora 
dea  d.ao  a  en^praag;  kaum  wird  aich  eio  00m.  Wern  irgend  dar- 
Jiieten,  ancb  aprecban  die  h<^iUigao  Westfrieaen  Wansdej»  die. Nord- 
Drieaeo  Winadei,  ohne  aolcbea  r. 

.  a.  120,  23.  Wnotan  mng  der  aUdurabdringende ,  webieade  geial 
MB  (dpvm  ire  per  oiimaa,  Virg.  &eorg«  4«  220),  aber  die  gleicbatel- 
lm%  der  woprte  waUio  nad  vadere  war  verifebU. ;  jenem  at^bt  kurzen« 
diesem. langea  a  z«,  mii  radare  läfai  Mcb  das  ult«^  aga.  gei^ti^a  zu«*- 
/mmaouan  bringen, 

8.  121.  Wadam  acbeint  noch  im  auarnf  des  niederd^  Tplks  ala 
boUiayerung-  oder  fluch  zu  leben»  ao  in  Westfalen:  0  Wtnuh^,  Wuo^ 
dam!  Firroewh  I,  257.  260;    in  Meklenburg:    Wod,  Wod!    (8^680). 

a.  122,  Goifried  Ton  Vit^rbo  (b4  Piatorius  ed.  StruTe  2,  305} 
liat  die  sage  aua  Paul  Diac»  mit  enUlelUen  namen»  für  .Wotan  €iadam, 
fnr  Frea  Feria,  bei  Godaa»  oder  Votam  denkt  er*  hernach  aq  das 
(d?ii^che  goi  (deus).  Der  scltaamei  Jikclacw  hisloriographus  geb«t 
deuüii;h  aus  dem  *hoQ  loco*  l^ei  Pantna  K^Tor*     . 

a.  125,  19.  auch  Ms.  2.  2541^;  <^  biüa  wirf  ich  i^uMegä  dir'; 
rtMeg^tf^urf  gleicht  dem  i>ei  unaei^n,  yariabnen  so  einOuCsreicheo 
liammerwarf s  und  siaga  isl  ahd.  malleus  (Graff  1$,  773). ,  auoji  'M^. 
2g  .6^ :  nut  einem  9kgel  er  zuo  deip  t^iffde  warf. .  der  Tpm  bimmel 
l(e,worffie  scblegel  wird  also  nichts  als  ein  do^n^rkeij  .^j^in  und  das 
drttokle  apri^^hwi^irtt  'swer  irrn  ,ri(«  daz  'der.  d^n  ile^er.iqnde*  Par^. 
J60v  \6  bezieh  sich  yieVeicbt  auf  einen  schätze  anzeigendejy,  heil^- 
briv^endefi  dpnneratein  (0>  L64),  der  .nur  ZDÜUig  waldverirrten  zv 
JMuiden  koifmt,  weaMb  fucb  Walfr^im  baumsMlmme.  ^pte^  welch^ja 
4er  glücksatein  yorriigt-,  s)egeU  Urkunde  und  zil  nennt...  "  ,  . 
.    :  9.  126,  t-'.evien  Dakamu^^  dojsAtor  bonorum,  nenpt  Xra8icz*47. 

-'      k.  126, .27^4    alln.  OiAein  fradenname«  Ibraim.  aftg.  1^  246^ 

8.  127.  'auch  in  tlartoianns  rweirem  bdch).  113:  mtt  hat  der 
^W^iMth  geflUoehet  Engelh.  579:  'ez  bAt  ze  stnem  teile  d«i*  Wkfath 
Vergezzen  fiii^ttder.  4703 :  ^z  hMe  an  Ki  det*  Wwi^h  geleü.  aeiien 
über  die  mhd.  grenze  hinaus:  an  yr  yst  Wensches  Tlyt  geleit.  Habpts 
xteittchr.  3,  221 ;  mnt.  getiichte  Mdttin  ke}iie''pl<rsonifi(iatidn  Wunsch 
itar.  auch  die  NHi:  uüd  Gndr:  keinen  Wnnsd»,'  aber'  WolM.  97Ü 
«dtfi  mitffdkef  Mein  amte*.  /     •       « 

.  8.  132.  alts.  aod  suoki^n  Bei.  l74,  .26;  fadar  t^ohiän  Ifel.  143, 
23;    dpftdash^m,   liobt  odar,  sinllf,   godes  rlki  suokiW  Hei.  85«.  21 


1.7,.  17,  63,  |4.    137,.  16.  .176,  5;  ygLnacblrag  zu  s.  7BÜ 


■^•dWI  Wni''     ".•..     I    ..>♦•''•     '    i'    i     i  '.  •    «»■»'•    «•    Mni  ^    •!{!  I  .''      .1'  '  'j 


1266  HaCHTIIÄGB 

1. 134,3.    Röthbarf  habe  ich  zwar  toiitt  auf  Thor  ge^eoteti  doch 
fornald.  sog.  2,239—257  imGrani  und  kavdgrmU  ausdruckfiicb  OdiDD. 

a.  184,  5.  Sigmnnda  schwert  bricht,  als  er  In  Odins  apeer  haot 
V6la.  aaga  cap.  it. 

a.  134.  dem  Oswald  fliegt  aein  ra5e  auf  ($ch9d  und  arm,  749. 
^A%  nnd  Oswald  redet  mit  ihm  (95.  96).  Neulich  sollen  in  Dlnmark 
und  Schweden  abbildongen  Odins  gefunden  wofden  sein,  die  man, 
wenn  etwaa  seltsame  nacbricbten  gegründet  iind,  bekannt  zu  machen 
nicht  lange  slnmen  wird,  ein  bauer  zuBoealund  auf9eeland  pflügte 
zwei  goldne  mit  asche  gefüllte  umen  aus,  oben  am  deckel  flodJet 
sich  Odifi  stehend  mit  beiden  raben  auf  aetnen  achuhern,  den  beiden 
Wölfen  zu  aeinen  fnfsen  in  getriebner  arbeit  abgebildet  (kunstbl.  1843 
no.  19  a.  80^)  beim  dorfe  Gömmraga  auf  öland  worden  ebenfalb 
goldmunzen  entdeckt,  deren  eine  OcÜfi  mit  den  rohen  auf  der  sehal- 
ter tiarstellt,  die  kehrseite  hat  runen  (knnslbl.  1844  no.  13  s.  52*). 

8. 136,  33.  ea  heifst  '{»aer  ofl^<f,  ^r  ofreiat,  f>»r  oflnigdl  Hropti^, 
die  las,  schnitt  und  erdachte  (bedachte)  Odinn.  auch  snorri  sagt 
Yngl.  cap.  7 :  *a1lar  besser  Idröttir  kendi  hann  med  rümtrn  ok  liMam*. 

a,  139,  10.  achon  Caesarius  heisterb.  8,  46  stellt  beide  formen 
nebeneinander:  'CrtulSfM&era  tel,    ut  atii  dicunt,   Wudiniherg\ 

a.  140.  Woensel  :=z  Woedenssele,  Wodani  aula  liegt  unweit 
EindhoTen  am  Dommel  in  Nordhrabanf ;  eine  merkwürdige  mir  ton 
J.  W.  Wolf  nachgewiesne  stelle  darüber  findet  sich  in  Gramajes 
Taxandria  p.  23 :  imo  amplius  supersunt  aperte  cjmbrieornm  deornm 
pagis  aliquot,  ubi  forte  culti  erant,  indita  nomina,  nominatim  Mer- 
curii  in  Woemetf  honoris  in  Eer$d^  Martis  in  Roysei.  uti  enim 
Woen  Mercurium  eis  dictum  alias  docui,  et  eer  honorem  esse  omoes 
sciunt,  ita  Roy  Martern  a  colore  sangoineo  cognominatum  ostenduot 
illi,  qui  tertiam  bebdomadis  feriam  Royäaeh  indiffitant  auf  Eenel 
und  Roysei,  die  in  der  nahe  ron  Woenael,  aimdich  in  dem  nord- 
brabintiscben  district  Oirschot  liegen,  werde  ich  bemach  zurück- 
kommen, dies  gleicht  den  s.  144  anffeföhrted  Odinssair,  Othfiosile, 
Onsala.  Wunstorp,  Wunsdorf,  stldlcnen  und  stift  in  Niedersacbsen, 
heifst  in  einer  urk.  von  1179  (bei  Falke  trad.  corb.  770)  noch  toII- 
itflndig  Wodenstorp,  Bei  Windbergen  in  Ditmarscben  fährt  ein  platt 
an  einem  gebölze  den  namen  Wodendag^  Wonslag.  Unweit  Ha- 
dersleben.  in  Schleswig  sind  die  dörfer  Wontbt^ ,  IfdHsM,  ffoyem 
froher  Wodeneyen.  Efine  ags.  urk.  ton  862  (bei  Kdmble  2,  73)  lie- 
fert in  einer  grensbeatimmung  den  anadmek  Vdneioe  z^  YSienei- 
afac,  Wodani  atipea,  und  yerrith  uns  zugleich  den  eioflufii  des  got- 
lea  auf  die  alte  grenzroesaung,  Wuot#n,  Hermes,  Merour  scheioea 
foUheiten  des  mafses  und  der  greni«.  Tgl.  WoedeniMpanme ,  Woenttd 
(a.  145). 

a.  142.  bei  Situna  in  Veatergötland  liegen  schöne  wieaen  Om- 
dNifama  (Odenaingar)  genannt,  auf  welchen  des  gottes  pfarde  go" 
weidet  haben  sollen  (Afzelius  I,  4).  in  SuddeutacbJand  enihlt  maa 
Ton  des  hurgherrn  weidendem  schiminel  (s.  884). 

8.  142.  143.  zu  fru  Wode,  Waude,  Wanden  Tgl  fru  Oaue 
8.  231,  fru  Ganden  s.  877. 

s.  147.  ein  gegensatz  zwischen  Oäinn  und  Th&rr  ist  recht  ber- 
Torgehoben  in  der  s.  818.  819  ausgezognen  sage.  Da  aber  Tbdrr 
als  Odins  sobn,  als  dessen  yetjnngung  dargestellt  wird,  und  beide  in 
Zeus  oder  Jupiter  zusamtneufaHeo,  müssen  -sie  oll  in  einander  auf- 
gehn.    Wenn  Odinn  in  den  eddaliedern  Thmndr  beifat  (Saem.  28^  47*) 


«AcanvÄiit  mi 

so  kMd  dt»  TOD  «iaenk  ^«rbriien  fiyajii'  =ac  agli.  j>iiii>iilk ,  lObtro  ge- 
kftite«  iv«rdeii  nnd  gitkhfM  mk  Donar  mIb.  iwar  deiiKil  inatt '  buBd^ 
Urioattts  Ton  j^oa^^  lonaä.  Waotan  iat  als  Viftaia  dat  rau^ichei  de^ 
kill,  «i4  wir  flaheo  ihn  den  achlegel  worfea,  wieThAkr  den  Ikanmer. 

t«  148l    daa  gr.  f»h0^  wflre  goiobiekl  dia  badeotattgto  rout,  wat, 
waaaeh,  wilie,  gadaarka  au  TereHiigaa. 

a«  148l  aa  daa  batoaaieii  des  Tialgawandeilan  gMtes  Glogriidr, 
Veglamr  stiraoit  vku&r  initfetmt  bot  Saio  45.  In  der  HeHh  dea 
Fbal.  Diae.  1,  9  (Tgl.  a.  109.  123):  *Wodaa  aana,  qaeai  adjacla  lilera 
Ciwodaa  dikeront,  ipaa  aat  oui  apud  Rofnanoa-Mercariua  dlicüur,  et 
ab  uatferaia  Germaariaa  genlibiia  al  deoa  adoratur,  qvn  »on  oin^abaee 
taai|»ora  aed  looga  amerkia,  nee  in  Germania  acd  in  ßraeeia  fuiaie 
jperbibeUir',  will  nrao  daa  fetsta  qai  aof  Mereurina  atatt  auf  Wedaa 
siaban  <Ad.  Sebmidta  teitaehr.  1,  264)«  und  damit  gieilge  daa  ein^ 
atiaMDea  dieaer  naehridht  iv  Snorri  and  Saxo  rerloren.  Dem  Paulnä 
war  es  mn  die  abgeaahoiaekibeit  der  1,8  erxihlten'  Yangobaird*  sagife 
an  tboo,  deren  anbialofiacben  grand  er  daanit  aaMeckt,  dafa  aur  teil 
janea  ereigniaaea  xwiscben  Wandalen  und  Winilen  Wodan  nicht- fia 
Gennanicn  aondem  Grieobenland  geberacbt  babe,  waa  ibm  ans  andern 
aagän  bekaanl  aein  konnte,  und  mer  oben  dw  merkwnrdige  Ist  die 
aaeianag,  dafa  Maranr  aof  Griechenland  einausehrinken  aei,  wurde 
weiter  reiehea,  and  nicht  blofs  den  heidnischen  glauben  der  Dent- 
achen  aondeni  audb  der  Itomer  treffan.  beidniaohe  aötter  galten  aber 
fnr  allgegenwirtig,  wie  aaboKi  daraoa  folgt,  dafa  nuotansberge  an 
▼ialea  örfer»  «dea  ganaen  landea  angenommen  wurden,  die  aemein- 
aohaft  dea  goMea  nnfer  Deötachen,  R#mern,  Griechen  gab  ano  kei- 
•aa  aaatofa. 

a.  149,  13  ober  Odiiff,  (Mi  vgl  a.  20.  341;  Odind  heifat  alda 
OmOt.  Saim.  93l>  951>. 

a.  IdO,  11.  Odiiin  fainn  ^mU.  Yngl.  cap,  15,  wie  der  oAe  gott 
(a.  19)  uad  Tb6rr  altvater,  graforafer. 

a.  151.  in  Th6rr  darf  nicht  RR,  blöfa  daa  erste  R  (da  dasaweke 
ieuTiacb  iat)  aoa  NR  gedealet  werden ;  ea  iai  alao  ayncope  dea  N 
TOT  R,  etwa  wie  im  mnl.  ere ,  mire  f.  4nre,  mlnre. 

a.  152  auch  Ogier  10915:  lor  poina  deterdeat,  lor  panmea  \oat 
balant,'  ni  oiaaiix  nia  ame  dSea  tmuuU;  und  Garin  2,  38:  nea  dieu 
iMMianl  ni  poaaiei  oir. 

s.  153.  man  wire  rersucht  daa  luakiacbe  Tina  =a  Jupiter,  ta 
Taaaana  ood  Donar  la  atellen;  richtiger  fügt  ea  aidb  lo  Zijt  (s«  177). 

a.  153  Gnniach:  Motiiefi  pänee  (Renral  118*)  der  Täter  donoeft. 
^a  Finnen  bedeutet  dUb  proaTua,  senex  und  iat  bisinamcf  der  göiier 
Wiittimöinea  uad  ilmarinen.  Ultko  bezeichnet  aber  auch  für  aich 
4ien  donnesgolt  (a.  160).  den  achwediacben  Lappen  iat  a^a  aowol 
a^ua  ab  tanitroa. 

a.  154.    J«y»ftr  äpeiMtiHM.    MicaH  atovia  131.  135.  ^^9  nai^^tUn 
.^s,  Heaycb«  •- 
t        a.  155v    TwmMH  aehreibt  Jnatingers  Bemer  ehren,  s.  50. 

a.  \%%    bobm«  box]  posel,  gottea  böte,  blitzltral. 

a.  164.     engl.    ikmndwhoU;    achwed.   Tkort   ti^§e^    dlin.  tor4mr- 

kiU  iordemtfaüle,     mehr   dairon    iat  cap.  XXXVll   s.  1171   nachge- 

.tragen.  •   tm  Miölnir  mnfa  auch  die  femig«   moA  eiher  a.  773  ange- 

ührten  aga.  atelle  gehalten  werden.    Dafs  bei  dea  douner^otis  bild- 

aenlen  der  hawmxt  unrergeaaen  war,   scheint  sieb  noeb.<aus  spitem 

ignia  ao  argeheo  (a^  501).^ 


»  > 


1208  lucmnAfis 

1,  ifia  Bmk  littk.  siMMmI^kq  294«ilVrftim^  ^if$  tut  hhmm/^^ 
siege  ap,  der«uch  die  beii«iiouii|}  tikl(  Ullis  juttekt.  Keenee  ^MilHeitiii 
1,  439  will  doumm-Ußjiipferd  f&c  die  siege  sdliei«  ilicMt  für  deo  fO|el 
in  «ospructh  nebiBfn,  ^«i  begUuiHgimg  (e^rden»  .«bertvilHMnieea 
wire.  Der  mjrthoB  toq  des  g€$elUa€ÜeUn  ^  .  durch  hawmerweihe 
wuderbelebien  bdcken ,  Ton  dem  UigUcb  geeeltoeA  und  auigeiellifait, 
jeden  «bend  aber  wieder  fati»  trtnieiHl^  tiim^  fohrlmnip  ■  (Sm  42) 
acbeiot  in  mehr  als  einer  gealelt  wiedeTKulc ehren«  Wolfs  Wodaot 
ff.  XXVlll  bringt  aus  Barihol.  de  Snina  (f -t54&}  quaeslio  de  slngi* 
bns  folgende  aielle  tou  hexen  in  Ferrara  beit  diovoi  etiank,  qaod 
peelquam  comederunl.  aliqnem  pioguein  bnTem.  Tel  ali<funin  fegelem 
fioo  TeX  arcaoi  seo  cophinum  panibna  eyacilaruntt  et  cotiittnipaefuot 
•a  Torantea,  domina  iUa  fereutit  mmrea  mrgaf  (fiiMii  inaoii  gesiat,  ei 
TaM  Tel  loea,  et  stalim  «I  prin»  plena  #nnt  Tini  Tel  penia  «c  ei  ai* 
hil  inde  fnisset  assuoiptuiB.  simulier  c^ngeri  juhu  o$§a  avtnMi  wor» 
Im«  batU  Muper  corwm  ^W  ecptenmm  ipsumque  per  quaUMr  -partM 
•uper  oasn  reTOlTena  oir^iafiie  perctiliefif ,  emmi  bm>€m  retUüf  nt 
prius,  ac  redueeodum  jnbet  ad  locun  auum.  Das  teuflische  beaen«> 
nahl  läfat  sich  gut  xu  dem  des  donnergotts  halten*  £s  Tiind  eher 
«iQ^h  in  legenden  erzählt ,  dafs  der  heilige  den  aufgetthriem  ■  Mn 
nach  der  mahlteit  eua  den  knoohen  wieder  belebte»  und  schon  pCisiB 
Amis  nutzt  diesen  glauben  um  einen  betrug  zli  spielen  (s.  969  ff-)* 
folkssagen  lassen  einen  sauberer«  wenn  der  fisth  gegtu^  ist»  dis 
gräte  ins  wasaer  werfen,  und  den  fisch  Ti>a  neuem  lebendig  werdea 
Wie  bei  diesen  apeisen  erfolgt  in  «mlern  sagen*  die  erweekung  ser- 
slückter  menschen  im  märchen  Tom  If aehssdelbom ;  im  mylkua  tob 
Zeus  und  Tantalus,  wo  die  tou  Demeter  Terzehrte  scbulter  des  Fe*- 
Jops  (OTid  6i  406)  an  des  boeks  serspaltnen  scbeiikel ,  der  nun  Isbm 
bleiben  mufs,  gemahnt;  im  mjthus  Ton  Osiris  inid  dem  heil.  Adal* 
.bert  (TesMlie  a.  33)  TgL  DS.  so.  .02  und  ^eoh2d<37.  auch  in  der 
finnischen  achten  rnne  sammelt  Lenuntokämrens  mutter  SUe  güeder 
seine«  serstäckten  leibs  und  beldit  aie  Ten  neuem:  Das  legen  der 
ebgehaonen  häupter  su  den  roinpCeo  im  Waltbarius  1157  (egLs.  93) 
scheint  känftige  Wiederbelebung  anzudeuten  und  stimmt  so  einem  sog 
in  den  norske  cTentjr  s.  199.  20 Iw 

s.  169.  TKunresfeld  in  ags.  uiL  bei  Kemble  2,  115«  193.  272. 
Thorsborg  auf  Gotland  im  Gutalag  s.  107.  260.  7M»  nes  Eythj^ 
«ags  cap.  4. 

8.  171.  sus  LsndnAmsbAk  wfire  noch  manebes  uberTkomcallos 
anzuführen I  j^ar  stendr  enn  Tkön  stemn*  2«  12;  g^nga.  tu  fr^Ua  Tid 
TkSr.  3,  12;  rAdrr  wird  sameist  Tcrehrt,  4ai»  Frefßr  4,  7  und  den 
•entsprechen-  die  eigennamen .  Tkdrmdr  und  Freyvüw  in  einem  ge- 
aehlechl,  2,6;  bedeutet  difesea  vtdr  arbor?  un4  .etwas  pricsterlfichea? 
nie  begegnet  Odiuvidr,  aber  ein  Tfpidr  ist  s.  1144  als  pAannensasie 
beigebrscht  Th6rs  hammer  hatte  die  mäsk,  die  ehe,  die  runes  (wie 
auf  den  steinen  ausdrucklich  gesagt  wird)  zu  weihen.  Ich  habe  cap. 
XXX III  gewiesen  t  ine  vielfach  Thbrr  in  den  teufcl  der  Christeo 
öbergieng,  und  es  kann  nicht  befremden,  dafs  er  zngieicJi  etwas. plum- 
pes und  riesisohes  annahm ,  denn  such  der  riese  ward  sttm .  teufeL 
äer  feind  und  Terfolger  aller  riesen  zur  zeit  der  As^n  (Si  503u  512) 
ersohien  den  Gbnslen  selbst  sIs  tölpel  (dorper  s.  501)  und  wirft,  mit 
den  riesen  steine  um  die  Tfelte  (s.  512).  Aber  ssboii  in  der  edd^ 
t sehen  ThrjrmsqTids  ifsl  und  Iriidbt  Th6rr  onmilsig  wie  ein  riese,  und 
die  norweg.  Tolks  sge  ISfst  ihn  auf  der  hocbzcit  tonnen  biers  sn- 


NAGHTRÄftB  1209 

(Fa)ie  fl.  4).  Umge^biiit  Tkrpm^^^.si^  gnU  rie«e  «ekog 
d«ili  naüe*  aaeh  ein  Donar  (■.  499)«  .  Sehr  «mgebreiiet  im  Nor/deo 
wr- die  nrnnttiige  Mge  Tom-.boJNiKgsgubbe  (borgminn,  riesan)»  dea 
«4  Mai^r  .maDn-  sn  geiatttr  bittet  »•  der  aifib  aber  xa  kemmeq  wei- 
geri.,  als  er-lMMt  daüi  a«ck  Thw  Oder  Tardmweir  eingeladen  eei 
(a«^Oä)t  doch  aendei  er  rewbes  gesebeilk  (vgl*  AfseUas  2,  158.  Mol*«, 
becbi  eyentyr  no.  62,  F.  Magn.  s.  935).  bei  aller  abveicJiung  er^ 
sebeiat  in-  der<a«lage  dieaer  fabel  l^wiaae  limliehkeit  mit  der  vom 
gfivalter  tod  (a.  8t  3X  ^  *u^h  der  tod  ein  teulel»  Celglich  rieae  ist. 

a.  180.  mit  iroit  gröfaerea  reebt  ala  der  Pariaeir  mofia  Marti« 
gelMtet  hierher,  «las  fmtum  Matiu  bente  Femara  in  Hennegau  (nachtr. 
zu  «.  74),  *neb  Herrn.  fiftiUer  das  altfränk.  Ditbar^um  (oder  Disbar-> 
mn)  in  temiiao  Toriiigorum  hei  Greg«  tur.  2,  9,  Cblodioa  eaatellum. 
Vm  wäre  latimaieri  für  Tia  ax  Tire»  and  hönoite  an  Diepitar,  Diea« 
piter  gemahnt  haben,  kein  ähnlichea  galliaobes  wort  leitet  auf  Mars, 
Had  )die  gkagend  iat  grotidfrinkiaeh,  Liphtiaae ,  wo  nns  Sa)in6t  neben 
Thanar  und  W6dan  genaaat  wird ,  nah-  dabei,  wegen  EreMberg  und 
Mtrihtrg  a.  182  balie  ich  die  ilteaten  arkoodea  hei  Seiherti  aafih^ 
ytorglieheaw  ao;  II  a.  9€2  gewihr«  Eresbarg;  ao.  25  e.  1030  scban 
Iferehaig;  1,98  a.  1043  meaa  Ereabui«;  no^Sl  a.  1 150  m«na  Bre«^ 
barg;  no.  70  a.  1170  mona  Ereaberch;  no.  85  a.  1184  Hereafeurg; 
»e.  115  ki  1201  mona  Marita:  no.  153  a»  12.19  Mersberch;  no.  167 
A.  1222  Elreahetfcli  oo.  179  a.  1226  mmia .Marti«;  no.  186  a.  1220 
mens  Heresberg;  no.  189  a.  1230.  maoa  Martis  und  MerabenL.  mom 
Xarla«  warmer  gielehrte  aäme^  Mersberg  der  yolkamfiisige »  Ereaberg 
der  älteste,  da  bald  roons,  bald  castellum  gebraucht  wird»  sind  berg 
Ußd  hu^g  gleich  gerecht.  Widakind  2,  11  ond  Dietmar  2,  1.  schrei- 
hea  iferaaM*^ ,  Eregburchy  ala  mb  die  eiaaafame  dea  Offts  im  j«  93$ 
Btifihlen.- 

a^  183«  aiaa  keaateauf  dea  gedenken  fallen ,  in  Mrlta^  aei  die 
Erde  nach  den  a<220  aagspgehnea  formea  gemeint  allein  die  au<» 
«icht  der  allein  aetate  die  erde  in  den  roitlelpuael  der  weit«  nicht  an«- 
.ler  die  plaeelea ,  aie  kann  alle  keinem  woebentag  aamen  ;  gegeben 
fcabea.  uMod  bei  keiaem  tolk  findet  sieh  ein  solebel',  man;  mäste  denn 
Veaua  oind  Freyja  aar  erde  mechen.  Zu  Ertaf^  -tritt  jetst  das  TorhJa 
aaa  Graiaajre  aagaaogbe  ortKohe  Ehtm^  wobei  weder  an  4ra  bonor» 
tDOoh  die  peraDniieierte  Era  (a.  385.  848)  lu  denken  ist,  aoadern  aa 
eiaen  waeheataggolt.  Nioht  an  üherseha,  dafs  iSrlor»  ^rdag  ala 
'maaaaaame  eraoheiaea,  und  das  taxaadrisehe  Eerael  fom  heonegaui«- 
«hea  Tisberg  oder  Fanmara  wenig  entfeitit  Jag. 

8i  185.  die  eingreifende  personificalfton  -dea  sMioaKf  (s.  839) 
steht  der  dea  kammeri  zur  seite,  und  beide-,  •glaabeiehf  beatSrkeo 
einander,  begrif  and  name  Toa  zweia  der:  grofalea.  götler  gehen  in 
ta  werkzeog  aber«  durch  welehea  sich  ihre  mae hl,. bekundet. 

a.  186u  »dieaett  FtaaiMfer«  jgteioht  der  •  tiMüsobe»  erksnameo  Vä«- 
iaadera  liei  Briaea  (nacii  Steub  a.  79.  178  «s  Velnaatris«  Vuloau«- 
turusa)  durch  blofien  aafiall.  ^  - 

a.  193.  dea  Adamua  bremenais  adgabe  toa  Fricto:  *eu^us.etiam 
aimulaohrum  .flngani  mgMtH  miup»'  gewinnt ,  seitdem  WoMT  hi  der 
Wodana  s.  XXI.  XXII.  XXIII  spite  feier  und  bilder  dea  Priäptt 
oder  Tarf  ta  dea  Niederlanden  naehgewieaen  •  bat.  iers .  laotet  ags. 
leert  >  aU.  merg^  aad  Harbort  4054  sehe«!  sich  dea  aaaaen  Xeraes 
aaszuspretkea.  Phailaadienat,  wie  er  anter  fielen  folkem  des-al- 
-lerlhama  Ta^breitet  i#ary  nuifa  aaa'  einer  aahaldloiaa  tamfafnDgi^a 


1210  NACHTHÄeB 

iengenden  prineipt  lierg«leitel  werden  >  die  ein«  spllere  ihrtr  ttede 
b^waste  teit  ingstlieh  mied,  am  ende  Ini  auch  Phol  und  die  nehm 
tor  dem  worl  (i.  209)  soleiien  enÜlang,  obgleich  ich  nicht  wifs 
^alloi  attadräcklich  beraneaziehen.  «la  eher  (■.  948b  975)  geaMbal 
Phol  an  des  Fr6  geheiligtet  thier,  und  et  wflre  nicht  daa  eiostga 
heispiel,  dafs  swei  gÖUer  sich  in  bestimmten  iafaemngen  ihres  we* 
sens  bernbren. 

8.  197  auch  Egilssaga  672  Freyr  ek  NiSrdr  nebeneinander. 

s.  199,  4  Ton  unten:  es  beruht  auf  S»m.  65«  'yid  systor  ^oiii 
gazlu  sttkan  m6g*,  obschon  die  schweeter  nngenennt  bleibt 

8.  203,  22.  in  Schweden  Barire*  in  Sliane  üegt  ein  BaUmt' 
herg^  im  Öttingischen  ein  BMem,  im  Vorarlbeeg,  östUoh  tod  Bre- 
gern,  BMer^ekwang,  doch  fordern  solche  ortsnnmen  Toraieht,  weil 
sie  Ton  minnero  Baldar  und  Baldheri  röhren  können,  daher  ich  mick 
enthalte  noch  mehrere  anEuföhren. 

8.  203,  36.    die  blicke  Wh;  381,  f  6  sind  die  glltef  enden  pfeUe? 

s.  208.  bei  Fkol  dringen  so  yiel  denl«ngen  sn,  dafe  man  sich 
yerirren  wurde ,  durften  sie  sich  alle  geltend  machen,  das  chaMii- 
sehe  hei  oder  hai  scheint  blofser  mehrem  göttern  zuständiger  titel: 
bei  Uranus,  bei  Jupiter,  bei  Mars,  finnisch  ist  paio  feuer,  altn.  hÜ, 
ags.  hal  rogus,  slay.  paMÜ  brennen,  wosu  das  röm.  PdUa  und  di« 
TaHlien,  phMts  wurde  Torbin  erwogen,  man  mufa  sich  torerst 
der  einheimischen  anklänge  Tersichem  bei  einer  gottheit,  die  wir  jetzt 
nur  noch  dem  kahlen  namen  nach  kennen. 

8.  209.  Schmids  westerw.  id.  145  hat  ffotteekgTf  hoüeeker  fiir 
gespenst,  popanz. 

s.  212.  bei  Foseie  iat  mir  ein  «odrer  gedenke  durch  den  köpf 
gefahren,  im  anhang  zum  heÜenbuch  heißen  Eehe^  VauU,  Ahtni" 
rot  brüder.  die  form  Fasai  statt  der  gewöhnlichen  FasoU  l»rancbt 
kein  fehler  zu  sein,  es  gibt  mehrere  ahd.  mannanamen  auf  *at,  alts. 
auf  -ad,  *id,  und  Fasat,  Fasolt  bestehen  nebeneinander.  FataU  (vgL 
nachtr.  zu  s.  895)  und  £cfta  worden  aber  für  göltiiche  rieaen  des 
Windes  und  wassers,  Abentrot  für  einen  dimon  dea  Kehta  erkannt. 
Wie  Ecke  zsz  Oegir  an  der  Eider  und  auf  Läasöe  komte  Fosite  aaf 
Helgoland  Tcrebrl  werden.  Die  übereinkiinft  mit  Fort^H  darf  man 
nicht  fallen  lassen,  nur  die  deutnng  Por-seti,  Forasiie  wird  iiedeok- 
lich ;  ich  bitte  lust  For$-eA  aus  fors  (Strudel)  diu.  loa  <a.  559)  zo 
erkliren,  und  einen  dämon  des  slrudi^,  einen  Fatae^ria»  (s.  461) 
anzunehmen,  wozu  des  Foaiu  heilige  quelle  stimmt.  Jenen  drei 
brüdern  wird  aber  im  heldenbnch  ein  Tater  Neotig^r  (denn  se  ist  for 
Mentiger  zu  lesen)  =  ahd.  Nandgir  gesetzt,  und  gemahnt  er  nicht 
an  Forsetis  mutter  Nanna  =  Nmidä?       • 

8.  213.    MimeUfere,  Lichtenst.  franend.  199,  10. 

8.  217.  Oegir  beifst  auch  Gfmir  Ssem.  59v  G4mk- Sa,  tZH*  163. 
Tielleichl  epulator?  doch  kenne  ich  fdr>  daft  altn;  jgaumr  blofs  die 
btedeutODg  cora,  attentio,  während  das  ahd.  gourna^  diU;  g6ma  cnrs 
und  epulae,  das  a^s.  gtming  cura  und*  nuptine  ausdruckt. 

8.  221.  Loki  wird  gleich  seinem  aohne  Fdnrir  in  feaael  gelegt. 
wie  '•  Hefist  das  net*  für  Ares  und  Afrodite  schmiedet,  bereitet  aoch 
Loki  ein  net»  Sn.  69,  worin  er  aelbst  gefangen  wird.' 

8.  224.  an  mehrem  orten  gehn  noch  jetzt  nnter  dem  Tolk  leüme 
Ton  den  zwölf  stunden,-  nnd  die  beidem  letzten  werde»  ao  tMeiefanet: 
'om  elfe  ktmnnen  die  ttdlfk,  um  zwölfe  bricht)  das  gewöibe  (bricht 
der  tod  auf  dem  gewÖUie)>.'  -Bollle'dflhnieinr<aker)giaiibe  an  das  er- 


NAeHTRÄGB  1211 

tebeitten  tfes  wölfa  oder  der  w^lfe  bentt  Weltuntergang,  dem  brechen 
der  bimmelswölbung  nachhallen?  Wenn  am  brennenden  licht  ein 
itfiöb  des  doehlea  sich  ablöst  und  neben  haftet,  so  dafs  die  kerze 
nnn  'schneller  Tenehrt  wird ,  heifst  es :  'ein  ^tolf  (rSnber,  dieb)  ist 
am  Kcht';  anch  das  gleicht  dem  sonne  odermond  Terschlfogenden  wolf. 

s.  !227.  auf  Hr6do  liefse  sieb  nun  jenes  Roysei  (die  spatere 
Schreibung  ist  Rem$el)  und  Roydaeh  bei  Gramaye  ziehen,  der  an 
Mars  denkt;  Urkunden  mästen  erst  aufser  zweifcl  setzen,  Wetcfaer 
Wochentag  gemeint  sei.  Hruodtae  ist  gerade  ahd.  mannsname  (GralT 
5,  362),  alts.  BrötUag  gewähren  trad.  corb.  $.  424  ed.  Wigand ;  sie 
können  eich  tu  Hruodo,  firödo  Terbalten  wie  Baldag  zu  Baldar,  und 
die  kurzung  Roydag,  Rodag  gliche  dem  Roswith  f.  Hr6dsuith.  es 
wire  ein  starkes  zengnis  für  den  Ghrodocultus,  wenn  Roydag  der 
siebente  der  Woche  ist;  bleibt  es  beim  dritten,  so  darf  angeschlagen 
werden,  dafs  auch  der  dritte  monat  dem  Mars  geheiligt  war  und  den 
Angelsachsen  Hrddemönad  hiefs  (g.  186). 

s.  230.  bei  Ifertkus  rerdienen  rucksicht  die  Neriereanen  des 
Ptolemaens,  denen  er  freilich  ganz  andere  läge  zuschreibt,  als  bei 
Tacitus  die  der  Nerthus  huldigenden  stimme  einnehmen. 

«.  231.  'de  aaue  /r«  is  nu  al  dot*  s.  422.  Im  Alten burgischen 
heifst  der  angeführte  erntebrauch:  eine  teheune  hauen,  arch.  des 
henneb.  rereins  2,  91. 

8.  243.  bei  einem  aeestnrm  thnn  die  schiflfer  gelübde.  e  chi  dice, 
vna  iMoe  vo  far  fare,  e  poi  pariarla  in  Vienna  al  gran  barone. 
BuoTO  d*Anlona  5,  32.  Die  Lappen  pflegen  ihrem  jaoloherra  zu 
Weihnachten  kleine  mit  rennthierblut  bestrichne  schifpB  darzubringen 
und  an  die  b8ume  zu  hingen.  Högström  eflerrelninger  om  Lapland  s.  5 1  f . 

8.  245.  darf  man  die  s.  235  angeführte  inschrift  *dea  Hludana 
in  HMana  umsetzen,  so  wire  das  noch  willkommner  als  die  ana* 
logie  zur  altn.  Hl^djn,  und  nriltestes  zeugnis  für  HMa,  welcher 
schon  das  goth.  unhuipö,  und  der  zwar  seltne,  doch  bei  Schannat 
trad.  Md.  no.445  yorrithige  ahd.  A-auenname  Folda  zustatten  kommt. 
Graff  4,  9f5  hat  auch  Holdatind.  Schutzes  abbandlung  de  dea  Hlu- 
dana erschien  zuerst  Lp.  1741,  und  wenn  in  Wolf  (Wodana  s.  L)  eine 
niederiindische  de  dea  Huldea,  Trajecti  t746  namhalt  macht  und 
deren  titel  wirklich  so  lautet,  kann  dies  nichts  anders  sein  als  eine 
ypn  Cannegieter  nach  unsrer  Hnida ,  wie  sie  bei  Eccard  Torkommt, 
aufgestellte  sehr  ansprechende  mutmafsung.  der  lat.  dati?  ffuidanae 
wurde  die  achwaebe  form  ahd.  HoldAn,  ags.  Hbidau  ausdrucken,  wie 
man  in  lat  Urkunden  Berla,  Hildegarda  flectiert  Bertanae,  Hildegar- 
danae;  doch  mag  auch  ein  nom.  Bertana,  Htildana  entsprunsen  sein, 
hiemach  leitet  wiederum  Tanfanae  wenigstens  auf  einen  deutschen 
nom.  Tanfa  und  aHe  yersuche  wiren  abgeschnitten,  aus  -fana  ein 
celtisches  wort  oder  das  lat.  fanum  zu  machen.  Tanfa  gemahnt  an 
den  alto.  mannsnamen  Danpr  oder  an  die  ahd.  wurzel  damph ;  über- 
ginge des  F  iq  GH  und  TH  angenommen,  ergibed  sich  noch  andere 
mö^ichkeiten ,  i.  b.  ein  weiblicher  name  Tancha  (grata)  entspräche 
dem  minnlichen  ahd.  Dancho  (gratus)  Graff  5,  169.  Ich  binyon 
Hnldana  abgerathen  und  gestehe,  dafs  sich  auch  Hludana  behalten, 
Hlüda  (clara,  praeclara)  deuten  liefse;  das  gewicht  der  übrigen 
gründe  hat  den  ausschlag  zu  geben,  unter  diesen  ist  aber  die  an- 
wendunff  yon  gute  holden,  hoüar  yfttlir  (s.  278)  auf  geister,  yon  hoU 
regln  (Sartii.  60>)  'auf  götter  besonders  zu  beachten;  im  altn.  adj. 
hollr  s=  goth.  hulps,  ahd.  hold  hatte  aasimilation  statt,'  wihrend  -itn 


»19  BUiQIKTBJUi« 

«igenoaniDii  HMr  die  «Ite  form  bUeh;  denn  baldr  occuUiui,  celalos 
w  erkllrea  tcheint  bedAnUich. 

f.  246.  auch  io  Schottland  heiOil  et»  weqa  die  eriten  achnee» 
flocken  faliea ;  the  mfin  o'ike  £a##  are  pj^fcinf  (heic  geete ,  and,  send* 
ing  iheir  feaihen  here  awaj,  here  aw.ajr«  na  ptreuTa. JSamlaad  heilsl 
ei:  die  engel  schatten  ihr  l^etlchf^  wenn  et  schneit,  die  «cbnee- 
flockeo  sind  ihre  pflaiimep,  viele  aber  jbllen  yorhei  Mnd  gelangiBi^  lo 
unserer  erde. 

a.  247.  Brückners  beitr.zum  benneberg.  idiotic(OQ.a.9  fuhrl  am 
dem  dortigen  Volksglauben  an:  'am  obersten  (tag)  koiniat  die  lf$Ue'- 
frau  (Hollefra,  Hullefra)  und  wirft  spvhti  herein ,  wer  sie  nicht  toIU 
spinnt ,  dem  bricht,  sie  den  hals.'  genau  wie  ea  andrer  orte  von 
Berhia  und  Berhtoü  (s.  252.  257.  260} ,  ja  voqi  teufßl  (s.  945)  er* 
sählt  wird.  Ferner  sagt  man :  'am  oberste«  mrd  die  Hoikfrau  vtr^ 
krannff  was  an  das  austragen  des  tods  und  sägen  des  aken  weibt 
(s.  742)  erinnert,  schreiende  kinder  werden  beruhigt :  'still  der  Ifid- 
(eftfte,  der  HmUepifpel  kommt*.  HoUepeier  (sonst  auch  Hersche, 
Harsche,  Hescbeklas,  Runrecbt,  Rupp/sr»  Tg),  s.  482)  heifst  der  zar 
seit  der  winterweade»  in  HoUes  geleit,  umziehende  rerqiiimnite  knecht 
Aus  der  beifugung  von  frau  (vgl.  gaue  fru.  s.  231)  eriiellt  der  ur- 
sprüngliche, adjectiyische  sinn  des  namens  ffoHf. 

8.  251.  Vertiera,  berichtigt  8.940.  In  Bsiefn  und  Deutschböh* 
nsen  Bm-hia  auch  durch  die  heilige  lm€^^  deren  tag  schon  au/  den 
13  deo.  fällt,  f ertreten,  frau.  ImU  schneidet  den  bauch  auf»  Schin. 
2,  532.  Jos.  Rank  s.  137. 

s.  256.  das  BerehißUfningen  gleicht  d^m  kt^mutusek  im  Böh- 
merwaid» der  nach  Jos.  Rank  s.  76.  77  auf  pfiogsteo  Torgenommea 
wird,  koahen  und  bursche  richten  um  diese  zeit  grofse,  lautkosl- 
len4e  peilachen  zu  und  veijagen  damit  alle  he^en  aus  iiäusern,  -  stal- 
len ,  Scheunen. 

s.  258.    rmn€  Pedaujue.    Micbelet  bfst.  de  Fr.  1,  496. 49&  2, 152. 

8.  259.  -epiphänm  (Ducange  s^  t.)  entweder  25  dec.  (dies  oats« 
lia)  oder  der  spätere  tag,  an  welchem  der  stcira  dea  drei  königen 
erschien,  aber  der  abd«  pkeriniofi  paraaoere  (Qraff  5>  360}  ist  qhar- 
freitag  und  von  Prehentag,  Perchtentag  yerscbiedea.  Ein  carroeiunn 
hiefs  den  Lombarden  Beria  uad  .fisrlectoto.(J}ucaqge  •<  v.)f  Tielleickt 
der  umfahrenden  gottio  oder  königin  wagen?, 

8.  278«  zu  der  Frea  bei  Paulus  mu(s  .vor  allem  die  fr€a  des 
litttprandiscben  geaetzea  6,  4Q.  ond  67  gebaltea  werden,,,  ea  bedeutet 
uxor ,  domina ,  nicht  libera,,  iogenua.  Paulus  die  Frea.  dexa  Wodao 
ah  gemablin  beilegend  verwecMelt  sie  folglich,  i^il  .der  qord.  Frigg. 
der  Wechsel  geschieht  eher  häufig,  z.  b.  yr^%^  (oroelfd..  ^.  2,  25.  26 
•ei«  heita  A  Fref/ju  iind  4  Holt  (Odiaq)  vorkoifpi^nt,  ^o^  sollte  hier 
wiederum  Frigg  dem  Odion  zur  aeüe  ^ebn.»  wie  ifu  prolog  de9 
GiitfiMii&fniL   .      .  .  • 

.  ft,  279,.  frwMkm  ßf  65a      . 

a*  280.  das  saoskr.  fniia,  freund,  bezeichnet  in  götternamen 
gatte.  und  galtin.    Pott  2,  425  vgl,  s.  1143. 

s.  281  •  frn  Frekfi  ist  nunipebi:-  Yon  Ad.  K^bP  wieder  enfge*- 
fuoden,  oemlioh  in  der  (Jkermark.  wo  sie  Fruike  heifst,!, und  an  fro 
Harke  der  Mittelmark,  fru  Qode  df^  Prignita  alpXsl.  , 

a.  28t    Frätmgkffr^  in  penibles  cbar^e  2,.  265.    ...       . 

a.  283«  Vreoe  kann  Verena  die  ina^teria,  oder  Veronieä  seia; 
.T|[l»  YrkiA  Ben,  328,     .  .  ..  i    :  .      =     *. 


i.  284.  Vgl;  läf*dar  mM  ».«09.  dafft  d^fti'  alt«:  dictiter  durch 
h^lag  halsiDeni  da^  IngMcfirm  des  tezCc$»  aüsffifkiren  woihe  -folgere  i€h 
MmSl  auf  aeiuem  adj.  h^ag;  imlesseii  nennt  er  blöls  die  sebweine, 
iiicht  diebtrode;  VLhi  iiid|;l9eti,  tfal^  er  sicfar  htdsmem  ala  erweiterong 
tu  noerigriofon  darHite«  * 

«.  1^7.    ich  wüste  nXthX,  tiafs  Lachm.  diese  BtelleD  ober  €tefuom 
selbst  in  den  «nn.  tvL  Iw.  s.  AW  mittheilen  wollte,     sie   hStten  steh 
'ohtieWn  in  meiif '^ap.  XXIX  besser  gefügt  als  bierbcr. 

s.  i&&,    die  ahd.  Rahana  steht  auf  sehr  schwachen  fafsen. 

■.  296.  im  sänskr.  wird  tudha  nectar  Ton  amrita  aflnbrosia  an- 
tertchveden.  überall  scheint  ein  adkr  im  spiel  dabei,  garnda  beifst 
sodhibara,  amritifaarana,  neclardfeb,  ambrosiadieb  (Polt  2, 451),  <Minn 
entfahrt  odhroBffr  tinÜ  Zeus  den  ihm  nectal-schenkenden  Ganymed  in 
tf<llergestalt  (s.  1066).     t^n  odhrosrir  ist  s.  855  nfiher  gehandelt. 

s,  297.  die  götler  werden  härir  ok  ganäir.  Sn.  81.  dem  Freyr 
wird  <at  tannfift'  beim  zahnen  geschenkt,  er  also  aufwachsend  gedacht 

B.  300.  der  strahl  ans  Carls  monde  gleicht  dem,  der  in  den 
mnnd  seiner  geliebten  scheint  und  gold  darin  beleuchtet  [s.  400^. 

s.  301.  götter  um)  beiden  latheh,  noch  im  Rudffeb  2,  174. 
■203:  3,  n  Wird  dem  redenden  kdnfg  subridere  beigelegt ;  Nib.  423, 2 
ton  ßranbild:  mit  snUeUndem  munde  si  aber  absei  sach.  im  gedieht 
▼on  €id  hlufig:  Mnrisose  de  la  boca  und  alegre  era. 

s;  3M.  kaum  ist  der  |[ott,  dessen  hilfe  angerufen  wird,  genannt, 
10  ffdlf  tr  da,  h^^eh  Mn&  s.  371  gegeben,  in  einem  ftröischen 
Ked  erscheinen  Otitn'n,  ffönir,  L&h^ji,  eh  der  sie  herbef  wünschende 
'tt^ch  aWSgeredel  hat  (Lyngb^e  s.  502.  506.  508).  eben  so  plötzlich 
fst  «bef  Av^h  der  teufH  zur  band  (s.  964). 

s.  304;    eott  reitend  gedacht  (oben  s.  16). 
'        b.  307.     Ventfs  wird  nur  dem  Htpptfmenes  sichtbar.    Oyid.  met, 
f 0,  660. 

s;  30T.  Odinn,  Ni6rdr,  Prejr  etüegeo  nach  Tngl.  fO.  lt.  12 
ittankheitto  (sAtfdaotir).  ' 

sl  909.    «gs.  Addma  nahes.    Beoy.49'11. 

s.  3f0.    wenn Or.  mel.  11,  640  sagt:   hunc  tcelon  saperi,  mar- 
-Mfe 'Phobetora  ttägut  nnminat,   ist   das  den  Grrechen   iiaehgeahmt, 
wie  schon  die  namen  zeigen. 

s.  312.  trnwaW  sagt  Älart  Cap.  2,  9?  ipsi  dicnntur  dii,  et  cae- 
ütes  alias  perb^ibentur  J»  .  nee  admodum  eoS'  mortalium  cnrarum 
Tola  soUicitant,  dnu&ftqane  perhibeoltir.  ' 

s.  8!6.  die  Stadt  Heldbnrg  in  Thüringen  faeifsl  schon  in  alten 
nrk.  traidiherga  MB.  28»,  33. 

s.  317.  einige  slatisebe  ansdroeke  fnr  held  sind  merkivdrdig: 
rtii8.'t^f(^»,  serb.  vUes;  niss.  hogaiyr,  po\n,  hohater,  böhm.  hohatyr, 
was  w^r  mit  bog  deas,  noch  bogst  dfres  verwandt,  sondern  einem 
pers.  und  talarischen  behader  gleieh  sein  soN« 

».  820.  wie  in  den  ahn.  slammtafete  Yngvi,  Niördr,  Frejr  fol- 
gen in  deh  ifftschwedtSchen  bei  Geijer  (bftfder  118.  121.  475)  Inge, 
Heoreh,  Fro,  für  Neoreh  steht  auch  Neroeh,  beides  entstellt  aus 
ifkoHfc.'  Gierig  i*er  nus  der  folge  Ingti  «d  Freyr  der  rerbundne 
name  Ingvifregr  (umgestellt  fre*  Ingriua  s.  192)  henfvr,  oder  ans 
-ihm  erst  jeike  genealogische  fotge?  in  skMdsparmll  bei  9n.  211« 
'liefftt  Yng^freyr  v6bi>  Odins,  »nd  nach  der  nuMhlung  de^  ftWSlf 
6dl^r ' dreizehn  asen'  flb.^lU  Idfst  sich  nkht  zweifeln,  dafs  Yngetfreyr 
tttr'gK»ieh>He)''mit  ^Ma"  eirifMieu  Fte^  galt. 


s.  323»  bei  Neaoius  &  17  aekmen  SteTAOioa^  und  Saamarie 
(a.  39n  40)  gerade  die  schleäteste  lesa^i  HiMQ  auf« 

a.  331.  Vrotuldensiraei  (a.  263)  uod  PharmMii  fÖMQ  aich  l»e- 
deutsam  aa  firau  Holda  uod  Herodias,  deren  schweireii  dorch  die  luft 
eioen  naroen  der  milchstrafse  leicht  erkürl,  umsomehr  aU  auch  Ww- 
ton,  der  mit  Holda  nfichtlich  jagt,  io  der  welschen  benenanDg  caer 
Gwydion  erscheint,  selbst,  dafs  Diana  dieser  Jagd»  Juno  der  milch- 
strafse  angehören,  atiromt,  und  gött^r  odt^  geialer  dehen  auf  dem 
hioinilischen  weg  wie  in  der  himmlischen  Jagd.  Iringe8$trS%a  lehrt 
wie  frühe  unsere  vorfahren  götter  und  beiden  damit  in  Terbindung 
brachten,  über  den  Tollen  ausammenbang  dieser  mjrtben  müssen  noch 
aufschlüsse  gegeben  werden.  Auch  der  JacobsweK  oder  pilgrimweg 
war  zugleich  auf  erden  und  am  bimmel;  bei  Lacomblet  nennen  die 
urk.  184.  185  (a.  1051)  einen  Jacobswech  neben  der  via  regia,  and- 
lang  WatUn^  strset.    Kemble  2,  250  (a.  944). 

s.  338  für  Hercules  =  Donar  vielleicbt  die  s.  147  beigebrachte 
ags.  stelle  zu  erwägen.    Herakles  war  söhn  des  Zeus  and  riesenfeind. 

8.  339.  war  Ülixes  nach  Tac.  Stifter  Ton  Aseiburg,  so  ist  nichts 
einfacher  als  bei  ihm  selbst  an  Imco,  Escifi,  Asko  au  denken  (s.  324), 
hätte  Isco  die  Römer  auf  Ul-ixes  gebracht,  wie  sicher  wäre  sc  in 
IscacTones.  Mannus  des  Isco  vater  könnte  auf  XaerfM  geführt  haben, 
insofern  Xaöq  und  Xüoq  mit  einer  Schöpfung  des  ersten  mannes  (der 
origo  gentis  war)  aus  tiein  und  fela  (a.  537»  538)  Terknüpft  worden, 
Adto  erwuchs  gerade  so  aus  dem  bäum,  di^rc  und  nfvi^Ji  stehn  aion- 
Toll  im  mjthus  zusammen,  wie  liut  aus  liotan  mag  laoq  «ua  siiwr 
Wurzel  mit  kuoq,  X7taq  kommen.  Die  interpretatio  romana  gieog  eher 
analogien  des  begrifs  nach,  als  des  lauts,  darum  will  ich  auch  bei 
Casior  und  PoUux  nicht  an  die  brüder  Hadu  ^»d  Phol  (Baldr)  denken. 

s.  341.  SigtiamiOdioB  söhn  (foroald. sog.  1,413.414);  wer  aber 
ist  Baus  (gen.  Boi)  Othini  ex  Rinda  filius  bei  Saxo  gramm.  46?  etwa 
Biar,  Btaf ,  BeaT  =  Biomlf  (a.  34^)?  Sato  1^22  aeniit  ans  auch 
einen  von  Thörr  gezeugten  held:  Haldanus  Biarwrammus  apod  Sueo- 
nes  magni  Thor  filius  ezistimatur.    aufser  ihm  weifa  ich  keinen  andern. 

s.  344.  inschrift  bei  Gruter  LVIII,  5:  Marti  Segomoni  sacmm 
...  in  civitate  Sequanorom«  und  H,  2» :  düs  deabua  omnibua  Veiu- 
rius  L.  L.  Securius  (al.  Segonutnus)  pro  se  auis4)ue. 

s.  345.  unter  den  Gothenhelden  ziehen  (hnda  und  Cnioida  bei 
Jemandes  cap.  22  an,  vielleicht  dem  aga.  Offa  npd  Cnebia  der  oier~ 
cischen  stammreihe  vergleichbar. 

8.  355.  die .  mythische  unterläge  der  fabel  von  Teil  ergibt  sich 
aus  einer  oberrheinischen,  der  ältesten  auCieichnnng  der  teUiscfaen 
unmittelbar  vorausgehenden  sage  des  15  jh.  im  malleus  malef.  pars  2 
cap.  16  de  sagittariia  maleficis :  fertur  de  ipso  (Fun^kero),  quod  qui- 
dam  de  optimalibus  cum  artis  aue  eiperientiam  certam  capore  vo- 
Inisset,  eidem  proprium  plium  patmuluM  ad  meUun  jMifinl,  et  pro 
aigno  auper  Atrrefttm  pueri  denarium^  sibique  mandavii,  ut  denari^M 
,sine  Hrreio  per  sa^Utam  amoperet,  cum  antem  maleficus  id  se 
facturum ,  sed  cum  difficultate  aasereret  libentius  abstinere ,  ne  per 
diabolom  seduceretur  in  sui  interitnm;  verJNS  tamen  principis  la- 
ductns  sagittam  unam  collari  suo  eirca  Collum  immiait  et  alteraoi 
baUstae  snpponena  denarium.  a .  Urrefo  pueri  sine  ompii  nocumento 
'Bqfmtssii.  .  quo  viso  dum  il|e  malefi^um  interrogasset ,  cor  sagittaai 
.coHari  impoauisset?  respoodit,  tsi  decept^s  .per  diabolom  poenun 
occidissem,    cum  me  mori  necesae  foMOt«  .8ttbiM>  »«fM  fogifta  allmä 


firACHTRÄGS  IM  5 

m>  <rii»i|^Tiimn,  ot  tel  tic  mortem  meam  viodioaMev«'  dittaericbiifs 
moste. eiw«  um  1420  gefalle«,  die  sage  in  der  milte  4es  15  jk  um* 
gegangß«  seip. 

f.  3^7.  mortuam  (Taunasem  regism)  Golbi  tu/er  mumina  poyuU 
Mm  colueraot*  Joraaod.  caf».  (»  mag  dieaer  Taunasis  gothiach  oder 
getisch  aein,  maa  siebt  ans  der  atelle,  dafa  Jornandea  gotbiache  göt- 
ter  annabm. 

a,  360»  2t*     aficb  P^am  im  Lrainiscben  lied  bat  drti  köpfe  (tri 

gUlT^). 

8.  362.  das  neageborne  kiod  spricht,  norske  eventyr  1 ,  139. 
Juod  hemafnet  aus  mutterleib  geboren.    Scbrötera  finn.  runeo  a.  3. 

.    8.  364.    Lamp.  Alex.  5368:   atn  hüt   was  ime  be^aogea   al  ■  mU 
MoSfli€«  hurtten. 

s.  365.  in  deo  überlieferten  genealogien  wird  den  urabnen  ho- 
bea  alter,   wie  acbon  in   der  belügen  scbrift,   zugelegt.    Stuerr  hinn 

SnmJi,  der  von  Kiri  und  loknll  entsprossne,  soll  300  jabre  erreicbt 
aben»  gleicb  viele  Bälfda  gamU  (fornald.  sog.  2,  8).  Das  mbd. 
gefUcbt  Ton  Dietrichs  ahnen  (1869-2506)  gibt  dem  Dielmart  und 
Sigeker  jedem  400  jabre  lebenszeit,  dem  Wolfdieterich  503,  dem 
MngdieUrich  450,  dem  Dietmar  340  jähre,  erst  Dietrich  von  Bern 
«rreicjit  nur  das  menschliche  aiel,  Otnit,  Sigebers  söhn  war  jung  er* 
legen,  ohne  sweifel  sind  dies  unerdichtete  sagen,  die  weit  hinauf 
aich  yerliereo,  so  entstellt  und  verschoben  sie  auch  seien.  Sigeher 
(aiid.  Siguharij  ist  deutlich  der  altn.  Sigarr,  nach  dem  die  Siglingar 
oder  Sikltngar  benannt  sind,  Sigebers  tocbter  heifst  Sigeiini,  Sigars 
tocbter  Signf,  diese  beiden  SigeTint  und  Sign^  sind  identisch.  Hug^ 
di^teri4;h ,  der  in  frauenkleid  um  Hildebttrg  wirbt ,  fällt  zusammen  mit 
Hmgbardir  («chwed.  Habor,  d8o.  HafburJ,  dem  geradeso  die  Werbung 
um  ^t^^  (scfawed.  Signil,  diu.  SignildJ  gelingt,  obgleich  hier. die 
geachichte  tragisch  endet  und  die  namen  abweichen:  doch  weisen 
tiag  und  kag,  die  beide  einer  wunel  sind,  auf  einander  bin.  ancb 
^t^smtfine,  die  gemablin  Wolfdietrichs,  der  im  beldenbuch  Hugdiet*- 
ricbs  söhn  ist,  erinnert  an  Signj^.  Das  ganze  stück  Ton  Hugdielericb 
im  heldenbucb  ist  ungemein  lieblich  und  sicher  ur^lt. 

a,  374«  es  wird  ankommen  darauf,  ob  auch  die  bss.  imiMS». 
woUc^n  oder.  TÜlendin  haben ;  wenigstens  steht  neben  jenen  im  druek 
790*  997  das  masc.  folant^  also  verschieden  davon. 

a.  376..  liefse  sich  twm  suf  niosan  (sternutar«)  ziehen,  dessen 
l^art.  ahd.  nrnran^  mbd.  nom  lautete,  wegen  der  weissagenden  kraft 
des  niesens  (s.  I070J?  doch  scheint  in  diesem  verbum  die  besondere 
bedeutnng  alter  als  die  allgemeine ,  und  schon  die  ahn.  form  hnioaa 
wideratrebt, 

s.  378.  in  engl.  Wörterbüchern  findet  man  wagward  sufer«  durch 
parzen  und  furien  erklärt,  und  wardtister»  hätte  kein  bedenken,  aber 
wagward  bedeutet  wunderlicb,  mürrisch  und  lautete  sonst  wagwardcn 
(▼gt  f«  1120  zeilc  33),  worin  werden  an  das  dän..  vorren,  vorn 
(gramm.  2,  675)  erinnert    welche  ags.  form  liegt  wol  zum  grund  ? 

s.  383^  bei  Olgers  gehurt  erscheinen  seeh»  weise  frauen  und 
begaben,    die  letzte  iieilst  Mcrgae, 

s.  387.  dies  märcben  geht  weit  um,  in  Norwegen  (eventjr  no. 
13)  und  in  Schottland  (Roh.  Chambers  p.  54.  55). 

8.  388-  im. ausländ  1839  no.  278  eine  schöne  littbauiscfae  sase: 
die  ddwßi  wfiUÜ^ei  waren  sieben  götlinnen,  die  erste  spann  das 
lel^fBA^der.nienacben  ims  ein^m  rocken,  den  ihr  der  böobsjle  gott  |[e- 


geben  IhaCM,  di«  tweito  MUeKeile«  Mtfb,  die  dritte  wob.  4ie  tiefte 
eviihlle  mSroben ,  «m  die  -arbeiteiiden  tmn  «lierbreiiheo  Mi  locken, 
deon  liefsen  sie  Tom  werk,  so  Terdarb  das  gewebe,  die  f&iifle  ef» 
mabttte  ne  fum  lleift,  und  bereitete  dem  leben  llfvge,  die  sechste 
ftcbnitt  den  faden  ab,  die  eiebeift«  wuseh  das  gewand  utid  gab  es 
dem  oberafen  golt,  es  wurde  dem  menäcben  cnm  tedtenbetnd,  unter 
den  sieben  spinnen  und  weben  nur  drei. 

8.  388«  Bchnitieln  in  der  eechsleii  aeile  des  klndtrreinis  wo! 
drehen?  die  siebente  lautet  anderemal:  die  dritte  schneidt  den  fadea. 

s.  395*  auch  vrd  Bahehilt^  die  DietWch  am  brnnnen  scMafend 
(wie  Sigurd  Brynhild)  antrilt ,  ton  der  er  sieb-  beüende  salbe  geben 
und  sein  geschick  weissagen  lifst  (Ecke  (51  —  160)  mufs  den  norneo 
oder  Talkyrien  beigezählt  werden 

s.  3^  manche  erzihlungen-  Ten  tehwanf^auen  leben  noch  unter 
dem  nord.  Yotk.  Ein  jnngling  sah  drei  tthntäne  irich  am  Strand  nie^ 
derlassen,  ihr  weifses  TOgelhemd  ins  gra^  legen  und  sich  in  schöBe 
Jungfrauen  wandeln^  dann  im  wasser  baden,  das  hemd  wieder  neh^ 
men  und  in  scbwangeslalt  fortfliegen,  er  lauerte  ihnen  ein  andermal 
auf  und  entwandte  dffr  jüngsten  das  hemd,  da  fiel  sie  mr  ihm  auf 
die  knie  und  flehte  darum;  er  aber  Yöhrte  sie  mit  sich  beim  und 
heiratete  sie.  als  sieben  jähre  yerstrichen  waren,  tetgte  er  ihr  das 
bisher  yerborgen  gehahne  hemd  i  kaum  hatte  sie  es  in  der  band ,  so 
eiUflog  sie  ah  $chwan  dttrch  das  ofne  fenster,  und  der  trauernde 
gatCe  starb  kurz  hernach.  Afeelios  2,  143-145.  umgekehrt  Terlafst 
der  schwanheld  seine  gattin,  sobald  die  untersagte  frage  geschieht. 
Einbaoer  hatte  einen  aeker,  auf  welchem  ihm  altes,  was  er  ans^ 
stellte,  jedes  jähr  in  der  lohannisnacht  niedergetreten  wurde,  er  Kefs 
awei  jabre  hintereinander  seine  beiden  ältesten  söhne  auf  dem  acker 
wachen,  sie  hörten  - naittarnachts  ein  btavsen  in  der  Inft  und  fiden 
daton  in  tiefen  schlaf,  als  das  nächste  jähr  der  drifte  söhn  wachte, 
sah  er  drei  /tin^/Wvuen  *  geflogen  kdmmem,  die  ihre  flöget  von  sieh 
legten  and  nun  den  acker  auf  und  ab  tanzten,  er  sprang  nuf,  holte 
dici  4lngel  und  begte  sie  tmter  den  stein,  auf  dem  er  safis.  nachdem 
sich  die  Jungfrauen  mnde  getanzt  hatten,  kamen  sie  "^eu*  ihm  trnd  batea 
um  ihre  flügel,  er  erkiSrte,  wenn  eine  Ideiben  und  sich  ihm  yer- 
iniUen  wollet  sollten  die  beiden' andern  die  #ag^  zurück  erhatlea. 
▼on  hier  an  nimmt  das  mirchen  andere  wendung,  dii$  in  den  mjthns 
▼on  den  schwanfranen  weniger  eingreift,  nloch  ist  bemeHcensWertb, 
dafs  eine  der  jungfranetf  dem  geliebten '  mit  einem  cMbtchtr  in  der 
band  einen  trunk  wasser  reicht ,  gerade  wie  sonst  die  eibinnen  und 
wimscbweiber  erscheinen  (s.  39t.  302).    Molbeeh  no*  49. 

s.  401.  die  sieben  jähre  stimmen  zu  denen  der  eben  angefShr- 
ten  sobwed.  sage.  ' 

8.  404.  im  Wolfdietrich  (dresdn.  hs.  :i90  — 29T)  g«htt  %w&f 
j^dfManeM  unf  einen  htrgy  bnlen  4efn  beiden  zu  si6h  und  pflegen  sein, 
die  schönste  will  ihn  zu  manne  n.  s.  w.  diese  wesen  sind  mehr  weise 
frauen  als  elbinnen. 

s.  410«  «eo  viM.  cod.  exnn.  418,8.  419,  3.  5:  420,  4,  10.  über 
das  wiehiehpiel  noch  eine  stelle  in  Üanpls  zeittrchr.  %  €0:  *ap9f  mit 
dem -twAARKit  ^f  dem  tisdi  umb  guoienwln.* 

s.  411.    sich  «i/W.  Qelbl.  2,  42«. 

s.  4(3.  alln.  aeheint  tarpr,  ags.  Mrp,  Aisena,  yon  zwergen 
gebraucht.  Haupfs  aeilMbr.  3,  15^  yerwlrndt '  i«t  dchi"  IVatiettnarite 
Irpa  <B,  87) ;    ob  Ad.  ftmiUn  Twn  eiiMrai   zw«rg  gelte  iHd  fGraff  3, 


i^i  apmwint)  Qi^er  kloh  too  ein9in  kind«  wie  diu  lat  pasu«,  pusip, 
«lebt  dahiu. 

8.  421.  irisch  beifst  das  echo  weniger  ^höo,  aber  ähDlich  mii« 
aüa  ffchweio  des  felsejis. 

a.  421.  fion.  peuhalo  däumliog  (Kalew.  13,  67);  tute«  fUnif 
pikku  miea,  kleiner  mann  von  drei  fiogern  (13,  63.  68l  24,  144). 

s,  423.  Etbemiein^  name  einea  adlichen  g^phleehU.  Elwen" 
«letn  weisth.  t,  4.  in  den  Niederlanden  nennt  das  Yolk  dii:  hügel, 
welche  graburnen  entbalten,  alfenbergen  (belg.  oius.  5,  64^;  scbätze 
stecken  in  den  gräbern  wie  bei  den  elben ,  und  gleich  .diesen  sind 
die  todten  unterirdische. 

s,  423.  deii  namen  aru>9gger$^  womit  KM.  2,  163.  164  die  erd* 
nlnnchen  heraus  gernfen  werden,  verstehe  ich  noch  nicht,  kaum 
klingt  das  altn.  Arvakr  an  (s.  621). 

8.  424.    vgl,  nachtrag  zu  s.  868. 

a.  430.  in  Smäland  geht  die  sage  von  der  Stammutter  eines  nam- 
haften geschlechts,  die  elbjungfrau  war,  durch  «tn  asdoch  der  wand 
mU  den  sonnenttralen  in  ein  haus  kam  und  von  dem  söhn  geheiratet 
warde.  sie- gebar  ihm  vier  kinder  und  verschwand  an  einem  heite- 
ren la^  auf  die  selbe  weise,  wie  sie  gekommen  war.    Afzelius  2,  145. 

a.  435.    mitÖdmans  erzählung  ist  Afzelius  2,  157  zu  Tertleichen. 

a.  438.  die  sage  vom  wechselbalg  ai^f  frau  Gaudens  hündlein 
abgewandt  (s.  8|79). 

s.  438.     pfad  getreten  von  kleinen  füfsen.    Ortnit   s.  17. 
.  a.  443.    pUmasM^hnid.    Josu  Rank  Böhmerwald  s.  274. 

s.  447.    serdi.    Reinh.  597  (des  alten  fragments). 

a,  451.  AfzeUus  2,  145.  147  nennt  schwed.  löfjerskor,  -laub  oder 
wal^jungfrauep ,  die  er  mit  Lmifey  (s.  225)  vergleicht,  von  denen 
das  Volk  aber  wenig  zu  erzählen  weifs. 

8.  45  K  QUch  wAren  ime  diu  ör^fi  als  eime  fpdUi6ren  vermieeeL 
Iw.  440. 

a.  453.  die  sage  von  dem  entweichenden  hausgeist,  sobald  ihm 
lohn  geboten  wird,  ist  überall  verbreitet.  .Jos,  Rank  s.  277  hübsch 
von  einem  waschweiberl ,  dem  die  hausleute  schuhe  machen  lassei^ 
wollten»  aber  es  reichte  sein  füfschen  zum  mafse  nicht  dar;  man 
atreule  mehl  auf  den  fufshoden  und  nahm  das  mafs  nach  des  ^eib** 
chens  tritten.  als  die  schuhe  fertig  und  ihm  auf  die  bank  gestellt 
waren,  hub  es  an  zu  schluchzen,  streifte  die  bemdermelchen  wieder 
vor,  entscbürzle  das  kleidchen,  stürzte  laut  klagend  davon  und  wurde 
nie  wieder  gesehn.  >  nemlich  zur  zeit,  da  das  weiberl  ins  haus  ge- 
kommen war,  hatte  es  die  hemdermel  zurückgestreift  und  das  kleid 
geschjürzt,  damit  ea  alle , dienstarbeit  desto  leichter  thun  könne.  Ähn- 
liche geschichten  erzählt  Chambers  s.  33  vom  brownie. 

s.  455.    skogsnerte.    Faje  s.  42. 

a.  464.  465.  rl  erklären  einige  aus  ra  angulus  oder  einer  kur- 
zung  von  radande. 

s.  468.    altn.  skürgod  lares  ;oben  zu  102,  7). 

a,  468.    coboldus  (vor  1250).    zeiUohr.  des  hess.  Vereins  3,  64. 

s.  479.  der  schwed.  iomle  i  glirden  sieht  aus  wie  ein  jähriges 
kind,  hat  aber  ein  altes  verständiges  gesicht,  unter  rother  mutze,  er 
zeigt  sich  mittags  (s.  918-  1114)  im  sommer  und  herbst,  tangsam  und 
keuchend  schleppt  er  einen  atrohhalm  oder  eine  ährq.  als  der  bauer 
lachte  und  fragte:  was  hilft  es  mich,  ob  du  mir  das  oder  nichts 
trägst?  entwich  er  verdrossen  aus  dem  hof  und  gieng  zum  n^chb^rn. 

Grimms  mytkoL    8»   ausgäbe,  11 


1216  NACHTRÄGE 

darauf  wich  aller  aegen  tod  dem,  der  ihn  refachtet  hatte,  ond  wandte 
sich  zam  andern.  Der  bauer,  welcher  den  fleifsigen  tomte  ehrte 
nnd  auf  den  kleinsten  halm  achtete,  wurde  reich,  und  reinlichkeit 
und  Ordnung  herschte  in  seinem  haushält  Manche  Christen  glauben 
noch  an  solche  hausgeister  ond  stellen  ihnen  jihrlich  ein  opfer  an, 
oder  wie  sie  es  nennen ,  geben  ihnen  lohn,  es  geschieht  auf  jnl- 
morgen  und  besteht  in  grauem  tuch ,  tarbak  und  einer  schaufei  erde. 
Afielius  2,  169. 

8.  487.  im  zerstörten  Weifsenstein  bei  Werda  unweit  Marburg 
hauste  nach  der  rolkssage  ein  riese  namens  Efstt  (ezzal?),  und  die 
wiese  an  der  stelle,  wo  der  riese  beim  Untergang  der  bürg  die^oMfie 
ihür  derselben  in  die  Lahn  rersenkte ,  heifst  noch  jetzt  der  Efsdnterd. 

s.  492.  Mbne  in  anz.  8,  133  nimmt  torise  für  friscy  -  und  macht 
daraus  Friese  und  Perser. 

s.  493.     Renn.  1365    der  gebäre    ein  getraue  (:alie).     zu  troll? 

s.  494.  trold  mit  zwölf  häuptern.  norske  erent.  no.  3;  mit  5, 
10,  15  häuptern.    das.  no.  24. 

B.  497.    Hröngnir  will  Freyja  oder  Sif.  Sn.  107. 

8.  500.    ttakies  tSre,  waldes  n/fe  Wolfd.  467. 99 1 .  Torhin  zus.  451. 

s.  504.  als  gott  der  herr  ob  der  erde  schwebte  und  steine  site, 
rissen  ihm  über  Sfontenegro  die  sacke  und  der  ganze  rorrath  fiel 
nieder.    Vuks  Montenegro  5. 

8.  519.    die  finn.  sage  besser  in  Kalewala  rune  19. 

s.  521.  die  Lappländer  melden  tou  einem  riesen  Stah^  der 
einäugig  war  und  in  eisernem  gewand  umher  gieng.  man  färehtele 
ihn  als  menschen fresser  und  gab  ihm  den  beinamen  jitjatja. 

s.  525.  ahd.  biginnan  und  in^nnan  Tom  spalten  und  schälen 
des  getraides.  hauptstelle  O.  III.  7,  27  Tom  gerstenkom :  thoh  findo 
ih  melo  thür  inne,  inthiu  ih  en  bi^nne  (es  spalte,  öfne).  seltsam, 
dafs  Festus  bei  inchoare  auf  chaos  gerSth,  wie  beginnen  zu  gfnan 
führt,  cohus ,  woTon  andere  incohare  =:;  inchoare  leiten ,  ist  nichts 
anders  als  chaos.    Festus  s.  r.  cohum. 

8.  526.  nach'  der  zendischen  lehre  äut  des  itrsHers  Kajomer 
hufte  der  erste  medsch. 

8.  526.  die  erde  dachte  sich  wenigstens  Snorrr  rund,  er  sagt  s. 
9:  'hon  er  krtoglött  utan,  ok  bar  utan  um  liggr  hinn  diupi  siär*;  so 
auch  im  Lucidarius:  *dise  weit  ist  sinwel  und  umbeflozzen  mit  dem 
wendelmer,  darin  swebt  die  erde  als  daz  tutter^  in  dem  wizen  des  eües 
ist*,  vgl.  Berthold  s.  287  und  Wackern.  Basler  hss.  s.  20.  Diese 
Schöpfung  des  himmcls  und  der  erde  aus  den  iheUen  des  eies  wird 
Ralewala  rune  1  dichterisch  geschildert 

8.  533.  hier  ist  nun  auch  die  fünfte  aufzeichnung  aus  einer  Pa- 
riser hs.  des  15  jh.  wie  sie  Paulin  Paris  mss.  franpais  de  la  bibL  du 
roi  4,  207  zieht:  Adam  fu  form^  ou  charap  damaeien,  et  fn  fait  si 
comme  nous  trouTons  de  htnt  parties  de  choses,  du  Umön  de  la 
terre,  de  la  mer,  du  soleilf  des  nues,  du  venty  des  pierres ,  du  saini 
esprit  et  de  la  elarte  du  monde,  de  la  terre  fu  la  ehar^  de  la  nier 
fu  le  Sana ,  du  soleil  fureot  les  yevlx ,  des  nues  furent  les  penteest 
du  yent  mrent  les  attaines,  des  pierres  furent  les  os,  du  aaint  esprit 
fu  la  ote,  la  clartö  du  monde  signi6e  Ctist  et  sa  creance,  saichex 
que  se  il  y  a  en  Tomme  plus  de  limon  de  la  terre,  il  sera  paresceui 
en  toutes  maoi^res,  et  se  il  y  a  plus  de  la  mer,  il  sera  sage,  et  se 
il  y  a  plus  de  soleil,  il  sera  beau,  et  se  il  y  a  plus  de  nues,  il  sera 
pensis,  et  se  il  y  a  plus  du  TenC ,  il  Sera  ireux,  et  se  il  y  a  pltis  da 


picrre,  i\  seri  rfar,  «rar  et  lanro»,  el  se  il  y  a  ploa-  de  saint  espril, 
il  aeri  fradeox,  et  se  il  y  a  plaa  4e  la  elartö  dti  monde,  U  sera 
beaux  et  amez.  Diese-  aeht  stocke  weichen  wieder  Ton  den  übrigen 
angaben  ab.^  doch  tlimmeD  erde,  meer,  wölke,  wind,  stein,  sonne; 
der  heil,  geiat  und  die  weltklarheit  treten  eigenthämlich  in.  adem, 
haar,  (hrinen,  augenbuntheit  mangeln,  das  champ  damaden  ist  der 
«ger  plasmetionis  Adae,  qui  dicitor  ager  damascenus,  Tgl.  Fei.  Fabri 
eragator.  2,  341. 

'  8.  533.  Bunie  äugen  sind  octUi  txim,  proT.  wnn  «boeihs  (Rayn. 
8.  T.  Tar),  altfranz.  yairs  iex  (Roquef.  s.  ▼.).  man  sagt  ahd.  bluom^ 
fSh  (blumenbunt)  Graff  3,  426,  ge^^het  oAh  tien  bluomon. 

8.  535.  anch  die  riesen  bilden  einen  menschen  aas  Mm  (leir). 
Sn.  109.  Ilmarinen  der  finnische  gott  schmiedet  sich  eine  gattin  aus 
gM,    ruBo  20. 

8.  537.  der  gemein  und  gelehrtjndischen  spräche  bezeichnet 
A§chkenas  Deutschland  und  den  Deutschen,  der  name  steht  Gen.  10, 
3  u.  Jer.  51,  27;  wie  früh  dessen  unrichtige  anwendung  aufkam, 
weifa  auch  J.  D.  Michaelis  spicil.  geogr.  Hehr.  1,  59  nicht;  es  mufs 
«her  sobon  geschehn  sein  im  15  jh.  wo  nicht  früher,  und  die  rabbi- 
ner  mögen  doch  dabei  röeksicht  genommen  haben  auf  eine  ihnen  zu 
ohr  gekommne  ableituog  der  Deutschen  Ton  einem  slammherrq  Ä»^ 
(uMiiu^    oder  dem  trojanischen. 

S.  538.  dklu  ritf  /••<  ravrft  ntgl  Sgvv  ^  ntgi  nivfftfv;  Hes.  theog.35. 
s.  546.  hiermit  zu  Tergleichen  die  sage  von  DoÜe  (s.  935). 
s.  553.  das  härten  und  ergänzen  der  Schwerte  im  loasser  war 
sicher  auch  deutscher  glaube.  Vilkinasaga  cap.  40  p.  100  meldet,  als 
zwerg  Alberich  den  Nagelring  geschmiedet  hatte,  suchte  er  in  nenn 
königreichen ,  eh  er  das  wasser  fand,  worin  das  schwerl  gehärtet 
werden  könne;  endlich  gelangte  er  zum  wasser  Treya,  und  da  ward 
es  gehärtet  hierzu  stimmt  Eckenlied  str.  81 ,  nur  ist  es  noch  ge- 
nauer: *daonoch  was  ez  niht  TollebrAbt,  d6  fuortenz  zwei  wildiu  ge- 
twerc  wol  durch  niun  künecriche,  biz  daz  si  kernen  zuo  der  Dräi, 
diu  da  ze  TVet^e  rinnet ,  daz  swert  daz  was  s6  liehtgemAl:  si  har- 
ten* in  der  DrdUy  des  wart  ez  also  fin^*  Wer  aber  zweifelt  noch  an 
wirklichen  deutschen  liedern,    die  der  Vilk.  saga  unter  liegen? 

s.  557.  wenn  der  Lutterhorn  unweit  Herberhausen  (Helperhu* 
senj  bei  Göttingeo  lauft,  so  gibt  es  theure  Zeiten;  baut  aber  in  die 
helperhüsche  müle  die  spinne ,  und  ins  rad  die  schwalbe,  so  sind 
gute  Zeiten. 

8.  559.  0  fons  Bandusiae,  non  sine  floribus  cras  donaberis  haedo, 
Horat.  carm.  3,  13. 

s.  566.    der  ßufs,  ein  gott,  heifst  Sva^.    Od.  5,  445.  450. 
s.  567.     zwölf  oder  achtzehn  ströme    der   unterweit,    namentlich 
▼erzeichoet  Saem.  43^    Sn.  4.      ich   hebe   Leiptr   herror,    bei  deren 
klarem  wasser  (wie  bei  Styz  und  Acheroo)  geschworen  wurde.    Siem. 
165«  *at  eno  liosa  Leiptrar  ratni.' 

s.  567.  die  edda  nennt  neun  teeUen  und  zählt  ihre  namen  auf 
(Sn.  124,  Tgl.  die  räthsel  der  Her^ararsaga  s.  478.  479).  mich  ge- 
mahnt das  an  die  nona  unda  im  Wallharius  1343  und  an  den  fluclus 
decumanus. 

8.  573.  in  der  practica  des  Berthol.  Carrichter,  leibarzles  Maxi- 
milian des  II  wird  (wie  ich  entnehme  aus  Woifg.  Hildebrand  Ton 
der  Zauberei,  Lp.  1631  p.  226)  ein  zauberbad  beschrieben,  das  nicht 
an  gemeinem  (atahlgesehlagnem)  feaer  gekocht  werden  d«rf ;  «es  heifsfl: 

77  • 


1220  XkCKnAfX 


XU  eiDen  apfelbaun,  ila  dtr  ^onmer  tinj/ttMagen  JuU,  aas  det- 
MQ  holt  U£i  dir  €tae  aäg«  naoben,  mit  dieser  sigeo  soUa  auf  einer 
Msffi  sehweüef  dfträber  viel  yolks  geht,  «•  kmge  sägem,  bis  es  sieb 
aDtnodet  dann  osach  holz  aus  birkenschwfimmen  und  zund  es  bei 
diesem  feaer  an ,  mil  dem  du  das  bad  zurichtest ,  und  Lafs  es  bei 
leibe  nicht  ausgehn. 

s.  577.  die  Araber  haben  zun  feuer reiben  zwei  hölzer  Mareh 
und  Aphar,  jenes  ist  mSnnlicb ,  dieses  weiblich.  Chinesen  sagen, 
kaiser  Sui  habe  zuerst  holz  mit  holz  gerieben,  die  unbequeme  rei- 
bttog  wir4  als  heilise  beibehalten,  lader  und  Perser  drehen  ein  röhr 
in  dürrem  holze.    Kannes  urk.  464.  455* 

s.  590.  die  ital.  sohiffer  entiönden  auf  den  schiffen  im  meer 
Johannisfeuer.    Fei.  Fabri  evagat.  1,  170. 

s.  594.  serb.  bndnjak,  ein  scheit  frisches  eicbenholzea ,  das  zu 
Weihnachten  entzündet  und  mit  wein  begossen  wird.,  der  an  solchem 
feuer  gebaekne  und  ausgetheilte  knchen  (Vuks  Montenegro  105)  ge- 
mahnt an  den  galischen  brauch  (s.  579). 

'  s.  598.    wie  im  alten  Norden  blAs  kdri!  wird  rom  achwed.  schif- 
ferfolk  gerufen :  blls  Iu0sa  I  statt  des  gottea  eine  göttin»    Afzelius  1, 30. 

s.  598.  in  .den  Niederlanden  der  Wirbelwind  barende  frau,  Wolf 
HO.  518.  519.  520. 

s.  600.  auch  nach  indischem  gtaubeo  kommt  Sturmwind  tob 
Garudas  fliügeln.  Somadera  2, 102.  des  Augs  bewegung  regt  den  wind. 

s.  600.  Dietmar  Ton  Merseburg  3,  6  (Pertz  5;  761)  drückt  sich 
so  aus :  post  baec  autem  imperator  ordinavit  ezpedillooem  suam  ad- 
▼ersus  Lotharium  regem  Rarelingorum ,  qui  in  Aquisgraoi  palatium 
et  sedem  regiam  nostrum  semper  .respicientem  dominium  valido  exer- 
cilu  praesumpsit  io^vadere  sibique  versa  aquüa  designare.  haec  stat 
in  Orientali  parte  domus,  morisque  fuit  omntum  huoc  locum  possi- 
dentium  ad  sua  eam  vertere  regna,  diese  angäbe  scheint  ungenauer 
als  bei  Richerus,  denn  nicht  in  das  eigne  reich,  sonderb  das  fremde, 
abhfingige  richtete  man  des  adlers  haupt. 

s.  608.  an  einigen  orten  hat  man  ahe  grSber  entdeckt,  in  wel- 
chen die  leichen  weder  der  Unge  nach  noch  sitzend,  sondern  mit 
bänden,  haupt  und  beinen  zusammengedrückt,  fast  in  riereckigen  be- 
hSltern  lagen,  herr  Friedr.  Troyon  aus  der  französ.  Schweiz,  welcher 
yiele  gräber  der  yorzeit  sorgsam  untersucht  und  beobachtet  bat,  theille 
mir  seine  ansieht  mit,  dafs  diese  auffallende  bebandlung  der  todlen 
leiber  yielleicht  den  menschen  wieder  in  dieselbe  läge  versetzen  solle, 
die  er  yor  der  geburt  im  schofs  der  mutter  eingenommen  habe,  so 
wäre  die  rückkehr  in  die  mütterliche  erde  zugleich  anzeichen  der 
künftigen  neuen  geburt  und  auferstehung  des  embrjons. 

S.  612.     ol  ki&-OL  KHtQu^onai,     Luc.   19,  40. 

s.  6 17.  eine  scbolie  zu  Adams  ?on  Bremen  bist.  eccl.  (Lindeobr. 
p.  61)  ist  der  anfübrung  werth :  prope  illud  templum  (upsaliense)  est 
arbar  mastima^  lata  r^mos  eitendens,  aestate  et  nieme  semper  yirens: 
cujus  illa  generis  ait,  nemo  seit,  ibi  etiam  est  fons ,  ubi  sacrificia 
Paganorum  solent  exerceri  et  homo  yiyus  immergi,  qui  dum  immer* 
gitur,  ratum  erit  votum  populi.  sinken  im  wasser  war  gutes  zeicheo, 
wie  beim  gottesurtheil  (RA.  924  ygl.  s.  1028  yon  den  hexen). 

8.  618.  hier  hätte  aber  auch  der  Unde  sollen  gedacht  werdep, 
unter  der  im  heldenbuch  gern,  die  zwerge  ihr  wesen  haben  und  die 
thelden  in  Battberaohkf  fallen»    ihr^r  hlute  aiilaer  duft  betäubt» 


NAGHTR&GB  1231: 

k.  620.  Mob  M«H.  Hatticönii  Friria,  Franekirae  1620  p.7  foU 
Frito  das  zeichen  der  Heben  ueblätter  einigeföhrl  haiien ;  intigne  Fri*^ 
aonis,  ut  Cappidas  refert,  icpfem  fbcroni  rubra  Mfmpheae  herbae 
folia,  io  tribas  argenteis  cootftitulae  trabibos  per  »eulum  caendemn 
obtiqu«  ditctis.  Cappidaa  war  angeblich  ein  geistlicher  zo  Stayorn 
im  anfang  des  10  jn.,  ni  aber  sonst  röllig  uobeksaiH.  Aadere  be«* 
ziehen  die  eintbeilung  Frieslands  in  sieben  seelande  auf  die  sieben 
biitter  des  wapens ;  maa  weifs  nidrt  genau ,  wann  •  diese  siebenlhei- 
iuBg  des  landes  zuerst  cntaprang, 

s.  621.  runen  *A  Skipnis  tönnom*  Sasm.  196",  wie  auf  des  bä^ 
reo  latze  und  des  wolfs  klauen,  altes  rfitbsel  in  Herrararsäga  von 
Odinn  und  Sleipnir:  wer  sind  die  zwei  zusammeD  zu  ding  gehenden? 
sie  haben  drei  äugen,  zehn  füfse  und  einen  schweif,  fias  ist  gana 
die  ausdruckaweise  unsera  alterthums,  wenn  es  z.  b.  in  den  weisthü-* 
mern  heifst,  die  amtleute  sollen  siebenthalb  mund  zu  gericht  kom* 
■len,  so  bedeutet  das  drei  niänner  zu  pferde  mit  einem  hund. 

8.  622.     uote*),  Tgl.  fomm.  sog.  10»  312. 

s.  630.  sanskr.  heifst  das  pferd  Srtbhräiriy  bruder  der  Sri  (Lakschmi), 
weil  es  gleich  ihr  \und  Afrodite)  aus  den  meeres  wellen  kaiti.  Pott 
2,  407.  um  so  nachhaltiger  ist  die  gleichstellung  des  rosses  und  schifies. 

s.  633.  bei  heüigbäi^  der  eigenname  Htdechetn  (trad.  corb.  Wig» 
$.  268)  und  ahn.  HaUbülm  zu  erwägen. 

s.  637u     man  vgl.  den  sperUng  des  nord.  königs  Dag.  (Yngl«  saga). 

s.  639.  der  grunspecht  heifst  auch  giefyjogelt  östr.  gi/evogel 
fStelzhamers  lieder  s.  19.  177),  goijsvogel  (Höfer  1,  306),  niederd. 
güiwgelf  gieiMgelf  engl,  rainbirdy  rainfowlt  weil  sein  geufs!  giefs! 
giet!  lautender  ruf  regengufs  yerkünden  soll,  von  ihm  ist  eine  merk- 
würdige sage  Terbreitet.  Als  golt  der  herr,  bei  erachaffbbg  der  weit, 
durch  die  thiere  einen  grofsen  brunnen  (teich)  graben  liefs,  enthielt 
aich  dieser  vogel  aller  arbeit,  aus  furcht  sein  schönes  gefieder  (seine 
gelbeq  füfse)  zu  besudeln,  da  bestimmte  golt,  er  solle  nun  auch  bis 
in  ewigkeit  aus  keinem  bmnnen  (teiche)  aaufen:  deshalb  sieht  man 
ihn  immer  nur  aus  holen  steinen  oder  Wagenspuren,  ia  denen  sich 
regenwasaer  gesammelt  hat,  mühsam  picken,  wenn  aber  lange  kein 
regen  fiel  und  trockne  zeit  iat,  dürstet  ihn  heftig  Und  ununterbrochen 
hört  man  ihn  sein  ängstliches  gieti  schreien»  und  der  liebe  gott  er«* 
barmt  sich  und  giefst  regen.  (Reuach  in  den  preufs.  proTinz.  hl.  26, 
536  aus  dem  Samland).  FSblmann  theilt  in  den  Dorpater  verhandi.  1^ 
42  einen  estbnischeo  mjthus  mit:  gott  liefs  den  Embacb  graben  (oben 
8.  566)  und  stellte  alle  thiere  ans  werk ;  der  pfingstwgel  aber  flog 
anthätig  von  ast  zu  ast  und  pfif  sein  lied«  da  fragte  ihn  dar  herr: 
hast  du  sonst  nichts  zu  thun,  als  dich  zu  zieren?  *die  arbeit',  ant- 
wortete der  vogel,  4st  schmuUig,  ich  kann  meinen  goldgelben  rock, 
meine  aüberoen  hosen  nicht  preisgeben.'  *du  kleidernarr',  rief  der 
herrf  *von  nun  an  eollst  du  scnwarze  hosen  tragen  und  deinen  dural 
nie  aus  dem  baeh  löschen,  soudern  die  tropfen  von  den  blättern 
trinken  und  sollst  dein  lied  nur  anstimmen,  wenn  alle  andern  ge- 
schöpfe  vor  dem  nahenden  gewitter  sich  verkriechen.  Offenbar  ist 
der  norweg.  Gerirudtvügel ^  der  durstig  den  regen  anpfeift,  identisch, 
und  andere  erzShIungen  werden  den  giefsvogel  aus  der  Verwandlung 
eines  eiteln ,  trägen  menschen  deuten.-  Zuweilen  wird  unter  gteja^ 
vögelt  giefeer,  tDoasertoatl ^  pfimgstoogel ,  regenpfeifer  nicht  der  apecht 
verslanden,  sondern  eiAe  schnepfe  (Höfer  1«  305.  341),  deren  ruf 
wieidcrum.  auf  geiritter  ddutet  (s.  166)*  oder  der  brachvogel  (nuroenius 


1223  HI^GHtFfiiGK 

arquatus),  firans.  phmier  (^ laviarits) ,  bdliai.  JMka,  polo.  kuHg,  kuWtj 
Diederd.  regemooln^  wateneoh  (brem.  wb,  5,  286). 

S.  641.     auch  neugriechisch:  no{fno  ^«i/,  novudnt  /»Wy  »«  dgfVQo^ 

8. 643.  eben  weil  des  knkafcs  ruf  um  Johaonis  TerstoBimt, 
nimmt  der  rolksglaube  an,  dafs  er  sich  nach  dieser  zeit  im  einen 
habieki  wandle. 

8.  645.    Tid  68TMina  apa,     Smm.  25b;   Attninnr  apa,    Sssm.  55*. 

8.  646.  Wiedehopf,  des  kukuks  laquai,  weil  er  mit  ihm  komnnt 
und  geht  (im  fruhjahr  und  herbst).    Döbel  I.  1,  68. 

8.  648«  den  schwedischen  Lappen  bezeichnet  iaiine  nicht  blofs 
Specht,  sondern  auch  abergläubische  Weissagung,  tajetet  ist  Terstehea. 
erw&ge  ich  das,  so  seheint  unser  speki  einem  verlornen  stamme  spi- 
han,  späh,  sp4hnn  angehörig,  wovon  spehön  explorare  und  spAhi 
sapiens,  prudens. 

s.  650.  diese  schlänge  heilst  in  der  Schweiz  sioHemourm  (Wjfs 
reise  ins  Berner  oberland  s.  422),  im  Salzhurgischen  birgshUte  (Schm. 
I,  196). 

8.  653.  l^ngormr  wird « Völs.  saga  c.  17  Ton  dreki  unterschieden, 
jenes  ist  ein  kleiner,  dieses  ein  grofser  wurm,  gleichviel  mit  Ijngti 
mag  also  das  ahd.  heimo,  alts.  hima,  ags.  hämo  sein,  wovon  ich  s. 
360  redete;  Vilk.  saga  c.  17  s.  31  heifst  heima  ausdrucklich  allra 
orma  tkemetr  (omnium  yermium  minimus),  da  er  aber  giftig  ist,  darf 
er  nicht  die  unschuldige  cicade  (ahd.  muhheimo)  bezeichnen. 

8.  655.  Helbling  yon  ungestalter  kleidung  redend  wirft  1,  177 
die  frage  auf,  wo  räcke  und  bauch  eines  in  solcher  ehen^erpeunt  ste- 
ckenden bleibe?  den  weiten  mantel  nennt  er  käfergarten,  in  dessen 
falten  sich  kfifer  fangen,     dies  hecerpiunt  stimmt  zum  aga.  ceafortün, 

8.  657.  tnaikäfer  klingt  (wie  maiblume)  zu  allgemein,  und  nicht 
volksmäfsig.  auch  kein  lat.  name  ist  überliefert.  /i^Xolov&t^  bezeich- 
net den  maikäfer  oder  goldkSfer,  die  knaben  banden  sie  zum  spiel 
an  faden  (Aristoph.  vt<p,  763),  wie  bei  uns.  das  ital.  scarafaggio  ist 
aus  scarafone  (scarabaeus)  gebildet,  das  franz.  hanneion  diminntir 
des  Teraheten  Hanne  pferd,  welches  vielleicht  dem  Schröter  (wette- 
rauisch  peitganl),  franz.  cerf  volant,  d£n.  eeghiort,  schwed.  ekl^ort 
d.  i.  eichhirsch  gebührte,  das  meklenb.  eksäwer  =r  eicbkäfer,  wird 
wie  das  einfache  sever,  säoer,  tebber  (Schätze  holst,  id.  4,  91)  auf 
den  maikäfer  bezogen,  in  andern  niedersäcbs.  gegenden  hört  man 
maisävei,  nuUMel.  eäver,  »äver  (brem.  wb.  4,  592.  5,  310  mag  nichts 
als  käfer  sein,  mit  Übergang  des  k  in  z,  s;  Cbytraeua  nomencl. 
saxon.  hat  seoer  und  ^c{«eeer  =  goldkäfer;  oder  läfst  sich  dasbochd. 
wiefer  (gegen  die  s.  36  Yorgetragne  ableitung)  rergleichen  ?  auf  dem 
Westerwald  ist  pöwiti ,  käwUi  maikäfer ,  in  Ravensberg  potSmmd 
mistkäfer;  hier  klingt  fast  das  ehstn.  poua  käfer,  maikäfer  an.  Wie 
die  namen  des  hirschkäfers ,  maikäfers,  mistkäfers,  goldkäfers  schei- 
nen auch  die  spuren  eines  alten  käfercultus  bald  in  dem  einen  baki 
dem  andern  zusammenzufltefsen.  Im  pentam.  3,  5  vrird  ein  hilfrei- 
cher eearafone  (scarabaeus)  aufgeführt. 

8.  658.    böhm.  krawka,  krawicka,  sommerkälblein. 

8.  659.  honig  speise  der  götter,  ^dtui  fVwd^.  hjn|n.  in  Merc. 
560.  Yon  Odhrceris  dreekr  s.  858. 

8.  659«  in  der  altschwed.  chrtmik  heifst  Fiölnir  entstellt  Siebn. 
bei  Saxo  fällt  könig-  Honding  in  süfsen  meth. 

8.  660.     bieneh  weben   einen   tempel    aus  wachs  und   federn. 


NAQBTI^GB  12231 

9c]iwen](9  gr.  niyüi.  a»  129*  nach  iiB«erm  kindernf»  no,  107  s.  130. 
131  ein  scblofs  aas  wachs  und  honig. 

s.  663.  wie  den  ruhenden  gestirneo  sHiU  und  Hsche  wurden  den 
wandelnden,  gleich  allen  göttern  (s.  304}  rosäe  und  tpa^en  beigelegt, 
der  tDogen  gehört  wirklich  zu  tteg,  carpentuip  zu  carpere  (yiam); 
der  kimmeUwaifen  ist  auch  der  des  höchsten  gottc^s.  Q.  1.  5.  5  yom 
Terkändenden  engel:  floug  er  sunnün  päd,  sterröno  $iräui,  wega 
woüumo,  auch  den  Indern  ist  wolhenpfad  s=:  himmel*  Somadeva 
1.  17.  2,  157. 

s.  664.  sonnenrad  Tit  2983,  Tgl.  s.  578.  merkwürdig,  dafs  man 
zu  weibnachten  in  einigen  scbleswigschen  gegenden  ein  rad  ins  dorf 
rollte,  das  hiefs:  at  triUe  juul  i  by.     Outzen  s.  t.  jöl  s.   145. 

8.  665.  Ot.  met.  13,  85  t  legt  dem  cjclops  die  worte  in  den 
mund:  unum  est  in  media  lumen  mihi  fronte,  sed  instar  ingentis 
dipei  quid?  non  haec  omnia  magno  sei  Tidet  e  coelo?  soIi  tarnen 
iffttcia  orbis,  gleich  dem  riesen  hat  der  gott  (Wuotan,  der  himmel)  nur 
ein  äuge,  das  ein  rad  und  ein  schild  ist.  ags.  bedcen  gpdes  Beov. 
1135,  die  sonne,  das  grofse  himmelszeichen.  den  Serben  beifst  die 
tiefste  stelle  im  see  oko  (äuge).     Vuks  Montenegro  62. 

s.  674.  eine  wichtige  und  entscheidende  stelle  bietet  das  Mal« 
hauser  Statut  (noch  aus  dem  13  jh.)  bei  Grasshof  s.  252  dar:  ein 
fremder,  wenn  er  sich  in  der  Stadt  niederlassen  will,  mag  sich  Ter^ 
suchen  *ein  nwoe  unde  ein  wedil,  daz  siot  Tier  wochin*,  ef  darf  ei- 
nen ganzen  monat  bleiben,  bis  die  beiden  erscheinungen  des  monds^ 
das  neue  und  ToUe  licht  staltgefunden  haben. 

s.  675.    /hip  Ton  fhipati,  kneipen,  abbrechen. 

a.  676.  vgl.  den  schott  aberglauben  Tom  neumond  bei  Cham- 
bers 35b  36«. 

8.  679.  ein  sanskr.  name  des  monds  druckt  aus  lepore  praedi^ 
ius*    ßopps  gloss.  173**. 

8.  682.  aus  dem  holzdieb  und  brudermörder  werden  die  monds- 
flecken,'  aus  dem  spreudieb  (s.  331)  die  streifen  der  milchstrafse  ge- 
deutet 

s.  687.  es  ist  ein  aberglaube ,  dafs  mitternachts  zwölf  uhr  der 
kimmehwagen  mit  groftem  geräusche  sich  umdrehe,  also  wieder  ein 
rauschen  (s.  707). 

s.  688.  im  finnischen  epos  ragen  päiioä  (sonne),  Asfu.  (mond) 
und  otawa  (wagen,,  glaublicher  Siebengestirn)  heryor,  werden  per- 
sönlich, göttlich  gedacht,    und  oft  nebeneinander  genannt. 

s.  689.    böhm.  paletkj  u  wozu  (däumlinge  am  wagen).    Jungm. 

3,  14. 

8.  689.     dän.  Marriieeny  Marrirokt  Orions  gürtel. 

8.  689.  den  Römern  hiefs  Orion  Jugula ,  es  ist  dunkel  warum, 
Varro  und  Festus. 

8.  691.  .  das  gestim  der  ghtckhenne  scheint  mir  in  unser  alter- 
thum  Terwachsen.  die  kindermärchen  haben  den  besondem  zug, 
dafs  nässe  oder  eier  geschenkt  werden,  aus  welchen  goldkleid,  sil- 
berkleid  und  glucke  mit  sieben  (oder  zwölf)  kücklein  herTorgehn, 
wodurch  sonne,  mond  und  Siebengestirn  dargestellt  werden.  KM.  no. 
88*  (2, 13].  auch  in  der  elnleitung  zum  pentamerone  kommt  aus  der 
wundernufs  eine  voecola  co  dudece  polecine,  das  ungr.  marcben  bei 
Gaal  s.  381  hat  goldne  kenne  mit  sechs  küchlein,  was  Siebengestirn 
meint,  die  Jungfrau,  ihren  Terlornen  geliebten  suchend,  muTs  sich 
d^r^h  die  kostbar^eiten  d|er  drei  nässe  eingang  bei  ihm  verschaffen; 


1^'  NAOtti'bKifir 

eft  wafen  drei  geirioder,  Woraof  ioütie,  rnonJ  utd  HieUen^stirüe  ^* 
wirkt  standen  (rgl.  Wigal.  812),  gäben  der  Sottn6,  de»  Monds  uAd 
Siebengestifos,  die  der  wabdernden  unterwegs  zu  tbeil  wurden,  aus 
dem  dritten  kleid  machte  Überlieferung  zuletzt  die  gluckbenne  selbst. 
Schatzgrfiber  graben  nach  der  kostbaren  glucke  mit  den  kuchlein 
(8.  932).  benne  mit  12  hünkeln  war  auch  irdische  bufse  (weisth. 
1,  465.  499).  ich  weifs  nicht,  ob  die  nnfs  an  Jduns  huol  zu  denken 
erlaubt;  was  aber  sonne,  mond  und  glucke  bei  uns,  sind  bei  den 
Finnen  noch  riel  deutlicher  piiwi ,  kuu ,  otawa. 

s.  695.  bei  H.  Sachs  11.  276^  wird  einer  vom  regenbögen  herab 
gestoften.  auf  dem  regenbogen  läfst  das  finnische  lied  eine  Jungfrau 
sitzen  und  goldes  gewand  weben,    rune  3. 

s.  699.  'sam  mir  diu  heUic  nahi  hintr  Seifr.  Helbl.  2, 1384.8, 606. 
'    s.  700.    denne  sunna  kitat,  cum  sol  occumberet.    Diut.  1,  492*. 

s.  701.  gegeosatz:  *861  er  I  auttri'  Vilk.  saga  s.  58.59,  sonne  geht  auf. 

s.  702.  Kooitar  sagt  mir,  zaschao  pa  oe  izischao !  sei  mehr  im- 
precatorisch  .*  dals  du  hineingehest  (Welleicht,  dich  rerirrest)  und  nicht 
herauskommest!  mögest  du  dich  setzen  und  nicht  aufstehn ! 

s.  704.  occasus  interitus  rel  solis  in  oeeanum  mersio.  Festus. 
untergehn  im  see  ist  zugleich  pfandsetten  des  göttlichen  auges  im 
brunnen.  hier  auch  noch  6ine  zierliche  forme!  Wolframs,  Parz.  32, 
24:  *d6  bete  diu  müede  sunne  ir  liebten  blic  binz  ir  gelesen.* 

8.  706.  *ein  nacht  doch  nicht  gefunden  ist  ttn  einen  «Idto^en, 
)iOBr  ich  sagen.'    Suchenw.  22,  30. 

s.  706.     Hh6  iz  zi  dage  wani/    0.  111.  8,  21. 

s.  707.    lo  mati  «im  en  lalba,    Ferabras  182. 

8.  708.  üf  brach  könnte  man  auch  Ton  brehen  leiten?  doch  sa- 
gen wir  heute  anbrechen,    anbruch. 

8.  709.  ein  altfranz.  fratienname  ist  BrunmaUn^  Ren.  15666. 
15712.  16441  =  morsendämmerung. 

8.  712,  6.  es  muis  heifsen  djnja  hana  fiaürar^  rauschen  der 
hthne  federn. 

8.  712.  schön  Göthe:  der  abend  wiegte  schon  die  erde,  und  an 
den  bergen  hieng  die  nacht 

s.  713.  sanskr.  für  abend  radtchaifAmukhA ,  mond  der  nacht, 
radschani  nacht,    gemahnt  an  der  Hella  mund. 

8.  714.    bei  Homer  vt*(  o^^vaitf^  die  finstere. 

s.  714.  Afzelius  1,  4.  13  redet  unbefugt  von  modemaUy  die  in 
keinem  nord.  denkmal  begründet  ist  und  blofs  aus  Beda  entlehnt  wird. 

s.  717.  das  griecb.  jähr  hat  nur  drei  theHe  «m^,  ^fi^q,  x*»/iuv 
und  da  fehlt  der  herbst,  unsre  beiden  grofsen  jahresfeste  sommer 
und  Wintersonnenwende  schieden  iu>ei  theite,  diö  erntefeier  am  sehlufs 
sept.  oder  das  einholen  des  sommers  kann  den  dritten  oder  Tierteo 
tbeil  begründen.  Ton  der  zweitheilung  zeugen  auch  die  ags.  aus- 
drücke nUdsumcr  und  tHidtimer,  altn.  midiumar,  nudveir,  welche  jenen 
gipfel  der  8onnenwendo  ausdrückten,  und  denen  kein  inidhearfeit 
zur  Seite  stand;  ein  ags.  nUdlencten  (engl.  nUdlent)  begegnet,  und 
gleicht  etwa  unserm  mitfasien.  Wie  Terbielt  sich  zu  midsumor  und 
midyinter  das  miU$ere?  auch  der  tag  (Ton  24  stunden)  zerfiel  in  zwei 
bfilften,  ags.  dSgor,  altn.  dagr  genannt,  jede  Ton  ]!2  stunden,  und 
dögor  terbdlt  sich  zu  dag,  wie  missere  zu  gear.  den  ahd.  denkml- 
lern  mangelt  neben  tac  ein  tuogar,  aber  ein  goth.  dSgr  neben  dags 
schliefse  ich  aus  fidurdögs  und  abtäudögs  bei  Ulf. 

8.  721.    der  bluenden  heide  voget  ist  mit  gewalt  Af  uns  getoget, 


J 


NACRTRXe«  1225 

boBrt  wier  mit  wiftd«  broget  Af  wah  nnd  in  gerilde.  Ma.  1,  198^; 
uai  #a§  terirt  der  wunne  Mrt  von  des  argtin  TfiiftA»*«  ntt  Ms.  t,  192*5 
der'  Wttiler  und  äine  knehie,  dat  ist  der  rife  nnd  der  wiiit.  Hartm.' 
erstes  büchl.  834. 

8.  722.    kerbest  Und  lemo  zwAoe  gen^ca.    N.  Cap.  67. 

8.  722.    florum  prima  Ter  nunliantinin  oioto  alba.  Plio.  21il(,  38. 

i.  735.  bisset  kommer  SiTard  Snarensrend  (s.  345);  ban  fdrer 
OS  sommer  i  by,     DV.  1,  14.    ein  göttlicher  beld. 

8.  741.    solch  ein  ostersahs  aucb  bei  Ntlhart  MsH.  3,  243«. 

s.  748.  eine  im  13  jh.  yerfafste  scbrift  des  Aegidins  aureae 
tallis  religiosDS  crzäblt  den  niederifindischea  braach  eine  pßngs^^ 
mgin  zu  wfiblen,  xur  zeif  des  bisebof  Albero  Ton  Lattich  (f  1155): 
sacerdntes  ceteraeque  erclesiaslicae  personae  cum  uniTerso  populo 
In  solemnitalibus  pasehae  et  penteeostes  aliquam  ex  saoerdotum  con<- 
cnMfiis  pnrpnratam  ac  diademate  renitentem  in  eminentiori  solio 
Cönstittttam  et  corlinis  yelatam  reginam  ereabani,  et  eoram  ea  assi* 
Stentes  in  cboreis  tirmpanis  et  afiis  mdsicalibus  instrumentis  tota  die 
paailebant,  et  quasi  idolatrae  effecti  tpsam  iamquam  idohnn  cohbant. 
CbapeaTilie  2,  98* 

8.  748.  auf  alte  m&mfiahre  deutet  die  beneDnang  des  mondea 
ätktU  (8.  073). 

8.  755.  die  schlänge  heifst  umgiör^  allra  landa,  mit  dem  beisati 
*'%h  «r  god  fiü\  die  die  göfler  hassen.    S«m.  55«. 

8.  761.  die  hölle  wird  als  Herberge  y  gasihaus,  als  Valhöü  darge» 
stellt,  wo  die  sterbenden  noch  denselben  abend  einkehren  (s.  132): 
*Ter  skulam  A  VaiMl  gista  i  qvel^  fornald.  sög.  1, 106;  'yid  munum 
(  aptan  Odinn  gista'  1,  423;  merkwürdig  Abbo  1,  555  (Pertz  2, 789) : 
*p]ebs  inimica  deo  pransura  Plutonis  in  uma,''  wol  ist  auch  gesagt 
worden :  heut  abend  werden  wir  in  nobisbaus  einkehren  !  des  beilands 
Worte  a^ßiQov  fiiv*  lf».ov  Vaij  h  Tfl  naQndtla^  Luc.  23, 43  haben  heute, 
nicht  heut  abend. 

8.  766.  dillesiein  gemahnt  mich  an  den  nabelstein  ^  ofigtaXn^  zu 
Delphi. 

8.  767.  der  brunne  fuhrt  leicht  auf  die  yorstellung  des  bads: 
ze  helle  baden.  Ms.  2,  254«.  es  kann  auch  in  feuer  und  schwcfel 
gebadet  werden. 

8.  779.  sobald  Helgi  diese  nutHerschaft  erworben  hat,  übt  er 
sie  auch  aus,  indem  er  dem  von  ihm  erschlagnen  Hundtngr  knechts- 
gesehäfte  auferlegt,  die  stelle  Saem.  166^  ist  merkwürdig,  sie  zeigt, 
dafs  man  auch  im  künftigen  leben  den  unterschied  der  stSnde  fort- 
anoahm. 

781.  solch  ein  wonneland,  frendenland  ist  auch  in  der  celti- 
sehen  sage  |;egrändet,  die  fee  Morgan  (s.  384)  geleitet  dabin;  Parz. 
56,  18  lese  ich: 

den  fhort  ein  feie,  hiez  Murgan, 
in  7Vr  de  la  schoye, 

8.  781 ,  Tgl.  796.  ein  glashaus  in  der  luft  ( chüteau  en  Tair  ] 
schon  im  altfranz.  Tristan  ed.  Michel  2,  103  (ygf.  1,  222). 

8.  700.  'wou  Sihj  tretet  ikf  ein  tippe,  weit  ir  nibt  ertrinken!* 
Helbl.  1,  354. 

8.  791.  auch  im  roman  TOn  Gawan  fuhrt  ein  schwan  einen  na- 
eben,  worin  ein  todter  ritter.    Kellers  Romyart  670. 

8.  792.  hi«r  war  eine  stelle  aus  Plutarcb  anzuführen  (opp.  ed. 
lleiske  7»  652):   «  4\  Jif/t^Q*o^  ^fi/  ta^v  ns^l  xifp  J^ipcTTttv^«« 


1226  IUiQHTRAQB 

y ijf  0 w  v'  tfpäi  nollii  i^^f*9Ui  9»o^M<f «c,  mp  hla^  <f  « «/* o v tt y  ual  ijfjmnv 
uvof*ai^ta&u§  t  nitvoi»*  d^  avroq  larogiat;  *ul  Oiaq  evtnaf  nofinß  tov 
ßaa^itmq^  tUi  rijp  tyyiOTa  nnfUmiv  tüv  ig^ß^mp^  i'xovoav  pv  noXXavq  iw 
oinovvra^f  it^ovQ  dl  ual  davJLovq  nuvvaq  vno  r  Cw  BQtTtuPuv 
ovraq,  a^iitofiivov  ^  avrov  yfoiori,  av/x^^^*  fAfyaXijr  ntgi  xov  rti^a 
*al  Sioa^ftiktq  nollaq  yiria&cu,  utal  nvfv/nuxa  ttuta^ayijvai.  nul  ntativ 
nff^ar^Qaq»  intl  6*  lX»<p^at »  Uytiv  rovq  vgohiazuq ,  ot«  tu»  HQitaaovw 
rtvoq  tHktiyftq  yfyoviv,  taq  ya^  It'xyoq  dvajvwo/ttvoq  ^^vtu  6h¥ov  cvd\it 
»jff*,  oßtwvfttvoq  dl  noXXotq  Xvnt^goq  hrtpp  ovT»q  al  ßtyaXat  ^vxoti  Tac 
/»Ip  avttXufitfn^  tvfitvftq  nal  aXvnovq  tx^vatv^  al  dl  oßiatiq  uvrw  %ul 
gt&o^ai  noXXäxiq  ft^v,  taq  pvplp  nvtVftaTa  xal  idXaq  rginovot^  noXXdziq 
dl  XotfiiHoii;  nu^fo^v  d*Qa  9«^/«aTToi;0<v.  ^MiV  /i^i^o*  f$iap  tlpu^  v^ao», 
Iv  ^  topKqovov  KUTitQx^f^^  ^QovQovfitvov  vuo  Tov  ßg^o^t»  Ma&iv- 
dopTtt,  diöf»cp  yuQ  uvT^  TOP  vnpop  lA&fAijxo^^od-ak ^  noXXovq  dl  nt^i 
ttrrop  *lpfu  daifiopaq  onudovq  ual  &fQQnop%aq,  dieser  schlafende  Kro- 
DOS  auf  dem  heiligen,  feraen  eiland  mit  seinem  gefolge  Yon  dienern 
gleicht  einem  bergentruckten  Wuotan. 

8.  794.  diese  brücke  auch  in  der  legende  Ton  Tundalns  (Hahns 
ausg.  des  mhd.  gedichts  s.  49.  50).  die  seele  mufs  eine  gestolne 
kuh  darüber  treiben. 

797.  Michael  heifst  er  in  einer  Urkunde  des  13  jh.  (MB.  7,371) 
praepositus  paradisi  et  princeps  animarum. 

s.  802.  Töty  nu  nim  dln  teil  an  mir!  Wh.  61,  2;  TSt^  daz  du 
mich  nu  kanst  sparn !    Wh.  61,  12. 

s.  604.    fida  menn  dauSir,    S»m.  166b.  167«. 

s.  815.  nach  Kalewala  rune  6-9  scheint  Tuonela  flufs  der  Un- 
terwelt, auf  dem  heilige  schwane  schwimmen. 

s.  817.  auch  aud^na  ist  altn.  das  Schicksal  und  audinn  fato  cod- 
cessus.     audna  raedr  hvöra  manns  Itfi.  fornald.  sog.  1,  95. 

s.  820.     die  wunschelfrau  schaui  in  das  gesHm,     ahd.  hl.  1,  129. 

8.  822.  Mulleohoff  macht  so  eben  in  der  Nordalbingia  a.  11  den 
Ortsnamen  Welanao  aus  Ansgar  (Pertz  2,  687.  699)  gellend  für  einen 
alts.  gott  Weh,  ags.  Vela,  der  mir  auch  schon  s.  148  Torgeachwebt 
hatte :  ein  älterer  sott  des  glucks  oder  heils  statt  der  späteren  göttio, 
SAIida,  Sselde.  lieber  noch  als  Welanaha  möchte  ich  auslegen  W^e- 
Janowa,  wozu  auch  das  jüngere  Welnau  stimmt,  der  ort  lag  auf  der 
rechten  Eibseite  unweit  Itzehoe,  und  der  flufs  Stör  scheint  die  aoe 
gebildet  zu  haben,  Welanowa  gliche  der  Wunschesouwa  und  Pho- 
fesouwa  (s.  567).  es  kommt  alles  darauf  an  die  Persönlichkeit  des 
Wdo  erst  anderwärts  festzustellen,  was  aus  Hei.  angeführt  ist  reicht 
nicht  aus,  denn  auch  welanowa  für  gkicksinsel  genommen  (Atterboms 
lycksalighetens  ö)  widerstrebt  nicht  der  alten  anschauungsweise,  Rei- 
chenau  (augia  diyes)  enthält  denselben  begrif  und  in  der  nähe  tod 
Welnau  erhob  sich  Glückstadt.  Im  ags.  vdan  berunden  (gramm.  4, 
752)  herscht  doch  eine  sächliche ,  obwol  mythische  bedeulung  Ton 
rela  vor:  golt  selbst  sitzt  yelan  beyunden,  Adam  und  Eva  stehn  mid 
yelan  beyunden,  Gsedm.  42,  2.  27,  19»  d.h.  in  pracht,  Seligkeit  ge- 
bullt, das  gold  velan  beyunden  macht  den  gegensatz  zu  dem  gold 
galdre  beyunden ,  der  Zauberkraft  gegenüber  wird  eine  heilige  golt« 
liebe  angenommen,  und  dies  vela  scheint  allerdings  an  Vday  wie 
der  ganz  verwandte  begrif  umnsch  an  Wunsch  zu  reichen. 

8.  824.    frd  Saide  hat  in  an  sich  genomen,  wril  stn  pflegen.  Ecke 
10«  160;  s6  gruenet  dtner  Smlden  H$,    Ms.  2,.258>;   s^  deicket  onp 


NAOmiAOB  1227 


der  «foAfefi  kMd  MsH.    1,  377,  ei«  woBsehrihst.     der  Saidm 
WigaL  8761.  9271.  9386. 

8.  ^4.  bMilUn  in  Lohengr.  sebcint  ganx  eigentlich  bekleiden» 
wie  aock  Weither  43  fr6  Snlde  iäeidm  und  sekrdUn  (gewend  schnei- 
den) läfst  sie  schneidel  kummer  za  oder  hohen  mnt.  das  *wie  si 
mtn  tergaa*  ist  zu  beachten. 

t.  828.  mit  Forhitia  ist  auch  die  s.  913  angeführte  FeUda  zu 
tergleichen  (Ms.  2,  10^). 

s.  828.  tief  wurzelt  in  unsrer  mythologie  die  Torstellung  der 
wütuckekUnge,  ich  will  sie  näher  betrachten,  es  gibt  göttern  zustän- 
dige aber  auch  menschen  rerliebne  Sachen,  Ton  denen  eine  fülle  glu- 
ckes  und  heiles  abhängt,  die  höchste  gäbe  des  wutueheM  liegt  in  ih- 
nen, darum  scheint  jener  althergebrachte  name  zutreffend,  bedeutsam 
heifst  im  sanskrit  der  wünsch  manoraihat  rad  des  sinnes,  mutes; 
erschliefst  es  uns  den  begrif  des  göttlichen  Wunsches  Ton  einer  neuen 
Seite?  der  Wtmsch  dreht  das  rad  der  gedanken.  In  der  edda  wer- 
den die  wünscheldinge  als  künstliches  Zwerggeschmeide  dargestellt  und 
unter  götter  rertheilt.  Odinn  besafs  den  speer  GüngtUrf  dessen 
wurf  sieg  rerleiht,  Thörr  den  hammer  Miöinir,  der  als  donnerkeil 
niederschmetterte,  weihte  und  von  seihst  in  die  band  wmüekkehrie, 
solch  ein  schwort,  das  eon  selbst  sieh  schwang  (er  siälft  Tegiz)  Sssm. 
82"  Sn.  40,  hatte  auch  Frejr,  sein  name  ist  unüJserliefert  der  knüp^ 
pel  ams  dem  sack  in  unsem  märchen  ist  die  rergröberte  sage ;  in 
GEgis  halle  waren  bierkrüge  oder  becher,  die  sich  selbst  aufsetiten 
(siälft  barsc  f>ar  öl)  Soem.  48;  WolCdieterich  (cod.  dresd;  296.  297) 
kam  zu  göttinnen ,  auf  deren  tisch  die  semmd  sdber  gieng  und  der 
wein  sich  selbst  einschenkte;  den  Griechen  beifsen  solche  geräthe 
avTo/taToi  II.  18,  376.  CEgishiahnr  mufs  ursprünglich  dem  OEgir, 
einem  der  noch  mit  Odinn  zusammen  fällt,  eigen  gewesen  sein,  wie 
Zeus  und  Athene,  die  höchsten  götter,  Aegis  schütteln;  dann  aber 
gieng  er  auf  beiden  über,  aus  dem  wunderhelm  erwuchsen  heht^ 
heim,  gritnhelm,  tamkappe,  wunschmantel  (KM.  no.  122),  vnmschhut, 
die  Zwergen ,  beiden ,  glückskindern  das  Termögen  gewähren  un- 
sichtbar zu  wandeln,  schnell  durch  die  luft  zu  schweben.  Der  Freyja 
und  Frigg  gebührte  BrUinga  men,  das  gleich  dem  »^4«?  der  Venus 
und  Juno  Sehnsucht  (^fit^oq)  erregte  (s.  2iB4)  und  dem  schwert,  Speer 
und  hammer  der  götter  zur  seite  steht  (s.  839.  840).  Am  sohleier 
oder  haupttuch  der  Sif  wuchs  goldnes  haar,    wie  auf  dem  erdboden 

Setraide ;  der  eigenname  mangelt.  SMdbladnir  wird  bald  als  schif, 
ald  als  hut  geschildert,  die  beide  sich  falten  und  breiten  liefsen, 
darin  zu  fahren  oder  stürm  zu  erregen ;  wünsehelschiffe  in  den  norske 
erent  t ,  18.  142.  hieran  grenzen  ßügelsohlen  und  meilenstiefd» 
auch  Gnllinbursti ,  Freys  eher  führt  durch  luft  und  wasser.  Von 
Odins  ringe  Draupnir  troffen  andre  ebenschwere;  die  wundergabe 
Ton  Fnllas  ring  (Fullo  fingrgull  Sn.  68)  ist  nicht  angegeben  rielleicht 
machte  er  unsichtbar,  gleich  dem  der  Arentiure  (s.  864).  Draupnir 
gemahnt  an  den  brutpfenning  (DS.  no.  86)  oder  heekethitler  der  Jün- 
gern zeit ;  dem,  der  das  Togelherz  gegessen  hstte ,  lag  jeden  morgen 
ein  goldstück  unterm  kopfküssen.  Damit  Tcrbinden  sich  wunsehseckel 
und  $Dünsehelrute,  welche  den  bort  öfnet,  aber  auch  zu  nähren  scheint 
(s.  926).  ähnlich  ist  die  Wunderblume  und  springwunel.  ein  vogd^ 
nest  macht  unsichlbar  (DS.  no.  85.  Haupts  zeitschr.  3«  361.  Monas 
anz.  8,  539).  Prodis  wünsehelmüle  Grötti  malte  alles  was  der  malende 
laut  wünschte  (Sn*  146),    gold  und  salz;    daran   schliefst  sich  das 


1218  lUQVridUUE 

^iMribrMl,  detgen  tvttkBmig  eoliehnC  i^n  m^i  (i.  896),  ohne  un* 
serm  altertham  fremd  gewesen  zu  sein;  des  manoratba  würde  Torhin 
erwUbnC.  aoch  die  brktif  che  sage  hatte  ihr  gläoksrad  «oders  anfgefafst 
(s.  827).  Solch  eioe  male,  solch  ein  rad  dürfen  ror  allem  gtfttter** 
speise  malen.  Die  götter  beaitxen  den  wiuierhHekkmMranky  der  men««- 
schen  gäbe  des  dichteos  yerleiht,  götter  jung  erbilt  Idana  äpfd 
▼erjnngen,  wie  äpfel  in  der  Vöisünga  sage  achwanger,  in  der  yod 
Snewitchen  schlafend  machen,  in  Fortunatussage  hömer  geben  und 
nehmen.  Jener  wnnschmanlel  wird  zum  vmiuekhtchj  das  gebreitet 
alle  gewünschten  speisen  aufstellt :  solch  ein  tuoh  lassen  die  dän.  und 
schwed«  lieder  von  ackerwolie  (aperM  DV.  1,  266.  300.  BkemU  s?. 
TIS.  2,  177)  weben,  einer  grasart  mit  wolliger  blome  (eriophorum 
polystachium) ;  dies  wünscheltnch  begegnet  auch  norske  erentjr  \, 
44.  274,  es  wird  out  dem  «Ar  eifier  Mhiis  gezogen,  s.  112.  andere 
wünsckdiüeher  müssen  stillschweigend  gesponnen  oder  der  hanf  dazu 
mnfs  in  einer  tagesfrist  gernpft,  geröstet,  gebrecht,  gehechelt,  ge- 
sponnen und  gewoben  werden.  Die  Serben  erzählen  von  einer  ipmi- 
Jerkukf  ans  deren  okr  gam  gesponnen,  die  hernach  geschlachtet  und 
begraben  wird,  auf  deren  grab  wnnder  gescbehn.  einer  wunschelkuh 
KAmaduh  oder  KdnuMenu  gedenkt  die  indische  mjthe  (Pott  2,  421. 
Somadeva  1,  196j.  eines  wütuehelböcki ,  der  geld  sohaft,  das  nor- 
weg.  mürchen  1,  45,  eines  eseU  pentam.  1,1.  der  machandelbom 
im  märchen  ist  ein  ttunsekbaum,  und  Ton  einem  solchen  aehnttell 
sich  Aschputtel  alle  prächtigen  kleider;  Indern  heifster  kalpa  vriktka 
(bäum  der  wünsche)  oder  Mamwathadt^aka  (wunachgebend)  Soma- 
deta  2,  84.  wie  die  kleider  der  sonne  und  des  monds  ist  die  gold* 
glucke  mit  den  sieben  hennen  (nachtrag  zu  8.601)  in  der  nuia  ent- 
halten. Fortuna  trug  ein  fatthom  (s.  628.843).  der  ziege  Amaltheia 
hom  gewfihrte  den  njmphen ,  die  Zeus  geflegt  hatten ,  alles  was  sie 
wünschten;  nach  einer  andern  sage  besafs  die  nymphe  Anaaltheia 
ein  stierhorn,  welches  fpeita  und  imidk,  wie  man  nur  wünschte,  in 
fülle  gab.  Wer  sieh  einem  gastmal  der  feen,  erzihlt  die  schottische 
Überlieferung,  nähern,  ihnen  hinkbeeher  oder  irinkkom  wegnehmen 
und  durch  einen  fliefsenden  ström  nuTerschüttet  tragen  kann,  für  den 
wird  es  ein  füUhom  des  giücke  (a  comucopia  of  good  fortune^  sein; 
bricht  es  entzwei,  so  schwindet  alles  heil  Rob.  Chambers  p.  32.  33. 
wir  wissen,  dafs  die  weisen  freuen  und  eibinnen  irimkhamer  entge- 
genbringen (s.  301.302),  dafs  kleinode  der  elben  (wie  jener  echmie- 
denden  zwerge)  menschlichen  geschlecbtern  glück  bereiten:  sckwert, 
fing  uod  becher  (s.  426),  dafs  der  schwan  in  Loherangrint  geechlecbt 
8chu>ert,  hörn  und  fingerlein  liefs  (Parz.  826,  10).  Oberona  hom^  der 
zu  den  elben  gehört,  war  ein  wünsehhom  und  erregte  zauberhaften 
tanz,  andere  wunder  wirken  die  Harfen  der  gÖtter  und  beiden  (s. 
860.  861).  Aufser  dem  hom  gewährt  die  elbische  gäbe  auch  heil- 
bringendes broi.  hieran  reihen  sich  die  schönen  mjthen  Ton  dem 
öüerügiemf  das  nie  yersiegt,  Ton  dem  süfsen  brei,  der  überquillt,  tob 
dem  garn^  das  sich  nicht  zu  ende  haspeln  iäfst.  Ein  wunderbecher 
war  aber  auch  Dxehemschids  becher  und  der  berühmte  Gral  (greal, 
Ducange  s.  t.  grädalus,  graletus,  grasala,  grassale,  grassellus),  näh- 
rend und  heilkräftig,  den  die  romanische  sage  mit  christlicher  Ter- 
band,  wie  des  Longmus  Speer  und  die  blutende  lanie  «n  einen  heid- 
nischen wunschffpeer  mahnt ;  nägel  des  kreuzes  werden  zu  siegbrin- 
gendem  zäum  Terarbeitet  (EL  ziu),  holz  des  kreuzes  und  zahllose 
reliquien  wundertbätig  angewandt  (Tgl.  s.  1131)»  ringe  und  edelsteioe 


n2» 

hielt  man  aq  reliquieD*  um  deren  kraft  in  sie  äbergekn  zu  laraen.; 
eMateine  aiod  in  K^ewitsem  ainn  wunteksteine  9  den  lodern  war  Duo* 
jarattM  eie  solcher  (Pott  %  421)  und  machte  aeinea  eigner  aller 
wüniche  tbeilhaflig.  Nicht  herühsiter  aeio  kann  der  Gral  in  den  ge- 
dichten  Yon  der  tafeirunde  als  es  Sampo  ioi  finnischen  epos  ist.  lU 
marinen  der  goll  hat  ihn  in  Pohjola  geschmiedet,  und  glücklich  war 
es  in  dem  lande  zu  leben ,  das  ihn  besafs ,  alle  felder  standen  yoII 
aaatea  und  früehte;  die  götter  suchten  ihn  aber  wieder  zu  gewinnen 
(gerade  wie  Odbrorir  a.  855)  und  der  raub  gelang  Wäinamöinen  und 
IlmariDen;  doch  Loubi,  Pohjolas  herrin ,  folgte  ihnen  in  udlergesaU 
(wie  Suttnng  dem  Odinn,  s.  836)  und  erreichte  die  flüchllinge  auf 
dem  meer.  Als  Louhi  nach  Sampn  greift,  W&inämöinen  mit  dem 
atener  auf  ihre  finger  schlägt,  fällt  Sarapo  ins  meer  und  zerbricht; 
blofs  der  decket  (kirjokannen  23,  393  vgl.  U,  361)  bleibt  in  Louhia 
hand ,  mit  dem  sie  nach  Pohjola  zurückfliegt :  seitdem  herscht  dort 
elend  und  hungersnoth.  stücke  des  Sampo  findet  Wäinamöinen  am 
seeilrand,  lä&t  sie  säen  und  es  wachsen  daraus  b&ume,  worunter 
eine  hohe  die  sonne  verdunkelnde  eiche.  Das  zusammentreffen  die- 
lea  Sampo  mit  dem  nord.  unsterblichkeitatrank  überraaeht,  und  die 
von  den  böchalen  gott  am  meereaufer  aufgenommnen  stüeke,  aus 
welchen  bäume  spriefsen,  Tergleichen  sieh  den  von  drei  äsen  am 
jtrand  gefondnen  Aakr  und  Embia  (s.  537.  Sism.  3^).  der  name 
Satnpa,  sicher  ein  uralter,  heiliger,  gemahnt  an  die  mongolische  sage 
Tom  bäum  Aaambnbararcha ,  deaaen  ins  wasser  fallende  fruchte  den 
laut  sambu  tob  sich  geben  (Majers  mjth.  wb.  1,  565),  tibetanisch 
heifst  «an^pa  geläutert,  heilig.  Wir  entnehmen  aus  allen  diesen  bei- 
apielen,  die  noch  nicht  einmal  ToHständig  sind,  wie  in  der  hülle  sinnlicher 
Torstellungen  Ton  speer,  hammer,'hut,  beim,  maatel,  hörn,  becher, 
apange,  ring,  scbif,  rad,  bäum,  rnte,  blame,  tucb,  speise,  trank 
die  geistigen,  von  sieg,  gluck,  friede,  genesung,  frnohtbarkeit,  reieh«- 
thnm,  tugend  und  diehtkunst  verborgen  liegen.  Wo  aber  mehrere 
einzelne  eigenschaften ,  wie  im  Sampo  und  Gral,  zusammenflössen, 
da  steigerte  sich  der  begrif  nad  die  heiligkeit  einea  solchen  gegen- 
ständes. 

8.  833.  auch  im  pl.  (die  utualdtn;  so  in  einem  niederrhein. 
gedieht  Ton  Wilhelm,  dessen  braobstücke  F.  A.  Renfs  heraosgegeben 
hat  Kitzittgen  1839  s^  13  *ganc  »allen  otuelden  hin!'  was  mieh  erin- 
nert an  *zuo  zailen  marsen  Tarn'  (s.  336). 

s.  839.  die  personificationen  Hamar  und  Heru,  als  waffen  der 
höchsten  götter,  gegenüber  der  friulichen  spindel  und  hal$spange, 
UAtersttttzen  sich  weohselsweise  (vgl.  zu  s.  185).  der  hammer  blieb 
teufliafth(8.  951)  und  im  aberglauben  (a.  1171),  doch  das  schwert  lie- 
iaen  sich  die  männer  nicht  Terunehren.  Die  Inder  personificierten 
das  Opfermesser  und  redeten  ea  an  (Gott.  anz.  1831,  1762). 

s.  842.  bruoder  Zornli ,  Ergerk  (oben  s.  251).  Hans  Sache 
stellt  den  HederUin  als  Zenkleins  bruder  auf,  in  bärenhauL 

8.  845.  auch  Fromuoi  Sigeminnes  dienstfran  im  Wolfdieterich 
673.  675-77.  719. 

8.  845.  Helbl.  7,  61  läfst  Wdrheit  und  Trivwe  aus  dem  lande 
fahren,  eigenthümlich  ist  aber  was  er  von  der  Wirbelt  weiter  erzählt, 
wie  eie  in  einen  pfoffen  gefahren  sei,  sich  in  seine  wange  geschmiegt, 
zuletzt  aber  bei  öfnung  seines  raundes  ihn  wieder  Terlassen  habe  7, 
65-102.  7,  751  werden  Untugenden  aufgefordert  in  den  richter  zn 
aUefen.     beide   tilgenden  und   Untugenden  kehren  also  gliekh  dem 


1^0  NACBTIÜUSE 

daemon  (s.  966)  in  menBchen  ein  aad  wmchen  wieder  Ton  ihnen. 
Solche  Torsteilungen  lagen  aber  nah  und  schon  iltere  diehter  lasaen 
namentlich  die  Mmne  in  das  herz  der  menschen  einkehren,  es  be- 
setzen, z.  b.  Ms.  1,  26l>:  *ach  säeze  Jlftfine,  foege  dich  in  ir  herze 
und  gib  ir  minnen  muot!'  Nicht  zu  übersehn  ist  Ms.  2,  260>  die 
naiye  frage  der  tochter  an  die  matter :  'nn  sage  mir , .  ob  dto  Mimu 
lebe  und  hie  bt  uns  üf  erde  st,  ald  ob  um  in  dm  lüften  twebe?' 
sie  weifs  also  Ton  höheren  wesen,  die  sie  sieh  in  der  luft  bausend 
denkt,  wie  die  heidnischen  walküren  in  der  luft  fuhren,  der  mutier 
antwort  redet  von  Venut:  *si  Tert  unsihtic  als  ein  geUtj  ai  en  h^l 
nibt  ruowe  naht  noch  lac,*  vgl.  s.  424. 

s.  846.    de  tunica  Christi  non  consaia.  Greg.  tur.  mirac.  1,  8. 

8.  854.    Wigal.  s.  312  geigen   sechs  fiedler   allen  komtner  vom 
herzen,     wer  sie  doch  stets  zu  gebot  hätte! 

8.  854.  leika  hörpu  ok  segja  sogar  svü  at  ganHMpigLü  at.  fomald. 
sog.  1,  315. 

862.     *au  jnd  ou  on  eorone  les  biaus  dis.*  cour.  Renars  1677. 

s.  881.  dixerunt  majores  nostri,  tempore  melioris  et  probiorii 
aevi,  €one%$binai  sacerdoium  in  aere  a  dtumanibui  non  alit^  quam 
feras  sylrestres  a  canibus  Tenalicis  agOari  aique  tandem  discerptas 
inrenin:  quod  si  hominum  quis^iam  haec  audiens  Tenationem  sw 
damore  a<ltiuoerit,  Uli  partem  vel  membrum  caneubmae  disseetum  üd 
januam  domus  maoe  a  daemonibus  suspenaum.  Bebelii  facetiae, 
Tub.  1555  p.  11*.  die  faolzweiblein  werden  hier  darch  die  pfaffen- 
Irauen  vertreten,  das  kann  aber  in  der  rolkssage  schon  des  13  jh. 
geschehen  sein. 

s.  884.  Johann  Hühner  reitet  dnäugig  auf  schwarzem  rosse  %« 
miiUmachi,  DS.  no.  12a 

8.  868.  ohne  zweilel  hat  schon  das  mnL  gedieht  von  Marg.  van 
Limburg  (a.  1357)  gleich  dem  späteren  Volksbuch  und  Johans  vea 
Soest  bearbeilung  (Mones  anz.  4,  168)  den  VenuBberg^  dessen  ältestes 
vorkommen  mithin  dem  14  jh.  beizulegen  ist.  eine  Dresdn.  ha.  des 
15  jh.  (Hagens  grundr.  336]  enthält  ein  noch  angedrucktes,  wahr* 
scheinlich  noch  im  14  jh.  verfafsles  gedieht  vom  Venusberg.  ich. 
Yon  Soest  dichtete  1470,  Hermann  von  Sachsenheim  1453,  vor  ihnen 
nennt  schon  Job.  Nider  (f  1440)  im  formicarius*  den  Venusberg.  Job. 
Herolt  (s.  885)  redet  von  Diana  und  frau  Unhold,  nah  verwandt  ist 
der  berg,  in  dem  Felicia  und  Juno  hausen  (s.'  913).  Vielleicht  hatte 
man  in  Italien  ähnliche  sagen,  denn  Paracelsus  meldet  (Slrafsb.  1616. 
2,  291  <^):  so  ist  auch  nicht  minder,  dafs  mit  diesen  pjgmaeis  ist  der 
Venusberg  in  ItaUa  besetzt  gewesen,  dann  Venus  selbst  ist  ein  njm- 
pha  gewesen,  und  der  Venusberg  ist  ihrem  reich  yergleicht  worden, 
aber  dieselbig  ist  auch  abgestorben,'  darumh  ist  auch  ihr  reich  mit 
ihr  vergangen  und  hat  aufgehört  dann  wo  hört  man  mehr  von  ihnen 
sagen ,  wie  vor  alten  zeiien ,  da  der  Dannkauser  und  andere  mehr 
sind  darinnen  gewesen?  und  ist  solches  von  ihm  kein  fabelgedicht, 
sondern  ein  warhaftig  geschieht,  und  in  den  chirurg.  Schriften  (Strafsb. 
1618.  8,  332^):  ellich  die  seind  hoch  daran,  praclicieren  heimlich  und 
yerborgen  nigromanciam,  als  campisirer,  die  kommen  aus  dem  Ve- 
nusberg und  haben  ,ibr  kunst  getauft  im  VeltHner  und  haben  mit  dem 
bruder  Eckart  mettin  betet  und  mit  dem  Danhäuser  ein  blutwarst 
gessen.  Afzdius  2,  141  erzählt  von  einem  bräutigam,  der  40  jähre 
bei  den  elben  war.  alle  sagen  versetzen  Venus  und  Holda  in  elbberge. 

s.  895.     Viel  bedeutender  ist  eine  sage  des  Eckenlieds.     FtueU 


MA€HTRÄOfe:  1231 

|a^  mit  hundeiL  eiu  leUdes  fräukin  iu  wald,  gerade  wie  der  wilde 
jfiger  dafi  hdUweiblein  (s.  881);  in  Lafsberga  ausg.  161*201,  in  Ha- 
gens  213-254  Tgl.  333.  dies  wird  fär  die  auffassung  Fasoht  wichtig, 
der  ein  aturmriese  war  (a.  497.  602)  und  hier  gleich  Wuotan  im 
wilden  beer  aufzieht. 

8.  905.  diea  kegelschieben  im  berg  gleicht  dem  schallenden 
donner.  *die  engel  schieben  begel,*  sagt  man  in  Norddeutschland, 
wann  es  donnert. 

8.  906.  einen  Siteren  mjthus  gewährt  das  chron.  ursbergense  ad 
a.  1123:  in  pago  wormaeiensi  Tidebantur  per  aliquot  dies  non  modica 
et  artnaia  tnulHiudo  equitum  euntiöm  et  redeuntium,  et  quasi  ad  pla* 
eitum  cölloquium  nunc  hie  nunc  iilic  turbas  facere,  circa  nonam 
Tero  horam  etddam  monH,  q%u>  ei  exiisse  videbanHir,  se  reddere.  Tan- 
dem quidam  de  incolis  regionis  illius  non  sine  magno  timore  hujus- 
modi  tam  prodigiosae  concioni  crucis  signaculo  munitus  appropin- 
quat  mox  quandam  ex  illis  occurrentem  sibi  personam  per  nomen 
omnipolentis  domini  nostri  munifestare  causam  populi,  qui  sie  appa- 
ruerit,  adjurat.  cui  ille  inter  cetera  *non  sumus'  inquit  'ui  putatis 
fantasmata,  nee  militum,  ut  Tobis  cernimur,  (urba ,  sed  animae  nuU" 
tum  inter fectorum,  arma  rero  et  habitus  atque  equi,  quia  nobis  prius 
ftierant  instrumenta  peccandi,  nunc  nobis  sunt  materia  tormenti, 
et  Tere  totum  ignitum  est  quod  in  nobis  cernitis,  qaamvis  id  tos 
corporalibus  oculis  discernere  non  possitis.*  In  hujusroodi  comitatu 
dicitur  etSam  Emicbo  comes  ante  paucos  annos  (a.  1117]  occisus 
apparuisse  et  ab  hac  poena  orationibus  et  eleemosynis  se  posse  redimi 
docuisse.  Donnersberg  (s.  )55)  lag  im  Wormazfeld ,  es  wird  also 
kein  andrer  gewesen  sein,  aus  dem,  iU  den  die  alten  geister  fahren: 
Seelen  der  gefallnen,  wieder  erweckten  beiden  (s.  893),  hier  nur  mit 
christlichem  auge  in  höllischem  feuer  geschaut. 

8.  909.  altfranz.  le  sec-arhre,  Varhrt  sech  oder  9upe,  Tgl.  die 
im  thöatre  fr.  au  moyen  age  s.  171  ausgebobnen  stellen. 

s.  929.  gezwtet  tu  der  wünschektse,  Tit.  5161  ;  wiinschelbemde 
Tit  5169. 

s.  932.  die  sage  Tom  wüsten  schlofs  und  bartscheren  auch  Sim- 
plic.  iri3.  1,  617. 

s.  949.  951.  noch  zwei  fhiere  sind  anzuführen,  in  deren  gestalt 
der  teufel  erscheint:  hahn  und  käfer.  gökelbahn  und  scbwejn  bauen 
miteinander  am  graben  (s.  975)  und  unter  dem  mantel  des  menschlich 
gebildeten  leufels  ragt,  wie  pferdefufs,  haknkralle  herTor.  werden 
aber  donnerschröter  und  mistkäfer  teuflisch  genommen,  so  Terbürgt 
das  ihre  heidnische  auiFassung. 

s.  953.  ich  kann  fünf  oder  sechs  andere  Ortschaften  des  namens 
Ovelgunne  in  Niederdeutschland  aufzeigen,  z.  b.  in  der  Altmark  bei 
Werben. 

s.  955.  Oggetoedel  liefse  sich  erklSren.  wedel  ist  flabellum  und 
kommt  in  andern  icufelsnamen,  wie  Grunwedel,  Straufswedel  (s.  1016) 
Tor,  stimmt  auch  zu  flederwisch.  ogge  scheint  aber  ocke,  ecke,  uoke 
(s.  217. 218),  also  wäre  die  abd.  form  Uokiwedely  flabellum  horrendum. 

s.  965.     des  Ht/oeUs  hint.  Rol.  2,  31. 

s.  967.     auch  'daz  weiz  er  und  der  liwoel  wol.'     Helbl.  7,  125. 

s.  978.  der  handschlag  dient  bei  Terzanberuogen.  Wolfdiet.  1372. 
Ton  der  heidin  Marpalie:  'sie  sluog  ir  hend  ze  samen*  und  Terwan- 
delt  sich  plötzlich  in  eine  krähe. 

8.  989.    %auber  werfen  Wolfd.  515.  520.  533. 


1232  NAiCÜTRiGS 

8.  1004.  auch  Preqlken  %lfikh  a^tirere  hhcksißr^ß.  TeUau  and 
Temm«  n.  264. 

«.  1017.  auch  auf  VilL  saga  cap.  1$0  hätte  sollen  angeführt 
werden,  dafs  ein  tUfr  die  königin,  Aldrians  gemahlin  bewältigt,  qod 
auf  diese  weise  Högai  ( Hagano)  erzeugt  wird.  Helgi  zeugt  die  Skuld 
mit  einer  älfkona  (foroald.  sog.  1,  32.  96). 

a.  1027.  fionisch  für  Schmetterling  auch  /uotien  ftotra  (mortis  ca- 
nis),  s%ulen  horendo  (lupi  yectis);  schwed.  troüslända  daeroonis  fusus). 

a.  1047.  einen  gesellen  ans  fremdem  lande  herbeizubrt^gen  sie- 
det  man  dessen  ibrümpfe;  oder  man  nimmt  des  gesellen  sdiuhe  in 
einen  neuen  topf,  schöpft  damit  fn^en  de»  ström  wasser  und  siedet 
nun  die  schuhe  im  topf  vier  tage  lang;  uiich  deren  rerlauf  wijrd  er 
kommen,  (in  Hessen). 

s.  1047.  Verwandlungen  in  thiere  (rgl  s.  621)  aind  entweder 
freiwillige  oder  gezwungne*  das  höhere,  mächtige  wesen  wandelt  sich 
selbst  in  die  ihm  bequeme  tbiergeslalt,  oder  es  Terhiogt  sie  zur  strafe 
oder  aus  räche  über  einen  menschen,  in  den  sagen  sind  es  häufig 
schwiegermiiUer  oder  stiefmütiery  die  kinder  Yerwandeln,  altn.  slmpw^dur 
shop.  foroald.  sog.  1,  31.  58. 

s.  1048.  wer  einen  wolfsgürtel,  <jlfbamr  trägt,  heifst  ahd,  v>olf' 
hetan^  altn,  ulfhedinn  (das  d  steht  für  prganisches  d)  und  zumal 
wurden  wütende  berserkir  ^/'A«^ntr;  ^eir  hpfdu  Yargstaka  fyrir  bryn- 

i'ar.  VatDsdcela  s.  36;  berserkir  ^eir  T^ru  kalladir  ulfhiedar  (L  ülf- 
lednir).  Gretlissaga  32>.  Ulßedinn  ist  aber  auch  mannsname  wie 
ahd.  Wolfheian  MB.  28  no.  52.  246.  ebenso  kommt  Tor  biarnhedion, 
geiihedinn,  der  ein  bärenfeil,  geifsfell  angethan  hat,  aU  mannsname 
Biamheiinn  Landn.  45,  uod  das  einfji^che  Heäinn,  stammyater  der 
Hiadnlngar,  aga.  Ueodeuingas  voq  Heden  oder  Heodeo.  der  Tocal 
ist  also  e  (nicht  e)  und  man  hätte  ein  verlornes  Terbum  ahd.  hetan, 
hat,  hAtum  (goth.  bidan,  had,  h^dum)  anzusetzen,  Lye  fuhrt  an  he- 
den  casla,  was  wol  casula,  kleid  ausdruckt ,  und  altn.  soll  auch  geU- 
he^inn  pallium  e  pelle  caprioa  bedeuten,  doch  ziehe  ich  in  Wolfhe- 
tan  die  participialform  Yor. 

s,  1049.  foroald.  sög.  1 ,  50  erwähnt  ein  liosta  med  ülßandska 
(schlagen  mit  dem  wolfshandschuh)  ^  wodurch  jemand  in  einen  bär 
▼erwandelt  wird,  die  thiergestalt  bei  tag,  die  meoschliche  bei  nacht 
annimmt 

s.  1055.  den  Hebestränken  stehn  li^eskuchen  zur  seile.  Barc- 
hard (anh.  s.  XL)  beschreibt,  wie  flauen  sich  nackt  auf  waizen  wäl- 
zen, ihn  zur  müle  gegen  die  sonne  (alt.  andscelis,  inverso  ordine) 
malen  lassen  und  daraus  brot  backen.  Nach  dem  Tolksabergtauben 
in  Samland  soll  eine  frau,  wenn  sie  wahrnimmt,  dafs  ihr  mann 
gleichgültig  gegen  sie  werde,  beim  brot  oder  fladen  hacken  neunmal 
hintereinander  etwas  von  dem  rohen  teig  zurücklegen  und  ihm  zuletzt 
einen  fladen  daraus  backen,  so  wird  sich  bei  dessen  genufs  die  alle 
liebe  wieder  finden.  Den  Ehsten  heifst  karwakak  (haarbrot)  ein  brot, 
in  das  zum  zauber  haare  gebacken  sind.  Auch  die  Hebesäpfel,  io 
die  man  zeichen  schrieb  (HoCTm,  schles.  monatschr.'  s,  754  )>  gehören 
dahin. 

s.  1059.  lett.  blehnu  tizziba,  aberglaube,  glaube,  an  eitle  dinge, 
blehnas. 

8.  1060.  denkbar  ist,  dafs  noch  zur  langobardischen  zeit  Über- 
reste altrömischer  Wahrsagung  im  schwang  giengen ;  Paul.  Biac.  3, 30: 
habebat   lunc  Agilulf  quendam    de    suis  aruspicem  puerum^  qui  per 


NACaiTRiGB  1233 


•rtem  diaboliBaiDi  oaid  fatnniA  porteaderent  iefiw  fuhmmm  intellk- 
gebat  die  eiraskiseaen  luraapicieo  waren  vorzüglich  auf  fulgura  ge- 
ricklet  (O.  MäUer  2,  32). 

I«  1063.  die  sohwingangeii  dea  sUbs  und  seklüsseh  gleicbeo  de* 
nea  der  wünsekeinUe  (s.  927j. 

••  1067.  an  geacklaehteten  opfern  worden  solche  extiapioien 
Torgenoinnien,  aber  aach  blors  um  der  Weissagung  willen  thiere  ge-^ 
sahJaohiei:  rechiso  pectore  [tmiaru)  extraxit  fortissimuni  jecmr ,  et 
inde  mihi  fulura  praediziL  Pekronins  137.  Auch  hei  den  Tscherhes- 
acn  gilt  weissagiing  aus  sobukerbliltem»  TgL  £rman8  archiT  1842 
heft  1  s.  123. 

f.  1071.  Terschieden  die  weissaguog  ans  hasekiä$$en  (Petron. 
a.  a.  o.) :  infra '  manua  meas  camellam  Tini  posoit  et  cum  digitos  pa- 
nier extensos  porris  apioque  lustrasset,  aTellanas  nuces  cum  pr«» 
eulion€  mersit  in  Tinom :  et  sire  in  summum  redieraot  sive  snbsede- 
rant  ex  hac  oonjectnra  dicebat. 

s.^  1071.  wen  die  rechte  band  jueki^  der  wird  geld  geben  müssen, 
wen  die  linhe,  der  wird  geld  empfangen;  wea  das  rechte  ange  jucki, 
der  bekomffit  zu  weinen,  wen  das  linke,  zu  lachen;  juckm  ihm  die 
fusaohlea»  so  steht  ihm  tanz  bevor,  juckt  die  nase,  eine  nenigkeit« 
bekommt  jemand  einen  gelben  finger,  so  ist  ein  verwandter  gestorben« 

s.  1084.  *sant  Mmim*  vogel,  wo!  über  herl*  daz  ist  aü  gsr  der 
ninwen  haut»  Ib.  der  Hitzlerio  241  b;  den  MartiosTOgel  leichtsinnig 
hersnrufen,  daa  ist  der  heutigen  weit  brauch,  vgl.  diu  niuwe  bsnt  und 
alte  hant  im  Renner  2087-2111.  Reinaert  wird  gerufen:  *al  heil» 
edel  Toghel,  kere  herwaert  dinen  vloghel! 

s.  1099.     träum  tm  neuen  beU ,  fornald.  sog.  1,  367. 

s.  1102.  auch  Ftiä  ist  parca,  parcens,  vgl.  golh.  freidjan 
parcere. 

s.  1109.  russ.  der  weichselzopf,  eo^efs,  was  an  Volos  s.  592 
rjihrt. 

s.    1112.    pruisfiU,  habe    ich  gramm.   2,  20  richtia  zu  ^riutsn 

gestellt  und  2,  598  den  anomalen   gen.  bruts  f.  ^rntis  erksunt    pruts 
edeutet  quäl,  plsge  und  dann  suf  die  Krankheit  angewandt  aossatz. 
die   abd.    form  wäre  druzisfel.     vollkommen   stimmt  das  böhm.  irud 
in  beiden  bedentungen  dolor  und  leprs.  desgl.  das  poln.  tr^d.  auaschlag. 
a.  1116.    auch  Renner  12183:  airecket  iuoh  nieder  und  lät  iuch 


a.  1129.  einea  milchtropfenden  felaena  gedenkt  auch  des  Fei. 
Faher  cTagatorium  1,  449. 

a.  1143.  die  durch  den  säum  des  qewands  bedingte  heilkraft 
lifst  aich  auf  daa  biblische  aaumanruhren  beziehen  Matlb.  9,  20.  14, 
36.  Marc.  6,  56.  Luc.  8,  44. 

a.  1144.  Hermea  reifat  dem  Odjaaeua  daa  wider  zauber  krfiftige 
yci^^axov  aua  der  erde:  /»wiv  dk  ^«y  malhvoi  &tol  (waa  auch  a.  307 
nachzutragen). 

a.  1152.  in  den  polniachen  brdchen  wXchat  eine  schöne  blaue 
Sternblume  auf  langem  atengel  (vgl  trojziele  a.  1166),  der  die  banern 
feind  aind,  weil  aie  glauben,  dafa  alte  weiber  und  sigenner  aich  ih- 
rer bedienen,  um  die  knhe  zu  behexen,  dafa  aie  aich  die  milch  aelbat 
auaaaugen.    Potta  zigeuner  a.  vm. 

a.  1159.  eberwurij  schon  abd.  epnrwurz,  carlina  acaulia,  Karls- 
distel, auf  bergen  dicht  am  boden  ohne  atiel  wachsend,  mit  silber- 
weifsen,   unwelkenden  blittem.     Als  während  einer   pest  Carl  der 

Grimms  m^ikoL    Sie  uusgabe,  78 


1234  NAdmiiGB 

grofte  in  sorgeo  eotachlifeD  war,  ertehien  dem  triomenden  ein  enge) 
und  befahl  ihm  eioen  pfeil  in  die  lafl  lo  tchieften :  auf  welches  kraat 
er  niederralleo  werde,  das  sei  heilsam  gegen  die  seuche.  Carl  schofs 
am  morgen  den  pfeil  ab,  dessen  spilse  in  einer  eberwnrz  stecken 
blieb :  sobald  man  sie  inilich  anwandte,  wich  die  pest  Wer  eber« 
wnn  bei  sich  trigt ,  und  wenn  er  noch  so  lange  liefe ,  wird  niemals 
mäde;  auch  entlieht  er  einem  gesellen,  der  mit  ihm  über  feld  geht, 
alle  kraft,  weshalb  man  sie  ehmals  bei  Wettrennen  den  pferden  an- 
zuhingen  pflegte,  oder  einem  weib  oder  mann  in  der  ehe,  ohne  dafs 
sie  es  meritten ,  worauf  dann  der  andere  theil  abiehren  und  sterbea 
muste.  auch  wurde  die  eberwun  in  den  trog  genigelt,  dafs  die 
Bchweine  darüber  fressen,  und  daher  soll  ihr  name  rühren.  fWoIfg. 
Menzels  litteratnrbl.  1844  s.  9.  10).  Wahrscheinlich  hat  die  nenen-^ 
nung  eberwurz  andern  grund,  carlina  scheint  aber  nach  der  sage 
gebildet,  dem  könig  Carl  erschienen  oft  Terkundigende  engel  im  träum, 
und  Tom  kämpf  mit  dem  Eber  gingen  schwere  trinme;  vieHeicbt 
heilte  das  kraut  die  Tom  eberzahn  gehaune  wunde. 

s.  1168.    nicht  blofs  der  Freyja  thrine  wird  zu  gold,   auch  ein 

5 riech,  mythus  lifst  das  fjltmxQw  ans  den  thrinen  der  SennentoGhter 
er  Schwestern  Phaethons  entspringen,  sei  es  nun  aM  oder  hemsUiny 
Buccinum.  für  dieses  kennen  schon  Tacitus  und  Plinius  das  deutsehe 
wort  o^eiiim  (gramm.  1,  58);  ein  alto.  name  lautet  rafr  Sn.  156. 
achwed.  raf,  diu.  rat;  ags.  glossen  haben  eoUuand  electrum  (bei 
Mone  1106  eolcfang).  man  Tgl.  Werlauffs  gelehrte  abh.  Tom  Irern- 
atein  Schleswig  1840. 


REGISTER 


123S 


REGISTER. 


Aaskereia  898 
abcat  95 
Abel  897 
Abenlr6l  710 
abgott  13 
Abraham  1189 
abrahcmsch  1170 
Abundia  263.  1008 
abjssDS  933 
Adam  531.  540 
AdoDia  901 
Aegel  355 
filfAdl  1193 
Aeolas  597 
AescuIapioB  1164 
AedelslAn  107 
Affenberg  645 
Agemond  478 
agerold  1228 
dgetroc  432 
Ahriman  936.  963 
Ajo  336 
ailwars  433 
Alberich  421 
Albdonar  170 
albleich  439 
albsohofa  429 
Albunea  464 
alba  57 

Alirona  85.  375 
alp  411 
diptrhamr  398 
alpzopf  433 
Alrane  1153 
AlsYidr  621 
Al^iiofr  434 
altiBsimus  19 
AWilr  397 
alx  57 
Amala  345 
amaiooen  390 
ambro  493 
Ampbion  861 
Ana  86tl  1106 
Aoar  697 


AndlAogr  768 
Andrari  559 
anel  607 
Aogandeo  178 
Angant^r  178 
ans  22 
antheia  33 
Antichrist  770.  771 
antilago  775 
Aphrodite  284 
Apollo  100.  136.  147. 

587.  773.  854.  958. 

1101.  1134 
aquilo  600 
aranscart  444 
Ares  100.  183  185 
Arianrod  331.  384 
Artemis  901. 902. 1101 

1134.  1143 
Artemisia  1143 
Artur  633.  895.  912 
Arrakr  621 
arweggers  1217 
Asaheimr  497 
Asbiörn  633 
AsbrA  694 
Ascbanes  537 
Aschkenas  1219 
Asgardr  778 
Asketül  56 
Askiburg  324 
Askr  324.  527.  537 
AspriAn  514 
Athene  244.  504.  632. 

1101.  1143 
a{>n  715 
atisks  1069 
Atli  153 
atzraann  1045 
Aochoir  721 
Aurinia  85.  374.  375 
Austri  430 
Audamla  526.  630 
Ayar  272.  493 
■   Afentiure  863 


Ayernas  766 
aTiliodön  30 
Azdingi  317 
baba  447 
Babehilt  1216 
Babilöne  906 
Bacchus  239 
badi  59 
badniak  1220 
Bäldig  202 
bSrenbrot  743 
Bakrauf  1033 
Baldander  188 
Baldr  201  ff. 
baldrian  1159 
Baldrsberg  1210 
BaldrsbrA  1143 
Baltero  948 
balwonas  94 
band  23 
banshi  413 
barguest  480 
barlebaen  955 
baomheckel  925 
Beal  208.  580 
bealdor  201 
bealtine  579 
BeaT  342 
Becbte  257 
Befana  260 
beifufs  1161 
beider  1201 
Belenus  579 
belewitte  441 
Bellona  189 
Bellores  580 
Benz  955 
beomödor  1191 
BeoTuir  342.  639 
Berecjntbia  234 
bergbüi  499 
Bergelmir    496.    526. 

529.  541 
bergrind  500 
bergtagen  435 

78* 


»36 


RE0I8TBR 


Hertha    250   ff.    401. 

751.  864.  920 
Berhloll  257.  884 
Bernhart  346.  889 
Bertram  1163 
bethphania  552 
betonica  1159 
bi'anac  121 

Bielbog  203.  208.  936 
Biflindi  135.  836 
Bifrönt  694 
Bil  679.  680 
Bildaberta  255 
bildukkas  475 
büerit  442 
Billich  842 
BilliDg  347 
bilse  560 
bilseDschoitt  444 
Biört  1101.  1102 
biuds  59 
BUater  515 
Blakulla  1005 
Blancheiear  400 
Blaserle  430 
Blicero  809 
BUd  1101.  1102 
Blocksberg  1004. 1232 
blöuo  31 
Blutstälpe  1196 
bockschnitt  445 
Bodn  855.  857 
Bodrok  1199 
Bölyerkr  856 
Börr  323.  526 
bogatyr  1213 
bona  socia  468 
bonae  mulieres  ICH 
bonae  res  1012 
hon  homind  493 
boni  homibes  1019 
bonne  dame  401 
Boreas  597 
botri  476.  619 
Boas  1214 
brag  480 
Bragaroedur  216 
Bragr  215 
Brahma  544 
bramberend  955 
Brana  499 
Brego  215 
BregoTine  82.  861 
Breidablik  203.  755 


Breide  347 
Brigida  578 
Brlmir  527 
brlmyylf  464 
Brlslngamen  283. 1227 
britannica  1147 
Brond  203 
Brosingamene  283 
Brünhild  889 
Brüni  307 
BrunmatiB  1224 
Bruqnakr  216 
Brynhildr  395.  1 102 
burgrüna  376 
Bari  323.  526 
Burlenberg  933 
baschmotter  452 
hatte  474 
butze  474.  956 
Gain  682 
calendas  594 
Carl  906 
Carl  quintes  890 
GAsere  340 
Gastor  lOÖ.  339 
census  649 
Gerberas  775 
Geres  233.  286 
Geridwen  695 
Gharon  791 
chela  891 
Gherasci  185 
Gheryiobargus  998 
Ghimken  471 
chirihha  75 
Ghlangere  251 
chrenect'ad  608 
chrisroare  3 
Christoph  496.  509 
Christas  166.  1195 
Chrodo  187.  227 
Globes  482 
CniVida  1214 
coboldas  468.  1217 
Ctitel  119 
Cura  833 
Cybele  233.  234 
Cjpripediom  1145 
Daedalas  351 
DSghrefii  705 
diamling  420 
Dagr  697.  699 
Danpr  342.  1211 
Danr  342 


diae  1013 
Datanaa  1205 
Decius  841 
Degltngar  697 
dehselrlte  1024 
Demeter  233 
Derk  194 
Deucalion    538.    543. 

545 
deas  176 
derin  439 
Diana   99.    100.  260. 

261.  263.  885.  902. 

1008.  1114 
schwarze  Diana  289 
Diespiter  177 
Dieterle  680 
Dietrich  346.  498 
Dietrichbem  889 
dillestein  766 
ding  411 
dirp  909 
dls  373 

Dishargam  1209 
Disendach  114 
Dissanapiter  205 
diyes  176 
Dobropan  118 
Dodola  561 
doBgr  1224 
döcklilfar  413 
Dörrndr  397 
dögor  1224 
Dold  935 
dömsdag  775 
Donanadel  458.  981 
Donar  112.  151  ff.  772 
donnerbart  167 
donnerffoeg  167 
donnerkraat  1143 
Donnersberg  154. 155. 

169.  1231 
donnerstein  1171 
donnersiege  168 
dorant  1164 
dorper  501 
doste  1164 
drache  654 
draagr  867 
Draapnir  52a  1227 
dreäm  854.  1098 
Drlfa  598 
droost  488 
daende  468 


"*     .  t 


ABGIStER 


mh 


duesse  382 
dumbr  499 
dameke  688.  689 
damipg  688 
Duriöo  527 
dura  487.  488 
durva  608 
duscii  449 
dutten  511.  512 
DyAparas  841 
dTergmil  421    ' 
dyergr  412 
drergslagr  1110 
dyergaofit  440 
DwjTan  546 
Dziewanoe  885 
Dziewicii  447 
Dzuma  1138 
Earendel  348 
Elistre  266.  267 
eberwun  1233 
eburdrung  333.  689 
Eckart  887.  888 
Ecke  218.  602 
Eersel  1206 
Egihelm  217 
EigU  349.  353 
Eileithyia  1128 
Eim  566 
Einheri  778 
Eir  1101.  1113 
Eishere  523 
elbe  411 
Elbegasl  434 
Elbendrötsch  412.^7 
Elbericb  421 
eidborg  ^95 
Elegast  434 
«Iflräd  619 
Elias  157.  158.  772 
Eliodnir  762 
ellefolk  411 
Embacb  566 ' 
Embla  527 
EndjmioD  903 
ent  491 
enzmann  491 
eoforcombol  195 
Eor  182.  183.  839 
eorcantUa  485 
eoten  485 
EoTden  147 
epiphaoia  259.  1212 
epurbelm  195 


Era  385    . 
Erculea  773 
Erde  229 
erdh^nlein  655 
erdwarm  506 
Ere  845 
Erebus  540 
Eresberg  182.  1209 
EricblhQDius  689 
Erik  955 
Eriksgata  ^34 
Entacll3 
EnBenricfi  933 
Ermiogslrete  330 
Ero  229.  1209 
Ertag  183.  1209 
«aa  geacot  1192 
Escio  323 
Eskja  537 
Eiael  1218 
Elicbo  346.  367 
Etzel  153 
Eagel  439.  930 
Euring  332.  333 
Europa  631 
Ewald  423 
dwarto  79 

exercitus  antiquus  893 
feralia  exercitas  902 
Ejlimi  931 
FAfoir  345.  930 
Fairguneia  156 
fairffuni  610 
fairbyas  753 
fairj  rings  438 
Falada  624 
FAlant  1199 
Fama   849 
Famara  1209 
fanatici  73 
Faoigolt  498 
fantasma  450.  466^ 
fanoiD  74 
Farbaali  225 
farn  1160    , 
Fasat  1210 
Faaolt  218.  494.  602. 

1230 
Faste  742 
fata  382 
faunas  450 
faärataoi  1059 
faxi  621 
feig  816 


Felicia  913.  1227 
Fenja  498 
Fenrir  224,  774 
Feruina  1183 
Fialar  422.  436.  855 
frau  Fichte  619 
Fifeldor  219 
fimbul  785 
FiDD  199.  516 
Fiöloir  659 
Fiörgjn  157.  235 
Flederwisch  1016 
Flore  400 
Fönn  598 
Folcrald  200 
FölkyAngr  282 
Folla  2)65.  285.  843 
rollet  475 
follis  475 
folmAoi  672 
folter  1029 
Fornax  235.  596 
Fomeotea  folme  1143 
ForDiotr  220.  496 
fors  559 

Forseti  210.  1210 
forst  59 
Fortuna  822  ff. 
Fosete  210.  1210 
Fosetesland  567 
Fosse  330 
Fossegrim  461.  559 
Fräcingborat  1212 
Frank  1199 
Frauen  Schüssel  1146 
fränja  19.  190 
FreA  117.  122.  190  ff. 

27a  1212 
FreäUf  199 
Fre&Tine82.  192.  340 
fru  Freke  281 
Freki  134.  634 
frau  Frene  283. 1212 
fres  634 

Freyfaxi  ,194.  622 
Frejja  103. 276  ff.  389. 

514.797.1007.1055 
FrejjuhArll43.  1146 
Freyju  boena  658 
Prejr  103.  146.  190  ff. 

622 
Freys  yinr  82 
Freiyidr  1208 
Fria  112 


1288 


REGISTER 


Fricc»  278 

Fricco  t02.  193.  196 

1209 
Fricka  899 
Frtd  not.  1233 
frtdhof  75 
FridoTolf  199 
Friedrich  rothbart  906 

ff. 
Frigg24a  276  A  820. 

891.  1181 
Frigpjar  rockr  689 
friscmg  44.  45 
Fr6  190  ff.  446 
Froberge  196 
Froger  341 
Froho  190 
Fr6muot  845.  1229 
FrAa  277 
fhi  Froike  1212 
Fnima  843 
fällborn  1228 
Fuld  944 
Falla  265.  285. 
falli^s  672 
funkentag  594 
fr6  Fuoge  287 
fjlgja  829 
gadeUd  589 
gadelam  736 
Galar  855 

galgenmSpnlein  480 
gahog  13 
sallicena  396 
Gallut  636 
Gambara  336 
gambanteinn  928 
GliQglati  803 
GAngleri  148.  301 
GAogrAdr    14a    301. 

1207 
Gaona  85.  374 
Gargaotaa  509.  521 
Garmr  775 
Garada  601.  1220 
Gaachsberg  645 
fru  Gauden  877  ff. 
fro  Gaue  231 
Gaulr  341 
Gftuu   20.    328.  345. 

842.  1207 
Geftt  149.  345 
GeQon  287.  820 
Gefn  288 


GeilAt  701 
Getrniördr  198 
gelmir  529 
gelatar  34 
gemeinwoche  1200 
geofon  219 
Georgenhemd  1053 
geormenleAf  1166 
gepanU  831 
Gerdr  193.  285 
Geri  134.  634 
GAm6t  344 
Geraemi  840 
Gertrad  53.  639.  797 
geapenat  866 
getwAfl  433.  867 
GeTit  328 
Giallarhoro  214 
Gibicho  126.  344 
giefiiTogel  1221 
giezeo  93.  127.  1199 
gtfr  493 

g'gant  491 
iltine  1137 
Gimill  783 
ginnan  525.  1218 
glDodogagap  525 
ginregin  297 
GiöU  762 
Giuki  344 
Gladtheimr  780 
glatborg  781 
glathaua  1225 
GUtborn  890 
GlitDir  829 
gluekhenne  1223 
gläckthelro  829 
Gd4  838.  849 
gnideld  574 
gobeÜD  470 
fhi  Gode  231 
godgabbe  152 
G^dmundr  783 
Gödormr  146 
Godralf  200 
Göndal  391 
Göntiöl  689 
G6i  232 
goldbarg  780 
Goldemar  477.  1142 
goldferch  45.  1201 
goldaele  780 
gotes  friunl  1203 
gott  12 


grAl  1228 

Samir  943 
rani  896.  930 
Grant  946 
graaminnchen  418 

Saoniana  945.  977 
reodel  222.  464 
gHdr  493 

Sima  997 
Hmhildr  395 
Grimoung  155 
Grimnir  632 
Grtmr  Oegir  969 
GHpir  84 
Gröa  346 
Grönjette  896 
grom  837 
ffroftrater  153 
GrAtti  1227 
GrzmUaa  1198 
gadia  78 
Gadinsberg  139.  890. 

1206 
Gäbicb  422 
gaetel  449 
Gakenberg  905 
Gallfaxi  623 
GalUnborsti  194.  1227 
Gallintanni  214 
GolUoppr  214.  623 
GallTeig  374 

Sinderebe  1163 
dngnir  134.  1227 
Gonnlöd  340.  855 
Gunnr  393 
gaogo  905 
Gnrorjrate  807 
gaatr  430.  598 
gate  fraa  401 
gato  holde  425.   1109 
gafe  Labbe  492 
gotenachbar  425.  468 
Gwodan  123 
Gwjdion     137.     331. 

384.  1214 
gtgr492 
Gyllir  623 
G^ir  1210 
Habonde  263 
Hadbarc  399 
Haddtngr  317.  322 
higteate  992.  1 192 
hafg^gr  456 
Hagano  344 


RE6ISTBR 


1239 


Hagbardr  121S 
hagebart  997 
hainal  710 
Hake!  875 
Hakelberend  133.  873. 

875 
Hakelberg  874  ff. 
Hakelblok  873 
Hakalabairands  1205 
hAleyflBge  1193 
hAlfriti  499 
Halja  288.  760.  799 
Halle  1000.  1001 
Hallinsktdi  214 
halpful  948 
Hamadio  178 
Hamar  166. 837.  1229 
Hamdir  178 
Hamglöm  603.  994 
bamlDgja  831 
hammer  951.  1171 
hampelmann  470 
hannetoQ  1222 
Hana  519 
hapt  23 
HAr  148 
Harbardr  134 
frau  Harke  232 
Harthgrepa  522 
barac  59 
baspelholz  618 
Hati  224.   668 
Heado  204 
Heardingas  321 
Hecate  902.  993 
Hedion  1232 
beiden  1198 
Heidi  603 
Heidr  374.  994 
HeidrAn  778 
beilawAc  551 
beiltgenfresser  1200 
beili86d  1060 
beimcben  414.  428 
Heimdallr    213.    537. 

1199 
Heimo  360.  494.  81 1 
Hein  415.  811 
bein  856 
beincben  811 
Hekelberg  953 
Hei.  225.  288  ff.  1135 
Helblindi  225 
Helgafell  61 1 


Helgi  361 
Helgoland  211 
Heliaa  343 
Helium  793 
helkappe  431 
bellegr^ye  945 
bellehunt  948 
hellekruke  1017 
Hellenen  501 
Hellequin  893 
bellengel  223.  942 
belljfiger  887 
belliruna  1178 
hellweg  761 
belothelm  432 
behlü  765 

HelToet  292.  764.  793 
Hemmerlin  166 
Hennil  71 1 
bonua  Henricua   1164 
Heofonfeld  213 
Hepb£8l  440.  536 
Hera  232 
Herbort  842 
Hercules  100. 108.  HO. 

147.  207.  337.  33a 

514 
Hercules  Saxanns  339 
Here  284.  644 
Heremöd  149.  204 
HerBötr  373 
Herjafödr  778 
Herjan  778 
Herimuot  205 
Herkja  232 
Hermen  329 
hermen  107 
Hermes  101.  136. 137. 

800.  803 
Hermino  320.  326 
Hermunduri  107.  333 
Herodias     260.     599. 

885.  1011 
beros  316 
berrawaga  687 
Hertba  234 
berlinga  316 
Heru  185 
Henrör  396 
Hesus  185 
beyan  661 
berenring  333 
bexe  992 
bexenluBcb  1212 


Hiadntogar  893 
HickeniU  330 
Hildegrlm  217 
Hildr  393 
Hilta  189 
Himeleaberg  662 
Himinbiörg  213.  662 
Hinze  471 
Hinzelmann  471 
hirrligspor  868 
Hiuki  679.  680 
binri  866 
HIadoIet  119 
HIadgadr  396 
Hl^r  219.  837 
Hlesej  220 
HlidskiAir  124.  778 
Hltr  1101.  1102 
Hllfbursa  1101 
HItn  828.  83a  843 
H16dyn  235 
Hlöck    373.  393.  841 
Hlörridi  152.  170 
Hludana     235.     837, 

1211 
Hnikarr  135.  861 
Hnikudr  457 
Hnoss  840 
bobgoblin  470 
Hodeken  432 
Hödr  204.  783 
Hmnir  137.  14a  783 
börgabrodr    103.  603 
HöUr  977  ' 
bof  75 

H6fyarpnir  850; 
Holda244ff864.  887 

899.920.  1211 
bolden  455.  1027 
frau  Holle   245.  1042 
Hollefrau  1212 
HoUepeter  482.  1212 
Hollepopel  473 
Hollezopf  433 
boltaj[>6rr  162 
bolzbund  1190 
bolzroeier  811 
bolzweiblein  403.  451. 

885.  1231 
Hopfenbutel  473 
Horant  861 
bornbUse  1013 
bomtroU  656 
bomf»ula  1014*  .' 


1240 


REGISTBÜ 


Hortelberg  887.  1004 
Hotherofl  402 
Hrctyelgr  599.  00t 
hrliWadubd  t087 
HrMa  186 
Hrede  266.  839 
HrtiDgerdr  499 
hrtrojburs  498 
Hr6do  1211 
Hromolao  155 
HropUt^r  178 
HrotshArtgrani  818 
Hrdognir  494.  499 
Hraodo  187 
hone  489 
Hätchen  476 
fraa  Hält  499 
Hugdietrich  1215 
Hugino  134.  637 
HaldaDa  1211 
Huldra  249.  421.  898 
floldreslat  438 
Huldofölk  421 
hundessattel  1027 
Haoger  842 
buDgerbriinne  557 
Hunne  490 
huosi  35 
huorco  454 
hüsiDg  468 
hnzd  922    . 
Hrergelmir  530 
hTÜa  qtinna  907 
Hyfjaberg  1102 
Htmir  496 
Hyndla  87,  773.  1007 
Hyrrokin  509.  1006 
jSUe  486 
lafnbAr  148 
lalkr  339 
lardar  inegin  608 
lardar  meo  609 
iarknasteinn  1167 
iarnbaus  494.  500 
larntaxa  500 
laroTidjar  451 
Ibor  336 
IdaTÖllr  783 
Idisiariso  372 
Idunn  216 
Jesus  119^ 
Jettha  85.  486 
llija  157.  159      . 
imago  94 


ImelAt  358. 
Imelange  liort  953 
incobo  479 
incobns  449 
iDgeslde  468 
Ingo  320 
ingoamo  468 
ioTeitan  26 
lörmuogandr  225 
lörmangrand  107 
Fötonheimr  497 
iötUDD  485 
Jobannes  54 
JobanoisabeDd  555 
Jobaonisfeaer   582   ff. 
Jobaoniagürtel  1162 
jol  664 
iotan  487 
IriDg  332.  333 
trmansdl  104  ff.  327. 

759 
Irmino  325 
Imyrit  333 
Irpa    87.    102.    603. 

1216 
Irregaog  869 
Isaogrin  218 
Isaroa  345 
Isco  320.  538 
Isis  108.  236 
Iskrzjcki  480.  86 1 
ispolin  493 
Issi  979 
Istio  325 
itis  87.  372 
juger  1027 
Jugnla  1223 
jälbock  483 
julgalt  1 188 

iumala  xxtiii 
UDgbrunae  554 
Juno  603 
Jupiter  63.    96.    109. 

110.  153.   159.  819. 

1055.  1201 
Jup.  apennittus  1207 
Jup.  ardens  99 
Jup.  dapalis  1185 
Jup.  niger  945 
luwaring  332 
lyaldi  423 
tridja  451 
kamban  1200 
kapeltrete  1200 


KAra  395.  396 
Kiri  598.  602 
Karlwagen  13a  687 
katermaon  471 
Ratzenyeit  448.  471 
keyerpioni  1222 
Kifbättser  906 
Kirkegrim  461 
Kirl  227 
klagnwUer  1088 
kliDtekönig  892 
kobolt  468  ft 
koleda  594 
kollki  449 
korr  416 
korred  424 
kralemoc  119 
Rrampus  482 
kres  590 
Krfmbilt  218 
Krodo  187.  228.  728 
Rrooos  200 
Kuga  1140 
kukaritza  646 
kupalnitza  591 
Kupalo  591 
kou  1223 
Kreldülfr  1007 
Lada  118 
Laertes  1214 
Lasradr  778 
Laima  ä87 
Lamia  467 
laudAs  171 
Laogbardr  124.  905 
Langbein  523 
lar  468.  865 
larya  468 
Laufey  225 
Lauma  695 
Laurin  422 
Leiptr  1219 
Lei  339.  743 
Liber  193 
lindwurm  652 
liufllngar  425 
Linmendiog  851 
Lodr  148.  221 
Logi  220.  221 
Lokadaun  868 
Lokj  221  ff.  514.  963. 

1210 
Loptr  225.  598.  836 
luppe  492 


ftCGlSTSIt 


1241 


Locia   1219 
Lucifb^  936 
Lacina  1128 
ludegheer  683 
Luoa  92.  lOS 
luoti  437 
LMrlenberg  933 
lotiD  475 
Latterborn  1219 
lyncuriuB  1169 
Maoabre  810 
Machaoo  1101 
MadalgAr     360.    405. 

1160 
mere  433 
Magila  1137 
Maglore  384 
MagDi  784 
Magonia  605 
maigraf  736 
inaira  1194 
raalfeu  569 
malleus  951 
Mamurienda  731 
MAnagarmr  224.   668 
Managolt  498.  tl60 
Matiala  766.  815 
onanas^fts  753 
mandragora  1154 
mandacuB  1036 
maoes  865 
Mini  666  ff. 
MAnins^o  671 
manleika  93 
Mannas  319.  544 
Manoratha  1227 
Mansberg  887 
DoaateHahre  1024 
Manus  541.  544 
Marena  7dl 
marg^gr  456.  459 
Maria  159.    (66.  246, 

248.280.388«  1101. 

1143 
Mariedgarn  744 
Marienkfifer  658 
Marientchüh  1145 
Marierok  689 
mariflAiy  567 
marmennil  405 
Marfl96. 100. 108.109. 

110.  178  ff.  237. 239. 

327.  616.  036.  891. 

958.  999. 


Marao  330 
Marspiter  178 
MarlinsTögel        1083. 

1233 
faDuin  Marlis  1203 
Marzana  733 
masca  1036 
matrona  1194 
Matuta  464 
mausschlSgel  1044' 
meldropi  607 
mella  493 
Mellonia  660 
Meltifine  405 
Memerolt  494 
Memnon  704 
Mendelberg  154 
Menglöd  86.  250.  284. 

395.  1102 
Menja  498 
Mennor  319 
Mercurius     100.    101. 

108.  109.  110.  117. 

136.  327.  357.  929. 

949.  999 
mergriez  1169 
meriiDinni  404.  455 
Merlin  1158 
mernieut  602 
Merovinge  364 
Mersberg  1209 
merwtp  404 
merzaiöUi  643 
Mesitocb  196 
metod  20.  1199 
metten  379 
BiezzeD94.  129.  1199 
Michael  796.  797.  819. 

830  1184.  1226 
mildjungardf  754 
milch mutter  651 
milchstrafee  331 
miltou  607 
Mlmameidr  353.  635 
Mlmi  352.  353 
Mlming  352 
Mlmir  84.    663.  665. 

liOt 
Mlmisbrunnr  553.  756 
Mimminc  349 
Minerra  1144 
minne  52 
Minne  1230 
Diinni  404 


Miölrfir  164.  1171 
MSA837 
MitotilFeitin  1156 
mithras  300 
mödraneeht  714 
mödurntt  608 
moereiD  386 
Molnija  1171 
moly  1233 
monat  671 
montjoie  154 
moosleute  451.  885 
mora  433 
Morena  801 
m Organ  709 
Morgana  384.  607 
Morgue  1215 
M5t80gnir  527 
mudtpelli  769 
müemlein  1081 
mugwort  1162 
fnumhart  473 
mnmling  458 
mammel  457.  473 
Mummelsee  564 
Mundilföri  666 
Munja  157.  1171 
Muninn  134.  637 
niunljoT  154 
mnome  451 
Muotesher  887.  1199 
Musa  854.  863 
Muspilli  568 
myrüridlr  401 
nabelstein  1225 
nachtmar   1194 
NAdala  841 
Naglfar  774 
naht  698 
nahtfara   1009 
nahtfrows  1009 
nahtoir  1007 
nahwe  801 
N41  981 

Nanna  202.  456 
Napfhana  478 
Nari  225 
nebelkappH  431 
nebelschif  606 
Nehaea  390 
Nehadennia  236.  390. 

456 
nennir  458 
Nentigdr   1210 


1242 


KBGiSTKII 


oeonennT^ag  78t 
Neptimafl99.  tlO.  I3ö, 

23a  289.  457.  465 
Neri  380 
Nertereani  1211 
Nerthas  197. 230.  231 
Niardar  yöttr  1143 
Nibelot  358 
Nibelunge  531 
Nibling  930 
nichofl  456 
nicker  456 
iiicor  456 
nid  672 
Nidhöggr  760 
Nidi  673 
ntdsUang  625 
NieUen  472 
Niflheimr  1520.760.763 
Niflhel  289 
nighlmare  433 
nigromanzie  989.  1065 
nikuz  135.  457 
nimidas  614 
Niördr  197  fiL  321 
niflien  472 
oiumAoi  672 
nixblume  457 
nixe  457 
Noab  541 
nobiskrug  954 
nodfjr  570 
norn  376  ff. 
notfeuer  571  ff!i 
nt  672 
N^i  673 
Ntr  422 
Oberon  421  ; 
Oceanas  217.  541 
October  1002 
OdAioBakr  783 
Oddiner  1199 
Oddrdn  1128 
Odebero  638 
Oden  540 
Odenberg  905 
Odensfors  145 
OdhroBrir   855.858 
Odinnl20ff.322.323. 

389.  818.  855.  940. 

970.     1067,    1086. 

1176.  1181.  1206 
Odinsair  144 
Odia»ey  144  .  • 


Odinshani  145 
OdinsTB  144 
Odr  281.  858 
Oegir  216.  217 
Oegisdjr  219 
Oegisbialmr  217 
Ökujb6rr  151 
ölp  411 

Ölrdn  353.  376.  396. 
«  1175 
Örboda  tlOl 
Örgelmir  496 
örlög  381 
ÖrTandill  34a  686 
Oetc  537 
Oescingai  324 
Offa  361 
Ofnir  649 
Of6ti  996 
Ogautan  607 
Oggewedel  955.   1231 
Ogier  913 
Okkupernis  603 
Olaf  49a  517 
olbrzym  493 
Olda  248 
OoMomica  467 
omaja  559 
Omi  131 
öminnisöl  1055 
Onar  697 
Onsingar  1206 
Onaike  145 
Opa  233 

Orcua  291.  432.  454 
Orentel  347.  348 
Orion  689.  693.  901. 

902.  XXXIV 
Ormuid  936 
Orpbeua  861 
oaoillam  68 
Oskabjr  135 
Oakaateinn  .1171 
Oaki  126 
Oaning  1204 
Oaaa  849 
Oatacia  1008 
Oatara  267.  26a  740. 

920. 
oaterfeuer  581 
otawa  1223 
Othin  102.  89t.  983 
Ofelgunne  953 
Oyida  1214 


piiwX  1223 
Paeon  1101.  1144 
Pakula  965 
palilien  592 
Pallaa  157 
Pallor  188 
Palnat6ki  897 
PaUar  201  ff. 
Pandora  536.  540 
Papalaga  560 
par  aon  laabe  707 
paro  59 
Paron  1198 
paratuk  419 
Parthenium  1144 
Paror  188 
Pedanque  258.  1212 
Pehrkonea   1163 
peklo  765 
Perknnaa     156.     160. 

1208 
Perun    118.  156.  733. 

957 
Peranika  1143 
pesadilla  433 
Peterle  956 
Peterminnohen  478 
Petra8l37.  1184.1217 
peukalo  1217 
pfanenzagel  685 
pfingaUcblfifer  746 
Pbaraildia  261 
Pboebua  110 
Phol  205  ff.  262.  581. 

599.  944.  94a  975. 
Pholeaouwa  206 
Pboleapiuni  207 
Pholeapronno  208 
Pholidi  208 
Pholmonat  749 
Picua  22a  638 
Pikullia  765.  965 
piladi  93 
pileati  81 
pilmaacbnitt  1217 
piloaua  '449 
pilwix  440  ff. 
pipen  452 
pilkfiinen  160 
Plejaden  691 
plompe  620 
Pinto  945 
Pogoda  603 
polednice  447.  Uli 


REfilSTBR 


1243 


> 


Polel  339.  743 
PoIIqx  106.  339 
Poltergeist  48  t 

Poljphem496.62t.980 
popel  473 

Poseidon  200.  559. 777 
Posterli  886 
Powielrze  tl37 
Prechtölterli  884 
preinscheube  445.  446 
Priapas  193.  1206 
prija  1212 

Prometheus  225.  963 
Proaerpina  290 
ProaerpiBaca        1143. 

1149 
pschipoloitza  447 
p6ki  468 
Pplletag  581 
PuQcher  1214 
pura  herba  609 
Purperona  561 
Qyasir  296.  855 
Radigatt  1  la  227.  804 
ragin  23 
ragnarökr  774 
Rahana  288.  1213 
raj  782 

rAkscbasas  493.  ^21 
ralcad  75 

R4n  288.  464.  837 
Rati  856 
Raabeis  404 
Raosch  947 
red  etin  494 
ReisaroTa  897 
rennpfad  476 
Rerir  340 
Renker  Uder  739 
rejnir  1165 
Rheda  839 
rhedo  839 
Rhein  567 
Ricen  268 
Rtgr  214 
Riksgata  335 
Rinda  230 
Rindr  63  t 
Robigo  446 
robin  472 
Rodenstein  892 
Rodentbaler  892 
rodor  662 
roggenmöme  445 


rokindusta  6 
Roland  107.  894 
rosenlacber  1055 
Rotbbarl  l6l.  517 
Rojdacb  1211 
Rojael  1206 
Räbezal  448 
rnttelweib  886 
rumor  851 
rumpelffeist  473 
Rumpelttilt  473.  515. 
Ruprecht  473. 482. 889 
ruaalki  460 
de  ruwe  463 
Saefugel  340 
Ssmlngr  341.  1014 
setere  226 
Birer  1226 
Saga  287.  863 
Sagones  863 
Sahsn6tl49.  184.  196. 

839 
saljan  34 
SAlida  822  ff. 
samohis  1158 
Sampo  1229 
SAmr  1199 
lapaude  382 
saribant  649 
Satere  114 
Satjayrata  228.  544 
Saturnu8  96.  109.  111. 

115.  117.  226.  227 
Satyrus  449 
sAuiI  664 
•äüip»  35.  49 
SaxneAt  184 
sceada  941 
Sce^f  342.  343 
Sceldra  342 
sceocca  954 
Scbalkflberg  645 
Bcbamir  925 
acbandlebacb  557 
Schenzerlein  958 
schepfe  379.  385 
Schilbunc  343.  931 
Sehiltunc  343 
Schmetterling  789 
Scbmutzli  483 
Scbnellerts  892 
Schrat  447 
schrawaz  448 
geschrndel  867 


schwanring  399 
schwarzekuh  63i 
ScilBngas  343 
Bcraz  447.  1217 
scret  448 
sedalganc  700 
8eeblau620.1 147. 1221 
SefaeöU  337 
Segemon  344.  1214 
segil  664 
seidr  988 
Seifriedsburg  930 
selago  1158 
selkenstert  433 
setlentoit  433 
«emideus  315 
Sevo  337 
shelljcoat  479 
Stbilja  631 
Stdgrani  134 
Stdböttr  l33 
Stdskeggi  134.  905 
Sif  286.  534 
Sigefugel  340 
SigegeM  340 
Sigeher  121 5 
Sigelint  399. 404.  1215 
Sigeminne  404.   1215 
Sigemund  344 
Sigeylf  402 
Sigfödr  122 
Sigi  340 
Sigmundr  790 
SigoTesus  580 
Sigrdrifa  395 
Sigriami  1214 
Sigrlinn  395 
Sigrün  395 
sigatein  1170 
Sigt^r  178 
Sigjn  225 
Sihora  24 
silyanus  448 
simnlacmro  94 
Sindgand  285 
Sindri  869 
Sinfiötli  344.  790 
sinista  78 
Sinneis  422 
SinUrfizilo  344 
Sippia  286 
Sisuthros  541 
Sitiyrat  U9 
Sita  286      ' 


»44 


RB6I8TBR 


Siyard      SnareMT^iMl 

1225 
Skadi  307.  640 
flkAld  83 
Skelking  995 
akeasa  493.  993 
akialdtnay  395 
Skinfaxt  62  h  699 
SkiOidr  146.  341 
Sköll  688 

skoganerte  455.    12 17 
aköhfll  454.  954 
akratti  447 
Skrtmir  508 
Skuld  376.  393.  994. 

995 
akurdgod  102.  1204 
SlagBdr  353.  397 
SIeipoir  140. 629. 1221 
Smertnifza  1141 
Smrt  731 
Soier  598 
Snotra  843 
söedrouea  458 
SökoTabekkr  863 
SoiDi  519 
8ol  92.  108 
86«  285 
Sompar  61 
S«n  855.  857 
Sonne  666  ff« 
Spali  493 
Spange  S40 
apeht  1222 
Spehteshart  1144 
aporkel  749 
apringwur^el  Q34 
Sretja  831 
SHbhrAtri  1221 
Stabs  xLYii 
Starkadr  497.  81  ß 
stelbom  686 
Stempe  255 
Stepcnea  956 
Stephanus  1|84 
ateUgot  468 
atillea.^l^  425 
stöpke  955 
stollenwarn»  1222 
8t6ma  XI.TII   ' 
striggeli  886      . 
jlftaszjdlp  475,: 
atreckefnfa  812:   .,;. 
Stribog  598  .. 


atrömkarl  461 
SuAp  328 
Sueyo  336 
Sumai:  719  ff. 
aunewende  584 
aangiht  584.  667 
Sanja  286 
Sunna  285 
Sannenfrob  703 
Sunnen  bas  17 
Suptüngr  489 
Siurtalogi  775 
Sartarbrandr  lt72 
Surlr  768.   769.   770. 

784.  1134 
Suttängr  489.  855 
STadatU  1199 
Svadilfari  514.  621 
Sf  Afnir  649 
Svanterit  804 
sTart^lfar  414 
Syarthöfdi  994 
STiaudr  719 
STatoplok  9>13 
SratoTit  913.  xlvii 
Sfaya  395 
aTefoboni  tt55 
STen  VäT^Qg  345.  397 
Syen  Ffildiog  345 
SyjatoTit  629 
Svfdr  121 
Sjn  286.  843 
^ritha  28t 
Tagarod  709-  838 
talamasca  867 
Tamfana  1062 
Tamlane  888 
Tanaqytsl  198 
Tanfa  1211 
Tanfana  70,  2^  256 
Tanbfioaer  888.    1230 
Taranfa  153 
tarn  kappe  4^1 
Tartaroa  764 
Uterman  469.  iJQ 
Taun^aia  i!}15 
Te«  355.  1214 
tempestarii  6Q4.   1040 
TeroBWgant  (37 
Te^  1209 
Terragan.  137 

teofel8brant.960 
teafelsmoller  959  .,  . 
TbarapHa  67, 


tbanscUei^er  747 
thaaatreicbar  1026 
Ibegatbon  64 
tbeiha  750 
Tbetia  464.  592 
Tfaeutb  136 
Tbiassi  686.  497 
ThiodTarU  1101 
Tb6rgerdr87, 102. 103. 

603.  995.  1043 
Tbörbialm  1145 
Tb6rketill  56   170 
rb6rr  102.   103.  146. 

147.  497.  503.  50a 

512.  521.  8ia  98a. 

1165.  1198 
Tbdrsflsörk  169 
Th6rsnes  1208 
Tb6rTidr  1208 
Tbridi  148 
Tbrudgdmir  526.  529 
Tbrudr  394 
tbrutafill  1233 
Tbrjinrl65.  497.836. 

1209 
Tbundr  1.206 
Tbnro  666 
tbura  487 
TilaSS« 

Tina  177.  697.  1207 
Tia9  275 
Tiua  175.  181 
UuTelwiniuo  968 
Ürar  176 
Tiyisco  176.  319 
geratter  Tod  813 
todtenscboh  795 
Toko  354 
tomte  1217 
tomtekarl  468 
Tonans  153 
Tordenreir  1209 
Trempe  256r 
tremsemutteF  M^. 
triegen  432 
Trip  909 
TrisDiegist  137 
tröU  956.  993 
Tacbernibcg.  93|6 
Tscbad  493 
Tuisco  i76.  318 
heiligo  tupnb^fi  495 
Tamme  510v 
tang<ri,663   ' 


m* 


tonkelBterne  686 
tuomestac  775 
Tuonela  815 
iaooen  l^oira  1232 
Turrisas  892 
Totoael  874 
Tjpbon  603 
T^  175  ff. 
T^rhialm  1145 
T^Tidr  180 
addehat  426.  432 
Ulfen  1216 
ÜUerbock  1050 
ügarlhilocaa  972 
oblsceada  652 
Ukko  160.  1207 
Ukoo  koira  1027 
ülfhedinn  1232 
ulf,  ülve  411 
Ulms  339 
Ullr  209 
Uofalo  944 
UDffczibel  1200 
unbolda  942 
unboldnre  1001 
unk  650 
unnaratemn  611 
unterirdische  423 
Uokeaaha  218 
Uokewedel  1231 
Uranus  175.663 
Urdarbrunor  400.  553. 

756 
ürdr  376.  379 
urlac  817 
Utgardaloki  223 
Vada  350 
Vaf^rddnir  496 

▼agg«  781 
Vagobofdi  499 
Vala  374 
Tilant  943 
VAlaskiAlf  778 
Valfrevja  391 
Valböfl  133.  778.  1225 
Vali  148.  784 
Valis  344 
f alkjija  389.  800 
Valtamr  290 
Vanadla  374 
Vanlngi  198 
Vauir  198.  308 
Vasadr  719 
Ve  58.  148 


Vedrfölnir  757 
Vedrhatlr  607 
Vegtamr  148.290. 1207 
Vela  1226 
Velaodsurt  1145 
Veleda  84.  85.  374 
capillus  Veneris    1146 
Venus  117.  239.  413. 

424.  1230 
Venusberg  887.    88& 

1008.  1230 
Veorr  171 
Yerdandi  376 
Vereide  262 
Ver^iliae  691 
Tergifsmeinnipht  923. 

1152 
Versiera  940 
Vesta  212.  577,  1185 
Vetrlidi  633 
Victoria  406.  844 
Vtdar  784 
Vidölfr  994 
Vidrir  8^6 
Vldförull  148 
▼jeachlitsa  1031 
Tiht  410.  1216 
Tik6  115 
Vila  407 
Vilbiörg  823 
rilcodlac  449 
Vili  148 
Vilkinus  349 
Vilmeidr  994 
Vinddlfr  430 
VindI6ni  719 
VindsTaIr  719 
Vlngnir  171 
Vingölf  780 
Vlogförr  170.  862 
Virgaot  157 
V6de]geAt  340 
V6denll0.1l7.120ff. 
V6dneBbeorg  139 
▼öU  87 
Völnndr  350 
Vor  286.  843 
Volland  944 
Voimar  477 
Volos  592.  1233 
VAma  131.  188.  707 
V6n8toc  1206 
Vrene  1212 
Vronelde  263.  1214 


Va]canu8  92.  108.  568 
Vulturnus  600 
VuscfreÄ  192.  340 
Vut  120 
Vyrd  377  ff. 
WAchilt  405.  465 
wadel  674 

Wäinämöiiien854.860 
Wetlingastrast  1214 
Wahrheit  844 
wabtelbein  949 
Walburgiskraut  1161 
waldbauer  500 
Waldemar  895.  896 
waldes  t6re  1218 
waldin  374 
waldilojis  1215 
walkyrie  133 
waltant  19 
Waltminne  405.  451 
Waodu  545 
warg  948 
Wams  1205 
wasch  weibere  1217 
wasserypgel  562 
Wate  330.   1101 
waterkiod  463 
Watliogstreet  330 
waywarden  1215 
wazzerholde  246 
wecbselbalg  437 
Weckolter  618 
Wedekind  906 
wedel  674.  1223 
weg  breite  1165 
wegewarte  787 
Wejas  545 
weise  1168 
Welanao  1226 
Weletabi  1035 
Welnas  814 
welrecke  389 
wendilmeri  567 
weralt  752 
werewolf  1048 
werpeja  388 
Werra  251.  964 
Wesna  733.  741 
Westergibel  701 
Westerwald  437 
Wetter  515 
wetterhexe  1042 
Wich  184.  xLvii 
wicht  408.  409.  410 


124« 


RBGISTER 


wiebcel  409.  4^433. 

442 
Wieglesdör  219 
WieraDt349.350.  519. 

1101 
wiesenhapfer  789 
wih  58 
wihseling  437 
wifde'  mann  454 
wildes  fener  163 
wildiu  wtp  403 
wtlsAld«  817 
Wind  515 
Windhelm  807 
Windisprüt  598 
Wintarolf  719 
Wifllau  745 
Wiuich  349 
Witugowo  451 
W6dan  102  ff. 
Wödanea  dag  114 
Wode  141.  142.  876 
Wodeneaweg  1 3a  143 
Wbdenstorp  1206 
Wodesterne  145 
Woedenspanne  145 
Wöhhanda  565 


Woenlet  145 
Woenadrecht  140 
Woenael  1206 
WQld  142 
Woldar  662 
Wolfbizo  1093 
Wolfdielricb  1215 
Wolfgang  1093.   1189 
Wolfhelan  1232 
Wolgemut  1015 
Woherken  471.  457 
Woadan   1205 
woulerken  472 
wrag  948 

wöeiendea  heet  471  ff. 
wfieterich  121 
wünsehelgerte  926  ß, 
wünachelnnt  432 
wtinschelweib  391 
wonderbarg  932 
wunderer  895.  983 
wannigarto  781 
Wunsch   126  ff.   390. 

827.  842.929.  119a 

1205 
Wuotan  55.  99.  112. 

120  ff  603. 871  ff.  999 


Wuotanaberg  139. 976 
WuotaDS  wagan  138 
Wnotilg6z  340 
Wuotune  121.  958 
Wurl  377 
Yggdrasil  66.  756 
Yggr  132.  188.842 
Tlfagescot  429.    1192 
Ymir  525.  527 
Fngfi  320 
sartgarto  781 
ZemenYle  231 
zepar  36 
Zephjr  597 
Zeui   153.    157.   160. 

175.  176.  854 
Ziesberg  180 
Ziestac  112.  113 
Zigelinta  1144 
Zio  112.  175  ff.  999 
Ziowari  180 
Zisa  244.  269  ff. 
sftTogel  643 
Ziza  269 
lunder  649 
zwerg  415  ff. 
Zjwie  643